Club der roten Bänder – Wie alles begann (Der Film)

Club der roten Bänder - Wie alles begann - Astrolibrium

Club der roten Bänder – Wie alles begann

Es ist nicht schlimm zu sterben.
Es ist schlimm sein Leben nicht zu leben.

(Benito)

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Club der roten Bänder – Wie alles begann

Vielleicht wird das jetzt persönlicher, als es bei einer Filmvorstellung sein sollte. Vielleicht ist dies aber auch der einzige Zugang, der es mir ermöglicht erneut über eine TV-Serie zu schreiben, die mit meinem Leben extrem verwoben ist. Drei Staffeln haben wir Leo, Jonas, Emma, Alex, Toni und Hugo begleitet. Wir haben sie in ihren Rollen als Anführer, zweiter Anführer, Mädchen, der Hübsche, der Schlaue und guter Geist erlebt. Wir kennen sie als „Club der roten Bänder“. Wir haben dreißig Folgen der Geschichte verfolgt und kennen das Werk von Albert Espinoza, der sein Schicksal zur Vorlage der weltweit erfolgreichen Fernsehproduktionen werden ließ. Am 11. Dezember 2017 habe ich das Ende der Geschichte gesehen und war der Meinung, wirklich am Ende zu sein. 

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Club der roten Bänder – Wie alles begann

Selten hat mich eine Serie um Krankheiten, Klinikalltag und Freundschaft dermaßen gefesselt und berührt. Und doch habe ich in meinem Artikel im Jahr 2016 beschrieben, dass diese roten Bänder für mich und meine Familie in einer lebensbedrohlichen Phase mit jenen aus der Serie nur wenig gemein hatten. Sie verbanden meine Tochter mit der Außenwelt, die sehnsüchtig auf sie wartete. Sie zogen mein Mädchen aus dem Koma, aus der Klinik und hinein in ein neues und unbeschwertes Leben. Die Bänder haben es geschafft, ihr im Krankenhaus jenen Halt zu geben, den sie später umso mehr zuhause benötigte. Die Bänder haben gehalten. Bis heute, auch wenn unser wichtiges Band mit unserem Border Collie „Schneeflocke“ nur noch in unserer Erinnerung besteht. Er hat Lena zurück ins Leben gezogen, sie aus dem Rollstuhl gebellt und bei ihr gelegen, als sie keine Kraft mehr hatte. Puh… es schreibt sich schlecht, wenn man weint…

„Wir sind Kinder in einem Krankenhaus. Wir haben schlechte Tage. Wir haben gute Tage. Und dann gibt es Tage, die sind voller Wunder.“ (Hugo)

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Club der roten Bänder – Wie alles begann

Alles Geschichte, könnte man meinen. Alles vorbei und vergangen. Und doch holt einen die Vergangenheit mit einem gewissen zeitlichen Abstand wieder ein und lässt es zu, sich mit den Erinnerungen an diese Tage in der Klinik zu befassen. Und so passt es auch zu den Roten Bändern, wie ich sie erlebt habe, dass sie nun ihren Weg ins Kino finden. Wir haben es hier nicht mit einer Fortsetzung oder einem verzweifelten Versuch zu tun, dem Fernseherfolg auch den Kassenschlager folgen zu lassen. Es geht hier um das Prequel, die Vorgeschichte der jungen Menschen, die erst im Krankenhaus zu dem werden, was wir so gut kennen. Dem Club der roten Bänder….

„Du kannst hier drinnen an Krebs sterben, aber auch an Langeweile. Das sag ich dir.“ (Leo)

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Club der roten Bänder – Wie alles begann

Ein Jahr nach dem letzten Dreh versammelte man die Schauspieler der Serie, um mit der Arbeit am neuen Film zu beginnen. Der Club der roten Bänder – Wie alles begann. Ein tiefer Blick in die Vergangenheit der Einzelschicksale. Ein Blick zurück in eine Zeit, die noch nicht von Krankheit geprägt war. Oder zumindest in die Zeit, die sich noch außerhalb der Klinik abgespielt hat. Ein Leben ohne rote Bänder, Operationen mit oder ohne Hoffnung auf Erfolg und ein Leben ohne die Station als Heimatersatz. Es ist ein Rückblick, den man selbst erst wagt, wenn eine Krise überstanden ist. Oder, wenn man an einen Punkt gelangt ist, sich an jemanden zu erinnern, um den man trauert. Im Film treffen wir auf begeisterte Fußballspieler, Jugendliche, die sich nach Freundschaft sehnen oder einfach nur auf einen Jungen, der von einem Zehn-Meter-Turm springen möchte. Wir wissen, wo all dies endet. Und doch schärft es unseren Blick, weil wir jene Menschen mit einer Vergangenheit erleben, denen das Schicksal keine große Zukunft schenkt.

Von zehn Leuten überleben neun diese Art von Krebs, sagte mein Arzt Schön, sage ich, ich bin dabei!

Der Club der roten Bänder und die roten Geheimnisse

Ohne Magersucht, das Asperger-Syndrom, den Krebs, ein Koma oder ein krankes Herz hätten sich die Mitglieder dieses denkwürdigen Clubs niemals kennengelernt. Hier haben wir die Chance, in einem bewegenden Film den Anfang einer Geschichte sehen zu können, die uns seit der Ausstrahlung der Serie begleitet hat. Ich freue mich schon darauf, diesen jungen Menschen erneut zu begegnen. Ich freue mich darauf, erneut zu spüren, dass sich die Geschichte von Albert Espinoza auf die Schauspieler ausgewirkt und sie verändert hat. Hier entstand etwas Einzigartiges, das im Fernsehen Wellen und Wogen geschlagen hat. Ich hoffte sehr darauf, dass es dem Film ebenfalls gelingt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Unser kleiner Lebens-Club ist einerseits kleiner geworden. Flocke fehlt an allen Ecken und Enden.

Und er hat sich um Menschen erweitert, die das rote Band in die Hand genommen haben, von dem nur noch ein loses Ende vorhanden war. Lebensgefährten und wahre Herzensmenschen nun an der Seite „unserer Kinder“ zu wissen, ist ein wundervolles Gefühl. Wir gehen zusammen ins Kino und erzählen danach, wie es früher bei uns war. Ohne die Serie hätten wir nie die Zeit der Erkrankung von Lena aufarbeiten können. Es geht sicher nicht nur uns so. Jeder hat ein rotes Band. Jeder wurde vom Schicksal und dem Zufall an die Seite wichtiger Menschen gespült, die man braucht, um zu überleben. Nun wird es Zeit, für den letzten Vorhang dieses Filmprojekts. Licht aus. Taschentücher bereit. Film ab…

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Club der roten Bänder – Wie alles begann

Die Filmrezension

Man kann mir erzählen, was man will. Natürlich kann man sich den Film anschauen, ohne auch nur eine Folge der Serie vorher gesehen zu haben. Es geht durchaus, aber für mich liegt die Magie dieses Prequels eben darin verborgen, dass die Zuschauer, die dem Zauber der vorherigen Staffeln erlegen sind, nun einfach alles wissen, was auf die Protagonisten des Films zukommen wird. Man verleiht uns fast „seherische“ Qualitäten und versetzt uns in die Lage, die Macht der Zufälle im Leben neu zu erkennen. Wir sind es, die Zusammenhänge herstellen, wo der Film die Bildsequenzen liefert. Wir sind es, die in einem Szenenwechsel auf der Straße eine Verbindungslinie zwischen einem Opa mit seinem autistischen Enkel, einer schlanken Joggerin, einem aufgewühlten Biker und anderen Menschen ziehen. Wir wissen, dass sie sich sehr bald begegnen werden. Wir wissen, dass sie durch ein rotes Band miteinander verbunden sein werden. Das ist der magische Aspekt des Films.

Emotionen und Empathie entstehen genau in diesem Mehrklang aus Bekanntem und Neuem. Dabei blickt der Film hinter die Kulissen der Charaktere und öffnet uns die Augen für persönliche Geschichten, die jeder gerne für sich behalten hätte. Wir haben vieles geahnt, viel vermutet, versucht zu verstehen, warum Leos Vater sich in der Klinik rargemacht hat. Jetzt verstehen wir. Das normale Leben wird durch Diagnosen zerstört, normale Fußballspiele werden zum Alptraum und familiäre Enttäuschungen münden in Magersucht. Dieser Blick zurück auf das Vorher bewirkt, dass wir mit einem Gefühl aus dem Kino gehen, das mehr als wertvoll ist. Das Leben zu genießen, weil man nicht alle Zufälle beherrschen kann, ist der Schlüssel zum persönlichen Glück.

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Club der roten Bänder – Wie alles begann

Wie alles begann“ ist in vielerlei Hinsicht ein großer cineastischer Wurf. Man spürt der gesamten Crew an, dass hier etwas Magisches fortgesetzt wird. Die Atmosphäre dieser Verfilmung knüpft nahtlos an die Staffeln an, denen sie eigentlich den Weg bereitet. Es wühlt auf, treibt uns die Tränen in die Augen und besticht in Dialogen und Bildern. Dazu ein grandios aufspielender Jürgen Vogel, den man anfänglich hassen und dann später lieben muss. Das fehlende rote Band ist gefunden. Ein absolutes Muss für alle Fans. In jeder Beziehung gelungen und viel mehr als ein simples Prequel. Und wer ganz genau hinschaut, der erkennt am Ende des Films sogar jemanden, der hier mehr als nur eine kleine Gastrolle spielt. Einer der vielen Wow-Momente dieses Films. Nach dem Film ist vor dem Film. Raus aus dem Kino und hinein in die „alten“ Staffeln. Ich konnte einfach nicht anders. „Club der roten Bänder – Wie alles begannist eine Initialzündung für einen erneuten Blick auf eine Serie, die uns verändert hat. Großartig!

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Club der roten Bänder – Wie alles begann

„Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett

Der geheime Garten - Frances H. Burnett - Astrolibrium

Der geheime Garten – Frances H. Burnett

„Die Beschäftigung mit Erde und Pflanzen
kann der Seele eine ähnliche Entlastung
und Ruhe geben wie die Meditation.“

Hermann Hesse

Der geheime Garten - Frances H. Burnett - Astrolibrium

Der geheime Garten – Frances H. Burnett

Ich bin sicher nicht der Leser mit dem grünen Daumen“. Und doch habe ich bereits einen literarischen Ausflug in eine Gartenlandschaft gewagt, der mir gezeigt hat, wie es sich auf Körper und Geist auswirken kann, wenn man sät, pflanzt und erntet. Oder sich ganz einfach an der bunten Blütenpracht berauscht, der man eine Heimat gegeben hat. Gärten können kontemplative Atmosphäre erzeugen, entschleunigen und den Geist vor Überlastung schützen. „Der Garten von Hermann Hesse“ sollte eigentlich mein letztes Gartenbuch sein. Dachte ich. Und nun stehe ich kurz davor, das Jahr 2019 zu meinem Lesejahr des Gartens auszurufen. Wie kommt es dazu?

Nun, die Literatur bringt viele Überraschungen mit sich. Während Hermann Hesse mir zeigte, wie kreativ man in der Gestaltung von Gartenwegen sein kann (er befestigte sie mit unaufgefordert zugeschickten Rezensionsexemplaren), las ich mich ohne ahnen zu können, was mich künftig erwarteten sollte, durch meine MinaLima-Bilbiothek. Von „Peter Pan“ über „Die Schöne und das Biest“. Bis mitten hinein ins „Dschungelbuch“ und „Die kleine Meerjungfrau“ führte mich mein Lesen in die Fantasiewelt der großen klassischen Kinder- und Jugendbücher. Als ich dann die Fortsetzung dieser magischen Buchreihe entdeckte, war es um mich geschehen. The Secret Garden von Frances Hodgson Burnett erblickte in London das Licht der Welt und schon auf der Frankfurter Buchmesse durfte ich einen ersten Blick auf das deutsche Cover werfen.

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Der geheime Garten – Frances H. Burnett

Der geheime Garten wird als Buchkunstwerk aus dem Hause Coppenrath Verlag diese MinaLima-Reihe auch bei uns fortsetzen. Grüner Daumen hin oder her. Es ist unausweichlich, mich in diesen Garten zu begeben. Zuerst erreichte mich ein geheimes Buchpaket aus London, um meine Neugier im Zaum zu halten. Dann erfuhr ich, was im neuen Jahr so auf mich zukommt. Und jetzt sitze ich wie angepflanzt in einer Oase der Literatur und entwickle mich zum Gärtner meines grünen Lesens. Schon 2019 wird nun die Verfilmung des Jugendbuch-Klassikers mit Colin Firth in der Hauptrolle in den Kinos zu sehen sein. Darüber hinaus hat Der Audio Verlag ein atmosphärisches Hörspiel im Programm, das dieses Abenteuer brillant in Szene setzt. Ich hatte keine Chance. Nach meinem Ausflug in die wundervolle Hörspielwelt von „Peter Pan“ wollte ich mich gerne hörend in den Garten begeben.

Hier bin ich nun. Das Original von MinaLima in Händen, auf die Verfilmung und die Übersetzung des Buches wartend und bereits am Ende des Hörens eines Hörspiels. Ja. Ich konnte nicht warten. Ich zog mich für eine gute Stunde zurück und hörte mich in die Welt der 10jährigen Mary Lennox hinein. Mehr als hundert Jahre alt ist die Geschichte und eigentlich könnte man annehmen, sie sei in die Jahre gekommen. Angestaubt oder zumindest leicht antiquiert. Mit unseren Heutigen schwer in Einklang zu bringen und für Kinder des 21. Jahrhunderts vielleicht wenig zeitgemäß. Weit gefehlt. Sehr weit. Ich bin mir inzwischen ganz sicher, dass ich die Lese- und Hörzeit in diesem geheimen Garten genau richtig investiert habe und noch investieren werde.

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Der geheime Garten – Frances H. Burnett

Heute lege ich mein Ohrenmerk auf die 2018 bei Der Audio Verlag veröffentlichte SWR 2 – Produktion aus dem Jahr 1999. Hörspiele sind cineastische Inszenierungen fürs Ohr. Ein vollständiges Ensemble muss seine Zuhörer schon von Beginn an mit der klar erkennbaren Rollenverteilung überzeugen. Hier bleibt kein Raum für „Mary sagte“ oder ähnliche Zuordnungen und Hilfen. Hier muss man Mary und andere Protagonisten sofort heraushören, als unverkennbar für die Folgehandlung einstufen, in jedem Aufzug der Handlung wiedererkennen und sogar aus dem Chor verschiedener und sich häufig überlagernder Stimmen klar identifizieren können. Gelingt dieser Spagat aus Hören und Inszenierung nicht, sorgt dies gerade bei jungen Zuhörern nur für Verwirrung. Es ist als würde man einen Film mit geschlossenen Augen verfolgen. Einzig ein Erzähler wird als Bindeglied zwischen Handlung und Schauspiel fürs Ohr eingeflochten. Ihm kommt hier eine große Verantwortung zu. Lenken, leiten, erklären, erläutern und überleiten. Regie und Inszenierung vermögen hier einen Kosmos zu gestalten, dem man folgen kann. In einigen Fällen jedoch gelingt diese Gratwanderung nur bedingt. Hier schon!

In „Der geheime Garten“ unter der Regie von Götz Fritsch haben wir es immerhin mit elf Charakteren zu tun, die für die Handlung von großer Bedeutung sind. Hier ist die Erzählerin Doris Schade unsere Vermittlerin zwischen Ohr und Roman. Dieses Hörspiel bringt uns junge Stimmen näher, die wir den heute erwachsenen Sprechern im ersten Moment des Hörens nicht zuordnen würden. Was schon vor fast zwanzig Jahren aufgenommen wurde, entwickelt allein schon hier einen frischen und zeitlosen Charme. Das Ensemble des Hörspiels besteht aus:

Doris Schade (Erzählerin)
Solvej Krause (Mary)
Samuel Teixeira (Colin)
Tobias Schmidt (Dickon)
Jaschka Lämmert (Martha)
Helga Grimme (Mrs. Medlock)
Peter Fricke (Sir Archibald Craven)
Fritz Lichtenhahn (Ben Weatherstaff)
Christine Davis (Mrs. Crawford)
Hans Treichler (Mr. Pitcher)
Klaus Hemmerle (Dr. Craven)
Joachim Hall (Roach)

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Der geheime Garten – Frances H. Burnett

Die Handlung des Romans wurde im Hörspiel natürlich verknappt und auf seinen wesentlichen inhaltlichen Kern reduziert. Und doch gelingt es, dieses komplexe und tief angelegte Jugendbuch authentisch zu erzählen. Die junge Mary, die verwaist in die englische Heimat zurückkehrt, bei ihrem verwitweten und verbitterten Onkel Archibald Zuflucht findet, und dort auf ein Haus voller Geheimnisse stößt, erweicht das Hörerherz. Sie verwandelt sich aus der verwöhnten kleinen Göre in ein neugieriges und fürsorglich denkendes junges Mädchen, als sie in ihrem Cousin Colin einen verletzlichen Jungen erkennt, dem es zu helfen gilt. Der geheime Garten wird für beide zu einem wichtigen Zufluchtsort und zum Sanatorium für die Seele. Hier entfaltet die Natur ihre Magie. Der Umgang mit Verlust und Trauer, sowie die Ängste eines übervorsichtigen Vaters lasten auf den Kinderseelen, bis sie den Garten für sich entdecken..

Solvej Krause und Samuel Teixeira verleihen ihren Figuren so viele Facetten, die diese Verletzungen verdeutlichen, dass man schon ab einem Alter von acht Jahren gut nachvollziehen kann, was in ihren Herzen vor sich geht. Trauer und Angst sind die Bestimmungsgrößen ihres Alltags. Eine eingebildete und verwöhnte Zicke trifft auf den eingebildeten kranken Jungen. Ein weiter Weg liegt vor ihnen. Freunde müssen erst zu Freunden werden, um helfen zu können. Das Wunder wartet am Ende des Gartens. Es ist die alte Botschaft von Frances Hodgson Burnett, die auch nach mehr als hundert Jahren noch zu uns durchdringt. Alleine schafft man es nicht aus Krisen zu entkommen und erst, wenn man sich anderen anvertraut, sich öffnet und zuhört, gelingt ein Wunder.

Der geheime Garten - Frances H. Burnett - Astrolibrium

Der geheime Garten – Frances H. Burnett – Ab März beim Coppenrath Verlag

Gemeinsames Hören, vielleicht sogar im Garten, wird hier zum Erlebnis. Ich mag auf diesem Hörspiel aufbauend in das Buch mit dem Originaltext eintauchen. Ich werde mir die Literaturverfilmung anschauen und erlaube mir, Euch einfach mitzunehmen. Ein Jahr voller Gartenlesetage wartet auf uns und so wie ich mich kenne, wird sich noch so manche andere Geschichte diesem Weg anschließen. Es grünt so grün, wie unsere Bücher blühen… Ich glaub` jetzt hab` ich`s… Bis bald. Im Garten.

Der geheime Garten - Frances H. Burnett - 2019 als Film mit Colin Firth

Der geheime Garten – Frances H. Burnett – 2019 als Film mit Colin Firth – AstroLibrium

Mehr zu der MinaLima Bibliothek der Jugendbuchklassiker auf AstroLibrium.

Der geheime Garten - Frances H. Burnett - Astrolibrium

Die MinaLima Bibliothek bei AstroLibrium

„Maria Stuart – Königin von Schottland“ in Buch und Film

Maria Stuart - Königin von Schottland in Buch und Film - Astrolibrium

Maria Stuart – Königin von Schottland in Buch und Film

Saoirse Ronan. Mehr muss ich kaum sagen. Ihr Name rüttelte mich auf, als ich ihn auf der Besetzungsliste des Films „Maria Stuart. Königin von Schottland“ entdeckte, der in diesen Tagen leinwandfüllend unsere Kinos erobert. Die Schauspielerin, die mich mit ihrer Darstellung in der Literaturverfilmung „Brooklyn“ fast umgehauen hat, und die mit ihrem Können (Abbitte, Lady Bird) für Aufsehen und drei Oscarnominierungen sorgte, spielte sich mit ihrer scheinbaren jugendlichen Unbekümmertheit in mein Herz. Sie jetzt als „Maria Stuart“ im Kino zu sehen, machte mich nachdenklich. Vielleicht ist sie perfekt geeignet für diese Rolle, weil sie ebenso alt ist, wie das historische Vorbild. Im Alter von 25 Jahren entschied sich auch das Schicksal von Maria Stuart. Zumindest wurden erste unumkehrbare Entwicklungen eingeleitet, die zwangsläufig auf dem Schafott endeten.

Maria Stuart - Königin von Schottland in Buch und Film - Astrolibrium

Maria Stuart – Königin von Schottland mit Saoirse Ronan

Saoirse Ronan folgt nun auf der Leinwand vielen Schauspielerinnen, die in dieser Rolle ihren Kopf verloren haben. Vanessa Redgrave und Camille Rutherford seien hier nur beispielhaft für jene Vertreterinnen ihrer Zunft genannt, die Maria verkörperten. Im weiten Feld der Literatur hat die schottische Königin ebenso viele Spuren hinterlassen. Friedrich Schiller widmete ihr eines seiner bedeutendsten Dramen und lieferte damit die Steilvorlage für die spätere Auseinandersetzung mit dem historischen Stoff. Ich bin Maria Stuart in vielen historischen Romanen begegnet, habe einige Male mit ihr Intrige um Intrige überstanden und sah sie dann doch am Ende ihres Weges kopflos scheitern. Margaret George hat sowohl dem Verursacher des gesamten Dramas „Heinrich VIII“, als auch „Maria Stuart“ selbst epische biografische Romane gewidmet. Brillant erzählt, fundiert recherchiert und als Standardwerke meiner historisch geprägten Bibliothek fast unverzichtbar…

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Maria Stuart – Königin von Schottland in Buch und Film

So ist man historisch bestens gerüstet, wenn einem die rothaarige Schönheit im späteren Lesen über den Weg läuft. Hier jedoch oftmals in Nebenrollen, da allein die Erwähnung ihres Namens sinnbildlich für einen Thronfolgestreit und Religionskriege im England des 16. Jahrhunderts steht. Hier konnte man wunderbare Intrigen spinnen, ein paar gewiefte Spione erfinden und Protagonisten einflechten ohne weit auszuholen, da ihr Schicksal als bekannt vorausgesetzt werden durfte. Maria Stuart ist die Titanic des Elisabethanischen Zeitalters. So erahnen wir sie ganz am Rand der Handlung von Mac P. Lornes Der Pirat über Sir Frances Drake und erleben sie ausgiebig in Ken FollettsDas Fundament der Ewigkeit“. Nun lebt Maria Stuart wieder auf und drängt aus ihrer Rolle der literarischen Statistin wieder in den Vordergrund. Und das in einem opulenten Historienspektakel in Starbesetzung. Und das heute. In einer Zeit, in der die historische Genauigkeit immer mehr verlorengeht und komplexe Zusammenhänge eine dramatisch zunehmende Simplifizierung erfahren.

Nicht mit mir. Also, das habe ich mir zumindest vorgenommen. Ich mag mich nicht von Stars und Sternchen ablenken lassen. Mir reichen keine epischen Schlachtenbilder oder perfekt ausgestattete Settings. Ich will historisch verbriefte Spuren erkennen, in authentischen Rahmenbedingungen Dramen erleben, die nicht dramaturgisch geschönt werden müssen, weil sie der eigentliche Urquell jeder Dramaturgie sind. Ich möchte im Film die Spurenelemente der Wahrheit finden, weil eine Adaption geschichtlicher Stoffe sehr schnell die historische Realität ablöst und zu Allgemeinbildung mutiert. Also Augen auf, wenn der Vorhang die Kinoleinwand freigibt und jedes Popcorn-Rascheln für einen kleinen Moment verstummt. Am Ende der Vorschauen und der Werbungen geht es nun um mehr. Um ein kleines Maß an Verantwortung der Geschichte gegenüber.

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Maria Stuart – Königin von Schottland in Buch und Film

Was möchte ich im Film wiederfinden? Was kann der Film nicht leisten? Wo stößt er an seine Grenzen? Was ist unverzichtbar? Keine einfachen Fragen und sicher keine eindimensionalen Antworten. Ich erwarte keine genealogischen Abhandlungen über die Stammbäume des englischen Königshauses zur Tudor-Zeit. Das versteht man sowieso nur, wenn man einen Stammbaum vor sich liegen hat und hochkonzentriert Linien zieht. Nein. Das erwarte ich gar nicht. Maria Stuart und Elisabeth I. sind über verschlungene Wege miteinander verwandt. Maria Stuart ist die Tochter von Elisabeths Cousin. Sie als Schwestern oder Halbschwestern zu bezeichnen geschieht häufig, ist aber grundfalsch. Entfernt verwandt, aber blutsverwandt. Das muss reichen. 

Ich erwarte auch nicht, dass sämtliche Thronfolgefragen nach Heinrich VIII. lückenlos vermittelt werden. Auch das versteht man nur im Selbststudium. Ein König, der sich in schneller Serie seiner Ehefrauen entledigt, um endlich einen männlichen Stammhalter zeugen zu können, der die Religion seines Landes von der katholischen Kirche trennt, um dies zu legitimieren, verursacht Verwerfungen in der Thronfolge, die Generationen von Wissenschaftlern beschäftigten. Ich erwarte, dass man im Film erfährt, wie sehr an der Rechtmäßigkeit der Thronfolge durch Elisabeth I. gezweifelt werden durfte. Formal war alles in Ordnung, bis auf die Tatsache, dass sie die Tochter von Anne Boleyn und Heinrich VIII. war. Der ließ sich von seiner Frau scheiden und sie gleich auch noch im Kerker schmachten und hinrichten. Tja. Und sie war eben seine zweite Frau. Damit war aus Sicht des Papstes die Tochter illegitim und durfte nicht Königin werden. Deshalb ja auch die Abspaltung von der katholischen Kirche und alles war gut… Thronfolge- und Religionsstreit gingen fortan Hand in Hand.

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Maria Stuart – Königin von Schottland in Buch und Film

Verstanden? Nein? Nicht schlimm… Elisabeth I. war umstritten. Maria Stuart war nun zum gleichen Zeitpunkt völlig unbefleckt, was die Thronfolge anging. Katholisch in jeder Beziehung, von direkter Abstammung und als direkte Nachfahrin der Schwester von Heinrich VIII. über alle Zweifel erhaben. Und damit ein Dorn im Auge der lieblichen Elisabeth I. Konfliktpotenzial war also ausreichend vorhanden. Berater walteten ihres Amtes und Intrigen hatten den besten Nährboden. Maria Stuart sollte fortan Schottland gehören, Elisabeth England. Wäre zu einfach gewesen. Sie erkannten ihre Ansprüche nicht an und schon konnte der epischste Zickenkrieg beginnen, den der englische Adel jemals erlebt hat. Hier betreten wir die Bühnen der großen Theater und Kinos. Hier wird es spannend. Hier beherrschen zwei junge Frauen in besonderen Zeiten die Szenerie und lassen nichts aus, um die Konkurrentin direkt oder indirekt zu Fall zu bringen. Eine Spur dieser Realität möchte ich in den Romanen und Filmen wiederfinden. Man darf es vereinfachen. Keine Frage. Aber verfälschen sollte man es nicht, weil nur ein falscher Faden die gesamte komplexe Geschichte ins Wanken bringen würde. Nichts ist so gut, wie die wahre Geschichte. Und sie lässt trotzdem noch ausreichend Freiraum für reine Fiktion… Wohlan. Vorhang auf.

Der Kern muss schmelzen. Der Ur-Konflikt um die Macht muss spürbar sein und der unglaubliche Druck, der auf zwei jungen Frauen lastet, sollte das Schauspiel hier prägen. Hier können Charaktere geformt, Stempel aufgedrückt und Interpretationen für Furore sorgen. Hier beginnt, was William Shakespeare als das wahrlich große Theater betrachtete. Sind wir in der Situation angekommen, dann lassen wir uns aufsaugen und verzaubern. Hier, und erst hier beginnt der Wirkungsgrad einer Schauspielerin. Hier ist sie gefragt. Hier brilliert sie oder sie scheitert und man kauft ihr die Rolle nicht ab. Hier wird sie zu Maria Stuart und wie Esther Schweins mir mal in einem Interview über die wahre Qualität einer schauspielerischen Leistung offenbarte:

Ich versuche in dem was ich tue, den Rahmen nicht zu verlassen, sondern kann eine Emotion tragen lassen und weiß, dass ich nicht das „Gesetz breche“. Maria Stuart soll nicht auf der Bühne weinen. Das Publikum soll unten weinen!

Maria Stuart - Königin von Schottland in Buch und Film - Astrolibrium

Maria Stuart – Königin von Schottland in Buch und Film

Scala – Kino & Lounge, Fürstenfeldbruck, ein trister Samstagabend in meinem edlen Hometown-Cinema, in dem ich seit Jahren alle Hochs und Tiefs meiner cineastischen Leidenschaft erleben durfte. Groß angekündigt. Kleiner Saal. Großes Publikum. Maria Stuart – Der Name zieht an. Ebenso, wie der Cast zu begeistern weiß. Saoirse Ronan, Margot Robbie und David Tennant. Klangvolle Namen für einen klangvollen Film, dem Max Richter (Hostiles, Werk ohne Autor, Taboo) die Filmmusik widmete. Großes Kino. Aber war es das wirklich? Zumindest hatten die Vorschauen ein sehr heterogenes und vielschichtiges Publikum angezogen. Schwer miteinander in Einklang zu bringen.

Die Filmrezension

Überraschend. So lautet das Fazit. Man spürt in jeder Filmszene, dass Josie Rourke eigentlich Theaterregisseurin ist. Dieser Film leistet sich historischen Hintergrund und politische Lehrstunde zugleich. Eine Geschichtsstunde, die sich am realen Geschehen orientiert und nicht mit platten Allgemeinplätzen daherkommt. Und dabei überzeugt der Film mit atemberaubenden Bildern, einer Farbkomposition, die den Schauspielerinnen einen unglaublichen Glanz verleiht und einer Filmmusik, die den historischen Charakter dieser Produktion hervorhebt. So entsteht ein visueller Erzählraum, den zwei mehr als brillante Hauptdarstellerinnen zu wahren Charakterstudien der realen Vorbilder nutzen. Saoirse Ronan wirkt zerbrechlich, erotisch, bestimmt und verzweifelt. Sie spielt um ihr Leben, wie Marie Stuart versuchte, ihre Macht auszudehnen.

Margot Robbie überzeugt durch den Mut zur Hässlichkeit, weil sie geschminkt bis zur Unkenntlichkeit der ungeschminkten Wahrheit der Erkrankung von Elisabeth tief ins Auge blickt. Ferngesteuert vom jeweiligen Hofstaat und als Frauen eigentlich nur als die Schachfiguren auf dem Spielfeld der Macht gesehen, brillieren beide Schauspielerinnen mit der Vehemenz, mit der sich beide gegen die männlichen Ratgeber durchsetzen und behaupten wollen. So schlägt ein Thema den Bogen ins Jetzt. Hier stehen keine naiven Quotenfrauen auf der Weltbühne. Was damals Diplomatie war, sind heute Fake-News. Lügengeflechte, Verleumdungen und Intrigen werden im Film so greifbar, als würde es sich um einen heutigen Fall von Königinnen-Mobbing handeln. Ein Kampf, der niemals zum gemeinsamen Kampf wurde.

Maria Stuart - Königin von Schottland in Buch und Film - Saoirse ronan - astrolibrium

Maria Stuart – Königin von Schottland in Buch und Film

Brillante Schauspielerinnen, plausibles historisches Setting und die Atmosphäre des ganz großen Kinos machen diesen Film zum Erlebnis. Und nein, Maria Stuart hat auf der Bühne nicht geweint. Das überlässt Saoirse Ronan den Zuschauern, die ja schon vom ersten Moment an ahnen, wie der Film endet. Und doch gelingt es ihr, dem Ende ihren Stempel aufzudrücken. Episch, authentisch, fesselnd und perfekt. Das hatte ich nicht unbedingt so erwartet. Die finale Begegnung der Rivalinnen (auch wenn es nie bewiesen werden konnte, ob sie sich jemals begegneten) gehört zu den Highlights des Films, weil sie nur so stattgefunden haben kann. Ich kann nur empfehlen, sich auf eine historische Reise zu begeben, die man in dieser Art und Weise selten im Kino erlebt.

Ganz nebenbei und doch aufsehenerregend setzt der Film ein Zeichen! Wurden doch in einer Zeit, in der die „Whitewashing„-Diskussion Hollywood beherrscht, einige wichtige Rollen mit dunkelhäutigen und asiatischen Akteuren besetzt. In dieser Dichte fand man diese Exoten sicher nicht an den Königshöfen Schottlands und Englands vor. Die Branche zuckt zusammen, weil hier aufgezeigt wird, dass Hautfarbe und Herkunft selbst in einem historischen Filmspektakel nicht über der schauspielerischen Leistung stehen. Eine wichtige Botschaft, die mit filmischen Mitteln Gleichberechtigung fordert.

Auch, wenn sich die deutsche Film-Promotion wirklich Mühe gegeben hat, Fehler zu machen, sollte man sich vom wahren Wert des Films selbst überzeugen. Hier wurde in der Hochglanz-Broschüre davon berichtet, Schottland sei von Elisabeth regiert, was im Film gottlob und historisch richtig niemals so behauptet wurde. Allein dieser Satz ist allerdings geeignet, kritische Leser zu verprellen. Auch der deutsche Titel greift an der Absicht vorbei, Maria als die legendäre Figur eines Volkes zu beschreiben. „Queen of Scots“ meint nicht Königin von Schottland. Gemeint ist die ewige Königin des Herzens. Letztlich ist Filmwerbung wie ein schlechter Klappentext und der Titel nur Überschrift für einen komplexen Verkaufsprozess. Wir sollten da nicht den Kopf verlieren. Überlassen wir das doch lieber Maria Stuart. Sehenswert… 

Maria Stuart - Königin von Schottland in Buch und Film - Astrolibrium

Maria Stuart – Königin von Schottland in Buch und Film –

2019 – Ins neue Jahr mit der kleinen literarischen Sternwarte

AstroLibrium – Ein neues Jahr bricht an

Nun hat es doch noch gewaltig gekracht in der vergangenen Nacht. Das feuerlose zamonische Feuerwerk, wie es Walter Moers noch vor den Feiertagen empfohlen hatte, blieb ein Wunsch, der zum Rohrkrepierer wurde. Nun gut. Das hätten wir hinter uns und nun wird alles anders. Echt jetzt? Besser, bunter, toller? Ich möchte es mal hoffen. Nur hier in der kleinen literarischen Sternwarte wird sich nicht viel ändern. Ich halte auch im sechsten Jahr des Bloggens an Bewährtem fest. Ich freue mich auf ein tolles erlesenes Jahr voller literarischer Highlights, auf zwei große Buchmessen und eine Menge kleiner und großer Überraschungen.

Das vergangene Jahr war gekennzeichnet von rechtlichen Anpassungen unserer Bloggosphäre. Wer hat nicht sein ganz eigenes Lied von der Umsetzung der DSGVO gesungen, wer hat nicht Datenschutzerklärungen verfasst und lebte nicht seit Mai in der ständigen Angst vor willkürlichen Abmahnungen? Was folgte waren Unkenrufe über ein Ende des Bloggens. Die Hohezeit der Internet-Rezensenten sei vorüber und es gelte in der Zukunft neue Wege zu finden. Blogs verschwanden aus dem Netz, tauchten ab um in der Folge nur zaghaft wieder Flagge zu zeigen. Ich habe auch angepasst, formuliert und rechtskonform gedacht. Nur eines habe ich nicht getan: die Philosophie geändert. 

Buchhandlung Calliebe und AstroLibrium

Buchhandlung Calliebe und AstroLibrium

AstroLibrium bleibt AstroLibrium. Auch im neuen Jahr. Gerade im neuen Jahr. Treu möchte ich mir und den Büchern und Hörbüchern bleiben, die mir auf meinem Leseweg begegnen. Treu möchte ich meinen ideellen Partnern aus der realen Welt bleiben. Eine grandiose Buchhandlung in Groß-Gerau wird mit ihrem Inhaber Thomas Calliebe ganz eng mit meinem Lesen verbunden sein. Unsere Initiative Blogger und Buchhandel hat einen Impuls gesetzt, den wir in vielen kleinen und großen Kooperationen wiederfinden. Wir machen weiter, wie wir begonnen haben. Freundschaftlich verbunden auf dem Weg durch ein fantastisches Jahr. Am Ende all meiner Artikel werdet ihr die Buchhandlung Calliebe finden. Ich bin stolz darauf, Teil der (er)Lesen-Welt von Thomas zu sein und quartalsweise im Online- und Print-Kundenmagazin vertreten zu sein. Weiter so. Immer weiter.

Und glaubt mir, es gibt unglaublich viel zu entdecken in diesem Jahr. Bis zum Juni reichen die Vorabexemplare, die sich inzwischen bei mir eingefunden haben. Sie haben viel zu bieten. Große Themen, spannende Zusammenhänge und Schwerpunkte, auf die ich mich ganz besonders freue. Fragen denen ich gerne literarisch auf den Grund gehe und lose Fäden meines vergangenen Lesens, die wieder aufgenommen werden. Meine großen Herzensschwerpunkte „Gegen das Vergessen“ und „Gegen Rassismus und jede Form von Ausgrenzung“ finden sich in vielen Büchern wieder, die 2019 auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen versuchen. Ich mag ihnen dabei behilflich sein. Und nicht nur das.

Die kleine literarische Sternwarte AstroLibrium

Die kleine literarische Sternwarte AstroLibrium

Schon auf der Frankfurter Buchmesse habe ich neue Themen entdeckt, denen ich mich im neuen Jahr widmen möchte. Wie funktioniert Trauer in Patchworkfamilien? Wie wird man dem Anspruch getrenntlebender ehemaliger Partner gerecht, wenn das Kind stirbt, das aus dieser längst vergangenen Beziehung stammt? Und welche Rolle dürfen die jeweils neuen Lebensgefährten einnehmen? Eine hochspannende Thematik, die ich schon in „Des Lebens fünfter Akt“ erstmals für mich entdeckt habe. Familien und ihre großen und kleinen Geschichten werden mich fesseln. Vom „Gezeitenwechsel“ bis zu „Was mein Vater mir nicht erzählte“ folge ich generationsübergreifenden Erzählungen und Handlungssträngen. Perspektivwechsel wecken meine Neugier. Der Roman „Alles still auf einmal“ nähert sich einem Amoklauf aus der Sicht eines Jungen, der überlebt. Ganz im Gegensatz zu seinem älteren Bruder. Ich bin gespannt. 

Ansonsten warten Jahrestage und Jubiläen auf uns. Herman Melville zum Beispiel würde seinen 200. Geburtstag feiern. „Die Reise nach Mardi“ wird im neuen Jahr sein Geschenk an diejenigen sein, die auf ihn anstoßen. Die James-Baldwin-Reihe geht in die nächste Runde. „Nach der Flut das Feuer“ wird dann schon der dritte Roman aus der Feder des großen afroamerikanischen Schriftstellers. Annie Ernaux wird nach den „Erinnerungen eines Mädchens“ in „Die Jahre“ kommen und mich weiter in ihr Leben entführen. Eine Autorin, die ich gerade für mich zu entdecken beginne. Ich werde mehr Reisen nach Sankt Petersburg unternehmen, als je zuvor. Ich kenne diese Stadt nur als Leningrad und möchte den zaristischen Glanz zur Jahrhundertwende erstmals erlesen. „Lubotschka“ und „Der Trompeter von Sankt Petersburg“ stehen ganz oben auf der Liste dieser Städtereise in die Vergangenheit.

AstroLibrium und Literatur Radio Hörbahn

AstroLibrium und Literatur Radio Hörbahn

Und das sind nur ein paar Beispiele für die Bücher und Hörbücher, die im Frühjahr auf mich und meine kleine literarische Sternwarte zurasen. Ich hoffe sehr, ein paar hell leuchtende literarische Fixsterne zu entdecken, mit denen das Lesen ein Fest wird. Die nachhaltige Unterstützung „meiner Verlage“ lässt mich freudig in die Zukunft schauen. Die unglaubliche Entwicklung meiner Leserzahlen im vergangenen Jahr stärkt mir den Rücken für künftige Projekte. Ich hätte nie gedacht, in diese Bereiche vorzustoßen und alle Rekorde der vergangenen Jahre um ein Drittel übertreffen zu können. Dieser Dank gilt ganz alleine Euch. Ohne Resonanz, ohne Leser und ohne das Gefühl, da draußen gelesen zu werden, wäre das Bloggen eine recht autistische Leidenschaft. Ich bin stolz, im Gefühl schreiben zu dürfen, dass ich im Jahresdurchschnitt einige Fußballstadien zu füllen vermag. Ausverkaufte Sternwarte. Das macht Spaß.

Und was mit Literatur Radio Hörbahn im neuen Jahr auf Euch zukommt, habe ich auf einer neuen Seite von AstroLibrium ausführlich beschrieben. Das Hören wird rund.

Last but not least erlaube ich mir auch 2019, meine kleine TextManufaktur weiter mit Leben zu füllen. Die eigenen Texte und Fingerübungen machen Spaß und ich bin fest davon überzeugt, dass ich hier Gedanken festhalten kann, die sich ansonsten nur allzu schnell verflüchtigen würden. Und wenn ich nicht schreibe? Wenn ich nicht lese? Na dann bleibt mir ja im Jahr 2019 noch das Kino, denn hier kommt eine ganze Menge auf uns zu. Literaturverfilmungen pflastern meinen Weg im nächsten Jahr und ich habe schon jetzt unglaublich viel Lust darauf, die Filme mit den gelesenen und rezensierten Büchern zu vergleichen.

Das Kinojahr 2019 mit AstroLibrium

Das Kinojahr 2019 mit AstroLibrium

Ein kleiner Vorgeschmack:

Maria Stuart – Königin von Schottland“ mit Saoirse Ronan
„Die Ehefrau des Nobelpreisträgers“ nach „Die Ehefrau“ von Meg Wolitzer
Der geheime Garten“ nach dem Buch von Frances Hodgson Burnett
Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ nach dem Roman von John Green
Auerhaus“ nach dem Bestseller von Bov Bjerg
Stoner“ nach dem Meisterwerk von John Williams
„Across the River into the Trees“ nach Hemigways letztem Roman
Beale Street Blues“ nach dem Roman von James Baldwin
„Der Diestelfink“ nach dem Buch von Donna Tartt
Der Club der roten Bänder“ – Das Prequel zur Erfolgsserie

Und dann noch völlig losgelöst von der literarischen Vorlage freue ich mich auf:

„Everest“ – Zum Jubiläum der Erstbesteigung (Dazu auch ein Bilderbuch bei mir)
„Mary Poppins kehrt zurück“ und „Peter Pan“. Ein Highlight jagt das nächste.

Mein Kinojahr 2019 wird ein Blog-Schwerpunkt des neuen Jahres. Nicht nur weil so viele Literaturverfilmungen das Licht der Leinwand erblicken, sondern gerade auch, weil sich mein Hometown-Cinema SCALA Kino & Lounge FFB als Partner an meine Seite gestellt hat, um den Schulterschluss zwischen Buch und Film gemeinsam zu wagen. Ihr werdet viel von uns lesen, sehen und hören. Macht es Euch bequem.

AstroLibrium 2019

AstroLibrium 2019

Ich freue mich auf Euch. Ich freue mich darauf, Euch hier zu begegnen, Euch auf den sozialen Plattformen zu treffen und Euch im echten Leben in Leipzig, Frankfurt oder bei mir in Bayern über den Weg zu laufen. Lasst uns das Jahr 2019 feiern als gäbe es bald kein Lesen mehr. Lasst uns neue Kapitel miteinander schreiben und das Buch unseres Lesens um viele wichtige Seiten erweitern. Lasst uns auf uns achten. Gemeinsam auf uns aufpassen, uns im Auge behalten. Die Literatur ist unser Leben, aber ohne unser Leben ist die Literatur eine Nachricht, die keinen Empfänger findet. Leben wir… !!!!

Astrolibrium 2019

Bleibt anhänglich…

„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ (Buch und Film)

Letztendlich sind wir dem Universum egal von David Levithan

Geht es euch auch manchmal so, dass ihr von Büchern heimgesucht werdet, die ihr vor langer Zeit gelesen habt? Manchmal sind es andere Bücher, manchmal auch nur Gedanken und Ideen die uns mit einem Werk in Verbindung bringen, das eigentlich ganz ruhig im Bücherregal des Lebens zu schlummern scheint. Aber glaubt mir. Bücher sind wie wilde Bestien. Sie warten auf den richtigen Moment im Leben und fallen dann erneut über ihr damaliges Opfer her und verzehren es mit Haut und Haaren. Besonders häufig ist dies bei Literaturverfilmungen der Fall. Im Schnitt liegen heutzutage zwischen der Veröffentlichung eines Romans und seiner filmischen Adaption ungefähr vier Jahre. Filmrechte gehen über den Tisch, Ein Drehbuch wird geschrieben, Schauspieler treffen sich zum Casting mit Produktionsgesellschaften und irgendwann geht es dann los.

Zuletzt war ich begeistert von Filmen wie „Wunder“ und „Raum“, weil sie einfach den Geist der Romanvorlagen in herausragender Art und Weise auf die Leinwände der Welt gezaubert haben. Wie gut solche Verfilmungen sein können, sieht man jährlich in Los Angeles, wenn es heißt And the Oscar goes to.“ Auch in diesem Jahr stehen die Verfilmungen von Bestsellern hoch im Kurs. Man erhofft sich dabei wohl, der Erfolg an den Kassen der Buchhandlungen möge sich im Kinosaal niederschlagen und im besten Fall sogar wiederholen. Ehrgeizige Projekte sind dabei. Verfilmungen, die ich nach dem Lesen eines Buches für nicht möglich gehalten hätte. Zu komplex, zu kompliziert und in vielerlei Hinsicht zu anspruchsvoll für das action-orientierte Kinopublikum sind Romane, die als Buch noch herausragend funktionieren. Eine Wirkung, die sie dann im Kino sehr oft einbüßen. Ihr kennt das sicher. Literaturverfilmungen und Romanvorlagen. Ein sehr heikles Thema.

Letztendlich sind wir dem Universum egal von David Levithan

Heikel mutet auch das folgende Filmprojekt an. Kann man einen Film auf den Markt bringen, in dem die Hauptrolle von mehr als zwanzig Darstellern verkörpert wird? Ist es dem Publikum auch visuell zu vermitteln, was einer Romanvorlage so exzellent gelang? Gelingt es im Kino, den Blick von den reinen Äußerlichkeiten auf das Innenleben eines Menschen zu lenken? Ist der Zuschauer in der Lage einem derart komplexen situativen Rahmen zu folgen? Ich hatte so meine Zweifel. Buch bleibt eben Buch und Vorstellung ist sicher nicht kompatibel zu den Bildern, die Regisseure und Produzenten vor Augen haben, wenn sie an einen Kassenerfolg denken. Doch worum geht es eigentlich?

Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan ging literarisch im Jahr 2014 durch die Decke. Ein Jugendbuch, wie ich es bis dahin nicht gelesen hatte. Eine Story mit einer tief angelegten Botschaft, die nicht nur junge Leser bewegte. Eine Story, die so einzigartig war, dass sie vielfach ausgezeichnet wurde. Ein Buch, das sich so erfrischend vom Mainstream abhob, dass man sich zwischen seinen Seiten nur wohl fühlen konnte. Und nicht zuletzt ein Roman, dem ich eine Lesenacht im Kinderheim St. Alban widmete. Jetzt holt mich das Universum im Kino wieder ein und glaubt mir, es ist mir gar nicht egal. Ich platze vor Neugier, wie man diese Geschichte verfilmen konnte.

Letztendlich sind wir dem Universum egal von David Levithan

Es geht um A. Er ist kein normaler Jugendlicher, nicht mal ein normaler Mensch. A. ist eine Seele, die sich täglich eine neue Heimat suchen muss. Hier ist Seelenwanderung mit einer Odyssee vergleichbar, denn A. hat keinen Einfluss darauf, in welchem Körper er am nächsten Tag erwacht und mit / in wem er diesen einen Tag verbringen muss. Er hat sich an dieses Leben gewöhnt, weil er es nicht anders kennt. Nichts ist konstant. A. wandert nur jeweils in Körper, die seinem Alter entsprechen und bleibt dabei fast immer in der gleichen regionalen Umgebung. Alles andere kann wechseln. Geschlecht, Größe und Gewicht, Hautfarbe und Charakter. A. ist die Eintagsfliege im Inneren seiner Wirte. Er fühlt sich in sie hinein, lebt mit ihnen und verlässt sie ohne Spuren zu hinterlassen.

A. hat dabei eines gelernt. Nicht festhalten, keine Bindung eingehen und nicht hoffen, an diesem einen Tag im Körper eines anderen Menschen die Welt zu verändern. Bis er sich im Körper von Justin wiederfindet und dessen Freundin Rhiannon begegnet. Da ist Ende mit Vernunft. Hier ist Schluss mit Disziplin. A. verändert den Tag, indem er Justin sympathisch macht. Er geht auf die Wünsche seiner Freundin ein, nimmt sie ernst und zeigt Gefühle. Völlig neu für Rhiannon. Schade nur, dass am nächsten Tag keine Spur mehr davon übriggeblieben ist. Hier nimmt die Story richtig Fahrt auf, denn aus der heil- und ziellosen Seelenwanderung wird jetzt eine Reise, die A. immer wieder zu Rhiannon führt. Er hat sich verliebt. Doch wie soll er dem jungen Mädchen zeigen, dass er es ist, der ihr da täglich im neuen äußeren Erscheinungsbild begegnet?

Letztendlich sind wir dem Universum egal von David Levithan

Wir Leser leiden mit und hoffen pausenlos, dass Rhiannon die Wahrheit erkennt. Was zugegeben nicht einfach ist, denn A. ist vom Schicksal nicht gerade verwöhnt. Er muss mit dem Körper leben, der ihn beherbergt und genau in den wichtigen Situationen passt der so gar nicht zu seinen Wünschen. Wie soll er Rhiannon von seiner Liebe und seiner Situation überzeugen, wenn er ihr mal als schüchterner Nerd, als dunkelhäutige Schönheit, als homosexueller Junge, der sich nicht mit Mädchen treffen will oder in der Haut eines 140 Kilogramm schweren Jungen gegenübersitzt? Schon kompliziert, oder? Besonders, wenn man verliebt ist und sich von seiner besten Seite zeigen will.

„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ sprengt die Grenzen des Denkbaren. Und gleichzeitig schießt dieser Roman seinen Leser in eine Gefühlswelt hinein, die ihm zu keinem Zeitpunkt fremd ist. Wie gerne würden wir nur nach unseren inneren Werten beurteilt werden? Wie gerne würden wir Äußerlichkeiten abstreifen und der Liebe eines Lebens so begegnen wie wir wirklich sind? Wie schön wäre es, wenn unser Gegenüber unsere Makel nicht sehen wollte, weil er sich in unser Wesen verliebt hat. Dieses Buch beschäftigt nachhaltig. Spätestens als Rhiannon beginnt, die A. zu glauben. Spätestens als sie in den Menschen ihres Umfeldes nach seinem liebenswerten Wesen zu suchen. Und allerspätestens als sie realisiert, was genau dieses Umfeld davon hält, dass dieses ach so brave Mädchen täglich mit anderen Typen abhängt.

Letztendlich sind wir dem Universum egal von David Levithan

„Kann es sein, dass der A, in den ich mich verliebt habe, jeden Tag in einem anderen Körper lebt? Aber wenn Glück sich so gut anfühlt, ist es eigentlich egal, ob es tatsächlich echt ist oder nicht.“

David Levithan ließ uns nicht mit dieser Geschichte alleine. Letztendlich geht es nur um dich“ ist die langersehnte Fortsetzung, die jedoch nicht mehr aus der Sicht des Körperwanderers, sondern aus der Perspektive von Rhiannon erzählt wird. Wer auf der Suche nach außergewöhnlichem Lesestoff ist, sollte in diesen Büchern sein Glück und allerbeste Unterhaltung suchen. Ich garantiere, dass keine der aufgeworfenen Fragen spurlos an euch vorübergehen wird. Ob die Verfilmung dem Universum jedoch egal ist oder nicht, das habe ich herausgefunden. Ich hatte meine Vorstellung von der Welt, die A. täglich neu erlebt. Der Film katapultiert mich jedoch auf die andere Seite der Körper und lässt mich A. in allen unterschiedlichen Daseinsformen erleben. Funktioniert das?

Und wie das funktioniert hat. Wenn der Film zum Déjà-vu-Erlebnis wird, man sich im Bilde fühlt und ein Eingriff des Regisseurs in die Handlung das zuvor Erlesene nicht in den Hintergrund drängt, dann hat man es mit einer sehr guten Adaption zu tun. Gefühle und Empathie gehören zu den Stärken des Romans und genau hier holt der Film seine Vorlage ab und visualisiert, was wir uns selbst ausgemalt hatten. Mit filmischen Mitteln gelingt der Spagat zwischen Erzählen und Zeigen brillant. Allein schon Angourie Rice als Darstellerin von Rhiannon verdient sich Bestnoten. In ihrem Gesicht kann man alles ablesen, was wir im Buch Wort für Wort aufgesaugt haben. Jedem Gefühl verleiht diese junge Schauspielerin Leben. Zweifel, Hoffen, Lieben, Leiden, Fliegen. Wenn man ihr in die Augen schaut, muss man nichts mehr erzählen.

Letztendlich sind wir dem Universum egal von David Levithan

Die Höhepunkte des Romans werden zu den Höhepunkten des Films. Lachen und Weinen gehen Hand in Hand. Alle Emotionen werden leinwandfüllend hervorgerufen. In jeder Sequenz funktioniert dieser Film so, wie schon das Buch funktioniert hat. Er packt uns und lässt nicht mehr los. Dabei handelt es sich hier nicht um EINE Buchverfilmung. Allein schon der Beginn des Films erinnert zu 100 Prozent an den Einstieg in Levithans Fortsetzungsroman „Letztendlich geht es nur um dich“. Rhiannons Perspektive prägt den Film mehr als die Erlebnisse des „Eintagsmenschen“ in den jeweiligen Gastgebern. Hier geht es darum, wie sie sich täglich finden können, wie Zuneigung entsteht und wie das Umfeld auf diese ungewöhnlichen Beziehungen reagiert.

Wir Leser wissen immer mehr. Wir sind privilegiert, wenn wir diesen Film sehen. Uns reicht der Blindenstock am Bett von A. um zu erkennen, was an diesem Tag schiefgeht. Uns muss man nicht alles erzählen. Wir sind auf Augenhöhe. Nichtleser sehen das mit anderen Augen. Ich möchte nicht mit ihnen tauschen. Das ist mein Buch, mein Film und meine Welt der Fantasie, in der ich in aller Tiefe eintauchen und mitfühlen darf. Und am Ende wurde ich auch nicht enttäuscht, weil man dem Ende in all seiner Melancholie und Gegenläufigkeit zur Vorstellung eines Happy-Ends das Ende gönnte, das mich im Buch schon so sehr beschäftigte.

Letztendlich sind wir dem Universum egal von David Levithan

Wenn vergossene Tränen im Kino der Maßstab für die Qualität eines Films sind, dann hat „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ fünf Tränen von möglichen fünf verdient. Davon zwei fürs Lachen und drei für Rührung und Gefühl. Was will ich mehr?