„Die Bienenkönigin“ von Claudia Praxmayer

Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer - AstroLibrium

Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Manchmal ist es sehr hilfreich, die guten alten Märchen der Gebrüder Grimm zu kennen. Die Bienenkönigin“ ist zwar nur ein kleines zartes Märchen, aber schon hier wird klar, dass man im Leben bitterlich dafür bestraft wird, wenn man seinen Unmut an hilflosen Lebewesen auslässt. Der kleine Dummling gilt als einfältig, weil er sich weigert einen Ameisenhaufen zu zerstören oder einen Bienenstock zu plündern. Später jedoch sind es genau diese kleinen verschonten Lebewesen, die ihm dabei helfen, unmögliche Aufgaben zu lösen und nicht, wie seine Brüder, in Stein verwandelt zu werden. Und die Moral von der Geschicht`? Töte kleine Bienen nicht! Haben wir wieder nicht zugehört?

Ja. Wir hätten es eigentlich wissen müssen! Scheinbar jedoch haben unsere guten alten Märchen ihre Wirkung verloren. Scheinbar ist damit auch die Ehrfurcht gegenüber den kleinsten Lebewesen verloren gegangen. Scheinbar hat uns heute sogar die Moral verlassen. Bienensterben. Weltweit. Ausgebeutete Bienenvölker, die aus wirtschaftlich rentablen Gründen durchs Land gekarrt werden, um Blüten zu bestäuben. Tiere, die in jeder Hinsicht nur noch als Produktionssklaven gehalten und nach getaner Arbeit auch gerne geopfert werden. Die Folgen? Dramatisch. Sachbücher, Dokumentationen, Filme und Vorträge ändern nichts am Bewusstsein. Können moderne Märchen unsere Moral wieder auf Vordermann bringen? Ist es die Emotion, die auf der Strecke blieb? Haben wir noch eine Chance zur Umkehr?

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Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Ich bin davon überzeugt. Spätestens seitdem sich viele namhafte Schriftsteller/Innen diesem Thema verschrieben haben. Ökologisch motivierte Romane mögen inzwischen fast schon zum literarischen Mainstream gehören. Sie mögen sogar manchmal auch im Glauben geschrieben sein, auf der richtigen Welle des Erfolges zu surfen. Das merken Leser jedoch sehr schnell. Eben weil es die großen Romane gibt, die eine breite Masse an Menschen erreichen. Gute Romane, die nicht nur den erhobenen Zeigefinger in den Vordergrund stellen, sondern ganz einfach mit einer guten Geschichte überzeugen. Es spricht sich schnell herum, welche Bücher man unbedingt lesen muss, um den eigenen Kurs zu korrigieren. „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde gehört eindeutig zu den empfehlenswertesten Werken der letzten Jahre.

Wenn man jedoch auch junge Menschen erreichen möchte, dann muss man auch für junge Menschen schreiben. Sie sind die Zielgruppe, die in der Lage ist, die Welt zu verändern. Hier ist noch nicht Hopfen und Malz verloren, wenn es darum geht, Gefühl vor Wirtschaftlichkeit zu stellen. Hier liegt die Zukunft auch in den Händen von Autoren und Autorinnen, die mit einem bestimmten Sendungsbewusstsein schreiben. Und wenn diese Kulturschaffenden ihrer Verantwortung gerecht werden, dann gelingt es vielleicht wieder, am Ende einer Geschichte die Frage nach ihrer Moral stellen zu können, ohne dass sie unbeantwortet im Raum stehen bleibt. Einen solchen Roman für Jugendliche habe ich gefunden.

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Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Dieser Roman ist über jeglichen Verdacht erhaben, das ökologische Thema nur zu transportieren, weil es gerade en vogue ist. Dieses Buch ist kein Trittbrettfahrer auf der Welle des Artenschutzes. Es ist vielmehr eine emotional fundierte Kampfschrift, der es gelingen kann, Mitgefühl und Gefühl zu paaren und Mutter Natur mit anderen Augen zu sehen. „Die Bienenkönigin“ von Claudia Praxmayer öffnet uns einen Erzählraum, der einem Bienenstock gleichkommt. Eine Wohngemeinschaft junger Menschen, in der es nur so brummt vor unbekümmerter Betriebsamkeit. Der „Beehive“ in San Francisco ist der Ausgangspunkt einer Geschichte, die so gut ist, dass sie unbedingt erzählt werden muss!

Sie ist deshalb so gut, weil sie plausibel ist. Sie ist so gut, weil sie bisher noch nicht so erzählt wurde und sie ist so gut, weil sie der Realität eine Seite abgewinnt, die man nur entdecken kann, wenn man als Schriftstellerin mit viel Gefühl und Sachverstand in den Bienenwaben der eigenen Geschichte lebt. Hier spürt man in jedem Kapitel, dass mit der Autorin auch die studierte Biologin schreibt. Eine literarische Symbiose, die der Handlung in jeder Beziehung Tragfähigkeit verleiht. Den Blick auf das Kleine lenken, in Bienen keine Selbstverständlichkeit zu sehen und Zusammenhänge zwischen uns und der Natur sichtbar zu machen. Das sind ihre Anliegen. Meisterhaft umgesetzt.

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Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Mel ist 19 Jahre alt und auf dem Weg zur beruflichen Selbstfindung. Eine Auszeit soll ihr zeigen, wohin sie ihr Lebensweg treibt. In ihrer WG in San Francisco wirbelt sie ebenso kreativ und aktiv in der Küche, wie sie sich um das kleine Bienenvolk im Garten kümmert. Die besondere Verbundenheit zu diesen Tieren hat sie von ihrer Großmutter geerbt. Als der Bienenstock von einer künstlichen Biene angegriffen wird, erkennt Mel sofort die Dimensionen dieser Attacke. Eine Miniatur-Drohne steuert zielsicher auf den Bienenstock zu. Im Miniatur-Tank, ein Pestizid zur Vernichtung von Bienen. Mit letzter Kraft gelingt es den Bienen, den Angriff abzuwehren, aber Mel ahnt, dass sie hier zur Zeugin von etwas Größerem geworden ist. Etwas Gefährlichem.

Diese Ausgangssituation ist die Basis für einen Hybrid Roman, dem es gelingt, im Verlauf der Geschichte Natur und Hightech-Elemente zu einem dichten Erzählraum zu verweben, aus dem es kein Entrinnen gibt. Wenn jemand in der Lage ist, Drohnen zum Fliegen zu bringen, die Bienen täuschend ähnlich sind, wenn er seine Microbiotics dann auch noch mit einem Tank versehen kann, wenn diese Kunstbienen ferngesteuert zum Angriff auf echte Bienen übergehen, dann muss es ein Motiv für diese Tat geben, das alles in den Schatten stellt. Wer kann ein Interesse daran haben, das Bienensterben zu beschleunigen? Mel und ihre Freunde kommen einer brisanten Verschwörung auf die Spur. Die Zeit läuft gegen die Bienenpopulation und gegen die kleine Gruppe, die sich den Drohnen in den Weg stellt.

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Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Bestechend in der Ausgangssituation, logisch im Motiv und faszinierend im Mix der realen Möglichkeiten mit fantastischen Elementen. Claudia Praxmayer bleibt da technisch, wo es zwingend erforderlich ist, sie wird tiefgründig und empathisch, wo es gilt, Mel zu verstehen und sie wird zur großen Erzählerin, wo es darauf ankommt, eine Geschichte voller Poesie und Gefühl zu erzählen. Mel gleicht mit dieser Begabung den Pferdeflüsterern und Schlangenbeschwörern dieser Welt. Ihrer Gabe verdanken wir die ganz großen Momente dieses Romans. Und doch wird schnell klar, dass wir alle, auch ohne einen besonderen Zugang zu Bienen, die Welt verändern können. Eine Botschaft, die Leser jeden Alters anspricht. Ein Roman, der in seiner logischen Konsequenz tiefer geht als „Die Geschichte der Bienen“. Zwei Romane, die man in den Honigwaben des eigenen Bücherregals vereinen sollte. Sie öffnen Horizonte. 

Ich habe mir „Die Bienenkönigin“ in der Hörbuchproduktion aus dem Hause Der Hörverlag von Leonie Landa vorlesen lassen. Der Sprecherin gelingt es, der jungen Mel Leben einzuhauchen, ihr Kämpferherz zu „verstimmlichen“ und der Verbundenheit mit den Bienen eine besondere Sprache zu verleihen. Gänsehautmomente garantiert, wenn Leonie Landa als Mel zu den Bienen singt. Das kann man nicht lesen. Das muss man mit eigenen Ohren gehört haben. Ein zeitlos hörenswerter Roman, den ich sicher nicht schnell aus den Ohren bekomme. Und noch dazu ein starkes Stück Bio-Ökologie im Gewand eines spannenden Jugendthrillers. Eine Story die ein Literatur-Bio-Siegel verdient hätte. Geht runter wie Honig! Versuchen Sie es selbst…

Und immer dran denken: Stirbt sie – stirbst auch Du!

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Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Eine meiner absoluten Weihnachtsempfehlungen 2018. Mehr davon, hier

Zamonien – „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ von Walter Moers

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers - AstroLibrium

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Nein, nein. Keine Sorge. Der Titel dieses Hörbuchs ist völlig falsch und irreführend. Es muss sich hierbei um ein reines Missverständnis handeln, weil ja jedes Kind weiß, dass es in Zamonien wirklich alles gibt, nur kein Weihnachten. Wäre ja auch gelacht. Walter Moers hat ja nicht sein ganzes Herzblut in einen erfundenen Kontinent gesteckt, nur um ihn dann mit den Riten und Gebräuchen auszustatten, die wir aus unserem Leben allzu gut kennen. Nein. Es gibt kein Weihnachten. Niemand feiert das dort. Die Völker dieses Kontinents haben ihre ganz eigenen Feiertage. Die Holzgnomen zum Beispiel feiern ihr Borkenfest, die Gurkenzwerge ein Essigfest. Von den Nattifftoffen ganz zu Schweigen.

Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ von Walter Moers

Nein. Auch die legendären Lindwürmer feiern kein Weihnachtsfest. Also kann man sich dieses Hörbuch völlig unbesorgt anhören, auch wenn man kein Weihnachtsfreund ist. Nun gut. Einmal im Jahr feiern die Lindwürmer schon. Und auf den ersten Blick mag ihr HAMOULIMEPP gewisse Parallelen mit unserem Weihnachtsfest aufweisen. Es ist jedoch weit hergeholt, die beiden Feierlichkeiten in einem Atemzug zu nennen. Hier gilt es endlich mal gründlich mit Vergleichen aufzuräumen und wer könnte dies besser, als der populärste Lindwurm Zamoniens: Hildegund von Mythenmetz, der eigentliche und wahre Autor der meisten Geschichten dieses fantastischen Kontinents? 

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Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Dem aktuell vorliegenden Briefwechsel zwischen dem Lindwurm-Autor und dem Eydeeten Hachmed Ben Kibitzer haben wir es heute zu verdanken, dass wir endlich mit dem Irrglauben von Weihnachten auf der Lindwurmfeste aufräumen können. Wurde aber auch Zeit. Damit ist es bereits das achte Buch, in dem uns Walter Moers in seinen Zamonien-Kosmos entführt. Und noch dazu ist es ein lange herbeigesehntes Werk, das schon mehrfach angekündigt, und immer wieder verschoben wurde. Tja, da musste der begnadete Erzähler wohl intensiver recherchieren, als es zu vermuten war. Jetzt ist es vollbracht. Die Lindwurmfeste erstrahlt in festlichem Glanz und alle Vorbereitungen für Hamoulimepp laufen auf Hochtouren.

Nun heißt es, sich zurückzulehnen und Hildegunst genau zuzuhören. Dann lösen sich die Missverständnisse in Wohlgefallen auf. Also herzlich willkommen in der Heimat der Lindwürmer, jener legendären Festung im Westen Zamoniens, die den intelligenten Nachfahren der zamonischen Dinosaurier, komischerweise oft als Drachen bezeichnet, als Rückzugs- und Zufluchtsort dient. Belagerungen wurden überstanden, kulturelle und soziale Errungenschaften entwickelt und eigene Riten und Gebräuche etabliert. Einmal im Jahr feiert man demzufolge auf der Lindwurmfeste Hamoulimepp. Drei ganze Tage dauern die Feierlichkeiten zu Ehren der Herren Hamouli und Mepp. Hildegunst äußert sich in seinen Briefen mehr als kritisch über den Stellenwert dieser Feiertage, den Sinn und Unsinn der umfangreichen Vorbereitungen und macht aus seinem Herzen keinerlei Mördergrube, wenn er sich als Hamoulimepp-Hasser outet.

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Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Kann man auch gut nachvollziehen, wenn man seinen Ausführungen folgt. Es ist schon mühsam, die steinernen Hamoulimepp-Bäume anzumalen und aufzustellen, die Geschenke an die kleinen Lindwürmer in Felsengeiereierschalen zu verpacken, sich an den Hamoulimepp-Abenden um die Klavorgel zu versammeln, um Lieder wie „Morgen Würmer wird´s was geben“ zu singen, kleine Gedichte auf Lindwurmfesteschnecken zu schreiben, damit sie jeder lesen kann und den Festtagsschmaus Trilobitensuppe in sich hineinzulöffeln. Und dann gilt es auch noch, dem Nachwuchs klarzumachen, dass man eine große Menge Hamoulimepp-Zwerge benötigt, um die Festtagswünsche zu erfüllen, weil Hamouli und Mepp allein das nie hinbekommen würden.

Nun gut. Auf den ersten Blick mutet vieles davon wie unser Weihnachten an. Die beiden zentralen Figuren erinnern deutlich an den Nikolaus und den Knecht Ruprecht, und ja, der Rest kommt uns vielleicht auch ein wenig bekannt vor. Aber wir sollten nicht vorschnell urteilen. Nicht bevor wir die ganze Geschichte gehört haben. Wir können da vielleicht ja auch was lernen. Ich denke nur an das feuerlose Feuerwerk am Ende der Hamoulimeppfeierlichkeiten oder an den Bücher-Räumaus, einen Brauch über dessen Einführung ich inzwischen ernsthaft nachdenke. Vielleicht haben die beiden Feste doch mehr gemeinsam, als man anfänglich denkt. Wer weiß.

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Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Wie dem auch sei. Walter Moers bleibt Walter Moers und Zamonien bleibt immer Zamonien, wie es singt und lacht. Diese Hamoulimpepp-Geschichte ist nun nicht der ganz große Wurf, den man sich vielleicht erhofft hatte, weil die Fortsetzung des letzten großen Zamonien-Romans „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ aussteht. Zwar hat Walter Moers mit „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ die Zamonien-Reihe erfreulicherweise erweitert und unser Lesen bereichert. Und schon im neuen Jahr wurde „Der Bücherdrache“ angekündigt. Aber letztlich warten viele Leser auf das immer wieder verschobene „Schloss der träumenden Bücher“. Sei´s drum. In literarischen Dingen muss man sich in Geduld üben und dankbar für jeden Schritt sein, der uns eine Rückkehr ins geliebte Zamonien ermöglicht.

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Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Besonders, wenn er so gelungen ist wie dieser. Andreas Fröhlich, der Zamonien-Meister dieser Nicht-Weihnachtsgeschichte fesselt uns, wie er uns schon immer zu fesseln wusste. Man staunt, lacht und wundert sich. Hamoulimepp entwickelt sich zur denkbaren alternative unserer hektischen Weihnachtszeit. Ich würde sogar freiwillig den Staub des feuerlosen Feuerwerks aufwischen, wenn wir auf diese Weise um den Krach an Silvester herumkämen. Tolle Idee. Auf ins neue Jahr mit einem farbenfrohen Plopp auf den Lippen. Feiert Hamoulimepp. Ihr könnt die Lindwurmfeste lesend oder hörend besuchen. Egal wie, Ihr solltet es euch nur nicht entgehen lassen.

Die Ausstattung des Hörbuchs (Der Hörverlag) und des Buches (Penguin Verlag) wird dem hohen Fest mehr als gerecht. Die Illustrationen von Lydia Rode, die schon den Nachtmahr in Szene gesetzt hat, begleiten uns durch Hamoulimepp. Wundervoll in jeder zamonischen Beziehung. Ein Augenschmaus, der es inhaltlich locker mit anderen Büchern der Reihe aufnehmen kann, und dem Andreas Fröhlich eine besondere Note verleiht. Hamoulimepp. Hamoulimepp. Mepp. Mepp Mepp.

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Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Dann bis bald… „Der Bücherdrache“ naht mit großen Schritten.

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Der Bücherdrache von Walter Moers – Coming soon…

„Die Schneeschwester“ von Maja Lunde

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Die Schneeschwester von Maja Lunde

Das Lesen zelebrieren. Eine meiner ganz großen Leidenschaften, die ich gerne teilen möchte. Die ruhige Adventszeit lädt uns geradezu ein, dem gemeinsamen Lesen einen neuen Rahmen zu geben. Eine kleine Auszeit von der Hektik, eine Rückbesinnung auf das Wesentliche und Verbindende kann dabei helfen, dem Alltag eine besondere Note zu verleihen und unser Leben zu entschleunigen. Leserituale helfen mir persönlich sehr dabei. In diesem Jahr möchte ich euch auf eine Reise mitnehmen, die vierundzwanzig Tage dauert. Es wird keine leichte Reise, das muss uns von Vorneherein klar sein. Und doch bietet sie uns die Chance fernab vom Buch, den eigenen Blick für das kommende Weihnachtsfest ein wenig zu schärfen.

Die Schneeschwester“ von Maja Lunde ist sicher keine leichte Unterhaltungskost in diesen besonderen Tagen. Maja Lunde selbst hat in ihren bisherigen Büchern über Die Geschichte der Bienen und der des Wassers gezeigt, dass seichte Themen nicht ihr Ding sind. Sie greift tiefer, erzählt nuanciert und verknüpft intensive Botschaften mit der jeweiligen Erzählung, die sie uns anvertraut. Es ist verführerisch, mit ihr den Advent zu verbringen. Es ist verführerisch, mich wieder auf sie einzulassen und der Struktur einer Geschichte zu folgen, die in vierundzwanzig Kapiteln die Tür zum Weihnachtsfest 2018 öffnet.

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Die Schneeschwester von Maja Lunde

Sie schreibt nicht über das strahlende Fest der Feste. Maja Lunde erzählt uns eine Geschichte, in der Weihnachten eigentlich in den Hintergrund rückt. Trauer und Verlust kennzeichnen das Leben der Familie Wilhelmsen. Julian ist zehn Jahre alt und hat alle Hoffnungen auf Weihnachten begraben, weil er auch seine große Schwester begraben musste. Ihr Tod hat alles verändert. Energie und Lebensfreude sind verschwunden. Bis Julian beim Schwimmen dem „Licht in der Winterdunkelheit“ begegnet. Hedvig muntert ihn auf, bringt Freude und vorweihnachtlichen Glanz in sein Leben. Nicht nur durch ihre unwiderstehliche Lebenslust, sondern auch ihr Zuhause, die Villa Mistel, die einer ganz eigenen Weihnachtswunderwelt gleicht. Alles glitzert, funkelt und strahlt. Vielleicht gibt es ja doch noch einen Weg, das Weihnachtsfest zu feiern und das Andenken der toten Schwester zu ehren.

Und doch verbirgt sich auch hinter Hedvig ein dunkles Geheimnis, das Julian erst nach und nach erkennt. Maja Lunde ist bekannt für ihren sensiblen Umgang mit ernsten und belastenden Themen. Der Kontrast zwischen Trauerbewältigung und weihnachtlich angehauchter Lebensfreude könnte schärfer nicht sein. Das zeigen auch die traumhaft schönen Illustrationen der norwegischen Künstlerin Lisa Aisato, die aus dem Buch ein prachtvolles Gesamtkunstwerk machen. Ihre Zeichnungen strahlen alles aus, was man schon vor dem Lesen mit dieser Geschichte verbindet. Trauer, Tristesse, Hoffnung und das Wunder eines leuchtend warmen Weihnachtsfestes.

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Die Schneeschwester von Maja Lunde

Ich werde mich in die vierundzwanzig Kapitel vertiefen. Wie in einem persönlichen literarischen Adventskalender werde ich täglich einen gut dosierten Teil der Erzählung auf mich wirken lassen. Ich habe so viel Lust darauf, dieses Buch zum Mittelpunkt der Vorweihnachtszeit zu machen. Ich möchte es gemeinsam zuhause zelebrieren und ein wenig von diesem Leseritual in die Welt tragen. Ich werde an besonderen Tagen auch dem brillanten Sprecher und Schauspieler Axel Milberg zuhören, der die Geschichte in knapp vier Stunden für die Hörbuchfassung aus dem Hause Der Hörverlag vorgelesen hat. Ein multimediales Erlebnis wartet auf mich. Im Zentrum steht der Prachtband vom btb Verlag.

Ihr könnt mir gerne folgen. Auf Facebook oder Instagram werdet ihr meine täglichen Erlebnisse mit der „Schneeschwester“ finden. In der Bildergalerie in diesem Artikel ist viel Platz für das Lese- und Hörfest auf dem Weg zur stillen und Heiligen Nacht. Nehmt euch die Zeit für ein eigenes Leseritual. Entschleunigt und genießt ein paar ruhige Pole im Alltagssturm dieser Vorweihnachtszeit. Lasst euch bewusst treiben und in eine tiefe Stimmung versetzen, die das Herz öffnet. Ich hinterlasse tiefe Spuren im tiefen Schnee. Folgt mir auf dem Weg zu der wohl längsten Rezension in der Geschichte der Kleinen literarischen Sternwarte.

Unter dem Hashtag #SchneeschwesterAstroLibrium findet ihr meinen Weg.

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Weihnachtsempfehlungen 2018. Nicht nur Tipps rund um die Literatur. Viel mehr.

Der „Atlas der nie gebauten Bauwerke“ von Philip Wilkinson

Atlas der nie gebauten Bauwerke - Philip Wilkinson - AstroLibrium

Atlas der nie gebauten Bauwerke – Philip Wilkinson

Bald ist es wieder soweit. Das Weihnachtsfest steht ins Haus und die Frage aller Fragen, welches gute Buch ich mir selbst und anderen schenken kann, beschäftigt uns intensiv. Dabei ist es nicht so leicht, Büchermenschen zu überraschen. Zwar kennt man ihren Literatur-Geschmack, weiß aber nie so ganz sicher, ob das mit Herzblut gewählte Geschenk nicht schon im Besitz des zu Beschenkenden ist. Also lässt man das gewagt anmutende Spiel und verschenkt Buchgutscheine, was kaum kreativ, aber unpersönlich ist. Ich möchte euch ein paar Bücher vorstellen, die man mit gutem Gewissen schenken kann. Erstens, weil die Zielperson für das Buchgeschenk nicht dazu neigt, sich selbst in literarischer Hinsicht besonders zu verwöhnen (bibliophile Menschen gelten als äußerst genügsam) und zweitens, weil die vorgestellten Bücher als BreitbandAntiLibrotikum in der Lage sind, selbst festgefahrenste und genre-fixierte Bücherfreunde zu begeistern.

Diese Rezension kann bei Literatur Radio Bayern gehört werden.

Der Atlas der nie gebauten Bauwerke - AstroLibrium

Der Atlas der nie gebauten Bauwerke bei Literatur Radio Bayern

Verschenkt keine Bücher. Verschenkt literarische Visionen. Lasst keine Luftballons fliegen, startet Trägerraketen voller Inspiration. Verschenkt solche Bücher, die man sich nicht selbst kauft. Das Literatur-Budget ist meist knapp und man neigt eher selten dazu, im gebundenen Luxus zu schwelgen. Dabei ist die Liste der zu lesenden Bücher viel zu lang, als dass man sich mit Buchkunstwerken beschäftigt. Heute möchte ich den ersten Tipp für ein erlesenes Weihnachtgeschenk an euch weitergeben. Fantasie, die niemals nur fantastisch blieb. Visionen, die man zum Teil mit Händen greifen kann und Ideen, in die man sich jederzeit verlieben kann. All dies findet ihr in einem hochwertig gestalteten Atlas, der Luftschlössern eine Heimat gibt und sie in unserer Fantasie verankert…

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Atlas der nie gebauten Bauwerke – Philip Wilkinson

Der Atlas der nie gebauten Bauwerke ist ein Tummelplatz der architektonischen Visionen. Ein wahrer Prachtband der hochfliegenden Träume, die von der Realität der Baustoffe und der Statik eingeholt wurden. Nichtsdestotrotz sind es Traumgebäude, die oftmals den Weg für echte Bauwerke ebneten. „Think big“, lautet die Devise visionärer Geister. Minimalistisch kommt man nicht voran im Leben. Visionäre Geister müssen im Aufwind ihrer Inspiration fliegen und frei träumen dürfen. Die Machbarkeit steht oftmals im Hintergrund, wenn Grenzen des Vorstellbaren überschritten werden sollen. Realität nennt man dann die brutale Fallhöhe, aus der ein Traum auf den Boden stürzt und sich in einem etwas kleineren Maßstab verwirklicht.

Dieser prachtvoll illustrierte und bebilderte Atlas beinhaltet 50 dieser Träume. Es sind Entwürfe von Architekten, die ihrer Zeit weit voraus waren. Zeichnungen, Modelle oder Skizzen zu Bauwerken, die der Gestaltungsfreiheit allen Raum gaben, gleichzeitig jedoch der Realisierbarkeit den architektonischen Mittelfinger zeigten. Höher, gewagter, bunter, fantasievoller und prächtiger als alles bisher von Menschenhand erbaute sollten die hier versammelten Gebäude werden. Sie blieben zumeist Phantome, verworfen von denjenigen, die der Fantasie mit Formeln und Berechnungen Fesseln anlegten. So sind heute nur noch die Entwürfe zu bestaunen. Sie wirken nicht nur als Experiment auf uns. Wir erkennen schnell, was sie zum Teil bewegt haben. Wir kennen Gebäude, die es nie gegeben hätte, ohne diese Traumvorbilder. Eine Lehre fürs Leben. Geistesgeburten, so unmöglich sie auch erscheinen mögen, sind Geburtshelfer der modernen Welt.

Atlas der nie gebauten Bauwerke - Philip Wilkinson - AstroLibrium

Atlas der nie gebauten Bauwerke – Philip Wilkinson

Ein gefundenes Fressen für Literaten. Sind wir doch weit rumgekommen in unserem Lesen. Wir haben sie in den großen Romanen fast physisch vor unseren Augen gehabt. Die gewagten Kathedralen der Renaissance; die Paläste der großen Herrscher; Hotels der größten Metropolen dieser Welt; königliche Pracht- und Machtbauten; Bibliotheken und Museen ungeahnter Größenordnungen; Hochhäuser und Wolkenkratzer; Brunnen, Aquädukte und Triumphbögen längst vergangener Herrscher und in der Fantasy-Welt der großen Autoren betraten wir Traumstädte, utopische Gebäude-Illusionen und viele Orte, die es wohl auch in ferner Zukunft so nicht geben wird. Wir sind wahrlich gut auf den „Atlas der nie gebauten Bauwerke“ vorbereitet. Wir denken gerne groß und sind neugierig auf das Unmögliche.

Wer heute die St-Paul´s-Cathedral in London besucht, die zahllosen Treppen bis zu ihrer Kuppel emporsteigt und die unglaubliche Weite unter sich wahrnimmt, der kommt aus dem Staunen nicht heraus. Wenn man London besucht und gefragt wird, von wem jenes oder welches Gebäude erbaut wurde, dann liegt man mit der pauschalen Antwort „Sir Christopher Wren“ zu 80 Prozent richtig. Er war Visionär und Autodidakt. Der Zeit weit voraus und nach dem großen Brand in London 1666 legte er Baupläne für eine der gewagtesten urbanen Neuordnungen vor, die man bis dato gesehen hatte. Interesse an den Plänen hatte niemand. Grundbesitz sollte nicht umverteilt werden und das Leben in der Stadt sollte so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden. Es ging um Geld und einen schnellen Neuaufbau. Wren hätte Plätze, Straßen und Gebäude für mehrere Jahre lahmgelegt. Ein Nogo. Was ihm blieb, war der Auftrag zum Bau einer Kathedrale.

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Atlas der nie gebauten Bauwerke – Philip Wilkinson

Hier ließ er seiner Fantasie und seinem Genie freien Lauf. Ein riesiges Holzmodell zeigt noch heute, wie er sich die St.-Paul´s-Cathedral eigentlich vorgestellt hatte. Mitten in London würde sich heute ein monströser Sakralbau in den Himmel erheben, dessen Ausmaße die reale Kathedrale im wahrsten Sinne des Wortes in den seinen gewaltigen Schatten stellen würde. So blieb nur das Modell, eine Idee und viele Kompromisse, bis zur Verwirklichung eines berühmten Bauwerks. Philip Wilkinson erzählt diese und 49 weitere architektonische Geschichten. Er illustriert sie mit den Blaupausen und Skizzen, Bauplänen und Fotografien, die diesen gewagten Utopien helfen, sich in unserem Geist festzusetzen. Wir fühlen uns, als dürften wir darüber entscheiden, ob die Pläne Realität werden könnten. Ein wundervolles Leseerlebnis voller visueller Highlights.

Und so geht es weiter im Atlas. Man lässt sich mitreißen und treiben, schmunzelt und staunt gleichermaßen. Die Geschichten dieser ungebauten Gebäude verankern sich tief in unserem Gedächtnis. Wer schon jetzt neugierig auf die „Walking City, eine Kuppel über Manhattan, den Watkin`s Tower, den triumphalen Elefanten, Wohnungen auf Brücken oder den Tour Sans Fin ist, der ist bereit für diesen Atlas. Und wenn ihr euch in eurem belesenen Umfeld umschaut, dann fallen euch zahllose Freunde ein, die sich mit einem solchen Prachtband in die Welt der Visionen und Luftschlösser träumen und dort frei fliegen können. Ich kann diesen Prachtband wärmstens empfehlen. Ich selbst zelebriere mein Lesen. Ich umgebe mich gerne mit Büchern, weil sie meinen Lifestyle prägen. Mit diesem Atlas lässt sich das Lesen vortrefflich feiern.

Nun gut, für Menschen, die auf der Baustelle des Berliner Flughafens arbeiten, ist dieses Buch sicher nicht das geeignete Geschenk. Dies aber nur am Rande.

Atlas der nie gebauten Bauwerke - Philip Wilkinson - AstroLibrium

Atlas der nie gebauten Bauwerke – Philip Wilkinson

Wo wir schon mal bei Gebäuden sind, können wir auch gleich einen Blick auf ein weiteres Prachtbuch werfen, in dessen Mittelpunkt das ewige Leuchtfeuer magischer Bauwerke seine Kreise zieht. „Wächter der See – Die Geschichte der Leuchttürme“ eignet sich ebenso perfekt als Weihnachtsgeschenk, weil sich dieser Foliant an unsere Lesevorlieben schmiegt, wie ein Lichtschweif am Horizont. Leuchtturm-Lesen. Wer hat das noch nicht erlebt. Hier geht´s zu meiner Buchvorstellung.

Wächter der See – Die Geschichte der Leuchttürme von R.G. Grant

Noch mehr unmögliche Atlanten bei dtv… Kein Problem, wie es scheint…

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Unmögliche Atlanten…

Weitere Empfehlungen für den Gabentisch folgen… Versprochen.

„Die Wahrheit über Monster“ von Tim Dowling

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling - AstroLibrium

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Man kann es ja mit den Ängsten unserer Kleinsten halten, wie man will. Man kann sie ignorieren, herunterspielen, sich darüber lustig machen, oder sie ernstnehmen. Sie wirken sich jedoch nicht nur belastend auf Kinder aus, sondern verkomplizieren unsere Vorstellung vom ganz normalen Alltag. Eltern können mehrere Lieder davon singen. Es sind schlaflose Nächte an der Seite des verängstigten Nachwuchses, es sind Nächte in denen das eigene Bett von bibbernden kleinen Wesen erobert wird und Abende, die es in sich haben, weil es nicht gelingt, den eigenen Kindern glaubhaft die Ängste davor zu nehmen, das Kinderzimmer sei voller schrecklicher Monster…

So wird das Einschlafen zur Qual. Es gibt nun viele Möglichkeiten, sich mit der Angst auseinanderzusetzen. Sie einfach zu ignorieren hilft nicht weiter. Also greift man zu den bewährten Hausmitteln, beschwichtigt, verharmlost und als letzte Eskalationsstufe geht man dazu über, den Kleinen Lügen aufzutischen. Richtig gelesen. Lügen. Das reicht im Allgemeinen, um sie zu beruhigen. „Es gibt keine Monster. Du kannst ganz beruhigt im Dunklen schlafen. Nachts ist noch nie was passiert. Das sind ganz normale Geräusche. Keine Angst.“ Kennen wir alles, weil wir es in unserer Kindheit selbst gehört haben. Und jetzt schmunzeln wir über die Ausflüchte unserer Eltern und retten uns in vergleichbare Verhaltensmuster.

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Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Monsterpulver wird gekauft. Das Kinderzimmer wird mit magischen Abwehrritualen in Nullkommanichts zur monsterfreien Zone erklärt und das abendliche Einschlafritual wird zur Nervenprobe für alle Beteiligten. Dabei gibt es weitere Möglichkeiten, sich mit Angst auseinanderzusetzen. Bücher. Gemeinsames Lesen, pädagogisch wertvolle Tipps und Denkimpulse, die gerade in Bilderbüchern besser funktionieren, als in der Realität. Hier finden wir unterschiedliche Wege, die dem Nachwuchs Auswege aus ausweglosen und beängstigenden Situationen aufzeigen. Man muss nur den richtigen Weg wählen. Zwei denkbar gute Alternativen möchte ich vorstellen. Zwei Varianten der Angstbewältigung, die aus meiner Sicht gute Chancen auf Erfolg haben.

MONSTA“, geschrieben von Dita Zipfel und illustriert von Mateo Dineen, ist vom Tulipan Verlag als rezeptfreie Therapie für Monsterängste aller Art in Umlauf gebracht worden. Ich habe dieses Bilderbuch bereits vorgestellt. Es basiert auf dem Ansatz, den Kindern gegenüber zuzugeben, dass es durchaus Monster gibt. Nur eben nicht hier bei ihnen. Dazu liegt dem Buch gar ein handschriftliches Kündigungsschreiben von Monsta bei, mit dem sich leicht nachweisen lässt, dass die Luft endgültig rein ist. Ich mag diese Idee. Ich mag die Vorstellung vom gelangweilten Monster, das frustriert abhaut und sich auf die Suche nach ängstlicheren Kindern macht. Ob diese Methode jedoch immer hilft, muss der Praxistest erweisen.

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Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Ein anderer Denkansatz stammt aus der Feder von Tim Dowling, der Kindern Die Wahrheit über Monster erzählt. Auch hier haben wir es mit einem Bilderbuch zu tun, in dem Text und Illustrationen Hand in Hand gehen, um das Leben der kleinsten Leser zu erleichtern. Beiden Werken ist der philosophische Ansatz gemeinsam, die Existenz solcher Monster nicht einfach zu leugnen. Kinder werden ernst genommen, ihre Ängste werden nicht heruntergespielt, man zeigt eben nur auf, wie man jene Monster besiegen kann. Entweder, wie bei „Monsta“, indem man einfach zu tapfer und mutig war und das gruselige Wesen sich gelangweilt vom Acker gemacht hat, oder, und das ist der Ansatz von Tim Dowling, indem man den Kindern zeigt, wie Monster wirklich gestrickt sind.

Hier kommt die kleine Luna ins Spiel. Tja, und wie es so ist im richtigen Leben, ist es das kleine Mädchen, das eigentlich das wahre Monster im Haus ist. Sie ist ungezogen, frech und hat es faustdick hinter den Ohren. Und sie hat eines ganz sicher nicht: Angst vor Monstern. Sie freut sich sogar, wenn sie den Unwesen begegnet. Aber wie groß ist ihre Enttäuschung, als sie feststellen muss, wie wohlerzogen, brav und ängstlich diese Gesellen doch in Wirklichkeit sind. Dagegen ist jedes kleine Kind ein Schreckgespenst. Hier hält der Autor unseren Kindern auf sehr sympathische Art und Weise den Spiegel vors Gesicht und stellt ganz offen die Frage, wer denn eigentlich schlimmer ist. Unsere lieben Kleinen oder die größten Fantasiemonster, die man sich nur vorstellen kann.

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Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Ein greifbarer Ansatz, wissen wir doch selbst, wozu unsere Kleinen fähig sind. Es macht Spaß, „Die Wahrheit über Monster“ zu erfahren und die Lehren dieses Buches ins eigene Leben zu übertragen. Der Ansatz ist pädagogisch wertvoll, weil wir uns nicht über die Ängste lustig machen, sondern viel eher darüber nachdenken, wie schlimm ein Monster wirklich sein kann. Und während bei „Monsta“ das gefrustete Schreckgespenst das Haus verlässt, ziehen kleine und große Monster bei Luna im Zimmer ein. Sie finden ein neues Zuhause. Sie sind brav und jagen niemandem einen Schrecken ein. Sie sind alles andere als frech. Jetzt haben sie ihre kleine Lehrmeisterin vor Augen. Luna kann ihnen sicher einiges beibringen.

Die Zeiten des Monsterpulvers sind vorbei. Zwei, im Ergebnis sehr unterschiedliche Bücher können für ruhige Nächte in vielen Kinderzimmern sorgen. „Monsta“ macht die Bude monsterfrei und „Die Wahrheit über Monster“ (Bohem Verlag) sorgt dagegen für einen Zuwachs an freundlichen und harmlosen Monstern unter dem Bett. Beide Bücher nehmen die Angst, anstatt sie zu leugnen. Beide Bilderbücher nehmen die Ängste ernst und spielen sie nicht herunter. Es ist der Umgang mit der eigenen Angst, den wir hier in spielerischer Art und Weise lernen und vermitteln können. Wer also wieder einmal eine ruhige Nacht ohne verängstigte Kinder erleben möchte, der sollte zu einem Bilderbuch greifen. Erstens ist der gemeinsame Spaß vorprogrammiert und zweitens gibt es nichts Schöneres als ein befreites Kinderlächeln beim Einschlafen…

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Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Man kann den Versuch ja schon zum Weihnachtsfest wagen. Eines dieser beiden Bilderbücher würde sich gut auf dem Gabentisch machen. Beide zusammen sollte man jedoch nicht verschenken. Sie widersprechen sich doch zu sehr in der Lehrmeinung. So ist es ja immer in der Monster-Wissenschaft. Frohes Fest. Mit oder ohne Monster.

Bilderbuchwelten in der kleinen literarischen Sternwarte

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