„Sonne, Mond und Sterne“ von Mario Alberto Zambrano

Sonne, Mond und Sterne von Mario Alberto Zambrano

Sonne, Mond und Sterne von Mario Alberto Zambrano

Ich bin im literarischen Sinne eng mit einigen besonderen Mädchen befreundet. Ich floh mit Anna und dem Schwalbenmann durch das besetzte Polen, habe mit Bolota (Krümel) Bruder Wolf getroffen, begleitete Yiza, Das Mädchen mit dem Fingerhut“ auf seiner verzweifelten Suche nach ihrer verlorenen Heimat und stellte fest, dass Scout Finch zwar keine Nachtigallen störte, aber Jahre später in der Lage war, einen Wächter zu stellen.

Mädchen, die mich nie losgelassen haben und Schicksale, die sich auf die moderne Literatur prägend ausgewirkt haben. Jedes einzelne Mädchen hat mich auf seine ganz eigene Art und Weise berührt. Jedes Mädchen hat mir die Augen geöffnet und meinen Blick in eine ganz besondere Richtung gelenkt. Keines dieser Mädchen werde ich je vergessen. Sie fanden mich. Ein Privileg des Lesens.

Deshalb wundert es mich auch nicht, dass weitere besondere Mädchen in diesen Kreis treten und sich mir vorstellen. Als würden sie sich untereinander kennen und sich gegenseitig vertrauen, erweitert sich dieser Kreis um einen Stuhl, der in unserer Mitte steht. Und immer dann, wenn ein neues Mädchen in mein Lesen tritt, nimmt es Platz und erzählt seine Geschichte. So auch heute.

Sonne, Mond und Sterne von Mario Alberto Zambrano

Sonne, Mond und Sterne von Mario Alberto Zambrano

Nur ist es diesmal recht schwierig. Denn Luz spricht nicht. Kein einziges Wort. Sie könnte sprechen, wenn sie nur wollte, aber sie hat sich verschlossen. Wohl aus gutem Grund. Luz Maria Castillo ist erst elf Jahre alt und passt sehr gut in unsere Runde. Anna, Krümel, Yiza, Scout und Luz. Namen, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Geschweige denn ihren Platz in meinem Herzen verlieren. Luz. Warum magst du nicht reden, kleines mexikanisches Mädchen? Warum nur schweigst du?

Sonne, Mond und Sterne“ von Mario Alberto Zambrano (Luchterhand) kann uns dabei helfen, Luz zu verstehen, denn es ist mehr als nur ein Buch. Viel mehr als nur ein Roman, denn es ist das Tagebuch dieses elfjährigen Mädchens, in dem sich Luz Gehör verschafft. Auf ganz stumme Weise. Sie schreibt, weil dies der einzige Weg ist, ihre Gedanken zu einzufangen.

„An manchen Tagen schreibe ich gerne morgens, gleich nach dem Aufwachen. Dann fühle ich mich irgendwie so, als würde ich noch träumen… und alles, was ich höre, sind meine Gedanken.“

Ein normales Tagebuch liegt jedoch nicht vor uns. Es scheint seltsam strukturiert und jeder einzelne Eintrag orientiert sich an einer Spielkarte aus der mexikanischen Loteria. Man kann das durchaus mit Bingo vergleichen. Diese Spielkarten ergeben ein ganz individuelles Spielfeld (Tabla) und wenn man ein kleines Rätsel zu der Karte löst, die der Spielleiter aufruft und dies für eine Reihe von Karten wiederholt, darf man stolz „Loteria“ rufen und gewinnt.

Sonne, Mond und Sterne von Mario Alberto Zambrano

Sonne, Mond und Sterne von Mario Alberto Zambrano

54 Karten hat dieses Spiel. 54 Symbole zieren die Karten. „Sonne, Mond und Sterne“ gehören auch dazu. Diese 54 Karten helfen Luz dabei, ihre Erinnerungen zu finden und zu strukturieren. Sie wählt eine Karte aus und schreibt dazu, was ihr gerade einfällt. Und so entsteht Schritt für Schritt das Kartenspiel ihres eigenen Lebens. Und wie in einer echten Lotterie purzeln scheinbar zufällig alle Ereignisse in dieses Tagebuch, die dafür verantwortlich sind, dass sie schweigt.

Der Regenschirm – El Paraguas

„Gerade regnet es draußen, und das erinnert mich an alles, was passiert ist wegen meinen Händen und meinen blöden, tuntigen Fingern. Eigentlich sind die doch an allem schuld, oder? Wenn ich keine Finger oder Hände hätte, wäre nichts von alledem passiert.“

Karte für Karte entwickelt sich ein Mosaik, das uns als Leser und Betrachter in die Vergangenheit entführt. Hin zu einem Tag, als Luz gerade einmal sieben Jahre alt war und sich aus Sicht ihres Vaters eines unverzeihlichen Fehlers schuldig machte. Einen Tag, an dem eigentlich alles begann und ganz langsam verstehe ich, warum Luz mit niemandem darüber reden möchte. Auch nicht mit der Polizei, die ihren Vater unter Mordanklage festgenommen hat. Sie kann einfach nicht.

Sonne, Mond und Sterne von Mario Alberto Zambrano

Sonne, Mond und Sterne von Mario Alberto Zambrano

Mario Alberto Zambrano macht uns mit der mexikanischen Seele vertraut, bringt uns fast spielerisch spanisch bei und lässt uns seinen ausgelegten Karten folgen. Er beschreibt das verwobene Lebensmuster einer Migrantenfamilie in den USA, spiegelt in den Erinnerungen eines jungen Mädchens den unglaublich geringen Stellenwert der Mexikaner wider und lässt uns den Niedergang einer kleinen Familie hautnah erleben.

54 Kapitel mit 54 Karten ziehen uns in ihren Bann. 54 Erinnerungen beginnen sich zu einem Bild zu vereinen. 54 Impressionen und Schlaglichter lassen Luz, ihre Eltern und ihre Schwester Estrella in diesen Kapiteln selbst zu Spielkarten werden, mit denen es das Schicksal gar nicht gut meint. Gewalt in der Familie, Alkohol und die pure nackte Angst ums Überleben begleiten uns, wenn Luz erneut eine Karte aufdeckt, sich erinnert und zu schreiben beginnt.

Zambrano versetzt sich sprachlich und bildlich in die Denkwelt eines elfjährigen Mädchens und mit diesem Stilmittel der schriftlichen, teils naiv kindlichen Sicht gelingt es ihm, den Beschützerinstinkt in seinen Lesern zu wecken. Wenn der Traum von der heilen Welt verblasst, dein eigener Vater im Gefängnis sitzt, deine Schwester auf der Intensivstation liegt und deine Mutter die kleine Familie schon lange verlassen hat. Was ist dann? Wo ist die Perspektive und was ist geschehen an jenem Tag, an dem alles zerbrach?

Sonne, Mond und Sterne von Mario Alberto Zambrano

Sonne, Mond und Sterne von Mario Alberto Zambrano

Luz schreibt oft an Gott. Verzweifelt und vorwurfsvoll. Dann wieder wendet sie sich scheinbar unbewusst an die künftigen Leser ihrer Zeilen, als wollte sie erklären, was mit ihr geschah. Einzig ihre Tante Tencha hält zu ihr. Beschützt sie dort, wo sie jetzt lebt. In einem Heim. Dem Ermittlungssdruck der Polizei ausgeliefert, die endlich Beweise möchte für die Schuld ihres Vaters. Doch wird Luz jemals die Wahrheit sagen können? Vielleicht kann sie ja mit Tencha zurück nach Mexiko? Denn nur Tencha scheint sie zu verstehen und vieles zu wissen.

„Ihr Leben nennt sie mich, mi vida.“

Sonne, Mond und Sterne“ ist eine Ausnahmeerscheinung im Verlagsprogramm von Luchterhand. Sowohl die optische Gestaltung des Buches, als auch die Erzählung selbst heben sich deutlich vom Gewohnten ab. Gewagt scheint dieses Buch zu sein und doch ist es so wichtig. Es gewährt seinen Lesern allen Spielraum dieser Welt, sich in ihm zurechtzufinden. Es öffnet Herzen. Zaghaft, langsam und von Karte zu Karte löst man selbst immer mehr Rätsel, bis man am Ende der Geschichte lauthals „Loteria“ rufen möchte, wäre die Erkenntnis nicht so erschreckend.

Ich mag dieses Spiel nicht gewinnen. Nicht um diesen Preis. Ich mag auf Luz aufpassen und mit ihr zum Ausgleich mein eigenes Spiel spielen. Nur um ihr zu zeigen, dass ihr Weg nicht nur von ihr vorgezeichnet wurde. Nur um ihr zu beweisen, dass sie weiterleben kann, auch wenn ihre Welt verloren ist. Wir haben alle unsere Karten. Viele von ihnen deckt das Schicksal auf. In „Sonne, Mond und Sterne“ werden wir zu Zeugen eines besonderen Spiels. Der Einsatz ist hoch. Sein Name ist Luz….

Sonne, Mond und Sterne von Mario Alberto Zambrano

Sonne, Mond und Sterne von Mario Alberto Zambrano

Für Anna, Yiza, Bolota (Krümel), Scout und Luz… Und alle Mädchen dieser Welt.

Mit einem Klick zu Bruder Wolf - Ein Buch - Zwei Perspektiven

Mit einem Klick zu Bruder Wolf – Ein Buch – Zwei Perspektiven

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Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Wie einfach sind sie doch manchmal, die großen kleinen Geschichten, die unser Lesen verändern. Wie schmal und zart kommen sie oft daher. Mathematisch betrachtet, recht einfache Formeln. „Eins plus Eins = Zwei“- Geschichten. Leicht aufzulösen und mit nur einer Wahrheit hinterlegt. Schwarzweiß-Erzählungen die in ihrer Interpretation wenig Spielraum lassen. Zehn Leser kommen zu gleichen Einsichten. Wie einfach ist es doch manchmal.

Wie kompliziert es jedoch sein kann, beweisen wieder ganz andere Erzählungen. Sie scheinen wenig berechenbar zu sein, verschachteln sich in ihren vielen Wahrheiten und präsentieren ein Nuancenspiel der Farben, das eine leichte Unterscheidung in Schwarz und Weiß nicht gestattet. Zehn Leser gelangen zu völlig unterschiedlichen Sichtweisen. Diskussionen entzünden sich am Leuchtfeuer dieser literarischen Ungleichungen und die Interpretationen beginnen über die Ufer des Denkbaren zu treten.

Und doch sind es genau diese Geschichten, die uns nachhaltig beschäftigen, uns aus dem Leben reißen und zum aktiven Lesen verführen. So unberechenbar, wie das Leben selbst. Nicht vorhersehbar und keiner Kalkulation unterworfen. Lesen ist nichts für Formelmenschen. Phantasie gehört nicht in den Taschenrechner, sondern ins Herz. Und wenn am Ende einer Geschichte eine Frage bleibt, dann hat sie es geschafft, aus dem Buch heraus ins wahre Leben zu treten und ihren Anker in der Seele des Lesers zu werfen.

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Wenn ich heute den Jugendroman „Anna und der Schwalbenmann“ von Gavriel Savit in den Mittelpunkt stelle, dann sitze ich weit entfernt von den Rechenschiebern der Interpretation. Dann verabschiede ich mich bereits im Vorfeld dieser Rezension von der Behauptung, die Deutungshoheit über diese Geschichte zu besitzen. Deshalb rufe ich alle Menschen, die Anna schon erlesen haben auf, mir ihre Sicht auf den Roman zu vermitteln. Auf Augenhöhe und ungefiltert. Hier geht es nur um das große Gefühl des Lesens, um die eigenen Bilder, die losgetreten werden und die  individuelle Wahrheit, die man für sich selbst empfunden hat.

Dabei ähnelt die Ausgangssituation einer mathematischen Gleichung. Nur, dass die Zahlen für sich betrachtet in Kombination mit einigen Variablen eine menschliche Katastrophe ergeben. Der situative Kontext des Romans ist so schwarz-weiß, wie es nur eben geht. Egal, wie man die Zahlen in dieser Formel auch umstellt, egal, wie man sie aufzulösen versucht. Es gibt Faktoren, die in dieser Konstellation dazu führen, dass wir am Ende nicht im positiven Bereich unserer Kalkulationen angelangen. Alles riecht nach Tod. Unausweichlich.

Wir schreiben das Jahr 1939. Anna ist gerade einmal 7 Jahre alt. Soviel zu den reinen Zahlen. Die unabänderlichen Faktoren der Gleichung lauten: Anna ist Jüdin. Wir befinden uns in Polen, genau gesagt in Krakau und die düster wirkende Gleichung wird durch Veränderung einiger Terme zur vorhersehbaren Größe. Man subtrahiere von der bereits mutterlosen Welt der kleinen Anna den Vater, und addiere zum völlig harmlosen Land Polen unzählige ideologisch normierte Soldaten aus Nazi-Deutschland. Und dann lasse man das 7-jährige Mädchen ganz allein in den Straßen von Krakau. Völlig allein und ahnungslos, was mit ihrem Vater geschah.

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Und schon sitzen wir überfordert vor dem Ausgangsmaterial dieser Ungleichung. Zahlen und Werte verschwimmen und man möchte das Ergebnis nicht wahrhaben. An irgendeiner Stelle muss man doch was drehen können, um das Schicksal zu besiegen. Irgendwo muss es doch möglich sein, dieser vorbestimmten Formel etwas entgegen zu setzen. Es kann doch nicht sein, das die tödliche Kalkulation dieser Menschenhasser immer aufgeht, und dass Anna als kleinster gemeinsamer Nenner der Geschichte aus der Formel gelöscht wird. Wie so viele vor ihr und wie noch viel mehr Menschen nach ihr. So fühlen sich Schüler angesichts einer Todesformel.

Gavriel Savit hat nicht vor, uns rechnen zu lassen. Er verweigert sein Schreiben der Kalkulation. Er weiß um die Unberechenbarkeit des Lebens, die Schicksalhaftigkeit von Begegnungen und schreibt uns mit Anna und der Schwalbenmann eine Aufgabe ins Lebensheft der Ungleichungen, an der wir noch lange zu knabbern haben. Er hebt die Regeln des Kalkulierbaren mit seiner Fantasie auf. Er ergänzt diese Formel um einen Faktor, der diese Geschichte ins Rollen bringt. Er gibt uns eine „Unbekannte“ an die Hand, die den weiteren Verlauf des klar berechneten Vernichtungsweges der Nazis auf den Kopf stellt und ad absurdum führt.

Gavriel Savit stellt unserer Anna den Schwalbenmann an die Seite. Savit hebt die unendliche Schwerkraft der Geschichte auf und lässt das Mädchen, für das sich jeder Leser bereits persönlich in der Luft zerreißen würde, nicht alleine. Ein Mädchen, dessen Innenleben vor uns liegt wie auf der Waagschale der Menschlichkeit. Verletzlich, seinen Vater vermissend und absolut hilflos angesichts des drohenden Unheils. Ein Mädchen, das bisher vom Geheimnis seiner Sprache zehrte. Ein Geheimnis, das ihr vom Vater in allen Klangfarben beigebracht wurde. Von einem Vater, der als Intellektueller jüdischer Pole bereits auf dem Weg in ein Konzentrationslager ist. Deportiert. Sprachlos.

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Und genau in dem Moment, in dem uns Anna zu entgleiten droht, in dem die ganze Welt für sie auf den Kopf gestellt wird, begegnet sie dem Schwalbenmann. Einem groß gewachsenen, etwas schlaksigen Mann, dessen Interesse sie auf sich zieht. Ein Mann, der genau zu fühlen scheint, was ihr geschah und der erste Mensch, der sie in allen denkbaren Sprachen fragt, „Geht es Dir gut?“ Eine Frage, die Anna angesichts ihrer Verzweiflung zum Weinen bringt. Ein Weinen, das der Mann durch eine kleine Geste versiegen lässt. Durch einen Zauber, der in Anna das tiefe Gefühl von Urvertrauen und Geborgenheit weckt. Auf einen kleinen Pfiff von ihm hin schwebt eine Schwalbe heran, lässt sich auf seiner Hand nieder, schaut das kleine Mädchen an und entlockt ihm ein erstes Lächeln.

Anna und der Schwalbenmann„. Eine Begegnung, die nicht nur das Leben des Mädchens verändert. Eine Begegnung, die sein Überleben sichert. Ein Mann, dessen Herkunft und Identität im Verborgenen bleiben, übernimmt Verantwortung für Anna und macht sie zur Begleiterin seiner Flucht. Die Regeln, die er Anna nun unmissverständlich vermittelt sind knallhart. Rettungsregeln, die für Kinder in Gefahr die einzige Wahrheit darstellen. Sie legt ihren Namen ab, bleibt fortan unsichtbar und vertraut der Führung des wohl einzigen Menschen, der ihr jetzt den Weg zum Überleben zeigen kann. Der Schwalbenmann wird zum Flussbett, Anna wird zum Fluss.

Wir selbst werden zu ihren Wegbegleitern, lernen die Härte und Kompromisslosigkeit des Schwalbenmannes kennen, sehen sein Ziel und vertrauen ihm blind. Wir begegnen anderen Menschen auf ihren Fluchten, anderen Sichtweisen und werden Zeugen ihres Scheiterns. Wir realisieren die Wahrheiten des Schwalbenmannes und können ihn doch gleichzeitig nicht fassen. Ebenso wenig, wie Anna ihn jemals fassen kann. Aber muss man Wunder begreifen? Muss man sie kalkulieren und berechnen?

Kann der Schwalbenmann nicht einfach seine Wirkung entfalten, so wie uns einst der Tod persönlich von einer gewissen Liesel Meminger erzählte? Die Bücherdiebin hatte einen mächtigen Gefährten, der sie beobachtete und in Ruhe ließ. Bis Markus Zusak seine Geschichte und letztlich auch die von Liesel zu einem Ende brachte, das uns alle bewegte. Gavriel Savit hat dem „Tod“ der Bücherdiebin den aktiv handelnden Schwalbenmann Annas entgegengesetzt. Die Lektionen des Schwalbenmannes sind zeitlos. Lebensrettend.

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Anna und der Schwalbenmann – Mit einem Klick zum audible Hörbuch

Nach dem Lesen folgte das Hören. Laura Maire verleiht Anna das Staunen der Welt in einer von Angst geprägten Zeit. Ihre zarte Stimme hallt so lange nach. Ihre kraftvolle Stimme erzeugt eine Gänsehaut und vielleicht war es genau diese Laura Maire, die mir Anna so richtig ans Herz schmiegte und durch die ganz eigene Modulation der Stimme zeigte, was ich abseits des geschriebenen Wortes vielleicht noch emotionaler verstehen kann. Laura Maire gelingt in dieser Hörbuchfassung ein Gefühlswunder. Das einfache Wort „Warum“ wird durch Laura Maire zur Fragen aller Fragen mit der Stimme aller Stimmen und im Herzen aller Herzen. Annas Frage.

Ich besitze nicht die Deutungshoheit für diesen Roman. Das große Mysterium des Schwalbenmannes gleicht für mich der tiefen Denkwelt von Antoine de Saint Exupéry. Vielleicht ist der Schwalbenmann der Kleine Prinz für Menschen in Not. Für Kinder in Not. Haben wir jemals gefragt, wer der Kleine Prinz ist? Fragen wir also auch nicht nach dem Schwalbenmann und suchen nicht nach Fakten. Nehmen wir ihn als Geschenk der Hoffnung für alle dunklen Zeiten auf der Welt. Ein Licht in dunkler Nacht, nur dass seine Regeln keine Weisheiten sind, sondern harte Wahrheiten im brutalen Kampf gegen Unmenschlichkeit.

Jugendliche werden Anna verstehen. Sie werden den Schwalbenmann bewundern und einige Menschen auf ihrem gemeinsamen Weg lieben lernen. Niemand wird am Ende dieses Romans eine Antwort präsentieren können. 10 Leser werden 10 Gefühle in sich tragen. Interpretationen, Sichtweisen, Erkenntnisse und Ideen suchen nach ihren Entsprechungen bei anderen Lesern. Fragen sind wertvoller als Antworten. Fragen sind Wegweiser. Nur wer nicht mehr fragt, wird sterben und untergehen.

Vielleicht ist mein „Warum?“ am Ende der Geschichte die größte Liebeserklärung an dieses grandiose Buch. Warum gibt es heute so viele Annas auf den Straßen? Können wir nicht Schwalbenmänner sein? Ein Flussbett mit dem Namen Hoffnung.

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

„Menschen sind die größte Hoffnung des Menschen zu überleben.“
Der Schwalbenmann.

PS: Bei Irve liest findet man eine Anleitung gegen das Sezieren dieses Romans…

„Sag nicht, dass du Angst hast“ – Eine wahre Geschichte

Sag nicht, dass du Angst hast

Sag nicht, dass du Angst hast

Ich hatte einen Blog in Afrika. Unter dieser Überschrift startete vor einigen Monaten meine Lesereise in den Dunklen Kontinent, dessen Bilder noch heute vom kolonialen Wahnsinn geprägt sind, den wir Europäer im Wettstreit um die Vorherrschaft auf dem Weltmarkt verursacht haben. Der Kontrast zur romantisch verklärten Welt einer Tania Blixen oder ihrer Zeitgenossin Beryl Markham zu den Ureinwohnern von Kenia könnte schärfer nicht sein.

Eine gehörige Portion Alltagsrassismus schwingt mit, wenn wir zurückblicken und uns die Menschen vor Augen führen, um die es in den Büchern dieser beiden Frauen kaum, oder nur ganz am Rande ging. Der eigene Wohlstand, das eigene unbeschwerte Leben, Luxus und Safaris, sowie die eigenen Träume standen immer im Vordergrund. Dazu brauchte man „Personal“. Und erst wenn die Luft dünner wurde, war man geneigt, sich ein wenig für diese Menschen einzusetzen. Erst dann. Für sie:

Afrikaner. Menschen aus Eritrea, Somalia, Kenia, Simbabwe und Ghana, um nur einige Beispiele zu nennen. Menschen. deren Verarmung europäische Methode war, um einen ganzen Kontinent auszuschlachten. Menschen, die auch heute noch nicht ganz in ihrem Land zuhause sind. Geknechtet, missbraucht, versklavt und oft nur als touristische Dekoration wahrgenommen. Die Rassentrennung lässt immer noch grüßen. Mandela ist tot.

Sag nicht, dass du Angst hast

Sag nicht, dass du Angst hast

Die Dritte Welt ist schwarz. Auch heute noch. Eine Welt, in der wir unsere Kriege führten und die doch gefälligst dort bleiben soll, wo wir sie fein sauber zurückgelassen haben. Oder eben gar nicht fein sauber. Als globale Müllhalde dient sie noch immer, als Billig-Lohnland allemal und unsere solare Energie können wir auch noch dort gewinnen. Na, geht doch. Ausbeutung geht auch ohne selbst im Land zu sein. Kolonien 2.0.

Und wenn es die Menschen geschafft hatten, sich nach langen Konflikten von ihren weißen „Bwanas und Memsahibs“ zu befreien, dann traf sie auch schon die nächste Keule. Korrupteste Regierungen, Diktatoren mit unstillbarem Machthunger, fehlgeleitete Entwicklungshilfe, Naturkatastrophen oder zu guter Letzt radikal-islamistische Milizen auf dem brutalen Weg zur Festigung ihrer eigenen Absolutheitsansprüche entwickelten auf dem ganzen Kontinent einen Flächenbrand nach dem anderen.

Die Opfer? Zumeist namenlos. In den Medien nur als dunkle Masse zu erahnen. In der ewigen Todesspirale zwischen Armut und Krieg, zwischen religiöser Unterdrückung und Vertreibung gefangen. Und wenn sich genau diese Menschen dazu entschließen, ihre Heimat zu verlassen, werden sie unter der Überschrift „Wirtschaftsflüchtlinge“ genau in den Ländern gebrandmarkt, denen sie ihre Armut zu verdanken haben.

Sag nicht, dass du Angst hast

Sag nicht, dass du Angst hast

Reiche Wirtschaftsnationen, die ihren eigenen Wohlstand der Ausbeutung Afrikas zu verdanken haben, errichten hohe Mauern um ihren Reichtum. Die Geschichte treibt oft ihre eigenen Stilblüten. Von den Opfern wollen wir erst recht nichts wissen. Und vor der eigenen Haustür wollen wir sie schon gar nicht haben. Das wäre ja noch schöner. Und wenn es unbedingt sein muss, dann sollte es schon bitte das Problem derjenigen sein, die ganz nah dran wohnen. Italien, Lampedusa, Lesbos. Da ist es doch schön sicher.

Ich sehe nichts, ich höre nichts, ich sage nichts. Ein sehr gutes Mantra, solange die Flüchtlinge nicht ins eigene Land strömen. In der Masse erkennt man keine Gesichter. In den absoluten Zahlen gehen Schicksale unter und wenn diese verschwinden, ist es für Mitgefühl zu spät. Sinkende Flüchtlingsboote und ertrinkende Menschen lassen einen kalt. Solange, bis man beginnt, die Geschichten zu erzählen. Bis man diesen Menschen in die Augen schaut und ihnen zuhört. Zumindest denjenigen unter ihnen, die ihre Flucht überlebt haben.

Sag nicht, dass du Angst hast ist eine solche Geschichte. Sie ist wahr. Sie erhebt nicht den Anspruch, für alle Flüchtlinge sprechen zu wollen. Sie verallgemeinert nicht und schwimmt allein schon dadurch gegen den Strom der Pauschalisierung, der allen Flüchtlingen wie eine Welle aus Gift ins Gesicht spritzt. Giuseppe Catozzella hat eine solche Geschichte aufgearbeitet. Er hat in aller Tiefe recherchiert, Verwandte befragt und Spuren gesichtet. Er hat sich einem Mädchen genähert, das wir heute nicht mehr fragen können. Samia Yusuf Omar.

Sag nicht, dass du Angst hast

Sag nicht, dass du Angst hast

Samia kam 1991 in Somalia zur Welt. Ihr Vater war Gemüsehändler und die Familie lebte, besonders nach dem Tod des Vaters, in ärmsten Verhältnissen. Ausweglos und ohne Perspektive könnte man wohl sagen, nicht jedoch Samia, die über eine besondere Begabung verfügte. Sie konnte so schnell laufen, wie kein zweites junges Mädchen der Stadt. Genau hier sah sie ihre reale Fluchtmöglichkeit. Leichtathletin zu werden und für ihr Land zu laufen. Für die Frauen ihres Landes, denen doch so vieles nicht möglich ist.

Hartes Training, gute Freunde und Förderer ermöglichten ihr die Verwirklichung des Traums ihres Lebens. Den Start bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Alles schien wie ein Traum. Sie war Fahnenträgerin ihres Landes. Sie lief ihre Paradedistanz, die 200 Meter und wurde bejubelt. Allerdings nicht weil sie gewann. Sie war schneller als jemals zuvor und erreichte das Ziel doch nur weit abgeschlagen als Letzte ihres Vorlaufes. Dem Publikum war das nicht egal. Dabeisein ist alles… und dieser Kampf wurde mit Standing Ovations belohnt. (Hier das Video dieses Laufes)

Zu wenig für Samia. Sie wollte gewinnen. Sie wollte zeigen, zu was eine echte Somali in der Lage ist. Sie wollte erneut starten. 2012 – London – das war ihr Ziel. Doch das Land hatte sich sehr verändert. Laufende Frauen? Undenkbar unter dem aufziehenden Machteinfluss der radikal-islamistischen Miliz Al Shabaab. Es folgten Repressalien gegen Samia und ihre Familie. Es folgten vermummte Trainings unter der Burka. Und es wurde immer gefährlicher für eine junge Frau, die doch nur laufen wollte. Für sich selbst und ihr eigenes Land.

Sag nicht, dass du Angst hast

Sag nicht, dass du Angst hast

Es folgt die Flucht zu Verwandten nach Äthiopien. Es folgt das lange Warten, ob sie zumindest dort starten kann. London rückt näher. Sie muss zuschauen, wenn sich nicht schnell etwas tut. Ihr fehlen Papiere. Ihr fehlt alles. Verzweifelt entschließt sie sich, auf eigene Faust nach Europa zu kommen und vertraut sich Schleppern an. Samia wird zum Teil eines unendlichen Flüchtlingsstroms. Unterstützt nur noch von ihrer Familie und ihrer Schwester, die bereits in Skandinavien lebt. Als sich ihre Spur verliert, beginnt man zu recherchieren. Ihren Weg nachzuzeichnen. Einen Weg, der nicht nur ihrer ist. Es ist der Weg, den so viele Menschen nehmen, die dann völlig entkräftet an unseren Grenzen ankommen.

Giuseppe Catozzella hat diesen Weg in seinem Report „Sag nicht, dass du Angst hast“ nachgezeichnet. Man sollte hart im Nehmen sein, wenn man sich auf ihre Spur begibt. Man sollte leidensfähig sein, wenn man neben ihr auf dem offenen Jeep durch die Sahara fährt. Man sollte die Gefühle unterdrücken können, wenn man die ständigen Erpressungen der Schlepper erlebt. Und man sollte nicht zu nah am Wasser gebaut haben, wenn man vor Lampedusa ankommt. Einer Insel, die Samia niemals erreichte.

London 2012… Ihre Bahn blieb leer.

Nein. Dieses Buch ist kein Buch über alle Flüchtlinge dieser Welt. Nein. Nicht alle Flüchtlinge wollen zu Olympischen Spielen und nein, das ist nicht repräsentativ. Und es ist ja nur eine einzige Geschichte, werden einige sagen.

Verflucht nochmal JA. Es ist eine Geschichte. Es ist die Geschichte eines Traums. Es ist die Geschichte eines jungen Mädchens auf der Flucht vor religiöser Unterdrückung. Es ist nur eine von unzähligen Geschichten, die für Träume stehen. Nicht für Flucht. Sie stehen für Ziele und Möglichkeiten, die uns offen stehen. Träume zeichnen uns aus.

Ich hatte einen Blog in Afrika - AstroLibrium

Ich hatte einen Blog in Afrika – AstroLibrium – Ein Klick führt zur Lesereise

Begleitet Samia nur ein stückweit auf ihrem Weg und blickt den Menschen in den Rettungsbooten in die Augen. Sie sind nicht alle Läufer – wahrlich nicht. Aber sie sind auf der Suche nach ihren Träumen und einem Leben in Sicherheit. Und wir sollten beides nicht verwehren.

Eine zweite literarische Begegnung mit Samia machte mich erneut sprachlos.Der Traum von Olympia, eine Graphic Novel von Reinhard Kleist, Carlsen Verlag, nähert sich ihrer Geschichte auf ganz besondere Art und Weise… Hier weiterlesen.

Der Traum von Olympia von Reinhard Kleist

Der Traum von Olympia von Reinhard Kleist

Diese Rezension steht gegen jede Form der Verallgemeinerung. Sie stellt nur den Versuch dar, ebenso wie das Buch, das Augenmerk auf ein einzelnes Schicksal zu werfen. Ebenso wenig sind das Buch oder mein Artikel intellektuelle Freibriefe für Menschen, die in unserem Land Schutz suchen und die Gastfreundschaft oder Hilfsbereitschaft missbrauchen.

Differenziert möchte ich das kontroverse Thema reflektieren. Nicht vorverurteilen, nicht pauschal freisprechen. Geben wir jenen eine Chance, die es auch ehrlich mit uns meinen. Das ist die Herausforderung für die Zukunft. Das muss eine moderne Gesellschaft leisten können. Wir sind Teil dieser Zukunft.

Schaut Euch doch einfach an, wie diese Zukunft gestaltet werden kann. Yvonne hat diesem Thema auf ihrem LiteraturBlog Lesende Samtpfote ein eigenes Projekt gewidmet.

Blogger für Flüchtlinge - Zur Homepage

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Die Insel von Armin Greder – Ein Buch, das Leben retten kann

Die Insel von Armin Greder

Die Insel von Armin Greder

„Am Morgen fanden die Inselbewohner einen Mann am Strand,
da wo Meeresströmung und Schicksal
sein Floß hingeführt hatten.
Er stand auf,
als er sie kommen sah.

Er war nicht wie sie.“

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Diesen gestrandeten Mann, der vom Schicksal an den Strand „unserer Insel“ gespült wurde, sehen wir gerade tausendfach in allen Medien. Er ist alles: Kind, Bruder, Frau, Mann, Schwester, Greis und Baby. Aber vor allem ist er eines: Mensch. Unbewaffnet, nackt, abgemagert und fern seiner Heimat. Und sofort fühlt er sich wie ein Fremder, wie eine Gefahr auf der rettenden Insel. Diese Erkenntnis reift schnell.

Er war nicht wie sie.

Als ich das Bilderbuch „Die Insel“ von Armin Greder aufschlug, durchzuckten mich viele Gedanken. Ich fühlte sofort, dass mir die Geschichte dieses Mannes einen Spiegel vor Augen halten würde, der tagesaktueller und brisanter nicht sein kann. Ich spürte, wie sich das Schicksal aller Flüchtlinge dieser Welt zu einer abstrahierten Geschichte eines Einzelnen verdichtete, die das Geschehen der letzten Wochen derart eindringlich und emotionslos beleuchtet, dass ich mir immer wieder vorstellte, wenn es dieses Buch nicht gäbe, es müsste erfunden werden.

Er war nicht wie sie.

Die Insel von Armin Greder - AstroLibrium

Die Insel von Armin Greder – AstroLibrium

Wenn nur ein einziges Buch über Flüchtlinge jemals punktgenau im Bewusstsein des Lesers landete, dann dieses. Wenn ein Buch über das Schicksal eines Menschen in Not je den Kern der Realität abzubilden vermag, dann dieses. Wenn ein Buch über die glückliche Ankunft auf einer rettenden Insel jemals den Anspruch erheben darf, allen Flüchtlingen dieser Welt gerecht zu werden, dann dieses. Wenn es einem Buch gelingt, die soziologischen Automatismen von Vorurteilen und Fremdenfeindlichkeit so greifbar zu veranschaulichen, dass man sie beim Lesen aktueller Schlagzeilen immer vor Augen hat, dann diesem.

Er war nicht wie sie.

Dieses Anderssein reicht den Bewohnern der Insel aus. Es ist völlig ausreichend, sich hinter einer pauschalen Aussage und den gewachsenen Vorurteilen zu verstecken, um kollektive Ablehnungshaltungen zu erzeugen. Und doch gibt es in einer solchen verschworenen und geschlossenen Gemeinschaft immer wieder diese Gutmenschen, die an die Menschlichkeit ihrer Mitbewohner appellieren. Die versuchen, die Meinung zu ändern, Vorurteile abzubauen und dabei selbst riskieren, Kopf und Kragen zu verlieren.

Er war nicht wie sie.

Die Insel von Armin Greder

Die Insel von Armin Greder

Diese Gutmenschen sehen wir auch heute in allen Nachrichten. Sie sind es, die ebenso heftig beschimpft werden, wie die Flüchtlinge selbst. Sie sind es, die ebenso mit Vorurteilen konfrontiert werden, wie die hilflosen Menschen, die einfach nur Schutz und Essen suchen. Diesen Gutmenschen mag es gelingen, die Geschichte für einen kurzen Moment anzuhalten, ihr ein anderes Gesicht zu verleihen, eine Gemeinschaft davon zu überzeugen, einem notleidenden Menschen eine reale Chance zu geben. Doch letztlich haben sie immer das Gefühl, ebenso allein zu stehen, wie der Flüchtling für den sie sich einsetzen. Denn während der Gutmensch fast alles in die Waagschale wirft, um seine Menschlichkeit zu beweisen, werden im Hintergrund die Messer gewetzt.

Er war nicht wie sie.

Daran ändert der Gutmensch gar nichts. Integration und gemeinsame Wege müssen gewollt sein. Sie lassen sich nicht von humanistisch geprägten Minderheiten erzwingen. Im Hintergrund rasseln die Säbel, kursieren die üblen Gerüchte und werden die Bilder verbreitet, für die es zwar keinen Beleg gibt, aber Mobbing gegen Fremde ist so leicht. Und man steht so gut da in der tumben Masse.

Er war nicht wie sie.

Denn letztlich reichen die Vorurteile und der Querschnitt aller Ablehnungen, um zu zeigen, wie die ach so sozial geprägte Gemeinschaft denkt, wie sie sich Fremdkörpern gegenüber positioniert und warum sie sich hinter der Angst versteckt, selbst etwas zu verlieren, wenn man einem anderen hilft. Der Gutmensch und der Flüchtling haben fast keine Chance gegen das dauerhafte Geschrei der Masse. „Ich habe nichts gegen ihn, aber…“ und „Da wo der herkommt sind doch alle kriminell…“ – Sätze, die nichts aussagen. Sätze, die unschuldig klingen, wie „Man wird doch noch sagen dürfen…“

Er war nicht wie sie.

Die Insel von Armin Greder

Die Insel von Armin Greder

Aber es sind Sätze, die jene Gewaltbereiten aufmuntern, tätig zu werden, weil sie sich schließlich im Konsens mit der Masse wähnen. Bilder, die uns heute nur zu bekannt vorkommen. Dieses Buch über eine Insel ist so zeitlos, wie man es sich nur wünschen darf. Es zeigt uns deutlich, auf welcher Seite wir nicht stehen wollen, aber auch, wie schwer es ist, sich zu erheben und zu den Anständigen zu gehören. „Die Insel“ ist ein episches Mahnmal für alle Flüchtlinge in der Geschichte der Menschheit, weil Flüchtlingsschicksale niemals anders aussahen. Nie waren sie willkommen, immer bestand die Gefahr, dass es ihnen besser gehen könnte als den Menschen, die ihnen Schutz gewähren.

Und wenn kein Gerücht mehr half, wenn alle Vorurteile versiegten, dann blieb immer noch das ewig währende “Er war anders als sie“.

Die Insel“ von Armin Greder wurde bereits im Jahre 2002 erstmals veröffentlicht. Der Sauerländer Verlag kommt mit dieser Publikation zum einzig richtigen Zeitpunkt auf den Markt, denn dieses Buch kann dabei helfen, dass die Mauern auf der Insel nicht zu hoch in den Himmel wachsen. Es kann dabei helfen, dass sie überwindbar bleiben und die wenigen Aufrechten Mittel finden, gegen die Automatismen der blinden Ablehnung eigene Automatismen der Menschlichkeit zu entwickeln.

Er war nicht wie sie.

Die Insel von Armin Greder

Die Insel von Armin Greder

Das sollte der beste Grund sein, jemandem zu helfen. Selbstlos, ohne Vorbehalte und in aller Aufrichtigkeit. Lest „Die Insel“ und schaut euch die unglaublichen Illustrationen an. Sie spulen ihren eigenen Film vor eurem geistigen Auge ab. Einen Film, den ihr gerade täglich seht. Und allein das Erkennen dieses einzelnen Schicksals lässt uns verstehen, was wir Menschen zu tun haben.

HELFEN….

Blogger für Flüchtlinge - Zur Homepage

Blogger für Flüchtlinge – Zur Homepage

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Initiative „Blogger für Flüchtlinge„. Hier werden Hilfsangebote und -möglichkeiten aufgezeigt, koordiniert und veröffentlicht. Es ist so leicht, die Augen nicht zu verschließen und aus einer Insel voller Mauern eine wahre Rettungsinsel zu machen.

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PS: Menschen, die sich in den letzten Tagen für Flüchtlinge einsetzen und ihnen helfen, werden in der medialen Öffentlichkeit als „Gutmenschen“ beschimpft. Hierbei bedient sich der dumpfe Mob eines Begriffes, der genau das Gegenteil dessen aussagen soll, was der Wortsinn hergibt. Ich lasse mich jedoch gerne als Gutmensch beschimpfen. Ich trage den Begriff in seinem wörtlichen Sinn vor mir her und weiß, wer mich beschimpft. Es sind die Gleichen, die auf der Insel die Mauern errichten und Flüchtlinge vertreiben.

Harper Lee – Gehe hin, stelle einen Wächter – Eine Annäherung

Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee

Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee

Wer die Nachtigall stört“ galt bisher als der einzige Roman von Harper Lee. Ein literarisches „One-Hit-Wonder“, das 1961 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Die Verfilmung mit Gregory Peck in der Hauptrolle ist legendär und Oscar-prämiert.

Der aufrechte Protagonist Atticus Finch kämpft hier als engagierter Anwalt gegen die Verurteilung eines Schwarzen, der beschuldigt wird, eine Weiße vergewaltigt zu haben. Atticus gibt seinen Kindern Werte mit auf den Weg, die in den Vereinigten Staaten der 1930er Jahre absolut nicht selbstverständlich waren. Ganz besonders nicht im Süden. Schon gar nicht in Alabama. Diese Romanfigur gilt bis heute als Vorbild für viele junge Menschen, selbst gegen Diskriminierung einzutreten, Jura zu studieren und mit wachem Blick gegen Rassismus zu kämpfen. Ein nationaler Mythos.

„Wer die Nachtigall stört“ erschien bereits 1960. Seitdem ist es ruhig um die heute 89-jährige Autorin. Bis man 2014 ein Manuskript entdeckte, das gerade unter dem Titel Gehe hin, stelle einen Wächterveröffentlicht wurde und seitdem die Buchwelt in Atem hält. Das Urteil der Kritiker und Leser reicht von „Ich weiß nicht, was ich davon halten soll“ über „Die Nachtigall ist aber viel besser“ bis zu „Eine literarische Sensation“.

Womit haben wir es wirklich zu tun? Wie kann man sich dem Wächter nähern und was macht aus einem bisher unveröffentlichten Manuskript aus dem „Giftschrank“ einer zurückgezogen lebenden alten Dame das fehlende Puzzlestück im Gesamtbild eines inzwischen aus zwei Bücher bestehenden Lebenswerks? Meine Annäherung an dieses Phänomen kann und soll mögliche Lesewege aufzeigen, die letztlich dazu führen, dass beide Bücher unter Berücksichtigung ihrer besonderen Entstehungsgeschichte, ihrer literarischen Relevanz und ihrer zeitlosen politischen Brisanz für mich persönlich zu den größten Lese-Erlebnissen meines Lebens gehören.

Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee

Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee

Das eigentliche Debüt von Harper Lee ist „Gehe hin, stelle einen Wächter“. Dem Verlag war das Thema dieses Romans damals zu brisant. Er ist in den 1950er Jahren angesiedelt und der Rahmen für die Handlung wird durch die damalige Rechtsprechung des obersten Gerichtshofes der USA definiert. Die Rassentrennung an Schulen wurde verboten und erhebliche Eingriffe in die Eigenverantwortung der Bundesstaaten sorgten für erhebliche Widerstände und Unruhen, die noch immer spürbar waren.

Der Verleger empfahl Harper Lee die Handlung in die 30er Jahre vorzuverlegen und die Geschichte der Finchs mit der Kindheit von Jean Louise (Scout) und ihrem Bruder zu beginnen. Der situative Rahmen wird durch konsequente Rassentrennung im bürgerlichen Leben und an Schulen definiert. Und doch war man rein juristisch in den dreißiger Jahren so weit, alle Menschen, gleich ihrer Herkunft vor dem Gesetz gleich zu behandeln. Allerdings nur im eng gesteckten Rahmen der geltenden Konventionen der Trennung von Schwarz und Weiß.

So entstand „Wer die Nachtigall stört“, ein Destinations- und Kindheitsroman über Freundschaft, das Aufwachsen im guten alten Süden und ein großes sozial-juristisches Lehrstück über die Anfänge einer Gleichbehandlung von Schwarzen vor dem Gesetz. Atticus Finch wird zum Verfechter und Vorreiter der Rolle des „Menschenrechtlers“ und zum vorbildlichen Verteidiger eines schwarzen Angeklagten, dessen Schicksal ohne ihn durch Lynchjustiz entschieden worden wäre. Und obwohl er den Prozess trotz massiver entlastender Indizien verliert, prägt Atticus Finch das Bild des modernen Anwalts.

Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee

Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee

Dabei wird seinen Kindern klar, dass er diesen Prozess aus tiefster Überzeugung führt und sich selbst nicht mehr im Spiegel anschauen könnte, wenn er kneifen würde. Seinen Kindern könnte er dann kein Vorbild mehr sein und diese Lehren werden zum prägenden Kindheitsbild ganz besonders für die junge Scout, die ihren Vater abgöttisch liebt und ihn mutig vor aller Welt verteidigt. Er stellt sich als Pflichtverteidiger gegen die meisten Menschen in Maycomb. Er riskiert viel und bleibt seinen Prinzipien treu.

„Ich könnte nicht mehr mit erhobenem Kopf durch die Stadt gehen…“

„Diesmal kämpfen wir nicht gegen die Yankees, sondern unsere Freunde“

„Das ist mein Fall. Dass wir schon 100 Jahre vor Prozessbeginn besiegt wurden, ist kein Grund untätig zu bleiben!“

Und genau diesen Prozess beobachten die Kinder, erleben, wie sich ihr Vater für die Rechte der Schwachen einsetzt und erheben ihn fortan zum leuchtenden Vorbild ihres eigenen Lebens. Auch wenn er ein tragischer Held bleibt, er ist ein Held und sein Wort ist Dogma und Gesetz zugleich. Und doch tritt Atticus Finch zu keinem Zeitpunkt als Vordenker für die Gleichberechtigung der Schwarzen in seinem Staat ein. Ganz im Gegenteil

Er bezeichnet die sexuelle Annäherung zwischen dem Angeklagten und der weißen Klägerin, egal von wem sie ausging, als schlimmen Verstoß gegen ein tief verwurzeltes Recht und Gesetz und einen erheblichen Schlag gegen alle moralischen Vorstellungen. Er tritt für abstraktes Recht ein, wie so viele Anwälte, denen es nur wichtig scheint, ihren Fall zu gewinnen. Die gesellschaftlichen Ursachen für Straftaten sind egal oder werden schweigend akzeptiert. Doch das erkennt man erst auf den zweiten Blick. „Wer die Nachtigall stört“ ist ein hintergründiger Roman der im zutiefst von Rassentrennung gekennzeichneten Süden spielt und dessen Protagonist diesen Rahmen zu keiner Zeit sprengt.

Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee

Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee

Ich werde niemals vergessen, wie ich damals mit Scout aufgewachsen bin, mit ihr gemeinsam ihren Vater bewundert habe. Ich habe an ihrer Seite Freundschaft um jeden Preis erlebt und hatte Angst vor dem gesichtslosen Boo Bradley in der Nachbarschaft. Ich sehe noch immer das Versteck im Baum und fühle das tiefe Band der schwarzen Gemeinde in Maycomb. Ich habe diesen großen Roman geliebt, liebe ihn noch immer und habe ihn erneut gelesen, unmittelbar bevor ich den „Wächter“ begonnen habe.

Ich kann nur jedem Leser raten, die Nachtigall erneut zu lesen, oder sich den Film anzuschauen und in Gedanken tief in den Maycomb-Mikrokosmos einzutauchen, um im „Wächter“ auf der Höhe der tiefen persönlichen Verbindungen zur Vergangenheit zu sein. Dieser Roman sollte nicht isoliert betrachtet werden. Er ist die zweite Seite der Medaille, ohne die alles keine Bedeutung hat. „Gehe hin, stelle einen Wächter“ ist, wie der Titel schon sagt, eine ganz genau definierte Beobachtungsposition, aus der die Vergangenheit neu bewertet wird und man sich in der Zukunft besser auf sein Urteil verlassen kann.

Der „Wächter“ also, das eigentliche Debüt, der Roman der zuerst da war, bringt uns nun in die 1950er Jahre zurück in unser Maycomb. Scout (Jean Louise) ist inzwischen 26 Jahre alt und kehrt an den Ort ihrer Kindheit zurück, um ihren inzwischen über 70-jährigen Vater Atticus zu besuchen. Von New York in den Süden. Auch in den fünfziger Jahren fast eine Weltreise, ganz besonders in diesen unruhigen Zeiten für den guten alten Süden. Mit der Aufhebung der Rassentrennung an Schulen stehen die schwarzen Mitbürger nun fast vor der Tür der vollwertigen Bürgerrechte.

Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee

Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee

Und das ausgerechnet in Alabama, wo sie, die ehemaligen Sklaven, auch noch in der Überzahl sind und der Widerstand in der Bevölkerung wächst beharrlich. Es ist die pure Angst vor der Rache für Jahre der Knechtschaft und die Angst vor der Beteiligung von Schwarzen an öffentlichen Ämtern und vielleicht sogar an der Regierung. Unvorstellbar. Aber Jean Louise weiß ihren Vater auf der richtigen Seite. Als aufrechten Kämpfer und Volksvertreter für Gleichberechtigung. Auch der Mann, den sie vielleicht einmal heiraten würde entspricht diesem Bild. Nicht umsonst arbeitet er in der Kanzlei ihres Vaters und ist der geborene Nachfolger im Amt und im Leben.

Was Scout allerdings dann erleben muss, schlägt nicht nur dem Fass den Boden aus, sondern wirft ihr Weltbild durcheinander, lässt alles aus den Fugen geraten und macht aus dem kleinen naiven Wildfang von einst eine Furie im Kampf um die eigene Weltanschauung. Ihr Vater auf Seiten der Befürworter der Rassentrennung? Ihr Vater als Vorsitzender eines der berüchtigten Bürgerräte, die alles in Bewegung setzen, die Diskriminierung der Schwarzen fortzusetzen? Ist das ihr Vater, der nun im Besitz von Hetzschriften ist und seiner Tochter zu vermitteln versucht dass es keinen anderen Weg für den Süden gibt? Die Erkenntnis reift um 14:18 Uhr an diesem Tag. Danach ist alles anders. Alles.

Denn auch ihr Freund ist auf der falschen Seite! Sich opportunistisch anpassend an die lokalen Gegebenheiten, weil er ja in dem kleinen Ort leben und arbeiten will? Alle auf der falschen Seite, nur nicht Jean Louise, die den Idealen ihres Vaters bisher ebenso sklavisch folgte, wie er nun zu versuchen scheint den Großteil der Bevölkerung klein zu halten? Nur aufgrund der anderen Hautfarbe? Jean Louise Finch steht am Scheideweg ihrer eigenen Existenz und beschließt zu handeln. Ganz im Stile ihres Vaters und dabei macht sie intellektuell kurzen Prozess mit ihm. Eine ganz eigene Verhandlung in Sachen Finch gegen Finch. Und ihr Schlussplädoyer wird noch lange nachhallen. Das kann ich versprechen.

Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee

Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee

„Gehe hin, stelle einen Wächter“ ist mehr als ein Manuskript. Es ist die Fortsetzung einer großen Geschichte, die schon geschrieben war, bevor die Geschichte begann. Schwungvoll geschrieben, voller Ironie, Humor und unglaublichem Tiefgang führt uns Harper Lee zurück in die Kindertage der „Nachtigall“ und bringt uns klarsichtiger als zuvor in die Gegenwart der fünfziger Jahre zurück. Farbenblind – nur so kann man den Zustand bezeichnen, der Scout damals gefangen hielt. Die Bewunderung weicht dem Zorn und sie fühlt sich völlig verloren in einer Fremde, die einst ihre Heimat war.

Die großen Aussagen kommen nun von ihr. Der wehmütige Blick zurück führt uns in einen Roman, den man einfach lieben musste. Und doch liebte ich viele Jahre lang nur eine Seite eines Reißverschlusses. Nun habe ich die zweite Seite gefunden und Scout Finch ist der Verschluss, der alles verbindet. Harper Lee hat es sich auch mit diesem Roman sicher nicht leicht gemacht. Ihre Schwarz-Weiß-Zeichnung vermag man nur zu verstehen, wenn man mit offenem Herzen liest. Besonders gegen Ende des Wächters schillern diese beiden Nichtfarben in allen Nuancen, die nur vorstellbar sind.

Für mich eine literarische Sensation. Für mich ein außerordentlich intensives Lesen und das Gefühl, nach Hause zu kommen und dann mit Scout plötzlich am Rand der Gesellschaft zu stehen. Für mich ein sehr politisches Lesen, angesichts der rassistisch motivierten Vorfälle unserer Zeit. Für mich zwei hell leuchtende Bücher, die verstehen helfen, was es für die USA bedeutet einen schwarzen Präsidenten ins Amt gewählt zu haben. Emotionales lesen, weil ich schon immer ein wenig in Scout verschossen war. Und es ist ein grandioses Hörerlebnis, weil Sprecherin Nina Hoss diesem Roman in der Hörbuchfassung (Der Hörverlag) eine mehr als persönliche Note verleiht, die man sich anhörten sollte.

Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee

Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee

Was ich persönlich von „Gehe hin, stelle einen Wächter“ in Erinnerung behalte? Einen verrutschten Gummibusen bei einem ausgelassenen Tanzabend; eine mehr als verstörende Wolke aus Gesprächsfetzen bei einem Kaffeekränzchen, das Scout zeigt, wie fremd sie sich in Maycomb fühlt; einen peinlichen Unfall im Schlafwagen, der zeigt dass man auch dort besser ein Höschen tragen sollte; das warme Wiedersehen mit der guten Calpurnia und den absolut dramatischen Perspektivwechsel auf dem Balkon des Gerichtssaals, der Scout ihren Vater von einst erleben lässt, während dieser nun, fast zwanzig Jahre später der Vorsitzende einer Versammlung radikaler „Negerhasser“ ist. Grandioses Gefühlskino.

Gehe hin, stelle einen Wächter (DVA Verlag) verbirgt weitere Geheimnisse, denen ich beim Harper-Lee-Abend des Verlages im Literaturhaus München auf den Grund gegangen bin. Interviews mit Verlagsmitarbeitern werden in der nächsten Woche als RadioPodcast bei Literatur Radio Bayern veröffentlicht, um das Bild abzurunden und Sie zum Lesen zu verführen.

Und dann gehen wir gemeinsam auf die Suche nach den ganz kleinen Häkchen, die den Reißverschluss des Lesens ein wenig zu stören scheinen, wie der Ausgang des Robinson-Vergewaltigungs-Prozesses, der in beiden Büchern unterschiedlich endet. Es ist noch viel zu entdecken. Die Reportage bringt weiteres Licht ins literarische Dunkel und wir gehen sogar der Frage nach, ob das Wächter-Zitat „Someone is walking over my grave“ in seiner wörtlichen Übersetzung „Jemand ist über mein Grab gegangen“ besser funktioniert, als die gute alte deutsche Gänsehaut.

Beginnen Sie doch bis dahin mit der Nachtigall (Rowohlt) und begegnen Sie dann dem Wächter. Dieser Roman hat das Potential, ein ganz individueller Wächter des persönlichen guten Gewissens zu werden! Es lohnt sich. Bis bald.

Mit einem Klick zur Radioreportage vom "Harper Lee Abend"

Mit einem Klick zur Radioreportage: Der  „Harper Lee Abend“ in München

Und nun eine kleine Vorschau auf unsere Literatur Radio Bayern Reportage, die hier zu hören ist.

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Hier geht es zu meinem literarischen Sternystem der verlorenen Mädchen!