Kinder mit Stern von Martine Letterie [Westerbork]

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Kinder mit Stern von Martine Letterie

Westerbork. Nur ein Name, ein Ort, ein Begriff. Heute. Nur. Vor fast achtzig Jahren Inbegriff der NAZI-Ideologie in den Niederlanden. Ein Lager, könnte man sagen. Wenn man es verharmlosen möchte. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht wurde aus diesem Namen das Schreckgespenst, ein Höllenschlund und Damoklesschwert in einem Atemzug. Zuerst für die Juden, die sich nach der Machtübernahme der Nazis in das freie Nachbarland geflüchtet hatten. Hier wurden sie zuerst zusammengeführt und konzentriert. Sie waren die ersten Opfer. Als dann die deutschen Judengesetze in den Niederlanden zur Anwendung kamen, wurde aus dem Sammellager ein Hauptbahnhof. Ein Durchgangslager für holländische Juden. Hier wurden sie, nachdem sie entrechtet und enteignet waren, inhaftiert. Eine Durchgangsstation.

Von hier aus ging es dann ins Deutsche Reich. Zielorte: Auschwitz, Sobibor, Bergen Belsen, Theresienstadt. Vernichtungslager. Holocaust-Fanale der Endlösung, die nach der Wannseekonferenz in die Realität umgesetzt wurde. Zahlen? Unvorstellbar. Nicht fassbar. 107.000 Juden, dazu Sinti und Widerstandskämpfer verließen zwischen 1942 und 1944 in endlosen Zügen diese Vorhölle zum Tod. Überlebende? Unvorstellbar und ebenso wenig fassbar. 5000 von ihnen kehrten zurück. Weitere Zahlen? Bitte nicht. Ich mag nicht mehr. 18.000 jüdische Kinder und 100 Sinti-Kinder, die nicht überlebten. Nur eine kleine Gruppe von ihnen kehrte zurück. Nur etwa 1000 Kinder überlebten. Zumeist elternlos, verwaist, ohne Angehörige. Die Letzten ihrer Familien. KINDER.

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Kinder mit Stern von Martine Letterie

KINDER. Wie mögen sie diesen Schrecken erlebt haben? Was haben sie erlebt und wie kamen die Überlebenden später damit zurecht? Fragen, die man sich immer wieder stellt. Antworten, die man kaum findet. Wie kann man Kindern und Jugendlichen heute vermitteln, wo das Grauen begann, wie leichtfertig sich viele an der Verfolgung beteiligt haben und wie wenige Aufrechte dagegen ankämpften? Muss man sie überhaupt damit konfrontieren? Ist doch schon so lange her und kommt ja auch nicht wieder vor. Ist das so? Sind nicht unsere Kinder genau in ihrem alltäglichen Umfeld erneut betroffen, wenn ihnen in Kindergärten und Schulen Kinder begegnen, vor deren Eltern man uns warnt? Geht nicht schon wieder die Angst vor Menschen um, die anders sind? Ist man bei der Suche nach den neuen Außenseitern in unserer Gesellschaft nicht schon wieder fündig geworden? Menschen mit anderer Religion, Menschen aus anderen Kulturkreisen. War da nicht was?

Wir leben in der großen Verantwortung, Kinder nicht mit populistischen Ängsten zu vergiften. Gerade wir sollten die Augen offen haben, wenn Ausgrenzung und Hass erneut Automatismen in Gang setzen, die ihresgleichen im Nationalsozialismus finden. Und Kinder dürfen nicht zu den ersten Handlangern einer Meinungsmache werden, die schon bei Erwachsenen so gut zu funktionieren scheint. Wie man Kindern erklären und vermitteln kann, was Ausgrenzung bedeutet spielt sich auf der Gefühlsebene ab. Auch wenn das Wort Empathie für sie noch nicht greifbar ist, so können wir es mit Leben und Inhalt füllen. Ein besonderes Buch aus den Niederlanden ist prädestiniert, um den noch leeren Tank des Mitgefühls mit Leben zu füllen. Sich in andere hineinversetzen. Das ist es, worum es hier geht.

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Kinder mit Stern von Martine Letterie

Kinder mit Stern von Martine Letterie (Carlsen Verlag) ist nicht nur der Versuch, in einem Kinderbuch kindgerechte Geschichten über Ausgrenzung, Angst und Verfolgung zu erzählen. In diesem, von Julie Völk gefühlvoll illustrierten Buch finden wir mehr als das. Es sind die Geschichten jüdischer Kinder, die überlebt haben und aus ihrer naiven Sicht, aus der unverfälschten und herzensreinen Kinderperspektive heraus, für Kinder erzählen, was ihnen widerfahren ist und wie es sich angefühlt hat. In Interviews haben Mitarbeiter des Erinnerungszentrums Westerbork diese Geschichten ergründet und dokumentiert. Auf diese Gespräche gehen die Geschichten, die Martine Letterie erzählt zurück. Sie beruhen auf den wahren Empfindungen der Betroffenen und erreichen auf diese Art und Weise eine Unmittelbarkeit, die schmerzhaft und lehrreich zugleich ist. 

Es sind erschreckend einfache Geschichten, in denen Rosa, Jules, Klaartje, Ruth und Bennie zu Wort kommen. Sie erzählen nichts von den politischen Hintergründen oder vom großen Ganzen. Sie berichten nur davon, wie alles begann, was sie im Lager erlebten und wie sich der Friede für sie anfühlte. Sie kommen mit kindlichen Worten zu Wort. Aus den Puzzlesteinchen ihres Erlebens setzen wir das Bild zusammen, vor dem wir uns lieber verstecken würden. Kinder jedoch sehen das Erzählte losgelöst von dem übergeordneten Schrecken. Sie vereinfachen, empfinden und fühlen die Direktheit der Geschichten, weil sie direkt angesprochen werden.

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Kinder mit Stern von Martine Letterie

Das öffnet ihre Herzen, um später die großen Zusammenhänge zu verstehen und dafür eintreten zu können, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Sie sehen, wie sich das tägliche Leben der jüdischen Kinder plötzlich verändert. Sie fühlen mit, wie es schmerzen muss, nicht mehr mit den alten Freunden auf den Spielplatz zu dürfen, eine andere Schule besuchen zu müssen und damit zurechtzukommen, dass sie nicht mehr mit Bussen oder Straßenbahnen fahren dürfen. An der Seite der jüdischen Kinder wird nachvollziehbar wie sehr sich Eltern verändern können, wenn sie in Angst leben. Es ist schlimm, sich mit Jules im Schrank verstecken zu müssen und mitzuerleben, wie seine Eltern abgeholt werden. Es tut weh, Abschied zu nehmen und das Scheitern der Flucht zu erleben. Es brennt sich tief im Herzen fest, wie verletzend es war, dass sich andere Menschen nur wenig für ihr Schicksal interessierten, die Augen verschlossen und sogar mithalfen, die Juden zu verraten.

Manchmal möchte man aufschreien, wenn die kindliche Sicht zu Fehlern führt, Rosa stolz darauf ist im Alter von sechs Jahren endlich ihren eigenen gelben Stern tragen zu dürfen. Oder Ruth die Menschen im Lager darum beneidet, dass sie es mit einem Zug verlassen dürfen und sich unversehens im Inneren eines Deportationstransportes nach Auschwitz befindet. Man möchte helfen, verhindern, beistehen. Gemeinsam lesend ist schnell erkennbar, wie Kinder ihren Alltag in die Waagschale werfen und überlegen, ob sie in ihrem Umfeld Ausgrenzung erlebt haben. Diese Geschichten wirken unmittelbar. Es sind traurige Geschichten. Und doch müssen sie erzählt werden, damit die Kinder, die den Holocaust nicht überlebt haben, nicht umsonst zum Opfer wurden. Wir sind es ihnen schuldig. Gegen das Vergessen.

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Kinder mit Stern von Martine Letterie

Die Geschichten überlagern sich, begegnen sich und wirken wie ein Kaleidoskop aus Bruchstücken kaputter Spiegel. Jede kleine Geschichte eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Jede Geschichte ein Ansatz, einen Moment zu finden, in dem jemand hätte helfen können. Einige Geschichten auch Beweis, wie geholfen wurde. Bewegend auch die Momente, in denen selbst die verfolgten Kinder kindlich naiv über Menschen urteilen, die anders sind. Es sind große Momente in diesem Buch, wenn man ihnen im Juden-Durchgangslager Westerbork erklärt, dass man keine Vorurteile haben soll. Hier greift das Buch nach Lesern jeden Alters. Wer auch nur eine dieser Geschichten, auch nur eines dieser Kinder im Herzen behält, der rettet all ihre Geschichten. Wer auch nur eine dieser Geschichten weitererzählt, der wird seiner Verantwortung gerecht.

Ich schließe das Buch „Kinder mit Stern“ mit Tränen in den Augen. Ich denke an die Kinder, die es nicht nach Hause geschafft haben, an deren Eltern und Familien. Ich denke an das Leben der Überlebenden nach der Befreiung und die Traumatisierungen, die sie lebenslang begleiteten. Ich denke an all die jüdischen Kinder, die ich in anderen Büchern kennenlernen durfte. Ich denke dabei besonders an Lieneke van der Hoeden und ihre Hefte, an Lien de Jong, das Mädchen mit dem Poesiealbum und an Anne Frank, die von Westerbork über Auschwitz nach Bergen-Belsen deportiert wurde. Hier muss ich innehalten. Durchatmen und meine Wut runterschlucken. Ich denke nämlich auch an Wahlplakate in unserem Land, auf denen „Islamfreie Schulen“ zum Programm gemacht werden. Und ich denke an die Menschen, die ihre Stimme dafür hergeben.

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Kinder mit Stern von Martine Letterie

Lest dieses Buch. Lest die „Kinder mit Stern“ und korrigiert euren Weg. Sonst ist es nicht ausgeschlossen, dass später einmal Kinder von euch erzählen. Von Mitläufern und Tätern, die dann wieder nichts von alledem gewusst haben wollen.

Kinder mit Stern“ von Martine Letterie / dt. von Andrea Kluitmann / Illustrationen von Julie Völk / Carlsen Verlag / 128 Seiten / ab 10 Jahren / 11 Euro

Hinterhaus – Die Annäherung an einen Romanentwurf

Anne Frank - Liebe Kitty - Ihr Romanentwurf in Briefen - AstroLibrium

Ein Romanentwurf

Die Entstehungsgeschichten großer Romane sind oft ganz eigene Geschichten. Sie sind geeignet, eigene Bücher zu füllen, weil sie so spannend sind, wie die erdachte Erzählung selbst. Sie zeugen von der kreativen Energie, dem Wagemut und der Liebe zum geschrieben Wort, die aus einer Idee einen guten Roman entstehen lassen. Es ist oftmals ein steiniger Weg von der Initialzündung bis zur Schlussfassung eines Romans. Am Ende des Schreibens ist der Leidensweg vergessen. Die Isolation, der Verzicht und das Entsagen treten in den Hintergrund und stolze SchriftstellerInnen erheben sich wie ein Phoenix aus der Asche, um ihr Werk zu präsentieren. Der Applaus der Leser, eine gute Rezeption in der Presse und positive Rezensionen sind der wahre Lohn am Ende eines Schaffensprozesses, der Spuren hinterlassen hat.

Ein Roman ist für mich immer an seine Entstehungsgeschichte gebunden. Er ist niemals losgelöst vom situativen Kontext und der Lebenssituation seines Verfassers zu betrachten. Die Seele von SchriftstellerInnen, die sie umgebenden Universen und eine Umgebung, in der das Schreiben erst möglich wurde, werden hier zu den Ingredienzien einer lesenswerten Geschichte. Ich liebe diesen Blick hinter die Kulissen eines Romans und genieße es in die Welt der WortschöpferInnen einzutauchen, weil ich auf diese Art und Weise besser verstehen kann, was sie mir erzählen wollen. Ihre Berufung wird zu meiner Leidenschaft. Heute beleuchte ich die besondere Entstehungsgeschichte eines Romans. Ich möchte von einer Schriftstellerin erzählen, die vom Wunsch einen Roman zu schreiben angetrieben wurde. Sie ist weltbekannt, aber ihren Namen verrate ich erst später.

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Ein Romanentwurf

Man kann sie schon als Außenseiterin bezeichnen. Nicht, dass sie sich diese Rolle selbst ausgesucht hätte, aber manchmal wird man einfach an den Rand gedrängt. Das schärft die Perspektive und setzt kreative Kräfte frei, die vielleicht niemals ans Licht der Welt gekommen wären. Sie lebte zurückgezogen, fast sogar isoliert, umgeben von nur wenigen vertrauten Menschen, die ihr nur wenig Privatsphäre ließen. Und doch gelang es ihr, über Jahre hinweg ein Manuskript zu entwickeln, aus dem später ein Bestseller werden sollte. Und doch war das Resultat ihres Schreibens nicht so ausgefallen, wie sie es sich erhofft hatte. Die Schlussfassung ihres Werks unterschied sich deutlich von der Vision, die sie vor Augen hatte, als sie ihr umfassendes Manuskript neu sortierte, einer Straffung unterzog und Streichungen vornahm, weil ihre frühen Aufzeichnungen nicht in das endgültige Werk einfließen sollten.

Auf die Idee, dies zu tun, kam sie durch eine Radiosendung. Ein Minister rief dazu auf, alle privaten Briefe und Tagebücher gut aufzuheben, damit sie in einer hoffentlich friedlichen Zukunft die Geschichte seines Landes und der Menschen erzählen könnten. Der Wunsch des Politikers basierte auf Veränderungen, die sich gerade abzeichneten, sich jedoch noch nicht konkret ausgewirkt hatten. Die Zukunft im Blick. Teil der eigenen Geschichtsschreibung zu werden. Das klang gut. Besonders für das junge Mädchen, in dessen Aufzeichnungen sich seit zwei Jahren so viel Energie freigesetzt hatte. Ja, sie wollte alles aufheben. Teil der Zukunft werden und aus ihrem Manuskript einen Roman herausfiltern, der von der Welt gelesen werden sollte.

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Ein Romanentwurf

Ein Briefroman sollte es werden. In der Unmittelbarkeit der direkten Rede und in der persönlichen Ansprache an fiktive Menschen lag ihre Stärke. Sie, die seit Jahren keine Post mehr bekommen hatte, kompensierte in ihrem Schreiben nicht nur das Fehlen von sozialen Kontakten, sondern öffnete sich für alle Menschen, die in der Lage waren, sich in die Rolle der Adressatin dieser Briefe zu versetzen. Eine brillante Idee. Also blätterte sie in ihrem Manuskript zurück, strich allzu ungelenke und jugendliche Passagen, setzte einen Schlussstrich unter eine gerade aufkommende Liebesbeziehung und beginnt frei im Herzen und motiviert vom Radioaufruf den Roman ihres Lebens zu schreiben.

In knapp zweieinhalb Monaten verknappte sie ihr vorheriges Manuskript auf 215 Seiten, blieb dabei aber eng an den Texten, die sie für ihren Roman auswählte. Heute kann man dies an den Datumsangaben der Briefe ablesen, die sie ohne Änderungen in die Schlussfassung übernahm. Die Briefe an ihre Freundin, die den Kern ihres Romans bildeten, blieben Teil eines groß angelegten Tagebuches, das im Geheimen entstehen musste. Der Krieg spielt eine große Rolle, die Besetzung des Heimatlandes und die um sich greifende Entrechtung von Menschen. Jene äußere Bedrohungssituation wird zum geschlossenen Erzählraum, dem man sich nicht entziehen kann. Die Zeit schien Druck auf die junge Autorin auszuüben. Auch in der endgültigen Fassung des Romans wirken manche Briefe noch ein wenig ungelenk, aber sie verraten bereits jetzt viel vom Talent der aufstrebenden Nachwuchsautorin.

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Ein Romanentwurf

„Das Hinterhaus“. Ihr Arbeitstitel für einen Roman, der uns an die Seite eines jungen Mädchens trägt, die in einem Versteck auf Befreiung hofft. Ein Mädchen, das umgeben von wenigen vertrauten Menschen in einem hermetisch verschlossenen Versteck in der täglichen Angst vor Entdeckung lebt. Ein klaustrophobischer Erzählraum, in dem es gilt Ruhe zu bewahren und unsichtbar zu bleiben. Hier öffnet die junge Autorin ihrer fiktiven Freundin ihr Herz und beginnt ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Wir erfahren auf die unmittelbarste Art und Weise alles, was in dieser lebensbedrohlichen Situation in dieser jungen Frau vor sich geht. Ängste, Zweifel, Hoffnung, Träume und Fantasien schlagen sich aus dem Versteck bis zu unseren Herzen durch und bleiben haften. Am Ende hat man das Gefühl, in einer Zeitschleife wieder am Angang angelangt zu sein. Abrupt und unvermutet endet der Roman an der Stelle des Manuskripts, an der das Mädchen zum ersten Mal von der Idee schreibt, aus dem Tagebuch einen Roman zu extrahieren. 

Mittwoch 29. März 1944
Liebe Kitty,

Stell Dir mal vor, wie interessant es wäre, wenn ich einen Roman über das Hinterhaus herausbringen würde; allein vom Titel her würden die Leute denken, es sei ein Detektivroman. Aber jetzt im Ernst. Es muss ungefähr zehn Jahre nach dem Krieg schon komisch wirken, wenn wir erzählen, wie wir als Juden hier gelebt, gegessen und geredet haben. Auch wenn ich Dir viel von uns erzähle, weißt Du nur ein ganz kleines bisschen von unserer Geschichte.

Deine Anne

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Anne Frank – Liebe Kitty – Ihr Romanentwurf in Briefen

Ihr Name: Anne Frank. Ihr Geburtstag der 12. Juni 1929, also heute vor 90 Jahren. Verraten und entdeckt im Hinterhof des Hauses an der Prinsengracht 263, Amsterdam, am 4. August 1944. Mit ihren Eltern ins Lager Westerbork verbracht, nach Auschwitz deportiert, von dort ins KZ Bergen-Belsen verlegt. Verstorben: im Februar oder Anfang März 1945, nur einen Monat vor der Befreiung des Konzentrationslagers durch britische Truppen.

Verzeiht mir, dass ich jetzt ein wenig angegriffen bin. Ihr Tagebuch ist seit Jahren einer der wichtigsten Wegbegleiter im Lesen und Schreiben gegen das Vergessen der Opfer des Holocaust. Anne Frank nimmt einen wichtigen Platz in meinem Leben und in meiner Auseinandersetzung mit Ausgrenzung und systematischem Genozid ein. Ja, ich fühle mich ihr verpflichtet. Nun, zu ihrem Geburtstag ein Buch in Händen zu halten, das ihr den größten Wunsch ihres jungen Lebens erfüllt, ist ein ganz besonderes emotional zu nennender Moment.

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Anne Frank – Liebe Kitty – Ihr Romanentwurf in Briefen

Anne Frank Liebe Kitty. Ihr Romanentwurf in Briefen“ entstand in Zusammenarbeit zwischen dem Secession Verlag und dem Anne Frank Haus in Amsterdam. Übersetzt wurde das Buch aus dem Niederländischen von Waltraud Hüsmert. Mit einem Essay von Waltraud Nussbaum, Literaturwissenschaftlerin und damalige Schulfreundin von Anne Frank. Nie zuvor wurde dieser Roman aus ihrem gesamten Tagebuch editiert und als eigenständiger Text veröffentlicht. Zu ihrem 90. Geburtstag schließt sich jener Kreis, der durch nationalistische Rassisten für immer zum Schweigen gebracht werden sollte.

Liebe Anne. Ein großartiger Roman. Prädikat: Besonders lesenswert. Ein Fixstern am Firmament der nie verlöschenden Literatursterne in der kleinen literarischen Sternwarte. Und jetzt zitiere ich zum Ende dieses Artikels einen meiner Lieblingsschriftsteller David Foster Wallace:

„Weinen Sie ruhig, ich verrat`s schon nicht…“

Anne Frank - Liebe Kitty - Ihr Romanentwurf in Briefen - AstroLibrium

Anne Frank – Liebe Kitty – Ihr Romanentwurf in Briefen

Ich werde das Anne Frank Haus in diesem Jahr besuchen. Amsterdam stand schon lange auf der Wunschliste der wichtigen Reiseziele. In Gedanken werde ich Euch ganz einfach mitnehmen. Alleine schaffe ich das nicht. Ich werde berichten. Gerne könnt ihr mir Grüße und Geburtstagswünsche für Anne Frank in den Kommentaren hinterlassen. Ich werde sie bei mir haben, wenn ich das Hinterhaus betrete…

Folgt mir in die Prinsengracht. Mein Artikel zum Besuch im Anne Frank Haus.

Alles über Anne - Ein Besuch - Anne Frank Haus - Astrolibrium

Alles über Anne – Ein Besuch – Anne Frank Haus

Anne Frank Liebe Kitty – Ihr Romanentwurf in Briefen / dt. von Waltraud Hüsmert / 208 Seiten / Secession Verlag / Nachwort von Prof. Dr. Laureen Nussbaum / 18 Euro

Weitere Artikel zu Anne Frank und zum Holocaust in meiner kleinen literarischen Sternwarte. Zum Beispiel „Kinder mit Stern„. Lesen Sie gut.