AVUS 100 – Ein rasantes Jahrhundert – DER BILDBAND

AVUS 100 - Ein rasantes Jahrhundert - DER BILDBAND - Astrolibrium

AVUS 100 – Ein rasantes Jahrhundert – DER BILDBAND

AVUS 100 – Ein rasantes Jahrhundert

Ist es anachronistisch, im Jahrhundert der Elektro-Mobilität und des autonomen Fahrens auf die Geschichte einer Rennstrecke zurückzublicken, die von 1921 bis 1998 im Zeichen PS-starker Boliden stand? Ist es zeitgemäß, dieser Rennstrecke erneut den Nimbus der Unsterblichkeit zu verleihen und sie für ihr eigenes Jahrhundert im Wandel der Zeit zu feiern? Ist es korrekt, dies in einer Zeit zu tun, in der Fridays for Future die Welt bewegen und der Berliner Senat deutlich signalisiert, dass er an einer Ausstellung zum Jubiläum kein Interesse hat? Gibt es Zukunft ohne Geschichte? Sind die heutigen Prototypen einer schadstofffreien Zukunft denkbar ohne die vermeintlichen historischen „Dreckschleudern“ aus den Pionierzeiten des Rennsportes?

Was geht in uns vor, wenn wir den Begriff Silberpfeil hören? Was löst der Begriff „AVUS“ in uns aus? Und was würde uns verloren gehen, wenn diese magischen und in jeder Hinsicht zeitlosen Zauberwörter in Vergessenheit geraten würden? Diesen und vielen anderen Fragen widmeten sich Ulf Schulz und Sven Wedemeyer. Ihnen ist es zu verdanken, dass der AVUS (eigentlich Automobil- Verkehrs- und Übungsstraße) im Südwesten Berlins ein literarisch und optisch opulentes Denkmal gewidmet wurde. Sie haben die Geschichte einer Legende selbst in die Hand genommen, und mit dem liebevollen Blick in den Rückspiegel der Vergangenheit den Blick in die mobile Zukunft ermöglicht.

GlockenbachWelle - Bildbände, die Bände sprechen - Prestel Verlag - Astrolibrium

GlockenbachWelle – Bildbände, die Bände sprechen – Prestel Verlag

AVUS – ein rasantes Jahrhundert – DER Bildband erschienen im Prestel Verlag

288 Seiten
30 cm breit – 24 cm hoch
400 farbige Abbildungen
Ein Bildband, wie er im Buche steht…

AVUS 100 - Ein rasantes Jahrhundert - DER BILDBAND - Astrolibrium

AVUS 100 – Ein rasantes Jahrhundert – DER BILDBAND

Die Geschichte der AVUS stand im Mittelpunkt unserer fünften Glockenbachwelle. Wir sprachen über die Besonderheiten von Bildbänden in der heutigen Zeit, über das Wagnis solche hochwertigen und oft großformatigen Bücher zu verlegen, über die Risiken für den Buchhandel, diese Buchkunstwerke auf Büchertischen zu präsentieren und über vieles mehr rund um diese besondere Bücherwelt. Über den PodCast hinaus möchte ich an dieser Stelle einige Impressionen und Gedanken in die Welt setzen, die mich mit diesem Buch verbinden, und die im Radio-PodCast nicht thematisiert wurden. Mein Lesen begann schon lange vor dem Treffen in der Glockenbachbuchhandlung. Und so begann auch meine Recherche auf eine sehr persönliche Art und Weise….

Ich sprach im Vorfeld der Aufnahme lange mit Ulf Schulz. Er ist Enthusiast, Experte, Aficionado und AVUS-Infizierter von Kindesbeinen an. Seine Begeisterung trägt dieses Buchprojekt stellvertretend für das gesamte Team, das an diesem Jahrhundert-Bildband beteiligt war. Es gelingt den Autoren, ihr Werk nicht zu überfrachten, wobei man ständig das Gefühl hat, dass es doch so verlockend gewesen wäre, noch viel mehr zu erzählen und zu zeigen. Die konzentrierte Bescheidenheit und Fokussierung auf Wesentliches ist ein wesentlicher Erfolgsgarant des monumentalen Bildbandes. Hier ufert nichts aus. Es sind 100 Jahre, die von den Autoren an Momenten, Menschen, Rahmenbedingungen, Zeitströmungen und kulturellen Begleiterscheinungen festgemacht werden, sodass hier kein reines Rennsportbuch vorliegt, sondern ein zeitgeschichtlich relevantes Dokument über eine Legende, die heute im Stadtbild von Berlin kaum noch zu erkennen ist.

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AVUS 100 – Ein rasantes Jahrhundert – DER BILDBAND

Dieses Buch hat in meinem Leben angedockt. Ich bin ein Kind des Nürburgrings. Mein Großvater sah die Silberpfeile und Stromlienrennwagen live auf der Strecke. Ich sammle seit frühester Kindheit Automodelle und nun ahne ich, dass es einen guten und literarischen Grund für diese Leidenschaft gab. Bin ich doch tatsächlich heute im Besitz ausgerechnet der Modelle, die auf dem Titelbild des Bildbandes zu sehen sind. Es war ein grandioses Gefühl, für diese Artikelbilder in meine Modellwelten einzutauchen und einen Bildband in Szene zu setzen, der ja eigentlich selbst eigene Geschichte in Szene setzt. Und wie ihm dies gelingt! Hier finden wahre Leidenschaften zusammen, nicht nur in optischer Hinsicht. Ich mag es, wenn ein Mythos zum Buch wird, die Autoren jedoch nicht sich selbst, sondern den Betrachtungsgegenstand wichtig nehmen. Nur so gelingt der Transfer, den man beabsichtigt. Die Tür zur Zukunft wird aufgestoßen, ohne jedoch mit der Tür ins Haus zu fallen oder sie lose in der Hand zu halten, weil die Verankerung in die Vergangenheit fehlt.

„AVUS 100 – Ein rasantes Jahrhundert“ ist ein Scharnier in die Zukunft. Teil einer Welt, die irgendwann nicht mehr nach Diesel oder Benzin riecht. Teil einer Welt, in der jedoch die Boliden und Traditions-Rennstrecken, die Pioniere des Autorennsports, die Entwickler der neuen Technologien, die es in die Serienproduktion geschafft haben, im kollektiven Gedächtnis einer Gesellschaft verankert sind, die sich zukunftsfähig nennt. Diese Botschaft transportiert „AVUS 100“ in seinen durchgehend starken Impressionen und Geschichten. Dabei ist dieses Buch in vielfacher Hinsicht ein absoluter Meilenstein. Es ist in Design und Ausstattung einzigartig. Moderne Illustrationen längst nostalgischer Boliden, Menschen, die diesen Sport und die Strecke prägten, die Bedeutung der AVUS für das eingeschlossene Westberlin, die waghalsige Steilkurve, die im Laufe der Jahre so viele Opfer forderte und waghalsige Frauen, die schon früh zeigten, dass Rennsport alles ist, nur keine Männersache (echte Bahnbrecherinnen) prägen den Prachtband

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AVUS 100 – Ein rasantes Jahrhundert – DER BILDBAND

Jetzt ist die Grande Dame der Autorennstrecken also 100 Jahre alt. Enthusiasten aus aller Welt feiern sie rückblickend und als Symbol eines Aufbruchs. Man kann sich diesem Jubiläum in Einbeck annähern. Die Sonderausstellung „AVUS 100“ im PS. Speicher ist immer eine Reise wert. Ihr liegt der Bildband zugrunde. Wer also nicht im realen Leben verreisen mag oder kann, der hat im Buch die perfekte Alternative, völlig autonom und schadstoffarm in die Vergangenheit zu rasen, die legendäre Steilkurve in höchstem Tempo hinter sich zu lassen, die verfallenen Tribünen zu passieren und bei einem ausgiebigen Boxenstopp den neuesten Klatsch und Tratsch von der Strecke zu erfahren. Die Fotos und Illustrationen von „Automobilist“ runden das Leseerlebnis in jeder Beziehung ab. Gentlemen und Gentle-Ladies, start your engines. Die AVUS lebt in diesem Buch weiter. Wir sind froh, mit unserer GlockenbachWelle Teil dieser Geschichte zu sein.

Last but not least: Die GlockenbachWelle goes Buchmesse. Alle Informationen zu unserem Messeauftritt vom 20. bis 24. Oktober am Bayernstand von XPLR-Media in Bavaria, in Kooperation mit dem Börsenverein des Buchhandels, Landesverband Bayern und der Bayerischen Staatskanzlei erfahren Sie auf unseren Social-Media-Kanälen, insbesondere auf Instagram. Wir sehen uns in Halle 3.1 Stand D 11.

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AVUS 100 – Ein rasantes Jahrhundert – DER BILDBAND

Wir sind besonders stolz, Teil dieser besonderen Überschrift zu sein: Frankfurter Buchmesse: 5 bayerische Erfolgsstories, die Du nicht verpassen darfst. Und wir haben „AVUS 100“ bei uns am Stand. Am Buchmesse-Sonntag habt Ihr als Gäste der Frankfurter Buchmesse die Chance, diesen grandiosen Bildband bei uns vor Ort zu gewinnen. Wir halten Euch auf unseren Kanälen auf dem Laufenden, wie und wann. Bleibt am Ball…

UPDATE: Der Gewinner war der jüngste AVUS-Fan an unserem Stand. Mehr dazu auf Instagram… Jetzt ist das Buch wirklich ein Scharnier in die Zukunft, weil die Jugend der AVUS gewogen bleibt…

GlockenbachWelle - Bildbände, die Bände sprechen - Prestel Verlag - Astrolibrium

GlockenbachWelle – Bildbände, die Bände sprechen – Prestel Verlag

Bayerischer Buchpreis 2021 – Meine Partnerbuchhandlung

Bayerischer Buchpreis 2021 – Meine Partnerbuchhandlung auch zu AVUS 100

GlockenbachWelle – Bildbände, die Bände sprechen

GlockenbachWelle - Bildbände, die Bände sprechen - Prestel Verlag - Astrolibrium

GlockenbachWelle – Bildbände, die Bände sprechen – Prestel Verlag

Wir sind wieder da, wo wir hingehören. In der Glockenbachbuchhandlung tief im Herzen Münchens und wir sind stolz darauf, besondere Bücher, illustre Gäste und ein paar Neuigkeiten präsentieren zu können, die weitere Wellenschläge verursachen.

Die fünfte GlockenbachWelle – Bildbände, die Bände sprechen

Eine Buchhändlerin, zwei Blogger:innen und der Prestel Verlag im Gespräch für Literatur Radio Hörbahn

Der Ort: Die Glockenbachbuchhandlung München
Die Runde: Pamela Scholz (Buchhändlerin), Steffi Sack (Nur Lesen ist schöner), Arndt Stroscher (AstroLibrium) mit Pia Werner und Claudia Stäuble vom Prestel Verlag in München

Unterstützt von der Inhaberin der Glockenbachbuchhandlung Petra Schulz.

GlockenbachWelle - Bildbände, die Bände sprechen - Prestel Verlag - Astrolibrium

GlockenbachWelle – Bildbände, die Bände sprechen – Prestel Verlag

Was dürfen Sie von diesem Bildband-Podcast erwarten?

Wir sprechen über die Besonderheiten von Bildbänden in der heutigen Zeit, über das Wagnis solche hochwertigen und oft großformatigen Bücher zu verlegen, über die Risiken für den Buchhandel, diese Buchkunstwerke auf Büchertischen zu präsentieren und über vieles mehr rund um diese besondere Bücherwelt.

Dann werden Steffi und ich zwei Bildbände aus dem Prestel Verlag vorstellen, die es uns in ganz besonderer Weise angetan haben. Mountain Girls und AVUS 100 – Ein rasantes Jahrhundert. Unterschiedlicher können Bücher und Zielgruppen kaum sein. Anschließend lassen wir uns auf ein gewagtes „Blinddate mit Bildband“ ein. Die beiden Verlagsdamen haben eine Bildband-Neuerscheinung in ihrem Gepäck, die wir erst bei der Aufnahme des Podcasts sehen werden. Es wird spannend, ob sie uns auch hier begeistern können…. Herzlich willkommen zu unserem Dialog.

Worauf Sie sich im Podcast freuen dürfen: 

  • Ein interessantes Gespräch über das Wesen von Bildbänden.
  • Persönliches von Pia Werner aus der Presseabteilung.
  • Erhellendes von Claudia Stäuble aus der Programmleitungsperspektive.
  • Was man so liest im Verlag, wenn man die eigenen Bücher nicht liest.
  • Der Versuch, eine Podcast-Gebärdensprache zu erfinden.
  • Mein Angebot, an einer besonderen Stelle in Zeitlupe weiterzusprechen.
  • Männerbücher, die keine reine Männersache sind.
  • Frauenbücher, die in jeder Beziehung ihren Mann stehen.
  • Steffi und die Mountain Girls – Ein Bildband-Gipfelsturm.
  • In der Steilkurve der AVUS mit Ulf Schulz, mit dem ich im Vorfeld ausführlich telefonieren konnte.
  • Bildband-Tipps und Hintergründiges zum Großformatigen von Pamela
  • Ein Blinddate mit Bildband, über das auch hier nichts verraten wird. Ein erster Link führt von Literatur Radio Hörbahn zur Buchseite beim Prestel Verlag.
  • Eine emotionale Einladung nach Frankfurt am Ende des Podcasts
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GlockenbachWelle – Bildbände, die Bände sprechen – Prestel Verlag

Besonders wertvoll ist erneut die Sichtweise von Buchhändlerin Pamela Scholz. Es sind nicht nur ihre Buchtipps, die das Bildband-Gespräch erweitern. Es sind Bücher, die in der Kette der vorgestellten Bildbände einfach empfohlen werden müssen.

Die Buchhändlerinnen-Tipps:

Wie Sie die Welt noch nie gesehen haben“ National Geographic
Der Atem der Berge“ – Bruckmann Verlag
Wilde Isar“ – Natur Bildband – Südbayern“ GDT 

Mehr Informationen finden Sie auf unseren Social-Media-Kanälen unter dem Hashtag #GlockenbachWelle und auf den Projektseiten der Wellenreiter:innen…

GlockenbachWelle - Bildbände, die Bände sprechen - Prestel Verlag - Astrolibrium

GlockenbachWelle – Bildbände, die Bände sprechen – Prestel Verlag

Hier geht`s zu unseren Projektseiten:
GlockenbachbuchhandlungNur Lesen ist schöner und AstroLibrium
sowie Literatur Radio Hörbahn
oder besuchen Sie den Prestel Verlag

Spätestens jetzt sollten Sie rasant in den Podcast starten…

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GlockenbachWelle – Bildbände, die Bände sprechen – Prestel Verlag

Last but not least: Die GlockenbachWelle goes Buchmesse. Alle Informationen  zu unserem Messeauftritt vom 20. bis 24. Oktober am Bayernstand von XPLR-Media in Bavaria, in Kooperation mit dem Börsenverein des Buchhandels, Landesverband Bayern und der Bayerischen Staatskanzlei erfahren Sie auf unseren Social-Media-Accounts, insbesondere auf Instagram. Wir sehen uns in Halle 3.1 Stand D 11.

Wir sind besonders stolz, Teil dieser besonderen Überschrift zu sein: Frankfurter Buchmesse: 5 bayerische Erfolgsstories, die Du nicht verpassen darfst. Und ganz nebenbei sind wir für den Bayerischen Buchpreis am Start. Am selben Stand.

Zur Rezension von „AVUS 100 – Ein rasantes Jahrhundert“ geht´s hier entlang.

GlockenbachWelle bei Literatur Radio Hörbahn - Astrolibrium

Die GlockenbachWelle bei Literatur Radio Hörbahn – Ein Klick genügt…

Ich habe einen schönen Specht gesehen – Michal Skibinski

Ich habe einen schönen Specht gesehen - Michal Skibinski - Astrolibrium

Ich habe einen schönen Specht gesehen – Michal Skibinski

„Ich war damals acht Jahre alt.
Die Ferien über habe ich täglich
einen Satz in mein Heft geschrieben,
eine Sache, die ich erlebt habe.
Das war meine Aufgabe, damit ich
in die 2. Klasse versetzt werden konnte. 
Das Heft habe ich immer noch.“

Michal Skibinski

Solche und ähnliche Aufgaben kennen wir vielleicht aus unserer Schulzeit. Nennt es Nachhilfe oder Nachsitzen. Egal, es kann ja nicht so schwer sein, ein paar Dinge zu Papier zu bringen, die sich in den Ferien ereignen. Für einen Erstklässler kein Problem. Das dachte sich der achtjährige Michal Skibinski auch, als er damit begann, die kleine Welt zu beschreiben, die in den großen Ferien auf ihn wartete. Und außerdem war die Belohnung sicherlich motivierend für den kleinen Kerl. Also frisch ans Werk. Er beginnt sein Tagebuch der kurzen Sätze, die eigentlich gar nicht für ihn bestimmt sind, sondern zu Beginn des nächsten Schuljahres von einem Lehrer gesichtet würden. Ob sie dabei helfen würden, ihn in eine neue Klasse zu bringen…?

Ich habe einen schönen Specht gesehen - Michal Skibinski - Astrolibrium

Ich habe einen schönen Specht gesehen – Michal Skibinski

15.07. Ich war mit meinem Bruder und dem Kindermädchen am Bach.
16.07. Ich war in der Kirche.
17.07. Ein kleines Mädchen ist in die Pension gekommen, in der ich wohne.
18.07. Ich war mit meinem Freund im Wald.

Michal Skibinski schreibt schlicht, authentisch und kein Wort zuviel. Da ist er wohl wie die Schüler überall auf der Welt. Und doch liest man sich gut gelaunt in den Juli an seiner Seite hinein. Es klingt nach einer behüteten Kindheit und wie so viele Ferien, die wir vielleicht selbst erlebt haben. Wir spazieren mit Michal durch die Natur. Begleitet nur von seiner Großmutter, dem eigenen Bruder, einem Kindermädchen oder seiner Mutter. Alles fühlt sich gut an, es sind nur ein Gewitter und ein Stromausfall, die den Alltag zum Abenteuer werden lassen. Und es ist ein sonniger Julitag, der diesem Buch den Namen gibt.

28.07. Ich habe einen schönen Specht gesehen.

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Ich habe einen schönen Specht gesehen – Michal Skibinski

Ein wundervolles Buch. Mit brillanten Landschaftszeichnungen illustriert von Ala Bankroft. Jeder Doppelseite gehört ein Satz aus der Feder des achtjährigen Schülers. Unterbrochen nur von den Originalseiten aus dem Heft von Michal Skibinski. Doch was will uns dieses Buch sagen? Welche Botschaften trägt es zu uns? Nein, es ist nicht die Naivität eines Schuljungen, die uns hier zeitlos begeistern soll. Es ist unser Wissen um die Geschichte, das aus einem schönen Sommer und ein paar warmen Ferientagen im Kreise einer Familie den Abgesang auf ein normales Leben macht. Wir müssen nur die beiden wesentlichen Informationen hinzufügen, um die Sätze von Michal Skibinski im Kontext der Weltgeschichte richtig werten zu können. Ort und Zeit. 

Wir befinden uns im letzten Sommer vor dem Zweiten Weltkrieg. Wir sind in Polen. Wir schreiben das Jahr 1939. Die Schule wird nach diesen Ferien wohl nicht beginnen. Am 1. September wird die Wehrmacht das Land überfallen. In wenigen Tagen bricht die heile Welt von Michal Skibinski in sich zusammen. In wenigen Tagen werden sich alle Sätze aus seiner kindlich naiven Schülerfeder verändern. Und mit diesem Heft der ganz kleinen und einfachen Sätze macht er uns zu Zeitzeugen eines Kriegsausbruchs…

01.09.1939 Der Krieg hat begonnen.
02.09.1939 Ich bin in Milanówek angekommen.
03.09.1939 Ich habe mich vor den Flugzeugen versteckt.

06.09.1939 Sie haben in der Nähe eine Bombe abgeworfen…

Ich habe einen schönen Specht gesehen - Michal Skibinski - Astrolibrium

Ich habe einen schönen Specht gesehen – Michal Skibinski

Zwischen den Zeilen erleben wir eine Flucht, hören den Gefechtslärm, erleben die Wucht der Gerüchte aus den Nachrichten und sehen seine Familie, die versucht, sich in den Wirren des Krieges wiederzufinden. Die vormals strahlend blauen Illustrationen von Ala Bankroft werden zunehmend dunkler, bedrohend und apokalyptisch. Wort und Bild beginnen jetzt im Krieg Hand in Hand zu gehen. Keine Spechte mehr, keine Sonne. Es brennt. Es raucht. Und Michal schreibt weiter, als würde er immer noch hoffen, bald wieder in die Schule gehen zu können… Vergebens, wie wir heute wissen. Der Krieg ist nicht mehr zu stoppen…

Dieses reichhaltig illustrierte Buch der kleinen gewichtigen Sätze ist für mich kein Bilderbuch im klassischen Sinne. Es ist ein Hybrid-Bildband gegen das Vergessen, in dem wir zu Zeugen der Unvorhersehbarkeit von Politik und Geschichte werden, und in der Naivität des kleinen Jungen die eigene Gedankenlosigkeit gespiegelt sehen. Es ist die Welt der Erwachsenen, die eine Kindheit beendet. Es sind Kriege und Krisen, die in vielen Jahren ihre psychischen Nachwirkungen bei Kindern zeigen. Auch heute ist es in vielen Ländern fraglich, ob die Schulen nach den Ferien wieder beginnen. Vielleicht ist in genau diesem Moment ein Schulkind dabei, seine tiefen Gedanken in einem kleinen Heft für uns festzuhalten. Dieses Buch eignet sich besonders, um es mit Schulkindern zu entdecken. Es ist auch ein Buch der Hoffnung, da es zwar am 15. September 1939 endet. Nicht jedoch das Leben von Michal Skibinski. Er lebt und schließt einen Kreis, den er vor mehr als achtzig Jahren geöffnet hat. Prädikat besonders wertvoll…  

Ich habe einen schönen Specht gesehen - Michal Skibinski - Astrolibrium

Ich habe einen schönen Specht gesehen – Michal Skibinski

Weitere Bücher zu meinem Zyklus „Gegen das Vergessen“ finden Sie hier…

Ich habe einen schönen Specht gesehen - Michal Skibinski

Ich habe einen schönen Specht gesehen – Gegen das Vergessen bei AstroLibrium

Expedition Arktis von Esther Horvath

Expedition Arktis von Esther Horvath - Astrolibrium

Expedition Arktis von Esther Horvath

Polarliebe – Leidenschaftliche Briefe und Geschichten aus dem ewigen Eis“ von Sigri Sandberg und Anders Bache (Mare) war gerade gelesen und rezensiert, da erreichte mich ein schweres Buchpaket aus dem Prestel Verlag. „Expedition Arktis. Die größte Forschungsreise aller Zeiten“ von Esther Horvath schloss einen Kreis, der fortan Polarliebe und Polarstern miteinander verbinden sollte. Und so möchte ich die Forschungsreise dieses Hightech-Forschungs-Eisbrechers mit den letzten Worten einleiten, die aus der Polarliebe-Rezension in diese Buchvorstellung überleiten sollten:

Expedition Arktis von Esther Horvath - Astrolibrium

Expedition Arktis von Esther Horvath und Polarliebe

Meine Reise endet nicht hier. Am Tag, als ich die Polarliebe beendete, kehrte die „Polarstern“ in den Heimathafen Bremerhaven zurück. Die größte Polarexpedition aller Zeiten hatte sich nicht dem Entdecken von neuen Territorien verschrieben. Es war der Klimawandel, den man erforschen wollte. Und nun schließen sich erneut Kreise in meinem Lesen. Die Polarstern ließ sich im Packeis der Arktis festfrieren, um mit dem Eis zu driften. Ein Jahr lang. Mitten hinein ins Epizentrum der Klimakatastrophe. Auf der gleichen Route eines Fridtjof Nansen und seiner Fram. Nach „Polarliebe“ liegt es auf der Hand, auch der Polarstern zu folgen.

Es kann kein Zufall sein, dass genau jetzt Expedition Arktis von Esther Horvath erschienen ist. Der wissenschaftlich geprägte Bildband der preisgekrönten Fotografin (Mit ihrem Eisbärenfoto aus der Arktis hat Esther Horvath den 2020 World Press Photo Award gewonnen) wird um die Sichtweisen der Expeditionsteilnehmer, Wissenschaftler und weiterer renommierter Experten ergänzt und somit zu einem Expeditionsbericht der ganz besonderen Art.  Ich bin dem Prestel Verlag unglaublich dankbar, dass mich das Buch so schnell erreicht hat. Ich drifte jetzt davon. Aber niemals ab. Bis gleich an Bord der Polarstern.

Expedition Arktis von Esther Horvath - Astrolibrium

Expedition Arktis von Esther Horvath

Mehr als hundert Jahre nach Fridtjof Nansen, ist es nicht mehr die Polarliebe, die uns zum Nordpol treibt. Es ist nicht mehr Abenteuerlust oder der Wunsch, den Nordpol als erster Mensch zu betreten. Es sind nun die Sorgen um das Weltklima und die Angst vor den Folgen einer globalen Erwärmung, denen man in der Polarregion auf die Spur gehen will. Doch wie könnte es gelingen, dort über den Zeitraum eines ganzen Jahres, wissenschaftliche Daten zu erheben, um zu neuen Ergebnissen zu gelangen? Es war Fridtjof Nansen, der mit der Fram gezeigt hatte, wie der wissenschaftliche Husarenritt gelingen kann. Drift, lautet das Zauberwort. Sich mit dem Schiff auf einer Eisscholle im arktischen Strom festfrieren lassen und sich so ein Jahr lang mit dem Packeis treiben lassen. Was gewagt und gefährlich klingt, hat heute einen Namen. „Polarstern“. Der Forschungs-Eisbrecher ist das Herzstück der MOSAIC-Expedition (Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate), einem Driftobservatorium zur Untersuchung des Arktisklimas, das sich nach langer Vorbereitungszeit im September 2019 auf den Weg ins ewige Eis begab.

Heute jedoch ist eine solche Forschungsexpedition nicht mehr im Alleingang zu bewältigen. 82 internationale Institute, Begleitschiffe, Flugzeuge und Hubschrauber, die feste Crew der Polarstern und hunderte von Wissenschaftlern, die sich abwechselnd in das Abenteuer stürzten, zeigen, welcher Aufwand hier betrieben wurde, um das Klima und seine Wechselwirkungen im Epizentrum des Klimawandels zu erforschen. Es war eine logistische Meisterleistung, ein Kunststück der Navigation, die Teamleistung einer eigentlich heterogenen Forschungsgemeinschaft und ein einzigartiges Erlebnis für die Teilnehmer der „größten Forschungsreise aller Zeiten„. Der großformatige Bildband „Expedition Arktis“ gibt uns die Möglichkeit, zum Teil der Besatzung zu werden. Hier haben wir die Chance, nicht nur zu lesen oder Ergebnisse zu analysieren. Wir dürfen an Bord der Polarstern gehen, weil die Expeditionsfotografin Esther Horvath es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihre Augen zu unseren Augen zu machen. Durch sie, durch ihre Kamera und durch ihr Talent, mit ihren Fotografien Geschichten zu erzählen, hat diese Expedition jegliche Distanz verloren. Näher waren wir der Arktis nie zuvor.

Expedition Arktis von Esther Horvath - Astrolibrium

Expedition Arktis von Esther Horvath

288 Seiten, Format: 24 cm (b) x 30 cm (h), 160 farbige Abbildungen (viele davon doppelseitig), Fakten basierte Informationen, Impressionen des Alltags auf dem Eis und an Bord, Kommentare der Crew und von Wissenschaftlern, ein Exkurs zum „Paten“ der Expedition, Fridtjof Nansen und das ausführliche Interview mit Esther Horvath, der Expeditionsfotografin. So könnte man das Buch „Expedition Arktis“ skizzieren. Aber das reicht nicht aus, um seine Wirkung zu beschreiben. Im hoch informativen Textteil zu klimatischen Veränderungen erhält man einen tiefen, und doch leicht verständlichen, Einblick in die dramatischen Veränderungen, auf die man während der einjährigen Reise gestoßen ist. Kipppunkte verlieren ihren rein abstrakten Charakter. Das ewige Eis, seine Qualität, sein Alter und seine Beschaffenheit erhalten besondere Bedeutung. Wir beginnen zu verstehen, dass es sich hier augenscheinlich nicht mehr um eine dauerhaft geschlossene Eisdecke handelt. Das muss man gesehen haben. Das muss man begreifen. Den Zugang zum Sehen und Begreifen findet man in diesem Bildband, der den Betrachter und Leser nicht mehr loslässt.

Hier erhält man einen lebendigen Einblick in die erheblichen Anstrengungen, die man aufbringen musste, um die Zukunft unserer Erde wissenschaftlich zu analysieren. Es sind die kleinen Geschichten an Bord der Polarstern, die uns verstehen lernen, was die Menschen der Expedition antreibt. Es sind Gefühle, die wir aufsaugen, damit wir in aller Klarheit begreifen, wie endlich die Schönheit der Arktis ist. Es ist eine Eisscholle, die zur unsicheren Heimat wird, es sind die Suchscheinwerfer der Polarstern, die dem Namen des Eisbrechers alle Ehre machen, es sind die Eisbärenwächter, ohne die man keinen Schritt wagen kann und es sind magische Momente auf dem Eis, die zeigen, in welcher Gefahr nicht nur wir sind. Eisbären auf der Suche nach Lebensraum und auf der Flucht vor der schmelzenden Lebensgrundlage. Eindringlich fotografiert von einer Fotografin, die viel mehr ist, als es die Berufsbezeichnung vermuten lässt.

Expedition Arktis von Esther Horvath - Astrolibrium

Expedition Arktis von Esther Horvath

Esther Horvath erzählt uns die Geschichte der Expedition mit ihren Fotografien. Sie sind nicht in Szene gesetzt, nicht inszeniert, es sind keine Schnappschüsse oder nebenbei entstandene Impressionen. Esther Horvath war die Bilderzählerin an Bord der Polarstern. Wie die Eisbärenwächter hat sie mit ihrer Kamera über die Menschen gewacht, die auf dem Eis arbeiteten und an Bord lebten. Sie wartete immer auf genau den einen Moment, in dem aus der Aufnahme eine Geschichte wurde. Mit gefrorenen Fingern den Auslöser zu betätigen und dann zu wissen, was man festgehalten hat, ist ihre Passion. Man spürt den Fotos an, wie sehr ihr die Menschen vertraut haben. Sie legt Zeugnis für sie ab. Und das spürt man. Manche Bilder wirken, als seien sie heilig. Das Interview mit Esther Horvath, deren Eisbären-Foto Weltruhm erlangt hat, muss man gelesen haben, um das Wunder dieser Bilder gänzlich fassen zu können.

Ein Gesamtkunstwerk, in dem die Fotografin vielleicht zugleich Abschied nimmt vom ewigen Eis. Man habe dem Eis beim Sterben zuschauen können. Eine Botschaft, die niemanden kalt lassen kann, weil das Eis seine schützende Funktion immer mehr einzubüßen droht. Gerade deshalb auch ein Bildband, den man mit Kindern betrachten sollte. Später kommt dann das Textverständnis dazu. Aber zuerst kann das Abenteuer faszinieren und Interesse dafür wecken, warum man sich für die Rettung der Umwelt engagiert. Ich liebe dieses Buch. Ich liebe die Reminiszenz an Nansen, der auch auf der Polarstern omnipräsent war. Man achte nur auf das Foto auf dem Tischchen in der Messe. Ich mag den Facettenreichtum der Expeditionsgeschichte. Der Gedanke, wie sich die Forscher fühlten, nach einem Jahr der Eisquarantäne wieder einen Kontinent zu betreten, der von Corona und tatsächlicher Quarantäne verändert war, hat mich im Herzen berührt. Diese Perspektivwechsel gelingen nur im Flutlicht einer ewigen Nacht auf ewigem Eis. Dieses Buch ist der Polarstern der wissenschaftlichen Bildbände.

Expedition Arktis von Esther Horvath - Astrolibrium

Expedition Arktis von Esther Horvath

Morgen unbedingt anschauen:

Der Tag für die Veröffentlichung dieser Rezension ist bewusst gewählt. Am 16.11. wird die High-End-Dokumentation „Expedition Arktis“ in der ARD ausgestrahlt. Schaut euch die Doku unbedingt an, sie wird anschließend in der Mediathek zu sehen sein, und dann könnt ihr euch die größte Forschungsreise aller Zeiten als Bildband ins Bücherregal eures Lebens holen. Polarliebe und Polarstern. Literatur zum Fest.

Hier geht´s zum Logbuch des Expeditionsleiters: Markus Rex – Eingefroren am Nordpol“ – Eine andere Sicht auf die Expedition.

Eingefroren am Nordpol von Markus Rex - AstroLibrium

Eingefroren am Nordpol von Markus Rex

Else Lasker-Schüler und Franz Marc – Eine Brieffreundschaft

Else Lasker-Schüler und Franz Marc - Eine Freundschaft in Briefen

Else Lasker-Schüler und Franz Marc – Eine Freundschaft in Briefen

Dies ist die Geschichte einer ganz besonderen Beziehung, die alles war, nur keine Beziehung im klassischen Sinne. Es war keine Liaison, keine Liebesgeschichte und es war mit Sicherheit keine Verbindung, die auf Lust, Anziehungskraft oder Leidenschaft in sexueller Hinsicht beruhte. Es war viel mehr. Ich schreibe hier über zwei Menschen, die einander viel zu schreiben hatten. Zwei Künstler, die in ihrer Zeit gleichwohl verehrt, als auch verachtet wurden. Eine Schriftstellerin und einen Maler, deren Lebenswege durch eine außerordentliche gegenseitige Zuneigung miteinander verwoben waren. (Hören)

Eine Freundschaft in Briefen und Bildern – Diesen Artikel können Sie hören…

Else Lasker-Schüler und Franz Marc

Sie, die mäßig erfolgreiche aber sprachgewaltige deutsch-jüdische Autorin, deren avantgardistische und expressionistische Texte im frühen zwanzigsten Jahrhundert für den traditionellen Leser einen Quantensprung in der Literatur darstellten. Ihre Sprache polarisierte, Ihre Texte ließen sich nur schwer veröffentlichen und bei aller Leidenschaft für das geschriebene Wort war es ihr fast unmöglich, sich eigenständig über Wasser zu halten. Else Lasker-Schüler.

Else Lasker-Schüler und Franz Marc - Eine Freundschaft in Briefen

Else Lasker-Schüler und Franz Marc – Eine Freundschaft in Briefen

Er, der Maler, der versuchte die Grenzen des Gegenständlichen zu sprengen, sich von Zwängen der traditionellen Malerei zu lösen und sein Heil in der Flucht suchte und eine ganz eigene Blaue Welt erschuf, in der Formen und Farben dominierten, sich aber niemals gänzlich vom Dargestellten lösten. Auch er polarisierte, wurde von der Kritik in der Luft zerrissen und doch kämpfte er nicht jenen einsamen Kampf einer Else Lasker- Schüler. Er scharte Gleichgesinnte um sich und erhob seinen Kunststil zur Stilrichtung. Er war Mitbegründer des „Blauen Reiters“ und nichts steht so sehr für sein Schaffen, wie das Blaue Pferd das im Münchner Lenbachhaus zu bestaunen ist. Franz Marc.

Die Kunst vereinte die beiden kreativen Geister. Wie sollte es auch anders sein? Franz Marc wurde von Versöhnung, einem Gedicht Else Lasker-Schülers, inspiriert. Er illustrierte es als Holzschnitt und bat sie indirekt darum, es als Versuch anzusehen, ihre Worte zu verbildlichen. Ihre Antwort muss den guten Franz Marc tief ins Mark getroffen haben, denn Else schrieb nicht im Klartext, sondern in einer eigenen poetisch-lyrischen Anwandlung, die einen Briefwechsel in Gang setzte, der auch aus heutiger Sicht zu den wohl künstlerischsten Dialogen gezählt werden muss, die je zwischen einem Maler und einer Dichterin geführt wurden.

„Ich bin Jussuf, Prinz von Theben“… so stellte SIE sich IHM vor. „Sind sie auch so schmerzlich verloren wie ich?“

Else Lasker-Schüler und Franz Marc - Eine Freundschaft in Briefen

Else Lasker-Schüler und Franz Marc – Eine Freundschaft in Briefen

Heute würden wir das vielleicht Rollenspiel nennen. Heute wirkt dieser Dialog fremd und unwirklich, in der Zeit des künstlerischen Aufbruchs jedoch fanden zwei Suchende zueinander und in ihren jeweiligen Antworten die Entsprechung der eigenen Sehnsucht. Franz Marc antwortete auf seine Weise. Er schrieb Postkarten, die er für Else illustrierte und ihnen damit kunstgeschichtlich einen unschätzbaren Wert verlieh. Ein Selbstbildnis zeigt ihn in zärtlicher Umarmung mit seinem Blauen Pferd, das er Else nun voller Stolz präsentiert. Sie antwortete:

„Der blaue Reiter ist da – ein schöner Satz, fünf Worte – lauter Sterne…“

Von 1912 bis 1916 dauerte dieser magische Briefwechsel in Wort und Bild. Immer wenn Franz Marc lesen musste, dass der arme Prinz von Theben am Leben zweifelt, in Armut versinkt und darüber klagt, dass die Welt ihn nicht versteht, schickt er ein Bild als Trost, versehen mit aufmunternden Worten. Die Sammlung der Postkarten des Blauen Reiters zeigt einen Querschnitt durch all seine Schaffensphasen. Sie beinhaltet Werke, die es heute nicht mehr gibt. Der Turm der blauen Pferde gilt seit 1945 als verschollen und nur die wundervolle Miniatur auf der Karte an Else zeigt, wie das Gemälde gestrahlt haben muss, bevor es von Hermann Göring als entartetes Kunstwerk geraubt wurde…

Else Lasker-Schüler und Franz Marc - Eine Freundschaft in Briefen

Else Lasker-Schüler und Franz Marc – Eine Freundschaft in Briefen

Das Kunstbuch „Else Lasker Schüler – Franz Marc. Eine Freundschaft in Briefenaus dem Prestel Verlag ist ein wahrer Kunstschatz. Es beinhaltet alle Briefe, Postkarten und Hintergründe, die diesen außergewöhnlichen Künstlerdialog zu einem Ereignis für den Leser werden lassen. Chronologisch werden wir zu Zeugen des Aufschwungs und der Krisen, die immer weiter um sich greifen. Wir sitzen gefühlt mit Else Lasker-Schüler am Schreibtisch und bewundern die vielen Miniaturen des Blauen Reiters, schauen ihr beim Schreiben ihrer Briefe über die Schulter und erkennen von Wort zu Wort und von Bild zu Bild, wie wichtig dieser Austausch für beide ist. Melancholie strahlte selten so bunt.

Für Else Lasker-Schüler waren die Miniaturen lebensrettend. Sie konnte viele ihrer Texte nur veröffentlichen, weil sie die kleinen Bilder von Franz als Illustrationen beifügte und abdrucken ließ. Und für Franz waren ihre Briefe häufig die einzigen Lichtblicke, die ihn aus dem Tunnelblick des Künstlers befreiten und ihn mit diesem literarischen Spiel inspirierten. In jeder Hinsicht, eine kreative Win-Win-Situation. Das großformatige Buch wird dieser besonderen Beziehung in besonderem Maße gerecht. Es hat bei mir Lücken geschlossen, von denen ich schon nicht mehr dachte, dass sie jemals zu schließen sind und es hat Gefühle losgetreten, die nur angesichts der originalen Handschriften und der Vielzahl der Bilder zu einer Woge des Staunens ausufern konnten.

Else Lasker-Schüler und Franz Marc - Eine Freundschaft in Briefen

Else Lasker-Schüler und Franz Marc – Eine Freundschaft in Briefen

Ich sah mein Blaues Pferd erstmals als Fohlen, fühlte die verlorene Einsamkeit einer Schriftstellerin, die erkennt, dass sie vom Schreiben allein nicht leben kann. Ich erlebte die tiefe gegenseitige Wertschätzung und spürte die Aufrichtigkeit einer Freundschaft, die für fremde Augen wie eine wild-romantische Liebesbeziehung wirken musste. Und ganz zuletzt stürzte ich mit Else Lasker-Schüler in das tiefste Loch, in das man stürzen kann. Als Franz Marc am 4. März 1916 vor Verdun zu Tode kam, war sie es, die ihm mit ihrem Nachruf ein emotionales Denkmal setzte. Sie war es, die den Briefwechsel fiktiv fortsetzte und einen Briefroman entstehen ließ, der ihre Freundschaft überhöhte.

„Der Blaue Reiter ist gefallen, ein Großbiblischer, an dem der Duft Edens hing.
Über die Landschaft warf er einen blauen Schatten…
wo der Blaue Reiter ging, schenkte er Himmel.“

(Else Lasker-Schüler)

Das größte Geschenk dieses Buches ist für mich, dass auch der Briefroman unter dem Titel „Der Malik“ vollständig mitveröffentlicht ist. Hier finden wir am Ende tiefe Spuren eines gemeinsamen Schaffens, einer gemeinsamen Freundschaft und vielleicht auch Spuren von mehr. Das jedoch ist Privatsache und sollte es für immer bleiben. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass diese Leidenschaft in Wort und Bild eine tiefere Basis haben musste. Man kann dies lesen, sehen und fühlen, wenn man das Herz am rechten Fleck hat. Ich betrachte „Eine Freundschaft in Briefen“ als mein wichtigstes Buch in der Annäherung an zwei Künstler, die bis heute unvergessen sind.

Ich muss dem blauen Pferd davon erzählen

Else Lasker-Schüler und Franz Marc - Eine Freundschaft in Briefen

Else Lasker-Schüler und Franz Marc – Eine Freundschaft in Briefen

Oh nein. Ich bin diesem Buch nicht selbst auf die Spur gekommen und es ist kaum noch zu finden in der großen Welt des Buchhandels. Es ist ein Geschenk, das mich fast sprachlos gemacht hat. Anja von Zwiebelchens Plauderecke hat meine Bibliothek zu Franz Marc um dieses zentrale Herzenswerk reicher gemacht und mich gleich mit dazu. Als Liebhaber der Kunst von Franz Marc kann man ohne dieses Buch leben, es macht nur keinen Sinn. Dieser Sinn wurde mir geschenkt. Ich werde das Buch beim nächsten Besuch im Lenbachhaus bei mir haben. Mein Kraftraum des Geistes wurde um eine Ebene erweitert. Einfach danke…

Und Bernhard Jaumann mach den „Turm der blauen Pferde“ zum Kriminalfall für die Kunstdetektei von Schleewitz. Für Fans der blauen Pferde ein MUSS.

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