Der Bücherdrache von Walter Moers [Zamonien]

Der Bücherdrache von Walter Moers - AstroLibrium

Der Bücherdrache von Walter Moers

Gerade erst habe ich mich vom Schock erholt, dass es gar kein „Weihnachten in der Lindwurmfeste“ gibt. Es ist erst wenige Wochen her, seit mir der wohl populärste Lindwurm Zamoniens, Hildegund von Mythenmetz, der eigentliche und wahre Autor der meisten Geschichten dieses fantastischen Kontinents, alle Drachenzähne gezogen hat und frei heraus erklärte, es handele sich bei diesen Weihnachtsritualen lediglich um zufällige Ähnlichkeiten mit den uns bekannten Festtagsabläufen. Nur knapp war ich der Gefahr entronnen, einen „Bücherräumaus“ zu veranstalten, weil das ja eine so schöne zamonische Tradition sei. Alles ist beim Alten. Alle Bücher und Hörbücher sind noch da. Ganz besonders diejenigen von Walter Moers. (Weiterhören bei Radio Hörbahn)

Der Bücherdrache - Walter Moers - Die Rezension fürs Ohr

Der Bücherdrache – Walter Moers – Die Rezension fürs Ohr – Ein Klick genügt

Zamonien. Sehnsuchtsort und fantastischer Mahlstrom der Legenden und Sagen. Nie in Vergessenheit geraten und allzeit omnipräsent. So allgegenwärtig, dass es allein schon ausreicht, das Gerücht von der Existenz eines belesenen Lindwurms in die Welt zu setzen, um die Buchlinge im Gefolge des Meisterautors in Aufregung zu versetzen. Was sich in den letzten Jahren wie ein leichtes zamonisches Geplänkel anfühlte und in allen Lesern große Zweifel säte, ob es nach dem „Labyrinth der träumenden Bücher“ mit großen und wahrhaftigen Geschichten des zamonischen Epos weitergehen würde, mündete nun in eine unglaubliche Erwartungshaltung. „Der Bücherdrache“ warf einen Schlagschatten auf die Literaturlandschaft, der ausreichte, die Lindwurmfeste in ihren Grundfesten zu erschüttern. Aus der Feder von Walter Moers, von ihm selbst illustriert und in der guten Tradition der Mythenmetz`schen Erzählungen sollte es weitergehen.

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Der Bücherdrache von Walter Moers

Der Bücherdrache“. Endlich. Zamonien in Reinstform. Wo uns „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ nur rudimentär an den fantastischen Kontinent und seine Geschichten erinnern konnte, und „Weihnachten in der Lindwurmfeste“ schon eher ein Fest für Buchlinge war, legt Walter Moers nun wieder richtig los. Immer noch nicht im erhofften Volumen einer echten labyrinthischen Fortsetzung, aber mit der Geschichte über ein legendäres Geschöpf, dessen Existenz wir nicht bezweifelt haben. Allein, es fehlte der Beweis. Hier halte ich ihn nun in Händen. Ein Buch, das sich in die Zamonien-Sammlung einfügt, wie ein fehlendes Puzzlesteinchen. Großformatig und in jeder Hinsicht reichhaltig illustriert, nach der Druckerschwärze aus der ledernen Grotte riechend und in seiner Haptik an einen Folianten aus der Bibliothek von Buchhaim nur allzu intensiv erinnernd. Das Herz eines jeden Buchlings macht einen Freudenhüpfer.

Und dann die Geschichte. Diese Geschichte. Hach. Einfach zum Dahinschmelzen. Es ist ja vielleicht nur ein Traum, in den wir mit Hildegund von Mythenmetz fallen. Es ist vielleicht gar nicht wahr, was er uns erzählt, aber… ABER. Ungläubige mögen zweifeln. Wahre Zamonien-Anhänger wissen, dass ihnen hier der Missing-Link zum Ormsumpf in die Hände gelegt wird. Jenem Sumpf, der seit jeher als die Brutstätte der Inspiration zu sehen ist. Ein geheimnisvoller Sumpf, der in Gedichten besungen wird und in dem das Orm entsteht. Jene Energie, die ihrem Besitzer literarisches Genie verleiht. Hier kommt das wahre Gold Zamoniens zur Welt. Ein literarischer Schatz.

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Der Bücherdrache von Walter Moers

„In bösen, dunklen, kalten Tümpeln
Wo alte Bücher Orm gebären
Die tief in toten Sümpfen dümpeln
Wo Bücherwürmer sich vermehren
Wo alle Fragen Antwort finden
Doch niemand seine Frage kennt
Dort soll sich jener Dämon winden
Den man den Bücherdrachen nennt“

Traum hin, Traum her. Ich nehme diese Erzählung für bare Münze. Hildegunst wird lesend von einem Buch eingesaugt. Das passiert schließlich jedem von uns. Tiefer und tiefer fällt er in den Abgrund in und zwischen den Seiten, bis er schließlich dem kleinen Buchling Hildegunst Zwei begegnet. Diese Begegnung mit seinem Alter Ego setzt die Geschichte in Gang, der sich weder Hildegunst noch wir uns entziehen können. Er hat viel zu erzählen, der Miniatur-Buchling. Wahrhaft Bahnbrechendes. Er ist ihm begegnet und noch mehr. Er hat den Bücherdrachen nicht nur aufgespürt und ihn einäugig und eigenäugig gesehen, sondern hat sich sogar mit dem Fabelwesen unterhalten. Hier ist der Beweis für seine Existenz. Es gibt ihn. Den Drachen im Ormsumpf, der nicht lesen kann oder muss. Es reicht ihm schon, sich im Schlamm verrottender Bücher zu wälzen. Und schon greift das Orm nach ihm, inspiriert ihn und macht ihn so klug wie die große Bibliothek von Zamonien.

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Der Bücherdrache von Walter Moers – Andreas Fröhlich

Die Geschichte von Hildegunst Zwei gehört zweifelsfrei zu den magischsten aus dem Zamonien-Zyklus. Er erzählt vom Ursprung seiner Suche, den sechs Klassikern, die ihn verleiten in die Tiefe hinabzusteigen, seiner ersten Begegnung mit dem Drachen und der Unterhaltung auf die sich dieses lebendige Mysterium einlässt. Buchmagie und Literaturfaszination machen sich breit. Der Sumpf erwacht zum Leben und der Buchling Hildegunst Zwei wird zum einzigen Wesen, das in die Geheimnisse des Bücherdrachen eingeweiht wird. Sehr spät erkennt unser Buchling, dass er auf einmal zu viel weiß. Viel zu spät geht ihm das eine Auge auf. Rette sich wer kann, heißt es nun. Eine wilde Hatz durch den Ormsumpf beginnt, an dessen Ende nicht das Ende der Geschichte wartet.

Ihr trefft auf Bücherwürmer, helft dabei, dem Bücherdrachen seine Buchschuppen zu stehlen und spürt die inspirierende Macht des Orm. Ihr werdet zu Zeugen des einzigen Ormrakels, das die Welt je sah und verirrt Euch im Geflecht aus Wahrheit, Lügen und Spekulation. Und nicht zuletzt erkennt Ihr Euch im Bücherdrachen wieder, der nur aus Liebe zur Literatur existiert. Wer würde sich da nicht gerne im Ormsumpf suhlen? Eine grandiose Geschichte, die in allerbester zamonischer Tradition zu begeistern weiß. Im Hörbuch ist es erneut Andreas Fröhlich, mein stimmlicher Zamonienmeister, der alle Charaktere zum Leben erweckt. Seine Interpretation des Bücherdrachen, der nur in der Erzählung des kleinen Buchlings zu Wort kommt, ist magisch. Was die Illustrationen für das Buch sind, ist die Stimmfarbe dieses Wortkünstlers für das Hörbuch. Ich begegnete ihm auf der Leipziger Buchmesse. Ein Gespräch, das noch lange nachwirkt, weil ich in diesem Moment mit allen Stimmen Zamoniens sprach. Und nicht nur mit diesen.

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Der Bücherdrache von Walter Moers

Ja, es ist vielleicht nur ein Traum, den wir hier erlesen und erhören dürfen. Einer zeitlichen Einordnung in den Zamonien-Zyklus entzieht sich dieses Buch jedenfalls mit diesem erzählerischen Trick. Da hat der gute Herr Moers sehr viel Orm getankt, als er diese Geschichte zu Papier brachte. Eigentlich müsste sie nach dem Labyrinth spielen. Eigentlich müsste sie schon im „Schloss der träumenden Bücher“ spielen. In jenem Buch, auf das wir schon so lange warten und dessen Erscheinen schon oft verschoben wurde. Ich mag nicht spekulieren. Dafür lässt „Der Bücherdrache“ auch keinen Raum. Ich nehme es, wie es kommt. Möge der Autor im Orm-Vollbad liegen und das Schloss vor seinem geistigen Auge entstehen lassen. 

Möge er Kraft und Inspiration schöpfen, um uns bald in die große Fortsetzung zu geleiten. Und bis dahin? Still schweigt der Sumpf? In Geduld üben? Oh nein. Da kennt Ihr Walter Moers schlecht. Am Ende des Bücherdrachen findet sich im Buch eine nicht angekündigte illustrierte Leseprobe. Es geht bald weiter. Und das, noch bevor wir uns dem Schloss nähern dürfen. Und wie es weitergeht. „Die Insel der 1000 Leuchttürme“ heißt der klangvolle Titel. Es geht nach Eydernorn und wir dürfen erneut Hildegunst von Mythenmetz folgen, der sich nach dem Traum vom Ormsumpf und dem Bücherdrachen einfach nur erholen möchte. Leuchtturmlesen. Was könnte besser ins Portfolio passen? Leuchttürme sind meine ganz persönlichen Sehnsuchtsorte in der Literatur und meine kleine literarische Sternwarte ist voller magischer Geschichten, in denen sie eine Rolle spielen. Und nun kommen 1000 weitere Leuchttürme hinzu. Leserhörerherz, was willst Du mehr?

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Der Bücherdrache von Walter Moers

Der Bücherdrache von Walter Moers
Penguin Verlag / 192 Seiten / 20 Euro
Der Hörverlag / gelesen von Andreas Fröhlich / 4 Std. 25 Min. / 20 Euro

Zamonien – „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ von Walter Moers

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers - AstroLibrium

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Nein, nein. Keine Sorge. Der Titel dieses Hörbuchs ist völlig falsch und irreführend. Es muss sich hierbei um ein reines Missverständnis handeln, weil ja jedes Kind weiß, dass es in Zamonien wirklich alles gibt, nur kein Weihnachten. Wäre ja auch gelacht. Walter Moers hat ja nicht sein ganzes Herzblut in einen erfundenen Kontinent gesteckt, nur um ihn dann mit den Riten und Gebräuchen auszustatten, die wir aus unserem Leben allzu gut kennen. Nein. Es gibt kein Weihnachten. Niemand feiert das dort. Die Völker dieses Kontinents haben ihre ganz eigenen Feiertage. Die Holzgnomen zum Beispiel feiern ihr Borkenfest, die Gurkenzwerge ein Essigfest. Von den Nattifftoffen ganz zu Schweigen.

Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ von Walter Moers

Nein. Auch die legendären Lindwürmer feiern kein Weihnachtsfest. Also kann man sich dieses Hörbuch völlig unbesorgt anhören, auch wenn man kein Weihnachtsfreund ist. Nun gut. Einmal im Jahr feiern die Lindwürmer schon. Und auf den ersten Blick mag ihr HAMOULIMEPP gewisse Parallelen mit unserem Weihnachtsfest aufweisen. Es ist jedoch weit hergeholt, die beiden Feierlichkeiten in einem Atemzug zu nennen. Hier gilt es endlich mal gründlich mit Vergleichen aufzuräumen und wer könnte dies besser, als der populärste Lindwurm Zamoniens: Hildegund von Mythenmetz, der eigentliche und wahre Autor der meisten Geschichten dieses fantastischen Kontinents? 

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers - AstroLibrium

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Dem aktuell vorliegenden Briefwechsel zwischen dem Lindwurm-Autor und dem Eydeeten Hachmed Ben Kibitzer haben wir es heute zu verdanken, dass wir endlich mit dem Irrglauben von Weihnachten auf der Lindwurmfeste aufräumen können. Wurde aber auch Zeit. Damit ist es bereits das achte Buch, in dem uns Walter Moers in seinen Zamonien-Kosmos entführt. Und noch dazu ist es ein lange herbeigesehntes Werk, das schon mehrfach angekündigt, und immer wieder verschoben wurde. Tja, da musste der begnadete Erzähler wohl intensiver recherchieren, als es zu vermuten war. Jetzt ist es vollbracht. Die Lindwurmfeste erstrahlt in festlichem Glanz und alle Vorbereitungen für Hamoulimepp laufen auf Hochtouren.

Nun heißt es, sich zurückzulehnen und Hildegunst genau zuzuhören. Dann lösen sich die Missverständnisse in Wohlgefallen auf. Also herzlich willkommen in der Heimat der Lindwürmer, jener legendären Festung im Westen Zamoniens, die den intelligenten Nachfahren der zamonischen Dinosaurier, komischerweise oft als Drachen bezeichnet, als Rückzugs- und Zufluchtsort dient. Belagerungen wurden überstanden, kulturelle und soziale Errungenschaften entwickelt und eigene Riten und Gebräuche etabliert. Einmal im Jahr feiert man demzufolge auf der Lindwurmfeste Hamoulimepp. Drei ganze Tage dauern die Feierlichkeiten zu Ehren der Herren Hamouli und Mepp. Hildegunst äußert sich in seinen Briefen mehr als kritisch über den Stellenwert dieser Feiertage, den Sinn und Unsinn der umfangreichen Vorbereitungen und macht aus seinem Herzen keinerlei Mördergrube, wenn er sich als Hamoulimepp-Hasser outet.

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers - AstroLibrium

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Kann man auch gut nachvollziehen, wenn man seinen Ausführungen folgt. Es ist schon mühsam, die steinernen Hamoulimepp-Bäume anzumalen und aufzustellen, die Geschenke an die kleinen Lindwürmer in Felsengeiereierschalen zu verpacken, sich an den Hamoulimepp-Abenden um die Klavorgel zu versammeln, um Lieder wie „Morgen Würmer wird´s was geben“ zu singen, kleine Gedichte auf Lindwurmfesteschnecken zu schreiben, damit sie jeder lesen kann und den Festtagsschmaus Trilobitensuppe in sich hineinzulöffeln. Und dann gilt es auch noch, dem Nachwuchs klarzumachen, dass man eine große Menge Hamoulimepp-Zwerge benötigt, um die Festtagswünsche zu erfüllen, weil Hamouli und Mepp allein das nie hinbekommen würden.

Nun gut. Auf den ersten Blick mutet vieles davon wie unser Weihnachten an. Die beiden zentralen Figuren erinnern deutlich an den Nikolaus und den Knecht Ruprecht, und ja, der Rest kommt uns vielleicht auch ein wenig bekannt vor. Aber wir sollten nicht vorschnell urteilen. Nicht bevor wir die ganze Geschichte gehört haben. Wir können da vielleicht ja auch was lernen. Ich denke nur an das feuerlose Feuerwerk am Ende der Hamoulimeppfeierlichkeiten oder an den Bücher-Räumaus, einen Brauch über dessen Einführung ich inzwischen ernsthaft nachdenke. Vielleicht haben die beiden Feste doch mehr gemeinsam, als man anfänglich denkt. Wer weiß.

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers - AstroLibrium

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Wie dem auch sei. Walter Moers bleibt Walter Moers und Zamonien bleibt immer Zamonien, wie es singt und lacht. Diese Hamoulimpepp-Geschichte ist nun nicht der ganz große Wurf, den man sich vielleicht erhofft hatte, weil die Fortsetzung des letzten großen Zamonien-Romans „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ aussteht. Zwar hat Walter Moers mit „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ die Zamonien-Reihe erfreulicherweise erweitert und unser Lesen bereichert. Und schon im neuen Jahr wurde „Der Bücherdrache“ angekündigt. Aber letztlich warten viele Leser auf das immer wieder verschobene „Schloss der träumenden Bücher“. Sei´s drum. In literarischen Dingen muss man sich in Geduld üben und dankbar für jeden Schritt sein, der uns eine Rückkehr ins geliebte Zamonien ermöglicht.

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers - AstroLibrium

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Besonders, wenn er so gelungen ist wie dieser. Andreas Fröhlich, der Zamonien-Meister dieser Nicht-Weihnachtsgeschichte fesselt uns, wie er uns schon immer zu fesseln wusste. Man staunt, lacht und wundert sich. Hamoulimepp entwickelt sich zur denkbaren alternative unserer hektischen Weihnachtszeit. Ich würde sogar freiwillig den Staub des feuerlosen Feuerwerks aufwischen, wenn wir auf diese Weise um den Krach an Silvester herumkämen. Tolle Idee. Auf ins neue Jahr mit einem farbenfrohen Plopp auf den Lippen. Feiert Hamoulimepp. Ihr könnt die Lindwurmfeste lesend oder hörend besuchen. Egal wie, Ihr solltet es euch nur nicht entgehen lassen.

Die Ausstattung des Hörbuchs (Der Hörverlag) und des Buches (Penguin Verlag) wird dem hohen Fest mehr als gerecht. Die Illustrationen von Lydia Rode, die schon den Nachtmahr in Szene gesetzt hat, begleiten uns durch Hamoulimepp. Wundervoll in jeder zamonischen Beziehung. Ein Augenschmaus, der es inhaltlich locker mit anderen Büchern der Reihe aufnehmen kann, und dem Andreas Fröhlich eine besondere Note verleiht. Hamoulimepp. Hamoulimepp. Mepp. Mepp Mepp.

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers - AstroLibrium

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Jetzt geht´s weiter… „Der Bücherdrache“ ist schon da.

Und hier geht´s zu Weihnachtsempfehlungen und einer besonderen Aktion!

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Der Bücherdrache von Walter Moers – Coming soon…

Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr

Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr von Walter Moers

Jetzt mal ganz langsam mit mir. Ich bin hundemüde und eigentlich gar nicht in der Lage, eine Rezension zu verfassen. Ich habe in den letzten sieben Nächten kein Auge zugemacht, fühle mich wie gerädert und meine Konzentration gleicht der Flatline eines Komapatienten. Fragt jetzt bloß nicht, woran das liegt. Meine Bilder sagen doch genug. Ich habe eine Prinzessin kennengelernt, die über die gleichen Probleme geklagt hat. Es war also nur allzu selbstverständlich, dass ich mich fürsorglich zu ihr gesetzt habe, um ihr ein wenig beizustehen. Hätte ich geahnt, dass ihre mysteriöse Erkrankung für Leser hochansteckend ist, ich hätte mich wohl aus dem literarischen Staub gemacht.

Doch ich konnte Prinzessin Dylia nicht widerstehen und so blieb ich an ihrer Seite. Auch wenn mir noch immer schwindelig ist, hat es sich gelohnt, weil sie mir mehr Kraft gegeben hat, als ich das von einer jungen zamonischen Adeligen erwartet hätte. Schon seit frühester Kindheit leidet sie an der rätselhaften Krankheit, die sie einfach nicht zur Ruhe kommen lässt. Schlaflos in Seattle war gestern. Schlaflos in Zamonien ist heute. Aber wo andere schon lange verzweifelt wären, da schöpft Dylia mit ihrer Kreativität in einer aussichtslosen Situation eine fast schon magisch anmutende Energie, die sie die vielen schlaflosen Nächte überleben lässt. Sie erdenkt sich eine eigene Fantasiewelt, in der sie über ihre Krankheit regiert.

Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr von Walter Moers

Sie bekämpft die psychische Auszehrung der dauerhaften Schlaflosigkeit mit den Waffen ihres Geistes. Sie erfindet Pfauenwörter, die wie das geflügelte Vorbild nur schön sind, ansonsten aber keine sprachliche Aussagekraft besitzen. Sie benennt alle Mondkrater mit eigenen und unvergleichlichen Namen. Sie taucht ihr Leben in Farben, die einen Regenbogen über allen Problemen entstehen lassen und Dylia nennt sich in dieser Scheinwelt Prinzessin Insomnia. In der Verharmlosung liegt ihre Kraft. Worte gehören zu ihren Herrschaftsinsignien. Und im Wortverdrehen liegt der Zauber, der sie vor plötzlich auftretenden Schmerzen abschottet.

Wer fürchtet sich schon vor Schmopfkerzen oder Grämine, wo zuvor Migräne und Kopfschmerzen rasende Spuren hinterlassen haben? Und sie vergleicht die Symptome ihrer Krankheit mit dem Besuch unliebsamer Verwandter. Sie bewahrt Haltung wenn sie auftauchen und signalisiert freundliches Desinteresse, bis sie wieder verschwinden. Ja, von Dylia Insomnia kann man selbst eine ganze Menge lernen. Spätestens bei meiner nächsten Erkältung werde ich versuchen, den Schmalsherzen offensiver zu begegnen. So verbringt man also seine schlaflosen Hallowachphasen an der Seite eines absoluten Insomnolenzprofis. Alles könnte mit offenen Augen weitergehen, wäre da nicht Wesen, das alles nur noch mehr durcheinander bringt.

Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr von Walter Moers

Es handelt sich um einen alptraumfarbenen Nachtmahr. Richtig gelesen, jedoch gar nicht leicht zu fassen, das Kerlchen. Denn jener Havarius Opal hat es sich in den Kopf gesetzt, sich Prinzessin Dylia in den Kopf zu setzen. Und das im wahrsten Wortsinn. Er ist angetreten, um die Schlaflose endgültig in den Wahnsinn zu treiben. Und was eignet sich hierfür besser als eine gemeinsame Fantasiereise in das Hirn der Prinzessin, die ja eigentlich genügend Probleme an den adeligen Hacken hat? Gemeinsam geht es nun los zu einer Reise, die in der Geschichte Zamoniens unvergessen bleiben wird. Es wird eine Reise zu den zwölf schönsten Ängsten der Prinzessin, zu Irrschatten und Grillos, wir treffen auf Zergesser und Geistgeister, stellen uns den Fragen der Egozetten und zittern heftig, wenn wir an Amygdala denken. Die absolut übelste Hirnregion die man sich nur vorstellen kann.

Über allem steht die Frage, wie die Prinzessin ihren alptraumfarbenen Nachtmahr wieder loswerden kann, bevor sie dem Wahnsinn verfällt. Wird sie sich rechtzeitig von ihm trennen können oder ist er sogar der Schlüssel zur Heilung ihrer Schlaflosigkeit. Diese fantastische Reise durch das adelige Gehirn offenbart nicht nur die sprudelnden Quellen des Denkens, sie deckt auch schonungslos auf, wo aus den kleinsten geistigen Fliegen die monströsen Elefanten des Grübelns entstehen. Ich bin noch immer atemlos und tief in meinen Gedanken gefangen und darf gar nicht darüber nachdenken, wie das Denken eigentlich funktioniert. Kopfzerbrechen. Das ist hier wohl das richtige Wort, das dieser zamonischen Geschichte seinen Stempel aufdrückt.

Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr von Walter Moers

Ja, wir sind zurück in „Zamonien„. Der legendäre Walter Moers entführt uns mit „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ auf eine unglaubliche Reise auf seinen fantastischen Kontinent, den wir schon so oft besuchen durften. Und doch ist es keine einfache Fortsetzung seiner bisherigen Geschichten. Es ist nicht die erhoffte Fortsetzung der Stadt der Träumenden Bücher. Für mich ist es viel mehr, weil Walter Moers aus einer Idee zu einer Kurzgeschichte dieses eigenständige Werk im Orbit seines Schaffens kultiviert hat. Ein auffallend anderes Buch, wenn man sich die bisherigen zamonischen Legenden genauer anschaut. Nicht Walter Moers hat es selbst illustriert. Diesmal ist vieles anders. Und genau das verleiht dieser Geschichte ihre ganz eigene zeitlose Strahlkraft.

Schlaflosigkeit ist ein dominantes Thema in diesen Tagen. Man behandelt sie oft medikamentös oder versucht ihr mit intensiven Therapien auf die Spur zu kommen und warnt vor ihren Folgen. Sie gehört zu den Symptomen schwerer Erkrankungen und wir nehmen Begriffe, wie Schlaflabor und Schlaftabletten doch nur beiläufig wahr. Hier ist Prinzessin Insomnia ein literarischer Weckruf, der deutlich aufzeigt, welche Folgen es für den Betroffenen hat, wenn Nächte durchwacht und Ruhephasen nicht mehr möglich werden. Lydia Rode kann ein Lied davon singen, leidet sie doch selbst an einer bislang unheilbaren Erkrankung. CFS. Chronisches Fatigue- oder Erschöpfungssyndrom nennt sich ihre Krankheit, die mit andauernder Schlaflosigkeit einhergeht.

Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr von Walter Moers

Doch Lydia Rode besingt ihre Erkrankung nicht. Sie unterhielt sich mit Walter Moers darüber, inspirierte ihn zu der zamonischen Geschichte, die sie mit Aquarellen und den eigenen faszinierend schönen Eindrücken aus ihrer Welt illustrieren sollte. Diese Bilder sind nun in Prinzessin Insomnia zu bewundern. Und Lydia Rode wird persönlich zur heimlichen Protagonistin eines imposanten Werkes. Der Knaus Verlag hat Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr in der gewohnt zamonisch exquisiten Aufmachung veröffentlicht. Ein grandioser Buchkunstaugengenuss, der seinen Platz in unseren Zamonien-Bücherregalen verdient hat.

Der Hörverlag hat diese Zamonie-Geschichte in aufwendiger Produktion mit der Stimme von Andreas Fröhlich zum Leben erweckt. Seine Interpretation Havarius Opals erinnert an die besten Zeiten eines Stollentrolls, der durch Dirk Bach unsterblich wurde. Hier passt alles. Die Atmosphäre und die sonore Stimme tragen durch das Hirn der Prinzessin. Darüber hinaus kann man einfach hören, wenn man in schlafloser Nacht nicht mehr lesen mag. Und wer denkt, dass diesem Hörbuch die Illustrationen von Lydia Rode fehlen, der sollte sich das aufwendig gestaltete Booklet mal näher anschauen. Ich habe gehört und gelesen. Immer im Wechsel. Schlaflos mit weit aufgerissenen Augen und offenem Herzen. Für mich der wohl intensivste Roman aus der zamonischen Feder von Walter Moers. Seine Botschaft ist heilsam. Vielleicht ja auch für Dylia / Lydia.

PS: Gibt es Weihnachten in Zamonien? Hier ist die Antwort von der Lindwurmfeste.

Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr von Walter Moers

Jetzt geht´s weiter… „Der Bücherdrache“ ist schon da.

Der Bücherdrache von Walter Moers - AstroLibrium

Der Bücherdrache von Walter Moers