[Bilderbuch] „Oma trinkt im Himmel Tee“ von Fang Suzhen

Oma trinkt im Himmel Tee von Fang Suzhen und Sonja Danowski

Oma trinkt im Himmel Tee von Fang Suzhen und Sonja Danowski

Bilderbuchwelten dienen der frühleserlichen Unterhaltung; manchmal der Erziehung der lieben Kleinen, können sinnvoll dabei helfen, Werte zu vermitteln und lassen Eltern auch nicht im Regen stehen, wenn es darum geht Lebensbegleiter in schwierigen Situationen zu sein.

In den letzten Monaten sind Bilderbücher erschienen, die mehr als beispielhaft in ihrer Kreativität sind. Ihre Aussagen richten sich gegen Ausgrenzung und Rassismus, handeln von Freundschaft unter den widrigsten Bedingungen. Sie geben Mut, einfach anders sein zu wollen oder thematisieren Umweltschutz und stehen für den Erhalt von Mutter Natur.

Ausgesprochen heikel wird es dann, wenn Bilderbuchautoren und Illustratoren sich mit dem sensiblen Thema auseinandersetzen, das von Verlust und dem Tod geliebter Menschen handelt. Dieser Spagat zwischen buntem Kinderbuch und traurigem Thema gelingt nicht immer und es ist oftmals ein Wagnis, ein solches Bilderbuch in die eigene Verarbeitung von Trauer zu integrieren, oder Kinder mit solchen Büchern ganz langsam und behutsam darauf vorzubereiten, dass Oma und Opa nicht ewig leben.

Oma trinkt im Himmel Tee von Fang Suzhen und Sonja Danowski

Oma trinkt im Himmel Tee von Fang Suzhen und Sonja Danowski

Unter diesem Aspekt war ich auf der Frankfurter Buchmesse mehr als angetan von dem Weg, den der NordSüd Verlag mit dem wundervollen Bilderbuch Oma trinkt im Himmel Tee beschritten hat. Eine zutiefst asiatisch anmutende und tief angelegte Geschichte mit unglaublich warmen Bildern erweckte den Eindruck, man befände sich bereits lesend und schauend in einem völlig ungewohnten Kulturkreis.

Dabei ist es schon von besonderer Bedeutung, dass die Autorin Fang Suzhen eine mehrfach preisgekrönte taiwanesische Kinderbuchautorin ist, die bereits mehr als 200 Bücher veröffentlicht hat, und die Illustratorin Sonja Danowski aus Berlin stammt. Sie hat sich der Aufgabe verschrieben, mit ihren Bildern Erinnerungen zu bewahren und es ist nicht ihr erster Ausflug nach Asien. Ihre wundervollen Zeichnungen und Illustrationen sind in Korea, Taiwan und China sehr bekannt.

Gemeinsam erzählen uns die beiden kongenialen Schöpfer dieses äußerst realen Bilderbuches die Geschichte des kleinen Xiao Le, der mit seiner Mutter zum ersten Mal seit langer Zeit das kleine Dorf besucht, in dem seine Oma lebt. Aus der Vorfreude auf die lange Zugfahrt wird bei dem kleinen Vorschulkind ganz langsam und in eher kleinen Schritten die Erkenntnis, dass im Haus der Oma etwas nicht so ist, wie er es mal war.

Oma trinkt im Himmel Tee von Fang Suzhen und Sonja Danowski

Oma trinkt im Himmel Tee von Fang Suzhen und Sonja Danowski

Es ist nicht nur die Atmosphäre oder die Tatsache, dass seine Oma im Bett liegt. Es ist die Traurigkeit seiner Mutter, die der kleine Xiao in sich aufzusaugen scheint. Als er mit seiner Oma ein wenig alleine bleiben kann um ihr zu helfen, entstehen Momente intensiver Nähe und auch Augenblicke des gegenseitigen Erzählens und Zeigens.

Großmutter gelingt es sogar für einen Moment aufzustehen und mit ihren Lieben im Garten Tee zu trinken. Der Abschied aus diesem kleinen Dorf ist zugleich ein Abschied von der Oma und ohne dass man Xiao erzählt, dass es so ist, versteht er die besondere Stimmung dieser letzten gemeinsamen Stunden. Zuhause erfährt er von seiner Mutter, dass Großmutter nicht mehr lebt.

Wie Mutter und Sohn diese emotional schwierige Situation meistern, wie sie sich einander nähern und auch die aufkommenden Gefühle nicht unterdrücken ist bewegend und lehrreich zugleich. Und doch nimmt das Bilderbuch einen elementaren Gedanken auf, der in solchen Fällen zur großen Falle innerhalb der Trauer werden kann.

Oma trinkt im Himmel Tee von Fang Suzhen und Sonja Danowski

Oma trinkt im Himmel Tee von Fang Suzhen und Sonja Danowski

Denn umso selbstverständlicher, liebevoller und einfacher man einem Kind den Tod näher bringt, umso greifbarer dieser Verlust offen angesprochen wird und umso schöner die vermittelten Ideen vom Leben nach dem Tod sind… „Oma trinkt im Himmel Tee“, umso größer wird die Verlustangst unserer Kinder. Umso größer kann die Angst werden, dass es nun auch ganz leicht möglich ist, dass die eigene Mutter bald zum Tee trinken gehen muss.

Dieses Buch lässt uns nicht allein mit dieser Falle. Es nimmt die Gefahr auf und bringt sie in Wort und Bild ganz behutsam zur Sprache. Den Kindern, die mit uns in diese Geschichte eintauchen wird diese Angst genommen und es wird ihnen noch viel mehr genommen: die Angst, solche Fragen zu stellen. Kinder öffnen sich, wenn wir uns öffnen. Gefühle erzeugen Gefühle und auf dieser Basis ist „Oma trinkt im Himmel Tee“ ein kleiner großer Schatz im Bilderbuchregal.

Nehmt euch eine Tasse Tee, taucht in die wundervolle und gefühlvolle Geschichte ein und denkt in einer ruhigen Minute darüber nach, in welchen Situationen ihr selbst gerne ein solches Buch zur Hand gehabt hättet, um über einen tiefen Verlust hinweg zu kommen. Der Tod wiegt nicht leichter durch solche Lesenswegbegleiter, aber er nimmt uns nicht die Sprache, wenn wir sie vor Augen haben. Bilderbücher helfen heilen…

Oma trinkt im Himmel Tee von Fang Suzhen und Sonja Danowski

Oma trinkt im Himmel Tee von Fang Suzhen und Sonja Danowski

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9 Gedanken zu „[Bilderbuch] „Oma trinkt im Himmel Tee“ von Fang Suzhen

  1. Klingt nach einem sehr lesens-/sehenswerten Buch. Themen wie Tod für so Kinder aufzubereiten, finde ich grundsätzlich mutig und ich staune immer wieder, wie gut es manchen Autoren gelingt, das Thema sensibel anzugehen, aber gleichzeitig die kleinen Leser nicht tieftraurig oder gar verstört/verängstigt zurückzulassen.

    Und Sonja Danowskis Bilder muss einfach mögen! 2013 hatte ich eine von ihr illustrierte Ausgabe von „Das Geschenk der Weisen“ gelesen und habe auf jeder Seite gestaunt – sie kreiert so unglaublich einladende, warme Bilder, die einen ganz eigenen zeitlosen Charme haben. Ich freue mich, dass es nun ein weiteres Buch mit Illustrationen von ihr gibt.

    • Zu Sonja Danowski kann ich dir nur zustimmen. Der Detailreichtum und die Wärme, die aus dem buch strahlt nehmen gefangen… und trotzdem hätte ich nie gedacht, dass sie eine deutsche Illustratoirn ist. Das Asiatische hat sie so lebendig gemacht. auf jedem einzelnen Bild…

  2. Wow…du hast uns ja bereits ein paar kleine Einblicke in das Buch gewährt und nun offenbart es sich in seiner ganzen Schönheit. Die großen Bilder, so behutsam und warm, die zauberhaften Blütenranken neben dem Text – immer nur ein Bild, das wirken soll. Es schaut fantastisch aus. Ganz besonders das letzte Bild…ich kann gar nicht aufhören es anzuschauen. Großartig. Die Lampions. Die beiden Hand in Hand, auf dem Weg….
    Die Zeichnungen wirken sehr altertümlich und das Buch sticht auf jeden Fall in der Bilderbuchabteilung heraus. Auf den ersten Blick hätte ich es nicht für neu gehalten….
    Dass es immer mehr Bilderbücher mit Botschaften gibt, finde ich wünschenswert…ich beobachte das auch…und so kommt es, dass auch ich mir immer mal wieder ein Bilderbuch kaufe. Gerade bei solch schweren Themen…schön, dass du es so liebevoll vorgestellt hast. ❤
    Es erinnert mich im Übrigen ein bisschen an mein Lieblingsbuch in der Kindheit…und zwar "Die Wurzelkinder"…von Sybille von Olfers…ich habe es geliebt. Auch die Geschichte von Windchen oder Marilenchen ❤ Aber die Bilder von den Wurzelkindern sind ähnlich stimmungsvoll wie in diesem Buch – auch, wenn die Geschichte dahinter eine ganz andere ist….

    • Ich verstehe was du meinst…. auf der Buchmesse sind mir die Bilder aufgefallen und ich war sofort gefangen. Es wirkt wie ein Schatz aus vergangener Zeit und doch so lebendig frisch in seinen warmen Details. Kinderbücher sind so wichtig. Das erlebe ich im Kinderheim St. alban und dort könen sich die ganz Kleinen auf ganz besondere schätze freuen in der nächsten Lesenacht…

      Ich könnte Stundenlang in diesen Bilderbuchwelten versinken.

  3. Lieber Arndt, vielen Dank für diesen Tip. So wie Du dieses Buch beschreibst, ist es genau das richtige Buch für uns. Wir haben vor Weihnachten unsere geliebte Mama/Oma verloren und die Trauer sitzt noch sehr tief. Mein Sohn (8 Jahre) hat nach ein paar Wochen folgendes gesagt:
    „Mama, weißt Du, die Oma, die sitzt jetzt im Himmel auf einer Wolke auf der Bank vor ihrem kleinen Haus und schaut immer zu uns runter und passt auf uns auf.“ Auf meine Frage, ob das für die Oma nicht zu langweilig wird, den ganzen Tag runter zu schauen, hat er geantwortet: „Ach Mama, die Oma strickt doch vor ihrem Haus für jeden von uns einen Pulli und die liegen dann an Weihnachten unter dem Weihnachtsbaum. Und die Katze liegt neben der Oma auf der Bank uns schläft.“ Ich kann mir genau vorstellen, wie meine Mama vor diesem Haus sitzt und die Vorstellung, das es ihr dort, wo sie jetzt ist besser geht, tröstet mich schon sehr. Unser Sohn tröstet sich ebenfalls mit der Vorstellung, das es der Oma auf Ihrer Wolke vor dem Haus gut geht. Meine Kinder sind richtige Oma-Opa-Kinder. Wir werden das Buch gleich morgen bestellen.

    • Liebe Ricarda, manche Bücher lese ich mit anderen Augen. Bei „Oma trinkt im Himmel Tee“ habe ich oft an Dich gedacht und dabei sehr gehofft, dass Du diesen Artikel liest. Ich wollte und wäre damit nicht ins Haus gefallen.

      Es wird Dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern, Gemeinsamkeiten in der Verarbeitung eines schweren Verlustes zu erlesen. Spätestens, wenn es regnet und der kleine Xiao ein wenig vorwurfsvoll in den Himmel blickt,, dann darf man auch schmunzeln.

      Ich hoffe sehr, dass ihr beim Teetrinken mit guten Gefühlen nach oben schauen könnt. Kraft und Lächeln… Arndt

  4. Pingback: „Der Anfang“ von Paula Carballeira und Sonja Danowski | AstroLibrium

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