„Wir haben das KZ überlebt“ von Reiner Engelmann

Reiner Engelmann - Wir haben das KZ überlebt - Eine Reportage

Reiner Engelmann – Wir haben das KZ überlebt – Eine Reportage

Reiner Engelmann ist kein Unbekannter. Er hat sich mit seinem Buch Der Fotograf von Auschwitz – Das Leben des Wilhelm Brasseeinen Namen gemacht, obwohl er alles wollte, nur das nicht. Er wurde zum Chronisten eines Opfers des Holocaust. Er wurde zu seiner Stimme und zum Überbringer der zeitlosen Botschaft eines Menschen, der sein Leben riskierte, um die letzten Fotos der Opfer zu retten, die im KZ Auschwitz ermordet wurden. Reiner Engelmann zog sich dabei journalistisch weit zurück und gab den Lebenserinnerungen Wilhelm Brasses allen Raum.

Genau das unterscheidet dieses Buch von anderen Reportagen oder Chroniken. Es ist ein der Wahrheit verpflichtetes Buch, in dem nicht der Autor im Vordergrund steht, sondern der Mensch, über den er berichtet. Ohne Pathos, unverfälscht und auf einer klaren Methodik basierend. Persönliche Gespräche öffnen Reiner Engelmann die Türen zu Geschichten, die sonst nicht erzählt worden wären. Diese Interviews zeugen von der großen Empathie des Autors, die genau zu diesem oft verdrängten Teil des Erlebens aus Opfersicht Vertrauen aufbaut.

Wer sonst, als Reiner Engelmann sollte nun in der Lage sein, nach der Geschichte von Wilhelm Brasse in einem weiteren Buch unter der Überschrift Wir haben das KZ überlebt – Zeitzeugen berichtenvon weiteren Überlebenden des Nazi-Terrors zu berichten? Wem sonst würden wir glauben, dass es sich bei diesen Geschichten nicht um Legenden, sondern um Wahrheit handelt? Mir fällt da nur Reiner Engelmann ein.

Reiner Engelmann - Wir haben das KZ überlebt - Eine Reportage

Reiner Engelmann – Wir haben das KZ überlebt – Eine Reportage

Diese Bücher sind angesichts der aktuellen Ereignisse wichtiger denn je. Und sie werden immer unverzichtbarer, weil es nicht mehr viele Zeitzeugen gibt, die man noch befragen kann, denen man zuhören darf, die aus erster – aus ihrer eigenen Hand berichten können. Reiner Engelmann hat zehn Überlebende des Holocaust befragt. Er hat sie erzählen lassen, ohne tief in die Gespräche einzugreifen oder sie zu lenken.

„Es ist ja ihre Geschichte!“

Engelmann eignet sich keine dieser Geschichten an, aber er macht sie zu unseren. Er erweitert das kollektive Erinnern an Einzelschicksale innerhalb der unvorstellbaren Masse der Vernichtung menschlichen Lebens und überlässt seinen Lesern dabei die Einordnung in das eigene Wertesystem und die eigene Vorstellung von Menschlichkeit. Eva Mozes Kor, die ich bereits kennenlernen durfte und über die ich vielfach schrieb, kommt ebenso zu Wort, wie Erna de Vries („Ich wollte noch einmal die Sonne sehen“); Josef Königsberg („Erinnerung ohne Hass“); Heinz Hesdörffer („Ich rede, damit ihr wisst, wie es damals war!“); Max Mannheimer („Versöhnung als Stärke“) und weitere wortgewaltige Zeitzeugen des dunkelsten Kapitels der Menschheitsgeschichte.

Wenn diese Zeitzeugen des Holocaust bereit sind, der Jugend von heute die Hand zu reichen – ohne Schuldzuweisung, ohne Vorbehalte und ohne Hass – dann sollte die heutige Jugend die Geduld und Größe zeigen zuzuhören, um in letzter Konsequenz des eigenen Menschenbildes dafür Sorge zu tragen, dass sich Geschichte nicht wiederholt. Dieses Buch, Reiner Engelmann und die Zeitzeugen leisten einen wichtigen Beitrag zu diesem Prozess.

Mit einem Klick zur Reportage von der Buchpräsentation

Mit einem Klick zur Reportage zur Buchpräsentation

Die Buchpräsentation zu „Wir haben das KZ überlebt – Zeitzeugen berichten“ von Reiner Engelmann wurde vom cbj-Verlag im NS-Dokumentationszentrum in München veranstaltet. Herzlich willkommen zur Reportage, die an diesem besonderen Abend für Literatur Radio Bayern entstand. Hören Sie gut…

Das ausführliche Interview mit Reiner Engelmann wird ergänzt durch die Dia-Show mit vielen Impressionen rund um seine Bücher und den aktuellen Eindrücken von der Veranstaltung in München.

Engelmann bleibt relevant und wichtig, wenn es um das positive Erinnern geht.

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Eine weitere wichtige Stimme zum Buch: Anja und Zwiebelchens Plauderecke!

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