„Mein Freund Pax“ von Sara Pennypacker

Mein Freund Pax von Sara Pennypacker

Da sitzt er nun, unser Fuchs und schaut in die Ferne. Auch wenn er den Lesern auf dem Cover des Romans von Sara Pennypacker den Rücken zuwendet, so weckt doch schon diese Illustration aus der Feder von Jon Klassen die ersten Gefühle. Sein Blick ruht auf der Weite der Landschaft. Einer Landschaft, die eigentlich sehr  friedlich wirkt. Erst die Rückseite des Buchumschlags macht eine erste Unregelmäßigkeit sichtbar. Es ist ein abgeknickter Baum, der die harmonische Atmosphäre durchbricht. Denn, wie wir schnell erfahren werden: Nichts ist friedlich in dieser Geschichte. (Weiterhören)

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Da sitzt er nun, unser Fuchs und scheint zu warten. Mein Freund Pax. Warm und ein wenig melancholisch wirkt dieses Buch. Aus der Landschaft wird jedoch bereits auf der ersten Seite mehr. Hier sehen wir unseren Fuchs am Straßenrand sitzen, den Blick auf den Asphalt gerichtet. Wartend. Ein wenig verloren wirkt er schon, wie er dem Wald den Rücken zuwendet. Ein wenig verloren wirkt dieser Fuchs, nicht wild und verwegen. Es ist das Gefühl dieser verlorenen Einsamkeit, mit dem man sich diesem Buch nähert. Es ist ein scheues Gefühl, weil man ihn nicht verjagen möchte. Pax, den Fuchs, der auf den folgenden 300 Seiten auch zu unserem Freund wird.

Mein Freund Pax von Sara Pennypacker - Astrolibrium

Mein Freund Pax von Sara Pennypacker – Lesen mit Fuchs

Schon auf den ersten Seiten nimmt uns diese Geschichte gefangen und lässt uns nicht mehr los, bis wir nach einem atemberaubenden Finale selbst im Wald sitzen und mit unseren Gefühlen alleine sind. Aber dazu später mehr. Es ist die Perspektive eines Fuchses, es ist sein natürlicher Instinkt, seine Sichtweise und seine Wahrnehmung mit der alles beginnt. Es ist die Fuchs-Sicht auf die Freundschaft zwischen ihm, Pax, und Peter, dem zwölfjährigen Jungen, die uns zeigt, was es einem Tier bedeutet, Nähe und verlässliche Sicherheit zu empfinden. Für den Fuchs ist der Junge mehr als ein Freund. Er ist „Sein Junge“.

Und doch scheint der Fuchs den Sinn für Gefahr verloren zu haben. Er fühlt zwar, dass irgendetwas nicht stimmt, dass der Vater des Jungen Lügengeruch ausströmt und die Fahrt mit dem Auto abrupt endet. Dass er jedoch in der Wildnis ausgesetzt wird, das verzweifelte Rufen seines Jungen ertragen muss und dem Auto nur noch nachschauen kann, das hatte Pax nicht erwartet. Es fühlt sich wie Verrat an. Ein Verrat, den wir Leser nicht anders empfinden, als der Fuchs, der nun am Straßenrand im Nirgendwo sitzt.

„Er bellte, um nach Peter zu rufen, erinnerte sich jedoch gleich wieder: Sein Junge war fort. Pax war es nicht gewohnt allein zu sein.“

Mein Freund Pax von Sara Pennypacker - Astrolibrium

Mein Freund Pax von Sara Pennypacker – Zuneigung und Vertrauen

Pax ist nicht alleine mit diesen Gefühlen von Verlust und Verrat. Auch Peter erlebt diesen Moment der Trennung als absolute Extremsituation. Sein schlechtes Gewissen gegenüber Pax wird fortan zum Wegbegleiter eines jungen Lebens. Sara Pennypacker erzählt die Geschichte durchgehend aus zwei Perspektiven, die einander bedingen. Sie entwirft ein Szenario, das dieser Trennung Grenzen verleiht, die weder ein Fuchs noch ein Junge durchbrechen kann. Es droht Krieg im Land. Peters Vater kämpft, Peter wird evakuiert und Pax wird ausgewildert. So ist das eben. Das muss Peter akzeptieren.

Was Sara Pennypacker aus dieser Ausgangssituation entwickelt zeigt literarische Größe. Sie arbeitet Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier heraus und macht die Bindung zwischen einem Jungen und seinem Fuchs spürbar. Sie schreibt uns Begriffe wie Verantwortung, Respekt und gegenseitiges Vertrauen ins Stammbuch des Lesens und veranschaulicht, wie sich Liebe zu einem Tier äußern kann. Und nicht nur das. Wir lernen durch Pax, was es für ein Tier heißt, Haustier zu sein und Bindung zu fühlen. Es ist ein emotionaler Ritt auf der Rasierklinge, den wir mit Peter und Pax unternehmen.

Beide werden wie ein Schlagball beim Baseball, ihrem gemeinsamen Lieblingssport, in neue Welten katapultiert. Dabei ist es völlig unerheblich, wer von beiden Fänger und wer Schläger ist. Die Fallhöhe ist gewaltig und in aller Einsamkeit fehlt ihnen das Ritual danach: Der Moment, in dem Pax die Schnauze in Peters Baseballhandschuh legte und ihn von allen Alltagssorgen befreite. Ein mehr als magischer Augenblick für zwei große „Jungs“, die ohne Mütter zurechtkommen müssen..

Mein Freund Pax von Sara Pennypacker - Astrolibrium

Mein Freund Pax von Sara Pennypacker – Das Argon-Hörbuch von Sauerländer Audio

Hier würde ich gerne die künftigen Leser dieses Buches aussetzen. Hier würde ich sie gerne alleine lassen mit zwei außergewöhnlichen Protagonisten. Hier sollte jeder für sich den Weg in diese Geschichte finden und dem Jungen folgen, der sich nicht damit abfinden kann, einen Fuchs zu verlieren. Peter macht sich auf den weiten Weg zurück, weil er weiß, dass Pax genau dort wartet, wo er ausgesetzt wurde. Hier würde ich Leser gerne mit Pax warten lassen. Mitten in der Wildnis. Nicht alleine lebensfähig. Und doch spürend, dass die Instinkte langsam zurückkehren.

Hier würde ich mir wünschen, dass Leser selbst erleben, wem Pax und Peter auf ihren Wegen begegnen und wie diese Begegnungen ihr weiteres Leben beeinflussen. Es sind unglaubliche Bilder, die uns Sara Pennypacker vermittelt, es sind wundervolle Illustrationen, die uns durch diese Geschichte begleiten. Die Gemeinsamkeiten im Weg eines Fuchses und eines jungen Menschen sind beeindruckend zu lesen. Ausgewildert sind sie beide. Das Leben schreibt sich neu und doch ist das unsichtbare Band existent und fest. Wird es beide zusammenführen? Ich hoffe, dass viele Leser diese Antwort für sich selbst beantworten können. Pax und Peter, Menschen und Füchse, Zivilisation und Wildnis, Krieg und Frieden. Selten wurde diese Gegensätze ergreifender erzählt.

Mein Freund Pax von Sara Pennypacker - Astrolibrium

Mein Freund Pax von Sara Pennypacker – Jon Klassen und seine Bilder

Ich habe mit meinem Fuchs zusammen gelesen. Er heißt jetzt Pax. Ein Kuscheltier wirkt Wunder in diesen Seiten. Es hilft gegen Vereinsamung und Hoffnungslosigkeit. Es gibt Halt, wenn der Boden bebt und auch beim Weinen ist man nicht allein. Man sollte „Mein Freund Pax“ nicht alleine lesen. Man muss die erlesenen Gefühle teilen, sich in aller Tiefe öffnen und seine eigenen Schlüsse ziehen. Ich habe wechselweise gelesen und gehört. Ich bin Jacob Weigert in die Wildnis gefolgt. Er brilliert im Wechsel seiner Rollen. Er ist Fuchs und Mensch zugleich und wo dem Hörbuch die Illustrationen fehlen ist es die musikalische Untermalung, die Verschnaufpausen und Schluchzen überspielt.

Wäre dieses Buch der Duft eines Fuchses, es wäre ängstlich, verwirrt, wild, verspielt, ungezähmt und frei zugleich. Wäre dieses Buch ein Geräusch im Wald, es wäre laut, geheimnisvoll, auch mal leise und angsteinflößend. Wäre dieses Buch ein Instinkt, es würde fliehen, vertrauen, angreifen, jagen und endlos warten. Wäre dieses Buch das Gefühl eines Jungen, es wäre liebevoll, fürsorglich und verzweifelt. Hoffend, bangend und traurig. Wäre dieses Buch NUR ein Buch, man würde ihm nicht gerecht werden.

Mein Freund Pax von Sara Pennypacker - Astrolibrium

Mein Feund Pax von Sara Pennypacker – Nicht alleine lesen…

„Mein Freund Pax“ von Sara Pennypacker, erschienen im Sauerländer Verlag und bei Sauerländer Audio / Argon Hörbücher, erzählt eine Geschichte, die wahrhaft das Zeug zum Jugendbuchklassiker hat. Sie erreicht die Herzen ihrer Leser. Für ein Kinderbuch mit einer Altersempfehlung ab 10 Jahren ist es aus meiner Sicht dann geeignet, wenn man es gemeinsam liest oder hört. Es ist eine verlustreiche Geschichte, die nicht leicht zu verarbeiten ist. Sie ist wie das wahre Leben, nur eben bereichert um die Perspektive PAX

Hiermit erkläre ich die kleine literarische Sternwarte zum geschützten Fuchsbau für alle Leser von „Mein Freund Pax“. Folgt mir in dieses Buchschutzgebiet und bringt euren Instinkt, eure Gefühle und alle Geräusche und Gerüche eures Lesens mit. PAX.

Herzlich willkommen, Anja und Zwiebelchens Plauderecke im Fuchsbau.
Bianca und Literatwo haben auch einen Eingang in den Fuchsbau gefunden.
Ronjas Fooks hat sich aus der Bücherstöberecke getraut und Pax adoptiert.

Mein Feund Pax von Sara Pennypacker

[FBM 15 Interview] Kiera Cass – Ein Gespräch über Selection

FBM 15 - AstroLibrium im Gespräch mit Kiera Cass

FBM 15 – AstroLibrium im Gespräch mit Kiera Cass

Sie hat mich mit ihren Büchern in große Verlegenheit gebracht. Sie ist die wohl größte Herausforderung meines Lesens und persönlich dafür verantwortlich, dass ich mit der wohl zartesten Versuchung seit es Buchcover gibt, in der S-Bahn beim Public Reading bestaunt wurde. Sie hat sehr treue Fans unter den jugendlichen Leserinnen im Kinderheim St. Alban.

Und genau diese jungen Mädchen haben mich zu Selection gebracht. Damit war ich in einer Buchreihe gefangen, die mir durch diese Mädels nicht nur ans Herz gelegt wurde. Ich habe mich in „Selection“ verliebt.

Sie – Das ist Kiera Cass, die Autorin der unendlichen Geschichte, die mit „Selection“ begann und nun schon in der vierten Folge ist. Ich habe nicht nur meine Fragen dabei, sondern interviewe im Auftrag eines ganz besonderen Leseclubs junger Mädchen. Die wichtigste Herzensfrage lautet: „Kommst Du uns in St. Alban besuchen?“

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Sie wird mit ihrer Buchreihe sehr oft unterschätzt. Eine Casting Show im Batchelor-Format wird als Vergleich herangezogen. Die Story sei zu seicht, zu unausgewogen und nicht sonderlich anspruchsvoll. Sie hat mit ihrem Erfolg der Kritik die Stirn geboten und ich habe selbst erfahren dürfen, was die Faszination der Selection-Reihe wirklich ausmacht. Kiera Cass schreibt ihre Figuren mitten ins Herz ihrer Leser, sie schafft ein unglaublich hohes Potenzial an Identifizierung mit ihren Charakteren und bietet dabei ihren jungen Leserinnen und Lesern nicht nur die Hauptfiguren an.

Es ist nicht nur die erste Reihe ihres eigenen Charakter-Castings, die hier zu überzeugen weiß. Es sind einige junge Mädchen, die darum buhlen, nicht nur Ehefrau eines Prinzen, sondern darüber hinaus auch noch Königin eines Landes zu werden, in dem nicht alles Gold ist, was glänzt. Und letztlich unterhalten ihre Bücher auch noch. Sie regen zum Nachdenken und Mitfühlen an, lassen Lesefieber entstehen und Kiera Cass hält dieses Fieber dauerhaft weit über Körpertemperatur aufrecht. Was macht ein gutes Buch aus? Ganz sicher auch die Reaktion der eigentlichen Zielgruppe – und die spricht Bände. Und Kiera Cass lässt Bände folgen, ohne an Substanz zu verlieren.

Darüber habe ich mich mit Kiera Cass am Messestand des Sauerländer Verlages unterhalten – und über vieles mehr. Herzlich willkommen zu einem Elite-Interview zu „Selection“ mit „der Einen“ Kiera Cass. Das komplette Buchmesse-Interview wird von mir nach meiner Rückkehr aus Frankfurt übersetzt und ihr könnt die deutsche Fassung dann im Artikel und unter dem Podcast bei Literatur Radio Bayern mitlesen. Hier geht`s zum Interview.

Ich bin mir jedoch sicher, dass es den Englischkenntnissen ihrer Leser nicht schadet, sich durch das Interview in Originalfassung zu lauschen. You`re welcome

FBM 15 - AstroLibrium im Gespräch mit Kiera Cass

FBM 15 – AstroLibrium im Gespräch mit Kiera Cass

Die Insel von Armin Greder – Ein Buch, das Leben retten kann

Die Insel von Armin Greder

Die Insel von Armin Greder

„Am Morgen fanden die Inselbewohner einen Mann am Strand,
da wo Meeresströmung und Schicksal
sein Floß hingeführt hatten.
Er stand auf,
als er sie kommen sah.

Er war nicht wie sie.“

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Diesen gestrandeten Mann, der vom Schicksal an den Strand „unserer Insel“ gespült wurde, sehen wir gerade tausendfach in allen Medien. Er ist alles: Kind, Bruder, Frau, Mann, Schwester, Greis und Baby. Aber vor allem ist er eines: Mensch. Unbewaffnet, nackt, abgemagert und fern seiner Heimat. Und sofort fühlt er sich wie ein Fremder, wie eine Gefahr auf der rettenden Insel. Diese Erkenntnis reift schnell.

Er war nicht wie sie.

Als ich das Bilderbuch „Die Insel“ von Armin Greder aufschlug, durchzuckten mich viele Gedanken. Ich fühlte sofort, dass mir die Geschichte dieses Mannes einen Spiegel vor Augen halten würde, der tagesaktueller und brisanter nicht sein kann. Ich spürte, wie sich das Schicksal aller Flüchtlinge dieser Welt zu einer abstrahierten Geschichte eines Einzelnen verdichtete, die das Geschehen der letzten Wochen derart eindringlich und emotionslos beleuchtet, dass ich mir immer wieder vorstellte, wenn es dieses Buch nicht gäbe, es müsste erfunden werden.

Er war nicht wie sie.

Die Insel von Armin Greder - AstroLibrium

Die Insel von Armin Greder – AstroLibrium

Wenn nur ein einziges Buch über Flüchtlinge jemals punktgenau im Bewusstsein des Lesers landete, dann dieses. Wenn ein Buch über das Schicksal eines Menschen in Not je den Kern der Realität abzubilden vermag, dann dieses. Wenn ein Buch über die glückliche Ankunft auf einer rettenden Insel jemals den Anspruch erheben darf, allen Flüchtlingen dieser Welt gerecht zu werden, dann dieses. Wenn es einem Buch gelingt, die soziologischen Automatismen von Vorurteilen und Fremdenfeindlichkeit so greifbar zu veranschaulichen, dass man sie beim Lesen aktueller Schlagzeilen immer vor Augen hat, dann diesem.

Er war nicht wie sie.

Dieses Anderssein reicht den Bewohnern der Insel aus. Es ist völlig ausreichend, sich hinter einer pauschalen Aussage und den gewachsenen Vorurteilen zu verstecken, um kollektive Ablehnungshaltungen zu erzeugen. Und doch gibt es in einer solchen verschworenen und geschlossenen Gemeinschaft immer wieder diese Gutmenschen, die an die Menschlichkeit ihrer Mitbewohner appellieren. Die versuchen, die Meinung zu ändern, Vorurteile abzubauen und dabei selbst riskieren, Kopf und Kragen zu verlieren.

Er war nicht wie sie.

Die Insel von Armin Greder

Die Insel von Armin Greder

Diese Gutmenschen sehen wir auch heute in allen Nachrichten. Sie sind es, die ebenso heftig beschimpft werden, wie die Flüchtlinge selbst. Sie sind es, die ebenso mit Vorurteilen konfrontiert werden, wie die hilflosen Menschen, die einfach nur Schutz und Essen suchen. Diesen Gutmenschen mag es gelingen, die Geschichte für einen kurzen Moment anzuhalten, ihr ein anderes Gesicht zu verleihen, eine Gemeinschaft davon zu überzeugen, einem notleidenden Menschen eine reale Chance zu geben. Doch letztlich haben sie immer das Gefühl, ebenso allein zu stehen, wie der Flüchtling für den sie sich einsetzen. Denn während der Gutmensch fast alles in die Waagschale wirft, um seine Menschlichkeit zu beweisen, werden im Hintergrund die Messer gewetzt.

Er war nicht wie sie.

Daran ändert der Gutmensch gar nichts. Integration und gemeinsame Wege müssen gewollt sein. Sie lassen sich nicht von humanistisch geprägten Minderheiten erzwingen. Im Hintergrund rasseln die Säbel, kursieren die üblen Gerüchte und werden die Bilder verbreitet, für die es zwar keinen Beleg gibt, aber Mobbing gegen Fremde ist so leicht. Und man steht so gut da in der tumben Masse.

Er war nicht wie sie.

Denn letztlich reichen die Vorurteile und der Querschnitt aller Ablehnungen, um zu zeigen, wie die ach so sozial geprägte Gemeinschaft denkt, wie sie sich Fremdkörpern gegenüber positioniert und warum sie sich hinter der Angst versteckt, selbst etwas zu verlieren, wenn man einem anderen hilft. Der Gutmensch und der Flüchtling haben fast keine Chance gegen das dauerhafte Geschrei der Masse. „Ich habe nichts gegen ihn, aber…“ und „Da wo der herkommt sind doch alle kriminell…“ – Sätze, die nichts aussagen. Sätze, die unschuldig klingen, wie „Man wird doch noch sagen dürfen…“

Er war nicht wie sie.

Die Insel von Armin Greder

Die Insel von Armin Greder

Aber es sind Sätze, die jene Gewaltbereiten aufmuntern, tätig zu werden, weil sie sich schließlich im Konsens mit der Masse wähnen. Bilder, die uns heute nur zu bekannt vorkommen. Dieses Buch über eine Insel ist so zeitlos, wie man es sich nur wünschen darf. Es zeigt uns deutlich, auf welcher Seite wir nicht stehen wollen, aber auch, wie schwer es ist, sich zu erheben und zu den Anständigen zu gehören. „Die Insel“ ist ein episches Mahnmal für alle Flüchtlinge in der Geschichte der Menschheit, weil Flüchtlingsschicksale niemals anders aussahen. Nie waren sie willkommen, immer bestand die Gefahr, dass es ihnen besser gehen könnte als den Menschen, die ihnen Schutz gewähren.

Und wenn kein Gerücht mehr half, wenn alle Vorurteile versiegten, dann blieb immer noch das ewig währende “Er war anders als sie“.

Die Insel“ von Armin Greder wurde bereits im Jahre 2002 erstmals veröffentlicht. Der Sauerländer Verlag kommt mit dieser Publikation zum einzig richtigen Zeitpunkt auf den Markt, denn dieses Buch kann dabei helfen, dass die Mauern auf der Insel nicht zu hoch in den Himmel wachsen. Es kann dabei helfen, dass sie überwindbar bleiben und die wenigen Aufrechten Mittel finden, gegen die Automatismen der blinden Ablehnung eigene Automatismen der Menschlichkeit zu entwickeln.

Er war nicht wie sie.

Die Insel von Armin Greder

Die Insel von Armin Greder

Das sollte der beste Grund sein, jemandem zu helfen. Selbstlos, ohne Vorbehalte und in aller Aufrichtigkeit. Lest „Die Insel“ und schaut euch die unglaublichen Illustrationen an. Sie spulen ihren eigenen Film vor eurem geistigen Auge ab. Einen Film, den ihr gerade täglich seht. Und allein das Erkennen dieses einzelnen Schicksals lässt uns verstehen, was wir Menschen zu tun haben.

HELFEN….

Blogger für Flüchtlinge - Zur Homepage

Blogger für Flüchtlinge – Zur Homepage

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Initiative „Blogger für Flüchtlinge„. Hier werden Hilfsangebote und -möglichkeiten aufgezeigt, koordiniert und veröffentlicht. Es ist so leicht, die Augen nicht zu verschließen und aus einer Insel voller Mauern eine wahre Rettungsinsel zu machen.

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PS: Menschen, die sich in den letzten Tagen für Flüchtlinge einsetzen und ihnen helfen, werden in der medialen Öffentlichkeit als „Gutmenschen“ beschimpft. Hierbei bedient sich der dumpfe Mob eines Begriffes, der genau das Gegenteil dessen aussagen soll, was der Wortsinn hergibt. Ich lasse mich jedoch gerne als Gutmensch beschimpfen. Ich trage den Begriff in seinem wörtlichen Sinn vor mir her und weiß, wer mich beschimpft. Es sind die Gleichen, die auf der Insel die Mauern errichten und Flüchtlinge vertreiben.

„Flügel aus Papier“ – Eine Zeitreise mit Marcin Szczygielski

Flügel aus Papier von Marcin Szczygielski

Flügel aus Papier von Marcin Szczygielski

Vor 70 Jahren öffneten sich die Pforten der Konzentrationslager und die Alliierten befreiten die letzten Opfer des Holocaust aus den Fängen ihrer Nazi-Peiniger. Das volle Ausmaß des Grauens zeigte sich der ganzen Welt und atemlos betrachtete man die ersten Bilder, die von der Befreiung der vielen Todeslager gezeigt wurden. Auch vieles andere wurde schnell klarer. Hier also befanden sich die Menschen, die wenige Jahre zuvor aus der Gesellschaft verschwanden. Zuerst in die überfüllten Ghettos der großen Städte, dann mit unzähligen Zügen weiter. Hier endete der Weg der Deportierten.

Zumindest die wenigen Überlebenden konnten nun Auskunft darüber geben, welche grausamen Leidenswege sie an dieses endgültige Ziel der sogenannten Endlösung in einem Genozid geführt hatten. Der Junge auf der Holzkiste, Leon Leyson, hat das Leben im Krakauer Ghetto in bewegenden und eindringlichen Worten beschrieben. Er konnte seine Geschichte nur erzählen, weil er von Oskar Schindler vor der Deportation nach Auschwitz gerettet wurde.

„Es gab einmal keinen Krieg. Man konnte einmal aus der Stadt hinausfahren aufs Land, in den Wald, an den Fluss oder sogar ans Meer. Angeblich, ich kann mich kaum noch daran erinnern.“

Flügel aus Papier von Marcin Szczygielski

Flügel aus Papier von Marcin Szczygielski – Das Warschauer Ghetto von Peggy Steike

Wenn man über den Holocaust schreibt, muss man über Ghettos schreiben. Wenn man jungen Lesern die Entrechtung und Erniedrigung der verfolgten Menschen nahe bringen möchte, dann sollte man ihnen die Tore eines solchen Ghettos öffnen, um zu zeigen was es bedeutet, alles zu verlieren. Privatsphäre, das gewohnte Leben und jedes Recht, das für uns so selbstverständlich ist. Hier war die Würde des Menschen nicht unantastbar. Genau das Gegenteil war der Fall: Sie wurde offen zu Grabe getragen.

Und wenn man über Ghettos schreibt, dann kann man versuchen, diese Eindrücke aus Kinderaugen zu vermitteln. Sicherlich ein mehr als schwieriger Weg, vielleicht sogar eine Gratwanderung, aber einer der vielleicht ganz wichtigen Versuche im Schreiben Gegen das Vergessen. Der polnische Autor Marcin Szczygielski lebt und arbeitet in Warschau. Ebenso wie Krakau, eine der großen polnischen Städte, die im Holocaust eine besondere und tragische Rolle spielten. Das wohl größte Ghetto für die jüdische Bevölkerung wurde dort errichtet und von der Stadt mit Mauern, Brücken und gut bewachten Toren abgetrennt.

Flügel aus Papier heißt sein viel beachteter Roman über einen achtjährigen Jungen im Warschauer Ghetto, der gerade im Sauerländer Verlag erschienen ist, und in seiner Konstruktion einen völlig neuen Erzählraum erschließt. Und diesen Erzählraum betritt er nicht alleine, sondern in Begleitung des legendären Autors H.G. Wells, dem Schöpfer der „Zeitmaschine“. Sie denken, das sei gewagt… Vielleicht, aber hier kann man ganz klar sagen: „Wer nicht wagt, …“

„Mit dieser Maschine gedenke ich die Zeit zu erforschen“, sagte der Zeitreisende und hielt die Lampe hoch.

Flügel aus Papier von Marcin Szczygielski

Flügel aus Papier von Marcin Szczygielski

Wie sieht diese abgeschlossene Welt für den achtjährigen Rafal aus? Wie lebt man mit einem kleinen Jungen innerhalb der Mauern eines Ghettos und was lässt man an ihn heran? Besonders, wenn seine Eltern im Ausland sind und nur der Großvater alles in seiner Macht stehende unternehmen kann, seinem Enkel nicht allen Schrecken des Ghettos zu offenbaren? Er hüllt Rafal in einen Kokon ein, erklärt ihm die Dinge so, dass keine zusätzlichen Ängste entstehen und versucht einfach alle Eingriffe in das normale Leben so hinzunehmen, dass Rafal nicht am Leben zu zweifeln beginnt.

Eine wichtige Rolle nimmt die Bibliothek des Ghettos ein, in der sich Rafal Bücher ausleihen kann. In Zeiten des nagenden Hungers und des alltäglichen Kampfes ums Überleben schafft es der Großvater mit Straßenmusik, ein paar Kopeken zu verdienen, die Rafal das Lesen ermöglichen. Lesen in solchen Zeiten. Lesen in Jahren, in denen schwache Menschen auf offener Straße sterben. Ein Fluchtpunkt aus der Realität des Ghettos, den Rafals Großvater hier möglich macht.

Das Ghetto verändert sich täglich. Tausende neue Deportierte kommen an, während die Nazis die Mauern enger ziehen. Die Zustände dramatisieren sich von Stunde zu Stunde. Es gibt keinen sicheren Ort mehr und man muss ständig damit rechnen, eine neue Bleibe in diesem tödlichen Kreislauf zu finden. Als die Bibliothekarin Rafal ein dünnes aber sehr spannendes Buch empfiehlt, betrachtet er die Abbildungen auf dem Einband und erkennt, wie wichtig das Buch für ihn sein kann. „Die Zeitmaschine“ von H.G. Wells. Ein Buch, das sein Leben verändert.

Flügel aus Papier von Marcin Szczygielski

Flügel aus Papier von Marcin Szczygielski

Rafal liest und erkennt, erkennt und liest und er beginnt zu träumen. Wie es wohl wäre, durch die Zeit reisen zu können, ob man etwas verändern könnte und wohin er reisen würde, wenn er es selbst könnte. Zukunft oder Vergangenheit? In den Monstern des Romans, den Morlocken, sieht Rafal die SS-Soldaten, in den Eloi erkennt er das Schicksal seines eigenen Volkes. Seine Augen öffnen sich mit H.G. Wells und seinem Zeitreisenden. Jenem namenlosen Engländer, der in diesem zeitlosen Roman auf ewig verschollen ist.

Als die Nazis beginnen das Ghetto aufzulösen und die Juden zu deportieren, gelingt es dem Großvater, seinen Enkel aus dem Ghetto zu schmuggeln. Die Flucht führt ihn in den verlassenen Warschauer Zoo, in dem er nicht nur weiteren Kindern begegnet, die dem Schrecken entkommen sind. Er macht auch eine unglaubliche Entdeckung, die ihm vorkommt, als sei sie nicht von dieser Welt.

Er steht plötzlich vor der Zeitmaschine. Jenem legendären Wunderwerk aus dem Roman von H.G. Wells. Und sie funktioniert.

„Die Maschine ist vielleicht zwei Meter hoch und erinnert an einen goldenen Käfig. Ein Gestell aus Metall, Ebenholz, Elfenbein und durchscheinendem Quarz“

Flügel aus Papier von Marcin Szczygielski

Flügel aus Papier von Marcin Szczygielski

Genau an dieser Stelle bringt Szczygielski seine Leser aus der Fassung, aber nicht nur das. Er lockt sie aus der Reserve und öffnet einer dramatischen Erzählung aus den dunklen Tiefen menschlicher Abgründe ein Portal, das Hoffnung heißt. Das Stilmittel der fiktionalen Verdichtung zweier Romanstoffe ist nur tragfähig, wenn ein Autor, gerade bei diesem sensiblen Thema ganz genau weiß, wofür er es einsetzt. „Die Zeitmaschine“ entspringt nicht nur dem gedanklichen Freiraum des Autors. Er fabuliert nicht, sondern lässt die große Kraft der Literatur auf uns wirken. Flügel aus Papier können nur zum Fliegen verleiten, wenn man sich der Dimensionen seines Romans bewusst ist.

„Flügel aus Papier“ wachsen Rafal, weil er keinen anderen Ausweg mehr weiß. Die Rettung in letzter Sekunde ist gerade in ihrer fantastischen Dimension kaum zu fassen, aber sie zeigt, wozu der menschliche Geist fähig ist. Der Baum der Erkenntnis ist oftmals ein schwer erreichbares Geäst, das in unerreichbarer Höhe die schönsten Früchte entstehen lässt. Marcin Szczygielski lässt seinen Protagonisten nur ganz kurz davon kosten und eigene Entscheidungen treffen. Man sollte sich nicht entgehen lassen selbst zu erlesen, wie Rafal handelt.

Und keinesfalls sollten wir es versäumen, die große Botschaft des polnischen Autors zu verinnerlichen. Er findet seinen Weg mitten in unsere Herzen, indem er seine eigene Philosophie zum Phänomen Zeitreise offenbart. Hier gilt es, nicht weiter vorzugreifen. Hier gilt es nicht zu viel zu verraten. Hier gilt es, selbst zu lesen und dem Staunen Raum zu geben. Und dieses Staunen wird mit einer Nachhaltigkeit einsetzen, die man lesend selten so klar vor Augen geführt bekommt. Reist ihr mit?

Flügel aus Papier von Marcin Szczygielski

Flügel aus Papier von Marcin Szczygielski

Buchhändlern sei ans Herz gelegt, einen kleinen Vorrat des Klassikers von H.G. Wells bereit zu halten, wenn man „Flügel aus Papier“ im Sortiment hat. Der tiefe Wunsch, in die „Zeitmaschine“ zu steigen und durch alle Ebenen des Denkbaren zu reisen, entsteht in einem logischen Automatismus. Zwei Bücher – eine Verbindung – Eine Botschaft.

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„Der Drache hinter dem Spiegel“ von Ivo Pala zu Gast in St. Alban

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Man kommt in diesen Tagen an Drachen nicht vorbei.

Kaum wurde Smaug in Tolkiens Hobbit über der Seestadt abgeschossen und man denkt, endlich Ruhe zu haben, erscheint Ivo Pala am Horizont und präsentiert mit Der Drache hinter dem Spiegel (Sauerländer Verlag) ein Kinder- und Jugendbuch, das sich dem traditionellen Lindwurm von einer ganz anderen Seite nähert.

Wie reagieren Kinder auf Drachen? Was ist Schönheit und wem sollte man im Leben wirklich vertrauen? Wie kann man der Wahrheit auf die Spur kommen, wenn man belogen wird und was geschieht, wenn man selbst keine Wünsche mehr hat? Diesen Fragen sind wir mit diesem Fantasy-Roman auf den Grund gegangen. Wir?

Ja – genau richtig gelesen. Die literarische Sternwarte AstroLibrium hat die Kinder und Jugendlichen des Kinderheims St. Alban zum Drachen-Lesen eingeladen und gemeinsam mit Peggy Steike entstand zuhörend und zeichnend eine kleine Galerie drachenstarker Impressionen. Doch zunächst sollten wir einen Blick hinter den Spiegel der Fantasy-Welt des Ivo Pala wagen, um nicht nur einem Drachen, sondern fünf ganz besonderen Kindern zu begegnen. Vorhang auf für die O´Brians.

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala - AstroLibrium - St. Alban

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Es sind schwere Jahre in London vor fast genau 100 Jahren. Armut und harte Arbeit, gerade in den Docks im Hafen der Stadt an der Themse, kennzeichnen das Leben der Familie O´Brian. Seitdem der Vater an einer geheimnisvollen Erkrankung leidet, gelingt es der Mutter nicht mehr, die Familie mit ihren fünf Kindern über Wasser zu halten. Es gibt nur einen einzigen Ausweg, dem drohenden Hungertod zu entgehen.

Florence (Fee) und Herbert, die beiden ältesten Geschwister, werden mit William, Diana und Bernadette nach Schottland geschickt. Sie sollen Zuflucht bei ihrem Großvater suchen, damit sie nicht in London zugrunde gehen. Der Plan der Mutter wäre eigentlich ganz gut gewesen, gäbe es da nicht ein kleines Problem. Die Kinder kennen von ihrem Großvater nur den Namen, sind ihm noch nie begegnet und, wohl das größte Problem, er weiß nicht, was da auf ihn zukommt.

Finn O´Brian ist völlig ahnungslos, als seine Enkel in Kirkcaldy ankommen und sich auf dem Markt nach ihm erkundigen. Die Angst vor dem Ungewissen und die große Sorge um den kranken Vater nagen an den Kindern und ihre Hoffnung auf ein besseres Leben in Schottland erhält einen ersten Dämpfer, als sie schließlich eine Ruine erreichen, die man ihnen als Wohnort ihres Großvaters beschrieben hatte. Unbewohnt und verwittert macht sie nicht gerade einen vertrauenswürdigen Eindruck… Ebenso wenig wie die Warnungen der Dorfbewohner, es würde dort auch noch spuken.

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala – Auf den Spuren Smaugs

Und dann geschieht das Wunderbare. Finn O´Brian empfängt seine Enkelkinder in aller Wärme und Zuneigung. Die Ruine entpuppt sich als wahres Zauberschloss, denn einmal durch die Pforte hindurch öffnen sich Hallen und Säle, die so prachtvoll sind, wie man sie sich in einem Märchenschloss nur vorstellen kann. Und die Kinder werden nach Strich und Faden verwöhnt. Ein Traum wird für die fünf jungen O´Brians wahr.

Jedes der Kinder erhält ein traumhaftes eigenes Zimmer, fast einen kleinen Palast, in dem die allergrößten Wünsche wahr werden. Ein Piratenzimmer, einen Elfenhain, einen Jahrmarkt der wundervollen Spielsachen und eine Bibliothek mit einer verwunschenen Eule. Für alles ist gesorgt. Abenteuer, Spiel, Ablenkung und ein sorgenfreies Leben. Nur für einen O´Brian scheint kein Traum in Erfüllung zu gehen. Ausgerechnet der ängstliche William findet lediglich ein karges Zimmer vor, das so viel Ähnlichkeit mit seinem Zuhause in London hat.

Er hat all seine Kraft zum Träumen verloren. Ihm fallen keine Wünsche mehr ein. Nur seinen geliebten Vater möchte er gesund wiedersehen. Und so beginnt er enttäuscht und alleine seinen Streifzug durch das Traumschloss seines Großvaters. Es kommt, wie es kommen muss. William verirrt sich und findet im Kellergewölbe einen riesigen Spiegel vor, der plötzlich zu ihm spricht. Nur aus den Augenwinkeln heraus erkennt er einen riesigen Drachen, der im Spiegel gefangen scheint und einen Satz sagt, der alles verändert:

„Ich bin in Wirklichkeit dein Großvater. Ich bin Finn O´Brian!“

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Genau an diesem Punkt der Geschichte entwickelt Ivo Pala einen kindgerechten Kosmos der Fantasie, der jeden Leser gefangen nimmt. Man beginnt zu zweifeln und zu hinterfragen. Wir folgen den fünf Geschwistern atemlos auf ihrer abenteuerlichen Reise zu ihren Wurzeln und den Geheimnissen ihres Großvaters und des mysteriösen Drachens. Wem darf man glauben, wem sich anvertrauen, wer sagt die Wahrheit? Ivo Pala schreibt komplex und doch so eindringlich nachvollziehbar in einem Stil, der vorgelesen, vorlesend und selbst gelesen immer tiefer in die Geschichte zieht.

Dabei entsteht ein Kopfkino, das so einzigartig ist, dass es einfach skizziert werden musste. Die Idee war sehr schnell geboren und die wundervollen Kids des Kinderheims St. Alban und Peggy Steike erfüllten diesen Gedanken mit Leben. Eine Lesenacht mit „Der Drache hinter dem Spiegel“, Malutensilien und die Vorgabe „Hört einfach zu und malt, was euch gerade in den Sinn kommt“. Andächtiges Zuhören und das Kratzen von Buntstiften auf Leinwand. Wilde Striche und filigranes Skizzieren. Und als wir eine erste Pause machten, wollten wir unseren Augen kaum trauen.

Die fantastischen Kinderzimmer der O´Brians hatten ihre Spuren hinterlassen. Die Elfen, eine Bibliothek mit der großen Eule, das Piratenschiff, der Spiegel im Kellergewölbe und Drachen über Drachen hatten ihre Wege auf die Leinwände der Kinder gefunden. Und dabei waren sie hochkonzentriert in der Geschichte. Aufmerksam und wild spekulierend, wer denn nun der wahre Großvater sei. Und ganz nebenbei blieb auch noch Zeit für die ganz individuellen Wunschzimmer voller Rennautos und Bäume. Diesen Moment hätte ich Ivo Pala gerne vor Ort gegönnt. Seine Fantasie hat hier einen hochexplosiven Treibsatz der Imagination gezündet.

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Einen modernen und vielseitigen Autor, der inhaltlich und stilistisch auf den Spuren von J.R.R. Tolkien wandelt und es dabei vermag, Leser fast jeden Alters in seinen Bann zu ziehen, findet man nicht alle Tage. Der Drache hinter dem Spiegel ist ein zeitloses Märchen mit tiefer Botschaft, unbändiger Abenteuerlust und voller Bilder, die das Kopfkino zu einer unvergesslichen Vorstellung des Geistes werden lassen. Ivo Pala schreibt in die Herzen von Jungs und Mädchen.

Er lässt sich nicht in eine Form pressen, weil seine Geschichten selbst die Formen sprengen. Und er erlaubt sich erzählend Ausflüge in alle wesentlichen Mysterien unseres Lesens. Von Stonehenge, über Elfen, von der brennenden Bibliothek von Alexandria bis hin zum geheimnisvollen El Dorado. An seiner Seite reisen und erleben wir. Fühlen, sehen und verstehen. Dabei überfordert er nicht, gibt aber Raum für viele Fragen, die nach dem gemeinsamen Lesen am großen Tisch der Generationen diskutiert werden dürfen. Eine Meisterleistung.

Und doch darf man nie vergessen, wo wir dieses Buch vorgestellt und gemeinsam gelesen haben, wo wir uns befanden, als die kleinen Kunstwerke entstanden. Man darf nicht vergessen, wie die Kinder eines solch liebevoll geführten Kinderheimes empfinden, wenn sie eine solch fantastische Geschichte miterleben dürfen. Die Frage eines der ganz Kleinen am Ende der Lesenacht ist lange in unseren Herzen geblieben:

„Habe ich auch so etwas? Einen Großvater?“

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Bald mehr aus dem Kinderheim St. Alban. Die Lesenacht für die Großen; der Zebrawald; eine ganz besondere Lese-Challenge für Mr. Rail und viele emotionale Momente…

Ich mache genau an dieser Stelle weiter, danke „meinen“ Verlagen, Autoren, den Verantwortlichen des Kinderheims, Schwester Anna, Peggy und ganz besonders Euch… den Kids von St. Alban!

Eine Lesenach um kinderheim St. Alban - Ivo Pala "Der Drache hinter dem Spiegel"

Eine Lesenacht im Kinderheim St. Alban – Ivo Pala „Der Drache hinter dem Spiegel“