Der Junge auf der Holzkiste – Leon Leyson und Schindlers Liste

Der Junge auf der Holzkiste von Leon Leyson

Der Junge auf der Holzkiste von Leon Leyson

Ein kleines Mädchen in einem Schwarzweißfilm. Ein kleines Mädchen, das ganz allein und verlassen durch eine Stadt irrt, während Soldaten Menschen vor sich her treiben und wahllos erschießen. Ein kleines Mädchen, das man nur deshalb nie wieder aus den Augen verliert, weil es einen roten Mantel trägt. Der einzige Farbfleck im ganzen Film. Wer kennt diese bewegende Aufnahme aus dem Film „Schindlers Liste“ nicht? Eine Szene, die dem Holocaust eine ganz persönliche Dimension verleiht.

Die Individualisierung des Erinnerns. Keine Filmsequenz über den Holocaust steht meinem Schreiben und Denken Gegen das Vergessen näher. Keine Filmszene wühlt mehr auf und erlaubt doch den tiefen Blick auf die unglaubliche Größenordnung der Shoa. Dieses kleine Mädchen tritt aus der Masse heraus und fesselt unseren Blick. Das Grauen wird greifbar und der rote Mantel zum Symbol für den gesamten Holocaust. Aufkommende Beschützerinstinkte lassen uns verzweifeln angesichts der Hilflosigkeit des Kindes.

Leon Leyson verteilt in diesem Buch über sein eigenes Leben viele rote Mäntel. Er verleiht seiner Familie und ganz besonders seinen verlorenen Brüdern, den Menschen in ihrem Umfeld und ihrem Retter Gesicht und Identität. Er individualisiert und schärft den Blick auf das große Ganze. Schindlers Liste ist dabei viel mehr als nur ein Wendepunkt seines Lebens. Die Liste selbst rettet ihn, der Film lässt ihn die Sprache wiederfinden.

Der Junge auf der Holzkiste von Leon Leyson

Der Junge auf der Holzkiste von Leon Leyson

„Schindlers Liste“ von Steven Spielberg – ein Meilenstein in der Aufarbeitung der Verbrechen der Nazi-Machthaber. Und gleichzeitig auch Auslöser einer besonderen Welle, die ohne die Verfilmung dieser wahren Geschichte Oskar Schindlers niemals losgetreten worden wäre. Jenem Oskar Schindler, der selbst Nationalsozialist war und im besetzten Polen durch Mut und Erfindungsreichtum mehr als 1200 jüdischen Zwangsarbeitern das Leben retten konnte, die ihm von den Machthabern zur Verfügung gestellt wurden.

Wer ein Leben rettet, der rettet ein ganzes Volk. So lautete die Inschrift in dem Ring, den die überlebenden „Schindler-Juden“ ihrem Retter schenkten. Einer von ihnen hatte die Jahre der Verfolgung, der Todesangst und des Hungers ganz tief in sich verborgen. Seine Familie wollte er nicht mit den Verlusten seines Lebens überschatten. Wie so viele andere Überlebende schwieg er, bis ein Reporter im Rahmen einer Recherche seinen Namen auf einer Liste fand. Ein Reporter, der den Film gesehen hatte und sich dann auf die Spur der letzten Zeitzeugen machte.

Dieser Reporter riss den Mann aus dem Schweigen, der für alle nur „Der Junge auf der Holzkiste“ war. Leon Leyson, das Kind mit der Nummer 289 auf Schindlers Liste. Der Junge, der damals noch Leb Lejzon hieß.

Der Junge auf der Holzkiste von Leon Leyson

Der Junge auf der Holzkiste von Leon Leyson

Leb Lejzon hätte am 15.09.1939 so gerne seinen zehnten Geburtstag gefeiert. Er lebte jedoch zur falschen Zeit am falschen Ort, gehörte aus Sicht der neuen Machthaber einer falschen Religion an und fiel einem System des Grauens in die Hände. Leb Lejzon war Jude, lebte mit seiner Familie im polnischen Krakau und musste hilflos mit ansehen, wie die Nazis einmarschierten. Das ganze Leben veränderte sich von der einen auf die andere Minute. Denn mit den Nazis betrat der Holocaust das Land.

In seinem bewegenden Lebensbericht nimmt uns Leon Leyson mit auf seine ganz persönliche Zeitreise in ein Leben, das er verdrängt hatte und von dem er nie wieder reden wollte. Er erzählt von seinen Verlusten und Ängsten, lässt uns teilhaben an der Geschichte seiner Familie und öffnet sich den Menschen, denen seine Geschichte am Herzen liegt. An seiner Seite erleben wir die Veränderungen des Alltags der jüdischen Bevölkerung in Krakau, spüren, wie sich die Krallen der Nazi-Ideologie immer tiefer ins Fleisch der Opfer graben und begeben uns mit ihm auf den schwersten Weg, den man sich nur vorstellen kann.

Sie werden im Ghetto Krakau vor den Augen der Welt verborgen. 

Der Junge auf der Holzkiste von Leon Leyson

Der Junge auf der Holzkiste von Leon Leyson

Ein Ghetto, das den zusammengepferchten Juden schonungslos vermittelt, wohin der Weg letztendlich führen wird. Umgeben von einer drei Meter hohen Mauer in Form jüdischer Grabsteine suggeriert sie den eingeschlossenen Juden, sich schon auf einem Friedhof zu befinden. Sofort beginnen willkürliche Ermordungen, Erniedrigungen und zermürbende Zwangsarbeit. Der Tod der Menschen im Ghetto ist Programm. Auch der junge Leb hat die ersten persönlichen Verluste zu beklagen. Zwei seiner Brüder verlieren ihr Leben.

Einziger Hoffnungsschimmer scheint ein deutscher Unternehmer zu sein, der mit den Nazis kooperiert um eine Fabrik betreiben zu können. Oskar Schindler ist selbst Nazi, feiert rauschende Feste mit den Machthabern und nutzt jüdischen Zwangsarbeiter aus. So zumindest der erste Eindruck. Dass er in Wirklichkeit versucht, die Menschen, die auf seiner Arbeiterliste stehen zu retten, ihre Familien zusammenzuhalten und die Deportation nach Auschwitz zu verhindern, erschließt sich nur langsam. Aber Leb Lejzon erkennt das schnell und greift nach dem Strohhalm Schindler.

Wer nur ein Leben rettet, der rettet ein ganzes Volk.

Der Junge auf der Holzkiste von Leon Leyson

Der Junge auf der Holzkiste von Leon Leyson

Ein Junge, der auf einer Holzkiste stehen muss, um eine Maschine zu bedienen, kann nur sehr schwer als unverzichtbarer Facharbeiter verkauft werden. Oskar Schindler gelingt dies. Mehr als 1200 jüdische Arbeiter kann er unter Einsatz seines Lebens retten. Mehr als 1200 Völker hat er gerettet und die Nachkommen dieser Menschen haben es ihm nie vergessen. Er liegt heute als einziger Angehöriger der Nazi-Partei auf dem Berg Zion bestattet und sein Grab hat sich zum Denkmal entwickelt.

Der Lebensbericht von Leon Leyson, der die Veröffentlichung dieses Buches nicht mehr erlebte, ist eines der wichtigsten Zeitdokumente eines Holocaust-Überlebenden. Es ist aus der unverfälschten naiv-kindlichen Sicht geschrieben, reflektiert jedoch den Schrecken des Holocausts in all seiner Tragweite. Es ist die bewegende Geschichte einer kleinen Familie, die schwer gezeichnet vom Verlust zweier Söhne den Weg in die Zukunft antreten durfte. Und es ist eine Geschichte die nicht mit der Befreiung endet.

Leon Leyson erzählt mehr. Er lässt uns teilhaben an seiner unglaublichen Wut. Einer Wut, die sich in ihm ausbreitet, als er feststellen muss, was es heißt in einem freien Land zu leben und Zeuge von Diskriminierung zu werden. Er konnte nicht fassen, dass es in amerikanischen Bussen Plätze gab, die nur weißen Menschen vorbehalten waren. Frei sein hatte er sich anders vorgestellt…

Der Junge auf der Holzkiste von Leon Leyson - Bücher gegen das Vergessen

Der Junge auf der Holzkiste von Leon Leyson – Bücher gegen das Vergessen

Es ist nicht nur meine Mission, die wahren Fixsterne am Bücherhimmel zu entdecken, sondern auch, sie mit euch zu teilen. Als Bibliothekar gegen das Vergessen werde ich immer wieder versuchen, von mir zum Thema Holocaust vorgestellte Bücher an euch euch weiterzugeben. Ihr könnt „Der Junge auf der Holzkiste“ sehr gerne in eurem Bücherregal begrüßen. Hinterlasst einfach einen Kommentar zu euren Gefühlen zum Mädchen mit dem roten Mantel im Film Schindlers Liste. Ich wähle dann den nächsten Leser des Buchs von Leon Leyson aus.

Dem Buch wird ein besonderes Lesezeichen beiliegen, um euch daran zu erinnern, dass man Ornamente lieben, sie aber auch missbrauchen kann. Die perfide Ghettomauer von Krakau darf nie wieder entstehen auf dieser Welt…

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26 Gedanken zu „Der Junge auf der Holzkiste – Leon Leyson und Schindlers Liste

  1. Als ich den Film das erste mal gesehen hab dachte ich das da was nicht stimmt. Das der Film kaputt ist. Ich War damals 10 und habe nichts verstanden. Der Film lief halt einfach im fernseh und meine Eltern haben ihn angeschaut. Aber der Film hat mich zum nachdenken gebracht. Ich fragte meine Eltern was der rote Mantel bedeutet und ob das wirklich so gehört. Sie gaben mir keine Antworten drauf. Also las ich Viel in der Bücherei drüber und las mich immer mehr rein in das Thema. Jetzt steht der rote Mantel für mich als Zeichen das man vielleicht für den Moment allem entfliehen kann. Aber es gibt immer ein ende. Das kleine Mädchen hatte für einen kurzen Moment Glück was jäh zerstört wurde. Kein glücksmoment ist für die Ewigkeit. Der ganze Film reist einen richtig mit. Aber als das kleine Mädchen ins Spiel. Kommt bekommt der Film eine andere Sichtweise. Ab dem Punkt realisiert man was da eigentlich los ist. Dieser Punkt hat mich beim zweiten mal anschauen wachgerüttelt. Als das Mädchen dann tot da lag hatte ich nur nichz geheult und hätte abe mich bißchen geschämt. Da wsr ich dann schon 15 und habt aber bebe es besser verstanden

    • Ein sehr gespaltenes Gefühl, das ich gut verstehen kann. Einerseits wirkt es als könnte sie ganz allein entkommen, andererseits erkennt man schnell, dass es – egal wie – kein entkommen gibt. Der rote Mantel zieht ihr Schicksal ans Licht.

  2. Mich macht das alles so sprachlos.Demütig und unendlich traurig.Und doch sind es diese wenigen „Farbtupfer“ ,die das alles nicht vergessen lassen! SIe lassen erinnnern ,hallen nach ,lassen mich nachdenken.Wie hätte ich mich verhalten ,wäre ich mutig gewesen,hätte ich Farbe in eine hoffnungslose Welt gebracht? Gerade in der heutigen Zeit,ist es sooo wichtig ,das es Menschen wie dich gibt,die Erinnern,nicht vergessen lassen.Für uns ,aber vor allem für unsere Kinder ,so etwas darf nie wieder passieren.Und doch ,wenn wir nach Frankreich schauen ,oder auch hier in unserem eigentlich so bunten Land,im Moment ist es so wichtig zu erinnern.Nicht still zu sein ,bunt zu sein ,Flagge zu zeigen.Für uns ,unsere Kinder und denen ,denen wir es schulden,das nichts vergessen wird! Ich sag einfach mal „Danke“ für das Erinnern!!
    Lg Dorothea
    Auch ich werde nicht vergessen und schon nächste Woche meine eigene Reise gegen das Vergessen mit Esther Bejarano beginnen,soviele Zeitzeugen gibt es ja nicht mehr!!

    • Wenn wir alle auf unsere Reise gehen und uns dann am Lagerfeuer gegen das Vergessen davon erzählen und jeder legt für die von ihm erzählte Geschichte ein kleines Stück Holz in unser Feuer, dann wird man es bald überall sehen können.

      Und es kommen Menschen zu uns, um sich aufzuwärmen…

  3. Guten Abend Arndt,
    ich habe deimen Artikel gelesen. Mein Herz rast und der Film „Schindlers Liste“ steht ganz oben auf der To-Do-Liste. Wünschte mir, ich kenne den Film bereits, muss mir aber eingestehen, dass dies nicht so ist. Toller Mensch, wie mir scheint. Und habe noch sehr viel zu entdecken in Sachen „Gegen das Vergessen“…danke dir, dass du mich immer wieder drauf aufmerksam machst. Danke, dass du diesen Weg gehst. Auch wenn ich lange nicht so bewandert bin, wie du, weißt du hoffentlich trotzdem, dass meine Unterstützung dir immer sicher ist.
    „Der Junge auf der Holzkiste“ – scheinbar ein Herzensbuch für dich. Würde mich freuen, wenn es auch eins für mich wird…aber ich glaube – so oder so – wird dieses Buch bei mir einziehen.
    Einfach nur ein stilles Danke an dich.
    Verena.

    • Auf dieser Wanderung muss man nicht bewandert sein, um dem Ziel immer näher zu kommen. Ich fühle mich eurer Unterstützung sicher (was man ja an der Buchreise zu Hanas Koffer sieht). Die herzen, die mitkommen sind oftmals wichtiger als alles Wissen im Detail. Und letztlich zielt mein Schreiben aufs Herz…

      Und da bin ich richtig bei Dir 😉

  4. Dieses Mädchen im roten Mantel Hat sich bei mir ins Gedächtnis gebrannt. Es ist die einzige Szene die auch nach 20 Jahren immer abrufbar ist.
    Beim ersten mal sehen, habe ich sie als Hoffnung gesehen als sie zum ersten mal im Film auftauchte. Oder wollte ich sie als Hoffnung sehen? Ich hatte darauf gehofft dass man sie wieder sieht. . Unter den überlebenden. Doch diese Hoffnung wurde je zunichte gemacht als man den roten Mantel ein zweites Mal im Film gesehen hat.
    Sie steht stellvertretend für jedes einzelne Schicksal der damaligen Zeit.

    • Ich denke auch, dass es mit filmischen Mitteln das Maximale ist, um einerseits den individuellen Schrecken zu zeigen, andererseits die große Zahl der Opfer zu thematisieren und dabei auch noch alle Betrachter so sehr zu beeindrucken, dass man dies nicht mehr vergisst.

  5. Leider habe ich mir diesen Film noch nicht angeschaut, aber was ich bisher darüber und allgemein über den Holocaust gesehen, gehört und gelesen hab, macht mich sehr nachdenklich und wütend. Meine Großmutter wurde 1937 geboren und sie redet nie über die Zeit, außer dass es hart war.
    Ich bin froh, dass ich niemals erfahren musste, was es bedeutet, in den Krieg hineingeboren zu werden….
    „Der Junge auf der Holzkiste“ macht mich neugierig. Erfahrungsberichte sind immer etwas anderes als Gegenstandsbezogene Berichte, man vergleiche nur „12 Years a Slave“ und „Roots and Queens“ (Jetzt mal auf Sklaverei bezogen. In den Holocaust lese ich mich gerade erst hinein, mein erstes Buch zu dem Thema war das wohl bekannsteste: „Die Bücherdiebin“).
    Ich würde mich sehr freuen, dieses Buch lesen zu können, kann aber auch verstehen, wenn es an einen Leser geht, welcher auch „Schindlers Liste“ gesehen hat.

    • Dein Vergleich trifft vieles, das in mir tobt.

      Der Holocaust wird gerade in der aktuellen Literatur oftmals dafür hergenommen, eine Kulisse für erfundene Geschichte zu liefern. Was bleibt ist dann nicht die Erinnerung an den Holocaust, sondern eine romantisierte Erinnerung an eine Liebesgeschichte, die es nie gegeben hat. Dieser HOLOKITSCH greift um sich.

      Mit der Sklaverei ist es ähnlich… Nach der Befreiung der Sklaven in den USA hat man noch ein wenig gewartet, bis die Zeitzeugen ausgestorben waren und es kam eine Welle von romantisierten Sklavenromanen auf den Markt. Was bleibt?

      Ein völlig verklärtes Bild von den Südstaaten. Aristokratie und Gentlemen. Bunte Impressionen und tolle Kleider. Dunkelhäutige Hausmädchen und herrlich wilde Liebesgeschichten.

      Ist ein Bild der menschenverachtenden Herrenschicht geblieben? Ist das Bild des in Ketten liegenden Sklaven geblieben? Sind Folter und Ausbeutung geblieben?

      NEIN.. das südstaaten-Image ist weichgespült und clean.

      Ich mag nicht daran denken, dass es mit dem Holocaust in 50 Jahren ebenso ist. Dein Vergleich beschäftigt mich schon seit langer Zeit… auch darüber werde ich schreiben. Sehr ausführlich…

  6. Als ich „Schindlers Liste“ zum ersten Mal gesehen habe, war ich 11 oder 12 Jahre alt. Meine Mutter wollte erst nicht, dass ich den Film schaue, aber dann ließ sie sich doch überreden.
    So saßen wir beide zusammen auf der Couch und meiner Mama liefen Tränen über die Wangen, als das kleine Mädchen über den Bildschirm irrte. Ich habe das damals nicht verstanden, weil ich in dem Moment dachte, wenigstens passiert dem Mädchen nichts. Naja später taucht sie dann ja wieder auf und ist tot. Trotzdem dachte ich zu dem Zeitpunkt, dass das Mädchen so etwas wie Glück hat. Auch wenn es furchtbare Angst hat, lebte es doch und wurde nicht einfach so auf der Straße erschossen. Andererseits konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich ohne meine Eltern so durch die Gegend irren würde. Ich wäre vermutlich einfach stehen geblieben und hätte furchtbar geweint.
    Vor zwei Wochen habe ich den Film mit meiner kleinen Schwester (13) gesehen, und ihr erging es ähnlich. Heute kann ich gar nicht mehr nachvollziehen, dass ich denken konnte, das Mädchen hatte Glück. Genau wie bei meiner Mutter damals, konnte nun ich die Tränen nicht zurückdrängen, die mir aufgrund dieser Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit über die Wangen liefen. Mir schossen tausend Gedanken durch den Kopf, was dieses Mädchen schon erlebt hat und noch erleben wird. Dieses Mädchen steht stellvertretend für so viele Kinder und Menschen. Das was Schindler für seine Arbeiter getan hat, ist einzigartig und unglaublich.
    Wir sollten nicht vergessen! Noch haben wir Zeitzeugen und wir sollten ihnen zuhören.
    Liebe Grüße,
    Ronja

    • Ich bin tief beeindruckt von deinen Zeilen und denke , dass „Der Junge auf der Holzkiste“ bei euch beiden sehr gut aufgehoben ist.

      Und ja… wir sollten den Zeitzeugen zuhören und ihnen Aufmerksamkeit schenken. Mehr können wir ihnen nicht zurückgeben. Wir tragen keine Schuld, aber eine gewisse Verantwortung.

  7. Guten Abend lieber Arndt,

    Schindlers Liste habe ich damals das erste mal in der Schule gesehen….aber so richtig wahr genommen habe ich ihn damals nicht.

    Mittlerweile aber ist der Film in meiner Dvd Sammlung und etwas ganz besonderes. Selbst wenn der Film im Tv gezeigt wird, dann immer ohne Werbeunterbrechung…was ich sehr respektvoll finde.

    Die Szene mit dem Mädchen im roten Mantel ist herzergreifend und sehr traurig…Vorallem wenn man das Mäntelchen einfach so da liegen sieht und man erahnt, was dem Mädchen widerfahren ist. Diese Zeit darf sich niemals wiederholen.

  8. Ich schätze es so sehr, dass du auch gegen das Vergessen eintritts. Es ist gerade aktueller den je dies zu tun. Ich habe vor wenigen Wochen mit Margot Friedlander gesprochen, berate gegen den Nationalsolzialismus und gerade deshalb bin ich so froh über Menschen, wie dich, die genau dies auch nicht vergessen. Danke dafür. Wir dürfen nie vergessen was geschehen ist all diese geschriebenen Zeilen des Holocaust mögen sich bitte nicht wiederholen, sondern einfach nur Zeilen einer vergangenen erlebten Geschichte bleiben.

  9. Ich habe den Film leider noch nicht gesehen.Es fällt mir schwer mich mit diesem Thema auseinander zu setzen, da es mich einfach so traurig und betroffen macht. Aber ich weiß auch, dass es wichtig ist, dass dieses dunkle Kapitel nicht vergessen wird und dass auch jüngere Menschen wissen müssen, was passiert ist um zu verhindern, dass es noch einmal soweit kommt. Und am meisten berührt es einen und es lässt einen nachdenklich und hoffentlich menschlicher werden, wenn man von dem Schicksal Betroffener hört oder liest. Gerne würde ich dieses Buch lesen und somit mehr über den Jungen und sein Erleben erfahren.

  10. Dieser rote Mantel hat sich auch bei mir dauerhaft ins Gedächtnis gebrannt. Für mich war er zunächst ein Zeichen der Hoffnung, ein Zeichen, dass auch im stärksten Grau irgendwo ein Farbtupfer ist, dass es auch unter schlimmsten Bedingungen ein winziges Licht geben kann. Aber auch das wurde am Ende ausgelöscht – und genau das macht diese Szenen so eindringlich, bringt einem den Schrecken so nahe.

  11. Für mich steht das Mädchen in dem ro(sa)ten Mantel stellvertretend für all die vielen anderen Kinder, die in dieser Hölle gelitten und ihr Leben gelassen haben.
    Schon beim ersten Schauen des Films habe ich sie förmlich „zwanghaft“ in späteren Szenen gesucht – und tue das heute noch immer … Der Film ist „Pflicht“, jedes Mal, wenn er ausgestrahlt wird, und ich finde es beeindruckend, dass kein Sender ihn durch Werbung unterbricht (!).
    Lieber Arndt, ich bin total begeistert, wie intensiv Du das Thema angehst – und ein kleines bisschen stolz (froh), dass ich Dir „Hanna“ als Lektüre empfohlen habe.
    Wunderschön, was daraus entstanden ist!

  12. Hurra, ich glaube, es klappt mit dem Kommentieren… Ich hatte ja schon auf Facebook geschrieben, dass ich gern meinen kleinen Teil gegen das Vergessen mit anderen teilen möchte, das Buch mit seiner Begleitung, dem unvergleichlichen Lesezeichen mit Bedeutung ein neues Zuhause geben und andere darauf merksam machen möchte…

    Der rote Mantel… Auch mir ging es so, als ich das erste mal den Film sah, war ich jünger. Viel jünger. Wir MUSSTEN den Film in der Schule ansehen. Da geht man ja erst mal ganz anders ran. Es blieben denn auch erst mal nur Fragmente hängen. U.a. natürlich das Mädchen in dem roten Mantel. Eine Signalfarbe in all dem Grauen, dem Bösen, dem Schmerz, dem Verlust… Fast schon wie ein Signalfeuer!

    Jahre später, als Erwachsene, kam der Wunsch auf, ich möchte den Film noch mal sehen. Einfach, weil meine Gedanken- und Gefühlswelt nun eine ganz andere war. Und da war er wieder, der Moment, in dem das Mädchen in den Fokus tritt… Und das war wie ein Paukenschlag. Es hat bei mir Tränen bewirkt. Tränen, die ich mir zunächst nicht erklären konnte. Gut, ich bin sehr sensibel, mir treiben auch viel profanere Dinge schon mal die Tränen in die Augen… Aber da war nichts profanes. Es war ein Erkennen, ein Wiedersehen, was schmerzte. Dieser Moment hat mir offenbart, dass alle, die diesen Film nicht nur als ein Stück Hollywood ansehen, sondern die richtige Geschichte dahinter, tatsächlich sehen, wahrscheinlich auf ewig nach dem roten Mantel Ausschau halten werden. Einfach, um dran glauben zu können, dass es für die Welt noch Hoffnung gibt. Für das Gute. Die Menschlichkeit.

    Mittlerweile kann man spekulieren, ob die Farbe Rot vielleicht unterschwellig dadurch in meinem Leben eine so große Rolle spielt. Ich bin natur nicht rothaarig, aber seit meinem 18. Lebensjahr sind sie rot gefärbt. Ich trage roten Schmuck. Ich trage rote Schuhe. Roten Lippenstift…es findet sich überall, mehr oder weniger subtil eingesetzt. Vielleicht warte ich ja darauf, dass irgendwann ein Mädchen in einem roten Mantel meine Wege kreuzt und da ein Gefühl aufkommt, dass sich ein Kreis schließt. Ich weiß es nicht!

    in jedem Fall finde ich es gut, dass diese Puzzleteilchen Menschen dazu bringt -auch mich!- sich immer und immer wieder, in unterschiedlichen Lebensphasen, mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Es ist toll, dass man auf diese Weise auch Menschen dazu bringt, die sich sonst dem ganzen verweigern. Sich sperren, aus Angst, dass es schmerzt.

    Schindlers Liste als Buch steht auf meiner Wunschliste bei LB, einfach, weil ich vor der Leidenschaft, Filme zu schauen, lieber das Buch zur Hand nehme, die Welt zwischen den Buchdeckeln lieber in meinem Kopfkino entstehen lasse. Und ich bin mir sicher, dass beim Lesen ein roter Farbtupfer durch alles hindurchwandern wird…

    Lieber Arndt, schau Dir an, was Du bei mir hervorrufst. ich sitze hier, wollte eigentlich frühstücken und ein paar Zeilen schreiben. Und jetzt… Sorry, für den Roman! Aber mich wühlt das ganze Thema, gerade, wenn Kinder involviert sind, sehr auf!

    Danke, dass Du zum Nachdenken anregst, zum Grübeln, zum Mitfühlen.

    Liebste Grüße
    Bine

  13. Schindlers Liste hatte ich zuerst als Buch gelesen, dann im Kino gesehen, später noch mindestens 2 x im Fernsehn, und immer noch fallen Dinge auf, die man vorher übersehen hatte .. das Mädchen mit dem roten Mantel hatte ich natürlich nicht übersehen und nachher auch den roten Mantel nicht. Da sitzt man mit Tränen in den Augen im Kino und denkt bei sich, wie hättest du reagiert, wenn du in dieser Zeit gelebt hättest. Ich glaube, niemand kann das sagen. Leider konnte ich mit meinen Eltern nie über diese Zeit sprechen, nun sind sie schon lange tot und als ich jung war, wußte ich einfach zu wenig über diese Zeit. Es ist so gut, dass wir heute so viel wissen und mit dafür sorgen können, dass sich diese Zeit nie nie wieder wiederholt.

    Liebste Grüße
    Ulla

  14. Hallo 🙂

    Ein Buch welches ich definitiv lesen werde. Unabhängig von dieser Verlosung.

    Das kleine Mädchen im roten Mantel war für mich ein Farbklecks und eine Warnung vor dem bösen zugleich.
    Als es so ziellos durch das Ghetto läuft, war ich erschüttert von dieser Hilflosigkeit. Als ich das Mädchen später unter den Leichen sah, war ich unendlich traurig, erschüttert und wütend über die brutalen Handlungen der Nazis. Dieses Mädchen ist für mich ein Symbol für die Unmenschlichkeit die in dieser Zeit herrschte. Und auch ein Symbol für den unabdingbaren grausamen Hass der gegenüber den Juden herrschte.

    Swasiland darf nie wieder vorkommen!!!

    Liebe Grüße

    Caro Stürmer

  15. Ein Weg, gegen das Vergessen einzutreten, ist es auch, gute Bücher zu diesem Thema zu lesen. Ich habe euch gebeten, eure Gefühls- und Gedankenwelten zum Buch „Der Junge auf der Holzkiste“ zu öffnen.

    Schindlers Liste ist so wichtig für dieses Buch, denn ohne den Film hätte der alte Mann, der damals der Junge auf Schindlers Liste war niemals sein Schweigen gebrochen.
    Die Kommentare haben mich sehr bewegt. Sie haben vielschichtig gezeigt, wie sehr die Geschichte von Oskar Schindler im Gedächtns geblieben ist und was der Film von Steven Spielberg geleistet hat.

    Ich habe mich einfach vom Gefühl leiten lassen und wäre sehr froh, wenn Ronja Grage dieses Buch auch mit ihrer kleinen Schwester liest und darüber spricht.

    Ich würde euch beiden das Buch sehr gerne mit einem besonderen Lesezeichen schicken und danke all jenen, die den Artikel mit ihren Kommentaren bereichert haben für die tiefen Gedanken des Gedenkens.

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