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Mr. Rail... das reicht, oder?

„Hemingway & ich“ von Paula McLain

Hemingway & ich von Paula McLain - AstroLibirum

Hemingway & ich von Paula McLain

Es gibt Schriftsteller, die sich in Lebensgefahr begeben müssen, um die volle Kraft ihrer Kreativität zu entdecken. Autoren, die auf dem Boden der brutalen Realität und im Angesicht des Todes den Adrenalinstoß bekommen, der ihre schöpferische Energie zur Explosion bringt. Die Klarheit des eigenen Blicks auf die Welt und die Vermeidung aller ablenkenden und romantisierenden Einflüsse gilt als eine der wichtigsten Bedingungen für das echte Schreiben. Ernest Hemingway ist hier sicher das Paradebeispiel. Es ist der Stierkampf in Spanien, die eigene Flucht vor den blutrünstigen Tieren in Pamplona, die seinen Roman „Fiesta“ erst möglich machten. Es ist seine Rolle als Reporter in den blutigen Kriegen seiner Zeit, die aus dem Kriegsberichterstatter einen Nobelpreisträger für Literatur machten.

Es waren der spanische Bürgerkrieg und die Machtübernahme General Francos, der Kampf einer internationalen Liga der Aufrechten gegen die Diktatur, die aus dem schon weltbekannten Autor eine wahre Legende machten. Ernest Hemingways Stunde schlug, als die Revolutionäre untergingen. Sein größter Roman „Wem die Stunde schlägt“ ist ohne den Blutgeruch im umkämpften Madrid nicht denkbar. Aber es waren nicht nur die großen Kriege, die er verzweifelt suchte, um sein Schreiben zu finden. Seine Kriege im privaten Leben trugen die Namen seiner Ehefrauen. Hadley, Pauline und Martha. Nur die letzte Ehefrau blieb bis zum Schluss. Mary. Was blieb ihr auch übrig? Hier brauchte es keine Scheidung. Eine Schrotflinte und ein Selbstmord reichten völlig aus. Der letzte Schuss in den lebenslangen Liebeskriegen Ernest Hemingways.

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Hemingway & ich von Paula McLain

Sich Hemingway anzunähern, bedeutet gleichzeitig mit der jeweiligen Ehefrau auf Tuchfühlung zu gehen, die in der betreffenden Lebensphase zu seinem Kriegsgegner mutierte. Ihre Perspektiven sind mehr als erhellend für das Verständnis eines der wohl größten Schriftsteller der Literaturgeschichte. Ich bin Hadley in „Madame Hemingway“ von Paula McLain begegnet. Ich traf auf sie in Hemingways eigenem Werk, „Paris, ein Fest fürs Leben“. Ich erlebte Pauline an seiner Seite im Roman „Und alle benehmen sich daneben“ von Lesley M.M. Blume und sah, wie der Ehe-Staffelstab an die jeweils neue Gefährtin übergeben wurde, die behaupten durfte „Als Hemingway mich liebte“ im Roman von Naomi Wood. Jedes Buch ein echter Kriegsbericht. Jedes Szenario nur Futter für seine Romane. Hemingway war ein Verräter. „Fiesta“ mag da als Beispiel im Gesamtwerk des gar nicht noblen Preisträgers dienen.

Und nun ist es erneut Paula McLain, die mir eine der Hemingway-Ladies in seine Ehekriegs-Bibliothek schreibt. „Hemingway & ich“. Man muss keines der anderen Bücher gelesen haben, um literarisch und biografisch anzukommen. Man muss keinen Hemingway-Roman gelesen haben, um hier gefesselt zu werden. Nein. Man muss nur neugierig genug sein, aus den Lebens- und Liebesumständen eines Schriftstellers auf sein Schreiben zu schließen, dann ist man hier genau richtig. Martha Gellhorn ist die ich“ in diesem Roman. Sie ist es, die als dritte Ehefrau Hemingways in die Geschichte einging. Sie ist es, die als einzige Ehefrau Hemingway verließ, bevor ihr der Staffelstab abgenommen wurde. Sie ist wohl mit Sicherheit die schillerndste Persönlichkeit, an der sich das große Ego Hemingway reiben durfte. Ihre Stunde schlug, als ihr Ehemann sie im Roman „Wem die Stunde schlägt“ verewigte. Aus der literarischen Liebeserklärung wurde schneller ein kalter Krieg, als sie es jemals für möglich gehalten hätte.

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Hemingway & ich von Paula McLain

McLain hat eine Charakterstudie jener Martha Gellhorn verfasst, die zeigt, wie sehr ein Buchtitel täuschen kann. Hier geht es nicht um Weggefährten, hier geht es nicht um die große Liebe eines Lebens, hier geht es um die Degradierung einer Frau, die selbst nur daran gemessen wurde, mit wem sie verheiratet war. Dabei war sie ebenbürtig. Im Leben wie im Schreiben. Zwei konkurrierende Geister, zwei schreibende Intellektuelle, ein gemeinsames Leben. Unmöglich. Dazu in den frühen 1930er Jahren, in denen eine Frau als Schriftstellerin einen extrem schweren Stand hatte. Martha Gellhorn sah sich immer als eigenständige Persönlichkeit. Die Ehe machte sie für die Öffentlichkeit nur zu einem Anhängsel. Schwer zu verkraften. 

Paula McLain begleitet das Literatur-Traumpaar durch die gemeinsamen Liebes- und Lebensphasen. Vom ersten Kennenlernen, über die erste stürmische Verliebtheit bis zu den dunklen Wolken aus Alkohol, Eifersucht und Missgunst, die jener Beziehung den Todesstoß versetzten. Es fällt nicht schwer, sich auf Marthas Seite zu schlagen. Im Kampf um mediale Aufmerksamkeit wirkt Hemingway wie ein an ADHS leidendes Kind. Neben ihm kann es keinen klugen Geist geben. Dominanz wird zur Bestimmungsgröße einer Beziehung. Es ist faszinierend, diesem Weg lesend zu folgen. Und im Wissen um die Lebensgeschichte Hemingways ahnt man natürlich nichts Gutes, wenn Konflikte zu Eisbergen werden. Ein Schriftsteller, der zeitlebens auf der Suche nach Adrenalin und Kontroverse ist kann keinen privaten Ruhepol dulden, der ebenso intellektuell ist wie er selbst.

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Hemingway & ich von Paula McLain

Hemingway & ich“, erschienen im Aufbau Verlag, ist mehr als nur ein Mosaikstein im Gesamtverständnis für einen großen Schriftsteller. Dieser Roman stellt Martha Gellhorn in den Mittelpunkt und man hat das Gefühl, dass dies nur allzu gerecht ist. Dabei geht Paula McLain keine blinde Allianz mit ihrer Protagonistin ein. Sie hinterfragt kritisch, ist unparteiisch und bleibt selbst im hässlichsten Konflikt weitgehend neutral. So wird man als Leser zum Zeugen der unwiderstehlichen Anziehungskraft zweier Magneten, die im Taumel der Leidenschaft die Umkehrung der Energie durchleiden müssen. Ich bin mit einer großen Erwartungshaltung in dieses Buch eigestiegen. Paula McLain hat mich im Lesen bisher nicht enttäuscht. Und auch diesmal ist es ihr nach „Madame Hemingway“ und „Lady Africa“ erneut gelungen, einen emotionalen und differenzierten literarischen Meilenstein in meinem Lesen zu verankern.

Es fällt mir leicht, dieses Buch zu empfehlen. Es steckt voller Zitate, die der großen Leidenschaft und der zunehmenden Zerrissenheit gerecht werden. Es ist spannend, im spanischen Bürgerkrieg mitzuerleben, wie sich ein großes Buch der Literaturgeschichte zu entwickeln beginnt. „Wem die Stunde schlägt“ erlangt in diesem Buch eine andere und neue Bedeutung. Ingrid Bergmann ist eine gute Besetzung in der Verfilmung. Eine bessere Wahl wäre jedoch Martha Gellhorn gewesen. Sie hätte sich selbst gespielt. Ein Gedanke, der mich nicht mehr loslässt, seit ich „Hemingway & ich“ beendet habe. Am Ende des Lesens schenke ich mir einen Whisky ein und erhebe mein Glas auf Martha Gellhorn. Ich denke, das würde ihr gefallen….

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Hemingway & ich von Paula McLain

Mein Hemingway-Kosmos lädt zum Lesen ein. Herzlich willkommen.

Madame Hemingway von Paula McLain
Und alle benehmen sich daneben Lesley M.M. Blume
Als Hemingway mich liebte von Naomi Wood (Rezension bei Herzpotenzial)
Paris – Ein Fest fürs Leben von Ernest Hemingway
Fiesta“ von Ernest Hemingway

Weitere Weihnachtsempfehlungen 2018 finden Sie hier

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„Die Bienenkönigin“ von Claudia Praxmayer

Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer - AstroLibrium

Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Manchmal ist es sehr hilfreich, die guten alten Märchen der Gebrüder Grimm zu kennen. Die Bienenkönigin“ ist zwar nur ein kleines zartes Märchen, aber schon hier wird klar, dass man im Leben bitterlich dafür bestraft wird, wenn man seinen Unmut an hilflosen Lebewesen auslässt. Der kleine Dummling gilt als einfältig, weil er sich weigert einen Ameisenhaufen zu zerstören oder einen Bienenstock zu plündern. Später jedoch sind es genau diese kleinen verschonten Lebewesen, die ihm dabei helfen, unmögliche Aufgaben zu lösen und nicht, wie seine Brüder, in Stein verwandelt zu werden. Und die Moral von der Geschicht`? Töte kleine Bienen nicht! Haben wir wieder nicht zugehört?

Ja. Wir hätten es eigentlich wissen müssen! Scheinbar jedoch haben unsere guten alten Märchen ihre Wirkung verloren. Scheinbar ist damit auch die Ehrfurcht gegenüber den kleinsten Lebewesen verloren gegangen. Scheinbar hat uns heute sogar die Moral verlassen. Bienensterben. Weltweit. Ausgebeutete Bienenvölker, die aus wirtschaftlich rentablen Gründen durchs Land gekarrt werden, um Blüten zu bestäuben. Tiere, die in jeder Hinsicht nur noch als Produktionssklaven gehalten und nach getaner Arbeit auch gerne geopfert werden. Die Folgen? Dramatisch. Sachbücher, Dokumentationen, Filme und Vorträge ändern nichts am Bewusstsein. Können moderne Märchen unsere Moral wieder auf Vordermann bringen? Ist es die Emotion, die auf der Strecke blieb? Haben wir noch eine Chance zur Umkehr?

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Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Ich bin davon überzeugt. Spätestens seitdem sich viele namhafte Schriftsteller/Innen diesem Thema verschrieben haben. Ökologisch motivierte Romane mögen inzwischen fast schon zum literarischen Mainstream gehören. Sie mögen sogar manchmal auch im Glauben geschrieben sein, auf der richtigen Welle des Erfolges zu surfen. Das merken Leser jedoch sehr schnell. Eben weil es die großen Romane gibt, die eine breite Masse an Menschen erreichen. Gute Romane, die nicht nur den erhobenen Zeigefinger in den Vordergrund stellen, sondern ganz einfach mit einer guten Geschichte überzeugen. Es spricht sich schnell herum, welche Bücher man unbedingt lesen muss, um den eigenen Kurs zu korrigieren. „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde gehört eindeutig zu den empfehlenswertesten Werken der letzten Jahre.

Wenn man jedoch auch junge Menschen erreichen möchte, dann muss man auch für junge Menschen schreiben. Sie sind die Zielgruppe, die in der Lage ist, die Welt zu verändern. Hier ist noch nicht Hopfen und Malz verloren, wenn es darum geht, Gefühl vor Wirtschaftlichkeit zu stellen. Hier liegt die Zukunft auch in den Händen von Autoren und Autorinnen, die mit einem bestimmten Sendungsbewusstsein schreiben. Und wenn diese Kulturschaffenden ihrer Verantwortung gerecht werden, dann gelingt es vielleicht wieder, am Ende einer Geschichte die Frage nach ihrer Moral stellen zu können, ohne dass sie unbeantwortet im Raum stehen bleibt. Einen solchen Roman für Jugendliche habe ich gefunden.

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Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Dieser Roman ist über jeglichen Verdacht erhaben, das ökologische Thema nur zu transportieren, weil es gerade en vogue ist. Dieses Buch ist kein Trittbrettfahrer auf der Welle des Artenschutzes. Es ist vielmehr eine emotional fundierte Kampfschrift, der es gelingen kann, Mitgefühl und Gefühl zu paaren und Mutter Natur mit anderen Augen zu sehen. „Die Bienenkönigin“ von Claudia Praxmayer öffnet uns einen Erzählraum, der einem Bienenstock gleichkommt. Eine Wohngemeinschaft junger Menschen, in der es nur so brummt vor unbekümmerter Betriebsamkeit. Der „Beehive“ in San Francisco ist der Ausgangspunkt einer Geschichte, die so gut ist, dass sie unbedingt erzählt werden muss!

Sie ist deshalb so gut, weil sie plausibel ist. Sie ist so gut, weil sie bisher noch nicht so erzählt wurde und sie ist so gut, weil sie der Realität eine Seite abgewinnt, die man nur entdecken kann, wenn man als Schriftstellerin mit viel Gefühl und Sachverstand in den Bienenwaben der eigenen Geschichte lebt. Hier spürt man in jedem Kapitel, dass mit der Autorin auch die studierte Biologin schreibt. Eine literarische Symbiose, die der Handlung in jeder Beziehung Tragfähigkeit verleiht. Den Blick auf das Kleine lenken, in Bienen keine Selbstverständlichkeit zu sehen und Zusammenhänge zwischen uns und der Natur sichtbar zu machen. Das sind ihre Anliegen. Meisterhaft umgesetzt.

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Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Mel ist 19 Jahre alt und auf dem Weg zur beruflichen Selbstfindung. Eine Auszeit soll ihr zeigen, wohin sie ihr Lebensweg treibt. In ihrer WG in San Francisco wirbelt sie ebenso kreativ und aktiv in der Küche, wie sie sich um das kleine Bienenvolk im Garten kümmert. Die besondere Verbundenheit zu diesen Tieren hat sie von ihrer Großmutter geerbt. Als der Bienenstock von einer künstlichen Biene angegriffen wird, erkennt Mel sofort die Dimensionen dieser Attacke. Eine Miniatur-Drohne steuert zielsicher auf den Bienenstock zu. Im Miniatur-Tank, ein Pestizid zur Vernichtung von Bienen. Mit letzter Kraft gelingt es den Bienen, den Angriff abzuwehren, aber Mel ahnt, dass sie hier zur Zeugin von etwas Größerem geworden ist. Etwas Gefährlichem.

Diese Ausgangssituation ist die Basis für einen Hybrid Roman, dem es gelingt, im Verlauf der Geschichte Natur und Hightech-Elemente zu einem dichten Erzählraum zu verweben, aus dem es kein Entrinnen gibt. Wenn jemand in der Lage ist, Drohnen zum Fliegen zu bringen, die Bienen täuschend ähnlich sind, wenn er seine Microbiotics dann auch noch mit einem Tank versehen kann, wenn diese Kunstbienen ferngesteuert zum Angriff auf echte Bienen übergehen, dann muss es ein Motiv für diese Tat geben, das alles in den Schatten stellt. Wer kann ein Interesse daran haben, das Bienensterben zu beschleunigen? Mel und ihre Freunde kommen einer brisanten Verschwörung auf die Spur. Die Zeit läuft gegen die Bienenpopulation und gegen die kleine Gruppe, die sich den Drohnen in den Weg stellt.

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Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Bestechend in der Ausgangssituation, logisch im Motiv und faszinierend im Mix der realen Möglichkeiten mit fantastischen Elementen. Claudia Praxmayer bleibt da technisch, wo es zwingend erforderlich ist, sie wird tiefgründig und empathisch, wo es gilt, Mel zu verstehen und sie wird zur großen Erzählerin, wo es darauf ankommt, eine Geschichte voller Poesie und Gefühl zu erzählen. Mel gleicht mit dieser Begabung den Pferdeflüsterern und Schlangenbeschwörern dieser Welt. Ihrer Gabe verdanken wir die ganz großen Momente dieses Romans. Und doch wird schnell klar, dass wir alle, auch ohne einen besonderen Zugang zu Bienen, die Welt verändern können. Eine Botschaft, die Leser jeden Alters anspricht. Ein Roman, der in seiner logischen Konsequenz tiefer geht als „Die Geschichte der Bienen“. Zwei Romane, die man in den Honigwaben des eigenen Bücherregals vereinen sollte. Sie öffnen Horizonte. 

Ich habe mir „Die Bienenkönigin“ in der Hörbuchproduktion aus dem Hause Der Hörverlag von Leonie Landa vorlesen lassen. Der Sprecherin gelingt es, der jungen Mel Leben einzuhauchen, ihr Kämpferherz zu „verstimmlichen“ und der Verbundenheit mit den Bienen eine besondere Sprache zu verleihen. Gänsehautmomente garantiert, wenn Leonie Landa als Mel zu den Bienen singt. Das kann man nicht lesen. Das muss man mit eigenen Ohren gehört haben. Ein zeitlos hörenswerter Roman, den ich sicher nicht schnell aus den Ohren bekomme. Und noch dazu ein starkes Stück Bio-Ökologie im Gewand eines spannenden Jugendthrillers. Eine Story die ein Literatur-Bio-Siegel verdient hätte. Geht runter wie Honig! Versuchen Sie es selbst…

Und immer dran denken: Stirbt sie – stirbst auch Du!

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Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Eine meiner absoluten Weihnachtsempfehlungen 2018. Mehr davon, hier

Zamonien – „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ von Walter Moers

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers - AstroLibrium

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Nein, nein. Keine Sorge. Der Titel dieses Hörbuchs ist völlig falsch und irreführend. Es muss sich hierbei um ein reines Missverständnis handeln, weil ja jedes Kind weiß, dass es in Zamonien wirklich alles gibt, nur kein Weihnachten. Wäre ja auch gelacht. Walter Moers hat ja nicht sein ganzes Herzblut in einen erfundenen Kontinent gesteckt, nur um ihn dann mit den Riten und Gebräuchen auszustatten, die wir aus unserem Leben allzu gut kennen. Nein. Es gibt kein Weihnachten. Niemand feiert das dort. Die Völker dieses Kontinents haben ihre ganz eigenen Feiertage. Die Holzgnomen zum Beispiel feiern ihr Borkenfest, die Gurkenzwerge ein Essigfest. Von den Nattifftoffen ganz zu Schweigen.

Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ von Walter Moers

Nein. Auch die legendären Lindwürmer feiern kein Weihnachtsfest. Also kann man sich dieses Hörbuch völlig unbesorgt anhören, auch wenn man kein Weihnachtsfreund ist. Nun gut. Einmal im Jahr feiern die Lindwürmer schon. Und auf den ersten Blick mag ihr HAMOULIMEPP gewisse Parallelen mit unserem Weihnachtsfest aufweisen. Es ist jedoch weit hergeholt, die beiden Feierlichkeiten in einem Atemzug zu nennen. Hier gilt es endlich mal gründlich mit Vergleichen aufzuräumen und wer könnte dies besser, als der populärste Lindwurm Zamoniens: Hildegund von Mythenmetz, der eigentliche und wahre Autor der meisten Geschichten dieses fantastischen Kontinents? 

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers - AstroLibrium

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Dem aktuell vorliegenden Briefwechsel zwischen dem Lindwurm-Autor und dem Eydeeten Hachmed Ben Kibitzer haben wir es heute zu verdanken, dass wir endlich mit dem Irrglauben von Weihnachten auf der Lindwurmfeste aufräumen können. Wurde aber auch Zeit. Damit ist es bereits das achte Buch, in dem uns Walter Moers in seinen Zamonien-Kosmos entführt. Und noch dazu ist es ein lange herbeigesehntes Werk, das schon mehrfach angekündigt, und immer wieder verschoben wurde. Tja, da musste der begnadete Erzähler wohl intensiver recherchieren, als es zu vermuten war. Jetzt ist es vollbracht. Die Lindwurmfeste erstrahlt in festlichem Glanz und alle Vorbereitungen für Hamoulimepp laufen auf Hochtouren.

Nun heißt es, sich zurückzulehnen und Hildegunst genau zuzuhören. Dann lösen sich die Missverständnisse in Wohlgefallen auf. Also herzlich willkommen in der Heimat der Lindwürmer, jener legendären Festung im Westen Zamoniens, die den intelligenten Nachfahren der zamonischen Dinosaurier, komischerweise oft als Drachen bezeichnet, als Rückzugs- und Zufluchtsort dient. Belagerungen wurden überstanden, kulturelle und soziale Errungenschaften entwickelt und eigene Riten und Gebräuche etabliert. Einmal im Jahr feiert man demzufolge auf der Lindwurmfeste Hamoulimepp. Drei ganze Tage dauern die Feierlichkeiten zu Ehren der Herren Hamouli und Mepp. Hildegunst äußert sich in seinen Briefen mehr als kritisch über den Stellenwert dieser Feiertage, den Sinn und Unsinn der umfangreichen Vorbereitungen und macht aus seinem Herzen keinerlei Mördergrube, wenn er sich als Hamoulimepp-Hasser outet.

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Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Kann man auch gut nachvollziehen, wenn man seinen Ausführungen folgt. Es ist schon mühsam, die steinernen Hamoulimepp-Bäume anzumalen und aufzustellen, die Geschenke an die kleinen Lindwürmer in Felsengeiereierschalen zu verpacken, sich an den Hamoulimepp-Abenden um die Klavorgel zu versammeln, um Lieder wie „Morgen Würmer wird´s was geben“ zu singen, kleine Gedichte auf Lindwurmfesteschnecken zu schreiben, damit sie jeder lesen kann und den Festtagsschmaus Trilobitensuppe in sich hineinzulöffeln. Und dann gilt es auch noch, dem Nachwuchs klarzumachen, dass man eine große Menge Hamoulimepp-Zwerge benötigt, um die Festtagswünsche zu erfüllen, weil Hamouli und Mepp allein das nie hinbekommen würden.

Nun gut. Auf den ersten Blick mutet vieles davon wie unser Weihnachten an. Die beiden zentralen Figuren erinnern deutlich an den Nikolaus und den Knecht Ruprecht, und ja, der Rest kommt uns vielleicht auch ein wenig bekannt vor. Aber wir sollten nicht vorschnell urteilen. Nicht bevor wir die ganze Geschichte gehört haben. Wir können da vielleicht ja auch was lernen. Ich denke nur an das feuerlose Feuerwerk am Ende der Hamoulimeppfeierlichkeiten oder an den Bücher-Räumaus, einen Brauch über dessen Einführung ich inzwischen ernsthaft nachdenke. Vielleicht haben die beiden Feste doch mehr gemeinsam, als man anfänglich denkt. Wer weiß.

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Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Wie dem auch sei. Walter Moers bleibt Walter Moers und Zamonien bleibt immer Zamonien, wie es singt und lacht. Diese Hamoulimpepp-Geschichte ist nun nicht der ganz große Wurf, den man sich vielleicht erhofft hatte, weil die Fortsetzung des letzten großen Zamonien-Romans „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ aussteht. Zwar hat Walter Moers mit „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ die Zamonien-Reihe erfreulicherweise erweitert und unser Lesen bereichert. Und schon im neuen Jahr wurde „Der Bücherdrache“ angekündigt. Aber letztlich warten viele Leser auf das immer wieder verschobene „Schloss der träumenden Bücher“. Sei´s drum. In literarischen Dingen muss man sich in Geduld üben und dankbar für jeden Schritt sein, der uns eine Rückkehr ins geliebte Zamonien ermöglicht.

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Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Besonders, wenn er so gelungen ist wie dieser. Andreas Fröhlich, der Zamonien-Meister dieser Nicht-Weihnachtsgeschichte fesselt uns, wie er uns schon immer zu fesseln wusste. Man staunt, lacht und wundert sich. Hamoulimepp entwickelt sich zur denkbaren alternative unserer hektischen Weihnachtszeit. Ich würde sogar freiwillig den Staub des feuerlosen Feuerwerks aufwischen, wenn wir auf diese Weise um den Krach an Silvester herumkämen. Tolle Idee. Auf ins neue Jahr mit einem farbenfrohen Plopp auf den Lippen. Feiert Hamoulimepp. Ihr könnt die Lindwurmfeste lesend oder hörend besuchen. Egal wie, Ihr solltet es euch nur nicht entgehen lassen.

Die Ausstattung des Hörbuchs (Der Hörverlag) und des Buches (Penguin Verlag) wird dem hohen Fest mehr als gerecht. Die Illustrationen von Lydia Rode, die schon den Nachtmahr in Szene gesetzt hat, begleiten uns durch Hamoulimepp. Wundervoll in jeder zamonischen Beziehung. Ein Augenschmaus, der es inhaltlich locker mit anderen Büchern der Reihe aufnehmen kann, und dem Andreas Fröhlich eine besondere Note verleiht. Hamoulimepp. Hamoulimepp. Mepp. Mepp Mepp.

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Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Dann bis bald… „Der Bücherdrache“ naht mit großen Schritten.

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Der Bücherdrache von Walter Moers – Coming soon…

„Der Federndieb“ von Kirk Wallace Johnson

Der Federndieb von Kirk Wallace Johnson - AstroLibrium

Der Federndieb von Kirk Wallace Johnson

Ich möchte eigentlich ohne großes Federlesen direkt zum Punkt kommen. Nur ist es natürlich schon schwierig, wenn man sich das Buch genau anschaut, das ich heute vorstellen möchte. Es handelt sich nämlich um Federlesen im eigentlichen Sinn. Dabei haben wir es nicht mal mit einem Roman zu tun. Nie und nimmer. Hier wartet ein Buch auf uns, das man gerne in den Kategorien „Wissenschaft“, „True-Crime“, „Ornithologie“ oder ganz allgemein als „Sachbuch“ einsortieren könnte. Könnte, wohlgemerkt, da sich Kirk Wallace Johnson diesem Schubladendenken äußerst effektiv entzieht.

Der Federndieb“, erschienen bei Droemer, ist alles andere als die Aufarbeitung eines aufsehenerregenden Kriminalfalles. Dieses Buch ist mehr als ein ornithologisches oder wissenschaftliches Lehrstück, in dessen Mittelpunkt eine zutiefst ökologisch orientierte Botschaft steht. Wir haben es hier mit einem Kriminalfall zu tun, der von Obsessionen, Irrwegen und Leidenschaften handelt. Nichts ist frei erfunden. Nichts ist konstruiert. Wir haben es mit der realsten Realität zu tun, die sich für uns jedoch so abstrus anhört, als wären wir mitten in einem fiktiven Szenario gelandet.

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Der Federndieb von Kirk Wallace Johnson

Man stelle sich einfach mal einen Musikstudenten vor, der in ein vogelkundliches Museum einbricht, um dort hunderte extrem seltene Vogelbälger zu stehlen. Das sind präparierte Exemplare von Prachtvögeln. Nicht ausgestopft, aber mit ihrem Federnkleid in der Pracht und Farbenvielfalt eines lebenden Vogels. Und genau dieser Dieb braucht die Federn zur Herstellung von Angelködern. Genau gesagt zum Fliegenfischen. Dabei muss man einige Hintergründe kennen. Die „Fliegen“ von denen wir hier reden sind die prachtvollsten Luxusfliegen auf dem Markt. Schweineteuer und echte Kunstwerke. Eine weltweit vernetzte Community der Fliegenbinder stürzt sich leidenschaftlich auf seltene Federn, um neue handwerkliche Kunstwerke fürs Angeln entstehen zu lassen.

Einziges Problem. Die Menschheit hat die seltenen Vögel schon lange ausgerottet. Es sind kaum noch Federn von Paradiesvögeln auf dem Markt und wenn irgendwo welche auftauchen, dann aus dem dubiosen Nachlass steinreicher Verstorbener. Der Markt ist süchtig nach dem gefiederten Gold. Egal aus welcher Quelle es stammt. Klingt wie eine Geschichte, der jetzt nur noch ein kreativer Geist fehlt, der diesem Markt mit krimineller Energie zu neuem Leben verhilft. „Der Federndieb“ mutiert zum wahren Drogendealer, der plötzlich etwas verkaufen kann, was man gar nicht mehr kaufen konnte. Spannend.

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Der Federndieb von Kirk Wallace Johnson

Nicht spannend genug. Glaubt mir. Kirk Wallace Johnson hat sich nicht nur in diesen Kriminalfall hinein recherchiert. Er hat nicht nur genau beschrieben, wie der Federndieb in jene ornithologische Abteilung des Britischen Naturkundemuseums eingebrochen ist, ein paar Hundert der seltensten Vogelbälger stahl oder wie er sie danach im Internet zu Geld machte. Er schildert nicht nur die polizeilichen Ermittlungen, das Urteil im Prozess oder die dubiosen und kriminellen Machenschaften der Fliegenbinder-Community. Das hat dem Autor nicht ausgereicht und wir Leser profitieren von seinem rastlosen Ausflug in eine Welt voller Widersprüche. Hier beginnt die faszinierende Geschichte von Alfred Russel Wallace, dem fast vergessenen Forscher und besessenen Ornithologen.

Um begreifen zu können, was hier gestohlen wurde, entführt uns der Autor auf eine Reise an Bord der großen Forschungsschiffe. Wir begleiten namhafte Forscher auf ihre Expeditionen und erleben, wie sie die Paradiesvögel unter Lebensgefahr nach Europa brachten. Und auch damit nicht genug. Auch die Geschichte der prächtigen Federn im Wandel der Zeit wird uns nähergebracht. Was mit der Hutmode begann endete mit der Ausrottung der weltweit seltensten Vogelarten. Und was dann noch von den Federn zu verwerten war, wurde von snobistischsten Fliegenbindern zur sinnfreien Kunstform des Angelns erhoben.

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Der Federndieb von Kirk Wallace Johnson

Am Ende der Kette aus Obsession, Habgier und Sucht landen wir erneut bei dem skrupellosen Diebstahl der letzten Federn ihrer Art. Spätestens hier gibt sich unser Autor der fatalen Leidenschaft selbst hin und verliert sich in seinen Recherchen. Er ist sicher, auch nach dem gesprochenen Urteil noch Geheimnisse aufklären zu können. In jahrelangen akribischen Ermittlungen gelingt ihm, was niemand zuvor gelang. Er bringt den Federndieb zum Sprechen. Er beginnt das Rätsel um die Paradiesvögel zu lüften, deren Verbleib auch nach dem Prozess ungeklärt ist. Hier überschreitet Kirk Wallace Johnson die Grenzen des Berichterstatters. Hier involviert er sich selbst. Obsessiv.

Ein extrem spannend zu lesender Mix aus wissenschaftlichen Hintergründen und Krimi-Story ist das Ergebnis seiner Recherchen. Auch, wenn man kein Federlesen daraus macht, er erhebt sein Buch zur eigenen Kunstform: Dem Federnlesen. Ich war von der ersten bis zur letzten Seite mehr als fasziniert von der Mischkultur des Buches. Lehrreich, vielschichtig, spannend, ökologisch, wahnwitzig und doch so plausibel, dass man sich dem Sog der Federn kaum entziehen kann. Ein solcher Mix verleitet dazu, im Internet oder in anderen Büchern selbst auf die Suche zu gehen. „Der Federndieb“ ist das perfekte Buch für Leser, die das reale Leben der ausufernden Fantasie vorziehen.

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Der Federndieb von Kirk Wallace Johnson

„H wie Habicht“ und „Falke“ von Helen Macdonald haben für mich den gleichen Sog entfaltet. Auch hier war es die gelungene Mischung aus wissenschaftlichem Fact-Finding, menschlicher Leidenschaft und ökologischer Botschaft, die mich von Seite zu Seite mehr faszinierte. In meinem Lesen bin ich immer wieder dankbar für Bücher, die mehr zu erzählen haben, als eine fiktionale Story. Ich bin extrem dankbar für den Blick zurück in die Welt der großen Expeditionen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Wir sind schon immer der Neugier gefolgt. Haben seit jeher Rätsel der Evolution gelöst und sind schonungslos mit unserer Umwelt umgegangen.

„Der Federndieb“ ist gleichzeitig der Abgesang auf diese Zeit, als auch ein starkes Statement für den Erhalt der großen wissenschaftlichen Sammlungen auf dieser Erde. Hier ist nicht nur die Vergangenheit in präparierter Form zu bestaunen. Hier wird unser biologisches Gedächtnis aufbewahrt. Warum wir ohne diese genetischen Erinnerungen nicht überleben können, veranschaulicht Kirk Wallace Johnson auf beeindruckende Art und Weise. Eine absolute Weihnachtsempfehlung 2018. Ganz besonders für Leser, die aus dem FEDERNLESEN kein großes Federlesen machen.

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Der Federndieb von Kirk Wallace Johnson

Schon am 28.02.2019 werde ich Alfred Russel Wallace erneut begegnen. Anselm Oelze stellt ihn in den Mittelpunkt seines Romans Wallace, der bei Der Audio Verlag als ungekürzte philosophische Abenteuerlesung erscheint. Ich kann es kaum erwarten.

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Der Federndieb und Wallace… Hand in Hand

„Die Schneeschwester“ von Maja Lunde

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Die Schneeschwester von Maja Lunde

Das Lesen zelebrieren. Eine meiner ganz großen Leidenschaften, die ich gerne teilen möchte. Die ruhige Adventszeit lädt uns geradezu ein, dem gemeinsamen Lesen einen neuen Rahmen zu geben. Eine kleine Auszeit von der Hektik, eine Rückbesinnung auf das Wesentliche und Verbindende kann dabei helfen, dem Alltag eine besondere Note zu verleihen und unser Leben zu entschleunigen. Leserituale helfen mir persönlich sehr dabei. In diesem Jahr möchte ich euch auf eine Reise mitnehmen, die vierundzwanzig Tage dauert. Es wird keine leichte Reise, das muss uns von Vorneherein klar sein. Und doch bietet sie uns die Chance fernab vom Buch, den eigenen Blick für das kommende Weihnachtsfest ein wenig zu schärfen.

Die Schneeschwester“ von Maja Lunde ist sicher keine leichte Unterhaltungskost in diesen besonderen Tagen. Maja Lunde selbst hat in ihren bisherigen Büchern über Die Geschichte der Bienen und der des Wassers gezeigt, dass seichte Themen nicht ihr Ding sind. Sie greift tiefer, erzählt nuanciert und verknüpft intensive Botschaften mit der jeweiligen Erzählung, die sie uns anvertraut. Es ist verführerisch, mit ihr den Advent zu verbringen. Es ist verführerisch, mich wieder auf sie einzulassen und der Struktur einer Geschichte zu folgen, die in vierundzwanzig Kapiteln die Tür zum Weihnachtsfest 2018 öffnet.

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Die Schneeschwester von Maja Lunde

Sie schreibt nicht über das strahlende Fest der Feste. Maja Lunde erzählt uns eine Geschichte, in der Weihnachten eigentlich in den Hintergrund rückt. Trauer und Verlust kennzeichnen das Leben der Familie Wilhelmsen. Julian ist zehn Jahre alt und hat alle Hoffnungen auf Weihnachten begraben, weil er auch seine große Schwester begraben musste. Ihr Tod hat alles verändert. Energie und Lebensfreude sind verschwunden. Bis Julian beim Schwimmen dem „Licht in der Winterdunkelheit“ begegnet. Hedvig muntert ihn auf, bringt Freude und vorweihnachtlichen Glanz in sein Leben. Nicht nur durch ihre unwiderstehliche Lebenslust, sondern auch ihr Zuhause, die Villa Mistel, die einer ganz eigenen Weihnachtswunderwelt gleicht. Alles glitzert, funkelt und strahlt. Vielleicht gibt es ja doch noch einen Weg, das Weihnachtsfest zu feiern und das Andenken der toten Schwester zu ehren.

Und doch verbirgt sich auch hinter Hedvig ein dunkles Geheimnis, das Julian erst nach und nach erkennt. Maja Lunde ist bekannt für ihren sensiblen Umgang mit ernsten und belastenden Themen. Der Kontrast zwischen Trauerbewältigung und weihnachtlich angehauchter Lebensfreude könnte schärfer nicht sein. Das zeigen auch die traumhaft schönen Illustrationen der norwegischen Künstlerin Lisa Aisato, die aus dem Buch ein prachtvolles Gesamtkunstwerk machen. Ihre Zeichnungen strahlen alles aus, was man schon vor dem Lesen mit dieser Geschichte verbindet. Trauer, Tristesse, Hoffnung und das Wunder eines leuchtend warmen Weihnachtsfestes.

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Die Schneeschwester von Maja Lunde

Ich werde mich in die vierundzwanzig Kapitel vertiefen. Wie in einem persönlichen literarischen Adventskalender werde ich täglich einen gut dosierten Teil der Erzählung auf mich wirken lassen. Ich habe so viel Lust darauf, dieses Buch zum Mittelpunkt der Vorweihnachtszeit zu machen. Ich möchte es gemeinsam zuhause zelebrieren und ein wenig von diesem Leseritual in die Welt tragen. Ich werde an besonderen Tagen auch dem brillanten Sprecher und Schauspieler Axel Milberg zuhören, der die Geschichte in knapp vier Stunden für die Hörbuchfassung aus dem Hause Der Hörverlag vorgelesen hat. Ein multimediales Erlebnis wartet auf mich. Im Zentrum steht der Prachtband vom btb Verlag.

Ihr könnt mir gerne folgen. Auf Facebook oder Instagram werdet ihr meine täglichen Erlebnisse mit der „Schneeschwester“ finden. In der Bildergalerie in diesem Artikel ist viel Platz für das Lese- und Hörfest auf dem Weg zur stillen und Heiligen Nacht. Nehmt euch die Zeit für ein eigenes Leseritual. Entschleunigt und genießt ein paar ruhige Pole im Alltagssturm dieser Vorweihnachtszeit. Lasst euch bewusst treiben und in eine tiefe Stimmung versetzen, die das Herz öffnet. Ich hinterlasse tiefe Spuren im tiefen Schnee. Folgt mir auf dem Weg zu der wohl längsten Rezension in der Geschichte der Kleinen literarischen Sternwarte.

Unter dem Hashtag #SchneeschwesterAstroLibrium findet ihr meinen Weg.

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Weihnachtsempfehlungen 2018. Nicht nur Tipps rund um die Literatur. Viel mehr.