Die Dschungelbücher. Wahre Kunstwerke von Gabriel Pacheco

Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco - Astrolibrium

Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco

Das Dschungelbuch war nie das Dschungelbuch. Spätestens seit meinem Artikel zu „Das Dschungelbuch“ in der interaktiven MinaLima-Prachtausgabe vom Coppenrath Verlag muss klargeworden sein, dass Rudyard Kipling niemals nur über Mowgli, Balou und Shir Khan schrieb, als er seine Dschungelbücher verfasste. Die Reduzierung auf eine einzige Kerngeschichte haben wir nicht zuletzt Walt Disney zu verdanken, der aus einer komplexen Sammlung von Erzählungen aus dem Jahr 1894 einen wundervollen, doch ziemlich vereinfachten Zeichentrickfilm gemacht hat. Seine Wirkung hält bis heute an und so manch bibliophil veranlagter Leser reibt sich verwundert die Augen, wenn er von der weißen Robbe Kotick als Teil des Dschungelbuchs hört.

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Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco

So sind im Lauf der Zeit einige der Tier-Protagonisten aus dem Dschungelbuch verschwunden, die für Rudyard Kipling die Komplexität der Welt ausmachten, die man in seinem Werk entdecken sollte. Darüber hinaus haben sich auch Bilder festgesetzt, in denen wir heute das wahre Dschungelbuch sehen. Interpretationsspielraum: Null. Es ist der Mowgli aus der Feder von Walt Disney, der zum optischen Synonym der Erzählung wurde. Es sind der tanzende Balou und die hypnotisierende Schlange Kaa, die für uns und unsere Kinder das Dschungelbuch ausmachen. In der MinaLima-Ausgabe fand ich den gesamten Kosmos, für den Kipling mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet und gefeiert wurde. Und doch waren auch hier die Illustrationen eher verspielt und niedlich. Nichts davon hat Kipling so geschrieben. Das pure Abenteuer lag seinen Erzählungen zugrunde. Wildheit, Gefahr und eine Welt jenseits unserer Vorstellungskraft haben aus seiner Sicht die Faszination Dschungel zu einem Erzählraum verdichtet, der einfach zu unheimlich und fremdartig ist, um ihn zu verniedlichen. Nun gibt es einen neuen Pfad in den Dschungel Kiplings…

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Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco

Die Dschungelbücher – Meisterhafte Illustrationen von Gabriel Pacheco

Einen neuen Zugang zu den Dschungelbüchern bietet die Interpretation aus der Feder des mexikanischen Szenografikers Gabriel Pacheco. Es ist hier nicht nur das Format, das jeden Buchliebhaber fasziniert. Es ist das gesamte Konzept dieses Buches aus dem Schweizer Bohem Verlag. Es wirkt, wie eine gebundene Vernissage, die den ursprünglichen Dschungel Kiplings mit neuem Leben füllt. Ein Buch, das Raum benötigt und ihn ausfüllt. Im Querformat erreicht es stolze 29 x 41 Zentimeter und hebt sich sehr deutlich von allem ab, was wir gewöhnlich als Bilderbuch bezeichnen. Es beinhaltet 17 Illustrationen, die im eigentlichen Sinne Kunstdrucke von Gemälden des mexikanischen Grafikers sind. Und diese Großformatbilder kann man heraustrennen und fein gerahmt an die Wand hängen, wenn man den Mut aufbringt dieses Buchkunstwerk zu zerstören. Ich könnte das nicht. Zu einzigartig ist die Kollektion an Bildern, die hier vereint wurden.

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Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco

Noch dazu, weil auf ihrer Rückseite wichtige Zitate aus den Dschungelbüchern in deutscher und englischer Sprache das jeweilige Bild in den Kontext der Erzählungen stellt. Ein optischer Hochgenuss, der eine eigene Ausstellung verdient hätte. Sicherlich kein Buch, das man einfach so ins Bücherregal stellt. Passt auch gar nicht rein. Glaubt mir. Aber ein Buchkunstwerk, das an Einzigartigkeit nicht zu übertreffen ist. Jedes Bild ein kleines Wunder. Jedes Betrachten mutiert sehr schnell zum Staunen und alle noch so kleinen Details lassen uns lange vor jedem einzelnen Bild verharren. Erstaunlich ist dabei für mich, wie gut es Pacheco gelingt, die Tiere des Dschungels mit der Natur so sehr zu verschmelzen, dass man einen grandiosen Eindruck von der Farbenvielfalt der Welt jenseits unserer Zivilisation bekommt.

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Und dann leuchtet uns das Fell des Panthers an, wie ein grandioses Farbenspiel, das der Vielfalt des Dschungels die Krone aufsetzt. Herdentiere werden zu grauen und unscheinbaren Wesen, die auf den zweiten Blick Kontur und Würde erhalten. Wer den Originaltext der Dschungelbücher neben diese fantastische Vernissage legt und so beide Welten genießt, die des Wortes und die des Bildes, der wird einen eigenen Pfad durch den Dschungel finden, der sich von den ausgelatschten Pfaden so unterscheidet, als hätte man noch nie zuvor von Rudyard Kipling gehört. Dieses Buch ist das perfekte Geschenk für Lesende und Kunstliebhaber zugleich. Ein Geschenk für Bibliophile und Büchersammler. Aber eben auch ein Kunstwerk, in dem man sich mit Kindern verlieren kann. Ich erinnere mich noch heute sehr intensiv an die ersten Bilderbuchbilder, die mir mein Opa mit ins Leben gab. Wer Gabriel Pacheco einmal betrachtet hat, wird sich ihm nicht mehr entziehen können. Und wer zuvor die Dschungelbücher noch nicht in Gänze gelesen hat, der wird nun den Wunsch verspüren, Elefanten, Robben, Mungos und ein paar Herdentiere ins Bild laufen zu lassen. Grandios…

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Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco

Die Ziege auf dem Mond – Stefan Beuse und Sophie Greve

Die Ziege auf dem Mond von Stefan Beuse und Sophie Greve - Astrolibrium

Die Ziege auf dem Mond von Stefan Beuse und Sophie Greve

Was haben wir in unserem Lesen nicht schon alles erlebt, wenn es darum ging den kleinsten und jüngsten Lesern die großen Lebensweisheiten mit auf den Weg zu geben und ihnen spielerisch mit leicht erhobenem Zeigefinger die Richtung zu weisen? Es gab Märchen und Bilderbücher, Fabelwesen und schlaue Parabeln. Kindgerecht verpackt in buntesten Gewändern und immer mit einer Moral, auf die man später verweisen konnte, wenn wieder alles schiefgelaufen war. Kinderbücher sind und waren schon immer gute Erziehungshelfer. Neutrale Instanzen und ab und an sogar geeignet, mit ein wenig fein dosierter Angst zu besserem Verhalten anzuleiten.

Und jetzt schwingt sich allen Ernstes eine Ziege auf dem Mond auf, uns und den kritischen Nachwuchslesern Botschaften von Glück und Zufriedenheit näherzubringen? Ihnen die Angst zu nehmen, Neugier zu fördern und dabei mit einer Lebenshaltung auf Alltagssorgen und Kinderzweifel zu reagieren, die ihresgleichen sucht? Das kann doch nicht Euer Ernst sein. Eine Ziege. Bitte. Wir hatten Füchse, Bären, Hasen und ein paar Rehe. Allesamt niedlich, schlau und ansatzweise klug genug, um ihnen ihre Geschichte abzunehmen. Fabeln eben. Aber eine Ziege lockt doch niemanden hinter dem Ofen vor, der sich für flotte Lebensweisheiten in frischem Gewand interessiert. Tiger. Ja. Aber im Leben doch keine Ziege. Meckermeckermecker…

Die Ziege auf dem Mond von Stefan Beuse und Sophie Greve - Astrolibrium

Die Ziege auf dem Mond von Stefan Beuse und Sophie Greve

Was mögen sich Autor Stefan Beuse und Illustratorin Sophie Greve bloß gedacht haben, als sie ausgerechnet eine „Ziege auf dem Mond“ ansiedelten, um die Welt ein bisschen bunter zu machen und Kinderherzen höherschlagen zu lassen? War ihnen nicht klar, auf welch gefährliches Terrain sie sich, angesichts prominentester Bewohner vergleichbarer Erdtrabanten, begeben? Hatte nicht „Der kleine Prinz“ schon vor langer Zeit alles abgegrast, was man an Lebensweisheiten auf einem Asteroiden so auftreiben konnte? Und kann eine Ziege besser geeignet sein als ein Fuchs und eine sprechende Rose? No chance…

Was haben sie sich nur dabei gedacht? Kinder leben in ihrer eigenen Welt, haben Idole, von denen wir keinen Schimmer haben und eifern Fantasiegebilden und Träumen nach, die wir längst aus den Augen verloren haben. Kann es hier eine lustige Ziege mit den künstlichen Helden unserer Zeit aufnehmen? Wohl kaum. Das dachte ich jedenfalls als ich „Die Ziege auf dem Mond“ las. Und genau in diesem Moment wurde mir schon klar, wo die Ziege (pardon, der Hase) im Pfeffer liegt. Wir denken zu viel. Wir halten die Zeigefinger schon hoch, bevor wir eine Hilfestellung anbieten. Wir leben in unserer Welt ohne große Schnittmenge zur Fantasie der Kinder. Unsere Moral hat eigene Wege und Wertesysteme gefunden. Kompatibilität zur Welt der Kinder? Fraglich…

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Die Ziege auf dem Mond von Stefan Beuse und Sophie Greve

Hier kommt nun eine Ziege daher, die wir eigentlich für recht einfältig halten. Salz reicht eigentlich aus, das Leben von Ziegen zu einem guten Leben zu machen. Dies ist in jedem Streichelzoo augenscheinlich der Fall. Aber, wenn schon unsere Kinder in ihre eigene Welt verschwinden, wenn sie träumen, warum dann nicht die Ziege akzeptieren, die auf ihrem eigenen Mond lebt? Warum nicht? Also: Bedenken über Bord, Schleusen auf und Fantasiemodus: AN. Macht es Euch gemütlich, sorgt für gutes Leselicht und ein wenig leise Hintergrundmusik, und lasst Euch von Stefan Beuse und Sophie Greve in Wort und Bild vom Leben im Augenblick erzählen. Vielleicht solltet Ihr eine Uhr suchen, sie auf Viertel nach neun stellen und die Batterie wegwerfen. Das hilft echt weiter.

Dann seid Ihr in der gleichen Zeitzone angelangt, in der Die Ziege auf dem Mond lebt. Es ist Viertel nach neun. Immer. Punkt. Basta. Es ist das Leben im Hier und Jetzt. Das Leben im Augenblick und ein Leben in der Erinnerung an die gute alte Mutter Erde, von der in unregelmäßigen Abständen die sinnlosesten Dinge auf dem Mond landen. In einen großen Krater mit allem, was die Ziege nicht brauchen kann. Punkt. Basta. Fertig ist die Ziegosphäre Mond. Ein fast schwereloses Biotop für bunte Gedankenwelten und angstfreie Schwebezustände. Fehlt nur das passende Ziegen-Shirt zum Tag und schon kann es losgehen. Also das Leben auf dem Mond. Neil Armstrong hätte seine Freude gehabt.

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Die Ziege auf dem Mond von Stefan Beuse und Sophie Greve

Wer sich auf diese Ziege auf dem Mond einlässt, wird nicht enttäuscht. Die Magie dieses Buches entwickelt sich langsam aber gewaltig. Aus scheinbar losen Fäden wird ein Netz, das geeignet ist auch den größten Alltagssturz im wahren Leben aufzufangen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wer zögert, verpasst das Leben. Wer alles verstehen möchte, versteht nichts. Wer nicht bereit ist, die Macht seiner Fantasie zu nutzen, wird im wahren Leben nichts bewegen. Und nicht zuletzt, wenn Du denkst eine Ziege sei nur eine Ziege, dann bitte schön. Wundere Dich nicht, wenn andere denken, auch ein Kind sei nichts anderes als ein Kind. Stefan Beuse und Sophie Greve haben in literarischer und illustratorischer Hinsicht ein kleines Wunder bewirkt. Man mag diese Ziege wirklich unterschätzen. Ihre Magie zu erkennen, öffnet die Tür zu einer Welt voller Antworten.

Angst verschwindet,
wenn man sich überwindet.
Und zwar jetzt. Sofort.
Um Viertel nach neun.

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Die Ziege auf dem Mond von Stefan Beuse und Sophie Greve

Ein Wort zu Stefan Beuse sei mir erlaubt. Die handschriftliche Einladung zum Lesen um Viertel nach neun habe ich gerne angenommen. Unsere Begegnung in Frankfurt hat alte Erinnerungen wachgerufen. Er ist schuld. Punkt. Basta. Also daran, dass ich heute als Blogger mein literarisches Unwesen treibe. Und das kam so. Ich rezensierte im Jahr 2009 seinen Roman „Alles was du siehst“ bei Lovelybooks. Diese Rezension gewann sowohl den Community-Preis, als auch den sogenannten Leser-Kompass. Neben der Einladung zur Corine-Buchpreisverleihung waren eine ganzseitige Anzeige in der „Zeit“ und ein wertvolles Buchpaket als Hauptpreis ausgelobt.

Die Folgen. Drastisch. Einladungen zu Veranstaltungen mit Verlagen zum Thema „Social Reading“ usw. Visitenkarten und Kontaktaufnahmen durch Verlage und Autoren. Die Entscheidung, nicht mehr nur auf Lovelybooks zu rezensieren, sondern zu bloggen. Buchmessen. Literatur Radio. Und das alles. Den ersten Stein brachte damals Stefan Beuse ins Rollen. Mit einem Buch. So einfach ist das. Er ist schuld. Punkt. Danke.

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Stefan Beuse ist schuld – Eindeutig…

„Die Wahrheit über Monster“ von Tim Dowling

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling - AstroLibrium

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Man kann es ja mit den Ängsten unserer Kleinsten halten, wie man will. Man kann sie ignorieren, herunterspielen, sich darüber lustig machen, oder sie ernstnehmen. Sie wirken sich jedoch nicht nur belastend auf Kinder aus, sondern verkomplizieren unsere Vorstellung vom ganz normalen Alltag. Eltern können mehrere Lieder davon singen. Es sind schlaflose Nächte an der Seite des verängstigten Nachwuchses, es sind Nächte in denen das eigene Bett von bibbernden kleinen Wesen erobert wird und Abende, die es in sich haben, weil es nicht gelingt, den eigenen Kindern glaubhaft die Ängste davor zu nehmen, das Kinderzimmer sei voller schrecklicher Monster…

So wird das Einschlafen zur Qual. Es gibt nun viele Möglichkeiten, sich mit der Angst auseinanderzusetzen. Sie einfach zu ignorieren hilft nicht weiter. Also greift man zu den bewährten Hausmitteln, beschwichtigt, verharmlost und als letzte Eskalationsstufe geht man dazu über, den Kleinen Lügen aufzutischen. Richtig gelesen. Lügen. Das reicht im Allgemeinen, um sie zu beruhigen. „Es gibt keine Monster. Du kannst ganz beruhigt im Dunklen schlafen. Nachts ist noch nie was passiert. Das sind ganz normale Geräusche. Keine Angst.“ Kennen wir alles, weil wir es in unserer Kindheit selbst gehört haben. Und jetzt schmunzeln wir über die Ausflüchte unserer Eltern und retten uns in vergleichbare Verhaltensmuster.

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Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Monsterpulver wird gekauft. Das Kinderzimmer wird mit magischen Abwehrritualen in Nullkommanichts zur monsterfreien Zone erklärt und das abendliche Einschlafritual wird zur Nervenprobe für alle Beteiligten. Dabei gibt es weitere Möglichkeiten, sich mit Angst auseinanderzusetzen. Bücher. Gemeinsames Lesen, pädagogisch wertvolle Tipps und Denkimpulse, die gerade in Bilderbüchern besser funktionieren, als in der Realität. Hier finden wir unterschiedliche Wege, die dem Nachwuchs Auswege aus ausweglosen und beängstigenden Situationen aufzeigen. Man muss nur den richtigen Weg wählen. Zwei denkbar gute Alternativen möchte ich vorstellen. Zwei Varianten der Angstbewältigung, die aus meiner Sicht gute Chancen auf Erfolg haben.

MONSTA“, geschrieben von Dita Zipfel und illustriert von Mateo Dineen, ist vom Tulipan Verlag als rezeptfreie Therapie für Monsterängste aller Art in Umlauf gebracht worden. Ich habe dieses Bilderbuch bereits vorgestellt. Es basiert auf dem Ansatz, den Kindern gegenüber zuzugeben, dass es durchaus Monster gibt. Nur eben nicht hier bei ihnen. Dazu liegt dem Buch gar ein handschriftliches Kündigungsschreiben von Monsta bei, mit dem sich leicht nachweisen lässt, dass die Luft endgültig rein ist. Ich mag diese Idee. Ich mag die Vorstellung vom gelangweilten Monster, das frustriert abhaut und sich auf die Suche nach ängstlicheren Kindern macht. Ob diese Methode jedoch immer hilft, muss der Praxistest erweisen.

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Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Ein anderer Denkansatz stammt aus der Feder von Tim Dowling, der Kindern Die Wahrheit über Monster erzählt. Auch hier haben wir es mit einem Bilderbuch zu tun, in dem Text und Illustrationen Hand in Hand gehen, um das Leben der kleinsten Leser zu erleichtern. Beiden Werken ist der philosophische Ansatz gemeinsam, die Existenz solcher Monster nicht einfach zu leugnen. Kinder werden ernst genommen, ihre Ängste werden nicht heruntergespielt, man zeigt eben nur auf, wie man jene Monster besiegen kann. Entweder, wie bei „Monsta“, indem man einfach zu tapfer und mutig war und das gruselige Wesen sich gelangweilt vom Acker gemacht hat, oder, und das ist der Ansatz von Tim Dowling, indem man den Kindern zeigt, wie Monster wirklich gestrickt sind.

Hier kommt die kleine Luna ins Spiel. Tja, und wie es so ist im richtigen Leben, ist es das kleine Mädchen, das eigentlich das wahre Monster im Haus ist. Sie ist ungezogen, frech und hat es faustdick hinter den Ohren. Und sie hat eines ganz sicher nicht: Angst vor Monstern. Sie freut sich sogar, wenn sie den Unwesen begegnet. Aber wie groß ist ihre Enttäuschung, als sie feststellen muss, wie wohlerzogen, brav und ängstlich diese Gesellen doch in Wirklichkeit sind. Dagegen ist jedes kleine Kind ein Schreckgespenst. Hier hält der Autor unseren Kindern auf sehr sympathische Art und Weise den Spiegel vors Gesicht und stellt ganz offen die Frage, wer denn eigentlich schlimmer ist. Unsere lieben Kleinen oder die größten Fantasiemonster, die man sich nur vorstellen kann.

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Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Ein greifbarer Ansatz, wissen wir doch selbst, wozu unsere Kleinen fähig sind. Es macht Spaß, „Die Wahrheit über Monster“ zu erfahren und die Lehren dieses Buches ins eigene Leben zu übertragen. Der Ansatz ist pädagogisch wertvoll, weil wir uns nicht über die Ängste lustig machen, sondern viel eher darüber nachdenken, wie schlimm ein Monster wirklich sein kann. Und während bei „Monsta“ das gefrustete Schreckgespenst das Haus verlässt, ziehen kleine und große Monster bei Luna im Zimmer ein. Sie finden ein neues Zuhause. Sie sind brav und jagen niemandem einen Schrecken ein. Sie sind alles andere als frech. Jetzt haben sie ihre kleine Lehrmeisterin vor Augen. Luna kann ihnen sicher einiges beibringen.

Die Zeiten des Monsterpulvers sind vorbei. Zwei, im Ergebnis sehr unterschiedliche Bücher können für ruhige Nächte in vielen Kinderzimmern sorgen. „Monsta“ macht die Bude monsterfrei und „Die Wahrheit über Monster“ (Bohem Verlag) sorgt dagegen für einen Zuwachs an freundlichen und harmlosen Monstern unter dem Bett. Beide Bücher nehmen die Angst, anstatt sie zu leugnen. Beide Bilderbücher nehmen die Ängste ernst und spielen sie nicht herunter. Es ist der Umgang mit der eigenen Angst, den wir hier in spielerischer Art und Weise lernen und vermitteln können. Wer also wieder einmal eine ruhige Nacht ohne verängstigte Kinder erleben möchte, der sollte zu einem Bilderbuch greifen. Erstens ist der gemeinsame Spaß vorprogrammiert und zweitens gibt es nichts Schöneres als ein befreites Kinderlächeln beim Einschlafen…

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling - AstroLibrium

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Man kann den Versuch ja schon zum Weihnachtsfest wagen. Eines dieser beiden Bilderbücher würde sich gut auf dem Gabentisch machen. Beide zusammen sollte man jedoch nicht verschenken. Sie widersprechen sich doch zu sehr in der Lehrmeinung. So ist es ja immer in der Monster-Wissenschaft. Frohes Fest. Mit oder ohne Monster.

Bilderbuchwelten in der kleinen literarischen Sternwarte

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„Die Schneiderin des Nebels“ bringt Sonne ins Lesen

Die Schneiderin des Nebels – Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Nochmal!

So endet eine der wundervollsten illustrierten Geschichten meines Lesens. Eine Geschichte, die in einem traumhaften erzählenden Bilderbuch tiefe Spuren in meinem literarischen Gedächtnis hinterlassen hat und seitdem noch oft durch meine Gedanken mäanderte. „Die große Wörterfabrik“ von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo hat uns auf beeindruckende Art und Weise vermittelt, wie man mit nur wenigen Worten eine komplexe Denkwelt verändern kann. Der Wert der Wörter und die Fähigkeit, auch mit scheinbar wertlosen Begriffen Herzensdinge formulieren zu können, sind Parameter einer kleinen Geschichte, die so sympathisch geschrieben und gezeichnet ist, dass sie sich auf direktem Wege ins Leserherz schleicht.

Die Schneiderin des Nebels – Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Ich habe kein anderes Buch so oft verschenkt, wie dieses. Die Reaktionen auf das Buch waren vielfältig. Ungläubiges Staunen, freudiges Jauchzen und heftiges Blättern. Eine Endlosschleife des Lesens wurde durch das letzte Wort der Geschichte ausgelöst. „Nochmal“. Jetzt kann es gelingen, dieses kleine große Buchkunstwerk aus der Hand zu legen und eine neue Welt des genialen Duos de Lestrade & Docampo zu betreten. Eine perfekte Symbiose aus Text, Gestaltung, Aussagekraft, Visualisierung, Illustration und Buchdesign führt uns einen großen Schritt weiter, als es „Die große Wörterfabrik“ noch vermuten ließ. Ein literarischer Evolutionsschritt der mich unverhofft in den Nebel einer wundervollen Erzählung eintauchen ließ. Ein Nebel, dem sich jeder Herzensleser aussetzen sollte, um wieder klarer zu sehen.

Die Schneiderin des Nebels – Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Die Schneiderin des Nebels“ (Mixtvision Verlag) ist der neue große Wurf der Autorin Agnès de Lestrade und ihrer kongenialen Illustratorin Valeria Docampo. Wir werden verführt, entführt, berührt und finden uns in einer metaphorischen Geschichte wieder, in der sich junge und ältere Leser und Betrachter gleichermaßen heimisch fühlen. Es sind tiefe Botschaften, die sich auf den ersten und zweiten Blick erschließen, es sind große Gefühle, die eruptiv ausgelöst werden und es ist das bleibende Gefühl von Schönheit, das sich in uns verankert, wenn wir das Buch beiseitelegen. Wenn das so einfach wäre.

Die Schneiderin des Nebels – Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Die kleine Rosa hat ein ganz besonderes Talent. Sie fängt am frühen Morgen Nebel ein. Mit einem großen Schmetterlingsnetz gelingt es ihr, einen Nebelsack zu füllen und ihren milchig schimmernden Fang am Spinnrad in Fäden zu verwandeln und schließlich Stoffe zu weben, die so einzigartig sind, dass sie einen reißenden Absatz finden. Dabei sind ihre Schleier, Teppiche und Kleidungsstücke so flüchtig, dass Rosa sie von Zeit zu Zeit erneuern muss. Ihre Kunden verbergen unliebsame Dinge und Gefühle unter ihren Nebelkreationen, wie sie sich selbst und ihre Unzulänglichkeiten sehr gerne unsichtbar machen würden. Rosa`s Nebelgewebe werden zum dichten Schleier, der sich über die Wahrheit legt.

Die Schneiderin des Nebels – Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Ein Brief ihres Vaters ändert alles. Aus dem Nebelmädchen wird ein Sonnenkind. Die Nebel lichten sich und Wärme breitet sich im Buch aus. Die grauen Schleier, unter denen auch die kleine Rosa ihre unliebsamen Gefühle verborgen hat, lüften sich. Eine Geschichte, auf die man sich unbedingt einlassen sollte, wenn man nicht lebenslang mit Nebelschlusslicht navigieren möchte. Ein Buch, dem man Raum geben sollte, weil hier deutlich aufgezeigt wird, dass Licht, Wärme und Hoffnung stärkere Signale aussenden, als jedes Nebelhorn dieser Welt. Liebe kann sich nur ausbreiten, wenn es gelingt, den Nebel über unseren dunklen Gefühlen in alle Winde zu zerstreuen.

Die Schneiderin des Nebels – Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

„Die Schneiderin des Nebels“ ist ein Mehrgenerationen-Buch par excellence. Ein Buch, das in bester Tradition der großen Wörterfabrik steht und doch neue Wege geht. Transparente Seiten mit Texten haben sich über die Illustrationen gelegt. Beim Blättern entsteht der Wow-Effekt, den die Erzählung selbst nicht erreichen könnte. Wir legen die Illustrationen frei, die in ihren warmen Orange- und Gelbtönen die Grundstimmung des Buches symbolisieren. Pustet den Nebel weg, folgt Rosa zu ihrer eigenen Wahrheit und entdeckt dabei die Ursache für die Vernebelung ihrer Welt. Ein Familienbuch, das nicht flüchtig wirkt. Ein Vater-Tochter-Buch, das herzerweichend ist. Ein Buch für Familien, in denen Trennungen die Wärme zu verschleiern drohen. Eine Lichtgestalt in Buchform.

Und nochmal!

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Edison – Torben Kuhlmann geht ein Licht auf

Edison von Torben Kuhlmann

Wir leben im Zeitalter der LEDs. Glühbirnen sind schon längst verboten und aus dem Handel verschwunden. Unsere Kinder können sich kaum noch daran erinnern, wie der Glühfaden in einer Glühbirne aussah, wie zart ihr Lichtschein war und wie zerbrechlich dieser dünne Faden wirkte, wenn der Leuchtkörper seine Leuchtkraft verloren hatte. Es ist eine neue Zeit, in der wir leben. Eine Zeit, die den großen Erfindungen von einst nun Schlagworte wie Energiesparpotenzial, Recyclingfähigkeit und Nachhaltigkeit zur Seite stellt. Besseres Licht soll es heute geben. Damals war es eher wichtig, dass man kein Petroleum oder Walöl mehr brauchte, um die gute Stube zu erleuchten. Damals war es nur wichtig, dass es hell wird. Eine Epoche des Lichts wurde eingeläutet. Heute bleiben davon jedoch zumeist nur die Namen der Erfinder in Erinnerung. Bell – Telefon. Eiffel – Turm. Litfaß – Säule. Tesla – Strom. Diesel – Motor. Edison – Glühlampe.

Edison von Torben Kuhlmann

Sie waren Pioniere ihrer Zeit. Sie haben das Leben der Menschheit verändert, haben vieles erleichtert und die Türen in die Zukunft aufgestoßen. Damit stehen diese Erfinder in einer Reihe mit anderen Pionieren, die ihren Mut in die Waagschale der Geschichte warfen, um die Menschheit einen entscheidenden Schritt nach vorne zu bringen. Ohne Charles Lindbergh keine Transatlantik-Flüge. Ohne Neil Armstrong keine Mondlandung. Das sind die Fakten. Das können wir überall nachlesen und daran kann man festhalten, wenn mal wieder an der Fähigkeit des Menschen gezweifelt wird, die Welt ein stückweit besser zu machen. Zweifel kommen hier nicht auf. Also eigentlich. Nun. Fast…

Edison von Torben Kuhlmann

Wäre da nicht ein still vor sich hin illustrierender Rebell, der sich ganz harmlos als Bilderbuchautor und Kommunikationsdesigner bezeichnet. Unverfänglich. Eigentlich. In Wahrheit jedoch verdreht er schon seit Jahren unseren kleinsten Lesern und auch uns den Kopf, indem er die Geschichte der Menschheit in harmlos wirkenden Bilderbüchern auf ebenjenen Kopf stellt. Fakten hin. Fakten her. Er stellt die großen Leistungen einer ganzen Spezies infrage. (Hinweis zu Schreibweise: infrage stellen bedeutet anzweifeln. In Frage stellen meint, Antworten zu einer offenen Frage suchen, oder einen bekannten Sachverhalt zur Diskussion stellen, ohne diesen zu bezweifeln. Exkurs – Ende). Hier ist schon wichtig, dass wir genau verstehen was uns in Kuhlmanns Bilderbüchern erwartet. In jedem Fall revolutioniert er mit seiner Fantasie die rein faktische Welt. Basta.

Edison von Torben Kuhlmann

Zum wiederholten Mal stelle ich mich nun seinen ketzerischen Schriften. Also mal unter uns. Im Mittelalter hätte man ihn sicher verbrannt. Aber das nur so am Rande. Ich habe Lindbergh und Armstrong gelesen und betrachtet. Ich konnte anfangs nicht glauben, was ich sah und las. Alles Mäusewerk? Die großen Leistungen der Pioniere in der Geschichte der Menschheit sollen nur möglich gewesen sein, weil Mäuse den Lauf der Welt verändert haben? Ich habe Torben Kuhlmann sogar für Literatur Radio Bayern dazu interviewt und den Eindruck gewonnen, dass er ganz genau weiß, wovon er hier schreibt und was er zeichnet. Doch anstatt endlich Ruhe zu geben, wagt er sich jetzt in die Sphäre der großen Erfindungen vor und will uns doch wohl nicht im Ernst erzählen, dass dem großen Thomas Alva Edison, dem Erfinder der Glühlampe, nur deshalb ein Licht aufgegangen ist, weil. Nein. Das kann nicht sein! Nicht erneut. Nicht schon wieder eine Maus.

Edison von Torben Kuhlmann

Oh doch. „Edison – Das Rätsel des verschwundenen Mauseschatzes“ (NordSüd Verlag) ist die konsequente Fortsetzung seiner Mäusetiraden. Werft alle eure Zweifel über Bord. Vergesst, was ihr jemals in der Schule gelernt habt und lasst euch auch auf dieses Abenteuer aus der Welt der Mäuse ein. Nach dem Flug über den Ozean und der Landung auf dem Mond geht es nun in die Unterwasserwelt, die auch heute noch eher im Dunkeln liegt. Torben Kuhlmann bringt Licht in die Sache. Er erzählt die grandiose Geschichte einer Maus, die sich auf die Suche nach einem Schatz macht, den ihr einer ihrer Vorfahren hinterlassen hat. Nur wie hinkommen? Der Ozeandampfer auf dem sich besagter Vorfahr befand, ist gesunken und liegt auf dem Meeresboden. Was kann also näherliegen, als mit Hilfe einer gelehrten Maus ein Unterseeboot zu konstruieren, und diesen Schatz zu bergen? Na dann. Besiegt die Zweifel und geht mit der Maus auf eine ganz besondere Tauchfahrt und entdeckt, was dies alles mit Edison zu tun hat.

Edison von Torben Kuhlmann

Meisterhaft illustriert. Wundervoll erzählt. Edison ist ein Bilderbuch-Wunder aus der Feder von Torben Kuhlmann. Wer sich in „Lindbergh“ verlor und mit „Armstrong“ ins Weltall startete, der muss nun unbedingt abtauchen. Es ist eine ganz eigene Liga in der Torben Kuhlmann zeichnet und schreibt. Es ist eine Liga, die ihn unvergleichbar im Bilderbuch-Kosmos macht. Diese drei großformatigen Bücher gehören in jede bibliophil veranlagte Familie. Gemeinsames Kinder- und Erwachsenenstaunen ist garantiert. Und wer an den Thesen von Torben Kuhlmann zweifelt, der soll doch bitte Sachbücher oder Wikipedia lesen. Ich hätte im Mittelalter bestimmt an seiner Seite gebrannt, weil ich ihm auf die Maus gegangen bin… öhm… auf den Leim…!

Torben Kuhlmann und seine Bilderbuchwelten

Ach ja. Wer nicht an Mäuse glaubt, der kann ja zu den Maulwürfen ziehen 😉