„Lesen und lesen lassen“ – Ein bibliophiles Wunder

Lesen und lesen lassen - Illustriert von Nikolaus Heidelbach

Lesen und lesen lassen – Illustriert von Nikolaus Heidelbach

Hey… Pst…

Hast Du mal eine Sekunde Zeit? Ja, Du. Genau Dich meine ich. Wenn Du schon hier bei mir in der kleinen literarischen Sternwarte AstroLibrium gelandet bist, dann haben wir vieles gemeinsam. Wahrscheinlich nicht nur die Lust aufs Lesen, sondern noch viel mehr.

Zitterst Du, wenn Du ein neues Buch aus seiner Folie befreist? Hast Du leichte Anflüge von heftigen Panikattacken, wenn der bestellte neue Lesestoff nicht rechtzeitig beim Buchhändler Deines Vertrauens einzutreffen droht? Neigst Du zu absoluter Unvernunft und kaufst ein neues Buch, obwohl Dein Stapel der ungelesenen Schätze mehr als unüberschaubar ist?

Hast Du schon mal daran gedacht einen Antrag auf Verlängerung der Leselebenszeit zu stellen? Verleihst Du auch keine Bücher, weil Du ständig befürchtest, nur völlig ruinierte Fragmente zurückzubekommen? Kannst Du viele Stunden und Tage damit verbringen, in Buchwelten einzutauchen und hast auch Probleme, wenn Du versuchst wieder am normalen täglichen Leben teilzunehmen. Kannst Du in Begleitung eines Buches in aller Öffentlichkeit über den Inhalt weinen, fluchen oder lachen? Hast Du manchmal das Gefühl, dass irgendetwas nicht ganz mit Dir stimmt?

Lesen und lesen lassen - Illustriert von Nikolaus Heidelbach

Lesen und lesen lassen – Illustriert von Nikolaus Heidelbach

Nein. Keine Sorge, es ist alles gut. Du bist lediglich bibliophil veranlagt und Deine Liebe zum Buch sagt viel aus über die Art und Weise, wie Du Dich dem Leben stellst. Und die wichtigste Erkenntnis von allen: Du bist nicht allein. Du bist sogar überhaupt nicht allein und die ganze Verlagswelt baut auf Menschen wie Dich. Autoren suchen nach Dir und Dein Leiden ist in Wirklichkeit eine rundum normale Leidenschaft.

Glaubst Du nicht? Solltest Du aber. Es gibt sogar eigenständige Bücher, die sich an Menschen richten, die genau so veranlagt sind wie Du und ich. Denn ja – ich gestehe, ich leide selbst an dem gleichen buchigen Phänomen. Bücherzittern, Leseaugenränder, literarischer Speichelfluss und vieles mehr, über das ich eigentlich nicht gerne spreche.

Lesen und lesen lassen könnte Deine Sicht auf Dich selbst ins rechte Licht rücken und Dir helfen, mit dieser Leidenschaft viel besser durch den Alltag zu kommen. Der Atlantik Verlag hat sich scheinbar auf die Buchfahne geschrieben, uns bibliophilen Menschen einen emotional gefestigten, literarisch anspruchsvollen Leitfaden an die Hand zu geben, der uns nicht allein im Bücherregen stehen lässt.

Lesen und lesen lassen - Illustriert von Nikolaus Heidelbach

Lesen und lesen lassen – Illustriert von Nikolaus Heidelbach

Und darüber hinaus eignet sich das großformatige und von Nikolaus Heidelbach liebevoll illustrierte Werk hervorragend als Geschenk unter Gleichgesinnten oder auch für all jene, denen man gerne mit dieser Freundschaftsgabe die Augen für sich selbst öffnen möchte.

Denn was ist geeigneter, unsere Leidenschaft zu erklären, als einfach einmal eine repräsentative Gruppe von Kapazitäten auf ihrem Gebiet zum Thema Buch und Lesen in einem Standardwerk der Bücherliebe zu vereinen? Es ist ein so gutes Gefühl, sich selbst einzureihen in die Phalanx der Dichter, Schriftsteller und Literaten, die hier das Wort für uns ergreifen – und natürlich auch das Wort für das Lesen an sich. Das versteht sich von selbst.

Daniel Kampa (er sei gepriesen für seinen Bücherverstand und sein großes Leserherz) zeichnet verantwortlich für die gelungene Textauswahl in diesem Bilder- und Lesebuch über das Lesen und die Liebe zum Buch. Er hat sie um sich geschart: Diejenigen, die in Reimform oder in kurzen einfühlsamen Geschichten und Anekdoten davon erzählen, was es bedeutet, dem klassischen Buch zu verfallen.

Lesen und lesen lassen - Illustriert von Nikolaus Heidelbach

Lesen und lesen lassen – Illustriert von Nikolaus Heidelbach

Kurt Tucholsky nimmt uns in einem wichtigen „Moment des Lesens“ an die Hand und in solch guter Begleitung sind wir bestens sensibilisiert für Pablo Nerudas „Ode an das Buch“. Eine Liebeserklärung jagt die nächste, ein bibliophil veranlagter Buchsüchtiger erhebt seine Stimme nach seinem jeweiligen Vorgänger. Und so werden die Gedichte von Rainer Maria Rilke, wie „Der Leser“ und der einfühlsame Text von Robert Walser zum „Lesen“ und Bukowskis Elegie über einen „Dichter in New York“ zu einem gemeinsamen Hohelied auf die Kunst des guten Lesens.

Wir dürfen viele magische Buchorte besuchen, werden sogar in die Buchhandlung Parnassus in Brooklyn eingeladen, die wir bisher nur aus dem wundervollen Roman Das Haus der vergessenen Bücher kennen. Christopher Morley hat seine Leser nicht nur vor genau einhundert Jahren verzaubert, er steht auch in diesem Prachtband für alle Autoren, die ihre Bücher dem Buch gewidmet und verschrieben haben

Das einzige literarische Verschreiben, das auch von Lektoren beklatscht wird.

Wir erleben in „Lesen und lesen lassen“ alle Empfindungen nach, die uns schon lesenslang begleiten. Wir begegnen den lieblos aussortierten und alten Büchern unseres Lebens, lesen von verliehenen Werken und erleben wahre Dramen unter Freunden. Sogar ein Gedenken an ein Buch findet sich unter den vielen berührenden Texten, die dieses Buch zu einem der größten Leseschätze meiner kleinen Bibliothek machen.

Lesen und lesen lassen - Illustriert von Nikolaus Heidelbach

Lesen und lesen lassen – Illustriert von Nikolaus Heidelbach

Man liest es in einem Zug, markiert sich die wichtigsten Buchzitate, die man sonst nur mühsam finden kann, schließt das Buch, verharrt einen Moment und beginnt erneut zu blättern. Man findet sich selbst in Gedichten wieder, blickt in den Spiegel des eigenen Leselebens und fühlt sich sehr gut behütet angesichts der Vielzahl von eigentümlichen Schicksalen, die dem unseren doch so ähnlich sind. Und wenn die Schrift zerfließt und sich in Gefühlen aufzulösen scheint, dann bleiben die Bilder, die zu einer Vernissage des guten Lesens einladen.

Keine der Illustrationen mag man fortan mehr missen, jede dient für sich allein als Legitimation für den Begriff Bibliophilie und die Vorstellung, eine Galerie dieser Bilder durchschreiten zu können, ergreift Besitz vom Leser und Betrachter. Dieses Buch bekennt sich zum Lesen. Es bekennt sich zur Literatur und es bekennt sich auch zu uns. Ein gebundenes Werk, das sich von Seite zu Seite mehr in die Tiefe unserer Herzen schleicht, um am Ende des Lesetages völlig ermattet aber lächelnd neben uns zu liegen.

Wenn Johann Wolfgang von Goethe dann anstelle eines Nachworts das Buch mit dem Menschen vergleicht und damit das Wort „Gesellschaft“ treffend auf den buchigen Punkt bringt, dann – spätestens dann – wird uns klar: wir sind kerngesund und völlig normal. Wir sind das gute Lesen, wir sind das Buch und wir leben all die Geschichten, denen wir uns anvertrauen.

Lesen und lesen lassen - Illustriert von Nikolaus Heidelbach - Ein Fixstern am Bücherhimmel

Lesen und lesen lassen – Ein Fixstern am Bücherhimmel der literarischen Sternwarte

„Lesen und lesen lassen“ ist wesentlich mehr als eine Liebeserklärung an das Buch – es ist eine Verneigung vor dem Leser. Und genau aus diesem Grund auch ein neuer literarischer FIXSTERN an meinem ganz persönlichen Bücherhimmel.

Ein Highlight in meiner kleinen Sammlung von Büchern über Bücher… Fast so wertvoll, wie mein Personalausweis, da es viel mehr über mich aussagt, als dieses angeblich offizielle Dokument.

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20 Gedanken zu „„Lesen und lesen lassen“ – Ein bibliophiles Wunder

  1. Lieber Arndt,

    es ist schön, überaus ansprechend und SEHR biblioverführerisch, wie Du dieses Buch hier umschwärmst. Ich bin wahrlich begeistert und entzückt! Gut, daß ich bald Geburtstag habe und noch einige Wünsche dafür frei habe…

    Dankbare Grüße
    Ulrike von Leselebenszeichen

  2. Allein die Kommentare sind lesenswert. 🙂 Und die liebevolle Schwärmerei – nun ich warte, bis der Kaffee seine Wirkung zeigt und werde mich ihr dann noch einmal in der gebührenden Ruhe widmen. Auch wenn ich jetzt schon liebäugele, mal wieder. 😉

  3. Lieber Arndt,
    ich sehe schon auch an diesem Schmuckstück werde ich mal wieder nicht vorbeikommen.
    So wie du es beschreibst habe ich ja auch keine Wahl,ich höre es schon förmlich nach mir
    rufen.Du verstehst es wirklich meine Neugier zu wecken! Soll ich jetzt danken oder fluchen
    weil mein SuB irgendwann unfassbare Größe erreicht? 🙂
    Herzliche Grüße
    Dorothea 🙂

  4. Lieber Arndt,
    könntest Du bitte mein vergessenes KOMMA hinter „biblioverführerisch“ (in meinem obigen ersten Kommentar) nachtragen. Im Begeisterungseifer verliere ich schon mal ein Satzzeichen 😉
    Herzliche Grüße
    Ulrike

  5. Pingback: Mein Schaufenster ist der Spiegel Deines Lesens [Blogger-Aktion] | AstroLibrium

  6. Ganz lieben Dank für die bezaubernde Vorstellung dieses wunderschönen Buches. Jetzt weiß ich, dass ich mir das richtige Buch gewünscht habe. Freue mich schon darauf!

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