Der Kinderflüsterer von Alex North [Hörbuch]

Der Kinderflüsterer von Alex North - AstroLibrium

Der Kinderflüsterer von Alex North

»Wenn die Tür halb offen steht, ein Flüstern zu dir rüberweht.
Spielst du draußen ganz allein, findest du bald nicht mehr heim.
Bleibt dein Fenster unverschlossen, hörst du ihn gleich daran klopfen.
Denn jedes Kind, das einsam ist, holt der Flüsterer gewiss.«

Klingt das nicht wundervoll beruhigend? Nein? Es klingt eher wie ein Albtraum, der eine ganze Kindheit unter Vorbehalt stellen kann? Ein Kinderreim in der guten Tradition von „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ oder noch schlimmer? Ihr habt Gänsehaut beim Lesen dieser Zeilen? Na dann versetzt Euch mal in die Lage eines siebenjährigen Jungen, der nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter mit seinem Vater umzieht, um den Neuanfang an einem neutralen Ort zu wagen. Und dann stellt Ihr Euch einfach vor, der Ort sei gar nicht so neutral, wie man es vermuten sollte. Er ist blutgetränkt, belastet und hat eine grausame Vorgeschichte, die alles in den Schatten stellt.

Denn genau hier im beschaulichen Featherbanks hat er vor fast zwanzig Jahren zugeschlagen. „Der Kinderflüsterer. Fünf Kinder hat er entführt und getötet. Kinder, von denen eines bis zum heutigen Tag nicht gefunden wurde. Dass jedoch keines von ihnen überlebt hat ist unstrittig. Der Serienmörder sitzt seitdem im Gefängnis und rühmt sich seiner Taten. Sein Flüstern hat die Kinder angelockt. Sein Flüstern sorgt noch jetzt für Angst und Schrecken, wenn man sich daran erinnert. Gut nur, dass er damals diese Morde gestanden hat und lebenslänglich aus dem Verkehr gezogen wurde. Kein Grund mehr zur Sorge also. Sollte man meinen.

Der Kinderflüsterer von Alex North - AstroLibrium

Der Kinderflüsterer von Alex North

Gäbe es da nicht eine aktuelle Entführung, die dem Muster der Vergangenheit zu gleichen scheint. Ein Junge verschwindet und erste Gerüchte machen die Runde, der „Kinderflüsterer“ könne einen Komplizen gehabt haben, der nun sein Werk weiterführt. Dieser Restart von Tom Kennedy und seinem Sohn in Featherbanks könnte zu keinem schlechteren Zeitpunkt erfolgen, weil auch der kleine Jake plötzlich dieses Flüstern vor seinem Fenster hört. Eine brillante Ausgangssituation für einen Thriller, der in Mark und Bein einzudringen versteht. Das Spiel mit kindlicher Angst, Fantasie und Einbildung ist so unglaublich spannend inszeniert, dass es dem Leser und Hörer mehrfach den Atem raubt. Gänsehaut wird zum Wegbegleiter durch einen nicht alltäglichen Psychothriller. 

Alex North vereint in seiner Story einige Stilelemente des Genres, die sie zum Ritt auf dem angespannten Nervenkostüm seiner Leser und Hörer machen. Ein Cold Case ohne Leiche; ein Polizist, der seit zwanzig Jahren keine Ruhe findet und mit den Fällen niemals abschließen konnte; ein „Kinderflüsterer“, der im Gefängnis residiert und sein Motiv wie eine Büchse der Pandora hütet und den Ruf als Legende genießt; ein Junge, der ins Beuteschema passt und ein Vater, der in den entscheidenden Situationen nicht konzentriert genug ist, um die Gefahren zu erkennen. Zu sehr ist er mit sich selbst und dem Tod seiner Frau beschäftigt. Zu sehr ist er von der neuen Situation abgelenkt, um die Verhaltensauffälligkeiten seines Sohnes wahrzunehmen oder gegen sie anzugehen.

Der Kinderflüsterer von Alex North - AstroLibrium

Der Kinderflüsterer von Alex North

Es kommt, wie es kommen muss. Und doch kommt es anders, als es der geneigte Leser und Hörer vorhersehen kann. Alex North hat seinen mehrdimensionalen Thriller so facettenreich konstruiert, dass wir ihm in einer Mischung aus Ahnungslosigkeit und Arglosigkeit recht hilflos gegenüberstehen. Das Wechselbad der Gefühle ufert aus und zieht uns in den Strudel hinein. Natürlich wird der „Cold Case“ von einst wieder warm. Natürlich muss sich der Detective, der ihn nicht lösen konnte, vor dem Hintergrund der aktuellen Entführung ins Gefängnis begeben, um mit dem Serienmörder zu reden. Und natürlich genießt dieser die neue Aufmerksamkeit. Ein Psychospiel nach dem Vorbild des guten alten Hannibal Lecter aus dem „Schweigen der Lämmer“ beginnt.

Alex North hat im Verlauf seines Thrillers eine Vielzahl von Überraschungen auf Lager, die immer mehr Benzin ins Feuer gießen. Er verbindet die handelnden Figuren miteinander, lässt viele Zeitebenen verschwimmen und befeuert eine Handlung, die ab einem bestimmten Zeitpunkt als kaum noch steigerungsfähig empfunden wird. Und es geht doch steil aufwärts in der Spannungskurve. Dabei gelingt Alex North in zweifacher Hinsicht besonderes. Er schreibt uns eine Geschichte in den Kopf, in der er uns zwingt, ihr in unserer kindlichen Erinnerung perfekt zu folgen und ganz nebenbei identifiziert er uns mit dem Vater des Jungen, der an seiner Rolle zu verzweifeln scheint. Ein Flüstern zieht sich magisch durch diese Geschichte und als auch noch der kleine Jake Kennedy verschwindet, entwickelt sich der Pageturner zum explodierenden Pulverfass.

Der Kinderflüsterer von Alex North - AstroLibrium

Der Kinderflüsterer von Alex North

Nichts für schwache Nerven. Keine Story für Menschen, die mit physischer und psychischer Gewalt gegen Kinder in einem Thriller Probleme haben. Ängste sind hier nicht nur Thema und Rahmen. Sie werden greifbar. Das Flüstern wird im Hörbuch zu einem Stilelement, das nicht nur Gänsehaut verursacht. Alex North bereichert diese Geschichte durch ein fast schon paranormales Wahrnehmungselement, das berührend und bewegend zugleich ist, dem es jedoch nicht an Plausibilität fehlt. Selbstgespräche erhalten hier eine ganz neue Dynamik. Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern zeugen im Zusammenhang mit den Ereignissen von einer ganz eigenen Welt, die sich uns oftmals gänzlich verschließt.

Stefan Kaminski brilliert in der Hörbuchfassung von Random House Audio. Der vielfach ausgezeichnete Schauspieler, Sprecher und Stimmkünstler beeinflusst durch seine Interpretation der Charaktere den Spannungsbogen des Romans auf besondere Weise. Sein Wechsel zwischen der kindlichen Verunsicherung von Jake Kennedy und dem arroganten Tonfall des Kinderflüsteres ist äußerst subtil und verstörend, weil man sich eine solche Geschichte so nicht selbst vorlesen kann. Wenn man Angst hör- und greifbar machen möchte, ist er die perfekte Besetzung. Wie die Schmetterlinge, die im Roman eine nicht unwichtige Rolle spielen, entpuppt sich auch der Sprecher hier von Kapitel zu Kapitel immer mehr, bis er seine volle Pracht zeigt.

Der Kinderflüsterer von Alex North - AstroLibrium

Der Kinderflüsterer von Alex North

Leser und Hörer der „Krähenmädchen-Trilogie“ von Erik Axel Sund kommen auch hier auf ihre Kosten. Die Perspektive des verängstigten Kindes erreicht das Niveau von „Raum“ aus der Feder von Emma Donoghue. Ich kann dieses Hörbuch nur wärmstens empfehlen, weil es der Dramatik des Buches die Ebene Stimme hinzufügt, ohne die ich das Flüstern schnell aus meiner Wahrnehmung verdrängt hätte. Grandios…

AstroLibrium – Best of Print und Audio 2019

AstroLibrium - Best of Print und Audio 2019

AstroLibrium – Best of Print und Audio 2019

Immer wieder gegen Ende eines von Literatur geprägten Jahres blickt man gerne zurück auf die gelesenen und gehörten Schätze der vergangenen 365 Tage. Auch dieses Jahr ist es mir gelungen, euch genau 100 Bücher und Hörbücher vorzustellen. Eine Zahl, die nicht nur eine Zahl ist, weil man sich immer wieder Ziele setzt, was man bloggend und rezensierend bewegen möchte. Und so ist das vergangene Jahr für mich der Maßstab für die Zukunft. 100. Das scheint meine Zahl zu sein, seitdem ich mich mit meinem Blog im Büchermeer bewege. Es ist wie bei einer guten alten Segelyacht. Egal wieviel Tuch man setzt, eine bestimmte vorgegebene Geschwindigkeit kann nicht mehr überschritten werden. Ich lag gut im Bücherwind in diesem Jahr. Rückblickend ist es so, dass ich mit meiner Auswahl aus dem Meer der Neuerscheinungen glücklich bin. Es ist naturgemäß immer wieder schwer, die Besten zu wählen. Und doch wage ich es auch diesmal. Meine absoluten Highlights des Jahres. Meine Top Ten Bücher und Top Five Hörbücher sind:

Bücher, gebunden, ungebunden, gedruckt, gut riechend, prall gefüllt:

Nichts weniger als ein Wunder von Markus Zusak - Astrolibrium

Nichts weniger als ein Wunder von Markus Zusak

Nichts weniger als ein Wunder“ von Markus Zusak

Fans von Markus Zusak wissen, dass kein Mainstream auf sie zukommt. Sie sind nicht überrascht, wenn sich Romane aus seiner Feder strukturell und inhaltlich deutlich von der Masse vergleichbarer Bücher unterscheiden. Diesmal – und dies ist der große Unterschied zur Bücherdiebin – haben wir es nicht mehr mit einem Jugendbuch zu tun. Hier baut der australische Autor eine Brücke, die komplex und facettenreich ist, die auf vielen literarischen Wurzeln fußt und Leser von der ersten bis zur letzten Seite zu sehr aktivem und aufmerksamem Lesen zwingt. Wir haben es nicht mit leichter literarischer Kost zu tun. Wir haben es im klassischen Sinn keinesfalls mit einem Familienroman zu tun, der in einer linearen Struktur unbeschwerte Lesestunden verspricht. Nicht weniger als ein Wunder liegt in unseren Händen. Wir müssen nur an dieses Buch glauben.

Ein Roman, ohne den meine Odyssee keinen Sinn gemacht hätte und ohne den ich eine gewisse Penelope Dunbar niemals kennengelernt hätte. Gut, dass ich mich davor bewahrt habe… Hörend und lesend.

Wem das nicht ZUSAKt, dem ist nicht zu helfen…

WEST von Carys Davies - AstroLibrium

WEST von Carys Davies

 WEST“ von Carys Davies

Es gibt Bücher, die körperliche Schmerzen verursachen können. Es gibt Romane, die in der Lage sind, ihren Lesern jeden Boden unter den Füßen wegzuziehen. Es gibt SchriftstellerInnen, die keine Cliffhanger, sondern komplette Abstürze ins Bodenlose in Szene setzen. Es gibt Romane, die so viele Facetten in einer bedrohlichen Atmosphäre verdichten, dass sie sich jeder Kategorisierung entziehen. Das ist kein Western. Das ist ein Western. Das ist kein Thriller. Das ist ein Thriller. Das ist kein Midlife-Crisis-Roman. Das ist ein Midlife-Crisis-Roman. Das ist kein Frauenbuch. Das ist ein Frauenbuch. Das ist eine der größten Geschichten des Jahres! „West“ von Carys Davies. Unglaublich.

Auch viele Monate nach dem Lesen hallt dieser Roman nach. Ein unvergesslicher Showdown mit einer noch unvergesslicheren Waffe, die ein Mädchen rettet. Ich sag` ja immer wieder. Vorsicht vor strickenden Frauen.

Davies schreibt einfach CARYSmatisch….

Der Wal und das Ende der Welt von John Ironmonger - AstroLibrium

Der Wal und das Ende der Welt von John Ironmonger

Der Wal und das Ende der Welt“ von John Ironmonger

Ein Roman mit „Hallowach-Effekt“. Ein Aufwachmoment der besonderen Art.

Wie man sich dieses Aufwecken vorstellen darf? Ganz einfach. John Ironmonger schreibt uns Bilder in die Seele, die uns daran zweifeln lassen, dass unsere Zukunft so aussieht, wie wir sie uns in unseren bunten Träumen vorstellen:

„Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Truthahn… Das Leben scheint es gut mit Ihnen zu meinen. Der Bauer gibt Ihnen mehr Futter, als Sie essen können. Er kümmert sich um Sie, hält Sie warm, schützt Sie vor Raubtieren… Und jeder Tag ist genau wie der Tag zuvor. Wenn Sie, als Truthahn eine Vorhersage für den nächsten Tag machen müssten, wie sähe sie aus? Wir werden nicht hungern. Denn Sie wissen nicht, dass morgen der Tag vor Weihnachten ist.“

Ein Bild, das ich nicht vergessen habe. Ein Buch, das die Wahrnehmung für globale Zusammenhänge schärft. Ein Eisenhändler (Ironmonger), der stahlharte Geschichten auf Lager hat.

Der Wintersoldat von Daniel Mason - AstroLibrium

Der Wintersoldat von Daniel Mason

Der Wintersoldat“ von Daniel Mason

Es sind die zentralen Themen der Verantwortung gegenüber einem Patienten, der Schuld beim eigenen Versagen und der Machtlosigkeit, die uns durch dieses Buch und seine Geschichte jagen. „Der Wintersoldat“ ist ein bildreiches Psychogramm verletzter Seelen. Kriegs- und Liebesroman, könnte man sagen. Dabei ist es mehr. Medizinisch in jeder Beziehung brillant recherchiert, menschlich authentisch und greifbar. Charaktere und Erzählung reiben sich aneinander, wachsen, verlieren sich und… Ja, dieses UND muss selbst erlesen werden. Ich werde diesen Roman sicherlich nicht mehr vergessen. Aus guten Gründen.

Gerade auch in meinem beruflichen Umfeld aus Medizinern und Assistenten im Sanitätsdienst der Bundeswehr hat dieser Roman für Aufsehen gesorgt. Authentisch und bewegend. So das einhellige Urteil. Ein Buch, das auch jenseits der Mason-Dixon- Linie gelesen werden sollte…

NSA von Andreas Eschbach_AstroLibrium

NSA von Andreas Eschbach

NSA“ von Andreas Eschbach

Andreas Eschbach erzählt eine unfassbare Geschichte, als hätte es sie gegeben. Was er jedoch wirklich unternimmt, ist der Versuch, uns die Augen zu öffnen, was uns alltäglich im Leben umgibt. Immer wenn wir ungläubig den Kopf schütteln und ausrufen, dass es damals gar nicht möglich war, halten wir plötzlich inne und müssen uns sagen: ABER JETZT. Diese Utopie ist das intelligenteste, mit allen Tabus brechende Buch, in dem ich in den letzten Jahren eintauchen durfte.

Man sollte sich darauf einlassen, auf die täglichen Nachrichten schauen und sich dann Gedanken darüber machen, was heute mit unseren Daten geschieht. Keine Angst… ist doch nur ein Buch…

Der vergessliche Riese von David Wagner - AstroLibrium

Der vergessliche Riese von David Wagner

Der vergessliche Riese“ von David Wagner

Nein, David Wagner hat keinen Bewältigungsroman verfasst. Dieses Buch ist auch kein Ratgeber. Es ist der zutiefst aufrechte Blick in eine Welt, die sich jedem Gesunden weitgehend entzieht und ihn dadurch hilflos macht. Würde. Dies ist die Überschrift, die für diesen Roman steht. Menschen, für die ihre Zeit stehengeblieben ist, sind begleitbar und zugänglich, wenn man seine eigene Zeit anhält. Auch wenn es frustrierend ist, dem Feind des Erinnerns täglich zu begegnen. Wer den Kampf aufgibt, verliert einen Riesen der letztlich nur gegen das Vergessen kämpft. Der letzte Satz dieses Romans bedeutet mir persönlich sehr viel, da er einen Weg weist, dem man sich am Ende zu stellen hat. Ein Ende, das dem vergesslichen Riesen gerecht wird, weil er von jenen in Erinnerung behalten wird, die ihm entgleiten. Ein wahrlich großes Buch.

Bayerischer Buchpreis 2019 für David Wagner. Eine verdiente Auszeichnung für ein Buch, das wirklich unvergesslich ist. Ich habe meinen vergesslichen Riesen tief bei mir gehabt, als ich dieses Buch las. Distanz zu wahren zu diesem Roman ist einfach nicht möglich.

Am Tag davor von Sorj Chalandon - AstroLibrium

Am Tag davor von Sorj Chalandon

Am Tag davor von Sorj Chalandon

Facettenreich und unvergesslich schreibt uns Sorj Chalandon seinen Roman ins Herz. „Am Tag davor“ sollte von Buchhändlern mit einer Grubenlampe versehen und ganz besonders im sogenannten Ruhrpott ganz vorne auf den Highlight-Tischen liegen. Der Roman ist eine Liebeserklärung an einen Menschenschlag und Berufszweig, von dem man sich in den letzten Jahren immer mehr verabschieden musste. Ihr Leben und ihr Leiden, ihre Traditionen und die stoische Schicksalsergebenheit stehen hier wie ein Standbild für eine fast vergangene Epoche echter Arbeiter. Werte und Normen, Freund und Feind, Gefahr und Genuss gehen Hand in Hand durch einen wahrhaft großartigen Roman. Montan-Literatur. Der Tiefgang verspricht Schürfrechte an einem Buch, in dem ab einem bestimmten Punkt kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Lesen!

Im literarischen Quartett einstimmig bejubelt, vielfach herausragend besprochen, gibt es nun wahrlich keinen Grund mehr, Sorj Chalandon nicht zu kennen.

Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle - AstroLibrium

Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle

Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle

Kurt Oesterle hat einen sehr nachhaltigen Roman über einen Krieg geschrieben, der gerade mal 100 Jahre hinter uns liegt. Er bringt Krater zum Singen, ermöglicht uns Heimatabende im Niemandsland, trifft Reisevorbereitungen für einen Toten, gibt Raum für Rettung und Hoffnung. Er lässt uns in einer einfachen Bretterbude einen ganz leisen Hauch von Europa fühlen. Vielleicht das erste gemeinsame Haus, von dem man heute gerne spricht. Ein Haus mit nur einem Zimmer. Provisorisch und von Blindgängern der letzten Schlacht umgeben. Ein Haus, das es zu bewahren gilt. Auch, wenn wir gelernt haben, auf welch wackligem Boden das Ganze steht. Ein Roman mit Signalwirkung in Zeiten, in denen scheinbarer Patriotismus erneut dazu aufruft, Grenzen zu ziehen.

Ein Roman, der eine Chance verdient hat. Ich lege meine Hand für dieses Buch in jedes Trommelfeuer. 

Durchbruch von Ronan Farrow - AstroLibrium

Durchbruch von Ronan Farrow

Durchbruchvon Ronan Farrow

Es kommt nicht oft vor, dass man ein Buch in Händen halten darf, das im Bereich „investigativer Journalismus“ als Meilenstein betrachtet werden muss. Es kommt nicht oft vor, dass man sich sogar als Zeitzeuge des beschriebenen Geschehens selbst ein Bild der Ereignisse machen kann. Und es kommt nicht oft vor, dass man im eigenen Lesen auf den Ursprung einer Bewegung stößt, die sich in den letzten beiden Jahren in allen Ländern der westlichen Hemisphäre ausgeweitet hat. Gemeint ist ein Skandal im Herzen von Hollywood. Gemeint ist der systematische jahrelange sexuelle Missbrauch von Frauen in der Filmbranche. Gemeint ist Harvey Weinstein, der Medienmogul, dem zahllose Frauen vorwerfen, sie in ihrer Abhängigkeit von seiner Macht ausgenutzt und vergewaltigt zu haben. Hier beginnt, was wir heute als MeToo-Bewegung kennen.

Lesen, die Welt beobachten, Automatismen erkennen und sich nicht wundern, warum im laufenden Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump ausgerechnet die Zeugen systematisch diffamiert werden. Catch and Kill…

Herkunft von Saša Stanišić - AstroLibrium

Herkunft von Saša Stanišić

Herkunft von Saša Stanišić

Das Buch Herkunft wird für mich grandios ergänzt durch das Hörbuch. Hier liest der Autor selbst. Man muss ihm zuhören, weil er sein Schreiben auf ein ganz anderes Level hebt. Er liest mit leichtem Akzent. Er liest weich, zart, unglaublich sympathisch in jeder Akzentuierung. Sein Humor wird unerhört hörbar. Eine melancholische Stimmung zieht sich wie ein roter Faden durch die Texte. Man möchte ihm zurufen, dass man ihn verstanden hat. Dass man selbst mit Flüchtlingen anders umgehen würde, dass man in Zukunft die Augen offenhält. Manchmal möchte man, dass Saša Stanišić einfach unser Lachen hört und unsere Nachdenklichkeit spürt. Er investiert so viel in sein Schreiben, dass man im Gefühl lebt, ihm etwas schuldig zu sein. Vielleicht begleicht dieser Artikel einen Teil meiner Schuld.

Buchpreisträger, literarische Lichtgestalt, Handke-Gegner. Literat von Format!

Hörbücher, gekürzt und ungekürzt, gelesen, gespielt, zelebriert:

Mit Markus Zusak und Saša Stanišić sind bei den bereits aufgeführten Büchern schon zwei meiner Top-Hörbuchempfehlungen enthalten. Bleiben mir also noch drei Top-Hörbücher des Jahres: 

Der dunkle Bote von Alex Beer - AstroLibrium

Der dunkle Bote von Alex Beer

Der dunkle Botevon Alex Beer

Nein, ich habe nicht das Buch gelesen. Ich bleibe hier den Hörbüchern treu. Und das aus gutem Grund. Cornelius Obonya. Reicht der Name des Sprechers aus oder muss ich weiter ausholen? Gerne. Cornelius Obonya lebt diese Buchreihe. Sie scheint den Stimmen, die aus ihm herausbrechen auf den Leib geschneidert zu sein. Er bietet alles, was die untergegangene KuK-Monarchie sprachlich und stimmlich zu bieten hat. Er lässt alle Dialekte der Wiener Unterwelt auferstehen. Serbisch, Ungarisch, das alte Wien selbst und natürlich August Emmerich, dem er eine Stimmfarbe verleiht, die einen hohen Wiedererkennungswert hat. Man kann mit Obonya lachen und weinen, man folgt seinen Lippen, weil man ihn nicht unterbrechen möchte. Im seinem Sprachgewitter hat die Buchreihe von Alex Beer ihre kongeniale Entsprechung gefunden. Wer Obonya nur einmal gehört hat, der wird sich von der Stopptaste seines MP3-Players verabschieden.

Ohne Alex Beer keine Romane dieser Güteklasse. Ohne Cornelius Obonya keine Hörerlebnisse der besonderen Art. Ein Duo Wienfernale…

Die Jahre von Annie Ernaux - Astrolibrium

Die Jahre von Annie Ernaux

Die Jahrevon Annie Ernaux

Experimentell kam es mir vor, was ich hörte. Fragmentarisch, kaleidoskopisch und gewagt. Das waren meine ersten Eindrücke und ich hatte das Gefühl, im Vergleich zu einer Lesung oder einem traditionellen Hörspiel mit Erzähler und Akteuren sehr schwer in die Geschichte hineinzukommen. Ich hatte nicht erwartet, eine konstant tickende Uhr im Hintergrund zu hören. Ich hatte nicht erwartet, vier Stimmen zu begegnen, die in der sich ständig überlagernden und schlagwortartigen Sprechweise eher an eine moderne Performance erinnern, als die Erwartung an ein Hörspiel zu erfüllen. Das war etwas so Neues für mich, dass ich einige Anläufe benötigte, um hier Fuß zu fassen, eine Struktur zu finden und mich selbst in den Hörrhythmus zu versetzen, den „Die Jahre“ verdient haben.

Mehrfach ausgezeichnet. Ein Hörbuch, das niemals in die Jahre kommen wird…

Der Bücherdrache von Walter Moers - AstroLibrium

Der Bücherdrache von Walter Moers

Der Bücherdrache von Walter Moers

Ihr trefft auf Bücherwürmer, helft dabei, dem Bücherdrachen seine Buchschuppen zu stehlen und spürt die inspirierende Macht des Orm. Ihr werdet zu Zeugen des einzigen Ormrakels, das die Welt je sah und verirrt Euch im Geflecht aus Wahrheit, Lügen und Spekulation. Und nicht zuletzt erkennt Ihr Euch im Bücherdrachen wieder, der nur aus Liebe zur Literatur existiert. Wer würde sich da nicht gerne im Ormsumpf suhlen? Eine grandiose Geschichte, die in allerbester zamonischer Tradition zu begeistern weiß. Im Hörbuch ist es erneut Andreas Fröhlich, mein stimmlicher Zamonienmeister, der alle Charaktere zum Leben erweckt. Seine Interpretation des Bücherdrachen, der nur in der Erzählung des kleinen Buchlings zu Wort kommt, ist magisch. Was die Illustrationen für das Buch sind, ist die Stimmfarbe dieses Wortkünstlers für das Hörbuch. Ich begegnete ihm auf der Leipziger Buchmesse. Ein Gespräch, das noch lange nachwirkt, weil ich in diesem Moment mit allen Stimmen Zamoniens sprach. Und nicht nur mit diesen.

Stimmzauberer liest Zamonische Charaktervielfalt. Fröhlich ist, wer Fröhlich hört.

AstroLibrium - Best of 2019

AstroLibrium – Best of 2019

Was mir noch zu sagen bleibt:

Ich danke Euch für Euer Interesse an meiner kleinen literarischen Sternwarte. Ich bin dankbar für Euer Lesen, Eure Kommentare und das vielfältige Feedback auf meine Artikel, Rezensionen oder Posts auf Facebook oder Instagram. Ich freue mich sehr auf ein neues Kapitel meines Lesens und Lebens. Ein Jahr der Veränderung steht vor der Tür. 2020. The Year of Changes. Was ich damit meine, werdet Ihr schon zum Beginn des neuen Jahres lesen können. Ich blicke nach vorne, gebe einen Ausblick auf meine Projekte, neue Bücher und Hörbücher und möchte gleichzeitig verdeutlichen, warum in wenigen Wochen eine neue Zeitrechnung für mich beginnt.

Es wäre ein Traum, Euch an meiner Seite zu wissen. Guten Bücherrutsch. Kommt gesund und glücklich ins neue Jahr.

AstroLibrium – Die literarische Sternwarte wünscht einen guten Rutsch

Handeln statt hoffen von Carola Rackete

Handeln statt hoffen von Carola Rackete - AstroLibrium

Handeln statt hoffen von Carola Rackete

Aus der Rede eines Mädchens vor Delegierten einer UN-Klimakonferenz:

Wir haben das gesamte Geld selbst aufgebracht, um die 6000 Meilen hierher zu reisen und Euch Erwachsenen zu sagen, dass Ihr Eure Lebensweise ändern müsst. Das, was ich hier sage, meine ich Wort für Wort. Ich kämpfe für meine Zukunft.

Ich bin hier, um im Namen aller zukünftigen Generationen zu sprechen. Ich bin hier, um im Namen der… Kinder dieser Welt zu sprechen, deren Schreie ungehört verhallen.

Ich bin hier, um für die Tiere zu sprechen, die überall auf diesem Planeten sterben, weil es für sie keinen Platz mehr gibt. Wir können es uns nicht mehr leisten, nicht gehört zu werden. Ich habe Angst davor in die Sonne zu gehen wegen der Ozonlöcher. Ich habe Angst die Luft einzuatmen, weil ich nicht weiß, welche Chemikalien darin vorkommen.

Vergesst nicht, warum Ihr solche Konferenzen besucht und für wen Ihr das tut. Wir sind Eure Kinder. Ihr entscheidet, in was für einer Welt wir aufwachsen werden.

Handeln statt hoffen von Carola Rackete - AstroLibrium

Handeln statt hoffen von Carola Rackete

Ja, diese Reden sind gerade unsere Wegbegleiter. Sie zeigen auf, was Jugendliche von den Regierenden dieser Welt erwarten. Die Worte aus der oben zitierten Rede sind in aller Munde. Sollte man denken. Wer sonst sollte sie gesagt haben, wenn nicht jenes Mädchen aus Schweden, das gerade drauf und dran ist, die Welt wie wir sie kennen zu verändern? Nein. Diese Rede stammt nicht von Greta Thunberg. Sie wurde bereits vor über 17 Jahren in Rio De Janeiro von der neunjährigen Kanadierin Severn Suzuki vor den Teilnehmern am „Earth Summit“, einer UN-Umweltkonferenz gehalten. Sie hat mit ihren Worten die Delegierten bewegt. Punkt. Das war´s. Ohne Social-Media und ohne die Wucht einer medialen Omnipräsenz verpuffte diese Rede im Nirwana der Ignoranz.

1992. Mehr muss ich eigentlich nicht sagen, wenn ich den Versuch starte, den heute so intensiv verunglimpften Klima-Aktivisten und Aktivistinnen in der kleinen literarischen Sternwarte Gehör zu verschaffen. Mehr muss ich nicht sagen, um zu verdeutlichen, wie berechtigt die Vorwürfe an die Weltpolitik sind. Ergebnislose Konferenzen, Staaten, die sich hier verabschieden und die Veränderung des Weltklimas als Lappalie bezeichnen. Absichtserklärungen ohne Konsequenzen. Regierungsprogramme ohne Biss und doch immer bereit, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Aber wehe, jemand legt den Finger in diese Wunde. Wehe man versucht uns aus der Komfortzone zu argumentieren. Und wehe, es handelt sich bei den handelnden Figuren, die diesen Weg konsequent gehen, auch noch um Mädchen oder Frauen. Doppelt geeignet, um Ignoranz zu erzeugen. Es gibt keinen menschengemachten Klimawandel und Frauen sollen bitte tun, was sie am besten können. Also alles, nur nicht Einfluss nehmen. Oder sich einmischen. Oder den Mund aufmachen.

Handeln statt hoffen von Carola Rackete - AstroLibrium

Handeln statt hoffen von Carola Rackete

Kommt uns doch bekannt vor. Ohne Suffragetten kein Frauenwahlrecht. Ohne ein Aufbegehren gegen die männerdominierte Welt, keine Veränderung. Ohne Revolution mit zivilem Ungehorsam, Hungerstreik unter Inkaufnahme von Haftstrafen keine neuen Impulse in einer Männerdomäne. Und heute? Quotenfrauen. Unterrepräsentiert und in weiten Teilen der Gesellschaft unsichtbar. Wer sich dann auch noch traut, seinen Mund aufzumachen und sich für jene einzusetzen, die sprachlos sind, der wird zum Opfer und wie die sprichwörtliche Sau durchs Dorf gehetzt. Greta Thunberg ist ein gutes Beispiel, welchem Shitstorm man ausgesetzt wird, wenn man das Establishment (also Wirtschaft und Politik) stört. Weitere Beispiele? Nehmen wir doch einfach mal Carola Rackete.

Sea-Watch 3-Kapitänin, Retterin zahlloser Flüchtlinge im Mittelmeer, Aktivistin und Kämpferin für Umwelt- und Menschenrechte. Auf Lampedusa verhaftet, als Mittelsmann (sorry, Frau) zwischen Schlepper- und Schleuserbanden kriminalisiert und der illegalen Anlandung von Flüchtlingen in italienischen Hoheitsgewässern angeklagt. Vorurteil und Urteil sollten Hand in Hand gehen. Kapitänin ohne Patent, Beugung des Seerechts und kriegerischer Akt. Vorwürfe im Einklang mit Verunglimpfung und Rufmord. Nebelkerzen der internationalen Ablenkung, weil man, wie immer in solchen Fällen, lieber polemisch wird, anstatt sich mit Ursachen und Wirkungen auseinanderzusetzen. Jetzt hat Carola Rackete ein Buch geschrieben und dem Hörbuch die Stimme geliehen. Hier spricht sie das Schlusswort. Ich habe gelesen und gehört. Kritisch, jedoch frei von Ressentiments und Vorverurteilungen. Aufmerksam und selbstkritisch. Meine Aufmerksamkeit hat sie sich verdient. Sie wendet sich mit einem lauten Appell an uns alle:

Handeln statt hoffen von Carola Rackete - AstroLibrium

Handeln statt hoffen von Carola Rackete

Handeln statt hoffen. Aufruf an die letzte Generation.

Ich fühle mich angesprochen. Ich gehöre vielleicht nicht zur letzten Generation, habe aber meinen Teil dazu beigetragen, dieser Generation zwei Menschen beizusteuern. In dieser Beziehung trage ich Verantwortung. Carola Rackete lässt mich das spüren. Auf jeder einzelnen Seite. Mit jedem einzelnen Wort. Ich lese, höre und verfolge gleichzeitig die täglichen Nachrichten zum Klimawandel. Ich versuche jedem Argument der Autorin ein „Aber“ entgegenzusetzen und werde immer leiser in meinen Entgegnungen. Wenn ihr heute Aktionismus vorgeworfen wird, dann verweise ich nur auf das einleitende Zitat zu diesem Artikel. Wenn das Aktionismus ist, dann muss sich die Weltgemeinschaft mit dem Vorwurf der konsequenten Passivität intensiv auseinandersetzen. Carola Rackete leitet aus nachweisbaren Studien zum Klimawandel ab, stellt Zusammenhänge dar, die augenscheinlich sind, aber auf Blindheit stoßen. Sie verbindet Klimagerechtigkeit und Menschenrechte mit Flüchtlingsströmen und deren Auswirkungen. Ihre konsequente Bewertung, „mit dem Hoffen aufzuhören“ muss man angesichts der Realität teilen. Ihre Argumentation ist schlüssig, bestechend und basiert auf wissenschaftlichen Fakten, die nur jene leugnen, die persönliche Nachteile befürchten, wenn der drohende Ökozid ein Umdenken in der Gesellschaft verursacht.

Mir gehen im ersten Teil ihres Buches sehr schnell die „Abers“ aus. Ihre Position zur Rettung von Menschenleben auf hoher See entspricht meinem humanistischen und juristischen Weltbild. Seenotretter zu den verantwortlichen der Flüchtlingskrise machen zu wollen, entspricht dem üblichen Reflex der Besitzstandswahrung. „Sollen die doch bleiben, wo sie herkommen.“ Ein oft gehörtes Argument, verbunden mit der Angst vor angeblicher Überfremdung. Die Weltgeschichte ist voll von Flüchtlingsströmen und die Argumente gegen eine Aufnahme von Menschen in Not gleichen sich frappierend. Hier greifen die altbekannten Automatismen. Meine Komfortzone. Meine Mauer. Mein Besitz und meine Angst, die ich gerne schüren lasse. Populisten lachen sich ins Fäustchen und Betroffene werden pauschal kriminalisiert. Carola Rackete bringt es im Klartext auf den Punkt. Sie spart nicht mit Anklage. Sie spart nicht mit Schuldzuweisungen, und sie spart nicht mit dem Aufzeigen von möglichen Lösungsansätzen.

Handeln statt hoffen von Carola Rackete - AstroLibrium

Handeln statt hoffen von Carola Rackete

Hier gehe ich nicht konform mit ihr. ABER: Ich billige ihr eine gewisse Radikalität im Konflikt zwischen Zuschauen und Handeln zu. Hier geht sie mit Greta Thunberg Hand in Hand. Die rote Linie ist gezogen. Sie ist überschritten. Zuschauen und auf andere zu zeigen ist obsolet und outet diejenigen, die als Gewinnler vom Stillstand profitieren. Mich beschäftigen die Impulse, die Carola Rackete setzt. Sie zeigen die Ausweglosigkeit der Situation. Die Ordnung stören, sich der Politik und den Konzernen zu widersetzen, eine Form zivilen Widerstands und Ungehorsams zu kultivieren, nicht über den Tellerrand zu blicken, sondern den Teller wegzuwerfen und neu zu beginnen, Initiativen wie Fridays for Future und Extinction Rebellion zu unterstützen. Hier geht für mich vieles unter in einem Wust pseudodemokratischer Ideen, die einer gerechteren Welt dienen sollen. Im Großen und Ganzen empfinde ich ihre Impulse als wichtige Zündfunken einer Debatte, die politisch einseitig und falsch geführt wird.

Ich möchte mich davon nicht ablenken lassen. Ich suche das Gespräch mit jungen Menschen. Ich habe viel zu lernen, habe viel gelernt und persönlich keinen spürbaren Beitrag zum Erhalt unserer Umwelt geleistet. Ich war nicht am Hambacher Forst, habe es nicht geschafft in meiner Jugend spürbare Kraft gegen Ressourcenmissbrauch auf unserem Globus zu entwickeln. Ich muss vor meiner Haustüre kehren und darf es mir nicht so leichtmachen, auf andere zu zeigen. Handeln statt hoffen. Ein Buch, das mir viel gegeben hat. Angesichts der aktuellen Nachrichtenlage, nach der Wissenschaftler weltweit auf eine Erderwärmung von bis zu 3 Grad bis zum Jahr 2100 hinweisen, wird die Zwangslage deutlich. Warten und hoffen, zuschauen und ablenken können wir uns nicht mehr leisten. In Demokratien zivile Impulse zur Störung der Ordnung zu initiieren ist wesentlich leichter, als dies in autokratischen politischen Systemen zu versuchen.

Weltweiten Herausforderungen kann man letztlich nur weltweit begegnen. Es ist nur unerlässlich, die wesentlichen Impulse zur Veränderung nicht zu unterdrücken, sie nicht ins Lächerliche zu ziehen oder gar zu kriminalisieren. Die Zeit läuft. Aye, Käptn.

Handeln statt hoffen von Carola Rackete - AstroLibrium

Handeln statt hoffen von Carola Rackete

PS: Ein Schlussgedanke zur Kriminalisierung von Seenotrettern

Wer Seenotretter mit Schleppern gemein macht und ihnen Mitschuld gibt an den Flüchtlingsströmen nach Europa, der begeht einen Denkfehler. Wenn sich keine Retter auf dem Mittelmeer befinden, ebbt der Strom der Hilfesuchenden nicht ab, da Ursachen für Migration nicht behoben sind und es den kriminellen Menschenschleppern völlig egal ist, ob die Flüchtlinge gerettet werden. Wer hier eine Schuldumkehr betreibt, sollte mal darüber nachdenken, ob wir auf Autobahnen nur deshalb so schnell fahren, weil wir um das System der Notfallversorgung mit Notarztwagen, Rettungshubschrauber, Klinik und Rehabilitation wissen. Tragen jetzt also die Ärzte in diesem Land eine Mitschuld an der hohen Zahl der durch Raser verursachten Unfalltoten? Kriminalisiert, wen Ihr wollt, aber lasst die Kirche im Dorf, wenn Eure Komfortzone in Gefahr gerät.

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Handeln statt hoffen von Carola Rackete und eine gute Frage nach Helden

„Handeln statt hoffen – Aufruf an die letzte Generation“ von Carola Rackete
Buch: Droemer-Knaur / 176 Seiten / gebunden / 16 Euro
Hörbuch: Der Hörverlag / 4 CDs / ungekürzte Lesung / Gelesen von Jodie Ahlborn und Carola Rackete / 3 Std. 53 Min. / 16 Euro

Ich bin Circe von Madeline Miller

Ich bin Circe von Madeline Miller _ Astrolibrium

Ich bin Circe von Madeline Miller

Ich war nie ein großer Freund der griechischen Mythologie. Und doch ließ ich mich im letzten Jahr dazu verführen, der „Odyssee“ von Homer meine Aufmerksamkeit zu schenken. Nie hätte ich gedacht, dass ich so tief eintauchen würde. Mir war schon klar, dass Homer einen großen Einfluss auf die Literatur unserer Zeit hat, dass mir aber mit seinem Epos gleich mehrere Bücher in die Hand fallen würden, die auf ihn verweisen, hat mich dann doch mehr als überrascht. „Eine Odyssee – Mein Vater, ein Epos und ich“ von Daniel Mendelsohn traf mich dabei nicht überraschend. Ebenso wenig wie die von allen Göttern befreite Troja-Adaption von Alessandro Baricco. „Also sprach Achill“ musste zwangsläufig auf Homers Ilias und die folgende Odyssee verweisen.

Dass ich jedoch auch im neuen Roman von Markus ZusakNichts weniger als ein WunderSpurenelemente des großen Homer finden würde, konnte kein Zufall mehr sein. Die Erkenntnis traf mich wie ein literarischer Blitz. Bücher haben Schicksale und Leser werden zu ihren schicksalhaften Begleitern. Seitdem verstehe ich die „Odyssee“ als komplexe Vater-Sohn-Geschichte, die als Urmutter aller Entwicklungsromane dient. In ihr sind alle Konflikte verwoben, eingebettet und verborgen, die (Götter hin oder her) den Urknall des Beziehungs-Sprengstoffes in sich tragen. Odysseus und Telemachos sind die literarischen Prototypen für ein ewiges Versteckspiel, das sich in der Literatur tausendfach wiederholt hat. Dem heldenhaften Vorbild nacheifern, an seiner Strahlkraft verzweifeln, die eigene Rolle im Leben suchen, auf Anerkennung und Respekt hoffen. Alles Parameter, die heute noch für Telemachos im Schatten eines Übervaters stehen.

Ich bin Circe von Madeline Miller _ Astrolibrium

Ich bin Circe von Madeline Miller

Und doch fehlte mir etwas. Abseits der Heldenverehrung des Odysseus, jenseits der Wege, die ihn nach dem Trojanischen Krieg auf Umwegen zurück nach Ithaka führten. Ich war auf der Suche nach einer Perspektive, die ihn mir zugänglicher machen würde. Mich interessierte nicht mehr der Trojanische Krieg und auch die Stationen der Irrfahrt bis nach Ithaka waren mir vertraut. Mir fehlte ein Mosaikstein, eine tiefere Spur, die mir den Menschen hinter den Legenden näherbringen konnte. Als ich den Roman „Ich bin Circe“ von Madeline Miller entdeckte, hatte ich die Hoffnung, dieses Steinchen bei ihr zu finden. Und bei Zeus, ich wurde nicht enttäuscht. Ich entschied mich für das Hören. Ich wollte mich im wahrsten Sinne des Wortes „becircen“ lassen.

Hier hatte Odysseus auf seiner Heimreise Halt gemacht. Bei ihr verlor er sich. Hier blieb er wesentlich länger, als es seinen Gefolgsleuten nach dem langen Trojanischen Krieg lieb sein konnte. Hier wurden seine Soldaten von der gottgleichen Hexe Circe in Schweine verwandelt. Hier zweigt die Mythologie in unterschiedliche Verästelungen ab und es entstehen Geschichten, die einen anderen Odysseus erahnen lassen. Aiaia, die Insel der Circe mutiert zum schicksalhaften Sehnsuchtsort, von dem es kein Entrinnen gibt. Und wenn man es schafft, bleibt man lebenslang gezeichnet. Ich ging mit großen Erwartungen auf die Reise. Ich wollte so viel wie möglich erfahren, ohne in die Untiefen der fast undurchschaubaren Mythologie einzutauchen. Bei Zeus, ich fand, wonach ich suchte.

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Ich bin Circe von Madeline Miller

Frei nach dem Motto „Götter sind auch nur Menschen“ entführte mich Madeline Miller in eine Welt, die von Eifersucht, Neid und Missgunst geprägt ist. Ich werde mit Haut und Haaren vom Ränkespiel der Götter aufgesaugt. Ich bin ein Mensch und sehe mich als Marionette in einem göttlichen Wettstreit, in Konflikte verwickelt, die das Mädchen Circe an den Rand der göttlichen Gesellschaft katapultieren. Verbannung als Strafe. Einsamkeit als Therapie und Entsagung von allem Vergnügen sieht ihr Vater für sie vor. Aiaia. Die einsame Insel wird zum Gefängnis einer verwöhnten Göttertochter. Madeline Miller erzählt rasant, modern und spannend. Sie nimmt uns mit in ihre Welt der Götter, die sie wie Götterspeise für ihre Leser und Hörer zubereitet.

Die aufmüpfige Tochter, der Sonnengott-Vater und die Streitereien um die Gunst des Gottvaters Zeus. Alles Gründe für ihre Verbannung. Auf sich und ihre Fähigkeiten gestellt, gelingt es Circe, sich mit der Verbannung zu arrangieren. Eine starke Frau, die sich ihrer Haut erwehren muss. Ihre Gabe, pflanzliche Tränke zu brauen, die Zauber in sich tragen, rettet sie. Männer, die sie vergewaltigen wollen, werden zu Schweinen. Sie ist alles, nur kein Opfer. Die Autorin füllt eine mystifizierte Person mit Leben. Sie zeigt Circe als manipulative, verletzte und ewig suchende Göttin, die uns menschlicher und nahbarer erscheint, als in der Urfassung der Epen. Die Aura der Göttin wird immer und immer wieder von außen durchstoßen. Der äußere Schein trügt. Tief im Herzen ist sie eine Frau, in die man sich verlieben kann.

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Ich bin Circe von Madeline Miller

Als Odysseus die Insel Aiaia betritt, schwingt sich die Erzählung zu einer greifbaren Romanze in die höchsten Höhen einer schicksalhaften Liebesgeschichte hinauf. Hier erlebe ich den Odysseus hinter den Kulissen. Hier wird er zu dem Charakter, der sich bisher in den Legenden gut verbergen konnte. Er wird zum Vater von Telegonos, dem Sohn, den Circe zur Welt bringt, als Odysseus auf dem Heimweg zu seiner Familie ist. Aus der verlassenen Göttin wird der Prototyp einer Rasenmähermutter. Alle Konflikte, die ihrem Sohn drohen, werden von ihr weggezaubert. Nichts überlässt sie dem Zufall. Als Telegonos sich jedoch auf die Suche nach seinem Vater macht, ist auch Circe am Ende ihrer Kunst angelangt.

Madeline Miller lässt die Geschichte mehrfach eskalieren. Die einsame Insel Aiaia mutiert zum Hotspot für Götterreisen. Hier findet ein Stelldichein des Who-Is-Who der Götter statt. Man reibt sich erstaunt die Augen, wer hier anlandet. Als jedoch Penelope, die Frau von Odysseus mit Telemachos und Telegonos auftaucht, wird aus dem Epos ein gewaltiges und dramatisches Szenario der Götterdämmerung. Alle Elemente einer guten Story finden hier zusammen und wir erkennen viele Muster wieder, die später im Herzen der Literatur eine wichtige Rolle spielen. Wie verhält man sich, wenn man sich als Unsterbliche in einen Sterblichen verliebt? Hier grüßen Circe und Telemachos den Rest der Bücherwelt. Kommt uns das nicht bekannt vor? Aragorn und Arwen. Beren und Lúthien. Tolkien konnte nicht widerstehen und so mancher Vampirroman nimmt dieses Muster auf. Nicht zu sprechen vom Highlander, an dessen Seite man sich mit dem Song „Who wants to live forever?“ über Wasser halten musste.

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Ich bin Circe von Madeline Miller

Auch meine Entscheidung für die Hörbuchfassung war goldrichtig. Ich hätte mich lesend nicht so leicht in Circe hineinversetzen können. Aber ihr zuzuhören, ja, das war ein Erlebnis. Ann Vielhaben hat mich gute 12 Stunden lang in der gekürzten Lesung becirct und betört. Sie hat gezetert und gebrüllt, mir gottgleiche Befehle erteilt und mich verzaubert. Sie hat jede einzelne Facette des widersprüchlichen Charakters mit Leben gefüllt und lautstark, leise, verhalten oder vehement dafür gesorgt, dass man Circe vor sich sehen kann. Diese Stimme kann zickig, verliebt, herrisch und verletzt sein. Sie hat alle Stimmfarben um mit Fug und Recht sagen zu können „Ich bin Circe“. Und doch ist eine kleine Kritik erlaubt. Manchmal werden Worte am Ende eines Satzes ausgehaucht, und verschwinden unbetont im Nichts. Es gab Passagen, die ich erneut hören musste, um das Ende zu verstehen. Hier kommt es auf die Hörsituation an. Zuhause eher kein Problem. Unterwegs schon eher. Das jedoch ist Jammern auf hohem Niveau. Aktives Hören ist eben mit einer ruhigen Umgebung verbunden.

Am göttlichen Hörgenuss ändert das nichts. Besonders das Ende des Hörbuchs ist unvergleichlich gut erzählt. Gänsehaut.

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DER STORE von Rob Hart

DER STORE von Rob Hart - AstroLibrium

DER STORE von Rob Hart

Ein Barcode als Buch- und Hörbuchcover? Sieht so aus. Zumindest auf den ersten Blick. Wären da nicht die schwarzen Strichcode-Balken, die in hilfesuchende, flehende Hände münden. Der Hintergrund erweckt den Eindruck, man hätte es mit einem Paket zu tun, das nur noch schnell eingescannt werden muss und dann versandfertig ist. Ein auffällig roter und doch schlichter Schriftzug, der Autor und Titel mit Namen nennt. Und schon ist eines der wohl ungewöhnlichsten Buchpakete des Jahres gepackt. Bereit, um gelesen oder gehört zu werden. „DER STORE“ von Rob Hart. Dystopisch, visionär und weltverändernd. Eine brillante Story, die uns das Gefühl gibt, bereits in der Zukunft der „Cloud“ angelangt zu sein, die den Weltmarkt dominiert…

Rob Hart entwirft ein Zukunftsszenario, das uns nicht fremd erscheint. Eigentlich kann es nur noch ein paar Jahre dauern, bis wir soweit sind. Die Basis für die Story ist schon heute gelegt. Es fühlt sich nicht unglaublich oder utopisch an, was wir hier lesen oder hören dürfen. Das macht diesen Roman so bedrohlich. Die Ähnlichkeit des Online- Weltmarktführers in dieser Story mit einem bereits heute schon dominanten Konzern ist sicher nicht zufällig und unbeabsichtigt. Rob Hart dreht nur an den Stellschrauben einer Entwicklung und gewährt uns einen Blick in die Versandhauswelt in ein paar Jahren. In jeder Beziehung plausibel und nachvollziehbar. Und spätestens, wenn wir das nächste Päckchen vom großen „A“ geliefert bekommen, läuft es uns kalt den Rücken herunter. Versprochen.

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DER STORE von Rob Hart

Die Welt, die Rob Hart uns zu Füßen legt ist der wahre Traum. Also zumindest, wenn man Mitarbeiter im „Cloud-System“ ist. Der weltweit größte Online-Store ist nicht nur in jeder Hinsicht ein Traum für die Kunden, da er alles, wirklich alles, immer, wirklich zu jeder Zeit und zu unschlagbar günstigen Preisen frei Haus liefert. DER STORE ist auch der ideale Arbeitsplatz, weil sich das globale Unternehmen dem Wohl seiner Mitarbeiter verschrieben hat. Gibson Wells hat Großes geleistet. Er blickt am Ende seines Lebens auf eine wahre Pionierleistung des Unternehmertums zurück. Er hat nicht nur die Cloud geschaffen. Er hat nicht nur Warenströme monopolisiert. Er hat nicht nur dafür gesorgt, dass Menschen jederzeit von Cloud-Drohnen beliefert werden können. Nein. Er hat viel mehr geleistet.

Die Klimapolitik verdankt ihm innovative Impulse. Er hat hier nicht nur das Pendeln seiner Mitarbeiter abgeschafft. Nein. Er lässt sie nicht nur in den Mother-Clouds, in den großen Zentren seines Imperiums wohnen und leben. Er hat zahllose Arbeitsplätze aus dem Boden gestampft, weil er den Menschen im Arbeitsprozess nicht durch Maschinen ersetzt hat. Bei ihm gibt es lebendige Verpacker und Sortierer. Berufe, die heute schon fast ausgestorben sind. Gibson Wells ist der Gegenpol zur Digitalisierung der Arbeit. In seinem Konzern arbeitet der Mensch. Er lebt an seinem Arbeitsplatz, wird dort versorgt und mit allem Lebensnotwendigem ausgestattet. Ein wahrer Traum. Sollte man meinen. Gäbe es da nicht zwei Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen den Tests in einer Mother-Cloud unterziehen, um von Gibson Wells angestellt zu werden. Sie haben gute Gründe für ihre Bewerbung.

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Während der Firmenpatriarch sich auf seine Farewell-Tour begibt, bevor er seinen Nachfolger bekanntgibt, schleichen sich zwei ungleiche neue Mitarbeiter ein, um seiner Lebensleistung ein Ende zu setzen. Aber warum? Wozu den wahren Wohltäter der Zeit sabotieren? Ist doch alles prima und den Menschen geht es besser, als je zuvor. Nunja. Auf den ersten Blick. Diese Wahrnehmung kann sich jedoch schlagartig ändern. Durch die Anwesenheit von Zinnia und Paxton kommen ungewohnte Perspektiven aus dem Inneren des STORE ans Tageslicht. Zwei Undercover-Mitarbeiter mit unterschiedlichen Motivationen und Zielen finden zueinander und scheinen ihre Kräfte zu bündeln. Zinnia folgt einem Auftrag von außen. Paxton folgt einer persönlich motivierten Mission. Beide sind durch ihre Rollen als Verpackerin und Security-Mitarbeiter gut getarnt.

Rob Hart entwickelt einen spannenden Plot, in dem er zwei einsame Wölfe zu einem kleinen Rudel vereint, das als Systemsprenger fungiert. Können sie einander vertrauen und finden sie ihren Weg durch das komplexe System der Cloud? Was passiert, wenn ihre Pläne greifen? Ein fulminantes Katz- und Mausspiel nimmt konkrete Formen an. In temporeichen Aufzügen rast Rob Hart durch das Herz der Mother-Cloud. Zentrale und bestimmende Elemente, wie Machthunger, Rache, Widerstand und Intrigen wirken wie Brandbeschleuniger. Als Gibson Wells seinen Besuch in der Mother-Cloud ankündigt beginnt der Countdown für Zinnia und Paxton zu laufen. Pläne greifen ineinander. Der Gegner ist allmächtig. Jeder wird überwacht. Gibt es einen oder zwei Wege, um dieses System zur Implosion zu bringen? Lesen oder hören. Ihr habt die Wahl. Spannung bis zum Letzten ist garantiert.

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Mein Königsweg in die Mother-Cloud war der des Hörens. Elfeinhalb Stunden lang habe ich mich gefühlt, wie ein Mitarbeiter der Cloud. Und ich habe mich dabei gar nicht gut gefühlt, da die Wahrheit immer deutlicher zutage trat. Vier prominente Stimmen hat man für die Hörbuch-Produktion vereint. Stimmen, die wie Wegweiser durch eine Story wirken und so eine ganz spezielle Atmosphäre entstehen lassen. Frank Arnold doziert als Cloud-Patriarch Gibson Wells selbstgefällig über sein ganzes Lebenswerk und wirkt dabei wie Zeus auf dem Olymp. Stark interpretiert. Simon Jäger, die Synchronstimme von Matt Damon, bringt als Paxton alle Facetten dieses Charakters auf den Punkt. Es sind Rachegefühle, die ihn leiten. Es ist die Zuneigung für Zinnia, die ihn verleitet. Und es ist die Faszination für ein menschenverachtendes System, die ihn fast zum Mitläufer werden lässt. Anna Carlsson bringt stimmlich alles mit, was wir mit Zinnia assoziieren. Sie klingt resolut ebenso plausibel, wie in ihren verletzlichen Momenten. Sie überzeugt spionierend in jeder Nuance und lässt verliebt die Stimme säuseln. Gänsehautstimme.

Und ganz zuletzt gibt es da eine Stimme aus dem Off. Die Stimme für die offiziellen Verlautbarungen der Cloud, die Stimme der Lernvideos für die Mitarbeiter. So wird aus der Synchronsprecherin und Schauspielerin Janin Stenzel die Stimme jenes Systems. Hier spricht sie mechanisch, neutral und doch so eindringlich hypnotisierend, dass man ihren Anweisungen sofort Folge leisten würde. Alexa war gestern… Stenzel ist jetzt… Ich habe das Hören dieser Geschichte als Privileg empfunden. Kopfkino für die Ohren. Blendend besetzt und atmosphärisch grandios umgesetzt. Ihr habt die Wahl. Und jetzt warte ich auf meine Drohne. Bin mal gespannt, was ich bestellt habe…

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Buch: Heyne Verlag / gebunden / 592 Seiten / dt. von Bernhard Kleinschmidt / 22 Euro Hörbuch: Random House Audio / 2 CD / 11 ½ Std. 30 / Lesung mit Frank Arnold, Anna Carlsson, Simon Jäger, Janin Stenzel / gekürzt / 22 Euro

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