Die Individualisierung des Erinnerns – Hannah kommt…

AstroLibrium - Hannah - Ein Gemeinschaftsprojekt

AstroLibrium – Hannah – Ein Gemeinschaftsprojekt

Aktives und nachhaltiges Erinnern benötigt Konzepte, die tragfähig sind und sich auf Augenhöhe mit den Menschen begeben, die man erreichen möchte, wenn man Gegen das Vergessen der Opfer des Holocaust liest, schreibt und lebt.

Die Individualisierung der Erinnerung ist hierbei greifbarer als die pure Konfrontation mit Zahlen. Ein Weg den auch die Literatur, besonders im Bereich Jugendbuch, gezielt eingeschlagen hat, um jungen Menschen den Blick vom einzelnen Opfer auf das unbegreifbare Ausmaß der Shoa zu ermöglichen.

Journalistisch begleite ich diese Bücher schon seit den ersten geschrieben Zeilen bei Literatwo und sehe ihre Wirkung auf Menschen jeden Alters. Auf diesem Wege öffnete sich nun eine weitere Tür, dem Erinnern eine breitere Basis zu geben. Sie ist jetzt weit geöffnet und ich möchte hier mehr als nur das Projekt „Hannah“ vorstellen. Die Begleitbücher und Projektbroschüren sind fertig, die Termine an Schulen und in Kinderheimen sind vereinbart und nun beginnt „Hannah“ zu leben. Ich möchte sie Ihnen auf diesem Wege näher bringen.

AstroLibrium - Hannah - Ein Begleitbuch - Namen statt Zahlen

AstroLibrium und Peggy Steike – Hannah – Begleitbuch und Projektbroschüre

Die Bilder aus dem „Holocaust-Zyklus“ der politischen Malerin Peggy Steike individualisieren das Erinnern auf ihre ganz besondere Art und Weise, machen Geschichte und persönliches Schicksal im Holocaust greifbar. Sie geben Identität und Lebensgeschichte zurück, erinnern an ein Leben vor der Shoa und zeigen auf, welche Träume nicht weiter gelebt werden konnten.

Die in Grautönen gehaltenen Gemälde vermitteln den Hauch der Vergangenheit und eine gewisse, auch schützende, Distanz zu den Ereignissen von einst. Sie zeigen die Menschen, die hinter Zahlen verborgen sind und werden im gemeinsamen Dialog mit Leben gefüllt. Einem Leben, das aus ideologischen Gründen zum Tode verurteilt war.

Die Bilder von Peggy Steike entfalten in ihrer Dimension eine vergleichbare Wirkung, wie ein bewegend erzählter Zeitzeugenbericht aus Opfersicht. Sie bleiben haften, sie verankern sich im Herzen und schaffen die Möglichkeit einer Auseinandersetzung mit dem Einzelschicksal.

AstroLibrium - Peggy Steikes Holocaust Zyklus und Hannah - Ein großer Kontrast

AstroLibrium – Peggy Steikes Holocaust Zyklus – Der Beginn des Dialogs

Was lag also näher, als diese Bilder mit den Büchern in Verbindung zu bringen, die seit Jahren mein Schreiben über die unglaublichen Ausmaße und Folgen des Holocaust begleiten? Ein erster gemeinsamer Auftritt vor Schülern der achten Klasse einer Mittelschule hat uns gezeigt, dass dieser Dialog aus Wort und Bild tragfähig ist.

Und doch wollten und wollen wir mehr. Wir entschlossen uns an diesem Tag zu einem ungewöhnlichen Experiment. Farbe ins Erinnern zu bringen bedeutet eine noch größere Nähe zu erzeugen. Wie bei Bildern der eigenen Großeltern schmilzt die Distanz zu den geliebten Verwandten auf dem Familienfoto, je farbiger es wird.

Diesen finalen Schritt wollten wir gemeinsam wagen. Den Schritt auf den Betrachter zu, um die Botschaft zu vermitteln, was ein Einzelner heute bewegen kann, wie er persönlich erinnern kann und was er zu verändern in der Lage ist. Es ist ein Schritt des Dialogs – ein Schritt in eine neue Richtung des Erinnerns.

AstroLibrium - Hannah - Ein Gemeinschaftsprojekt

AstroLibrium – Hannah – Ein Gemeinschaftsprojekt in Wort und Bild

So entstand „Hannah“. Das erste und einzige Bild im Holocaust-Zyklus der politischen Malerin Peggy Steike, in dem ein modern gekleidetes Mädchen in Farbe ein schwarz-weißes Auschwitzbild verlässt und sich dem Betrachter nähert. Die Annäherung mit einem einzigen Erinnerungsbündel ist die Brücke aus dem Holocaust in unsere Zeit.

Das Bündel begreifbar zu machen… Dieser Aufgabe hat sich mein Text zu „Hannah“ verschrieben. Ich schrieb während Peggy Steike malte. Ich versuchte Antworten zu geben auf die Details, die im Bild zu sehen sind. Ich schrieb, während die Skizze an Farbe gewann und ich versuchte so zu schreiben, wie Peggy malte. Verantwortungsvoll und ohne erhobenen Zeigefinger. Gefühle wollten wir erzeugen.

Es war eine wundervolle Geburtsstunde, die gegenseitigen Reaktionen auf Wort und Bild erfahren zu können und nun begleitet uns „Hannah“ zu Vorträgen in Kinderheimen und Schulen. Sie versucht, den Jugendlichen eine Hand zu reichen und zu vermitteln, dass Erinnern nicht schwer ist. Sie erklärt, dass Erinnern nicht von Schuld kommt, sondern von Verantwortung.

AstroLibrium - Hannah - Ein Gemeinschaftsprojekt - Buchige Begleiter

AstroLibrium – Hannah – Ein Gemeinschaftsprojekt – Buchige Begleiter

„Hannah“ ist die Brücke, die wir bauen wollen, nachdem wir über die Bilder von Peggy Steike gesprochen und zum Thema Holocaust passende Jugendbücher vorgestellt haben. Ich habe den Todesengel überlebt – Ein Mengele-Opfer erzählt von Eva Mozes Kor (CBJ), Dank meiner Mutter von Schoschana Rabinovici (Fischer Schatzinsel) und schließlich Hanas Koffer von Karen Levine (Ravensburger) begleiten uns und sollen den Brückenschlag der Gemälde durch den tragfähigen Pfeiler der Literatur stützen.

„Hannah“ wird dieses Seminar der besonderen Art beschließen. Sie wird sich in Wort und Bild an die Betrachter wenden und dazu aufrufen, sich zu erinnern. An ein einziges Leben, das nie gelebt werden durfte; an ein einziges Opfer; an einen einzigen Namen. „Hannah“ wird zeigen, wie leicht und sinnvoll dieses Erinnern sein kann, um zu verhindern, dass sich Geschichte im Großen oder im Kleinen wiederholt.

Aus diesem Bild und dem Text den Weg zur eigenen kleinen Recherche zu finden; Bücher zu entdecken, die mehr als lesenswert sind; sich gedanklich mit dem einzelnen Schicksal zu beschäftigen und erst in einem weiteren Schritt die Urgewalt der Masse zu erkennen… Dem haben wir uns in diesem Projekt verschrieben.

AstroLibrium - Hannah - Ein Gemeinschaftsprojekt

AstroLibrium – Hannah – Peggy Steike und Arndt Stroscher – Schulseminar

Den letzten Schritt des Verstehens und Erkennens sollen die Jugendlichen selbst gehen. Wir werden sie bitten, Fotos der Opfer auf den Gemälden zu machen, um mit ihren Smartphones und in ihren sozialen Netzwerken ein kleines und wichtiges Zeichen zu setzen.

Unter der Überschrift „Ich denke heute an…“ werden diese Bilder zu einer Kette „Gegen das Vergessen“ und gleichzeitig zum Beginn eines weiteren Dialogs, den wir aktiv begleiten wollen. Nachhaltigkeit ist der Königsweg des Erinnerns. Wort und Bild – Hand in Hand – Gegen das Vergessen – ein gemeinsam getragenes Projekt – Malerei und Literatur.

Mehr als ein Versuch… Eine Brücke ins Jetzt und Heute, die verhindern soll, dass sich wiederholt, was nie hätte geschehen dürfen und verdeutlichen soll, was auch in unseren Tagen in Form von Mobbing, Ausgrenzung und Gewalt an Schulen verursacht werden kann. Jede Schulklasse ist heute in der Lage, für einige Klassenkameraden den Tag zur Hölle werden zu lassen. Empathie und Mut zum Schwimmen gegen den Strom… dazu rufen wir aktiv auf.

Wir danken den Verlagen, die sich uns bis zum heutigen Tag auf diesem Weg angeschlossen haben und ermöglichen, dass die vorgestellten Bücher mit jeweils einem Exemplar in den jeweiligen Schulklassen bleiben können.

Hannah - Zum ersten Schultag mit einem Klick

Hannah –  Zum ersten Schultag mit einem Klick

Wir ziehen jetzt los „Hannah“ lebt und wir werden berichten vom Brückenschlag des Gedenkens. Vielleicht folgen Sie uns auf diesem Weg.

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4 Gedanken zu „Die Individualisierung des Erinnerns – Hannah kommt…

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