Am Götterbaum von Hans Pleschinski [GlockenbachWelle]

GlockenbachWelle - Am Götterbaum von Hans Pleschinski - Astrolibrium

GlockenbachWelle – Am Götterbaum von Hans Pleschinski

Herzlich willkommen zu einem besonderen literarischen Stapellauf. Nach langer und intensiver Vorbereitung laden wir euch ein, unserem neuen Interview-Format zu folgen. Wir? Das sind die Glockenbachbuchhandlung in München, Literatur Radio Hörbahn und meine Wenigkeit. Wir wollen gemeinsam neue Akzente setzen, einen Impuls geben und in einer Symbiose aus Buchhandel, Radio und Literaturblog auf interessante Bücher und ihre Schöpfer*Innen aufmerksam machen. Jetzt geht´s los…

Die GlockenbachWelle

Die Premiere – Eine Buchhändlerin, ein Blogger und ein Autor im Gespräch…

Der Ort: Die Glockenbachbuchhandlung München
Die Runde: Petra Schulz (Buchhändlerin), Arndt Stroscher (Blogger) und Hans Pleschinski (Autor)

Unterstützt von Buchhändlern Pamela Scholz und Bloggerin Steffi Sack

Der Roman: Am Götterbaum von Hans Pleschinski – C.H. Beck Verlag

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GlockenbachWelle – Am Götterbaum von Hans Pleschinski

Es geht um einen Spaziergang durch München und den Versuch, den vergessenen deutschen Literaturnobelpreisträger Paul Heyse in besonderer Weise zu ehren. Ein Kulturzentrum, statt der wenig schmeichelhaften Paul-Heyse-Unterführung soll als Stätte der Erinnerung und der literarischen Begegnung entstehen. Eine Kontroverse, die nicht ohne Spuren bleibt, begleitet die Protagonistinnen bis zum Ziel des Ortstermins. Es sind die gegensätzlichen Positionen, die diesen flanierenden Literatursalon spannend und unterhaltsam zugleich machen. Hier treffen die fachfremde Stadträtin, die eifersüchtige Schriftstellerin und eine charismatische Bibliothekarin auf einen Experten, eine Villa am Königsplatz und auf Menschen, die München zum pulsierenden Herzstück des Romans machen.

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GlockenbachWelle – Am Götterbaum von Hans Pleschinski

Worauf Ihr Euch freuen dürft:

  • Einen Autor, der zugleich ein echter Ritter ist… (ungelogen)
  • Drei Bücher, die uns Hans Pleschinski ans Herz legt…
  • Einen unverhofften Ausflug nach Dresden…
  • Shortcuts – kurze Fragen – kurze Antworten…
  • Paul Heyse und warum man jetzt wieder über ihn spricht…
  • Beobachtungen am Rande des Weges…
  • Die Münchner Heimsuchungen…
  • Die Antwort auf eine nie zuvor gestellte Frage und
  • Die von Petra Schulz empfohlene Bücherkette zum Götterbaum

Hier geht´s zum ersten GlockenbachWelle-PodCast bei Literatur Radio Hörbahn.

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GlockenbachWelle – Am Götterbaum von Hans Pleschinski

Zusatzinformationen:

Der Autor empfiehlt aus dem Sortiment der Glockenbachbuchhandlung:

GlockenbachWelle - Am Götterbaum von Hans Pleschinski - Astrolibrium

GlockenbachWelle – Am Götterbaum von Hans Pleschinski

Petra Schulz empfiehlt für das Lesen nach dem Götterbaum:

Wir wünschen Euch: Gutes Hören. Reitet mit uns auf der GlockenbachWelle, und lasst Euch die nächste Welle im April nicht entgehen. Es geht um Anstand, Benehmen, Umgangsformen und mehr, was Im Dschungel des menschlichen Miteinanders so undurchfdringlich scheint. Brauchen wir einen neuen Knigge? Weitere Informationen findet Ihr auf unseren Social-Media-Kanälen unter dem Hashtag #GlockenbachWelle und auf den Projektseiten der Beteiligten… Guten Wellenritt im April: Henriette Kurth

Hier geht`s zu unseren Projektseiten:
Glockenbachbuchhandlung und AstroLibrium
sowie Literatur Radio Hörbahn

Spätestens jetzt solltet ihr den Ritt wagen: Der erste PodCast ist on Air

GlockenbachWelle - auch bei Literatur Radio Hörbahn - AstroLibrium

GlockenbachWelle – auch bei Literatur Radio Hörbahn

Die GlockenbachWelle – Eine Premiere

GlockenbachWelle - Astrolibrium - Glockenbachbuchhandlung

GlockenbachWelle

Herzlich willkommen zu einem besonderen literarischen Stapellauf. Nach langer und intensiver Vorbereitung laden wir euch ein, unserem neuen Interview-Format zu folgen. Wir, das sind die Glockenbachbuchhandlung in München, Literatur Radio Hörbahn und meine Wenigkeit. Wir wollen gemeinsam neue Akzente setzen, einen Impuls geben und in einer Symbiose aus Buchhandel, Radio und Literaturblog auf interessante Bücher und ihre Schöpfer*Innen aufmerksam machen. Dabei kommt es uns darauf an, nicht mehr das reine Interview in den Mittelpunkt zu stellen. Es ist mehr als wichtig für dieses Projekt, die Location und ihr Umfeld nicht nur zur Kulisse dieses Formats zu machen. Nein, hier tanzt der literarische Bär, hier spielt sich das Leben im Kontext der Bücher ab, die in einer inhabergeführten Buchhandlung liebevoll unter die Leute gebracht werden.

Und genau hier sind wir. Im Münchner Glockenbachviertel, einem der Stadtviertel mit großer Tradition. Hier wurde seit 1476 in einem Gießhaus in Form gegossen, was für das aufstrebende München so wichtig war. Der kleine Bach trägt schon seit 1575 den wohlklingenden Namen Glockenbach. Große und kleine Geschichten machen das Viertel zu einem Herzstück Münchens. Eine Tuchfabrik, ein alter Pestfriedhof und ein paar Bezeichnungen, die zur Recherche veranlassen, prägen dieses Viertel. Wer weiß heute schon noch, was ein Brechhaus ist oder was man unter dem Wort Pechwinkel versteht. Es dauerte schon seine Zeit, bis die fortschreitende Urbanisierung Münchens aus der Ansiedlung der Pechsieder ein Viertel mit neobarocken Häusern für die besser betuchten Bürger werden ließ. Und doch blieb es tief im Herzen ein Viertel der kleinen Leute, in dem sich München von einer anderen Seite zeigte. Ein bunter Ort für große und kleine Begegnungen, weltoffen und geprägt von Toleranz und Lebensfreude. Hier schlagen Freigeister ihre Zelte auf. Hier finden wir die Glockenbachbuchhandlung, die sich der Tradition des Viertels verschrieben hat.

GlockenbachWelle - Astrolibrium - Glockenbachbuchhandlung

GlockenbachWelle

Wo sonst, wenn nicht hier könnten wir eine bessere literarische Welle erzeugen, auf der es sich gut reiten lässt? Wo sonst ließen sich Autoren und Autorinnen finden, die in der Nachbarschaft der Glockenbuchhandlung leben, hier schreiben und grübeln, in welche Bücherwelt sie uns bald entführen werden? Genau hier setzen wir an und am 19.03. feiert unser Format Premiere. Das erste Interview wird aufgezeichnet und kurze Zeit später auf der Plattform von Literatur Radio Hörbahn als PodCast verfügbar sein. Aber das reicht uns nicht aus. Wir möchten euch gerne in die Situation der Interviews mitnehmen, euch fühlen und sehen lassen, in welcher Atmosphäre sich die Gespräche abspielen. Wir werden auf unseren Facebook- und Instagram-Kanälen Impressionen, Videos und Outtakes veröffentlichen, die euch nicht nur zu Zuhörern unserer PodCasts machen.

Worauf ihr euch freuen könnt sind Interviews, in denen Schriftsteller*Innen nicht nur über ihre Werke Auskunft geben. Wir haben ein paar Eckpunkte im Format, mit denen sich unsere Gesprächspartner auseinandersetzen müssen:

  • Welche Bücher aus dem Bestand der Buchhandlung würden sie empfehlen?
  • Welchen Bezug haben sie zum Glockenbachviertel und zu München?
  • Wie reagieren die Kulturschaffenden auf unvermutete Fragen?
  • Und dann… Ja dann sprechen wir über das aktuelle Buch des Gastes!

Am Ende des Gesprächs kommt das reale Leben einer echten Buchhändlerin ins Spiel. Hier runden wir das Interview ab und lassen die Fachleute zu Wort kommen. In aller Tiefe widmen sich die Inhaberin der Glockenbachbuchhandlung Petra Schulz und ihre Mitarbeiterin Pamela Scholz genau den Fragen, mit denen sie täglich konfrontiert sind. Wenn Kunden das Buch gelesen haben, das wir aktuell vorstellen, welche Bücher sollte man dann lesen, wenn man vom inhaltlichen Fieber gepackt ist? Bücherketten im direkten Austausch mit Büchermenschen zu knüpfen gehört zu den Kernkompetenzen guter Buchhändler*Innen. Hier kommen sie zu Wort. Hier sprechen sie Empfehlungen aus, die sich sehen und lesen lassen können. Und auch das ist noch nicht alles!

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GlockenbachWelle – Die Premiere – Am Götterbaum

In der Glockenbachbuchhandlung wird das jeweils aktuelle „GlockenbachWelle“- Buch natürlich entsprechend präsentiert und signierte Autogrammkarten der Autoren oder Autorinnen liegen für die Kundschaft bereit. So versuchen wir, einige Kreise aus der digitalen Welt in das reale Leben zu schließen. Impulse zu geben, das ist es wovon wir träumen. Und, wenn wir schon mal träumen, dann darf es auch erlaubt sein, davon zu träumen, wie sich unser Format nach einer Pandemie entwickeln kann. Auch, wenn wir sicherlich gerade in dieser Zeit adäquate Antworten auf Social Distancing suchen, wollen wir in der Zukunft diese Interviews auch gerne vor Zuhörern führen. Wir hoffen, dass dies keine reine Zukunftsmusik bleibt.

Ja, und womit fangen wir an? Die GlockenbachWelle erreicht „Am Götterbaum von Hans Pleschinski, erschienen im C.h. Beck Verlag. Ein Roman, der sich durch eine große Affinität zu München auszeichnet. Ein Stadtspaziergang durch die Weltstadt mit Herz, der nur einem Ziel dient: Einem längst vergessenen Literaturnobelpreisträger ein bleibendes Denkmal zu setzen. Denn genau das ist in München nicht gelungen. Es ist die Paul-Heyse-Unterführung am Hauptbahnhof, die an den großen Schriftsteller erinnert. Hat er das verdient? Gibt es keine andere Alternative? Könnte man aus seiner ehemaligen Münchner Villa nicht ein großes Kulturzentrum entstehen lassen? Fragen, mit denen sich drei engagierte Frauen beschäftigen, die vom Rathaus zum Königsplatz spazieren, um sich vor Ort vom Zustand dieser Villa zu überzeugen. Lokalkolorit trifft auf Literaturgeschichte. Unter dieser Überschrift wird sich Hans Pleschinski unseren Fragen stellen. Der Autor wohnt nahe bei der Glockenbachbuchhandlung und ist somit wahrlich der beste Premierengast, den man sich wünschen kann.

Werdet „GlockenbachWellen-Reiter“ – Schaut euch am Freitag auf den Kanälen der Glockenbachbuchhandlung oder von AstroLibrium die ersten Impressionen an. Danke fürs Lesen und Hören.

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sowie Literatur Radio Hörbahn

Und hier geht´s ohne Umwege zum ersten PodCast. „Am Götterbaum“
Den aktuellen Hintergrundartikel zum PodCast findet ihr hier

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Die Harpyie von Megan Hunter

Die Harpyie von Megan Hunter - Astrolibrium

Die Harpyie von Megan Hunter

Seit jeher habe ich einen riesigen Respekt von den weiblichen Mischwesen der griechischen Mythologie. Harpyien. Sie begegneten mir in der Odyssee von Homer, in der Aeneis von Vergil und sogar in modernen Märchenadaptionen wie dem Fantasy Animationsfilm „Das letzte Einhorn„. Immer treten diese Halbwesen als Verkörperung des Bösen auf, werden ihrem Ruf als Sturmwinde gerecht, hausen in der Unterwelt und sind die Begleiter der Verstorbenen ins Totenreich. Sie rächen, morden, strafen und in der Troja-Saga von Vergil werden sie eindringlich beschrieben:

„Es waren Vögel mit den Gesichtern von Mädchen,
äußerst scheußlich war der Unrat ihres Magens,
hakenförmig waren ihre Hände und immer
bleich vor Hunger ihre Gesichter.“

Man sollte sich vor ihnen hüten. Besonders als Mann, eilt doch den Harpyien der Ruf voraus, Männer für das zu bestrafen, was sie zu Lebzeiten anrichten. Ich war trotzdem mehr als begeistert und neugierig, als mir das Buch „Die Harpyie“ von Megan Hunter vorgestellt wurde. Zwei Faktoren gaben den Ausschlag, warum ich es unbedingt lesen musste. Das vielleicht Aufsehen erregendste Cover des Frühjahrs und ein Plot, in den man einfach eintauchen muss, wenn man Romane über verzweifelte Liebe, Betrug und Rache mag. Hier finden wir wahrlich alles, was unser Leserherz begehrt.

Die Harpyie von Megan Hunter - Astrolibrium

Die Harpyie von Megan Hunter

Da ist sie, die treu sorgende Ehefrau und Mutter zweier Kinder, deren Leben sich schlagartig verändert, als sie davon erfährt, dass sie von ihrem Mann betrogen wird. In nur einem winzigen Moment wird die heile Welt von Lucy Stevenson zur Illusion und durch die SMS eines ebenfalls Betrogenen in tausend Stücke gerissen.

„Ihr Ehemann – Jake Stevenson – schläft mit meiner Frau…
Ich meine, dass sie das wissen sollten.“

Und da ist er, der Betrügende, der Fremdgänger, der sich mit den üblichen Phrasen zu rechtfertigen versucht. Es sei ja nichts von Bedeutung, nur etwas Sexuelles, und er werde die Affäre sofort beenden, versichert ihr der ertappte Ehemann. Was er seiner Frau jedoch tatsächlich angetan hatte, entzieht sich seinem oberflächlichen Blick. Aus ihrer Perspektive erzählt Megan Hunter diese Geschichte von Betrug und Scham. Es ist die Sichtweise von Lucy, die uns verdeutlicht, was in einer Frau vorgeht, die genau das nicht erwartet hatte. Nicht in dieser Dimension, nicht in dieser Tragweite und ganz bestimmt nicht, dass es ihr jemals passieren würde. Ihr Leben verändert sich. Es sind ihre Wahrnehmungen, die im Auge des Orkans verletzter Gefühle zum Tornado dieser verletzten Frau anschwellen. Es ist die Harpyie, die in ihr erwacht. Ein Wesen, das auf Rache sinnt und dem Vergebung fremd ist.

Die Harpyie von Megan Hunter - Astrolibrium

Die Harpyie von Megan Hunter

Jake bleibt keine andere Chance, als sich auf das Spiel der Harpyie einzulassen, um seine Beziehung zu retten. Sie – die Verletzte – will Rache, sie will verletzten, sie ist es, die jetzt das Heft des Handelns in ihre Hand nimmt. Es ist ein verhängnisvoller Deal, auf den sich das Ehepaar einigt. Drei Mal darf Lucy Jake bestrafen. Wie sie bestraft und wann sie zuschlägt, das bleibt allein ihr überlassen. Ein Spannungsbogen, der sich wie eine Kaskade aus unvorhersehbarer Gewalt über eine Geschichte spannt, und uns nicht mehr ruhig schlafen oder lesen lässt. Wir werden durch die Seiten getrieben und erhalten einen tiefen Einblick in das Innenleben einer verletzten Frau. Für Männer fühlt sich dieser Ritt durch die Gefühlswelten von Lucy an, wie eine Anklageschrift, in deren Folge nur das Wort „schuldig“ übrig bleibt. Es ist eine schmerzhafte Leseerfahrung, in jeder Konsequenz einer falschen Entscheidung die Auswüchse zu erkennen, die man im Leben eines anderen Menschen verursacht.

Megan Hunter macht es sich in „Die Harpyie“ nicht so leicht, einen unterhaltsamen Racheroman zu schreiben, in dem sich Frauen vergnügt auf ihre Schenkel klopfen und denken „Da hast du, was du verdienst, du Schwein!„. Sie greift psychologisch tiefer und erzählt in Wellen, die sich aus der Vergangenheit ins Jetzt bewegen. Sie erzählt in tiefster Empathie von zwei Menschen, die sich verloren haben. Sie erzählt davon, dass niemand ohne seine Vorgeschichte in ein gemeinsames Leben eintritt und, dass es die unausgesprochenen Geheimnisse eines früheren Lebens sind, die wie Ballast auf dem Leben mit Mann und zwei Kindern lasten. Es ist bewegend zu erkennen, wie sich eine Frau im Lauf der Zeit verändert, was Geburten in ihr auslösen, welchen Bildern sie zu entsprechen hat, wie sehr sich das Bild der Harpyie schon sehr früh in ihr festgesetzt hat und nur darauf wartete, wie ein Schläfer in Diensten eines Geheimdienstes endlich in Erscheinung treten zu dürfen.

Die Harpyie von Megan Hunter - Astrolibrium

Die Harpyie von Megan Hunter

Wer sich diesem Roman aufmerksam nähert, ob Mann oder Frau, wird mit einem Strudel aus Emotionen konfrontiert, der sich wie ein heilsamer Schock auswirken und rettend für eine wackelige Beziehungsbalance sein kann. Megan Hunter nimmt uns mit in den weißen Fleck im Leben der Menschen, die wir aufrichtig lieben. Sie klagt nicht an, sie zeigt uns nur die Konsequenzen und Untiefen auf, in die wir unbewusst steuern und untergehen. Dieser Roman ist ein Aufruf zum Dialog. Ein Impuls, sich den Welten zu öffnen, die wir nicht sehen wollen. Miteinander zu reden, um nicht den Schläfer in uns zu wecken. Vielleicht schlummert in jedem von uns eine Harpyie. Vielleicht ist der Auslöser für eine Katastrophe ganz banal. Vielleicht bedarf es Ignoranz und fehlender Empathie, um das Monster in uns freizusetzen. Und vielleicht dient dieser Roman als Beispiel für das Ausmaß der psychologischen und physischen Verletzungen, die man sich gegenseitig zufügt, ohne erkennen zu wollen, wohin das führt.

Betrogene Frauen scheinen dem Beck Verlag im Frühjahrsprogramm 2021 sehr am Herzen zu liegen. Es sind gleich zwei Romane, in deren Mittelpunkt es um Frauen geht, die sich urplötzlich in einer Situation wiederfinden, die kaum zu bewältigen ist. Es sind Frauen, die nur einen Ausweg sehen: Transformation. „Ich will kein Hund sein“ von Alma Mathijsen und „Die Harpyie“ von Megan Hunter stehen sich diametral wie Nord- und Südpol gegenüber. Während Alma Mathijsen von der unterwürfigen, und in letzter Konsequenz, irreversiblen Hundwerdung einer verlassenen Frau erzählt, steht der Roman von Megan Hunter für die Mutation einer Betrogenen in einen Racheengel. Beide Extreme sind literarisch brillant konstruiert und erzählt. In meiner Buchhandlung des Vertrauens sollten beide Bücher nebeneinander stehen. In meinem Leben jedoch wäre ich froh und dankbar, dass zwischen ihnen Platz genug wäre, um mein eigenes Buch zu platzieren. Es wäre mein Buch des Mittelweges. Nicht der fatalen Auswüchse. Es wäre vielleicht ein gemeinsames Buch über Gefahren, die einer Beziehung drohen und über Wege, sie ohne Unterwerfung oder Rache zu retten.

Die Harpyie von Megan Hunter - Astrolibrium

Die Harpyie von Megan Hunter

Um diesen Weg zu finden, sollte man die Transformationsgeschichten von Frau zu Hund oder Harpyie jedoch kennen. Das hilft ungemein weiter… 

Ich will kein Hund sein – Alma Mathijsen

Ich will kein Hund sein - Alma Mathijsen - Astrolibrium

Ich will kein Hund sein – Alma Mathijsen

Es sind auffällige Brüche in der Novelle „Ich will kein Hund sein„, die sie wertvoll machen. Es sind die Widersprüche, die sie greifbar und ergreifend machen und es ist der skurrile Einfall einer hoffnungslos Liebenden, der uns die Geschichte einer Frau in lebhafter Erinnerung bleiben lässt, die wegen ihrer gescheiterten Beziehung eine fatale Entscheidung trifft. Alma Mathijsen betritt in vielfacher Hinsicht Neuland, weil sie ihrer Sehnsucht nach der großen Liebe die Utopie einer Transformation gegenüberstellt. Der Titel des Buches konterkariert seinen Inhalt. Ein Bruch, der dieses Werk zu einem sehr lesenswerten Ereignis werden lässt. „Ich will kein Hund sein“ steht für das wahre Ich der Ich-Erzählerin. Die Entscheidung, die sie jedoch trifft, steht ihrem selbstbewussten Ich diametral gegenüber. So ist es wohl, wenn die Liebe endet und die verlassene Frau alles, ganz besonders sich selbst infrage stellt und zu allem bereit ist, um den brutalen Bruch zu kitten. Liebe bis zur Selbstaufgabe. Das zentrale Thema dieser Geschichte.

Und schon sind wir mittendrin in einem stereotyp wirkenden, aber alles andere als stereotyp erzählten Liebes-Verlustszenario. Es sind unterschiedliche Sprachen und die nicht mehr geteilten Emotionen, die unserer Ich-Erzählerin verdeutlichen, dass sich die Liebe ihres Lebens in Schall und Rauch aufgelöst hat. Es ist die Einsamkeit danach, in der sie versinkt. Es ist die Unsicherheit sich selbst gegenüber, versagt zu haben und es ist der Wunsch, alles rückgängig zu machen, nur um die Liebe ihres Lebens nicht zu verlieren, der sie in Endlosschleifen immer tiefer trudeln lässt. Es ist die Selbstaufgabe, der sie langsam verfällt, als sie vor Eifersucht auf mögliche neue Partnerinnen ihres so sehr vergötterten Gegenübers in depressiver Trostlosigkeit versinkt. Sie löscht ihr Profil auf Instagram, nur um nicht sehen zu müssen, wie er seine neue Freiheit genießt. Ein Schritt, der zugleich andeutet, dass sie ihr reales Profil zu löschen bereit ist. Wie weit darf man gehen, um im hoffnungslosen Kampf um die Liebe nicht selbst unterzugehen?

Ich will kein Hund sein - Alma Mathijsen - Astrolibrium

Ich will kein Hund sein – Alma Mathijsen

Ich will kein Hund sein.“ Ein Eingangsstatement, das schnell an Relevanz verliert, da genau hier der einzige Ausweg zu liegen scheint, den unsere verlassene Liebende zu finden scheint. Eine Anlaufstelle für gebrochen Herzen. Ein Rettungsanker für all jene, die eine desillusionierende und erfolglose Paartherapie abgebrochen haben, weil sich der entliebte Partner nicht aufraffen will, um die gemeinsame Zukunft zu kämpfen. Am Ende der Liebe bleibt nur noch der Untergang oder die Flucht nach vorne. Hier könnte eine Annonce helfen. Hier könnte die Selbstaufgabe in Vollendung die einzige Lösung sein. Hier trifft sie eine Entscheidung, weil es einfach zu verlockend klingt.

Wir bieten einen Ausweg
Für alle Menschen mit einem weinendem Herzen
Für alle gebrochenen Menschen
Fühlen Sie sich verlassen?
Ist Ihr Herz anderswo?
An einem Ort, der unerreichbar geworden ist?…
Dann warten Sie nicht länger, sondern beginnen Sie… mit der Transformation.

Ich will _ein Hund sein. Dieser Gedanke manifestiert sich in ihr. Hier beginnt eine Utopie, die nach dem letzten Allheilmittel klingt. Die verlassene Frau mutiert zum Hund und wird dann genau an den Mann vermittelt, der sie verlassen hat. So kann sie künftig in seiner Nähe sein, Teil seines Lebens werden, alles mit ihm teilen, Weggefährtin und alles andere sein, wovon sie verzweifelt und hoffnungslos träumt. „Eine Agentur“ erfüllt ihr den ultimativen Wunsch.

Ich will kein Hund sein - Alma Mathijsen - Astrolibrium

Ich will kein Hund sein – Alma Mathijsen

Alma Mathijsen beschreibt nicht nur das Ende einer Liebe, sie macht nun auch den Weg frei für die unumkehrbare Hundwerdung einer verzweifelten Frau. Es beginnt eine Transformation, die in literarischer Hinsicht betrachtet brillant erzählt und lustig anmutet. Die Veränderung der Wahrnehmungen, zunehmende Verhaltensmuster eines Tieres und nicht mehr steuerbare Triebe werden zu Wegmarken des Prozesses. Das liest sich flüssig und ist unglaublich unterhaltsam. Man stelle sich nur vor, das sei tatsächlich möglich. Man stelle sich nur einmal vor, man könne diesen Weg tatsächlich gehen. Und schon vergeht einem das Lachen. Schon steckt man in der Hundefalle, in die uns Alma Mathijsen gelockt hat. Hier vergeht einem das Lachen und jeder Sinn für die Skurrilität der Utopie pulverisiert sich von Seite zu Seite. Sitz, Platz, Bleib. Sind es diese Kommandos, die am Ende stehen?

Dieser Transformationsprozess in einen treuen Hund ist eine Metapher für etwas, das sich täglich vor unseren Augen vollzieht. Wer dies nicht registriert, der ist mit emotionaler Blindheit geschlagen. Ist es nicht ein wahrhaftiger Automatismus am Ende einer Liebe, dass sich gerade die verlassene Frau in ihrer Situation nicht zurechtfindet, sich hinterfragt, sich die Schuld gibt und zu vielen denkbaren Zugeständnissen bereit ist, nur um den Mann fürs Leben nicht zu verlieren? Ist es nicht auch so, dass sie mit dieser toxischen männlichen Gefühlskälte nicht mehr zurechtkommt und verzweifelt? Und am Ende wartet keine Agentur mit ein paar Pillen und Infusionen. Am Ende steht nicht die Vision vom treuen Gefährten mit den sanften Augen und dem struppigen Fell. Diese Novelle ist die knallharte Abrechnung mit dem Fluchtverhalten von Menschen, die einer Beziehung keine Chance mehr geben wollen und sich nicht darum scheren, was sie im Verlassenen auslösen.

Ich will kein Hund sein - Alma Mathijsen - Astrolibrium

Ich will kein Hund sein – Alma Mathijsen

Wir sollten den Titel dieses Buches ernst nehmen und den Text so lesen, wie er bereits auf dem Cover unter Vorbehalt gestellt wird. „Ich will kein Hund sein“. Dieses Recht sollten wir jedem zubilligen, mit dem wir einen Teil unseres Liebes-/Lebensweges gegangen sind. Daran sollten wir denken, wenn wir erkennen, wenn sich Menschen in unserem Umfeld nach dem Ende einer Beziehung plötzlich kleiner machen, unsichtbar werden oder von Selbstzweifeln geplagt werden. Diese Novelle ist ein heilsamer Schuss vors Kontor all jener, die sich erhoffen, durch Selbstaufgabe weiterzukommen. Hier ist klar, was am Ende dieses irreversiblen Prozesses steht. Die Auslöschung der eigenen Persönlichkeit. Ein Leben an der langen Leine eines Herrchens ist keine Alternative in einer modernen Gesellschaft. Therapeutisch kann dieses Buch vieles bewirken.

Und doch ist gerade das Scheitern einer Beziehung die große Triggerwarnung in diesem Buch. Wir kennen das. Das falsche Buch zur falschen Zeit kann fatale Folgen haben. Ich denke „Ich will kein Hund sein“ ist für ein frisch gebrochenes Herz schwer zu verkraften. Wenn all die Gedanken und Gefühle frisch sind, dann können die Worte aus der Feder von Alma Mathijsen sehr schmerzen. Denn, wie sie schreibt und wie sie uns an den Gefühlswelten einer Frau teilhaben lässt, das ist ganz großes literarisches Kino. Gerade die Kapitel über das Scheitern einer Beziehung und das Versagen jeder Form von Empathie bewegen unglaublich. Ein mehr als lesenswertes Buch, ein Ausflug in eine Utopie, die sich oftmals im Geiste einer Verlassenen realisiert. Unumkehrbar.

Passt auf euch auf!

Ich will kein Hund sein - Alma Mathijsen - Astrolibrium

Ich will kein Hund sein – Alma Mathijsen

Betrogene Frauen scheinen dem Beck Verlag im Frühjahrsprogramm 2021 sehr am Herzen zu liegen. Es sind gleich zwei Romane, in deren Mittelpunkt es um Frauen geht, die sich urplötzlich in einer Situation wiederfinden, die kaum zu bewältigen ist. Es sind Frauen, die nur einen Ausweg sehen: Transformation. „Ich will kein Hund sein“ von Alma Mathijsen und „Die Harpyie“ von Megan Hunter stehen sich diametral wie Nord- und Südpol gegenüber. Hier geht´s zur Rezension der „Harpyie“.

Die Harpyie von Megan Hunter - Astrolibrium

Die Harpyie von Megan Hunter

Demokratie – Eine deutsche Affäre – Hedwig Richter

Demokratie - Eine deutsche Affäre - Hedwig Richter - Astrolibrium

Demokratie – Eine deutsche Affäre – Hedwig Richter

Wenn nicht jetzt, wann denn dann? Gibt es einen besseren Zeitpunkt, sich mit einem Sachbuch über Politik auseinanderzusetzen, wenn die übliche Politikverdrossenheit im Verschwinden begriffen ist, und die Bürger eines Landes deutlich erkennen, dass ihre als selbstverständlich empfundene Demokratie alles ist, nur nicht selbstverständlich? In diesen Tagen müssen wir nur den Blick über unsere Grenzen schweifen lassen, um zu erkennen, wie leichtfertig mit dem hart erkämpften Gut dieser Demokratie umgegangen wird. Und genau da, wo sie ihre Selbstverständlichkeit verliert, da, wo der Mensch aus der Komfortzone herausgerissen wird, entsteht urplötzlich ein Interesse für Politik, weil die Angst steigt, etwas verlieren zu können, für das man selbst nie gekämpft hatte. Das Recht auf Teilhabe an politischen Entscheidungen, das Recht auf Mitbestimmung und damit letztlich all das, was wir Freiheit nennen.

Plötzlich entsteht der Wunsch, die Demokratie vor Unrecht zu bewahren. Wohin man auch schaut, sie steht auf tönernen Füßen. Ob im US-amerikanischen Wahlkampf, wo sie vom derzeitigen Amtsinhaber nicht nur in diesen Tagen mit Füßen getreten wird, oder in pseudo-demokratischen Staaten, in denen Demonstrierende von Machthabern auf offener Straße verschleppt und inhaftiert werden, nur um an der Macht zu bleiben, jeder Blick zeigt in aller Klarheit, wie der Demokratiebegriff in Deutschland gelebt wird. Und dann sieht man gerade hier Menschen auf den Straßen, die ihre Meinung äußern dürfen, ohne Angst vor staatlichen Repressalien zu haben, die diktatorische Zustände beklagen. Man versteht es kaum. Man mag es nicht fassen. Es ist an der Zeit, sich mit diesem abstrakten Begriff auseinanderzusetzen, der gerade jetzt das Abstrakte verliert und wieder zu dem wird, was er eigentlich einmal war. Die Demokratie – Ein Gefühl.

Demokratie - Eine deutsche Affäre - Hedwig Richter - Astrolibrium

Demokratie – Eine deutsche Affäre – Hedwig Richter

Hier erscheint Demokratie – Eine deutsche Affäre – Vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart von Hedwig Richter genau zum richtigen Zeitpunkt. Ihr geht es nicht um eine weitere Theoretisierung oder begriffsgeschichtliche Abhandlung, sondern um das Projekt der Demokratie, das für Hedwig Richter untrennbar mit Menschenwürde in unterschiedlichen Epochen verbunden ist. Nein, das ist keine reine Politikwissenschaft, der man nur nach einem abgeschlossenen Studium folgen kann. Das ist etwas zutiefst persönlich Ausformuliertes, das den Nerv der heutigen Zeit trifft. Demokratie als Affäre zu bezeichnen, ist schon der ausschlaggebende Impuls eines Buches, dem man sich nur neugierig und wissbegierig öffnen kann. Leidenschaft, Empathie und Mitgefühl im gesellschaftlichen Miteinander sind Stellgrößen, an denen sich die Autorin durch eine Geschichte bewegt, die von Haus aus nicht für Demokraten geschaffen schien.

Schnell wird klar, dass die deutsche Affäre keine deutsche Angelegenheit ist. Es sind die in den Vereinigten Staaten von Amerika ausgesäten zarten Pflanzen, die in der Unabhängigkeitserklärung zu keimen begannen. Es ist eine Französische Revolution, in der das Volk die Monarchie und den herrschenden Adel in puren Gewaltorgien kopflos machte. Es sind die großen Vordenker, die zu Paper brachten, was es bedeutet, einer Philosophie zu folgen, die besagt, dass alle Menschen gleich sind. Hedwig Richter hat die Begabung, diese Ausgangssituationen so leichtfüßig zu beschreiben, dass man nie ins Stocken kommt. So kann, so muss Politik erzählt werden. Nur so wird aus der, von der Autorin so trefflich benannten Staatsaffäre wieder ein Demokratieverständnis, das uns bewegt und motiviert. Dieses Buch liefert Erklärungen und ist ein Frühwarnsystem für Menschen, die mit offenen Augen die Welt der Nachrichten und Medien betrachten.

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Demokratie – Eine deutsche Affäre – Hedwig Richter

Hedwig Richter arbeitet sich anhand von vier Thesen durch die zweihundertjährige Demokratiegeschichte unseres Landes. Ihre Betrachtungsschwerpunkte sind dabei so überraschend, wie neu. Demokratie als Geschichte des Körpers zu beschreiben, wird nicht nur gewachsenen Demokraten die Augen öffnen. Vom Leibeigenen, versklavten und misshandelten Menschen bis hin zu jenem Individuum, dessen Würde unantastbar ist, war es ein weiter Weg voller Missverständnisse und Irrungen. Bis diese Freiheiten auch für Frauen galten, war es ein ebenso weiter Weg. Demokratie als Körperlichkeit bietet überraschende Einsichten, die dem ständigen Wandel unterworfen sind. Mitleid hatte Konjunktur. Mitgefühl sorgte für eine Meinungsänderung. Der Mensch war nicht mehr nur zu züchtigen, sondern zu beteiligen, da nur die Identifikation mit dem Staat dafür sorgt, dass er sich für ihn engagiert. Richter geht allen relevanten Fragen nach. Ist Demokratie das „Geschenk von Eliten“ und Theoretikern oder musste sie immer mit hohem Blutzoll erkämpft werden? Ist Demokratiegeschichte auch immer gleichzeitig die Geschichte der Einschränkungen der Freiheitsrechte, die man ertragen muss, um die Rechte aller sicherzustellen? Und nicht zuletzt stellt sie sich der Frage, ob Demokratie nur national funktionieren kann, oder ob sie verlässliche Partner braucht, die sich dem gleichen Wertevorrat verschrieben haben.

Hedwig Richter beschreibt eine lebendige Demokratiegeschichte, die fortdauert. Die Gefahren sind und bleiben augenscheinlich. Der „Zivilisationsbruch“ Holocaust hat es gezeigt. Sich selbst ad absurdum führende Demokratien wie die Weimarer Republik waren Steigbügelhalter der Autokraten. Empathie hat eine überschaubare Halbwertzeit, wenn man nicht täglich für sie kämpft. Demokratien leben in Dauerkrisen, müssen sich täglich beweisen und haben vieles zu ertragen, um ihren Status quo zu wahren. Einzig der Gewalt von unten hätte die Autorin mehr Bedeutung zumessen können. Skizziert sie doch andererseits einleuchtend, wie sehr das Gewaltmonopol der Exekutive für die antizivilisatorischen Exzesse im Dritten Reich verantwortlich war. Widerstand ist oftmals die Triebfeder für dauerhafte Veränderungen. Ebenso, wie Terrorismus von innen im demokratischen Prozess eine entscheidende Rolle bei der Destabilisierung spielt. Eine Demokratie ist keine gewaltfreie und in Schongängen zu erreichende Utopie.

Insgesamt jedoch legt die Historikerin der Bundeswehr-Universität München eine schlüssige, in einigen Aspekten gar „revolutionäre“ Demokratiegeschichte in die Hände der interessierten Leserschaft. Ein lautes Statement gegen Politikverdrossenheit und die Sichtweise: Ich allein kann eh nichts ändern. Ein Ende dieser Demokratiegeschichte ist nicht in Sicht. Wie hoffnungsvoll wir in die Zukunft gehen, liegt an uns. Und an einer gehörigen Portion Glück, was die Autorin selbst einräumt. Meine persönliche Affäre mit der Demokratie basiert auf den Werten, die ich in diesem Buch fand. Bemerkenswert.

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Demokratie – Eine deutsche Affäre – Hedwig Richter

Richters Demokratie. Eine deutsche Affäre ist für den diesjährigen Bayerischen Buchpreis in der Kategorie Sachbuch nominiert. Da ich dieses Literatur-Event als Literaturblogger begleiten darf, habe ich mich intensiv mit diesem Buch beschäftigt. Die Preisverleihung erfolgt am 19. November 2020. Die bis zu diesem Tag veröffentlichten Artikel finden Sie auf meiner Projektseite zum weißen Porzellanlöwen. Gemeinsam mit den Buchbloggern Sophie Weigand von „Literaturen und Thomas Hummitzsch von „Intellectures“ wage ich erneut den Versuch, mich den Nominierten neutral zu nähern. Nominiert sind:

Max Czollek: Gegenwartsbewältigung (Hanser Literaturverlage)
Jens Malte Fischer: Karl Kraus. Der Widersprecher (Zsolnay Verlag)
Hedwig Richter: Demokratie. Eine deutsche Affäre (C.H.Beck Literatur)

Warum ich bereits jetzt denke, dass Hedwig Richters Demokratie-Werk Potenzial hat, diesen Preis zu gewinnen? Weil Jo Biden vor wenigen Tagen sagte „Demokratie ist manchmal kompliziert und chaotisch“. Weil die Demokratie Gefahr läuft, verloren zu gehen, weil man sich ihrer nicht mehr bewusst ist. Es sind Hedwig Richters Thesen, an denen sich eine Demokratie künftig messen lassen muss. Es sind ihre Thesen, die uns als Richtschnur und Maßstab dienen, um Missbrauch zu erkennen. Die Würde dieses Buches ist unantastbar!

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Demokratie – Eine deutsche Affäre – Hedwig Richter