Ich habe einen schönen Specht gesehen – Michal Skibinski

Ich habe einen schönen Specht gesehen - Michal Skibinski - Astrolibrium

Ich habe einen schönen Specht gesehen – Michal Skibinski

„Ich war damals acht Jahre alt.
Die Ferien über habe ich täglich
einen Satz in mein Heft geschrieben,
eine Sache, die ich erlebt habe.
Das war meine Aufgabe, damit ich
in die 2. Klasse versetzt werden konnte. 
Das Heft habe ich immer noch.“

Michal Skibinski

Solche und ähnliche Aufgaben kennen wir vielleicht aus unserer Schulzeit. Nennt es Nachhilfe oder Nachsitzen. Egal, es kann ja nicht so schwer sein, ein paar Dinge zu Papier zu bringen, die sich in den Ferien ereignen. Für einen Erstklässler kein Problem. Das dachte sich der achtjährige Michal Skibinski auch, als er damit begann, die kleine Welt zu beschreiben, die in den großen Ferien auf ihn wartete. Und außerdem war die Belohnung sicherlich motivierend für den kleinen Kerl. Also frisch ans Werk. Er beginnt sein Tagebuch der kurzen Sätze, die eigentlich gar nicht für ihn bestimmt sind, sondern zu Beginn des nächsten Schuljahres von einem Lehrer gesichtet würden. Ob sie dabei helfen würden, ihn in eine neue Klasse zu bringen…?

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Ich habe einen schönen Specht gesehen – Michal Skibinski

15.07. Ich war mit meinem Bruder und dem Kindermädchen am Bach.
16.07. Ich war in der Kirche.
17.07. Ein kleines Mädchen ist in die Pension gekommen, in der ich wohne.
18.07. Ich war mit meinem Freund im Wald.

Michal Skibinski schreibt schlicht, authentisch und kein Wort zuviel. Da ist er wohl wie die Schüler überall auf der Welt. Und doch liest man sich gut gelaunt in den Juli an seiner Seite hinein. Es klingt nach einer behüteten Kindheit und wie so viele Ferien, die wir vielleicht selbst erlebt haben. Wir spazieren mit Michal durch die Natur. Begleitet nur von seiner Großmutter, dem eigenen Bruder, einem Kindermädchen oder seiner Mutter. Alles fühlt sich gut an, es sind nur ein Gewitter und ein Stromausfall, die den Alltag zum Abenteuer werden lassen. Und es ist ein sonniger Julitag, der diesem Buch den Namen gibt.

28.07. Ich habe einen schönen Specht gesehen.

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Ich habe einen schönen Specht gesehen – Michal Skibinski

Ein wundervolles Buch. Mit brillanten Landschaftszeichnungen illustriert von Ala Bankroft. Jeder Doppelseite gehört ein Satz aus der Feder des achtjährigen Schülers. Unterbrochen nur von den Originalseiten aus dem Heft von Michal Skibinski. Doch was will uns dieses Buch sagen? Welche Botschaften trägt es zu uns? Nein, es ist nicht die Naivität eines Schuljungen, die uns hier zeitlos begeistern soll. Es ist unser Wissen um die Geschichte, das aus einem schönen Sommer und ein paar warmen Ferientagen im Kreise einer Familie den Abgesang auf ein normales Leben macht. Wir müssen nur die beiden wesentlichen Informationen hinzufügen, um die Sätze von Michal Skibinski im Kontext der Weltgeschichte richtig werten zu können. Ort und Zeit. 

Wir befinden uns im letzten Sommer vor dem Zweiten Weltkrieg. Wir sind in Polen. Wir schreiben das Jahr 1939. Die Schule wird nach diesen Ferien wohl nicht beginnen. Am 1. September wird die Wehrmacht das Land überfallen. In wenigen Tagen bricht die heile Welt von Michal Skibinski in sich zusammen. In wenigen Tagen werden sich alle Sätze aus seiner kindlich naiven Schülerfeder verändern. Und mit diesem Heft der ganz kleinen und einfachen Sätze macht er uns zu Zeitzeugen eines Kriegsausbruchs…

01.09.1939 Der Krieg hat begonnen.
02.09.1939 Ich bin in Milanówek angekommen.
03.09.1939 Ich habe mich vor den Flugzeugen versteckt.

06.09.1939 Sie haben in der Nähe eine Bombe abgeworfen…

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Ich habe einen schönen Specht gesehen – Michal Skibinski

Zwischen den Zeilen erleben wir eine Flucht, hören den Gefechtslärm, erleben die Wucht der Gerüchte aus den Nachrichten und sehen seine Familie, die versucht, sich in den Wirren des Krieges wiederzufinden. Die vormals strahlend blauen Illustrationen von Ala Bankroft werden zunehmend dunkler, bedrohend und apokalyptisch. Wort und Bild beginnen jetzt im Krieg Hand in Hand zu gehen. Keine Spechte mehr, keine Sonne. Es brennt. Es raucht. Und Michal schreibt weiter, als würde er immer noch hoffen, bald wieder in die Schule gehen zu können… Vergebens, wie wir heute wissen. Der Krieg ist nicht mehr zu stoppen…

Dieses reichhaltig illustrierte Buch der kleinen gewichtigen Sätze ist für mich kein Bilderbuch im klassischen Sinne. Es ist ein Hybrid-Bildband gegen das Vergessen, in dem wir zu Zeugen der Unvorhersehbarkeit von Politik und Geschichte werden, und in der Naivität des kleinen Jungen die eigene Gedankenlosigkeit gespiegelt sehen. Es ist die Welt der Erwachsenen, die eine Kindheit beendet. Es sind Kriege und Krisen, die in vielen Jahren ihre psychischen Nachwirkungen bei Kindern zeigen. Auch heute ist es in vielen Ländern fraglich, ob die Schulen nach den Ferien wieder beginnen. Vielleicht ist in genau diesem Moment ein Schulkind dabei, seine tiefen Gedanken in einem kleinen Heft für uns festzuhalten. Dieses Buch eignet sich besonders, um es mit Schulkindern zu entdecken. Es ist auch ein Buch der Hoffnung, da es zwar am 15. September 1939 endet. Nicht jedoch das Leben von Michal Skibinski. Er lebt und schließt einen Kreis, den er vor mehr als achtzig Jahren geöffnet hat. Prädikat besonders wertvoll…  

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Weitere Bücher zu meinem Zyklus „Gegen das Vergessen“ finden Sie hier…

Ich habe einen schönen Specht gesehen - Michal Skibinski

Ich habe einen schönen Specht gesehen – Gegen das Vergessen bei AstroLibrium

Hier im echten Leben von Sara Pennypacker

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Hier im echten Leben von Sara Pennypacker

Kann ein Träumer die Welt verändern? Ein doch recht hochtrabender Untertitel für ein Jugendbuch, in dem sich ein elfjähriger Junge gegen die Erwartungshaltung in seinem Umfeld stellen muss, um den Weg ins eigene Leben zu finden. Jedoch macht gerade der Untertitel in Verbindung mit dem Romantitel „Hier im echten Leben“ mehr als neugierig auf das neue Werk aus der Feder von Sara Pennypacker. Es sind diese scheinbaren Brüche, die uns zum Lesen und zum Hören verführen. Es sind diese sehr bewegenden Kipppunkte, die wir zu erkennen glauben, weil wir alle selbst erlebt haben, wie es sich anfühlt, als „Träumer“ bezeichnet zu werden. „Du musst mal aufwachen, damit Du im echten Leben zurechtkommst.“ Kennt Ihr diesen Spruch vielleicht? Von Eltern oder Lehrern immer wieder gerne ans Kind gebracht, wenn der Realitätssinn zu wünschen übriglässt…

Wenn Ihr das in Eurer Kindheit selbst erlebt habt, dann seid Ihr schon ganz nah an einem besonderen Jungen dran, der Euch in „Hier im echten Leben“ ans Herz gelegt wird. Ware, ein schon ungewöhnlicher Name für den erst elfjährigen Protagonisten, da wir ja eigentlich gewöhnlichere Jungennamen erwarten. Hier wird sein Name allerdings schnell zum Programm. Ware. Fast wie ein Artikel aus einem Warenhaus, den man in der Welt herumschieben kann, wie es einem beliebt. So fühlt sich sein Leben an. Die Oma nach einem Sturz und OP in einer längeren Reha, die Eltern in Doppelschichten arbeitend, um sich endlich das Haus kaufen zu können, in dem sie gerade leben. Und Ware? Ja, was ist mit ihm? Und gerade jetzt, zu Beginn der langen Sommerferien? Er wird einfach verschoben, abgeschoben und dort geparkt, wo er am wenigsten stört.

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Hier im echten Leben von Sara Pennypacker

Das Sommerlager im Gemeindezentrum wird zur Rettung für seine gestressten Eltern. Spiel, Sport, Gemeinschaftserlebnisse, Teamspirit und Tagesprogramm. Ideal und unkompliziert. Man bezahlt, der Junge ist versorgt und wird nebenbei sogar noch sozialisiert und man muss sich keine Gedanken um ihn machen. Abends darf er nach Hause und tagsüber: Aus den Augen, aus dem Sinn. Wirklich perfekt. Zumindest aus Sicht der Eltern. Aus der Perspektive von Ware jedoch das absolute Horrorszenario. Er ist anders. Er fühlt sich anders. Er ist Einzelgänger, Einzeldenker, Tagträumer und hasst nichts mehr, als Gruppendynamik und den viel beschworenen Teamgeist. Dafür ist er viel zu beschäftigt mit all den Fragen, die ihm auf der Seele brennen. Protest wird nicht akzeptiert und selbst ein letztes Aufbegehren endet im Kopfschütteln:

„Wie viel kostet das hier, Mom? Ich zahl dir das Doppelte,
wenn du mich zu Hause bleiben lässt.“

Diese ausweglose Situation reicht Sara Pennypacker aus, um ihren kleinen Helden aus seinen Tagträumen zu erwecken und ins richtige Leben zu stoßen. Allerdings nicht auf Kosten seiner Individualität. Sie macht Ware nicht zum angepassten Mitläufer einer All-Inclusive-Sommercamp-Berieselung. Er findet seinen Weg. Zielstrebig hinein in das verhasste Gemeindezentrum und zielstrebig hinaus aufs Nachbargrundstück und damit mitten hinein in eine abenteuerliche Geschichte voller lichtheller Erweckungsmomente. Genau hier findet Ware den Ort, an dem er seine Träume leben und kultivieren darf. In einer Kirchenruine und dem brachliegenden Garten vollzieht sich seine Wandlung und ein entscheidender Schritt in eine Richtung, die ihm niemand zugetraut hätte.

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Hier im echten Leben von Sara Pennypacker

Dass er sein Paradies mit der gleichaltrigen Jolene teilen muss, ist immer noch erträglicher, als den Tag mit Horden von Kindern zu verbringen. Das Mädchen macht aus diesem Jugendroman einen Tummelplatz für zwei besondere Charaktere, die sich anfangs heftig aneinander reiben, dann jedoch realisieren, dass sie gemeinsam etwas erreichen können, das unerreichbar scheint. Sara Pennypacker konfrontiert uns hier mit zwei echten „Persönlichkeiten“, die in ihrem Umfeld allerdings eher als störend und nicht normal wahrgenommen werden. Er, der Idealist, der aus der Kirche eine Burg in eine Welt der Ungerechtigkeit machen möchte. Und sie, die kleine Öko-Aktivistin, die dem Müll ihren Kampf angesagt hat. Sie vereinen sich am Komposthaufen ihrer Leben und versuchen gemeinsam einen neuen Weg zu gehen. Papayas zu züchten und der Burg auf die Sprünge helfen. Beide Ideale schließen sich keinesfalls aus.

„Hier im echten Leben“ ist ein starkes Statement für das Anderssein. Die Autorin bringt uns ihren beiden Idealist:innen sehr nah. Wir wünschen uns, dass man ihnen in ihren Bestrebungen hilft oder dass man sie zumindest versteht. Und doch erkennt man, dass im echten Leben dafür kaum Platz bleibt. Selbst ihr kleines Biotop ist ein Ort unter Vorbehalt. Eine öffentliche Versteigerung des Grundstücks könnte den Traum beenden. Hier nimmt Sara Pennypackers Roman Fahrt auf – und uns mit. Dabei haben wir es in keiner Weise mit einem rasanten Abenteuerroman zu tun. Keinesfalls. Die Charaktere stehen im Mittelpunkt und nehmen viel Raum ein, um sich zu entfalten. Dies ist wahrlich kein Pageturner, der uns atemlos zurücklässt. Es ist eine doppelte Charakterstudie, die gerade junge Lesende und Hörende dazu einlädt, sich in die beiden Hauptfiguren hineinzuversetzen. Ware und Jolene sind emotionale Blaupausen für viele Kinder und Heranwachsende, die einfach gerne sie selbst wären.  

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Hier im echten Leben von Sara Pennypacker

Ein bewegendes Zitat aus der Feder Sara Pennypackers steht für mich für ihren ganzen Roman. Versuchen wir doch Kinder, wie Künstler zu sehen, ihnen den Raum zu geben, um sich frei zu entfalten. Stellen wir uns ihnen nicht in den Weg, führen wir ihnen nicht die Hand bei ihren Kunstwerken und machen wir sie nicht zu Kopien einer Vorstellung, die wir gerne von ihnen hätten. Dieser Roman kann die Augen öffnen, für das ungeahnte Potenzial, das in Kindern schlummert, für das Vertrauen, dass nur wir ihnen vorschießen können und für die Stärke des Andersseins in einer Umgebung, in der Konformität individuelle Stärken schluckt.

„Wir Künstler sehen etwas, was uns bewegt, und das müssen wir in uns aufnehmen, es zu einem Teil von uns selbst machen. Später geben wir es der Welt zurück. In einer Art Übersetzung, so dass die Welt es auch sehen kann…“

Ich habe das Privileg genossen, „Hier im echten Leben“ abwechselnd lesen und hören zu dürfen. Im gebundenen Buch (Sauerländer) habe ich mir mein individuelles Tempo gegönnt und die Hintergründe dieser Geschichte auf mich wirken lassen. In der mehr als sechsstündigen Hörbuchfassung von Sauerländer Audio / Argon Verlag ist mir Julian Mehne zum erzählerischen Weggefährten geworden, weil es ihm gelingt, in den Dialogen zwischen Ware und Jolene die beiden einzigartigen Charaktere in allen Nuancen noch näherzubringen. Besonders Jolene gewinnt in seiner Interpretation der Geschichte an Profil. Eine absolute Bereicherung, die sich besonders dazu eignet, die Geschichte gemeinsam mit Heranwachsenden zu hören. Für welchen Weg man sich in diesem Fall auch immer entscheiden mag, es bleibt eine Geschichte, die so typisch für eine Sara Pennypacker ist, die wir noch so intensiv aus ihrem Roman Mein Freund Pax in Erinnerung haben.

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SEESUCHT von Marlies van der Wel

SEESUCHT von Marlies van der Wel - Astrolibrium

SEESUCHT von Marlies van der Wel

Seesuchtsvoll habe ich nach einem Zoom-Meeting mit dem Mixtvision Verlag auf dieses Buch gewartet. Seesüchtig freute ich mich auf den Moment des Eintauchens in einem besonderen Bilderbuch. Inzwischen hat dieses Kunstwerk hohe Wellen in der kleinen literarischen Sternwarte geschlagen. „Seesucht“ von Marlies van der Wel hat mich eingesaugt, meine Wahrnehmung verändert und mich bereichert wieder an Land abgesetzt, wo ich jetzt – festen Boden unter den Füßen – darüber schreiben kann, was ich in diesem Buch erlebt habe. Doch Vorsicht, es kann sein, dass ich zwischendurch immer wieder mal abtauchen muss, um unter Wasser Luft zu holen, damit ich mir hier keine nassen Füße bei der Rezension einfange. Die Seesucht ist einfach zu groß.

Schon beim Lesen des Buchtitels verspürte ich schon tiefe Dankbarkeit. Ich bin literarisch oft „draußen auf See“. Ich bin fasziniert von diesem tiefblauen Element, das unser Leben bestimmt. Zahllose Bücher zu den Themen Meer und Wasser bevölkern meine kleine Bibliothek und vermitteln das Gefühl, eine kleine Aquanautik-Abteilung zu führen. Was ich bisher nicht in Worte fassen konnte, gelingt Marlies van der Wel mit dem Titel ihres Bilderbuchs. Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes „seesüchtig„. Jetzt gibt es endlich ein Wort für die Sehnsucht nach dem Meer. Ein Wort für die tiefe Lust, in die Wellen zu laufen, mich schwerelos zu fühlen, treiben zu lassen, und in der Tiefe nach allem zu suchen, was sich dort verbirgt. Es ist die ungestillte Seesucht, die mich immer wieder in Bücher, an Strände und an Bord von Schiffen treibt.

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SEESUCHT von Marlies van der Wel

Da darf man sich nicht wundern, dass ich in literarische Schnappatmung verfiel, als ich auf diese Neuerscheinung aufmerksam gemacht wurde. Ich jedoch durfte mich wundern, in welche Tiefen mich dieses Buch entführen konnte. In bewegenden Bildern mit minimalistisch erscheinenden, jedoch vielsagenden Texten, erzählt uns die Autorin und Illustratorin die Geschichte von Jonas. Wir lernen ihn im Kinderwagen am Strand kennen, sehen seine ersten, magisch vom Meer angezogenen, Schritte zum Meer und das erste Eintauchen in dem fremden Element. Den großen Augen sieht man die tiefe Begeisterung an, die Schwerelosigkeit umfasst das Kleinkind, doch atmen funktioniert nicht. Im letzten Moment rettet die Mutter ihren kleinen Sohn. Was niemand ahnt. hier beginnt die „Seesucht“ des kleinen Jonas.

In interessanten Zeitscheiben dürfen wir ihm weiter auf der Suche nach seinem Sinn des Lebens folgen. Ob als Acht- oder Achtzehnjähriger, man spürt  dass seine Faszination für das Meer kein Ende findet. Nur sein Ideenreichtum nimmt zu. Es sind Zufallsfunde, die ihm nun dabei helfen, seine Aufenthalte im Meer zu verlängern. Hier erlangt auch der Begriff „Strandgut“ eine neue Bedeutung. Letztlich jedoch scheitern seine Versuche immer wieder. Der dreißigjährige Jonas experimentiert mit einem U-Boot und endlich gelingt ihm eine Tauchfahrt auf Augenhöhe mit den Fischen. Seine Konstruktion ist gewagt und nur ein dummer Zufall beendet das Abenteuer. Die Jahre ziehen vorüber und Jonas sammelt beharrlich Strandgut. Er lässt sich treiben, es sind die Zufälle, die ihn mit neuen Fundstücken versorgen. Die Liebe zum Meer bleibt. Bis wir ihn zuletzt mit achtzig Jahren sehen. Bilder, die wir kaum glauben können. Bilder, die belegen, dass lebenslang geträumte Träume und Visionen real werden können. Wir versinken in großzügigen 78 Seiten eines kleinen Wunders.

SEESUCHT von Marlies van der Wel - Astrolibrium

SEESUCHT von Marlies van der Wel

Marlies van der Wel erzählt mit ihren facettenreichen Mitteln die Geschichte einer wahrhaftigen Bestimmung. Sie erzählt von nicht enden wollender Ausdauer und einer Beharrlichkeit, die ein ganzes Leben bestimmt. Sie malt uns ein Bild des Scheiterns ins Herz und zeigt zugleich, dass Aufgeben für Jonas niemals in Frage kommt. Sie erzählt in Wort und Bild, dass man Lebensziele nicht immer auf direktem Weg erreicht, und in vielen Fragen des Lebens geduldig sein muss. Das Meer steht hier als Sinnbild für das Glück, nach dem wir alle streben. Wenn wir die Flinte ins Korn werfen (oder den Anker über Bord), dann kommen wir keinen Schritt weiter. Und genau hier wird das Buch für Eltern und Kinder oder sogar für Großeltern und das gemeinsame Lesen interessant. Auch wir hatten und haben unsere Träume, auch wir haben ihnen hinterhergejagt, mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg. Wenn wir Werte an unsere Kleinen weitergeben möchten, dann sind dies eben gerade Beharrlichkeit und der Wille, nicht aufzugeben.

Was hier „Seesucht“ heißt, trägt für viele Kinder und Jugendliche andere Namen. Der Transfer zu ihren Visionen und Träumen fällt leicht. Vielleicht ist es ihre Sportsucht, die Reitsucht, die Ballettsucht oder einfach die Sucht nach Freiheit. Darüber lässt sich nach diesem aufrüttelnden Bilderbuch trefflich reden. Wovon träumst Du? Was bist Du bereit für Deinen Traum zu investieren, und hast Du die Geduld, es auch auf Umwegen zu schaffen? Die Themen gehen uns nicht mehr aus. Versprochen. Und wenn man es bis hierhin geschafft hat, dann kan man das Strandgut suchen und definieren, was uns helfen kann, Lebensträume zu verwirklichen. „Seesucht“ ist ein Traumbuch. Es sind in erster Linie die faszinierenden und großformatigen Bilder, die uns bestechen. Es sind die Details, die wir in ihnen entdecken. Es ist aber auch ein Muster, das jedem einzeln geträumten Wunschtraum zugrunde liegt, das wir hier auf unser Leben übertragen.

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SEESUCHT von Marlies van der Wel – Mit einem Klick zum Film auf Vimeo

„Seesucht“ ist nicht zuletzt auch der Beharrlichkeit von Marlies van der Wel zu verdanken. Was mit einem Kurzfilm begann, an dem sie viele Jahre gearbeitet hat, ist nun zu einem Buch geworden. Aus „Zeezucht“ oder „Jonas und das Meer“ wird jetzt ein Bilderbuch, das wir jederzeit wieder hervorholen können, wenn uns die Sehnsucht mal wieder packt. Es ist das Strandgut des Lebens, das uns die Autorin überreicht. In der Geschichte finden wir das Muster der Gegenstände, die ans Ufer gespült wurden. Auch wir haben unser Strandgut immer in unserer Nähe. Auch, wenn wir denken, es sei nutzlos und wenig wert, weil es anderen verloren ging. Einen wahren Nutzen zeigt unser Strandgut nur, wenn wir ihn erkennen wollen. Dieses Buch hilft uns dabei.

Das Meer und das Wasser bei AstroLibrium. Dies ist mein Strandgut, das ich mehr als gerne mit euch teilen möchte: Es sind die Bücher, die ich fand.

SEESUCHT von Marlies van der Wel - Astrolibrium

SEESUCHT von Marlies van der Wel

Ich habe die Suche niemals aufgegeben, und vielleicht schreibe ich mit 80 Jahren mein erstes Buch. Träumen wird man ja wohl noch dürfen. Das ist der Jonas in mir.

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SEESUCHT von Marlies van der Wel

Nette Skelette – Röntgenbilder von Tieren und Pflanzen

Nette Skelette - Röntgenbilder von Tieren und Pflanzen - Astrolibrium

Nette Skelette – Röntgenbilder von Tieren und Pflanzen

Ihr sucht ein ganz besonderes Buch zum gemeinsamen Lesen und Entdecken? Ihr möchtet Schulkindern und Jugendlichen neue Einblicke in unsere Welt vermitteln? Ihr sucht nach einem Kinder- und Jugendbuch, das es so bisher noch nicht gegeben hat? Weder für junge Menschen, noch für den geneigten erwachsenen Leser? Es ist gar nicht so einfach, in der heutigen Zeit ein Buch für gemeinsame Entdeckungsreisen zu finden, von dem man sich versprechen darf, dass es Horizonte öffnet und Einblicke gewährt, die bisher im Verborgenen lagen. Vielleicht macht euch mein Gedankenspiel zu diesem, gerade zu einem der Besten bayerischen Jugendbücher unabhängiger Verlage des Jahres gewählten Werk ein wenig neugierig. Vielleicht könnte das ja auch euer Einstieg in den reichhaltig bebilderten und grandios erzählten Kosmos von Nette Skelette. Röntgenbilder von Tieren und Pfanzen aus dem Mixtvision Verlag sein.

Nette Skelette - Röntgenbilder von Tieren und Pflanzen - Astrolibrium

Nette Skelette – Röntgenbilder von Tieren und Pflanzen

Ich denke, jedes Kind hat schon mal ein Röntgenbild gesehen. Vielleicht sogar das Röntgenbild eines eigenen Körperteils. Vom verstauchten Knöchel bis zur gebrochenen Hand, es gibt wohl zahllose Möglichkeiten, schon im jüngsten Lebensalter die Radiologie einer Klinik von innen zu sehen. Wie groß ist das Stauen, seine eigenen Fingerknochen auf dem Foto betrachten zu können. Wie seltsam fühlt es sich an, sich selbst einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen. Und wie viele Fragen sprudeln heraus, wenn die jungen Forscher*Innen herausfinden wollen, was man da so alles erkennen kann. In unserer modernen Welt gehören Röntgenaufnahmen zum Alltag. Könnt ihr euch an das erste Röntgenbild erinnern, das ihr betrachten durftet? Ein magischer Moment. Oder?

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Nette Skelette – Röntgenbilder von Tieren und Pflanzen

Wie lustig ist der Gedanke, im Krankenhaus darauf zu warten, bis man selbst an die Reihe kommt, und dann die Durchsage zu hören: „Der Laubfrosch bitte in Kabine 1.“ Was? Wie? Ein kleiner Frosch beim Röntgen? Was soll denn das? Und, wenn man sich mit diesem Gedanken angefreundet hat und sich im Wartezimmer umschaut, sieht man dort Krokodile, Igel, Eichhörnchen, Seepferdchen, Fasane und Tausendfüßler, die alle auf ihren Röntgentermin warten. Geht natürlich nicht. (Tiere sind doch gar nicht krankenversichert und können sich diese Aufnahmen überhaupt nicht leisten). Was im echten Krankenhaus natürlich nicht an der Tagesordnung ist (außer in ganz speziellen Tierkliniken) hat sich der Röntgenexperte Arie van´t Riet zur Aufgabe gemacht. Nicht nur Menschen zu durchleuchten, sondern auch das Innenleben ganz besonderer Tiere zu zeigen, um uns mit Skeletten zu konfrontieren, die alles andere als gruselig sind.

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Nette Skelette – Röntgenbilder von Tieren und Pflanzen

Jetzt ist unser Medizinphysiker Arie van´t Riet natürlich der Fachmann für den Teil des Buches, der die einzigartigen Röntgenaufnahmen von Tieren zeigt. Was jedoch das Buch Nette Skelette ebenso besonders macht, sind die Texte von Jan Paul Schutten, der die radiologische Expertise um die fantasievolle Perspektive eines versierten Autors von über 40 Kinder- und Jugendbüchern bereichert. Diesem Dreamteam ist ein absolut brillanter Ausflug in eine geheime Welt gelungen, der den Bogen von der Wissenschaft zur Unterhaltung spannt und uns, dem Buch angemessen, großformatig zu überzeugen weiß. Nie zuvor gesehene Fotos gehen hier Hand in Hand mit Texten, die nur entstehen konnten, weil die Bilder sie belegen oder inspirierten. Wie sonst sollte man auf die Idee kommen, dass Hummeln eine Wespentaille haben, warum im Cockpit einer Libelle nur wenig Platz für ein Gehirn ist, oder warum sich unter manchem Eulengefieder nur eine ranke und schlanke Käuzchengestalt verbirgt. Spielerisches Lernen und feiner Wortwitz machen aus diesem Buch ein Erlebnis, das weit entfernt von einer Schulstunde nur den Spaß an der Wissenschaft vermittelt.

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Nette Skelette – Röntgenbilder von Tieren und Pflanzen

Die Mischung aus lehrreichen Einsichten und lockeren Texten, die doch Tiefgang haben, entwickelt einen Sog, dem man sich gar nicht mehr entziehen kann. Selten hat man in einem unterhaltenden Sachbuch so viele neue Eindrücke zu verarbeiten und ist so gebannt von den Wundern der Natur. Diese Röntgenaufnahmen haben den Charme von echten Kunstwerken und kommen der Natur damit sehr nah. Schöpfung ist Kunst. Es gilt sie zu bewahren, zu respektieren und zu bewahren. Vielfältige Botschaften sind in diesem Gesamtkunstwerk zu finden. Vielleicht ändert sich unser Blick auf die kleinen Lebewesen in unserem Umfeld. Vielleicht gelingt es das Bild der Supermaus dauerhaft in uns zu verankern. Das Kleine ist hier ganz groß und ganz nebenbei finden sich hier Aufnahmen von Pflanzen, die ihresgleichen suchen. Botaniker haben ihre helle Freude. Gemeinsame Lesezeit wie diese ist nicht leicht zu finden. Sie ist wertvoll und intensiver als man es sich vorstellen kann.

Ich kann nur empfehlen, diesen Röntgenblick auf die Natur zu einem wichtigen Teil der gemeinsamen Bibliothek werden zu lassen. Hier sieht man Tiere, wie man sie noch nie zuvor gesehen hat. Das ist kein knochentrockener Lehrstoff. Das ist das Gerüst für eine neue Sicht auf die Welt, auch wenn es manchmal aus Gräten besteht.

Nette Skelette - Röntgenbilder von Tieren und Pflanzen - Astrolibrium

Nette Skelette – Röntgenbilder von Tieren und Pflanzen

Ein Tipp zum Schluss: Nette Skelette mit Kindern zu genießen ist recht einfach: Haltet einfach die Namen der Tiere verdeckt und lasst die Kids raten, welches Tier hier wohl ohne Fell oder Federn durchleuchtet wurde, oder zeigt den Kids einfach das Foto eines Froschs, Seepferdchens, Fisches (natürlich im angezogenen Zustand) und lasst es dann ein Skelett des Tiers zeichnen. Der Vergleich ist sicherlich amüsant. Wer sich dann noch weiter vorwagen möchte, kann sich Tiere auswählen, die im Buch nicht zur erlauchten Auswahl gehören. Kleiner Tipp… Dinosaurier-Skelette beherrschen unsere Mini-Forscher*Innen blind aus dem Effeff.

Die Abenteuer des Pinocchio – Carlo Collodi

Die Abenteuer des Pinocchio - Carlo Collodi - Astrolibrium

Die Abenteuer des Pinocchio – Carlo Collodi

Kenn ich, kenn ich doch schon ewig. Alter Hut.“ So werden viele denken, wenn sie an „Die Abenteuer des Pinocchio“ von Carlo Collodi denken. Tausendfach gesehen und gelesen, damit lockt man doch kein Kind mehr hinter dem Ofen hervor. Ist das so? Nun, vielleicht steckt mehr hinter dieser Geschichte, als das, was uns die verknappten Kinderbuchausgaben der Vergangenheit mit ihrem Extrakt überliefert haben. Vielleicht hat Pinocchio doch mehr zu bieten, wenn man den Text, seinen Schöpfer und die Zeit der Entstehung dieses Märchens näher betrachtet. Vielleicht gelingt es uns ja, diesem „Erziehungshelfer“ der Vergangenheit ein paar neue Seiten abzugewinnen. Dass wir es hier mit einem italienischen Struwwelpeter zu tun haben, ist seit Generationen am lebenden Objekt, nämlich an Kindern, getestet worden.

Immer schön brav sein. Man sieht dir die Lügen an der Nasenspitze an. Du wirst erst zum echten Kind, wenn wir es zulassen und die Marionettenfäden abschneiden. Bis es jedoch soweit ist, gilt es sich an unsere Tugenden zu halten. Und die lauten Gehorsam, Fleiß, Genügsamkeit und Ehrlichkeit. Habt Ihr Pinocchio anders in Erinnerung? Könnt Ihr Euch noch an die pädagogische Wirkung der kleinen Holzfigur erinnern? Aus Holz geschnitzt, alleine nicht lebensfähig und immer dann, wenn sie versucht, einen eigenen Weg zu gehen, kommt es knüppeldicke. Also richtig mit Spaß und Vergnügen kann es nichts zutun haben, wenn Kinder sich dieser Geschichte nähern. Außer, wir verändern unsere Haltung. Außer, wir gehen neue Wege mit dem Text und mit den Kleinsten, die als alles auf diese Welt kommen, jedoch nicht als Teil unseres Marionettentheaters.

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Die Abenteuer des Pinocchio – Carlo Collodi

MinaLima und der Coppenrath Verlag haben sich diese neue Herangehensweise auf die Fahne geschrieben. Die in London erschienenen Originale der Kinderbücher werden seit Jahren im Maßstab 1:1 „geklont“, gekonnt und flüssig übersetzt und bieten uns auf der Grundlage ihrer Ursprungstexte einen komplexen Zugang, den man dann im gemeinsamen Lesen mit Kindern beliebig vereinfachen und erweitern kann. Hier ist es das spielerische Erleben, das in den Vordergrund gerückt wird. Es sind faszinierende Illustrationen und Inlays, mit denen sich diese Bücher trefflich erleben lassen. Aber es sind eben auch die vollständigen Texte von einst, die uns Erwachsenen klar vor Augen führen, dass nicht jedes Kinderbuch vom ersten Federstrich an für die Zielgruppe der heutigen Zeit gedacht war. Erst durch Vereinfachungen, Kürzungen und Reduzierung auf schmale Erzählkerne wurde aus den Büchern das, was wir heute kennen. Extrakt.

Das ist in dieser Ausgabe anders. Ich denke nicht, dass man Pinocchio zuvor schon oft in seiner vollständigen Fassung gelesen hat. Wer an den kleinen Holzkerl denkt, hat eher Bilderbücher oder einen Disneyfilm vor Augen. Dabei ist diese Geschichte schon aus ihrer Entstehungsgeschichte heraus mehr als interessant. Schon 1881 erschienen die Abenteuer von Pinocchio als Fortsetzungsgeschichte in einer italienischen Zeitung. Erst die große Resonanz der Leser veranlasste den Satiriker und Autor Carlo Collodi dazu, die einzelnen Episoden in einem Buch zusammenzuführen. Warum aber liebten italienische Zeitungsleser (damit also sicher wenige Kinder) diese Geschichte? Weil es in einer Zeit sozialer und politischer Instabilität als Zeichen verstanden wurde, dass ein Autor seine Kritik an den Zuständen in einer Marionette spiegelte. Der arme Geppetto war eine Identifikationsfigur für das Volk. Fleißig, ehrlich, sympathisch und arm. Aber Polizisten und andere Offizialfiguren erscheinen als korrupt, dumm und einfach böse. Und dann versucht sich eine Marionette von den Fäden zu lösen, die sie steuern. Das traf den Nerv des bürgerlichen Lesers.

Die Abenteuer des Pinocchio - Carlo Collodi - Astrolibrium

Die Abenteuer des Pinocchio – Carlo Collodi

Wenn man diese Hintergründe ein wenig verinnerlicht, wird auch unser Zugang zu Pinocchio vertieft. Es sind die zentralen und zeitlosen Botschaften des Buches, die man Kindern schrittweise mit auf ihren Weg geben kann. Man muss sein eigenes Glück in die Hand nehmen und darf nicht darauf vertrauen, dass immer irgendjemand bereitsteht, um einen aufzufangen. Man sollte andere nicht bevormunden, sich ehrlich verhalten und gut darauf achten, wer einem gut oder böse gesonnen ist. Alle Figuren dieser Geschichte sind hilfreich zur Vermittlung von wichtigen Lehren, die man ohne erhobenen Zeigefinger vielleicht mit eigenen Erfahrungen anreichern kann. Pinocchio ist sicher ein guter Lehrmeister, um zu erkennen, was passieren kann, wenn man sich von selbst gesteckten Zielen immer weiter entfernt und nicht beharrlich am Ball bleibt. Die Geschichte unterscheidet deutlich zwischen Gut und Böse. Sie wirkt hier wie jede gute Fabel, in der Tiere unsere wesentlichen Charaktereigenschaften spiegeln und so Sympathien wecken… Oder eben das genaue Gegenteil…

Und hier sind wir auch schon bei den Stärken dieses Prachtbandes. Wir können uns stundenlang und doch strukturiert in den kleinen Kapiteln mit Kindern verlieren. In kleinen Schritten schreitet diese Geschichte voran. Wundervoll illustriert und erneut mit interaktiven Inlays versehen, die zum Spielen und Verweilen einladen. Man kann hier mit Pinocchio spielen, seine Nase lang ziehen und die Marionette bewegen. Hier lohnt es sich, kleine Pausen einzulegen, um den Entdeckerdrang der Kinder zu fördern. So lassen sich ganze Theater aufklappen, verdeckte Klappkarten enthüllen Geheimnisse und im Bauch des Haifisches wird es so richtig gefährlich. Ausladende Elemente, die unglaublich einladend wirken. Die Tradition der „MinaLima-Kinderbuchklassiker“ lebt hier exquisit weiter. Ein Band, der in der Sammlung nicht fehlen darf. Ein Buch, das sich unter dem Weihnachtsbaum wie ein leuchtender Weihnachtsstern entfaltet.

Die Abenteuer des Pinocchio - Carlo Collodi - Astrolibrium

Die Abenteuer des Pinocchio – Carlo Collodi

Eine Schlussbemerkung sei noch gestattet. Ich werde oft darauf angesprochen, in diesen Büchern sei doch nur die Nacherzählung der originalen Geschichten zu finden. Sie seien lieblos übersetzt oder eben nur Kurzfassungen der eigentlichen Werke. Ich bin diesen Aussagen auf den Grund gegangen und fündig geworden. Ein nicht näher genannter Online-Marktführer, der mit „A“ beginnt, schafft es scheinbar nicht, die bei ihm hinterlegten Rezensionen den Büchern zuzuordnen, auf die sie eigentlich abzielen. So findet man tatsächlich zu einigen der MinaLima Prachttausgaben vernichtende und enttäuschte Rezensionen, die vom Kauf abraten. Ein genauer Blick jedoch zeigt, dass es sich hier nicht um Rezensionen zu MinaLima-Titeln, sondern eher um Bewertungen zu gleichnamigen Büchern handelt, die fälschlicherweise mit aufgeführt werden.

Man merkt dies am Erstellungsdatum der Rezension, das vor dem Erscheinen des MinaLima-Buches liegt. Ebenso wenig gibt es diese Bücher als E-Book. Häufig wird ja bemängelt, der Seitenumbruch stimme nicht. Und dann merkt man spätestens am Text, dass es sich einfach nicht um diese Hochwertausgaben handeln kann. Ein Fehler, den der Online-Anbieter einfach nicht in den Griff bekommt, der aber gerade hier richtigen Schaden anrichtet. Kurz gesagt: Vertraut dem Blogger. Kauft im Buchhandel und lasst euch vor Ort beraten. Bei diesen Ausgaben habt ihr es immer mit den Originalen der Bücher zu tun, die ihr gerne lesen und erleben möchtet. Die Übersetzungen sind mehr als liebevoll und gelungen und die Inlays erweitern das Erlebnisspektrum dieser Bücher um Ebenen, die ein normales Bilderbuch nicht erreichen kann.

Die Abenteuer des Pinocchio - Carlo Collodi - Astrolibrium

Die Abenteuer des Pinocchio – Carlo Collodi

Bisher erschienen in der Kinderbuch-Klassiker-Edition von MinaLima

Peter Panvon James M. Barrie
Die Schöne und das Biestvon Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve
Die kleine Meerjungfrauvon Hans Christian Andersen
Das Dschungelbuch“ von Rudyard Kipling

Der geheime Garten“ von Frances H. Burnett und
Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll und wie hier gesehen
Die Abenteuer des Pinocchio“ von Carlo Collodi

Und ich plaudere ein wenig aus dem Nähkästchen, wenn ich verrate, dass man in London mit Hochdruck an „Der Zauberer von Oz“ von Lyman F. Baum arbeitet. 

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Die Abenteuer des Pinocchio – Carlo Collodi