GlockenbachWelle – Stroux Edition und Marie Gaté

GlockenbachWelle - Stroux Edition und Marie Gaté - Astrolibrium

GlockenbachWelle – Stroux Edition und Marie Gaté

Ein herzliches Willkommen zur achten Ausgabe der GlockenbachWelle. Der erste literarische Podcast des Jahres 2022 ist gleichzeitig einem Verlag, einer Schriftstellerin mit Bleistift und einem ganz besonderen Projekt gewidmet.

Die achte GlockenbachWelle – Stroux Edition und Marie Gaté

Pamela Scholz, Gastgeberin der Glockenbachbuchhandlung, zwei Blogger:innen, ein Verlag aus München und eine ganz besondere Schriftstellerin im Gespräch für Literatur Radio Hörbahn:

Der Ort: Die Glockenbachbuchhandlung in München
Die Runde: Pamela Scholz (Buchhändlerin), Steffi Sack (Nur Lesen ist schöner), Arndt Stroscher (AstroLibrium) mit Annette Stroux, Verlegerin der Stroux Edition, Marie Gaté, Autorin von „Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt“, sowie dem Creative Director des Verlages Matthias Mielitz.

Unterstützt von der Inhaberin der Glockenbachbuchhandlung Petra Schulz.

GlockenbachWelle - Stroux Edition und Marie Gaté - Astrolibrium

GlockenbachWelle – Stroux Edition und Marie Gaté

Was haben wir diesmal vor?

Eine Edition stellt sich vor. Annette Stroux spricht über ihren Verlag, die Philosophie des Verlegens in München, Erfolge und verlegerische Wagnisse. Im zweiten Teil folgen wir Marie Gaté in ihre gleichsam autobiografische wie historische Familiengeschichte Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt. Ein Roman von besonderem Format, der einen Bogen vom Ersten Weltkrieg bis in unsere Zeit spannt und dessen Wellen im Lauf der Zeit nicht abebben. Ein Cover-Projekt rundet diese Stroux-Welle ab…

Freuen Sie sich auf:

  • Bekenntnisse einer Verlegerin
  • Buchempfehlungen von Annette Stroux
  • Eine Jane-Gardam-Trilogie, die als ein Buchtipp zählt
  • Besondere Beziehungen zu einem besonderen Viertel
  • Die Erklärung des Begriffes Glockenbach-Bronx
  • Erfolgsgeschichten und hart erkämpfte Siege in pandemischen Zeiten
  • Besondere Leseproben mit Bindungscharakter
  • Einen Bleistift, der durch die Aufnahme fällt
  • Eine französische Weltenbürgerin mit vielen Muttersprachen
  • Einen Roman, der zugleich Brücken und Wellen schlägt
  • Die Absage an die Schauspielerinnen dieser Welt, weil DIE Rolle vergeben ist
  • Zitate, Zitate und Zitate. Vom fallenden Bleistift bis zum Buchstabenkönig
  • Ein Cover-Projekt, das nur in der Glockenbachbuchhandlung zu sehen ist
  • Die Bücherkette von Pamela Scholz
GlockenbachWelle - Stroux Edition und Marie Gaté - Astrolibrium

GlockenbachWelle – Stroux Edition und Marie Gaté

Hier finden Sie eine Linkliste, die Sie auf dem direkten Wege zu den Rezensionen der strouxschen Schätze in der kleinen literarischen Sternwarte führt:

Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt von Marie Gaté

Wie wäre es mit einer literarischen Praline, die in wundervoller Verpackung auf euch wartet und in ihrem Inneren mehrere Geschmacksexplosionen verbirgt? Könnt ihr euch vorstellen, wie es sich anfühlt, ganz langsam durch eine äußere Schicht aus Krokant in die Tiefen dieser Leckerei vorzudringen und dabei festzustellen, wie sich alle Zutaten in eurem Mund zu einer Komposition von größter Raffinesse vereinen?  (weiterlesen)

Emma Bonn – Eine Spurensuche“ von Angela von Gans

Mein Name ist Bonn, Emma Bonn… Das war meine erste Assoziation, als ich diesen Namen zum ersten Mal hörte. Ich denke, das hätte der wahren Emma Bonn ein wenig gefallen, wenn sie das Spiel mit ihrem Namen heute miterleben könnte. Kann sie nicht, wie mir die weitere intensive Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte deutlich machte. Es war erneut ein Buch aus der Münchner Stroux Edition, das mich in seiner schlicht und doch so erfreulich auffällig gestalteten Aufmachung auf einen Menschen neugierig machte, den man eigentlich hätte vergessen sollen. (weiterlesen)

Findelkind“ von Eva M. Bauer

Was macht generationsübergreifende Familiengeschichten relevant? Sind es die Geschichten prominenter Familien in historisch interessanten Zeitscheiben? Sind es in vielen Fällen einzelne Familienangehörige, die man besser einordnen kann, wenn man ihren Stammbaum kennenlernt und daraus Verhaltensweisen und Beweggründe für ihr späteres Leben ableiten kann? Sind es Opfergeschichten, die völlig harmlos beginnen und dann in den Wirren von Kriegen und Ideologien in Richtungen abdriften, die man hätte voraussehen können, wenn man nur genau hingeschaut hätte? (weiterlesen)

GlockenbachWelle - Stroux Edition und Marie Gaté - Astrolibrium

GlockenbachWelle – Stroux Edition und Marie Gaté

Neben ihren gewohnt kompetenten Buchempfehlungen präsentiert uns Pamela Scholz gemeinsam mit dem Creative Director der Stroux Edition ein besonderes Projekt. Die Kunden der Glockenbachbuchhandlung dürfen in den nächsten beiden Wochen vor Ort darüber abstimmen, welches Buchcover eine März-Neuerscheinung aus dem Hause Stroux Edition erhalten soll. Kein Online-Voting, kein Instagram-Liken, sondern eine echte Stimmabgabe in den heiligen Hallen der Tankstelle des Geistes im Glockenbachviertel. Unter allen Teilnehmenden wird ein Exemplar des Buches verlost.

Jetzt sollten Sie sich zuschalten. Hier geht´s lang. Ohren auf!

Wir wünschen uns ein Wiederhören mit Ihnen, wenn es wieder heißt „Ohren auf für eine neue GlockenbachWelle“. Und versprochen. Die neunte Welle wird auch in rein inhaltlicher Hinsicht ein wahrer Ohrenschmaus. 

GlockenbachWelle bei Literatur Radio Hörbahn - Astrolibrium

GlockenbachWelle bei Literatur Radio Hörbahn – Ein Klick genügt

Emma Bonn – Eine Spurensuche

Emma Bonn – Eine Spurensuche - Astrolibrium

Emma Bonn – Eine Spurensuche

Mein Name ist Bonn, Emma Bonn… Das war meine erste Assoziation, als ich diesen Namen zum ersten Mal hörte. Ich denke, das hätte der wahren Emma Bonn ein wenig gefallen, wenn sie das Spiel mit ihrem Namen heute miterleben könnte. Kann sie nicht, wie mir die weitere intensive Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte deutlich machte. Es war erneut ein Buch aus der Münchner Stroux Edition, das mich in seiner schlicht und doch so erfreulich auffällig gestalteten Aufmachung auf einen Menschen neugierig machte, den man eigentlich hätte vergessen sollen. Einen Menschen, der in vielfacher Hinsicht keinem der sozialen Bilder seiner Zeit entsprach und dem man zeigen musste, wie Fehl am Platz er war. Ein Mensch, dessen Besitz man sich aneignete, dem man in Anwendung eindeutiger Gesetze alles verbieten konnte, was für andere Bürger normal war. Das Schreiben, die Behandlung in einer Klinik oder medizinischen Beistand durch eine eigene Haushälterin. Alles verboten. Nichts sollte sie, die deutsch-jüdische Autorin Emma Bonn der Nachwelt hinterlassen, nichts sollte an sie erinnern. Die Auslöschung war das Ziel.

Ich stelle mir gerade vor, wie sehr die Nazis von einst vor Wut schäumen würden, wenn sie noch am Leben wären und in Feldafing am Starnberger See vor der Villa der Schriftstellerin stehen und ein paar Details bestaunen müssten. Eine Gedenktafel, die an die Dichterin und nicht an ihre Unterdrücker erinnert. Ein Stolperstein, der auf ihre Vergangenheit in ihrer Villa und ihre Deportation hinweist und nicht auf die Machthaber, die sich hier breitgemacht hatten. Menschen, die plötzlich ihre Geschichte erzählen und sich an sie erinnern. Eine Schriftstellerin, die zugleich eine Verwandte von Emma Bonn ist, Bürger und Bürgerinnen von Feldafing, die neuen Besitzer dieses Anwesens und in zunehmender Anzahl Interessierte, die von ihrer tragischen Geschichte erfahren. Leser und Leserinnen, die sich der Spurensuche nach jener deutsch-jüdischen Schriftstellerin und Dichterin anschließen, um ihre Gesichte aufleben zu lassen und an sie zu denken. Sie dem Vergessen zu entreißen und der menschenverachtenden Ideologie eine klare Abfuhr zu erteilen. Ein für alle Mal. Jetzt und für alle Zeiten. 

Emma Bonn – Eine Spurensuche - Astrolibrium

Emma Bonn – Eine Spurensuche

Und so hat sich Angela von Gans einer Mission verschrieben, die der eigenen weit verzweigten Familiengeschichte gerecht wird. Die in Melbourne geborene, in Indien und Österreich aufgewachsene, und seit 1970 in München lebende Weltenbürgerin hat sich intensiv mit ihrem Stammbaum auseinandergesetzt und ist dabei doch eher zufällig auf ihre entfernte Verwandte Emma Bonn gestoßen. Es waren Recherchen im Kreise ihrer Familie und ein unerwartetes Paket voller unveröffentlichter Gedichte aus Amerika, die der Spurensuche neue Nahrung verliehen und zu diesem Buch führten. „Emma Bonn, 1879 – 1942, Spurensuche nach einer deutsch-jüdischen Schriftstellerin„. Ich habe mich schnell dazu entschieden, mich ihrer Mission anzuschließen, liegt doch Feldafing fast vor meiner Haustür. Also rein ins Buch, versinken in den Gedichten und auf mit der ganzen Familie raus zum Starnberger See. Das Erinnern mit allen Sinnen und auf allen Kanälen ist unsere Triebfeder…..

„Doch einst, das weiss ich, wird die Seele frei,
Bleibt mir verhüllt auch, wann und wie das sei,
Die Kehle bebt schon vor dem Jubelschrei,
Die Flamme zieht mich hoch, die Stricke sind entzwei.“

Emma Bonn (März 1941)

Angela von Gans braucht nicht viel Raum, wenn sie das Leben von Emma Bonn rekonstruiert. Es sind zarte 150 Seiten, die nun Zeugnis ablegen von einem Leben in Deutschland, das in anfänglich behüteten Bahnen verläuft, doch langsam und sicher in eine Richtung abdriftet, die ins absehbare Chaos führt. Es sind Familienchroniken und Stammbäume, die der Familie von Emma Bonn Kontur verleihen, es sind diese frühen Aufzeichnungen, die der Spurensuche Halt geben. Dann jedoch verliert sich Emma im Schreiben und in ihren Romanen und Gedichten. Es ist ein brillanter Versuch, ihr durch die Enthüllung der autobiografischen Anteile ihres Schreibens auf die spur zu kommen. Angela von Gans beschreibt die Hoffnungen und Ängste eines jungen Mädchens, die zunehmende Verzweiflung angesichts einer unerklärlichen Nervenkrankheit, die Emma ans Bett fesselt und zuletzt die letzten Strudel in der Hass-Spirale der Judenverfolgung durch die Nazis. Enteignung, Deportation, Tod.

Emma Bonn – Eine Spurensuche - Astrolibrium

Emma Bonn – Eine Spurensuche

Angela von Gans lässt die Hoffnungen und Wünsche eines jungen Mädchens neu entflammen, und bringt uns dadurch einer Schriftstellerin näher, die erst in ihrer Poesie und in ihren Geschichten das konnte, was ihr die Gesundheit verwehrte.

„Hätte sie frei laufen und in dem natürlichen Rhythmus des kleinen Körpers
sich austoben dürfen, Schnee und Kälte wären ein Spaß gewesen…“

Emma Bonn (Das Kind im Spiegel)

Auf diese Art und Weise gelingt nicht nur eine kleine Rennaissance sondern auch die Retrospektive auf das Gesamtwerk einer Autorin, die im Dritten Reich weder als lebens- noch als lesenswert betrachtet wurde. Angela von Gans verliert sich dabei nicht in Sentimentalitäten oder Gefühlsausbrüchen. Es ist eine gesunde Distanz, die sie hier einnimmt, um der Rolle der Berichterstatterin gerecht zu werden. Die Emotionen sind in weiten Teilen uns überlassen. Es sind die Gedichte, die berühren, es sind die Romane, in denen wir Emma Bonn wiederfinden und ganz zuletzt ist es die Bürokratie der Nazi-Diktatur, die Zeugnis über Deportation und Tod ablegt. All dies wird wieder lebendig. In jedem Wort, auf jeder Seite und in jedem Kapitel zeigt dieses Buch auf, dass man auch Jahrzehnte nach dem Vergessen Menschen ins Erinnern retten kann. Es ist die höchste und zugleich nachhaltigste Form des Sieges gegen die nationalsozialistische Ideologie.

„Was wirklich lebt, kann nie und nie ersticken.
Es keimt und sprosst und grünt, es steigt der Saft.
Mag dich die Zeit, in der Du lebst, auch nicht erquicken,
Die Zeit, in der Du lebst, hält Dich in Haft.“

Emma Bonn (April 1933)

Emma Bonn – Eine Spurensuche - Astrolibrium

Emma Bonn – Eine Spurensuche

Ich fand die Villa Bonn in Feldafing, ich las die Inschrift der Gedenktafel, ich sprach mit den neuen Besitzern, denen es so wichtig ist, an Emma zu erinnern, ich stand vor dem Stolperstein, der das Wort Theresienstadt trägt, wie den ewig zu hörenden Schrei der Ungerechtigkeit und ich wurde auf den jüdischen Friedhof Feldafing aufmerksam. Eine dramatische Geschichte von befreiten KZ-Insassen, die in Feldafing aufgefangen wurden. Nach dem Krieg entstand hier ein Hoffnungsort. Dieser Friedhof zeugt jedoch auch von jenen Opfern, die den Krieg nicht lange überlebten. Aber das ist eine andere Geschichte. Typisch jedoch für die Geschichte von Emma Bonn, weil das Erinnern an ein Opfer des Nazi-Terrors das Erinnern an so viele andere Opfer nach sich zieht. Ein lesenswertes Buch über unsere jüngere Geschichte, eine Wiederentdeckung und die Neuentdeckung von Gedichten, die uns die Geschichte fast vorenthalten hätte. Wenn es nicht so viele aufrechte Menschen gegeben hätte, die dem widerstanden haben.

Ich danke auf diesem Weg ganz besonders jenen Lesern, die mir auf meinem Weg zu Emma auf Instagram oder Facebook gefolgt sind. Jürgen Gielsdorf zum Beispiel war mit Buch und Kamera zeitgleich im Norden unseres Landes unterwegs. Man kann sich vorstellen, wie bewegend es ist, mit den Erinnerungen an Emma Bonn nicht allein zu sein. Der Weg geht weiter. Erinnern und immer weiter erinnern, das ist mein Ziel im Lesen und Schreiben gegen das Vergessen. Wir werden Emma Bonn in der nächsten Ausgabe unseres literarischen PodCasts „GlockenbachWelle“ mit der Stroux Edition einen ganz besonderen Platz einräumen. Dazu schon bald mehr, wenn wir mit Marie Gaté, Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt, der Verlegerin Annette Stroux und einem noch gut gehüteten Geheimnis auf Sendung gehen. 

Hier geht´s zu meiner Bibliothek „Gegen das Vergessen„.

Emma Bonn – Eine Spurensuche - Astrolibrium

Emma Bonn – Eine Spurensuche

Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt – Marie Gaté

Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt - Marie Gaté - Astrolibrium

Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt – Marie Gaté

Wie wäre es mit einer literarischen Praline, die in wundervoller Verpackung auf euch wartet und in ihrem Inneren mehrere Geschmacksexplosionen verbirgt? Könnt ihr euch vorstellen, wie es sich anfühlt, ganz langsam durch eine äußere Schicht aus Krokant in die Tiefen dieser Leckerei vorzudringen und dabei festzustellen, wie sich alle Zutaten in eurem Mund zu einer Komposition von größter Raffinesse vereinen? Und plötzlich stoßt ihr mit der Zunge überraschend auf einen ersten inneren Kern, der sich von den zuvor erkundeten delikaten Schichten unterscheidet. Er scheint extrem hart zu sein und bitter zu schmecken. Alles widerspricht der Komposition, die euch gerade noch so begeistert jubilieren ließ. Doch ihr könnt nicht mehr innehalten. Ihr zerbeißt den Kern und stoßt in ein geheimes Inneres vor, das euch die Tränen in die Augen treibt. Ihr beginnt euch zu ekeln und seid kurz davor, die sich auflösende Praline auszuspucken, bis ihr vorsichtig weitertastet und auch im Inneren dieses Kerns etwas Neues entdeckt, das sich bereits im ersten Moment der Berührung mit euren Geschmacksnerven als Zauber erweist.

Wenn ihr euch dies alles vorstellen könnt, dann seid ihr bereit, mir in ein Buch zu folgen, auf das jedes einzelne Bild meines gerade gezogenen Vergleichs zutrifft. Dann seid ihr bereit, einer Schriftstellerin zu begegnen, die aus den unterschiedlichsten und selten kombinierten Zutaten ein literarisches Konfekt geschaffen hat, das sich deutlich von der Einheitsware unterscheidet, die uns alltäglich begegnet. Ihr Rezept besteht aus Liebe, Zuneigung, Sehnsucht, unerfüllten Hoffnungen, Stolz, poetischer Strahlkraft und patriotischer Heimatliebe. Aber eben auch aus einem Kern, den man schlucken muss, um die Schönheit des Ganzen zu ermessen. Ein Kern aus Hass, Repressalien, Gewalt, Stacheldraht, Schützengräben, Giftgas, Granaten und Vernichtung. Dieses Innere liegt schwer im Magen und im Herzen. Für eine französische Autorin schmeckt dieser Kern deutsch. Und nicht nur für sie. Es ist der Granatkern einer gemeinsamen Geschichte, die nur dann nachhaltig überwunden werden kann, wenn wir bereit sind, diese Praline mit all unseren Sinnen zu probieren. Nur so stoßen wir gemeinsam in den wahren Kern einer zutiefst persönlichen Familiengeschichte vor, die niemals Geschichte wurde.

Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt - Marie Gaté - Astrolibrium

Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt – Marie Gaté

Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt.“ So lautet der Titel eines Romans, der sich als autobiografischer Jahrhundertroman so erfreulich vom Mainstream abhebt, der uns in den Buchhandlungen begegnet. Es ist sicherlich der Titel, der neugierig machen kann. Es ist sicherlich auch das gediegene Äußere dieses Buches der Stroux Edition, dem man verfallen kann. Elemente einer Pralinenverpackung, die mir signalisierte, hier einer neuen Erzählstimme begegnen zu können. Marie Gaté. Ein Kind der Ardennen, könnte man sagen. Eine französische Weltbürgerin, die ihr Sprachtalent zur Berufung gemacht hat. Dolmetscherin, Übersetzerin und Autorin. Aufgewachsen in einer Region, die immer noch von den Spuren zweier Weltkriege durchzogen ist. Eine Französin, die ihre autobiografische Geschichte in einer Sprache schrieb, die für ihre Vorfahren nur die Sprache der Eroberer und Besatzer war. Auch eine deutsche Staatsbürgerin, aus deren Sicht die Geschichte ihrer Familie zur multiperspektivischen Kamerafahrt durch ein Jahrhundert der ambivalenten Beziehungen wird. Eine Schriftstellerin, die mit ihrer Vielsprachigkeit in der Herangehensweise an ein sensibles Thema sprachlos macht.

Es ist die Champagne, in die uns Marie Gaté entführt. Hier vertraut sie sich uns an und öffnet uns behutsam die Seiten ihres Familienalbums mit all den Erinnerungen und Gefühlen, die ein solcher Rückblick mit sich bringt. Wir begegnen ihren Großeltern zu einer Zeit, in der die Region rund um Reims zu den umkämpftesten Gebieten Europas gehörte. Wir treffen auf gezeichnete Menschen, die der Erste Weltkrieg zermürbt hat. Wir finden jedoch auch die ersten Muster einer Familiengeschichte, die von Achtung und Liebe skizziert ist. Sehnsucht spielt eine große Rolle und Sehnsucht wird zu einer der wichtigsten Bestimmungsgrößen im Leben der jungen Marie. Es ist die Schwester ihrer Großmutter, die Jahrzehnte später zu einer wichtigen Bezugsperson für sie wird. Es sind ihre Eltern, die Marie zeitweise zu jener Großtante Adrienne in Obhut geben. Und so werden wir zu den Zeugen der Generationsgeschichten, die von zwei Kriegen charakterisiert sind. Von niemals verheilenden Wunden, Schrecken und gegenseitig zugefügtem Leid. Und wir werden heimliche Zeugen einer nie erzählten Geschichte.

Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt - Marie Gaté - Astrolibrium

Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt – Marie Gaté

Es ist „Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt“, den die Großtante Adrienne der jungen Marie als ganz persönliche Geschichte schenkt. Es sind die magischen Momente an Adriennes Seite, die das Mädchen früh prägen und es sind all die Fragen, auf die Marie einfach keine Antworten findet. Warum hat Adrienne niemals geheiratet? Warum lebt sie allein und gibt es ein Geheimnis, das sie nicht preisgeben will? Im Lauf der Jahrzehnte wird aus Adrienne eine wesentliche Konstante für Marie. Und während wir erleben, wie aus dem Mädchen die Frau wird, ahnen wir schon, welchen Konflikten sie neuen Treibstoff verleiht, als ausgerechnet sie ihren ersten Freund mit nach Hause bringt. Einen deutschen Soldaten. Hier reißen nicht nur alte Wunden auf, hier wird im modernen Frankreich das besiegte Frankreich des Ersten Weltkriegs und das schwer verwundete des Zweiten Weltkriegs sichtbar. Es ist eine Mischung aus Ablehnung und Misstrauen, die dem jungen Deutschen begegnet. Und doch ist dies längst nicht alles. Das Geheimnis von Adrienne beginnt langsam, sich an die Oberfläche zu graben.

Hier befinden wir uns tief im Inneren der literarischen Praline. Es schmeckt überall nach Gift und Tod, nach Unterdrückung und Repressalien. Die Uhren gehen in diesem Ersten Weltkrieg falsch. Sie zeigen die deutsche Zeit an. Hier beginnt, was Adrienne erst am Ende ihres fast hundertjährigen Lebens erzählt. Hier beginnt, was sich als ein Muster von tiefer Sehnsucht durch ihr Leben zog. Eine Liebesgeschichte, die einfach unmöglich war. Eine Liebe, die man Kollaboration oder Fraternisierung genannt hätte. Eine Liebe, die jedoch die Zeit überdauert hat. In Marie und ihren eigenen Lieben hat sich der Kreis einer Geschichte geschlossen, die zum Opfer der Geschichte wurde. In ihr liegt der Schlüssel zur Heilung aller Wunden. In ihrem heutigen Schreiben liegt der Schlüssel zur Nachhaltigkeit eines Friedens, den unsere Großeltern und Eltern niemals für möglich gehalten hätten. Dem „Klang des Bleitstiftes, der zu Boden fällt“ kommt in diesem autobiografischen Roman eine metaphorische Bedeutung zu, an die ich wohl noch lange denken werde. Dieser Stift ist dieser Familie nie aus der Hand gefallen. Bei Marie Gaté ist das eindrucksvoll nachzulesen.

Das süße Herz dieser Praline verdrängt die Bitterstoffe und lässt die Tristesse dort, wo sie hingehört. In der Vergangenheit. Die Zukunft gehört nur uns. Ihr Geschmack ist ein Geschenk….

Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt - Marie Gaté - Astrolibrium

Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt – Marie Gaté

Ich wurde über die inhaltlichen Aspekte der Geschichte hinaus reich beschenkt. Immer wieder stelle ich mir die Frage: Was erwarte ich von einem Roman? Natürlich eine gute Erzählung, Spannung, Romantik und Tiefgang. Aber auch nie zuvor gelesene Impulse, die mich inspirieren. Schon auf den ersten Seiten des Romans gelang es der Autorin, mein Lesen zu unterbrechen und einen Zündfunken in mein Leben zu bringen, der einen Flächenbrand verursacht. Stellt euch einfach vor, ihr verliert einen Menschen aus eurem direkten Umfeld. „Welchem fehlenden Buchstaben des Alphabets würde er entsprechen?“ Darüber lohnt es sich intensiv nachzudenken. Wäre es ein Q, ohne das man gut zurechtkommt, oder verliert man einen lebenswichtigen Vokal, der absolut unersetzbar ist und uns fast sprachlos machen würde? Ein Gedanke, der sehr langsam Fahrt aufnimmt, sich dann aber mit dem eigenen Wertevorrat verbindet.

Heute sind wir, was man gemeinhin als Zeitgenossen bezeichnet. So habe ich den Roman von Marié Gaté gelesen. Wir gehören einer Generation an. Und doch sind wir mit völlig unterschiedlichen Narrativen aufgewachsen. Es sind verschiedene und nicht zu vergleichende Rollen, die unsere Länder in der Weltgeschichte gespielt haben. Hier gilt es anzusetzen und das Verbindende zu suchen. Es gilt, die Schuldfragen nicht zu dominant werden zu lassen, um die Heilung der Wunden nicht zu verhindern. Wir sind noch lange nicht am Ziel, stehen aber in der Tradition großer Politiker und Autoren, die sich tatsächlich und symbolisch über den Gräbern von einst die Hand gereicht haben. Den Beitrag, den Marie Gaté an dieser historischen Aufgabe geleistet hat, kann man nicht hoch genug einschätzen. Ich versuche durch meine Artikel einen eigenen kleinen Beitrag zu leisten, unser heutiges Leben in den historischen Kontext zu stellen und die Verantwortung als Vater an die nächste Generation weiterzugeben.

Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt - Marie Gaté - Astrolibrium

Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt – Marie Gaté

Ob mir das gelingt, das können andere besser beurteilen. Ich empfehle das Lesen meiner Artikelserie zum Ersten und zum Zweiten Weltkrieg. Und gerade im Bezug zu diesem Buch sind es folgende Rezensionen und Reflexionen, die mich zutiefst mit dem Schreiben von Marie Gaté verbinden:

Die Stunde, in der Europa erwachte
Die verborgene Chronik 
Die ewigen Stimmen aus Verdun
Elegie des großen Krieges
Der Wintersoldat

Chère Marie Gaté-Stallforth. Je vous remercie pour une histoire que je porterai dans mon cœur quand un jour je serai de retour à Verdun. Sans votre livre, ce serait comme toutes les consonnes manquantes de mon alphabet…

Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt - Marie Gaté - Astrolibrium

Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt – Marie Gaté

Update: Ein Buch für euch: Schreibt einen Kommentar und verratet mir, auf welchen Buchstaben des Alphabets ihr verzichten könntet. Unter allen Kommentierenden werde ich den Roman von Marie Gaté verlosen und ihn mit einer signierten Karte der Autorin auf den Weg bringen. Einsendeschluss ist Sonntag, der 24. Januar 24 Uhr.

Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt - Marie Gaté - Astrolibrium

Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt – Marie Gaté

Interessante Einblicke im Rahmen der Rezension zu : „Emma Bonn, 1879 – 1942, Spurensuche nach einer deutsch-jüdischen Schriftstellerin

Ich danke auf diesem Weg ganz besonders jenen Lesern, die mir auf meinem Weg zu Emma auf Instagram oder Facebook gefolgt sind. Jürgen Gielsdorf zum Beispiel war mit Buch und Kamera zeitgleich im Norden unseres Landes unterwegs. Man kann sich vorstellen, wie bewegend es ist, mit den Erinnerungen an Emma Bonn nicht allein zu sein. Der Weg geht weiter. Erinnern und immer weiter erinnern, das ist mein Ziel im Lesen und Schreiben gegen das Vergessen. Wir werden Emma Bonn in der nächsten Ausgabe unseres literarischen PodCasts „GlockenbachWelle“ mit der Stroux Edition einen ganz besonderen Platz einräumen. Dazu schon bald mehr, wenn wir mit Marie Gaté, Der Klang des Bleistiftes, der zu Boden fällt, der Verlegerin Annette Stroux und einem noch gut gehüteten Geheimnis auf Sendung gehen. 

Emma Bonn – Eine Spurensuche - Astrolibrium

Emma Bonn und Marie Gaté – Bald eine GlockenbachWelle…

Die GlockenbachWelle mit Marie Gaté – Unser Literatur-PodCast aus München:

Jetzt sollten Sie sich zuschalten. Hier geht´s lang. Ohren auf!

Wir wünschen uns ein Wiederhören mit Ihnen, wenn es wieder heißt „Ohren auf für eine neue GlockenbachWelle“. Und versprochen. Die neunte Welle wird auch in rein inhaltlicher Hinsicht ein wahrer Ohrenschmaus.

GlockenbachWelle - Stroux Edition und Marie Gaté - Astrolibrium

GlockenbachWelle – Stroux Edition und Marie Gaté

Findelkind von Eva M. Bauer

Findelkind von Eva M. Bauer - Astrolibrium

Findelkind von Eva M. Bauer

Was macht generationsübergreifende Familiengeschichten relevant? Sind es die Geschichten prominenter Familien in historisch interessanten Zeitscheiben? Sind es in vielen Fällen einzelne Familienangehörige, die man besser einordnen kann, wenn man ihren Stammbaum kennenlernt und daraus Verhaltensweisen und Beweggründe für ihr späteres Leben ableiten kann? Sind es Opfergeschichten, die völlig harmlos beginnen und dann in den Wirren von Kriegen und Ideologien in Richtungen abdriften, die man hätte voraussehen können, wenn man nur genau hingeschaut hätte? Sind es nur diese Erinnerungen und Lebenswege, die uns Lesende hinter dem Ofen hervorlocken, oder werden wir auch hellhörig, wenn keine der genannten Voraussetzungen erfüllt ist?

Ich wurde es. Findelkind – Geschichte einer Münchner Familie von Eva M. Bauer fällt so gänzlich aus dem Rahmen, wenn man auf der Suche nach diesen Kriterien in Buchhandlungen unterwegs ist, um den eigenen Horizont zu erweitern. Was sollte mich dazu veranlassen einer Familiengeschichte meine Aufmerksamkeit zu schenken, die im Jahr 1850 begann und sich bis in unsere Zeit durch die Geschichte der Stadt München zieht, wie ein roter Faden, den man jedoch niemals wahrnehmen würde, hätte sich Eva M. Bauer nicht dazu entschlossen, ihrer Familie und insbesondere ihrer Ur-Großmutter ein kleines literarisches Denkmal zu setzen? Es war der Titel dieses Buches, der mir in aller Deutlichkeit zu sagen schien: „Lies es und schau, wie sich ein ungewolltes Kind in schwierigsten Zeiten zum Ausgangspunkt einer gewollten Familiengeschichte mausert.“

Findelkind von Eva M. Bauer - Astrolibrium

Findelkind von Eva M. Bauer

„Findelkind“ ist ein sympathisches Buch. Sympathisch, weil die Autorin ihre eigene Familie in dieser Geschichte nicht überhöht. Sympathisch, weil sie sich zu den Lücken in der Chronologie ihrer Ahnengalerie bekennt, weil sich niemand zuvor die Mühe gab, das Familienalbum zu sortieren und die einzelnen Bilder mit persönlichen Erinnerungen anzureichern. Sympathisch, weil sich die Autorin darüber im Klaren ist, dass wir in der Geschichte keine Meilensteine eines prominenten Münchner Lebens finden werden. Im Gegenteil. So kleinteilig, wie sie das München des aufstrebenden 20. Jahrhunderts in unverkünstelter Sprache beschreibt, so kleinteilig wirken die Generationen, die wir hier begleiten dürfen. München ist hier keine Metropole. Kein Zentrum der Kunst und keine politische Schaltzentrale. Es ist das München der einfachen und kleinen Leute, das uns ans Herz gelegt wird. Ein München, das ich so noch nicht kannte.

Tja, und dann wird aus dem Kleinteiligen ein großes Ganzes. Der Leser abstrahiert die konkrete Familiengeschichte und beginnt sich die Frage zu stellen, was es heißt, im Jahr 1850 auf den Treppen einer Kirche ausgesetzt zu werden. Man sieht nicht nur das Kind im ärmlichen Körbchen, man wird knallhart auf die hohe Kindersterblichkeit dieser Zeit hingewiesen, erlebt ein morbides München, das von regional auftretenden Seuchen heimgesucht wird und wird zum Zeugen widriger hygienischer Lebensbedingungen, die gerade der ärmeren Bevölkerung in der Stadt das Leben zur Qual machten. Sind es nur Glück und Zufall, die aus der kleinen Anna-Maria Körblin die Urmutter einer Familie im München des neuen Jahrhunderts werden lassen? Oder ist es einfach Schicksal?

Findelkind von Eva M. Bauer - Astrolibrium

Findelkind von Eva M. Bauer

Hier wird die Geschichte des Findelkinds relevant, obwohl seine künftige Familie nie auch nur den Hauch einer greifbaren Spur in München hinterlassen hat. Hier lernen wir den wahren Wert eines ungewollten Lebens schätzen, weil wir 170 Jahre danach für uns erkennen, welche Menschen es niemals gegeben hätte, wäre jenes kleine Mädchen damals gestorben. Am seidenen Faden hingen die Ereignisse der Zukunft und jeder hat in seiner Familiengeschichte ähnlich seidene Fäden, die gehalten haben. Sonst könnte man dieses Buch nicht lesen. Nichts ist von der kleinen Anna-Maria geblieben. Es gibt keine Fotos, keine Briefe, kein Grab, nicht mal Geschichten über sie. Und doch scheint sie der unsichtbare magnetische Pol all ihrer Nachkommen zu sein, da sich alle von ihr angezogen fühlten und dorthin zurückkehrten, wo sie aufwuchs. Ein Kinderheim in der Au. Damals unwirtliches Schwemmland an der Isar. Aus dem gachen Steig wurde der Gasteig.

Als hätte dieses Quartier unsichtbare Fäden ausgeworfen und würde von Zeit zu Zeit einzelne Mitglieder der Familie nach Hause holen… Mit gleichsam magischen Kräften. Dabei war es nicht das gelobte Land, eher im Gegenteil…

Mit Anna-Maria wachsen wir in München auf. Wir arbeiten mit ihr in der Maxvorstadt, fürchten uns vor der allgegenwärtigen Cholera, erleben ihre kleine erste Liebelei, sehen sie mit ihrem zukünftigen Mann in einer kleinen Schankwirtschaft, deren Wirt Flaucher hieß und dieser ganzen Gegend damals einen Namen gab, ohne es zu wissen. Kinder kommen auf die Welt und der Stammbaum der Münchner Familie beginnt zu sprießen.

Findelkind von Eva M. Bauer - Astrolibrium

Findelkind von Eva M. Bauer

Erste Fotos gesellen sich zu der Geschichte. Ereignisse, die wir zu kennen glauben werden hier individuell spürbar in ihren Konsequenzen. Die Kriege und Ideologien, die das Leben einrahmen. Vom Kaiserreich über die Revolution, in die Räterepublik hinein bis zum Nationalsozialismus. Vom Drückebergergässchen bis ins Braune Haus. Nur die Familie zählt, versucht zu überleben, um nicht im Wildwasser der Epochen ertrinken zu müssen. Wir erkennen ein München im Wandel der Zeit, teils bedrohlich, teils vital und lebenslustig. Am Chinesischen Turm wird schon morgens früh getanzt. Wer arm ist, muss feiern, wenn andere schlafen. Heute? Keine Spur mehr vom Amüsement von einst. Zumindest nicht zu diesen Uhrzeiten. Es lohnt sich dieses München an der Seite dieser Familie zu entdecken. Eine sehr erhellende und persönliche Städtereise…

Ich traf auf Menschen, mit denen ich gerne mal im Biergarten geratscht hätte. Ich erlebte ein München, in dem es 1905 bereits 101 Verlage und 55 Buchhandlungen gab und bummelte stauend durch das Kaufhaus Oberpollinger, das sich wohl gerade auf die Schließung vorbereitet. Ich erlebte 1920 die Geburt von Ernestine-Walburga und zog mit ihr durch ein München, das mir von Jahr zu Jahr vertrauter erschien. Bis ganz am Ende blieb ich bei ihr. Bei der Frau, die später den Namen Bauer tragen sollte und die Mutter der Autorin dieser Geschichte wurde. Was Eva M. Bauer im letzten Kapitel der Geschichte gelingt, ist ein grandioser literarischer Parabelflug durch ihr Leben. Hier schließt sie die Kreise vom ersten Augenblick ihrer Mutter bis zum letzten Loslassen in einer so bewegenden Art und Weise, dass Geburt und Tod nicht nur verschmelzen. In diesem Buch erlangen sie einen neuen Sinngehalt. Vom Findelkind zum Wunschkind brauchte es vier Generationen. Berührend. Meine uneingeschränkte Leseempfehlung!

Findelkind von Eva M. Bauer - Astrolibrium

Findelkind von Eva M. Bauer

Wer das Gefühl erleben möchte, unsterblich zu sein, während die Geschichte einer Familie in einer ganz besonderen Stadt wie ein zeitloses Daumenkino vor dem inneren Auge abläuft, der ist im „Findelkind“ bestens aufgehoben!

Findelkind von Eva M. Bauer - Astrolibrium

Findelkind von Eva M. Bauer