Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo - Astrolibrium

Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Der Titel dieser Rezension beinhaltet schon alle Verunsicherungen, die mich beim Schreiben dieser Zeilen begleiten. Eigentlich sollte ein anderer Name dort auftauchen. Der Name des Autors, mit dem man dieses Buch in Verbindung bringt, wie man selten zuvor einen anderen Autor mit seinem Werk assoziiert hat. Antoine de Saint-Exupéry ist zum Synonym für den kleinen Prinzen geworden. Erwähnt man einen Namen zieht der andere automatisch mit ins Feld. Sie zu trennen, erscheint mir wie ein literarisches Sakrileg. Das erschwert meine Herangehensweise an ein Buch, das ich schon jetzt als absolutes Buchkunstwerk bezeichnen muss. Was jedoch die Fragen seiner Entstehung und der Philosophie, die dahintersteckt, nicht beantwortet.

Seit dem 1. Januar 2015 ist der kleine Prinz gemeinfrei. Mir gefällt dieser Begriff in keiner Weise. Vogelfrei klingt da vielleicht besser. Genau 70 Jahre nach dem Tod eines Schriftstellers besteht kein urheberrechtlicher Schutz mehr für eine Geschichte, die aus seiner Feder stammt. Im Rahmen des kreativen schöpferischen Wettbewerbs darf das geistige Eigentum nach Ablauf dieser Schutzfrist kostenfrei und ohne jeglichen Verweis auf den eigentlichen Urheber frei verwendet werden. Ja, wir könnten uns jetzt alle ganz gemütlich an die Schreibtische zurückziehen und unsere Varianten des kleinen Prinzen zu Papier bringen und veröffentlichen, ohne dabei auch nur im Geringsten das Original zu erwähnen. Wenn man nun bedenkt, dass „Der kleine Prinz“ mit über 140 Millionen verkauften Exemplaren zu den weltweit erfolgreichsten Büchern gehört, vielleicht sogar ein lohnenswerter Gedanke.

Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo - Astrolibrium

Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Trennen wir jetzt also Antoine de Saint-Exupéry von seinem kleinen Prinzen. Ein Denkprozess, der mir nicht leichtfällt. Das muss ich voranschicken. Nur welchen Zweck kann es nun haben, sein Werk in neuer Form auf den Markt zu bringen? Lassen wir die rein finanziellen Aspekte mal ganz außer Acht. Haben wir es mit Neuinterpretationen zu tun, gar mit einer Hommage an den legendären Schöpfer oder bietet sich erstmals die Chance, ein in die Jahre gekommenes Werk neuen Lesergruppen zu erschließen? Hat „Der kleine Prinz“ in seinem ursprünglichen textlichen und bildlichen Gewand noch eine Relevanz für junge Leser, oder haben wir Erwachsenen ein Werk mystifiziert und damit eine fast schon sakrale Ebene gestaltet, die es für jede Kritik unerreichbar macht? Sind wir zu weit gegangen und haben das Buch denjenigen entfremdet, für die es eigentlich geschrieben wurde?

Haben wir es zu oft mit erhobenem Zeigefinger verschenkt, darum wissend, dass sein Inhalt nicht so leicht zu verstehen ist, wie wir es so gerne vorgeben? Haben wir es zugelassen, dass „Der kleine Prinz“ zum Jakobsweg der Literatur mutierte, den wir als sogenannte „Gutmenschen“ bis zum letzten Blutstropfen verteidigen? Haben wir Paulo Coelho und Saint-Exupéry zu einem transzendentalen Bündel geschnürt, das sich über so manche Glaubensrichtung erhebt? Und wie würde jener abgestürzte Pilot sein Buch heute schreiben, wenn er in die Herzen junger Menschen vorstoßen wollte. Sind seine Bilder noch zeitgemäß? Haben sie noch Aussagekraft oder könnte man sie im Kontext unserer Zeit aktueller gestalten? Wir leben in einer veränderten Gesellschaft. Könnte in diesem Zusammenhang der Kleine Prinz nicht mal transferiert werden?

Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo - Astrolibrium

Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo (erschienen im Mixtvision Verlag) aufschlug. Eine sehr ambivalente Gefühlswelt begleitete mein Lesen, mein Betrachten der Illustrationen und mein Staunen über ein erzählendes Bilderbuch aus der Feder dieses kongenialen Duos, das schon mit „Die große Wörterfabrik“ und „Die Schneiderin des Nebels“ für Furore gesorgt hat. Ich bin ein großer Fan ihrer Werke. Ich habe sie oft verschenkt und an den Reaktionen junger Menschen bemerkt, wie tief sie berührt wurden. Und jetzt ein echtes literarisches Wagnis unter veränderten Rahmenbedingungen. Wo setzen diese beiden Buchkünstlerinnen an? Was verändern sie? Wo entsteht etwas Neues und was verbleibt von der Ursprungsfassung? Ist es eine Hommage? Öffnen sie jungen Lesern die Tür zu einer Geschichte, die so langsam anzustauben drohte?

Ich zuckte zurück. Blätterte hin, blätterte her, suchte, fand nicht. Eine Hommage? Nein. Dazu müsste man den Urschöpfer erwähnen. „Nach dem Original von…“ oder „In Anlehnung an…“ oder zumindest „Frei nach…“! Aber nein. Antoine de Saint-Exupéry wird im Bilderbuch mit keiner Silbe erwähnt. Und auch der Untertitel des Buches lässt keine Rückschlüsse zu:

Nacherzählt von Agnès de Lestrade
Illustriert von Valeria Docampo

UPDATE zur Erwähnung von Antoine am Ende des Artikels….

Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo - Astrolibrium

Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Allein der Begriff „Nacherzählt“ lässt auch darauf schließen, dass in rein textlicher Hinsicht kein Neuland zu erwarten ist. Auch Neuübersetzungen scheuen davor zurück, die weltbekannten Zitate zu verändern, weil ja gerade sie auf immer und ewig für einen hohen Wiedererkennungswert stehen. Klingt wenig konsequent, wenn ich ein Buch neu interpretiere, oder eine Variante veröffentliche, die nur noch an das Original angelehnt scheint. Und so findet man auch in dieser Nacherzählung, was zu erwarten war:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut.
das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

„Du bist für immer verantwortlich für das,
was du dir vertraut gemacht hast.
Du bist für deine Rose verantwortlich.“

„Was bedeutet zähmen?“
„Es bedeutet sich vertraut miteinander machen und anzufreunden.“

Und so finden sich neben diesen uns so sehr ans Herz gewachsenen Zitaten auch die Wegbegleiter wieder, die dem kleinen Prinzen auf seiner Reise begegnen. Hier wird auf die traditionellen Begriffe gebaut. Der Geograf, der Laternenanzünder, der Eitle und der König. Der Trinker und der Geschäftsmann, ein Fuchs, die gelbe Schlange und ein notgelandeter Pilot in der Wüste Sahara. (Ja, wir wissen, um wen es sich handelt.) Hier entspricht der Inhalt der Beschreibung auf dem Cover. Eine Nacherzählung, verkürzt in ihrer Ausführlichkeit, kindgerecht strukturiert und angeordnet, aber eben sprachlich in der Tradition des Originals. Kein Neuland, was auch Liebhabern der Urfassung gefallen dürfte. Auch Rosenliebhaber kommen auf ihre Kosten.

Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo - Astrolibrium

Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Und bildlich? Was ist mit den Illustrationen? Neuland? Eine ganz neue Welt? Was hat Valeria Docampo aus den kleinen Zeichnungen aus der Feder von Antoine de Saint-Eyupéry gemacht? Hier erhebe ich mich, rufe laut Bravo und Da Capo, blättere hin und her und staune mir die Augen aus dem Kopf. Ein neuer Kosmos voller Wärme erwartet diejenigen Menschen, die sich auf dieses Buch einlassen. Die alten sympathischen und doch eher amateurhaften (bitte verzeihen Sie mir, Antoine) Zeichnungen haben nie die Ebene der Geschichte erreicht. Womit man heute keinen Erstleser mehr begeistern und fesseln kann, ist hier eine visualisierte Dimension entstanden, die alles Bekannte hinter sich lässt. So liebevoll, detailverliebt und voller Zuneigung zu den Charakteren führt uns Valeria Docampo in ihre Welt des kleinen Prinzen.

Ein Meilenstein, der nicht mit dem Original bricht, sondern es auf eine Ebene hebt, die zeitgemäß und zugleich traditionell erscheint. Farben, Schattierungen und die Mimik der Charaktere strahlen in einer Pracht die nur einer großen Geschichte innewohnt. Ich hatte viel von diesen Illustrationen erwartet. Nach meinem Empfinden haben sie all das übertroffen, was für mich denkbar war. Und selbst wenn Antoine im Buch nicht erwähnt wird, Valeria Docampo hat ihn gezeichnet. Ja, auch so kann man einer Hommage im 21. Jahrhundert Ausdruck verleihen. Ich sehe die Entwicklung der Gemeinfreiheit nicht unkritisch. Ich stehe zu den Aspekten, die mich verunsichern. Eine Entwicklung, die im Lauf der Jahre nicht immer diese erfreuliche Richtung einschlagen muss. Und doch:

Seinen Namen nicht mehr zu erwähnen ist für mich ein literarisches Sakrileg!

UPDATE zur Erwähnung von Antoine am Ende des Artikels….

Meine Herzensempfehlung für die Hintergründe zum Originalbuch ist ein Bilderbuch, in dem selbst ich noch sehr viel gelernt habe: „Der Pilot und der Kleine Prinz“ aus der Feder von Peter Sis. Meine Rezension ist experimentell. Mein Dialog mit dem kleinen Prinzen ist vielleicht gewagt. Manchmal jedoch muss man sich einfach trauen.

Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo - Astrolibrium

Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

UPDATE zur fehlenden Erwähnung von Antoine de Saint-Exupéry im Buch:

Nach der Veröffentlichung dieser Rezension hat sich vieles getan. Ein bewegender Kommentar von Valeria Docampo (bitte scrollen) verdeutlichte, dass es nicht Absicht der Autorinnen war, den Namen Antoine de Saint-Exupéry unerwähnt zu lassen. Das zeigt das Foto der französischen Ausgabe, auf dessen Cover er aufgeführt ist. Valeria hat sich mit einigen Verlagen in Verbindung gesetzt, um in den Folgeauflagen dieses Buches in allen Ländern für die Namensnennung zu sorgen. Soeben hat mich auch der Mixtvision Verlag angeschrieben. Ab der dritten Auflage wird das auch hier realisiert.

Ich danke besonders Valeria Docampo für ihre Zeilen, weil für mich kein Zweifel an der Intention bestand, Antoine de Saint-Exupéry mit diesem Buch zu ehren. Jetzt bin ich beruhigt. So sehr… (Fürstenfeldbruck, 27.September 2019)

Der kleine Prinz von e Lestrade und Docampo - Kein Sakrileg - Astrolibrium

Der kleine Prinz von de Lestrade und Docampo – Kein Sakrileg

Der kleine Prinzvon Agnès de Lestrade und Valeria Docampo
Mixtvision Verlag / 56 Seiten / illustriert / Übersetzt von Anna Taube / 15 Euro

Ein Besuch bei Anne Frank – Amsterdam 2019

Alles über Anne - Ein Besuch im Anne Frank Haus - AstroLibrium

Alles über Anne – Ein Besuch im Anne Frank Haus

Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust gehören für mich zu den wichtigsten Orten, um sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Direkt vor der Haustür liegt die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau. Ich bin regelmäßig dort. Nicht immer alleine, jedoch immer aus gutem Grund. Erlebnisberichte und aktuelle Bücher veranlassen mich immer wieder, dort auf Spurensuche zu gehen.

Der Schmerz“ von Marguerite Duras
Der Umweg von Luce d´Eramo – Eine Faschistin unter Nazis
Der Finsternis entgegen von Arne Molfenter und Rüdiger Strempel

Weitere Gedenkstätten, die mich begleiten sind die des ehemaligen KZ Flossenbürg, das alte jüdische Ghetto in Prag und der jüdische Friedhof des Benediktinerklosters St. Ottilien. Orte, die mir zeigen wie wichtig es ist, Erinnerungen aufrecht zu halten und gegen das Vergessen anzukämpfen. Wobei es gerade die Gedenkstätten der KZs sind, die von großer Bedeutung sind, weil gerade hier das Erinnern an die Opfer ausgelöscht werden sollte. So, wie sie selbst ausgelöscht wurden. In ihren Dimensionen unfassbar und in der Relevanz für die heutige Zeit ungebrochen. Es gibt allerdings auch die ganz unscheinbaren und kleinen Gedenkstätten. Das fängt bei Stolpersteinen an, setzt sich beim verweigerten Hitlergruß in der Münchener Drückebergergasse fort und führt zu Grabstätten, Inschriften und dem ganz individuellen Gedenken. Todesmarsch-Denkmal und Holocaust-Mahnmal sind hier indirekte Gedenkstätten. Neutral gewählte Orte. Das unterscheidet sie…

Heute stelle ich mir die Frage, welche Wirkung eine Gedenkstätte hat, die gerade mal 50 Quadratmeter misst. Heute stelle ich mir die Frage, ob es mir gelingen wird, in diesen beengten Verhältnisse und einem zu erwartenden hohen Besucherstrom einen Punkt der tiefen inneren Konzentration zu finden, der mich den Menschen näherbringt, die hier zu Opfern wurden. Und ich frage mich, mit welcher Erwartungshaltung ich jetzt einen Ort betrete, der auf der ganzen Welt bekannt ist, weil er als Versteck diente. Bis diejenigen, denen der Ort Zuflucht gewährte, verraten, deportiert und ermordet wurden. Lesend habe ich mich den Menschen, die sich hier verbargen, intensiv angenähert. Es waren zwei Jahre und ein Monat. Es waren 50 Quadratmeter. Es waren acht Menschen und sie waren hermetisch von der Umwelt abgeschottet. Es ist noch heute DIE Adresse des inneren Widerstands gegen die Nazi-Besatzer in den Niederlanden.

Das Anne-Frank-Haus. Prinsengracht 263. Amsterdam.

Das Tagebuch von Anne Frank ist mein Wegbegleiter. Die Innenansichten aus ihrer Feder beschreiben den Ort so, als hätte man sich selbst hinter der Tür versteckt, die an ein prall gefülltes Bücherregal erinnerte. Ihre Beschreibung der Lebensumstände in der Wohnung ist so lebendig, als würde man nach Hause kommen. Ich versuche mich nun dem Hinterhaus zugleich von mehreren Seiten zu nähern. Ich möchte Außenansichten hinzufügen. Ich weiß vom Kastanienbaum im Innenhof. Anne hat ihn täglich vor Augen gehabt. Er war draußen, sie gefangen im Inneren. „Anne Frank und der Baum“ ist ein Buch, das nicht nur diese Geschichte erzählt. Ich trage es im Herzen, weil es zwar den Baum nicht mehr gibt, seine unzähligen Samen jedoch die Zeit überdauert haben.

Ein Buch begleitet mich nach Amsterdam. Alles über Anne – Das Leben der Anne Frank von Menno Metselaar und Piet van Ledden, herausgegeben in Zusammenarbeit mit dem Anne-Frank-Haus und erschienen im Carlsen Verlag. Dieses Buch wartet nun schon seit geraumer Zeit darauf, dass ich mich endlich auf den Weg mache. Es ist eine bebilderte und illustrierte Auseinandersetzung mit Annes Franks Lebensgeschichte, den Rahmenbedingungen und einer Zeit, in der wir nicht mit einem deutschen Mädchen mit jüdischen Wurzeln hätten tauschen wollen. Dieses Buch beantwortet alle Fragen. Es ist so gestaltet, dass junge Leser einen sehr guten Überblick über die Situation, das Haus, das Leben vor, im und nach dem Krieg und die bedrückende Enge erhalten, in der sich acht Menschen zwei Jahre lang vor der Verfolgung zu retten versuchten. 

Es sind nicht nur die emotionalen und empathischen Texte, die hier überzeugen. Es sind aufklappbare Zeittafeln, Haus- und Zimmerpläne, Informationen zum Leben im besetzten Land, zum Verlauf des Krieges und insbesondere zu den Menschen, die sich hier versteckt hielten. Für jüngere Leser sind motivierend eingeflochtene Fragen in den Text eingebaut. Verständnis wird zu Wissen. Wissen wird zu einer massiven Mauer im eigenen Kampf gegen Ausgrenzung. Und doch ist dieses Buch kein Sachbuch, weil es alles beschreibt und erklärt, nur keine Sachen. Und, wenn ich von jungen Lesern rede, dann schließe ich die ältere Zielgruppe nicht aus. Für mich ist dieses Buch der perfekte Wegbegleiter für einen Besuch in Amsterdam. Und nicht nur das. Auch das Verfestigen der vielleicht flüchtigen Eindrücke eines solchen Besuches gehört zum Portfolio dieses Buches.

Alles über Anne - Ein Besuch - Anne Frank Haus - Astrolibrium

Die Eintrittskarten liegen schon lange in der Reisemappe. Nur online kann man sie bestellen. Nur mit einem zeitlichen Vorlauf von fast zwei Monaten hat man die Chance, sich Tag und Uhrzeit des Besuches auszusuchen. Der Strom der Menschen, die jeden Tag das Anne-Frank-Haus besuchen steigt stetig. Zeichen der Verunsicherung in einer Zeit des wieder erstarkenden braunen Gedankenguts. Anzeichen, dass Menschen auf mehreren Ebenen erleben, lesen und sehen wollen, um umfassend zu verstehen. Wir haben uns für einen Montag entschieden. In der Mitte unseres Urlaubs in Holland. Wir betreten das Haus mit gemischten Gefühlen. Allzu wach ist meine Erinnerung, in Prag angesichts tausender Namen deportierter Juden, Arm in Arm mit meiner Tochter Lena vor Gedenktafeln zu stehen, die neben den zahllosen Opfernamen Orte wie Dachau als Ziele für die Transporte verzeichneten. Die Juden in Prag verband vieles mit ihren verfolgten Leidensgenossen in Amsterdam. Angst wohl an erster Stelle.

Jetzt hier vor dem Anne Frank Haus zu stehen, ist ein anderes Gefühl. Es ist nicht leicht, sich emotional in den Besuch fallenzulassen. Zu viele Menschen haben sich hier eingefunden. Zu organisiert wirkt die sich viertelstündig aufbauende Warteschlange und zu unwirklich scheint der Gedanke zu sein mit einer Gruppe von Menschen ins Haus zu gehen, die größer ist, als die Gruppe der Versteckten damals war. Audioguides werden verteilt, Eintrittskarten kontrolliert, die Schlange setzt sich langsam in Bewegung und ich erwarte schon, am Ausgang anzukommen, ohne Anne Frank wirklich nahe gekommen zu sein. Und dann passiert es doch. Es kommt der Moment vor den eingeritzten Linien am Türrahmen, die zeigen, wie sehr Anne im Versteck gewachsen ist. Hier ist es sehr ruhig und die Gefühle schlagen zu. Nicht nur bei mir. Auch Lena fühlt, dasss hier Eltern und Kinder gelebt haben. Augenscheinlich ganz normal, aber doch unter Lebensgefahr.

Alles über Anne - Ein Besuch - Anne Frank Haus - Astrolibrium

Diese Gefahr ist spürbar, Verdunkelte Räume, spartanische Einrichtung, Privatsphäre Fehlanzeige. Die Angst vor Entdeckung wird greifbar. Und draußen geht das Leben für die Besatzer und die nicht Verfolgten weiter. Ich muss zugestehen, dass ich mich bald vom Audioguide getrennt habe. Ich brauchte keine Informationen. Ich wollte fühlen, wo das Tagebuch der Anne Frank entstand. Das Buch „Alles über Anne“ ist im Museum omnipräsent. In vielen Sprachen liegt es aus und im Nachhinein muss ich sagen, dass es Besucher jeden Alters perfekt auf dieses besondere Gedenkstätte vorbereitet. Es ist auch danach sehr wichtig. Das sah ich am Abend in unserem Ferienhaus. Hier schrieb Lena ihre Gedanken nieder. Für Anne. Begleitet vom Buch, ein paar Porträt-Karten und den Fotos, die sie selbst gemacht hat. Der Tag bleibt im Gedächtnis. Tief.

Es sind Orte wie dieser, die es zu entdecken gilt, um Geschichte greifen zu können. Es gibt noch mehr Orte, die vor mir / uns liegen, um jedes Vergessen zu verhindern. Es sind Orte wie das Erinnerungszentrum Westerbork. Die Kinder mit Stern wurden in dieses Durchgangslager im besetzten Holland verbracht (wie Anne Frank), bevor man sie in die KZs deportierte und ermordete. Es gibt viele Erinnerungsorte, die ich für mich selbst aufarbeiten muss. Ich werde viel reisen. Ich werde Euch davon erzählen und ich werde nach weiteren Büchern gegen das Vergessen suchen, die mich begleiten. Vielen Dank für Eure Grüße an Anne, die ich mitnehmen durfte. Danke fürs Lesen. Und, wenn Ihr mögt, folgt meinen Spuren in Bücher, die sich mit diesem faszinierenden Mädchen und ihrem Schicksal beschäftigen. Es ist nie zu spät für Anne Frank.

Drei auf einen Streich [Die neuen Disney-Hörbücher]

König der Löwen - Dumbo - Aladdin - Die Disney-Hörbücher_astrolibrium

König der Löwen – Dumbo – Aladdin – Die Disney-Hörbücher

Ein Paradigmenwechsel hat in diesem Jahr die Kinosäle erobert. Der Zeichentrick hat wohl ausgedient und neue Begriffe für die bestehende Dynamik auf dem Filmmarkt geben sich gerade die Türklinke in die Hand. Was ist passiert? Walt Disney hat erneut die Welt verändert. Aus liebgewonnenen Zeichentrickfilmen wurden Animationsfilme, in denen das gesamte Setting allerdings so real wirkt, als handele es sich um Live Action Filme. Dabei sind sie alles, nur das nicht. Entweder vereinen sie einen Mix aus realen und animierten (und hierbei sprechen wir von High-Level-computeranimierten) Szenen, oder sie sind ausschließlich an Computern entstanden, deren Rechenkapazität leicht ausreichen würde, um alle zukünftigen Mars-Weltraummissionen gleichzeitig starten zu können…

Dabei betritt Disney inhaltlich kein Neuland. Es handelt sich im weitesten Sinne um Remakes von Geschichten, die uns seit unserer Kindheit begleiten. Was steht hier jetzt im Vordergrund? Die Story selbst oder das Aufzeigen der technischen Möglichkeiten in der Realisierung von Kinofilmen, die einen garantierten Einnahmefluss garantieren? Ich denke, es ist ein Mix aus beidem. Die meisten Kinogänger sind wohl vertraut mit diesen Legenden von einst (wobei dieses Einst zum Teil gar nicht so lange her ist). Wer kennt nicht „Dumbo“, den fliegenden Elefanten? Wer hat noch nie zuvor mit „Aladdin“ an der magischen Wunderlampe gerieben? Und wer hat noch nichts vom „König der Löwen“ gehört? Ich wage zu behaupten, dass niemand unter uns ist, der nicht zumindest zwei dieser Filme in ihrer Zeichentrickvariante gesehen hat.

König der Löwen - Dumbo - Aladdin - Die Disney-Hörbücher_astrolibrium

König der Löwen – Dumbo – Aladdin – Die Disney-Hörbücher

Und natürlich lege ich auch meine Hand dafür ins Feuer, dass viele von Euch sich die Neuverfilmungen nicht entgehen lassen. Hand aufs Herz, wer kann da widerstehen und wer macht sich nicht gerne selbst ein Bild von den neuen Bildern? Ich werde mich jedenfalls ganz sicher von den neuen Filmen ins Kino locken lassen. Nicht jedoch ohne zuvor als Literaturblogger zu schauen, wie die Verlagswelt mit diesem Hype umgeht. In Erwartung exorbitanter Besucherzahlen will man sich doch die Chance sicherlich nicht entgehen lassen, von dieser Welle zu profitieren. In den Printmedien findet man gerade eine Vielzahl von Neuauflagen alt bekannter Bilderbücher, neuer Bücher zu den Filmen, aber letztlich keine großen Überraschungen. Ein Bereich hebt sich deutlich ab. Und das nicht nur durch die Neuauflage bestehender Produktionen.

Die Hörbuch-Branche boomt und gerade der Zuwachs an Hörbüchern zum Film zeigt, dass die hörige Kundenschar auch hier gerne mit Produktionen verwöhnt wird, in deren Mittelpunkt die Synchronsprecher der Filmvorlagen stehen. Fühlt sich dann ungefähr so an, wie Kino für die Ohren, kostet allerdings weniger, als eine Eintrittskarte mit Popcorn und Softdrink. Darüber hinaus wachsen beim gemeinsamen Hören mit unseren Kindern keine Kosten auf, die sich gemessen an der Anzahl der Sprösslinge potenzieren. Jetzt liegen sie mir vor, die drei aktuellsten Produktionen aus dem Hause Der Hörverlag. Es sind keine „alten Kamellen“, schnell noch frisch auf CD gebrannt und mit neuem Cover auf den Markt geworfen. Es sind die alten Geschichten, neu erzählt und angelehnt am Paradigmenwechsel, der sich in der Filmbranche vollzieht.

König der Löwen - Dumbo - Aladdin - Die Disney-Hörbücher_astrolibrium

König der Löwen – Dumbo – Aladdin – Die Disney-Hörbücher

Aladdin

Wir sind wieder zurück in der Welt des Orients, die sich anfühlt, wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Aladdin und die Wunderlampe. Abendfüllender Disney-Zeichentrick- und Musikfilm aus dem Jahr 1992. Bahnbrechend für die Zeit. Voller Understatement, was das Ausreizen technischer Möglichkeiten betraf. Sympathisch und typisch für den legendären Stil Walt Disneys spielte sich dieser Film in die Herzen der Zuschauer. Hier kam der Musik hohe Bedeutung zu. Unvergessene Titel blieben im Gedächtnis, lange nachdem sich der Vorhang im Kino geschlossen hatte. Ein Traum wird wahr (A Whole New World) erzeugt noch heute Gänsehaut.

„Aladdin“, das aktuelle Hörbuch zum Live-Action-Film, verspricht zwei Stimmen. Gelesen von Stefan Wilkening und Ian Odle. Wenn man dann noch verinnerlicht, dass genau dieser Ian Odle seit langer Zeit die deutsche Synchronstimme von Will Smith ist, der in Aladdin den Dschinn spielt, dann erwartet man viel von diesem Hörbuch. Doch ist auch drin, was draufsteht? Für mich nicht. Wilkening ist brillant. Er lässt den Orient mit seiner Stimme in unseren Ohren explodieren. Wer aber auf eine zweite Stimme wartet, wenn der Dschinn aus der Wunderlampe schwebt, der wartet vergeblich. Die grandiose Stimme von Ian Odle spricht lediglich den Prolog und den Epilog. Vier Tracks. Ich finde es nicht so ganz fair, dann davon zu sprechen, dass wir es mit zwei Sprechern zu tun haben und auch noch auf die Synchronrolle von Odle hinzuweisen. Das soll jedoch die Leistung und das Können von Stefan Wilkening nicht schmälern. Er brilliert. Fazit: Ein leichter Hauch von Etikettenschwindel, der das Hören trübt! Hörbucheule not amused!

König der Löwen - Dumbo - Aladdin - Die Disney-Hörbücher_astrolibrium

König der Löwen – Dumbo – Aladdin – Die Disney-Hörbücher

Dumbo

Der fliegende Elefant und der absolut tragische Held einer bunten Zirkuswelt. Er wurde schon 1941 mit dem Klapperstorch in die amerikanischen Kinos gebracht und ist seitdem ununterbrochen der wohl dickhäutigste Flugkünstler der Filmgeschichte. Jetzt erobert er in einem Mix aus Realfilm mit echten Schauspielern und Animationsfilm als computergenerierte Filmfigur die Welt. Das Hörbuch setzt hier auf eine einzige Stimme. Und was für eine. Die Hauptrolle im Film spielt Colin Farell. Sein Synchronsprecher ist Florian Halm, der in der Produktion mit einer Spielzeit von sieben Stunden und 32 Min. zu überzeugen weiß. Wer den Film gesehen hat, der wird das Gefühl haben, dass der legendäre Protagonist Holt Fanier die Geschichte erzählt. Das schafft Bindung zu den gesehenen Bildern und ist auch ohne Film von so großem Unterhaltungswert, dass es kaum gelingt, die Pausentaste zu betätigen. Die Hörbucheulen rümpften zwar die Nase wegen der zu bezweifelnden Flugtauglichkeit des Riesenohrs, waren aber zuletzt ganz auf der Seite der größten Flugeule ihres Lebens. Fazit: Mehr als eine Lesung.

König der Löwen - Dumbo - Aladdin - Die Disney-Hörbücher - Astrolibrium

König der Löwen – Dumbo – Aladdin – Die Disney-Hörbücher

König der Löwen

Eigentlich sollte jetzt jeder die Musik in den Ohren haben, die dem Film aus dem Jahr 1994 den Stempel aufgedrückt hat. Unvergessen die Zeichentrickszenen, aber eben auch unvergessen der Sound von Afrika, der bis heute auch im Musical nachhallt. Der aktuelle Film bricht mit allen Disney-Traditionen. Komplett am Rechner entstanden, alle Tiere so real animiert, als würde es sie so und nicht anders wirklich geben, zieht er uns in einen magischen Bann. Das ist nicht zu toppen. Das geweihte Land plante einst Zeuge der Klärung der Nachfolgeplanung zu werden. Mufasa präsentiert Simba, nicht nur der Löwensohn, sondern Löwenherz und zukünftiger König der Löwen. Elton John besang den Kreislauf des Lebens The Circle of Life und niemand konnte seine Tränen zurückhalten, als Simba ohne Vater durchs Leben gehen musste.

König der Löwen - Dumbo - Aladdin - Die Disney-Hörbücher_astrolibrium

König der Löwen – Dumbo – Aladdin – Die Disney-Hörbücher

Hier geht das Hörbuch einen anderen Weg, als die beiden oben Genannten. Keine Synchronstimme aus dem aktuellen Film oder ein Hörbuch mit zwei Stimmen. Hier ist es Steffen Groth, der die Geschichte neu erzählt. Frisch, dynamisch, emotional und in jeder einzelnen Szene absolut brillant. Diese Stimme trägt, sie braucht keine Effekte im Chor der Tiere. Hier konzentriert sich die Produktion auf den reinen Inhalt. Und das ist gut so, wird doch die fulminante Tragweite dieser Story oftmals unterschätzt. Hier muss ich wohl mit meinen Hörbucheulen ins Kino gehen und kann später mit dem Hörbuch in der guten Stube immer wieder hören, was einmal gesehen wurde. Simbas Blick allein rechtfertigt den Kinobesuch. Fazit: ein traditionelles aber eben auch brillantes Hörbuch, dem ich gerne gefolgt bin. Und das für dreieinhalb Stunden voller Abenteuer.

Wie auch immer Ihr Euch entscheidet, folgt Eurem Geschmack. Hört und geht ins Kino oder hört ausschließlich. Jedenfalls liegt eine große Auswahl vor Euch und es ist kaum möglich, von auch nur einem einzigen Hörbuch enttäuscht zu werden. Wir haben es hier nicht mit Trittbrettfahrern auf einer Erfolgswelle zu tun. Sie sind neuartig, haben viel zu bieten und unterhalten auf allerhöchstem Niveau. Meine Favoriten? Hach ist das schwer. „Dumbo“ steht für mich weit oben und „Der König der Löwen“ ist der beste Film. Aber das bleibt jetzt unter uns. Grüße von den Hörbucheulen an alle im weiten Land des guten Hörens.

König der Löwen - Dumbo - Aladdin - Die Disney-Hörbücher_astrolibrium

König der Löwen – Dumbo – Aladdin – Die Disney-Hörbücher

50 Jahre Mondlandung – Ein Literaturereignis

Apollo 11 - 50 Jahre Mondlandung in der Literatur - AstroLibrium

Apollo 11 – 50 Jahre Mondlandung in der Literatur

Plötzlich war alles möglich. Es war der 21. Juli 1969 und Neil Armstrong stand als erster Mensch auf dem Mond. Ich hörte seine Worte „Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit“ und blickte staunend in den Himmel. Die Welt aus dem All zu sehen, veränderte alles. 50 Jahre sind seitdem vergangen und heute blicken diejenigen, die es erlebt haben zurück und versuchen ihre Gefühle von einst weiterzugeben. Bücher helfen uns zu erklären, wo alles begann, was den Erfolg der Mission ermöglichte und wie uns der Wettlauf zum Mond veränderte. Ein ungewöhnliches Sachbuch veranschaulicht das gesamte Apollo-Programm und bietet dabei neben allen Fakten auch überraschende Einsichten. „Apollo – Der Wettlauf zum Mond“ von Zack Scott. Wir erfahren alles über die Missionen, die Astronauten und die technischen Quantensprünge, ohne die man es nicht zum Mond geschafft hätte.

Apollo 11 - 50 Jahre Mondlandung in der Literatur - AstroLibrium

Apollo 11 – 50 Jahre Mondlandung in der Literatur

Schautafeln, Grafiken und schematische Darstellungen vermitteln einen direkten Eindruck von der Herausforderung, die eine Reise zum Mond darstellt. Hier überwiegt nicht der Text. Es ist die Symbolik, die besticht und Leser jeden Alters auf Stand bringt. Komplexe Sachverhalte werden in einfach zugänglichen Darstellungen veranschaulicht. Eine grandiose Dokumentation, die keine Fragen offenlässt. Ich startete meine Mission genau hier, blicke aber auch auf Jules Verne zurück. Seine „Reise von der Erde zum Mond“ ist 150 Jahre alt, absolut visionär und die Mutter aller Science-Fiction-Romane. Wer aufmerksam liest, wird schnell erkennen, wie nah Jules Verne an der Realität war. Drei Raumfahrer in einer Hochgeschwindigkeitskapsel, fast korrekte Berechnungen zur Umlaufbahn und das Wunder der Schwerelosigkeit geben diesem Erzählraum Tiefgang. Meine illustrierte Ausgabe aus den 1970er Jahren ist ein steter Quell der Inspiration.

Apollo 11 - 50 Jahre Mondlandung in der Literatur - AstroLibrium

Apollo 11 – 50 Jahre Mondlandung in der Literatur

Vielleicht hat sich ja die NASA von Jules Verne verleiten lassen, den Mond in Angriff zu nehmen. Wer weiß. Es steht jedenfalls fest, dass der Wettlauf zum Mond damals die Welt in Atem hielt. Und da lassen es sich Verlage und Buchhandlungen nicht entgehen, diesen besonderen Tag bibliophil zu begehen. Unfassbare Neuerscheinungen sind auf dem Markt, die Auswahl ist groß und für jeden ist etwas dabei. Wenn ich also mal nicht im neuen Zack Scott oder im alten Jules Verne stecke dann bin ich in den Weiten eines literarischen Universums unterwegs, das zu diesem Anlass besonders viele Sterne am Firmament versammelt. Ich möchte euch hier ein paar Bücher empfehlen, die ihr lesen solltet, wenn ihr in die Jubiläums-Mondphase eintretet. Und es geht auf keinen Fall nur um Weltraumliteratur. 

Apollo 11 - 50 Jahre Mondlandung in der Literatur - AstroLibrium

Apollo 11 – 50 Jahre Mondlandung in der Literatur

Wie wäre es mit Artemis von Andy Weir. Der Mond ist bewohnt, der Landeplatz von Apollo 11 ist ein Touristenmagnet und die Ausbeutung des Erdtrabanten löst eine Krise aus. Nachdem uns Andy Weir mit dem „Marsianer“ auf den roten Planeten geschossen hat, fokussiert er sich nun auf den Erdtrabanten. Was er jedoch hier anstellt und was er sich alles einfallen lässt, um der Sonderhandelszone Mond Schwerkraft zu verleihen ist beeindruckend. Wirtschafts-, Wissenschafts- und Weltraumthriller in einem Roman. Ich freue mich nach dem Buch und der Hörbuchadaption bereits auf die Verfilmung. Uhren mit Erdphasen-Anzeige wären auf jeden Fall perfekte Merchandising-Artikel.

Apollo 11 - 50 Jahre Mondlandung in der Literatur - AstroLibrium

Apollo 11 – 50 Jahre Mondlandung in der Literatur

Auch Apollo11 von James Donovan ist empfehlenswert. Der Wettlauf zum Mond und der Erfolg einer fast unmöglichen Mission wird hier in Wort und Bild lebendig. Was Scott visualisiert, wird von Donovan multiperspektivisch erzählt. Es ist die menschliche Seite voller Zweifel und Wagemut, die er betont. Er versetzt sich in die Astronauten und Wissenschaftler hinein, reflektiert ihre Gedanken und Gefühle und verdeutlicht vor dem Hintergrund des technisch Machbaren die Erfolgsaussichten, die realistisch erschienen. Das Scheitern war wahrscheinlicher als der Erfolg. Pressemeldungen über den Tod der Astronauten waren vorbereitet, die Öffentlichkeit spielte eine große Rolle. Der Druck im Wettlauf mit Russland war enorm. Das fachlich fundierte Sachbuch hebt pünktlich zum Jubiläum ab und nimmt uns mit. In jeder Beziehung.

Alles zu sachlich? Alles zu realistisch und zu technisch? Na dann! Ich kann auch anders. Wer gerne träumt, der folge einfach Torben Kuhlmann in die Bilderbuchwelt von „Armstrong“. Hier war es eine Maus, die den Mond zuerst betrat. Kein Zweifel. Ein Missions-Patch im Buch belegt die wundervoll illustrierte Geschichte in der ganz neuen Jubiläumsausgabe.

Apollo 11 - 50 Jahre Mondlandung in der Literatur - AstroLibrium

Apollo 11 – 50 Jahre Mondlandung in der Literatur

Die Aufschrift Ein kleiner Schritt für eine Maus belegt darüber hinaus sogar das Plagiat, dessen sich ein gewisser Neil Armstrong bediente, als er die Mondoberfläche betrat. Nicht nur die technische Meisterleistung, auch das Zitat… alles geklaut. So sind die Menschen. Nichts kann man den Mäusen überlassen. Dabei sieht man auf diesem Jubiläumscover ganz deutlich, dass die Crew der Landefähre sehen konnte und wissen musste, dass sie kein Neuland betrat. Torben Kuhlmann hat dem Buch ein ganz neues Hintergrundkapitel zur Geschichte der Raumfahrt hinzugefügt. Man sollte sich die neue Sicht auf dieses besondere Kapitel der Eroberung des Weltalls nicht entgehen lassen. Spätestens, wenn unsere Augen am 21. Juli zum Mond blicken und weltweit Menschen diesen Tag zu ihrem Feiertag machen, sollte man das gestickte Abzeichen in die Hand nehmen und ganz kurz an Mäuse und ihre Geschichte der bemausten Weltraumfahrt denken.

Apollo 11 - 50 Jahre Mondlandung in der Literatur - AstroLibrium

Apollo 11 – 50 Jahre Mondlandung in der Literatur

Aber auch jenseits der Weltraummission hat der Mond Spuren in unserem Lesen hinterlassen. Romane rund um das Leben in bestimmte Mondphasen lassen unseren Erdtrabanten mal in weite Ferne rücken und manchmal ganz nah erscheinen. Romane, die Geschichten erzählen, in denen die Mondlandung als Metapher für die Annäherung von Menschen genutzt wird. Vom fulminanten Start in eine Umlaufbahn, den gewagten Touchdown bis zum Verlassen des innig geliebten Partners. Nicht jedoch ohne Ballast zurückzulassen. „Der Sommer meiner Mutter“ ist so konstruiert, erzählt und ist genau in der Zeit der Pionierleistung angesiedelt. Grandios. Meine kleine Mondleseliste hänge ich gerne an.

Der Mond und das Lesen bei AstroLibrium

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Raumpatrouille“ – Der Kosmos der Kindheit von Matthias Brandt
Das Mädchen, das den Mond trank“ von Kelly Barnhill
ARTEMIS“ – Leben auf dem Mond mit Andy Weir
Sonne, Mond und Sterne“ von Mario Alberto Zambrano
Armstrong“ – Torben Kuhlmann revolutioniert die Raumfahrt
Die Ziege auf dem Mond“ – Stefan Beuse & Sophie Greve
Der Sommer meiner Mutter“ von Ulrich Woelk

Apollo 11 - 50 Jahre Mondlandung in der Literatur - AstroLibrium

Apollo 11 – 50 Jahre Mondlandung in der Literatur

Ich feiere das Jubiläum nicht alleine. Thomas Calliebe geht ab wie eine Rakete und hat die erste Mondlandung in den Mittelpunkt seines Kundenmagazins – ErLesen II. Quartal gestellt. Hier ergänzen sich meine Empfehlungen mit seinen extrem wertvollen Tipps zu diesem Jubeltag. Ein besonderes Schaufenster zu diesem Thema sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Was die Buchhandlung Calliebe in Groß-Gerau mit der Buchhandlung Lesezeichen in Germering und der Buchhandlung Bräunling in Puchheim verbindet? Ganz einfach. Wir treten gemeinsam den Beweis an, dass es nicht der Mensch oder die Maus war, die den Mond zuerst betrat. Es waren die kleinen Büchereulen aus meinem Nest, die als wahre Pioniere in die Geschichte eingegangen sind. (Fuß- oder Krallenspuren haben sie natürlich nicht hinterlassen).

Der Beweis? Wir bleiben ihn nicht schuldig. In den drei Herzensbuchhandlungen findet man OSA-Büchereulen (Owl-Space-Agency) aus der kleinen literarischen Sternwarte und es liegt nur an Euch, ob es Euch gelingt, eine dieser Weltraumeulen mit Helm und Sauerstoff-Rucksack in Euren Kosmos zu entführen. Auch bei mir habt Ihr die Chance. Kommentiert diesen Beitrag und erklärt dem Mondlandewesen Euren Landeplatz. „The Owl Has Landed“ ersetzt dann bald den legendären Spruch vom Adler. Viel Glück und schwereloses Lesen.

Apollo 11 - 50 Jahre Mondlandung in der Literatur - AstroLibrium

Apollo 11 – 50 Jahre Mondlandung in der Literatur

Büchereulen / Hörbucheulen / Space-Eulen made by Tina Stroscher (Danke). Und hier geht´s zum Außenposten bei Mikka liest das Leben. Die Eule ist gelandet.

Space Girls von Maiken Nielsen - AstroLibrium

Space Girls von Maiken Nielsen

Hier geht´s zu den Space Girls und den Gewinnerinnen unserer Mondeulen…

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Rück- und Ausblick

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski - Rück- und Ausblick - AstroLibrium

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski – Rück- und Ausblick

Ein neues Icon auf dem Smartphone? Ein rotes „E“, das plötzlich erscheint? War da nicht mal was? Kommt uns das ein wenig bekannt vor? Gab es nicht mal ein Spiel, das man am PC ganz exklusiv spielen konnte? Ein Spiel, über das man auf keinen Fall reden durfte, das keinen Fehler verzieh, das nicht mehr gestartet werden konnte, wenn man auch nur einen Fehler beging und das dem Spieler Aufgaben stellte, die im realen Leben bewältigt werden mussten? Na klar. Da war was. Vor fast 10 Jahren. „EREBOS“ von Ursula Poznanski war im Jahr 2010 ein literarischer Gassenhauer. In aller Munde und Gesprächsthema an jedem Bücherstammtisch.

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski - Rück- und Ausblick - AstroLibrium

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski – Rück- und Ausblick

Ihr erinnert Euch? Ihr habt EREBOS gelesen? Na dann seid Ihr hier genau richtig. Blicken wir gemeinsam zurück und dann nach vorne. Oh ja, es gibt ein Vorne. Was ich vor fast 10 Jahren zu „EREBOS“ schrieb, wird jetzt wieder wichtig. Denn es geht weiter mit diesem epochalen Jugendthriller. EREBOS is back. EREBOS 2 kommt. Zunächst ein Blick zurück:

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski - Rück- und Ausblick - AstroLibrium

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski – Rück- und Ausblick

„Es beginnt immer nachts. Nachts füttere ich meine Pläne mit Dunkelheit.
Wenn es etwas gibt, worüber ich im Übermaß verfüge, so ist es Dunkelheit.
Sie ist der Boden, auf dem gedeihen wird, was ich wachsen lassen möchte.“

So beginnt EREBOS von Ursula Poznanski. Mit diesen Worten zieht die Autorin ihre Leser in eine Geschichte hinein, die funktioniert, die begeistert und sich im Gedächtnis dauerhaft festkrallt. Woran liegt das? Was macht einen Roman aus, der aus der Masse vergleichbarer Bücher heraussticht und Leser aller Leserschichten nachhaltig fesselt?

Ursula Poznanski hat ein High-Script vorgelegt. Bestechend: Die grundlegend neue Idee eines dynamischen Computerspiels namens EREBOS, das auf beängstigende Art und Weise das reine Spiel mit der realen Welt kombiniert und verbindet. EREBOS wird gezielt in Umlauf gebracht, sein Inhalt bleibt jedoch für Außenseiter geheim. Und genau dieser Exklusivitäts-Mechanismus macht es in kurzer Zeit zum Spielestatussymbol. Hier spiegelt Ursula Poznanski ernsthafte Bedürfnisse von Jugendlichen wider:

– Zugehörigkeitsgefühl
– Abenteuerlust
– Individualität
– Privatsphäre
– Fluchtstreben aus dem tristen Alltag

Diese Ebenen werden von EREBOS bedient und die scheinbare Exklusivität der Spielwelt sorgt dafür, dass sich die EREBOS-Beteiligten im unsichtbaren Strudel des Geschehens verfangen und süchtig werden – süchtig nach Bestätigung und Erfolg. Die Grenzen verschwimmen, als das Computerprogramm Aufträge erteilt, die nicht mehr in der virtuellen Welt, sondern im realen Leben der Spieler ausgeführt werden müssen, in einer Welt, in der Computerspiele keine besondere Relevanz haben. Plötzlich sind alle Spieler gezwungen zu agieren, um einerseits das finale Ausscheiden zu verhindern und auf der anderen Seite den Zugang zum nächsten Level zu erhalten.

Doch welches Ziel verfolgt das Spiel? Wer steckt hinter EREBOS?

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski - Rück- und Ausblick - AstroLibrium

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski – Rück- und Ausblick

Die österreichische Autorin veröffentlicht diesen Roman in einer Zeit, [Anmerkung des Rezensenten: im Januar 2010] die dadurch gekennzeichnet ist, dass Jugendliche stundenlang vor ihren Computern sitzen, in die Tiefe virtueller Spielewelten eintauchen und ihre Eltern nicht nachvollziehen können, wieso es nicht möglich ist, den Ablauf des Spiels für eine kurze Essenspause zu unterbrechen. Sie schreibt es in einer Zeit, in der viele Erwachsene stundenlang vor dem Rechner sitzen und ihrer Umgebung nicht mehr erklären können, warum eine Teilnahme am sozialen Leben nicht möglich ist, weil man schließlich etwas verpassen könnte in der virtuellen Welt. Eine digitalisierte Dimension des Seins beginnt um sich zu greifen und das Verhalten der Eltern findet plötzlich seine Entsprechung im Spielverhalten von Kindern. Überraschend?

Ursula Poznanski spiegelt diesen problematischen Teil unserer Gesellschaft und siedelt in diesem Szenario eine spannungsgeladene Handlung an, die in ihrer Brisanz und Aktualität einfach nur als brillant zu bezeichnen ist. Also, Rechner aus und ran ans Buch. LESEN: Ihr Jugendlichen vor den PCs in denen Egoshooter das Leben regieren! LESEN: Ihr Erwachsenen in Euren virtuellen Umgebungen und LESEN: Ihr Liebhaber erstklassiger Romane! Und bitte nicht vergessen:

„Loslassen ist einfach, wenn man sich erst einmal dazu entschlossen hat.“

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski - Rück- und Ausblick - AstroLibrium

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski – Rück- und Ausblick

Das schrieb ich vor fast 10 Jahren, also lange bevor ich hier in den Tiefen meiner kleinen literarischen Sternwarte versank. Erebos war der Startpunkt meines Lesens an der Seite von Ursula Poznanski. Ich bezeichne sie noch heute als die Fluchthelferin meines Lesens, weil ich wohl tausende Kilometer in schnellster Gangart zurücklegte, in der Hoffnung, ihren jeweiligen Thriller mit heiler Haut zu überstehen. Und jetzt, nach so langer Zeit überrascht uns Ursula Poznanski mit der Fortsetzung eines Thrillers, der für mich eigentlich abgeschlossen schien. Jetzt sorgt die Kunde von „EREBOS 2“ für eine Aufregung in der Fangemeinde, die man mit Händen greifen kann. Es knistert, flimmert und vibriert. Und ich? Heute gehöre ich zum sogenannten Inneren Kreis. Heute ist es mein Privileg, das Erscheinen von „EREBOS 2“ als „Afficionado“ zu begleiten. Doch vor der Fortsetzung gilt es sich an eine Zeit, die längst vergangen scheint, zu erinnern.

Ist EREBOS noch präsent in Eurem Langzeitgedächtnis? Was verbindet Ihr heute mit dieser Geschichte und was erwartet Ihr von der Fortsetzung? Ich bin sehr gespannt auf Eure Antworten und dann legen wir im August los, wenn EREBOS uns wiederfindet. In wenigen Wochen ist es soweit und solltet Ihr noch EREBOSLOS sein, die Zeit ist reif, eine Geschichte zu entdecken, die damals bahnbrechende Wirkung hatte und nichts an ihrer Relevanz eingebüßt hat. Greift zur Sonderausgabe (ein Schmuckstück) und dann hinein in eine Fortsetzung, auf die sich die Bücherwelt unglaublich freut.

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski - Rück- und Ausblick - AstroLibrium

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski – Rück- und Ausblick

„EREBOS 2“ – Ich bin zurück und habe überlebt. DAS FAZIT:

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski - Rück- und Ausblick - Astrolibrium

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski – Rück- und Ausblick

Die Frage ob EREBOS 2 ein würdiger Nachfolger von EREBOS ist, hat sich mir nie gestellt. 10 Jahre nach der Deaktivierung eines Computerspiels auf Leben und Tod hat Ursula Poznanski einen Relaunch hingelegt, den man so nicht programmieren kann. EREBOS ist wieder aktiv. Das Programm hat dazugelernt und nichts von dem verloren, was es damals so gefährlich machte. Es zieht Menschen in seinen Bann und verwickelt sie in einen Dialog am Rechner und am Smartphone, dem sie sich nicht entziehen und verweigern können. Dazu ist das Bedrohungszenario, mit dem EREBOS aufwartet viel zu gefährlich. Auch Spieler von einst, die dieser Welt schon lange entsagt haben, sind wieder Teil des perfiden Spiels.

Nick verliert alle Fotos, die er gerade von einer Hochzeit gemacht hat. EREBOS hat sie beschlagnahmt und nur durch den erneuten Eintritt ins Spiel kann er sie Schritt für Schritt zurückgewinnen. Perfide. So oder so ähnlich geht es auch den neuen Spielern. Es geht um ihre Existenzen, wenn sie im Spiel gegeneinander antreten. Auch diesmal führen die Aufgaben in die reale Welt. Was Ursula Poznanski dann jedoch verursacht ist phänomenal. Hatte man in EREBOS noch den Konflikt zwischen Realität und Game zu verarbeiten, so kommt jetzt eine Ebene hinzu, die ich nicht erwartet hätte. Sind die Identitäten der Spieler auch im wahren Leben mit Vorsicht zu genießen? Hat sich das Spiel in eine Richtung entwickelt, die nicht nur Böses im Sinn hat? Wer hat EREBOS reaktiviert und mit welcher Absicht? Gut und Böse verschwimmen zu einem Nebel, der sich vollständig lichtet und seine Leser staunend zurücklässt. Das ist großes Kino!

„EREBOS 2“ ist ein literarisch fesselnder mehrdimensionaler Identitätskonflikt, in dessen Sog man untergeht und wie neugeboren wieder auftaucht. 

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski - Rück- und Ausblick - AstroLibrium

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski – Rück- und Ausblick