LBM 15 – Zensur Live On Stage – Wenn das Mikro plötzlich aus ist

Leipziger Buchmesse - Eklat bei Podiumsdiskussion

Leipziger Buchmesse – Eklat bei Podiumsdiskussion

Die Vorfreude auf die Leipziger Buchmesse war erneut groß, denn allein im Zusammenhang mit der Bloggerpaten-Aktion, bei der ausgewählte Buchblogger die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse begleiten durften, ergaben sich viele Möglichkeiten über die eigene Sichtweise dieser vielschichtigen Rezensentenwelt zu diskutieren. Mehr als erfreut nahm ich die Einladung von literaturcafé.de zur Teilnahme an einer öffentlichen Podiumsdiskussion auf der Leipziger Buchmesse an.

Die Einladung von Wolfgang Tischer hatte folgenden Wortlaut:

„Das Gespräch mit den Bloggerinnen und Bloggern wird ca. eine halbe Stunde dauern und wird von mir moderiert.

Im Beschreibungstext heißt es: »Buchbloggerinnen und Literaturblogger geben Auskunft, welche Bücher sie besprechen, was Blogs vom Feuilleton unterscheidet und wie sie sich den Umgang mit Verlagen und Autoren wünschen«. Hätten Sie Lust, bei dieser Diskussion mit dabei zu sein?“

Die Zusage war schnell erteilt und das Thema erschien so vielseitig angelegt, dass es sich wirklich lohnen könnte, die Sichtweise der Blogger einmal kritisch in den Raum zu stellen. Ist wirklich alles so schön und bunt, wie es dargestellt wird, ist die Wertschätzung der Verlage ausreichend, oder was erwarten wir uns für die Zukunft. Was halten Blogger von der Bloggerlounge und der gestiegenen Akzeptanz… Sehr spannend.

Leipziger Buchmesse - Eklat bei Podiumsdiskussion

Leipziger Buchmesse – Eklat bei Podiumsdiskussion – Photo: Bianca Raum – Literatwo

Die Diskussion verlief zunächst so wie erwartet und erhofft. Gemeinsam mit meinen Co-Bloggerpaten Jacqueline Böttger, Antonia Ganzer und Constanze Matthes konnte ich auf die Fragen des Moderators Wolfgang Tischer eingehen und aus unserer Sicht über den neuen Stellenwert, die Wertschätzung seitens der Verlage und Autoren, den Messe-Schwerpunkt „Blogger“, die erstmalig eingerichtete Bloggerlounge, die Vor- und Nachteile des neuen Blogger-Forums der Verlagsgruppe Random House und unsere eigenen Blog-Schwerpunkte diskutieren und zu aktuellen Fragen Stellung beziehen.

Spannend wurde es, als die Frage aufkam, wo der Unterschied zwischen Literaturblogs und dem klassischen Feuilleton zu sehen ist. Ein für mich in den letzten Wochen sehr aktuelles Thema, da ich gerade bei gesellschaftspolitisch relevanten Büchern bemerke, wie intensiv wir Blogger in den Fokus geraten, wenn wir unsere Meinung in der medialen Öffentlichkeit vertreten.

Deshalb antwortete ich auf die Frage mit einem Beispiel… 

Michel Houellebecq – Unterwerfung. Diesem Roman wurde unterstellt, er würde die Angst vor dem Islam schüren und seit seiner Veröffentlichung wird er instrumentalisiert. In vielen Diskussionen mit Anhängern der PEGIDA-Bewegung musste ich feststellen, dass ich als Buchblogger derjenige Rezensent an der Leserfront war, der seine Sichtweise und damit auch seinen Artikel zum Buch live und unmittelbar verteidigen musste, während der traditionelle Feuilletonist nach der Veröffentlichung seines Zeitungsartikels (mit dem gleichen Tenor) eher im Hintergrund verschwindet und mit Lesermeinungen nicht weiter konfrontiert wird. Ein wichtiger Unterschied für mich.

Leipziger Buchmesse - Eklat bei Podiumsdiskussion - AstroLibrium

Leipziger Buchmesse – Eklat bei Podiumsdiskussion

Schon bei der bloßen Erwähnung des Begriffes PEGIDA und dem Hinweis, dass Houellebecq`s „Unterwerfung“ kein anti-islamischer Roman ist und als solcher auch nicht missbraucht werden darf, bemerkte ich abseits der Bühne hektische Bewegungen und Kopfschütteln und plötzlich vernahm ich die Bemerkung „Nein. Nein. Nein. Das kann ich mir nicht mehr anhören“. 

Ich hatte wohl mit dieser Antwort auf die Frage rein inhaltlich der Technikerin am Mischpult auf den Schlips getreten, worauf sie mein Mikrofon ausschaltete und eine weitere Antwort zu dieser mehr als relevanten Frage unterband und der letzte Teil meiner Antwort im Publikum nicht zu hören war. Der völlig überforderte Moderator ließ sich in diesem Moment nicht nur die Kontrolle über die eigene Diskussion, sondern auch den Inhalt aus der Hand nehmen und schritt nicht ein…

Die Reaktionen der im Publikum befindlichen Blogger, die diesen Vorgang sofort auf Facebook verbreiteten, spricht Bände. Hier live nachzuverfolgen… Quelle. Christina Mettge.

Leipziger Buchmesse - Eklat bei Podiumsdiskussion

Leipziger Buchmesse – Eklat bei Podiumsdiskussion – Photo Christina Mettge

Meinungsfreiheit und Pressefreiheit in einer laufenden Diskussion vor Publikum auf der Leipziger Buchmesse derart auszuhebeln ist für mich ein einmaliger und unsäglicher Vorgang. Wenn es Menschen, die an der Diskussion gar nicht beteiligt sind, unwidersprochen gestattet wird, einen eingeladenen Pressevertreter und Blogger für seine freie und demokratische Grundhaltung einem Buch gegenüber abzuwürgen und dagegen nicht eingeschritten wird, dann spreche ich von ZENSUR.

Die Tatsache, dass ich während der Veranstaltung ruhig geblieben bin und nicht mit der Technikerin oder dem Moderator diskutiert habe, ist der ausschließlich der Tatsache geschuldet, dass dies der Podiumsdiskussion und dem interessanten Thema insgesamt geschadet hätte. Darüber hinaus wollte ich der Dame nicht noch mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen.

Ich trete weiter für meine Meinung ein. Ich stehe für ein freies und demokratisches Land ein. Ich stehe mit meinem Namen und meinem Blog dafür ein, dass kein Mensch aufgrund seiner Herkunft oder seiner Religion benachteiligt, oder ausgegrenzt werden darf. Ich trete dafür ein, dass Literatur nicht instrumentalisiert werden darf und ich muss diese Meinung gerade in der heutigen Zeit als Blogger in der Öffentlichkeit verteidigen. Wird der Blogger jetzt zum Teil der auf den Straßen beschimpften „Lügenpresse“ und stumm geschaltet?

Nicht akzeptabel. Gar nicht akzeptabel wenn ich mir vorstelle einem Gesprächspartner von Günter Jauch würde das Mikrofon abgeschaltet, weil seine Meinung nicht der eines Technikers in der Regie entspricht. Der Aufschrei wäre gigantisch. Besonders, wenn diese Meinung für ein freies Land und freie Bücher steht!

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42 Gedanken zu „LBM 15 – Zensur Live On Stage – Wenn das Mikro plötzlich aus ist

  1. Das ist unmöglich und unprofessionell….einfach das Mikro abstellen, nur weil die Diskussion einen persönlich nicht gefällt….das ist kindisch.

    Aber davon lässt du dich nicht unterkriegen, dass weiß ich 🙂

    • Ich lasse es aber auch nicht im Raum stehen… die Leitung einer Diskussion obliegt journalistisch nur dem Moderator. Und meine Antwort entsprach der Frage. Hätte ich Rechtes Gedankengut verbreitet… aber das Eintreten für die freie Grundordnung abzuschalten ist ein Skandal. Punkt.

  2. WOW! ich muss sagen, das macht mich echt sprachlos! bin gespannt, ob es dazu noch andere berichte geben wird aber schon jetzt ist das ein ganz schlimmer eingriff in die öffentliche diskussionsrunde. unreflektiert den ton auszuschalten, mann oh mann, und dann auch noch damit durchkommen… auch in leipzig sollte meinungsfreiheit gelten. meine bewunderung dafür, dass du ruhig geblieben bist!
    nun reizt mich dieses buch noch mehr. ich werde es mir sogleich besorgen und alsbald lesen.
    danke für diesen bericht und all deine anderen zur buchmesse. vielleicht schaffe ich es ja mal, nächstes jahr zu kommen.
    glg monerl

  3. Als ich hörte, worum es in dieser Podiumsdiskusion gehen sollte, war ich sofort begeistert, denn ich bin nur eine Leserin, keine Bloggerin. Für mich war es immer ein großes Rätsel, wie Blogger arbeiten. Wie kommen sie zu ihren Exemplaren, wie reagieren die Verlage auf die Artikel, reagieren sie überhaupt darauf und wie werden Blogger von anderen gesehen. All meine Fragen und Gedanken schienen also beantwortet zu werden.

    Ich muss gestehen, dass ich diese hektischen Bewegungen der Technikerin nicht gesehen habe, weshalb ich anfangs dachte, dass das Mirko wirklich den Geist aufgegeben hat. Ich war am Freitag auf einer Lesung, wo es auch seitens der Autoren Probleme mit dem Mirko gab, sie waren einfach leise eingestellt (die des Moderators und der deutschen Stimme nicht). Also habe ich mir nichts weiter dabei gedacht, als „der Saft abgedreht wurde“. Als das Mirko aber „wie durch ein Wunder“ bei der nächsten Frage plötzlich wieder funktionierte, kam mir der gleiche Gedanke, der sich hier nachträglich bestätigen sollte. Die Frau war einfach so dreist, den Saft abzudrehen. Ist es eigentlich nicht Sache des Moderators, unangenehme Themen zu unterbinden? Ich wusste nicht, dass das jetzt auch schon Techniker tun. Davon abgesehen, war doch in der Diskussionsrunde die Rede davon, dass Blogger ihre Meinungen zu den Büchern schreiben und nichts verschönigen, nur weil es einer breiten Masse gefällt. Es sollen doch auch Kritiken aufkommen, nicht jedem gefällt ein Buch. Die einen sagen „Ein Meisterwerk“ die nächsten „Was ist das denn für ein Mist?“ Darf man jetzt nicht einmal mehr seine Meinung vertreten? Die Zeitungen machen dies doch genauso, nur mit dem Unterschied, dass es ihnen nach Schreiben des Artikels nicht interessiert, wie die Reaktionen darauf sind. Blogger hingegen, sind, wie ihr sagtet, der Masse „ausgeliefert“. Ihr bekommt die Reaktionen und Meinungen zu euren Texten sofort und ihr geht darauf ein. Ihr verteidigt eure Meinung, obwohl ihr das in meinen Augen gar nicht müsstet. Jeder hat seine eigene Meinung und die sollte akzeptiert werden und wenn, dann kann man sachlich darüber sprechen. Aber hier einem mehr oder weniger das Wort abzuschneiden, weil man sich politisch und kritisch äußert, finde ich auch mehr als unmöglich.

    Dennoch fand ich die Diskussion klasse, gerade weil es viele Fragen beantwortet hat und das war ja letzten Endes auch Sinn des Ganzen.

    • Letztlich habe ich das Buch vor der Rechten Szene in Schutz genommen. Damit stehe ich in bester Gesellschaft mit dem gesamten Feuilleton.

      Und die aussage bezog sich klar auf die Frage was uns unterscheidet. Ein Feuilletonist muss diese diskussionen nicht führen.

      Er nimmt das Buch in Schutz gegen Leser von Rechts und zieht sich zurück… der Blogger steht im Feuer.

      Die Diskussion insgesamt war, wie du sagts sehr gut und hatauch viel gebracht…

      Aber wenn hier einer eingreift. dann der Moderator…

  4. Reizthemen und der Umgang damit… Oder sind es nur Reizworte? Ich beobachte das immer wieder, auch im direkten Umfeld, dass jemand ein ganz bestimmtes Wort hört und alles andere gar nicht mehr wahrnimmt. Völlig aus dem ganzen Thema rausgelöst. Umso schöner, dass Du, Arndt, da so die Ruhe bewahrt und Dich eben nicht aus dem Konzept hast bringen lassen. So ist allen, die das verfolgt haben, ganz schnell klar gewesen, wer da grade mächtig überreagiert und seine Kompetenzen übersteigt!

    Und ich bin sehr gespannt, ob es da von den Initiatoren der ganzen Veranstaltung noch eine Reaktion gibt. Und wenn es persönlich an Dich gerichtet ist. Ich glaube nämlich nicht, dass man drumherumkommt. Das Thema Zensur ist jetzt da und kann nicht einfach weggelächelt werden.

    Vielleicht wird man jetzt mal wach. Erkennt, dass Blogger nicht die Zahnspangenteenies sind, wie oftmals vermutet und behandelt 😉 Ich weiß, es gibt einige Verlage, Autoren, die sehr wohl die Nähe, die Meinung der Bloggerwelt respektieren, aber es gibt auch die andere Seite.

    Bei allem Aufregen über das Abschalten, finde ich gerade Dein erzwungenes Schweigen sehr beredt und als Zeichen!

    Liebste Grüße
    Bine

    • Danke, Bine… in der Situation überzureagieren war nicht zielführend. Die Diskussion an sich war sinnvoll und wichtig…

      Allerdings fühlte ich mich in diesem speziellen Moment wie auf der Buchmesse in China, Südkorea oder anderswo, wo die eigene Meinung weggedrückt werden darf.

      Eben besonders ärgerlich wenn diese Meinung ein Buch vor der Vereinnahmung durch die „Rechte Szene“ schützen soll….

  5. Öööööööhm….ich bin echt fassungslos und sprachlos und überhaupt. Das geht so ja mal gar nicht. Unglaublich….alles richtig gemacht von deiner Seite her! Ich hoffe sehr, dass das noch einige lesen werden und teile sogleich auch noch den Beitrag.
    Meinungsfreiheit – soooooooooo wichtig! Die kann man doch nicht einfach unterdrücken!!!
    Bin wirklich schockiert und mir fehlen die Worte!

  6. Hat dies auf Siljas Bücherkiste rebloggt und kommentierte:
    Wenn die Meinungsfreiheit beschränkt wird, ist das sehr Schade.
    Wenn die Meinungsfreiheit eines Bloggers beschränkt wird, der sich wie kein anderer gegen rechtes Gedankengut einsetzt, nur weil er das Wort PEGIDA im Zusammenhang mit einem Buch benutzt, um dieses zu verteidigen, dann ist das ….

  7. Krasse Geschichte. Es scheint, dass ich den wirklich „interessanten Teil“ der Podiumsdiskussion verpasst habe. Ich finde es eine Frechheit, dass dir eunfach das Mikrofon ausgestellt wurde, nur weil die Technikerin am Mischpult scheinbar eine andere Meunung vertreten hat, als du. Was gibt ihr das Recht, Gott zu spielen? Das mit der freuen Meinungsäußerung in Deutschland scheint nicht mehr von Belang. Ich stimme dir zu, es wirkt wie Zensur. Dan braucht man Menschen nicht zu einer offenen Diskussionen einladen, wenn man der Entwicklung nicht gewachsen ist. Gruß, Steffi

    • Wo die Gründe dafür auch immer liegen mögen… es ist mehr als unglücklich, dass dies eben aus dem Bereich der Technik erfolgt ist und der Moderator davon ebenso überrascht wurde wie ich selbst…

      Denn hat keine anstalten gemacht irgend etwas anders zu steuern…

      Er war der gesamten Diskussion um die Blogs sehr gewachsen und wir sind alle der Meinung, dass diese Veranstaltung wichtig war…

      • Erschreckend, wie das gelaufen ist. Der Moderator hat auch auf mich einen sehr souveränen gefestigten Eindruck gemacht. Wahnsinn, wie einem so etwad.entgleiten kann. Und danach war die Diskussion beendet? Wurde die Dame vom Midchpult denn zur Rechenschaft gezogen? Das muss doch Folgen für sie haben. Für wen hält die sich denn?

      • Ich war bemüht, die letzten Fragen mit den Bloggerpaten gemeinsam ganz ruhig zu beantworten. Es waren Fragen aus dem Publikum und denen sollte man ganz neutral gerecht werden.

        Nach der diskussion bin ich gegangen,da ich meine Abreise nach münchen wegen dieser Veranstaltung verschoben hatte und dann dringend los musste.

        Was da für konsequenzen gezogen werden, kann ich nicht sagen. Mir ist nur klar gewesen, dass ich das nicht unkommentiert stehen lasse.

        Und heute habe ich Stellung genommen.

      • Die Diskussion lief ja noch über zwei Fragen weiter und die kamen von den Zuhörern… und die waren wegen dieser Fragen da… das sollte nicht leiden.. und ich musste nachdenken.

  8. Hallo, ich war gestern auch bei der Diskussion im Publikum anwesend und muss dazu vielleicht mal eine etwas andere Meinung äußern. Grundsätzlich hast du natürlich recht (und alle, die zu dem Vorfall klar Stellung bezogen haben): So etwas darf einfach nicht passieren, hier wird eine Meinung unterbunden und die Technikern hat klar überreagiert, aber für mich gibt es auch ein Aber. Ich bin Leipzigerin und habe in den letzten Wochen hautnah miterlebt, was seitens Legida hier passierte. Ich will darüber jetzt wirklich keine Diskussion führen, möchte nur darauf aufmerksam machen, dass Leipzig und Menschen, die in Leipzig leben, momentan ziemlich sensibel sind, was dieses Thema betrifft. Es ist zu einem wunden Punkt geworden, das kann man wirklich so sagen. Und aus diesem Grund kann ich die Frau verstehen – nach endlosen Diskussionen, die alle zu nichts geführt haben, hat sie sich schon allein bei dem Wort einfach ausgeklinkt. Natürlich dürfte sie so etwas nicht tun, aber sie ist auch nur ein Mensch mit einer Meinung und hat diese eben auf eine zugegeben nicht ganz korrekte Art und Weise zum Ausdruck gebracht. Deswegen würde ich einfach sagen, man sollte nicht allzu hineininterpretieren. Wie gesagt, die Stimmung in Leipzig ist diesbezüglich teilweise ein wenig explosiv und da kann so etwas schon einmal passieren. Aber wie gesagt: Ich heiße es nicht gut, ich kann es menschlich und als Leipziger nur schlicht und einfach nachvollziehen.

    • Sorry, aber in welches Licht sich diese Technikerin mit ihrer Aktion gestellt hat,ist wohl schon klar,oder? Und: da kann sowas schon mal passieren? Sehr einfach. Mit dieser Haltung öffnet man Türen, die eigentlich gar nicht da sein sollten, da wird das zum Kavaliersdelikt kleingeredet.
      Mal abgesehen davon: hat irgend jemand während der Podiumsdiskussion behauptet, alle Leipziger wären Pegida? Und das wäre ja auch völliger Blödsinn. Aber dieser Kommentar hat mich ehrlich gesagt genauso empört, wie diese Zensur-Aktion an sich – und dass der Moderator anscheinend einfach drüber weg gegangen ist, ist auch eine demokratische Katastrophe.
      Sehr erstaunte Grüße
      Kai

      • Nein… lach… Leipzig mit Pegida gleichzusetzen wäre fatal. Aber die Schlagworte reichen schon aus, um aktiv zu werden… aus welchen Gründen auch immer….

      • Ich habe wie gesagt nicht behauptet, es wäre in Ordnung und ich wollte es auch nicht relativieren. Ich habe auch nicht gesagt, dass sie einen konkreten Grund hatte, so zu handeln (zum Beispiel irgendeine Behauptung in Richtung L/Pegida), sondern lediglich, dass sie nach den letzten Worten einfach extrem sensibel auf das Wort an sich reagierte, was ich nachvollziehen kann, aber wie gesagt nicht gutheiße. Aber irgendwie war mir schon klar, dass das wieder einmal falsch verstanden wird, wie so vieles was mit Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Zensur, Legida etc. zu tun hat.

    • Die Stimmung in Leipzig habe ich ebenfalls als sehr gespalten aufgenommen. Leichte Gespräche in Kneipen können im Moment ganz kleine Pulverfässer zum explodieren bringen.

      Insofern habe ich in meinem Artikel auch nicht spekuliert, weshalb sie so reagiert hat. Ich habe nur den Sachverhalt dargestellt. Wenn man allerdings auf einer Buchmesse arbeitet, die gerade in Leipzig mit dem Themenschwerpunkt „Israel“ und „Verständigung“ erneut Maßstäbe gesetzt hat, dann sollte man ausreichend professionell sein und seine eigene Meinung im Technikraum von dem zu trennen, was auf der Bühne geschieht.

      Es kann keine Entschuldigung sein, dass man allein bei der Erwähnung von Begriffen jemanden stumm schaltet, weil es einem selbst nicht in den Kram passt.

      Insofern kann vieles passieren. Aber es wird nicht unerwähnt bleiben. Wenn du schreibst, dass sie ihre Meinung auf „nicht ganz korrekte“ Art und weise zum Ausdruck gebracht hat, dann muss ich widersprechen. Sie hat nicht mal ihre Meinung zum Ausdruck gebracht. Sie hat nur den langen Hebel genutzt an dem sie saß und andere Meinung stumm geschaltet.

      Nicht in einem freien Land. Nicht mit mir. Kein Verständnis.

  9. Nachdem ich nun die Kommentare auf FB gelesen habe und deinen Bericht hier, sehe ich das Ganze relativ gelassen. Zum Aufregen ist die Null-Reaktion des Moderators, die Technikerin ist ja unmaßgeblich, deren „persönlicher Einsatz gegen PEGIDA“ (Man beachte die Anführungszeichen), ist ja nun keine Zensur. Oder? – Natürlich muss sich der Veranstalter über die Wirkung klar werden, denn die ist ja hier offensichtlich. Nur weil ich nicht von Zensur, also vom Veranstalter gewollte Meinungsunterdrückung und gar staatlicher an anderer Stelle spreche, sehen das eben viele auch anders. Dieser Technikerin werden hoffentlich in der Art einer Abmahnung die Leviten gelesen.

    Nichts desto trotz, ist dies bezeichnend für die Diskussionskultur in unserem Land.
    So, die Reaktion des betroffenen Bloggers war einwandfrei, die Veröffentlichung des Problems auch. Danke dafür. Ansonsten wünsche ich uns auch nachträglich die Ruhe von Arndt „Astrolibrium“ – unserem Mr. Rail.
    Grüße von Uwe Rennicke
    http://www.litterae-artesque.de

    • Aus deinem Munde Uwe… danke… das beruhigt mich sehr. Danke fü diesen differenzierten Blick…

      Wobei ich immer wieder für mich festhalte, wenn das in einer Sendung von Günter Jauch passiert wäre, dann trifft es den Sender, da unterscheidet man nicht in Techniker und Moderator…

      Ich habe es deutlich versucht und auch klargestellt, dass ohne diesen Eingriff Wolgfgang Tischer niemals eingegriffen hätte.

  10. Pingback: 13 Fragmente einer Buchmesse - Kapri-ziös

  11. Was eine nervige Erfahrung. Nach dem ich gerade einige tolle Berichte über die Buchmesse lese, fällt dein Beispiel besonders negativ auf. Das tut mir Leid, denn ich kann mir vorstellen, wie toll es gewesen sein muss, als Bloggerpate unterwegs gewesen zu sein.

    Die Aktion der Technikerin war einfach nur daneben und da gibt es auch nichts zu beschönigen. Immerhin sitzt du auf dem Podium und du wirst gefragt und da hat sie nicht eigenmächtig darüber zu entscheiden, welchen Teil deiner Aussage das Publikum mitbekommt und welchen nicht.

    Und egal wie sensibel (eventuell) (einige) Leipzigerinnen auf dieses Thema reagieren mögen oder was auch immer Svenja hier andeuten möchte (ich habe ihren Einwand ehrlich gesagt nicht verstanden) – im Recht war diese Technikerin deswegen noch lange nicht.

    Ob das jetzt Zensur ist? Ich sehe das wie Uwe, eher nicht – da fehlt mir so der gesellschaftlich verantwortliche Apparat dahinter (ich lese gerade Dystopien für die Masterarbeit, das prägt :D). Aber es war eine Selbstermächtigung an einer Stelle, zu der sie kein Recht hatte, weil du gefragt wurdest. Frech bleibt der Sachverhalt auf jeden Fall, deswegen ist es gut, dass du darüber berichtet hast.

    liebe grüße, eva

    • Ich habe versucht, der ganzen situation Rechnung zu tragen und in der Veranstaltung daüber hinwegzugehen. Bin froh, dass mir das gelungen ist.

      Aber das was ich hier niedergeschrieben habe, ist eben mein Gefühl – und das bleibt so bestehen.

      Ein Eingriff in meine Rechte als Pressevertreter und Bürger dieses Landes… aus welchen Gründen auch immer… ich habe nicht spekuliert, sondern nur geschrieben, dass es wohl der Meinung der Technikerin widersprach.

      Der Begriff Zensur trifft mein Gefühl… mehr nicht… und ein technischer Fehler war es nicht. Das war bewusst.

  12. Hallo Arndt,
    ich habe dich bisher das erste Mal bei dem Bloggertreffen von Bastei Luebbe gesehen und fand dich wirklich auf Anhieb sympathisch. Als ich eben gelesen habe was passiert ist, sind mir fast die Augen rausgefallen. Das kann es ja nun wirklich nicht sein. Unfassbar solch ein Verhalten.
    Das ist absolut unprofessionell und dabei wird genau das uns Bloggern viel zu oft vorgeworfen. Ja, die meisten von uns haben nicht unbedingt Germanistik oder Literatur studiert, aber es geht doch um die Liebe zur Literatur und den Büchern ansich. Unfassbar, dass man sich so etwas bieten lassen muss..

    Liebst, Lotta

    • Die Leipziger Buchmesse hat heute offiziell Stellung genommen. Auf dem Facebook-Post und per Mail an mich. Dabei habe ich die Messeleitung definitiv nicht in diese Kritik einbezogen, da sie inhaltlich für diesen Veranstalter nicht Rechenschaft ablegen muss…

      Aber Größe zeigt es doch und dass man sich der Gesamtverantwortung stellt. so kenne ich „meine Messe“…

      Der Wortlaut der Stellungnahme:

      LEIPZIGER BUCHMESSE

      Wir haben mit Bestürzung den Blogpost „LBM 15 – Zensur Live On Stage – Wenn das Mikro plötzlich aus ist“ gelesen.

      Was dort passiert ist, hätte nicht passieren dürfen. Die Meinungsfreiheit ist für uns als Messe ein sehr hohes Gut und davon gibt es keinerlei Abstriche. Wir zensieren keine Lesungen und Vorträge, kritische Stimmen müssen gehört und ausgehalten werden. In diesem Fall hat eine einzelne Person ihre Kompetenzen überschritten. Wir bedauern das und werden in Zukunft noch stärker darauf achten, dass Mitarbeiter für diese Themen sensibilisiert werden. Wir haben uns bereits bei AstroLibrium entschuldigt und möchten dies auch hier noch einmal öffentlich tun.

  13. Ich möchte noch bemerken, lieber Arndt, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung ja ein Grundrecht des Bürgers gegenüber dem Staat darstellt, und dieses ihn vor staatlichen Übergriffen schützen soll.
    Daher unterstreiche ich nochmal, dass Zensur hier nicht vorliegt.
    Geichwohl zeigt das Statement der Buchmesse, dass dieses Recht natürlich auch im Miteinander wirkt und die freie Meinungsäußerung auch etwas ist, das gegenseitig Beachtung finden muss. Das darf man besonders auf einem solchen öffentlichen Forum wie der Buchmesse erwarten.
    Warum schreibe ich das noch mal?
    Weil es hier letztlich um einen Konflikt zwischen zwei Bürgern handelt, der bei dieser Öffentlichkeit natürlich Wirkung zeigt, aber auch nicht mehr ist.
    Deine Veröffentlichung war gut und notwendig und fiel auf entsprechenden Boden. Außerdem ist sie ein Aufruf zu freiem und offenem Umgehen auch mit Meinungen und Auffassungen, die nicht die eigenen wiederspiegeln.
    Liebe Grüße
    Uwe

    • Ich mag nur ungern korrigieren. Die Technikerin war nicht als Bürgerin dort, sondern als Angestellte eines großen Unternehmens. Vergleiche es bitte mit dem Techniker einer ZDF-Sendung.

      Wenn dieser einem Reporter den Ton ausschaltet ist dieser Eingriff ebenfalls nichts Privatrechtliches. Definitiv nicht. Zensur ist eben nur „häufig“ staatliche Kontrolle. Aber…

  14. Ich habe eben den Bericht und alle Kommentare gelesen und muss leider sagen, dass mich die Reaktion der Technikerin in Leipzig nicht mehr wundert. Ich persönliche finde ihre Reaktion sehr kindisch und engstirnig. Leider habe ich zunehmend das Gefühl, dass in Leipzig zum Thema Legida und Pegida kein normales Gespräch möglich ist – schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Und im übrigen gilt meiner Ansicht nach in Leipzig sogar eine neutrale Einstellung als pro Legida. Es passt zwar nicht zu der Situation auf der Messe, aber zur Situation insgesamt in Leipzig: Meinungs- und Pressefreiheit ist nur für Meinungen, die offiziell gewünscht sind.

    Ich hoffe, dass du trotzdem nächstes Jahr wieder zur LBM kommst. 🙂

    Grüße Myriam

    • Ich wiederhole es in allen Varianten. Das ist nicht Leipzig für mich gewesen. Es ist ein Einzelfall und wirft keinen Schatten auf die Menschen dieser Stadt und natürlich komme ich wieder.

      Das ist Herzensangelegenheit…

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