„Das Leben des Vernon Subutex 3“ von Virginie Despentes

Das Leben des Vernon Subutex 3“ von Virginie Despentes - AstroLibrium

Das Leben des Vernon Subutex 3 von Virginie Despentes

Es ist schon so ein Kreuz mit Trilogien. Spätestens im Mittelband merkt man, wohin der Hase läuft, was man vom Ende erwarten darf und ob die zuvor investierte Lesezeit verschwendet war. Mittelbände lügen nicht. Entweder dienen sie als Story-Streckmittel, oder sie greifen relevante Fäden auf und man merkt als Leser, dass die Trilogiestruktur extrem sinnvoll war. „Das Leben des Vernon Subutex“ von Virginie Despentes ist an der Stelle angelangt, an der sich die literarischen Geister normalerweise scheiden. Am Ende eines starken Mittelbandes lag so viel Potenzial in der Luft, dass ich es nur kaum erwarten konnte, das Ende endlich lesen und hören zu dürfen. Meine Rezension leitete in die offenen Fragen über, die der Schlussband zu beantworten hatte…

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Das Leben des Vernon Subutex 3 von Virginie Despentes

Es gilt einen Mord aufzudecken, verloren geglaubte Tonbänder wiederzufinden, eine sich radikalisierende Tochter vom Islam fernzuhalten, für brutale Überfälle zu büßen, in Freundschafts-Kummer zu verfallen und ganz nebenbei die Stadt und sich selbst immer wieder neu zu definieren. Grandios, wie Virginie Despentes bekannte Fäden aufgreift, sie mit neuen verbindet und dann zu einem Spinnennetz verwebt, in dessen Mitte sie in aller Seelenruhe ihre Fäden zieht. Egal, wo sich etwas bewegt, alles vibriert. Es ist kein Ende in Sicht, wenn wir das Buch oder seine Hörbuchfassung verlassen. Es wird schon alles gutgehen. Es wird alles weitergehen. Es wird schon werden. So sitzt man vor dem letzten Wort dieses Mittelbandes. Wir werden Zeugen, wie sich eine Subkultur bildet, in deren Mittelpunkt niemand anderes steht, als der charismatische Looser Subutex. Nein, es endet nicht in Paris. Ja, ich freue mich auf die Fortsetzung und das Ende der Story, die mich immer noch bewegt. Ich freue mich auf alte und neue Bekannte. Oh ja, ich bin schon sehr gespannt auf „Das Leben des Vernon Subutex – 3“. Wir sehen und hören uns wieder… Versprochen…“

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Das Leben des Vernon Subutex 3 von Virginie Despentes

Ich löse mein Versprechen ein. Hier bin ich wieder. Und nun am Ende des Lesens und damit am Ende der „Vernon-Subutex-Trilogie“ angelangt. Es ist nicht leicht, im Rückblick auf drei Bücher ein schlichtes Fazit zu ziehen. Virginie Despentes hatte mehr mit ihren Lesern vor, als man erwarten konnte. Das weiß ich jetzt. Sie hat nicht nur eine Aussteiger-Story erzählt. Sie hat uns nicht nur die Türen zu Menschen aufgestoßen, die in jeder Hinsicht für das moderne Frankreich in all seiner Zerrissenheit stehen. Wir sind der Erzählerin Despentes auf den literarischen Leim gegangen, denn während sie uns manchmal mit Nebenkriegsschauplätzen und scheinbar Belanglosem einlullte, bereitete sie den großen Anschlag auf unser Lesen vor.

Während wir davon ausgingen, Vernon Subutex und seine Freunde einfach noch ein wenig länger durch Paris begleiten zu dürfen, waren wir in Wirklichkeit schon Teil eines großen Plans, der im Schlussband der Trilogie gnadenlos aufging. Ja, diese Trilogie ist zutiefst politisch. Ja, sie ist ein Breitspektrum-Literarikum, das vom sozialen Zentrum ausgehend, alle extremen Ränder berührt. Ja, sie ist ein gesellschaftlicher Sandkasten, in dem uns ein Paris vor Augen geführt wird, das nur noch an der Oberfläche halbwegs intakt ist. Dabei bröckelt es schon an allen Ecken und Enden und nicht nur die Metro ist dabei, die Stadt weiter zu unterhöhlen. Jetzt fallen die Fassaden, jetzt wird der Plan der Autorin offensichtlich.

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Das Leben des Vernon Subutex 3 von Virginie Despentes

All die Menschen, die uns im Roman zuvor begegnen, all die kleinen und großen Geschichten münden in eine Geschichte, die uns nur zu gut bekannt sein sollte. Wir begegnen dem Terror in Paris. Wir erleben die Auswirkungen des ersten Anschlags auf die Seele der Stadt. Noch indirekt, aber spürbar. Was mit Charlie Hebdo beginnt, setzt sich im Bataclan fort. Wir erleben eine Stadt in Schockstarre, im Lähmungszustand, im Taumel. Wir fühlen mit den Protagonisten des Romans, wie der Stolz böckelt und jedes Empfinden von Sicherheit verlorengeht. Virginie Despentes hat uns die Türen geöffnet, hinter denen sich jetzt jeder zu verstecken versucht. Und doch geht die Handlung mehr als verzweifelt weiter. Die Subkultur rund um den neuen Heilsbringer Subutex wird zur verschworenen Gemeinschaft, in der die Musik einer längst vergangenen Zeit um sich greift. 

Alte Rechnungen werden beglichen und die Subkultur frisst ihre Kinder. Mit dem Chaos in Paris fallen auch alle persönlichen Schranken. Terror wird gesellschaftsfähig. Eine zweite große französische Revolution lässt Köpfe rollen. Ein ganzes Land verliert seine Unschuld und während wir noch denken, im finalen Schlussakkord angekommen zu sein, geht Virginie Despentes einen Schritt weiter. Sie führt uns in ein Szenario, das ich literarisch nur mit der „Roten Hochzeit“ von George R.R. Martin vergleichen kann. Den realen Anschlägen folgt nun ein fiktiver. Erfunden. Den Islamisten folgen die neuen Rechten. Die Opfer, erfunden. Fiktiv. Und doch so authentisch und plausibel, als hätten wir gerade eine Nachrichten-Sondersendung gesehen. So greifbar und ultimativ, als sei es wirklich passiert. So schockierend, weil wir die fiktiven Opfer kennen.

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Das Leben des Vernon Subutex 3 von Virginie Despentes

Ein Finale Furioso, das ich so niemals erwartet hätte. Ein Ende, das der Trilogie die Krone aufsetzt und ihr gleichzeitig alle Zacken aus der Krone bricht. Nichts ist Virginie Despentes heilig. Nicht mal die Struktur ihres eigenen Romans. Aus einer realsozialen Ausgangssituation für eine erfundene Geschichte erwächst eine Gesellschaftsutopie, in deren Fortgang die französische Autorin alle Grenzen sprengt. Am Ende bleiben keine Fragen offen. Auf dieses Spiel lässt sich diese Autorin nicht ein. Ebenso wenig, wie sie einer möglichen Fortsetzung eine Chance einräumt. Sie ist nicht denkbar. Ende.

Ich kann diesen letzten Schritt nur von Herzen empfehlen. Ich hörte und las. Meine Gedanken waren oft in Paris in diesen Tagen. Wie geht es Vernon Subutex? Kommt er jemals wieder auf die Füße? Gelingt es Celeste und Aicha, sich vor dem rachsüchtigen Dopalet zu verstecken? Was macht die Vero mit dem unerwarteten Reichtum? Gelingt es Max, den aufflammenden Rassismus im Zaum zu halten und wie ergeht es anderen Charakteren, denen wir in dieser Trilogie begegnet sind? Keine Sorge, Sie werden alles erfahren. Restlos. Am Ende der Trilogie versammelten sich die Bücher meines Lesens, die von „Vernon Subutex“ tangiert wurden zu einem Abgesang auf diese Trilogie. Und ganz am Ende höre ich die letzten Worte der Hörbuchfassung, die wie ein Lamento des herrausragenden Sprechers Johann von Bülow dem Abgesang eine persönliche Note geben. Seine Stimme steht wie der Arc de Triomphe über dieser Trilogie und trägt sie.

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Das Leben des Vernon Subutex 3 von Virginie Despentes

Vernon Subutex berührt nicht nur Leser. Er tangiert viele Bücher meines Lebens.

Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse
Meinen Hass bekommt ihr nicht von Antoine Leiris
Unterwerfung von Michel Houellebecq

Paris… Ans Herz gewachsen…

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Das Leben des Vernon Subutex 3 von Virginie Despentes

„Letzte Freunde“ – Das Trilogie-Finale von Jane Gardam

Letzte Freunde von Jane Gardam

Letzte Freunde von Jane Gardam

Wie endet eine Trilogie, die mich mehr als ein Jahr meines Lesens begleitet hat? Wie verabschieden sich Charaktere aus meinen Gedanken, denen ich von Hongkong nach England gefolgt bin und die mir den Zeitenwandel zwischen dem Empire und dem modernen Großbritannien vor Augen geführt haben? Wie endet die Geschichte zweier Menschen, die den beiden ersten Büchern mit ihren Wesensmerkmalen zu ihren Titeln verholfen haben. Edward Feathers (Old Filth), Ein untadeliger Mann“ und seine Frau Betty, Eine treue Frau? Ich war gespannt auf das Finale von Jane Gardam: Letzte Freunde

Distinguiert, würde man ihn nennen. Jenen ehemaligen Kronanwalt und Richter des Britischen Empires, der in der Kronkolonie Hongkong deutliche Spuren hinterlassen hatte. Er blickt zurück auf eine bewegte Zeit, jener Edward Feathers, der im ersten Teil der Trilogie „Ein untadeliger Mann“ mein Lesen bereicherte. Old Filth, ein Spitzname, der ihm geblieben ist. Besonders in Anwaltskreisen und obwohl er eigentlich nicht sehr schmeichelhaft scheint, Edward Feathers hat was draus gemacht. Zumindest so lange, bis SIE starb…

„Nach Bettys Tod hörte Old Filth auf zu kokettieren. Sein Leben stürzte ein. Es wurde umständlicher. Er begann, zunächst langsam, die Deckel von vergangenen Ereignissen zu heben, die er als vernünftiger Mann mit gebildeten Freunden (er war Anwalt… der Krone gewesen) bislang geschlossen gehalten hatte.“

Letzte Freunde von Jane Gardam

Letzte Freunde von Jane Gardam

Um wen er jedoch trauert, das erschließt sich erst in der Fortsetzung, denn hier lässt uns Jane Gardam in die Gedanken- und Gefühlswelt von Betty Feathers schlüpfen. Sie kommt nun zu Wort. Ihr Leben an der Seite des distinguierten Richters konturiert sich von Seite zu Seite. „Eine treue Frausteht nun dem „Untadeligen Mann“ zur Seite. Und hier erwartet uns die Aufklärung dessen, was wir schon seit dem ersten Buch zu wissen glaubten, es aber (ebenso wie Old Filth) niemals aussprechen wollten. Treue ist ein weit gefasstes Ideal und gerade in der Ehe mit Edward wurde diese Tugend auf den Prüfstand der Moralvorstellungen von Betty gestellt.

Nein – Betty Feathers war alles andere als treu. Punkt. Basta! Wir wussten es. Wir haben es immer geahnt und hätten ihrem naiven Ehemann gewünscht, das untadelige Äußere nur einmal vergessen zu können, um Betty auf die Spur zu kommen. Alles ist mehr als klar. Aus ihrer Sicht werden wir Zeugen des ersten Kennenlernens der beiden. Aus ihrer Sicht erleben wir, was sie sich von dieser Beziehung verspricht und aus dem Mund ihrer besten Freundin vernehmen wir, wovor sich Becky am meisten fürchtet.

„Man sollte auch den Mond wollen. Lass dir keine Vierzig-Watt-Birne andrehen, nur weil sie hübsch aussieht. Du bleibst darauf sitzen, wenn sie ausgeht… und dann hockst du am Ende ewig im Dunkeln.“

Letzte Freunde von Jane Gardam

Letzte Freunde von Jane Gardam

Fehlt nur noch das Ende. Fehlt der finale Band. „Last Friends“. Letzte Freunde. Es musste so kommen, dass Jane Gardam die letzte Perspektive ihrer Trilogie dem Mann überlässt, der hier stets als das Synonym für Versuchung auftaucht. Ein Mann, der es ja fast geschafft hätte, Edward und Betty zu trennen. Ein Mann der mit einer geschenkten Perlenkette ein lebenslanges Band zum Herzen von Betty geknüpft hat. Ein ebenbürtig erscheinender Gegenspieler für Old Filth.

Der finale Band sollte diesem Terry Veneering gehören Letzte Freunde.

Und dann saß ich da im kurzen Lesehemd, denn Jane Gardam hatte wohl nie den Plan, meinen Leseerwartungen entsprechen zu wollen. Sie erzählt hier vom prallen Leben und so wie sie sich ihrer eigenen Geschichte ausliefert, so sind es auch jetzt die Überraschungen und Wendungen, die das Leben in ihrer Trilogie widerspiegeln. Allein der erste Satz des Schlussbandes steht für einen ganz besonderen Schlussakkord, der mein Lesen in diesem Erzählraum verändern sollte.

„Die Titanen waren nicht mehr.“

Letzte Freunde von Jane Gardam

Letzte Freunde von Jane Gardam

Wie in einem epischen Theaterstück verändert Jane Gardam die große Bühne der Trilogie vor dem Finale, lässt ihre Protagonisten abtreten und zelebriert diesen letzten Schlussvorhang mit zwei Trauerfeiern in London. Edward Feathers (Old Filth) und Terry Veneering sind nicht mehr. Betty war ihnen vorausgegangen und nun sitzen wir da und fragen uns, wie man die Handlung eines Buches vorantreiben kann, dem die Personen fehlen, die uns bis hierhin gebracht haben. Ein Abgesang auf eine Trilogie?

Nein. Sicherlich nicht, denn genau in diesem Fehlen liegt der Reiz dieses finalen Aufzugs. Jane Gardam erweitert die Perspektive des Betrachters um jene Randfiguren, die wir zwar bisher wohlwollend zur Kenntnis genommen haben, die aber im Verlauf der Handlung eher unwichtig erschienen. Doch wie im wahren Leben, bleiben am Ende der Geschichte diejenigen übrig, die als „Letzte Freunde“ ihre Erinnerungen an die viel zu früh Verstorbenen kultivieren.

Aus diesem Blickwinkel erleben wir das Beziehungsgeflecht von Edward, Betty und Terry völlig neu. Wir rücken ab von Bildern, die in unserer Vorstellung verankert sind. In „Letzte Freunde“ reisen wir zurück zu den Wurzeln der Geschichte, erkennen Irrtümer und Irrwege und finden uns neu, weil wir Charaktere neu erleben dürfen. Dabei scheint alles nur neu zu sein, denn wir sehen auch ein Muster, das sich auch über die Cover der drei Bücher zieht und am Ende zu einem großen Geflecht vereint.

Letzte Freunde von Jane Gardam

Letzte Freunde von Jane Gardam

Jane Gardams Trilogie findet mit „Letzte Freunde“ einen würdigen Abschluss. Es ist ein Finale, das so nicht erwartet werden konnte und deutlich aufzeigt, wie wichtig die Menschen sind, die eine Lebensgeschichte nur tangieren. Die Peripherie gerät plötzlich ins Rampenlicht und durch diesen Kunstgriff der Blickwinkelerweiterung realisiert man die Tiefe der Spuren, die Edward, Betty und Terry im Leben ihrer Freunde hinterlassen haben. Man erinnert sich nur an das Gute. Man verdrängt Peinlichkeiten und Abwege. Man bereinigt das Leben an seinem Ende um den Faktor „Unzulänglichkeit“.

Ich bereinige am Ende der Trilogie die moralischen Sichtweisen von richtig oder falsch, die immer wieder für die Lebensweisen von  Menschen hergenommen werden, die sich in ihrem Leben einfach nur darauf fokussieren wollten, sich selbst treu zu sein. Man soll nicht über Tote lästern. Diesem Anspruch werden „Letzte Freunde“ gerecht. Anstatt zu verurteilen hinterfragen sie sich, sehen mit welchen Konventionen Edward, Terry und Betty gebrochen haben und vielleicht gelingt es auch ihnen, neue Wege zu finden.

Es ist nie zu spät.

Ich bin noch nicht am Ende angelangt, was Jane Gardam betrifft. Das Glück hat mir einen limitierten Buchschatz in die Hände gespielt. Geheime Briefe aus der 5Plus- Edition schließt eine kleine Lücke im Leben von Jane Austen, die den Liebhabern der großen Schriftstellerin bis heute keine Ruhe lässt. Eine Reise nach Devon, eine völlig geheime Liebe und der plötzliche Tod des Mannes, den Jane Austen dort traf. Wilde Spekulationen ranken sich um diese Episode. Jane Gardam löst sie nicht auf, aber sie schrieb die geheimen Briefe, die es niemals gab….

Die geheimen Briefe - Jane Gardam - Hier geht es weiter...

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„Die Seiten der Welt – Blutbuch“ – Das furiose Trilogie-Finale

Die Seiten der Welt - Blutbuch von Kai Meyer - Das Trilogie-Finale

Die Seiten der Welt – Blutbuch von Kai Meyer – Das Trilogie-Finale

Am Ende einer Trilogie stellt sich dem Rezensenten nicht mehr die Frage einer inhaltlichen Zusammenfassung des Schlussbandes. Auch geht es nicht mehr darum, Leser auf das Gesamtwerk neugierig zu machen, denn wer noch nicht mal den ersten Band einer Trilogie gelesen hat, wird sich durch die Rezension des Finales auch nicht plötzlich dazu verführen lassen, den ersten Schritt zu wagen. Für Einsteiger sind hier die Buchvorstellungen zum Auftakt und zum Mittelband entscheidend.

Hier entscheidet sich, ob das zu lesende Buch in das Beuteschema des Lesers passt, oder ob er besser einen großen Bogen um den ungelesenen Roman machen sollte. Und treue Leser, die bereits in den ersten beiden Bänden versunken waren, werden sowieso magisch in den Schlussband gezogen. Rezension hin oder her. Und wehe, man würde es wagen, hier zu spoilern und Teile des Inhalts vorwegzunehmen oder mal eben in den Raum werfen zu wollen, welche Romanfiguren am Ende auf der Strecke bleiben. Never. Sakrileg.

Erwarten Sie also nun bitte von dieser Rezension nichts von alledem. Sie schließt meinen ganz persönlichen und vielschichtigen zweijährigen Leseweg in der Fantasy-Trilogie Die Seiten der Welt von Kai Meyer ab. Hier wird nichts verraten, hier wird nichts zusammengefasst, hier wird nichts nacherzählt, hier gehe ich auf die Fragen ein, die sich mit der inhaltlichen Relevanz einer gesamten Trilogie auseinandersetzen und ganz grundsätzlich Aufschluss darüber geben, was sie mir bedeutet, wie ich mich in und zwischen den Zeilen gefühlt habe und was mit mir geschah, als ich am Ende des Lesens auf der letzten Seite angelangt war.

Die Seiten der Welt - Blutbuch von Kai Meyer - Das Trilogie-Finale

Die Seiten der Welt – Blutbuch von Kai Meyer – Das Trilogie-Finale

Es handelt sich hierbei um Fragen, die bei allen Mehrteilern von Interesse sind, denn am Ende des Lesetages stellt sich heraus, ob ein mehrjähriger Leseweg lediglich netter Zeitvertreib war und man besser andere Bücher gelesen hätte, oder ob der Autor den Erzählraum dreier Bücher tatsächlich benötigte, um sich selbst, die von ihm erdachte Handlung und sein „Personal“, also seine Romanfiguren, zum Ziel zu bringen. Und was gibt es schlimmeres, als nach drei Bänden festzustellen, dass wir es mit einem offenen oder unvollendeten, nicht durchdachten Ende zu tun zu haben?

Um die „Seiten der Welt“-Trilogie in mein Lesen einzuordnen werfe ich einen Blick zurück in meine Rezensionen, Artikel und Reportagen, die auf diesem Weg entstanden sind. Daraus leitet sich meine hohe Erwartung ab, die ich in mir trug, als ich mit nervös zitternden Händen das finale Blutbuch aufschlug und auf Nimmerwiederlesen darin verschwand.

Sehr viel hatte ich an der Seite von Furia Salamadra Fairfax erlebt, durch ganze erfundene Bücherwelten bin ich an ihrer Seite gewandert; habe gute Freunde gefunden; mich unsterblich in Charaktere verliebt; bin zum bibliomantischen Rebellen gegen das Establishment der Adamitischen Akademie geworden; ich musste lernen, Seitenherzen zu spalten; Bookboard zu fahren und Exlibiri zu beschützen. Ich fand mein Seelenbuch und spürte in jeder Zeile die überbordende Fantasie des Autors, wenn es darum ging, die Liebe zum geschriebenen Wort in einem Roman zur Kunstform zu erheben.

Die Seiten der Welt - Blutbuch von Kai Meyer - Das Trilogie-Finale

Die Seiten der Welt – Blutbuch von Kai Meyer – Das Trilogie-Finale

Die Seiten der Welt und Nachtland legen in geschriebener Form Zeugnis ab von meinem Leseweg. Eine Radioreportage aus der Tiefe des Rebellen-Untergrundes und ein Buchmesse-Interview mit Kai Meyer für Literatur Radio Bayern verdeutlichen das Ausmaß meiner Auseinandersetzung mit dieser Trilogie, die den Verlag Fischer FJB auch hinsichtlich flankierender Marketingkampagnen zu Höchstleistungen brachte.

Wurde dies durch „Die Seiten der Welt – Blutbuch“ belohnt, oder landete am Ende der Nachtrefugien nur ein weiterer Stein im Wasser, der zwar Wellen erzeugte, aber die groß angelegte Destinations-Trilogie ohne sichtbare Entwicklung der Protagonisten im literarischen Nirwana versiegen ließ? Ist Kai Meyer auf den Punkt gekommen? Hat er sein Ziel erreicht und das Vertrauen seiner Leser rechtfertigt. Gibt es ein tragfähiges Ende? Ein Ende, an das man angesichts unzähliger Cliffhanger kaum noch so richtig glauben wollte?

Und letztlich bleibt die Frage, was diese Trilogie von anderen Werken unterscheidet und welche Leitidee in uns verankert bleibt, wenn wir uns in einigen Jahren an diesen Leseweg erinnern und unseren Kindern davon erzählen. Wie lautet unsere Antwort auf die Frage „Die Seiten der Welt… jaaa. Das weiß ich noch genau. Das habe ich nie vergessen, weil…“ Und wenn wir ehrlich zu uns sind, können wir diese Frage bei einer Vielzahl von Büchern mit einigem Abstand nicht sehr plausibel beantworten.

Die Seiten der Welt - Blutbuch von Kai Meyer - Das Trilogie-Finale

Die Seiten der Welt – Blutbuch von Kai Meyer – Das Trilogie-Finale

Sind Sie bereit für die Antworten? Bereit für die volle Wahrheit über die „Seiten der Welt“-Trilogie von Kai Meyer? Ich habe einen Moment gebraucht, um meine Gedanken zu sortieren. Sie haben sich unmittelbar nach der letzten Seite dieser Trilogie aus dem Staub gemacht, sind wie eine Herde Wildpferde durch meine Bücherprärie galoppiert. Sie wurden in alle Winde zerstreut und befinden sich seit ein paar Tagen wieder hier. Wohlgeordnet und gezähmt.

Ja! Es mussten drei Bücher sein, um diesen Kosmos der Fantasie erlesbar zu machen. Nicht eine Seite zu viel. Kein Wort zu wenig. Alle Handlungsfäden, Spuren und Cliffhanger, die uns von Kai Meyer in den ersten Bänden präsentiert wurden waren lesenswichtig, essenziell und haben am Ende ihre klare Bestimmung gefunden. Jeder einzelne Charakter verlässt „Die Seiten der Welt“ verändert. Die gesamte Entwicklung der Geschichte spiegelt sich in ihren Erkenntnissen und Handlungen wider. Schicksal und Fügung werden zu Randnotizen. Furia beweist, dass man ganz alleine sein Glück erzwingen kann. Auch, wenn es gleichzeitig das größte persönliche Opfer bedeutet, das man in die Waagschale werfen kann.

Alles unterscheidet diese Trilogie von anderen Werken über die fantastischen Aspekte der Buchwelt. Die Fantasie des Autors hat sich Bahn gebrochen und uns auf den hohen Wellen seiner Vorstellungskraft reiten lassen. Belanglosigkeiten sind ihm fremd. Aus Kleinem wird Großes und keine seiner Figuren verschwindet unbeweint. Kai Meyer bleibt fair. Auch wenn wir im „Blutbuch“ lesend Verluste erleiden, wir bringen sie nicht sinnlos. Jede beim Lesen vergossene Träne fällt auf den Boden einer Zukunft, die ohne Opfer nicht existieren würde.

Die Seiten der Welt - Blutbuch von Kai Meyer - Das Trilogie-Finale

Die Seiten der Welt – Blutbuch von Kai Meyer – Das Trilogie-Finale

Patience, Furia und Duncan Mound sind meine persönlichen Helden dieser Reihe. Sie haben Nachhaltiges hinterlassen. Komplex angelegte Charaktere voller Ecken und Kanten, die plausibel und greifbar bleiben. Das zeichnet den Stab der Akteure aus, der von Kai Meyer ins Feld geführt wird. Er erzeugt Bilder, die mir unvergessen bleiben und bleibt seiner bisherigen Linie treu, seine Geschichte unmittelbar im Herzen seiner Leser zu verankern. Drei Seelenbücher hat er mir ins Herz geschrieben. Und dabei hat er sich im Schlussband selbst übertroffen.

Spielerisch und gar nicht nebenbei philosophiert er im Zentrum der Handlung über die Rolle eines Schriftstellers. Hier wächst der Leser an seiner Erkenntnis, was Fiktion, was Realität und was einfach nur bloßer Knalleffekt ist. In der Begegnung mit dem eigentlichen Verursacher des bibliomantischen Trubels liegt der wohl größte Aha-Moment dieser Trilogie. Dieses Erkennen lässt uns staunen und sehr intensiv darüber nachdenken, wie wir uns der Literatur zu nähern haben, was Kritik bewirkt und was ein verändertes Wort in einer Geschichte bewirken kann. Die Macht des geschriebenen Wortes – Kai Meyer hat ihr ein Denkmal gesetzt.

Was am Ende bleibt? Es bleibt ein Ende, das ein Ende ist. Ein Ende voller Emotion und ein Abschluss, der literarisch konsequenter nicht sein könnte. Ein Ende, das uns trotzdem davon träumen lässt, diese Geschichte möge nie ein Ende finden und doch versöhnen uns die letzten Zeilen mit jedem Cliiffhanger im Roman, weil die Seele des Lesers voller Emotionen zur Ruhe kommt. Diese Trilogie funktioniert bis in die letzte Faser ihrer selbst.

Die Jugend-Trilogie „Die Seiten der Welt“ ist im Finale erwachsen geworden.

Die Seiten der Welt - Blutbuch von Kai Meyer - Das Trilogie-Finale

Die Seiten der Welt – Blutbuch von Kai Meyer – Das Trilogie-Finale

Ein letztes Bild zum Schluss. Mein Bild, das künftig für diese Trilogie steht. Ein Bild, das Kai Meyer in meiner Fantasie verpflanzt hat und das auch noch Wochen nach dem Lesen in voller Blüte steht. Es ist das Bild zweier Schiffe. Kai Meyer verankert die Portalschiffe Fleur de Marie und Blanche de Cazalis in seinem „Blutbuch“. Diese beiden Schwesterschiffe, die zwischen den Seiten der Welt verkehren, haben sich tief in meine Seele eingebrannt. Dieses Bild steht für die gesamte Trilogie. Kai Meyer hat es nicht nur geschafft, diese Schaufelraddampfer zum Fliegen zu bringen.

Er hat sie zur Metapher der literarischen Seefahrt erhoben und für mich im direkten Vergleich zur Titanic und ihrem Schwesterschiff Olympic ein Stück Literaturgeschichte geschrieben. Er hat seine persönliche Titanic mit seinen eigenen Worten gehoben und den Portalschiffen eine Rolle zugeschrieben, die in einer bewegenden Rettungsmission gipfelt. Das ist fulminant und grandios. Besonders, wenn man diese Passage mit einer Leseschwester gemeinsam erlesen darf, die dabei hilft, beide Portalschiffe sicher in den Hafen zu bringen. Danke, Heike für diese grandiosen Lesemanöver.

All dies bleibt. Diese prachtvollen Bilder strahlen aus dieser Trilogie heraus. Und wenn man die beiden Schwesterschiffe betrachtet sieht man sie auch lange nach dem Lesen noch gemeinsam mit einem dritten Schiff durch das Büchermeer kreuzen. Die Hispaniola der „Schatzinsel“ gehört ebenso zur Flotte wie die nie gebaute Gigantic zur White Star Line gehörte. Ist hier die Verheißung auf mehr verborgen? Denn…

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Wie deuten wir den Kommentar des Autors unter einem Bild, das ich am Ende des Lesens auf meiner Facebook-Seite gepostet habe? Wie kommt man mit diesen Worten zurecht, wenn man sich gerade mit dem Ende von Die Seiten der Welt angefreundet hat? Wie nur…

Schön, dass Dir das vorläufige Ende gefallen hat…, Kai Meyer…

Die Seiten der Welt - Blutbuch von Kai Meyer - Das Trilogie-Finale

Die Seiten der Welt – Blutbuch von Kai Meyer – Das Trilogie-Finale

Soul Beach – Salziger Tod von Kate Harrison

Soul Beach - Salziger Tod von Kate Harrison - Trilogie Finale

Soul Beach – Salziger Tod von Kate Harrison – Trilogie Finale

Alice ist gerade einmal 16 Jahre alt, als ihre Schwester Meggie einem grausamen Verbrechen zum Opfer fällt und ermordet wird. Vier Monate ist dies nun her und es war wohl die schlimmste Zeit im Leben des jungen Mädchens. Doch anstatt den Tod ihrer Schwester langsam verarbeiten zu können, erlebt sie das absolut Unfassbare. Am Tag der Beerdigung erhält sie eine Mail… Von ihrer toten Schwester… Meggie

Alice wird von Meggie aufgefordert, den „Soul Beach“, einen virtuellen Strand im Internet zu besuchen. An diesem künstlichen Ort begegnet sie den unerlösten Seelen und Opfern ungeklärter Verbrechen, Morde oder Todesfälle. Natürlich trifft sie auch auf ihre eigene Schwester, deren Mörder immer noch in Freiheit ist. Die Regeln für Besucher des „Soul Beach“ sind einfach.

Frage nicht nach der Todesursache…, stöbere nicht im vergangenen Leben der Gäste von Soul Beach herum, sonst wirst du des Strandes verwiesen. Sei einfach da, höre zu und ziehe deine Schlüsse. Vielleicht kannst du helfen, der Seele den Weg ins richtige und endgültige Jenseits zu weisen. Wie das geht? Ganz einfach: klärt man die Umstände eines Mordes oder Todes im wahren Leben auf, wird es der Seele ermöglicht, den Soul Beach zu verlassen.

Soul Beach - Salziger Tod von Kate Harrison - Trilogie Finale

Soul Beach – Salziger Tod von Kate Harrison – Trilogie Finale

Dies war die Ausgangssituation, mit der mich Kate Harrison schon im Juni 2013 in den ersten Band ihrer „Soul Beach“-Trilogie gelockt hat. Wie geht man damit um, statt trauern und loslassen zu dürfen, nun plötzlich auch noch Verantwortung für die Menschen zu übernehmen, die einem nahe standen. Wie fühlt man sich im realen Leben, wenn man realisiert, dass man es selbst in der Hand hat, die Seelen von Verstorbenen zu erlösen? Wie geht ein junger Mensch damit um?

Der Auftaktband „Frostiges Paradies“ war mehr als vielversprechend. Alice wirkt authentisch und überfordert. Eigentlich ist sie auf dem Weg in ein eigenes Leben ohne den langen Schatten ihrer Schwester. Doch sie hat keine Chance. Die Erlebnisse am Soul Beach werfen sie fast aus der Spur. Sie darf sich niemandem öffnen, keinem realen Freund erzählen, was sie beschäftigt und sie ist doch getrieben von dem Wunsch, ihrer Schwester zu helfen.

Dass sie dabei selbst in unmittelbarer Gefahr schwebt wird ihr schnell klar. Der Mörder von Meggie muss aus dem gemeinsamen Umfeld kommen und vielleicht ist sie das nächste Opfer, wenn sie nicht schnell genug ist. Alice driftet in ein Doppelleben zwischen Alltag und Internet ab. Und das liegt nicht nur an Meggie. Auch die anderen Gäste auf „Soul Beach“ sehen in Alice einen Strohhalm für die eigene Rettung.

Soul Beach - Salziger Tod von Kate Harrison - Trilogie Finale

Soul Beach – Salziger Tod von Kate Harrison – Trilogie Finale

Im Mittelband „Schwarzer Sand“ wird Alice vom Sog der Ereignisse fast überrollt. Einerseits versucht sie, quasi im Vorbeigehen, einigen der Seelen zu helfen, indem sie ihrem Sterben durch die Aufklärung der Todesursachen die Sinnlosigkeit nimmt, und andererseits verdichten sich die Hinweise auf den Mörder ihrer Schwester, der sich Alice immer mehr nähert. Sie bewegt sich in einer heillosen Zwischenwelt und nur ein einziger Freund hilft ihr vorbehaltlos, ohne nach den Gründen für ihre verzweifelte Suche zu fragen.

Alice befreit die ersten Seelen vom „Soul Beach“ und als sie denkt, es könnte alles nicht mehr schlimmer werden, verliebt sie sich in einen Jungen vom Strand. Romantisch miteinander verwoben ist diese erste Liebe so unerreichbar für sie und im schlimmsten Fall muss sie ganz darauf verzichten. Gefühlschaos macht sich breit, als sie immer mehr verinnerlicht, dass sie jeden verlieren wird, dem sie hilft. Eine ausweglose Situation, in der Egoismus nur schadet und im Weg steht. Alice wächst an ihrer Mission. Sie wächst über sich hinaus.

Stillstand kennt sie nicht mehr. Sorgenvolle Eltern, die ihr den Internet-Zugang sperren mutieren zu Feinden und alle Freunde von Meggie geraten unter Generalverdacht. Alice versinkt immer mehr im Strudel der Ereignisse und empfindet plötzlich das beruhigende Gefühl, wie schön es doch sein müsste, selbst am „Soul Beach“ zu verweilen. Zwischen Todessehnsucht und Rettungsmission hin- und hergerissen geht die Gratwanderung der Seelenretterin nun ins Finale.

Soul Beach - Salziger Tod von Kate Harrison - Trilogie Finale

Soul Beach – Salziger Tod von Kate Harrison – Trilogie Finale

Soul Beach – Salziger Tod„. Allein der Titel des Trilogie-Schlussbandes aus dem Loewe Verlag schien absolut nichts Gutes zu verheißen. Allzu direkt liefen alle Handlungsstränge in eine fast unausweichliche Richtung. Doch was Kate Harrison in diesem „Finale furioso“ sowohl mit ihren Protagonisten als auch mit ihren Lesern anstellt ist wirklich bemerkenswert. Alice erstarkt in ihren Bemühungen und kommt sowohl virtuell als auch im realen Leben in großen Schritten voran. Sie übernimmt die Initiative und lässt sich nicht mehr treiben.

Sie weiß, was sie will und ordnet alles der Rettung der Seelen am „Soul Beach“ unter. Als sie jedoch ihrem besten Freund erzählt, wonach sie wirklich sucht und ihm einen verbotenen Einblick in die virtuelle Inselwelt gewährt, scheint sie zu sehr gegen die Regeln von „Soul Beach“ verstoßen zu haben. Ein unglaublicher Sturm zieht auf und droht, alles zu verschlingen. Und das genau in dem Moment, in dem Alice sich dem Mörder ihrer Schwester Auge in Auge gegenüber sieht.

Kate Harrison lässt der Handlung im Showdown der Trilogie freien Lauf. Hier ist nichts aus dem Hut gezaubert, kein völlig Unbekannter betritt den Schauplatz und wird als Täter präsentiert, alles wirkt wohl durchdacht und herausragend konstruiert. Und doch muss jedem Fan von „Soul Beach“ klar sein, dass es gar nicht so viele Happy Ends geben kann, wie sie diese Geschichte verdient hätte. Ein Roman, der idyllische Win-Win-Situationen ausschließt. Ein Roman, wie das wahre Leben. Nur eben ganz anders.

Soul Beach - Salziger Tod von Kate Harrison - Trilogie Finale

Soul Beach – Salziger Tod von Kate Harrison – Trilogie Finale

„Hier kommt man nur weg, wenn das, weswegen man hier gelandet ist, aufgeklärt wird. Im wahren Leben.“

Sinnbildlicher kann ein Zitat nicht für eine ganze Trilogie stehen. Ich konnte mir lange Zeit nicht vorstellen, mich vom Soul Beach lösen zu können. Zu nah war man nach den ersten beiden Teilen mit den unglücklichen Seelen verbunden, die auf den nächsten Schritt in die Ewigkeit zu warten hatten. Zu intensiv hatte ich mich mit den Todesursachen der Gäste am Strand beschäftigt und musste doch sehr schnell lernen, dass gerade im Loslassen die Magie dieser Geschichte verborgen liegt.

Nun ist es vollbracht. Kate Harrison hat aufgeklärt, weswegen ich hier gelandet bin. Im wahren Leben. Sie hat alle relevanten Fragen beantwortet, und doch den Schleier über der technologischen Seite der Computer-Dimension von „Soul Beach“ nicht gänzlich gelüftet. Ich habe in meiner tiefsten Leseseele nicht damit gerechnet, dass ich alles verstehen muss, dass mir alles greifbar vor Augen geführt wird, was ich als wesentliches Fantasy-Element der Trilogie betrachtet und akzeptiert habe.

Meine Zeit am Strand ist abgelaufen. Leider. Ich weiß, dass noch viele Seelen hier stranden werden und darauf hoffen, nicht in Vergessenheit zu geraten. Sie werden erst befreit, wenn die Ungerechtigkeit des realen Lebens aufgeklärt wird. Nur im Vergessen liegt unsere Schuld an ihrem ewigen Fegefeuer auf einer Insel zwischen den Zeiten. Ich mag diese Botschaft. Man kann lange darüber nachdenken und philosophieren. Aber ich muss jetzt wirklich gehen. So sind die Regeln auf „Soul Beach“. Lebt wohl…

Soul Beach - Salziger Tod von Kate Harrison - Trilogie Finale

Soul Beach – Salziger Tod von Kate Harrison – Trilogie Finale