Das Theater von nebenan von Sonja Danowski [Bilderbuch]

Das Theater von nebenan von Sonja Danowski - Astrolibrium

Das Theater von nebenan von Sonja Danowski

Es gibt Illustratoren/-innen, die man schon auf ersten den Pinselstrich erkennt. In der kleinen literarischen Sternwarte genießen Bilderbücher einen hohen Stellenwert. Im Kontext meiner Schwerpunktthemen wähle ich gerne solche Bilderbücher aus, die nicht nur unterhaltsam, sondern zugleich lehrreich sind. Ich suche nach Botschaften und der Moral in der Geschichte. Dabei ist mir eine Bildgestalterin besonders aufgefallen. Ihren Stil erkennt man wieder. Ihre Art und Weise, optische Akzente zu setzen hebt sich sehr deutlich von üblichen Kinderbuchzeichnungen ab. Als ich einen ersten zaghaften Blick auf „Das Theater von nebenan“ warf, war mir wieder alles klar. Ich erkannte ihr Werk.

Sonja Danowski. Ich lag richtig. Unverkennbar ist ihre Kunst, unverkennbar ist die Art und Weise, wie sie ihren Illustrationen Leben einhaucht. Die gezeichneten Menschen in diesem Bilderbuch haben eigene Charaktere, wirken nah, sympathisch, verletzlich und zutiefst real. Ich hatte dieses Gefühl schon im Bilderbuch „Oma trinkt im Himmel Tee“ von Fang Suzhen und eben Sonja Danowski, erschienen im NordSüd Verlag. Ging es hier noch um den Tod eines geliebten Menschen aus der Sichtweise eines Kleinkindes, so entführte uns wenig später „Der Anfang“, erschienen im Bohem Verlag erneut in ein Szenario, in dem Kinder Trost und eine große Portion Hoffnung benötigen. In eine Zeit nach dem Krieg.

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Das Theater von nebenan von Sonja Danowski

„Der Anfang“ beginnt mit dem Ende. Die Geschichte beginnt genau dort, wo wir alle zeitlos und unabhängig von allen Rahmenbedingungen des Lebens bei Null anfangen müssen. In einer Zeit, die in allen Regionen dieser Welt für alle Menschen identisch ist. In einer Zeit nach der Zerstörung, nach dem Desaster. Einer Zeit, in der es kein Hoffen gibt. Einer Zeit, in der es schwer ist daran zu glauben, dass nach dem Ende der Gewalt je wieder etwas Neues entstehen kann, das nach Leben schmeckt. Es ist die Tristesse der Nachkriegszeit, die „Der Anfang“ beschreibt, erzählt und fühlbar macht.

Der Anfang beginnt mit dem Ende und doch gelingt es Paula Carballeira und Sonja Danowski im Zusammenspiel von Text und Bild eine Atmosphäre zu erzeugen, die uns davon überzeugt, dass die Hoffnung dieser Welt in den Kindern verborgen liegt. Ich bin ihr in beide Bücher gefolgt und betrachte sie als äußerst relevant, wenn man versucht, junge Menschen auf den richtigen Weg zu begleiten. Doch nun ist vieles anders. Es ist nicht mehr „nur“ die Illustratorin Sonja Danowski, die auf dem fröhlich bunten Cover des neuen Bilderbuches aus dem Bohem Verlag aufgeführt wird. Sie ist nicht mehr „nur“ die optische Komponente eines Werks, sie ist auch die Erzählerin. Wort und Bild aus einer Hand. Ich war gespannt, ob ich auch die Erzählerin der Geschichte mögen würde.

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Das Theater von nebenan von Sonja Danowski

Sie wirkt befreit, ihr Bilderbuch wirkt befreit, losgelöst und auf einem neuen Level angelangt. Es ist nicht mehr die Schwere einer staatstragenden Botschaft, die hier ihre Feder lenkt. Sie widmet sich einem Thema, das völlig frei ist von den Problemen, deren Ursachen für Kinder schwer zu verstehen sind. Sie spielt mit unserem Alltag, sie erzählt das Banale und hebt es über den Status des Unwichtigen heraus. Wenn wir Kinder mit Themen wie Verlust und Krieg, Ausgrenzung und Mobbing, Rollendenken und Gender-Orientierung konfrontieren, treten vielleicht Themen in den Hintergrund, die ihnen mehr am Herzen liegen, als alles anders. Sonja Danoswki lässt die Kinder wieder spielen. Ein in sich ruhendes Bilderbuch für beschwingte Tage und gemeinsame Stunden spielt sich in die Herzen spielender Kinder.

Man kann ihr leicht folgen. Man kann der Geschichte leicht folgen. Sie stellt in den Mittelpunkt, was oft ignoriert wird. Sie widmet sich dem Gemeinsamen, dem Spielen im Großen. Im Verbindenden unterschiedlicher Spielzeugwelten und den Kompromissen, die Kinder täglich eingehen, um in der Schnittmenge der Unterschiede neue Welten zu entdecken, liegt nun der Zauber einer Geschichte. Der Zauber eines Theaters, das für seine kleinen und großen Betrachter und Leser die Pforten öffnet. Eine Geschichte, die nicht überfrachtet ist. Sie stellt einzig das kleine Problem in den Mittelpunkt, wie Jungs und Mädchen ihre Spielwelten miteinander verbinden können. Kein Drama, keine tiefen Zerwürfnisse, keine großen Verwerfungen. Einfach die Idee, wie aus dem Theater von nebenan eine Manege des gemeinsamen Spielens werden kann. Technikspielzeug in Verbindung mit Spielzeugpuppen. Verbündet euch. Spielt gemeinsam und genießt mal ein Bilderbuch, das farbenfroh, unterhaltsam und einfach nur schön ist.

Das Theater von nebenan von Sonja Danowski - Astrolibrium

Das Theater von nebenan von Sonja Danowski

Natürlich kann man auch hier mehr reininterpretieren. Dafür ist Raum genug. Sonja Danowski gelingt es auch hier unter der Oberfläche eine kleine Saat keimen zu lassen, die ihre indirekte Wirkung schnell entfaltet. Jungenspielzeug und Mädchenspielzeug als Barriere des gemeinsamen Spielens. Klischees und Rollenmuster. All das finden wir im Herzen dieser Geschichte. Ich mag das nicht zu sehr in den Vordergrund stellen. Einer aufmerksamen Leserschaft fallen diese Botschaften ins Auge, aber sie überlagern das Bild nicht, das sie zeichnet und erzählt. Gerade in Familien mit Jungs und Mädels kann dieses Bilderbuch zu mehr Gemeinsamkeit im Spielen führen. Und das ganz ohne den erhobenen Zeigefinger, den man gerade überall in der Welt der Erziehung findet.

Vorhang auf für das Theater von nebenan. Ein Bilderbuch frei von Ballast. Dafür aber ein Bilderbuch mit hohem Spiel- und Wiedererkennungswert. Ich werde es in „meinem“ Kinderheim St. Alban beheimaten. Da gehört es hin. Genau hier sind Impulse für gemeinsames Spielen so wichtig. Manege frei…Die Bühne gehört euch…

Das Theater von nebenan von Sonja Danowski - Astrolibrium

Das Theater von nebenan von Sonja Danowski

Bilderbuchwelten bei AstroLibrium

„Everest“ von Sangma Francis und Lisk Feng

Everest - Das Bilderbuch - AstroLibrium

Everest – Das Bilderbuch

Bilderbücher erzählen große und kleine Geschichten, indem sie das geschriebene Wort durch das Medium der kindgerechten Illustration ergänzen und vertiefen. Sie sind Impulse für die kindliche Fantasie. Dabei vereinfachen die Autoren und Gestalter dieser Bilderbuch-Welten ihre Botschaften so sehr, dass sie im gemeinsamen Betrachten und Lesen ihre Magie entfalten können, da ihre Werke leicht verständlich sind. Auf diese Art und Weise erschließen sich dann den jüngsten Lesern selbst komplexere Sachverhalte. Bilderbücher sind mehr als nur Ablenkung und reine Unterhaltung. Sie sind der Einstieg in die große Welt der Bücherliebe und bestimmen oftmals den weiteren Leseweg eines Menschen. Manchmal vermitteln sie sogar mehr Wissen, als man ihnen auf den ersten Blick zutraut.

Shackletons Reise von William Grill - astrolibrium

Shackletons Reise von William Grill

Ein Musterbeispiel für ein Bilderbuch, das sich zum kindlichen Standardwerk der großen Polarexpeditionen erhebt, ist „Shackletons Reise“ von William Grill.

Dem Autor gelingt mit diesem Buch ein großer Wurf im Bilderbuchland. Er erzählt nicht nur eine wahre Geschichte, er weckt die Abenteuerlust und öffnet uns die Augen für drohende Gefahren. William Grill begeistert mit einer kindlich abstrakten Detailtreue seiner Illustrationen, die den jungen Betrachtern Raum gibt, sich in sie hineinzudenken und selbst Teil der Besatzung zu werden. Planänderungen werden erklärt, Krankheiten und Fachbegriffe in einem Glossar erläutert und selbst das Überleben im Inneren eines umgedrehten Rettungsbootes wird anschaulich erklärt. Diese erzählenden Bilderbücher sind Initialzündungen für den kindlichen Geist. Sie fördern das Denken und bewegen in ihrer spielerischen Komplexität mehr, als man sich vorstellen kann.

Everest - Das Bilderbuch - AstroLibrium

Everest – Das Bilderbuch

Ich habe lange nach einem neuen Bilderbuch gesucht, das diesem hohen Anspruch gerecht werden könnte. Ich lese gemeinsam mit Kindern, ich bin dankbar, wenn sie aus sich heraus und inspiriert durch solche Bücher eigene Transferleistungen erbringen, die ihrem Alter vielleicht noch gar nicht entsprechen. Ich bin fündig geworden. Erneut beim NordSüd Verlag und erneut in einem großformatigen Bilderbuch, das in seinem Design sehr an William Grill erinnert. Und noch dazu bin ich fündig geworden in einem Thema, das mich seit Jahren intensiv beschäftigt. Es ist der Mount Everest. Das Dach der Welt. Es ist die Faszination, die vom höchsten Berg der Erde ausgeht, es sind Gefahren und Risiken, die ihn so geheimnisvoll machen und nicht zuletzt ist es die Frage, wie weit der Mensch gehen darf, um die Natur zu bezwingen.

Everest“ von Sangma Francis und Lisk Feng ist meine Bilderbuchentdeckung des Jahres, wenn es darum geht, neben der reinen Unterhaltung existenzielles Basiswissen zu vermitteln. Lehrreich, spielerisch, komplex, ökologisch, historisch, unterhaltsam und facettenreich kommt dieses Bilderbuch daher. Ein kolossaler Berg in buntem Gewand. Und das in einem Jahr, in dem sich die Erstbesteigung des Chomolungma, der Mutter des Universums, zum 66 Mal jährt. Dieses Bilderbuch wird dem Mythos „Everest“ mehr als gerecht. Man darf den Berg im Himalaya als Naturwunder bestaunen, man darf die Bergsteiger und ihre Helfer bewundern. Man darf sogar davon träumen, sich selbst der Herausforderung eines Gipfelsturms zu stellen. Träumen darf man. Das Bilderbuch ruft jedoch eher dazu auf, woanders nach Zielen zu suchen, die der Natur nicht schaden. In jeder Sehnsucht gibt es einen unbestiegenen Berg. Jedes Kind hat seinen Everest. Der Everest im Buch ist so heilig, wie die Natur, die ihn ausmacht. Und so sollte er bleiben.

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Everest – Das Bilderbuch

Für die Autorin Sangma Francis ist der „Everest“ mehr als ein Berg. Sie reduziert ihn nicht nur auf das alpine Element oder die Herausforderung an Extremsportler. Hier erweitert das Buch den Horizont und beschreibt eine Region, ihre Menschen, die Flora und Fauna am Fuß des Mount Everest und die religiösen und mythologischen Faktoren, die das Massiv so wichtig für die Menschen machen. Legenden bis hin zum Yeti finden ihren Platz in diesem Bilderbuch. Aber natürlich ist es auch der Mensch, der nicht aus Nepal stammt, der Mensch, den die Höhe des Gebirges magisch anzieht, der Mensch, der Unmenschliches leistet, um ihn zu bezwingen. Doch wozu? Was bringt es, diesem Mythos die Faszination zu rauben, indem man ihn einem Massentourismus zugänglich macht? Sangma Frances findet die richtigen Themen rund um den Everest. Sie findet die richtigen Worte, um jüngsten Lesern ans Herz zu legen, was ihr am Herzen liegt. 

Und sie fand mit Lisk Feng die richtige Illustratorin, die alle Facetten des Everest in ganz eigenen, abstrakt vereinfachten, und doch brillanten Zeichnungen mit Leben füllt. Wort und Bild gehen hier Hand in Hand und bilden eine magische Seilschaft, die bis in die höchsten Höhen aufzusteigen vermag. Vom Fuß des Gebirges bis zu seinem Gipfel in 8848 Metern Höhe. Doch wenn man plötzlich Lust bekommt dieses Abenteuer selbst zu wagen, dann blenden Autorin und Illustratorin im kongenialen Zusammenspiel Bilder ein, die nachdenklich machen und abschrecken. Müll auf dem Everest. Menschen über Menschen, vereint zu endlosen Kolonnen, die in den idealen Zeitfenstern versuchen, in Reichweite des Gipfels zu gelangen. Rushhour am Berg. Selten so veranschaulicht und selten so abschreckend beschrieben. Die Botschaft ist klar: Lasst ihn in Ruhe! Gebt ihm seinen Frieden. Ihr zerstört den heiligen Berg.

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Everest – Das Bilderbuch

In vielfacher Hinsicht ein grandioses und lehrreiches Buch. Es schmälert nicht den menschlichen Erfindungsreichtum, die Leistungen der Bergsteiger, die ihn als Pioniere bezwangen, die traurigen Schicksale der Verschollenen und Gescheiterten. Es hebt in besonderer Weise die Fähigkeiten der Sherpas hervor, ohne die Expeditionen niemals möglich gewesen wären und waren. Das Buch versetzt seine kindlichen Betrachter mit Detailreichtum in die Lage, sich genau vorstellen zu können, was man benötigt, um es bis zum Gipfel zu schaffen. Eine Liste der Ausrüstungsgegenstände findet sich ebenso im Buch, wie wichtige Hinweise über Sauerstoff und die Fähigkeiten, über die man als Bergsteiger verfügen sollte, um sein Ziel zu erreichen.

Darüber hinaus wird unser Augenmerk jedoch deutlich auf den Klimawandel und das ökologische Gleichgewicht in dieser Region gelenkt. Selbst für Erwachsene ist dieses Buch eine illustrierte Goldgrube, der es gelingt, auf 80 Seiten in die Tiefe seines verborgenen Schatzes vorzudringen. Und natürlich finden wir in der Ahnengalerie jener erfolgreichen Bezwinger des Everest auch Reinhold Messner, womit das Buch seinen Bogen in mein bisheriges Lesen spannt. Der „Absturz des Himmels“ beschäftigt sich zwar mit dem Matterhorn, ist jedoch für mich ein brillantes Werk des großen Meisters, das die Faszination der höchsten Berge nachvollziehbar macht.

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Everest – Das Bilderbuch

Die Todeszone kostet auch in diesem Buch ihre Opfer. Von Mallory und Irvine wird ebenso berichtet, wie von vielen weiteren gescheiterten Expeditionen. Ich habe mich in meinem Lesen bereits einer der größten Tragödien am Mount Everest angenähert und da ich ja kein Bergsteiger bin, habe ich mir Rat bei einer hochalpinen Kletterin gesucht. Gemeinsam haben wir die Bücher verglichen, die sich mit der Katastrophe vom 10. Mai 1996 beschäftigen, bei der alleine acht Bergsteiger ihr Leben verloren. Buchsicht und Bergsicht. So haben wir diesen Vergleich genannt. Jon KrakauersIn eisige Höhen“ steht im Mittelpunkt dieser Betrachtung. Die Seilschaft der Bücher setzt sich aus jenen Berichten zusammen, die Überlebende dieses schwarzen Tages verfasst haben. Hier gelangen Sie zum Special: Gipfelsturm – Tod in eisigen Höhen – Eine Reportage.

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Everest – Eine besondere Reportage

„Everest“ von Sangma Francis und Lisk Feng erhält einen Ehrenplatz in meinem „Everest-Bücherregal“. Ökologischer, multikultureller und inhaltlich facettenreicher ist mir bisher kein Bilderbuch über den Weg gelaufen. Großes Bilderbuch-Kino…

(Everest – Francis / Feng / NordSüd Verlag / 80 Seiten / Übersetzer: Harald Stadler / 20 Euro)

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Und schon geht es mit der Schlagintweit-Expedition zurück zum Himalaya.

Die Dschungelbücher. Wahre Kunstwerke von Gabriel Pacheco

Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco - Astrolibrium

Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco

Das Dschungelbuch war nie das Dschungelbuch. Spätestens seit meinem Artikel zu „Das Dschungelbuch“ in der interaktiven MinaLima-Prachtausgabe vom Coppenrath Verlag muss klargeworden sein, dass Rudyard Kipling niemals nur über Mowgli, Balou und Shir Khan schrieb, als er seine Dschungelbücher verfasste. Die Reduzierung auf eine einzige Kerngeschichte haben wir nicht zuletzt Walt Disney zu verdanken, der aus einer komplexen Sammlung von Erzählungen aus dem Jahr 1894 einen wundervollen, doch ziemlich vereinfachten Zeichentrickfilm gemacht hat. Seine Wirkung hält bis heute an und so manch bibliophil veranlagter Leser reibt sich verwundert die Augen, wenn er von der weißen Robbe Kotick als Teil des Dschungelbuchs hört.

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Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco

So sind im Lauf der Zeit einige der Tier-Protagonisten aus dem Dschungelbuch verschwunden, die für Rudyard Kipling die Komplexität der Welt ausmachten, die man in seinem Werk entdecken sollte. Darüber hinaus haben sich auch Bilder festgesetzt, in denen wir heute das wahre Dschungelbuch sehen. Interpretationsspielraum: Null. Es ist der Mowgli aus der Feder von Walt Disney, der zum optischen Synonym der Erzählung wurde. Es sind der tanzende Balou und die hypnotisierende Schlange Kaa, die für uns und unsere Kinder das Dschungelbuch ausmachen. In der MinaLima-Ausgabe fand ich den gesamten Kosmos, für den Kipling mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet und gefeiert wurde. Und doch waren auch hier die Illustrationen eher verspielt und niedlich. Nichts davon hat Kipling so geschrieben. Das pure Abenteuer lag seinen Erzählungen zugrunde. Wildheit, Gefahr und eine Welt jenseits unserer Vorstellungskraft haben aus seiner Sicht die Faszination Dschungel zu einem Erzählraum verdichtet, der einfach zu unheimlich und fremdartig ist, um ihn zu verniedlichen. Nun gibt es einen neuen Pfad in den Dschungel Kiplings…

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Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco

Die Dschungelbücher – Meisterhafte Illustrationen von Gabriel Pacheco

Einen neuen Zugang zu den Dschungelbüchern bietet die Interpretation aus der Feder des mexikanischen Szenografikers Gabriel Pacheco. Es ist hier nicht nur das Format, das jeden Buchliebhaber fasziniert. Es ist das gesamte Konzept dieses Buches aus dem Schweizer Bohem Verlag. Es wirkt, wie eine gebundene Vernissage, die den ursprünglichen Dschungel Kiplings mit neuem Leben füllt. Ein Buch, das Raum benötigt und ihn ausfüllt. Im Querformat erreicht es stolze 29 x 41 Zentimeter und hebt sich sehr deutlich von allem ab, was wir gewöhnlich als Bilderbuch bezeichnen. Es beinhaltet 17 Illustrationen, die im eigentlichen Sinne Kunstdrucke von Gemälden des mexikanischen Grafikers sind. Und diese Großformatbilder kann man heraustrennen und fein gerahmt an die Wand hängen, wenn man den Mut aufbringt dieses Buchkunstwerk zu zerstören. Ich könnte das nicht. Zu einzigartig ist die Kollektion an Bildern, die hier vereint wurden.

Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco - Astrolibrium

Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco

Noch dazu, weil auf ihrer Rückseite wichtige Zitate aus den Dschungelbüchern in deutscher und englischer Sprache das jeweilige Bild in den Kontext der Erzählungen stellt. Ein optischer Hochgenuss, der eine eigene Ausstellung verdient hätte. Sicherlich kein Buch, das man einfach so ins Bücherregal stellt. Passt auch gar nicht rein. Glaubt mir. Aber ein Buchkunstwerk, das an Einzigartigkeit nicht zu übertreffen ist. Jedes Bild ein kleines Wunder. Jedes Betrachten mutiert sehr schnell zum Staunen und alle noch so kleinen Details lassen uns lange vor jedem einzelnen Bild verharren. Erstaunlich ist dabei für mich, wie gut es Pacheco gelingt, die Tiere des Dschungels mit der Natur so sehr zu verschmelzen, dass man einen grandiosen Eindruck von der Farbenvielfalt der Welt jenseits unserer Zivilisation bekommt.

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Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco

Und dann leuchtet uns das Fell des Panthers an, wie ein grandioses Farbenspiel, das der Vielfalt des Dschungels die Krone aufsetzt. Herdentiere werden zu grauen und unscheinbaren Wesen, die auf den zweiten Blick Kontur und Würde erhalten. Wer den Originaltext der Dschungelbücher neben diese fantastische Vernissage legt und so beide Welten genießt, die des Wortes und die des Bildes, der wird einen eigenen Pfad durch den Dschungel finden, der sich von den ausgelatschten Pfaden so unterscheidet, als hätte man noch nie zuvor von Rudyard Kipling gehört. Dieses Buch ist das perfekte Geschenk für Lesende und Kunstliebhaber zugleich. Ein Geschenk für Bibliophile und Büchersammler. Aber eben auch ein Kunstwerk, in dem man sich mit Kindern verlieren kann. Ich erinnere mich noch heute sehr intensiv an die ersten Bilderbuchbilder, die mir mein Opa mit ins Leben gab. Wer Gabriel Pacheco einmal betrachtet hat, wird sich ihm nicht mehr entziehen können. Und wer zuvor die Dschungelbücher noch nicht in Gänze gelesen hat, der wird nun den Wunsch verspüren, Elefanten, Robben, Mungos und ein paar Herdentiere ins Bild laufen zu lassen. Grandios…

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Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco

Die Ziege auf dem Mond – Stefan Beuse und Sophie Greve

Die Ziege auf dem Mond von Stefan Beuse und Sophie Greve - Astrolibrium

Die Ziege auf dem Mond von Stefan Beuse und Sophie Greve

Was haben wir in unserem Lesen nicht schon alles erlebt, wenn es darum ging den kleinsten und jüngsten Lesern die großen Lebensweisheiten mit auf den Weg zu geben und ihnen spielerisch mit leicht erhobenem Zeigefinger die Richtung zu weisen? Es gab Märchen und Bilderbücher, Fabelwesen und schlaue Parabeln. Kindgerecht verpackt in buntesten Gewändern und immer mit einer Moral, auf die man später verweisen konnte, wenn wieder alles schiefgelaufen war. Kinderbücher sind und waren schon immer gute Erziehungshelfer. Neutrale Instanzen und ab und an sogar geeignet, mit ein wenig fein dosierter Angst zu besserem Verhalten anzuleiten.

Und jetzt schwingt sich allen Ernstes eine Ziege auf dem Mond auf, uns und den kritischen Nachwuchslesern Botschaften von Glück und Zufriedenheit näherzubringen? Ihnen die Angst zu nehmen, Neugier zu fördern und dabei mit einer Lebenshaltung auf Alltagssorgen und Kinderzweifel zu reagieren, die ihresgleichen sucht? Das kann doch nicht Euer Ernst sein. Eine Ziege. Bitte. Wir hatten Füchse, Bären, Hasen und ein paar Rehe. Allesamt niedlich, schlau und ansatzweise klug genug, um ihnen ihre Geschichte abzunehmen. Fabeln eben. Aber eine Ziege lockt doch niemanden hinter dem Ofen vor, der sich für flotte Lebensweisheiten in frischem Gewand interessiert. Tiger. Ja. Aber im Leben doch keine Ziege. Meckermeckermecker…

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Die Ziege auf dem Mond von Stefan Beuse und Sophie Greve

Was mögen sich Autor Stefan Beuse und Illustratorin Sophie Greve bloß gedacht haben, als sie ausgerechnet eine „Ziege auf dem Mond“ ansiedelten, um die Welt ein bisschen bunter zu machen und Kinderherzen höherschlagen zu lassen? War ihnen nicht klar, auf welch gefährliches Terrain sie sich, angesichts prominentester Bewohner vergleichbarer Erdtrabanten, begeben? Hatte nicht „Der kleine Prinz“ schon vor langer Zeit alles abgegrast, was man an Lebensweisheiten auf einem Asteroiden so auftreiben konnte? Und kann eine Ziege besser geeignet sein als ein Fuchs und eine sprechende Rose? No chance…

Was haben sie sich nur dabei gedacht? Kinder leben in ihrer eigenen Welt, haben Idole, von denen wir keinen Schimmer haben und eifern Fantasiegebilden und Träumen nach, die wir längst aus den Augen verloren haben. Kann es hier eine lustige Ziege mit den künstlichen Helden unserer Zeit aufnehmen? Wohl kaum. Das dachte ich jedenfalls als ich „Die Ziege auf dem Mond“ las. Und genau in diesem Moment wurde mir schon klar, wo die Ziege (pardon, der Hase) im Pfeffer liegt. Wir denken zu viel. Wir halten die Zeigefinger schon hoch, bevor wir eine Hilfestellung anbieten. Wir leben in unserer Welt ohne große Schnittmenge zur Fantasie der Kinder. Unsere Moral hat eigene Wege und Wertesysteme gefunden. Kompatibilität zur Welt der Kinder? Fraglich…

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Die Ziege auf dem Mond von Stefan Beuse und Sophie Greve

Hier kommt nun eine Ziege daher, die wir eigentlich für recht einfältig halten. Salz reicht eigentlich aus, das Leben von Ziegen zu einem guten Leben zu machen. Dies ist in jedem Streichelzoo augenscheinlich der Fall. Aber, wenn schon unsere Kinder in ihre eigene Welt verschwinden, wenn sie träumen, warum dann nicht die Ziege akzeptieren, die auf ihrem eigenen Mond lebt? Warum nicht? Also: Bedenken über Bord, Schleusen auf und Fantasiemodus: AN. Macht es Euch gemütlich, sorgt für gutes Leselicht und ein wenig leise Hintergrundmusik, und lasst Euch von Stefan Beuse und Sophie Greve in Wort und Bild vom Leben im Augenblick erzählen. Vielleicht solltet Ihr eine Uhr suchen, sie auf Viertel nach neun stellen und die Batterie wegwerfen. Das hilft echt weiter.

Dann seid Ihr in der gleichen Zeitzone angelangt, in der Die Ziege auf dem Mond lebt. Es ist Viertel nach neun. Immer. Punkt. Basta. Es ist das Leben im Hier und Jetzt. Das Leben im Augenblick und ein Leben in der Erinnerung an die gute alte Mutter Erde, von der in unregelmäßigen Abständen die sinnlosesten Dinge auf dem Mond landen. In einen großen Krater mit allem, was die Ziege nicht brauchen kann. Punkt. Basta. Fertig ist die Ziegosphäre Mond. Ein fast schwereloses Biotop für bunte Gedankenwelten und angstfreie Schwebezustände. Fehlt nur das passende Ziegen-Shirt zum Tag und schon kann es losgehen. Also das Leben auf dem Mond. Neil Armstrong hätte seine Freude gehabt.

Die Ziege auf dem Mond von Stefan Beuse und Sophie Greve - Astrolibrium

Die Ziege auf dem Mond von Stefan Beuse und Sophie Greve

Wer sich auf diese Ziege auf dem Mond einlässt, wird nicht enttäuscht. Die Magie dieses Buches entwickelt sich langsam aber gewaltig. Aus scheinbar losen Fäden wird ein Netz, das geeignet ist auch den größten Alltagssturz im wahren Leben aufzufangen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wer zögert, verpasst das Leben. Wer alles verstehen möchte, versteht nichts. Wer nicht bereit ist, die Macht seiner Fantasie zu nutzen, wird im wahren Leben nichts bewegen. Und nicht zuletzt, wenn Du denkst eine Ziege sei nur eine Ziege, dann bitte schön. Wundere Dich nicht, wenn andere denken, auch ein Kind sei nichts anderes als ein Kind. Stefan Beuse und Sophie Greve haben in literarischer und illustratorischer Hinsicht ein kleines Wunder bewirkt. Man mag diese Ziege wirklich unterschätzen. Ihre Magie zu erkennen, öffnet die Tür zu einer Welt voller Antworten.

Angst verschwindet,
wenn man sich überwindet.
Und zwar jetzt. Sofort.
Um Viertel nach neun.

Die Ziege auf dem Mond von Stefan Beuse und Sophie Greve - Astrolibrium

Die Ziege auf dem Mond von Stefan Beuse und Sophie Greve

Ein Wort zu Stefan Beuse sei mir erlaubt. Die handschriftliche Einladung zum Lesen um Viertel nach neun habe ich gerne angenommen. Unsere Begegnung in Frankfurt hat alte Erinnerungen wachgerufen. Er ist schuld. Punkt. Basta. Also daran, dass ich heute als Blogger mein literarisches Unwesen treibe. Und das kam so. Ich rezensierte im Jahr 2009 seinen Roman „Alles was du siehst“ bei Lovelybooks. Diese Rezension gewann sowohl den Community-Preis, als auch den sogenannten Leser-Kompass. Neben der Einladung zur Corine-Buchpreisverleihung waren eine ganzseitige Anzeige in der „Zeit“ und ein wertvolles Buchpaket als Hauptpreis ausgelobt.

Die Folgen. Drastisch. Einladungen zu Veranstaltungen mit Verlagen zum Thema „Social Reading“ usw. Visitenkarten und Kontaktaufnahmen durch Verlage und Autoren. Die Entscheidung, nicht mehr nur auf Lovelybooks zu rezensieren, sondern zu bloggen. Buchmessen. Literatur Radio. Und das alles. Den ersten Stein brachte damals Stefan Beuse ins Rollen. Mit einem Buch. So einfach ist das. Er ist schuld. Punkt. Danke.

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Stefan Beuse ist schuld – Eindeutig…

„Die Wahrheit über Monster“ von Tim Dowling

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling - AstroLibrium

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Man kann es ja mit den Ängsten unserer Kleinsten halten, wie man will. Man kann sie ignorieren, herunterspielen, sich darüber lustig machen, oder sie ernstnehmen. Sie wirken sich jedoch nicht nur belastend auf Kinder aus, sondern verkomplizieren unsere Vorstellung vom ganz normalen Alltag. Eltern können mehrere Lieder davon singen. Es sind schlaflose Nächte an der Seite des verängstigten Nachwuchses, es sind Nächte in denen das eigene Bett von bibbernden kleinen Wesen erobert wird und Abende, die es in sich haben, weil es nicht gelingt, den eigenen Kindern glaubhaft die Ängste davor zu nehmen, das Kinderzimmer sei voller schrecklicher Monster…

So wird das Einschlafen zur Qual. Es gibt nun viele Möglichkeiten, sich mit der Angst auseinanderzusetzen. Sie einfach zu ignorieren hilft nicht weiter. Also greift man zu den bewährten Hausmitteln, beschwichtigt, verharmlost und als letzte Eskalationsstufe geht man dazu über, den Kleinen Lügen aufzutischen. Richtig gelesen. Lügen. Das reicht im Allgemeinen, um sie zu beruhigen. „Es gibt keine Monster. Du kannst ganz beruhigt im Dunklen schlafen. Nachts ist noch nie was passiert. Das sind ganz normale Geräusche. Keine Angst.“ Kennen wir alles, weil wir es in unserer Kindheit selbst gehört haben. Und jetzt schmunzeln wir über die Ausflüchte unserer Eltern und retten uns in vergleichbare Verhaltensmuster.

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling - AstroLibrium

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Monsterpulver wird gekauft. Das Kinderzimmer wird mit magischen Abwehrritualen in Nullkommanichts zur monsterfreien Zone erklärt und das abendliche Einschlafritual wird zur Nervenprobe für alle Beteiligten. Dabei gibt es weitere Möglichkeiten, sich mit Angst auseinanderzusetzen. Bücher. Gemeinsames Lesen, pädagogisch wertvolle Tipps und Denkimpulse, die gerade in Bilderbüchern besser funktionieren, als in der Realität. Hier finden wir unterschiedliche Wege, die dem Nachwuchs Auswege aus ausweglosen und beängstigenden Situationen aufzeigen. Man muss nur den richtigen Weg wählen. Zwei denkbar gute Alternativen möchte ich vorstellen. Zwei Varianten der Angstbewältigung, die aus meiner Sicht gute Chancen auf Erfolg haben.

MONSTA“, geschrieben von Dita Zipfel und illustriert von Mateo Dineen, ist vom Tulipan Verlag als rezeptfreie Therapie für Monsterängste aller Art in Umlauf gebracht worden. Ich habe dieses Bilderbuch bereits vorgestellt. Es basiert auf dem Ansatz, den Kindern gegenüber zuzugeben, dass es durchaus Monster gibt. Nur eben nicht hier bei ihnen. Dazu liegt dem Buch gar ein handschriftliches Kündigungsschreiben von Monsta bei, mit dem sich leicht nachweisen lässt, dass die Luft endgültig rein ist. Ich mag diese Idee. Ich mag die Vorstellung vom gelangweilten Monster, das frustriert abhaut und sich auf die Suche nach ängstlicheren Kindern macht. Ob diese Methode jedoch immer hilft, muss der Praxistest erweisen.

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Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Ein anderer Denkansatz stammt aus der Feder von Tim Dowling, der Kindern Die Wahrheit über Monster erzählt. Auch hier haben wir es mit einem Bilderbuch zu tun, in dem Text und Illustrationen Hand in Hand gehen, um das Leben der kleinsten Leser zu erleichtern. Beiden Werken ist der philosophische Ansatz gemeinsam, die Existenz solcher Monster nicht einfach zu leugnen. Kinder werden ernst genommen, ihre Ängste werden nicht heruntergespielt, man zeigt eben nur auf, wie man jene Monster besiegen kann. Entweder, wie bei „Monsta“, indem man einfach zu tapfer und mutig war und das gruselige Wesen sich gelangweilt vom Acker gemacht hat, oder, und das ist der Ansatz von Tim Dowling, indem man den Kindern zeigt, wie Monster wirklich gestrickt sind.

Hier kommt die kleine Luna ins Spiel. Tja, und wie es so ist im richtigen Leben, ist es das kleine Mädchen, das eigentlich das wahre Monster im Haus ist. Sie ist ungezogen, frech und hat es faustdick hinter den Ohren. Und sie hat eines ganz sicher nicht: Angst vor Monstern. Sie freut sich sogar, wenn sie den Unwesen begegnet. Aber wie groß ist ihre Enttäuschung, als sie feststellen muss, wie wohlerzogen, brav und ängstlich diese Gesellen doch in Wirklichkeit sind. Dagegen ist jedes kleine Kind ein Schreckgespenst. Hier hält der Autor unseren Kindern auf sehr sympathische Art und Weise den Spiegel vors Gesicht und stellt ganz offen die Frage, wer denn eigentlich schlimmer ist. Unsere lieben Kleinen oder die größten Fantasiemonster, die man sich nur vorstellen kann.

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling - AstroLibrium

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Ein greifbarer Ansatz, wissen wir doch selbst, wozu unsere Kleinen fähig sind. Es macht Spaß, „Die Wahrheit über Monster“ zu erfahren und die Lehren dieses Buches ins eigene Leben zu übertragen. Der Ansatz ist pädagogisch wertvoll, weil wir uns nicht über die Ängste lustig machen, sondern viel eher darüber nachdenken, wie schlimm ein Monster wirklich sein kann. Und während bei „Monsta“ das gefrustete Schreckgespenst das Haus verlässt, ziehen kleine und große Monster bei Luna im Zimmer ein. Sie finden ein neues Zuhause. Sie sind brav und jagen niemandem einen Schrecken ein. Sie sind alles andere als frech. Jetzt haben sie ihre kleine Lehrmeisterin vor Augen. Luna kann ihnen sicher einiges beibringen.

Die Zeiten des Monsterpulvers sind vorbei. Zwei, im Ergebnis sehr unterschiedliche Bücher können für ruhige Nächte in vielen Kinderzimmern sorgen. „Monsta“ macht die Bude monsterfrei und „Die Wahrheit über Monster“ (Bohem Verlag) sorgt dagegen für einen Zuwachs an freundlichen und harmlosen Monstern unter dem Bett. Beide Bücher nehmen die Angst, anstatt sie zu leugnen. Beide Bilderbücher nehmen die Ängste ernst und spielen sie nicht herunter. Es ist der Umgang mit der eigenen Angst, den wir hier in spielerischer Art und Weise lernen und vermitteln können. Wer also wieder einmal eine ruhige Nacht ohne verängstigte Kinder erleben möchte, der sollte zu einem Bilderbuch greifen. Erstens ist der gemeinsame Spaß vorprogrammiert und zweitens gibt es nichts Schöneres als ein befreites Kinderlächeln beim Einschlafen…

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling - AstroLibrium

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Man kann den Versuch ja schon zum Weihnachtsfest wagen. Eines dieser beiden Bilderbücher würde sich gut auf dem Gabentisch machen. Beide zusammen sollte man jedoch nicht verschenken. Sie widersprechen sich doch zu sehr in der Lehrmeinung. So ist es ja immer in der Monster-Wissenschaft. Frohes Fest. Mit oder ohne Monster.

Bilderbuchwelten in der kleinen literarischen Sternwarte

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