„Eine allgemeine Theorie des Vergessens“ von J.E. Agualusa

Eine allgemeine Theorie des Vergessens – José Eduardo Agualusa

Rein literarisch gesehen habe ich eine sehr spezielle Theorie, welche Bücher man getrost vergessen darf. Es sind diejenigen Werke, die im Einerlei des oberflächlichen Erzählens weder durch Inhaltsreichtum, noch durch sprachliches Geschick bestechen. Dann wieder gibt es Bücher, die dem Leser in Erinnerung bleiben, weil zumindest eine dieser Komponenten im Text aufzuspüren war. Unvergessen brennen sich jedoch jene Romane in unser Lesegedächtnis ein, die mehr zu bieten haben, als man es gemeinhin erwarten darf.

Eine allgemeine Theorie des Vergessens“ von José Eduardo Agualusa reiht sich gleich aus mehreren Gründen in den Reigen brillant erzählter und außergewöhnlich gut konstruierter Romane ein, die ihre Spuren beim Lesen hinterlassen. Darüber hinaus ist der Schauplatz der Geschichte so ungewöhnlich, neu und fast unentdeckt, dass man in jedem Kapitel Neuland betritt. Mir zumindest ging es so, was die Revolution in Angola betrifft. Ich musste mich rückversichern, in welcher Zeit diese Handlung angesiedelt ist und in welchem politischen Kontext man den Revolutionsbegriff zu verstehen hat. Hier stieß ich auf eine große Lücke in meinem Wissen. Neuland. Ich mag diese literarischen Pionierleistungen sehr, weil ich mich dann wie ein Entdecker fühle.

Eine allgemeine Theorie des Vergessens – José Eduardo Agualusa

Wir befinden uns in Angola und ich bin damit lesend zurück in Afrika. Der dunkle Kontinent hat mich in meiner Artikelreihe „Ich hatte einen Blog in Afrika“ schon häufig in eine für mich völlig fremde Welt entführt. Eines haben diese Bücher gemeinsam. Die tiefen Verletzungen einzelner afrikanischer Länder durch die Wunden, die europäische Kolonisatoren in das Land und die Menschen geschlagen haben, um hier Ausbeutung und Reichtum in Reinkultur zu zelebrieren. So auch in Angola. Zumindest bis zum Jahr 1974, als die Kolonialmacht nach der Nelkenrevolution im eigenen Land unversehens beschloss, allen Kolonien die Unabhängigkeit zu gewähren. Portugal zog sich zurück.

Und wie es uns die Geschichte lehrt folgt auf jede Revolution ein Vakuum, in dem die Neuverteilung der Macht hart umkämpft wird. So auch in Angola. Die Befreiung von den Kolonisatoren führte unmittelbar in einen Bürgerkrieg. Drei Parteien kämpften verbissen um die Vorherrschaft im eigenen Land und so brach 1975 das Chaos aus. In der Hauptstadt Luanda war niemand mehr seines Lebens sicher. Die Revolution frisst ihre Kinder. Ein Motto, das seit der französischen Revolution zeitlos gültig blieb. Genau in diesen historischen Kontext platziert José Eduardo Agualusa seinen Roman, der in seinem Kern auf einer wahren Geschichte beruhen soll (auch wenn der Schriftsteller in aller Deutlichkeit die reine Fiktion der Handlung betont).

Eine allgemeine Theorie des Vergessens – José Eduardo Agualusa

Unkalkulierbare Gewalt, instabile Verhältnisse und keine Möglichkeit, Freund und Feind voneinander unterscheiden zu können. Das ist der Startpunkt der Geschichte. Ein Startpunkt, der die Portugiesin Ludovica Fernandes Mano dazu bringt, im Luanda des Bürgerkrieges unterzutauchen, bis die Luft rein ist. Nachdem sie den ersten Angriff auf ihre Wohnung abwehren konnte (mit einem tödlichen Blattschuss), zieht sie es vor, sich im obersten Stockwerk des Hochhauses, in dem sie lebt, einzumauern. Sie haben richtig gelesen. Ludovica zieht eine Mauer vor ihre Tür, beginnt die Dachterrasse in ein Biotop zu verwandeln, lebt von gefangenen Tauben und einer kleinen Hühnerzucht und verschwindet von der Bildfläche.

Den Bürgerkrieg beobachtet sie als Zaungast mit bester Aussicht. Verfolgung und Erschießungen sind an der Tagesordnung. Die Gewalt tobt in allen Straßen. Sicherheit findet Ludovica nur in ihren eigenen vier Wänden. Ein Zustand, an dem sie nichts mehr ändern möchte. Ihre Vergangenheit und die umkämpfte Gegenwart sorgen dafür, dass ihr selbst gewähltes Exil dreißig Jahre lang währt. Dreißig Jahre, die Ludos Dasein als Eremitin dauert. Eine Zeit, in der sie das Leben draußen nur in Radio-Ausschnitten und Gesprächsfetzen erlebt. Dreißig Jahre in denen sie Bücher verbrennt, um die Wohnung zu heizen. Jahrzehnte in der die reale Welt die klauen nicht mehr nach ihr ausstreckt.

Eine allgemeine Theorie des Vergessens – José Eduardo Agualusa

Das hat etwas von Emma Donoghues „Raum“. Die Innenperspektive, die in beiden Fällen durch äußere Gewalt verursacht wird, lässt in der dramatischen Abkapslung von der realen Welt Parallelen erkennen, nur ist Ludo ihre eigene Gefangene im Gefängnis ihrer Wahl. Und doch vergleicht man beide Perspektiven, die Ängste und letztlich denkt man immer wieder an den Tag, an dem die Mauern fallen. Mit welcher Wucht bricht das Leben dann in den Stillstand ein? Wie kann man das verkraften. Ludovica beginnt ihre Wände wie ein Tagebuch zu beschreiben. Sehnsuchtstexte allesamt.

Der besondere Reiz dieses Romans liegt darin begründet, dass Ludovica die Welt verändert, ohne dies überhaupt zu bemerken. Sie tritt Ereignisse los, die unkontrollierte Folgen nach sich ziehen. Sie beobachtet passiv, ohne zu ahnen, dass sie in das Leben anderer Menschen in Luanda extrem eingreift. Hier fliegt uns diese Geschichte wie eine gebratene Taube in den Mund, da alles mit Tauben beginnt. Womit auch sonst, sind es doch die Ratten der Lüfte, die für Ludo überlebenswichtig sind. Wenn sie eine Taube in einer Falle fängt, dann genau die Brieftaube mit einer wichtigen Botschaft am Bein.

Eine allgemeine Theorie des Vergessens – José Eduardo Agualusa

Wenn sie eine Taube erfolglos anzulocken versucht, indem sie das Tier mit kleinen leuchtenden Steinen ködert, dann verwendet sie Diamanten. Einmal aufgepickt und in die Freiheit entschwunden, beschenkt diese Taube ahnungslose Menschen mit einem unermesslichen Reichtum. Und so werden wir in diesem Buch zu Zeugen einer Zeit, in der ein ganzes Land am Rad dreht. Opfer und Täter begegnen einander mehrfach und in ganz unterschiedlichen Rollen. Gefangene und Wärter werden angesichts der Gewalt fast zeitgleich miteinander verrückt. Polizisten leiden an der Angst, nicht vergessen zu werden. Identitäten werden gewechselt, Erschossene sterben mehrfach und das Haus der Bescheidenen, in dem Ludo lebt, ist das Auge im Orkan des Sturms der Zeit.

José Eduardo Agualusa fabuliert meisterlich. Nichts steht in dieser Geschichte nur für sich allein. Alle Handlungsfäden sind miteinander verwoben. Jede kleine Handlung ist in der Lage, eine Welle von Ereignissen loszutreten, die unkalkulierbare Folgen hat. Solche Geschichten schreibt nur das Leben, oder eben ein großartiger Autor. Am Ende fällt die Mauer. Am Ende des Lesens konfrontiert uns der Autor mit den Wahrheiten der Geschichte. Am Ende steht Ludovica den Menschen gegenüber, deren Leben sie ganz unbewusst verändert hat. „Eine allgemeine Theorie des Vergessens“ wird in diesem Schlussakkord zur Präambel eines Romans, den man nicht so schnell vergessen wird.

Nach Angola führt mich mein Weg nach Ghana….

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„H wie Habicht“ und „Falke“ von Helen Macdonald

„H wie Habicht“ und „Falke“ von Helen Macdonald

Für uns sind Habichte und Falken einfach Greifvögel. Aus Laiensicht kann man bei dieser Einordnung eigentlich keine Fehler machen, dachte ich zumindest. Und doch ist es nicht so einfach, wie es scheint. Nur die Habichtartigen sind fleisch­fressende Vögel dieser Ord­nung, während die Falken­artigen eher mit Papageien verwandt sind. Na, wer hätte das gedacht? Wie ich darauf komme? Ganz einfach. In den letzten Tagen hat sich meine kleine literarische Stern­warte zum Tauben­schlag entwickelt, zumindest was die Präsenz der Jagdkönige der Lüfte betrifft. Und obwohl Habicht und Falke sich so sehr voneinander unterscheiden, wie Hund und Katze, widme ich ihnen hier einen Artikel.

Schuld daran ist Helen Macdonald, die sich zeitlebens der unglaublichen Faszination dieser Vögel ver­schrie­ben hat. Dabei sind im Lauf der Zeit zwei Bü­cher entstanden, die zwar durch Verlage getrennt sind, von uns Lesern jedoch vereint werden sollten, um in unserem Bücher­nest gemeinsam zu brüten, weil sie viel mehr beinhalten als man von Sach­büchern im eigentlichen Sinne erwarten kann. Sie beschreiben keine Sache, sind nicht als anthro­polo­gische Lehrschriften zu verstehen und werden niemals in unserem Leben im Bücherregal verstauben. Beide Bücher gehen Hand in Hand, wenn wir erneut mit der epischen Begegnung zwischen Mensch und Tier konfrontiert werden, die in der Literatur ihre tiefen Spuren hinterlassen hat.

„H wie Habicht“ und „Falke“ von Helen Macdonald

Die Lebensaufgabe…

Bekannt wurde Helen Macdonald in Deutschland mit Mabel. So zumindest heißt der Greifvogel, den sie zähmen und mit dem sie, einer jahrhundertealten Tradition folgend, auf Jagd gehen wollte. H wie Habicht entwickelte sich schnell zum Bestseller. Nicht, weil die Leser dieses Buches davon träumten, plötzlich selbst Falkner zu werden. Eher, weil es Helen Mac­donald so anschaulich gelang, die Psychologie des Menschen in das Zentrum der Betrachtung zu rücken. Warum richtet man einen Greifvogel ab, warum ist es so schwierig, sich auf ein Tier einzu­lassen, das im eigent­lichen Sinn als uner­ziehbar gilt und was macht diese Leiden­schaft mit dem Menschen selbst? Hier wurde aus dem Habicht schnell eine gelungene Metapher für alle fast aussichts­losen Ziele, denen man im Lauf seines Lebens hinterher­jagen kann.

„Die Suche nach Habichten ist wie die Suche nach Gnade:
Sie wird einem gewährt, aber nicht oft,
und man weiß nie, wann oder wie.“

Der Habicht Mabel wird zur Lebensprüfung für Helen Macdonald. Ihr Buch „H wie Habicht“ liest sich wie der Mix aus einem Seelenstriptease der Autorin und der in sich geschlossenen Betrachtung der Heraus­for­der­ungen und Risiken, die für den Menschen bei der Kon­fron­tation mit der unzähmbaren Natur bestehen. Be­fremd­lich wirkt ihr Buch an vielen Stellen. Be­fremd­lich wirkt, wie man sich dem Habicht als solchem nähert. Als Außenstehender zuckt man unwill­kürlich zurück, wenn man liest, dass es das Größte ist „einen Habicht zu fliegen“. Das hört sich eher an, als hätte man es mit einem kleinen Modell­flugzeug zu tun.

Das Vorbild – „The Goshawk“ von T.H. White

Das gescheiterte Vorbild…

Verstörend ist es zu lesen, wie seit Jahrhunderten mit Greifvögeln umgegangen wird, um sie zu in­stru­men­tali­sieren und ihnen unseren Willen aufzuzwingen. Es klingt wie ein reiner Sport, zu dessen Ausübung man eben ein lebendiges Tier benötigt. Dies ist mit unserem Ver­ständ­nis vom Umgang mit „Haus­tieren“ nur schwer in Ein­klang zu bringen. Genau hier setzt Helen Macdonald mit ihrem fesselnden Erzählstil an und ihr gelingt, was aus der Distanz heraus eigentlich kaum zu erwarten war. Man versteht die tiefe innere Motivation der Autorin, sich völlig auf ihre Mabel einzulassen. Man fühlt die tiefe innere Verbindung, die sie eingehen muss, um eins mit dem Habicht zu werden.

„Während der Habicht zahmer wurde, wurde ich immer wilder.“

Die Grenzen zwischen Habicht und Falkner ver­schwim­men. Helen Macdonald ist so sehr auf ihren Vogel fixiert, dass sie sich rettungslos in ihm verliert. Die Realität verliert für sie jegliche Kontur. Freunde, ihr Job und Kontakte zu anderen Menschen – all diese Fak­toren gehen in der Beschäftigung mit Mabel verloren. Und Helen Macdonald geht diesen Weg bewusst, da sie nur zu gut weiß, was sie erwartet. Der von ihr oft im Buch zitierte Schrift­steller T.H. White scheiterte all­umfassend im Versuch, seinen Habicht „Goshawk“ abzurichten. Dieses Scheitern steht Helen Macdonald konstant vor Augen und vor dem Hinter­grund ihrer Un­sicher­heit entwickelt sich die Angst vor dem eigenen Versagen

„H wie Habicht“ und „Falke“ von Helen Macdonald

Die epische Begegnung…

Helen Macdonald schreibt eigentlich viel mehr über sich selbst, als über den Weg zum perfekt erzogenen Greifvogel. Die Trauer um ihren Vater treibt sie in die selbst gewählte Isolation. Mabel ist dabei die perfekte Ausrede, der erhoffte Fixpunkt und die Fluchttür in eine Welt, in der man versinken darf. Dabei wirkt die Autorin authentisch, in jeder Hinsicht selbst­kritisch und kon­se­quent in der Ehrlich­keit, die sie an den Tag legt. Hier erlangt „H wie Habicht“ die erzählerische Dimen­sion, die man aus den anderen epischen Begeg­nungen zwischen Mensch und wildem Tier kennt. Was Kapitän Ahabs Hass auf Moby Dick ist, entspricht hier dem Verlust von Helen Macdonald. Greifvogel und Wal sind Ventile für die Bedürf­nisse und Seelennöte von Men­schen.

Ich bin Helen Macdonald über die Felder gefolgt, über denen Mabel zum ersten Mal fliegen sollte. Ich spürte ihre Angst, den Vogel zu verlieren. Ich habe ihr dabei geholfen, Mabel hinters Licht zu führen, weil die ver­meint­liche Dunkelheit unter der Leder­haube den Vogel beruhigte. Ich habe mich den neugierigen Blicken der Menschen gestellt, die nicht verstehen konnten, auf welches Abenteuer sich die Autorin bewusst ein­gelassen hat. Aber ich war auch tief in den Instinkten von Mabel und wollte mir so oft vorstellen, wie schön es sein müsste, ohne Glöckchen und Fesseln frei sein zu dürfen. Ich spürte den Neid der Autorin auf diesen Platz, den ein Habicht im Leben gefunden hat:

„Für mich war sie etwas Helles, Lebendiges, etwas,
das seinen sicheren Platz für sich gefunden hatte.
Sie sprühte geradezu vor Leben…“
 

„H wie Habicht“ und „Falke“ von Helen Macdonald

Vom Habicht zum Falken…

Fesselnd ist dieses Buch. Sympathisch wurde mir die Sichtweise der Autorin nie. Oftmals hofft man auf ihr Schei­tern, wünscht sich, dass Mabel in die Lüfte entschwebt und entkommt. Und doch kann man dieses Buch nicht zur Seite legen, weil es sich liest wie der ewige Kampf zwischen Gut und Böse, wie der Pakt zwischen Teufel und armer Seele. Wobei die Rollen niemals ganz klar zugeordnet sind, da der Habicht zur finalen Heimsuchung mutieren kann. Der Originaltitel des Buches „H is for Hawk“ klingt noch intensiver, als sei­ne Über­setzung. Als sei das H in seiner Aus­schließ­lichkeit für keinen anderen Begriff, als für den des Habichts reserviert, so gibt man sein Leben hin, wenn man ihn domestizieren möchte.

Wenn die Suche nach einem Habicht einer Gnade gleicht, dann wird sie uns Lesern in diesem Buch zuteil. Wenn wir dann noch mehr erfahren wollen über den Hintergrund und die Geschichte der Falknerei, ihre Tradition, die Abwege und die Menschen hinter den Greifvögeln, dann brauchen wir nicht lange zu suchen. Falke – Biographie eines Räubersstammt aus der gleichen Feder wie „H wie Habicht. Man muss Mabel nicht kennen, um sich den Falken anzuvertrauen. Und doch ist es wundervoll zu sehen, wo sich beide Bücher berühren. So unterschiedlich die Vögel sind, so sehr unterscheiden sich die beiden Werke. Sie sind wie Hund und Katze und doch weisen sie Parallelen in der Geschichte und Heran­gehensweise der Falknerei auf, die mehr als interessant zu lesen sind.

„H wie Habicht“ und „Falke“ von Helen Macdonald

Literarisches Freifluggehege…

Wir begegnen in Falke. Biographie eines Räubers Menschen wieder, die wir aus H wie Habicht bereits kennen. Der Falke ist versachlichter als der Habicht. So kann man den wesentlichen Unterschied auf den Punkt bringen. Und wie bei der berühmten Frage nach Huhn und Ei, so ist es der Falke, der zuerst geschrieben wurde, bevor der Habicht seinen Sieges­zug antrat. Hier sieht man deutlich, dass Helen Macdonald nicht unbewusst in die Welt der Falknerei stolperte. Sie ließ sich sehenden Auges auf Mabel ein. Jedes Risiko war ihr be­wusst. Ob es sich gelohnt hat? Diese Frage sollten Sie sich nach dem Lesen selbst be­ant­worten.

Bauen Sie ein Nest in Ihr Bücherregal. Polstern Sie es gut, vermeiden Sie laute und unerwartete Geräusche und dimmen Sie das Licht dezent. Dann setzen Sie die beiden Buchschätze in ihrem Lesenest aus und beginnen Sie vorsichtig mit dem Brüten. Viele ent­behrungs­reiche und doch zugleich er­hellen­de Stunden warten auf Sie und auf dem Weg zu Mabel und den Falken werden Sie eins mit der Welt von Helen Macdonald. Sie werden viele Kontakte einbüßen und in der freien Natur anders atmen, als Sie viel­leicht je zuvor geatmet haben. Sie werden auf den Klang fliegender Glöckchen achten und es kann sein, dass Ihnen Feldmäuse als Beute erscheinen. Behaupten Sie also nie, dass ich Sie nicht vor diesen beiden Büchern gewarnt hätte. Sie sind ebenso gefährlich, wie die ungezähmte Natur, weil man sie kaum selbst zähmen kann.

Falke – Biographie eines Räubers – Helen Macdonald

PS: Bringen Sie kleine Glöckchen an den Buchrücken an. Das garantiert, dass Sie den Weg dieser beiden Werke nachverfolgen können, wenn sie zum Freiflug abheben. Hier sind sie wie Habicht und Falke… Räuber Ihrer Lesezeit und Bereicherung des Lebens.

„H wie Habicht“ und „Falke“ von Helen Macdonald – Leseabenteuer

„Sterndeutung“ und die kleine literarische Sternwarte

Sterndeutung von Jan Himmelfarb

Sterndeutung von Jan Himmelfarb

Manchmal ist man einfach zu blind, um das Naheliegende zu erkennen. Manchmal ist man zu vertieft in den eigenen Ideen, dass man kaum realisiert, was man eigentlich geschaffen hat. Meine kleine literarische Sternwarte folgt seit Jahren einem tieferen Sinn. Buchsterne am literarischen Himmelszelt zu entdecken und Fixsterne zu finden, die auch im wahren Leben der Orientierung in dunkler Nacht dienen, das sind die Ziele, denen ich beharrlich folge. Dabei mein Lesen und Schreiben Gegen das Vergessen der Opfer des Holocaust als moralische Leitlinie zu sehen, war und ist meine wichtigste Intention.

Bisher betrachtete ich beides voneinander losgelöst. Ich war zu blind zu erkennen, was ich hier im übertragenen Sinne schon mit meiner Blog-Philosophie aufgebaut und umgesetzt habe. Literarischer Sternwärter wollte ich sein. Sternbilder entdecken, in der Weite des Bücheruniversums jene Gestirne finden, die immer leuchten und dabei mein Lesen unter den Stern des Erinnerns stellen. War ich wirklich zu blind um erkennen zu können, dass ich schon mit den ersten Gedanken an meinen Blog etwas ganz anderes verwirklicht habe? Ein Buch musste mir die Augen öffnen. Ein Buch, das meinem Blog eine völlig neue Bedeutung verleiht, obwohl sie unterschwellig seit den ersten Stunden meines Schreibens hier existierte. Ich habe sie nur nicht erkannt.

Sterndeutung von Jan Himmelfarb

Sterndeutung von Jan Himmelfarb

Sterndeutung“ von Jan Himmelfarb (C.H. Beck Verlag) ist ein facettenreicher und tief angelegter Genre-Hybrid aus historischem Familienroman, Bewältigungsliteratur und aktueller Reflexion zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Dabei blickt der Autor aus der Perspektive des russlanddeutschen Aussiedlers Arthur Segall in eine Vergangenheit zurück, die von Sternen geprägt war. Ein vergangenes Leben, das unter keinem gutem Stern begann und in dem Arthur Segall nur durch Glück und Zufall davor bewahrt wurde, mit Abermillionen anderen Sternträgern im endlos erscheinenden Treck der Sterne an Sternorte gebracht und dort ausgelöscht zu werden.

Denn Arthur Segall ist Jude. Sein Geburtsort steht nicht so genau fest, da er in einem Zug die Dunkelheit der Welt erblickte. Von Licht konnte keine Rede sein, da sich dieser Zug im Oktober 1941 auf der Flucht ins russische Hinterland befand. Das Unternehmen Barbarossa hatte begonnen und die Nazis begannen ihren Feldzug mit unglaublichem Tempo und ebensolcher Brutalität. Arthur Segall ist ein Kind des Zuges. Flüchtling in einer Zeit, in der andere Züge zu rollen beginnen. Der systematische Massenmord an der jüdischen Bevölkerung in den besetzten Gebieten beginnt und Deportationszüge in unvorstellbarer Zahl bestimmen den Fahrplan des Holocaust.

Sterndeutung von Jan Himmelfarb

Sterndeutung von Jan Himmelfarb

Für Arthur Segall sind es die Jahre, in denen die Nazis Menschen zu Sternträgern machen, sie danach als Sternschnuppen betrachten, um sie an den dunklen Sternorten Auschwitz, Treblinka und Sobibor für immer auszulöschen. Für Arthur sind es Jahre, an die er sich nicht eigenständig erinnern kann. Deshalb beginnt er im Alter von 51 Jahren zu recherchieren, niederzuschreiben und zu archivieren, was ihm und seiner Mutter auf der Flucht geschah, wer überlebte und wo die Wurzeln seiner Familie zu finden sind.

Er zeichnet ein Bild einer zum Tode verurteilten Generation. Er skizziert die Sterne seiner Familie, die erloschen sind, begreift das Glück, das ihm zum Überleben verhalf und beschreibt in quälenden Beschreibungen, was ihm und seiner Mutter erspart blieb. Die Abläufe der Sternenauslöschung. Die systematische und industrielle Vernichtung in einem Ausmaß, das noch immer unvorstellbar ist. Er beschreibt die Tilgung der ganzen jüdischen Galaxie vom Sternenhimmel.

„Ich habe einmal gelesen: Für die einen sind die Sterne Führer. Für andere sind sie nichts als kleine Lichter. Welche Sterne sah ich? Welche hörte ich? Alle, alle schwiegen.“

Sterndeutung von Jan Himmelfarb

Sterndeutung von Jan Himmelfarb

Der Ausgangspunkt seiner Betrachtung stellt den Bruch der Geschichte dar. Das Land der Täter wurde zur neuen Heimat des damaligen Flüchtlings und nun lebt er seit der Wiedervereinigung Deutschlands in dem Land, das damals die Sterne vom Himmel holte. Und Arthur Segall lebt gut, seine Tochter studiert an einer Elite-Universität und es könnte fast besser nicht sein. Und doch zeigt sein schonungsloser Blick, was hier unter Integration verstanden wird, wie Migrationshintergründe das Leben erschweren und es neuen Zuwanderern schwer gemacht wird, ihre Identität im neuen Leben zu bewahren.

Arthur Segall beschreibt eine ganz eigene Sternzeit. Sowohl in seiner alten als auch der neuen Heimat werden Sterne immer unterschiedlichen Gruppen zugeschoben. Ein gesellschaftliches Leben ohne Underdogs scheint nirgendwo auf der Welt möglich zu sein und das Zuschieben vollzieht sich in ähnlich präziser bürokratischer Genauigkeit, mit der auch der Holocaust organisiert wurde. Überall auf der Welt sind die Nachfolger der Wannseekonferenz in den Räderwerken der Verwaltungen zu finden. Sternzeit. Es ist immer Sternzeit.

Sterndeutung von Jan Himmelfarb

Sterndeutung von Jan Himmelfarb

Jan Himmelfarb gelingt mit Sterndeutung ein großer und aktueller Wurf ins Herz unserer Denkkultur. Seine Deutungshoheit ist polyglott und er entlarvt die Sternzeit in all jenen Ländern, die sich selbst als weltoffen und frei bezeichnen. Und gleichzeitig ist es sein Verdienst, der Gedenkkultur neue Impulse zu geben. Seine Sternbilder sind es, die das Gedenken an einzelne erloschene Sterne erhellen. Er setzt sie ins rechte Licht und ruft dazu auf, dem Versuch seines Protagonisten zu folgen. Der Blick zurück zeigt, wo man steht, warum man genau da angekommen ist, wo man ist und wie weit man zu gehen bereit ist, um nicht mitschuldig zu werden.

Hier schließt sich der Kreis. Ich bin Sternwärter. Nicht nur weil Bücher wie Sterne sind. Nein. Ich empfinde mich seit dem Lesen dieses Buches und vor dem Hintergrund meiner Hoffnung, den Opfern des Nationalsozialismus gedenken zu können noch viel mehr in der Pflicht, erloschene Sterne mit Namen zu versehen und aktiv zu verhindern, dass Menschen Sterne zugeschoben bekommen, damit unzufriedene Gruppen sich ein wenig besser fühlen. Ich habe meine kleine literarische Sternwarte schon längst in den Dienst der Sterndeutung gestellt. Dieses Buch hat mir allerdings die Augen geöffnet und verdeutlicht, unter welch gutem Stern wir geboren sind. Lasst ihn uns teilen.

Sterndeutung von Jan Himmelfarb

Sterndeutung von Jan Himmelfarb

Wer die Seele Russlands verstehen möchte, muss die Vergangenheit kennen. Das weite Land und seine Menschen in der literarischen Reflexion bei AstroLibrium:

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„Mein geheimes Tagebuch“ von Klaartje de Zwarte-Walvisch

Mein geheimes Tagebuch von Klaartje de Zwarte-Walvisch

Mein geheimes Tagebuch von Klaartje de Zwarte-Walvisch

Tagebücher sind handschriftliche Zeitmaschinen, die in ihrer unmittelbaren Wirkung auf den Leser treffen, der dann doch mit zumeist etwas mulmigem Gefühl in den Seiten versinkt, die er niemals hätte zu Gesicht bekommen sollen. Hätte Anne Frank geahnt, wie viele Menschen auf der Welt sich durch ihr Tagebuch bewegen, sie hätte wohl das ein oder andere Bekenntnis ihres Lebens anders formuliert.

Dies schrieb ich noch vor kurzer Zeit in meinem Artikel zum Tag des Tagebuches. Tagebücher sind zumeist authentisch, unterliegen nicht der Zensur und werden selten in der Absicht verfasst, sie zu veröffentlichen. Tagebücher finden sich auch heute noch im Nachlass von längst Verstorbenen und bieten immer wieder einen neuen Blick auf eine längst vergangene Zeit. Und immer, wenn man glaubt, schon fast alles über eine Epoche gelesen zu haben, wird man wieder von bisher unveröffentlichten Tagebüchern mehr als überrascht.

So auch diesmal. Ich stieß auf ein solches persönliches Dokument, das sich von fast allen Tagebüchern aus dieser Zeit deutlich abhebt. Seine Verfasserin schrieb es in der Hoffnung, dass es irgendwann entdeckt und von vielen Menschen gelesen wird. Seine Verfasserin schrieb es in solch schonungsloser Offenheit, dass es fatal gewesen wäre, wenn man es bei ihr gefunden hätte. Und seine Verfasserin war alles, nur keine große Schriftstellerin, keine Journalistin, sondern eine einfache holländische Näherin mit der Beobachtungsgabe eines stets wachsamen Geistes.

Und den musste sie haben in dieser Zeit.

Mein geheimes Tagebuch von Klaartje de Zwarte-Walvisch

Mein geheimes Tagebuch von Klaartje de Zwarte-Walvisch

Die Rede ist von der jüdischen Näherin Klaartje de Zwarte-Walvisch. Die Rede ist hier von ihrem Tagebuch und die Rede ist vom einem Zeitfenster März bis Juli 1943. Die Rede ist vom Holocaust und der Judenverfolgung in den besetzten Niederlanden. Die erst vor wenigen Jahren entdeckten Aufzeichnungen von Klaartje, die im Alter von 32 Jahren im Vernichtungslager Sobibor ermordet wurde, heben sich deutlich von den uns bisher bekannten Tagebüchern ab.

Mein geheimes Tagebuchbeginnt genau dort, wo andere Tagebücher abbrechen. Klaartje de Zwarte-Walvisch schreibt ihre ersten Zeilen nach ihrer Deportation in ein niederländisches Durchgangslager. Ihre Worte manifestieren sich in einem Notizbuch, auf dessen kartoniertem Deckel ein Kalender von 1933 abgedruckt ist. Sie schreibt mit Bleistift, sauber und ordentlich, als sei es die Reinschrift ihrer Notizen. Sie schreibt im Klartext, voller Verbitterung über ihr Schicksal, die Ungerechtigkeit und das Vorgehen gegen die jüdischen Mitmenschen und sie schreibt in Gefangenschaft. Unter Aufsicht!

Sie schreibt unter ständiger Lebensgefahr! Klaartje jedoch schreibt unbeirrt, weil sie bereits zu ahnen scheint, dass sie hier ihr Vermächtnis zu Papier bringt, sie schreibt in den wenigen Stunden, die ihr eigentlich zum Schlaf und zum Kraft tanken dienen, weil sie zu ahnen scheint, dass ihr die Zeit fortläuft. Und sie schreibt schonungslos und von tiefem Fatalismus erfüllt. Sie weiß, dass es kaum noch schlimmer kommen kann, sie ist sich sicher, dass man sie nicht noch mehr verletzten kann und hat abgeschlossen mit der Vorstellung eines friedlichen Lebens an der Seite ihres ebenfalls deportierten, aber von ihr getrennten, Ehemannes.

Mein geheimes Tagebuch von Klaartje de Zwarte-Walvisch

Mein geheimes Tagebuch von Klaartje de Zwarte-Walvisch

Das so entstehende Bild beschreibt den Tag der Deportation und den Schrecken der Inhaftierung. Klaartjes Beschreibungen sind so messerscharf, dass man sich dem Text an keiner Stelle entziehen kann. Sie reißt den Nazi-Machthabern und den eigenen Landsleuten, die mit ihnen kollaborieren, die Maske vom Gesicht. Sie schreibt aus der Perspektive einer entmenschlichten lebensunwerten Frau, die es hier mit ihren eigenen Worten allen zeigt. Jeder von ihr beschriebene Tag bohrt sich quälend ins Bewusstsein der Leser. Jeder Appell in der Kälte kriecht frostig in die eigenen Knochen.

Jede Provokation, jede Misshandlung und jede Drohung wird greifbar. Das Gefühl der völligen Hilflosigkeit und Verunsicherung bemächtigt sich des Lesers. Wutlesen ist das Motto unter dem wir uns von Seite zu Seite bewegen. Wissend, dass sie nur in der Lage war ein paar Wochen ihres Überlebens zu dokumentieren. Jedes Wort klingt wie eines der letzten Worte aus dem bald endenden Sprachschatz dieser einfachen Frau, die durch jedes Wort zu wahrer Größe aufsteigt.

Ihr geschärfter Blick lässt keine Fragen offen. Ihr Verstand klammert sich an ihren Bleistift. Das Schreiben selbst wirkt wie ein sich Bewusstmachen, dass man dies alles nicht träumt. An manchen Stellen können wir mit Klartje lachen, weil sie in ihrer klaren Sichtweise die NAZI-Gesellschaftsordnung völlig ad absurdum führt und demaskiert. An den meisten Stellen jedoch liest man hilflos, weinend, verzweifelt und erschüttert, weil der eigene Beschützerinstinkt versagt und die letzten Reste von Empathie auf Seiten der Mächtigen durch ihre Ideologie pervertiert sind. Man wird zum taumelnden Zeugen des Untergangs eines mutigen Lebens.

Mein geheimes Tagebuch von Klaartje de Zwarte-Walvisch

Mein geheimes Tagebuch von Klaartje de Zwarte-Walvisch

Es ist unerträglich, sich vorzustellen, was Klaartje erleiden musste. Die perfide Strategie der Nazis geht jedoch bei ihr nicht auf. Sie ergibt sich nicht kampflos in ihr Schicksal. Sie weiß, dass die Gerechtigkeit irgendwann siegen wird. Oder zumindest hofft sie dies. Ihr Tagebuch gibt ihr in den schwersten Stunden Halt und sie gibt ihren Mitgefangenen Halt, da sie zulässt, dass ihre Zeilen in der Baracke gelesen werden.

Sie veröffentlicht sich selbst in dieser hermetisch abgeriegelten Leidenswelt. Die Prämisse ihres Schreibens ist die Hoffnung, dass nichts im Verborgenen bleibt. Und so wird jeder Satz zu einer Botschaft an uns. Jedes Wort hat Signalwirkung und mit jeder Faser ihres Geistes klammert sie sich an die Hoffnung, den letzten Weg nicht sinnlos gehen zu müssen. Vor dem Weitertransport nach Sobibor gelingt es ihr, das geheime Tagebuch ihrem Schwager Salomon zuzustecken, der sie bis zum Zug begleitet. Hier beginnt sich die Hoffnung zu erfüllen, auch wenn es lange dauern sollte…

Ich hoffe inständig, dass alles, was ich hier aufgeschrieben habe, einmal die Außenwelt erreicht.“

Mein geheimes Tagebuchvon Klaartje de Zwarte-Walvisch ist für mich eines der bedeutendsten Zeitzeugnisse aus der Zeit der Nazi-Diktatur. Es ist Anklage und Abrechnung zugleich. Es verdeutlicht die schrecklichen Automatismen der Vernichtung menschlichen Lebens durch eine „Herrenrasse“, die ihre wahre Fratze nicht verbergen kann. Klaartjes Tagebuch ist auch heute noch Mahnung an unsere Generationen, sich nicht über andere Menschen zu erheben, sie als minderwertig zu bezeichnen oder sie auszugrenzen. In den seichten und harmlos wirkenden Anfängen liegt die Gefahr, dass die alten Automatismen erneut zu greifen beginnen.

Mein geheimes Tagebuch von Klaartje de Zwarte-Walvisch

Mein geheimes Tagebuch von Klaartje de Zwarte-Walvisch

Dieses Tagebuch spricht heute für sich selbst und legt Zeugnis ab. Es sind Worte aus der Hölle, die zu uns dringen und das Unfassbare greifbarer machen. Klaartje hat ihr Schreiben nicht überlebt. Sie hatte schon vom ersten Wort an keine Chance. Ihren Worten folgend spürt man in und zwischen den Zeilen, dass sie die Chancenlosigkeit sah, sich aber nicht von ihr besiegen ließ. Ihr Tagebuch muss gelesen werden. Es ist so wichtig, sich in Menschen hineinzuversetzen, die heute als Opfer gesehen werden. Der Weg durch die Hölle der Unmenschlichkeit ist und bleibt unbeschreiblich.

Ganz privat (und das sei mir hier gestattet) hat Klaartje viel mehr berührt. Sie war schon zum Zeitpunkt ihrer Deportation ins Zwischenlager schwer krank. Sie konnte nur essen, wenn sich ihre Speiseröhre nicht verkrampfte, was regelmäßig geschah. Meine Tochter verbindet diese Erkrankung mit Klaartje. Ich weiß, was es bedeutet, Hunger zu haben und nicht essen zu können. Ich weiß, was es bedeutet hätte, Lena ohne ärztliche Hilfe allein zu lassen. Ich weiß, wie sehr Klaartje gelitten hat, wenn sie das wenige Brot, das man ihr zuteilte nicht mal runterschlucken konnte. Mehr bringe ich nicht übers Herz an dieser Stelle. Und Tränen schreiben nicht.

Mein geheimes Tagebuch“ von Klaartje de Zwarte-Walvisch hat sich auf die Reise nach Dresden begeben, um dort unter der Überschrift „AstroLibrium – Die Nachlese“ von Verena gelesen zu werden. Ich danke für die Begleitung durch dieses Buch. Allein ist es sehr schwierig. Gerade in diesen Zeiten.

Mein geheimes Tagebuch von Klaartje de Zwarte-Walvisch - Verenas Nachlese

Mein geheimes Tagebuch von Klaartje de Zwarte-Walvisch – Verenas Nachlese

Die Nachlese mit Verena aus Dresden:

Ich bin sehr beeindruckt von Klaartje. Eine sehr starke Frau, die voller Hoffnung und Verzweiflung zugleich, oft sarkastisch festgehalten hat, was ihr und anderen Menschen widerfahren ist. Man hat das Gefühl neben ihr zu stehen, ballt beim Lesen unbewusst die Faust um irgend etwas gegen diese Menschenverachtung zu tun. Es rüttelt auf, egal wie intensiv sich jemand mit diesen Jahren beschäftigt hat.

Hart, realistisch und schonungslos schreibt sie über ihre letzten Tage. Mit Anne Frank nicht zu vergleichen, denn hier schrieb eine Erwachsene. Meine Empfehlung wäre tatsächlich: Schullektüre ab Klasse 9/10. Durch Klaartjes harte Worte wird die Ernsthaftigkeit dieses Kampfes um das nackte Überleben real. Wieder einmal bin ich unglaublich traurig und wütend über jeden Menschen der sterben musste und leider auch heute noch muss. Ich danke dir für das Vertrauen und dieses gute Buch, das hier in Dresden eine Reise durch den Freundeskreis antreten wird.

Mein geheimes Tagebuch von Klaartje de Zwarte-Walvischund mehr...

Mein geheimes Tagebuch von Klaartje de Zwarte-Walvischund mehr…

Gegen das Vergessen. Einer der absoluten Schwerpunkte meines Lebens.

AstroLibrium - Erzähl mir Deine Geschichte - Gegen das Vergessen

AstroLibrium – Erzähl mir Deine Geschichte – Gegen das Vergessen

Die Leipzig-Interviews 2016

Radioaktiv auf der Leipziger Buchmesse 2016

Radioaktiv auf der Leipziger Buchmesse 2016

Vor wenigen Stunden hat die Leipziger Buchmesse 2016 ihre Pforten geschlossen und schon sind die Interviews der kleinen literarischen Sternwarte bei Literatur Radio Bayern zu hören. Es handelt sich hierbei um besondere Gespräche, die in der Liebe zur Literatur begründet sind und gemeinsame Lesenswege beschreiben. Sie schließen Kreise, die in zwei Fällen bereits vor einigen Jahren vorgezeichnet wurden. Drei Messe-Interviews, die es in sich haben. Gespräche, die literarischer nicht sein könnten und die persönliche Ebene spielt hier eine mehr als große Rolle.

Zu jedem Interview findet ihr den Link zur Buchvorstellung bei AstroLibrium und eine kleine atmosphärische Diashow, die euch miterleben lässt, was wir dort erleben durften. Wir. Ja, ihr habt ganz richtig gelesen, denn ich wurde aus gutem Grund von Bianca begleitet, weil… Aber hört doch einfach selbst…

AstroLibrium und Literatwo – Zwei Blogs, ein Mikrofon, drei Autoren. Genießt es, so wie wir es genossen haben…

Radioaktiv auf der Leipziger Buchmesse 2016

Perikles Monioudis – Frederick – dtv – Das Interview

Frederick von Perikles Monioudis - Das Interview - Bald

Frederick von Perikles Monioudis – Mit einem Klick zum Interview

Große Momente des Lesens durfte ich in meinem Herzen einschließen. Unvergesslich bleibt für mich jener eine Tag, an dem Frederick seine Schwester Adele zum ersten Mal zum Tanz bittet. Das erste Mal ohne Bühne. Der erste Tanz der einstigen Wunderkinder nur zum Spaß. Nur ein Tanz. Einfach so. Monioudis braucht keine großen Worte, um seine Leser hier zu Zeugen eines großen Moments jenseits des Tanzes als Profession werden zu lassen. Literatur ist es hier, was wir lesen dürfen.

Perikles Monioudis spricht über die pure Lust am Schreiben, seine eigene Suche nach Perfektion, die Faszination Fred Astaire und gewährt tiefe Einblicke in sein Leben als Schriftsteller. Hört einfach zu. Es lohnt sich.

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Radioaktiv auf der Leipziger Buchmesse 2016

Catalin Dorian Florescu – „Der Mann, der das Glück bringt“ – Das Interview

Catalin Dorian Florescu - Der Mann, der das Glück bringt - Das Interview - Bald

Catalin Dorian Florescu – Der Mann, der das Glück bringt – Mit einem Klick zum Interview

Das Interview für Literatur Radio Bayern auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse stellte den wichtigen Abschluss dieser Lesereise dar. Vor fünf Jahren begegneten wir uns zuletzt. Seitdem hofften wir auf eine Fortsetzung. Für Bianca und mich ein ganz besonderer Moment, Catalin erneut zu einem Roman aus seiner Feder in ein Gespräch verwickeln zu dürfen. Wir gaben ihm den Raum, den er als Erzähler ausfüllt. Persönlich, kompetent und unglaublich tiefgründig…

Es war nicht die erste Begegnung mit dem Schriftsteller Catalin Dorian Florescu. Ein Rückblick, der sehr lohnenswert ist. Hier schließen sich literarische Kreise.

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Radioaktiv auf der Leipziger Buchmesse 2016

Benedict Wells – „Vom Ende der Einsamkeit“ – Literatwo – Das Interview

Vom Ende der Einsamkeit - Benedict Wells - Das Interview - Bald

Vom Ende der Einsamkeit – Benedict Wells – Mit einem Klick zum Interview

Er gibt keine Radio-Interviews. Er geht nicht in Talk-Shows. Er will nicht bekannter werden, als seine Bücher. Einen Hype um seine Person lässt er nicht zu. Er ist sprerrig. Er zieht sich weit hinter seine Bücher zurück. Die persönliche Begegnung mit Lesern ist ihm unglaublich wichtig.

Das sagt er selbst. Benedict Wells in einem Radio-Interview. Eine kleine Sensation, aber auch hier die logische Konsequenz einer ersten Begegnung vor vier Jahren. Wer sich von uns am wenigsten verändert hat, was unsere Fragen bei ihm auslösten und wie er auf das Notizbuch reagiert hat, das ihn nun begleitet… Ihr könnt es mit eigenen Ohren hören. Hier endete die Einsamkeit… es wurde sehr dreisam…

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Ich danke Perikles Monioudis, Catalin Dorian Florescu und Benedict Wells für die literarische und persönliche Offenheit in diesen Interviews, die eigentlich gar keine sind. Es sind Buchgespräche und Momentaufnahmen innerhalb der Literatur. Und doch sind sie viel mehr, wie man ganz leicht hören kann. Sie sind Stationen auf Lesewegen, die ewig währen mögen. Schreibt! Wir werden da sein.

Und ein besonderer Herzensdank an Bianca und Literatwo. Das ging nur zweisam und wird fortgesetzt. Mein Wort drauf.