„Das Licht und die Geräusche“ von Jan Schomburg

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg - AstroLibrium

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg – AstroLibrium

Wie fühlt man sich so als fünftes Rad am Wagen? Die Fachsprache bezeichnet es als Ersatzrad. Etwas im eigentlichen Sinne Überflüssiges, zumindest so lange, bis man im Notfall darauf zurückgreifen kann. Erst dann bemerkt man, wie lebenswichtig es sein kann, ein Rad in Reserve zu haben. Wie man sich als Mensch fühlt, in eine solche Rolle gedrängt zu werden, hat vielleicht jeder für sich in seinem Leben erlebt. Es ist kein allzu schönes Gefühl im Leben eines anderen Menschen nur dann wichtig zu sein, wenn Not am Mann (oder an der Frau) ist.

Johanna kennt dieses Gefühl nur zu gut. Eigentlich hätte sie alles, um im Leben von Boris die Hauptrolle zu spielen. Sie verstehen sich gut, können sich stundenlang und in aller Tiefe unterhalten. Gefühle sind auch vorhanden und doch hakt es zwischen ihnen. Es ist die Summe der verpassten Gelegenheiten, die aus Johannas Wunschtraum von Liebe eine nicht aufzulösende Ungleichung macht. Es sind die wenigen Zentimeter, die sie von einem ersten Kuss trennen, es sind die nicht genutzten Chancen, die Wahrheit gesagt zu haben. Und es ist die Unbekannte in der Ungleichung, die das Leben schwer macht. Ana-Clara.

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Johanna entscheidet sich für einen Weg, der für sie die schlimmste aller Alternativen darstellt und zumindest ein wenig Nähe zu Boris garantiert. Sie fügt sich in die Rolle als Reserverad. Sie ist immer dabei, nicht wichtig genug für eine Hauptrolle, ungeliebt und im Stillstand, während Boris und Ana-Clara auf Hochtouren umeinander kreisen. Immer in der Hoffnung, Boris möge doch irgendwann erkennen, wer wirklich zu ihm passt, wer sein Leben in Schwung hält und was er Johanna bedeutet. Keine schöne Position, das eigene Sehnen im Kofferraum der Beziehungskiste anderer Menschen zu verbringen.

Wer an dieser Stelle der Meinung ist, es handele sich hier um eine archetypische Coming-of-Age-Geschichte, den kann ich beruhigen, denn es ist in Teilen wahrlich so. Wer jedoch denkt, es hier mit einer schablonenhaft erzählten Story einer unglücklichen Jugend vor sich hin pubertierender Teenager zu tun zu haben, der sieht sich getäuscht, wenn er sich mit dem Schriftsteller und der eigentlichen Geschichte hinter den Kulissen auseinandersetzt. „Das Licht und die Geräusche“ von Jan Schomburg ist in jeglicher Sicht ein Roman über Freundschaft, Liebe, Vertrauen und Hoffnung. Dieser Roman ist ein aufrichtiger und wundervoll zu lesender Entwicklungsroman dreier Menschen, die in unterschiedlichen Konstellationen an- und aufeinanderprallen.

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Und doch verbirgt sich hinter der Leichtigkeit des Schreibens eine Bildhaftigkeit, in der man lesend wie in einem der Kinofilme von Jan Schomburg versinken kann. Es ist kein Drehbuch, das er hier geschrieben hat. Die Montagetechnik der Szenen und einige Überblendungen weisen aber deutliche Spuren eines kreativen Menschen auf, der eine Geschichte anders erzählen kann, weil er sie vor seinem geistigen Auge sieht. Und hier geht Jan Schomburg einen Weg der in sich gewöhnungsbedürftig ist, weil man sich ihm ausliefern muss.

Chronologisches Erzählen? Fehlanzeige! Schomburg zwingt die Leser seines Buchs im positiven Sinne zu einer intuitiven Adaption der Geschichte. Er löst den Verstand des Lesers von Zeitvorstellungen und blendet Situationen ein, die im Film als Rückblick und Ausblick vielleicht farblich vom Gesamtwerk abgehoben wären. Schomburg schreibt sie in einem Fluss. Auf Johannas Erinnerung an einen bestimmten Abend folgt der Dialog, der sich nur dort zugetragen haben kann. Und wenn wir diesen Dialog verlassen, fühlen wir uns ganz spontan wieder in den Erzählraum Schomburgs ein und können uns nach vorne bewegen.

Schomburgs Roman liest sich so intuitiv, wie wir unsere Smartphones bedienen. Man benötigt keine Bedienungsanleitung, kein Handbuch zum Buch. Lesend folgt man einer unsichtbar angelegten Fährte und kommt doch ganz individuell ans Ziel. Basis für dieses Lesevergnügen ist das Vertrauen in den Schriftsteller. Jan Schomburg zahlt es auf jeder Seite zurück.

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Er fährt hier keinen wirren Zickzackkurs durch seine Geschichte. Er folgt vielmehr dem unausgesprochenen Wunsch bibliophiler Menschen, nicht kapitelweise in die tiefe Vergangenheit der beschriebenen Menschen einzutauchen, sondern sequenziell und in wohldosierten Flashbacks zu erfahren, was geschah und welche Auswirkungen es jetzt auf die Situation hat, in der man sich gerade befindet. Dieses intuitive Lesen ist eine der prägendsten Leseerfahrungen, die ich in letzter Zeit machen durfte.

Handlungsfäden verschwinden, tauchen auf, verweben sich neu und gewinnen an Bedeutung, weil man sie in sich wandelnden Kontexten anders interpretieren kann. Ein Schulausflug nach Barcelona, das scheinbar menschenunwürdige Verhalten eines ihrer Mitschüler, die Suche nach den Gründen hierfür, der Versuch einer Bestrafung und die vielen Augenblicke von Zweisamkeit unter dem Damoklesschwert der allgegenwärtigen Ana-Clara vermischen sich zu anscheinend eher losen Elementen einer Geschichte, die aus einer jeweils anderen Perspektive unglaubliche Zusammenhänge offenbaren.

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

So ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Boris auf der Suche nach Antworten auf die Fragen des Lebens verirrt und ausbricht. Sein Verschwinden ist der Weckruf für Johanna. Gemeinsam mit Boris` Eltern und der ewigen Konkurrentin beginnt die Suche nach der Liebe ihres Lebens. Und wieder nur als fünftes Rad am Wagen. Auch jetzt an der Seite der eigentlichen Freundin, die gar nicht so verzweifelt scheint, wie es vielleicht sein sollte. Island ist das gemeinsame Ziel und doch nur eine Etappe. Angst beherrscht die Gefühlswelt von Johanna, denn der letzte Brief von Boris schmeckte nach Abschied vom Leben.

„Irgendwie sehe ich kein Licht mehr und höre keine Geräusche…“

Dabei sind es genau „Das Licht und die Geräusche“ die das Leben so lebenswert machen und einen Menschen davon abhalten sollten, Selbstmord zu begehen. Das hat Johanna Boris anvertraut und die magischen Worte tragen den gesamten Roman und ganz intuitiv werden wir Zeugen einer auf den ersten Blick verstörenden Situation in der die Verzweiflung zweier Suchender ein Ventil findet. Ein emotionaler Vulkanausbruch in dem sich Ana-Clara und Johanna hemmungslos verlieren. Jan Schomburg überrascht und verstört zugleich, weil „Das Licht und die Geräusche“ in seiner Geschichte heller und lauter sind, als man es erwarten konnte.

„Das Licht und die Geräusche“ macht uns literarisch HELLHÖRIG…

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Versinken wir jetzt in geräuschloser Lichtlosigkeit? Keinesfalls. Es wird noch heller und lauter. Am 4. April ist Jan Schomburg im Literaturhaus München zu Gast. Er stellt dort sein Buch im Rahmen einer Lesung vor. Der perfekte Anlass, sich mit Mikrofon und Kamera dorthin zu begeben und von diesem besonderen Abend zu berichten. Ich freue mich schon jetzt, dies wieder mit meiner kongenialen Blogger-Partnerin Stephanie von Nur Lesen ist schönergemeinsam zum Herzensprojekt machen zu dürfen.

Und die Liste unserer Team-Reportagen ist schon recht ansehnlich. Sie reicht von Heidi Rehn, Alex Capus, Lily King bis zu Hannah Rothschild. Aber schaut selbst. Steffi hat sie mit feinem Auge zusammengefasst. HIER…

Jan Schomburg – Das Interview

Nach dem Lesen ist vor dem Interview

Ein geheimes Treffen in der Lobby des Hotels Cortina in München. Ein Interview mit Jan Schomburg im Ambiente eines stimmungsvollen Cafés und die abendliche Lesung im Literaturhaus München stellen den Schwerpunkt der Radioreportage für Literatur Radio Bayern dar. Folgen Sie uns zu einem Abend voller Licht und Geräusche, hören Sie uns zu und lesen Sie Steffis Artikel, der diesem PodCast das Krönchen aufsetzt.

Lesen Sie gut… Hier
Hören Sie gut… Hier

AstroLibrium – Nur Lesen ist schöner & Jan Schomburg

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„Die Launenhaftigkeit der Liebe“ von Hannah Rothschild

"Die Launenhaftigkeit der Liebe" von Hannah Rothschild - AstroLibrium

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild

Stellt euch einfach mal vor, ihr würdet den Pariser Louvre besuchen, um euch das berühmteste Porträt der Kunstgeschichte anzuschauen. Stellt euch dann vor, ihr würdet vor Leonardo da Vincis Mona Lisa stehen, ehrfurchtsvoll verharren und das wertvollste Gemälde der Welt bewundern. Und dann stellt euch vor, es würde einfach so mit euch sprechen. Allerdings nicht als Mona Lisa, sondern als lebendiges und eigenständiges Kunstwerk mit eigener Identität. Was hätte euch dieser Kunstschatz wohl zu erzählen?

Es wäre eine neue Welt der Wahrnehmung, die sich auf diese Weise öffnen würde und wir könnten aus erster Hand erfahren, was die Kunstgeschichte nur rekonstruieren oder mutmaßen kann. Ein solcher Dialog zwischen Kunstwerk und Betrachter klingt so irrwitzig, dass man ihn ins Reich der Fantasie verbannt. Und genau dort sind wir richtig, denn in unserer Fantasie ist alles möglich und wenn wir es zulassen, unseren Verstand für den Funkenflug des Irrationalen zu öffnen, dann sind wir bereit für:

Die Launenhaftigkeit der Liebe“ von Hannah Rothschild.

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild

Denn hier werden wir als Leser von der Autorin genau in die oben skizzierte Lage versetzt und dürfen in ihrem Roman über die Irrwege des internationalen Kunstmarktes einem der wertvollsten Gemälde der Welt zuhören. Es spricht zu uns. Zumindest in den Passagen des Romans, in denen das Bild das Gefühl hat, uns etwas mitteilen zu wollen oder uns sein Leid zu klagen. Genau dafür besteht nämlich auch jeder Grund, da unser Gemälde zu den großen verschollenen Werken der Kunstgeschichte gehört. Verstaubt und unbeachtet fristet es sein tristes Dasein in einem heruntergekommen Trödelladen.

Nur zu verständlich, dass es nicht bester Laune ist. Unser Gemälde, meine ich.

„Ich bin durchaus kein Snob, aber alles hat seine Grenzen. Ich habe keine Lust, mich mit Nachttöpfen und falschen Perlenketten herumzuschlagen. Non! Ich bin Luxus gewohnt, raschelnden Taft,… flackernde Kerzen, den Glanz von Mahagoni, den zarten Duft von Rosenwasser und Bienenwachs, das Knirschen von Kies und das Raunen von Höflingen. Kein armseliges Kämmerlein unter nackten Birnen, kein grünliches Licht, das sich durch schmutzverkrustete Scheiben quält!“

Was für ein bedauerlicher Zustand! Aber Rettung naht. Allerdings nicht in der Form, die sich unser Gemälde erhofft hatte. Die 30-jährige Köchin Annie McDee entdeckt das Bild bei der Suche nach einem preiswerten Geburtstagsgeschenk für ihren Freund. Der Handel kommt auf kuriose Weise zustande und der originale Watteau mit dem Namen „Die Launenhaftigkeit der Liebe“ wechselt für ein paar Pfund den Besitzer. Wenn die junge Frau geahnt hätte, was sie da in Händen hält, sie hätte sich wohl gut überlegt, ob sie das Gemälde erworben hätte.

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild

Annie gerät in den Strudel des internationalen Kunstmarktes. Ihr Leben verändert sich in dem Moment, als man erkennt, was sie da erworben hat und aus der Frau, die sich kochend über Wasser hält, vor kulinarischer Kreativität zu platzen scheint und den Mann fürs Leben verzweifelt sucht, wird eine Gejagte. Hannah Rothschild schöpft aus dem Vollen, wenn sie ihre Leser nun in den Mahlstrom der künstlichen Welt der großen Kunst treiben lässt. Sie kennt diese Welt wie kaum eine andere, ist Kuratorin und mehr als renommiert, wenn es um Kunstexpertise geht.

Allerdings schrieb sie keinen Expertenroman. Die Launenhaftigkeit der Liebe“ ist ein traumwandlerisch sicher zubereitetes Potpourri aus allen Zutaten, die man benötigt, um höchsten Lesegenuss zu empfinden. Wir stoßen auf alle denkbaren Exzentriker, die mit unterschiedlichen Motivationen auf der Suche nach den großen Kunstschätzen der Welt sind. Liebhaber und Investoren, Freaks und Exilanten, Galleristen und Neureiche. Ein bunter Reigen versnobter und getriebener Sammler und Händler nimmt die Fährte des unschätzbar wertvollen Gemäldes auf, das ein großes Geheimnis verbirgt. Einzig Annie McDee ist der zutiefst menschliche und sympathische Pol in diesem Roman. Und doch ist es „Die Launenhaftigkeit der Liebe“, die ihr das Leben in jeder Beziehung schwer macht.

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild - Eine Lesung - Fotos: Steffi Sack

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild – Eine Lesung – Fotos: Steffi Sack

Seid ihr neugierig? Möchtet ihr mehr erfahren? Kein Problem. Wir haben Hannah Rothschild im Literaturhaus München getroffen und nicht nur sie interviewt. Stephanie Sack (Nur Lesen ist schöner – Eine Ode an das Lesen) und ich sind oft gemeinsam unterwegs, wenn es darum geht, von Lesungen zu berichten. So auch diesmal und wir haben nicht nur die Autorin, ihre Lektorin und die unglaublich tolle Vorlesestimme des Abends befragt, auch wir selbst plaudern bei einem Spaziergang durch unser festlich geschmücktes Vorweihnachts-München über den Roman und seine Bedeutung für uns.

Literatur Radio Bayern macht es möglich, dass ihr uns nun begleiten könnt. Herzlich willkommen zum Bummeln, Lauschen und Miterleben eines besonderen Abends mit:

Hannah Rothschild – Schriftstellerin
Karin Kirchhof – Lektorin
Ulrike Kriener – Schauspielerin, „Die Stimme“ des Abends und
Steffi & Raily

Hier geht es mit nur einem Klick zur Radio-Reportage.

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild - Astrolibrium

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild – Hier geht´s zum PodCast

Bei Steffi findet ihr einen atmosphärischen Lesungsbericht und tolle Fotos eines unvergesslichen Abends. Und da wir euch etwas mitgebracht haben, lohnt der genaue Blick auf beide Blogs ganz besonders, denn Hannah Rothschild hat zwei ihrer Bücher für euch signiert. .

Hier das Filetstück des Starterpakets...Signiert.

Hier findet ihr den Weg zu meinem signierten Exemplar – Advent, Advent…

Der Harper-Lee-Abend des DVA Verlages – Eine Radioreportage

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Der Harper-Lee-Abend im Literaturhaus München – Eine Reportage

„Wer die Nachtigall stört“ erschien bereits 1960. Seitdem ist es ruhig um die heute 89-jährige Pulitzer-Preisträgerin Harper Lee. Bis man 2014 ein Manuskript entdeckte, das gerade unter dem Titel Gehe hin, stelle einen Wächterveröffentlicht wurde und seitdem die Buchwelt in Atem hält. Das Urteil der Kritiker und Leser reicht von „Ich weiß nicht, was ich davon halten soll“ über „Die Nachtigall ist aber viel besser“ bis zu „Eine literarische Sensation“.

Für mich eine literarische Sensation. Für mich ein außerordentlich intensives Lesen und das gute Gefühl, nach Hause zu kommen und dann mit Scout plötzlich am Rand der Gesellschaft zu stehen. Für mich ein sehr politisches Lesen, angesichts der rassistisch motivierten Vorfälle unserer Zeit. Ich habe das in meinem Artikel „Harper Lee – Gehe hin, stelle einen Wächter – Eine Annäherung“ ausführlich beschrieben und dabei die Nachtigall und den Wächter miteinander in Einklang gebracht.

Gehe hin, stelle einen Wächter verbirgt viele Geheimnisse, denen ich beim Harper-Lee-Abend des DVA Verlages im Literaturhaus München auf den Grund gegangen bin. Für Literatur Radio Bayern war ich mit dem Mikrofon unterwegs und so entstand eine Reportage voller Impressionen, angereichert mit Interviews und Statements, die Licht ins literarische Dunkel bringen und zeigen, wie lebendig Literaturabende sein können…

Der Harper-Lee-Abend des DVA Verlages - Mit einem Klick zur Reportage

Der Harper-Lee-Abend des DVA Verlages – Mit einem Klick zur Reportage

Hören Sie einfach zu, wenn ich mit der Lektorin des DVA-Verlages Dr. Britta Claus darüber philosophiere, wie das „Wächter-Projekt“ im Verlag realisiert wurde und warum einige Unebenheiten, die den Wächter inhaltlich von der Nachtigall unterscheiden, nicht geglättet wurden. Folgen Sie der Schauspielerin Nina Kunzendorf, die uns mal heiter, mal ernst an der Seite von Scout Finch nach Maycomb liest. Wobei wir lernen, dass es hilfreich ist, als junge amerikanische Lady im Schlafwagen ein Höschen zu tragen.

Blenden Sie sich mit uns in ein Gespräch zwischen Felicitas von Lovenberg (FAZ) und dem Verleger des DVA Verlages Thomas Rathnow ein und erfahren Sie, wie es Harper Lee heute geht, wie sie auf die Veröffentlichung ihres Manuskripts reagiert hat und warum dieses zweite Buch ein großes Risiko für ihre Karriere darstellt. Und last but not least, erfahren Sie einige geheime Details rund um das Wächterprojekt, wenn Sonja Grau den Mantel des Schweigens lüftet, der bisher über der Presseabteilung lag.

Hier kommen Sie mit einem Klick fast live ins Literaturhaus…

Sie können während des Hörens die Dia-Show mit den Impressionen zur Reportage anschauen, anschließend in die Rezension entschwinden und meiner Lesereise folgen. Und dann sollten Sie lesen… lesen… lesen… Nachtigall und Wächter. Sie sind auf ewig miteinander verbunden und dürfen nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Lesen Sie gut… (Und wer lieber hört: Nina Hoss liest Ihnen den Wächter auch sehr gerne vor)

Wir schauen jetzt den Film „Wer die Nachtigall stört“ mit Gregory Peck! Bis bald.

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Editorial: Ein herzlicher Dank an Kristina Puck für die Begleitung an diesem Abend, gemeinsame Stunden am Mischpult und wundervolle Fotos für die Dia-Show. Danke an Sonja Grau vom DVA Verlag, die uns an diesem Abend alle Türen für diese Reportage geöffnet hat. Und einen ganz besonderen Dank an Dr. Uwe Kullnick (FDA), ohne den Literatur Radio Bayern.nicht existieren würde.

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„Euphoria“ – Zwei Blogs und ein euphorischer Abend

Euphoria - Lily King - Premiere im Literaturhaus München

Euphoria – Lily King – Premiere im Literaturhaus München (Quelle:  münchen.de)

Euphoria“. Drei europäische Ethnologen im Papua-Neuguinea der 1930er Jahre, die riesige Faszination für die Naturvölker in der bisher unberührten Landschaft, die magische Anziehungskraft der Riten und Gebräuche dieser Menschen und die Suche nach den eigenen Lebenszielen machen aus dem Roman von Lily King eine grandiose Mixtur aus Wissenschaft und emotionaler Tragödie. Abseits aller Normen verschmelzen Nell Stone, ihr Ehemann Fenwick und ihr Kollege Bankson zu einer Dreiecksbeziehung der besonderen Art.

Die Anlehnung der Romanhandlung an einen so wichtigen Teil der Lebensgeschichte von Margaret Mead macht hier einen ganz besonderen Reiz aus, da man durch eigene Recherchen die Gemeinsamkeiten mit „Euphoria“ aufspüren kann, bevor man dann auf einen neuen und unerwarteten Weg geleitet wird. Fiktion und Realität in einer perfekten Symbiose im Stile großer Erzählungen. In meiner Rezension habe ich bereits in den höchsten Tönen geschwärmt und doch brannten sich mir einige Fragen in die Seele, die ich der US-amerikanischen Autorin gerne stellen wollte.

Die Gelegenheit dazu ergab sich am Vorabend der Veröffentlichung von „Euphoria“ bei der Premierenveranstaltung des C.H. Beck Verlages im Literaturhaus München. Gemeinsam mit Bloggerin Stephanie Sack vom Literaturblog Nur Lesen ist schöner – eine Ode an das Lesen genoss ich einen euphorischen Abend, interviewte Lily King für Literatur Radio Bayern und konnte einige Impressionen von der Lesung aufnehmen.

Mit einem Klick zum Radio-Special und dem Interview mit Lily King

Mit einem Klick zum Radio-Special und dem Interview mit Lily King

Heute ist es soweit. Zwei Blogs Hand in Hand mit einem euphorischen Doppelschlag. Während man sich hier den RadioPodcast in aller Ruhe anhören, die Rezension fürs Ohr, gemeinsam eingelesen mit Kristina Puck, genießen und Lily King fast live erleben kann, ermöglicht Stephanie gleichzeitig einen tiefen Einblick in einen Abend, der uns beide nach Papua-Neuguinea brachte.

Besucht uns auf beiden Blogs und lasst Euch überraschen. Blog-Hopping mal ganz anders und natürlich haben wir eine große Überraschung für unsere Leser im Gepäck. Jeweils ein signiertes Exemplar von „Euphoria“ wartet auf Euch und somit habt Ihr die Qual der Wahl, welche unserer Fragen Ihr beantworten möchtet, oder ob Ihr sogar die Chance verdoppeln wollt indem Ihr beide Artikel kommentiert.

Für Euch signiert - Euphoria von Lily King

Für Euch signiert – Euphoria von Lily King

Der Weg zu einem signierten Exemplar bei AstroLibrium ist ganz leicht. Verratet mir in einem Kommentar bis zum Sonntag, den 26.7. um 19:00 Uhr, wie für Euch ganz persönlich „Lese-Euphorie“ aussieht, wie sie sich anfühlt und wie man bemerkt, dass Ihr gerade in einem Traumbuch gelandet seid. Und nun geht´s los. Herzlich willkommen bei Raily und Stephanie. Hinterlasst Eure Spuren, damit „Euphoria“ den Weg zu Euch findet. Und hier geht es zu Stephanies Artikel

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Das Interview mit Lily King in freier Übersetzung der Radio-Fassung:

Liliy King. Herzlich willkommen in Deutschland. Welche Eindrücke konnten Sie bisher gewinnen??

Es ist ein außergewöhnliches Land voller Bücherliebe. Ich fühle mich hier willkommen und spüre einfach, dass mein Leben einen Sinn hat. Ich habe den ganzen Tag in meinem Verlag C.H. Beck verbracht und es war einfach grandios.

Dabei haben Sie nicht die typischen „Obama-Bilder“ von Bayern in Lederhosen im Kopf?

(lacht) Diese Bilder habe ich schon im Alter von 10 oder 11 Jahren verdrängt und durch andere ersetzt.

Ihr Buch handelt von Emotion und Wissenschaft. Was brachte Sie auf die Idee, über Margaret Mead zu schreiben, und es dann am Ende des Buches doch nicht zu tun?

Im Schwerpunkt hat mich das Gefühl interessiert. Die Beziehung zwischen den Drei im Dschungel von Papua Neuguinea 1932 war so interessant für mich. Ich habe über die Isolation dort nachgedacht und über alles was in diesem Rahmen passieren kann. In einer Biographie über Margaret Mead las ich von dieser sehr kurzen Episode. Eigentlich war es nur ein kleines Kapitel, aber an dessen Ende dachte ich einfach nur „Ich muss mehr darüber erfahren. Das ist eine große Geschichte, die erzählt werden muss!“ Ich begann mit meiner Recherche und da ich mich vorher noch nicht mit Anthropologie beschäftigt hatte, musste ich mich richtig einarbeiten.

Aber es ist einfach so. Das Gefühl war zuerst da, dann kam die Wissenschaft dazu und schließlich faszinierte mich die Kombination aus beidem.

Ich hatte den Eindruck, dass Sie ein anderes Ende für dieses kurze Kapitel aus dem Leben von Margaret Mead schreiben wollten, oder täuscht mich das?

Eigentlich wollte ich wirklich ihre Geschichte erzählen, aber in dem Moment, als ich damit begann, entwickelte sie sich in zwei unterschiedliche Richtungen. Und letztlich musste ich meinem Instinkt als Romanautorin folgen und alles, was ich zu Beginn der Handlung aufgebaut hatte musste zu einem ganz bestimmten Ende führen. Es passierte nicht in der Realität, aber es fühlte sich innerhalb der ganzen Geschichte so wahr an.

Können Sie sich vorstellen, dass ich das Leben von Margaret Mead ein wenig mit dem von Tania Blixen in „Jenseits von Afrika“ vergleiche? Zwei starke Frauen, die in einem neuen Kulturkreis leben und dort eine völlig neue Rolle als Frau einnehmen. Ist dieser Vergleich angebracht?

Oh definitiv. Ich dachte sehr viel an Karen Blixen, wie wir sie nennen. Ich dachte sehr oft an „Out of Africa“ und ich habe den Film gesehen. Es ist eines der Bücher, das ich als wirklich vergleichbar betrachte – und davon gibt es wirklich nicht viele. Barbara Kingsolvers „Giftholzbibel“ gehört sicherlich auch noch dazu.

Das hat mich berührt, weil das spürbar ist. Wie gefällt Ihnen das deutsche Cover? Es unterscheidet sich sehr vom original, das den Teil eines Baums in Nell Stones Haus darstellt.

Ich liebe es. Verraten sie es nicht meinem Verleger aber ich mag es sogar lieber als das Original. Es ist einfach wunderschön. Man schenkte mir heute eine Stofftasche mit aufgedrucktem Cover und ich bin wirklich begeistert.

Wir sind wirklich euphorisiert von Ihrem Buch. Herzlichen Dank für das Interview für Literatur Radio Bayern und nun viel Vergnügen mit Ihren Zuhörern bei der Lesung.

Euphorisch im Euphoria-Interview - Lily King

Euphorisch im Euphoria-Interview – Lily King