„Die Jahre“ von Annie Ernaux als fulminantes Hörspiel

Die Jahre von Annie Ernaux - Astrolibrium

Die Jahre von Annie Ernaux

Eigentlich nennt man es Nahtoderfahrung. Eigentlich spricht man davon, wenn das ganze Leben als Film vor dem geistigen Auge abläuft, bevor man die Augen für immer schließt. Eigentlich hat diese Rezension ja nichts mit einer Nahtoderfahrung zu tun und doch war es das Gefühl, das mich beschlich, als ich „Die Jahre“ von Annie Ernaux als Hörspieladaption erleben durfte. Es war, als würde sich das ganze Leben von Annie Ernaux vor meinem geistigen Ohr abspulen. Die französische Schriftstellerin hat erst vor wenigen Wochen ihre „Erinnerung eines Mädchens“ mit mir geteilt. Ich hatte den Klang ihrer Erzählmelodie noch im Ohr, wusste, wie sie schreibt und war sehr gespannt darauf, wie sie nun im autobiografischen Rückblick weiter ausholt, um ihr ganzes Leben Revue passieren zu lassen.

Aber als Hörspiel? Mit den unvergleichlichen Stimmen von Corinna Harfouch, Nicole Heesters, Birte Schnöink und Constanze Becker? Ich konnte mir nicht vorstellen, wie eine hochpersönliche Lebensbilanz, die im Buch ohne Ich-Perspektive auskommt, nun als Quartett-Performance umgesetzt werden könnte? Verteilte Rollen konnte es kaum geben. Schon in der Erinnerung an 1958, das Jahr ihrer sexuellen Unterwerfung, hatte sie das „Ich“ nur verwendet, wenn sie ganz tief in die Zeit zurückkehrte. Ansonsten war es die wertende Perspektive einer Zuschauerin, die sie selbst als „Das Mädchen“ oder einfach „Sie“ beschrieb. Konnte ein Hörspiel hier als Stilmittel geeignet sein, das Leben von Annie Ernaux miterlebbar zu machen? Ich war gespannt.

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Die Jahre von Annie Ernaux

Experimentell kam es mir vor, was ich hörte. Fragmentarisch, kaleidoskopisch und gewagt. Das waren meine ersten Eindrücke und ich hatte das Gefühl, im Vergleich zu einer Lesung oder einem traditionellen Hörspiel mit Erzähler und Akteuren sehr schwer in die Geschichte hineinzukommen. Ich hatte nicht erwartet, eine konstant tickende Uhr im Hintergrund zu hören. Ich hatte nicht erwartet, vier Stimmen zu begegnen, die in der sich ständig überlagernden und schlagwortartigen Sprechweise eher an eine moderne Performance erinnern, als die Erwartung an ein Hörspiel zu erfüllen. Das war etwas so Neues für mich, dass ich einige Anläufe benötigte, um hier Fuß zu fassen, eine Struktur zu finden und mich selbst in den Hörrhythmus zu versetzen, den „Die Jahre“ verdient haben.

No! Das Hörspiel aus dem Hause Der Audio Verlag ist nicht geeignet für das mal eben Nebenbei-Hören im Auto. Es verlangt nach einer ruhigen Atmosphäre ohne viel Ablenkung. Es verlangt nach dem aktiven Hörer. Es fordert schlicht dazu auf, sich beim Hören Notizen zu machen und die so verschlagworteten Fragmente zu einem sich weit ausfächernden Mosaik der Erinnerungen zu formen. Dann ist man schnell drin. Dann ist man gefangen und kann sich dem Sog dieser Stimmen nicht mehr entziehen. Dann hat man Blut geleckt und ertappt sich dabei, die Erinnerungen der Annie Ernaux mit dem eigenen Lebenskosmos abzugleichen. Gibt es Schnittmengen? Gibt es sogar kollektive Erinnerungsfetzen in diesem höchst individuellen Universum? Schritt für Schritt, Track für Track erfolgt die Annäherung an eine Frau, die uns in ihrer Biografie vorkommt, wie ein Buch mit sieben Siegeln. Eine Stunde und achtzehn Minuten reichen aus, um einer Atmosphäre Raum zu geben, die in dieser Form bisher einzigartig ist. Die Regisseurin Luise Vogt unterstreicht in dieser Inszenierung die Distanz, die Annie Ernaux zu ihrem eigentlichen „Ich“ erzeugt hat und erweitert sie um eine kollektive Dimension, die einen gemeinsamen Erinnerungs-Ansatz ermöglicht. Aktiver kann das Zuhören nicht sein.

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Die Jahre von Annie Ernaux

Es sind ständig wiederkehrende Muster, die dem Hörspiel Kontur verleihen. Es ist der Blick auf die Fotos der Vergangenheit. Es ist eine Beschreibung, wie das Kind, das Mädchen, die junge Frau, wie werdende Mutter, die enttäuschte Ehefrau und später die Großmutter auf den Bildern wirkt. Was sie ausstrahlt, wie sie dem neutralen Betrachter erscheint. Es ist ein Fotoalbum, das jeder von sich selbst kennt. Voller Trugbilder. Nicht geeignet, die Wahrheit zu erzählen. Geschönte und komponierte Erinnerungen, die der Nachwelt wie ein lebenslanges Schauspiel erhalten bleiben. Fotos halten kein Unglück fest. Sie zeigen keine Familienkonflikte, dokumentieren nicht die Frustration eine Frau, die in der eigenen Ehe zur Randfigur wird. Ein Familienalbum ist nur Show.

Diese Show zu zerstören, sie infrage zu stellen und sie in den wahren Kontext einer Zeit zu stellen, die Spuren hinterlassen hat, dem hat sich diese einstimmige Produktion mit vier Stimmen verschrieben. Die Beschreibung der Bilder wird überlagert von einem Gemisch an historischen Fakten und persönlichen Erinnerungen, die nicht zum Schein des Aufgenommenen passen. So entwickelt sich ein bildhaft dichtes Panoptikum eines Lebens. Ein facettenreiches Bild von Annie Ernaux, das aus den Puzzlesteinen besteht, die mit dem Jahr 1941 (ihrem ersten Lebensjahr) beginnen und erst 75 Jahre später ein Bild ergeben. Und spätestens hier sieht man weder ein Zerrbild, noch das Portrait einer im Leben nur glücklichen oder gescheiterten Frau. Wir erkennen uns selbst im Spiegel dieser Erzählung, weil wir Erinnerungen teilen.

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Die Jahre von Annie Ernaux

So begleiten wir Annie Ernaux durch die Zeitscheiben einer im Wandel befindlichen französischen Gesellschaft. Aus Kriegsjahren werden Nachkriegsjahre. Kollaborateure, die „Boches“, der Holocaust und Krematorien verblassen unter der Überschrift „Genießt das Leben“. Ein unsichtbares Vermächtnis vereint die Guten nach der Zeit des Krieges. Paris lebt auf. Musik wird zum Lebensinhalt. Männer- und Frauenbilder definieren sich an den Dogmen der Zeit. Aus dem Kind Annie wird ein Mädchen im Badeanzug, das im Alter von neun Jahren ein neugieriges Leben führt. Mitte der 1950er Jahre wird aus der Vaterrolle der Hackklotz, der alles bedroht. Unsicherheit dominiert. Geborgenheit fehlt. Der Raum weitet sich aus. Die Jugend experimentiert in engen Grenzen, bis wir dann in jenem Sommer 1958 ankommen, der Annie für immer verändern wird. Man beschimpft sie als Nutte. Der Makel dieser Zeit bleibt.

Eine Gesellschaft der Doppelmoral nimmt ihre Menschen gefangen. Konservative Haltungen werden durch die Antibabypille torpediert. Die Frau beginnt sich zu befreien. Die Studentin Annie will intellektuell werden, nicht Mutter. Sie will genießen und lernen. Die Hochzeit naht, aus der Frau wird die Madame. Es hört sich gut an. Die Gesellschaft kultiviert den Konsum und beutet Algerien aus. Die eigene Familie wird fremd. Die Zeit rast davon. 1968 – man revoltiert und ist doch nicht dabei. Die 1970er finden ihre neuen Themen im Umweltschutz und Homosexualität. Aus Bildern werden Super-8-Filme. Das Staunen über sich selbst nimmt zu. Die Unzufriedenheit auch. Die Grenzen sind eng. In ihr Leben schleicht sich ihr Sohn ein. Ihre Rolle wird zum Klotz am Bein. Politik wird zu dominant. Das Land kommt herunter. Armut fächert aus. Annie auch. Sie trocknet aus, bemüht sich nicht um sich selbst. Droht unterzugehen.

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Die Jahre von Annie Ernaux

Die 1990er geben Raum für Populisten, Rassismus, Ausgrenzung, Terroristen. In der Gesellschaft sucht man nach Sündenböcken. Banlieus werden Schmelzpunkte und Araber zum Feind. Familie kommt aus der Mode. Pornos erobern den Kopf. 1992 dann die besten Jahre, bis alles kippt. Der Point of no return ist längst erreicht und Computer entfremden Eltern von ihren Kindern. Es geht bergab. Das 21. Jahrhundert zieht feiernd auf und doch wird es eine anklagende Zeit. Erinnerungen verblassen und in New York wird die Zeit in ein Davor und das Danach getrennt. Nine Eleven. Zeit wird global. Liebe wird austauschbar. Und plötzlich sitzt da eine ältere Frau im Ohrensessel und hält den Enkel im Arm. Wie werden wir zu dem was wir sind? Was verändert uns? Was hat sich so abgespielt, wie wir es empfunden haben und worauf hatten wir je selbst Einfluss?

Es sind die existenziellen Fragen, die Annie Ernaux stellt. Ihre Erinnerungen retten etwas von der Zeit, in der sie nie wieder sein wird. Die Pensionierung, der Tod der alten Katze und das Gefühl der Sterblichkeit geben den neuen Rhythmus vor. Mit sich selbst ins Reine kommen wird von Tag zu Tag schwerer. Und dann kommen die Bilder wieder, die sie 1958 verdrängen wollte. Was hat der Missbrauch ihr angetan? Keine Frage wird beantwortet. Sie überlagern sich stimmgewaltig in diesem Hörspiel. Vier starke Frauen, vier mahnende, zeternde, schwärmende, verliebte und verträumte Stimmen ziehen uns in den Bann. Am Ende sitzt man vor dem eigenen Fotoalbum eines langen Lebens und ruft erfreut aus: „Das war es noch nicht!“ Annie Ernaux sei Dank. Es ist kein Abgesang, den sie als „Die Jahre“ bezeichnet. Dank Corinna Harfouch, Nicole Heesters, Birte Schnöink und Constanze Becker hat jede Erinnerung nun eine eigene Stimme.

„Blasses Licht kündet vom Anbruch eines neuen unbedeutenden Tages.“

In diesem Hörspiel ist absolut nichts unbedeutend. Schon gar nicht die Rolle der Frau und ihre Emanzipation in der Differenz. Keinesfalls in der Gleichheit. Hören und staunen.

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„Erinnerung eines Mädchens“ von Annie Ernaux

Erinnerung eines Mädchens - Annie Ernaux - AstroLibrium

Erinnerung eines Mädchens – Annie Ernaux

Sagte ich bereits, dass Männer anders lesen als Frauen? Ich denke schon. Und ich nehme mich selbst gerne als Beispiel dafür her, dass prägende Rollenbilder wesentlich für eine Rezeption literarischer Stoffe sind. In empathischer Hinsicht fällt es mir leichter, mich in einen männlichen Protagonisten hineinzuversetzen, als die Gefühlswelten einer jungen Frau verstehen zu können. Identifikation mit einer Romanfigur geht immer damit einher, dass man seine eigenen Sichtweisen und Handlungsmuster in jenem Charakter spiegelt, der uns durch die Geschichte trägt. Um es zu versinnbildlichen: Ich war immer Peter Pan, niemals Wendy. Ich war Denys Finch Hatton, nie Tania Blixen und ich habe mich viel wohler in Ernest Hemingway gefühlt, als in der Denkwelt auch nur einer seiner vier Ehefrauen. (Weiterhören oder -lesen. Sie entscheiden selbst…)

Die Rezension fürs Ohr - Erinnerung eines Mädchens - AstroLibrium

Die Rezension fürs Ohr – Erinnerung eines Mädchens

Und doch ist es das wesentliche Verdienst der Literatur, uns einen Blick über den jeweiligen Tellerrand des anderen Geschlechts zu gewähren. Verständnis entsteht nur im Wissen um Gefühlswelten, Automatismen und Verhaltensmuster einer jeweils im Dunklen liegenden anderen Welt. Nur weil ich die Sehnsucht einer Tania Blixen kenne, weiß ich mit dem rein egozentrischen Freiheitsdenken ihres Liebhabers umzugehen. In vielen Belangen öffnen diese Blicke in unerforschte feminine Welten Horizonte, die mir fremd geblieben wären, gäbe es keine Literatur. Immer wieder nähere ich mich diesem besonderen Erzählkosmos einer Frau. Nicht, um ihn nachzuempfinden. Eher schon um zu verstehen, wo die Wurzeln von Missverständnissen verborgen sind. Vielleicht auch, um zu erkennen, welche enormen Fehler wir begehen, wenn wir mit einem Tunnelblick der Ignoranz durch unsere gemeinsamen Leben stolpern.

Erinnerung eines Mädchens - Annie Ernaux - AstroLibrium

Erinnerung eines Mädchens – Annie Ernaux

Ich hege nicht den Anspruch, als Frauenversteher durch die Welt zu laufen. Es ist für mich jedoch unabdingbar, Menschen verstehen zu wollen, auch wenn ich mich sehr schwer damit tue, ihr Denken nachvollziehen zu können. Allein im Wissen um diese so unberechenbaren Besonderheiten liegt für mich die Magie der femininen Perspektive in der Literatur. Annie Ernaux bin ich nun zum ersten Mal begegnet. Sie, die bedeutende französische Schriftstellerin, wird in Deutschland erstmals so richtig wahrgenommen. In meiner literarischen Wahrnehmung ist sie für mich ein unbeschriebenes Blatt und doch traf ich auf der Frankfurter Buchmesse die spontane Entscheidung, ihr zu folgen. Es ist einem Hörbuch zu verdanken, dass ich sie für mich entdeckte. Es ist einem Medium zu verdanken, dem ich gerade im Bereich autobiografischer Erzählungen so sehr vertraue, weil ich das Gefühl habe, ein Leben erzählt zu bekommen. Da höre ich gerne zu.

Von der „Erinnerung eines Mädchens“ von Annie Ernaux versprach ich mir diese unmittelbare Perspektive auf das eigene Leben der Autorin. Ich lehnte mich zurück und lauschte der Stimme von Maren Kroymann, die mich in der Hörbuchadaption aus dem Hause Der Audio Verlag in das Frankreich des Jahres 1958 entführte. Sie erzählte mir, was Annie Ernaux in der Rückschau auf ihr eigenes Leben zu Papier brachte. Das Zuhören vermittelte mir die unglaubliche Unmittelbarkeit des Miterlebens einer Tour de Force in die Vergangenheit einer inzwischen 78jährigen Schriftstellerin, die sich in eine Lebensphase zurückschrieb, die Auswirkungen bis heute hat. 1958 war Annie Ernaux das Mädchen, dessen Erinnerung wir nun vor Augen und Ohren haben. 18 Jahre alt.

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Erinnerung eines Mädchens – Annie Ernaux

Wie Annie Ernaux bei der persönlichen Retrospektive vorgeht, ist absolut fesselnd. Sie distanziert sich von ihrem vergangenen Ich des 18jährigen Mädchens. Sie entfernt sich nicht nur erzählend, sie unterscheidet deutlich in Ursachen und Wirkungen, die bis heute auf ihr Leben einwirken. Ihre Ich-Perspektive richtet sich auf die Erzählerin heute und jetzt. Die junge Annie wird zur „Sie“. Die autobiografische Kontaktaufnahme mit der eigenen Vergangenheit wird auf diese Art und Weise zu einem besonderen Experiment und zum literarischen Befreiungsschlag einer alten Dame, die bis heute verschämt auf das Jahr 1958 zurückblickt. Das Jahr ihrer Unterwerfung.

Ein Jahr, in dem sich ihr ganzes Leben veränderte. Dabei fing alles sehr harmlos an und eigentlich ist für den außenstehenden Betrachter nicht viel passiert. Eigentlich. Für Annie Ernaux jedoch wird die kurze Zeit, in der sie als Betreuerin in einem Ferienlager arbeitete zum lebenslangen Martyrium. Hier wurden ihr Fesseln angelegt. Hier hat man mit ihren Gefühlen gespielt. Hier wird aus dem erwartungsvollen und lebenshungrigen Mädchen schlagartig eine Nutte. Kaum zu glauben, aber die sozialen Automatismen im Kontext interagierender Gruppen sorgen dafür, dass aus der Summe der Fehltritte eine unumkehrbare Rolle wird, der sie nie wieder entkommen kann. Eine Rolle, die sich auf jeden Lebensbereich auswirkt, auch auf ihr literarisches Schaffen. Ohne, dass jemand etwas davon ahnen konnte.

Erinnerung eines Mädchens - Annie Ernaux - AstroLibrium

Erinnerung eines Mädchens – Annie Ernaux

Ein älterer Betreuer im Ferienlager, eine verhängnisvolle gemeinsame Nacht, eine erste Hoffnung auf Liebe, eine bittere Zurückweisung, tiefe Verletzungen, das schlimme Gefühl benutzt worden zu sein, die gefühllose Flucht in die Betten anderer Männer und das Stigma des leichten Mädchens sind wohl die wesentlichen Bilder, die sich im Kopf der jungen Annie manifestieren. Was folgt, ist Scham. Was folgt, ist die Gefühllosigkeit und ein Taumel in eine Zwischenwelt aus Bulimie und Fress-Sucht. Was folgt, ist ewige Unsicherheit sich selbst gegenüber. Dabei ist sie sich heute sicher, dass sie an einigen Stellen dieser frühen Entwicklung einfach nur Stopp hätte sagen können. Dass sie sich hingab, unterwarf und so zum Spielball der Leidenschaft wurde, schreibt sie sich immer noch selbst zu.

Eine bewegende Reise zurück in ein Mädchenschicksal, das für Männer vielleicht gar nicht so dramatisch wirkt, wie es sich für die Betroffene angefühlt hat. Wir sehen aus der männlichen Perspektive eine junge Frau auf der Suche nach sich selbst und im Streben nach Zuneigung, Wärme und Liebe. Wir sehen die Seite eines Mädchens, das sich auf einen Mann einlässt. Was hier jedoch zerstört wird, ist mehr als nur das Gefühl des Augenblicks. Hier werden Wunden fürs Leben geschlagen, die kaum vernarben. In jeder Beziehung ist es hörenswert, was Annie Ernaux zu erzählen hat. Ungeschminkt und schonungslos beschreibt sie die Ambivalenz, in der sie ihre Gefühle zu leben hat.

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Erinnerung eines Mädchens – Annie Ernaux

Der erste Schritt in Richtung des Mädchens Annie Ernaux hat Konsequenzen für mich. Ich werde ihr garantiert weiter folgen und darf schon bald erleben, wie sie in „Die Jahre“ kommt. Ein Hörspiel mit Corinna Harfouch, Nicole Heesters, Birte Schnöink, und Constanze Becker setzt die literarische Auseinandersetzung der Autorin mit jenen bereits zuvor aufgeworfenen Fragen aus einer anderen Perspektive um. Kein „Ich“ wird zur Erzählerin. Von außen betrachtet Annie Ernaux die Entwicklung eines Landes, eine Phase der Krise mit Algerien, das Unaussprechliche des Jahres 1958, die Hingabe und Enttäuschung, den Weg zu sich selbst und die Jahre des Alterns. Ich denke, nun einen tiefen Zugang gefunden zu haben, um die Erweiterung des Erzählraumes zu verstehen.

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Die Jahre – Annie Ernaux –

Im Januar 2019 geht es bereits weiter. Annie Ernaux – Die Jahre / Das Hörspiel / Der Audio Verlag. Ihr werdet von uns hören. Und wer das Frankreich im Jahr 1958 besser verstehen möchte, dem empfehle ich Die französische Kunst des Kriegesvon Alexis Jenni. Algerien und die Fremdenlegion, Rassismus und Kolonialismus sind Parameter einer Republik, die das Land nachhaltig prägen sollten.

Hier geht´s zum Hörspiel „Die Jahre“ von Annie Ernaux. Eruptiv und fulminant.

Erinnerung eines Mädchens - Annie Ernaux

Erinnerung eines Mädchens und die französische Kunst des Krieges

Verlorene Mädchen. Ein Themenschwerpunkt bei AstroLibrium. Hier

Mädchen und AstroLibrium - Eine besondere Beziehung

Mädchen und AstroLibrium – Eine besondere Beziehung