Erich Maria Remarque – Hören für die Ewigkeit

Erich Maria Remarque - Hörspiele für die Ewigkeit - Astrolibrium

Erich Maria Remarque – Hörspiele für die Ewigkeit

Er begegnet mir immer wieder, wenn ich mich mit Themen auseinandersetze, die mein Schreiben über die Literatur seit Jahren bestimmen. Erich Maria Remarque wird immer dann präsent in der kleinen literarischen Sternwarte, wenn ich über den Ersten Weltkrieg schreibe, weil er mit „Im Westen nichts Neues“ den wohl weltbekanntesten Antikriegsroman aller Zeiten schrieb. Ich treffe auf ihn, wenn ich über Autoren und ihre Bücher schreibe, die in der Zeit des Nationalsozialismus verboten waren. Immer wieder kreuzen sich unsere Wege, wenn es um das Schicksal von Flüchtlingen geht, die sich heimatlos und ausgebürgert in Sicherheit bringen müssen. „Die Nacht von Lissabon“ gehört für mich zu den eindrucksvollsten Romanen über ein solches Unterfangen. Ich finde seine Worte immer wieder, wenn es um bedeutende Briefwechsel geht, in denen Menschen die Grenzen ihrer Gefühle handschriftlich sprengen konnten. Ob es nun zu Weihnachten war, oder ob es sich um verzweifelt schöne Liebesbriefe handelte. Auch hier hat Remarque deutliche Spuren in meiner kleinen literarischen Welt hinterlassen.

Oder sollte ich besser sagen, er hat Spuren in meinen Ohren hinterlassen, da ich Erich Maria Remarque zumeist hörend Zutritt in meine Gedankenwelten gewährt habe? Ich gestehe, nur wenig von ihm gelesen zu haben. Ich liebe seine wortgewaltige und in jeder Hinsicht emotional explosive Sprache. Es sind Hörbücher und Hörspiele, die mich für Remarque eingenommen haben. Es sind Produktionen, in denen große Stimmen in seine Haut schlüpften und mir ungefilterten Zugang zu seinen Gedanken gewährten. In den letzten Tagen war ich in zwei Hörspielinszenierungen versunken, die mich mit den großen Büchern des Autors auf Ohrenhöhe brachten. Es sind die Werke, für die er in der ganzen Welt bekannt ist. Und dabei dachte ich auch an die Briefe, die ich bereits hören durfte, weil es eben auch einen anderen Remarque gibt. Den heimlich liebenden und mit Worten verführenden, sich verzehrenden Weltbürger, der ein besonderes Herz im Sturm eroberte….  Dieses Special soll euch entführen. Ich nehme euch an die Hand und berichte von einem Krieg im Westen, einer Nacht in Lissabon, einer Diva und von einem Weihnachtsbrief an die heimliche Geliebte. Remarque – Hören fürr die Ewigkeit.

Erich Maria Remarque - Hörspiele für die Ewigkeit - Astrolibrium

Erich Maria Remarque – Hörspiele für die Ewigkeit

Ich trage sicherlich Eulen nach Athen, wenn ich über die zeitlose Bedeutung des Romans Im Westen nichts Neues schreibe. Ihr habt garantiert alle bereits viel über jenes Buch gehört, es ist euch in der Schule oder im privaten Lesen begegnet, oder ihr habt eine der Verfilmungen gesehen. Ja, man hat viel von jenem Paul Bäumer gehört, der sich aufgrund der patriotischen Appelle seines Lehrers mit einigen Schulfreunden freiwillig gemeldet hatte, um im großen Krieg (der später der Erste Weltkrieg genannt werden sollte) für sein Vaterland zu kämpfen. Aber haben wir diesen Roman über eine menschenverachtende Vernichtungsmühle schon einmal gehört? Sicherlich nicht. Die Hörspiel-Inszenierung von Radio Bremen – erschienen bei Der Audio Verlag – macht es möglich. 1928 erschien dieser Roman, in dem Remarque eigentlich nicht über den längst vergangenen und verlorenen Krieg schreiben wollte. Das Menschliche stand für ihn im Mittelpunkt. Die Verlorenheit des Einzelnen, die Unausweichlichkeit des Krieges und die Folgen, unter denen die Überlebenden und Hinterbliebenen zeitlebens zu leiden hatten, steckten den Rahmen dieses Antikriegsromans deutlich ab.

Dieses Hörspiel macht euch zu Ohrenzeugen eines Schlachtens, das nie zuvor so ohrenscheinlich vernichtende Wirkung auf seine Zuhörenden hatte. Die Wirkung dieser Geschichte entfaltet eine apokalyptische Atmosphäre, die Remarque zwar sehr trefflich beschrieben hatte, die hier jedoch so unmittelbar und ungefiltert zu Ohren geht, und in unsere Nervenbahnen fließt, als wäre man selbst an der Front. Schrapnellhagel und im Hintergrund explodierende Geschosse verschärfen den oberflächlichen Eindruck, man läge selbst im Schützengraben. Das jedoch ist nicht das bestimmende Wesensmerkmal dieser Produktion. Im Buch ist es der deutsche Krieg. Es ist die deutsche Front, die es auf andere Beteiligte zu übertragen gilt. Hier überlagern sich die Stimmen und aus den verzweifelten Hilferufen des Soldaten werden die international überlagerten Appelle der Kämpfer auf der Gegenseite. Dies ist ein polyglottes Hörspiel, in dem man den Ausruf, „Ich habe nur ein Leben zu verlieren“ als französisches, englisches und russisches Echo vernimmt. Hier wird die Internationalität des Leidens hörbar. Ein Erlebnis, das in die Hörspielgeschichte eingehen wird. Authentische Stimmen, bewegende Dialoge und eine starke Dramaturgie, die diesem Roman in jeder Beziehung gerecht wird, machen dieses Hörspiel zu einem echten Meilenstein des Genres. Hörenswert.

Erich Maria Remarque - Hörspiele für die Ewigkeit - Astrolibrium

Erich Maria Remarque – Hörspiele für die Ewigkeit

Dass dieser Erste Weltkrieg nicht im Singular stehenbleiben würde, musste Erich Remarque am eigenen Leib erfahren. Verwundet in jenem Ersten Weltenbrand, erlebte er wie im eigenen Land der Nationalsozialismus aufbrandete. Seine Werke wurden nun verbrannt, er wurde ausgebürgert und musste fliehen. 1932 verlässt er die Heimat und bleibt aus dem Exil heraus scharfer Beobachter der Entwicklungen in der Heimat. Erst 15 Jahre nach Ende des Krieges fand er die Worte, um „Die Nacht von Lissabon“ zu Papier zu bringen. Eine zeitlose und bewegende Geschichte über eine Flucht, die sich zugleich wie die Chronik der jüngeren Geschichte Deutschlands anhört. In Lissabon ist es der Hafen, der zwei Emigranten 1942 zusammenführt. Der eine will mit seiner Frau Europa verlassen, hat jedoch weder Dokumente, Geld, noch die Schiffspapiere, die sie vor dem unausweichlichen Schicksal retten könnten. Der andere besitzt alles, was man für eine Flucht benötigt und er will es dem Fremden schenken, wenn ihn dieser in jener Nacht nicht alleine lässt und ihm bei seiner Geschichte zuhört.

In der Erzählung des Mannes kumuliert Remarque die Flüchtlingsschicksale jener Zeit unter der braunen Diktatur. Es ist die Geschichte einer verzweifelten Flucht mit seiner Frau, eine Geschichte, die zeigt, wie schnell das jüdische Leben unter Vorbehalt gestellt wurde und wie eng sich die Schlinge im Lauf der Jahre zuzog. Es ist aber auch die Geschichte des Scheiterns, in dem der Grund verborgen legt, warum er nun all sein Geld und seine Schiffspassagen verschenkt. Hier sind es nicht die lauten Effekte, die in dieser Hörspielfassung fesseln. Es sind die Stimmen der Sprecher und es ist die brillant inszenierte Dialogregie, die der Verzweiflung in dieser einen Nacht Kontur verleihen. In jeder Hinsicht ein Hörereignis, das uns vor Ohren führt, wie schnell man unverschuldet im gut geschmierten Räderwerk einer Diktatur zermalmt werden kann. Hier erinnere ich mich an Ulrich Alexander Boschwitz, der seine Geschichten nicht aus der Distanz in seine Erinnerung rief. „Der Reisende“ ist die direkte Spiegelung dieser Ereignisse und gehört im Lebensregal des interessierten Lesenden und Hörenden in die gleiche Reihe, in der man Remarque beheimatet.

In der ARD-Audiothek kann man „Die Nacht von Lissabon“ hören. Als haptische Edition ist die Produktion bei Der Audio Verlag erschienen. Empfehlenswert. Bleibt mir noch der Blick auf einen anderen Erich Maria Remarque. Den Liebenden, der sich in seinen Briefen für seine Angebetete unsterblich machte. Wer das war? Das gehört zweifelsohne zu den großen Überraschungen im Leben des großen Schriftstellers:

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe... AstroLibrium

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe…

Der andere Remarque:Schreiben Sie mir, oder ich sterbe“. Ein Briefwechsel für die Ewigkeit (Random House Audio)

So höre ich nun also. Mit Gänsehaut, denn das einst Geschriebene erwacht zu neuem Leben, wird vital, und katapultiert mich am 29. November 1937 nach Porto Ronco. Wem ich allerdings dort begegnen sollte, das hätte ich mir kaum vorstellen können. Und noch weniger vorstellbar war für mich die Adressatin dieser gefühlvollen Zeilen. Erich Maria Remarque, der Schriftsteller, der mit einem Kriegsroman zu Weltruhm gelangt war, sitzt an seinem Schreibtisch und träumt von der Anwesenheit seiner Angebeteten. Sieht sie in seine Arme fliegen, fühlt die Liebe. SIE: das war Marlene Dietrich, der Blaue Engel, die Göttin des internationalen Films.

„Das Zimmer zerfiel und die Nacht zerfiel und die Welt zerfiel und deine Lippen …“

Hörend stelle ich mir die Wirkung der Zeilen auf die Dietrich vor. Den Vamp, jene männermordende Legende, der die gesamte Männerwelt ihrer Zeit zu Füßen lag. Erich Maria Remarque lässt keinen Zweifel an einer Beziehung, die Zeilen sprechen für sich. Und doch wird erst nach dem Liebesbrief klar, was beide miteinander verband und wie es endete. Denn die Liebesbriefe der Kollektion werden von Christian Baumann, der in emotionaler und bewegender Art und Weise die ebensolchen Herausgebertexte liest, in den zeitlichen Kontext und das Leben der Verliebten eingeordnet.

Der Zartheit der Zeilen folgt eine Skizze ihrer Liebe. Es folgen die Kosenamen und auch die Grenzen, an die man gegenseitig stieß. Die Kreise schließen sich. Gefühl und Tragik gehen Hand in Hand, Antworten von Marlene Dietrich existieren nicht mehr. Die Ehefrau von Remarque, Paulette Goddard (auch eine Schauspielerin) hat sie wohl aus Eifersucht vernichtet. Was bleibt rührt zu Tränen. Nichts Handschriftliches von Marlene. Nur ein Telegramm, das Remarque am 6. September 1970 sechs Tage vor seinem Tod auf dem Sterbebett erreicht. Sechs Worte für die Ewigkeit:

„Ich schicke Dir mein ganzes Herz.“

In meinem Weihnachtsstrumpf dein Herz - Einzigartige Briefe

In meinem Weihnachtsstrumpf dein Herz – Einzigartige Briefe

Der festliche Remarque: „In meinem Weihnachtsstrumpf dein Herz

„… ich hatte dich wirklich seit sieben Jahren unter meiner Haut und wollte nicht.“

So schreibt Erich Maria Remarque dem kleinsten und weichsten aller Nestvögelseines Lebens. Man mag es auch heute noch kaum glauben, wem diese Zeilen galten. Marlene Dietrich und Remarque verband eine fast lebenslange, wenn auch heimliche Liebe, deren Beginn in der Briefkollektion „Schreiben Sie mir, oder ich sterbe“ für die Nachwelt enthüllt wurde. Später wurde „Die Dietrich“ für Remarque zur „Entglittenen“. Wie alles endete wissen wir heute. Ein Telegramm ans Sterbebett kam gerade noch an, bevor der Autor von „Im Westen nichts Neues“ die Augen schloss. 1937 jedoch hatte er den gewohnt wachen Blick auf das wohl ironischste Fest, das man so feiert. Er schließt mit den Worten:

„Sei gegrüßt, du Geliebte und geh nie von mir, du würdest mich zerreißen!“

Erich Maria Remarque - Hörspiele fürdie Ewigkeit - Astrolibrium

Erich Maria Remarque – Hörspiele fürdie Ewigkeit

Es lohnt sich also, Erich Maria Remarque hörend zu folgen. Weltliteratur aus der Feder eines facettenreichen Schriftstellers, der sich nie als Opfer empfand und sich im Lauf der Zeit freigeschrieben hatte. Der Preis dafür war hoch. Heimatlosigkeit und Ausbürgerung, Vertreibung und Verlust des „Vaterlandes“ für das er einst kämpfte. Der Gewinn war unermesslich groß. Ein Weltbürger, der die Sicht auf die Kriege verändert hat und dem Pathos zeitlebens eine finale Absage erteilte. Wir sollten ihm eine Heimat geben.

Erich Maria Remarque - Hörspiele für die Ewigkeit - Astrolibrium

Erich Maria Remarque – Hörspiele für die Ewigkeit

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe – Liebesbriefe, die ins Ohr gehen

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe...

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe…

Aber was nützt das alles, sich mit zärtlichen Erinnerungen zu betrügen, ich liebe dich Süßes und du fehlst mir schrecklich, ich mühe mich, nicht daran zu denken, an die Dunkelheit, an diesen Augenblick, wenn ich zu dir kam und das Licht war aus, und aus dem Dunkel flogst du in meinen Arm und das Zimmer zerfiel und die Nacht zerfiel und die Welt zerfiel und deine Lippen waren das Weichste in der Welt und deine Kniee kamen und deine Schultern und deine zärtliche Stimme.

Komm wieder komm wieder – Behende ach, endlos Geliebte.

Ein Spezial zum Valentinstag – Hören Sie gut…

Ein wenig plagt mich mein Gewissen ja schon, wenn ich diese Zeilen höre, die nicht für meine Augen bestimmt sind. Zu intim, zu nah und zu geheim sollten die Worte sein, die hier der Geliebten von der Sehnsucht des Liebenden berichten. Recht peinlich wäre es beiden wohl gewesen, wenn sie geahnt hätten, dass diese zarten Zeilen jemals das Licht der Welt erblicken würden. Und doch ist es so geschehen. Ein Liebesbrief aus der Feder eines zutiefst romantischen Mannes legt Zeugnis ab von der aufrichtigsten Form der Einsamkeit. „Komm wieder komm wieder.“ (Hier weiterhören)

Sie haben richtig gelesen, wenn ich vom Hören schrieb! Denn erstmals verlasse ich mich auf meine Ohren, wenn ich mich dem sensiblen Thema Schreiben Sie mir, oder ich sterbewidme und mir „Liebesbriefe berühmter Männer und Frauen“ in meinen Ohren zergehen lasse. Ich wollte nicht lesen, wollte lauschen, ganz nah sein. Ich habe davon geträumt, von einer zarten Frauenstimme in eine Liebesgeschichte verwickelt zu werden und dem brüchigen männlichen Timbre zu lauschen, wenn hartgesottene Jungs von Liebe schreiben. Ich habe mich ganz bewusst für ein Hörbuch entschieden und bei den Worten „Komm wieder komm wieder – Behende ach, endlos Geliebte gefühlt, wie richtig diese Entscheidung war.

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe...

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe…

So höre ich nun also. Mit Gänsehaut, denn das einst Geschriebene erwacht zu neuem Leben, wird vital, und katapultiert mich am 29. November 1937 nach Porto Ronco. Wem ich allerdings dort begegnen sollte, das hätte ich mir kaum vorstellen können. Und noch weniger vorstellbar war für mich die Adressatin dieser gefühlvollen Zeilen. Erich Maria Remarque, der Schriftsteller, der mit einem Kriegsroman zu Weltruhm gelangt war, sitzt an seinem Schreibtisch und träumt von der Anwesenheit seiner Angebeteten. Sieht sie in seine Arme fliegen, fühlt die Liebe. SIE: das war Marlene Dietrich, der Blaue Engel, die Göttin des internationalen Films.

„Das Zimmer zerfiel und die Nacht zerfiel und die Welt zerfiel und deine Lippen …“

Hörend stelle ich mir die Wirkung der Zeilen auf die Dietrich vor. Den Vamp, jene männermordende Legende, der die gesamte Männerwelt ihrer Zeit zu Füßen lag. Erich Maria Remarque lässt keinen Zweifel an einer Beziehung, die Zeilen sprechen für sich. Und doch wird erst nach dem Liebesbrief klar, was beide miteinander verband und wie es endete. Denn die Liebesbriefe der Kollektion werden von Christian Baumann, der in emotionaler und bewegender Art und Weise die ebensolchen Herausgebertexte liest, in den zeitlichen Kontext und das Leben der Verliebten eingeordnet.

Der Zartheit der Zeilen folgt eine Skizze ihrer Liebe. Es folgen die Kosenamen und auch die Grenzen, an die man gegenseitig stieß. Die Kreise schließen sich. Gefühl und Tragik gehen Hand in Hand, Antworten von Marlene Dietrich existieren nicht mehr. Die Ehefrau von Remarque, Paulette Goddard (auch eine Schauspielerin) hat sie wohl aus Eifersucht vernichtet. Was bleibt rührt zu Tränen. Nichts Handschriftliches von Marlene. Nur ein Telegramm, das Remarque am 6. September 1970 sechs Tage vor seinem Tod auf dem Sterbebett erreicht. Sechs Worte für die Ewigkeit:

„Ich schicke Dir mein ganzes Herz“

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe...

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe…

Ich beschreibe diese Geschichte so ausführlich, um ein Gefühl davon zu vermitteln, auf was man sich einlässt, wenn man die Edition der „Liebesbriefe berühmter Männer und Frauen“ hört. Die Liebesbriefe werden getragen von den großen Stimmen unserer Hörbuchszene. Die Begleittexte schmiegen sich an die verträumten Zeilen an und sind unverzichtbar für das Verständnis des Geschriebenen. Hier treten Dietmar Wunder als Erich Maria Remarque und Christian Baumann in einen zeitlosen Dialog, der sich in den folgenden Briefen mit anderen Stimmen fortzusetzen scheint.

Und dies sind genau vierundzwanzig Dokumente der Leidenschaft, die vom Glück der Liebe, der mit ihr einhergehenden Verzweiflung, von Hoffnungslosigkeit und fatalen Irrwegen künden. Jede Facette ist vertreten, jedes Gefühl wird greifbar und die meisten Briefe finden im Adressaten ihre Entsprechung. Oftmals sind die Antworten verschollen, verbrannt oder in alle Winde verstreut. Nur ein Brief wurde niemals beantwortet. Marie Curie schrieb ihrem Mann Pierre im April des Jahres 1906. Nobelpreisträger waren sie beide. Ihr Leben war von ihrem Labor und gemeinsamen Forschungen bestimmt.

Und doch war Platz für Gefühle. Voller Zärtlichkeit und Verzweiflung verfasst sie jene Zeilen, die ihren größten Verlust festhalten. „Auf dem Friedhof gestern wollte es mir nicht gelingen, die in den Stein gemeißelten Worte <Pierre Curie> zu begreifen.“ Nach seinem plötzlichen Unfalltod steht sie allein vor den Trümmern eines viel zu früh beendeten gemeinsamen Lebens. Das Schreiben gibt ihr Halt und dieser erste Brief an den Verstorbenen ist der Beginn ihrer Korrespondenz, in der sie fortführt, was im Leben nicht mehr möglich war. Martina Gedeck liest diese Zeilen voller zeitloser Sehnsucht.

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe...

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe…

Keiner der Liebesbriefe ist ohne emotionale Relevanz. Keiner passt in die üblichen Schablonen oder Klischees. Nichts ist belanglos und jede einzelne Geschichte regt an, ihr weiter auf die Spur zu gehen. So sucht man noch während des Hörens in den Tiefen des Internets nach einem Gemälde einer gewissen Manon Balletti. Ihre zaghaften und hoffnungsvollen Zeilen an Giacomo Casanova zeugen von der inneren Zerrissenheit, die von der jungen Frau Besitz ergreift, als sie sich in Casanova verliebt und alles in die Waagschale wirft, um ihn zu erobern.

„Im Traum schon sage ich Ihnen, dass ich sie liebe!“ Keine Zeilen für die Ewigkeit, wie wir heute wissen und doch der lebendige Beweis für die Zeitlosigkeit dieser Briefe. Denn, wenn auch die Liebe nicht überdauert, diese Briefe bauen Brücken über die Zeit und haben im ein oder anderen Fall den angehimmelten Adressaten erst Jahrzehnte zu spät so richtig erreicht. Liebesbriefe überleben manchmal das wahre Leben. Friederike Kempter leiht Manon Balletti ihre unvergleichliche Stimme. Wer sich nicht in den Brief verliebt, der verliebt sich in diese Stimme. Unsterblich sogar.

So geht es weiter. Drei CDs mit über drei Stunden Gefühl in seiner Reinkultur. Die berühmten Männer und Frauen überraschen mit ihren Worten, ihrer Wärme, aber auch der Zielstrebigkeit, mit der sie ihrer Liebe Ausdruck verleihen. Ihre Briefe wirken zeitlos und inspirieren uns, doch selbst wieder einmal zu schreiben. Gefühle lesbar zu machen und unseren Angebeteten zu zeigen, was sie uns bedeuten. Vielleicht überdauern auch unsere Zeilen die Zeit. Vielleicht werden sie später einmal gelesen. Vielleicht ist das die Krönung der eigentlichen Liebe.

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe...

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe…

Wobei, wenn wir ehrlich sind, kann die wahre Liebe natürlich auch das Ende jeder Krönung sein. Auch davon kündet einer der wundervollen Liebesbriefe, in dem Wallis Simpson ihrem Geliebten, König Edward VIII. mitteilt, wie sehr es ihr zusetzt, dass die Liebe ihn den Thron kosten könnte. Zusammen sind wir stark genug, es mit dieser erbärmlichen Welt aufzunehmen!“ ist Liebesbrief und Kampfansage in einem. Diesen Worten folgten Taten. Die Liebe wog schwerer als die Krone. Skandalös!

Wer nach dem Hören immer noch nicht aufhören kann mit diesen Liebesbriefen, der wird im Piper Verlag fündig. Das gleichnamige Buch von Petra Müller und Rainer Wieland beinhaltet neben den 24 erlesen vorgetragenen Briefen der Hörbuchedition 53 weitere Bekennerschreiben der wahren Liebe. Hier lohnt der selbst zu lesende Genuss, und in Verbindung mit dem Hörbuch kann ich mir dieses literarische Gesamtkunstwerk als das perfekte Weihnachtsgeschenk auf dem Gabentisch vorstellen.

Kein Herz bleibt ungerührt. Das kann ich versprechen. In diesen Briefen finden wir die Antworten auf die Fragen nach dem Sinn des Lebens und der Liebe. Hier wird man fündig, wenn man Inspirationen sucht, in Hoffnungslosigkeit versinkt und vielleicht auch mal nicht weiß, wohin mit dem Überschuss an eigenen Gefühlen. Lesen und hören sind der Schlüssel zum Glauben an die Macht der Liebe, denn es ist niemals zu spät für das große Abenteuer Liebe. Wie schrieb schon Martha Gellhorn an Ernest Hemingway?

„Ich möchte jung und arm sein, mit dir und unverheiratet.“

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe...

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe…

Und Arthur Schnitzler? Er wird verehrt…  „Der fünfte Akt des Lebens“ 

Des Lebens fünfter Akt von Volker Hage – AstroLibrium

calliebe_astrolibrium