„Erinnerung eines Mädchens“ von Annie Ernaux

Erinnerung eines Mädchens - Annie Ernaux - AstroLibrium

Erinnerung eines Mädchens – Annie Ernaux

Sagte ich bereits, dass Männer anders lesen als Frauen? Ich denke schon. Und ich nehme mich selbst gerne als Beispiel dafür her, dass prägende Rollenbilder wesentlich für eine Rezeption literarischer Stoffe sind. In empathischer Hinsicht fällt es mir leichter, mich in einen männlichen Protagonisten hineinzuversetzen, als die Gefühlswelten einer jungen Frau verstehen zu können. Identifikation mit einer Romanfigur geht immer damit einher, dass man seine eigenen Sichtweisen und Handlungsmuster in jenem Charakter spiegelt, der uns durch die Geschichte trägt. Um es zu versinnbildlichen: Ich war immer Peter Pan, niemals Wendy. Ich war Denys Finch Hatton, nie Tania Blixen und ich habe mich viel wohler in Ernest Hemingway gefühlt, als in der Denkwelt auch nur einer seiner vier Ehefrauen. (Weiterhören oder -lesen. Sie entscheiden selbst…)

Die Rezension fürs Ohr - Erinnerung eines Mädchens - AstroLibrium

Die Rezension fürs Ohr – Erinnerung eines Mädchens

Und doch ist es das wesentliche Verdienst der Literatur, uns einen Blick über den jeweiligen Tellerrand des anderen Geschlechts zu gewähren. Verständnis entsteht nur im Wissen um Gefühlswelten, Automatismen und Verhaltensmuster einer jeweils im Dunklen liegenden anderen Welt. Nur weil ich die Sehnsucht einer Tania Blixen kenne, weiß ich mit dem rein egozentrischen Freiheitsdenken ihres Liebhabers umzugehen. In vielen Belangen öffnen diese Blicke in unerforschte feminine Welten Horizonte, die mir fremd geblieben wären, gäbe es keine Literatur. Immer wieder nähere ich mich diesem besonderen Erzählkosmos einer Frau. Nicht, um ihn nachzuempfinden. Eher schon um zu verstehen, wo die Wurzeln von Missverständnissen verborgen sind. Vielleicht auch, um zu erkennen, welche enormen Fehler wir begehen, wenn wir mit einem Tunnelblick der Ignoranz durch unsere gemeinsamen Leben stolpern.

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Erinnerung eines Mädchens – Annie Ernaux

Ich hege nicht den Anspruch, als Frauenversteher durch die Welt zu laufen. Es ist für mich jedoch unabdingbar, Menschen verstehen zu wollen, auch wenn ich mich sehr schwer damit tue, ihr Denken nachvollziehen zu können. Allein im Wissen um diese so unberechenbaren Besonderheiten liegt für mich die Magie der femininen Perspektive in der Literatur. Annie Ernaux bin ich nun zum ersten Mal begegnet. Sie, die bedeutende französische Schriftstellerin, wird in Deutschland erstmals so richtig wahrgenommen. In meiner literarischen Wahrnehmung ist sie für mich ein unbeschriebenes Blatt und doch traf ich auf der Frankfurter Buchmesse die spontane Entscheidung, ihr zu folgen. Es ist einem Hörbuch zu verdanken, dass ich sie für mich entdeckte. Es ist einem Medium zu verdanken, dem ich gerade im Bereich autobiografischer Erzählungen so sehr vertraue, weil ich das Gefühl habe, ein Leben erzählt zu bekommen. Da höre ich gerne zu.

Von der „Erinnerung eines Mädchens“ von Annie Ernaux versprach ich mir diese unmittelbare Perspektive auf das eigene Leben der Autorin. Ich lehnte mich zurück und lauschte der Stimme von Maren Kroymann, die mich in der Hörbuchadaption aus dem Hause Der Audio Verlag in das Frankreich des Jahres 1958 entführte. Sie erzählte mir, was Annie Ernaux in der Rückschau auf ihr eigenes Leben zu Papier brachte. Das Zuhören vermittelte mir die unglaubliche Unmittelbarkeit des Miterlebens einer Tour de Force in die Vergangenheit einer inzwischen 78jährigen Schriftstellerin, die sich in eine Lebensphase zurückschrieb, die Auswirkungen bis heute hat. 1958 war Annie Ernaux das Mädchen, dessen Erinnerung wir nun vor Augen und Ohren haben. 18 Jahre alt.

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Erinnerung eines Mädchens – Annie Ernaux

Wie Annie Ernaux bei der persönlichen Retrospektive vorgeht, ist absolut fesselnd. Sie distanziert sich von ihrem vergangenen Ich des 18jährigen Mädchens. Sie entfernt sich nicht nur erzählend, sie unterscheidet deutlich in Ursachen und Wirkungen, die bis heute auf ihr Leben einwirken. Ihre Ich-Perspektive richtet sich auf die Erzählerin heute und jetzt. Die junge Annie wird zur „Sie“. Die autobiografische Kontaktaufnahme mit der eigenen Vergangenheit wird auf diese Art und Weise zu einem besonderen Experiment und zum literarischen Befreiungsschlag einer alten Dame, die bis heute verschämt auf das Jahr 1958 zurückblickt. Das Jahr ihrer Unterwerfung.

Ein Jahr, in dem sich ihr ganzes Leben veränderte. Dabei fing alles sehr harmlos an und eigentlich ist für den außenstehenden Betrachter nicht viel passiert. Eigentlich. Für Annie Ernaux jedoch wird die kurze Zeit, in der sie als Betreuerin in einem Ferienlager arbeitete zum lebenslangen Martyrium. Hier wurden ihr Fesseln angelegt. Hier hat man mit ihren Gefühlen gespielt. Hier wird aus dem erwartungsvollen und lebenshungrigen Mädchen schlagartig eine Nutte. Kaum zu glauben, aber die sozialen Automatismen im Kontext interagierender Gruppen sorgen dafür, dass aus der Summe der Fehltritte eine unumkehrbare Rolle wird, der sie nie wieder entkommen kann. Eine Rolle, die sich auf jeden Lebensbereich auswirkt, auch auf ihr literarisches Schaffen. Ohne, dass jemand etwas davon ahnen konnte.

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Erinnerung eines Mädchens – Annie Ernaux

Ein älterer Betreuer im Ferienlager, eine verhängnisvolle gemeinsame Nacht, eine erste Hoffnung auf Liebe, eine bittere Zurückweisung, tiefe Verletzungen, das schlimme Gefühl benutzt worden zu sein, die gefühllose Flucht in die Betten anderer Männer und das Stigma des leichten Mädchens sind wohl die wesentlichen Bilder, die sich im Kopf der jungen Annie manifestieren. Was folgt, ist Scham. Was folgt, ist die Gefühllosigkeit und ein Taumel in eine Zwischenwelt aus Bulimie und Fress-Sucht. Was folgt, ist ewige Unsicherheit sich selbst gegenüber. Dabei ist sie sich heute sicher, dass sie an einigen Stellen dieser frühen Entwicklung einfach nur Stopp hätte sagen können. Dass sie sich hingab, unterwarf und so zum Spielball der Leidenschaft wurde, schreibt sie sich immer noch selbst zu.

Eine bewegende Reise zurück in ein Mädchenschicksal, das für Männer vielleicht gar nicht so dramatisch wirkt, wie es sich für die Betroffene angefühlt hat. Wir sehen aus der männlichen Perspektive eine junge Frau auf der Suche nach sich selbst und im Streben nach Zuneigung, Wärme und Liebe. Wir sehen die Seite eines Mädchens, das sich auf einen Mann einlässt. Was hier jedoch zerstört wird, ist mehr als nur das Gefühl des Augenblicks. Hier werden Wunden fürs Leben geschlagen, die kaum vernarben. In jeder Beziehung ist es hörenswert, was Annie Ernaux zu erzählen hat. Ungeschminkt und schonungslos beschreibt sie die Ambivalenz, in der sie ihre Gefühle zu leben hat.

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Erinnerung eines Mädchens – Annie Ernaux

Der erste Schritt in Richtung des Mädchens Annie Ernaux hat Konsequenzen für mich. Ich werde ihr garantiert weiter folgen und darf schon bald erleben, wie sie in „Die Jahre“ kommt. Ein Hörspiel mit Corinna Harfouch, Nicole Heesters, Birte Schnöink, und Constanze Becker setzt die literarische Auseinandersetzung der Autorin mit jenen bereits zuvor aufgeworfenen Fragen aus einer anderen Perspektive um. Kein „Ich“ wird zur Erzählerin. Von außen betrachtet Annie Ernaux die Entwicklung eines Landes, eine Phase der Krise mit Algerien, das Unaussprechliche des Jahres 1958, die Hingabe und Enttäuschung, den Weg zu sich selbst und die Jahre des Alterns. Ich denke, nun einen tiefen Zugang gefunden zu haben, um die Erweiterung des Erzählraumes zu verstehen.

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Die Jahre – Annie Ernaux –

Im Januar 2019 geht es bereits weiter. Annie Ernaux – Die Jahre / Das Hörspiel / Der Audio Verlag. Ihr werdet von uns hören. Und wer das Frankreich im Jahr 1958 besser verstehen möchte, dem empfehle ich Die französische Kunst des Kriegesvon Alexis Jenni. Algerien und die Fremdenlegion, Rassismus und Kolonialismus sind Parameter einer Republik, die das Land nachhaltig prägen sollten.

Erinnerung eines Mädchens - Annie Ernaux

Erinnerung eines Mädchens und die französische Kunst des Krieges

Verlorene Mädchen. Ein Themenschwerpunkt bei AstroLibrium. Hier

Mädchen und AstroLibrium - Eine besondere Beziehung

Mädchen und AstroLibrium – Eine besondere Beziehung

„Darktown“ von Thomas Mullen

Darktown von Thomas Mullen - AstroLibrium

Darktown von Thomas Mullen

RassisMuster in der Literatur zu erkennen, gehört zu den nachhaltigen Missionen der kleinen literarischen Sternwarte. Von James Baldwin bis zu Harper Lee habe ich mich auf der Hauptroute meines Lesens immer wieder auf die Abwege begeben, die es mir ermöglichen, der Geschichte des Rassismus auf die Spur zu kommen. Ich habe mir Bücher ausgesucht, die der Benachteiligung und Verfolgung afroamerikanischer Bürger in den USA Raum geben. Ich habe mich durch die Zeitscheiben nach der Abschaffung der Sklaverei gelesen, bin Schriftstellern und Schriftstellerinnen mit ihren Protagonisten durch eine Welt gefolgt, die sich nur kaum verändert hat. Black Lives Matter. Noch nie war eine Bewegung der heutigen Zeit so sehr in der Geschichte verhaftet. Nie zuvor ist es so zwingend notwendig gewesen, die Ursachen zu kennen, um die Symptome eines Rassismus wahrzunehmen, der heute noch allgegenwärtig ist.

Eine Lise der relevanten Bücher finden Sie am Ende dieses Artikels. Ich kann Sie nur herzlich einladen, diesem Leseweg zu folgen, weil er dem Schwarzweißdenken ein Ende setzen kann. Bisher jedoch bin ich zumeist den Opfern der Ausgrenzung gefolgt. Bisher las ich viel über die Schicksale der Justizopfer. Ich folgte Menschen, die in guter Tradition der amerikanischen Sklaverei bis zum heutigen Tag von der Exekutive anders behandelt werden, als der weiße Teil der Bevölkerung. Erschreckend, wie wenig sich in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Heute jedoch wechsle ich die Seite. Ich folge im guten Glauben an eine bessere Welt einer bahnbrechenden Entwicklung im Süden der USA. Wir befinden uns in Georgia. In Atlanta und damit mittendrin in DARKTOWN, dem von Schwarzen bewohnten Stadtteil der Stadt. Wir befinden uns im Jahr 1948 und alles ist anders, als es jemals zuvor war.

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Darktown von Thomas Mullen

Die ersten „Negroe-Officers“ des Atlanta-Police-Departments haben ihren Dienst angetreten. Acht schwarze Polizisten, die nun ihren Dienst in den Straßen einer Stadt verrichten, die zutiefst im Denken des alten amerikanischen Südens verhaftet ist. Hier bin ich auf der Spur eines Meilensteins der Gleichberechtigung. Endlich Bewegung im System. Endlich ist das Ende der Ausgrenzung absehbar. Hoffnungsvoll beginne ich im Roman „DARKTOWN“ von Thomas Mullen mein Lesen und Hören. Hoffnungsvoll lerne ich die acht Polizisten kennen, die für den schwarzen Bevölkerungsanteil der Stadt wie absolute Heilsbringer wirken mussten. Ende der Willkür. Ende der Angst vor der Polizei und ihrer Allmacht. Endlich ein Fortschritt. Doch schon nach wenigen Zeilen bin ich fast am Ende aller Hoffnung angelangt.

Thomas Mullen hat sich tief in die Geschichte dieser Cops hineinrecherchiert. Er beschreibt die Situation in Atlanta, die zur Gründung dieser Einheit führte und dann ist auch schon Schluss mit Gleichberechtigung. Selten zuvor war Ausgrenzung so greifbar und im wahrsten Sinne des Wortes ungerecht. Schnell wird klar, dass diese Polizisten nur als hohles Zugeständnis an die plötzlich wahlberechtigten dunkelhäutigen Bürger in Atlanta gesehen werden können. Ihre Befugnisse sind gleich null. Sie tragen Uniform in Darktown. Mehr nicht. Es ist ihnen verboten zu ermitteln, es ist ihnen verboten, weißen Mitbürgern Grenzen aufzuzeigen, auch wenn diese das Gesetz übertreten. Es ist ihnen verboten das Polizeipräsidium zu betreten. Sie sind Staffage einer Exekutive, die keine Negroe-Officer duldet. Ihre Vorgesetzten sind Rassisten. Ihre weißen Kollegen spotten über sie und betrachten sie als reine Lachnummer. Im Falle echter Verbrechen dürfen sie allenfalls ihre weißen Kollegen informieren, die dann mit aller Macht des Gesetzes eingreifen.

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Darktown von Thomas Mullen

Thomas Mullen verankert in dieser historisch verbrieften Ausgangssituation eine Story, die eine Gratwanderung zwischen den Grenzen der Hautfarben ist. Er wirft die schwarzen Polizisten in ein Gefecht, das sie nicht gewinnen können. Er reibt sie auf und konfrontiert sie mit der Wirklichkeit des Lebens als absolut zahnlose Gesetzeshüter in einer Stadt, in der die Kriminalität ausufert. Der Mord an einer jungen dunkelhäutigen Frau wirft Fragen auf. Zuletzt wurde sie mit einem Weißen gesehen. Lucius Boggs und Tommy Smith, zwei farbige Polizisten aus Darktown sind die Letzten, die das Mädchen lebend gesehen habe. Doch niemand interessiert sich für den Mord. Niemand ermittelt. Das Schicksal der farbigen Toten ist der Justiz keine Mühe wert. Die beiden Polizisten überschreiten ihre Kompetenzen und beginnen mit der Jagd nach dem Mörder. Es sind mühsame Ermittlungen gegen einen Feind von außen und gegen die eigenen Kollegen. Natürlich diejenigen mit weißer Hautfarbe. 

„Darktown“ überzeugt mit seinen Perspektivwechseln und der Dynamik, mit der uns die unglaubliche Geschichte überrollt. Wir erleben die abstruse Situation, in der sich farbige Polizisten quasi illegal mit Ermittlungen beschäftigen. Wir erleben, wie sehr sie dabei selbst der Willkür ausgesetzt sind und wie hilflos sie mit anschauen müssen, wie dass Unrecht weite Kreise zieht. Ein schwarzes Leben ist nichts wert. Es zählt nicht und so geraten die beiden Negroe-Officer in ein zähes Gefecht, in dem sie nicht ahnen wo ihre wahren Gegner sitzen. Einzig ein weißer Polizist erkennt die Ungerechtigkeit in den eigenen Reihen. Einzig ein Kollege wagt es, sich zu verbünden. Hier verschwimmt das starre Gefüge der Rassentrennung. Hier wird aus der Geschichte ein Lehrstück für Loyalität, Gleichbehandlung und Rechtsempfinden. Eine Story, die nicht mehr loslässt, wenn man einmal im Leben seinen Fuß in DARKTOWN auf die Straße gesetzt hat.

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Darktown von Thomas Mullen

David Nathan gibt „DARKTOWN“ in der Hörbuchproduktion aus dem Hause Der Audio Verlag seine Stimme. 14 Stunden lang dürfen wir ihm durch die Straßen einer Stadt folgen, die sich als lebensgefährlich für schwarze Bürger erweisen. Nathan bleibt sachlich. Er hält sich zurück. Er erzählt wie ein Chronist und schildert die Fakten, wie in einem Sachbuch. Das passt an den Stellen, an denen es gilt, Fakten zu vermitteln. Hier nimmt er den Tonfall von Thomas Mullen auf und schildert, erklärt und erläutert. Als das Ausmaß der Ungerechtigkeit die Überhand gewinnt, geht der Sprecher aus sich heraus. Er scheint wechselweise zu im- und zu explodieren. Monologe werden zu emotionalen Anklagen, Verhöre zu Gewaltorgien, Gedanken zu Fackeln des inneren Aufruhrs. Hier steigert David Nathan sich und uns in einen Kriminalfall hinein, der so viel mehr ist, als nur die Geschichte eines Mordes.

„DARKTOWN“ – erschienen im DuMont Buchverlag – ist Anklageschrift und auch Plädoyer zugleich. RassisMuster treten offen zutage. Gerade die Rollenverteilung hat hier unglaubliche Sprengkraft. Je näher die Negroe-Officer dem Kern des Verbrechens kommen, umso gefährlicher wird die Geschichte für sie. Die Ungerechtigkeit ist spürbar wie selten zuvor in einem Buch über die Benachteiligung von Menschen, die zur Unzeit mit der „falschen“ Hautfarbe am falschen Ort sind. Man muss diese Geschichte kennen, um die Automatismen zu verstehen, die auch heute noch dafür ausschlaggebend sind, dass dunkelhäutige Bürger in den USA bei Polizeikontrollen Angstschweiß auf der Stirn bekommen. Ta-Nehesi Coates hat das eindrucksvoll beschrieben. Black Lives Matter steht sinnbildlich für die immer noch vorherrschende Angst. Laufen Sie doch Streife im Herzen von Atlanta, Georgia. Stellen Sie sich einfach vor, Sie wären ein Negroe-Officer. Hoffnung einer ganzen Generation. Silberstreif am Horizont der Rassentrennung. Und dann gehen Sie einen Schritt weiter… Lassen Sie sich das Wort Menschenwürde ganz genüsslich auf der Zunge zergehen. Ein grandioses Buch. Ein relevantes Buch.

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Darktown von Thomas Mullen

Hier die Liste meiner relevanten Bücher gegen den Rassismus:

Mein Name ist nicht Freitag von Jon Walter
Mercy Seat von Elizabeth Winthrop
Zwischen mir und der Welt von Ta-Nehisi Coates
Ein anderes Leben als dieses von Virginia Reeves
Wer die Nachtigall stört und Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee
Von dieser Welt und Beale Street Blues von James Baldwin
Mudbound – Die Tränen von Mississippi von Hillary Jordan
Lincoln im Bardo von George Saunders
John F. Kennedy – Zeit zu handeln – Ein Bilderbuch von Shana Corey

Und nicht zuletzt meine Selbstbetrachtung: Warum ich kein Rassist bin

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Darktown von Thomas Mullen

„Die Bienenkönigin“ von Claudia Praxmayer

Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer - AstroLibrium

Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Manchmal ist es sehr hilfreich, die guten alten Märchen der Gebrüder Grimm zu kennen. Die Bienenkönigin“ ist zwar nur ein kleines zartes Märchen, aber schon hier wird klar, dass man im Leben bitterlich dafür bestraft wird, wenn man seinen Unmut an hilflosen Lebewesen auslässt. Der kleine Dummling gilt als einfältig, weil er sich weigert einen Ameisenhaufen zu zerstören oder einen Bienenstock zu plündern. Später jedoch sind es genau diese kleinen verschonten Lebewesen, die ihm dabei helfen, unmögliche Aufgaben zu lösen und nicht, wie seine Brüder, in Stein verwandelt zu werden. Und die Moral von der Geschicht`? Töte kleine Bienen nicht! Haben wir wieder nicht zugehört?

Ja. Wir hätten es eigentlich wissen müssen! Scheinbar jedoch haben unsere guten alten Märchen ihre Wirkung verloren. Scheinbar ist damit auch die Ehrfurcht gegenüber den kleinsten Lebewesen verloren gegangen. Scheinbar hat uns heute sogar die Moral verlassen. Bienensterben. Weltweit. Ausgebeutete Bienenvölker, die aus wirtschaftlich rentablen Gründen durchs Land gekarrt werden, um Blüten zu bestäuben. Tiere, die in jeder Hinsicht nur noch als Produktionssklaven gehalten und nach getaner Arbeit auch gerne geopfert werden. Die Folgen? Dramatisch. Sachbücher, Dokumentationen, Filme und Vorträge ändern nichts am Bewusstsein. Können moderne Märchen unsere Moral wieder auf Vordermann bringen? Ist es die Emotion, die auf der Strecke blieb? Haben wir noch eine Chance zur Umkehr?

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Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Ich bin davon überzeugt. Spätestens seitdem sich viele namhafte Schriftsteller/Innen diesem Thema verschrieben haben. Ökologisch motivierte Romane mögen inzwischen fast schon zum literarischen Mainstream gehören. Sie mögen sogar manchmal auch im Glauben geschrieben sein, auf der richtigen Welle des Erfolges zu surfen. Das merken Leser jedoch sehr schnell. Eben weil es die großen Romane gibt, die eine breite Masse an Menschen erreichen. Gute Romane, die nicht nur den erhobenen Zeigefinger in den Vordergrund stellen, sondern ganz einfach mit einer guten Geschichte überzeugen. Es spricht sich schnell herum, welche Bücher man unbedingt lesen muss, um den eigenen Kurs zu korrigieren. „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde gehört eindeutig zu den empfehlenswertesten Werken der letzten Jahre.

Wenn man jedoch auch junge Menschen erreichen möchte, dann muss man auch für junge Menschen schreiben. Sie sind die Zielgruppe, die in der Lage ist, die Welt zu verändern. Hier ist noch nicht Hopfen und Malz verloren, wenn es darum geht, Gefühl vor Wirtschaftlichkeit zu stellen. Hier liegt die Zukunft auch in den Händen von Autoren und Autorinnen, die mit einem bestimmten Sendungsbewusstsein schreiben. Und wenn diese Kulturschaffenden ihrer Verantwortung gerecht werden, dann gelingt es vielleicht wieder, am Ende einer Geschichte die Frage nach ihrer Moral stellen zu können, ohne dass sie unbeantwortet im Raum stehen bleibt. Einen solchen Roman für Jugendliche habe ich gefunden.

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Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Dieser Roman ist über jeglichen Verdacht erhaben, das ökologische Thema nur zu transportieren, weil es gerade en vogue ist. Dieses Buch ist kein Trittbrettfahrer auf der Welle des Artenschutzes. Es ist vielmehr eine emotional fundierte Kampfschrift, der es gelingen kann, Mitgefühl und Gefühl zu paaren und Mutter Natur mit anderen Augen zu sehen. „Die Bienenkönigin“ von Claudia Praxmayer öffnet uns einen Erzählraum, der einem Bienenstock gleichkommt. Eine Wohngemeinschaft junger Menschen, in der es nur so brummt vor unbekümmerter Betriebsamkeit. Der „Beehive“ in San Francisco ist der Ausgangspunkt einer Geschichte, die so gut ist, dass sie unbedingt erzählt werden muss!

Sie ist deshalb so gut, weil sie plausibel ist. Sie ist so gut, weil sie bisher noch nicht so erzählt wurde und sie ist so gut, weil sie der Realität eine Seite abgewinnt, die man nur entdecken kann, wenn man als Schriftstellerin mit viel Gefühl und Sachverstand in den Bienenwaben der eigenen Geschichte lebt. Hier spürt man in jedem Kapitel, dass mit der Autorin auch die studierte Biologin schreibt. Eine literarische Symbiose, die der Handlung in jeder Beziehung Tragfähigkeit verleiht. Den Blick auf das Kleine lenken, in Bienen keine Selbstverständlichkeit zu sehen und Zusammenhänge zwischen uns und der Natur sichtbar zu machen. Das sind ihre Anliegen. Meisterhaft umgesetzt.

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Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Mel ist 19 Jahre alt und auf dem Weg zur beruflichen Selbstfindung. Eine Auszeit soll ihr zeigen, wohin sie ihr Lebensweg treibt. In ihrer WG in San Francisco wirbelt sie ebenso kreativ und aktiv in der Küche, wie sie sich um das kleine Bienenvolk im Garten kümmert. Die besondere Verbundenheit zu diesen Tieren hat sie von ihrer Großmutter geerbt. Als der Bienenstock von einer künstlichen Biene angegriffen wird, erkennt Mel sofort die Dimensionen dieser Attacke. Eine Miniatur-Drohne steuert zielsicher auf den Bienenstock zu. Im Miniatur-Tank, ein Pestizid zur Vernichtung von Bienen. Mit letzter Kraft gelingt es den Bienen, den Angriff abzuwehren, aber Mel ahnt, dass sie hier zur Zeugin von etwas Größerem geworden ist. Etwas Gefährlichem.

Diese Ausgangssituation ist die Basis für einen Hybrid Roman, dem es gelingt, im Verlauf der Geschichte Natur und Hightech-Elemente zu einem dichten Erzählraum zu verweben, aus dem es kein Entrinnen gibt. Wenn jemand in der Lage ist, Drohnen zum Fliegen zu bringen, die Bienen täuschend ähnlich sind, wenn er seine Microbiotics dann auch noch mit einem Tank versehen kann, wenn diese Kunstbienen ferngesteuert zum Angriff auf echte Bienen übergehen, dann muss es ein Motiv für diese Tat geben, das alles in den Schatten stellt. Wer kann ein Interesse daran haben, das Bienensterben zu beschleunigen? Mel und ihre Freunde kommen einer brisanten Verschwörung auf die Spur. Die Zeit läuft gegen die Bienenpopulation und gegen die kleine Gruppe, die sich den Drohnen in den Weg stellt.

Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer - AstroLibrium

Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Bestechend in der Ausgangssituation, logisch im Motiv und faszinierend im Mix der realen Möglichkeiten mit fantastischen Elementen. Claudia Praxmayer bleibt da technisch, wo es zwingend erforderlich ist, sie wird tiefgründig und empathisch, wo es gilt, Mel zu verstehen und sie wird zur großen Erzählerin, wo es darauf ankommt, eine Geschichte voller Poesie und Gefühl zu erzählen. Mel gleicht mit dieser Begabung den Pferdeflüsterern und Schlangenbeschwörern dieser Welt. Ihrer Gabe verdanken wir die ganz großen Momente dieses Romans. Und doch wird schnell klar, dass wir alle, auch ohne einen besonderen Zugang zu Bienen, die Welt verändern können. Eine Botschaft, die Leser jeden Alters anspricht. Ein Roman, der in seiner logischen Konsequenz tiefer geht als „Die Geschichte der Bienen“. Zwei Romane, die man in den Honigwaben des eigenen Bücherregals vereinen sollte. Sie öffnen Horizonte. 

Ich habe mir „Die Bienenkönigin“ in der Hörbuchproduktion aus dem Hause Der Hörverlag von Leonie Landa vorlesen lassen. Der Sprecherin gelingt es, der jungen Mel Leben einzuhauchen, ihr Kämpferherz zu „verstimmlichen“ und der Verbundenheit mit den Bienen eine besondere Sprache zu verleihen. Gänsehautmomente garantiert, wenn Leonie Landa als Mel zu den Bienen singt. Das kann man nicht lesen. Das muss man mit eigenen Ohren gehört haben. Ein zeitlos hörenswerter Roman, den ich sicher nicht schnell aus den Ohren bekomme. Und noch dazu ein starkes Stück Bio-Ökologie im Gewand eines spannenden Jugendthrillers. Eine Story die ein Literatur-Bio-Siegel verdient hätte. Geht runter wie Honig! Versuchen Sie es selbst…

Und immer dran denken: Stirbt sie – stirbst auch Du!

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Die Bienenkönigin von Claudia Praxmayer

Hier geht´s zu meinen Weihnachtsempfehlungen und einer besonderen Aktion!

Zamonien – „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ von Walter Moers

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers - AstroLibrium

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Nein, nein. Keine Sorge. Der Titel dieses Hörbuchs ist völlig falsch und irreführend. Es muss sich hierbei um ein reines Missverständnis handeln, weil ja jedes Kind weiß, dass es in Zamonien wirklich alles gibt, nur kein Weihnachten. Wäre ja auch gelacht. Walter Moers hat ja nicht sein ganzes Herzblut in einen erfundenen Kontinent gesteckt, nur um ihn dann mit den Riten und Gebräuchen auszustatten, die wir aus unserem Leben allzu gut kennen. Nein. Es gibt kein Weihnachten. Niemand feiert das dort. Die Völker dieses Kontinents haben ihre ganz eigenen Feiertage. Die Holzgnomen zum Beispiel feiern ihr Borkenfest, die Gurkenzwerge ein Essigfest. Von den Nattifftoffen ganz zu Schweigen.

Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ von Walter Moers

Nein. Auch die legendären Lindwürmer feiern kein Weihnachtsfest. Also kann man sich dieses Hörbuch völlig unbesorgt anhören, auch wenn man kein Weihnachtsfreund ist. Nun gut. Einmal im Jahr feiern die Lindwürmer schon. Und auf den ersten Blick mag ihr HAMOULIMEPP gewisse Parallelen mit unserem Weihnachtsfest aufweisen. Es ist jedoch weit hergeholt, die beiden Feierlichkeiten in einem Atemzug zu nennen. Hier gilt es endlich mal gründlich mit Vergleichen aufzuräumen und wer könnte dies besser, als der populärste Lindwurm Zamoniens: Hildegund von Mythenmetz, der eigentliche und wahre Autor der meisten Geschichten dieses fantastischen Kontinents? 

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Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Dem aktuell vorliegenden Briefwechsel zwischen dem Lindwurm-Autor und dem Eydeeten Hachmed Ben Kibitzer haben wir es heute zu verdanken, dass wir endlich mit dem Irrglauben von Weihnachten auf der Lindwurmfeste aufräumen können. Wurde aber auch Zeit. Damit ist es bereits das achte Buch, in dem uns Walter Moers in seinen Zamonien-Kosmos entführt. Und noch dazu ist es ein lange herbeigesehntes Werk, das schon mehrfach angekündigt, und immer wieder verschoben wurde. Tja, da musste der begnadete Erzähler wohl intensiver recherchieren, als es zu vermuten war. Jetzt ist es vollbracht. Die Lindwurmfeste erstrahlt in festlichem Glanz und alle Vorbereitungen für Hamoulimepp laufen auf Hochtouren.

Nun heißt es, sich zurückzulehnen und Hildegunst genau zuzuhören. Dann lösen sich die Missverständnisse in Wohlgefallen auf. Also herzlich willkommen in der Heimat der Lindwürmer, jener legendären Festung im Westen Zamoniens, die den intelligenten Nachfahren der zamonischen Dinosaurier, komischerweise oft als Drachen bezeichnet, als Rückzugs- und Zufluchtsort dient. Belagerungen wurden überstanden, kulturelle und soziale Errungenschaften entwickelt und eigene Riten und Gebräuche etabliert. Einmal im Jahr feiert man demzufolge auf der Lindwurmfeste Hamoulimepp. Drei ganze Tage dauern die Feierlichkeiten zu Ehren der Herren Hamouli und Mepp. Hildegunst äußert sich in seinen Briefen mehr als kritisch über den Stellenwert dieser Feiertage, den Sinn und Unsinn der umfangreichen Vorbereitungen und macht aus seinem Herzen keinerlei Mördergrube, wenn er sich als Hamoulimepp-Hasser outet.

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Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Kann man auch gut nachvollziehen, wenn man seinen Ausführungen folgt. Es ist schon mühsam, die steinernen Hamoulimepp-Bäume anzumalen und aufzustellen, die Geschenke an die kleinen Lindwürmer in Felsengeiereierschalen zu verpacken, sich an den Hamoulimepp-Abenden um die Klavorgel zu versammeln, um Lieder wie „Morgen Würmer wird´s was geben“ zu singen, kleine Gedichte auf Lindwurmfesteschnecken zu schreiben, damit sie jeder lesen kann und den Festtagsschmaus Trilobitensuppe in sich hineinzulöffeln. Und dann gilt es auch noch, dem Nachwuchs klarzumachen, dass man eine große Menge Hamoulimepp-Zwerge benötigt, um die Festtagswünsche zu erfüllen, weil Hamouli und Mepp allein das nie hinbekommen würden.

Nun gut. Auf den ersten Blick mutet vieles davon wie unser Weihnachten an. Die beiden zentralen Figuren erinnern deutlich an den Nikolaus und den Knecht Ruprecht, und ja, der Rest kommt uns vielleicht auch ein wenig bekannt vor. Aber wir sollten nicht vorschnell urteilen. Nicht bevor wir die ganze Geschichte gehört haben. Wir können da vielleicht ja auch was lernen. Ich denke nur an das feuerlose Feuerwerk am Ende der Hamoulimeppfeierlichkeiten oder an den Bücher-Räumaus, einen Brauch über dessen Einführung ich inzwischen ernsthaft nachdenke. Vielleicht haben die beiden Feste doch mehr gemeinsam, als man anfänglich denkt. Wer weiß.

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Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Wie dem auch sei. Walter Moers bleibt Walter Moers und Zamonien bleibt immer Zamonien, wie es singt und lacht. Diese Hamoulimpepp-Geschichte ist nun nicht der ganz große Wurf, den man sich vielleicht erhofft hatte, weil die Fortsetzung des letzten großen Zamonien-Romans „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ aussteht. Zwar hat Walter Moers mit „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ die Zamonien-Reihe erfreulicherweise erweitert und unser Lesen bereichert. Und schon im neuen Jahr wurde „Der Bücherdrache“ angekündigt. Aber letztlich warten viele Leser auf das immer wieder verschobene „Schloss der träumenden Bücher“. Sei´s drum. In literarischen Dingen muss man sich in Geduld üben und dankbar für jeden Schritt sein, der uns eine Rückkehr ins geliebte Zamonien ermöglicht.

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Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Besonders, wenn er so gelungen ist wie dieser. Andreas Fröhlich, der Zamonien-Meister dieser Nicht-Weihnachtsgeschichte fesselt uns, wie er uns schon immer zu fesseln wusste. Man staunt, lacht und wundert sich. Hamoulimepp entwickelt sich zur denkbaren alternative unserer hektischen Weihnachtszeit. Ich würde sogar freiwillig den Staub des feuerlosen Feuerwerks aufwischen, wenn wir auf diese Weise um den Krach an Silvester herumkämen. Tolle Idee. Auf ins neue Jahr mit einem farbenfrohen Plopp auf den Lippen. Feiert Hamoulimepp. Ihr könnt die Lindwurmfeste lesend oder hörend besuchen. Egal wie, Ihr solltet es euch nur nicht entgehen lassen.

Die Ausstattung des Hörbuchs (Der Hörverlag) und des Buches (Penguin Verlag) wird dem hohen Fest mehr als gerecht. Die Illustrationen von Lydia Rode, die schon den Nachtmahr in Szene gesetzt hat, begleiten uns durch Hamoulimepp. Wundervoll in jeder zamonischen Beziehung. Ein Augenschmaus, der es inhaltlich locker mit anderen Büchern der Reihe aufnehmen kann, und dem Andreas Fröhlich eine besondere Note verleiht. Hamoulimepp. Hamoulimepp. Mepp. Mepp Mepp.

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Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Dann bis bald… „Der Bücherdrache“ naht mit großen Schritten.

Und hier geht´s zu Weihnachtsempfehlungen und einer besonderen Aktion!

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Der Bücherdrache von Walter Moers – Coming soon…

„Die Schneeschwester“ von Maja Lunde

Die Schneeschwester von Maja Lunde - AstroLibrium

Die Schneeschwester von Maja Lunde

Das Lesen zelebrieren. Eine meiner ganz großen Leidenschaften, die ich gerne teilen möchte. Die ruhige Adventszeit lädt uns geradezu ein, dem gemeinsamen Lesen einen neuen Rahmen zu geben. Eine kleine Auszeit von der Hektik, eine Rückbesinnung auf das Wesentliche und Verbindende kann dabei helfen, dem Alltag eine besondere Note zu verleihen und unser Leben zu entschleunigen. Leserituale helfen mir persönlich sehr dabei. In diesem Jahr möchte ich euch auf eine Reise mitnehmen, die vierundzwanzig Tage dauert. Es wird keine leichte Reise, das muss uns von Vorneherein klar sein. Und doch bietet sie uns die Chance fernab vom Buch, den eigenen Blick für das kommende Weihnachtsfest ein wenig zu schärfen.

Die Schneeschwester“ von Maja Lunde ist sicher keine leichte Unterhaltungskost in diesen besonderen Tagen. Maja Lunde selbst hat in ihren bisherigen Büchern über Die Geschichte der Bienen und der des Wassers gezeigt, dass seichte Themen nicht ihr Ding sind. Sie greift tiefer, erzählt nuanciert und verknüpft intensive Botschaften mit der jeweiligen Erzählung, die sie uns anvertraut. Es ist verführerisch, mit ihr den Advent zu verbringen. Es ist verführerisch, mich wieder auf sie einzulassen und der Struktur einer Geschichte zu folgen, die in vierundzwanzig Kapiteln die Tür zum Weihnachtsfest 2018 öffnet.

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Die Schneeschwester von Maja Lunde

Sie schreibt nicht über das strahlende Fest der Feste. Maja Lunde erzählt uns eine Geschichte, in der Weihnachten eigentlich in den Hintergrund rückt. Trauer und Verlust kennzeichnen das Leben der Familie Wilhelmsen. Julian ist zehn Jahre alt und hat alle Hoffnungen auf Weihnachten begraben, weil er auch seine große Schwester begraben musste. Ihr Tod hat alles verändert. Energie und Lebensfreude sind verschwunden. Bis Julian beim Schwimmen dem „Licht in der Winterdunkelheit“ begegnet. Hedvig muntert ihn auf, bringt Freude und vorweihnachtlichen Glanz in sein Leben. Nicht nur durch ihre unwiderstehliche Lebenslust, sondern auch ihr Zuhause, die Villa Mistel, die einer ganz eigenen Weihnachtswunderwelt gleicht. Alles glitzert, funkelt und strahlt. Vielleicht gibt es ja doch noch einen Weg, das Weihnachtsfest zu feiern und das Andenken der toten Schwester zu ehren.

Und doch verbirgt sich auch hinter Hedvig ein dunkles Geheimnis, das Julian erst nach und nach erkennt. Maja Lunde ist bekannt für ihren sensiblen Umgang mit ernsten und belastenden Themen. Der Kontrast zwischen Trauerbewältigung und weihnachtlich angehauchter Lebensfreude könnte schärfer nicht sein. Das zeigen auch die traumhaft schönen Illustrationen der norwegischen Künstlerin Lisa Aisato, die aus dem Buch ein prachtvolles Gesamtkunstwerk machen. Ihre Zeichnungen strahlen alles aus, was man schon vor dem Lesen mit dieser Geschichte verbindet. Trauer, Tristesse, Hoffnung und das Wunder eines leuchtend warmen Weihnachtsfestes.

Die Schneeschwester von Maja Lunde - AstroLibrium

Die Schneeschwester von Maja Lunde

Ich werde mich in die vierundzwanzig Kapitel vertiefen. Wie in einem persönlichen literarischen Adventskalender werde ich täglich einen gut dosierten Teil der Erzählung auf mich wirken lassen. Ich habe so viel Lust darauf, dieses Buch zum Mittelpunkt der Vorweihnachtszeit zu machen. Ich möchte es gemeinsam zuhause zelebrieren und ein wenig von diesem Leseritual in die Welt tragen. Ich werde an besonderen Tagen auch dem brillanten Sprecher und Schauspieler Axel Milberg zuhören, der die Geschichte in knapp vier Stunden für die Hörbuchfassung aus dem Hause Der Hörverlag vorgelesen hat. Ein multimediales Erlebnis wartet auf mich. Im Zentrum steht der Prachtband vom btb Verlag.

Ihr könnt mir gerne folgen. Auf Facebook oder Instagram werdet ihr meine täglichen Erlebnisse mit der „Schneeschwester“ finden. In der Bildergalerie in diesem Artikel ist viel Platz für das Lese- und Hörfest auf dem Weg zur stillen und Heiligen Nacht. Nehmt euch die Zeit für ein eigenes Leseritual. Entschleunigt und genießt ein paar ruhige Pole im Alltagssturm dieser Vorweihnachtszeit. Lasst euch bewusst treiben und in eine tiefe Stimmung versetzen, die das Herz öffnet. Ich hinterlasse tiefe Spuren im tiefen Schnee. Folgt mir auf dem Weg zu der wohl längsten Rezension in der Geschichte der Kleinen literarischen Sternwarte.

Unter dem Hashtag #SchneeschwesterAstroLibrium findet ihr meinen Weg.

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