„Charlotte“ von David Foenkinos

Charlotte von David Foenkinos

Charlotte von David Foenkinos – Charlotte Salomon und Raily

Dann fing ich an, mir Notizen zu machen.
Notizen über Notizen, jahrelang…
Ich saß immer da und wollte dieses Buch schreiben.
Aber wie?
Durfte ich selbst darin vorkommen?
Konnte ich aus Charlottes Geschichte einen Roman machen?
Welche Form sollte das Ganze annehmen?
Ich schrieb, löschte, kapitulierte.
Ich brachte keine zwei Zeilen zu Papier.
Nach jedem Satz kam ich ins Stocken.

Es ging einfach nicht weiter.
Das war körperlich beklemmend.
Ich verspürte ständig den Drang, eine neue Zeile zu beginnen.
Um durchatmen zu können.

Irgendwann begriff ich, dass ich das Buch genau so schreiben musste.

David Foenkinos – Charlotte – DVA

Charlotte von David Foenkinos

Charlotte von David Foenkinos

Wie sollte ich rezensieren, was er kaum niederschreiben konnte?
Wo sollte ich nach dem Lesen ansetzen?
Wie einen Roman, der aus bloßen Sätzen besteht, in meinem Stil besprechen?
Aus Sätzen, die durch Atempausen getrennt sind.
Um durchatmen zu können.
Durfte ich seinen Rhythmus zerstören?
Musste ich nicht selbst pausenlos durchatmen, um voran zu kommen?

Ist es nicht gerade dieser Rhythmus gewesen, der mich fesselte?
War es nicht dieser Zyklus aus Lesen und Atmen, der mich zu Charlotte führte?
Habe ich nicht die Beklemmung des Autors gespürt?
Hatte sie nicht in mir selbst Wurzeln geschlagen?
Ihre Atemlosigkeit und Angst in mich gekrallt?
Ich habe es gar nicht erst versucht, anders zu denken.
Ich begriff, dass ich diese Rezension genau so schreiben musste.

Charlotte Salomon.
Eine Heldin ist geboren.
Schreibt David Foenkinos in seinem Buch.
Ab dem 16. April 1917 durchschreit Charlotte jede Nacht.
Nicht einverstanden mit dem Licht der Welt.
Vielleicht weil sie als Neugeborenes schon ahnt…?

Charlotte von David Foenkinos

Charlotte von David Foenkinos

Ihr Leben steht unter keinem guten Stern.
Mutter setzt dem ihren ein freiwilliges Ende.
Was man dem kleinen Mädchen verschweigt.
Grippe sei es gewesen. Lapidar erklärt.
Eine Wunde die nie heilt.
Der Vater in seiner Medizin versunken.
Flucht in den Beruf. Was sonst.
So schleppen sich die Jahre dahin.
In einer eigenen Welt.

Bis auch Charlotte eine findet, die für sie geschaffen scheint.
Charlotte zeichnet. Charlotte malt.
Sie lebt die Kunst. Sie ist begabt, wie keine Zweite.
Und das in einer Zeit, in der es doppelt schwierig wird.
Kunst wird entartet. Künstler verspottet und verboten. Verlacht. Verfolgt.
Seit 1933 bestimmt das Braune, welche Farben dominieren.
Und Charlotte Salomon ist Jüdin. Doppelt schwer.

Ihr Vater, frisch verliebt verkennt die Gefahr.
Und doch zieht sich das Leben enger um den Hals der jungen Frau.
Kultur und Kunst sind keine Fluchtburgen mehr.
Wenn Synagogen und Bücher brennen, dann brennen auch die Bilder.
Und wenn die Bilder brennen, gibt es keine Herzen mehr, die malen.
Charlotte kämpft um alles, was ihr lieb ist.
Sie liebt was in Gefahr ist.
Bis die Gefahr um sie herum sie zu verschlingen droht.

Charlotte von David Foenkinos

Charlotte von David Foenkinos

Der Krieg bricht aus. Gewalt bricht los. Es bleibt die Flucht.
Nach Frankreich. 1939. Zu den Großeltern, die vorher gingen.
Doch Sicherheit ist ein trügerisches Gut. Die Grenzen fallen.
Die Nazis sind da. 1940. Und mit ihnen kommt der Tod.
Verfolgung. Internierung.
Großmutter suizidiert sich in die selbstbestimmte Rettung.
Charlotte wird inhaftiert.
Kommt zufällig frei mit ihrem alten Opa und versinkt im Chaos.

Therapie und Kunst.
Zwei mächtige Gesellen begleiten ihre Angst.
Im Verborgenen malt sie wie eine Besessene.
Ihr Leben. In zwei Jahren entstehen über tausend Bilder.
Stationen der Angst.
Bilder als innerer Widerstand gegen das Reich der tausend Jahre.
Ein Arzt an ihrer Seite.
Eine Liebe auf ihrem Schoß.
Freiheit durch Kunst.

Sie malt, um nicht verrückt zu werden in all dem Theater.
Malt gegen sich und die Welt an.
Malt um zu erinnern.
So wie sie damals schrie nach der Geburt, malt sie nun die Gewalt.
Leben? Oder Theater. So heißt der Zyklus ihrer Bilder.
Das Leben weicht dem Rassebild des Feindes. Endlösung.
26 Jahre alt und wissend was kommt, vertraut sie ihrem Arzt die Bilder an.
Mit Worten die mich weinen ließen:

C`est toute ma vie. Das ist mein ganzes Leben.

Charlotte von David Foenkinos

Charlotte von David Foenkinos – Ein Stolperstein

Was folgt war klar. Zumindest ihr.
Verrat. 1943. Ein Zug. Eine ewige Fahrt.
Eingezwängt. Deportation.
Charlotte schwanger, der Mann ihrer Liebe an ihrer Seite.
Bis zum Schild.
Arbeit macht frei.
Bis zur Rampe.
Selektion.
Beruf? Zeichnerin, ihre Antwort.
Das sei kein Beruf, bekommt sie zu hören.
Aber schwanger. Das ist ein Argument für den Nazi.

Sie zur einen Seite. Ihre Liebe auf die andere. Getrennt.
Er zerbricht an Zwangsarbeit und stirbt drei Monate später.
Charlotte stirbt sofort.
Zu zweit.
Im Gas.


Was bleibt, sind ihre Bilder.
Was bleibt ist dieses Buch.
Was bleibt, ist es zu lesen.

Foenkinos gelingt ein Wunder.
In der Verknappung liegt die Magie, in jedem Wort sein Zauber.
In jedem Satz brilliert er durch seine Nähe zu Charlotte.
Er schreibt sie uns ins Herz und in den Verstand.
Nicht anders hätte er schreiben können. Nicht schreiben dürfen.
Ich verneige mich tief vor diesem Buch, vor jedem Wort.

Charlotte Salomon und Peggy Steike

Charlotte Salomon und Peggy Steike

„Charlotte“ zu lesen ist wie in eine Lawine aus Zeit zu geraten.
Mitgerissen zu werden ohne sich selbst retten zu können.
Zu versinken und gleichzeitig emporzustreben.
Die Erinnerung festzuhalten, ihre Bilder zu betrachten.
Es ist ihr ganzes Leben. Es liegt nun in unseren Händen.

Finis

Diese Worte mit Atempausen sind „meiner Charlotte“ gewidmet.
Die atemlos getrieben Gegen das Vergessen malt.
Die nachts in dunkler Zeit versinkt.
Die an Menschen erinnert, die vergessen werden sollten.
Peggy Steike.

Wenn sie mir den Koffer mit ihren Bildern anvertrauen würde.
Mit all den Opfern, die sie malte und deren Würde sie bewahrte.
Ich weiß, was sie zu sagen hätte:

Das ist ihr ganzes Leben.

Charlotte von David Foenkinos

Charlotte von David Foenkinos

Das war noch nicht das Ende, weil es nie ein Ende geben wird.
Nicht zu Charlotte.

Es wird die Dimension jenseits des Lesens und Sehens folgen.
Charlotte wir hörbar. In allen Klangfarben dieser Welt.
Im Hörbuch aus dem Hause „Der Hörverlag“.
Und als Audio-Rezension bei Literatur Radio Bayern.

Wer ihr Herz und Augen geschenkt hat, sollte die Ohren folgen lassen.

T o be continued...

Mit einem Klick zu meiner Radio-Rezension… Charlotte

Ein gewichtiges PS: Julias „Charlotte“-Rezension auf „Ruby`s Cinnamon Dreams“ zu lesen ist für mich, wie nach Hause zu kommen. Sie wird dem Buch so gerecht. Eine weitere interessante Stimme zum Hörbuch findet man auf der Kleinen Bücherinsel von Simone. Lesenswert. Auch Eva hat Chalotte auf Scatty´s Bücherblog verewigt.

Ein Koffer mit dem Vermächtnis seiner Besitzerin… Die tragische Gemeinsamkeit Charlottes mit der jüdischen Schriftstellerin Irène Némirovsky

Irène Némirovsky - Die Biografie und Charlotte von David Foenkinos

Irène Némirovsky – Die Biografie und Charlotte von David Foenkinos

Eva Mozes Kor – Vergebung ist kein Freispruch

Eva Mozes Kor - Vergebung ist kein Freispruch

Eva Mozes Kor – Vergebung ist kein Freispruch

Kein anderer Name ist in den letzten Tagen so häufig medial vertreten, wenn es um das Gedenken an die Opfer des Holocaust geht. Kein anderer Name steht so sehr im Fokus, wenn es um die Begleitung des wohl letzten großen „Auschwitz-Prozesses“ gegen einen der letzten noch lebenden Täter geht. Keine andere Frau wird, angesichts ihrer Gesten und Aussagen zur eigenen Verarbeitung des Grauens, in aller Öffentlichkeit gerade so argwöhnisch betrachtet. Niemand zeigt in diesen Tagen mehr menschliche Größe als sie: EVA MOZES KOR

Und warum? Weil sie beharrlich erinnert und mahnt? Weil sie mit ihren 81 Jahren die Welt bereist, Gedenkveranstaltungen besucht, vor Schülern spricht oder anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz als eloquenter Gesprächsgast von Jauch zu Lanz herumgereicht wird? Weil sie eine agile Zeitzeugin ist, die noch in der Lage ist, von allem Zeugnis abzulegen? Weil sie Nebenklägerin im Prozess gegen den „Buchhalter von Auschwitz“ Oskar Gröning ist? Nein – keineswegs.

EVA MOZES KOR ist deshalb so präsent, weil sie eine Botschaft vermittelt, die in der heutigen Zeit so unglaublich klingt und so sehr von Größe zeugt, dass man mehrmals hinhören und –schauen muss, um zu begreifen, dass sie es ernst meint. „Vergebe und heile!“ so lauten ihre markigen Kernworte, die sie jedem Menschen mit auf den Weg gibt. Worte, die in jugendlichen Herzen verankert werden und die heutige Generation zum Nachdenken bringen. Worte jedoch, die bei den Überlebenden des Holocaust nicht unumstritten sind. Worte, die bei Betroffenen ungläubige Reaktionen hervorrufen.

Eva Mozes Kor - Vergebung ist kein Freispruch

Eva Mozes Kor und Reiner Engelmann – Vergebung ist kein Freispruch

Ich bin Eva Mozes Kor erst vor kurzem begegnet. Anlässlich ihrer Lesung zum 70. Jahrestag der glücklichen Befreiung des Todeslagers Auschwitz am 27. Januar 1944 in einer gemeinsamen Veranstaltung mit Reiner Engelmann und dessen Buchvorstellung zuDer Fotograf von Auschwitz bin ich gemeinsam mit Peggy Steike der Einladung des cbj-Verlages gefolgt und wurde Zeuge eines denkwürdigen Abends. Ein Abend, der Peggy dazu inspiriert hat, Eva in ihrer Lieblingsfarbe ein lebendiges und leuchtendes Bild zu widmen, wie man am „Schulterblick“ im Atelier Steike deutlich erkennt. Blau im tiefen Kontrast mit der Vergangenheit. Symbolkraft für die Schüler, denen wir von Eva erzählen.

Ich habe den Todesengel überlebt, die bewegende Überlebensgeschichte von Eva Mozes Kor, begleitet unser gemeinsames Schulprojekt schon seit Jahren. Unter der Überschrift „Die Kunst des Vergebens“ beeindruckt ihre Botschaft ganz besonders junge Menschen, für die es aus heutiger Sicht schon unvorstellbar erscheint was Eva in Auschwitz erleiden musste. Umso unvorstellbarer sind dann ihre Worte „Vergebe und heile!“ Wir erklären den Jugendlichen immer wieder den Hintergrund der Botschaft und merken an den Reaktionen, dass aus dem Unglauben pure Bewunderung wächst.

Denn Vergebung ist für Eva Mozes Kor kein Akt der Selbstverleugnung oder gar ein Verzeihen im eigentlichen Wortsinn. Ihre Vergebung ist die größte Rache, die sie am Nazi-Regime nehmen kann. Es ist ein aktives Loslassen vom Trauma, ein sich selbst Distanzieren vom Grauen dieser Tage und ein ganz individueller Prozess, der es den Peinigern von damals nicht mehr gestattet, auch heute noch Macht über Eva Mozes Kor zu besitzen. Diese ganz eigene Form von Vergebung erlaubte ihr, die Opferrolle abstreifen und ihren Kampf Gegen das Vergessen aktiv beginnen zu können

Eva Mozes Kor - Peggy Steike malt gegen das Vergessen

Eva Mozes Kor – Peggy Steike malt gegen das Vergessen

„Jedes Opfer hat das Recht auf Heilung. Und das Gute an diesem Heilmittel Vergebung ist, dass es absolut keine Nebenwirkungen hat. Und jeder kann es sich leisten.“

Ihr Auftreten an jenem Abend in München entspricht ihrer Persönlichkeit. Sie vermag es den ganzen Saal im Amerikahaus zum atemlosen Schweigen zu bringen, als sie von der Selektion an der Rampe erzählt. Von der Trennung von ihren Eltern, von dem letzten Blick den sie mit ihrer Zwillingschwester Miriam auf ihre Familie werfen kann. Sie bringt Menschen zum Staunen, als sie darüber berichtet, wie der unbändige Wille zum Überleben entstand und wie sehr sich die Schwestern geschworen haben, nicht als Kinderleiche in einer Kloake zu enden.

Sie bringt die Menschen zum Lachen, als sie voller Sarkasmus erklärt, dass es die Aufseher nicht leicht mit ihr hatten. Ihre Kindheit sei nicht sehr harmonisch gewesen, berichtet sie. Körperliche Züchtigung durch den mehr als strengen Vater sei an der Tagesordnung gewesen und im Angesicht der Kapos des Konzentrationslagers mit ihren Knüppeln habe sie sich nur gedacht:

„Ihr habt euch wirklich das falsche Opfer ausgesucht. Ich bin bestens auf euch vorbereitet!“

Eva Mozes Kor - Vergebung ist kein Freispruch

Eva Mozes Kor – Vergebung ist kein Freispruch – Zwillinge im KZ

Sie sorgt für Applaus als sie davon berichtet, wie sie nach ihrer Befreiung aus dem Todeslager versucht hat, gemeinsam mit ihrer Schwester Miriam herauszufinden, welche Krankheitserreger man Miriam verabreicht hat, und die Verantwortlichen ihr den Rat gaben, doch einen ehemaligen Nazi-Arzt des Konzentrationslagers zu kontaktieren.

„Ich konnte das kaum glauben. Ich sagte denen dann, dass im Telefonbuch leider niemand unter der Berufsbezeichnung <Ehemaliger KZ-Arzt Auschwitz> zu finden sei und ich auch nicht annehme, dass sich da jemand auf eine Annonce in der Zeitung melden würde. Spaßvögel.“

Und sie vermag es, ihre Zuhörer und Leser intensiv mit Dr. Josef Mengele zu konfrontieren und allen zwiespältigen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Einerseits habe sie es ihm zu verdanken, dass sie nicht sofort vergast wurde, weil er nach Zwillingen für seine abscheulichen Menschenversuche gesucht habe. Wie ein Wissenschaftler habe er gehandelt. Keine menschliche Regung habe er gezeigt. Er war nie unfreundlich oder freundlich. Er war die wohl schwierigste menschliche Erfahrung, die Eva jemals erleben musste. Er sprach niemals. Kein persönliches Wort richtete er an seine Opfer. Er war ordentlich, stolz auf seine Arbeit. Ein Wissenschaftler umgeben von Versuchstieren.

Er tötete gezielt und doch im Vorbeigehen. Trotzdem lebten Eva und Miriam nur wegen ihm. Das musste den Mädchen vorkommen, als hätten sie es mit Gott persönlich zu tun. Diese Hilflosigkeit und die völlige Abhängigkeit, in Verbindung mit der ständigen Todesangst seien die ständigen Wegbegleiter gewesen. Nichts wurde den Mädchen jemals erklärt und es blieb ihnen keine Energie, als sich um das eigenen Überleben zu kümmern.

„Das hat alle Kraft gekostet!“

Eva Mozes Kor - Vergebung ist kein Freispruch

Eva Mozes Kor – Vergebung ist kein Freispruch – Lesezeichen von Eva

Und heute kostet es sie alle Kraft, als Überlebende des Holocaust mit ihrer Botschaft der Vergebung zur Selbstbefreiung nicht an den Rand des Gedenkens gedrängt zu werden. Reine „Selbstinszenierung“ wirft man ihr vor. Als „falsch zu verstehende Geste des Freispruchs für alle Täter“ wird ihre Geste gedeutet, dem Angeklagten in Lüneburg die Hand zu reichen. Und selbst das internationale Auschwitz Komitee wird zitiert mit den Worten: „Den Tätern Verzeihung zu gewähren, dazu fühlen sich die Überlebenden angesichts deren jahrzehntelangen unbelehrbaren Schweigens nicht in der Lage!“

Eva Mozes Kor ist dazu in der Lage. Sie spricht die Täter nicht frei von Schuld. Sie hat sich befreit von Tätern, die sie jahrelang in ihrer Gewalt hatten. Nur dieser Weg hat es ihr ermöglicht, ihren eigenen Weg aus dem Dunkel des Daseins als Opfer zu finden. Wir hören ihr aufmerksam zu und ich ziehe meinen Hut vor dem Kampfesmut von Eva Mozes Kor.

Eva Mozes Kor - Vergebung ist kein Freispruch

Eva Mozes Kor – Vergebung ist kein Freispruch

Ihr Mut steht auch heute noch als Beispiel, warum es sich lohnt für das Überleben zu kämpfen. Nun geht sie ihren Weg der Selbstheilung und der Selbstbefreiung. Wer das kritisiert, hat sich nie in die Lage der Überlebenden versetzt. Wer das kritisiert, hat sich nie mit dem Weg von Eva Mozes Kor auseinandergesetzt. Aber eines ist sicher. Keine Kritik der Welt wird aus ihr wieder das machen, was man ihr jahrelang im wahrsten Sinne des Wortes eingeimpft hat: EIN OPFER.

Sie hat einige Exemplare von „Ich habe den Todesengel überlebt“ für Schüler in Bayern mit dieser Botschaft versehen und signiert. Sie werden Peggy Steike und mich durch unser gemeinsames Schulprojekt begleiten. Sie uns hat ihre Botschaft mit auf unseren Weg gegeben und wir werden sie sicher nicht sinnentfremdet weitergeben, sondern so, wie ich es hier schrieb. In ihrem Sinne, der auch unserer ist.

„Forgive & Heal“

Thank you, Eva, forbeing part of your Message

Thank you, Eva, for being part of your Message

Nachtrag: auch Reiner Engelmann wird uns nach seinem Buch Der Fotograf von Auschwitz weiter begleiten. Ihm wird ein eigenständiger Artikel zu diesem Abend gewidmet. Auch seinem schon bald bei cbj erscheinenden neuen BuchWir haben das KZ überlebt gilt es, die vollste Aufmerksamkeit zu schenken. Er steckt tief im Thema. Differenziert und journalistisch höchst profund und seriös. Seine Emotionalität angesichts der sehr bewegenden Aussagen von Eva Mozes Kor in ihrer gemeinsamen Veranstaltung „Gegen das Vergessen“ werde ich nicht vergessen.

Hannah – Eine Vernissage „Gegen das Vergessen“ in Wort und Bild

Vernissage "Gegen das Vergessen" - Peggy Steike und Arndt Stroscher

Vernissage „Gegen das Vergessen“ – Peggy Steike und Arndt Stroscher

Das Lesen, Schreiben und Malen „Gegen das Vergessen gehen seit langer Zeit im gemeinsamen Projekt des positiven Erinnerns mit Peggy Steike Hand in Hand durch das reale Leben und die große Welt des Internets. Das Schulprojekt Hannah stellte bis jetzt den Höhepunkt unseres Projekts dar. Namen statt Zahlen, die Individualisierung des Erinnerns und Erinnerung braucht Farbe, dies sind nur einige Schlagworte, die dieses Engagement treffend beschreiben.

Nun ist die Zeit reif, einen weiteren großen Schritt gemeinsam zu gehen. Ab dem 11. Januar werden die Bilder aus dem Zyklus „Holocaust“ von Peggy Steike für mehr als zwei Monate als Dauerausstellung in der renommierten Galerie Eifel Kunst zu sehen sein. Diese Bilder sprechen ihre ganz besondere Sprache, vermitteln dem Betrachter ein tiefes Gefühl für die unzähligen Opfer des Holocaust, geben ihnen Würde und Identität zurück und führen dazu, dass man selbst zu recherchieren beginnt, um mehr zu erfahren.

Bilder gegen das Vergessen, die uns nachhaltig die Augen öffnen.

Vernissage "Gegen das Vergessen" - Peggy Steike und Arndt Stroscher

Vernissage „Gegen das Vergessen“ – Peggy Steike und Arndt Stroscher

Im Rahmen unseres gemeinsamen Projekts sind Bilder entstanden, die im tiefen inneren Kontext zu Büchern stehen, die vor dem Hintergrund des  Erinnerns eine wichtige Rolle einnehmen. Wir haben nun die Ehre, die Ausstellung mit einer „Vernissage gegen das Vergessen“ gemeinsam eröffnen zu können und dabei „Wort und Bild“ erstmals auch in dieser Form Hand in Hand zu präsentieren. So packen wir nun Worte, Bücher und Bilder ein, verladen unsere Emotionen, Gedanken und Tränen im Reisegepäck und reisen in die Eifel. Meine Heimat…

Im Rahmen dieser besonderen Vernissage stellen wir diese gemeinsamen Wege vor, die sich in Gemünd zu einer hell erleuchteten Prachtstraße des Erinnerns vereinen. Dazu haben wir die absoluten Musterbeispiele aus dem Bereich der aktuellen Literatur dabei, um aufzuzeigen, wie Bücher berühren und bewegen können, welche Form der Publikation den Opfern gerecht wird und welche negativen Ausprägungen wir unter der Überschrift „Holo-Kitsch“ bereits auf dem Buchmarkt entdeckt haben. Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit im Buch finden ihre Entsprechung in den Bildern der Ausstellung.

Der Fotograf von Auschwitz“ von Reiner Engelmann (cbj-Verlag) wird gemeinsam mit Peggy Steikes Bildern der jungen Czeslawa Kwoka Zeugnis für die aufrechte Recherche und die emotional/sachlich mustergültige journalistische Publikation Gegen das Vergessen ablegen und einer aktuellen Publikation gegenübergestellt, die  genau diesen Anspruch leider nicht erfüllt. Die Mission des Fotografen Wilhelm Brasse, die Opferbilder zu retten, die unter Zwang in Auschwitz entstanden, ist des würdevollen Gedenkens wert und darf nicht verfälscht werden. Dem haben wir uns verschrieben. Das eint uns mit Reiner Engelmann.

Vernissage "Gegen das Vergessen" - Peggy Steike und Arndt Stroscher

Vernissage „Gegen das Vergessen“ – Peggy Steike und Arndt Stroscher

Elisabeth Zöllers Jugendbuch „Anton oder die Zeit des unwerten Lebens schließt einen Kreis zu aktuellen Bildern von Peggy Steike, die den Opfern der T4 – Euthanasie-Programme der Nazis gewidmet sind und deutlich aufzeigen, dass rassistische Willkür und Ideologie jeden Menschen in den tödlichen Fokus des Regimes bringen konnten. Hier geben Bilder Identitäten zurück, die von den Machthabern systematisch vernichtet wurden.

Und natürlich wird „Hanas Koffer“ bei uns sein. Ein Blogprojekt, das hier vor fast sechs Monaten seinen Ursprung fand und inzwischen als Wanderbuch durch die ganze Republik unterwegs ist. Die Kassette mit dem Buch über das Schicksal von Hana Brady wird in einem Staffellauf des Erinnerns von insgesamt 20 Menschen gelesen, die mit ihren Namen für dieses Projekt des gemeinsamen Lesens und Gedenkens einstehen.

Aus Plauen wird die Kassette mit dem Buch „Hanas Koffer, Notizbuch, persönlichen Erinnerungen, Vergissmeinnicht-Samen und kleinen Beigaben der bisherigen Leser nach Gemünd in die Eifel geschickt, wo sie Mitgliedern des Fördervereins der Gedenkstätte des SS-Außenlagers/Konzentrationslager Hinzert übergeben wird. Unser Projekt wird dann am 27. Januar in der Gedenkstätte mit einem Portraitbild von Hana Brady und ihrem Bruder aus der Feder von Peggy Steike vorgestellt.

Vernissage "Gegen das Vergessen" - Peggy Steike und Arndt Stroscher

Vernissage „Gegen das Vergessen“ – Peggy Steike und Arndt Stroscher

Es ist eine große Ehre für uns alle, am 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz unseren kleinen Beitrag des Erinnerns in dieser besonderen Form präsentieren zu dürfen. Auch in Hinzert werden Vergissmeinnicht-Samen gepflanzt und „unser“ Wanderbuch wird von dort aus seinen Weg zum nächsten Leser fortsetzen. Eine Lichterkette des Lesens.

Nachdem Czeslawa Kwoka und Hana Brady, Wilhelm Brasse und viele andere Opfer in Wort und Bild greifbar und fühlbar ihre Stimme erhoben haben, wird unsere ganz eigene Hannah aus dem Schulprojekt auch die Besucher der Vernissage ansprechen. Mit dem bisher einzigen fiktionalen Bild Peggy Steikes und einem von mir eigens dazu verfassten Text versuchen wir, den Schülern die Angst vor der Dimension des Erinnerns zu nehmen. Wir bringen Farbe ins Erinnern und gehen mit Hannah einen neuen Weg des Gedenkens. Wir laden Sie alle herzlich ein, uns auch auf diesem Weg zu begleiten.

Wir freuen uns auf treue Wegbegleiter, die wir in Schleiden-Gemünd treffen werden. Wir freuen uns auf intensive Gespräche und neue Begegnungen unter der Überschrift des Erinnerns. Unser Dank gilt ganz besonders Marita Rauchberger, die es uns ermöglicht, die Galerie Eifel Kunst mit Wort und Bild zu erfüllen. Ebenso danken wir Irmgard Veit, die „Hanas Koffer“ auf ihrer persönlichen Lese-Etappe in Hinzert vorstellte. Wir werden bald wieder in die Eifel reisen, um mit den Hanas und Hannahs unseres Projekts auch die Schulen vor Ort zu besuchen.

Vernissage "Gegen das Vergessen" - Peggy Steike und Arndt Stroscher - AstroLibrium

Vernissage „Gegen das Vergessen“ – Peggy Steike und Arndt Stroscher

Wir sehen uns am:

Sonntag, den 11. Januar 2015
15 Uhr

Galerie Eifel Kunst
Schleidener Str. 1
53937 Schleiden-Gemünd

zur „Vernissage gegen das Vergessen“. Der Eintritt ist natürlich frei. Musikalisch wird die Vernissage von Georg Kaiser untermalt. Und natürlich werden wir ausführlich auf AstroLibrium berichten. Auf meiner Facebook-Seite werden viele Impressionen der Veranstaltung live gepostet. Wir freuen uns auf diesen besonderen Tag und haben alle Menschen im Herzen bei uns, die unsere Projekte bisher so herzenswarm begleitet haben.

Peggy Steike & Arndt Stroscher

Gegen das Vergessen - Peggy Steike und ArndtStroscher

Gegen das Vergessen – Peggy Steike und Arndt Stroscher

„Der Fotograf von Auschwitz“ von Reiner Engelmann

Der Fotograf von Auschwitz - Das Leben von Wilhem Brasse - Reiner Engelmann

Der Fotograf von Auschwitz – Das Leben von Wilhem Brasse – Reiner Engelmann

„Ich bin kein Brasse mehr“, war der erste Gedanke, der ihm durch den Kopf ging, nachdem er seine Nummer bekam. „Ich bin nur noch Häftling Nummer 3444.“

Der Fotograf von Auschwitz - Die Rezension anhören? Ein Klick genügt!

Der Fotograf von Auschwitz – Die Rezension anhören? Ein Klick genügt!

Reduziert auf eine Nummer. Aussortiert. Inhaftiert. Deportiert. Konzentriert. Brasses erster Blick fällt auf den Schriftzug über dem Lagertor: „Arbeit macht frei“. Danach durchmisst er die unglaublichen Ausmaße eines Areals, das für zahllose Gefangene errichtet worden sein musste. Am 31. August 1940 wird aus dem erst 23-jährigen Polen Wilhelm Brasse der politische Inhaftierte 3444 im Konzentrationslager Auschwitz. Eine Nummer, ein kahl rasierter Schädel und Häftlingskleidung lassen ihn in der Masse der todgeweihten Lagerinsassen untergehen.

Von Wilhelm Brasse, dem lebenslustigen aufrechten und heiteren jungen Mann ist nach den entwürdigenden Strapazen der Deportation nicht mehr viel übrig. Und das Ziel der Machthaber ist noch klarer definiert. Nichts sollte mehr übrig bleiben von ihm und den anderen. Zumindest Wilhelm Brasse hätte sich anders entscheiden können. Sein Vater Österreicher, seine Mutter Polin. Eine Unterschrift im von den Nazis besetzten Polen hätte ausgereicht, ihn zum Deutschen zu machen. Er verweigerte sich bewusst und trug die Konsequenzen. Nummer 3444. Nun geht der gelernte Fotograf den Weg der Deportation.

Der Fotograf von Auschwitz - Das Leben von Wilhem Brasse - Reiner Engelmann

Der Fotograf von Auschwitz – Das Leben von Wilhem Brasse – Reiner Engelmann

Schnell wird ihm klar, dass sich dieses Lager von allem unterscheidet, was er jemals über Gefängnisse gehört hatte. Die Arbeitskommandos denen er zugeteilt wird dienen in erster Linie ausschließlich der Zermürbung der Inhaftierten. Hygiene, Ernährung und Medizin werden auf ein Maß heruntergeschraubt, das ein qualvolles Dahinsiechen im KZ Auschwitz beschleunigt. Eine Todesmaschine, die erst ihren Betrieb aufgenommen hat und sich zu einer von vielen industriellen Vernichtungsfabriken der Nazis entwickeln sollte.

Wilhelm Brasse kämpft um sein Leben und mit viel Glück gelingt es ihm durch den eigenmächtigen und gewagten Wechsel von Arbeitskommandos durch einen puren Zufall für eine Tätigkeit im KZ ausgewählt zu werden, die zumindest sein Leben sichert. Solange er nur gehorcht und funktioniert. Wilhelm Brasse wird Der Fotograf von Auschwitz“ und ist fortan dafür verantwortlich, dass alle Neuankömmlinge fotografiert werden. Drei Porträt-Aufnahmen von jedem Opfer. Mit Kopfbedeckung im Profil. Ohne Kopfbedeckung im Profil und frontal in die Kamera schauend. Eine Karte im Bild, auf der man Haftgrund, Nummer und den Namen des KZs erkennen kann.

Lückenlose Nazi-Bürokratie erfordert lückenlose Dokumentation und gute Bildqualität unter unsäglichen Lebens- und Arbeitsbedingungen bei täglicher Todesangst. Brasse wird zum Zeugen der Massenvernichtung (nicht nur) jüdischen Lebens. Er wird Zeuge der Erniedrigung von Menschen, die durch das dichte Raster der braunen Machthaber gefallen sind. Behinderte, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, politisch Andersdenkende. Wilhelm Brasse hat zu funktionieren. Nur drei Minuten pro Bildserie. Drei Minuten pro Opfer, von denen er genau weiß, dass sie unrettbar verloren sind. Drei Einstellungen als letztes Lebenszeugnis.

Der Fotograf von Auschwitz – Das Leben von Wilhem Brasse – Reiner Engelmann - AstroLibrium - Peggy Steike

Der Fotograf von Auschwitz – Das Leben von Wilhem Brasse – Reiner Engelmann

Er blickt ihnen in die Augen. Bannt ihren verunsicherten Blick für immer auf die Bilder, die nur zum internen Gebrauch gedacht waren. Helfen konnte er keinem einzigen Opfer. Es hätte sein Leben gekostet. Einzig diese drei Minuten blieben ihm, um die Menschen zu beruhigen. Ihnen ein kurzes Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Seine Arbeit jedoch verändert sich im Laufe der Jahre. Bald werden Juden nicht mehr fotografiert und registriert, da sie sofort nach ihrem Eintreffen im Konzentrationslager vergast werden. Die Menschenversuche Mengeles erfordern ebenfalls eine saubere Dokumentation und Brasse sieht und fotografiert, was kein Mensch anschauen oder fotografieren könnte.

Kurz vor der Befreiung des Lagers durch die Sowjetarmee am 27. Januar 1945 erhält er den Befehl, alle Beweise zu vernichten und die Bilder zu verbrennen. Brasse lehnt sich auf. Er wird zum Kämpfer für das Erinnern und rettet einen Großteil der Fotos, die er selbst gemacht hat. Er rettet die Geschichten vieler einzelner Opfer. Er rettet die Identitäten und liefert unbestechliche Beweise für die unmenschlichen Verbrechen in Auschwitz. Zehntausende Gesichter überleben als Fotos mit Wilhelm Brasse den Holocaust und werden zu den wichtigsten Zeitzeugnissen. Augenzeugen im wahrsten Sinne des Wortes.

Wenn man heute über Wilhelm Brasse spricht oder schreibt, dann muss man sich vor Augen halten, was diese Zeit im KZ Auschwitz aus ihm gemacht hat. Er hat die Gesichter der Todgeweihten nicht nur für immer festgehalten, sie haben sich auch in seinem Inneren eingebrannt, weil er nicht helfen konnte. Seine Mission begann später. Er sprach über die Opfer, gab den Gesichtern ihre unverfälschten Geschichten zurück und legte Zeugnis ab, um das Erinnern zu ermöglichen. Wer heute über den Mann schreibt, der die Menschen vor seinem Objektiv in den Fokus rückte und sich selbst dabei im Hintergrund hielt, der muss in besonderer Weise darauf achten, neben dem Fotografen auch den Opfern von einst gerecht zu werden.

Der Fotograf von Auschwitz – Das Leben von Wilhem Brasse – Reiner Engelmann

Der Fotograf von Auschwitz – Das Leben von Wilhem Brasse – Reiner Engelmann

Reiner Engelmann schrieb über Wilhelm Brasse. „Der Fotograf von Auschwitz – Das Leben des Wilhelm Brasse“ (cbj) schildert diesen einzigartigen Augenzeugen, der uns zu Augenzeugen macht, ohne jegliche Fiktionalisierung oder Ausschmückung, ohne zusätzliche Dramatisierung oder Heroisierung. Engelmann hat sehr präzise recherchiert, Gespräche mit Wilhelm Brasse geführt und sich selbst vor Ort in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz einen Überblick verschafft, was Brasse täglich sehen konnte und versucht, ein Gefühl für diesen besonderen Menschen zu entwickeln, der am 23.10 2012 verstarb. Es blieben seine Bilder, Aufzeichnungen und die veröffentlichten Videos seiner Interviews. Es blieben die Porträts, die ihm wichtiger waren, als seine eigene Geschichte.

Reiner Engelmann gelingt mit seinem Buch, was Brasse mit den Fotos gelang. Der Autor zieht sich weit zurück. Man fühlt ihn kaum. Er wird zum Chronisten eines Lebens und vermittelt die ungeschönten Wahrheiten vor und hinter der Kamera. Im Fokus von Reiner Engelmann verschwimmen weder Opfer noch Täter. Er zeichnet Wilhelm Brasses Leben nach, führt die Nazi-Schergen ins helle Licht und gedenkt der Opfer, deren Bilder so oft für sich selbst sprechen. Diesen Raum lässt er ihnen.

Engelmann schreibt kein Wort zu viel. Er interpretiert und fantasiert nicht, sondern liefert für diejenigen Leser, die sich bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt haben zusätzliche Informationen, die auf einer mehr als fundierten Recherche und einer klaren Methodik im Vorgehen basieren. Dabei widmet er sich den kurzen, jedoch intensiven Episoden und Schlaglichtern, die Wilhelm Brasse hinter der Kamera erleben musste, in ebensolcher Knappheit. Drei Minuten blieben Brasse pro Bild. Drei bis vier Seiten benötigt Engelmann für die Beschreibung einzelner Kapitel des Grauens. Er muss nicht mehr schreiben. Diese Struktur wird den Opfern gerecht. Ebenso, wie demjenigen, der sie nur zu fotografieren hatte. Dieses Album ist ein Blick in den realen Abgrund.

Der Fotograf von Auschwitz – Das Leben von Wilhem Brasse – Reiner Engelmann

Der Fotograf von Auschwitz – Das Leben von Wilhem Brasse – Reiner Engelmann

Reiner Engelmann legt ein der Wahrheit verpflichtetes Buch vor, das besonders auch für junge Leser immer nachvollziehbar und nah bleibt. Er ordnet Fakten präzise ein und bringt das Auschwitz-Album in einen klaren zeitlichen Bezug zur Zwangsarbeit von Wilhelm Brasse. Wir werden Zeuge der Begegnung zwischen dem Fotografen und dem Mädchen, von dem nur diese Momente blieben. Czeslawa Kwoka, über die ich einen emotionalen Artikel des Aufschreis geschrieben habe, weil ein anderes aktuelles Buch über den Fotografen von Auschwitz die Fakten so sehr verfälschte, dass die Erinnerung an Czeslawa beschädigt wurde. (Siehe Artikel)

Danke Reiner Engelmann für diese Kapitel in Ihrem Buch. Danke, dass dieses Buch dem wahren Erinnern an die Opfer des Holocaust keinen Filter vor die Linse hält, der alles verzerrt. Der klarsichtige Blick wird der Bedeutung der Fotografie, der Bedeutung eines Menschenlebens und der Hoffnung, dass sich die Geschichte niemals wieder in solcher Dimension wiederholen kann, gerecht. Hier liegt endlich der Beweis in meinen Händen, der die Kritik an der Publikation zweier italienischer Autoren bestätigt.

Wenn man sich für das Leben des Fotografen von Auschwitz interessiert und die Gesichter der zum Tode verurteilten verkraftet, dann sollte man auf dieses Buch zurückgreifen. Es ist die wahre Geschichte in all ihren Facetten und realen Dramen. Eine große Autorenleistung, die einen Menschen in den Vordergrund stellt, der sich dort nie gesehen hat. Der Fotograf von Auschwitz wird uns durch unser gemeinsames Projekt Gegen das Vergessen als konstantes Schwerpunktthema begleiten. Es ist der mehr als gelungene journalistische Versuch, eine unfassbare Geschichte aus der geheimen Dunkelkammer des Nationalsozialismus ans Licht zu bringen und sie den Menschen zu erzählen, die heute nicht mehr glauben können, was damals geschehen ist.

Der Fotograf von Auschwitz – Das Leben von Wilhem Brasse – Reiner Engelmann

Der Fotograf von Auschwitz – Das Leben von Wilhem Brasse – Reiner Engelmann

Reiner Engelmann hat das Negativ von Wilhelm Brasse entwickelt, damit wir uns heute ein Bild von diesem mutigen Mann machen können, ohne den diese Fotos niemals überdauert hätten. Im Lebensalbum dieses Buches hat Reiner Engelmann nicht nur Czeslawa Kwoka, sondern auch uns allen etwas Verlorenes zurückgegeben. Ihr die Würde des Erinnerns und uns den Glauben an aufrechten Journalismus.

Ich danke Peggy Steike für den beharrlichen Rückhalt, die unglaublich intensive Wegbegleitung und den gemeinsamen Schritt in die Zukunft unseres Projekts. Wir werden wohl nie vergessen, wie viele Tränen beim Malen und Schreiben über die Bücher zu Wilhelm Brasse geflossen sind…

Nachtrag: Eine wichtige Stimme zu diesem Buch ist absolut lesenswert. Anja Schmidt rezensiert auf ihrem Literaturblog Zwiebelchens Plauderecke mit Gefühl und Spürsinn. Auch zu Reiner Engelmann hat sie umfassend geschrieben. HIER.

Czesława Kwoka – Ein Aufruf Gegen das Vergessen

Czesława Kwoka - Gegen das Vergessen - Eine wahre Geschichte

Czesława Kwoka – Gegen das Vergessen – Eine wahre Geschichte

Ich möchte heute eine Geschichte erzählen. Eine WAHRE Geschichte „Gegen das Vergessen der Opfer des Holocaust. Es ist eine eigentlich kurze Geschichte über ein 14-jähriges Mädchen, denn viel gibt es nicht, was von ihr blieb. Wir wissen nur, wann sie geboren wurde und wann sie starb. Wir kennen die genauen Umstände ihres Todes nicht und wissen nicht, wie sie gelebt, gelacht und gehofft hat. Wir kennen nur drei Fotos von ihr und, dem Widerstand des Fotografen sei Dank, können wir heute diese drei Minuten miterleben, in denen Czesława Kwoka diesem Mann und seiner Kamera gegenüber saß.

Doch bevor ich ihre Geschichte erzähle, bitte ich euch eindringlich, Czesława in die Augen zu schauen und ihren Blick auf euch wirken zu lassen. Dann solltet ihr euch von den Augen lösen und ihre Lippen genau betrachten. Ganz aufmerksam. Sie sind aufgeplatzt, jedoch noch nicht angeschwollen. Czesława Kwoka wurde erst vor wenigen Augenblicken geschlagen. Und nun schaut ihr in die Augen und versucht ihren Ausdruck zu deuten. Drei Bilder. Drei Minuten blieben dem Fotografen für jeden Neuankömmling.

Czesława Kwoka - Ein Blivk in ihre Augen...und dann...

Czesława Kwoka – Ein Blick in ihre Augen…und dann…

Drei Minuten, die vom Leben der 14-jährigen Czesława Kwoka geblieben sind. Es sind die einzigen Spuren, die von ihr geblieben sind. Das einzige Zeugnis ihres Lebens. Einziger Beweis ihrer Existenz und einziger Beleg für ihre Ankunft im Konzentrations-und Vernichtungslager Auschwitz am 13. Dezember 1942. Gemeinsam mit ihrer Mutter Katarzyna erreichte das katholische polnische Mädchen als politischer Häftling mit der Häftlingsnummer 26947 das Konzentrationslager Auschwitz, nachdem beide aus ihrer polnischen Heimatstadt Zamość deportiert wurden.

Und nur kurz nach ihrer Mutter verstarb Czesława Kwoka am 12. März 1943, nur drei Monate nach diesen Bildern im KZ. Die Todesursache wurde nicht dokumentiert. Es gibt kein Lebenszeugnis vor diesen Bildern, es gibt keine Spuren von ihr danach. Stellt euch vor, dies wären die einzigen Beweise für das ganze Leben eines Menschen, der euch nahe steht. Sie wären heilig. Sie sind heilig. Sie sind uns heilig.

Dem Fotografen dieser Bilder ist es zu verdanken, dass wir die Umstände erfahren, die zur Verletzung von Czesława Kwoka geführt haben. Ihm ist es zu verdanken, dass wir mehr sehen, als nur die Fotos, die er zur Identifizierung der Opfer anfertigen musste. Er ist der einzige unmittelbare Zeuge. Wilhelm Brasse. Der Fotograf von Auschwitz. Selbst polnischer politischer Häftling und nur seiner Fähigkeit, gute Fotos zu machen hatte er sein Leben zu verdanken, während sein gesamtes Umfeld in den Gaskammern des NS-Regimes ums Leben kam. Und nur seinem aktiven Widerstand ist es zu verdanken, dass diese Bilder nicht vernichtet wurden.

Wilhelm Brasse - Der Fotograf von Auschwitz (3.12.1917 - 23.10.2012)

Wilhelm Brasse – Der Fotograf von Auschwitz (3.12.1917 – 23.10.2012)

Wilhelm Brasse hat sein Leben aufs Spiel gesetzt, um seine Fotos zu retten und nach der Befreiung des Konzentrationslagers hat er enorm dazu beigetragen, das Erinnern an die von ihm fotografierten Menschen zu bewahren. Er selbst konnte nach dem Krieg nie wieder durch den Sucher einer Kamera schauen. Er konnte nie wieder fotografieren. Er sah immer nur die Gesichter der Menschen, die oftmals unmittelbar nach Fertigstellung der Fotos ermordet wurden. Aber er hat bis zu seinem Tod von den Opfern erzählt. Ein Zeitzeugnis aus erster Hand, das Bestand hat.

In einem persönlichen Interview könnt ihr von ihm selbst erfahren, was sich damals ereignet hat. Schaut euch bitte diesen Video-Mitschnitt an (Empfehlung: Vorspulen auf genau 7,00 Minuten und Untertitelfunktion aktivieren). Ihr werdet ihm glauben schenken, da er sich noch so gut an das junge polnische Mädchen erinnert. Und ihr werdet den Gesichtsausdruck von Czesława Kwoka verstehen können, der nach ihrer Deportation völlig unerwartet nun auch noch körperliche Gewalt angetan wurde. Aus dem Nichts heraus.

„Ich erinnere mich sehr gut an das Bild von diesem Mädchen, weil es einfach so jung aussah. Das Mädchen. So entwaffnend, als Mädchen, als Gefangene die ein Kopftuch trug. Sie sah noch gut aus, nicht abgemagert. Immer wieder wurden spezielle Nummern aufgerufen. Aber auf Deutsch. Und dieses Mädchen hat einfach nicht verstanden, was da sich vorging. Und dann hat diese SS-Frau… ich sah dies in mehreren Fällen… mit einem Stock zugeschlagen, ins Gesicht geschlagen…“

In seinen Aufzeichnungen und weiteren Interviews wiederholt Wilhelm Brasse diese Darstellung immer wieder. Das junge Mädchen habe dann vor den Aufnahmen versucht, sich das Blut abzuwischen und in einer Mischung aus Entsetzen und Stolz in die Kamera geschaut. Und so schaut uns Czesława Kwoka noch heute an. Ich wage nicht, ihren Blick zu interpretieren. Ich schaue ihr immer wieder in die Augen und fühle die unsägliche Hilflosigkeit. Wie einst Wilhelm Brasse, der nicht helfen konnte:

„To tell you the truth, I felt as if I was being hit myself but I couldn’t interfere. It would have been fatal for me. You could never say anything.”

Czesława Kwoka mit den Augen von Peggy Steike - Ein gemeinsames Schulprojekt

Czesława Kwoka mit den Augen von Peggy Steike – Ein gemeinsames Schulprojekt

Warum ich diese Geschichte heute erzähle? Warum Peggy Steike die Bilder von Czesława Kwoka gemalt hat? Wir wollen ihre wahre Geschichte erzählen. Schülern und Schülerinnen in ihrem Alter vermitteln, wie wenig von einem jungen Leben bleiben kann, wenn man in die mörderischen Fänge einer Diktatur gerät. Wir wollen diese Erinnerung wach halten und dafür Sorge tragen, dass diese wenigen Minuten, die aus dem Leben von Czesława Kwoka überliefert sind, zu einem Moment des Vergissmeinnicht werden.

Und dies ist dringend notwendig, angesichts eines aktuell erschienenen Buches, das als Sachbuch präsentiert wird, mit dem Bild von Czesława Kwoka „aufmacht“ und die Geschichte von Wilhelm Brasse erzählt.Der Fotograf von Auschwitz aus dem Blessing Verlag stellt den Mann hinter der Kamera in den Vordergrund und beleuchtet auf eindringliche Art und Weise das Schicksal eines Opfers, das Opfer fotografieren musste, um selbst am Leben zu bleiben. Das Buch berichtet über den Weg Brasses zum aktiven Widerstand und hält dadurch das Andenken an diesen wohl einzigartigen Zeitzeugen fest.

Er wollte überleben, um zu berichten. Er hat gekämpft, um das Andenken an die Opfer zu bewahren und in die Welt zu tragen. Dies gelang ihm bis zu dem Tag, an dem sich seine Augen für immer schlossen. Wilhelm Brasse verstarb am 23.10.2012. Geblieben sind seine Aufzeichnungen, Vorträge, Interviews und seine verbrieften Erlebnisse.

Wilhelm Brasse - Der Fotograf von Auschwitz - Crippa / Onnis - Blessing

Wilhelm Brasse – Der Fotograf von Auschwitz – Crippa / Onnis – Blessing

Umso größer war unsere Enttäuschung, wenn nicht gar unser Entsetzen, als wir feststellen mussten, dass genau dieses Buch mit dem Titelbild von Czesława Kwoka ihre Geschichte nicht so schildert, wie sie von Wilhelm Brasse selbst erzählt wurde. Ich hatte gehofft, hier in Übereinstimmung mit meinen eigenen Recherchen mehr zu erfahren und Informationen durch die historisch fundierte Arbeit der italienischen Autoren vertiefen zu können. Auch Peggy Steike hat lange recherchiert und wollte nicht glauben, was im Buch abweichend von allen verfügbaren Quellen zu lesen ist:

Dass sich auf dem Gang vor dem Fotolabor Wilhelm Brasses plötzlich ein lautstarker Kampf zweier Kapos (KZ-Wärter) unter den Anfeuerungsrufen ihrer Kollegen ereignet haben soll; dass der Mann und die Frau verbissen auf dem Boden miteinander gerungen haben, während ein 14-jähriges Mädchen mit blutendem Gesicht ebenfalls am Boden lag; dass die Aufseherin ihrem Widersacher vorwarf, dem Mädchen die Hand zwischen die Beine gesteckt und sie geschlagen zu haben, weil sie ihn böse anschaute. Dass Wilhelm Brasse dem Kampf mit den Worten „Lasst sie jetzt vor“ ein Ende bereitet habe und sich das Mädchen ihm dann als Czesława vorstellte, all dies unterscheidet sich erheblich von Darstellungen Brasses in seinen Aufzeichnungen und Interviews, in denen von einem sexuellen Übergriff keine Rede ist.

(Dass die Autoren hier eindeutig von Czesława Kwoka sprechen, ergibt sich daraus, dass die Fotos von ihr die entsprechende Kapitelüberschrift „1941 – 1942: Sich verstecken, um zu überleben“ ergänzen und die dem obigen Vorfall folgende Beschreibung des Mädchens keinen anderen Rückschluss erlaubt. Crippa / Onnis – Wilhelm Brasse – Der Fotograf von Auschwitz, S. 70 ff.)

Wilhelm Brasse - Der Fotograf von Auschwitz - Seite 71

Wilhelm Brasse – Der Fotograf von Auschwitz – Seite 71

Für diese Schilderung finden sich keine Quellen, die der Beschreibung standhalten. Die bloße Betrachtung des Videos beantwortet viele Fragen. Der Vorfall ist grausam genug und erlaubt eigentlich keine weiteren Dramatisierung. Darüber hinaus finden sich weitere eklatante methodische Fehler in Datierung, Chronologie und Freiheiten in der Wiedergabe von Gesprächen, für die keine Quellen zu finden sind. Das im Buch präzise Wort für Wort beschriebene private Fotoalbum der SS-Führung des KZ Auschwitz ist das im Jahr 1944 entstandene Auschwitz-Album von Lili Jacob. Es wurde im Buch in das Jahr 1941 verlegt und mit Bildern hinterlegt, die mit 1944 untertitelt sind. Methodisch völlig inakzeptabel. Und in den Quellenangaben taucht das Auschwitz-Album nicht auf.

Wilhelm Brasse - Der Fotograf von Auschwitz - Methodische Fehler

Wilhelm Brasse – Der Fotograf von Auschwitz – Methodische Fehler

„Der Fotograf von Auschwitz“ von Crippa / Onnis ist kein reines Sachbuch. Es ist der Versuch, den Lebens- und Leidensweg des Häftlings Wilhelm Brasse mit fiktionalen Anteilen nachvollziehbar zu machen. Eine solche literarische Mischform des erzählenden Sachbuchs entsteht zumeist dann, wenn beschriebene Zeitzeugen nicht mehr persönlich befragt werden können. Mit fiktionalen Freiheiten sollte hier vorsichtig umgegangen werden. Das Buch ist in den von mir aufgeführten Teilen nicht sauber recherchiert und erzielt bezogen auf Czesława Kwoka einen Effekt, der unglaublich ist. Brasse hat ihre Geschichte erzählt und sein Leben dafür riskiert, sie erzählen zu können. Und nun, 70 Jahre später wird ihre Geschichte hinter einer Abwandlung der Realität verschleiert – gar verfälscht. Warum sollte ich vor diesem Hintergrund dem Buch mehr glauben schenken, als der Originalaussage von Wilhelm Brasse?

Ich sehe uns eines Tages mit den Bildern von Peggy Steike in einem Vortrag, sehe wie wir die Geschichte dieses Mädchens erzählen und erinnern wollen, und höre dann in meinem Geiste „Das ist nicht ganz richtig – ich habe das in einem Sachbuch anders gelesen“… Und wer der Meinung ist, es sei doch letztlich egal, warum das Mädchen auf dem Bild so schaut oder warum sie aus mehreren Wunden blutet, der möge sich nur vor Augen halten, wie er sich selbst fühlen würde, wenn die einzige Erinnerung an die eigene Tochter oder den eigenen Sohn so verschoben dargestellt würde. Wohlgemerkt, die einzige Erinnerung.

Ich habe dem Blessing Verlag vor der Herausgabe des Buches meine Bedenken mitgeteilt. Ehrliche Betroffenheit war die Reaktion, besonders weil man das Buch als Lizenznehmer des italienischen Herausgebers PIEMME publiziert und eine inhaltliche Überprüfung nicht üblich ist. Es wurde jedoch zugesagt, die Autoren nach ihren Quellen zu befragen. Das Buch ist letztlich in der vorliegenden Fassung erschienen und wird wohl in weitere Sprachen übersetzt. Den Mängeln konnte nicht widersprochen werden.

Darüber hinaus wurde betont, dass dieses erzählende Sachbuch nicht den Stellenwert eines Sachbuchs haben kann, und die Autoren wohl die Chronologie der Ereignisse in Auschwitz der Dramaturgie des Buchs geopfert haben, um die persönliche Entwicklung Wilhelm Brasses zum Widerstandskämpfer hervorzuheben. Diese Aussagen lasse ich für sich wirken. Unkommentiert.

Aus meiner Sicht und nach meinen Erkenntnissen wurde Czeslawa Kwoka nicht 1942 fast vergewaltigt. Sie wurde es heute und dagegen kämpfen wir mit Wort und Bild an. 

Wilhelm Brasse - Der Fotograf von Auschwitz - Zuviele offene Fragen

Wilhelm Brasse – Der Fotograf von Auschwitz – Zu viele offene Fragen

Beim cbj Verlag erscheint ebenfalls ein Buch unter dem Titel „Der Fotograf von Auschwitz“. Reiner Engelmann liefert den Beweis, dass meine Kritik berechtigt war… 

Der Fotograf von Auschwitz - Das Leben von Wilhem Brasse - Reiner Engelmann

Der Fotograf von Auschwitz – Das Leben von Wilhem Brasse – Reiner Engelmann

Siehe dazu auch: Neue Zürcher Zeitung – „Die Würde der Opfer“ zu Crippa/Onnis:

„Das ist Groschenroman-Niveau. Crippa und Onnis schrecken in ihrer Darstellung auch vor Holocaust-Kitsch nicht zurück: «Instinktiv hob er den Blick zum Fenster, als hoffe er, am Himmel eine Spur jenes letzten Weges zu entdecken, den die auf der Liste verzeichneten Menschen in dieser Welt genommen hatten.» Fänden sich solche Ausrutscher in einem belletristischen Werk, liessen sie sich als Ausdruck schlechten Geschmacks bezeichnen. Wenn es aber um die Wirklichkeit von Auschwitz geht, ist derlei unerträglich.“

Dem schließe ich mich inhallich und emotional voll umfänglich an!