„Ein Winter in Wien“ von Petra Hartlieb

Ein Winter in Wien von Petra Hartlieb

Ein Winter in Wien von Petra Hartlieb

Ist es in der heutigen Zeit möglich, Leser mit einer ganz einfach erzählten Romanze zu begeistern? Kann man einen Roman schreiben und publizieren, der in aller Zartheit wirkt wie ein scheues literarisches Reh, das sich kurz auf der bibliophilen Lichtung zeigt und sofort verschwindet, wenn es Gefahr wittert? Sind wir als Leser überhaupt noch in der Lage, eine Erzählung um ihretwillen zu schätzen, uns verzaubern zu lassen und sie nicht an reizüberflutenden und Herzschmerz verursachenden Lovestorys zu messen?

Ist es vermittelbar, dass man eine Geschichte erzählt, die in einem gesellschaftlich- historischen Kontext eingebettet ist, der aufgrund der Moralvorstellungen und der einst vorherrschenden Sittenbilder von Haus aus verhindert, dass wir zu Zeugen ausufernder erotischer Ausschweifungen werden? Haut uns ein solcher Stoff noch vom Hocker oder ist es der eher prüden Leserschar vorbehalten, den biederen Weg ins verschneite Wien des Jahres 1910 zu erlesen?

Ein Winter in Wien von Petra Hartlieb

Ein Winter in Wien von Petra Hartlieb

Erstens gilt es festzuhalten, dass ich nicht bieder oder prüde bin. Zweitens vertiefe ich mich fast ausschließlich in Romane, die in der Lage sind, mich vom Buchhocker zu reißen. Und drittens darf für mich eine romantische Geschichte sehr gerne so erzählt werden, als sei sie aus der Zeit gefallen, in die sie geschrieben wurde. Das macht viele gute Erzählungen erst authentisch und vermittelt ein deutliches Bild davon, wie zaghaft sich die erste Annäherung zweier Menschen vollzog, die voneinander fasziniert waren.

Ein Winter in Wien von Petra Hartlieb ist eine solche Geschichte. Wüsste man nicht, dass dieser Roman von einer quicklebendigen Schriftstellerin unserer Zeit geschrieben wurde, man könnte ihn für einen Fund aus der Frühzeit des zwanzigsten Jahrhunderts halten. Er spielt nicht nur im winterlichen Wien des Jahres 1910. Sowohl sprachlich als auch atmosphärisch lebt der Roman in einer Zeit, die durch die Klassenunterschiede im österreichischen Kaiserreich, ein überhöhtes Standesdenken und Wertebilder bestimmt war und heute auf uns wahrlich antiquiert wirkt.

Ein Winter in Wien von Petra Hartlieb

Ein Winter in Wien von Petra Hartlieb

Es schneit in Wien. Es ist kalt und man friert, wenn man nicht zu den wenigen Reichen gehört, die sich den Luxus der Wärme leisten können. Die 18-jährige Marie Haidinger gehört nicht zu den vom Schicksal begünstigten Menschen, sie kommt von ganz unten. Mehr als ein entbehrungsreiches Leben auf einem Bauernhof stand für sie nie auf dem Plan. Und doch verschlägt es sie auf der Flucht vor dem Gefühl „Leibeigene“ zu sein in die Hauptstadt und sie ist in aller Bescheidenheit mit allem zufrieden, was das Leben ihr zu bieten hat. Aus der Schankmaid wird ein Hausmädchen und aus dem Hausmädchen wird ein Kindermädchen.

Für Marie schon ein Leben in Luxus. Ihre Kammer ist beheizt, die beiden Kinder sind ihr sehr schnell ans Herz gewachsen und die Hausherren behandeln sie so gut, wie sie in ihrem ganzen bisherigen Leben nicht behandelt wurde. Erst langsam erkennt sie, wer der Hausherr der Sternwartestraße im Wiener Cottage-Viertel ist. Sie lebt im Haus des bekannten Schriftstellers Arthur Schnitzler, dessen Theaterstücke und Erzählungen in aller Munde sind. Und ausgerechnet sie, die arme Marie vom Land, darf seine beiden Kinder beaufsichtigen und erziehen.

Ein Winter in Wien von Petra Hartlieb

Ein Winter in Wien von Petra Hartlieb

Und wie sollte es in diesem Haushalt anders sein? Ein Buch verändert das Leben des liebenswerten Kindermädchens. Sie soll es nur für Arthur Schnitzler abholen. Ein harmloses Vorhaben, wäre da nicht der Blick des jungen Buchhändlers, wäre da nicht ein kleiner Funke, der in diesem Moment auf beide überspringt und wären da nicht alle moralischen Schranken, die es so schwer machten, sich unbefangen kennenlernen zu dürfen. Erst ein Geschenk macht das Unmögliche möglich. Ein Büchlein aus der Feder von Rainer Maria Rilke öffnet die Tür zum Herzen des jungen Mädchens.

„Mir zur Feier“ in einer wundervollen Ausgabe, deren Seiten unbeschnitten sind und die erst mit einem Messer getrennt werden mussten, bevor man es lesen konnte ist das wohl wertvollste Geschenk, das sie je in Händen hielt. Eine zarte Romanze beginnt den Winter in Wien wärmer erscheinen zu lassen und aus dem ersten beigelegten Brief wird der erste Spaziergang und aus dem ersten gemeinsamen Weg entwickelt sich der erste zarte Kuss, der auch den Leser wie eine schmelzende Schneeflocke berührt.

Ein Winter in Wien von Petra Hartlieb

Ein Winter in Wien von Petra Hartlieb

Petra Hartlieb schreibt, als hätte sie Charles Dickens nach Wien entführt. Es mutet klassisch an, was doch gar nicht klassisch ist. Und doch garniert sie die zarte Romanze mit einem Spannungsbogen, der das Gleichgewicht zum Wanken bringen kann. Maries Leben steht unter Vorbehalt. Es gibt keine Garantie für eine unbeschwerte Zukunft und ein einziger Fehler kann sie alles kosten. Und genau dieser Fehler unterläuft ihr. Ob sie ihr Glück findet, sollte man sich schon selbst erlesen. „Ein Winter in Wien“ ist in jeder Hinsicht eine Lesereise wert.

Für einen literarischen Sternwärter ist ein Roman, der in der Sternwartestraße 71 spielt ja schon fast wie eine persönliche Einladung. Die Atmosphäre eines Wiener Winters im Jahr 1910 ist so fesselnd und bildhaft festgehalten, als würde man in einem Poesiealbum aus der Vergangenheit blättern. Sprachlich spürt man den Atemhauch der Geschichte und literarisch wird einem der ganz Großen der Literaturgeschichte Leben eingehaucht. Und wenn man dann noch, so wie ich, einen Rilke in seinem Bücherregal hat, der unbeschnitten ist und dessen erstes Gedicht „Mir zur Feier“ heißt, dann geht „Ein Winter in Wien“, erschienen bei Kindler, eine schon fast magische Beziehung zu meinem bisherigen Lesen ein. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht an Zufälle glaube.

Ein Winter in Wien von Petra Hartlieb

Ein Winter in Wien von Petra Hartlieb

Petra Hartlieb hat mit ihrem literarischen Selbstfindungstrip „Meine wundervolle Buchhandlungmein lesendes Herz im Sturm erobert. Ein wundervolles Interview in Frankfurt brachte mich ihr näher und ihre kuriose Widmung in ihrem Buch ist bis heute unvergessen. Vielleicht signiert sie mir ja irgendwann einmal „Ein Winter in Wien“. Ich habe mir fest vorgenommen, sie in diesem Fall nicht mit meinen Fragen abzulenken. Es wäre nicht auszudenken…

Und doch bleibt eine Frage, die ich gerne stellen würde: Wenn Petra Hartlieb diesen Roman ihrer Großmutter Johanna Haidinger widmet, dann könnte es doch sein, dass jene Marie Haidinger vielleicht den ersten Funken bibliophiler Leidenschaft schlug, der heute in der Buchhandlung Hartliebs Bücher hell leuchtet.

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Petra Hartlieb – Das exklusive Buchmesse Interview (FBM 14)

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Petra Hartlieb – Meine wundervolle Buchhandlung – Das Interview

Meine wundervolle Buchhandlung“ erzählt eine ebenso liebenswerte, skurrile, wie wundervolle Geschichte eines großen Wagnisses. In erfrischender Selbstironie, in kaum enden wollendem Sarkasmus und mit Galgenhumor wirft Petra Hartlieb einen selbstkritischen und liebevollen Blick zurück auf die Anfänge ihrer neuen Existenz. Wir dürfen ihr als Leser beim Renovieren helfen, die ersten neue Mitarbeiter einstellen, Krisenmanagement betreiben, Buchkartons stapeln, Rechner installieren und abends todmüde ins Bett fallen. Einen allerletzten Gedanken im nimmermüden Kopf: „Habe ich vergessen ein Buch zu bestellen?“

Nach meiner Buchpräsentation war es mir Ehre und Vergnügen zugleich, Petra Hartlieb während der Frankfurter Buchmesse am Stand ihres Verlages Dumont exklusiv interviewen zu dürfen… Ich hatte wirklich viele Fragen dabei:

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Liebe Petra Hartlieb, vielen Dank für die Bereitschaft, zu ihrem aktuellen Buch „Meine wundervolle Buchhandlung“ ein Interview für AstroLibrium im Trubel der Frankfurter Buchmesse führen zu dürfen. Eine Frage, die mir ganz besonders am Herzen liegt: Sind Sie gut untergebracht?

Ich habe ja, wie im Buch erwähnt, eine Freundin, die jetzt Universitätsprofessorin in Frankfurt ist. Sie konnte sich zwischen zwei Städten entscheiden und ich war für Frankfurt. Sie ist momentan auch gerade nicht in der Stadt und so haben wir eine wundervolle Wohnung in zentraler Lage und bester Ausstattung. Ich hoffe, sie bleibt noch lange hier.

Also sind die Zeiten des Wohnens in tristen Garagenunterkünften oder bei Messi-Freunden unter widrigsten Bedingungen vorbei, nur um die Buchmesse besuchen zu können?

Erstmal. Ich lebe immer ziemlich im Augenblick. Man weiß ja nie was passiert und wenn meine Freundin jetzt nach New York zieht, dann ist da auch schön, aber wir werden dann für nächstes Jahr etwas Neues überlegen müssen. Aber momentan ist es gut und wer weiß, vielleicht bin ich irgendwann Bestseller-Autorin und dann gehe ich einfach in ein schönes Hotel.

Irgendwann? Wenn ich die aktuellen Bestsellerlisten studiere, dann dürften Sie sich doch gerade als eine solche Autorin bezeichnen…?

Naja, dafür bin ich zu lange in der Branche, um so etwas zu schnell zu sagen. Man ist mal für zwei Wochen auf der Bestsellerliste, was aber noch nicht viel heißt. Das bedeutet nicht, dass sich dadurch mein Leben verändern wird.

Petra Hartlieb - Meine wundervolle Buchhandlung - Das Interview

Petra Hartlieb – Meine wundervolle Buchhandlung – Das Interview

Sind Sie überrascht vom Erfolg Ihrer „Wundervollen Buchhandlung“?

Ja, bin ich schon. Es war auch für den Verlag ein Wagnis, dieses Buch zu machen. Wir wussten eigentlich immer, dass die Buchhändler dieses Buch lieben werden und dass es ihr absolutes Lieblingsbuch werden kann (ich glaube es ist das meistgeschnorrte Buch in der Geschichte des Dumont Verlages). Ob die Buchhändler es jedoch schaffen, dieses Buch an den Endkunden zu vermitteln und dabei die Botschaft zu transportieren, dass es kein Branchenbuch ist, dass es kein Sachbuch über den Buchhandel ist, das war die eigentliche Gretchenfrage.

So wie es inzwischen aussieht dürfte das aber vielen Buchhändlern gelingen. Bei einigen von ihnen gibt es jedoch immer noch eine gewisse Skepsis, die ich auch bei meinen Lesungen zu spüren bekomme. Ich denke da an eine Frage in diesem Zusammenhang, als eine Buchhändlerin meinte: “Sie, Frau Hartlieb, mein Chef hat das nicht eingekauft – an wen kann man das Buch denn eigentlich verkaufen?!“

Inzwischen sind jedoch fast 10000 Exemplare ausgeliefert und es sind wohl nicht nur Buchhändler, die es lesen – so viele Buchhändler gibt es ja gar nicht und ich erhalte wahnsinnig schöne Rückmeldungen von branchenfernen Kunden. Eine Weinbäuerin aus dem Burgenland, die auch sehr viel arbeitet, hat mir einen Brief geschrieben und berichtet, dass sie das Buch in einer Nacht durchgelesen und sich selbst darin wiedergefunden hat. Eine Rechtsanwältin hat mir gestanden, dass sie mein Buch bei Amazon bestellt hat und nun von ihrem schlechten Gewissen geplagt wird. Solche Briefe finde ich total schön.

Für mich ist es ein Buch über Bücher, das beim Leser viele bibliophile Saiten zum Schwingen bringt und ich vergleiche es gerne mit Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“. Ihr Jakobsweg ist der zu einer eigenen Buchhandlung. Hat Ihr Mann nicht inzwischen Angst davor, dass sie in Frankfurt eine Buchhandlung sehen, und…?

(lacht) Nein… wir wissen inzwischen beide, wie viel Arbeit dahinter steckt. Das haben wir am Anfang vor zehn Jahren nicht so ganz gewusst, sonst hätten wir das alles vielleicht gar nicht gewagt. Wenn mir jemand gesagt hätte, wie viel ich in den ersten zwei Jahren arbeiten werde, ich hätte nur gesagt „Das kann man nicht“.

Insofern sind wir nicht mehr so naiv, wie damals und unser Lebensziel heißt einfach, das was wir haben, gut zu führen und irgendwann ein bisschen weniger zu arbeiten. Das steht im Fokus unseres Lebens. Ich sehe schöne Buchhandlungen in anderen Städten und ich freue mich, dass es sie gibt, aber mir reichen meine beiden vollauf.

Petra Hartlieb - Meine wundervolle Buchhandlung - Das Interview

Petra Hartlieb – Meine wundervolle Buchhandlung – Das Interview

Ich habe in meiner Buchpräsentation vom „Hartlieb`schen Management-Modell“ gesprochen. Ohne jede Kalkulation, von Zahlen losgelöst und einfach etwas zu wagen. Das ist in der heutigen Zeit schon extrem ungewöhnlich. Werden sie oft auf dieses Wagnis angesprochen?

Ich werde sehr oft konkret von Leuten angesprochen, die entweder einen Lebenstraum hatten und sich nie getraut haben ihn zu verwirklichen, die mir jetzt sagen: „Ach hätte ich ihr Buch damals gelesen, ich glaube ich hätte mich getraut.“ Besonders amüsant ist es, dass mein Buch schon manchmal in die „Wirtschaftsecke“ wandert. Ich habe dann das Gefühl, es wird im Börsenblatt als Wirtschaftsbuch besprochen.

Als Buch über Wachstum, Personalpolitik und wenn dann auch noch gesagt wird, das Konzept unserer Buchhandlung sei toll, dann kann ich nur sagen, dass wir gar kein richtiges Konzept hatten. Wir reagieren auf die Situationen, überlegen uns was wir wollen, aber als Businessplan kann man das wirklich nicht bezeichnen. Ich habe das kleine Kapitel, das sich mit diesem Thema beschäftigt so geschrieben, dass ich es selbst verstehe… Ich und Zahlen, das ist ganz schwierig. Ich bin froh, wenn ich das Wechselgeld richtig rausgebe….

Ich habe das Buch für mich so verstanden, dass Sie eine Botschaft transportieren, die lautet „Jeder hat seine Buchhandlung. Für den einen ist es eine Reise, für den anderen eine Liebe. Verpass deine Chance nicht“. Haben Sie selbst Angst vor verpassten Chancen?

Ich habe viel gewagt und viel erreicht in meinem Leben. Zwei Buchhandlungen zu besitzen und vier Bücher bei zwei großen Verlagen veröffentlicht zu haben bedeutet für mich, dass ich vom Glück geküsst wurde und das mache ich mir jeden Morgen bewusst. Gesund bin ich auch noch, die Kinder machen keine Schwierigkeiten, nur der Hund ist ein wenig unerzogen, aber sonst ist eigentlich alles in Ordnung. Ich lebe sehr im Hier und Jetzt und denke, dass man die Weichen gar nicht kennt, an denen der Weg in eine andere Richtung abzweigen könnte.

Petra Hartlieb - Meine wundervolle Buchhandlung - Das Interview

Petra Hartlieb – Meine wundervolle Buchhandlung – Das Interview

Wenn sie im Hier und Jetzt leben, gibt es trotzdem schon einen Gedanken, wie es weitergeht mit Petra Hartlieb? Buchhändlerin, Autorin, oder?

Auf jeden Fall beides. Ich liebe die Abwechslung und ich mag nicht, dass mein Leben langweilig wird. Das Schreiben ist für mich eine Flucht vor dem „Nur-Buchhändler-Sein“ gewesen, da ich ja auch gar keine klassische Buchhändlerin bin. Mir ist es wichtig, Autoren kennenzulernen, Veranstaltungen zu machen, in die Medien zu gehen, mir Gedanken über die Branche zu machen, Bücher zu schreiben. Das gesamte Paket ist mir sehr wichtig und ich liebe diese Doppelfunktion. Ich mag es, in der Buchhandlung weiter zu arbeiten, wenn ich von einer Lesereise zurückkomme.

Das durfte ich selbst feststellen. Wenn ich nachts um 23 Uhr auf Facebook poste „Alle Buchhandlungen sind geschlossen – dann geh ich halt in Gedanken zu Hartliebs – die sind literarisch immer da“ und Sekunden später antworten Sie mit den Worten „Stimmt – ich sitze hier im Büro und packe die Novitäten aus!“ (Hier zum Beweis)

(lacht) Das fand ich wirklich total nett. Dafür liebe ich Social Media, weil man wirklich mitbekommt, was andere Menschen gerade machen und man kann selbst die Tür ein wenig öffnen und andere teilhaben lassen, ohne dabei zu tiefe Einblicke zu gewähren. Ich mag diese Begegnungen unwahrscheinlich gerne.

Eine letzte und sehr traditionelle Frage von mir lautet immer „Welche Frage würden Sie gerne einmal in einem Interview beantworten? Einziges Problem: Sie wurde Ihnen noch nie gestellt!“

Geben sie mir zwei Minuten…. Es wird nie so richtig gefragt, was Glück für mich ist, oder was das Leben für mich ausmacht. Ich weiß aber gar nicht, ob ich das gerne gefragt würde, weil ich ja darüber nachdenken müsste und ich müsste antworten. Und das mit wahrscheinlich mehr als drei Sätzen und dann wird ein ganzes Buch draus….

Frau Hartlieb, ich unterbreche nur ungern, aber eine letzte Frage fällt mir ganz spontan ein. Sie dürfen mir sehr gerne auch in Buchform antworten: Was macht für Sie das Leben aus?

(Herzhaftes Lachen) OK… vielen Dank 😉

Petra Hartlieb - Mit einem Klick zur wundervollen Buchhandlung

Petra Hartlieb – Mit einem Klick zur wundervollen Buchhandlung

Outtake oder doch nicht:

Sinnbildlich für die wundervolle Stimmung in diesem Interview mag das letzte Bild in diesem Buchmesseartikel stehen. Petra Hartlieb ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Weder eine Leserin, die mich während des Gesprächs darum bat, das Buch zu signieren (einfach verpeilt), noch der Trubel in und um den Verlagsstand herum trübten die gute Laune der mehr als sympathischen Autorin.

Die letzte Frage jedoch schien ihre Spuren hinterlassen zu haben, denn als Petra Hartlieb zum Abschluss des Interviews die Ärmel hochkrempelte und ihr Buch für mich signieren wollte, machte sich der Autorenstift selbständig und statt dem beaabsichtigten „Für“ war dort schnell „Frau“ zu lesen. Was sie jedoch daraus machte gehört heute zu den Highlights in meiner Sammlung signierter Bücher mit individueller Widmung 😉

Petra Hartlieb - Eine kuriose Widmung

Petra Hartlieb – Eine kuriose Widmung

Bücher, Eulen, Abenteuer – Die Frankfurter Buchmesse 2014

Frankfurter Buchmesse 2014 - Bücher, Eulen, Abenteuer

Frankfurter Buchmesse 2014 – Bücher, Eulen, Abenteuer

Eine Buchmesse ist eine Buchmesse, ist eine Buchmesse… Eigentlich muss man gar nicht mehr sagen, denn das lebendige Paradies für bibliophile Menschen ist und bleibt unbeschreiblich. Nach intensiver Vorbereitung und präzisen Terminabsprachen mit all meinen Verlagen und Büchermenschen steht man dann plötzlich auf dem Messegelände und realisiert ganz langsam, dass man wieder da ist. Mittendrin, statt nur dabei.

Meine Buchmesse ist und bleibt Gefühls- und Herzenssache. Sie füllt mich aus und treibt mich durch das Bücherjahr. Sie fasziniert und inspiriert mich. Sie verbindet mich neu mit Menschen, Projekten und Büchern. Andererseits öffnet sie im realen Kontakt auch wieder die Augen für die tatsächliche Qualität von virtuellen Beziehungen, sei es auf Facebook, Instagram oder Twitter. Ein Prüfstand eben… Sowohl literarisch, als auch persönlich. Ich liebe diese Herausforderung und Vielschichtigkeit.

Ich memoriere für mich, was die Frankfurter Buchmesse 2014 in mir ausgelöst, welche Gedankengänge sie losgetreten und welche Inspirationen sie freigesetzt hat. Ich schreibe dies allerdings nicht nur für mich, da ich festgestellt habe, wie sehr man den Impressionen aus Frankfurt auf meiner Facebookseite gefolgt ist. Demnach ist meine Messe auch eure Messe und ich versuche einfach mal, ein paar strukturierte Gedanken festzuhalten. Rückblick und Ausblick zugleich – und Standortbestimmung in vielerlei Hinsicht. Das ist und das war Frankfurt… Schlaglichter:

Frankfurter Buchmesse 2014 - AstroLibrium eult rum

Frankfurter Buchmesse 2014 – AstroLibrium eult rum

Euliges:

Mit zwanzig Eulen im Gepäck bin ich losgezogen. Die kleinen grünen Flatterbiester haben sich zum roten Faden meines persönlichen Lesensweges gemausert und in meinem Umfeld viele gute Freunde gefunden. Sie haben nun auch die Messe erobert, gute Zuhause gefunden und auch bei Verlagen ein wenig für Furore gesorgt.

Der „H“-Wurf von Mrs. Rail war zumindest für ein paar Tage in Frankfurt vereint, doch nun nach Abschluss der Messe sieht man die Bilder der Flattereulen in ihrer jeweils neuen Umgebung. Deutschlandweit hat es den Wurf verteilt und doch ist es so, dass wir uns immer wieder sehen werden. Vielleicht stehen die Eulchen ein wenig symbolisch für diese Verbundenheit und sorgen dafür, dass wir ab und zu an diesem unsichtbaren Band ziehen und in Verbindung bleiben.

Ich wünsche allen neuen „Eulenpflegern“ viel Spaß und Leseglück mit den kleinen Kerlchen. Die Namensgebung blieb traditionell und so ist der Anfangsbuchstabe „H“ von euch übernommen worden und inzwischen gibt es tatsächlich die ersten Jungs unter den Büchereulen. Huhugo, Heinrich und Horatio. Sie gesellen sich zu vielen Hedwigs, Heidis, Hetties und Hannas. Eine bunte Flügelschar. So bunt, wie die Schar der Menschen, die sie nun beherbergen dürfen.

Frankfurter Buchmesse 2014 - Herzensbücher für das neue Jahr

Frankfurter Buchmesse 2014 – Maulwurfstadt und Die Nachtwanderin

Herzensbücher 2015:

Natürlich ist jeder Weg auf der Buchmesse von der Suche nach neuen literarischen Schätzen bestimmt und die Freude ist groß, wenn man zuhause den Blick lesehungrig in die Zukunft richten kann. Unerwartete Neuerscheinungen bilden eine unglaublich schöne Bücherkette mit lang erwarteten Fortsetzungen beliebter Reihen. Ich weiß schon jetzt, dass mein Lesejahr 2015 viele ganz besondere Highlights erleben wird.

Neben einer von mir sehr herbeigesehnten Biografie meines Herzensautors David Foster Wallace wird ein kleines Bändchen mit einem bisher verschollenen Essay von David bei Kiepenheuer und Witsch erscheinen. „The Planet Trillaphon“ beschreibt den Umgang mit der eigenen Depression, die David letztlich in den Suizid trieb. So wie einst „Das hier ist Wasser“ wird dieses Büchlein zweisprachig erscheinen und es schließt eine große Lücke im Lebenswerk des großen Autors von „Unendlicher Spaß“.

Nachdem Torben Kuhlmann mit  „Lindbergh – Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus“ die Buchwelt in Staunen versetzt hat, folgt nun im nächsten Jahr mit „Maulwurfstadt – Moletown“ der nächste große Wurf des genialen Multitalents. Ich durfte die ersten fertigen Zeichnungen sehen, das Konzept erschnuppern und auch den sympathischen Wort- und Bildkünstler persönlich kennenlernen und ich verspreche euch, dass niemand mehr eine Maulwurffalle im Rasen versenkt, der dieses wundervolle Buch aus dem NordSüd Verlag in Händen hielt.

Mit „Die Nachtwanderin“ von Einar Turkowski geht der Mixtvision Verlag einen einzigartigen Weg. 250 limitierte Exemplare der traumhaft illustrierten Geschichte sind bereits erhältlich. In wertvoller Schatulle, mit signiertem Originaldruck und in unglaublich wertvoller Aufmachung kann man bereits jetzt seinen Lesensschatz um ein wertvolles Buch erweitern, bevor es dann im Herbst 2015 in einer normalen Buchhandelsausgabe erscheint. Ich werde das Projekt ganz persönlich begleiten, andere Werke des Autors und Zeichners vorstellen und mit euch gemeinsam sehr intensiv durch die Nacht wandern. Es wird magisch… versprochen.

Frankfurter Buchmesse 2014 - Mr. Rail im Gespräch

Frankfurter Buchmesse 2014 – Mr. Rail im Gespräch

Interviews:

Interviews sind für mich das Salz in der Suppe einer Buchmesse und so hatte ich auch in diesem Jahr wieder einige Schriftsteller „vor der Flinte“ deren Bücher mich in der Vergangenheit sehr beschäftigt und beflügelt haben. Es waren intensive und interessante Gespräche, die mir erneut tiefe Einblicke in die Autorenseele ermöglicht haben. Aber auch Hintergründe zu Inhalten, Entstehungsgeschichten und zur Intention des Schreibens haben sich mir eindringlich erschlossen.

Die Messegespräche werden in der nächsten Zeit Zug um Zug veröffentlicht und ihr könnt euch auf interessante Schriftsteller, tiefe Inhalte, interessante Einblicke und kleine Geheimnisse freuen. Und natürlich könnt ihr persönlich erleben, was die Schriftsteller auf die traditionelle Schlussfrage in meinen Interviews geantwortet haben: „Welche Frage würden sie in einem Interview gerne einmal beantworten? Einziges Problem… Sie wurde ihnen noch nie gestellt!“ Glaubt mir, das wird lustig.

Freut euch auf: Christine Fehér, die bald den Buxtehuder Bullen in ihrer Wohnung unterbringen darf. Jürgen Seidel, der seine jugendlichen Leser durch hohe Erzähldichte herausfordern möchte. Stefan Bachmann, der mit schweizer-englischem Dialekt gar nicht seltsam auf meine Fragen geantwortet hat. Petra Hartlieb, die sich auch nicht aus der Ruhe bringen ließ, als ein Leser mich bat, ihr Buch zu signieren und Kai Meyer, der in Wirklichkeit gar kein Seitenherz spalten kann. Dafür aber Leserherzen am laufenden Meter bricht!

Frankfurter Buchmesse 2014 - Kuriositäten

Frankfurter Buchmesse 2014 – Kuriositäten

Kurioses:

Natürlich bietet eine Buchmesse auch unglaublich viel Platz für Kuriositäten und amüsante Pannen. Was haben wir gelacht und geschmunzelt über die großen und kleinen Skurrilitäten des Messe-Alltags. Da stellt ein Verlag das neue Buch von Hape Kerkeling genau so am Stand aus, wie es im Buchhandel präsentiert wird. Auf einer Palette in einem Karton gestapelt und der Marketingstrategie folgend, für den Verkauf „niederschwellig“ präsentiert. Man soll einfach schnell zugreifen in der Buchhandlung. Dass sich aber auch Messebesucher niederschwellig verhalten und diese Paletten plündern, das stand wohl nicht auf dem Plan – war aber auch nicht zu verhindern. Feldtest gelungen… oder so.

Ebenso kurios ist es, wenn 150 geladene Blogger beim Random House Blog`n Talk auf eine Handvoll tapfere Autoren losgelassen werden, die einerseits ihr Glück kaum fassen können, andererseits aber auch fast von der Blogger-Stampede überrollt werden. Und dies, während sich zwei ältere Herrschaften am Messestand niederlassen und ein Päuschen einlegen. Völlig unerkannt und gelassen beobachten sie, was da vor sich geht und feixen sich eins. Ist ja auch mehr als amüsant, dass ausgerechnet in der Herde der Literaturblogger die wahren Könige des historischen Romans Iny Lorentz sozusagen inkognito verschnaufen können. Wir haben uns jedenfalls sehr gut unterhalten…

Bemerkenswert war die Aktion am Stand von Heye Kalender. Goldbarren stapelten sich und für ein kleines Facebook-Like wanderte ein sehr wertvoll aufgemachter Kalender in den Rucksack des glücklichen Messebesuchers. 400 Kalender waren es und als ich Cindy, meiner Gastgeberin in Frankfurt, abends meine fette Beute zeigte versuchten wir gemeinsam ein Experiment. Von Zuhause aus wurde die Heye-Seite geliked, eine kleine Nachricht verfasst und gehofft. Am nächsten Tag jedoch waren alle Goldbarren restlos weg. Schade dachte ich, bis eine der Kalender-Ladies sich zu mir durcharbeitete und meinte… „Die Nachricht ist angekommen und ich habe natürlich einen Kalender für Frau Roth aufgehoben!“ Glaubt mir… Das ist so außergewöhnlich im Messetrubel, man muss es einfach erzählen. Herzensmenschen auch an den Ständen. Großes Kino.

Frankfurter buchmesse 2014 - Büchermenschen

Frankfurter Buchmesse 2014 – Büchermenschen

Menschen:

Menschen und Buchmessen gehören ganz einfach zusammen. Bibliophile Scharen bevölkern die Messehallen und auch Blogger wagen sich nach Monaten des intensiven Schreibens wieder unters normale Volk. Und auch die User sozialer Netzwerke suchen nach Gleichgesinnten und Freunden. Treffen stehen da hoch im Kurs und ganz besonders das diesjährige Lovelybooks-Treffen sprengte mit fast 400 Teilnehmern die bisherigen Messetreffen. War klasse und reich beschenkt mit einer prall gefüllten Goodie-Bag konnten immerhin 200 glückliche Lovelybookinisten das Treffen verlassen.

Erfreulich ist es dabei immer wieder auf Menschen zu treffen, die sich so verhalten und geben, wie man sie aus der Kommunikation in den sozialen Netzwerken kennt. Keine Überraschung ist auch das genaue Gegenteil. Umso erfreulicher ist die großer Zahl der „alten“ und neuen Freunde, die immer wieder und in aller Offenheit den großen Stellenwert sozialer Netzwerke im persönlichen Kontakt untermauern. Das reale Leben ist ein guter Test für die Authentizität von Menschen, die Netzwerke bevölkern. Und nach unserem ersten persönlichen Messe-Treffen gehört Mara Giese von Buzzaldrins Bücher für mich so richtig zum realen Leben. Ich habe diesen Austausch wahrlich genossen!

Besonders amüsant war ein ungeplanter gemeinsamer Termin mit Steffi Hasse von his & her books beim Arena Verlag. Auch wenn sie immer wieder darauf beharrt, diese Gemeinsamkeit gekapert zu haben, muss ich widersprechen. Ihr Lächeln hat mich und meinen Termin erobert und da wir völlig unterschiedliche Leseschwerpunkte haben, war es doch naheliegend, das gesamte Vorschauprogramm 2015 auf diese charmante Art und Weise unter uns aufzuteilen! Synergieeffekt nennt man das! Nicht Kaperbloggen! Was für ein Vergnügen, Steffi!!!

Ich danke euch für jedes einzelne Lächeln, jedes tiefe Gespräch, die vielfältigen Begegnungen und die Ehrlichkeit, die ich erfahren durfte. Es ist ein Privileg, über lange Jahre Freundschaften auch auf Distanz pflegen zu dürfen. Besonders bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Cindy Roth, die mir nicht nur ein Dach über dem Kopf angeboten hat in Offenbach. Ich habe mich zuhause gefühlt und nach langen Messetagen erzählen, entspannen und auch zuhören dürfen. Ich habe eine gute Freundin gewonnen. Das mach mich stolz und glücklich.

Frankfurter Buchmesse 2014 - UNSER Erinnern ist dabei

Frankfurter Buchmesse 2014 – UNSER Erinnern ist dabei

Gegen das Vergessen:

Ein Projekt hat mich auf die Buchmesse begleitet, wobei es manchmal so schien, als sei es mir vorausgeeilt. Das Schreiben Gegen das Vergessen des Holocaust und seiner Opfer, die Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der Shoa auf unsere heutige Zeit und die Bestrebungen, gemeinsam mit Peggy Steike, ein positives Erinnern losgelöst von der schier erdrückenden Dimension der Zahlen zu ermöglichen, hat Wirkung gezeigt. Verlage suchen gezielt Bücher aus, die dieses Projekt begleiten können und Freunde sprechen mich auf Schritt und Tritt darauf an.

Auch das Jahr 2015 wird sich diesem Thema verschreiben und ich danke schon jetzt den Pressevertretern „meiner“ Verlage, die viel mehr als ihre Bücher in die Waagschale werfen, um dieses Schreiben mit neuen Büchern zu füttern. Dabei sind wir alle vorsichtig, denn nachdem die letzten Zeitzeugen und Überlebenden des Holocaust so langsam auf ewig verstummen, scheinen sich Autoren weltweit die Freiheit herauszunehmen, fiktive Geschichten zu verfassen und sie mit dem Zusatz „Nach einer wahren Begebenheit“ zu bewerben.

Wenn die Überlebenden nicht mehr widersprechen können, so werden wir unsere Stimmen erheben, wenn wir auf erste Auswüchse des sogenannten „HOLO-KITSCH“ stoßen. Eine pure Verharmlosung, Verkitschung, Romantisierung oder schlichte Verfälschung nachweislicher Fakten werden wir nicht akzeptieren.

Frankfurter Buchmesse - Mr. Rails Fazit

Frankfurter Buchmesse – Mr. Rails Fazit

Mein Fazit:

Es war meine Messe, die ohne euch nicht meine Messe geworden wäre. Es wird mein Lesen, das ohne euch nicht mein Lesen würde. Es ist meine Leidenschaft, die ich ohne euch nicht teilen könnte. Es sind meine Bücher, die ohne euch nicht die Bücher meines Lebens wären. Es ist meine Begeisterung, die ohne euch keine Wellen schlagen könnte und es ist mein Erinnern, das ohne euch zum Vergessen verurteilt wäre.

Ich denke, ich muss nicht viel mehr schreiben, was es mir bedeutet hat, euch zu treffen und nun weiter zu schreiben, was mich bewegt, fasziniert, fesselt und in seinen Bann zieht. Ich wünsche uns allen eine wundervolle Nach-Messe-Zeit. Leipzig im Visier, Frankfurt im Sinn, Bücher und Menschen im Herzen…

So mein Motto für die nächsten Monate. Und dann sehen wir uns in Leipzig!

Geöffnet: „Meine wundervolle Buchhandlung“ von Petra Hartlieb

Meine wundervolle Buchhandlung, AstroLibrium, Hartlieb

Meine wundervolle Buchhandlung von Petra Hartlieb

Sonderbare Buchhandlungen, Buchläden zum Verlieben, Häuser der vergessenen Bücher was haben wir in den letzten Wochen nicht alles gelesen und geliebt, wenn es galt, in die besonderen Welten unserer bibliophilen Lieblingsorte abzutauchen? Einziges Problem bisher… die beschriebenen heiligen Orte für Buchgläubige sind fiktiv und damit in der Realität nicht zu erreichen. Wie grausam kann die Welt sein, uns Lesenssüchtige nur im Bereich unserer Fantasie durch diese prunkvollen Türen gehen zu lassen?

Damit hat es nun ein Ende! Nach San Francisco, Broken Wheel und Brooklyn entführt uns der DuMont Buchverlag nach Wien. Und zwar in eine richtige Buchhandlung – eine aus Fleisch und Blut, wenn man das einfach mal so sagen darf. Meine wundervolle Buchhandlung“ von Petra Hartlieb entspringt nicht der reinen Imagination, auch wenn sich die Autorin das manchmal vielleicht gewünscht hätte. Hartliebs Bücher ist die pure  Realität und die bewegende Geschichte dieses Umschlagplatzes gebundener und ungebundener Leseschätze war der Eigentümerin ein eigenes Buch wert.

„Meine wundervolle Buchhandlung“ beschreibt eine der aufregendsten und teils skurrile Schnapsideen, die jemals dazu geführt haben, dass ein absoluter Lebenstraum zur gelebten Realität wird. Wenn man sich fragt, was geschieht, wenn man das eigene Leben von heute auf morgen völlig und ganz allein aus den gewohnten Bahnen wirft; wenn man wissen möchte, was einen Menschen dazu bringt, sich ohne Not scheinbar sinnlos zu verschulden; wenn es jemanden interessiert, wie man seine eigene Familie durch Aufgabe sicherer Berufe temporär brotlos macht und dabei auch noch den Lebensschwerpunkt komplett verlagert und dabei alles riskiert, dann sollte man Petra Hartlieb fragen, oder viel besser ihr Buch lesen.

Meine wundervolle Buchhandlung von Petra Hartlieb, AstroLibrium

Meine wundervolle Buchhandlung von Petra Hartlieb

Ihre Antwort wird nur lauten: „Wir haben uns eine Buchhandlung gekauft – ganz spontan!“ Wie das geht? Welche Konsequenzen sich daraus ergeben, wie sich mehrere Leben verändern und ob man dies für sich selbst in Betracht ziehen könnte, darf man in diesem wundervollen Selbsterfahrungsbuch lesen. Das Hartlieb`sche Denkmodell fußt dabei auf folgenden non-merkantilen / pro-bibliophilen Eckpfeilern.

Erstens: Man nehme eine ganz normale vierköpfige Familie, die seit Jahren in Hamburg wohnt. Der Ehemann in einem Verlag in gut dotierter Fest-Beschäftigung, seine Frau als Literaturkritikerin, Rezensentin und Hansdampf in allen denkbaren Büchergassen halbtags zum Unterhalt beitragend, die beiden Kinder bestens integriert und auf einem guten Weg, hanseatische Großstadtkinder zu werden.

Zweitens: Man verbringe einen spontanen Urlaub in Wien, dem Heimatort der Ehefrau und entdecke dort eine kleine Traditionsbuchhandlung, die gerade eben in Konkurs gegangen ist und ihre Pforten für immer schließen musste.

Meine wundervolle Buchhandlung von Petra Hartlieb - Das Original, AstroLibrium, Hartliebs Bücher, Wien

Meine wundervolle Buchhandlung von Petra Hartlieb – Das Original

Drittens: Man beginne, losgelöst von jeglicher Lebensrealität ein wenig rumzuspinnen, wie es denn wäre, eine eigene Buchhandlung zu besitzen. Wie es sich anfühlen würde, gemeinsam und nur für sich selbst zu arbeiten. Wie es funktionieren könnte, Hamburg zu verlassen und in Wien bei Null anzufangen (und auch das meine ich so, wie ich es schreibe).

Viertens: Man komme zur Einsicht: GEHT NICHT – UNMÖGLICH – NICHT MACHBAR

Fünftens: Man gebe nur mal so zum Spaß ein schriftliches Gebot zum Erwerb dieses Buchladens ab. Und nun wirklich – die Chancen, ihn zu erwerben sind gering. Und die gebotenen 40000 Euro hat man ja auch gar nicht. Also, nennen wir es doch einfach mal: ABENTEUER.

Sechstens: Man lese die Antwort des Konkursverwalters, der die Verbindlichkeit des Angebots als gegeben annimmt und nun schriftlich erklärt, dass Familie Hartlieb aus Hamburg nun eine eigene kleine Buchhandlung in Wien besitzt. Zur Abwicklung der Formalitäten und zur Anmietung der Wohnung über der Buchhandlung möge man doch schnellstens… blablabla

Siebtens: Man zögere kurz, reise nach Wien, kündige Beruf, Kindergartenplatz und Wohnung in Hamburg und beginne ein völlig neues Leben als Buchhändler. Mal eben so. Abseits aller wirtschaftlichen Überlegungen. Ohne Netz und doppelten Boden. Spontan. Glückwunsch, kann ich da nur sagen.

Meine wundervolle Buchhandlung von Petra Hartlieb, AstroLibrium, Hartliebs Bücher, Wien

Meine wundervolle Buchhandlung von Petra Hartlieb

„Meine wundervolle Buchhandlung“ ist zu diesem Zeitpunkt weit weg von diesem Prädikat. Sie ist verwinkelt, nur 40 Quadratmeter groß, veraltet, nicht sonderlich modern und damit wenig konkurrenzfähig. Aber sie zeichnet sich durch drei Faktoren aus, die ein unglaubliches Potenzial in sich bergen:

Es gibt sie tatsächlich: die Büchermenschen und Kunden, denen die alte Buchhandlung fehlt, und die es an Hilfsbereitschaft nicht mangeln lassen, wenn es darum geht, das eigene kleine Stadtviertel wieder mit einem buchigen Zentrum zu versehen. Denn wer fährt schon in die „STADT“, um Bücher zu kaufen, oder bestellt gar völlig anonym bei einem Online-Anbieter, wenn man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden kann? Nicht der Wiener Bücherfreund!

Man hat sie tatsächlich: die guten Freunde, die einem Unterschlupf gewähren, bis sich die Situation konsolidiert. Die sich aktiv Gedanken um einen Umbau machen, tatkräftig mit anpacken, wo immer es anzupacken gilt und auch finanziell in Brechen springen, die sich zunehmend von den Hartliebs auftun.

Und der wohl wichtigste Faktor: man trägt die Charaktereigenschaften von Petra und Oliver Hartlieb in sich. Und da muss man auf den alten Spruch zurückkommen: „Nomen est Omen“! Hart zu sich selbst, lieb zu Freunden, Kunden und zukünftigen Mitarbeitern stellen sie sich einer Herausforderung, die so unüberschaubar ist wie ein Feuerwehreinsatz beim Brand der legendären Bibliothek von Alexandria. Man hat kein Wasser und alle Bücher brennen gleichzeitig. Aber man ist eingespielt und wundervoll unvernünftig, wenn es darum geht Feuer mit Gegenfeuer zu bekämpfen.

Meine wundervolle Buchhandlung von Petra Hartlieb, AstroLibrium

Meine wundervolle Buchhandlung von Petra Hartlieb

Meine wundervolle Buchhandlung“ erzählt eine ebenso liebenswerte, skurrile, wie wundervolle Geschichte eines großen Wagnisses. In erfrischender Selbstironie, in kaum enden wollendem Sarkasmus und mit Galgenhumor wirft Petra Hartlieb einen selbstkritischen und liebevollen Blick zurück auf die Anfänge ihrer neuen Existenz. Wir dürfen ihr als Leser beim Renovieren helfen, die ersten neue Mitarbeiter einstellen, Krisenmanagement betreiben, Buchkartons stapeln, Rechner installieren und abends todmüde ins Bett fallen. Einen allerletzten Gedanken im nimmermüden Kopf: „Habe ich vergessen ein Buch zu bestellen?“

Dieses Buch ist kein reines Selbsterfahrungsbuch. Es ist mehr als der Versuch, seinen Lesern zu vermitteln, dass auch heute noch das Motto gelten kann „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Es ist eine Hommage an den Beruf des Buchhändlers und eine tiefgründige Betrachtung der Branche selbst. Diese Buchhandlung ist real. Sie lebt. Das durfte ich in persönlichen Telefonaten erleben. Oliver Hartlieb erlaubte mir gerne und mehr als freundlich die Verwendung von Bildern und Screenshots von der Homepage der Buchhandlung und eine Mitarbeiterin unterstrich am Telefon sehr deutlich, wie liebevoll es in einer besonderen Wiener Buchhandlung „menschelt“.

Und solle jemand den Eindruck gewonnen haben, dass Petra Hartlieb ausschließlich über ihre Buchhandlung schreibt, dann lasst euch doch einfach überraschen, was diese Bücherfrau zu erzählen hat, wenn ihr erst die Buchhandlung betreten habt. Die volle Wucht der bibliophilen Liebe zu ihren Schätzen ergießt sich in Anekdoten, Geschichten und Erinnerungen über ihre Leser. Es ist eine Welle, die euch mitreißen wird, da ihr Sogfaktor einfach gewaltig ist. Von Glattauer über Jonathan Frantzen bis zu sich selbst… Sie hat viel zu berichten, auch darüber, wie es ist, als Buchhändlerin ihre eigenen Bücher im Laden zu signieren,.

Ich bin froh, dieses Juwel in meine unendlich anmutende Lesereise „Bücher über Bücher einreihen zu können und ich habe mir „Hartliebs Bücher“ auf die Liste der wichtigen zu besuchenden Orte meines Lebens gesetzt. Mit der Chefin selbst konnte ich nicht reden. Leider. Sie ist auf Lesereise und gerade weggeflogen… Vielleicht schreibt sie dann bald über diesen neuen Lebensabschnitt und wir werden ihr lesend folgen. Geht gar nicht anders – sie schreibt einfach so schön…! Und seit wenigen Stunden steht fest, dass wir miteinander reden werden. Wo? Auf der Frankfurter Buchmesse. Glaubt mir, das wird ein Herzensinterview, über das ich gerne hier berichte!

Pertras Hartlieb - Mit einem Klick zum Interview

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