„Dark Noise“ von Margit Ruile

Dark Noise von Margit Ruile

Es beginnt für mich bereits am frühen Morgen. Schon auf dem Bahnsteig werde ich von der ersten Überwachungskamera ins Visier genommen. In der S-Bahn gerate ich in den Fokus unzähliger Objektive und auch mein Ausstieg am Münchner Hauptbahnhof wird festgehalten. Kaum eine Überwachungslücke, keine Nische, kein toter Winkel. Erst mit dem Betreten des Büros erreiche ich einen Bereich, der sich unbeobachtet und fast privat anfühlt. Ich habe damit kein Problem. Ich stelle ja nichts an, habe keine Pläne für kriminelle Aktivitäten und fühle mich recht sicher. Als Opfer von Gewalttaten ist es wohl überlebenswichtig, den Täter mit Hilfe von Überwachungsvideos zu identifizieren.

Wer denkt da nicht an Frauen, die auf Rolltreppen zu Boden getreten werden oder an Flughäfen, deren Videoüberwachung terroristische Anschläge aufklären kann? Wer denkt nicht an einen Mordanschlag auf den Halbbruder des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un? Alles nur zu unserer Sicherheit. Biometrische Ausweise, Kameras wohin wir schauen und subjektiv haben wir das Gefühl, in Abrahams Schoß zu wandeln. Aber wer sitzt auf der anderen Seite der Objektive? Wie geht man mit der Flut an Information um, die sich hier aufstaut? Und was ist, wenn unsere gesammelten Daten missbraucht werden? Handyortung, abgehörte Telefone, Kameras und bald das autonome Fahren. Werden wir zu gläsernen Menschen und wer profitiert vom Security-Hype?

Dark Noise von Margit Ruile

Ein spannendes Thema. Margit Ruile stellt es in ihrem Roman Dark Noise in den Brennpunkt des Geschehens. Was George Orwell mit seiner düsteren Zukunftsvision „1984“ so beklemmend skizzierte, setzt Margit Ruile auf dem Stand der Technik des 21. Jahrhunderts mit völlig neuen Aspekten fort und weckt ein beklemmendes Gefühl. Mehr als das. Ich habe versucht das Buch zwischen mich und den Blickwinkel der Kameras in der S-Bahn zu bringen. Ich wollte unsichtbar bleiben, unentdeckt lesen und mich vor den aufdringlichen Blicken der „Big Brothers“ unserer Tage schützen.

Warum ich den Kameras plötzlich misstraute? Was mich ängstigte? Da sollten Sie einen einzigen Blick in „Dark Noise“ (Loewe Verlag) werfen. Ein Blick genügt. Glauben Sie mir. Er wird genau 288 Seiten lang sein. Und keine Sorge. Sie kommen gar nicht zu Augenblicken der Pause und Blinzeln geht schon gar nicht. Denn Margit Ruile spielt mit unserem Misstrauen gegenüber der Technik und stellt die Videoüberwachung unter den Vorbehalt der möglichen Manipulation. Undenkbar, dass Videosequenzen nicht zeigen, was tatsächlich geschah. Undenkbar, dass es wirklich möglich ist, diese offiziellen und seriösen Quellen zu verändern und damit eine kriminelle Energie zu entwickeln, die wir uns kaum vorstellen können.

Dark Noise von Margit Ruile

„Dark Noise“ ist ein Höllentrip auf dem schmalen Grat des technisch Machbaren und der Vision des Möglichen. Einer der apokalyptischen Technikfreaks ist Zafer. Er entspricht genau unseren Vorstellungen eines Computer-Nerds. Das reale Leben stellt zu große Herausforderungen an ihn. Erst vor dem Monitor, unsichtbar für den Rest der Welt und ohne soziale Kontakte kann er sein Talent ausleben. Er verändert die Realität. Also nicht wirklich, aber zumindest dort, wo sie fehl am Platz ist. Seine Arbeit ist für die Filmindustrie unverzichtbar. Er entfernt Markennamen, störende Details und mehr aus den Videosequenzen einer Fernseh-Soap. Und das macht er so gut, dass man niemals wieder erkennen würde, dass die Aufnahmen im Original anders aussahen.

Ein kleiner Zusatzauftrag verändert sein Leben. Ein kurzes Überwachungsvideo aus einer der unzähligen Kameras seiner Stadt, ein Fahrzeug, das eine Tiefgarage verlässt und eine kleine und geheimnisvolle Botschaft lösen eine Kette von Ereignissen aus, in der Zafer sich zusehends gefangen sieht. Es gibt kein Entkommen.

„Lass die Nummer verschwinden. Wie schnell bist du, Zafer?“

Nichts leichter als das. Ein Kfz-Kennzeichen auf einem bewegten Bild zu verändern, stellt nur eine Fingerübung für Zafer dar. Er ist schnell. Er ist gut. Er ist perfekt. Und als kleine Aufwandsentschädigung wird er fürstlich entlohnt. Diesem kleinen Auftrag folgen größere. Es wird komplexer, aber Zafers technischer Ehrgeiz ist geweckt und er schafft alles in Perfektion. Er lässt einen Mann aus einem Überwachungsvideo verschwinden und montiert einen anderen in eine völlig neue Umgebung. Gründe interessieren Zafer nicht. Die Folgen ebenso wenig. Sein Können steht im Vordergrund und endlich kann er mal zeigen, wozu er wirklich in der Lage ist. Seine Videos formen eine neue Welt.

Dark Noise von Margit Ruile

Ob Zafer mit dieser neuen Welt zurechtkommt? Nein. Denn spätestens als er seine Werke im Fernsehen sieht, als er die Schlagzeile vom Journalistenmord realisiert und der Mann zum Tatverdächtigen wird, den Zafer in das Video montiert hat, wird ihm zum ersten Mal die Tragweite seines Handelns bewusst. Nur er hat den Schlüssel in seiner Hand. Nur er kann den Verdächtigen entlasten, aber: Was eigentlich einfach klingt, wird für Zafer zur lebensbedrohlichen Jagd in einer Welt der Daten-Highways. Nur mit dem Unterschied, dass er selbst auf der falschen Fahrbahn in den Untergang rast.

Margit Ruile lässt ihren Protagonisten nicht im freien Raum hängen. Auch wenn er von „seiner“ Autorin von einem Schlamassel in die nächste Zwickmühle getrieben wird, er ist nicht allein in seinem Kampf um die Wahrheit. Er begegnet einer jungen Frau, für die unsere Welt nur aus Tönen und Melodien zu bestehen scheint. Ihre Gitarre und die Straßenmusik dominieren ihr Leben. So sieht es jedenfalls aus. Dass Emily jedoch die Speerspitze einer Untergrundbewegung im Kampf gegen die Videoüberwachung durch den Konzern „Argos“ ist, das begreift Zafer erst, als ihm klar wird, dass es ein Leben jenseits der virtuellen Welt gibt. Ein Leben an der Seite von Emily vielleicht. Man sollte nur überleben. Das jedoch ist schwer genug.

Dark Noise von Margit Ruile

„Dark Noise“ ist ein IT-Technik-Thriller mit menschlichem Tiefgang. Margit Ruile streift die wichtigen Themen unsere Zeit nicht nur, sie lässt ihre Leser in eine Welt mit eigenen Gesetzen abtauchen. Der Spagat zwischen Sicherheit und Kriminalität gelingt ihr in ihrem Erzählraum, weil sie die Grenzen des heute schon Realisierbaren fließend überschreitet und visionäre Denkanstöße liefert, die eine tiefe Auseinandersetzung mit den Themen Identität, Authentizität, Datensicherheit und Kriminalität anstößt. Dabei ist die zwischenmenschliche Seite des Jugendbuchs, das zum All-Age-Utopiethriller taugt, so greifbar und emotional beschrieben, dass man die Konsequenzen der Manipulation körperlich und seelisch fühlen kann.

Dabei ist ihr Erzählstil eigenwillig. Sie charismatisiert nicht nur die Protagonisten, sie kommentiert und bewertet auch die Erzählperspektiven mit Einschüben, die zusätzliche Spannung erzeugen. Man muss sich diese Perspektiven in „Dark Noise“ selbst erlesen und sie entdecken. Dann ist man auf dem besten Weg zu verstehen, wer hier eigentlich zu uns spricht und warum es so wichtig ist, genau dieser Person blind zu vertrauen. Es ist eine Geschichte, die sich für eine Verfilmung aufdrängt. „Dark Noise“ ist ein Thriller der uns in eine Kopfkino-Vorstellung katapultiert, bei der wir in der ersten Reihe sitzen und völlig vergessen, unser Popcorn zu genießen.

Ich bin froh, unsere Überwachungssysteme in guten Händen zu wissen. Bleibt die Frage, ob ich es denn wirklich weiß… Danke für diesen gesunden Zweifel, Margit Ruile…

Dark Noise von Margit Ruile – Perfekt für Layers-Fans von Ursula Poznanski

Ich wollte nur, dass du noch weißt – Nie verschickte Briefe

Ich wollte nur, dass du noch weißt - Emilly Trunko

Ich wollte nur, dass du noch weißt – Emily Trunko

Zugegeben. Ich bin ziemlich durcheinander und es ist nicht leicht, richtige Worte zu finden. Zugegeben. Ich habe mich einem Buch geöffnet, wohl wissend, dass es mich in den Grundfesten meiner Gefühlswelten erschüttern wird, da es eine Ebene berührt, die ich nicht mit einer besonders widerstandsfähigen Schutzschicht überzogen habe. Mein Herz hat mich schon auf der Frankfurter Buchmesse vorgewarnt und nun, nachdem ich Ich wollte nur, dass du noch weißt gelesen habe weiß ich, dass es Recht hatte. Ich bin tief gefallen, habe mich verletzt und eine Melancholie aufgesaugt, die ich früher nur als „Lachenweinen“ empfunden habe.

Zugegeben. Es ist etwas Großes, was hier aus einer kleinen Idee entstand. Selbst die sechzehnjährige Bloggerin Emily Trunko konnte nicht ahnen, welche Wellenberge sie auslösen würde, als sie ihren Tumblr-BlogDear My Blank“ ins Leben rief, um ihre nie verschickten Briefe zu veröffentlichen. Und davon hatte sie eine ganze Menge. Sie hatten sich in einem Notizblock angesammelt und richteten sich an Menschen, die auf die eine oder andere Weise Einfluss auf das Leben der jungen Frau genommen hatten.

Ich wollte nur, dass du noch weißt - Emilly Trunko

Ich wollte nur, dass du noch weißt – Emily Trunko – Dear My Blank – Der Blog

In diesen nie verschickten Briefen konnte Emily ihren Gefühlen freien Lauf lassen und Gedanken zu Papier bringen, die nur unter der Voraussetzung ihren Weg ans Licht fanden, weil die Adressaten die an sie gerichteten Zeilen ganz bestimmt niemals lesen würden. Diese Texte waren ihr so wichtig, dass sie einfach damit begann, sie auf „Dear My Blank“ zu veröffentlichen. Ihre Erwartungshaltung war nicht sonderlich groß:

„Zuerst war ich nur neugierig, ob andere Leute vielleicht genau dasselbe machen, wie ich.“

Zugegeben. Ja, Emily. Ich mache das auch, wäre aber nicht auf die Idee gekommen, sie zu veröffentlichen, da ich befürchtet hätte, dass sie ihren Zauber verlieren oder dass sie vielleicht doch von den Menschen gelesen würden, die sie auf gar keinen Fall lesen sollten. Mir hätte der Mut gefehlt und er fehlt mir noch heute. Was aber aus der kleinen Idee der amerikanischen Bloggerin wurde, ist eine kleine Internet-Sensation. Ihre Leser haben anders reagiert, als erwartet. Tausende von Menschen schickten ihr Nachrichten mit nie verschickten Briefen, versehen mit der Bitte, sie anonym zu veröffentlichen.

Ich wollte nur, dass du noch weißt - Emilly Trunko

Ich wollte nur, dass du noch weißt – Emily Trunko

Dreißigtausend dieser höchst persönlichen Beiträge hat sie bisher gepostet. Und täglich kommen neue unverschickte Briefe hinzu. Als auch die Medien auf diese starke Resonanz aufmerksam wurden, war die Welle nicht mehr zu stoppen und so war es nur eine Frage der Zeit, bis einige der schönsten Briefe in wundervoller Aufmachung, zum Teil illustriert und in wundervollem Handlettering das Licht der Welt als Buch erblicken. Ich wollte nur, dass du noch weißt – Nie verschickte Briefe“ von Emily Trunko ist jetzt im Loewe Verlag erschienen und vermittelt einen Eindruck von der Emotionalität, die all diese Texte miteinander verbindet.

Und genau hier sind wir an dem Punkt angelangt, der dieses Buch für mich zu einer der interessantesten Neuerscheinungen des Jahres macht. Man wird über dieses Buch reden wollen. Man wird sich austauschen, Gemeinsamkeiten im Lesen ausloten und es immer wieder mit dem eigenen Leben verbinden. Denn wer hat sie nicht im Giftschrank seiner Gefühlswelten? Diese nie verschickten Briefe, Nachrichten oder SMS, in die man sein ganzes Herzblut legte, sich seinen Weltschmerz von der Seele schrieb, Hoffnung und Verzweiflung zu Papier brachte und sie dann im entscheidenden Moment doch für immer und ewig unter Verschluss hielt.

Ich wollte nur, dass du noch weißt - Emilly Trunko

Ich wollte nur, dass du noch weißt – Emily Trunko

Und doch ist da immer dieses irrationale Gefühl, sein Gegenüber erreicht zu haben, ohne die Zeilen jemals auf den Weg zu bringen. Ob Liebeserklärung oder das genaue Gegenteil, ob Dank, Kriegserklärung oder Rechtfertigung, ob Geheimnisvolles oder zu Vertrauliches, alles hat seinen Platz in diesen Nachrichten, die das Licht der Welt nicht erblicken sollen. Allzu verlockend war es für die Leser von Emily Trunko, dem Angebot der Geburtshelferin dieser ungelesenen Gedanken zu folgen und nie verschickte Briefe anonym ins Netz zu stellen.

Zu tief und aufrichtig waren die Gedanken, als dass sie für immer verborgen bleiben sollten. Zu intensiv war die Zeit, in der sie entstanden und zu offen blieb die Tür, die es doch irgendwann zu schließen galt. Für die meisten Leser war die Veröffentlichung der eigenen Zeilen der wichtigste Schritt in der Verarbeitung der offenen Fragen im Leben. Das Buch sortiert die Beiträge in kleine, in sich geschlossene Themenkreise. Man kann sich ja vorstellen, wie sie heißen. Liebe, Freunde, Familie, Liebe, Verrat, unerwiderte Liebe, Verlust, Herzschmerz, Danke und Briefe an sich selbst… „Liebes Ich…“

Ich wollte nur, dass du noch weißt - Emilly Trunko

Ich wollte nur, dass du noch weißt – Emily Trunko – Verlust

Jeder einzelne Text ist eine menschliche Offenbarung. Auch, wenn man nichts über die Hintergründe der einzelnen Nachrichten erfährt, so sind sie doch in der emotionalen Aussagekraft in sich selbstverständlich und nachvollziehbar. Sie inspirieren und ziehen ihre Kreise in den eigenen Gedanken. Viele dieser bewegenden Nachrichten stehen für ein ganzes Leben. Oftmals auch für eines, das nicht weitergelebt werden konnte. Kann man gefühllos über diese Zeilen hinweggehen? Sicher nicht. Ich suchte meine eigenen nie verschickten Briefe und bin froh, sie in der jeweiligen Situation ganz allein für mich niedergeschrieben zu haben. Und doch wächst die Versuchung, den Blog von Emily zu besuchen, denn wer weiß… vielleicht…

Einer der emotional bewegendsten Beiträge ist sehr kurz. Es sind nur zwölf Wörter, die eine ganze Geschichte zu erzählen scheinen. Sie schreien den Leser an, nichts auf die lange Bank zu schieben, sich einfach zu trauen und nicht zu warten, bis es zu spät ist. Zeilen, die mich tief bewegt haben und über die ich gerne reden würde. Sie sind ein ganzes Leben. Vielleicht sogar viel mehr, weil sie im Nachhall des Vergangenen auch das Leben eines anderen Menschen mit einem großen Fragezeichen versehen. Lasst mich Eure Gedanken zu diesen Zeilen fühlen.

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L,
wir haben den Ring in deinem
Schreibtisch gefunden. Ich hätte
JA gesagt.
A

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Eine Ausgabe von „Ich wollte nur, dass du noch weißt“ liegt hier bereit für den / die Verfasser/In des Kommentars zu diesen Zeilen, der mich am meisten bewegt. Schreibt mir eure Gedanken, wir sind ja unter uns. Lasst Euren Gefühlen einfach mal freien Lauf und zeigt mir, wo dieses Herzensbuch künftig wohnen soll und mit wem ich mich dann über die vielen Einträge austauschen kann. Schreibt… Schreibt…

Einsendeschluss: Valentinstag, Dienstag 14. Februar Mitternacht… 😉

Ich wollte nur, dass du noch weißt - Emilly Trunko

Ich wollte nur, dass du noch weißt – Emily Trunko

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„ELANUS“ – Ursula Poznanski

Elanus von Ursula Poznanski

Elanus von Ursula Poznanski

SIE ist die Fluchthelferin meines Lesens. Das Leitthema in ihren Romanen Erebos, Saeculum und Layers hat mich zum Weltrekordler in Verfolgungsjagden gemacht. Ich habe keine Ahnung, wie viele Kilometer ich in ihren Büchern bereits auf der Flucht war und dabei dunkle Wälder, Häuser oder Straßenschluchten rastlos durchquert habe. Es müssen zahllose Wege sein, die ich mit ihr lief.

Ursula Poznanski – Autorin zahlloser Bestseller und Phänomen meines Lesens. Ich habe sie porträtiert, interviewt, habe ihre Romane gelesen, Artikel geschrieben und den Weg ihres Schreibens verfolgt. Immer wieder hat sie mich dabei aufs Neue überrascht, fasziniert und zum Staunen gebracht. Ungesehen würde ich ihre Bücher lesen, mich ihr anvertrauen und schon auf der ersten Seite wissen, dass ich nicht enttäuscht würde.

Ursula Poznanski hat mich noch nie im Stich gelassen, nie offene Fragen ungeklärt im luftleeren Raum stehen lassen oder Cliffhanger nur dazu benutzt, die Spannung nur künstlich hochzuhalten und sie dann am Ende eines Romans wirkungslos verpuffen zu lassen. Eigentlich müssten Sie jetzt gar nicht weiterlesen, wenn ich nun ihren neuesten, im Loewe Verlag erschienenen Jugendbuch-Thriller vorstelle. Nehmen Sie nur die klare Botschaft mit nach Hause: LESEN IST PFLICHT.

ELANUS von Ursula Poznanski

Elanus von Ursula Poznanski

Elanus von Ursula Poznanski

Sie sind ja noch da! OK, wenn Sie an dieser Stelle noch in meiner kleinen literarischen Sternwarte verweilen, sind Sie entweder noch kein treuer Leser von Ursula Poznanski, oder es macht Ihnen nichts, aber auch gar nichts aus, einer Lobeshymne zu folgen. Ich kann nicht anders. Ich flog durch diesen neuen Thriller und fand doch Unterschiede zu ihrem bisherigen Schreiben, die mich dazu veranlassen, mein bisheriges Bild der ganz persönlichen „Fluchthelferin“ ein wenig zu revidieren.

Wie bereitete ich mich auf ELANUS vor? Ganz einfach. Laufschuhe anziehen, einen Rucksack mit Notration auf den Rücken, Konditionstraining abschließen, Stadtpläne ins Smartphone einspeisen und schon kann es losgehen. Tempo aufnehmen und schauen, wie ich schnellstmöglich von A nach B gelange, dabei überlebe und möglichst zeitgleich mit dem Protagonisten unversehrt neue Schauplätze zu erreichen. Ich war bereit.

Und nun? Nichts da mit Flucht, keine Spur von überhöhtem Lesetempo und keine Schweißperlen auf meiner Stirn, weil ich wie ein Spitzensportler sprinten musste. Nein. Nichts von alledem. Dafür wartet „ELANUS“ mit Überraschungen auf, die ich so nicht auf dem Leseschirm hatte. Ich werde auf Wahrnehmungsebenen angesprochen, die ich mit gar nicht zugestehen wollte. Ich werde psychologisch verwickelt, an meiner ganz im Verborgenen liegenden voyeuristischen Ader gepackt und von Neugier geschüttelt, für die ich mich fast schon zu schämen glaubte.

Elanus von Ursula Poznanski

Elanus von Ursula Poznanski

Ich würde niemals andere Menschen überwachen, sie beobachten oder ihnen auch noch nachspionieren. Ich käme gar nicht auf die Idee, so etwas zu tun, aber es kann zu Situationen im Leben kommen, in denen es sehr ratsam sein kann, etwas mehr von den Menschen zu wissen, mit denen man täglich zu tun hat. Zumindest ist das die Sicht von Jona Wolfram. Der 17-jährige hochbegabte Wunderschüler, dessen Intelligenz ihn von seinen gleichaltrigen Mitschülern so weit abhebt, dass er schon jetzt ein Stipendium an einer Elite-Universität antritt, hat allerdings auch ein anderes Talent.

Er beherrscht die hohe Kunst, sich in kürzester Zeit überall unbeliebt zu machen. Mein, sonderlich sympathisch kommt der junge Mann nicht rüber. Jona polarisiert, zieht Neider an, wie die motzten das Licht und versucht durch Arroganz und Überheblichkeit einen Schutzwall um sein unsicheres Innenleben zu ziehen. Auch an der neuen Uni ist es nur eine Frage von Minuten, bis er den lebensälteren Studenten das Gefühl gibt, nur unterdurchschnittlich begabt zu sein. Das hat er drauf! Und wie.

Jona ist allerdings ehrlich zu sich selbst. Er kennt seine Schwäche nur zu gut, und ahnt, was auf ihn zukommt. Sein Verhalten zu ändern oder einfach mal freundlich und höflich zu sein – das lässt sein Verstand nicht zu. Jona Wolfram ist der Musterkandidat eines hochbegabten, nicht lebensfähigen Außenseiters. Mit einem Unterschied. Seine Verteidigungsstrategie gegen Ausgrenzung und Mobbing ist ausgefeilt. Sie ist greifbar und passt in einen Alu-Koffer. Seine Überlebensfähigkeit ist bestimmt durch Vorsprung an Wissen und Information. Jona Wolfram hat zusätzliche Augen und Ohren.

ELANUS

Elanus von Ursula Poznanski

Elanus von Ursula Poznanski

Sein Spion ist eine Hightech-Drohne. Jonas System ist ausgefeilt. Eine SMS reicht aus. Spyware installiert. Autopilot an. Verfolgungsmodus aktiviert. Und schon sucht sich ELANUS ihren Weg ganz allein, überträgt Video- und Tonsignal, zeigt das Privatleben der überwachten Menschen und versorgt Jona mit den Informationen, die für ihn nichts anders sind, als ein persönliches Frühwarnsystem bei drohenden Konflikten. Eine tolle Idee, gäbe es da nicht ein paar kleinere Probleme.

Linda zum Beispiel. Sie rückt in den Fokus der Privatüberwachung, weil sie hübsch ist und Jana keine andere Idee hat, wie er sich ihr nähern könnte. Also sammelt er fleißig Informationen über sie. Autopilot – an. Oder Marlene Eine Mitstudentin, die zufällig zum ELANUS-Opfer wird, weil Jona einige Menschen an seiner UNI verunsichern möchte. Oder seine Gastfamilie, der es einfach nicht gelingt, Jona in ihren Alltag zu integrieren, weil er zu sehr nach normalem Leben aussieht. Und natürlich einen Dozenten der Uni, den Jona in einer sehr kompromittierenden Situation mit einer Studentin beobachtet.

Als Jona mit seinem Überwachungswissen in die Offensive geht, realisiert er sehr schnell, dass er anscheinend in ein Wespennest gestochen hat. Und die Verflechtung der scheinbar zufälligen Ereignisse, deren Zeuge er durch ELANUS wird, zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben an der Elite-UNI. Ein Selbstmord bringt das Fass zum Überlaufen und aus dem Jäger wird der Gejagte. Wem kann Jona noch vertrauen? Was hat er wirklich aufgedeckt und kann er sich mit ELANUS verteidigen, wenn er selbst in den Fokus gerät? Jonas schnelle Auffassungsgabe ist jetzt gefragt und zum ersten Mal in seinem Leben ahnt er, was es bedeutet, Freunde zu haben. Zu spät?

Elanus von Ursula Poznanski

Elanus von Ursula Poznanski

Jedenfalls nicht zu spät für mich, um zu realisieren, dass ich genau jetzt die richtige Entscheidung getroffen hatte, indem ich meine Lese-Laufschuhe bereits trug. Es war so klar. Ich hatte es ja kommen sehen, denn nun beginnt das Wespennest aktiv zu werden und auszuschwärmen. Das Ziel all derer, die Jona mit ELANUS aufgeschreckt hatte ist klar. Jetzt hilft nur noch die Flucht und schon wird Ursula Poznanski zur Fluchthelferin meines Lesens.

Diesmal jedoch bin ich nicht allein, denn am Himmel über mir, dort, wo es niemand vermutet, fliegt die zuverlässige Drohne namens ELANUS, die Jona und mich konstant im Auge behält. Ich hoffe, dass ihr Akku so lange hält, bis wir das letzte Geheimnis der Elite-Universität gelüftet haben. Eine Flucht mit umgekehrten Vorzeichen, was sie nicht minder lebensgefährlich macht.

Lesensgefährlich ist ELANUS auf jeden Fall. Ursula Poznanski greift hier ein heißes Thema gekonnt auf und verstrickt ihre Leser in ein Geflecht aus Zufällen und zerstörten Plänen. Sie nimmt uns mit auf eine Gratwanderung der Wahrnehmung. Wem oder was können wir vertrauen? Ist jede Beobachtung der Schlüssel zur Lösung oder neigt man dazu, Dinge falsch zu interpretieren? Und letztlich bleibt eine große Frage für uns alle: Kann man sich Freundschaft erschleichen? Ein Hose-Runter-Roman vom Feinsten.

Denn Leser und Protagonisten müssen feststellen, dass man manchmal die Hose runterlassen muss, um sich Freundschaft und Vertrauen zu verdienen. Aber lest einfach selbst. Ich kann nicht weiterschreiben. Ich bin noch auf der Flucht. Halte durch, ELANUS… 

Elanus von Ursula Poznanski

Layers und Elanus von Ursula Poznanski

Welttag des Buches – „The Returned“ – Die Aktion

The Returned - Die Aktion zum Welttag des Buches

The Returned – Die Aktion zum Welttag des Buches

Die kleine literarische Sternwarte AstroLibrium hat seine heiligen Hallen anlässlich des Welttags des Buches am Samstag den 23. April festlich geschmückt und freut sich über lesebegeisterte Besucher aus aller Welt.

Ich zelebriere das Lesen an jedem Tag meines Lebens, doch dieser Welttag steht für mich immer unter dem guten Stern, Menschen mit Literatur zu beschenken und eine kleine literarische Freude zu bereiten. So auch heute. Und damit wir alle möglichst viel von diesem besonderen Tag haben, läuten wir ihn schon ein paar Stunden früher ein und genießen ihn so lange wie möglich.

Unter dem Motto „Loewe LeserLieblinge“ habe ich in diesem Jahr einen Partner an meiner Seite, der mich diesmal dabei unterstützt, euch eine literarische Freude zu bereiten. Beim Begriff „Freude“ jedoch muss ich allerdings kurz lachen, denn für diesen Roman solltet ihr recht abgebrüht und hart im Nehmen sein. Denn auch Leserlieblinge können einem den Schlaf rauben, Alpträume verursachen und den geneigten Leser so in Atmen halten, dass er kaum noch zum Durchschnaufen kommt. Ihr wisst, wovon ich rede.

The Returned - Die Aktion zum Welttag des Buches

The Returned – Die Aktion zum Welttag des Buches

Meine Rezension zum Mystery-Thriller „The Returned – Die Vergangenheit kehrt zurück“ von Seth Patrick hat mich nicht um den Schlaf gebracht. Das Buch jedoch schon. Allein schon der Gedanke, längst Verstorbene würden zurückkehren, um wieder an ihrem normalen Leben teilzunehmen, ist mehr als gruselig. Vielleicht möchtet ihr ja einen Blick zurückwerfen auf die Buchvorstellung, in der ich schrieb:

Seth Patrick gelingt mit The Returned ein grandioses Bravourstück des düsteren psychologischen Mystery-Thrillers. Alles wirkt so greifbar, alles wirkt so echt. Alles ist durchdacht bis ins allerkleinste Detail und sprachlich so genau auf den Punkt gebracht, dass man seine Augen nicht mehr aus dem Buch losreißen kann.“

So sieht es aus. Und wenn Ihr nun denkt, dass Ihr diesem Buch gewachsen seid, dann lasst Euch doch hier auf ein Gedankenspiel ein. Wenn schon die Toten zurückkehren, um ihren Platz wieder einzunehmen… Wenn sie eigentlich fast normal sind, bis auf die Tatsache, dass sie ziemlich hungrig wirken… Wenn sie einfach nur in der Mitte ihrer Lieben weiterleben wollen und wenn sie sich dabei seit ihrem Todestag nicht verändert haben, dann wäre es doch einfach toll, wenn neben den toten Freunden, Liebhabern, Geschwistern oder einem grausamen Serienmörder auch mal jemand zurückkäme, mit dem man etwas anfangen könnte…Oder?

The Returned - Die Aktion zum Welttag des Buches

The Returned – Die Aktion zum Welttag des Buches

Welcher berühmten Persönlichkeit der Weltgeschichte würdet Ihr spontan und bedenkenlos die Tür öffnen, obwohl völlig klar ist, dass sie mausetot ist? Bei welchem längst Verstorbenen würdet Ihr alle Bedenken und Ängste über Bord werfen, das Risiko vergessen und es einfach genießen, mal einen Abend lang mit der Vergangenheit zu sprechen? Na, wer müsste anklopfen, damit Ihr sagen würdet „The Returned – Genau auf Sie habe ich mein Leben lang gewartet… immer hereinspaziert“

Kommentiert diesen Artikel zum Welttag des Buches und vielleicht gehört ihr zu den Glücklichen (ich muss schon wieder gehässig lachen), die eins von drei Exemplaren des Romans mit unter die Bettdecke nehmen dürfen. Gänsehaut garantiert. Ihr könnt Euren Hut bis Sonntag um 18:00 Uhr in den Lesering werfen, bevor ich dann die Gewinner bekanntgebe.

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Und sollte „The Returned“ doch nicht so das richtige für euch sein, schaut doch mal hier vorbei, denn ich bin bei der Aktion „Leserlieblinge“ nicht ganz allein. Und wie ihr seht, sind auch Bücher dabei, mit denen man ganz kuschelig und sanft einschlafen kann… #LoeweLeserLiebling

The Returned - Die Aktion zum Welttag des Buches - Loewe Leserliebling

The Returned – Die Aktion zum Welttag des Buches – Loewe Leserliebling

Update – Sonntag, 24. April – 18 Uhr

Die Gewinner stehen fest, nachdem die Losfee entschieden hat.

MARCO darf J.R.R. Tolkien begrüßen und ihm ganz schonend beibringen, wie seine Bücher verfilmt wurden. ANITA hat das große Vergnügen, ein paar Stangen Zigaretten mit Helmut Schmidt zu rauchen und ihm ganz nebenbei ein paar Löcher in den Bauch zu fragen. JULIA trifft Anne Frank und möchte sich von ihr die ganze Geschichte noch mal erzählen lassen. Und dann wird sie Anne davon berichten, was heute so passiert.

Der meistgenannte Wunsch-Rückkehrer war übrigens Alan Rickman, der legendäre Schauspieler aus Harry Potter, der Severus Snape unvergessen machte. Alan scheint eine sehr große Lücke hinterlassen zu haben und viele Fans würden ihn bedenkenlos zuhause begrüßen.

Die drei Exemplare von „The Returned“ machen sich auf den Weg zu Euch. Ich werde jeden Gewinner per EMail benachrichtigen, damit die Rückkehrer auch an der richtigen Tür klopfen und dann wünsche ich einfach nur noch schlaflose Nächte und viel Spaß beim Lesen.

Beste Grüße aus der kleinen literarischen Sternwarte,

Raily & Das Team vom Loewe Verlag und der Aktion #LoeweLeserLiebling

The Returned - Die Gewinner der Aktion LoeweLeserLiebling

The Returned – Die Gewinner der Aktion LoeweLeserLiebling

[FBM 15 Interview] Mit Ursula Poznanski auf der Flucht

Ursula Poznanski - Das Buchmesse-Interview - Frankfurt 2015

Ursula Poznanski – Das Buchmesse-Interview – Frankfurt 2015

SIE ist die Fluchthelferin meines Lesens. Das Leitthema in ihren Romanen Erebos, Saeculum und Layers hat mich zum Weltrekordler in Verfolgungsjagden gemacht. Ich habe keine Ahnung, wie viele Kilometer ich in ihren Büchern bereits auf der Flucht war und dabei dunkle Wälder, Häuser oder Straßenschluchten rastlos durchquert habe. Es müssen zahllose Wege sein, die ich mit ihr lief.

Sie hat mich mit einer scheinbar harmlosen Datenbrille ausgestattet und mir einen jungen Protagonisten zur Seite gestellt, der auf sich allein gestellt war, als die Welt über ihm zusammenbrach. Sie hat mir gezeigt, dass die Wahrheit oftmals vielschichtig ist und ständig hinterfragt werden muss. Sie hat mich dazu gebracht, Flyer zu verteilen und mich vor Reiterstandbildern dabei anstarren zu lassen. Und sie brachte mich auf Trab. Literarisch gesehen, natürlich.

SIE – Das ist Ursula Poznanski. Thriller Autorin von Format, die es vermag, ihre Leser ohne Blutrausch-Orgien zu fesseln und dabei doch von der ersten bis zur letzten Seite ihrer Romane treu an ihrer Seite zu bleiben. Sie bringt Erwachsene dazu, sich in die Jugendbuchabteilungen zu schleichen, um nach Thrillern Ausschau zu halten, die zwar fesseln, aber nicht traumatisieren.

Ursula Poznanski - Das Phänomen - Mit einem Klick zum Artikel

Ursula Poznanski – Das Phänomen – Mit einem Klick zum Gastbeitrag beim Loewe Verlag

Sie veranlasste mich dazu, in einem Gastbeitrag für den Loewe Verlag der Frage nachzugehen „Sind Ursula Poznanskis Jugendthriller die Erwachsenenbücher von morgen?“ Das Feedeback auch auf diesen Artikel zeigt mir deutlich, dass Leser jeden Alters ihr vertrauen. Und das hat einen guten Grund:

Ursula Poznanski ist und schreibt fair. Sie holt nicht weit in die Vergangenheit eines ganzen Kontinents aus, nur um die Seiten von einem Mord zum nächsten zu füllen. Sie benötigt keine 28 Romanfiguren, die alle so schräg sind, als wären sie eben einem Kuriositätenkabinett entsprungen, und sie führt uns keine Ermittler vor Augen, die selbst psychisch „sowas von einen an der Klatsche haben“, dass sie im normalen Leben schon lange nicht mehr bei der Polizei wären.

Ich freue mich daraufUrsula Poznanski  auf der Frankfurter Buchmesse mit meinem Mikrofon verfolgen zu dürfen. Literatur Radio Bayern wird sich an ihre Fersen heften und versuchen, ein gnadenloses Flucht-Interview mit ihr zu führen. Mich interessieren ihre Pläne, Leitideen und Gedanken zur Entwicklung des Thrillers. Und vieles mehr.

Mit einem Klick zum Buchmesse-Interview mit Ursula Poznanski

Mit einem Klick zum Buchmesse-Interview mit Ursula Poznanski

Folgen Sie mir bitte, wenn ich Schicht für Schicht von dem ans Tageslicht bringe, was Ursula Poznanski in Layers so vielschichtig beschrieben hat.

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Hier geht es weiter mit Ursula Poznanski. „ELANUS – Die Überwachung mit einer Drohne wird für den Überwacher zum lebensgefährlichen Ritt auf der Rasierklinge.

Elanus von Ursula Poznanski

Elanus von Ursula Poznanski