Die kleine Feder – Ein Kleinod von Giorgio Faletti

Die kleine Feder von Giorgio Faletti

Die kleine Feder von Giorgio Faletti

Kennt ihr Angelo Branduardi? Den italienischen Barden mit der hauchzarten Stimme und den Balladen voller Liebe und Sehnsucht? Ich höre seine Lieder seit früher Jugend und verbinde federleichtes Träumen und romantisches Fliegen mit ihm. Seine Melodien gehören zu meinem Leben und haben mich mit ihrer tiefen Melancholie häufig gerettet. Seinen Namen in einem Buch vom Atlantik Verlag wiederzufinden war der Türöffner zu einem schwerelosen Leseerlebnis.

Ein italienisches Zitat leitet die Fabel Die kleine Feder von Giorgio Faletti ein. Es stammt vom Autor der Geschichte selbst und eben jenem Angelo Branduardi, was mich dazu verleitete, die Gemeinsamkeiten der beiden Künstler zu durchforsten. Die Ballade La regola del filo piombo handelt von einer kleinen Feder, die einerseits schwerelos schwebt, dann aber auch der Schwerkraft gehorchend zu Boden sinkt und dort verweilt. Der Dichter erschuf den Text, der Barde die Melodie.

„Anche il peso lieve di una piuma scende
se c’è un soffio d’aria che se la riprende
per follia di vento può salire su ma poi torna giù.“

Die kleine Feder von Giorgio Faletti

Die kleine Feder von Giorgio Faletti

Eine typische Branduardi-Ballade und trotz kaum existierender Italienischkenntnisse eine ganz besondere Sprachmelodie, die schnell ihren Weg ins Herz des Hörers findet. Es ist kein Zufall, dass ein Zitat aus diesem Lied quasi als Willkommensgruß in diesem Buch verankert ist. Von Feder zu Feder, von Künstler zu Künstler, von Herz zu Herz ist die Fabel angelegt und passt damit so gut in die Kategorie Westentaschenliteratur“. Bücher, die man immer bei sich tragen kann. Schwerelos, wie eine Feder und doch mit viel Gewicht für das tägliche Leben.

„Die kleine Feder“ nimmt nicht viel Raum ein. Die kleine Geschichte im kleinen aber feinen Büchlein umfasst gerade einmal achtzig Seiten. Seiten, die es jedoch gewaltig in sich haben, wenn es um die Tragweite der Botschaft und um ihren Hintergrund geht. Es ist eben viel mehr als eine kleine Geschichte. Es ist die letzte, posthum veröffentlichte Erzählung des bekannten italienischen Schriftstellers, Komponisten und Schauspielers Giorgio Faletti, der 2014 nach längerer Krankheit im Alter von 63 Jahren in Turin starb.

Die kleine Feder von Giorgio Faletti

Die kleine Feder von Giorgio Faletti

Seine Ehefrau Roberta Bellesini Faletti hat ihrem Mann im Vorwort des Büchleins ein liebevolles Denkmal gesetzt, seine Arbeit an dieser Geschichte skizziert und für uns Leser eine Brücke gebaut, die zeitlos tragfähig ist, wenn wir „Die kleine Feder“  lesen.

„Wenn ihr diese Fabel an einem klaren Tag lest, an dem
das strahlende Blau des Himmels euch zwingt, die
Hand schützend vor die Augen zu halten,
und wenn ihr euch nicht davor fürchtet,
einer Feder nachzulaufen, dann wird
ihr Flug euch in Staunen versetzen.“

Ich habe mich nicht gescheut, einer Feder nachzulaufen. Ich habe mich einfach mit ihr treiben lassen und bin dem Wind gefolgt, der hier die Rolle des Schicksals spielt. Ich habe mich dort niedergelassen, wo die Feder zu Boden sank und habe mich in die Luft erhoben, wenn ein neuer Windstoß sie an einen neuen Ort fliegen ließ. Ich begegnete den Menschen auf dieser federleichten Reise, war von ihrer Gier und ihrer Doppelmoral erschreckt und habe gehofft, sie würden in jener Feder vor ihren Augen das Wesen der Feder selbst erkennen. Vergeblich.

Die kleine Feder von Giorgio Faletti

Die kleine Feder von Giorgio Faletti

Giorgio Faletti lässt die Feder über die Abgründe des Menschlichen schweben. Er greift nicht ein, beobachtet weise und zurückhaltend und überlässt die Egoisten und die Empathielosen ihrem Schicksal. Als er sich am Ende der Reise selbst begegnet, ahnen wir, was geschehen könnte. Doch in einer meisterlichen Wendung lässt sich auch „Der Mann des weißen Blattes“ von der wahren Bedeutung der Feder überraschen. Dieses Ende lässt keine Zweifel daran aufkommen, was Giorgio in seiner Geschichte suchte.

Die kleine Feder hat mich in Erstaunen versetzt, ich höre Branduardis Ballade nun mit anderen Ohren, sehe Federn mit anderen Augen und habe etwas zurückgewonnen, was mir manchmal viel zu leicht abhanden kommt. Eine maßvolle Schwerelosigkeit mit einer sehr literarischen Portion Bodenhaftung…

Es geht bald weiter mit meinen „Westentaschenbüchern“. Der nächste Schachzug folgt genau an dieser Stelle, wenn ich mit einer Schachspielerin die Rochade wage.

Westentaschenbücher - Es geht mit einem genialen Schachzug weiter

Westentaschenbücher – Es geht mit einem genialen Schachzug weiter

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Advent, Advent, die literarische Sternwarte brennt…

Durch den Advent mit Mr. Rail

Durch den Advent mit Mr. Rail

So, oder so ähnlich könnte man die Stimmung beschreiben, die so langsam von mir Besitz ergreift. Weihnachtliche Dekorationen sprießen aus dem Boden und auch in den Buchhandlungen meines Vertrauens wird die Literatur zum schmückenden Beiwerk, da die weihnachtlichen Geschenkideen die Verkaufsräume erobern. Es duftet, glitzert und schmeckt nach Vorweihnachtszeit, egal wo man hinkommt. Ich mag diese Atmosphäre, weil sie mich schon jetzt ein wenig entschleunigen lässt. Ich freue mich so sehr auf die „staade Zeit“, das Lesen unterm Tannenbaum und die ruhigen Wohlfühltage zwischen den Jahren.

Und doch brennt die kleine literarische Sternwarte…

Sie brennt darauf neue Ideen umzusetzen, neue Wege zu gehen und gerade jetzt in der Adventszeit aus den gewohnten Mustern auszubrechen. Überraschendes zeichnet meine Kreativität aus und so wird es in diesem Jahr erstmals zwei Adventskalender bei AstroLibrium geben. Ich werde mich hier auf dem Blog der literarischen Variante dieses Weihnachts-Countdowns widmen. Ohne jede Hektik, ohne Stress und die Verpflichtung die vierundzwanzig Tage bis Weihnachten als Wettrennen gegen die Zeit zu empfinden.

Besucht meinen Literatur-Adventskalender und lasst euch einfach überraschen.

Der literarische Adventskalender

Der literarische Adventskalender

Ihr findet täglich ein aktuelles Buchcover, unter dem sich eine Frage befindet, die ihr sicherlich beantworten könnt, wenn ihr dem Link zum jeweiligen Artikel folgt. Es sind die Herzensbücher dieses Jahres, die euch durch die Adventszeit begleiten. Allerdings werde ich es euch nicht allzu leicht machen mit der Beantwortung der Fragen. Sonst ist es ja langweilig. Aber auch für euch selbst wird es entspannt. Ihr könnt jederzeit in das vorweihnachtliche Rätsel einsteigen, selbst am letzten Tag ist das noch möglich.

Ihr müsst nichts kommentieren, keine Likes hinterlassen oder Lebenszeichen von euch geben. Nein. Sammelt eure Antworten, führt ein privates AstroLibrium-Tagebuch und schickt mir eine Mail mit allen Lösungen. Aber bitte so, dass ich sie den einzelnen Adventskalender-Türchen zuordnen kann:

  • 1. Dezember: Die Lösung lautet…
  • 2. Dezember: Die Lösung lautet…
  • 3. Dezember: Die Lösung lautet… usw.
Hier findet ihr die Frage zum Buch des Tages...

Hier findet ihr die Frage zum Buch des Tages…

Einsendeschluss ist der 26. Dezember 2016. Schickt die Mail an die Mailadresse, die in meinem Impressum angegeben ist. Die meisten richtigen Antworten entscheiden dann über den Gewinner oder die Gewinnerin dieser kleinen Aktion. Es wartet ein tolles literarisches Starterpaket 2017 auf den astrolibrischen Rätselfuchs. Alle Genres sind vertreten, für jeden Geschmack ist etwas dabei und für Groß und Klein ist gesorgt. Na? Habt ihr Lust mitzuspielen, dann herzlich willkommen zum Adventskalender 2016.

Sollten mich mehrere komplett richtige Lösungen erreichen, überlasse ich es den routinierten Händen meiner Losfee, den Weihnachtsrätselfuchs 2016 zu küren.

Wo sind denn die Büchereulen?

Wo sind denn die Büchereulen?

Eulen? Wo sind die Büchereulen?

Tja, das ist die zweite Stufe der diesjährigen Adventsrakete. Vierundzwanzig Eulen aus eigener Züchtung werden pünktlich zum Beginn der Adventszeit ausgewildert und in die Obhut liebevoller Buchhändlerinnen übergeben. Sie sind bereits geschlüpft, sehr gut geschult und freuen sich auf ihre neue Herausforderung. Erstmals geht der Eulen-Kalender in einer Buchhandlung an den Start. Und nicht in irgendeiner…

Die Buchhandlung Lesezeichen in Germering war Schauplatz meines Praktikums und das wundervolle Team um Buchhändlerin Katrin Schmidt wird zu Gastgebern der flatterhaften Eulenschar. Eine Vitrine mit gemeinsamen literarischen Empfehlungen und Tipps zum Weihnachtsfest wird zum greifbaren Adventskalender für die Kunden dieses Büchertempels. Ihr könnt auf Facebook verfolgen, was die Büchereulen in Germering anstellen, wie sie neue Hüter finden und wie spannend das Leben im Herzen einer der schönsten Buchhandlungen des Universums sein kann.

Wir werden sehen, was sich unsere Buchhändlerinnen in den nächsten Wochen alles einfallen lassen, wenn es gilt, geeignete Hüter für die Büchereulen zu finden. Wir sind jedenfalls live dabei und werden auf unseren Facebook-Seiten berichten. Und nun wünschen wir euch eine besinnliche, rätselhafte und spannende Adventszeit mit tollen Überraschungen. Viel Spaß beim Raten, Recherchieren und viel Glück für den Gewinn am Ende der Vorweihnachtszeit.

Die Heimat der Adventseulen - Die Buchhandlung Lesezeichen Germering

Die Heimat der Adventseulen – Die Buchhandlung Lesezeichen Germering

Hier findet ihr unsere Facebook-Seiten:
Buchhandlung Lesezeichen Germering
AstroLibrium

Am 1. Dezember geht´s los mit dem rätselhaften Adventskalender 2016!

24 Tage literarischer Rätselspaß

24 Tage literarischer Rätselspaß

Göttin und Held – Eine antizyklisch erzählte Liebe

Göttin und Held von Gustaaf Peek

Göttin und Held von Gustaaf Peek

Eigentlich sollte ich diese Rezension mit ihrem Ende beginnen. Dort anfangen, wo die Buchvorstellung eigentlich in ihre abschließende Empfehlung oder Warnung an den potenziellen Leser mündet. Und nach diesem Ende sollte ich mich langsam nach vorne arbeiten. Antizyklisch rezensieren. Eigentlich sollte ich so vorgehen, da der Roman des niederländischen Schriftstellers Gustaaf Peek ebenso konstruiert ist und mit dem Ende der Geschichte beginnt, die unter dem Titel Göttin und Held bei DVA erschienen ist.

Also verweigere ich mich an dieser Stelle jeder chronologischen Vorgehensweise und zäume das literarische Pferd von hinten auf. Wundern Sie sich also nicht darüber, dass dieser Artikel mit einem Fazit beginnt und mit dem ersten Blick ins Buch endet.

Göttin und Held von Gustaaf Peek

Göttin und Held von Gustaaf Peek

Das Ende – Mein Fazit

Sollte man „Göttin und Held“ jemals wortgetreu verfilmen, wäre eine Altersfreigabe unter 18 Jahren nicht zu verantworten. Wollte man den Klappentext um einige Begriffe ergänzen, die es dem Leser erleichtern könnten, sich für oder gegen diesen Roman zu entscheiden, dann wären die Adjektive offenherzig und mysteriös durch erotisch und obsessiv zu ersetzen. Würde die Formulierung pornografisch nicht zu sehr verstören, sie wäre geeignet, im Wortsinn zu beschreiben, was „Göttin und Held“ im Zentrum der Geschichte miteinander verbindet.

Gustaaf Peek konfrontiert seine Leser mit einem außergewöhnlichen Roman, der in seiner Konstruktion und Erzählweise verstörend, betörend und voyeuristisch erscheint, im eigentlichen Sinn jedoch der Dynamik und Irrationalität der Beziehung zwischen den beiden Protagonisten mehr als gerecht wird. Selten las ich so nachdenklich, selten zog mich ein Buch so oft aus dem Lesen in mein eigenes Leben. Selten hat Melancholie so intensiv Besitz von mir ergriffen, weil ich schmerzhaft realisieren musste, dass am Ende einer lebenslangen Liebe nur die Leere bleibt, die sie zuvor auszufüllen vermochte.

Göttin und Held von Gustaaf Peek

Göttin und Held von Gustaaf Peek

Wenn ein Roman mit seinem Ende beginnt und sich gegen jede Chronologie zu dem eigentlichen Beginn nach vorne erzählt, dann fühlt man sehr schnell, was antizyklisches Erzählen auslöst. Man fängt mit den vielen Abschieden, den letzten Momenten und den Erinnerungen an, die in der Seele toben. Dann liest man sich vor zu den gemeinsamen Höhepunkten einer Liebe, der uferlosen Anziehungskraft und der Faszination, die zwei Menschen aufeinander ausüben. Und letztlich endet man dort, wo alles begann. Mit all dem Wissen um das Ende. Schmerzhaft ist dieses Lesen und doch kommt „Göttin und Held“ dem Wesen der Liebe in all ihren Schattierungen näher als ich es erwartet hatte.

Dies ist ein Roman ohne „Morgen“. Dies ist eine Geschichte, die das „Gestern“ mit Leben füllt und Erinnerungen zum Motor der eigentlichen Handlung macht. Dies ist eine Erzählung im Rückwärtsgang des Lebens. Das „Heute“ ist unumkehrbar. Das „Jetzt“ steht als Momentaufnahme unverrückbar fest und lesend strebt man nur noch danach, zu ergründen warum es so endet, wie es endet. Diese retrograde Entwicklung deckt alle Dimensionen und Abgründe des menschlichen Wesens ab. Wie bei einem Kinofilm, der zurückgespult wird, entsteht ein bleibender Eindruck der Faszination einer Beziehung, die nie eine Chance hatte, in einem Happy End in den Sonnenuntergang zu entgleiten.

Göttin und Held von Gustaaf Peek

Göttin und Held von Gustaaf Peek

„Göttin und Held“ beginnt im V. Buch mit dem 50. Kapitel. 330 Seiten trennen uns vom 0. Kapitel  und dem Anfang der Geschichte. Alles endet zu Beginn des Buches mit der Beerdigung von Tessa. Verstorben im Alter von achtzig Jahren. Eine Beisetzung im ganz kleinen Kreis. Alle hatte sie überlebt. Einen hat sie niemals vergessen. Marius. Im 49. Kapitel lesen wir seinen letzten, viel zu spät verfassten Brief an die geliebte Göttin. Im 48. Kapitel stirbt sie in Träumen an den Helden gefangen. Um ein Vierteljahrhundert hatte sie ihn überlebt. Fünfundzwanzig lange Jahre Sehnsucht nach der Sucht auf eine Leidenschaft, die ihr Leben bestimmt hatte.

Kapitel für Kapitel reisen wir durch die verlorenen Jahre einer jünger werdenden alten Frau, die der versiegenden Sexualität kämpferisch die Stirn bietet. Tessa lebt sie bis zuletzt in Gedanken an Marius in vollen Zügen aus. Ein Nachhall der erotischen und emotionalen Exzesse an seiner Seite. Ein Echo des blinden obsessiven Vertrauens zu einem Mann, der nur Weggefährte, nie jedoch Lebenspartner war. Eruptionen eines zur Vergangenheit gewordenen Liebesreigens in seinen Armen. Kapitel um Kapitel nähern wir uns der letzten Begegnung der Liebenden an, bis wir dann am Ende am Anfang von allem stehen. Nur wir Leser wissen, wohin alles führt. Sentimental ist der Rückblick auf das gelebte leidenschaftliche Liebesleben zweier Menschen, die schon gestorben sind.

Göttin und Held von Gustaaf Peek

Göttin und Held von Gustaaf Peek

Hier müsste jetzt eigentlich der Anfang der Rezension stehen. Hier müsste ich nun beschreiben, wie es sich anfühlte, ein Buch zu lesen, das im 50. Kapitel begann. Ja, ich könnte jetzt viel darüber schreiben, wie man sich selbst fühlt, wenn man in dieses Buch eintaucht und wie sehr man teilweise daran verzweifelt, wenn man die Konstruktion auf das eigene Leben bezieht. Nur das Heute ist existent und alle Erinnerungen bestimmen das Bild, das von einem Leben erhalten bleibt. Wenn dies der letzte Tag meines Lesens wäre… Wenn die Liebe meines Lebens längst vergangen wäre. Was bliebe?

Ich kann nicht mit dem Beginn enden. Es wäre die schlechte Kopie der Konstruktion eines außergewöhnlichen Romans, der ein Liebespaar auf der Suche nach sich selbst beschreibt, keine Spielart der lebensbestimmenden Sexualität auslässt, die Sehnsucht nach dem Vergangenen zum Leitbild erhebt und der Perspektivlosigkeit des Jetzt Raum und Tiefe verleiht. Ich kann nicht mit dem Ende beginnen. Vielleicht lese ich den Roman noch einmal von seinem Beginn an und starte auf Seite 333. Vielleicht würde dies Sinn machen. Die Sehnsucht nach Zukunft würde es jedoch nicht beseitigen. Eine Sucht, die „Göttin und Held“ überstrahlt und zu einem sinnlichen Leseabenteuer macht, das dem Ende einen neuen Anfang verleiht. Mit einem Brief…

Dieser späte Brief,
so lange nach jener Zeit.

Tessa und Marius.
Marius und Tessa.

Göttin und Held von Gustaaf Peek

Göttin und Held von Gustaaf Peek

Eine Frage bleibt am Ende, das der Anfang ist. Hätte ich mich anders verliebt, wenn mir das Ende schon im ersten Augenblick klar gewesen wäre? Hätte sich mein eigener Weg noch verändern lassen? Ich denke, nein. Das erste Gefühl veränderte mein Leben und ich selbst bin wohl erst im 30. Kapitel meines Liebens angelangt. Egal in welche Richtung ich nun schaue, es sind noch viele Kapitel bis zum zum Anfang vom Ende.

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„Jetzt, Baby“ – Treffpunkt um drei am Eck mit Julia Engelmann

Jetzt, Baby von Julia Engelmann

Jetzt, Baby von Julia Engelmann

Man sagt ihr nach, sie fange das virale Lebensgefühl einer Generation in ihren Poetry- Slam-Texten ein. Man sagt ihr nach, sie könne mit ihren Worten sowohl auf der Bühne, als auch in ihren Büchern mitreißen und berühren. Man sagt ihr nach, junge Menschen würden sich in ihrem Poesiesturm wiederfinden, neu entdecken und Zuversicht tanken. Man sagt ihr nach, dass sie spätestens seit ihrem sensationellen Internet-Erfolgs-Slam One Dayzur Stimme einer Jugend wurde, die sich auf der Suche nach dem wahren Sinn des Lebens oftmals in Oberflächlichkeit verliert. Man sagt ihr nach, sie habe viele Antworten auf offene Fragen zu poetischen Freiflügen verdichtet.

Sie – Das ist Julia Engelmann.

Man sagt mir nach, dass ich dem Lebensgefühl der Jugend von heute entwachsen sei. Man sagt mir nach, dass ich der Vorstellungswelt einer Quarter-Life-Crisis schon seit vielen Jahren entrückt sei. Man sagt mir nach, ich könne mit den Sorgen und Nöten der Jugendlichen wenig anfangen, weil ich meine Schäfchen ja längst im Trockenen habe. Man sagt mir nach, dass Poetry Slam für mich nur noch gute Unterhaltung sei, ohne der tiefen Suche nach Hoffnung, Zuversicht, Perspektive und Liebe folgen zu können. Man sagt mir nach, ich hätte ja schon ausgeliebt.

Ich – Das bin ich.

Jetzt, Baby von Julia Engelmann

Jetzt, Baby von Julia Engelmann

Was sollte also mich (54) dazu veranlassen, dem Aufruf von ihr (24) mit dem Titel „Jetzt, Baby“ zu folgen, ihr zuzuhören und mir dabei einzubilden, „Baby“ könne auch ich selbst noch sein? Was sollte mich dazu bringen, den Zukunftsängsten, Liebesnöten und Hoffnungsträumen einer jungen Frau zu folgen, zu deren Zielgruppe ich bestimmt nicht gehöre? Wo sollte eine Gemeinsamkeit, eine Lebensschnittmenge zu finden sein, die dafür verantwortlich ist, dass ich „Um drei am Eck“ auf Julia Engelmann warte?

So heißt nämlich einer der Texte ihrer neuen Poetry-Slam-Kollektion Jetzt, Baby“ und knüpft in meiner Gefühlswelt an ihren Auftritt beim 5. Bielefelder Hörsaal-Slam an, der für mich mehr als unvergessen ist, seit ich das Youtube-Video zum ersten Mal sah. „Eines Tages, Baby, werden wir alt sein…“ So beginnt sie und erweitert mit diesem ersten Satz das Spektrum derer, die sich aufgrund ihrer Jugend angesprochen fühlen, um jene, die schon bei „Eines Tages“ angelangt sind. Ich habe mich selbst hinterfragt, welche Geschichten ich erzählen könnte, wenn ich sie denn hätte erleben wollen.

Der Konjunktiv ihres Slams hat mich rückblickend ebenso zweifeln lassen, wie sie ihre jungen Zuhörer vorausschauend zweifeln ließ. Auch ich selbst habe mich mitreißen lassen und an all jene Geschichten gedacht, die mir selbst gehören und jene, an denen ich noch schreiben kann, um sie später zu erzählen. Vielleicht verdanke ich es diesem Text, dass ich ganz bewusst an meiner Geschichte schrieb und Sehnsüchten folgte, die heute für mich erfüllt sind.

Jetzt, Baby von Julia Engelmann

Jetzt, Baby von Julia Engelmann

Und jetzt stehe ich hier, um drei am Eck und warte. Ja, hier ist eine Verbindung zu Gedichten, die vom Erwachsenwerden handeln und doch weit davon entfernt sind, sich erwachsen anzuhören. Hier ist eine Schnittmenge, in der Julia Engelmann den Schnitt verweigert und ihren poetischen Erzählraum öffnet. Sie schließt mich nicht aus und gibt mir nicht das Gefühl, ihre Gefühle nicht teilen zu dürfen. Betonluftballons schweben in tristen Farben auch über meinen Visionen und Träumen. Dem Alltag zu entfliehen fällt mir ebenso schwer, wie der jungen Frau, die einfach mal loslassen möchte.

Ich habe die Verabredung nicht bereut. Julia Engelmann hat mir ihren bunten Mix an neuen Texten ins Gepäck geschmuggelt und wir sind einfach aufgebrochen. Ziellos ist die Reise an ihrer Seite nicht. Es ist wie auf dem Titelbild des Hörbuches. Man fühlt sich neben ihr auf der Schaukel sitzend, Schwung holend für die Flucht nach vorne, auf dem Höhepunkt des Wörterfluges aber auch den Weg zurück antretend. Erkennend, woher man kommt und wohin man eigentlich will. Melancholie, Sehnsucht und das befreiende Lachen über sich selbst, all dies kann man von Julia Engelmann lernen. Ihre Gedichte haben Gewicht, lasten aber nicht schwer im Gepäck des Lebens.

Ich habe mich für das Hören entschieden. Ich mag die Stimme von Julia Engelmann, ihren Rhythmus, ihre leisen Gluckser, die man nicht schreiben kann. Der Hörverlag hat „Jetzt, Baby“ ungekürzt im Programm. Der Goldmann Verlag hat es als Taschenbuch in die Welt gesetzt. Entscheidet euch selbst für einen Weg. Ich kann euch diesen puren Genuss nur ans Herz legen. Zeitlos schön. Ich bin noch weiter unterwegs mit ihr und ich habe eine große Portion Konfetti dabei! Ich habe nämlich noch lange nicht ausgeliebt.

Also komm, wir rennen weit weit weg,
dahin, wo uns keiner kennt.
Wir finden ein Geheimversteck.
Treffpunkt ist um drei am Eck!

Jetzt, Baby von Julia Engelmann - Die slammende Eulenhüterin

Jetzt, Baby von Julia Engelmann – Die slammende Eulenhüterin

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„Book of Lies“ von Teri Terry – Bücher lügen nicht

Book of Lies von Teri Terry

Book of Lies von Teri Terry

„Es gibt Dinge, die man lieber nicht tun sollte. Wie auf den Gleisen stehen, wenn ein Zug kommt, oder die Hand über eine offene Flamme zu halten.“

Oder das „Book of Lies“ von Teri Terry zu lesen, wenn man sich an einem frostigen Tag nach der Wärme einer gut erzählten Geschichte sehnt. Dann sollte man genau das nicht tun. Greift zu einer anderen Lektüre, aber lasst die Finger von diesem Roman mit dem eindrucksvollen Cover. Schon der Untertitel sollte zu denken geben: „Sie ist dein Zwilling, aber du darfst ihr nicht trauen.“ Na Bravo. Ich habe es trotzdem getan, weil sowohl die Aufmachung als auch die Ausgangssituation dieses Jugendbuches aus dem Coppenrath Verlag mir keine Chance ließen, es zu ignorieren.

Ich sollte diese Entscheidung bereuen. Gänsehaut, Spannungsattacken und frostige Leseatmosphäre haben von mir Besitz ergriffen. Die Nächte waren unruhig, die Tage in fiebriger Erwartung des nächsten Kapitels fahrig und nervös und die Lesestunden voller Spannung und Sorge. Leserherz, was willst du mehr. Doppelherz ist angesagt. Es geht um:

Zwillinge. Ein weites Feld in der Literatur und ein weites Feld im realen Leben. Wer hat nicht schon mal darüber nachgedacht, wie es wohl wäre, das Leben mit einem Zwilling zu teilen? Mit jemandem, der so fühlt und denkt, wie man selbst? Mit jemandem der so eineiig spiegelbildlich gleich aussieht, wie man selbst und mit dem man die ganze Welt an der Nase herumführen könnte? Aber eben auch mit jemandem, der zeigt, dass man selbst nur ein Teil eines Paares ist, das nur gemeinsam ein Ganzes ergibt. Wie wäre es wohl, ein Zwilling zu sein?

Book of Lies von Teri Terry

Book of Lies von Teri Terry

„Es ist, als würde ich in den Spiegel schauen. Selbst ihr Haar, das sie sich hinters linke Ohr gesteckt hat, fällt in einer weichen, feuchten Welle übers Gesicht, wie bei mir sonst.“

Eigentlich keine Überraschung, diese Ähnlichkeit zwischen Piper und Quinn. Das haben Zwillingsschwestern so an sich, dass sie sich gleichen, wie ein Ei dem anderen. Wäre da nicht ein kleines, aber entscheidendes Detail, das sie von unserer Vorstellung des idealtypischen Zwillingspärchens unterscheidet. Die beiden rothaarigen Mädchen lernen sich erst im Alter von siebzehn Jahren bei der Beerdigung ihrer Mutter kennen.

„Der Schock in ihren Augen ist nicht gespielt. Sie hat es nicht gewusst.“

Hier setzt die Autorin Teri Terry mit ihrer Geschichte an. Auf einem Friedhof fängt alles an. Nicht nur für uns als Leser, auch für die Zwillingsschwestern Piper und Quinn, deren Leben bis zu diesem Tag nicht unterschiedlicher hätten verlaufen können. Piper steht als trauernde Tochter am Sarg der Mutter, während Quinn sich als Außenseiterin und stille Beobachterin zur Trauergemeinde gesellt. Siebzehn Jahre nach ihrer Geburt sehen sich die beiden Mädchen zum ersten Mal und Teri Terry würzt diese Begegnung mit literarischem Treibstoff, der das „Book of Lies“ zum Pageturner werden lässt.

Book of Lies von Teri Terry

Book of Lies von Teri Terry

Tausend Fragen suchen nach Antworten. Warum wurden die Zwillinge schon bei der Geburt getrennt? Was verbindet sie? Wie hat sich ihre unterschiedlich erlebte Kindheit auf die beiden Mädchen ausgewirkt und welchen Geheimnissen können sie nur auf den Grund gehen, indem sie alle Mosaiksteinchen ihrer jeweiligen Erinnerungen zu einem gemeinsamen Bild vereinen? Zwei Perspektiven fesseln den Leser, der sich plötzlich im Mahlstrom einer dunklen Familiengeschichte voller mythischer Geheimnisse, Legenden und Gefahren wiederfindet.

Teri Terry hat sich nicht in das Klischee einer Hanny-und-Nanny-Story verstrickt. Sie spielt mit ihren Lesern, ebenso wie das Leben mit Piper und Quinn gespielt hat. Nur dass die beiden Mädchen siebzehn Jahre lang die Spielregeln nicht kannten. Während Piper in der scheinbar behüteten Welt mit Vater und Mutter aufgewachsen ist, war ihre Schwester gezwungen ein anderes Leben zu führen. Weitgehend abgeschottet und im Verborgenen. Gemeinsam gehen sie auf Spurensuche in der Vergangenheit und sind zum ersten Mal aufeinander angewiesen.

Hier mischen sich Mythen und Fantasy-Elemente mit alten Legenden. Wahrheit ist etwas sehr Subjektives, wenn das ganze Leben auf Lügen aufbaut. Kann man Wahrheit finden, wo eine ganze Familie versucht hat, genau diese zu verschleiern? Ist es wirklich so, dass Quinn die dunkle Seite des Zwillingspärchens darstellt? Ist sie eine Bedrohung für ihre Schwester und musste deshalb isoliert werden? Löst die Begegnung der beiden eine verhängnisvolle Kette alter Vorahnungen aus? Alle Wege führen zu einer Frau, die alle Antworten kennen sollte. Alle Wege führen zur gemeinsamen Großmutter und dem „Book of Lies“, dem Buch der Lügen, mit dem alles begann.  

Book of Lies von Teri Terry

Book of Lies von Teri Terry

Bei aller Geheimniskrämerei um die Ursache für die Trennung der Zwillinge, weiß Teri Terry bestens zu unterhalten. Piper und Quinn tauchen in die bisher unbekannte Welt ihres Gegenübers ein und sorgen für Verwirrung. Alleine schon Pipers Freund ist mit dem plötzlich auftretenden doppelten Lottchen in Rot sichtlich überfordert. Aus dem gemeinsamen Roadtrip in die Familiengeschichte wird für beide Mädchen eine Reise zu sich selbst. Die Sympathien des Lesers sind klar verteilt, doch sollte man sich nicht von all den Lügen täuschen lassen.

Das „Book of Lies“ ist mehr als nur ein Buch. Es steht über der Geschichte wie ein Mantra der Aufrichtigkeit, denn schnell wird klar, welche Bedeutung das Lügen für die Schwestern hat. Auch hier sind sie unterschiedlicher, als es ihnen lieb sein kann. Denn während Quinn auf die Wahrheit setzt, scheint es Piper nicht bewusst zu sein, dass es Lügen sind, die für die Zwillinge lebensgefährlich sind. Bücher lügen nicht, sagt man so schön. Das „Book of Lies“ macht da keine Ausnahme. Paradox? Nein! Sicher nicht.

Ein grandioser All-Age-Roman für Leser, die eine satte Portion „Twin & Mystery“ verkraften können. Jede Familie hat ihre Geheimnisse und Legenden. Niemand lässt sich gerne in Schubladen stecken, die mit der Aufschrift „Du bist gefährlich“ versehen sind. Wir alle sind auf der Suche nach den tiefen Wahrheiten unseres Lebens. Hier hat Teri Terry ihre Leser im Kern ihrer Seelen getroffen und ganz nebenbei und spielerisch wichtige Themen berührt, die das Leben von Zwillingen so geheimnisvoll machen. Ist es die Umwelt oder sind es die Gene, die dem Menschen die Richtung vorgeben? Fühlen und denken Zwillinge immer das Gleiche? Was geschieht, wenn man Eineiiges trennt?

Gefährliche Themen für Zwillinge, wie die Geschichte zeigt…

Book of Lies von Teri Terry

Book of Lies von Teri Terry

Doppelherz: Zwillinge und ihre Geschichten auf AstroLibrium

Auch im Mystery-Thriller „The Returned“ ist das Thema Zwillinge elementar für die Handlung. Aber eben ganz anders, als man es erwartet. That´s Horror.

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