Polarliebe von Sigri Sandberg und Anders Bache

Polarliebe - AstroLibrium

Polarliebe

Expeditionen bestimmen mein Lesen. Auf den Spuren der großen Entdecker habe ich die Terra Incognita bereist, war sowohl am Nord- als auch am Südpol, habe viele Entbehrungen mit den Männern der legendären Expeditionsschiffe Erebus, Nimrod, Terror, Endurance und Fram geteilt. Ich war jahrelang unterwegs, bevor ich wieder in den Heimathafen einlaufen durfte. Ich scheiterte, wurde im ewigen Eis eingeschlossen, fand Zeichen der Expeditionen, die vor mir ihre Ziele erreicht hatten, habe mich einem globalen Wettrennen um Ruhm und Ehre angeschlossen und musste erleben, wie viele jener freiwilligen Helden nie wieder nach Hause kamen. Ich fror in ewigen Nächten auf dem ewigen Eis, floh vor Eisbären und war gezwungen, mich von Schlittenhunden zu trennen, obwohl sie stets die treuesten Weggefährten waren. Ohne diese literarischen und meine Fantasie beflügelnden Reisen, sähe mein Lesen anders aus. Ich war immer auf der Seite der ewigen Zweiten, jener Verlierer im Rennen um Anerkennung.

Allein der Mare Verlag hat mir mit seinem schier unerschöpflichen Sortiment von Büchern zu diesem Thema stets neuen Auftrieb gegeben. Ich wurde nicht nur zum Zeugen der vergangenen Abenteuer. Ich durfte Das Eis brechen und Beinahe Alaska erreichen. Ich wandele auf Spuren der Entdecker und diese Reise ist nicht beendet. In meinem Lesen gibt es noch viel zu entdecken, obwohl es heute keine weißen Flecken mehr auf unserem Planeten gibt. Alles ist entdeckt und vermessen. Und doch finde ich immer wieder neue Ansätze, meine Forschungsreisen fortsetzen zu können. Was war das für ein Leben, das die Abenteurer im 19. Jahrhundert führten? Was bedeutete es für ihre Familien, für ihre Ehefrauen, dass sie von Träumen besessen waren? Aspekte, die sich uns erst heute richtig erschließen, weil uns die Vorstellungskraft fehlt, sich aus der Komfortzone in die Todeszone zu begeben, nur um Erster zu sein.

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Polarliebe

Diesen Fragen geht „Polarliebe – Leidenschaftliche Briefe und Geschichten aus dem ewigen Eisvon Sigri Sandberg und Anders Bache (Mare) auf den Grund. In einer hochwertig illustrierten und bebilderten Ausgabe öffnen uns diese beiden Autoren die Tür zu einer verborgenen Welt. Sie gewähren uns Zutritt zu den Privatarchiven der großen und kleinen Entdecker. Nicht jedoch in ihrer angestammten Rolle als Forscher, sondern hier sind es die Beziehungen, Leidenschaften und Lieben, von denen sie und ihre zurückgelassenen Frauen in ihren Briefen Zeugnis ablegen. Hier wird Distanz zur Bestimmungsgröße von Gefühl. Hier sind es die Trennungen und die Ungewissheiten, die den Rahmen von Beziehungen abstecken. Dieses Buch ist eine wahre Fundgrube, die in der heutigen Zeit die Maßstäbe des Vermissens neu definieren kann.

Polarliebe“ ist nicht nur ein Geschenk für Abenteurer und Entdecker. Es ist nicht nur ein Geschenk für Lesende, die den alten Expeditionen seit Jahren folgen. Nein. In meinen Augen ist dieses aufwendig gestaltete und grandios erzählte Buch das perfekte Geschenk für alle Sehnenden und Liebenden, für die es schon problematisch ist, wenn man sich ein paar Tage nicht sieht. Es ist ein Herzensgeschenk für alle Menschen, die an die Macht von Briefen glauben, weil sie wie ein magisches Band Zeit und Raum zu überwinden in der Lage sind. Hier paart sich die Ungewissheit der Heimkehr mit jener Ungewissheit, wann ein Brief sein Ziel erreicht hat und wann er beantwortet wird. Hier sind Briefe das einzige Band, das bis zu einer bestimmten Stelle auf der Landkarte im ewigen Eis halten kann. Danach bricht der Kontakt ab. Dann ist Ruhe. Es bleiben nur die letzten Zeilen, die Hoffnung und die Liebe, die auf die größte Belastungsprobe im Lauf eines gemeinsamen Lebens gestellt wird. Dieses Buch ist eine Liebeserklärung an die Zeitlosigkeit des handgeschriebenen Wortes!

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Hier treten die Ehefrauen der Entdecker aus dem Schlagschatten ihrer Männer. Hier verlieren sie ihre nur betrachtenden, beobachtenden, wartenden, passiven Rollen und werden zum wesentlichen Teil der Expeditionen. Sie sind Rettungsanker. Teil der Crew und Motivatoren zugleich. Ohne ihre Anziehungskraft hätte so mancher Forscher den Weg nach Hause nicht mehr gefunden. Wenn ER sich zum Nordpol aufmacht, ist SIE der magnetische Südpol, der ihn anzieht. Wenn ER im Packeis gefangen ist, weiß SIE das Eis zu schmelzen. Wenn ER in der ewigen Nacht in Dunkelheit versinkt, ist es IHR Foto in seiner Kajüte, das Strahlkraft und Wärme verströmt. Dieses Buch ist mehr als magisch, wenn es darum geht, die Begriffe Halt und Zuneigung zu untermauern. Es ist gewaltig, wenn es beschreibt, was lebenslange Treue bedeutet und es ist tragisch in den Momenten, in denen klar wird, dass die Liebe über den Tod hinaus Bestand haben muss.

Es sind die Amundsens, Nansens, Pearys und Scotts, die uns hier tiefste Einblicke gewähren. Es sind Schiffe, wie Nansens Fram, Schlitten und Heißluftballone mit denen wir uns in Lebensgefahr begeben. Es sind die Schreibtische der hoffenden Ehefrauen, die wir stets im Blick haben. Es sind die Briefe, die wir lesen dürfen – immer ein wenig im Gefühl von Indiskretion, weil sie nicht an uns adressiert sind. Und es sind die Bilder, die von einer gemeinsamen glücklicheren Zeit zeugen, aber auch die Einsamkeit in der Welt des ewigen Eises dokumentieren. Es ist das Unfassbare, was so plötzlich greifbar wird. Die Expedition von Fridtjof Nansen zum Beispiel, bei der er sich mit seiner Fram im Packeis festfrieren lässt, um sich zum Nordpol driften zu lassen. Briefe der Eheleute wandern hin und her. Bis zu dem Tag, an dem die Drift beginnt. Dann? Monologe. Stille Zwiesprache. Hoffen. Geduld. Aber niemals Zweifel. Bis sie DREI Jahre später wieder von ihm hört und nur antwortet: „Wo soll ich Dich treffen? Eva

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Es sind neun Geschichten, in die sich die Autoren der Polarliebe intensiv und voller Empathie hinein recherchiert haben. Jede für sich bewegend, anrührend und unglaublich lesenswert. Es sind Geschichten, die man nicht vergisst, weil sie bisher in dieser Art und Weise unerzählt sind. Jede Episode endet mit einem Epilog, der es in sich hat. Dabei gehen die Autoren sachlich und mit genügend Distanz zu Werke. Sie dramatisieren nicht. Sie lassen das Reale wirken. Und dann sind es ein paar Sätze von ihnen, die unsere Schleusen öffnen. Es sind die Momente, in denen sie die Distanz zu verlieren scheinen und dem Gefühl Raum gegeben. Gerade diese Momente lassen uns innehalten, weil wir dringend Taschentücher brauchen. Die festgefrorenen Tränen im Augenwinkel werden zu Schmelzwasser des guten Lesens.

Denkt an mich, wenn ihr Polarliebe lest. Denkt an mich, wenn ihr Anna Charlier und Nils Strindberg begegnet. Wappnet euch allein vor dieser Geschichte. Sie wird euer Herz brechen, es zu Eis gefrieren lassen und dann auftauen. Ihr werdet mit Nils einen Heißluftballon besteigen. Ihr werdet den Nordpol überfliegen wollen. Ihr werdet euch kurz vor Beginn der Reise unsterblich in Anna verlieben. Ihr wollt nach dem Ende der Expedition heiraten. Sie soll nur sechs bis sieben Tage dauern. Wir schreiben das Jahr 1897. Wir heben ab. Anna bleibt zurück. Dreiunddreißig Jahre lang. Was dann folgt, was dann zu lesen ist, wie wir dann vor dem Epilog sitzen, das ist dann kein Buch mehr. Das ist auch mit meinen Worten nicht zu beschreiben. Lest es selbst…

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Polarliebe

Meine Reise endet nicht hier. Am Tag, als ich die Polarliebe beendete, kehrte die „Polarstern“ in den Heimathafen Bremerhaven zurück. Die größte Polarexpedition aller Zeiten hatte sich nicht dem Entdecken von neuen Territorien verschrieben. Es war der Klimawandel, den man erforschen wollte. Und nun schließen sich erneut Kreise in meinem Lesen. Die Polarstern ließ sich im Packeis der Arktis festfrieren, um mit dem Eis zu driften. Ein Jahr lang. Mitten hinein ins Epizentrum der Klimakatastrophe. Auf der gleichen Route eines Fridtjof Nansen und seiner Fram. Nach „Polarliebe“ liegt es auf der Hand, auch der Polarstern zu folgen.

Es kann kein Zufall sein, dass genau jetzt Expedition Arktis von Esther Horvath erschienen ist. Der wissenschaftlich geprägte Bildband der preisgekrönten Fotografin (Mit ihrem Eisbärenfoto aus der Arktis hat Esther Horvath den 2020 World Press Photo Award gewonnen) wird um die Sichtweisen der Expeditionsteilnehmer, Wissenschaftler und weiterer renommierter Experten ergänzt und somit zu einem Expeditionsbericht der ganz besonderen Art.  Ich bin dem Prestel Verlag unglaublich dankbar, dass mich das Buch so schnell erreicht hat. Ich drifte jetzt davon. Aber niemals ab. Bis gleich an Bord der Polarstern. Hier geht´s lang… Leinen los

Polarliebe und Polarstern - Es geht weiter - AstroLibrium

Polarliebe und Polarstern – Es geht weiter

Hier geht´s zum Logbuch des Expeditionsleiters: Markus Rex – Eingefroren am Nordpol“ – Eine andere Sicht auf die Expedition.

Eingefroren am Nordpol von Markus Rex - AstroLibrium

Eingefroren am Nordpol von Markus Rex

„Wild“ – Der letzte Trip auf Erden mit Reinhold Messner

Wild von Reinhold Messner

Reinhold Messner zuzuhören ist ein Erlebnis. Ihn zu lesen steht dem in nichts nach. Er weiß sehr genau worüber er schreibt, wenn er das Extreme beschreibt, wenn er über die Motivation von Menschen spricht, die sich Ziele gesteckt haben, von denen wir noch nicht einmal zu träumen wagen. Messner weiß dies, weil er selbst ein Besessener war, dessen Reputation noch heute auf der Bewältigung des Extremen gründet. Berge ohne Sauerstoff zu besteigen, Alleingänge und Erstbesteigungen, Rekorde über Rekorde, im ewigen Eis Spuren zu hinterlassen, das sind die Wegmarken seines Lebens, die uns an den Reinhold Messner erinnern, wie er sich selbst gerne sieht.

Aber es sind auch die Konflikte mit seinen Bergkameraden, den Männern an seiner Seite, die von seinem extremen Ego künden und den Eindruck erwecken, es mit einem Leitwolf, einem Alphatier zu tun zu haben. Keinesfalls jedoch mit einem empathischen Teamleader. Umso erstaunlicher scheint es, dass er sich in seinem neuesten Buch mit einem Menschen auseinandersetzt, der genau aus diesem Grund zu einer Legende in der Geschichte der Polar-Expeditionen wurde. Einer fast vergessenen Legende, muss man dazu sagen, denn den Ruhm erntete ein anderer, der in seinem Wesen eher dem Extrembergsteiger Reinhold Messner gleicht.

Wild von Reinhold Messner

Wild“ [waild] erzählt die Geschichte des englischen Abenteurers Frank Wild, der die Antarktis im frühen 20. Jahrhundert besser kannte als seine Westentasche. Zahllos waren seine Beteiligungen an Expeditionen zur Erforschung dieses neuen Kontinents, zahllos seine Versuche mit unterschiedlichsten Expeditionen zum Südpol vorzustoßen und ihn für sein Land in Besitz zu nehmen. Zahllos waren auch seine Kontrahenten, die in einem wahren Wettlauf zum Südpol das letzte große Ziel für Entdecker erobern und sich selbst dadurch unsterblich machen wollten. Die Geschichte von Frank Wild jedoch ist nicht die Geschichte eines Robert Falcon Scott oder eines Roald Amundsen. Wir haben es hier nicht mit einem großen Forscher zu tun, der berühmt werden möchte.

Frank Wild ist der sogenannte Zweite Mann an der Seite von Ernest Shackleton, der „Right Hand Man“ ohne den man heute wahrscheinlich über die vielen Toten berichten müsste, die Shackletons Ehrgeiz zum Opfer gefallen wären. Jenem Shackleton, der es nicht geschafft hatte, im Wettrennen um den Südpol eine wichtige Rolle zu spielen, der sogar von Robert F. Scott ausgebootet und bei Weitem übertroffen wurde. Gescheitert und frustriert beschließt Shackleton in einem letzten Anlauf und mit einem aberwitzigen Plan im Jahr 1915 die so sehr ersehnte polare Unsterblichkeit zu erlangen.

Wild von Reinhold Messner

„Der letzte Trip auf Erden“ soll ihm den Durchbruch bringen. Eine Expedition, mit der er endlich zu Weltruhm gelangen könnte. Die Durchquerung der Antarktis. Wissend um seine eigenen Fähigkeiten und Schwächen setzt Ernest Shackleton erneut auf den Mann, der als sein Stellvertreter dafür verantwortlich ist, die Mannschaft zu führen und die Männer der Expedition in bedrohlichen Situationen durch persönliches Vorbild zum Überleben zu motivieren. Frank Wild ist der symbiotische Charakter, der Shackleton im Kampf gegen die Natur komplementär zu ergänzen scheint. Ruhmsucht ist ihm fremd, Empathie scheint ihm in die Wiege gelegt worden zu sein und sein Umgang mit denen, die ihm anvertraut sind ist entscheidend für den Erfolg dieser Mission.

Shackletons „Imperial Trans-Antarctic Expedition“ scheitert krachend. Sein Schiff „Endurance“ bleibt im Packeis stecken, wird von den Eismassen zermalmt und die 28 Männer müssen sich mit Rettungsbooten einen Weg zu einer kleinen Insel erkämpfen. Dort heißt es warten und sterben oder in einer letzten aberwitzigen Aktion alles auf die Karte Shackleton zu setzen. 22 Männer bleiben im antarktischen Winter auf Elephant Island zurück, während Shackleton mit fünf Begleitern in einem der Boote losfährt, um Hilfe zu holen. Frank Wild ist es, der zurückbleibt. Als Führer der verzweifelten Gruppe, die zur Untätigkeit verurteilt ist und nichts tun kann, außer auf Hilfe zu warten.

Wild von Reinhold Messner

Reinhold Messner stellt nun diesen Frank Wild in den Mittelpunkt. Eine Position, in der er sich sicher nicht wohlgefühlt hätte. Messner beschreibt sein Wesen, Gründe und Ursachen für seine Fähigkeit, Menschen zu führen und entwickelt dabei ein zeitloses in sich geschlossenes Bild, was charismatische Führer ausmacht. Messner schreibt über grenzenloses Vertrauen, Vorbildhaftigkeit und Bescheidenheit. Alles Wesensmerkmale über die Frank Wild zweifelsohne verfügt und die in den Tagebuchaufzeichnungen der Überlebenden belegt sind. Vier Monate dauert das Martyrium der 22 auf der Insel. Kein einziger von ihnen begeht Selbstmord, niemand wird aufgegeben, alle überleben bis zu dem Moment der Rückkehr von Ernest Shackleton.

Messner schreibt sich und seine Leser voller Ehrfurcht auf diese Insel. Er macht uns zu Schiffbrüchigen, die das Bersten der Schiffsplanken der Endurance noch im Ohr haben, die hungern, frieren und in ihrer Hoffnungslosigkeit versinken. Der Gestank der Männer macht alles mürbe, die Sehnsucht nach Wärme frisst sich ins Herz und die pure Angst beherrscht unser Schlafen. Immer wenn wir denken, es geht nicht weiter, ist da jener Frank Wild. Unerschütterlich, in sich selbst ruhend und alle Entbehrungen mit seinen Männern teilend. Loyal gegenüber dem Boss, der sicher bald kommt und ruhig, wo andere die Nerven verlieren. Reinhold Messner erweist einem Mann die Ehre, der er selbst nie hätte sein können. Reinhold Messner wäre selbst losgefahren, hätte Rettung geholt und wäre dann als Held der in die Geschichte eingegangen. Und genau das ist es, was dieses Buch so magisch macht. Nur ein Leitwolf kann einem Zweiten Mann die Ehre erweisen, weil ein Zweiter Mann nie über sich schreiben würde. Nur ein Alphatier kann auf den stärksten Charakter im Rudel zeigen. Ohne Rigth Hand Man Frank Wild wäre die Geschichte der Endurance die Geschichte eines Massengrabes auf Elephant Island.

Wild von Reinhold Messner

Ein fesselndes und nachhaltig wirkendes Buch! Wie sein „Absturz des Himmels“ bringt es uns die Leistungsfähigkeit von Menschen unter extremen Bedingungen näher und erweitert unseren Horizont, auch weil er die jeweiligen Expeditionen in ihren sozio-historischen Hintergrund einbettet. Es ist bitter für Shackleton zu erkennen, dass kaum jemand an seiner Story interessiert ist, weil Europa in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges ausblutet. Und doch ist dies auch ein Buch mit einem erstaunlichen Bruch, da Reinhold Messner ein Kapitel ausblendet, das für die Männer der Endurance mehr als traumatisch war und ewig nachwirkte. Ein Kapitel, das nicht mal das Bilderbuch von William Grill „Shackletons Reise“  ausblendet, obwohl hier die Zielgruppe Kinder sind.

Ich spreche hier von 69 Schlittenhunden die an Bord der Endurance waren. Tiere, die erschossen werden mussten, nachdem ihre Rettung ausgeschlossen war. Hunde, die der Besatzung mehr als ans Herz gewachsen waren. Teams, die blind funktioniert haben und Bindungen, die von Frank Wild zerrissen wurden, weil ihm die Aufgabe ihrer Erschießung zukam. Er selbst schrieb dazu:

Ich habe Männer gekannt, die ich an diesem Tag lieber erschossen hätte, als den schlechtesten dieser Hunde.

Einige der Männer haben ihm das nie verziehen. Ein Aspekt, den man nicht einfach vernachlässigen darf, wenn man über Frank Wild schreibt. Denn das Überleben auf der Insel war nicht harmonisch. Signifikant dafür ist auch, dass vier Überlebende von einer Liste gestrichen wurden, mit der Ernest Shackleton seine Besatzung für die Verleihung der Polarmedaille vorschlug. Unter ihnen auch der Schiffszimmermann Harry McNish.

Wild von Reinhold Messner

Von ihm wird noch zu reden sein. Er brachte die Schiffskatze Mrs. Chippy an Bord. Auch Mrs. Chippy wurde erschossen. Ihre Geschichte wurde von Caroline Alexander in einem bewegenden Buch erzählt. „Mrs. Chippys letzte Expedition in die Antarktis“ ist schon insofern erwähnenswert, weil die Autorin neben diesem Kinderbuch auch das absolute Standardwerk zur Expedition „Die Endurance“ verfasst und Elephant Island mit Reinhold Messner besucht hat. Eigentlich schließen sich hier alle Kreise. Ich mag jedoch einen Kreis öffnen und die Geschichte der Schiffskatze von einer Autorität auf diesem Gebiet rezensieren und beleuchten lassen.

Pauli vom Blog Blogger mit Buch wird an Bord der Endurance gehen und sich auf die Suche nach den Spuren von Mrs. Chippy begeben. Hier geht’s weiter.

Wild wirft Fragen auf, die vielleicht die Schiffskatze der Endurance beantworten kann

In Schnee und Eis“ von Rudi Palla – Auch eine Geschichte vom großen Scheitern

In Schnee und Eis von Rudi Palla - AstroLibrium

In Schnee und Eis von Rudi Palla