„Mudbound – Die Tränen von Mississippi“ von Hillary Jordan

„Mudbound – Die Tränen von Mississippi“ von Hillary Jordan

Ich möchte gerne sofort zur Sache kommen. Ich mag nicht in epischer Breite darauf hinweisen wie intensiv ich mich lesend, denkend, fühlend und handelnd mit Rassismus in der Literatur und im wahren Leben auseinandersetze. Wer meinen Spuren folgt, wird die tiefen Eindrücke erkennen, die ich in Büchern zu diesem Thema hinterlassen habe. Als mir nun der Roman „Mudbound. Die Tränen von Mississippi“ von Hillary Jordan angeboten wurde, hat mich schon der Originaltitel der US-Ausgabe neugierig gemacht. Den tränenreichen und für mich überflüssigen Zusatz habe ich gleich vernachlässigt, da er dem Buch auch in der Rückschau nach dem Lesen nicht gerecht wird. Sprechen wir lieber von „Mudbound“.

Zeitgleich zur Ausstrahlung der Verfilmung des Romans bei Netflix begann mein Lesen. Ob ich mir die cineastische Adaption anschauen würde, war zu diesem frühen Zeitpunkt meiner Auseinandersetzung mit diesem Roman noch völlig offen. Primär war ich auf den Plot gespannt, da die Inhaltsangabe vermuten ließ, mehr als nur eine Story voller Klischees vorzufinden. Darüber hinaus schloss „Mudbound“ eine Lücke, die seit Mein Name ist nicht Freitag, Wer die Nachtigall stört und Gehe hin, stelle einen Wächter bis zu Ta-Nehesi Coates offenem Brief an seinen Sohn „Zwischen mir und der Welt“ klafft. Ein Zeitfenster zwischen der Abschaffung der Sklaverei und den ersten Bürgerrechtsbewegungen unter Martin Luther King. Wir befinden uns im Jahr 1946 und schauen uns den amerikanischen Süden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges an.

„Mudbound“

„Mudbound – Die Tränen von Mississippi“ von Hillary Jordan

Es ist die Geschichte zweier Familien, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Es ist die Geschichte der offenen Rassentrennung und der nie verheilten Wunden, die durch die Abschaffung der Sklaverei geschlagen wurden. Es ist die Zeit klarer Hierarchien im Mississippi-Delta. Vereint sind beide Familien in der Verwurzelung mit dem Land. Was sie trennt sind die Besitzverhältnisse. Henry und Laura McAllen besitzen das Land auf dem Baumwolle angepflanzt wird. Sie haben das Sagen und beschäftigen Pächter, die ohne eigenen Grund und Boden für die McAllens arbeiten. Hap und Florence Jackson träumen ihren eigenen kleinen Traum, zukünftig unabhängig zu sein und selbst einmal ein Stückchen Land besitzen zu können. Für Afroamerikaner ein unmöglicher Traum…

Hillary Jordan verbindet die Geschichten der beiden Familien zu einem Sittenbild des amerikanischen Südens. Sie beschreibt Hoffnungen, Sehnsüchte und Grenzen. Sie lässt uns die Zerrissenheit hinter den Fassaden erlesen und zeigt alles, was hinter den Kulissen verborgen sein sollte. Laura McAllen hat sich dieses Leben ganz anders vorgestellt. Sie sollte in der Stadt wohnen. Behütet mit ihren Töchtern. Henry sollte nur zur Feldarbeit auf der Farm sein. Als alle von ihm vorgegebenen Pläne scheitern bleibt der Familie nur die heruntergekommene Farm zum Leben. Es bleibt der Matsch. Es ist einsam, abgelegen und unwürdig, so zu leben. Und es bleibt ihr, sich damit abzufinden, dass Henrys rassistischer Vater bei ihnen lebt und ihnen dieses Leben zur Hölle macht.

„Wenn ich an die Farm denke, denke ich an Schlamm… Man kam nicht gegen ihn an. Der Schlamm bedeckte alles. Ich träumte in Braun.“

„Mudbound – Die Tränen von Mississippi“ von Hillary Jordan

Für Florence Jackson hingegen ist das Land die Erfüllung ihres Traumes. Zukunft und Sicherheit sind eng mit der Existenz als Pächter verbunden. Und vielleicht kann die kleine Familie sich mehr aufbauen. Ein Unfall von Hap verschärft die Abhängigkeit  bis ins Unerträgliche hinein. Zwei Familien, ein Land, zwei starke Frauen, in deren Inneren gleich mehrere Kriege toben, prägen dem atemberaubend geschriebenen Roman ihren Stempel auf. Laura beginnt an ihrer Zuneigung zu Henry zu zweifeln, entwickelt immer mehr Abneigung gegen den Schwiegervater und träumt im Geheimen von einer Liebe, die alle Grenzen sprengen würde. Jamie, der Bruder ihres Mannes, ist Verheißung und Sehnsuchtsanker zugleich, weil er sie als Frau, nicht als Besitz, behandelt. Doch Jamie war als Kampfpilot im Krieg und von ihm fehlt jede Spur.

Florence hebt sich vom Frauen- und Rollenbild afroamerikanischer Klischees ab. Sie entspricht nicht der Vorstellung von der duldsamen Mommy, die sich mit allem nur abzufinden hat. Ihre Würde, ihr Stolz und ihre innere Auflehnung gegen den Rassismus machen aus ihr eine unglaublich starke Persönlichkeit. Einzig ihren Sohn Ronsel sehnt sie herbei. Von ihm verspricht sie sich die Rettung aus der Abhängigkeit. Er verkörpert alles, was ihrem Mann fehlt. Er ist das stolze Ebenbild seiner Mutter und er ist mehr als sie jemals erhofft hätte. Ronsel war im Zweiten Weltkrieg Kommandant eines Panzers, Sergeant und ausgezeichneter Held. Gegen alle Widerstände hat er in Europa gezeigt, was es heißt, für sein Land zu kämpfen.

„Mudbound – Die Tränen von Mississippi“ von Hillary Jordan

Mudbound, das Matschloch, ist der Dreh- und Angelpunkt eines Romans, in dem alles zu versinken droht. Die Spirale droht, alles mitzureißen, bis Jamie und Ronsel nach Hause kommen. Sie vereint, was alle Konventionen überwindet. Der gemeinsam geführte Krieg auf den Schlachtfeldern Europas. Sie freunden sich an. Sie haben nicht mehr nötig, Konflikten aus dem Weg zu gehen. Ronsel erlebt am eigenen Leib, was es bedeutet, als dunkelhäutiger Sergeant in die rassistische Heimat zurückzukommen. Es sind nur die Rückbänke im Bus, die ihm vorbehalten sind. Die Hintereingänge im Haus der weißen Geschäftsleute und das brave Akzeptieren der Diskriminierung. Mehr wird nicht von ihm erwartet. Mehr darf er sich nicht leisten. Und die Freundschaft zu einem Weißen ist eine Schande. Für beide zugleich.

Mit Jamie und Ronsel sprengt Hillary Jordan die Ketten dieses Romans. Hier wird die Geschichte völlig neu geschrieben und hier nimmt sie Fahrt auf. Eine Freundschaft, die es nicht geben darf, hat sich zu beweisen. Zwei Familien im Mahlstrom der Gefühle und Ereignisse drohen im Matsch des Mississippi-Deltas zu versinken. Hier ist es mehr als hart, der Geschichte zu folgen. Hier schreibt Hillary Jordan den Rassismus an die Wand, wie sie den Teufel nicht nur an die Wand malt. Hier werden Hass und Hautfarbe zur Zerreißprobe des Lesens. Florence und Laura werden zu den Augen eines Orkans, der Ronsel und Jamie zu zerstören droht. Nichts für zarte Gemüter. Nichts für jene, die sich nach Romantik sehnen. Nichts für Mainstream-Liebhaber. Was im Matsch beginnt, endet im Matsch und doch erhebt sich die Hoffnung in aller Sprachlosigkeit. Gepeinigt und stumm. Mehr sei hier nicht verraten. Literatur pur.

„Mudbound – Die Tränen von Mississippi“ von Hillary Jordan

Kann man diesen Klischee-Killer verfilmen? Kann man die Tiefe der Story und die Charakterzeichnung auf die Leinwand bringen? Ich musste das wissen und schaute mir „Mudbound“ auf Netflix an. Ich musste das sehen. Ich musste nach dem Lesen mit allen Sinnen erspüren, was der Film aus diesem Buch gemacht hat. Die Kritiken waren jedenfalls hervorragend. Die Auszeichnungen und Nominierungen für die Schauspieler schienen eine deutliche Sprache zu sprechen. Mehr als empfehlenswert, grandios und Meisterwerk, war überall zu lesen. Doch kann man diese Komplexität verfilmen? Was musste verdichtet werden und wo stößt das Medium Film an seine Grenzen? Oder war es andererseits vielleicht so, dass die Verfilmung mehr ist als eine übliche Adaption mit vielen inhaltlichen Mängeln?

Sehenswert. Das unterschreibe ich. Angemessen und beachtlich. Der Film wird in jeder Hinsicht dem Buch gerecht. Seine Schwächen liegen in den Aspekten, die kaum verfilmbar sind. Lauras innere Zerrissenheit, die Ängste, Zweifel und Gefühle wirken im Roman direkter auf den Leser ein, weil sie selbst zur Sprache kommt. Die Innenansicht ist dynamisch und intensiv. Im Film betrachten wir sie von außen. Die Enge, in der sie sich mit ihrem Schwiegervater zu arrangieren hat ist im Film spürbar. Im Roman ist sie sprachlich mit so starken Worten beschrieben, dass sie real zu schmerzen beginnt. Im Film finden sich viele originale Dialoge aus dem Buch. Untermalt durch brillante Musik erlangen die Worte auch hier eine besondere Wirkung. Und doch war mir Laura näher, als ich ihr lesend begegnete.

„Mudbound – Die Tränen von Mississippi“ von Hillary Jordan

Die Stärken des Films liegen in seinen technischen Möglichkeiten. Hier brilliert er auf allen Ebenen. Was im Buch durch Kapitel getrennt, zeitlich aber auf einer Ebene zu verstehen ist, wird in der Filmfassung durch grandiose Schnitttechnik zu parallelen und zeitglich laufenden Ereignissen, die hierdurch in ihrer Wirkung extrem verstärkt werden. Stürze vollziehen sich nicht durch Kapitel voneinander getrennt, sondern simultan. Ein Sturz von einem Dach geht einher mit dem steten Sinkflug eines Kampfflugzeugs und dem Sprung aus einem Panzer. Dieses Abwärtstrudeln fängt der Film in einer Sequenz ein, die unvergessen bleibt. In jeder einzelnen Rolle brillant besetzt, überzeugt der Film rein schauspielerisch in herausragender Art und Weise. Eine perfekte Besetzung.

Rundum eine gelungene Adaption und damit für mich eine der sehenswertesten Literaturverfilmungen meines Lebens. Und doch empfehle ich beides, weil Film und Buch sich in vielerlei Beziehung komplementär ergänzen. Ich verstehe den Film besser, weil ich gelesen habe. Ich verliebe mich erneut ins Buch, wenn den Film sehe. Sie sind als Symbiose zu verstehen und sollten nicht voneinander getrennt werden. Ein solches Gefühl habe ich selten am Ende von Buch und Film. Besonders dann, wenn sie sich in ihrem Ende, mit der letzten Klappe und im letzten Kapitel in einer wesentlichen Nuance unterscheiden.

Nein. Ich bin kein Freund von alternativen Endpunkten. Der Roman endet in vielen Perspektiven so komplex, wie er aufgebaut war. Facettenreich und voller Hintergründe. Mir war klar, dass dies im Film nur angerissen werden kann. Und doch endet das Buch mit einem Hoffnungsschimmer, den ich mir hoffnungsvoller gewünscht hätte. Ich liebe dieses Ende, weil es eben zum Roman passt, aber ich hatte so sehr auf etwas anderes gehofft. Im Film wurde mir dieses Ende mit einer letzten Szene geschenkt. Schaut den Film, lest das Buch und gönnt euch den literarisch cineastischen Luxus, vor dem Ende des Films das letzte Kapitel des Buchs ganz bewusst und laut zu lesen. Dann schaut euch das Ende des Films an. Ich weiß, welches Ende die Tränen fließen lässt. Ich weiß es so genau.

Vier besondere Oscar-Nominierungen 2018 würdigen diesen Film:

Mary J. Bilge ist in der bisher einmaligen Kombination für zwei Oscars nominiert. Als beste weibliche Nebendarstellerin und für den besten FilmsongMighty River„. Ein emotionales Statement gegen Rassismus…

Eine Nominierung gilt dem besten adaptierten Drehbuch nach der Romanvorlage von Hillary Jordan, womit die literarische Strahlkraft des Werks hervorgehoben wird.

Und nicht zuletzt ist mit Rachel Morrison erstmals eine Frau in der Kategorie beste Kamera nominiert.

Mudbound – Der Film und seine Oscar-Nominierungen

Das vermittelte Spannungsfeld eines dunkelhäutigen Soldaten im Einsatz für sein Land trotz aller Diskriminierung hat mich persönlich in meiner Haltung bestärkt. Die Grenzen kann man nur überschreiten, wenn man nicht alleine ist. Ich schrieb darüber und weiß immer noch sehr gut, warum ich kein Rassist bin. Auch das hat mit Hautfarbe zu tun.

„Mudbound“ von Hillary Jordan – Buch und Film

Die literarischste Oscar-Nacht aller Zeiten – Eine Reportage

Das Oscar-Special bei Literatur Radio Bayern - Die literarischste Oscar-Nacht aller Zeiten

Das Oscar-Special bei Literatur Radio Bayern – Die literarischste Oscar-Nacht aller Zeiten

Kennt ihr das Gefühl?

Ihr habt ein gutes Buch gelesen, hört nun davon, dass es verfilmt wird und geht freudestrahlend ins Kino, weil ihr es kaum noch erwarten könnt, euer Lesen im Film bestätigt zu sehen. Ihr freut euch auf die Visualisierung eurer Gedanken zum Buch, auf die Schauspieler, die nun in Rollen schlüpfen, die ihr lesend seitenweise ausgefüllt habt und dann passiert DAS:

Alles ist anders. Ihr erkennt das Buch kaum wieder und die schöpferische Freiheit des Regisseurs hat sich sogar erdreistet, das Ende dieses Romans zu verändern. Kleines Beispiel gefällig?

„Der Pferdeflüsterer“ von Nicholas Evans.

Ich liebe diesen Roman, seine tief angelegten Charaktere und die große Geschichte, wie die Nähe zu einem Pferd den Menschen heilen kann. Als ich davon erfuhr, dass Robert Redford die Rolle des Pferdeflüsterers im Film spielen sollte, war ich begeistert. Was für ein Volltreffer.

Und dann war es soweit. Kino. Bequemer Plüschsessel, Popcorn und Coke. Und als Leser des Romans wusste ich ganz genau, was auf mich zukommt. Ich wusste, dass der Pferdeflüsterer am Ende stirbt. Ich sah eine junge Mutter auf der Veranda sitzen, sein Lederarmband in der Hand und leise weinend um einen wundervollen Menschen trauernd.

Vorsorglich trank ich am Ende des Films meinen Cola-Becher leer. Dann konnte ich ihn als Auffanggefäß für Tränen verwenden – und wappnete mich schon mit einem Taschentuch.

Und dann… (Hier weiterhören bei Literatur Radio Bayern)

Der Pferdeflüsterer und der Schockeffekt am Ende des Films

Der Pferdeflüsterer und der Schockeffekt am Ende des Films

Und dann…

Pustekuchen. In der Schlusssequenz des Films reitet Robert Redford doch tatsächlich friedlich auf seinem Pferdchen durch die Landschaft, während er schweigend Abschied vom Pferdetrailer und seiner Besitzerin nimmt. Auch ein Ende. Aber nicht meins. Nicht das aus dem Buch und schon gar nicht das von Nicholas Evans.

Ich wollte schon aufstehen und lauthals ins Kino brüllen… „Der ist tohot… Hey… der ist tohohohoooot…!“

Aber da ging das Licht schon wieder an und die Zuschauer verließen den Saal mit dem Gefühl, einen tollen Film gesehen zu haben. Wenn sie nur einen Blick ins Buch geworfen hätten… Dann wäre ihnen klar gewesen, warum ich mit einem leeren Cola-Becher und mit trockenem Taschentuch der Verzweiflung nah war.

Ihr kennt das. Ihr könntet jetzt selbst zahllose Beispiele ins Feld führen und auch ich hätte noch einige davon auf Lager. Literaturverfilmungen können absolut fatal enden. Zumindest für leidenschaftliche Leser.

Das Oscar-Special bei Literatur Radio Bayern - Die literarischste Oscar-Nacht aller Zeiten

Das Oscar-Special bei Literatur Radio Bayern – Die literarischste Oscar-Nacht aller Zeiten

Und genau damit kommen wir zu des Pudels Kern dieser kleinen Reportage. Die Oscar-Verleihung steht an. Am 28. Februar werden sie wieder vergeben. Unzählige goldene Jungs finden neue und stolze Besitzer, die dann brav ihren Eltern und der Jury der Academy danken. Gilt ihr Dank diesmal auch den Schriftstellern? Danken sie denjenigen, denen sie die Existenz der Geschichten zu verdanken haben, die sie auf die Leinwand bringen durften? Danken sie den wahren Schöpfern der großen Ideen?

Es wäre angebracht, denn gerade in diesem Jahr ist die Oscar-Verleihung wohl die literarischste, die es je gegeben hat.

Das Oscar-Special bei Literatur Radio Bayern – Die literarischste Oscar-Nacht aller Zeiten

Das Oscar-Special bei Literatur Radio Bayern – Die literarischste Oscar-Nacht aller Zeiten

41 Oscars an diesem Abend basieren auf literarischen Vorlagen für die Filme, ihre Protagonisten, Ausstattung, Kamera, Ton, Schnitt, Musik und ihre Regie. 41 Oscars, die zwischen den Seiten guter Bücher versteckt sind.

  • The Revenant nach dem Roman von Michael Punke 12 Nominierungen
  • The Danish Girl nach dem Roman von David Ebershoff 4 Nominierungen
  • Raum nach dem Roman von Emma Donoghue 4 Nominierungen
  • Der Marsianer nach dem Roman von Andy Weir 7 Nominierungen
  • Brooklyn nach dem Roman von Colm Tóibín 3 Nominierungen
  • Carol nach dem Roman von Patricia Highsmith 6 Nominierungen
  • The Big Short nach dem Roman von Michael Lewis 5 Nominierungen
Das Oscar-Special bei Literatur Radio Bayern - Die literarischste Oscar-Nacht aller Zeiten

Das Oscar-Special bei Literatur Radio Bayern – Die literarischste Oscar-Nacht aller Zeiten

Vielleicht sollte man doch eher sagen, dass es 42 Oscars sind, oder sollen wir die Nominierung für den besten Filmsong zu „Fifty Shades of Grey“ sang- und klanglos unter den literarischen Tisch fallen lassen? Schauen wir lieber auf die Inhalte. Feiern wir doch am 28. Februar die Nacht der Buchverfilmungen.

Aber – und damit kommen wir auf die Eingangsproblematik zurück – welcher dieser Filme ist am nächsten dran an seiner Vorlage? Welche Adaption ist diejenige, die dem geschriebenen Wort am treuesten folgt? Ich habe einige Bücher gelesen und die Filme gesehen. Und ich werde ganz gezielt auf die Unterschiede eingehen, auch wenn das bedeutet, dass ich oftmals ein wenig spoilern muss, wenn es um das Ende eines Films geht. Ihr könnt euch ja dann die Ohren zuhalten

Das Oscar-Special bei Literatur Radio Bayern - Die literarischste Oscar-Nacht aller Zeiten

Das Oscar-Special bei Literatur Radio Bayern – Die literarischste Oscar-Nacht aller Zeiten

Folgt der Reportage auf Literatur Radio Bayern und lasst euch in mein persönliches Kopfkino entführen. Folgt mir nach Brooklyn, in den Raum, zum Dänischen Mädchen, auf den Mars und werdet mit The Revenant zu Rückkehrern. Buch und Film bilden die Grundlage meiner Betrachtung. Und dabei bewerte ich nicht, sondern lasse mich völlig subjektiv von meinen eigenen Gefühlen leiten. Neugierig? Dann schaltet euch in den PodCast und schaut mit mir gemeinsam am 28. Februar nach Los Angeles, wenn es wieder heißt:

And the Oscar goes to… Viel Spaß beim Hören!

Literaturverfilmungen und die Oscarverleihung 2016

Literaturverfilmungen und die Oscarverleihung 2016

Und ihr solltet wirklich bis zum Ende dranbleiben und auf keinen Fall den Literatur-Radio-Bayern-PodCast beenden, auch wenn ich mich schon von euch verabschiedet habe. Denn ich verrate natürlich den wahren Gewinner der Oscar-Nacht. Echt!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Mein persönliches Highlight: Mein Schaufenster in der Buchhandlung Calliebe, der Buchhandlung meines Herzens in Groß-Gerau. Thomas Calliebe dekoriert nicht nur, er bloggt inzwischen auch.

Und hier das Update DANACH. Die Oscars 2016… 

Meine Oscar-Nacht in der Buchhandlung Calliebe - Ein Schaufenster zum Artikel

Meine Oscar-Nacht in der Buchhandlung Calliebe – Ein Schaufenster zum Artikel

Raum von Emma Donoghue – Platzangst im Kino

Raum von Emma Donoghue - Jetzt als Film

Raum von Emma Donoghue – Jetzt als Film

Vor vier Jahren hieß es für mich, ein Buch aufzuschlagen und bereits beim Lesen der ersten Zeile leicht zusammenzuzucken. Vier Jahre ist dies nun her, und seitdem hat dieser Roman seine ganz eigene Erfolgsgeschichte geschrieben. „Raum“ von Emma Donoghue hat unzählige Leserherzen erobert, obwohl er eine Geschichte erzählt, die so aufwühlend und verstörend ist, wie man es sich in seinen schlimmsten Albträumen nicht erhofft. Und nun, genau vier Jahre später, wirft die Verfilmung von „Raum“ ihre ersten Schatten voraus.

(Weiterlesen -> einfach scrollen / Weiterhören -> hier bei Literatur Radio Bayern)

Sie möchten lieber zuhören? Ein Klick genügt - Literatur Radio Bayern und Raum - Astrolibrium

Sie möchten lieber zuhören? Ein Klick genügt – Literatur Radio Bayern und Raum

Mit vier Oscar-Nominierungen geht die cineastische Adaption des Romans in die diesjährige Oscar-Nacht in Los Angeles. Und dabei gilt es, auf einige Besonderheiten zu achten. Der Film „Raum“ ist nominiert in den Kategorien bester Film, beste Regie, beste weibliche Hauptrolle und bestes adaptiertes Drehbuch. Womit wir erneut bei Emma Donoghue angelangt sind, denn die Bestseller-Autorin hat es sich nicht nehmen lassen, das Drehbuch zur Verfilmung selbst zu verfassen. Dies scheint eine Garantie dafür zu sein, dass die Leinwandadaption dem Buch so nah kommt, wie man es sich als Leser wünscht.. Die Kritiken in Amerika scheinen dies zu bestätigen.

Bevor wir uns am 17. März im Kino davon überzeugen können, möchte ich einen Blick zurückwerfen auf den Roman, der mich seit 2011 nicht mehr losgelassen hat. Ich möchte einen Blick zurückwerfen auf diesen Moment des Lesens der ersten Zeilen von „Raum„. Einen Lesemoment, den ich fast auf den Tag genau vor vier Jahren in meiner Rezension auf LovelyBooks so beschrieb, wie ich ihn zuckend erlebte.

Raum von Emma Donoghue - Besondere Momente

Raum von Emma Donoghue – Besondere Momente

„Ich wohne in Raum – ich schlafe in Schrank. Ich wache im Dunkel in Bett auf.“

Waren der Schriftstellerin Emma Donoghue die Präpositionen ausgegangen, oder wer versuchte hier zu erzählen? Das Zucken dauerte nur einen kleinen Moment und ich freundete mich mit dem fünfjährigen Jack an. Ich tauchte in seine kindliche Realität ein und die ist durch Raum definiert.

Nur Raum ist real. Draußen existiert nicht. Wenige Quadratmeter groß, spartanisch eingerichtet, wahrlich kein Kinderparadies, wahrlich kein schöner Ort zum Aufwachsen, weil Raum einfach keinen Raum dafür lässt.

Ein weiterer gezielter Blick in Raum beruhigte mich – zumindest für den Moment – Jack ist gar nicht allein. Er bewohnt Raum mit seiner Mom und die beiden sind in jeder Beziehung ein mehr als großartiges Gespann. Mom motiviert Jack, sich zu bewegen, seine Zähne ordentlich zu putzen und alles brav aufzuessen. Vorbildlich.

Aber was sie ihm von der Welt erzählt ist schlichtweg falsch – sie belügt ihn und bringt ihn dazu, sich damit abzufinden, dass nur Raum existiert. Alles andere ist einfach nicht vorhanden. Unfassbare Lügen tischt sie ihrem Sohn auf. Schlimm.

Raum von Emma Donoghue - Jetzt als Film

Raum von Emma Donoghue – Jetzt als Film

Bis man begreift. Erst langsam und dann mit schlagartiger Helligkeit. Erkenntnisblitze erhellen jeden Winkel von Raum und dann bemerke ich, dass außerhalb von Raum noch etwas existiert. Nick – der böse Nick – sehr viel älter als Mom und immer, wenn er das Kombinationsschloss öffnet, muss Jack im Schrank schlafen, während seine Mom und der böse Nick auf dem Bett komische Geräusche machen. Und wenn Mom dabei brav ist, gibt es sonntags eine Belohnung.

Raum ist ein Gefängnis.
Mom ist eine vor langer Zeit entführte junge Frau.
Nick ist der Entführer und Kerkermeister zugleich.

Jack ist die Frucht dieses Wahnsinns.

Doch Jack ist die Hoffnung. Er muss nur wachsen und tapfer sein, lernen und gesund bleiben und wenn alles gut geht, dann kann er Mom helfen, aus Raum zu fliehen.

Dann wird Draußen real – dann muss sie Jack viel erklären – sehr viel….

Beklemmung macht sich breit… Breiter als Raum…

Raum von Emma Donoghue - Jetzt als Film

Raum von Emma Donoghue – Jetzt als Film

Emma Donoghue erweitert das Lebensspektrum einer Natascha Kampusch um die Dimension Kind. Sie erweitert die Qualen der Entführung um die Ebenen Fürsorge und Muttersein. Sie erweitert alles bisher Gelesene um die Dimension Jack. Sie macht aus Raum eine eigene Welt. Sie nimmt sich Raum, in dieser umschlossenen Welt die beste Mutter zu sein und das gelingt in dieser Zelle…

Jack ist nun fünf. Alt genug für Mom, ihren Plan endlich wahr werden zu lassen. Den Traum vom Leben in Freiheit zu realisieren, dem Draußen Raum zu geben, Raum gegen Weite zu ersetzen und gemeinsam mit Jack zu fliehen. Der Fluchtweg führt allein über ihren Sohn…

Großer Junge – Großes Buch – Jetzt auch als Film….

Natürlich sind dies viele Vorschusslorbeeren, aber ich habe das Gefühl, dass ich im März eine mehr als gelungene Umsetzung dieses Romans im Kino erleben werde. Brie Larson wurde bereits mit dem Golden Globe für ihre Rolle in „Raum“ ausgezeichnet. Und nun gilt es, ihr auch am 28. Februar in Los Angeles für den Oscar die Daumen zu drücken. Dass sie auf dem besten Weg ist zeigt auch einer der wichtigsten Gradmesser für die Oscar-Verleihung. Am 16. Februar wurde Brie Larson mit dem begehrten British Academy Film Award als beste weibliche Hauptdarstellerin in „Raum“ ausgezeichnet. Sie gilt nun noch mehr als DIE Top-Favoritin auf einen der Oscars von Los Angeles.

UPDATE: Sie hat es natürlich geschafft.

Ich werde diesen Artikel aktualisieren und um die Dimension Film erweitern, wenn ich ihn gesehen habe. Genau hier werdet ihr dann erfahren, ob „Raum“ im Kino die gleiche Platzangst verursacht, wie das Buch. Genau hier werdet ihr erfahren, ob es mir gelingt, mit Jack zu fliehen. Denn nur im Draußen liegt die Wahrheit. Wir suchen unser Heil in der Flucht. Drückt uns die Daumen.

Raum von Emma Donoghue - Jetzt als Film

Raum von Emma Donoghue – Jetzt als Film

Brandheiße NEWS:

Der Piper Verlag wird pünktlich zum Filmstart im März das Taschenbuch zu „Raum“ in neuem Gewand herausgeben. Das Buch zum Film wird auch in der Aktualisierung des Artikels eine Rolle spielen! Hier ganz exklusiv das neue Cover (ET. 01.03.)

Ab März bei Piper - Das Buch zum Film "Raum"

Ab März bei Piper – Das Buch zum Film „Raum“

Es sind Tage im Zeichen von Buch und Film. Tage des intensiven Vergleichens, denn vier Romane, die ich gelesen habe sind die Grundlage für 18 Nominierungen bei der diesjährigen Oscar-Verleihung Ende Februar. Und nicht nur sie tragen dazu bei, dass dieses Fest des Films wohl so literarisch wird, wie nie zuvor.

Über 40 Oscars stehen diesmal in ganz engem Kontakt zu den Büchern, die als Vorlage zur Verfilmung dienten. Ich bin auf Augenhöhe. Habe gelesen und war im Kino. Und ich werde meine Auszeichnung für den Film vergeben, der seiner Romanvorlage besonders nah ist. Bald mehr dazu. Die Reportage entsteht… Und man wird sie hören können.

Literaturverfilmungen und die Oscarverleihung 2016

Literaturverfilmungen und die Oscarverleihung 2016 – Ein Special

Eine weitere kindliche Perspektive: Zach Taylor aus Alles still auf einmal und Jack Newsome aus „Raum“ haben viel zu erzählen. Es lohnt sich, ihnen zuzuhören.

Alles still auf einmal von Rhiannon Navin - AstroLibrium

Alles still auf einmal von Rhiannon Navin