„Die rote Frau“ – Ein Fall für August Emmerich – Alex Beer

Die rote Frau von Alex Beer  – (Autorenfoto: Ian Ehm)

Man nehme eine versierte Krimi-Autorin; einen an Morbidität kaum zu überbietenden Schauplatz; eine Zeitscheibe der Geschichte, die dem Szenario die Krone aufsetzt; ein Land, das gerade seine gekrönten Häupter verloren hat; ein Ermittler-Duo, das sich aus den Niederungen des eigenen Abstiegs zu befreien versucht und einen Kriminalfall, der sich wie ein verwickeltes Wollknäuel ohne Anfang und Ende verhält. Das Ganze würze man mit historischen Fakten, Lokalkolorit, sprachlichen Ausflügen in einen Dialekt, dem man lesend und hörend sehr gut folgen kann und überziehe alles mit einer Melancholie, die zur grundlegenden Melodie dieser literarischen Inszenierung wird. Schließlich finde man noch einen Hörbuchsprecher, der den Romanfiguren Leben einhaucht. Und schon ist es geschafft. Man hat einen spannenden Krimi, der wie ein Kinofilm vor dem inneren Auge des geneigten Lesers oder Hörers abläuft.

Klingt leicht? Ist es nicht! Viele Schriftsteller haben sich an dieser Mischung versucht. Viele sind an Details gescheitert, die eine eigentlich gute Idee aus der Balance bringen. Und oftmals versagt auch der beste Mix, weil die zugrundeliegende Idee zu konstruiert wirkt. Wenn es also nicht leicht ist, dann ist es umso erfreulicher eine Autorin zu finden, deren Rezeptur bis ins letzte Detail aufgeht. Das Ergebnis kann sich sowohl sehen als auch hören lassen. Längst kein Geheimtipp mehr, weil die österreichische Autorin Alex Beer schon in ihrem früheren Schriftsteller-Leben als Daniela Larcher überzeugen und begeistern konnte. Ich weiß, wovon ich rede, war ich doch schon 2011 Teil einer Social Reading Aktion bei LovelyBooks. Hier lernte ich neben der Autorin auch ihren Roman „Die Zahl“ kennen. Keine Frage also, dass ich ihr auch in ein neues Leben folge. Voller Vertrauen reiste ich also an der Seite von Alex Beer ins Wien der 1920er Jahre.

Daniela Larcher – Buchmesse Frankfurt 2011 – Eine erste Begegnung

Die rote Frau“ entspricht von der ersten bis zur letzten Seite dem perfekten Mix, den ich oben skizziert habe. Und dabei habe ich mir eine etwas komplizierte Basis für diesen Roman ausgewählt. Es ist der zweite Fall des Ermittlerteams Emmerich / Winter aus Wien. „Der zweite Reiter“ musste im letzten Jahr ohne mich durch Wien reiten. Es ist gewagt, im zweiten Teil einer Bücherreiche einzusteigen, da man die Vorgeschichte der tragenden Protagonisten nicht in der vollen Tragweite erlesen kann. Bei Alex Beer vertraute ich jedoch darauf, dass sie mir diese Lücke verzeihen und durch Rückblenden alles Wissenswerte zu ihren Ermittlern verraten würde. Sie hat es gerechtfertigt.

Die rote Frau. Wir befinden uns im Wien des Jahres 1920. Der erste Weltkrieg und damit auch der Untergang der kaiserlichen und königlichen Monarchie sind bereits seit zwei Jahren Geschichte. Die Auswirkungen des österreichischen Desasters liegen aber immer noch wie ein dunkler Schatten über der einst so lebensfrohen Metropole. Es sind politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich instabile Verhältnisse, die dem Leben ihren Stempel aufdrücken. Da geht es dem normalen Bürger nicht anders als den Vertretern der Polizei, die versuchen für Recht und Ordnung zu sorgen. Kriminalinspektor August Emmerich weiß ein Lied davon zu singen. Verwundet im Krieg, selbst in einem Wiener Obdachlosenheim lebend erlebt er nach seiner Versetzung in die Abteilung „Leib und Leben“ was es heißt an vorderster Front gegen Gewaltverbrechen in Wien zu kämpfen.

Die rote Frau von Alex Beer

Alex Beer stellt ihm den Assistenten Ferdinand Winter zur Seite. Sie sind wie ein eingespieltes und zusammengeschweißtes Team, wenn auch ihre Methoden sich leicht voneinander unterscheiden. Emmerich eher ungeduldig, manchmal rabiat, fast brachial, im tiefsten Inneren jedoch grüblerisch und empathisch. Winter dagegen schon aufgrund seiner adeligen Abstammung eher der bedächtige Partner, der analytisch und sachlich aufklären möchte, wobei er sich in genau dieser Zeit oft selbst im Weg steht. Was sich für die beiden Ermittler nach der Wunschverwendung anfühlt, endlich Mordkommission, entpuppt sich schon bald als Abstellgleis für abgehalfterte Polizisten. Zumindest, wenn sie sich ihre Situation vor Augen führen.

Die Krüppelbrigade“, so nennt man die beiden. Kriegsversehrt der eine, noch lädiert vom „Zweiten Reiter“, der andere Ermittler. Als Protegés ihres Vorgesetzten sieht man sie im Kollegenkreis und ihr erster Fall könnte unbedeutender nicht sein. Sie sollen sich um eine Schauspielerin kümmern, die befürchtet ihr aktueller Film könnte verflucht sein. Die Diva stellt zwar menschlich, nicht jedoch kriminalistisch eine Herausforderung dar. Dabei könnte man an wichtigen Fällen mitarbeiten. Ist ja nicht so, als gäbe es die nicht. Der Mord am beliebten Stadtrat Richard Fürst zum Beispiel schlägt hohe Wellen, weil er sich sehr für die Armen und Bedürftigen der Stadt eingesetzt hat. Von diesen Wellen bekommen Emmerich und Winter jedoch nur die Spritzer wahr. Diejenigen jedoch, die sie aus genau diesem Fall raushalten wollen, haben ihre Rechnung ohne den Starrsinn von August Emmerich gemacht. Er findet einen Hauch einer Spur im Fall Fürst und legt auf eigene Faust los. Sprichwörtlich.

Die rote Frau von Alex Beer – Opium fürs Volk

Alex Beer zeichnet ein düsteres Bild vom Wien jener Tage. Instabilität und soziale Verwerfungen, wohin man schaut. Sie öffnet uns die Türen zu den Ärmsten der Armen, den Überlebenskünstlern am Rande der Gesellschaft und zeigt schonungslos auf, wie wenig die Welt der Reichen und Kriegsprofiteure davon betroffen ist. Wien tanzt Walzer auf dem Rücken des Bodensatzes der jungen Demokratie. Schillernde Filme entstehen als Opium fürs Volk und politische Strömungen münden wie tödliches Gift in die Donau. Wir steigen in Halb- und Unterwelten hinab, riechen, schmecken und fühlen den Verfall. Alex Beer spielt hier nicht die historische Stadtführerin. Sie lässt uns das Leben in der Tristesse und Melancholie ihres vergangenen Wiens am eigenen Leib spüren. Wie sie uns dabei auch sprachlich im zarten Wiener Dialekt einiger Protagonisten authentisch mit einer Stadt am Rande des Untergangs verbindet, ist brillant. Nie habe ich Wien so scharf konturiert vor Augen gehabt.

Wie sie aus dem Wollknäuel der einzelnen und zusammenhanglosen Fäden eine komplexe Kriminalgeschichte verwebt ist ebenso außergewöhnlich. Nichts ist hier vorhersehbar. Keine Frage bleibt am Ende offen. Intelligentes Schreiben, deine Heimat liegt in Wien. Und wer immer noch auf der Suche nach einem Ermittler ist, der sich von vielen anderen durch seinen Charakter, seine Schrägheit und sein großes Herz abhebt, der möge doch bitte August Emmerich begegnen. Seine Geschichte trägt den Roman. Seine Vergangenheit strahlt auf die Gegenwart aus und Fehler macht er grundsätzlich nicht ein zweites Mal. Das bekommen seine Widersacher zu spüren. Und wenn er mal als kriminalistische Lawine ins Rollen kommt, ist er nicht mehr zu stoppen.

Die rote Frau von Alex Beer

Ich habe Die rote Frau hörend erlebt. Acht Stunden suchte ich nach ihr. Sechs CDs brachten mir den zweiten Fall von August Emmerich nah. Ein mir bis dato unbekannter Hörbuch-Sprecher sprach sich in mein Nervensystem. Cornelius Obonya verleiht der Produktion von Random House Audio mit seinem stimmlichen Reichtum wahre Größe. Ob als aalglatter Politiker, misshandelter Häftling, kleinwüchsige Anführerin der Gruppe von FreakShow-Zwergen, verhätschelte Schauspielerin, ehemaliger General oder eben als Charakterkopf August Emmerich. Obonya spricht Alex Beer aus der Seele. Obonya spricht Wien aus der Seele. Selten hat für mich ein Sprecher eine solche Authentizität ausgestrahlt.

Ich kann dieses Hörbuch wärmstens empfehlen. So kann ich mir diesen Roman von Alex Beer nicht selbst vorlesen. So möchte ich weiterhören. Vielleicht beginne ich mich rückwärts zu hören. „Der zweite Reiter“ reizt mich sehr. Eines jedoch steht fest. Wien steht nach wie vor ganz oben auf der Liste meiner literarischen Traumziele. Besonders, wenn ich in ein scheinbar von der Geschichte überholtes Wien eingeladen werde. Hier gelingt Alex Beer neben der ausgezeichneten Kriminal-Unterhaltung auf sehr subtile Art und Weise ein deutlicher Fingerzeig auf politische Automatismen, die wellenartig durch die Geschichte mäandern. Nationalismus, rechte Ideologien und die beharrliche Suche nach den Underdogs innerhalb einer Gesellschaft kennzeichnen diese Wellen. Abstrus, dass sie auch heute wieder an unseren Ufern anbranden. Chapeau, Alex Beer…

Die rote Frau von Alex Beer – Wien nach dem Ersten Weltkrieg

ARTEMIS – Leben auf dem Mond mit Andy Weir

ARTEMIS von Andy Weir

Es war ein großer Schritt für mich und ein kleiner Schritt für die Menschheit. Ich war gerade einmal sieben Jahre alt, als ich mir mit meinem Vater am 20. Juli 1969 die Nacht um die Ohren schlagen durfte, um gebannt auf den Fernseher zu schauen. Man sah eigentlich nicht viel. Schwarzweiß-Standbilder und langweilige Wissenschaftler, die versuchten Zeit zu überbrücken bis es endlich soweit war. The Eagle has landed. Ein wichtiger Augenblick für die Menschheitsgeschichte. Und ich war mittendrin. Ich fühlte mich, als sei ich Teil von Mission Control in Houston, Texas und befände mich selbst in der Mondlandefähre Eagle und wäre Mitglied von Apollo 11. Sehr übernächtigt wartete ich nun nur noch auf den Moment, in dem der erste Mensch den Mond betreten würde.

In diesen Stunden waren wir alle Neil Armstrong. Wir waren alle auf dem Mond und machten Luftsprünge, wo es gar keine Luft gab. Genossen die geringe Schwerkraft und staunten über Fotos vom Aufgang der Erde am Horizont. Es waren Wundertage an der Seite der Astronauten und ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich Mitleid mit Michael Collins hatte. Denn während Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Mond Geschichte schrieben, umkreiste er im Kommandomodul Columbia den Erdtrabanten um auf die Rückkehr der ersten Menschen vom Mond zu warten. Und jetzt bin ich selbst auf dem Mond. Ich habe es endlich geschafft und es hat sich so sehr gelohnt, geduldig zu warten, bis „ARTEMIS“ erbaut war. Ich bin auf dem Mond….

ARTEMIS von Andy Weir

Ein bisschen wehmütig war mir ja schon zumute, als ich Artemis erstmals betrat. Der Landeplatz der Eagle ist inzwischen ein Besucherzentrum für betuchte Weltraum-Touristen und eine riesige modulare Stadt ermöglicht 2000 Bewohnern das Leben auf dem Mond. Hier gibt es alles, was man sich nur wünschen kann. Unter den fünf großen Kuppeln, die durch Korridore miteinander verbunden sind, spielt sich das Leben wie in einer Stadt auf der Erde ab. Es gibt Restaurants, Shops, Bars, eine Zugverbindung zum Besucherzentrum und natürlich jede Menge touristischer Angebote, um für Nervenkitzel zu sorgen. Mondspaziergänge in aufblasbaren Hamsterkugeln zum Beispiel.

ARTEMIS. So heißt die Weltraummetropole. Andy Weir hat sie mit seiner Fantasie erbaut und entführt uns nun schon zum zweiten Mal in die Tiefen des Universums. Der Marsianer“ war ein wissenschaftsgeladener Survival-Thriller, der mir in der Einsamkeit des roten Planeten alles abverlangte, was ich an Überlebenswille aufbieten konnte. Auf dem Mond fühle ich mich in Gesellschaft vieler Mondianer schon deutlich sicherer. Das ist keine Testphase, was ich hier erleben darf. Es ist technisch ausgereift. Der Prototyp einer Mondstadt funktioniert in seiner Infrastruktur bestens, die Energieversorgung steht auf sicheren Füßen. Sauerstoff und Wasser sind keine Mangelware. Und der Mond ist nicht nur als Außenposten der Menschheit im All von Bedeutung. Auch seine Rohstoffe spielen eine große Rolle auf der Erde. Artemis ist ein Hybrid aus Sonderhandelszone und Industriegebiet zur Produktion von Aluminium. Eine doppelte Goldgrube, in der die Schwerkraft alles erleichtert. Ein Sechstel der Erdschwerkraft herrscht vor. Das macht das Leben der Menschen in Artemis leicht.

ARTEMIS von Andy Weir

Das ARTEMIS-Taschenbuch vom Heyne Verlag war mein Mond-Wanderführer und immer wenn die Schwerelosigkeit des guten Lesens das Buch an die Decke schweben ließ, tauchte ich in die Hörbuchausgabe von Random House Audio ein. Ich war also für alle Lesens- und Hörenslagen auf dem Mond bestens gerüstet und ließ mich erneut auf ein Abenteuer von Andy Weir ein. Bevor ich das Werk jedoch rezensiere, möchte ich ein kleines Glossar von ARTEMIS-Begriffen voranstellen, die sowohl das Lesen der Rezension, als auch den Genuss des Buches erleichtern:

KSC – Kenya Space Center
EVA – ExtraVehicular Activity (Mondspaziergang)
DAGL – mega-schnelles Glasfaserkabel
GIZMO – unspezifischer Name für ein Gerät, dessen Namen man vergessen hat
HIB – HüllenInspektionsBot (Miniroboter, der die Außenhaut von Artemis kontrolliert)
MOTE – Mondwährung
GUNK – Mond-Essen für arme Leute (Algen mit Geschmacksstoffen)
FLEISCHDOSE – Touristen-Raumfahrzeug
HAMSTERKUGEL – aufgeblasener transparenter Ball für Mondspaziergänge

So, nachdem ihr den Mondjargon beherrscht, können wir loslegen. Wir schlüpfen in einen EVA-Anzug und erkunden den Mond. Habt ihr euer GIZMO? Ansonsten ist es schwer, sich hier zu orientieren und zu verständigen. Und wenn es gut läuft, verdienen wir da draußen ausreichend viele MOTTEN, um heute Abend essen zu gehen. Und ihr könnt mir glauben, dass wir uns nicht mit GUNK abspeisen lassen.

ARTEMIS von Andy Weir

Zeit, unsere junge Begleiterin kennenzulernen. Jazz Bashara. 26 Jahre alt, schon ein wenig durchgeknallt und DAS absolute Talent, wenn es darum geht, Dinge auf den Mond zu schmuggeln, die hier streng verboten sind. Zigarren und Feuerzeuge, um nur zwei kleine Beispiele zu nennen. Sie hat es faustdick hinter den Ohren, ist gut vernetzt und will aus dem perspektivlosen Leben auf dem Mond etwas mehr rausholen. Dass sie damit genau ins Beuteschema von Geschäftsleuten passt, die ihre kriminelle Energie in einem Paradies für illegale Geschäfte ausleben wollen, wird ihr erst bewusst, als es für sie und ARTEMIS schon fast zu spät ist. Man bietet ihr eine Million Motten, um auf dem Mond das wirtschaftliche Gleichgewicht ins Wanken zu bringen.

Andy Weir gelingt es nicht nur, eine besondere extraterrestrische Gesellschaft zu erschaffen. Er transformiert den Mond und seine Rahmenbedingungen zum Schauplatz eines Wirtschaftsthrillers, der nur in dieser Atmosphäre ohne Atmosphäre spielen kann. Der Mond wurde nicht nur von Wissenschaftlern und Touristen erobert. Er ist Spielball des organisierten Verbrechens, denn wo lässt sich Geld besser waschen, als hier. Die Risiken? Egal. Es geht doch nur um 2000 Menschenleben. Was Chicago und New York schon lange hinter sich haben ereilt nun ARTEMIS. Syndikate beherrschen die Szene. Andy Weir schreibt weniger wissenschaftlich als noch im Marsianer. Er verpackt sein Wissen in Bilder, die uns bewegen. ARTEMIS als Lebensraum für die behinderte Lene, die nur hier ohne Rollstuhl leben kann. Dieser Roman und seine Protagonisten leben vom Mond.

ARTEMIS von Andy Weir

Ich weiß immer noch nicht, wie ich es lebend zurück auf die Erde geschafft habe. Jazz hat ein wahres Feuerwerk abgebrannt, wo es definitiv nicht brennen sollte. Brillant konstruiert, gewohnt brillant erzählt und spannend bis zur letzten Seite und dem letzten Track. Das Hörbuch überrascht uns zweistimmig. Gabrielle Pietermann verkörpert die Erzählperspektive von Jazz Bashara. Eine Stimme, die Daenerys Targaryen in Game of Thrones für unsere Ohren verkörpert, macht nun die kleinkriminelle Heldin mehr als sympathisch greifbar. Ein antizyklisch verlaufender Mailverkehr mit einem jungen Mann auf der Erde unterbricht den Erzählstrom auf dem Mond. Hier erfahren wir viel über die junge Jazz und ihre Gefühle. Diese Briefe von Kelvin liest Marius Clarén. Hier trumpft das Hörbuch groß auf.

Fogt mir auf den Mond. Kommt mit nach ARTEMIS. Erlebt den Thriller, in dem Uhren die Erdphasen anzeigen, man die zunehmende Halberde bewundert, die Kinder Wände hochgehen, Roastbeef eine Delikatesse ist, weil die Kuh 400.000 Kilometer entfernt war und die Liebe von Jazz` Vater sich in der Qualität einer Schweißnaht äußert, mit der er das Leben seiner Tochter retten kann. Folgt mir zum Mond. Es ist kein Spaziergang. Es ist allerfeinste Unterhaltung mit Tiefgang und authentischem sozialem Hintergrund. Andy Weir schreibt uns den Highway to the Moon ins Bücherregal. Und wer das Lesen und Hören bei Schwerelosigkeit nicht mag, wird auf die Erde deportiert und mit Schwerkraft nicht unter drei Monaten bestraft!

ARTEMIS von Andy Weir

In meinem Weihnachtsstrumpf dein Herz

In meinem Weihnachtsstrumpf dein Herz – Einzigartige Briefe

Nun kann man schon die Tage zählen, bis Weihnachten vor der Tür steht und wir befinden uns gefühlt im Endspurt auf der Zielgeraden eines turbulenten Jahres. Hektik und Stress fressen uns auf, und manch einer von uns sinkt schon in ein paar Tagen vor dem festlich geschmückten Weihnachtsbaum zusammen und seufzt erschöpft auf. Wir rennen, hetzen und suchen. Jagen letzten Terminen hinterher und erledigen noch ganz schnell die Weihnachtspost für unsere Lieben. „Frohes Fest und pass` auf dich auf!“ Es bleibt kaum Zeit für mehr, geschweige denn für Handschriftliches. Es wird gemailt, was das Zeug hält und zu guter Letzt kann vielleicht noch eine Sammel-WhattsApp ein paar Grüße übermitteln, die wir schlicht vergessen haben. (hörbar als Radio-PodCast)

In meinem Weihnachtsstrumpf dein Herz – Meine Radio-Rezension

Einen ganzen, ellenlangen Brief mit der Hand zu schreiben ist wohl aus der Mode gekommen. Dabei hat genau dieses handschriftliche Schreiben eine ebenso schöne, wie romantische Tradition. Schreiben Sie mir, oder ich sterbelegt Zeugnis davon ab. Ein Buch und seine Hörbuchadaption als Liebeserklärung an das Briefeschreiben. Ich habe diesem Gesamtkunstwerk einen warmen Platz in meiner kleinen literarischen Sternwarte eingeräumt und nun kommt eine weitere Briefedition hinzu, die mich in den letzten Tagen gefesselt und berührt hat. „In meinem Weihnachtsstrumpf dein Herz, herausgegeben und kommentiert von Petra Müller und Rainer Wieland, öffnet diesmal Weihnachtsbriefe berühmter Männer und Frauen für unsere Augen. Als Buch im Piper Verlag erschienen, schließt sich nun die Hörbuchedition von Random House Audio an und lässt uns bewegende und berührende Zeilen hautnah erhören.

In meinem Weihnachtsstrumpf finden sich Dein Herz, Dein Körper, Deine Seele. (Jean Cocteau an Jean Marais)

In meinem Weihnachtsstrumpf dein Herz – Einzigartige Briefe

Ich habe gelesen und gehört. Bin tief versunken in Briefen, die nicht für meine Augen oder Ohren bestimmt waren und doch Zeugnis ablegen von Beziehungen, Lieben und Leidenschaften, von denen die Welt oft gar nichts erfahren durfte. Briefe voller Zartheit und Hoffnung. Briefe voller Zuneigung und Zuversicht. Jedoch auch Zeilen, von denen wir heute wissen, dass sie niemals in Erfüllung gingen. Ich reiche euch den Brieföffner für diese besondere Edition und zähle auf eure Verschwiegenheit. Wir treffen auf ganz besondere Menschen, die tiefe Spuren in unserem Lesen hinterlassen haben und zum Weihnachtsfest sollten wir an sie denken, weil sie ähnliche Wünsche hatten wie wir. Es ist ein Privileg des Lesens und Hörens, diese Zeitreise unter die Tannenbäume längst vergangener Epochen antreten zu dürfen. Folgt mir…

„Es ist schön, bedeutende Männer zu haben, und ich bin so froh, dass du einer bist!“

Was für ein Kompliment aus der Feder einer einzigartigen Frau. Liebe, Sehnsucht nach einem zweiten Kind und unendliche Zuversicht überstrahlen den Weihnachtsbrief von Zelda an ihren Mann Scott F. Fitzgerald. Wundervolle Worte, die sie ihm schrieb, als die wohl größte Liebesgeschichte der 1920er Jahre vor ihren Trümmern stand. Hier beginnt  Weihnachten 1931 die Zeit der Trennung und das dunkle Kapitel im Leben der Lebenskünstler wird aufgeschlagen. Nichts mehr von Himbeeren mit Sahne im Ritzund kaum noch eine Spur von „Für dich würde ich sterben“. Umso bewegender, den Weihnachtsbrief an eine große vergangene und unerfüllbare Hoffnung zu lesen und zu hören.

In meinem Weihnachtsstrumpf dein Herz – Einzigartige Briefe

„… ich hatte dich wirklich seit sieben Jahren unter meiner Haut und wollte nicht.“

So schreibt Erich Maria Remarque dem kleinsten und weichsten aller Nestvögelseines Lebens. Man mag es auch heute noch kaum glauben, wem diese Zeilen galten. Marlene Dietrich und Remarque verband eine fast lebenslange, wenn auch heimliche Liebe, deren Beginn in der Briefkollektion „Schreiben Sie mir, oder ich sterbe“ für die Nachwelt enthüllt wurde. Später wurde „Die Dietrich“ für Remarque zur „Entglittenen“. Wie alles endete wissen wir heute. Ein Telegramm ans Sterbebett kam gerade noch an, bevor der Autor von „Im Westen nichts Neues“ die Augen schloss. 1937 jedoch hatte er den gewohnt wachen Blick auf das wohl ironischste Fest, das man so feiert. Er schließt mit den Worten:

„Sei gegrüßt, du Geliebte und geh nie von mir, du würdest mich zerreißen!“

Einen Hundebesuch zu Weihnachten beschreibt eine Schriftstellerin, die weltweit durch ihre Briefwechsel bekannt wurde. Helene Hanff. Die Radiobriefe aus New York an ihre Heimat England genossen Kultstatus. Zu Weihnachten nimmt sie die einfachen Verhältnisse ihres Lebens im Big Apple auf die Schippe, macht sich über den Versuch einer Baumschmückparty in ihrem Einzimmer-Apartment lustig und läutet damit schon fast das Zeitalter der Schlafcouch ein, die als Garderobe für die Besuchermäntel dient. Herrlich skurril. Herrlich auch, das Essen für die Gäste im gesamten Haus zu verteilen, weil nicht genug Platz in der eigenen Wohnung ist. Herrlich turbulent, was sie uns hier anvertraut. Die Autorin von „84, Charing Cross Road. Eine Freundschaft in Briefen“ war 1978 in wahrer weihnachtlicher Schreiblaune…

In meinem Weihnachtsstrumpf dein Herz – Einzigartige Briefe

Weihnachtsbriefe aus dem Gefängnis gab es auch. Nicht so lustig, nicht skurril und gar nicht weihnachtlich. Eher sehnend, hoffend und verzagend. Wer Rosa Luxemburg nur als ermordete Kämpferin für die Arbeiterklasse kennt, der sollte ihren Brief aus dem Jahr 1917 an Sophie Liebknecht lesen und hören. Wenn Schmerz hinter Gittern jemals spürbar wurde, dann hier. Rosa erzählt von einer Begegnung mit einem Büffel, der als Lastentier vor den Wagen gespannt wurde. Bestialisch gequält, missbraucht und doch nur still leidend. Ihr Blick auf das Tier wird zum Blick in ihre Seele. Sie schreibt den Riss in der Büffelhaut in unser Herz. Kein schönes Weihnachten. Zwei Heiligabende sollten ihr noch bleiben…

„Mutter, fall nicht in Ohnmacht… Ich komme für die Feiertage nach Hause, mit einem Mann und einem Motorrad.“

Dorothy L. Sayers schrieb einen Weihnachtsbrief, den meine Tochter nicht lesen sollte. Die Krimi-Autorin bereitet ihrer Familie 1922 eine besondere Überraschung und gerät beziehungstechnisch auf die schiefe Bahn. Sie begegnet einem mittellosen Mann, der nur ein Motorrad besitzt, schleppt ihn unter den Familien-Weihnachtsbaum und hat keine andere Erklärung als die Liebe auf den ersten Blick. Unter der Kategorie „Leben ist, was uns zustößt“ beinhaltet dieser Brief alles, wovor man seine Tochter schützen möchte. Nein. Ein Motorradfahrer kommt nicht ins Haus. Das steht fest. Das aus dieser Beziehung stammende Kind hat die Autorin übrigens bis ins hohe Alter verleugnet.

In meinem Weihnachtsstrumpf dein Herz – Einzigartige Briefe

Zahllose weitere Briefe ließen sich rezensieren. Von Tucholsky, bei dem zum Fest aus Waren Gaben werden, bis hin zu Jean Paul Sartre, der seinem Spitznamen Castor (fleißiger Biber) auch an Heiligabend alle Ehre macht reicht das Spektrum der Edition. Die Briefe zu lesen ist ein entschleunigendes Fest für die Augen. Sie anhören zu dürfen verleiht der Vergangenheit Flügel, die bis unter unseren Tannenbaum reichen. Claudia Michelsen und Devid Striesow entführen uns in die weihnachtlich geschmückten und herausgeputzten Stuben berühmter Frauen und Männer. Unter die Weihnachtsbäume längst vergangener Zeit legen sie ihre Stimmen als zeitlose Geschenke für ein frohes Weihnachtsfest von heute.

Frauen- und Männerbriefe legen Zeugnis ab von Leben, die lange gelebt, Lieben, die lange geliebt und Leidenschaften, die bis in die heutige Zeit überliefert sind. Liebe und Zuversicht strahlen aus einer Vergangenheit zu uns, die uns weit entrückt vorkommt. In einer Welt, die nur von Frieden träumt stellen wir fest, dass wir den Schreibern aus der längst vergangenen Welt vielleicht näher sind, als wir denken. Haben wir andere oder ganz neue Wünsche? Ich denke nein. Bleibt noch die Frage, wer in 100 Jahren unsere Briefe liest und wie man sie in unsere Zeit einordnet. Dies übernimmt im Hörbuch mit brillanter Stimme Christian Baumann. Die Zwischentexte, die mehr als nur einordnen und moderieren, sind das Salz in der Buchstabensuppe dieser Hörbuchbriefe.

In meinem Weihnachtsstrumpf dein Herz – Einzigartige Briefe

16 Briefe sind im Hörbuch zu hören. 41 Briefe befinden sich im Taschenbuch. Es ist das perfekte Weihnachtsgeschenk für bibliophile Menschen, die alle Sinne für das Besondere öffnen können.

In meinem Weihnachtsstrumpf dein Herz – Einzigartige Briefe

„Game of Thrones“ – Der Winter ist da

Game of Thrones - Der Winter ist da

Game of Thrones – Der Winter ist da

Da sitze ich nun an meinem kleinen Lagerfeuer in Sichtweite von Winterfell und bin ein klein wenig verwirrt. Eigentlich bin ich nur hier, weil der große Geschichtenerzähler George R.R. Martin einmal damit angefangen hat, mir Das Lied von Eis und Feuervorzusingen. Eigentlich wollte ich schon lange wieder fort sein. In mein normales Leben eintauchen und wieder meinen Frieden finden, aber der Herr Geschichtenerzähler hat sich einfach so aus dem Staub gemacht und mich mit fragendem Blick zurückgelassen.

Und jetzt ist der Winter da und ich weiß nicht weiter….

In der Zeit der mündlichen Überlieferung von Geschichten hätte man ihn sicher auf der Flucht gestellt und so lange gefoltert, bis er das Ende seiner Legenden erzählt hätte und ihn dann aus dem Königreich verbannt. Heute muss man warten. Heute muss man sich gedulden, wann es dem Herrn beliebt fortzusetzen, was nur er fortsetzen kann. Die wohl weltbekannteste Fantasy-Reihe, die neben der literarischen Urfassung inzwischen alle nur denkbaren Medien erobert hat.

Das ist an sich ja schon genial, aber… Diese Welt hat sich verändert, seit „Game of Thrones“ nach den Büchern auch den Markt der HBO-TV-Serien erobert hat. Es ist an der Zeit, hier an meinem kleinen Lagerfeuer, einmal einen Kassensturz zu machen, um mir selbst zu verdeutlichen, wo wir gerade sind, was noch kommt und wie ich selbst mit der epischen Saga rund um die Eroberung des Eisernen Thrones umgehe.

Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer

Game of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer

George R.R. Martin schrieb „Das Lied von Eis und Feuer“. So weit so gut. In seiner englischen Originalfassung sprechen wir vom „Game of Thrones“. Auch klar. Aber da beginnt, was der Autor selbst nicht gedacht hatte, als er die ersten Zeilen verfasste. Die Buchreihe eroberte die Welt. Bisher erschienen:

5 Bände unter dem Titel „Game of Thrones“ in der Originalfassung

Das entspricht inhaltlich:
10 Bänden unter dem Titel „Das Lied von Eis und Feuer“ im Blanvalet Verlag
5   Bänden
 der ungeteilten Sonderausgabe bei penhaligon
20 Teilen der deutschen Hörbuchfassung die bei audible zum Download bereitsteht
10 Teilen der identischen Hörbuchfassung von Random House Audio auf MP3-CDs
5   Staffeln mit jeweils 10 Folgen der HBO-TV-Serie „Game of Thrones“

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Und nun wird es (allerdings nur scheinbar) ein wenig kompliziert, denn geplant sind insgesamt eigentlich:

7 Bände unter dem Titel „Game of Thrones“ in der Originalfassung  

Das entspräche inhaltlich (Spekulation):
14 Bänden unter dem Titel „Das Lied von Eis und Feuer“ im Blanvalet Verlag
7   Bänden 
der ungeteilten Sonderausgabe bei penhaligon 

28 Teilen der deutschen Hörbuchfassung die bei audible zum Download bereitsteht
14 Teilen der identischen Hörbuchfassung von Random House Audio auf MP3-CDs
7   Staffeln mit jeweils 10 Folgen der HBO-TV-Serie „Game of Thrones“

Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer

Game of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer

Kurzum: George R.R. Martin schuldet uns noch den absolut finalen Schlussband, der dann in seiner Übersetzung zwei deutsche Taschenbücher ergäbe, die ihrerseits als (wie gewohnt) ungekürzte Hörbuchfassungen eingelesen werden könnten. Dann wären wir am Ende angelangt. Hätten gelesen und gehört, wer nach dem Showdown um die Herrschaft über die Sieben Königslande auf dem Thron aller Throne sitzt und damit der rechtmäßige Herrscher über Westeros wäre.

Hätte, hätte… Zugbrückenkette….

Denn es ist anders gelaufen, als wir es uns am Lagerfeuer erhofft hatten. Erstmals in der Geschichte der Buchverfilmungen ist es nämlich passiert, dass die HBO-TV-Serie die Romanvorlagen hinter sich gelassen hat und ganz ohne publizierte Grundlage nach vorne fliegt. George R.R. Martin selbst ist hier verantwortlich. Er wagt das Experiment, Fernsehzuschauer und Leser getrennt voneinander als Zielgruppen zu betrachten und hat durch seine Drehbücher zur gerade auf DVD veröffentlichten sechsten Staffel einen deutlichen Schritt in die unabhängige Zukunft von Game of Thrones als filmisches Epos gewagt. Die siebte Staffel ist bereits in Vorbereitung.

Ich erwarte derzeit nicht, dass der Autor die geplanten finalen Bücher unter den Titeln „The Winds of Winter“ und „A Dream of Spring“ veröffentlichen wird, bevor die siebte und letzte Staffel der TV-Serie 2017 über die Bildschirme der PayTV-Sender ausgestrahlt wurde. Er ist damit gut beschäftigt und wie sich sein Schreiben DANACH verändern wird, ob das letzte Buch der Handlung des Serienfinales entspricht, ob es die beiden Schlussbücher in einem Band vereint oder ganz eigene Wege geht, all dies liegt im Dunkeln.

Game of Thrones - Bücher rund um Wesetros

Game of Thrones – Bücher rund um die Welt von Westeros

Und jetzt? Jetzt sitze ich hier am Lagerfeuer und warte. Der Winter ist schon da und ich bin in einer Welt gefangen, die mich nicht mehr loslässt. Dieser Kosmos von „Game of Thronesmit seinen Landschaften, Burgen, Pro- und Antagonisten und Geschöpfen hat mich in seinen Bann gezogen. Ich habe mir gerade die sechste Staffel angeschaut und weiß viel mehr, als ich je gelesen und gehört habe. Ich habe Bücher in mein Leben geholt, die in zwei grandiosen Teilen Hinter die Kulissen blicken, habe mir die Welt von Eis und Feuererklären lassen, habe auch verzweifelt begonnen ein Malbuch zu kolorieren und bin in meiner Hörbuchwelt antizyklisch unterwegs. Ich beginne wieder von vorne.

Ungekürzt, episch und fulminant. Das kennzeichnet die Audiobuch-Adaption, die von Reinhard Kuhnert mit prallem Leben gefüllt wird. Hunderte von Stunden hat er bisher schon eingelesen und all den auftretenden Akteuren seine unverwechselbare Identität verliehen. Seine Stimme gleicht einem Orchester, wenn er in Dialogen aus dem Vollen schöpfen kann und man vergisst, dass hier nur ein einziger Sprecher am Werke ist. Er allein ist Grund genug, sich „Das Lied von Eis und Feuer“ in den Ohren zergehen zu lassen. Er interpretiert. Er liest nicht nur. Kuhnert scheint in Westeros zu leben.

Und dabei ist er nicht nur Sprecher. Er steht persönlich für den großen Unterschied zwischen der Audio-Umsetzung und den Büchern und der TV-Serie. Eigennamen sind im Hörbuch nicht eingedeutscht. Das verleiht dieser epischen Produktion eine absolute Eigenständigkeit und Authentizität, die nah an der schöpferischen Quelle bleibt. Hier ist es eine wahre Freude, einem Jon Snow zu begegnen, der von King´s End träumt und einen Greyjoy als Freund hat. Wie Reinhard Kuhnert diese Unterschiede verteidigt und lebt, kann man im Hörbücherblog von audible im Game-of-Thrones-Special lesen und hören. Die wohl beste Informationsplattform rund ums hörbare Wort!

Game of Thrones - Der audibel Hörbücherblog

Game of Thrones – Der audibel Hörbücherblog

Natürlich warte ich auf die sehnlichst erwarteten beiden Bücher, die bei audible zu vier Hörbuchdownloads werden und bei Random House Audio in zwei CD-Fassungen erscheinen. Alles ist bestens vorbereitet. Die Plätze im Bücherregal ist bereits reserviert und die auch Verlage stehen Gewehr bei Fuß…. In den Buchhandlungen kann man es ebenfalls kaum, noch erwarten, bis es weitergeht mit dem eigentlichen Lesefutter für die hungrige Fangemeinde. Bis es soweit ist, kann man sich die Zeit mit allerhand Literatur vertreiben, die rund um die epische Reihe erschienen ist. Kochbücher und sogar ein In Memoriam-Buch (der Abgesang auf bisher verstorbene Helden1) begleiten uns in der Zeit des Wartens.

Unter den Weihnachtsbaum kann man aber auch die Hörbuch-Geschenkbox von Random House Audio legen. Sie beinhaltet die Hörspielfassungen der ersten 6 Bände und man kann auf diese Art und Weise für ganz genau 127 Stunden und 49 Minuten in eine Welt eintauchen, die von der Nachtwache beschützt wird. Das sollte für die 5 Tage zwischen dem Weihnachtsfest und dem neuen Jahr reichen. Ich werde mich wieder auf die Wanderschaft begeben, werde alte Regionen völlig neu entdecken und ich mag das Hören genießen. Ich bin wieder zuhause in Westeros und ich bin hier, um zu bleiben.

Game of Thrones - Das perfekte Weihnachtsgeschenk

Game of Thrones – Das perfekte Weihnachtsgeschenk

Einer der unvergessenen Helden1: In Memoriam Peter Vaughan

Game of Thrones - Hier geht es weiter...

Game of Thrones – Hier geht es weiter…

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe – Liebesbriefe, die ins Ohr gehen

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe...

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe…

Aber was nützt das alles, sich mit zärtlichen Erinnerungen zu betrügen, ich liebe dich Süßes und du fehlst mir schrecklich, ich mühe mich, nicht daran zu denken, an die Dunkelheit, an diesen Augenblick, wenn ich zu dir kam und das Licht war aus, und aus dem Dunkel flogst du in meinen Arm und das Zimmer zerfiel und die Nacht zerfiel und die Welt zerfiel und deine Lippen waren das Weichste in der Welt und deine Kniee kamen und deine Schultern und deine zärtliche Stimme.

Komm wieder komm wieder – Behende ach, endlos Geliebte.

Ein Spezial zum Valentinstag – Hören Sie gut…

Ein wenig plagt mich mein Gewissen ja schon, wenn ich diese Zeilen höre, die nicht für meine Augen bestimmt sind. Zu intim, zu nah und zu geheim sollten die Worte sein, die hier der Geliebten von der Sehnsucht des Liebenden berichten. Recht peinlich wäre es beiden wohl gewesen, wenn sie geahnt hätten, dass diese zarten Zeilen jemals das Licht der Welt erblicken würden. Und doch ist es so geschehen. Ein Liebesbrief aus der Feder eines zutiefst romantischen Mannes legt Zeugnis ab von der aufrichtigsten Form der Einsamkeit. „Komm wieder komm wieder.“ (Hier weiterhören)

Sie haben richtig gelesen, wenn ich vom Hören schrieb! Denn erstmals verlasse ich mich auf meine Ohren, wenn ich mich dem sensiblen Thema Schreiben Sie mir, oder ich sterbewidme und mir „Liebesbriefe berühmter Männer und Frauen“ in meinen Ohren zergehen lasse. Ich wollte nicht lesen, wollte lauschen, ganz nah sein. Ich habe davon geträumt, von einer zarten Frauenstimme in eine Liebesgeschichte verwickelt zu werden und dem brüchigen männlichen Timbre zu lauschen, wenn hartgesottene Jungs von Liebe schreiben. Ich habe mich ganz bewusst für ein Hörbuch entschieden und bei den Worten „Komm wieder komm wieder – Behende ach, endlos Geliebte gefühlt, wie richtig diese Entscheidung war.

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe...

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe…

So höre ich nun also. Mit Gänsehaut, denn das einst Geschriebene erwacht zu neuem Leben, wird vital, und katapultiert mich am 29. November 1937 nach Porto Ronco. Wem ich allerdings dort begegnen sollte, das hätte ich mir kaum vorstellen können. Und noch weniger vorstellbar war für mich die Adressatin dieser gefühlvollen Zeilen. Erich Maria Remarque, der Schriftsteller, der mit einem Kriegsroman zu Weltruhm gelangt war, sitzt an seinem Schreibtisch und träumt von der Anwesenheit seiner Angebeteten. Sieht sie in seine Arme fliegen, fühlt die Liebe. SIE: das war Marlene Dietrich, der Blaue Engel, die Göttin des internationalen Films.

„Das Zimmer zerfiel und die Nacht zerfiel und die Welt zerfiel und deine Lippen …“

Hörend stelle ich mir die Wirkung der Zeilen auf die Dietrich vor. Den Vamp, jene männermordende Legende, der die gesamte Männerwelt ihrer Zeit zu Füßen lag. Erich Maria Remarque lässt keinen Zweifel an einer Beziehung, die Zeilen sprechen für sich. Und doch wird erst nach dem Liebesbrief klar, was beide miteinander verband und wie es endete. Denn die Liebesbriefe der Kollektion werden von Christian Baumann, der in emotionaler und bewegender Art und Weise die ebensolchen Herausgebertexte liest, in den zeitlichen Kontext und das Leben der Verliebten eingeordnet.

Der Zartheit der Zeilen folgt eine Skizze ihrer Liebe. Es folgen die Kosenamen und auch die Grenzen, an die man gegenseitig stieß. Die Kreise schließen sich. Gefühl und Tragik gehen Hand in Hand, Antworten von Marlene Dietrich existieren nicht mehr. Die Ehefrau von Remarque, Paulette Goddard (auch eine Schauspielerin) hat sie wohl aus Eifersucht vernichtet. Was bleibt rührt zu Tränen. Nichts Handschriftliches von Marlene. Nur ein Telegramm, das Remarque am 6. September 1970 sechs Tage vor seinem Tod auf dem Sterbebett erreicht. Sechs Worte für die Ewigkeit:

„Ich schicke Dir mein ganzes Herz“

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe...

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe…

Ich beschreibe diese Geschichte so ausführlich, um ein Gefühl davon zu vermitteln, auf was man sich einlässt, wenn man die Edition der „Liebesbriefe berühmter Männer und Frauen“ hört. Die Liebesbriefe werden getragen von den großen Stimmen unserer Hörbuchszene. Die Begleittexte schmiegen sich an die verträumten Zeilen an und sind unverzichtbar für das Verständnis des Geschriebenen. Hier treten Dietmar Wunder als Erich Maria Remarque und Christian Baumann in einen zeitlosen Dialog, der sich in den folgenden Briefen mit anderen Stimmen fortzusetzen scheint.

Und dies sind genau vierundzwanzig Dokumente der Leidenschaft, die vom Glück der Liebe, der mit ihr einhergehenden Verzweiflung, von Hoffnungslosigkeit und fatalen Irrwegen künden. Jede Facette ist vertreten, jedes Gefühl wird greifbar und die meisten Briefe finden im Adressaten ihre Entsprechung. Oftmals sind die Antworten verschollen, verbrannt oder in alle Winde verstreut. Nur ein Brief wurde niemals beantwortet. Marie Curie schrieb ihrem Mann Pierre im April des Jahres 1906. Nobelpreisträger waren sie beide. Ihr Leben war von ihrem Labor und gemeinsamen Forschungen bestimmt.

Und doch war Platz für Gefühle. Voller Zärtlichkeit und Verzweiflung verfasst sie jene Zeilen, die ihren größten Verlust festhalten. „Auf dem Friedhof gestern wollte es mir nicht gelingen, die in den Stein gemeißelten Worte <Pierre Curie> zu begreifen.“ Nach seinem plötzlichen Unfalltod steht sie allein vor den Trümmern eines viel zu früh beendeten gemeinsamen Lebens. Das Schreiben gibt ihr Halt und dieser erste Brief an den Verstorbenen ist der Beginn ihrer Korrespondenz, in der sie fortführt, was im Leben nicht mehr möglich war. Martina Gedeck liest diese Zeilen voller zeitloser Sehnsucht.

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe...

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe…

Keiner der Liebesbriefe ist ohne emotionale Relevanz. Keiner passt in die üblichen Schablonen oder Klischees. Nichts ist belanglos und jede einzelne Geschichte regt an, ihr weiter auf die Spur zu gehen. So sucht man noch während des Hörens in den Tiefen des Internets nach einem Gemälde einer gewissen Manon Balletti. Ihre zaghaften und hoffnungsvollen Zeilen an Giacomo Casanova zeugen von der inneren Zerrissenheit, die von der jungen Frau Besitz ergreift, als sie sich in Casanova verliebt und alles in die Waagschale wirft, um ihn zu erobern.

„Im Traum schon sage ich Ihnen, dass ich sie liebe!“ Keine Zeilen für die Ewigkeit, wie wir heute wissen und doch der lebendige Beweis für die Zeitlosigkeit dieser Briefe. Denn, wenn auch die Liebe nicht überdauert, diese Briefe bauen Brücken über die Zeit und haben im ein oder anderen Fall den angehimmelten Adressaten erst Jahrzehnte zu spät so richtig erreicht. Liebesbriefe überleben manchmal das wahre Leben. Friederike Kempter leiht Manon Balletti ihre unvergleichliche Stimme. Wer sich nicht in den Brief verliebt, der verliebt sich in diese Stimme. Unsterblich sogar.

So geht es weiter. Drei CDs mit über drei Stunden Gefühl in seiner Reinkultur. Die berühmten Männer und Frauen überraschen mit ihren Worten, ihrer Wärme, aber auch der Zielstrebigkeit, mit der sie ihrer Liebe Ausdruck verleihen. Ihre Briefe wirken zeitlos und inspirieren uns, doch selbst wieder einmal zu schreiben. Gefühle lesbar zu machen und unseren Angebeteten zu zeigen, was sie uns bedeuten. Vielleicht überdauern auch unsere Zeilen die Zeit. Vielleicht werden sie später einmal gelesen. Vielleicht ist das die Krönung der eigentlichen Liebe.

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe...

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe…

Wobei, wenn wir ehrlich sind, kann die wahre Liebe natürlich auch das Ende jeder Krönung sein. Auch davon kündet einer der wundervollen Liebesbriefe, in dem Wallis Simpson ihrem Geliebten, König Edward VIII. mitteilt, wie sehr es ihr zusetzt, dass die Liebe ihn den Thron kosten könnte. Zusammen sind wir stark genug, es mit dieser erbärmlichen Welt aufzunehmen!“ ist Liebesbrief und Kampfansage in einem. Diesen Worten folgten Taten. Die Liebe wog schwerer als die Krone. Skandalös!

Wer nach dem Hören immer noch nicht aufhören kann mit diesen Liebesbriefen, der wird im Piper Verlag fündig. Das gleichnamige Buch von Petra Müller und Rainer Wieland beinhaltet neben den 24 erlesen vorgetragenen Briefen der Hörbuchedition 53 weitere Bekennerschreiben der wahren Liebe. Hier lohnt der selbst zu lesende Genuss, und in Verbindung mit dem Hörbuch kann ich mir dieses literarische Gesamtkunstwerk als das perfekte Weihnachtsgeschenk auf dem Gabentisch vorstellen.

Kein Herz bleibt ungerührt. Das kann ich versprechen. In diesen Briefen finden wir die Antworten auf die Fragen nach dem Sinn des Lebens und der Liebe. Hier wird man fündig, wenn man Inspirationen sucht, in Hoffnungslosigkeit versinkt und vielleicht auch mal nicht weiß, wohin mit dem Überschuss an eigenen Gefühlen. Lesen und hören sind der Schlüssel zum Glauben an die Macht der Liebe, denn es ist niemals zu spät für das große Abenteuer Liebe. Wie schrieb schon Martha Gellhorn an Ernest Hemingway?

„Ich möchte jung und arm sein, mit dir und unverheiratet.“

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe...

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe…

Und Arthur Schnitzler? Er wird verehrt…  „Der fünfte Akt des Lebens“ 

Des Lebens fünfter Akt von Volker Hage – AstroLibrium

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