„Euphoria“ – Zwei Blogs und ein euphorischer Abend

Euphoria - Lily King - Premiere im Literaturhaus München

Euphoria – Lily King – Premiere im Literaturhaus München (Quelle:  münchen.de)

Euphoria“. Drei europäische Ethnologen im Papua-Neuguinea der 1930er Jahre, die riesige Faszination für die Naturvölker in der bisher unberührten Landschaft, die magische Anziehungskraft der Riten und Gebräuche dieser Menschen und die Suche nach den eigenen Lebenszielen machen aus dem Roman von Lily King eine grandiose Mixtur aus Wissenschaft und emotionaler Tragödie. Abseits aller Normen verschmelzen Nell Stone, ihr Ehemann Fenwick und ihr Kollege Bankson zu einer Dreiecksbeziehung der besonderen Art.

Die Anlehnung der Romanhandlung an einen so wichtigen Teil der Lebensgeschichte von Margaret Mead macht hier einen ganz besonderen Reiz aus, da man durch eigene Recherchen die Gemeinsamkeiten mit „Euphoria“ aufspüren kann, bevor man dann auf einen neuen und unerwarteten Weg geleitet wird. Fiktion und Realität in einer perfekten Symbiose im Stile großer Erzählungen. In meiner Rezension habe ich bereits in den höchsten Tönen geschwärmt und doch brannten sich mir einige Fragen in die Seele, die ich der US-amerikanischen Autorin gerne stellen wollte.

Die Gelegenheit dazu ergab sich am Vorabend der Veröffentlichung von „Euphoria“ bei der Premierenveranstaltung des C.H. Beck Verlages im Literaturhaus München. Gemeinsam mit Bloggerin Stephanie Sack vom Literaturblog Nur Lesen ist schöner – eine Ode an das Lesen genoss ich einen euphorischen Abend, interviewte Lily King für Literatur Radio Bayern und konnte einige Impressionen von der Lesung aufnehmen.

Mit einem Klick zum Radio-Special und dem Interview mit Lily King

Mit einem Klick zum Radio-Special und dem Interview mit Lily King

Heute ist es soweit. Zwei Blogs Hand in Hand mit einem euphorischen Doppelschlag. Während man sich hier den RadioPodcast in aller Ruhe anhören, die Rezension fürs Ohr, gemeinsam eingelesen mit Kristina Puck, genießen und Lily King fast live erleben kann, ermöglicht Stephanie gleichzeitig einen tiefen Einblick in einen Abend, der uns beide nach Papua-Neuguinea brachte.

Besucht uns auf beiden Blogs und lasst Euch überraschen. Blog-Hopping mal ganz anders und natürlich haben wir eine große Überraschung für unsere Leser im Gepäck. Jeweils ein signiertes Exemplar von „Euphoria“ wartet auf Euch und somit habt Ihr die Qual der Wahl, welche unserer Fragen Ihr beantworten möchtet, oder ob Ihr sogar die Chance verdoppeln wollt indem Ihr beide Artikel kommentiert.

Für Euch signiert - Euphoria von Lily King

Für Euch signiert – Euphoria von Lily King

Der Weg zu einem signierten Exemplar bei AstroLibrium ist ganz leicht. Verratet mir in einem Kommentar bis zum Sonntag, den 26.7. um 19:00 Uhr, wie für Euch ganz persönlich „Lese-Euphorie“ aussieht, wie sie sich anfühlt und wie man bemerkt, dass Ihr gerade in einem Traumbuch gelandet seid. Und nun geht´s los. Herzlich willkommen bei Raily und Stephanie. Hinterlasst Eure Spuren, damit „Euphoria“ den Weg zu Euch findet. Und hier geht es zu Stephanies Artikel

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Das Interview mit Lily King in freier Übersetzung der Radio-Fassung:

Liliy King. Herzlich willkommen in Deutschland. Welche Eindrücke konnten Sie bisher gewinnen??

Es ist ein außergewöhnliches Land voller Bücherliebe. Ich fühle mich hier willkommen und spüre einfach, dass mein Leben einen Sinn hat. Ich habe den ganzen Tag in meinem Verlag C.H. Beck verbracht und es war einfach grandios.

Dabei haben Sie nicht die typischen „Obama-Bilder“ von Bayern in Lederhosen im Kopf?

(lacht) Diese Bilder habe ich schon im Alter von 10 oder 11 Jahren verdrängt und durch andere ersetzt.

Ihr Buch handelt von Emotion und Wissenschaft. Was brachte Sie auf die Idee, über Margaret Mead zu schreiben, und es dann am Ende des Buches doch nicht zu tun?

Im Schwerpunkt hat mich das Gefühl interessiert. Die Beziehung zwischen den Drei im Dschungel von Papua Neuguinea 1932 war so interessant für mich. Ich habe über die Isolation dort nachgedacht und über alles was in diesem Rahmen passieren kann. In einer Biographie über Margaret Mead las ich von dieser sehr kurzen Episode. Eigentlich war es nur ein kleines Kapitel, aber an dessen Ende dachte ich einfach nur „Ich muss mehr darüber erfahren. Das ist eine große Geschichte, die erzählt werden muss!“ Ich begann mit meiner Recherche und da ich mich vorher noch nicht mit Anthropologie beschäftigt hatte, musste ich mich richtig einarbeiten.

Aber es ist einfach so. Das Gefühl war zuerst da, dann kam die Wissenschaft dazu und schließlich faszinierte mich die Kombination aus beidem.

Ich hatte den Eindruck, dass Sie ein anderes Ende für dieses kurze Kapitel aus dem Leben von Margaret Mead schreiben wollten, oder täuscht mich das?

Eigentlich wollte ich wirklich ihre Geschichte erzählen, aber in dem Moment, als ich damit begann, entwickelte sie sich in zwei unterschiedliche Richtungen. Und letztlich musste ich meinem Instinkt als Romanautorin folgen und alles, was ich zu Beginn der Handlung aufgebaut hatte musste zu einem ganz bestimmten Ende führen. Es passierte nicht in der Realität, aber es fühlte sich innerhalb der ganzen Geschichte so wahr an.

Können Sie sich vorstellen, dass ich das Leben von Margaret Mead ein wenig mit dem von Tania Blixen in „Jenseits von Afrika“ vergleiche? Zwei starke Frauen, die in einem neuen Kulturkreis leben und dort eine völlig neue Rolle als Frau einnehmen. Ist dieser Vergleich angebracht?

Oh definitiv. Ich dachte sehr viel an Karen Blixen, wie wir sie nennen. Ich dachte sehr oft an „Out of Africa“ und ich habe den Film gesehen. Es ist eines der Bücher, das ich als wirklich vergleichbar betrachte – und davon gibt es wirklich nicht viele. Barbara Kingsolvers „Giftholzbibel“ gehört sicherlich auch noch dazu.

Das hat mich berührt, weil das spürbar ist. Wie gefällt Ihnen das deutsche Cover? Es unterscheidet sich sehr vom original, das den Teil eines Baums in Nell Stones Haus darstellt.

Ich liebe es. Verraten sie es nicht meinem Verleger aber ich mag es sogar lieber als das Original. Es ist einfach wunderschön. Man schenkte mir heute eine Stofftasche mit aufgedrucktem Cover und ich bin wirklich begeistert.

Wir sind wirklich euphorisiert von Ihrem Buch. Herzlichen Dank für das Interview für Literatur Radio Bayern und nun viel Vergnügen mit Ihren Zuhörern bei der Lesung.

Euphorisch im Euphoria-Interview - Lily King

Euphorisch im Euphoria-Interview – Lily King

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25 Gedanken zu „„Euphoria“ – Zwei Blogs und ein euphorischer Abend

  1. Pingback: Ein euphorischer Abend | Nur Lesen ist schöner

  2. Pingback: Euphoria von Lily King – Wenn Forscher lieben und begehren | AstroLibrium

  3. Ich kann deine Frage nicht beantworten, weil man mir das nicht anmerkt, wenn ich einen solchen Schatz lese. Ich sitze ganz normal da und lese. Was soll denn da anders sein? Gut, ich erkennen niemanden mehr, höre nicht mehr zu, zittere und weine in der Öffentlichkeit, breche in Lachsalven aus und trample auf dem Boden rum, wenn das Buch zuende ist. Ich schreie laut aus Verzweiflung, falle dem Autor um den Hals, wenn ich ihn treffe und finde mich oft in Fachkliniken wieder, wenn ich solche Sachen lese.

    Was also soll da so besonders sein? Schickst du mir Euphoria? Nur mal zum Probieren? Und ganz nebenbei aber nicht nebenbei. Euphorischer kann man nicht schreiben, interviewen und berichten. Tolles Blogchen. Das Doppelte.

    Die Elli

  4. Ich würde sehr gerne mitmachen, aber das wäre nicht fair, weil ich mir das Buch gerade erst gekauft habe. Ich konnte einfach nicht warten. Ist das nicht auch ein Zeichen von Euphorie, dass man es einfach nicht mehr aushalten kann bis man es in der Hand hat.

    Das Interview ist klasse. Lily King klingt megasympathisch. Danke für den OTon.
    Simon

  5. Beim Lesen erlebe ich bestenfalls Farbträume in Echtzeit. Wenn eine Autorin oder ein Autor es schafft, mich in eine imaginäre Glocke zu hüllen und zu entführen, dann wow….kann ich
    schweben.
    Es strömen Glückshormone in meinen Blutkreislauf, es hüpft mein Herz im Lesefluss, als Angsthase, als Geliebte, als Heldin, als Täter, als Opfer. Ich bin ein bisschen allmächtig, weil ich dazu befähigt werde, einfach in eine andere Gestalt zu schlüpfen und jenseits der eigenen Grenzen das unfassbar Böse – mit allen Zwischenstufen – auch das absolut Schöne zu erleben! Ich bin so weit draußen und gleichzeitig so nah bei mir, wie nur Lesen diesen Zustand schaffen kann. Für diese euphorischen „Zustände“ lebe und liebe ich meine Sucht.

    Lieber Arndt, ….und führe uns weiterhin in Versuchung….es gibt Erlösung für Botenstoffe, für Buchleuchten und Transmitter aus der Sternwarte, füttere unseren Lesehunger!

    Liebe Grüße und schönes Wochenende
    Irmgard

  6. Lieber Arndt,

    ich danke dir für diesen berauschenden Abend. Ohne dich hätte ich die Reise nach Papua-Neuguinea gar nicht antreten können. Schön, dass du an mich gedacht hast. Dein Bericht ist das perfekte Pendat zu meinen Eindrücken. Es ergänzt alle Aspekte zur Geschichte, die be mir fehlen. Herzlichen Dank dir!

    Liebe Stöbergrüße,

    Steffi

    • Das gebe ich gerne zurück. Das hat sich mit dir angefühlt, als wären wir perfekt aufeinander eingespielt… und ich empfinde auch gerade, dass unsere Artikel sich perfekt ergänzen…

      Das machen wir wieder und ich sage nie wieder Stephanie… 😉

      • Ich liebe, liebe, liebe übrigens den Audiobeitrag. Wirklich euphorisch! Ich mag deine Stimme im Radio, live natürlich auch. 😉 Die Vorlesungen hast du prima einfangen. So bekommen alle Nichtanwesenden einen kleinen Eindruck vom Abend. So schööön! ❤

  7. Leseeuphorie fühle ich, wenn ich ganz in ein Buch versinken kann.
    Zeit und Raum vergessen und eine richtige Beziehung zu dem Buch, seiner Handung und vor allem den Charakteren aufzubauen.
    Leseeuphorie hat also durchaus gemeinsame Kennzeichen mit Suchtverhalten. Man kann nicht mehr steuern, wann man aufhört und auf einmal hat man stundenlang gelesen und ist überrascht über die fortgeschrittene Zeit. Das Buch beschäftigt einen auch, wenn man gerade nicht lesen kann, weil das Leben, in einem solchen Moment oft bedauerlicherweise, auch andere Anforderungen an einen stellt. Das Buch entwickelt eine Sogwirkung, hält einen mit seiner Geschichte gefangen und man genießt es auch noch. Das ist Leseeuphorie für mich. Und wenn man ein Buch gefunden hat, das diese Euphorie nicht nur an einer Stelle oder zwei (das schaffen ja noch recht viele Bücher), sondern fast über seine ganze Breite hinweg zu erzeugen vermagt, dann wird man zum Wiederholungstäter. Man greift wieder zu diesen Buch und wieder und wieder… in Erinnerung an vergangene Leseflows, andere literarische Versenkungen und merkt, dass einem diese Bücher, die wahren Schätze, immer wieder etwas geben. Einen durch die Jahre begleiten. Durch die Zeit, durchs Erwachsenwerden, durchs Reiferwerden und hoffentlich bis ins Altern hinein! Diese Lebensbegleiter, diese Herzensbücher, diese Freunde sind es, die das Wort Leseeuphorie wahrhaft verdienen!

  8. Lieber Arndt,
    ganz euphorisch habe ich auf deinen Beitrag gewartet, nachdem du ihn so groß vorher angekündigt hast. Wo es doch um so eine Schönheit geht! ❤ habe schlecht geschlafen, war so aufgeregt…(könnte auch am Mond oder der Wärme gelegen haben 😉 )…und dann die Katastrophe schlecht hin: seit Freitag ständig Netzprobleme. Ein bisschen facebook am Handy ging…sonst eher mau. Bin schon schier verzweifelt. Wollte doch so unbedingt mal wieder deine Stimme hören. Aber wenn ich es denn mal auf deine Seite geschafft habe, dann wär spätestens da Schluss. Heute bin ich dann mit dem Laptop durchs Haus spaziert….was nur so semi funktioniert, da der Akku kaputt ist…also ich mit Strom- und Verlängerungskabel auf der Suche nach dem Netz. Irgendwann saß ich dann mitten im Flur auf dem Fußboden und konnte endlich dem Interview lauschen und bei Steffi vorbeischauen. Und dann war das Netz auch schon wieder weg…..grml…. Mal gucken, ob ich es jetzt gleich überhaupt nochmal wieder finde…
    Danke dir für deine Worte und das tolle Interview. Ich habe deine Rezension sehr gerne gelesen, auch wenn sie mich sprachlos gemacht hat, weil mir die passenden Worte zu dieser wahrlich tollen Buchbesprechung (noch immer) nicht eingefallen sind. Es freut mich sehr, dass ihr zwei so einen tollen Abend mit Lily King hattet. Wieder einmal denke ich mir, dass ich echt gerne dabei gewesen wäre. Aber schön, dass ihr uns mit euren Berichten mitgenommen habt und wir einen wundervollen Einblick genießen können.
    Leseeuphorie kenne ich – natürlich. Eine ernstzunehmende Krankheit, bei der man so einiges vergisst: Dass man schon vor Stunden mal auf die Toilette gehen wollte, dass man eigentlich längst was gegessen haben sollte, ob Tag oder Nacht ist, wie die Zeit vergeht und wenn es ganz schlimm kommt, dann vergisst man sogar mal den eigenen Namen. Man leidet mit, friert, wenn man plötzlich durch Schnee und über Eis geht. Weint, wenn liebgewonnene Personen was passiert…und ist ganz und gar abgetaucht in eine Welt, die sowohl grausam als auch wunderschön sein kann. Ich befinde mich gerade mit einem Vater auf der Suche nach seiner toten Tochter. Ich bin rachsüchtig, ohne Skrupel und will den A*********** endlich das Handwerk legen. Gleichzeitig spricht mich der Vater immer wieder als das einzig überlebende Opfer an und ich will endlich wieder leben, nicht mehr Tod sein, aus der Klinik raus. Dieser Zwiespalt hat mich heute Nacht ewig wach gehalten und dass ist es, was Leseeuphorie ausmacht…man liest und liest und liest und liest und liest und liest und liest und….(ach du kannst dir schon denken, wie das weiter geht… 😉 ) Alles wird unwichtig….nur noch das Buch zählt….und natürlich andere Leute anstecken mit dieser Leseeuphorie. DAS ist auch wichtig. Aber das kennst du ja auch all zu gut, schließlich bist du der Meister darin. Auch wenn es immer wieder auf den Geldbeutel geht und mir die Lesezeit eigentlich fehlt, ich freue mich jedes Mal, wenn deine Euphorie quasi überspringt. Erhalte das solange wie möglich. Ich bin gespannt auf viele weitere euphorische Lesetipps deinerseits und werde dir sicher noch oft folgen, lieber Herzensmensch…
    Allen die hier mitmachen und sich euren Aufgaben stellen, wünsche ich viel Glück. Sie werden dieser Schönheit sicherlich ein angenehmes neues Zuhause bieten, sodass sich das Büchlein wohl fühlen wird.
    Alles Liebe, Verena.

    • Liebe Verena… sag doch was, ich hätte dich angerufen und dir alles vorgelesen… so viel Mühe um unsere Artikel zu lesen, so viel Herzblut und ja… deine Leseeuphorie kenne ich nur zu gut.

      Deshalb ist es immer ein besonderer Moment bei einer Veranstaltung in München an ein Münchner Bücherkind zu denken, das im Herzen bei uns ist…

      Fühl dich gedrückt und herzlichen Dank für deine Euphorie…

      Arndt

  9. Die „Euphoria“ – Entscheidung ist gefallen und ich habe es mir wirklich leicht gemacht.

    Alle Teilnehmerinnen landeten im gediegenen Lostopf der kleinen literarischen Sternwarte und meine kleine ganz persönliche Losfee hat einen Zettel gezogen. Und genau zu dieser Leserein wird sich Euphoria auf den Weg machen und ich wünsche mehr als viel Vergnügen, euphorische Lesestunden und großes Staunen angesichts der Tatsache, dass Lily King das Exemplar signiert hat.

    Herzlichen Glückwunsch: VERENA JULIA

    Und wer sich jetzt noch beeilt… bei Stephanie läuft die Zeit noch genau 1 Stunde lang, bis auch sie sich entscheidet, wer das zweite Exemplar erhält…

    Hier geht`s zu Steffi: https://lesenslust.wordpress.com/2015/07/24/ein-euphorischer-abend/

    Liebe Grüße, Arndt

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