Raum von Emma Donoghue – Platzangst im Kino

Raum von Emma Donoghue - Jetzt als Film

Raum von Emma Donoghue – Jetzt als Film

Vor vier Jahren hieß es für mich, ein Buch aufzuschlagen und bereits beim Lesen der ersten Zeile leicht zusammenzuzucken. Vier Jahre ist dies nun her, und seitdem hat dieser Roman seine ganz eigene Erfolgsgeschichte geschrieben. „Raum“ von Emma Donoghue hat unzählige Leserherzen erobert, obwohl er eine Geschichte erzählt, die so aufwühlend und verstörend ist, wie man es sich in seinen schlimmsten Albträumen nicht erhofft. Und nun, genau vier Jahre später, wirft die Verfilmung von „Raum“ ihre ersten Schatten voraus.

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Mit vier Oscar-Nominierungen geht die cineastische Adaption des Romans in die diesjährige Oscar-Nacht in Los Angeles. Und dabei gilt es, auf einige Besonderheiten zu achten. Der Film „Raum“ ist nominiert in den Kategorien bester Film, beste Regie, beste weibliche Hauptrolle und bestes adaptiertes Drehbuch. Womit wir erneut bei Emma Donoghue angelangt sind, denn die Bestseller-Autorin hat es sich nicht nehmen lassen, das Drehbuch zur Verfilmung selbst zu verfassen. Dies scheint eine Garantie dafür zu sein, dass die Leinwandadaption dem Buch so nah kommt, wie man es sich als Leser wünscht.. Die Kritiken in Amerika scheinen dies zu bestätigen.

Bevor wir uns am 17. März im Kino davon überzeugen können, möchte ich einen Blick zurückwerfen auf den Roman, der mich seit 2011 nicht mehr losgelassen hat. Ich möchte einen Blick zurückwerfen auf diesen Moment des Lesens der ersten Zeilen von „Raum„. Einen Lesemoment, den ich fast auf den Tag genau vor vier Jahren in meiner Rezension auf LovelyBooks so beschrieb, wie ich ihn zuckend erlebte.

Raum von Emma Donoghue - Besondere Momente

Raum von Emma Donoghue – Besondere Momente

„Ich wohne in Raum – ich schlafe in Schrank. Ich wache im Dunkel in Bett auf.“

Waren der Schriftstellerin Emma Donoghue die Präpositionen ausgegangen, oder wer versuchte hier zu erzählen? Das Zucken dauerte nur einen kleinen Moment und ich freundete mich mit dem fünfjährigen Jack an. Ich tauchte in seine kindliche Realität ein und die ist durch Raum definiert.

Nur Raum ist real. Draußen existiert nicht. Wenige Quadratmeter groß, spartanisch eingerichtet, wahrlich kein Kinderparadies, wahrlich kein schöner Ort zum Aufwachsen, weil Raum einfach keinen Raum dafür lässt.

Ein weiterer gezielter Blick in Raum beruhigte mich – zumindest für den Moment – Jack ist gar nicht allein. Er bewohnt Raum mit seiner Mom und die beiden sind in jeder Beziehung ein mehr als großartiges Gespann. Mom motiviert Jack, sich zu bewegen, seine Zähne ordentlich zu putzen und alles brav aufzuessen. Vorbildlich.

Aber was sie ihm von der Welt erzählt ist schlichtweg falsch – sie belügt ihn und bringt ihn dazu, sich damit abzufinden, dass nur Raum existiert. Alles andere ist einfach nicht vorhanden. Unfassbare Lügen tischt sie ihrem Sohn auf. Schlimm.

Raum von Emma Donoghue - Jetzt als Film

Raum von Emma Donoghue – Jetzt als Film

Bis man begreift. Erst langsam und dann mit schlagartiger Helligkeit. Erkenntnisblitze erhellen jeden Winkel von Raum und dann bemerke ich, dass außerhalb von Raum noch etwas existiert. Nick – der böse Nick – sehr viel älter als Mom und immer, wenn er das Kombinationsschloss öffnet, muss Jack im Schrank schlafen, während seine Mom und der böse Nick auf dem Bett komische Geräusche machen. Und wenn Mom dabei brav ist, gibt es sonntags eine Belohnung.

Raum ist ein Gefängnis.
Mom ist eine vor langer Zeit entführte junge Frau.
Nick ist der Entführer und Kerkermeister zugleich.

Jack ist die Frucht dieses Wahnsinns.

Doch Jack ist die Hoffnung. Er muss nur wachsen und tapfer sein, lernen und gesund bleiben und wenn alles gut geht, dann kann er Mom helfen, aus Raum zu fliehen.

Dann wird Draußen real – dann muss sie Jack viel erklären – sehr viel….

Beklemmung macht sich breit… Breiter als Raum…

Raum von Emma Donoghue - Jetzt als Film

Raum von Emma Donoghue – Jetzt als Film

Emma Donoghue erweitert das Lebensspektrum einer Natascha Kampusch um die Dimension Kind. Sie erweitert die Qualen der Entführung um die Ebenen Fürsorge und Muttersein. Sie erweitert alles bisher Gelesene um die Dimension Jack. Sie macht aus Raum eine eigene Welt. Sie nimmt sich Raum, in dieser umschlossenen Welt die beste Mutter zu sein und das gelingt in dieser Zelle…

Jack ist nun fünf. Alt genug für Mom, ihren Plan endlich wahr werden zu lassen. Den Traum vom Leben in Freiheit zu realisieren, dem Draußen Raum zu geben, Raum gegen Weite zu ersetzen und gemeinsam mit Jack zu fliehen. Der Fluchtweg führt allein über ihren Sohn…

Großer Junge – Großes Buch – Jetzt auch als Film….

Natürlich sind dies viele Vorschusslorbeeren, aber ich habe das Gefühl, dass ich im März eine mehr als gelungene Umsetzung dieses Romans im Kino erleben werde. Brie Larson wurde bereits mit dem Golden Globe für ihre Rolle in „Raum“ ausgezeichnet. Und nun gilt es, ihr auch am 28. Februar in Los Angeles für den Oscar die Daumen zu drücken. Dass sie auf dem besten Weg ist zeigt auch einer der wichtigsten Gradmesser für die Oscar-Verleihung. Am 16. Februar wurde Brie Larson mit dem begehrten British Academy Film Award als beste weibliche Hauptdarstellerin in „Raum“ ausgezeichnet. Sie gilt nun noch mehr als DIE Top-Favoritin auf einen der Oscars von Los Angeles.

UPDATE: Sie hat es natürlich geschafft.

Ich werde diesen Artikel aktualisieren und um die Dimension Film erweitern, wenn ich ihn gesehen habe. Genau hier werdet ihr dann erfahren, ob „Raum“ im Kino die gleiche Platzangst verursacht, wie das Buch. Genau hier werdet ihr erfahren, ob es mir gelingt, mit Jack zu fliehen. Denn nur im Draußen liegt die Wahrheit. Wir suchen unser Heil in der Flucht. Drückt uns die Daumen.

Raum von Emma Donoghue - Jetzt als Film

Raum von Emma Donoghue – Jetzt als Film

Brandheiße NEWS:

Der Piper Verlag wird pünktlich zum Filmstart im März das Taschenbuch zu „Raum“ in neuem Gewand herausgeben. Das Buch zum Film wird auch in der Aktualisierung des Artikels eine Rolle spielen! Hier ganz exklusiv das neue Cover (ET. 01.03.)

Ab März bei Piper - Das Buch zum Film "Raum"

Ab März bei Piper – Das Buch zum Film „Raum“

Es sind Tage im Zeichen von Buch und Film. Tage des intensiven Vergleichens, denn vier Romane, die ich gelesen habe sind die Grundlage für 18 Nominierungen bei der diesjährigen Oscar-Verleihung Ende Februar. Und nicht nur sie tragen dazu bei, dass dieses Fest des Films wohl so literarisch wird, wie nie zuvor.

Über 40 Oscars stehen diesmal in ganz engem Kontakt zu den Büchern, die als Vorlage zur Verfilmung dienten. Ich bin auf Augenhöhe. Habe gelesen und war im Kino. Und ich werde meine Auszeichnung für den Film vergeben, der seiner Romanvorlage besonders nah ist. Bald mehr dazu. Die Reportage entsteht… Und man wird sie hören können.

Literaturverfilmungen und die Oscarverleihung 2016

Literaturverfilmungen und die Oscarverleihung 2016 – Ein Special

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9 Gedanken zu „Raum von Emma Donoghue – Platzangst im Kino

  1. Mir lief es beim Lesen deiner Worte genauso eiskalt den Rücken herunter, wie damals beim Lesen von Emma Donoghues Worten…
    Ich habe Jack damals in mein Herz geschlossen und bin gespannt, was der Film in mir auslösen wird… Ob es wohl ähnliche Gefühl sein werden, wie der Film „3096 Tage“…?
    Ich glaube die Komponente „Kind“ bringt da nochmal eine ganz andere Welt zu Tage…

    • Ich erschaudere wenn ich Jack im Trailer sehe… das wird eng im Kino. Gut dass wir als Leser wissen, was uns am Ende erwartet und dass Emma Donoghue das Drehbuch schrieb. Aber es wird kein einfacher Besuch im Kino.

      • Oh ja, es gibt Geschichten, da ist man wirklich froh, das Ende bereits zu kennen…
        Um ehrlich zu sein, habe ich den Trailer bisher aus bestimmten Gründen noch nicht gesehen… Vielleicht auch grade deshalb weil Jacks Anblick mich an so vieles erinnert…

      • Irgendwann solltest du ihn anschauen, sonst ist die Wucht im Kino zu groß. Wenn du Begleitung im Film brauchst… ich fliege dann ein.

      • Ich werde ihn mir wohl kurz vorher ansehen…
        Hab schon meine Kinogutscheine aufbewahrt, damit es auch wirklich funktioniert!
        Ich komme drauf zurück 😀

  2. Pingback: Die literarischste Oscar-Nacht aller Zeiten – Eine Reportage | AstroLibrium

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