Amos Oz und Mirjam Pressler Hand in Hand für „Judas“

Judas von Amos Oz - Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse - Übersetzung von Mirjam Pressler

Judas von Amos Oz – Nominiert – Preis der Leipziger Buchmesse – Übersetzung

Die deutsche Autorin und Übersetzerin Mirjam Pressler ist für ihre Übersetzung des Romans Judas“ von Amos Oz aus dem Hebräischen für den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Es ist mir eine ganz besondere Ehre, sie als einer der Bloggerpaten der Leipziger Buchmesse mit diesem Artikel bis zur Entscheidung der Jury begleiten zu dürfen. Dieser Artikel ist ihr und dem großen israelischen Schriftsteller in besonderer Weise zugeeignet.

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Die folgende Buchvorstellung können Sie sich auch gerne anhören. Rezensionen fürs Ohr auf Literatur Radio Bayern. Folgen Sie meinen Zeilen oder meiner Stimme in dieses einzigartige Buch und lassen sich dabei von den Bildern begleiten.

Judas von Amos Oz - Mit einem Klick zur Audio-Fassung der Rezension

Judas von Amos Oz – Mit einem Klick zur Audio-Fassung der Rezension

Es hat schon etwas von „Ziemlich beste Freunde“ auf israelisch, wenn man heute versucht, dem gerade bei Suhrkamp erschienenen Roman „Judas“ von Amos Oz auf die literarische Spur zu kommen. Ein Unterstützungsloser und beziehungsgescheiterter Israeli findet nach dem unfreiwilligen Abbruch seines Studiums  Kost und Logis bei einem schrulligen alten Mann, der physisch und psychisch gebrochen zu sein scheint. Ein kleines Taschengeld soll Schmuel dafür entschädigen, wenn er seiner einzigen und wichtigen Aufgabe in der Betreuung des Greises nachkommt: Reden. Diskutieren über Gott und die Welt. Mehr verlangt die geheimnisvolle Frau nicht, die ihn engagiert.

Die Regeln sind eindeutig und klar umrissen. Ein Gesprächspartner wird gesucht für jenen Gerschom Wald, kein Pfleger. Streit und Disput sind erwünscht, das hält ihn wach und aktiv. Über nächtliche Schreie und lautes Jammern sollte er sich nicht wundern. Es ist verboten, selbst besucht zu werden und über Details der Tätigkeit im Hause Wald sei kein Sterbenswörtchen zu erwähnen. Nirgendwo. Darüber hinaus sei es ihm strikt untersagt, im Haus nach ihr zu suchen. Jener Frau, die zwar vom Alter her fast schon seine Mutter sein könnte, in ihrer zurückweisenden und doch herausfordernden Art wie ein romantisch erotischer Angelhaken in Schmuels Fleisch zu schmerzen beginnt.

Was der 25jährige Student mitbringt? Jesus. Seine unvollendete Abhandlung über den Sohn Gottes aus der Sicht des Judentums. Und warum nicht mit Gerschom Wald genau da einsteigen, wo ihn die brutale Welt einfach herausgerissen hat? Über Gott und die Welt soll er sich mit ihm unterhalten. Nichts leichter als das, denkt sich Schmuel und erhofft sich dabei mehr über den alten Mann und die Frau herauszufinden, die hier zusammen leben, ohne liiert oder miteinander verwandt zu sein. Zwei nicht sonderlich religiöse Juden gehen den großen Geheimnissen von Glauben und Politik in Jerusalem auf die Spur.

Judas von Amos Oz - Nominiert fürd en Preis der Leipziger Buchmesse - Übersetzung

Judas von Amos Oz – Nominiert – Preis der Leipziger Buchmesse – Übersetzung

Jesus also. Der Messias des Christentums aus der Perspektive des Judentums. So beginnen die Gespräche mit dem alten Mann und was mit Gott beginnt, ufert schnell aus und endet in der Welt. Gerschom und Schmuel beginnen zaghaft und steigern sich in eine tiefe theosophische Diskussion, die so nachvollziehbar, brillant und greifbar ist, dass man als außenstehender Betrachter in die Quellen der Religionen und ihrer Gemeinsamkeiten und Differenzen blicken kann.

Bis dann schließlich Gerschom Wald einen Mann ins Spiel bringt, ohne den es das Christentum mit Sicherheit nicht gäbe. Jenen Apostel Jesu`, der allein schon durch seinen Verrat zum Synonym für diesen Begriff wurde und zum „Tschernobyl“ für die Juden schlechthin mutierte. JUDAS. Ohne seinen Bruderkuss keine Kreuzigung, ohne seinen Verrat keine Auferstehung und ohne dreißig Silberlinge keine Stigmatisierung. Das gesamte Judentum wurde durch Judas Ischariot zum Gottesmörder. Ohne ihn kein Hass, keine Verfolgung, ohne ihn kein Holocaust und ohne ihn kein Staat Israel. Ein Staat, der bis an die Zähne bewaffnet gegen eine antijüdische Welt kämpft.

Das ist im Winter 1959 / 1960 nicht anders, als in den Jahren zuvor und nicht anders als in unserer heutigen Zeit. Schmuel Asch und Gerschom Wald entwickeln dabei ihr eigenes religiöses Weltbild und gelangen durch ihre geistigen Höhenflüge zu neuen Sichtweisen und tiefen Einsichten. Der Verrat als Stigma erhält ein völlig neues Antlitz und der Begriff Opfer beginnt die Gespräche zu dominieren. Bis Schmuel schmerzhaft erkennen muss, wie Gerschom und die wundervolle Frau miteinander verbunden sind.

Judas von Amos Oz - Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse - Übersetzung

Judas von Amos Oz – Nominiert – Preis der Leipziger Buchmesse – Übersetzung

Während die beiden Männer einander näher kommen, scheint es für Schmuel keinen Weg zu geben, sich der faszinierenden Atalja zu nähern. Seine Träume von ihr werden zur wilden Obsession und ihre Unnahbarkeit zum magischen Anziehungspunkt. Erst als Schmuel einen Unfall erleidet und ans Bett gefesselt ist, kommt der Moment auf den er so lange gewartet hat. Und doch merkt er sofort, dass dieser Moment mehr zerstört, als er zu vereinen in der Lage wäre.

Der israelische Opfergang ist die große Gemeinsamkeit im Leben von Gerschom und Atalja. Es ist ein gemeinsames Opfer, das sie betrauern. Ein großer Verrat, den sie nie verwinden werden. Ein Verrat an sich selbst, verursacht durch ein zerrissenes Land, eine Politik und einen Glauben, der zu all dem führt, was vielleicht niemals so war, wie es überliefert wurde. Judas.

Ein eloquenter Taumel aus Zionismus, religiösem Eifer und sexueller Obsession beginnt die Handlungsfäden in einen unaufhaltsamen Strudel zu ziehen, an dessen Ende der Leser atemlos vor geteilten Leben in einer geteilten Stadt und vor geteilten Herzen steht. Und doch hätte es ganz anders kommen können, wenn man nur die Geschichte von Judas Ischariot richtig erzählt hätte.

Judas von Amos Oz - Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse - Übersetzung

Judas von Amos Oz – Nominiert – Preis der Leipziger Buchmesse – Übersetzung

Amos Oz erzählt sie richtig. Das habe ich sofort gefühlt. Er schreibt nicht über die jüdische oder die christliche Religion. Er schreibt über Glaubensfragen, philosophiert über den gemeinsamen Ursprung und den einen Tag, an dem sich die Geschicke der Welt für immer änderten. Amos Oz bringt uns Verräter nah und erklärt ihre große Gemeinsamkeit. Die Liebe zum Verratenen. Für ihn war Judas der erste, einzige und vielleicht letzte Christ. Mit seinem Selbstmord endete alles. Niemand hatte mehr an Jesus geglaubt und niemand hatte weniger Grund ihn zu verraten.

Dass Amos Oz seine Leser am Ende dieses Romans nach Golgatha führt, ist und bleibt eins der größten Leseerlebnisse meines Lebens. Am Ende aller Diskussion und am Scheideweg der Religionen selbst in einer Menschenmenge zu stehen, die sich wegen einer Kreuzigung versammelt hat, und dabei am Rande jemanden zu erkennen, der seit diesem Tag als der größte Verräter der Menschheitsgeschichte gilt, macht diesen Roman über Gott, die Welt und die Liebe zu einem der großen Romane unserer Zeit.

„Judas“ ist ein zutiefst politischer Roman. Er ist dabei religiös, ohne zu eifern. Zeitlos und epochal. Zionistisch und doch weltoffen. Kritisch differenziert und lasziv. Und unter der Oberfläche allen Lesens ist dieser Roman so verliebt, wie ein Roman nur verliebt sein kann. Leidenschaft und obsessives Verlangen sind Triebfedern des Seins. Der Rest ist nur Geschichte, und die ist manchmal einfach nur verfälscht überliefert und macht uns zu Verrätern an der eigenen Sache.

Judas von Amos Oz - Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse - Übersetzung

Judas von Amos Oz – Nominiert – Preis der Leipziger Buchmesse – Übersetzung

Ich spreche nun wirklich kein einziges Wort Hebräisch, und trotzdem wage ich einen kleinen Exkurs, der aus meiner Sicht erklären kann, warum Mirjam Pressler zu Recht als Übersetzerin von „Judas“ für den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 nominiert ist. Sie begleitet mein Lesen schon seit vielen Jahren und hat dabei unzählige Werke aus dem Zyklus Gegen das Vergessen für mich erlesbar gemacht. Sie hat mich fühlen und denken lassen, was ich niemals ohne ihre Hilfe verstanden hätte.

Und das aus einer Sprache heraus, die wohl in den letzten Jahren die größte aller denkbaren Herausforderungen für Übersetzer darstellt. Selbst Amos Oz bezeichnet seine Muttersprache als einen Vulkanausbruch mit so vielen neuen und tagesaktuellen Wortschöpfungen, wie sie sonst in keiner Sprache zu finden sind. Diese Sprache kämpft darum, nicht zur toten Sprache zu verkommen und dieser Kampf ist geprägt von einer unglaublichen Dynamik, der schrittzuhalten mehr als schwierig ist.

Wenn sich dann ein Roman auch noch mit drei Themenkreisen beschäftigt, die in sich ein solch unfassbar unterschiedliches Vokabular erfordern, um ihnen gerecht zu werden, dann ist die Übersetzung eines hebräischen Werkes mit politischen, religiösen und erotisch obsessiven Handlungsfäden eine Aufgabe für eine Übersetzerin, die sich der Dynamik der Sprache anpasst, und in sich selbst über einen Sprachschatz verfügt, der diesen komplexen Roman in unserer Sprache erzählbar macht.

Judas von Amos Oz - Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse - Übersetzung

Judas von Amos Oz – Nominiert – Preis der Leipziger Buchmesse – Übersetzung

Kein Buch wird durch den Prozess des Übersetzens und der Rückübersetzung wieder zu seinem Ausgangswerk. Jede Übersetzung lässt ein eigenständiges Werk mit einem eigenen urheberrechtlichen Anspruch entstehen. Ein Autor bringt  mit seinem Werk eine Fackel zum Leuchten, die in der Übersetzung auch für andere Kulturkreise in ihrer Strahlkraft sichtbar gehalten werden muss. Das ist hier mustergültig gelungen.

Aus einem schlechten Roman wächst in seiner Übersetzung kein Meisterwerk. Doch kann eine schlechte Transkription den besten Roman in einer anderen Sprache unlesbar machen. Bei „Judas“ sieht das anders aus. Hier gehen Amos Oz und Mirjam Pressler Hand in Hand. Einer der für mich aktuell interessantesten Romane unserer Zeit wird in all seinen Facetten aus dem hebräischen Original zu einem Leckerbissen, den ich inhaltlich, rhythmisch und sprachlich in vollen Zügen genießen kann.

Auch Mirjam Pressler hat neue Worte geschöpft. Neue Worte, die zuvor Amos Oz in seiner Sprache geschöpft hat. Dieser doppelte schöpferische Akt versetzt den Leser in ein inhaltlich geschlossenes Leseparadies, aus dem ihn kein Verrat der Welt mehr vertreiben kann. Ein Meisterwerk.

„Das Morgenlicht, das die Jerusalemer Mauern traf, wurde von diesen Mauern zurückgeworfen, weich und süß, Honiglicht, ein Licht, das Jerusalem, zwischen einem Regenfall und dem nächsten, an klaren Wintertagen streichelt.“

Judas von Amos Oz - Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse - Übersetzung

Judas von Amos Oz – Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse – Übersetzung

Unter allen Kommentatoren dieses Artikels verlose ich am Freitag um 19 Uhr ein Exemplar von „Judas“, das mir freundlicherweise von der Bloggerpaten-Jury der Leipziger Buchmesse zur Verfügung gestellt wurde…!

Warum würdest Du „Judas“ gerne lesen? Warum nur…?

UPDATE: Es ist vollbracht… Mein Patenkind hat gewonnen:

Mirjam Pressler - Preisträgerin Preis der Leipziger Buchmesse - hier zum Artikel

Mirjam Pressler – Preisträgerin Preis der Leipziger Buchmesse – hier zum Artikel

Update: 29.06.2015

Amos Oz wird mit dem Internationalen Literaturpreis 2015 des Berliner Hauses der Kulturen der Welt ausgezeichnet. Er erhält den Preis mit seiner Übersetzerin Mirjam Pressler für den Roman „Judas“. Oz gelinge es meisterhaft, in seinem Roman die großen Fragen und Konflikte der Religions- und Zeitgeschichte im Nahen Osten zu erzählen, so die Jury am Montag. Die Auszeichnung für übersetzte Gegenwartsliteratur wird am 8. Juli in Berlin verliehen. Sie ist mit 25.000 Euro für den Autor und 10.000 Euro für den Übersetzer dotiert.

Ich gratuliere Amos Oz und Mirjam Pressler von Herzen und aktualisiere diesen Artikel gerne im Falle der Verleihung des Literatur-Nobelpreises… 😉

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54 Gedanken zu „Amos Oz und Mirjam Pressler Hand in Hand für „Judas“

  1. Wow….was für ein wortgewaltiger Artikel. Beim Lesen wird sofort deutlich, wie sehr du von deinem Patenkind angetan bist. Toll! Freut mich, dass dir das richtige Patenkind zugeteilt wurde und du ein Herzensbuch, einen Schatz für dich entdecken konntest, der sonst an dir vorrübergegangen wäre… Und ich drücke euch natürlich die Daumen für die Preisverleihung in Leipzig.
    Ich habe mir im Programm von Leipzig liest auch schon eine Veranstaltung zu diesem Buch herausgesucht. Da werden wir uns dann bestimmt sehen. Bin sehr gespannt diese tolle Frau mal live und in Farbe kennen zu lernen, ihre Stimme zu hören….
    Das Wort „Honiglicht“ hört sich toll an – es umhüllt einen, ganz weich und warm. Grandios!

  2. Warum ich dieses Buch gern lesen möchte? Ich habe zwei Jahre Hebräisch I(zwar nur Althebräisch, aber es ist die gleiche Schrift ;)) gelernt und dabei die Liebe zu Israel und der Sprache gefunden. Ich bin einfach nur neugierig auf die Übersetzung und letzendlich auf das Buch selbst.
    Liebe Grüße
    Jule

    • Na, dann wäre es doch toll, wenn du jetzt diese Rezension ins Hebräische übersetzen könntest… mein Sprachschatz reicht dazu nicht aus.. Beneide Dich um diese Sprachkenntnisse…

      • Ich beherrsche auch nur Althebräisch und versuche mich jetzt nach und nach an dem neuen. Aber leider reicht es noch nicht zur Übersetzung *wein*

      • Mein Althebräisch ist … nun sagen wir… öhm… nicht vorhanden… du bist klar im Vorteil… ich neide es trotzdem…

      • Danke, es ist eine Sprache, die einen bereichert, durch ihre Schönheit und Melodie. Ich krieg es leider nie so schön hin wie mein Lehrer, aber es klingt so melodisch. ❤

      • Ich würde es jetzt gerne hören… einfach ein wenig vorlesen… ich hoffe in dieser Buchvorstellung den Besonderheiten dieser Sprache gerecht geworden zu sein…

        Melodisch… ist notiert… Danke

  3. Ein ganz wunderbarer Beitrag ist dir hier gelungen, dem jeder anmerkt, wie viel Arbeit und Begeisterung dahintersteckt. Er beweist auch, wie viel Möglichkeiten ein Blog dem Leser bieten kann. Du hast deine Rolle als Blogger-Pate wunderbar ausgefüllt.

  4. Ein leidenschaftlicher Artikel für ein offensichtlich leidenschaftliches Buch!
    Amos Oz hat 1992 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen bekommen.
    Die „alte“ Friedensaktivistin in mir bricht gerade mit Neugier sämtliche Dämme des Widerstandes soweit politisch-philosophischer Natur. „Judas“ wird bei mir eine offene Tür, ein offenes Herz und einen offenen inneren Diskussionsraum finden. Dein Artikel ist sozusagen eine „Unterschiebung“ und mein Unterbewußtsein sagt, ich bin dein 7. Sinn…….
    Danke für deine Worte, die es wieder einmal geschafft haben unwiderstehliche Lesewünsche zu wecken.
    Liebe Grüße
    Irmgard

    • Ich bin eine Unterschiebung… und da schreibt jemand , wir hätten wenige Wortneuschöpfungen. Jetzt bin ich platt und platter… 😉

      Herzlichen Dank für Deine worte…sie sind ein Geschenk…

  5. Pingback: Glücksbloggerzeit | AstroLibrium

  6. Warst du mal in Jerusalem? Dort gibt es das wirklich, das Honiglicht. Und diesem Roman werde ich wohl lesen müssen. Lieber Arndt, vielen Dank für diese tolle Rezension.
    (Judas – ein ewiges Problem: Verrat an dem den er liebt und der dadurch stirbt: trotz allem keine Empfehlung an die Nachwelt. – Ein Atheist)
    Viele Grüße
    Uwe

    • Ich denke du revidierst dein Urteil über Judas… ein Buch, wie für dich geschrieben… danke für die Information, dass es dieses Honiglicjht gibt, ich war noch nicht in Jerusalem… aber jetzt bin ich beruhigt.

      Liebe Grüße

      • Kennst du „Myrijam“ von Luise Rinser? Da geht es um Maria Magdalena als Hauptperson und in diesem Buch spielt Judas eine maßgebliche Rolle, eine sehr interessante Rolle. Der Verrat allerdings entspringt dem Revoluzzer Judas..
        Mir ist das Thema also nicht neu. Macht ja nichts.
        Bis später und vielleicht bis nächste Woche Donnerstag in Leipzig?
        Grüße
        Uwe

      • Donnerstag… ja… und in der Betrachtung von Amos Oz hege ich Verständnis für Judas und alles was danach über ihn geschrieben wurde.

        Myrijam… kenne ich leider nicht. Bis gleich. Ja.

  7. Arndt, das hast Du toll geschrieben. Mein Faible für alles Jüdische und für Israel, mein christlicher Glaube sowie meine Vorstellung davon, wie die Menschen vor 2000 Jahren gelebt und agiert haben (mögen) das alles zusammen bewirkt, dass ich, so es meine wenige Zeit erlaubt, so viel wie möglich erfahren, lesen möchte. Amos Oz war mir schon vorher ein Begriff, Mirjam Pressler sowieso, ist sie ja auch selbst Autorin. Es ist mein großer Traum einmal in Jerusalem selbst die Wege Jesus`zu gehen und so eine Art Zeitreise zu unternehmen. So es mein Gesundheitszustand zu lässt, werde ich diese Idee weiter verfolgen.

    • Danke, Ute und aus deinen Andeutungen entnehme ich nicht unbedingt Gutes zu Deiner Gesundheit. Zeitreisen sind Fluchtpunkte… ich nutze sie auch.

      Trete ich dir zu nah, wenn ich dir viele ausufernde Ideen wünsche, denen du folgen wirst? Ich wünsche es…

  8. Wie du ja weißt, bin ich der Meinung, das Judas nicht der Verräter schlechthin sein kann. Ich finde, er hätte gar nicht anders handeln können. Ich weiß nicht, ob du das Musical „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber kennst, aber das war mein Ansatz über die Rolle des Judas Ischariot nachzudenken.
    Mir sind bisher nur wenige Bücher und auch nur wenige Menschen begegnet, die nicht die Meinung vertreten haben, Judas wäre die Verkörperung allen Übels.
    Da du mir Amos Oz so nahe gebracht hast, bin ich nun sehr gespannt auf dieses Buch und früher oder später wird es auf jeden Fall den Weg in mein Regal finden. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass du Bloggerpate bist, sonst wäre mir dieses Buch vermutlich entgangen.

    • Ich kenne das Musical und ich denke, dir würde der Denkansatz von Amos Oz gut gefallen.

      Es gibt so viele Menschen, denen ich das buch einfach auf den Leib schneidern würde. Einfach weil ichweiß, dass es eure Gedanken sehr beflügeln würde.

      Danke für deine Wegbegleitung, Ronja

  9. Weil Du mal wieder so viel Appetit auf ein Buch gemacht hast, Arndt, dass man es einfach haben muss! (sonst schläft man schlecht in der Nacht, weil man fürchtet, was verpasst zu haben)

    • André… ich wünsche dir von Herzen unruhige Nächte… denn Judas ist das schlechteste Schlafmittel auf Erden. Es raubt ihn dir nämlich, weil du über Gott und die Welt nachdenkst… 😉 Ich wieder… plädiere auf UNSCHULDIG…

  10. Wow- ein großartiger Artikel! Zum einen macht der natùrlich enorm neugierig auf das Buch, zum anderen konnten mich andere Werke des Autoren schon begeistern. Kurz, das Buch muss gelesen werden 🙂

  11. Ich würde dieses Buch sehr gerne lesen, weil Deine Rezension mich einfach sehr neugierig darauf gemacht hat. Der Autor selbst ist schon ein Gütesiegel für sich und die Übersetzung scheint herausragend zu sein.
    Vielleicht habe ich ja Glück?

  12. Ich bin kein religiöser Mensch, aber ich interessiere mich doch immer für religiöse Hintergründe und Rätsel und aus diesem Grund würde ich wahnsinnig gern „Judas“ von Amos Oz lesen. Seit langem schon habe ich ein Buch von ihm auf meinem SuB, es aber bis jetzt einfach noch nicht geschafft zu lesen. Ich bin so gespannt =)

  13. Liebe Kommentatoren dieses Artikels…

    Das Los musste entscheiden und ich denke, die Glücksfee hätte bei euch allen ein gutes Händchen bewiesen, aber nun mussdarfsoll Uwe dieses wundervolle Buch lesen.

    Judas von Amos Oz - Gewinner der Verlosung

  14. Dann wede ich das buch natürlich lesen. Vielen Dank Arndt. Und hoffen wir, dass es dem Buch nicht so geht, wie dem, welches ich soeben beendete und in dem Israel und auch Verrat eine maßgebliche Rolle spielen.

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  16. Pingback: LBM15 – Mein Leipzig – Bücher, Eulen, Emotionen | AstroLibrium

  17. Pingback: Mein Wort zum Sonntag #3 | Kielfeder

  18. Hier ist nun meine Antwort auf den Artikel von Arndt.
    http://litterae-artesque.blogspot.de/2015/04/oz-amos-judas.html?showComment=1428045280427#c5545780481822217300

    Der Roman beinhaltet noch einen Aspekt, der nicht wegzudenken ist und als aktueller Gegenpol, oder auch „zweiter Verrat“ angesehen werden könnte: Das ist die Idee des Autors, gleich zweimal von Verrat zu sprechen und den Verrat beide Personen, den Judas und den Abrabanel (nicht nur) in Frage zu stellen. Aber lest selbst.

  19. Vorsicht – zerbrochene Stufe direkt hinter der Tür“ (Seite 25)

    Vielleicht bin ich ein bisschen wie Schmuel Asch. „Er war ein kräftiger junger Mann, fünfund-zwanzig Jahre alt, empfindsam, ein Sozialist und Asthmatiker, schnell zu begeistern und leicht zu enttäuschen“. Dieser Geruch von Babypuder umgibt mich noch und deshalb hier spontan und naiv ein Gedanke zum Buch, das ich gerade beendet habe.

    Amos Oz Roman „Judas“ brilliert in seiner Sprache, mit warmen Bildern ebenso wie in scharfen Dialogen, um eine Annäherung zu finden(?), zu verstehen, zu begreifen, zu befrieden, zu lieben.
    Auch wenn die politischen Dimensionen und die religiösen Deutungen dem Buch über Verrat einen hervor- und herausragenden Boden bereiten, ich für meinen Teil, habe auch ein Buch über die Emanzipation der Liebe gelesen.
    Wem Sie mit allen Verletzungen und Kränkungen, mit Macht und Ohnmacht, mit Sprachlosigkeit und in Stein Geschriebenes nahe kommen und berühren darf, der lese dieses Buch!

    • Ebendiese Vielschichtigkeit las ich auch… deshalb schroieb ich, dass dieses Buch so verliebt ist, wie ein Roman nur verliebt sein kann. Und doch wohnt auch der Liebe ein großer Verrat inne… immer wieder verrät man diejenigen, die man am meisten liebt oder begehrt… und wenn nicht das, dann verrät man sich selbst.

      Die lockere Stufe habe ich extra nicht ausgebessert. Sie ist gleichsam ein geheimer Zugang zur kleinen Sternwarte.

      Wer sich hier abschrecken lässt, dem kann nicht geholfen werden… oder er braucht auch kein Babypulver mehr..

      Deine spontanen Worte sind einfach so wie du… brillant

      • Ehrlich gesagt, kann ich die dem Roman innewohnende Liebesgeschichte gar nicht so als Schwerpunkt erkennen. Sie ist der Kit, der den „zweifachen Judas“ erzählbar macht. Sonst käme der Autor von Judas Iskarioth nur schwer zu Scheathiel Abrabanel.
        Gleichwohl will ich die Liebesgeschichte bzw die Dreierbeziehung zwischen Wald, Atalja und Schmuel keineswegs kleinschreiben. Es zeugt von einem großen Autor, wenn die Verbindung zwischen zwei Hauptaussagen zu einer fast eigenständigen interessanten Geschichte verarbeitet wird.
        (Was mir plötzliches alles noch so einfällt…)

      • Ist es nicht auch die Liebe von Judas zu Jesus, die Liebe von Abrabanel zu seinem Land, die in diesem Roman für alles verantwortlich ist. Jesus und Israel sind für die Liebenden ebenso unnahbar und weit entfernt wie Atalja für Schmuel…

        Dieser Roman ist so voller Liebe und nur die Liebe macht zum Verräter… Was uns alles so einfällt…

    • Wald zitiert: Während der Spruch „sodass auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme nicht ertränken können“ mich immer an Feuerwehrsirenen erinnert.
      Aus Salomons Hohelied:
      Leg mich wie ein Siegel auf dein Herz, /
      wie ein Siegel an deinen Arm!
      Stark wie der Tod ist die Liebe, /
      die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt.
      Ihre Gluten sind Feuergluten, / gewaltige Flammen.
      Auch mächtige Wasser / können die Liebe nicht löschen; /
      auch Ströme schwemmen sie nicht weg.
      Böte einer für die Liebe / den ganzen Reichtum seines Hauses, /
      nur verachten würde man ihn.

    • Bleib bei der Liebe und lass dich nicht von der Finsternis einsaugen… Und Amos Oz hat sich wohl bei dir festgesaugt, was mich mehr als freut…

      War ein toller Oz-Tag in der Blogger-Lounge zu Leipzig…

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