Der größte Kapitän aller Zeiten von Dave Eggers

Der größte Kapitän aller Zeiten von Dave Eggers - AstroLibrium

Der größte Kapitän aller Zeiten von Dave Eggers

Muss ein Literaturblogger unpolitisch und neutral sein? Ist Literatur unpolitisch? Oder muss sie ihre Finger in die Wunden gesellschaftspolitischer Probleme legen, auf Missstände hinweisen und sich zum Sprachrohr der Sprachlosen erheben? Ist es nicht gerade die wesentliche Aufgabe der Intellektuellen und Künstler, mit ihren Mitteln dafür zu sorgen, dass relevante Themen nicht unter den Tisch gekehrt werden? Nein, ich bin in jedem meiner Artikel politisch, meine Grundwerte sind die Basis meiner Rezensionen und die hier vorgestellten Bücher werden auf dieser Werte-Waage abgewogen und für wichtig, unwichtig oder überlebenswichtig erklärt. Ich bleibe mir treu und wähle mir die Bücher aus, an denen ich mich reiben kann, die meinen Horizont erweitern und die es zu lesen gilt, will man auf der Höhe der Zeit nicht in den geistigen Sinkflug geraten.

So war es nur logisch, dass ich die satirische Streitschrift von Dave Eggers nicht nur lesen, sondern auch hören musste. „Der größte Kapitän aller Zeiten“ schlug in den Vereinigten Staaten hohe Wellen. Von Majestätsbeleidigung war hier die Rede, von einem Anschlag auf die höchste Autorität des Landes, von einer Terrorattacke auf den Präsidenten der USA. Was war geschehen? Was hatte der Romanautor Dave Eggers in seinem neuesten Buch in Umlauf gebracht? Er, der Autor, der sich immer wieder mit gesellschaftskritischen und auch sozial-politischen Themen auseinandersetzt, dem man aber nie den gezielten Angriff auf einen Akteur des aktuellen Zeitgeschehens vorwerfen konnte. Hat er wirklich Donald Trump satirisch durch den literarischen Kakao gezogen und ihn damit weltweit der Lächerlichkeit preisgegeben? Ja, er hat. Und wie!!!

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Der größte Kapitän aller Zeiten von Dave Eggers

Hierzu wählt Dave Eggers ein Bild, eine starke Metapher aus, die sich allen Lesern in aller Deutlichkeit erschließt. Er verwandelt die Vereinigten Staaten von Amerika in ein riesiges Kreuzfahrtschiff, das seit ewigen Zeiten auf den Weltmeeren unterwegs ist. Mit Tausenden von Passagieren an Bord hat man die unruhige See besiegt, Kriege und Stürme überstanden und gilt als absolutes Vorzeigeboot für ein intaktes Gemeinwesen. Wäre nicht der scheidende Kapitän, der „Admiral“, von Bord gegangen um auf einer idyllischen Insel seinen verdienten Ruhestand zu verbringen, die Glory wäre wohl weiter auf ihrem gewohnt sicheren Kurs geblieben. So jedoch musste ein würdiger Nachfolger gefunden werden. Jemand, der in der Lage wäre ein solch gewaltiges Schiff mit seinen Passagieren sicher über die Weltmeere zu navigieren.

Spätestens hier greift die fatale eggers´sche Metaphorik. Es ist unvermeidlich, dass nicht der qualifizierteste Anwärter gewählt wird, sondern die größte Nulpe an Bord, die sich einen Spaß daraus macht, mit leeren und provokanten Thesen das Ruder an sich zu reißen. Schon hier haben wir uns in der Story verfangen und müssen unser Lesen oder Hören mehrfach unterbrechen, weil wir uns vor Lachen kaum konzentrieren oder auch nur näherungsweise halten können. Wir werden an den Wahlkampf von Donald Trump erinnert, sehen das atemlose Erstaunen in den Gesichtern der Entsetzten, aber auch den grenzenlosen Jubel jener, die endlich mal was Neues probieren wollen. Jeder Satz von Dave Eggers trifft ins Schwarze, jedes Bild funktioniert und gemessen an der heutigen Realität gewinnt die Satire stündlich an Sprengkraft.

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Der größte Kapitän aller Zeiten von Dave Eggers

Ich bekomme das Bild vom Kapitän mit der wetterempfindlichen gelben Feder am Hut nicht mehr aus dem Kopf. Dabei wird er den Ansprüchen der Passagiere schnell gerecht. Er krempelt alles um, verspricht das Blaue vom Himmel und wirkt souverän und selbstbewusst, als wisse er, was er tut. Und was er nicht hinbekommt (also alles, was es braucht, um ein gigantisches Schiff zu steuern oder zu navigieren), wird dem Größten Kapitän aller Zeiten von seinen treuen Gefolgsleuten eingeflüstert. Man muss kein allzu intimer Kenner der US-amerikanischen Regierungskreise sein, um die von Dave Eggers beabsichtigten Ähnlichkeiten mit den handelnden Personen der Trump-Administration zu erkennen. Wegbereiter, Wegbegleiter und geheime Einflüsterer werden schonungs- und rücksichtlos entlarvt. Bis hin zur geheimnisvollen Stimme aus dem Lüftungssystem die dem Kapitän mit Ratschlägen zur Seite steht. (Sein Chefberater Stephen Miller ist hier brillant getroffen). Nie zuvor war die Stimme aus dem Off so herrlich überzeichnet und so real zugleich.

Dave Eggers spannt seinen Satirebogen über alle relevanten Themen der Zeit. Der Rassismus an Bord blüht auf, Ausgrenzung wird zur Machtbasis, Fakenews regieren im Wechsel mit widersprüchlichen Anweisungen. Sexismus hat Hochkonjunktur und nichts ist dem „Größten Kapitän aller Zeiten“ heilig. Kritiker werden beseitigt, und die eigene Familie wird bei der Vergabe wichtiger Positionen maßlos bevorzugt. Dave Eggers hat nicht nur den Kapitän im Visier. Er beschreibt auch, warum dieses System funktioniert und wie die Passagiere an Bord der Glory wirklich ticken. Es ist nicht so sehr die Angst vor dem Kapitän, die uns zunehmend in Panik versetzt, sondern die Willfährigkeit jener, die das alles sogar noch gut finden. So funktioniert Populismus. Ohne Resonanzkörper wäre das nicht möglich. Hier legt Dave Eggers die Finger in die Wunden der gesamten Nation. Aus einer Satire wird eine bitterböse Utopie, die sich an der Realität reibt.

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Der größte Kapitän aller Zeiten von Dave Eggers

Eine treffende und entlarvende Satire, in der sich der Autor nicht darauf beschränkt, den Istzustand seines Landes auf die literarische Schippe zu nehmen. Nein, mitnichten. Er geht einen bedeutenden Schritt weiter und präsentiert die anderen Kapitäne, die auf den Weltmeeren ihr Unwesen treiben. Er erzählt die Geschichte bis zum bitteren Ende. Ein Ende, das vielleicht ein wenig Hoffnung macht, aber auch zeigt, in welcher Gefahr man wirklich schwebt, wenn man einem Populisten blindlings folgt. Diese Satire kommt mit 125 Seiten aus. Eggers braucht nicht mehr Raum. Er versenkt den Pott mit einigen gezielten Volltreffern und lässt uns ratlos zurück. Jede aktuelle Nachricht aus den USA lässt das Bild vom „Größten Kapitän aller Zeiten“ aufleben. Das wird man nicht mehr los.

Im Hörbuch ist es Matthias Matschke , der uns zwei Stunden und 37 Minuten lang in der vollständigen Lesung zu Passagieren der Glory macht. Wer sonst könnte uns diese Geschichte so intensiv näherbringen, wie der Gewinner des Hörbuchpreises 2020 in der Kategorie beste Unterhaltung. (Achtsam morden lässt grüßen). Diese Stimme ist systemrelevant für diese Satire. Matschke läuft zur Höchstform auf, wenn er Sprachrohr eines Autors wird, dessen Stilmittel durch Überzeichnung der Realität zur Kunstform im Sturm der Zeit mutiert. Allein der (mit Verlaub) Schwanzvergleich des aktuellen Kapitäns mit seinem Vorgänger ist hörenswert… Das kann nur Matthias Matschke:

„NOCH WAS ÜBER MEINEN P-NES:
VIEL BESSER ALS DER VOM VORHERIGEN KAPITÄN!“

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Der größte Kapitän aller Zeiten von Dave Eggers

In diesen Tagen kursiert ein Text im Internet, in dem Donald Trump mit dem Kapitän der Titanic verglichen wird. Zugegeben, eine wirklich einfallsreiche und lustige Idee, die sich allerdings die Kritik gefallen lassen muss, dass sie die reale Gefahr verharmlost. In „Der größte Kapitän aller Zeiten“ wird klar, dass die eigentliche Bedrohung nicht von außen kommt. Man hat den Eisberg längst an Bord der Glory und ihm sogar noch das Kommando übertragen… 

Hier geht es zu meiner kompletten Dave-Eggers-Bibliothek

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Northanger Abbey von Jane Austen – Das Hörspiel

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Northanger Abbey von Jane Austen

Sie ist ebenso legendär, wie geheimnisvoll. Ihr Name steht für die große Literatur in einem zeitlichen Kontext, der es Frauen eher schwermachte, die Feder zu erheben, um sich Gehör zu verschaffen. Die Rede ist von Jane Austen. Es gibt große Lücken in der Biographie der großen Schriftstellerin, die bis heute nicht geschlossen werden konnten. Im Rätselhaften liegt hier die Faszination begründet. Ich las „Vernunft und Gefühl“ und zelebrierte auf meinem Blog ihren 200. Todesstag. Was für mich in Jane Gardams „Die geheimen Briefe“ mit der geheimnisvollen Affäre der jungen Jane begann, setzte sich schon wenig später mit ihren Briefen fort. „Ich bin so gütig, Dir wieder zu schreiben“ ist extrem aufschlussreich, weil ich auch in diesem Buch auf ihr dreijähriges Schweigen stieß, das so viel Raum für Spekulationen über ihr verborgenes Liebesleben bietet. Hat Jane Austen sich selbst Modell gestanden für Romane, die man mit ihr verbindet? Lesen wir heute ihre eigene Geschichte, bestens verborgen im Korsett der Zeit und zwischen den Falten der Reifröcke ihrer Romanfiguren? Wir werden es wohl nie erfahren…

Auch in dem feinen kleinen Reclam-Brevier „100 Seiten Jane Austen“ findet man kaum Greifbares zum autobiografischen Aspekt ihres Schreibens. Dafür wird man jedoch in lustig komprimierter Form auf Stand gebracht und kann locker jede Frage zu ihr beantworten, wenn man mal auf dem heißen literarischen Stuhl sitzt. Für mich steht jedoch fest, dass ich ihr vielleicht Hof gemacht hätte. Die Faszination für diese Frau ist ungebrochen. Ein Abendessen an ihrer Seite, ein Gespräch mit ihr und alle Zweifel am Wahrheitsgehalt von „Stolz und Vorurteil“ würden sich wohl in Luft auflösen. Ich fand im Hause Der Hörverlag neue Nahrung für meine Leidenschaft. Ein echtes Hörspiel in optisch ansprechender Aufmachung erregte meine Aufmerksamkeit. Das CD-Case mit Funkel-Glitzer-Faktor und einem Booklet passen zum Thema. Britisch, adelig und voller Seitenhiebe auf die pseudo-royale High Society zur Zeit der Jahrhundertwende 1798 / 1803.

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Northanger Abbey von Jane Austen

In dieser Zeit schrieb sie Northanger Abbey“. Und wie sie schreib. Keine Lovestory und kein Herzschmerz, keine intensive tiefenpsychologische Auseinandersetzung oder paartherapeutische Seelenstudie. Nein. Es ist fast satirisch, wie sie die Handlung ihres Romans in ein Szenario einbettet, das nicht nur tiefes Schmunzeln verursacht. Ich treffe auf die junge Catherine Moreland. Kein Mädchen aus bestem Hause. Sicher nicht die beste Partie auf dem hart umkämpften Heiratsmarkt, aber eine lebenslustige aufrechte und weltoffene junge Frau, mit der man gerne ein paar Pferde gestohlen hätte. Und sie liebt Gruselromane. Je schauriger, je besser. Je verworrener, desto lieber. Kapitelweise saugt sie den Schauder auf und lässt sich in ihrer Fantasie beflügeln. Bezaubernd…

Als sie von guten Freunden der Familie zu einem Ausflug nach Bath eingeladen wird und sich dort in den extrem charmanten Henry Tilney verliebt, gerät ihre heile Welt aus den Fugen. Im Widerstreit der Gefühle wird sie nun zum Spielball einer Gesellschaft, in der es gilt, mehr zu scheinen als zu sein. Hier zelebriert man das adelige Lebensgefühl einer privilegierten Upper Class. Hier stellt man sich und seinen schier unermesslichen Reichtum zur Schau. Nicht gerade die Welt, in der Catherine Moreland verhaltenssicher und souverän agiert. Es kommt ihr vor, wie in einem Traum. Und als sie dann auch das Interesse eines weiteren vielversprechenden Mannes weckt, weiß sie nicht, wie sie sich zu verhalten hat.

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Northanger Abbey von Jane Austen

Es wird kompliziert. Rauschende Bälle werden besucht, zarte Beziehungen geknüpft, es wird geflirtet und getratscht. Es ist alles geboten, was das junge Herz begehrt. Man verabredet sich und versucht sich gegenseitig zu verkuppeln. Dreieckskonstellationen haben Hochkonjunktur. Und mittedrin die unbescholtene Catherine, die versucht allen Erwartungen gerecht zu werden. Als ihr Bruder ins Spiel kommt, der sich in eine junge Dame verliebt, wird von ihr erwartet, deren Bruder zu treffen. Überkreuz verheiratet es sich am besten. Da kommt der junge Henry Tilney gerade recht, der Catherine auf den Landsitz seiner Familie einlädt. Northanger Abbey.

Geheimnisumwittert, düster und so schaurig wie in ihren Gruselromanen vermischt sich Fantasie mit Realität. Ihre Offenheit und ihr Interesse am alten Familiengeheimnis der Tilneys brüskieren jedoch ihren Gastgeber, einen ehrenwerten General. Dass jener das junge Mädchen jedoch kurzerhand vor die Tür setzt, ist nun auch für uns mehr als überraschend. Jane Austen hat natürlich eine Erklärung auf Lager. Sie lässt uns nicht im Regen stehen mit jener armen enttäuschten Catherine. Eine federleichte und spitze Satire auf den Jahrmarkt der Eitelkeiten der Schönen und Reichen zu ihrer Zeit. Nicht ansatzweise so ernsthaft und tragisch, wie ihre anderen Bücher. Und doch so viel mehr als eine Fingerübung.

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Northanger Abbey von Jane Austen

„Northanger Abbey“ ist wie gemacht für ein Hörspiel. Allerdings impliziert allein der Begriff schon eine hohe Erwartungshaltung an eine solche Romanadaption. Hier ist sie absolut gelungen. Vierzehn brillante Stimmen, vier virtuose Musiker und ein Komponist. Unter der Regie von Silke Hildebrandt beginnt ein szenischer Zauber seine Magie zu entfalten. Die Musik von Jakob Diehl lädt einerseits dazu ein, fröhlich das Tanzbein zu schwingen, ist jedoch andererseits auch in der Lage den schaurigen Fantasien unserer jungen Catherine Moreland ein gruseliges Echo zu verleihen. Atmosphärisch brillanter geht es nicht. 

Wenn dann noch die Stimmen ihre eigene Klangfarbe entwickeln, kann man nicht mehr aufhören zuzuhören. Ulrich Noethen als Erzähler, Anna Drexler als Catherine, Max Bretschneider als Henry Tilney. Mehr muss man Hörbuchliebhabern nicht sagen, wenn man auf die hervorragende Besetzung des Hörspiels hinweisen möchte. Und was das Gruseln angeht, kommt man wirklich auf seine Kosten. Es ist Simon Scardanelly, der auf unnachahmliche Weise der britischen Gruselliteratur Leben einhaucht. Und das auch noch in der Originalfassung. Lassen Sie sich überraschen. Hier wird aus Austens Debüt-Roman ein echter Klassiker. Einziges Manko: Alles endet nach nur zweieinhalb Stunden. Ich hätte noch einige Wochen auf Northanger Abbey bleiben können. Es war gerade so schaurig schön. Kompliment…

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Northanger Abbey von Jane Austen

Handeln statt hoffen von Carola Rackete

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Handeln statt hoffen von Carola Rackete

Aus der Rede eines Mädchens vor Delegierten einer UN-Klimakonferenz:

Wir haben das gesamte Geld selbst aufgebracht, um die 6000 Meilen hierher zu reisen und Euch Erwachsenen zu sagen, dass Ihr Eure Lebensweise ändern müsst. Das, was ich hier sage, meine ich Wort für Wort. Ich kämpfe für meine Zukunft.

Ich bin hier, um im Namen aller zukünftigen Generationen zu sprechen. Ich bin hier, um im Namen der… Kinder dieser Welt zu sprechen, deren Schreie ungehört verhallen.

Ich bin hier, um für die Tiere zu sprechen, die überall auf diesem Planeten sterben, weil es für sie keinen Platz mehr gibt. Wir können es uns nicht mehr leisten, nicht gehört zu werden. Ich habe Angst davor in die Sonne zu gehen wegen der Ozonlöcher. Ich habe Angst die Luft einzuatmen, weil ich nicht weiß, welche Chemikalien darin vorkommen.

Vergesst nicht, warum Ihr solche Konferenzen besucht und für wen Ihr das tut. Wir sind Eure Kinder. Ihr entscheidet, in was für einer Welt wir aufwachsen werden.

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Handeln statt hoffen von Carola Rackete

Ja, diese Reden sind gerade unsere Wegbegleiter. Sie zeigen auf, was Jugendliche von den Regierenden dieser Welt erwarten. Die Worte aus der oben zitierten Rede sind in aller Munde. Sollte man denken. Wer sonst sollte sie gesagt haben, wenn nicht jenes Mädchen aus Schweden, das gerade drauf und dran ist, die Welt wie wir sie kennen zu verändern? Nein. Diese Rede stammt nicht von Greta Thunberg. Sie wurde bereits vor über 17 Jahren in Rio De Janeiro von der neunjährigen Kanadierin Severn Suzuki vor den Teilnehmern am „Earth Summit“, einer UN-Umweltkonferenz gehalten. Sie hat mit ihren Worten die Delegierten bewegt. Punkt. Das war´s. Ohne Social-Media und ohne die Wucht einer medialen Omnipräsenz verpuffte diese Rede im Nirwana der Ignoranz.

1992. Mehr muss ich eigentlich nicht sagen, wenn ich den Versuch starte, den heute so intensiv verunglimpften Klima-Aktivisten und Aktivistinnen in der kleinen literarischen Sternwarte Gehör zu verschaffen. Mehr muss ich nicht sagen, um zu verdeutlichen, wie berechtigt die Vorwürfe an die Weltpolitik sind. Ergebnislose Konferenzen, Staaten, die sich hier verabschieden und die Veränderung des Weltklimas als Lappalie bezeichnen. Absichtserklärungen ohne Konsequenzen. Regierungsprogramme ohne Biss und doch immer bereit, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Aber wehe, jemand legt den Finger in diese Wunde. Wehe man versucht uns aus der Komfortzone zu argumentieren. Und wehe, es handelt sich bei den handelnden Figuren, die diesen Weg konsequent gehen, auch noch um Mädchen oder Frauen. Doppelt geeignet, um Ignoranz zu erzeugen. Es gibt keinen menschengemachten Klimawandel und Frauen sollen bitte tun, was sie am besten können. Also alles, nur nicht Einfluss nehmen. Oder sich einmischen. Oder den Mund aufmachen.

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Handeln statt hoffen von Carola Rackete

Kommt uns doch bekannt vor. Ohne Suffragetten kein Frauenwahlrecht. Ohne ein Aufbegehren gegen die männerdominierte Welt, keine Veränderung. Ohne Revolution mit zivilem Ungehorsam, Hungerstreik unter Inkaufnahme von Haftstrafen keine neuen Impulse in einer Männerdomäne. Und heute? Quotenfrauen. Unterrepräsentiert und in weiten Teilen der Gesellschaft unsichtbar. Wer sich dann auch noch traut, seinen Mund aufzumachen und sich für jene einzusetzen, die sprachlos sind, der wird zum Opfer und wie die sprichwörtliche Sau durchs Dorf gehetzt. Greta Thunberg ist ein gutes Beispiel, welchem Shitstorm man ausgesetzt wird, wenn man das Establishment (also Wirtschaft und Politik) stört. Weitere Beispiele? Nehmen wir doch einfach mal Carola Rackete.

Sea-Watch 3-Kapitänin, Retterin zahlloser Flüchtlinge im Mittelmeer, Aktivistin und Kämpferin für Umwelt- und Menschenrechte. Auf Lampedusa verhaftet, als Mittelsmann (sorry, Frau) zwischen Schlepper- und Schleuserbanden kriminalisiert und der illegalen Anlandung von Flüchtlingen in italienischen Hoheitsgewässern angeklagt. Vorurteil und Urteil sollten Hand in Hand gehen. Kapitänin ohne Patent, Beugung des Seerechts und kriegerischer Akt. Vorwürfe im Einklang mit Verunglimpfung und Rufmord. Nebelkerzen der internationalen Ablenkung, weil man, wie immer in solchen Fällen, lieber polemisch wird, anstatt sich mit Ursachen und Wirkungen auseinanderzusetzen. Jetzt hat Carola Rackete ein Buch geschrieben und dem Hörbuch die Stimme geliehen. Hier spricht sie das Schlusswort. Ich habe gelesen und gehört. Kritisch, jedoch frei von Ressentiments und Vorverurteilungen. Aufmerksam und selbstkritisch. Meine Aufmerksamkeit hat sie sich verdient. Sie wendet sich mit einem lauten Appell an uns alle:

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Handeln statt hoffen von Carola Rackete

Handeln statt hoffen. Aufruf an die letzte Generation.

Ich fühle mich angesprochen. Ich gehöre vielleicht nicht zur letzten Generation, habe aber meinen Teil dazu beigetragen, dieser Generation zwei Menschen beizusteuern. In dieser Beziehung trage ich Verantwortung. Carola Rackete lässt mich das spüren. Auf jeder einzelnen Seite. Mit jedem einzelnen Wort. Ich lese, höre und verfolge gleichzeitig die täglichen Nachrichten zum Klimawandel. Ich versuche jedem Argument der Autorin ein „Aber“ entgegenzusetzen und werde immer leiser in meinen Entgegnungen. Wenn ihr heute Aktionismus vorgeworfen wird, dann verweise ich nur auf das einleitende Zitat zu diesem Artikel. Wenn das Aktionismus ist, dann muss sich die Weltgemeinschaft mit dem Vorwurf der konsequenten Passivität intensiv auseinandersetzen. Carola Rackete leitet aus nachweisbaren Studien zum Klimawandel ab, stellt Zusammenhänge dar, die augenscheinlich sind, aber auf Blindheit stoßen. Sie verbindet Klimagerechtigkeit und Menschenrechte mit Flüchtlingsströmen und deren Auswirkungen. Ihre konsequente Bewertung, „mit dem Hoffen aufzuhören“ muss man angesichts der Realität teilen. Ihre Argumentation ist schlüssig, bestechend und basiert auf wissenschaftlichen Fakten, die nur jene leugnen, die persönliche Nachteile befürchten, wenn der drohende Ökozid ein Umdenken in der Gesellschaft verursacht.

Mir gehen im ersten Teil ihres Buches sehr schnell die „Abers“ aus. Ihre Position zur Rettung von Menschenleben auf hoher See entspricht meinem humanistischen und juristischen Weltbild. Seenotretter zu den verantwortlichen der Flüchtlingskrise machen zu wollen, entspricht dem üblichen Reflex der Besitzstandswahrung. „Sollen die doch bleiben, wo sie herkommen.“ Ein oft gehörtes Argument, verbunden mit der Angst vor angeblicher Überfremdung. Die Weltgeschichte ist voll von Flüchtlingsströmen und die Argumente gegen eine Aufnahme von Menschen in Not gleichen sich frappierend. Hier greifen die altbekannten Automatismen. Meine Komfortzone. Meine Mauer. Mein Besitz und meine Angst, die ich gerne schüren lasse. Populisten lachen sich ins Fäustchen und Betroffene werden pauschal kriminalisiert. Carola Rackete bringt es im Klartext auf den Punkt. Sie spart nicht mit Anklage. Sie spart nicht mit Schuldzuweisungen, und sie spart nicht mit dem Aufzeigen von möglichen Lösungsansätzen.

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Handeln statt hoffen von Carola Rackete

Hier gehe ich nicht konform mit ihr. ABER: Ich billige ihr eine gewisse Radikalität im Konflikt zwischen Zuschauen und Handeln zu. Hier geht sie mit Greta Thunberg Hand in Hand. Die rote Linie ist gezogen. Sie ist überschritten. Zuschauen und auf andere zu zeigen ist obsolet und outet diejenigen, die als Gewinnler vom Stillstand profitieren. Mich beschäftigen die Impulse, die Carola Rackete setzt. Sie zeigen die Ausweglosigkeit der Situation. Die Ordnung stören, sich der Politik und den Konzernen zu widersetzen, eine Form zivilen Widerstands und Ungehorsams zu kultivieren, nicht über den Tellerrand zu blicken, sondern den Teller wegzuwerfen und neu zu beginnen, Initiativen wie Fridays for Future und Extinction Rebellion zu unterstützen. Hier geht für mich vieles unter in einem Wust pseudodemokratischer Ideen, die einer gerechteren Welt dienen sollen. Im Großen und Ganzen empfinde ich ihre Impulse als wichtige Zündfunken einer Debatte, die politisch einseitig und falsch geführt wird.

Ich möchte mich davon nicht ablenken lassen. Ich suche das Gespräch mit jungen Menschen. Ich habe viel zu lernen, habe viel gelernt und persönlich keinen spürbaren Beitrag zum Erhalt unserer Umwelt geleistet. Ich war nicht am Hambacher Forst, habe es nicht geschafft in meiner Jugend spürbare Kraft gegen Ressourcenmissbrauch auf unserem Globus zu entwickeln. Ich muss vor meiner Haustüre kehren und darf es mir nicht so leichtmachen, auf andere zu zeigen. Handeln statt hoffen. Ein Buch, das mir viel gegeben hat. Angesichts der aktuellen Nachrichtenlage, nach der Wissenschaftler weltweit auf eine Erderwärmung von bis zu 3 Grad bis zum Jahr 2100 hinweisen, wird die Zwangslage deutlich. Warten und hoffen, zuschauen und ablenken können wir uns nicht mehr leisten. In Demokratien zivile Impulse zur Störung der Ordnung zu initiieren ist wesentlich leichter, als dies in autokratischen politischen Systemen zu versuchen.

Weltweiten Herausforderungen kann man letztlich nur weltweit begegnen. Es ist nur unerlässlich, die wesentlichen Impulse zur Veränderung nicht zu unterdrücken, sie nicht ins Lächerliche zu ziehen oder gar zu kriminalisieren. Die Zeit läuft. Aye, Käptn.

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Handeln statt hoffen von Carola Rackete

PS: Ein Schlussgedanke zur Kriminalisierung von Seenotrettern

Wer Seenotretter mit Schleppern gemein macht und ihnen Mitschuld gibt an den Flüchtlingsströmen nach Europa, der begeht einen Denkfehler. Wenn sich keine Retter auf dem Mittelmeer befinden, ebbt der Strom der Hilfesuchenden nicht ab, da Ursachen für Migration nicht behoben sind und es den kriminellen Menschenschleppern völlig egal ist, ob die Flüchtlinge gerettet werden. Wer hier eine Schuldumkehr betreibt, sollte mal darüber nachdenken, ob wir auf Autobahnen nur deshalb so schnell fahren, weil wir um das System der Notfallversorgung mit Notarztwagen, Rettungshubschrauber, Klinik und Rehabilitation wissen. Tragen jetzt also die Ärzte in diesem Land eine Mitschuld an der hohen Zahl der durch Raser verursachten Unfalltoten? Kriminalisiert, wen Ihr wollt, aber lasst die Kirche im Dorf, wenn Eure Komfortzone in Gefahr gerät.

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Handeln statt hoffen von Carola Rackete und eine gute Frage nach Helden

„Handeln statt hoffen – Aufruf an die letzte Generation“ von Carola Rackete
Buch: Droemer-Knaur / 176 Seiten / gebunden / 16 Euro
Hörbuch: Der Hörverlag / 4 CDs / ungekürzte Lesung / Gelesen von Jodie Ahlborn und Carola Rackete / 3 Std. 53 Min. / 16 Euro

Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde

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Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde

Es sind vier apokalyptische Reiter, die Maja Lunde ins literarische Gefecht wirft, um einerseits unser ökologisches Gewissen aufzurütteln und andererseits Geschichten zu erzählen, die bewegen und fesseln. Maja Lunde ist keine Trittbrettfahrerin der aktuellen Klimadebatten. Sie ist vielleicht sogar eine der Vorreiterinnen, wenn es darum geht, im Kontext brillant erzählter literarischer Stoffe das Thema Umwelt in den Mittelpunkt ihres Schreibens zu stellen. „Die Geschichte der Bienen“ sorgte bereits 2017 für Aufsehen. Sie beschrieb nicht nur die Folgen des Bienensterbens für die gesamte Menschheit. Sie konstruierte zum ersten Mal eine Geschichte auf drei Zeitebenen, die uns verdeutlichte, wo die Fehlentwicklung begann, was wir heute davon wahrnehmen und wie sich dieser Trend in der Zukunft auswirken würde.

Die Geschichte des Wassers“ folgte dem Lunde-Prinzip. Man wusste, worauf man sich einließt, wenn man den Bienen bereits gefolgt war. Hier steht die Wasserknappheit im Zentrum des Romans. Zwei Handlungsstränge spiegeln unseren heutigen Umgang mit einer lebenswichtigen Ressource in die Zukunft und wir werden Zeugen einer mehr als verstörenden Flüchtlingsbewegung, die Menschen zu den letzten Regionen führt, in denen die Trockenheit noch nicht um sich gegriffen hat. Maja Lunde ist es gelungen, in beeindruckender Art und Weise ökologische Warnschilder in gut erzählten Geschichten aufzustellen und sie, ohne erhobenen Zeigefinger, einer breiten Leserschaft zugänglich zu machen. Fridays for Future waren noch ein Fremdwort. Die Jugend der Welt hatte noch nicht begonnen, Schulen zu bestreiken und Greta Thunberg war noch ein junges Mädchen mit einer wundervollen Zukunft. (Ist sie heute noch, glaubt man dem größten Populisten mit präsidialer Machtvollkommenheit.)

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Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde

Vier Bücher sollen zum Zyklus werden. Vier apokalyptische Reiter sollen eine Reihe ergeben, die uns Menschen in ihrer Zeit näherbringt. Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges erzählt und uns dabei hilft, schon jetzt eine Position einzunehmen, die hilft, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Das ist kein Mainstream. Das ist die beste Form des indirekten Lernens. Wen diese Geschichten kalt lassen, der schaltet auch heute im Fernsehen auf einen anderen Kanal, wenn von Klimaerwärmung, Artensterben und der Verantwortung der heutigen Generation für die Zukunft die Rede ist. Wir sind die letzte Generation, die es noch in der Hand hat, diese Erde zu retten. Carola Rackete hat sich dieses Statement nicht ausgedacht, um bekannt zu werden. Sie macht nur die gleichen Erfahrungen, wie Greta Thunberg. Sie werden beide durchs Dorf getrieben, als würden sie den Weltfrieden stören. Klimakonferenzen verpuffen im Nichts. Verantwortliche sind nicht zu finden und wir werden nur ganz langsam wach. Maja Lunde ist für mich mehr als nur eine Autorin mit viel Fantasie. Sie ist der literarische Wecker unserer Zeit. Es ist fünf vor Zwölf. Er schrillt. Wir sollten aufstehen.

Auch im dritten Roman dieser Reihe bleibt sich Maja Lunde treu. Sie erfüllt erneut die Erwartungen ihrer Leser und präsentiert ein Buch, das den Lunde-Faden aufnimmt und ihn weiterspinnt. Sie bleibt sich treu, indem sie eher indirekt über ökologische und umweltrelevante Themen schreibt. Sie erzählt die Geschichten von Menschen in einem Setting, das durch die sich verändernden Rahmenbedingungen gekennzeichnet ist. Es sind Veränderungen, die der Mensch verursacht hat. Wir haben uns die Natur Untertan gemacht. Wir haben sie verändert. Das wird in diesem Roman unfassbar deutlich. Wir sind schuld daran, dass „Die Letzten ihrer Art“ diese Bezeichnung tragen und um den Fortbestand der Art kämpfen müssen. Maja Lunde entführt uns im gestreckten Galopp in die wechselhafte Geschichte der letzten Wildpferde unseres Planeten. Dabei schlägt sie in vielfacher Hinsicht ein ungewöhnliches Kapitel ihres Schreibens auf.

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Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde

Nach den Bienen und dem Wasser kommen nun die Pferde. Stellvertretend für alle vom Aussterben bedrohten Arten erleben wir sie in ihrem natürlichen Lebensraum und sehen Tiere vor uns, die als Triebfedern der Evolution zu sehen sind. Es sind Urpferde. Diejenigen Tiere, von denen alle heutigen Pferderassen abstammen. Widerstandsfähig und nahezu unverändert seitdem das ersten Fohlen das Licht der Welt erblickte. Heute finden sich nur noch wenige Exemplare in den großen zoologischen Gärten dieser Welt. Przewalski-Pferde, auch Thakis genannt. Sie sind „Die Letzten ihrer Art“, denen wir durch drei Handlungsstränge folgen dürfen und an deren Beispiel wir erkennen, wie der Mensch ihr Schicksal verändert hat.

Es sind mehr als drei Zeitebenen, in die uns Maja Lunde entführt. Und auch hier bleibt sich die norwegische Autorin treu. Sie erzählt die Geschichten von Menschen. Es sind erzählenswerte tief angelegte Lebensgeschichten, die jeweils mit den Pferden und ihren Leben verbunden sind. Wir befinden uns im zaristischen St. Petersburg der Jahre 1881 bis 1890. Hier lernen wir Michail kennen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat in die Mongolei zu reisen und einige der letzten Przewalski-Pferde einzufangen. Er sieht ihren Seltenheitswert und will sie in Zoos beheimaten, um Besucher anzulocken. Profit steht im Vordergrund der Expedition. Es ist der Handlungsstrang, in dem wir die Pferde in ihrem Urzustand bewundern dürfen. Noch bevor die Jagd auf sie alles verändert.

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Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde

Wir lernen Karin im Jahr 1992 kennen. Sie ist in der Mongolei, um einige der letzten Thakis aus zoologischen Gärten auszuwildern, um die inzwischen fast ausgestorbene Art wieder in freier Wildbahn anzusiedeln. Sie ist mit ihrem Sohn Mathias hier und die Mission der Wiederbelebung einer Art ist für sie zugleich eine Fluchtbewegung, um den eigenen Sohn aus der Spirale aus gescheiterter Ehe und Drogenkonsum zu retten. Ein Unterfangen, das in vielfacher Hinsicht auf der Kippe steht, weil die Tiere kaum noch in reinrassiger Form überlebensfähig sind und Karins Vergangenheit auf dem Gestüt des Nazi-Reichsmarschalls Hermann Göring, die Bombenangriffe auf Carinhall im Zweiten Weltkrieg und die Angst um die dort lebenden Przewalski-Pferde immer noch präsent ist.  

Und wir sind im Norwegen des Jahres 2064. Wenige der Thakis haben überlebt. Es sind die Letzen ihrer Art, die Eva und ihre Tochter Isa in einem kleinen Biotop gerettet haben. Jetzt scheint das gesamte Ökosystem zu kippen und sie stehen vor der großen Entscheidung, die Tiere freizulassen und sie damit zu Opfern der Jäger zu machen, die das ganze Land nach Essbarem durchstreifen. Zwei Freuen, die am Scheideweg ihrer eigenen Existenz eine wegweisende Entscheidung treffen müssen. Maja Lunde knüpft aus den scheinbar losen und zeitlich versetzten Fäden eine komplexe Handlung, deren roter Faden in den Letzten ihrer Art zu finden ist. Nur der Mensch hat ihren Lebensraum verändert. Nur der Mensch hat eingefangen, gezüchtet, ausgewildert, manipuliert, Hand angelegt und in weiten Teilen wider die Natur gehandelt. Hier wird Maja Lunde deutlich, wenn sie aufzeigt, wie wenig wir in der Lage sind, der Natur ihren freien Lauf zu lassen.

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Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde

Ihr Roman ist eine Gratwanderung zwischen Erkenntnis uns Abscheu. Sie öffnet uns die Augen für die Konsequenzen eines jeden Eingriffs in die Natur. Maja Lunde hat uns entlarvt. Sie schreibt in „Die Letzten ihrer Art“ über Geburten und Tod. Sie schreibt über Gnadentod und das Schlachten. Sie weicht alle Grenzen auf und zeigt, dass auch der Mensch nur ein Lebewesen ist. Vielleicht bald das Letzte seiner Art. Es ist blutig, es ist brutal, was sie beschreibt. Es ist der Lauf der Dinge, den sie beschreibt. Vielleicht ist dieser Lauf nicht mehr umkehrbar. Vielleicht doch. Sie nimmt uns in die Verantwortung und scheint dabei schon zu wissen, dass wir wohl versagen werden. Ich will die Jahre 2041 in der Geschichte des Wassers, 2098 in der Geschichte der Bienen und 2064 im Norwegen der Letzten ihrer Art nicht erleben. Und ich will in diesen Jahren nicht als der Schuldige genannt werden, der es im Hier und Jetzt hätte verhindern können. 

Der dritte Roman dieses ökologischen Quartetts ist aus meiner Sicht der bisher stärkste, weil Maja Lunde einen Tabubruch begeht, der zu den grandiosen Momenten des Lesens und Hörens gezählt werden muss. Waren ihre Bücher bisher nur durch das gemeinsame Thema verbunden und konnte man sie unabhängig voneinander lesen, so verbindet sie „Die Letzten ihrer Art“ erstmals auch durch eine Protagonistin mit einem der anderen Bücher. Wer die kleine Lou aus der Geschichte des Wassers noch nicht vergessen hat, dieses kleine Mädchen auf der Flucht, den Durst, den es empfand und die unwirklichen Bilder von gestrandeten Segelschiffen mitten in Frankreich. Wer sich immer noch fragt, ob die kleine Lou es geschafft hat, der sollte sich wappnen, wenn er „Die Letzten ihrer Art“ liest oder hört. Hier hat Maja Lunde ihrem bisherigen Werk die Krone aufgesetzt. 2064. Norwegen. Eva und Isa. Sie sind nicht allein….

Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde - AstroLibrium

Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde

Ein Wort zum Hörbuch. Es sind sechs Protagonisten, die diesen Roman tragen. Jeder von ihnen kommt mit einer eigenen Stimme zu Wort. Ein unglaubliches Hörerlebnis, ein absolutes Ereignis und Sprecher und Sprecherinnen, die diesem Roman mehr als nur Leben einhauchen. Die Zeitsprünge werden hörbar. Die Charaktere sprechen uns hier direkt an und verweigern Unaufmerksamkeiten. Wir werden gezwungen zuzuhören. Es ist nicht möglich, am Ende zu sagen, wir haben nichts von alledem gewusst. Mir haben die Stimmen den Weg der Wildpferde gewiesen. Brillant besetzt und in einer Sprecherin manifestiert sich der Tabubruch der Autorin in spezieller Weise. Sie spricht jemanden, den ich von früher kannte, dem ich jedoch nie wieder zu begegnen glaubte:

Thomas Loibl liest Michail in den Jahren 1881 – 1890 in Petersburg,
Beate Himmelstoß ist die Karin des Jahres 1992 in der Mongolei,
Thomas M. Meinrad liest ihren Sohn Matthias aus Sicht des Jahres 2019,
Meike Droste liest Eva im Norwegen des Jahres 2064,
Susanne Schröder ist ihre Tochter Isa und last but not least
Katja Bürkle spricht Louise… (was für ein großer Moment in diesem Hörbuch)

Nun steht der vierte und letzte Roman des Zyklus aus. Ich kann es kaum erwarten. Maja Lunde in der kleinen literarischen Sternwarte: Herzlich willkommen

Lesenswerte Rezension: Auf the lost art of ceeping secrets verrät Eva, wie es bald weitergeht…

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Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde

„Die Letzten Ihrer Art“ von Maja Lunde
Buch: btb Verlag / 640 Seiten / Hardcover / dt. von Ursel Allenstein / 22 Euro
Hörbuch:
Der Hörverlag / gekürzte Lesung / 13 Std. 40 Minuten / 2 MP3-CDs / 22 Euro

Der Distelfink von Donna Tartt – Film, Buch, Hörbuch

Der Distelfink von Donna Tartt - AstroLibrium

Der Distelfink von Donna Tartt

Fünf Jahre sind seit dem Lesen vergangen. Fünf Jahre, in denen mir ein Buch nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist. Fünf Jahre, die ich jedoch habe verstreichen lassen, ohne einen der relevantesten Romane meines Lebens zu rezensieren. „Der Distelfink“ von Donna Tartt liegt in der Erstausgabe aus dem März 2014 immer noch in Griffweite. Er ist durchzogen mit PostIts eines vergangenen Lesens und ein kleines ScriptBook für die Rezension liegt seitdem im Giftschrank der kleinen literarischen Sternwarte. Auf der ToDo-Liste meines Lesens steht dieser Artikel seit fünf Jahren ganz oben, und doch ist es mir bis heute nicht gelungen, meine Gedanken zu bündeln und dem Pulitzer-Roman meine Referenz zu erweisen.

Warum jetzt? Was treibt mich an, den „Distelfink“ mit neuen Augen zu sehen und ihm 2019 Raum zu geben? Hat sich das Fußkettchen endlich gelöst, das den kleinen Vogel mit der Fußstange vor dem grauen Deckelkasten verband? Ist es die Verfilmung, die im Oktober auf mich zukommt? Ist es meine Urlaubsreise nach Delft, die mir schmerzhaft in Erinnerung ruft, dass ich dem Bild von Carel Fabritius im Mauritshuis in Den Haag begegnen werde? Oder liegt es auch daran, dass ich mich inzwischen in einem kleinen Schreibprojekt der niederländischen Heimatstadt des großen Malers angenähert habe? Delft und die große Katastrophe des Jahres 1654. Jener Delfter Donnerschlag in dem der Künstler den Tod fand? 

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Der Distelfink von Donna Tartt

Es ist wohl eine Mischung aus allen Faktoren, die mir den „Distelfink“ erneut vor Augen führt. Ohne die Explosion des Pulvermagazins in Delft und den Tod des Malers Fabritius hätte sich Donna Tartt für ein anderes Kunstwerk im Mittelpunkt ihres Romans entschieden. Die Parallele zwischen dem Künstler und dem Beginn ihrer Geschichte ist einfach zu relevant, um sie zu vernachlässigen. Denn hier startet alles. Hier erhebt sich der „Distelfink“ wie der Phoenix aus der Asche und wird zum Symbol einer Erzählung, die mich nachhaltig geprägt hat. Es ist ein heftiger Donnerschlag, der das New Yorker Metropolitan Museum erschüttert. Es ist ein terroristischer Donnerschlag, der alles in Schutt und Asche legt, dem erst 13jährigen Theodore Decker die Mutter raubt und sein Leben für alle Zeiten verändert.

Da ist der alte Mann, dem er beim Sterben hilft. Da ist dessen Nichte Pippa, die den Anschlag gerade so überlebt hat. Da ist die drängende Bitte des Sterbenden, Theodore solle das Gemälde Der Distelfink in einer Plastiktüte an sich nehmen und zuletzt ist da neben dem Ring, der ihm geschenkt wird, eine Adresse, an die sich der Junge wenden soll. Die Antiquitätenwerkstatt, die der Verstorbene mit seinem Geschäftspartner James Hobart betrieben hatte. Mit diesem Urknall beginnt eine Geschichte, in der ein Gemälde und dessen unrechtmäßiger Besitzer fortan lebenslänglich miteinander verbunden sind, wie der Distelfink mit seiner Sitzstange. Es ist der laute Doppelknall, der die Explosion eines Delfter Pulverturms mit einem New Yorker Museum verbindet. Kunst und Leben sind untrennbar miteinander verbunden.

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Der Distelfink von Donna Tartt

Hier vermischen sich Handlungsebenen und Wahrnehmung zu einem grandiosen Mix aus Kunstleidenschaft, rauschhafter Wahrnehmung und fetischistischer Qual. Theo und das gestohlene Gemälde kommen nicht mehr voneinander los. Seine Odyssee seit dem Tod seiner Mutter entwickelt sich zur Irrfahrt des Heranwachsenden mit all seinen Lieben, Leidenschaften und Traumata. Ist sein Distelfink zunächst die letzte Erinnerung an die noch lebende Mutter, so wird das Gemälde langsam zum Faszinosum, dem sich Theo nicht mehr entziehen kann. Er versteckt das Bild auf seinem weiteren Lebensweg und macht sich selbst zum Sklaven seines großen Geheimnisses. Unfassbar dicht und empathisch erzählt. Donna Tartt spielt mit ihren Lesern. Jeder hat seinen Distelfinken. Jeder verbirgt den Schatz seines Lebens vor den Augen anderer Menschen. Und jeder würde so reagieren, wie Theo, als die Wahrheit über das Kunstwerk ans Licht kommt.

Man kann sich ein Bild eine Woche lang anschauen
und nie wieder daran denken. Man kann sich ein Bild
eine Sekunde lang anschauen und es sein Leben lang
nicht mehr vergessen…“
 

In diesen Momenten fand ich mich wieder in diesem Roman. Mein Distelfink hängt im Lenbachhaus zu München, entstammt der Zeichenfeder von Franz Marc und ist als Blaues Pferd weltbekannt. Ich kann persönlich nachvollziehen, welche Faszination ein Gemälde auf seinen Betrachter ausüben kann. Ich kann den Bann nachvollziehen, der den Betrachter gefangen nimmt. Und ich kann Theodore gut verstehen, der angesichts des ganz eigenen Lebensweges an der Seite seines Distelfinks zu allem bereit ist, um ihn nicht zu verlieren. Donna Tartt konfrontiert uns mit einem Entwicklungsroman, der die verschiedenen Lebensphasen ihres Protagonisten begleitet. Sie lässt uns mit ihm in rauschhafte Zustände verfallen, sie zeigt die verstörende Wirkung auf ihn, als der lange verschollene Vater plötzlich auftaucht und sie begleitet uns an seiner Seite in ein Leben als gewiefter Geschäftsmann. Zweifel, Selbstbetrug, Leugnung und Läuterung werden zu den Wegmarken eines Lebens, das eine explosive Wendung nahm.

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Der Distelfink von Donna Tartt

Jetzt sitze ich hier mit dem Buch und meinem ScriptBook vor Augen. Es fühlt sich gerade an, wie eine Zeitreise in mein vergangenes Lesen. Die Puzzlesteine finden sich und Bilder entstehen erneut in meinem Kopf. Da sind die Bilder des Todes von Mathew Brady, die den Amerikanischen Bürgerkrieg auf Glasplatten einbrannten. Da taucht Las Vegas als Ziel des Roadtrips mit Theos Vater auf. Die Chance auf ein neues Leben mit einem trockenen Alkoholiker. Da wird der Betrug wieder greifbar, mit dem man sich an Theo bereichern will. Da wird seine Flucht zurück nach New York wieder lebendig. Der Laden hinter dem Laden und die illegalen Geschäfte, Drogen, Sehnsüchte und unerfüllt gebliebene Liebe. Pippa, das Mädchen, das wie Theo den Anschlag überlebte wird zur Fata Morgana des „Was-hätte-sein-Könnens“.

Pippa war das vermisste Königreich, der unverletzte Teil meiner selbst. Sie war der goldene Faden in allem, eine Linse, die die Schönheit vergrößerte, sodass die ganze Welt gebannt war. Sie war wie die kleine Meerjungfrau, zu zerbrechlich, um an Land zu laufen…“

Hier berührt Donna Tartt sprachgewaltig und voller Tiefgang. Es gibt keinen Weg zurück. Es bleibt nur die Flucht nach vorne. Und letztlich ist nichts mehr so, wie es mal schien. Am Ende überstrahlt die Unfreiwilligkeit die Läuterung des Protagonisten. Es ist wie im wahren Leben. Die Unausweichlichkeit der Ereignisse öffnet die Augen und der letzte Ausweg wird zum Königsweg. Donna Tartt dreht und wendet das Schicksal, wie in der griechischen Mythologie. Ob ihr dabei ein Happy End gelang? Hier darf und kann man getrost streiten. Ich werde das Ende des Romans vor Augen haben, wenn ich bald in Delft vor einem Gemälde stehe. Ich weiß schon jetzt, dass aus dem kleinen Bild des zu früh verstorbenen Malers ein völlig neues Gemälde für mich entsteht. Ich werde den Ruß der Explosion sehen. Ich werde wissen, wo das Bild versteckt war. Und ich muss ganz sicher an Theodore Decker und Pippa denken. Nichts davon ist wahr. Und doch wird es für mich immer die Wahrheit hinter dem „Distelfink“ sein.

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Der Distelfink von Donna Tartt

Zur Vorbereitung auf den Film vertiefte ich mich im Hörbuch zu „Der Distelfink“. Ich wollte nochmal in die Atmosphäre eintauchen. Wollte nachempfinden, was ich einst so an dieser Geschichte liebte. Ich wollte schreibend in Schwung kommen, um meinen Erinnerungen wieder auf die Sprünge zu helfen. Ich wollte gerne New York, Las Vegas, Greenwich Village und Amsterdam neu erleben. Bei alldem wollte ich das Gemälde im Gepäck spüren. So, wie ich mein Blaues Pferd in Gedanken bei mir trage. Ich wollte für die neuen Eindrücke des Films bereit sein. Und ich wollte zurückblicken auf die Zeit, in der mein Blog AstroLibrium das Licht der Welt erblickte. Vor mehr als fünf Jahren war ich intensiv mit diesem neuen Kapitel meines Lebens beschäftigt. „Der Distelfink“ blieb damals auf der Strecke. Jetzt hat er sein Recht eigefordert. Man trifft sich mehrmals im Lesen.

Das Hörbuch: So, wie „Der Distelfink“ seinen Besitzer immer tiefer in einen Sog aus Lügen, Fehlentscheidungen und Fluchtbewegungen treibt, so ist es auch die Hörbuchfassung, die mit einer Spieldauer von 33 Stunden und 26 Minuten einen ganz eigenen Kosmos dieser Erzählung entfaltet. Wie die Buchvorlage ist auch das Hörbuch nichts für den schnellen Genuss für zwischendurch. Nichts für das beiläufige Zuhören, sondern vielmehr ein literarisches Hörereignis, auf das man sich mit Haut, Haaren und Ohren einlassen muss. Matthias Koeberlin verleiht der Erzählperspektive Theodore Deckers eine fast schon staatstragende Tiefe. Aus seiner Sicht entwickelt sich alles im Rückblick auf sein eigenes Leben. Im Amsterdamer Hotelzimmer, in dem es eigentlich endet, beginnt die Reise nach New York. Koeberlin wird dieser Rolle gerecht. Er weiß wovon er spricht, als wäre es seine eigene Geschichte in der Rückschau. Sentimentale und melancholische Facetten vertiefen diesen Eindruck. Ja, es ist ein Rückblick auf ein Leben das anders verlaufen wäre, wenn doch nur seine Mutter überlebt hätte. Stark!

Der Film: Bislang kann man nur den Trailer bestaunen. Zum Release gibt es immer noch widersprüchliche Aussagen. Aber ob Ende September oder Anfang Oktober, das ist letztlich fast unerheblich. Entscheidender ist, dass „Der Distelfink“ fast zeitgleich in den großen Kinoländern USA, England und Deutschland erscheinen wird. Das kommt recht selten vor und hilft uns dabei, den Film exklusiv, und nicht schon mit Kritiken aus anderen Ländern überlagert, betrachten zu können. Der Trailer lässt den Lesegefühlen von einst ausreichend Freiraum, sich in der Szenerie einzuleben. Das wirkt authentisch und gut umgesetzt. Hierfür steht auch der Name des Regisseurs: John Crowley. Seine filmische Adaption von „Brooklyn“ nach dem Roman von Colm Tóibín war brillant. Er hat ein feines Händchen für große literarische Stoffe. 

Der Cast sieht ebenfalls vielversprechend aus. Ansel Elgort als Theo trifft für mich punktgenau auf den Charakter zu, der hier schauspielerisch durch die Handlung trägt. Spätestens seit „Das Leben ist ein mieser Verräter“ weiß man, wie facettenreich und tiefgründig Elgort agieren kann. Ihm zur Seite stehen neben Nicole Kidman und Sarah Paulson auch Luke Wilson und Aneurin Barnard. Namen, die bei Kinofreunden den Puls schon leicht beschleunigen. Ob der Film funktioniert? Ob er die facettenreiche und tiefgründige Geschichte im Kinoformat so erzählen kann, dass er dem Roman gerecht wird? Das wird sich erst beantworten lassen, wenn der Vorhang fällt.

Der Distelfink von Donna Tartt - AstroLibrium

Der Distelfink von Donna Tartt

Und spätestens dann werde ich allen Fragen auf den Grund gehen. Versprochen. Wie habt ihr den „Distelfink“ erlebt, habt Ihr den Roman noch in guter Erinnerung? Geht Ihr ins Kino und welche Gefühle begleiten Euch dabei? Schreibt mir und wir werden im Herbst dieses Jahres erleben, ob sich Hoffnungen erfüllen oder ob sich der alte Spruch „Der Film ist immer schlechter als das Buch“ mal wieder bewahrheitet. Stay tuned.

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