Der Astronaut von Andy Weir

Der Astronaut von Andy Weir - Astrolibrium

Der Astronaut von Andy Weir

Glaubt mir, ich kenne mich aus. Wenn ich allein schon den Namen Andy Weir lese, greife ich reflexartig zum Weltraumanzug für Extra-Vehikulare-Aktivitäten, aktiviere alle Notfallsysteme in der kleinen literarischen Sternwarte, überprüfe meine Notfall-Vorräte, checke das Wetter und die Treibstoffanzeigen, verabschiede mich von meinen Lieben und besteige erwartungsvoll ein Science-Fiction-Weltraum-Shuttle, um mich erneut mit all meiner Fantasie in den Weiten des Alls zu verlieren. Die letzten Missionen an seiner Seite habe ich wirklich nur mit Mühe und Not überlebt. Ich war mit dem „Marsianer“ auf dem Roten Planeten, habe in aussichtsloser Situation die Wissenschaft neu erfunden und eine unbewohnbare Landschaft kultiviert. In „Artemis“ verstrickte ich mich in üblen Machenschaften auf dem Mond. Die Sonderhandelszone und Weltraummetropole war fast mein Untergang, hätte mich Andy Weir nicht mit einem fulminanten Feuerwerk im letzten Moment aus der Schwerelosigkeit gerettet… Glaubt mir, ich kenne mich aus…

Viel Zeit zum Lecken meiner interstellaren Wunden jedoch bleibt mir nicht. Es ist „Der Astronaut“ mit dem Andy Weir seinen Weltraum-Zyklus fortsetzt und mich nicht nur lesend, sondern auch hörend aus meiner irdischen Komfortzone herauskatapultiert. Dabei sollte man ganz genau hinschauen, was sich hinter dem Titel des neuen Romans verbirgt, bevor man sich dieser Mission anschließt. Der Originaltitel lautet „Project Hail Mary„, also ganz direkt übersetzt „Projekt Ave Maria„, und spätestens jetzt sollte jedem noch so großen Fan von Andy Weir klar sein, worauf man sich einlässt. Hier wird nicht gesungen, hier geht es definitiv um ein Himmelfahrtskommando. Waren die Ausflüge zum Mars und zum Mond zuvor zumindest noch mit der Chance auf eine Rückkehr zur Erde verbunden, so sollte man hier der Wahrheit ins ungeschminkte Gesicht schauen. Nach einem Rückflugticket werdet ihr vergeblich suchen. Na, noch dabei?

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Der Astronaut von Andy Weir

Dann los. Der Astronaut Ryland Grace schlägt die Augen auf und befindet sich in einer Situation, die ihn ziemlich befremdet. Die Begleitumstände seines Erwachens sind mehr als unerfreulich. Er kann sich an absolut nichts erinnern. Er ist von Kopf bis Fuß verkabelt und wird von Roboterarmen medizinisch versorgt. Eine Computerstimme folgt seinen Anweisungen. Er ist allein. Die Umgebung ist ihm fremd. Das Bewusstsein beginnt Fahrt aufzunehmen und der analytisch geschulte Wissenschaftler beginnt sich zu orientieren. Er befindet sich an Bord eines Raumschiffs. Von der einst dreiköpfigen Besatzung ist er der letzte Überlebende. Er lag lange Zeit im Koma und wurde nun von einem Programm geweckt. Wozu? Hatte er sein Ziel erreicht? Wo war er? Wer war er und warum war er überhaupt hier? Fragen über Fragen…

Atemlos folgen wir dem inneren Monolog eines Mannes, der sich Schritt für Schritt mit seiner Umgebung auseinandersetzt, um Antworten auf seine Fragen zu finden. Nie zuvor sind wir mit einem ahnungsloseren Protagonisten in ein Abenteuer gestartet. Und dabei lastet eine unglaubliche Verantwortung auf ihm, wie wir nach und nach erfahren. Mit jedem Fetzen des Erkennens erwachen punktuelle Erinnerungen. Mit jedem Knopf, den er betätigt, mit jeder Information, die er sich erarbeitet strukturiert sich das Mosaik seiner Mission. Er, der Wissenschaftler und Lehrer Ryland Grace befindet sich nicht mehr in unserem Sonnensystem. Seine Reise muss Jahre gedauert haben und an ihm hängt das Schicksal des gesamten Planeten Erde. Er ist an Bord der „Hail Mary„, der letzten Hoffnung der Menschheit…

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Der Astronaut von Andy Weir

Es ist die brillante Ausgangssituation, aus der Andy Weir auf den folgenden 550 Seiten schöpfen kann. Es ist das psychologische Drama im Inneren des Antihelden, der alles zu sein scheint, nur nicht der verwegene und mutige Weltenretter. Er begibt sich bewusst in den Funktionsmodus, analysiert seine Lage, das Problem und beginnt mit seinen Forschungen. Wer schon ein Buch aus der Feder dieses Science-Fiction-Autors gelesen hat, der weiß, dass der Begriff Science, also Wissenschaft, in seinen Geschichten sehr viel Raum einnimmt. Man könnte ihn auch als einen „Erklär-Bären“ bezeichnen, der uns alles, was bei drei nicht auf dem Baum ist, bis ins kleinste Detail plausibel macht. Was beim „Marsianer“ schon ausuferte, wird in „Der Astronaut“ zur Geduldsprobe für Leser:innen, die manchmal einfach denken „Boah, drück jetzt auf den Knopf, aber hör auf, mir zu erklären, wer ihn erfunden hat und was sich im Hintergrund alles ereignet.“  

Aber so ist er eben. Wissenschaftliche Fiktion soll aus seiner Sicht wasserdicht und plausibel erzählt werden. Und da es in jener Geschichte kaum etwas Selbsterklärendes gibt, sind wir unserem Lehrer an Bord schutzlos ausgeliefert. Er hat dabei Probleme zu lösen, die jeder Forschungskommission Grenzen aufzeigen würden. Warum verdunkelt sich die Sonne? Wie kann dieser Prozess aufgehalten werden? Wie bewältige ich alle Aufgaben an Bord, für die man drei Astronauten gebraucht hätte? Wie funktioniert der Antrieb, wie kann ich Schwerelosigkeit erzeugen, wie wandle ich die Hail Mary in eine funktionierende Zentrifuge um? Oh ja, Andy Weir erklärt alles aus der Perspektive des Weltraumpioniers, der einige Nackenschläge zu verkraften hat. Spätestens als er sich darüber im Klaren wird, dass keine Rückkehrmöglichkeit vorgesehen ist, wird aus dem Roman ein emotionales Himmelfahrtskommando.

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Der Astronaut von Andy Weir

Es sind überraschende Twists in seinen Handlungssträngen, die diesen Roman zu einem Pagetruner machen. In Rückblenden erfahren wir alles über die Entstehung der Mission, erfahren, warum und wie ausgerechnet ein Lehrer an Bord gelangte und nicht zuletzt ist es eine unglaubliche Erkenntnis, die dieses Weltraumabenteuer in eine völlig neue Richtung lenkt. Ja, Ryland Grace ist der einzige Mensch im All, der versucht, die Erde zu retten. Nein, er ist nicht die einzige Lebensform im Universum, die ausgesandt wurde, um ihre Heimat zu retten. Erstmals in seinem Schreiben betritt Andy Weir das Neuland, uns mit außerirdischem Leben zu konfrontieren. Das ist bewegend, emotional und ist als Alleinstellungsmerkmal unter seinen Büchern allein schon diese weite Reise wert. Die Spannungsbögen reißen nicht ab. Die Probleme potenzieren sich. Und unser Wissensschatz um biochemische, physikalische und elektronische Details wird bald so groß, dass wir die Hail Mary allein fliegen könnten…

Wer den „Marsianer“ liebt und im unendlichen Weltall gerne in Gesellschaft ist, dem sei „Der Astronaut“ dringend ins Raumschiff gelegt. Andy Weir lässt hier keine Fragen offen. Das Ende des Romans gehört zu den besten SciFi-Enden ever, weil es zum Wesen der Mission passt. Ein ehrfürchtiges „Ave Maria“ kam mir in den Sinn, als ich das letzte Kapitel erreichte. Am Ende einer Mission, die mir einiges abverlangt und doch viel gegeben hat. Wer immer denkt, im wissenschaftlichen Bereich der Story sei weniger oft mehr, der sollte sich überlegen, wie viele Fragen wir gehabt hätten. Und im Vergleich zu unserem Astronauten ist die Geduld, die wir aufzubringen haben nichts im Vergleich zu den Anstrengungen eines Lehrers im All, der nicht mehr nur noch das Schicksal der Erde in seinen Händen spürt…

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Der Astronaut von Andy Weir

In Missions-Phasen mit Schwerkraft habe ich den Roman aus dem Heyne Verlag gelesen. Hilfreich sind die Konstruktionszeichnungen der Hail Mary, obwohl ich schon sagte, dass Andy Weir auch die Bauart des Raumschiffs sehr ausführlich beschreibt. Ich war trotzdem dankbar, die Details zusätzlich vor Augen zu haben. Und immer dann, wenn es schwerelos wurde an Bord, bin ich zum Hörbuch von Random House Audio übergegangen. Richard Barenberg überzeugt in seiner unaufgeregten Vortragsweise, weil er einfach die stoische Ruhe behält, egal wie sehr ihm das Wasser bis zum Halse steht – oder der Treibstoff. Die wahre Stärke spielt er ab dem Moment aus, in dem aus Monologen an Bord die ersten Dialoge mit einem Außerirdischen werden. Hier paaren sich Staunen, wissenschaftliche Kommunikation, zunehmender Sarkasmus und echtes Gefühl zu einem Mix, den man nicht mehr so schnell vergessen wird.

Die gekürzte Fassung ist leider nur als Download verfügbar und ich muss meine Andy-Weir-Sammlung um einige Dateien auf meinem Smartphone ergänzen. Schade. Die Mission dauert im Hörbuch 15 Stunden und 30 Minuten, und doch vergeht sie wie im Flug. Einfach zu spannend. Die Kürzungen betreffen hierbei leider in weiten Teilen die Missionsvorgeschichte im Kontrollzentrum auf der Erde. Das wirkt sich schon ein wenig auf den Hörgenuss aus, da es genau diese Kapitel sind, die den „Erklär-Bären“ Andy Weir im Weltraum ein wenig einbremsen. Die Abwechslung fehlt hier ab und an. Dem Abenteuer selbst tut das keinen Abbruch. Und, mit Verlaub, schwereloses Lesen ist machmal einfach zu gefährlich. Welchen Weg Ihr auch wählt, „Der Astronaut“ hat das Potenzial zum unterhaltsamsten Himmelfahrtskommando des Sommers.

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Der Astronaut von Andy Weir

Ich bin schon gespannt auf die Verfilmung von Der Astronaut mit Ryan Gosling in der Hauptrolle. Ich denke, der Film wird ähnlich erfolgreich wie Der Marsianer mit Matt Damon. So, ich desinfiziere jetzt mein Lese-Raumschiff und hoffe, dass ich keine Astrophagen mehr an Bord habe. Die kleinen Sternenfresser passen so gar nicht zur kleinen literarischen Sternwarte… Guten Flug, Euch…

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Briefwechsel – Wir haben uns wirklich an allerhand gewöhnt

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Briefwechsel – Wir haben uns wirklich an allerhand gewöhnt

Gemach, gemach. Bevor Sie jetzt zögern und denken, ein Briefwechsel zwischen zwei deutschen Schriftstellerinnen sei nichts für Sie, geben Sie mir einfach eine Chance zu erklären, warum eine solche Korrespondenz so unglaublich interessant ist. Briefe lesen zu können, die eigentlich nicht für unsere Augen bestimmt waren, gehört sicher zu den intimsten Momenten einer literarischen Auseinandersetzung mit prominenten Personen. Sie zeigen die Wahrheiten hinter den aufgebauten Fassaden, mit deren Hilfe man sich vor der breiten Öffentlichkeit zu schützen versuchte. Und nicht nur das. Hier, im sicher geglaubten Biotop eines schriftlichen Dialogs und unter Ausschluss all jener, vor denen man sich ansonsten nicht frei äußern wollte, erhalten wir authentische Einblicke in das Seelenleben von Menschen, die sich im öffentlichen Leben anders zeigten. Dies mag einer der wesentlichen Aspekte sein, warum ich immer wieder zu Briefwechseln greife, und dann voller Neugier auf das künstlerische Schaffen der Schreibenden auch zu den Büchern finde, die sie uns hinterließen.

Briefe im Nachlass großer SchriftstellerInnen gehören zum unschätzbaren Fundus ihres Schaffens. Und bald gehören sie zu den Relikten einer längst vergangenen Zeit. Welche Autorengeneration schreibt sich noch Briefe? Wer kommuniziert im technisch geprägten Zeitalter des Internets handschriftlich? Wessen Stimmungslage kann man in der heutigen Zeit noch am ausgewählten Briefpapier, der schönen Briefmarke oder am geschwungenen Schriftbild erkennen? Müssen wir uns nicht langsam daran gewöhnen, zukünftig im Nachlass bedeutender AutorInnen nur Chatverläufe und E-Mails zu finden, die in aller Eile und formlos den schnellsten Weg zum Adressaten gefunden haben? So sollten wir jetzt mit den Letzten ihrer Art umgehen. Mit den letzten echten Briefwechseln zwischen Menschen, die sich auf diese Art und Weise gegenseitig versicherten, Liebe und Zeit in diese Zeilen investiert zu haben, die im Briefumschlag vor den neugierigen Augen der Welt und damit vor Indiskretion geschützt waren. .

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Briefwechsel – Wir haben uns wirklich an allerhand gewöhnt

Wenn Sie nun meinen Zugang zu solchen Briefwechseln nachvollziehen können, gehen wir doch einen Schritt weiter. Ich lasse mir einen solchen Briefwechsel gerne vorlesen. Es ist die große Kunst, in einem handschriftlichen Dialog nicht nur den Inhalt, sondern auch jede Nuance einer noch so kleinen Stimmungsschwankung offenzulegen. Dies gelingt nur durch die intensive Auseinandersetzung mit den VerfasserInnen dieser Briefe und der richtigen Einordnung in den zeitlichen und gesellschaftlichen Kontext, in dem sie geschrieben wurden. Hier liege ich mit meiner eigenen Erzählstimme oft falsch in der Tonlage, im Aufspüren kleinster sarkastischer Zwischentöne und Emotionen. Hier ziehe ich mich gerne zurück und überlasse das den wahren Profis. SchauspielerInnen, die nicht nur gelernt haben, fehlerfrei vorzulesen, sondern auch in Rollen zu schlüpfen, sich fallenzulassen und mitzuerleben. Das ist die hohe Kunst gelesener Briefwechsel!

Und schon sind wir mittendrin in der Vorstellung der Hörbuch-Produktion: Wir haben uns wirklich an allerhand gewöhnt – Der Briefwechsel„. Die Schauspielerin und Sprecherin Sandra Quadflieg wagt sich in ihrem neuesten Projekt erneut an zwei große Frauen heran, die ihre Spuren in der Literatur hinterlassen haben. Christa Wolf und Sarah Kirsch. Auch hier sei vorausgeschickt, dass ich sicher nicht zu den intimen Kennern dieser beiden Schriftstellerinnen gehöre. Ich habe bisher kein Buch von ihnen gelesen und ihre Lebensbahnen haben mich literarisch nicht berührt. Aber genau dies zeichnet die Projekte von Sandra Quadflieg aus. Ihre Briefwechsel-Projekte sind nicht nur für die Connaisseure ihrer erwählten literarischen Protagonisten gedacht. Sie geht in die Vorleistung, recherchiert sich in diese Leben, ordnet ein, gewichtet, interpretiert und dann… Dann sucht sie sich eine Partnerin oder einen Partner, um gemeinsam vor dem Mikrofon eine längst untergegangene Welt wiederzubeleben.

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Briefwechsel – Wir haben uns wirklich an allerhand gewöhnt

Diesmal ist es die wundervolle Iris Berben, die mit Sandra Quadflieg in die Rollen der beiden großen deutschen Schriftstellerinnen schlüpft, um uns einen Dialog zu präsentieren, der fast dreißig Jahre lang währte. Ein Briefwechsel, in den man sich so schnell hineinhören kann, weil die Rahmenbedingungen ein so klar definiertes Bild der Freundschaft zwischen den beiden Autorinnen skizzieren, das neugierig macht. Beide wachsen in der DDR auf und finden dort zu ihren literarischen Stimmen. Doch während Christa Wolf ihren Platz in der ostdeutschen Literatur findet, bleibt Sarah Kirsch nach kritischen Äußerungen und mehreren Konflikten mit den Kulturorganen der DDR keine andere Wahl, als 1977 in den Westen auszureisen. Die Freundschaft zu Christa Wolf bleibt bestehen. Der Briefwechsel, der 1963 bginnt, setzt sich auch in den Jahren der Trennung fort und wird weitergeführt, bis die Mauer fällt, die Grenze verschwindet und beide Schriftstellerinnen in einem geeinten Land zusammenfinden könnten.

„Könnten“. Dieser Konjunktiv schmerzt. Er kündigt sich langsam und unerbittlich an. Was vor im Hintergrund der deutsch-deutschen Geschichte als Wiedervereinigung empfunden wird, gelingt den beiden Freundinnen nicht mehr. Zu tief ist der Graben, der durch einen nicht mehr aus der Welt zu schaffenden Verdacht zu einem Minenfeld des Misstrauens und der Missverständnisse wird. Waren Christa Wolf und ihr Ehemann im „real existierenden Sozialismus“ wirklich inoffizielle Mitarbeiter der STASI? Hatten sie in der DDR über ihre Kollegen Buch geführt und sie verraten? Konnte das sein? Hatten sie über Sarah Kirsch Bericht erstattet? Hier zerbricht, was dreißig Jahre hielt. Als die Grenzen fallen, türmt sich eine unüberwindbare neue Mauer zwischen ihnen auf.

Es ist schwer auszuhalten schreibt Sarah Kirsch in diesen Tagen. Nicht an Christa Wolf, sondern an deren Ehemann, weil sie ihrer Freundin nicht mehr schreiben will.

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Briefwechsel – Wir haben uns wirklich an allerhand gewöhnt

An diesem Scheideweg angelangt, liegen 30 Jahre Freundschaft und zahllose Briefe hinter den beiden Autorinnen und uns, den Zuhörern dieser Kopfkino auslösenden und bewegenden Inszenierung. Iris Berben ist Christa Wolf. Sandra Quadflieg ist Sarah Kirsch. Den beiden stimmgewaltigen Schauspielerinnen gelingt es, in jedem einzelnen Brief die Stimmung des Augenblicks zu beschwören. Durch ihren Vortrag, den Dialog einer grenzlosen Beziehung fühlt man sich hineingezogen in die Denk- und Fühlwelten der Briefschreiberinnen. Sie reiben sich aneinander, motivieren sich und stacheln sich an, wenn es um ihre Bücher geht. Sie tratschen verspielt und verschmitzt, wenn es mal wieder um eine Liebesbeziehung der liebeshungrigen Sarah Kirsch geht. Sie vergehen vor Sorge, wenn eine von ihnen erkrankt.

„Dass Du nicht bei den toten Mädchen bist, ist etwas, das mich sehr sehr freut. Schön, dass Du noch hiergeblieben bist, auf dem beknackten Planeten“ (Sarah)

Die gegenseitige emotionale Öffnung in den ersten Jahren der Freundschaft wird zu bewegenden Momenten des Gänsehaut-Zuhörens. Wenn Wölfe den Kirschen schreiben, fühlt man das feste Band zwischen ihnen. Und dann spürt man den Wandel im Land. Die Zeiten werden kraftlos. Man schreibt anders, als man redet und sucht das Gleichgewicht. Immer wieder bringen sie sich in gegenseitige Balance. Sie halten sich aneinander fest. Doch nach der Ausreise Sarahs driftet vieles auseinander. Man spürt die Angst, jemand könnte die Briefe mitlesen. Belanglosigkeiten nehmen mehr Raum in ihren Briefen ein. Dabei ist Sarah Kirsch die mutigere Schreiberin. Für sie wird es im Heimatland immer enger, während Christa sich arrangiert.

Wenn ich an meine Menschenrechte denke. Wir haben uns wirklich an allerhand gewöhnt! (Sarah)

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Briefwechsel – Wir haben uns wirklich an allerhand gewöhnt

Dies ist eine zutiefst empathische und literarische Hörbuchproduktion, die nicht nur von den Verfasserinnen der Briefe lebt. Sie wird ihnen gerecht. Getragen wird sie jedoch von zwei Frauen, die eine Frauenfreundschaft stimmlich neu definieren. Es sind Iris Berben und Sandra Quadflieg, die mitreißen, einreißen, verstimmen, zanken und turteln. Ihr Stimmenumschwung macht den Stimmungsumschwung so plastisch. In ihrem Dialog lebt das Zeitgefühl von zwei großen Zeitzeuginnen des Wandels auf. Und in ihrer Härte am Ende aller Briefe kann man ermessen, was die Politik aus Menschen machen kann. Wer noch nichts von Sarah Kirsch und Christa Wolf gelesen hat, wird hier neugierig. Wer ihre Geschichte und ihre Geschichten kennt, wird hier in der Tiefe der Gefühle fündig. Und wer ganz einfach große Stimmen in großen Dialogen erleben möchte, der ist genau hier ganz genau richtig. Ich wurde in jeder Beziehung fündig.

Wir haben uns wirklich an allerhand gewöhnt – Der Briefwechsel“ schließt an das ebenfalls von Sandra Quadflieg ins Leben gerufene Hörbuch Im Vertrauen / Briefe 1949 / 1975 an. Hier begegnen wir Hannah Arendt (gelesen von Katharina Thalbach) und ihrer Brieffreundin Mary McCarthy (gelesen von Sandra Quadflieg)…  Ich schrieb darüber in meinem Special zu Hannah Arendt:

Ein unglaublich tiefer Einblick in die Seelen zweier Seelenverwandter. Unter der Regie von Sandra Quadflieg entstand hier eine authentische Produktion, die rührt und bewegt zugleich. Katharina Thalbach (Hannah) und Sandra Quadflieg (Mary) schlüpfen nicht nur stimmlich in die Rollen ihrer Protagonistinnen. Man fühlt, dass es vibriert, atmet und bebt. Spannung, Sorge und Zuneigung werden mit Händen greifbar. Räumliche Distanz wird durch Worte zum Nichts. Ich blicke auf zweieinhalb Stunden eines Dialogs zurück, ohne den ich mir Hannah Arendt nicht ausmalen wollte. 

Diese Hörbücher nicht zu hören, wäre ein Fehler. Zuhören öffnet unsere Herzen.

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Sandra Quadflieg und Katharina Thalbach – Im Vertrauen

NOAH – Von einem, der überlebte – Takis Würger

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NOAH – Von einem, der überlebte – Takis Würger

Wenn Zeitzeugen sterben, wird aus Zeitgeschichte Geschichte. Wenn die Quellen zu schweigen beginnen, verlieren wir den wichtigsten Maßstab für den Wahrheitsgehalt dessen, was in Sekundärquellen berichtet wird. Wenn die Überlebenden des Holocaust nicht mehr zu uns sprechen, wenn wir ihnen keine Fragen mehr stellen, und wir ihren Warnungen nicht mehr folgen können, dann wird aus Geschichte Wissen aus zweiter Hand. Die Deutungshoheit über den real erlittenen Schrecken der Opfer liegt dann bei Menschen, die ihn nicht selbst erlebt haben. Im schlimmsten Fall bei Zweiflern, politisch motivierten Leugnern und Populisten, die uns glauben machen wollen, nichts habe sich so zugetragen, wie wir denken. Wenn die letzten Überlebenden gestorben sind, öffnen sich die Tore, unwidersprochen zu behaupten, den Holocaust habe es nie gegeben.

Nur jetzt, nur heute sind wir noch in der Lage, den Opfern des Nationalsozialismus zuzuhören, ihnen zu begegnen und aus ihren Geschichten zu lernen. Nur jetzt sind wir in der Lage, alles nur Menschenmögliche zu unternehmen und aufmerksam zuzuhören, wenn sie Zeugnis ablegen. Vielleicht ein letztes Mal. Zu viele Zeitzeugen des Holocaust sind in den letzten Jahren gestorben. Bis zuletzt erzählten sie kraftvoll ihre Geschichten vor Schülern, besuchten Gedenkstätten gegen den Naziterror und richteten flammende Appelle an uns, dafür zu sorgen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Sie gaben uns keine Schuld an den Verfolgungen von einst. Sie wollten nur, dass millionenfaches Sterben und Leid nicht umsonst sein sollten. Sie hofften, dass wir den Ausgegrenzten und Entwürdigten ihre Würde zurückgegeben würden. Sie hielten sich an uns fest, weil es nur in unseren Händen liegt, die Wahrheit für sie weiter in die Welt zu tragen, wenn sie es selbst nicht mehr können.

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NOAH – Von einem, der überlebte – Takis Würger

Auch Noah Klieger war einer von ihnen. Ein Überlebender. Ein verfolgter Jude, in dessen Geschichte das eigene Leben am seidenen Faden des Zufalls hing. Er sprach über seine Erlebnisse, er gab Interviews, diskutierte mit jungen Menschen und war bis zuletzt getrieben von der Mission, nichts möge in Vergessenheit geraten. Noah Klieger verstarb am 13. Dezember 2018 in Israel. Und heute? Schweigt er für immer? Gerät in Vergessenheit, was ihm damals in Auschwitz und in anderen Lagern widerfuhr? Nein. Einerseits kann man sein Zeugnis noch immer hören. Er gab Interviews, wurde gefilmt und schrieb selbst über sein Leben. Dass er niemals ganz in Vergessenheit gerät, ist sicherlich auch Takis Würger zu verdanken. Der Journalist und Schriftsteller hat ein Buch geschrieben, von dem man nicht behaupten kann, es sei ein „Buch über Noah KliegerNein. Es ist das Buch Noah, das er schrieb, weil er seine eigene Stimme in den Dienst eines Opfers des Holocaust stellte. Rechtzeitig, wie wir heute wissen.

Noah – Von einem, der überlebte

Warum jedoch sollten wir dieses Buch lesen? Man könnte sich Dokumentationen im Fernsehen und die Interviews mit Noah Klieger anschauen. Reicht das denn nicht aus? Eine schwere Frage, die eine komplexe Antwort verdient. Nein. Es reicht nicht aus. Ich habe sie mir angeschaut, die Momentaufnahmen seines Erinnerns. Als Erzähler seiner eigenen Geschichte musste Noah zugleich formulieren, erinnern, denken und abwägen. Das Narrativ des Überlebens passte sich dem zeitlichen Rahmen des Formates an und weist immer wieder leichte Veränderungen auf. Mal stehen die Wunder im Mittelpunkt. Wunder, denen er das Überleben zu verdanken hatte. Dann wieder sind es die Zufälle, die über Leben und Tod entschieden. Es bleiben eindringliche Momentaufnahmen, die unvergesslich sind. Takis Würger jedoch erweitert das Spektrum der Erinnerungen von Noah Klieger um die Dimension Zeit, die er mit dem Zeitzeugen verbrachte.

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NOAH – Von einem, der überlebte – Takis Würger

Es waren 2 1/2 Monate, die Takis Würger mit Noah Klieger in Tel Aviv verbrachte. Aus einer Momentaufnahme in Fernsehstudios oder Zeitungsinterviews wurde hier eine Dauerbelichtung der Erinnerung in der Dunkelkammer des Holocaust. Es ist jener nachhaltige Effekt, der sich in diesem Zeitzeugenbericht niederschlägt. Es ist nicht nur der Extrakt einer schnellen Verschlusszeit, den wir nacherleben dürfen. Es ist mehr. Im Nachwort zum Buch schreibt Alice Klieger, Noahs Nichte und letzte Blutsverwandte:

„Die Journalisten kamen normalerweise für einen Tag, oder eine Woche
und gingen wieder. Dieser war anders. Er blieb und hörte zu.“

Genau hier liegt das große Alleinstellungsmerkmal des nun vorliegenden Buches Noah – Von einem, der überlebteAus kürzester Distanz gelingt Takis Würger das Porträt eines Zeitzeugen, das nicht der Eile jeder Augenblicklichkeit unterworfen ist. Er beobachtete, hörte zu und schrieb dann, was sich hier dauerhaft verfestigt hatte. Takis Würger schrieb nicht seine Version der Geschichte. Er schrieb dazu:

„Dieses Buch ist Noahs Buch. Dies ist Noahs Geschichte. Er war dabei.
Er hat mich gebeten, das Zeugnis seines Lebens festzuhalten.
Seine Erinnerung. Das habe ich versucht.“ 

So sollten wir uns diesem Buch nähern. Es steht in der Tradition der mündlichen Überlieferung und Takis Würger ist Bote und Zeuge zugleich. Er geht behutsam mit der ihm anvertrauten Geschichte um, erzählt sie nicht aus der Sichtweise des Ich-Erzählers und wahrt dadurch eine Distanz, die es ermöglicht, das Unaussprechliche zu schreiben.

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NOAH – Von einem, der überlebte – Takis Würger

Genau an dieser Stelle lasse ich euch inhaltlich mit dem Buch alleine. Genau hier muss jeder wissen, worauf er sich einlässt, einem Überlebenden in dessen Geschichte zu folgen. Auschwitz, Josef Mengele, Zwangsarbeit bis zur Vernichtung, Ravensbrück, Todesmärsche, Willkür und systematische Entrechtung sind die Wegmarken, die hier gesetzt sind und in denen sich das Leben von Noah Klieger abspielt. Es sind relevante Aspekte, die er beleuchtet. Die Hilflosigkeit, die brutale Gewalt und auch der Großmut einiger Weniger, die ihm geholfen haben. Es ist die Erkenntnis, nach dem Ende eines Vernichtungskrieges nicht frei zu sein. Es ist der nachvollziehbare Wunsch, endlich in einem Land leben zu wollen, in dem man sicher ist. Es ist die zionistische Perspektive des Überlebenden, die man verstehen kann. Und es ist die Geschichte einer weiteren Flucht an Bord eines Schiffes, das zum Synonym für nicht enden wollendes Leid steht: „Exodus„.

Wer diesen Weg mit Noah Klieger und Takis Würger geht, wird verstehen, warum diese Geschichte niemals vergessen werden darf. Hier ist nicht nur von Noah die Rede. An den Kreuzungen zwischen Leben und Tod wird auch jenen Menschen gedacht, die durch ihren Mut Leben gerettet haben. Hier zeigt sich wozu man fähig ist, wenn man es wirklich will. Die große Stärke dieses Buches und der große Unterschied zu Interviews mit Noah Klieger ist seine eigene Positionierung in diesem Medium. Bisher hatte er die Fragen zu beantworten. Hier stellt er sie. Hier wendet sich der Überlebende mit einem Fragenkatalog an uns, an seine Nachwelt, an alle Menschen. Und er fragt sich selbst, ohne Antworten zu finden:

„Wie kann ein normaler Menschen begreifen, dass er plötzlich in der Hölle ist?
Wie kann ein Mensch das verkraften?

„Wieso folgt ein Volk einem dahergelaufenen Anstreicher,
einem Österreicher, der aussieht wie eine Karikatur?“ 

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NOAH – Von einem, der überlebte – Takis Würger

Ich werde Noah Klieger nicht vergessen. Ich werde auch die Menschen nicht mehr vergessen, die seinen Schicksalsweg teilten. Eva Mozes Kor oder Max Mannheimer. Ich habe Überlebende des Holocaust kennengelernt, mit ihnen gesprochen und weiß wie sehr die offenen Fragen auch ihr Leben beeinflusst haben. Takis Würger hat sich in diesem Buch sehr weit zurückgenommen. Er lässt es für sich und Noah sprechen. In der Vergangenheit hat er viel Kritik für seine literarische Methodik eingesteckt. „Stella“ habe auch ich vor diesem Hintergrund kritisch hinterfragt. „Noah“ ist aus meiner Sicht ein wichtiges und großes Buch, weil es inhaltlich und methodisch über jeden Zweifel an seiner Entstehung und Intention erhaben ist. Es ist das Buch von Noah. Das sollten wir nicht vergessen. Ein wichtiger Beitrag gegen das Vergessen und die erfüllte Hoffnung von Noah Klieger, man möge sich erinnern. Das ist die Essenz dieses Werks.

Der Tradition der mündlichen Überlieferung folgt nicht nur Takis Würger, ihr folgt auch die aufwendige Umsetzung seines Buches in seiner Hörbuchfassung. Was sich eigentlich anfühlt, wie eine Geschichte, die von einem Sprecher erzählt werden müsste, wird zu einem mehrstimmigen Kanon, der sich in mir eingebrannt hat. Jedes der vier Buchkapitel wird von einem Sprecher gelesen. So entsteht ein bleibender Eindruck der Staffelübergabe jenes Erlebnisberichts von einem Menschen zum nächsten. Höhepunkt dieser Inszenierung ist der Teil, in dem sich Noahs Fragen Raum verschaffen. Es sind viele Stimmen, die diese Fragen stellvertretend für ihn stellen. Es sind letztlich wir selbst, die hier zu Fragenden werden. Hier wird deutlich, dass uns alle dieses Buch angeht. Es mag die Geschichte eines Einzelnen sein und doch ist es die Geschichte vieler, vor der wir uns nicht verschließen dürfen. Hier erreicht das Hörbuch eine ungekünstelte Wucht, die zeigt, was Stimmen bewegen können. Eine eigens den Nachworten gewidmete CD rundet diesen Gesamteindruck ab. Herausragend.

Noah – Von einem der überlebte“ – ungekürzte Lesung mit Aaron Altaras, Jannik Schümann, Sabin Tambrea, Adriana Altaras, Anna Thalbach, Takis Würger. Drei Stunden und 30 Minuten gegen das Vergessen vertiefen den Eindruck, den Noah Klieger selbst immer wieder in den Mittelpunkt stellte:

„Ich weiß, es ist schwer zu verkraften, 
aber es war so.“

NOAH - Von einem, der überlebte - Takis Würger - Astrolibrium

NOAH – Von einem, der überlebte – Takis Würger

Erich Maria Remarque – Hören für die Ewigkeit

Erich Maria Remarque - Hörspiele für die Ewigkeit - Astrolibrium

Erich Maria Remarque – Hörspiele für die Ewigkeit

Er begegnet mir immer wieder, wenn ich mich mit Themen auseinandersetze, die mein Schreiben über die Literatur seit Jahren bestimmen. Erich Maria Remarque wird immer dann präsent in der kleinen literarischen Sternwarte, wenn ich über den Ersten Weltkrieg schreibe, weil er mit „Im Westen nichts Neues“ den wohl weltbekanntesten Antikriegsroman aller Zeiten schrieb. Ich treffe auf ihn, wenn ich über Autoren und ihre Bücher schreibe, die in der Zeit des Nationalsozialismus verboten waren. Immer wieder kreuzen sich unsere Wege, wenn es um das Schicksal von Flüchtlingen geht, die sich heimatlos und ausgebürgert in Sicherheit bringen müssen. „Die Nacht von Lissabon“ gehört für mich zu den eindrucksvollsten Romanen über ein solches Unterfangen. Ich finde seine Worte immer wieder, wenn es um bedeutende Briefwechsel geht, in denen Menschen die Grenzen ihrer Gefühle handschriftlich sprengen konnten. Ob es nun zu Weihnachten war, oder ob es sich um verzweifelt schöne Liebesbriefe handelte. Auch hier hat Remarque deutliche Spuren in meiner kleinen literarischen Welt hinterlassen.

Oder sollte ich besser sagen, er hat Spuren in meinen Ohren hinterlassen, da ich Erich Maria Remarque zumeist hörend Zutritt in meine Gedankenwelten gewährt habe? Ich gestehe, nur wenig von ihm gelesen zu haben. Ich liebe seine wortgewaltige und in jeder Hinsicht emotional explosive Sprache. Es sind Hörbücher und Hörspiele, die mich für Remarque eingenommen haben. Es sind Produktionen, in denen große Stimmen in seine Haut schlüpften und mir ungefilterten Zugang zu seinen Gedanken gewährten. In den letzten Tagen war ich in zwei Hörspielinszenierungen versunken, die mich mit den großen Büchern des Autors auf Ohrenhöhe brachten. Es sind die Werke, für die er in der ganzen Welt bekannt ist. Und dabei dachte ich auch an die Briefe, die ich bereits hören durfte, weil es eben auch einen anderen Remarque gibt. Den heimlich liebenden und mit Worten verführenden, sich verzehrenden Weltbürger, der ein besonderes Herz im Sturm eroberte….  Dieses Special soll euch entführen. Ich nehme euch an die Hand und berichte von einem Krieg im Westen, einer Nacht in Lissabon, einer Diva und von einem Weihnachtsbrief an die heimliche Geliebte. Remarque – Hören fürr die Ewigkeit.

Erich Maria Remarque - Hörspiele für die Ewigkeit - Astrolibrium

Erich Maria Remarque – Hörspiele für die Ewigkeit

Ich trage sicherlich Eulen nach Athen, wenn ich über die zeitlose Bedeutung des Romans Im Westen nichts Neues schreibe. Ihr habt garantiert alle bereits viel über jenes Buch gehört, es ist euch in der Schule oder im privaten Lesen begegnet, oder ihr habt eine der Verfilmungen gesehen. Ja, man hat viel von jenem Paul Bäumer gehört, der sich aufgrund der patriotischen Appelle seines Lehrers mit einigen Schulfreunden freiwillig gemeldet hatte, um im großen Krieg (der später der Erste Weltkrieg genannt werden sollte) für sein Vaterland zu kämpfen. Aber haben wir diesen Roman über eine menschenverachtende Vernichtungsmühle schon einmal gehört? Sicherlich nicht. Die Hörspiel-Inszenierung von Radio Bremen – erschienen bei Der Audio Verlag – macht es möglich. 1928 erschien dieser Roman, in dem Remarque eigentlich nicht über den längst vergangenen und verlorenen Krieg schreiben wollte. Das Menschliche stand für ihn im Mittelpunkt. Die Verlorenheit des Einzelnen, die Unausweichlichkeit des Krieges und die Folgen, unter denen die Überlebenden und Hinterbliebenen zeitlebens zu leiden hatten, steckten den Rahmen dieses Antikriegsromans deutlich ab.

Dieses Hörspiel macht euch zu Ohrenzeugen eines Schlachtens, das nie zuvor so ohrenscheinlich vernichtende Wirkung auf seine Zuhörenden hatte. Die Wirkung dieser Geschichte entfaltet eine apokalyptische Atmosphäre, die Remarque zwar sehr trefflich beschrieben hatte, die hier jedoch so unmittelbar und ungefiltert zu Ohren geht, und in unsere Nervenbahnen fließt, als wäre man selbst an der Front. Schrapnellhagel und im Hintergrund explodierende Geschosse verschärfen den oberflächlichen Eindruck, man läge selbst im Schützengraben. Das jedoch ist nicht das bestimmende Wesensmerkmal dieser Produktion. Im Buch ist es der deutsche Krieg. Es ist die deutsche Front, die es auf andere Beteiligte zu übertragen gilt. Hier überlagern sich die Stimmen und aus den verzweifelten Hilferufen des Soldaten werden die international überlagerten Appelle der Kämpfer auf der Gegenseite. Dies ist ein polyglottes Hörspiel, in dem man den Ausruf, „Ich habe nur ein Leben zu verlieren“ als französisches, englisches und russisches Echo vernimmt. Hier wird die Internationalität des Leidens hörbar. Ein Erlebnis, das in die Hörspielgeschichte eingehen wird. Authentische Stimmen, bewegende Dialoge und eine starke Dramaturgie, die diesem Roman in jeder Beziehung gerecht wird, machen dieses Hörspiel zu einem echten Meilenstein des Genres. Hörenswert.

Erich Maria Remarque - Hörspiele für die Ewigkeit - Astrolibrium

Erich Maria Remarque – Hörspiele für die Ewigkeit

Dass dieser Erste Weltkrieg nicht im Singular stehenbleiben würde, musste Erich Remarque am eigenen Leib erfahren. Verwundet in jenem Ersten Weltenbrand, erlebte er wie im eigenen Land der Nationalsozialismus aufbrandete. Seine Werke wurden nun verbrannt, er wurde ausgebürgert und musste fliehen. 1932 verlässt er die Heimat und bleibt aus dem Exil heraus scharfer Beobachter der Entwicklungen in der Heimat. Erst 15 Jahre nach Ende des Krieges fand er die Worte, um „Die Nacht von Lissabon“ zu Papier zu bringen. Eine zeitlose und bewegende Geschichte über eine Flucht, die sich zugleich wie die Chronik der jüngeren Geschichte Deutschlands anhört. In Lissabon ist es der Hafen, der zwei Emigranten 1942 zusammenführt. Der eine will mit seiner Frau Europa verlassen, hat jedoch weder Dokumente, Geld, noch die Schiffspapiere, die sie vor dem unausweichlichen Schicksal retten könnten. Der andere besitzt alles, was man für eine Flucht benötigt und er will es dem Fremden schenken, wenn ihn dieser in jener Nacht nicht alleine lässt und ihm bei seiner Geschichte zuhört.

In der Erzählung des Mannes kumuliert Remarque die Flüchtlingsschicksale jener Zeit unter der braunen Diktatur. Es ist die Geschichte einer verzweifelten Flucht mit seiner Frau, eine Geschichte, die zeigt, wie schnell das jüdische Leben unter Vorbehalt gestellt wurde und wie eng sich die Schlinge im Lauf der Jahre zuzog. Es ist aber auch die Geschichte des Scheiterns, in dem der Grund verborgen legt, warum er nun all sein Geld und seine Schiffspassagen verschenkt. Hier sind es nicht die lauten Effekte, die in dieser Hörspielfassung fesseln. Es sind die Stimmen der Sprecher und es ist die brillant inszenierte Dialogregie, die der Verzweiflung in dieser einen Nacht Kontur verleihen. In jeder Hinsicht ein Hörereignis, das uns vor Ohren führt, wie schnell man unverschuldet im gut geschmierten Räderwerk einer Diktatur zermalmt werden kann. Hier erinnere ich mich an Ulrich Alexander Boschwitz, der seine Geschichten nicht aus der Distanz in seine Erinnerung rief. „Der Reisende“ ist die direkte Spiegelung dieser Ereignisse und gehört im Lebensregal des interessierten Lesenden und Hörenden in die gleiche Reihe, in der man Remarque beheimatet.

In der ARD-Audiothek kann man „Die Nacht von Lissabon“ hören. Als haptische Edition ist die Produktion bei Der Audio Verlag erschienen. Empfehlenswert. Bleibt mir noch der Blick auf einen anderen Erich Maria Remarque. Den Liebenden, der sich in seinen Briefen für seine Angebetete unsterblich machte. Wer das war? Das gehört zweifelsohne zu den großen Überraschungen im Leben des großen Schriftstellers:

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe... AstroLibrium

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe…

Der andere Remarque:Schreiben Sie mir, oder ich sterbe“. Ein Briefwechsel für die Ewigkeit (Random House Audio)

So höre ich nun also. Mit Gänsehaut, denn das einst Geschriebene erwacht zu neuem Leben, wird vital, und katapultiert mich am 29. November 1937 nach Porto Ronco. Wem ich allerdings dort begegnen sollte, das hätte ich mir kaum vorstellen können. Und noch weniger vorstellbar war für mich die Adressatin dieser gefühlvollen Zeilen. Erich Maria Remarque, der Schriftsteller, der mit einem Kriegsroman zu Weltruhm gelangt war, sitzt an seinem Schreibtisch und träumt von der Anwesenheit seiner Angebeteten. Sieht sie in seine Arme fliegen, fühlt die Liebe. SIE: das war Marlene Dietrich, der Blaue Engel, die Göttin des internationalen Films.

„Das Zimmer zerfiel und die Nacht zerfiel und die Welt zerfiel und deine Lippen …“

Hörend stelle ich mir die Wirkung der Zeilen auf die Dietrich vor. Den Vamp, jene männermordende Legende, der die gesamte Männerwelt ihrer Zeit zu Füßen lag. Erich Maria Remarque lässt keinen Zweifel an einer Beziehung, die Zeilen sprechen für sich. Und doch wird erst nach dem Liebesbrief klar, was beide miteinander verband und wie es endete. Denn die Liebesbriefe der Kollektion werden von Christian Baumann, der in emotionaler und bewegender Art und Weise die ebensolchen Herausgebertexte liest, in den zeitlichen Kontext und das Leben der Verliebten eingeordnet.

Der Zartheit der Zeilen folgt eine Skizze ihrer Liebe. Es folgen die Kosenamen und auch die Grenzen, an die man gegenseitig stieß. Die Kreise schließen sich. Gefühl und Tragik gehen Hand in Hand, Antworten von Marlene Dietrich existieren nicht mehr. Die Ehefrau von Remarque, Paulette Goddard (auch eine Schauspielerin) hat sie wohl aus Eifersucht vernichtet. Was bleibt rührt zu Tränen. Nichts Handschriftliches von Marlene. Nur ein Telegramm, das Remarque am 6. September 1970 sechs Tage vor seinem Tod auf dem Sterbebett erreicht. Sechs Worte für die Ewigkeit:

„Ich schicke Dir mein ganzes Herz.“

In meinem Weihnachtsstrumpf dein Herz - Einzigartige Briefe

In meinem Weihnachtsstrumpf dein Herz – Einzigartige Briefe

Der festliche Remarque: „In meinem Weihnachtsstrumpf dein Herz

„… ich hatte dich wirklich seit sieben Jahren unter meiner Haut und wollte nicht.“

So schreibt Erich Maria Remarque dem kleinsten und weichsten aller Nestvögelseines Lebens. Man mag es auch heute noch kaum glauben, wem diese Zeilen galten. Marlene Dietrich und Remarque verband eine fast lebenslange, wenn auch heimliche Liebe, deren Beginn in der Briefkollektion „Schreiben Sie mir, oder ich sterbe“ für die Nachwelt enthüllt wurde. Später wurde „Die Dietrich“ für Remarque zur „Entglittenen“. Wie alles endete wissen wir heute. Ein Telegramm ans Sterbebett kam gerade noch an, bevor der Autor von „Im Westen nichts Neues“ die Augen schloss. 1937 jedoch hatte er den gewohnt wachen Blick auf das wohl ironischste Fest, das man so feiert. Er schließt mit den Worten:

„Sei gegrüßt, du Geliebte und geh nie von mir, du würdest mich zerreißen!“

Erich Maria Remarque - Hörspiele fürdie Ewigkeit - Astrolibrium

Erich Maria Remarque – Hörspiele fürdie Ewigkeit

Es lohnt sich also, Erich Maria Remarque hörend zu folgen. Weltliteratur aus der Feder eines facettenreichen Schriftstellers, der sich nie als Opfer empfand und sich im Lauf der Zeit freigeschrieben hatte. Der Preis dafür war hoch. Heimatlosigkeit und Ausbürgerung, Vertreibung und Verlust des „Vaterlandes“ für das er einst kämpfte. Der Gewinn war unermesslich groß. Ein Weltbürger, der die Sicht auf die Kriege verändert hat und dem Pathos zeitlebens eine finale Absage erteilte. Wir sollten ihm eine Heimat geben.

Erich Maria Remarque - Hörspiele für die Ewigkeit - Astrolibrium

Erich Maria Remarque – Hörspiele für die Ewigkeit

Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt

Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt - C.A. Fletcher - AstroLibrium

Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt – C.A. Fletcher

Ein Wort zu Spoilern:

„Es wäre freundlich gegenüber anderen Hörern und Hörerinnen – um nicht zusagen gegenüber dem Autor -, wenn die Entdeckungen, die ihr mit Griz auf seiner Reise durch die Ruinen unserer Welt macht, unser Geheimnis bleiben.“

C.A. Fletcher

Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt - C.A. Fletcher - AstroLibrium

Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt – C.A. Fletcher

So steht es auf dem Cover des Hörbuchs zu Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt von C.A. Fletcher geschrieben. Das ist eine Aufforderung, an der man gar nicht vorbeikommt, wenn man das Bloggen und Rezensieren ernstnimmt und verhindern möchte, dass zu viele Geheimnisse einer Roman-Story das Licht der Welt erblicken. Zu verständlich, kann ich nur sagen. Ich halte mich natürlich an das Schweigegelübde. Ich bin nicht indiskret und genau aus diesem Grund müsst ihr nun mit einer recht gekürzten Form einer Hörbuchvorstellung leben. Das ist einerseits dem Respekt gegenüber einem Autor geschuldet, der in seiner Geschichte so viele unerwartete Wendungen eingebaut hat, dass man sie tunlichst für sich behalten sollte. Andererseits jedoch gilt es hier auch den Random House Audio Verlag in Schutz zu nehmen. (Weiterhören)

Hat sich doch die seriöse Hörbuchschmiede zu einem echten Etikettenschwindel verleiten lassen, um die Geheimnisse dieser Produktion zu wahren. Das ist mir bisher in dieser Form selten begegnet und verdient Respekt. Wer wäre ich also, wenn ich mir erlauben würde, diese bewussten Täuschungsmanöver der Beteiligten zu unterminieren und inhaltliche oder produktionstechnische Kunstgriffe an die Öffentlichkeit zu bringen? Also. Was jetzt folgt, ist nur die Konsequenz dieser Geheimnistuerei. „Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt“ ist ein spannendes Hörbuch, das von Wanja Mues brillant eingelesen, interpretiert und mit Leben gefüllt wurde. Ich kann es euch nur wärmstens empfehlen, zum Hörbuch zu greifen, weil es mehr kann, als das Buch. Das könnt ihr mir glauben. Danke fürs Lesen dieser Rezension und viel Spaß beim Hören.

Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt - C.A. Fletcher - AstroLibrium

Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt – C.A. Fletcher

Ihr merkt, ich bin gut, wenn es darum geht, verschwiegen zu sein. Also, wenn ich etwas kann, dann Verlagsgeheimnisse für mich zu behalten. Das war`s auch schon für heute. Mehr erfahrt ihr hier nicht von mir. Muss ja auch mal so gehen. Oder? Wie käme ich dazu, den Ehrenkodex eines Rezensenten zu verletzen? Warum sollte ich mich hier aus dem Fenster lehnen, um AstroLibrium zum Wiki-Leaks der Literatur-Blogs mutieren zu lassen? Welche Gründe könnte es für einen Geheimnisverrat geben? Keinen! Nunja, um ehrlich zu sein, gäbe es ja schon viele Rechtfertigungen, die meine Loyalität auf die Probe stellen könnten. Echt gewichtige Gründe. Wenn ich nur daran denke, dass euch dieses Hörbuch entgehen könnte, werde ich fast wahnsinnig. Vielleicht sollte ich ja das ein oder andere Geheimnis andeutungsweise lüften. Nur ein klein wenig. Was haltet ihr davon?

Womit haben wir es zu tun? Mit einer Dystopie. Zweifelsfrei. C.A. Fletcher beschreibt eine im Untergang befindliche Welt der Zukunft. Unfruchtbarkeit hat die Erde entvölkert. Nur einige „Letztgeborene“ konnten sich retten. Es sind Inseln letzten Lebens, Biotope und isolierte Gebiete, in denen noch Menschen leben. Und diese werden, wie seit jeher von ihren Hunden begleitet. Nachwuchs ist ein Fremdwort. Umso wichtiger ist es, diese letzten Refugien zu schützen. Hier lernen wir Griz kennen. Der Junge lebt mit dem Rest seiner Familie auf einer Insel. Eine Schwester hat er bereits verloren, die Mutter liegt im Wachkoma und nur seine beiden Hunde Jip und Jess geben ihm Halt. Als ein Fremder die Insel betritt, ändert sich alles. Der geheimnisvolle Brand stiehlt die Hündin Jess und macht sich mit seinem Schiff davon.

Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt - C.A. Fletcher - AstroLibrium

Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt – C.A. Fletcher

Aus diesem Szenario entwickelt CA. Fletcher einen absoluten Pageturner, der uns zu Weggefährten eines Jugendlichen macht, der die Verfolgung aufnimmt. Es sind die Ruinen unserer bekannten Welt, die wir mit Griz Augen sehen. Es ist seine Einsamkeit, die wir fühlen und es sind seine Verlustängste, die uns betroffen machen. Grandios im Erzählstil, faszinierend in der Aktualität einer Welt im Quarantänezustand und mehr als bestechend in der Charakterzeichnung eines Heranwachsenden, verfolgen wir Spuren und Fährten des Diebes. Es sind nicht nur die Gebäude, die wir erkennen, es ist auch die Französin „John Dark“, die dieser Geschichte Tiefe verleiht. Auf der Suche nach dem Mörder ihrer Töchter wird sie nun zum Schutzengel für Griz und Jip. Natürlich ist sein letzter Hund an seiner Seite. Es entwickelt sich eine Geschichte voller Verlust und Sehnsucht, Hoffnung und Bangen, Kampf und Schmerz.

Es sind die gewaltigen Bilder, die hier funktionieren. Die verfallenen Ruinen eines Fußballstadions und einer Bibliothek lassen uns schaudern. Wir betreten bekannte und geliebte Territorien. Bis wir am Ende des Hörens vor einem Neubeginn stehen. Wanja Mues leiht Griz seine Stimme und entführt uns behutsam in diese Dystopie, vor der es kein Entrinnen gibt. Aus der Suche nach einem Hund wird die Suche nach den Resten unserer Welt, nach den letzten Menschen und nach den Ursachen für den Exitus. Wir finden kaum Ruhepunkte in der Geschichte. Und wenn es uns gelingt, einen Blick nach vorne zu werfen, wirft uns der Autor mit einer kleinen Wendung meilenweit zurück. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Nichts ist, wie es scheint und keine Überraschung ist zu groß, um nicht doch plausibel und wahrhaftig zu sein. Es sind Momente der Erkenntnis, die diese Story zu einem besonderen Erlebnis machen. Aha-Erlebnisse vom Feinsten

Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt - C.A. Fletcher - AstroLibrium

Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt – C.A. Fletcher – Ein Klick zum Spoiler

Was bleibt, ist ein grandioser Roman. Was bleibt, ist ein bewegendes Ende, das ihm zur Ehre gereicht. Was bleibt, sind die falschen Fährten, auf die uns der Autor entführt. Was bleibt, ist der bewusste Etikettenschwindel von Random House Audio, weil uns der Verlag etwas verschweigt, was uns beim Hören an einer bestimmten Stelle aufspringen und staunen lässt. Was bleibt ist das Gefühl, einen relevanten Roman gehört zu haben, der seine Wirkung als Hörbuch ganz besonders entfaltet. Was bleibt, ist die Liebe zum Hund, der hier ein kleines Denkmal gesetzt wird. Was bleibt, ist eine moderne „Jeanne d`Arc„, der ich auch unter ihrem Klangnamen „John Dark“ blind folgen würde. Und es bleibt der Dank an den Hörbuchsprecher Wanja Mues, der wirklich die Bestbesetzung für dieses Hörerlebnis ist.

Was aber auch bleibt, ist, dass am Ende des Tages nichts so ist, wie es scheint. Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt„, C.A. Fletcher, gelesen von Wanja Mues. Nichts von alledem ist richtig. Nichts davon ist wirklich wahr. Alles davon ist lückenhaft und doch so großartig, dass man es keinesfalls verpassen darf.

Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt - C.A. Fletcher - AstroLibrium

Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt – C.A. Fletcher

PS: Hunde und Dystopien sind meisterhafte Weggefährten. Deathland Dogs“ von Kevin Brooks könnte euch gefallen, wenn ihr Jip und Jess liebgewonnen habt.