„Die Schneeschwester“ von Maja Lunde

Die Schneeschwester von Maja Lunde - AstroLibrium

Die Schneeschwester von Maja Lunde

Das Lesen zelebrieren. Eine meiner ganz großen Leidenschaften, die ich gerne teilen möchte. Die ruhige Adventszeit lädt uns geradezu ein, dem gemeinsamen Lesen einen neuen Rahmen zu geben. Eine kleine Auszeit von der Hektik, eine Rückbesinnung auf das Wesentliche und Verbindende kann dabei helfen, dem Alltag eine besondere Note zu verleihen und unser Leben zu entschleunigen. Leserituale helfen mir persönlich sehr dabei. In diesem Jahr möchte ich euch auf eine Reise mitnehmen, die vierundzwanzig Tage dauert. Es wird keine leichte Reise, das muss uns von Vorneherein klar sein. Und doch bietet sie uns die Chance fernab vom Buch, den eigenen Blick für das kommende Weihnachtsfest ein wenig zu schärfen.

Die Schneeschwester“ von Maja Lunde ist sicher keine leichte Unterhaltungskost in diesen besonderen Tagen. Maja Lunde selbst hat in ihren bisherigen Büchern über Die Geschichte der Bienen und der des Wassers gezeigt, dass seichte Themen nicht ihr Ding sind. Sie greift tiefer, erzählt nuanciert und verknüpft intensive Botschaften mit der jeweiligen Erzählung, die sie uns anvertraut. Es ist verführerisch, mit ihr den Advent zu verbringen. Es ist verführerisch, mich wieder auf sie einzulassen und der Struktur einer Geschichte zu folgen, die in vierundzwanzig Kapiteln die Tür zum Weihnachtsfest 2018 öffnet.

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Die Schneeschwester von Maja Lunde

Sie schreibt nicht über das strahlende Fest der Feste. Maja Lunde erzählt uns eine Geschichte, in der Weihnachten eigentlich in den Hintergrund rückt. Trauer und Verlust kennzeichnen das Leben der Familie Wilhelmsen. Julian ist zehn Jahre alt und hat alle Hoffnungen auf Weihnachten begraben, weil er auch seine große Schwester begraben musste. Ihr Tod hat alles verändert. Energie und Lebensfreude sind verschwunden. Bis Julian beim Schwimmen dem „Licht in der Winterdunkelheit“ begegnet. Hedvig muntert ihn auf, bringt Freude und vorweihnachtlichen Glanz in sein Leben. Nicht nur durch ihre unwiderstehliche Lebenslust, sondern auch ihr Zuhause, die Villa Mistel, die einer ganz eigenen Weihnachtswunderwelt gleicht. Alles glitzert, funkelt und strahlt. Vielleicht gibt es ja doch noch einen Weg, das Weihnachtsfest zu feiern und das Andenken der toten Schwester zu ehren.

Und doch verbirgt sich auch hinter Hedvig ein dunkles Geheimnis, das Julian erst nach und nach erkennt. Maja Lunde ist bekannt für ihren sensiblen Umgang mit ernsten und belastenden Themen. Der Kontrast zwischen Trauerbewältigung und weihnachtlich angehauchter Lebensfreude könnte schärfer nicht sein. Das zeigen auch die traumhaft schönen Illustrationen der norwegischen Künstlerin Lisa Aisato, die aus dem Buch ein prachtvolles Gesamtkunstwerk machen. Ihre Zeichnungen strahlen alles aus, was man schon vor dem Lesen mit dieser Geschichte verbindet. Trauer, Tristesse, Hoffnung und das Wunder eines leuchtend warmen Weihnachtsfestes.

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Die Schneeschwester von Maja Lunde

Ich werde mich in die vierundzwanzig Kapitel vertiefen. Wie in einem persönlichen literarischen Adventskalender werde ich täglich einen gut dosierten Teil der Erzählung auf mich wirken lassen. Ich habe so viel Lust darauf, dieses Buch zum Mittelpunkt der Vorweihnachtszeit zu machen. Ich möchte es gemeinsam zuhause zelebrieren und ein wenig von diesem Leseritual in die Welt tragen. Ich werde an besonderen Tagen auch dem brillanten Sprecher und Schauspieler Axel Milberg zuhören, der die Geschichte in knapp vier Stunden für die Hörbuchfassung aus dem Hause Der Hörverlag vorgelesen hat. Ein multimediales Erlebnis wartet auf mich. Im Zentrum steht der Prachtband vom btb Verlag.

Ihr könnt mir gerne folgen. Auf Facebook oder Instagram werdet ihr meine täglichen Erlebnisse mit der „Schneeschwester“ finden. In der Bildergalerie in diesem Artikel ist viel Platz für das Lese- und Hörfest auf dem Weg zur stillen und Heiligen Nacht. Nehmt euch die Zeit für ein eigenes Leseritual. Entschleunigt und genießt ein paar ruhige Pole im Alltagssturm dieser Vorweihnachtszeit. Lasst euch bewusst treiben und in eine tiefe Stimmung versetzen, die das Herz öffnet. Ich hinterlasse tiefe Spuren im tiefen Schnee. Folgt mir auf dem Weg zu der wohl längsten Rezension in der Geschichte der Kleinen literarischen Sternwarte.

Unter dem Hashtag #SchneeschwesterAstroLibrium findet ihr meinen Weg.

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Der „Atlas der nie gebauten Bauwerke“ von Philip Wilkinson

Atlas der nie gebauten Bauwerke - Philip Wilkinson - AstroLibrium

Atlas der nie gebauten Bauwerke – Philip Wilkinson

Bald ist es wieder soweit. Das Weihnachtsfest steht ins Haus und die Frage aller Fragen, welches gute Buch ich mir selbst und anderen schenken kann, beschäftigt uns intensiv. Dabei ist es nicht so leicht, Büchermenschen zu überraschen. Zwar kennt man ihren Literatur-Geschmack, weiß aber nie so ganz sicher, ob das mit Herzblut gewählte Geschenk nicht schon im Besitz des zu Beschenkenden ist. Also lässt man das gewagt anmutende Spiel und verschenkt Buchgutscheine, was kaum kreativ, aber unpersönlich ist. Ich möchte euch ein paar Bücher vorstellen, die man mit gutem Gewissen schenken kann. Erstens, weil die Zielperson für das Buchgeschenk nicht dazu neigt, sich selbst in literarischer Hinsicht besonders zu verwöhnen (bibliophile Menschen gelten als äußerst genügsam) und zweitens, weil die vorgestellten Bücher als BreitbandAntiLibrotikum in der Lage sind, selbst festgefahrenste und genre-fixierte Bücherfreunde zu begeistern.

Diese Rezension kann bei Literatur Radio Bayern gehört werden.

Der Atlas der nie gebauten Bauwerke - AstroLibrium

Der Atlas der nie gebauten Bauwerke bei Literatur Radio Bayern

Verschenkt keine Bücher. Verschenkt literarische Visionen. Lasst keine Luftballons fliegen, startet Trägerraketen voller Inspiration. Verschenkt solche Bücher, die man sich nicht selbst kauft. Das Literatur-Budget ist meist knapp und man neigt eher selten dazu, im gebundenen Luxus zu schwelgen. Dabei ist die Liste der zu lesenden Bücher viel zu lang, als dass man sich mit Buchkunstwerken beschäftigt. Heute möchte ich den ersten Tipp für ein erlesenes Weihnachtgeschenk an euch weitergeben. Fantasie, die niemals nur fantastisch blieb. Visionen, die man zum Teil mit Händen greifen kann und Ideen, in die man sich jederzeit verlieben kann. All dies findet ihr in einem hochwertig gestalteten Atlas, der Luftschlössern eine Heimat gibt und sie in unserer Fantasie verankert…

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Atlas der nie gebauten Bauwerke – Philip Wilkinson

Der Atlas der nie gebauten Bauwerke ist ein Tummelplatz der architektonischen Visionen. Ein wahrer Prachtband der hochfliegenden Träume, die von der Realität der Baustoffe und der Statik eingeholt wurden. Nichtsdestotrotz sind es Traumgebäude, die oftmals den Weg für echte Bauwerke ebneten. „Think big“, lautet die Devise visionärer Geister. Minimalistisch kommt man nicht voran im Leben. Visionäre Geister müssen im Aufwind ihrer Inspiration fliegen und frei träumen dürfen. Die Machbarkeit steht oftmals im Hintergrund, wenn Grenzen des Vorstellbaren überschritten werden sollen. Realität nennt man dann die brutale Fallhöhe, aus der ein Traum auf den Boden stürzt und sich in einem etwas kleineren Maßstab verwirklicht.

Dieser prachtvoll illustrierte und bebilderte Atlas beinhaltet 50 dieser Träume. Es sind Entwürfe von Architekten, die ihrer Zeit weit voraus waren. Zeichnungen, Modelle oder Skizzen zu Bauwerken, die der Gestaltungsfreiheit allen Raum gaben, gleichzeitig jedoch der Realisierbarkeit den architektonischen Mittelfinger zeigten. Höher, gewagter, bunter, fantasievoller und prächtiger als alles bisher von Menschenhand erbaute sollten die hier versammelten Gebäude werden. Sie blieben zumeist Phantome, verworfen von denjenigen, die der Fantasie mit Formeln und Berechnungen Fesseln anlegten. So sind heute nur noch die Entwürfe zu bestaunen. Sie wirken nicht nur als Experiment auf uns. Wir erkennen schnell, was sie zum Teil bewegt haben. Wir kennen Gebäude, die es nie gegeben hätte, ohne diese Traumvorbilder. Eine Lehre fürs Leben. Geistesgeburten, so unmöglich sie auch erscheinen mögen, sind Geburtshelfer der modernen Welt.

Atlas der nie gebauten Bauwerke - Philip Wilkinson - AstroLibrium

Atlas der nie gebauten Bauwerke – Philip Wilkinson

Ein gefundenes Fressen für Literaten. Sind wir doch weit rumgekommen in unserem Lesen. Wir haben sie in den großen Romanen fast physisch vor unseren Augen gehabt. Die gewagten Kathedralen der Renaissance; die Paläste der großen Herrscher; Hotels der größten Metropolen dieser Welt; königliche Pracht- und Machtbauten; Bibliotheken und Museen ungeahnter Größenordnungen; Hochhäuser und Wolkenkratzer; Brunnen, Aquädukte und Triumphbögen längst vergangener Herrscher und in der Fantasy-Welt der großen Autoren betraten wir Traumstädte, utopische Gebäude-Illusionen und viele Orte, die es wohl auch in ferner Zukunft so nicht geben wird. Wir sind wahrlich gut auf den „Atlas der nie gebauten Bauwerke“ vorbereitet. Wir denken gerne groß und sind neugierig auf das Unmögliche.

Wer heute die St-Paul´s-Cathedral in London besucht, die zahllosen Treppen bis zu ihrer Kuppel emporsteigt und die unglaubliche Weite unter sich wahrnimmt, der kommt aus dem Staunen nicht heraus. Wenn man London besucht und gefragt wird, von wem jenes oder welches Gebäude erbaut wurde, dann liegt man mit der pauschalen Antwort „Sir Christopher Wren“ zu 80 Prozent richtig. Er war Visionär und Autodidakt. Der Zeit weit voraus und nach dem großen Brand in London 1666 legte er Baupläne für eine der gewagtesten urbanen Neuordnungen vor, die man bis dato gesehen hatte. Interesse an den Plänen hatte niemand. Grundbesitz sollte nicht umverteilt werden und das Leben in der Stadt sollte so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden. Es ging um Geld und einen schnellen Neuaufbau. Wren hätte Plätze, Straßen und Gebäude für mehrere Jahre lahmgelegt. Ein Nogo. Was ihm blieb, war der Auftrag zum Bau einer Kathedrale.

Atlas der nie gebauten Bauwerke - Philip Wilkinson - AstroLibrium

Atlas der nie gebauten Bauwerke – Philip Wilkinson

Hier ließ er seiner Fantasie und seinem Genie freien Lauf. Ein riesiges Holzmodell zeigt noch heute, wie er sich die St.-Paul´s-Cathedral eigentlich vorgestellt hatte. Mitten in London würde sich heute ein monströser Sakralbau in den Himmel erheben, dessen Ausmaße die reale Kathedrale im wahrsten Sinne des Wortes in den seinen gewaltigen Schatten stellen würde. So blieb nur das Modell, eine Idee und viele Kompromisse, bis zur Verwirklichung eines berühmten Bauwerks. Philip Wilkinson erzählt diese und 49 weitere architektonische Geschichten. Er illustriert sie mit den Blaupausen und Skizzen, Bauplänen und Fotografien, die diesen gewagten Utopien helfen, sich in unserem Geist festzusetzen. Wir fühlen uns, als dürften wir darüber entscheiden, ob die Pläne Realität werden könnten. Ein wundervolles Leseerlebnis voller visueller Highlights.

Und so geht es weiter im Atlas. Man lässt sich mitreißen und treiben, schmunzelt und staunt gleichermaßen. Die Geschichten dieser ungebauten Gebäude verankern sich tief in unserem Gedächtnis. Wer schon jetzt neugierig auf die „Walking City, eine Kuppel über Manhattan, den Watkin`s Tower, den triumphalen Elefanten, Wohnungen auf Brücken oder den Tour Sans Fin ist, der ist bereit für diesen Atlas. Und wenn ihr euch in eurem belesenen Umfeld umschaut, dann fallen euch zahllose Freunde ein, die sich mit einem solchen Prachtband in die Welt der Visionen und Luftschlösser träumen und dort frei fliegen können. Ich kann diesen Prachtband wärmstens empfehlen. Ich selbst zelebriere mein Lesen. Ich umgebe mich gerne mit Büchern, weil sie meinen Lifestyle prägen. Mit diesem Atlas lässt sich das Lesen vortrefflich feiern.

Nun gut, für Menschen, die auf der Baustelle des Berliner Flughafens arbeiten, ist dieses Buch sicher nicht das geeignete Geschenk. Dies aber nur am Rande.

Atlas der nie gebauten Bauwerke - Philip Wilkinson - AstroLibrium

Atlas der nie gebauten Bauwerke – Philip Wilkinson

Wo wir schon mal bei Gebäuden sind, können wir auch gleich einen Blick auf ein weiteres Prachtbuch werfen, in dessen Mittelpunkt das ewige Leuchtfeuer magischer Bauwerke seine Kreise zieht. „Wächter der See – Die Geschichte der Leuchttürme“ eignet sich ebenso perfekt als Weihnachtsgeschenk, weil sich dieser Foliant an unsere Lesevorlieben schmiegt, wie ein Lichtschweif am Horizont. Leuchtturm-Lesen. Wer hat das noch nicht erlebt. Hier geht´s zu meiner Buchvorstellung.

Wächter der See – Die Geschichte der Leuchttürme von R.G. Grant

Noch mehr unmögliche Atlanten bei dtv… Kein Problem, wie es scheint…

Atlas der nie gebauten Bauwerke - Philip Wilkinson - AstroLibrium

Unmögliche Atlanten…

Weitere Empfehlungen für den Gabentisch folgen… Blind Date inklusive.

„Die Wahrheit über Monster“ von Tim Dowling

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling - AstroLibrium

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Man kann es ja mit den Ängsten unserer Kleinsten halten, wie man will. Man kann sie ignorieren, herunterspielen, sich darüber lustig machen, oder sie ernstnehmen. Sie wirken sich jedoch nicht nur belastend auf Kinder aus, sondern verkomplizieren unsere Vorstellung vom ganz normalen Alltag. Eltern können mehrere Lieder davon singen. Es sind schlaflose Nächte an der Seite des verängstigten Nachwuchses, es sind Nächte in denen das eigene Bett von bibbernden kleinen Wesen erobert wird und Abende, die es in sich haben, weil es nicht gelingt, den eigenen Kindern glaubhaft die Ängste davor zu nehmen, das Kinderzimmer sei voller schrecklicher Monster…

So wird das Einschlafen zur Qual. Es gibt nun viele Möglichkeiten, sich mit der Angst auseinanderzusetzen. Sie einfach zu ignorieren hilft nicht weiter. Also greift man zu den bewährten Hausmitteln, beschwichtigt, verharmlost und als letzte Eskalationsstufe geht man dazu über, den Kleinen Lügen aufzutischen. Richtig gelesen. Lügen. Das reicht im Allgemeinen, um sie zu beruhigen. „Es gibt keine Monster. Du kannst ganz beruhigt im Dunklen schlafen. Nachts ist noch nie was passiert. Das sind ganz normale Geräusche. Keine Angst.“ Kennen wir alles, weil wir es in unserer Kindheit selbst gehört haben. Und jetzt schmunzeln wir über die Ausflüchte unserer Eltern und retten uns in vergleichbare Verhaltensmuster.

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Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Monsterpulver wird gekauft. Das Kinderzimmer wird mit magischen Abwehrritualen in Nullkommanichts zur monsterfreien Zone erklärt und das abendliche Einschlafritual wird zur Nervenprobe für alle Beteiligten. Dabei gibt es weitere Möglichkeiten, sich mit Angst auseinanderzusetzen. Bücher. Gemeinsames Lesen, pädagogisch wertvolle Tipps und Denkimpulse, die gerade in Bilderbüchern besser funktionieren, als in der Realität. Hier finden wir unterschiedliche Wege, die dem Nachwuchs Auswege aus ausweglosen und beängstigenden Situationen aufzeigen. Man muss nur den richtigen Weg wählen. Zwei denkbar gute Alternativen möchte ich vorstellen. Zwei Varianten der Angstbewältigung, die aus meiner Sicht gute Chancen auf Erfolg haben.

MONSTA“, geschrieben von Dita Zipfel und illustriert von Mateo Dineen, ist vom Tulipan Verlag als rezeptfreie Therapie für Monsterängste aller Art in Umlauf gebracht worden. Ich habe dieses Bilderbuch bereits vorgestellt. Es basiert auf dem Ansatz, den Kindern gegenüber zuzugeben, dass es durchaus Monster gibt. Nur eben nicht hier bei ihnen. Dazu liegt dem Buch gar ein handschriftliches Kündigungsschreiben von Monsta bei, mit dem sich leicht nachweisen lässt, dass die Luft endgültig rein ist. Ich mag diese Idee. Ich mag die Vorstellung vom gelangweilten Monster, das frustriert abhaut und sich auf die Suche nach ängstlicheren Kindern macht. Ob diese Methode jedoch immer hilft, muss der Praxistest erweisen.

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling - AstroLibrium

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Ein anderer Denkansatz stammt aus der Feder von Tim Dowling, der Kindern Die Wahrheit über Monster erzählt. Auch hier haben wir es mit einem Bilderbuch zu tun, in dem Text und Illustrationen Hand in Hand gehen, um das Leben der kleinsten Leser zu erleichtern. Beiden Werken ist der philosophische Ansatz gemeinsam, die Existenz solcher Monster nicht einfach zu leugnen. Kinder werden ernst genommen, ihre Ängste werden nicht heruntergespielt, man zeigt eben nur auf, wie man jene Monster besiegen kann. Entweder, wie bei „Monsta“, indem man einfach zu tapfer und mutig war und das gruselige Wesen sich gelangweilt vom Acker gemacht hat, oder, und das ist der Ansatz von Tim Dowling, indem man den Kindern zeigt, wie Monster wirklich gestrickt sind.

Hier kommt die kleine Luna ins Spiel. Tja, und wie es so ist im richtigen Leben, ist es das kleine Mädchen, das eigentlich das wahre Monster im Haus ist. Sie ist ungezogen, frech und hat es faustdick hinter den Ohren. Und sie hat eines ganz sicher nicht: Angst vor Monstern. Sie freut sich sogar, wenn sie den Unwesen begegnet. Aber wie groß ist ihre Enttäuschung, als sie feststellen muss, wie wohlerzogen, brav und ängstlich diese Gesellen doch in Wirklichkeit sind. Dagegen ist jedes kleine Kind ein Schreckgespenst. Hier hält der Autor unseren Kindern auf sehr sympathische Art und Weise den Spiegel vors Gesicht und stellt ganz offen die Frage, wer denn eigentlich schlimmer ist. Unsere lieben Kleinen oder die größten Fantasiemonster, die man sich nur vorstellen kann.

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling - AstroLibrium

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Ein greifbarer Ansatz, wissen wir doch selbst, wozu unsere Kleinen fähig sind. Es macht Spaß, „Die Wahrheit über Monster“ zu erfahren und die Lehren dieses Buches ins eigene Leben zu übertragen. Der Ansatz ist pädagogisch wertvoll, weil wir uns nicht über die Ängste lustig machen, sondern viel eher darüber nachdenken, wie schlimm ein Monster wirklich sein kann. Und während bei „Monsta“ das gefrustete Schreckgespenst das Haus verlässt, ziehen kleine und große Monster bei Luna im Zimmer ein. Sie finden ein neues Zuhause. Sie sind brav und jagen niemandem einen Schrecken ein. Sie sind alles andere als frech. Jetzt haben sie ihre kleine Lehrmeisterin vor Augen. Luna kann ihnen sicher einiges beibringen.

Die Zeiten des Monsterpulvers sind vorbei. Zwei, im Ergebnis sehr unterschiedliche Bücher können für ruhige Nächte in vielen Kinderzimmern sorgen. „Monsta“ macht die Bude monsterfrei und „Die Wahrheit über Monster“ (Bohem Verlag) sorgt dagegen für einen Zuwachs an freundlichen und harmlosen Monstern unter dem Bett. Beide Bücher nehmen die Angst, anstatt sie zu leugnen. Beide Bilderbücher nehmen die Ängste ernst und spielen sie nicht herunter. Es ist der Umgang mit der eigenen Angst, den wir hier in spielerischer Art und Weise lernen und vermitteln können. Wer also wieder einmal eine ruhige Nacht ohne verängstigte Kinder erleben möchte, der sollte zu einem Bilderbuch greifen. Erstens ist der gemeinsame Spaß vorprogrammiert und zweitens gibt es nichts Schöneres als ein befreites Kinderlächeln beim Einschlafen…

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling - AstroLibrium

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

Man kann den Versuch ja schon zum Weihnachtsfest wagen. Eines dieser beiden Bilderbücher würde sich gut auf dem Gabentisch machen. Beide zusammen sollte man jedoch nicht verschenken. Sie widersprechen sich doch zu sehr in der Lehrmeinung. So ist es ja immer in der Monster-Wissenschaft. Frohes Fest. Mit oder ohne Monster.

Bilderbuchwelten in der kleinen literarischen Sternwarte

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„Die Rache“ – Nach Japan mit Shugoro Yamamoto

Die Rache von Shugoro Yamamoto

Es ist wieder einmal Japan. Es ist der gesamte Kosmos einer Kultur, die sich gerne in seidene Gewänder hüllt und sich vor den Augen der Welt verbirgt. Es sind Traditionen, die sich der westlichen Sichtweise entziehen und es ist eine Lebensweise, die Werte in den Vordergrund stellt, die in ihrer kaum nachvollziehbaren Überhöhung schon oft den Untergang Japans heraufbeschworen haben. Stolz bis zur Selbstaufgabe, Tapferkeit in den aussichtslosesten Situationen, Treue bis zum Kadavergehorsam, Kaiserverehrung, die Unmöglichkeit, Gefühle offen zu zeigen und das Bekenntnis der Frauen zu devotem Verhalten. Traditionelle Verhaltensmuster, die noch heute auf der Abschottung Japans gegenüber der restlichen Welt basieren. Unverfälscht und aus unserer Sicht nicht mehr zeitgemäß. 

Und doch wieder so faszinierend, weil diese sozialen Codes dafür verantwortlich sind, dass die japanische Bevölkerung mit Schicksalsschlägen oder Katastrophen eher souverän, als kopflos umgeht. Vieles ist in der Vergangenheit angelegt und oftmals sind wir Europäer angesichts der Fremdartigkeit dieser Kultur eher ratlos. In der Literatur ist es schon oft gelungen, Brücken zu bauen, Verständnis und Empathie zu wecken, fremd und fern wirkende Denkweisen transparenter zu machen und dabei zu helfen, Grenzen zu überwinden. Ich war schon oft in Japan. Literarisch wohlgemerkt und immer kam ich mir fremd vor. Ein echter Gaijin, der es wagt japanischen Boden zu betreten und schon im Denken und Fühlen kein einziges Fettnäpfchen auslassen kann. Aber ich gebe nicht auf. Japan. Immer wieder Japan.

Die Rache von Shugoro Yamamoto

Das Kopfkissenbuch“ von Sei Shonagon machte mich mit den Sitten und Bräuchen am japanischen Kaiserhof vertraut. Die Indiskretionen dieser japanischen Hofdame und die geheimen Gedanken der jungen Frau waren meine Wegweiser in die Literatur über das geheimnisvolle Land. Ich lernte mit Jean-Marc Ceci Kraniche falten und Probleme aus einer anderen Perspektive heraus als Chance zu betrachten. „Herr Origami‘ ist ein guter Lehrmeister. Ich lernte an der Seite von Paulo Coelho die Kunst des Kyūdō. „Der Weg des Bogens“ zeigte mir, dass Pfeile nicht immer ihr Ziel treffen müssen, wenn es darum geht, kunstfertig zu sein. „Sadako“ zeigte mir, wie sehr man sich entfalten kann, wenn man sich dem Falten tausender Origami-Kraniche hingibt. „Ein einfaches Leben“ verdeutlichte mir, dass nicht nur ich selbst fremd in diesem Land sein kann. Auch aus der Sicht einer koreanischen Familie ist es schwer bis unmöglich, in Japan heimisch zu werden.

Über allem jedoch steht meine Reise nach Japan, als das Land völlig abgeschottet war. „Seide“ ist eines der wichtigsten Bücher meines Lebens, weil mich die sprachlose Begegnung einer japanischen Frau mit einem Europäer so nachhaltig geprägt hat, wie kaum eine andere Geschichte. Ich las Murakami und Yoko Ogawa. Ich folgte Autoren auf ihren Reisen nach Japan und wusste schon vorher, auf welche Konflikte sie stoßen würden. Interkulturell hat mich das Lesen in meinem japanischen Lesezimmer in jeder Beziehung bereichert. Ich freue mich immer wieder darauf, neue Erzählräume betreten zu dürfen, neue Geschichten zu entdecken und scheue auch nicht mehr davor zurück, wenn es sich hierbei um Erzählungen aus dem Herzen der japanischen Seele handelt.

Die Rache von Shugoro Yamamoto

Die Rache“ von Shugoro Yamamoto, erschienen bei Cass, ist ein schmaler Band, der es in sich hat. Es sind gerade einmal 55 Seiten mit vier Illustrationen, die der Autor sich gönnt, um eine Geschichte zur Entfaltung zu bringen, die sich meinem westlichen Denken nicht entzieht. Sie ist nicht sperrig, philosophisch oder kryptisch. Sie basiert auf gelebter Tradition und einem erfrischenden Missverständnis. Hier prallen keine Welten aufeinander, es ist eher das Aufeinanderprallen japanischer Verhaltenserwartungen mit einem jungen Mann, der sich außerhalb dieser Normen bewegt. Das ist erfrischend zu lesen, weil ich hier feststelle, dass nicht nur ich von einem Fettnäpfchen zum nächsten springe. Auch im traditionellen Japan können Missverständnisse für große Geschichten sorgen. Schmunzeln garantiert inklusive.

Dabei befinden wir uns im Jahr 1645. In der Welt der Abschottung, der Samurai und der überbordenden Ehrbegriffe in Japan. Eigentlich kein Spielraum für einen Ausbruch aus dem sozial vorgegebenen Normenkatalog. Und doch lernen wir einen jungen Mann kennen, der uns in der kleinen Erzählung wahrlich ans Herz wächst. Iwata. Sein Vater wird vom größten Schwertkämpfer seiner Zeit abgeschlachtet. Iwata selbst wird von der eigenen Familie verstoßen. Er ist einfach unwürdig, möchte gerne Koch sein, was dem dahingemetzelten Vater gar nicht schmeckte. Iwata bleibt nur noch ein Ausweg. Betteln. Und so lässt er sich in einer ärmlichen Hütte am Wegesrand nieder und bettelt. Das war es dann mit den hochfliegenden Träumen von einem schönen Leben als Koch mit einer wundervollen Frau an seiner Seite. O-Kita wäre seine Frau geworden. Aber so? Bettler sind wenig ehetauglich…!

Die Rache von Shugoro Yamamoto

Aus dieser verzweifelten Ausgangssituation konstruiert Shugoro Yamamoto eine Geschichte, die lange in Erinnerung bleibt. Sie benötigt nicht viele Seiten, um sich entfalten zu können. Sie ist wie ein Origami, das man auseinanderfaltet und in dessen Muster wir alle Wendungen des Schicksals erkennen können. Kein Weg verläuft linear. Kreuzungen und Abwege bestimmen das Bild. Iwata erlebt am eigenen Leib, wie sehr man sich täuschen kann, wenn man einen vorbestimmten Weg einschlägt. Hier spielen ihm die Tradition und die Erwartungshaltung seiner Mitmenschen ein sehr erfreuliches und unverhofftes Schnippchen. Er erhält pausenlos Besuch in seiner Hütte. Er wird von seinen Besuchern reich beschenkt. Gold, Silber und wertvolle Speisen finden den Weg zu ihm. Als auch noch die liebliche O-Kita auftaucht, um ihn frisch einzukleiden, keimt ein Verdacht in Iwata. Die denken doch wohl nicht, er wolle…? Einen Samurai?

Grandios erzählt. Frisch erzählt und dabei schon vor so langer Zeit erzählt. 1952 erschien die Geschichte in Japan. Seitdem gehört sie zu den Klassikern japanischer Literatur. Dabei wirkt der Schriftsteller Shugoro Yamamoto selbst schon ein wenig wie sein tragikomischer Protagonist. Der 1967 verstorbene Autor brauchte lange, um in der Literaturszene anzukommen, und als er es endlich geschafft hatte, lehnte er fortan jede Auszeichnung und Anerkennung ab. Auch so ein Missverständnis. Was ihm schreibend gelang, ist zeitlos. Seine Dialoge sind nicht verstaubt, wenig traditionell und wenn Iwata das Wort ergreift, muss man auch mal herzhaft lachen…

Die Rache von Shugoro Yamamoto

„Hä?“ Iwata spuckte aus. „Was war das denn? Ist der noch richtig im Kopf?… Sie vertreiben mich nicht? Was sagt man dazu?… Und dann krieg ich auch noch eine Silbermünze. Wollen die mich auf den Arm nehmen?“

Ja, hier reibt man sich ob der sprachlichen Frische die geneigten Leseraugen. Es ist ein Kleinod aus Japan, das hier in deutscher Erstausgabe vorliegt. Vier Illustrationen aus der Feder von Hideki Nagai runden das Rache-Erlebnis ab. Ein Buch nicht nur für Japan-Liebhaber oder Samurai-Fans. Einfach ein Roman mit einer kurzen Geschichte, die im Gedächtnis bleibt. Diese Geschichte entledigt sich vieler Klischees und unterhält bravourös. Wer das Bogenschießen beherrscht, Origamis falten kann und sich traut, als Gaijin eine Lesereise nach Japan zu unternehmen, der sollte herausfinden, warum der junge Bettler so reich beschenkt wird, was sich die schöne O-Kita vom gar nicht armen Iwata erhofft und wie diese Geschichte endet. Es lohnt sich. Nehmt Rache…

Hai… das heißt auch in der kleinen literarischen Sternwarte JA. Zu Japan… 

Die Rache von Shugoro Yamamoto

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„In der Nacht hör´ ich die Sterne“ von Paola Peretti

In der Nacht hör` ich die Sterne von Paola Peretti

140 Schritte…

Das ist die Entfernung zwischen der neunjährigen Malfalda und ihrem Baum. Auf diese Distanz kann sie den Kirschbaum gerade noch erkennen. Schemenhaft. Malfalda droht zu erblinden. Wie dichte Nebelschleier schieben sich große schwarze Flecken vor ihre Pupillen. Malfaldas Nebel heißt Stargardt-Nebel und wird immer dichter. Sie muss immer näher an Dinge herangehen, um sie noch zu erkennen. Sechs Monate geben ihr die Ärzte noch, bis die schwarzen Flecken das Augenlicht für immer verdunkeln. Schritt für Schritt wird die Distanz zwischen ihr und dem Baum geringer. Der Countdown ihres Sehens und Erkennens läuft unerbittlich ab. Malfalda wird bald erblinden…

100 Schritte

Die italienische Schriftstellerin Paola Peretti lebt mit diesem Countdown. Im Alter von 17 Jahren wurde bei ihr der Morbus Stargadt diagnostiziert, eine ererbte Form der Makula-Degeneration. Seitdem weiß sie, dass es irgendwann unwiderruflich dunkel um sie herum wird. Heute, im Alter von etwas mehr als dreißig Jahren, muss auch sie sich den Menschen immer weiter annähern, um sie zu erkennen. Auch sie muss die Distanz verringern. Auch Ihr Sehen spielt sich im Countdown der abnehmenden Entfernung ab. Wer, wenn nicht Paola Peretti, kann sich also besser in Malfalda hineinversetzen? Wer könnte einen Roman über ein erblindendes Mädchen besser schreiben als sie? Wer ist in der Lage, Lesern dieses Gefühl der zunehmenden Verdunkelung näherzubringen?

In der Nacht hör` ich die Sterne von Paola Peretti

80 Schritte…

In der Nacht hör´ ich die Sterne“ heißt der bewegende Roman von Paola Peretti, in dem sie uns an die Hand nimmt und die Distanz zur kleinen Malfalda verringert. Wir müssen ganz nah an Menschen herangehen, um sie zu erkennen. Nicht das Äußere ist hier von Bedeutung. Nur die Nähe lässt uns erkennen mit wem wir es tun haben. Paola Peretti schärft unsere Sinne für ein Mädchen, dem einer der wichtigsten Sinne verloren geht. Wir werden Wegbegleiter eines dramatischen irreversiblen Countdowns und sind doch zumeist selbst blind für das Schicksal anderer Menschen. Empathie ist die zentral angelegte Botschaft dieses Romans, der so viel mehr ist, als nur ein Roman.

60 Schritte…

Wenn wir Malfalda folgen, erleben wir ihre verzweifelte Suche nach den wichtigen Dingen im Leben, die sie noch so gerne erleben möchte, solange sie sieht. Wir erleben, wie sie Listen befüllt, Wünsche formuliert und diese verwirft, wenn sie mal wieder einer Realität ins Auge blicken muss, die sich nebulös vor ihr entfaltet. Wir erkennen mit ihr, dass die Suche nach wahren Freunden, die sogar bereit sind, die Dunkelheit zu teilen von elementarer Wichtigkeit ist. Und wir lernen den jungen Filippo kennen, der sich gut vor den Augen seiner Mitmenschen zu verbergen weiß, der in der Tiefe seines Herzens jedoch der perfekte Freund für Malfalda wird. Wir treffen auf Menschen, die ihr den Tag erleichtern. Selbstlos und selbstverständlich. Sie setzen die Maßstäbe, wie Verständnis und Hilfe aussehen kann.

In der Nacht hör` ich die Sterne von Paola Peretti

40 Schritte…

Malfalda heilt uns von unserer sozialen Blindheit. Sie zeigt uns auf, wie man gegen Dunkelheit ankämpfen kann. Sie spielt mit Metaphern und Bildern, die sich tief in unser Lesen einbrennen. Sie fokussiert, was doch eigentlich zu verschwimmen droht. Und sie zeigt auf, wie wichtig die Literatur sein kann, wenn man nach Halt sucht. Ohne Antoine de Saint-Exupéry könnte Malfalda nicht leben, weil „Der kleine Prinz“ ihr vorlebt, was für sie zur Selbstverständlichkeit werden wird. Hier wird der Roman zur Hommage, zur Liebeserklärung an den kleinen Prinzen, weil wir an der Seite von Malfalda auf ein Zitat stoßen, das erstmalig in dieser Tragweite greifbar wird.

„Hier ist mein Geheimnis. Es ist sehr einfach. Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unverzichtbar.“

In der Nacht hör` ich die Sterne von Paola Peretti

20 Schritte… 

Ein großer Roman und wichtiger Roman, der zum wahren Sehtest für unser Herz wird. Ich habe mich mit diesem Roman aufs freie Feld begeben. Ich habe schrittweise die Distanz zu einem Baum verringert, um mich in Malfalda hineinversetzen zu können. Ich habe eine Liste der wichtigsten Dinge verfasst, die ich noch gerne sehen würde. Ich habe mir überlegt, wie man Menschen in solchen Situationen helfen kann und ich habe den kleinen Prinzen neben „In der Nacht hör` ich die Sterne“ gelegt, weil beide Bücher einfach zusammengehören. Ich habe mit Malfalda gelitten, gehofft und Kraft geschöpft. Ich kann Euch dieses Buch und seine gelungene Hörbuchfassung nur ans Herz legen.

Ein Hörbuch von Der Audio Verlag, bei dem es der Sprecherin Jodie Alhorn gelingt, die Distanz zwischen uns und der Geschichte mit jedem brillant betonten Satz immer weiter zu verringern, bis wir in ihrem Kern ankommen. Brillant gelesen. Malfalda lebt.

In der Nacht hör` ich die Sterne von Paola Peretti

10 Schritte…

Und doch stört mich eines an diesem Roman. Es ist der deutsche Titel, der im Buch keine Entsprechung findet. Der italienische Originaltitel heißt „La distanza tra me e il ciliegio”. Die Distanz zwischen mir und dem Kirschbaum. Dem wurde auch in der englischen Fassung entsprochen. Hier kommt der Buchtitel auf den Punkt und verleitet nicht zu der irrigen Annahme, wir hätten es gegebenenfalls mit einer Lovestory zu tun. Lasst Euch vom Titel nicht abschrecken. Verringert die Distanz zwischen Euch und der Geschichte. Lasst sie zu. Dann werdet Ihr feststellen, dass Paola Perettti einer großen und relevanten Geschichte dazu verholfen hat, das Licht dieser Welt zu erblicken, weil sie den Stargardt-Nebel durchstößt.

In der Nacht hör` ich die Sterne von Paola Peretti

1 Schritt…

… trennte mich von Paola Peretti. Ich begegnete ihr auf der Frankfurter Buchmesse, erlebte eine sehr lebenslustige und sympathische Autorin und sah doch ganz tief in ihr die kleine Malfalda verborgen, über die sie so bewegend schrieb. Sie brauchte Distanz zu ihrer Protagonistin, um letztlich auch über sich selbst erzählen zu können. Sie fand den Abstand im großen Altersunterschied. Diese Distanz schwindet von Seite zu Seite. Wir realisieren mit sehenden Augen, welche Geschichte sich hier wirklich Bahn bricht. Das macht sie umso bemerkenswerter und wichtiger für unser Lesen.

0 Schritte…

… trennten mich am Ende der Begegnung von Paola Peretti. Ich schenkte ihr eine meiner kleinen Büchereulen. Doch diesmal suchte das Eulchen nicht nach einer neuen Hüterin, sondern versprach, mit ihren scharfen Eulenaugen fortan auf Paola Peretti zu achten. Rosali ist in guten Händen, wie man auf den Bildern sehen kann. Sie hat dazu beigetragen, dass die Distanz zwischen der Autorin und mir sich gänzlich auflöste. Für mich der schönste Moment der Frankfurter Buchmesse 2018. Jetzt fliegt zum nächsten Buch und passt auf Euch auf! Danke für diese Begegnung, Stefanie Broller, dtv und Paola. Ich werde das nie vergessen…

In der Nacht hör` ich die Sterne von Paola Peretti

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