„Die Schneiderin des Nebels“ bringt Sonne ins Lesen

Die Schneiderin des Nebels – Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Nochmal!

So endet eine der wundervollsten illustrierten Geschichten meines Lesens. Eine Geschichte, die in einem traumhaften erzählenden Bilderbuch tiefe Spuren in meinem literarischen Gedächtnis hinterlassen hat und seitdem noch oft durch meine Gedanken mäanderte. „Die große Wörterfabrik“ von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo hat uns auf beeindruckende Art und Weise vermittelt, wie man mit nur wenigen Worten eine komplexe Denkwelt verändern kann. Der Wert der Wörter und die Fähigkeit, auch mit scheinbar wertlosen Begriffen Herzensdinge formulieren zu können, sind Parameter einer kleinen Geschichte, die so sympathisch geschrieben und gezeichnet ist, dass sie sich auf direktem Wege ins Leserherz schleicht.

Die Schneiderin des Nebels – Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Ich habe kein anderes Buch so oft verschenkt, wie dieses. Die Reaktionen auf das Buch waren vielfältig. Ungläubiges Staunen, freudiges Jauchzen und heftiges Blättern. Eine Endlosschleife des Lesens wurde durch das letzte Wort der Geschichte ausgelöst. „Nochmal“. Jetzt kann es gelingen, dieses kleine große Buchkunstwerk aus der Hand zu legen und eine neue Welt des genialen Duos de Lestrade & Docampo zu betreten. Eine perfekte Symbiose aus Text, Gestaltung, Aussagekraft, Visualisierung, Illustration und Buchdesign führt uns einen großen Schritt weiter, als es „Die große Wörterfabrik“ noch vermuten ließ. Ein literarischer Evolutionsschritt der mich unverhofft in den Nebel einer wundervollen Erzählung eintauchen ließ. Ein Nebel, dem sich jeder Herzensleser aussetzen sollte, um wieder klarer zu sehen.

Die Schneiderin des Nebels – Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Die Schneiderin des Nebels“ (Mixtvision Verlag) ist der neue große Wurf der Autorin Agnès de Lestrade und ihrer kongenialen Illustratorin Valeria Docampo. Wir werden verführt, entführt, berührt und finden uns in einer metaphorischen Geschichte wieder, in der sich junge und ältere Leser und Betrachter gleichermaßen heimisch fühlen. Es sind tiefe Botschaften, die sich auf den ersten und zweiten Blick erschließen, es sind große Gefühle, die eruptiv ausgelöst werden und es ist das bleibende Gefühl von Schönheit, das sich in uns verankert, wenn wir das Buch beiseitelegen. Wenn das so einfach wäre.

Die Schneiderin des Nebels – Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Die kleine Rosa hat ein ganz besonderes Talent. Sie fängt am frühen Morgen Nebel ein. Mit einem großen Schmetterlingsnetz gelingt es ihr, einen Nebelsack zu füllen und ihren milchig schimmernden Fang am Spinnrad in Fäden zu verwandeln und schließlich Stoffe zu weben, die so einzigartig sind, dass sie einen reißenden Absatz finden. Dabei sind ihre Schleier, Teppiche und Kleidungsstücke so flüchtig, dass Rosa sie von Zeit zu Zeit erneuern muss. Ihre Kunden verbergen unliebsame Dinge und Gefühle unter ihren Nebelkreationen, wie sie sich selbst und ihre Unzulänglichkeiten sehr gerne unsichtbar machen würden. Rosa`s Nebelgewebe werden zum dichten Schleier, der sich über die Wahrheit legt.

Die Schneiderin des Nebels – Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Ein Brief ihres Vaters ändert alles. Aus dem Nebelmädchen wird ein Sonnenkind. Die Nebel lichten sich und Wärme breitet sich im Buch aus. Die grauen Schleier, unter denen auch die kleine Rosa ihre unliebsamen Gefühle verborgen hat, lüften sich. Eine Geschichte, auf die man sich unbedingt einlassen sollte, wenn man nicht lebenslang mit Nebelschlusslicht navigieren möchte. Ein Buch, dem man Raum geben sollte, weil hier deutlich aufgezeigt wird, dass Licht, Wärme und Hoffnung stärkere Signale aussenden, als jedes Nebelhorn dieser Welt. Liebe kann sich nur ausbreiten, wenn es gelingt, den Nebel über unseren dunklen Gefühlen in alle Winde zu zerstreuen.

Die Schneiderin des Nebels – Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

„Die Schneiderin des Nebels“ ist ein Mehrgenerationen-Buch par excellence. Ein Buch, das in bester Tradition der großen Wörterfabrik steht und doch neue Wege geht. Transparente Seiten mit Texten haben sich über die Illustrationen gelegt. Beim Blättern entsteht der Wow-Effekt, den die Erzählung selbst nicht erreichen könnte. Wir legen die Illustrationen frei, die in ihren warmen Orange- und Gelbtönen die Grundstimmung des Buches symbolisieren. Pustet den Nebel weg, folgt Rosa zu ihrer eigenen Wahrheit und entdeckt dabei die Ursache für die Vernebelung ihrer Welt. Ein Familienbuch, das nicht flüchtig wirkt. Ein Vater-Tochter-Buch, das herzerweichend ist. Ein Buch für Familien, in denen Trennungen die Wärme zu verschleiern drohen. Eine Lichtgestalt in Buchform.

Nochmal!

Die Bilderbuch-Welten bei AstroLibrium

Die große Welt der Bilderbücher bei AstroLibrium.

Edison – Torben Kuhlmann geht ein Licht auf

Edison von Torben Kuhlmann

Wir leben im Zeitalter der LEDs. Glühbirnen sind schon längst verboten und aus dem Handel verschwunden. Unsere Kinder können sich kaum noch daran erinnern, wie der Glühfaden in einer Glühbirne aussah, wie zart ihr Lichtschein war und wie zerbrechlich dieser dünne Faden wirkte, wenn der Leuchtkörper seine Leuchtkraft verloren hatte. Es ist eine neue Zeit, in der wir leben. Eine Zeit, die den großen Erfindungen von einst nun Schlagworte wie Energiesparpotenzial, Recyclingfähigkeit und Nachhaltigkeit zur Seite stellt. Besseres Licht soll es heute geben. Damals war es eher wichtig, dass man kein Petroleum oder Walöl mehr brauchte, um die gute Stube zu erleuchten. Damals war es nur wichtig, dass es hell wird. Eine Epoche des Lichts wurde eingeläutet. Heute bleiben davon jedoch zumeist nur die Namen der Erfinder in Erinnerung. Bell – Telefon. Eiffel – Turm. Litfaß – Säule. Tesla – Strom. Diesel – Motor. Edison – Glühlampe.

Edison von Torben Kuhlmann

Sie waren Pioniere ihrer Zeit. Sie haben das Leben der Menschheit verändert, haben vieles erleichtert und die Türen in die Zukunft aufgestoßen. Damit stehen diese Erfinder in einer Reihe mit anderen Pionieren, die ihren Mut in die Waagschale der Geschichte warfen, um die Menschheit einen entscheidenden Schritt nach vorne zu bringen. Ohne Charles Lindbergh keine Transatlantik-Flüge. Ohne Neil Armstrong keine Mondlandung. Das sind die Fakten. Das können wir überall nachlesen und daran kann man festhalten, wenn mal wieder an der Fähigkeit des Menschen gezweifelt wird, die Welt ein stückweit besser zu machen. Zweifel kommen hier nicht auf. Also eigentlich. Nun. Fast…

Edison von Torben Kuhlmann

Wäre da nicht ein still vor sich hin illustrierender Rebell, der sich ganz harmlos als Bilderbuchautor und Kommunikationsdesigner bezeichnet. Unverfänglich. Eigentlich. In Wahrheit jedoch verdreht er schon seit Jahren unseren kleinsten Lesern und auch uns den Kopf, indem er die Geschichte der Menschheit in harmlos wirkenden Bilderbüchern auf ebenjenen Kopf stellt. Fakten hin. Fakten her. Er stellt die großen Leistungen einer ganzen Spezies infrage. (Hinweis zu Schreibweise: infrage stellen bedeutet anzweifeln. In Frage stellen meint, Antworten zu einer offenen Frage suchen, oder einen bekannten Sachverhalt zur Diskussion stellen, ohne diesen zu bezweifeln. Exkurs – Ende). Hier ist schon wichtig, dass wir genau verstehen was uns in Kuhlmanns Bilderbüchern erwartet. In jedem Fall revolutioniert er mit seiner Fantasie die rein faktische Welt. Basta.

Edison von Torben Kuhlmann

Zum wiederholten Mal stelle ich mich nun seinen ketzerischen Schriften. Also mal unter uns. Im Mittelalter hätte man ihn sicher verbrannt. Aber das nur so am Rande. Ich habe Lindbergh und Armstrong gelesen und betrachtet. Ich konnte anfangs nicht glauben, was ich sah und las. Alles Mäusewerk? Die großen Leistungen der Pioniere in der Geschichte der Menschheit sollen nur möglich gewesen sein, weil Mäuse den Lauf der Welt verändert haben? Ich habe Torben Kuhlmann sogar für Literatur Radio Bayern dazu interviewt und den Eindruck gewonnen, dass er ganz genau weiß, wovon er hier schreibt und was er zeichnet. Doch anstatt endlich Ruhe zu geben, wagt er sich jetzt in die Sphäre der großen Erfindungen vor und will uns doch wohl nicht im Ernst erzählen, dass dem großen Thomas Alva Edison, dem Erfinder der Glühlampe, nur deshalb ein Licht aufgegangen ist, weil. Nein. Das kann nicht sein! Nicht erneut. Nicht schon wieder eine Maus.

Edison von Torben Kuhlmann

Oh doch. „Edison – Das Rätsel des verschwundenen Mauseschatzes“ (NordSüd Verlag) ist die konsequente Fortsetzung seiner Mäusetiraden. Werft alle eure Zweifel über Bord. Vergesst, was ihr jemals in der Schule gelernt habt und lasst euch auch auf dieses Abenteuer aus der Welt der Mäuse ein. Nach dem Flug über den Ozean und der Landung auf dem Mond geht es nun in die Unterwasserwelt, die auch heute noch eher im Dunkeln liegt. Torben Kuhlmann bringt Licht in die Sache. Er erzählt die grandiose Geschichte einer Maus, die sich auf die Suche nach einem Schatz macht, den ihr einer ihrer Vorfahren hinterlassen hat. Nur wie hinkommen? Der Ozeandampfer auf dem sich besagter Vorfahr befand, ist gesunken und liegt auf dem Meeresboden. Was kann also näherliegen, als mit Hilfe einer gelehrten Maus ein Unterseeboot zu konstruieren, und diesen Schatz zu bergen? Na dann. Besiegt die Zweifel und geht mit der Maus auf eine ganz besondere Tauchfahrt und entdeckt, was dies alles mit Edison zu tun hat.

Edison von Torben Kuhlmann

Meisterhaft illustriert. Wundervoll erzählt. Edison ist ein Bilderbuch-Wunder aus der Feder von Torben Kuhlmann. Wer sich in „Lindbergh“ verlor und mit „Armstrong“ ins Weltall startete, der muss nun unbedingt abtauchen. Es ist eine ganz eigene Liga in der Torben Kuhlmann zeichnet und schreibt. Es ist eine Liga, die ihn unvergleichbar im Bilderbuch-Kosmos macht. Diese drei großformatigen Bücher gehören in jede bibliophil veranlagte Familie. Gemeinsames Kinder- und Erwachsenenstaunen ist garantiert. Und wer an den Thesen von Torben Kuhlmann zweifelt, der soll doch bitte Sachbücher oder Wikipedia lesen. Ich hätte im Mittelalter bestimmt an seiner Seite gebrannt, weil ich ihm auf die Maus gegangen bin… öhm… auf den Leim…!

Torben Kuhlmann und seine Bilderbuchwelten

Ach ja. Wer nicht an Mäuse glaubt, der kann ja zu den Maulwürfen ziehen 😉

„MONSTA“ von Dita Zipfel und Mateo Dineen – Ende der Angst

Monsta von Dita Zipfel und Mateo Dineen

Eltern kennen das. Schlaflose Nächte, weit aufgerissene Kinderaugen, zitternde Kids, Angstzustände, und Anflüge von Panik. Allabendlich der sich wiederholende Kampf um das ruhige Einschlafen. Händeringende Bitten, doch bitte das Licht anzulassen und ein paar Minuten später tapsende Schritte auf dem Flur, der hilfesuchende Blick und schier bodenlose Verzweiflung, wenn man das Kind zurück in sein Zimmer eskortiert. „Nur mit der Ruhe. Alles ist gut. Du brauchst doch keine Angst zu haben! Wir sind doch da. Jetzt schlaf ein!“ Es hat keinen Zweck. Beschwichtigungen verhallen ungehört und die Nacht endet im Ehebett der Eltern. Auf die Frage, was denn los sei, bekommt man immer nur eine Antwort:

„Da ist ein Monster in meinem Zimmer.“

Wir kennen das aus unserer Kindheit. Im Zwielicht mutiert schon der Schatten einer harmlosen Socke zu einem grauenhaften Ungeheuer und, wenn man sich konzentriert, beginnt sich dieser Schatten auch noch zu bewegen. Dazu kommen Geräusche, auf die man im Alter eines Kleinkindes nicht wechseln kann. Es knirscht, raschelt, rauscht und klappert. Das kann nur ein Monster sein, das in der Nacht seine Chance ergreift und im ganzen Kinderzimmer Angst und Schrecken verbreitet. In der Folge kann man nur noch kapitulieren, das Zimmer mittellfristig an Fremde untervermieten, ein kleines Vermögen für Monsterpulver ausgeben und den Sprössling dauerhaft im Schlafzimmer der Eltern einquartieren. Was tut man nicht alles, um ein behütetes Ambiente zu schaffen?

Monsta von Dita Zipfel und Mateo Dineen

Zumindest sind wir mit diesem Problem nicht alleine, da wir schon im Kindergarten von anderen Eltern erfahren, dass mit jedem einzelnen Kind auch ein Monster zur Welt gekommen sein muss, das sich zum ständigen Wegbegleiter des neuen Erdenbürgers entwickelt. Da haben wir auch schon den Salat. Wie können wir die nächsten 12 bis 20 Jahre überstehen, bis dieses Monster mit dem eigenen Nachwuchs das Haus verlässt, eine Lehre beginnt, heiratet und nie wieder auftaucht? Wann können wir unser Ehebett endlich wieder in trauter Zweisamkeit genießen? Wenn wir 50 sind? No way. Hier muss es doch Abhilfe geben. Ghostbuster, Monsterjäger oder eine kreative Idee, die nicht nur Kinder beruhigt, sondern auch Eltern befreit aufatmen lässt.

Versuchen wir es doch mit einem geistreichen und brillanten Trick. Versuchen wir es doch einfach mal mit einem Kinderbuch. Warum eigentlich nicht? Vielleicht liegt hier ein Hauch von Rettung in der Luft. (Solltet ihr allerdings den Gedanken an die lukrative Vermietung des Kinderzimmers sympathisch finden, dann lest bitte Vermieter-Ratgeber und verschwendet nicht eure Zeit mit diesem Artikel. Reich macht er euch nicht!) Also, wo waren wir? Ein Buch. Bestenfalls reich illustriert, gut verständlich, thematisch genau auf den Punkt, kunterbunt, lustig und beruhigend zugleich, sowie ein Allheilmittel gegen Panikattacken durch Monsterpräsenz. Gibt es nicht? Falsch. Gibt es! Glaubt mir.

Monsta von Dita Zipfel und Mateo Dineen

MONSTA“, geschrieben von Dita Zipfel und illustriert von Mateo Dineen, ist vom Tulipan Verlag als rezeptfreie Therapie für Monsterängste aller Art in Umlauf gebracht worden. Risiken und Nebenwirkungen sind nicht bekannt (nun gut, das Buch ist ja auch gerade erst erschienen und Langzeitstudien stehen noch aus), der Erfolg liegt aber im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand. Die Idee hinter diesem Kinderbuch (um ganz ehrlich zu sein, es ist auch was für große Angsthasen) ist ebenso genial wie brillant. Es ist der Perspektivwechsel, den sich Autorin und Illustrator zu eigen machen, um unsere Welt ein wenig behüteter zu gestalten. Nicht ein einziges Kind kommt hier zu Wort. Wir werden nicht mit Ängsten konfrontiert, sondern eher mit dem Frust eines Monsters, das daran verzweifelt, dass sich niemand vor ihm fürchtet.

Jetzt ist „MONSTA“ nicht wirklich ein Kenner, wenn es darum geht, die Regeln der Rechtschreibung perfekt anzuwenden. Da ist der Wuschelkerl eher ein wenig schwach auf der Brust, was ihn in Kinderaugen nur noch sympathischer macht. Was gar nicht in seiner Absicht liegt. Dieses Buch ist seine Abrechnung mit den unerschrockenen Kids dieser Welt. Ja, wenn wir diesen lamentierenden Aufzählungen von MONSTA folgen ist es verständlich, warum der Frust so groß ist. Seine Zeilen an das „KINT“ (ich sag ja, es ist echt nicht seine Stärke) sind voller Vorwürfe und Verzweiflung. Dabei wirft MONSTA alles in die Waagschale des Erschreckens. Vergebens. Kint schläft. Kint fürchtet sich in keiner Weise, Kint schnarcht und grinst im Traum. Kint muss kaputt sein.

Monsta von Dita Zipfel und Mateo Dineen

Der Plan von Dita Zipfel und Mateo Dineen geht auf. Wenn wir „MONSTA“ mit den kleinen Angsthasen in unserer Familie gemeinsam lesen und die lustigen Illustrationen betrachten, bleibt kein Hauch von Furcht mehr übrig. Viel mehr lachen wir herzhaft über ein MONSTA, das an seiner Kernkompetenz zweifelt und sich vorkommt, wie in einem schlechten Film. Der Plan ist so ausgereift, dass man einfach nur vor Freude jubilieren möchte. Denn MONSTA zieht nicht nur alle Register seines Könnens, es zieht auch die Konsequenzen aus dem Misserfolg. Wer sich nicht fürchtet, hat kein eigenes MONSTA verdient. Dieses Kinderbuch ist der monströse Abschiedsbrief eines zutiefst frustrierten MONSTAS an seinen Gastgeber. BASTA. Eine Kündigung. Wie genial.

Versucht es mit euren Kintern (sorry, ansteckend). Lasst euch auf „MONSTA“ ein und versucht euer Glück mit diesem Allheilmittel. Wer den Film „Monster AG“ liebt, ist hier genau richtig. Wer das Lachen gemeinsam feiern möchte ist hier genau richtig und wer wieder Herr des eigenen Schlafzimmers werden will, kommt gar nicht an MONSTA vorbei. Ich selbst werde einen Schritt weitergehen. Ich werde im Rahmen einer kleinen Feldstudie den Versuch wagen, ob MONSTA auch in einem Umfeld funktioniert, in dem fast ausschließlich Kinder leben. Das Kinderheim St. Alban wird bald von „MONSTA“ heimgesucht. Der Tulipan Verlag hat mich dazu dankenswerterweise nicht nur mit dem Buch ausgestattet, sondern sogar MONSTA-Poster und MONSTA-Postkarten für alle Kinder zur Verfügung gestellt. Ich werde von dieser MONSTAJAGD berichten. Darauf könnt ihr euch verlassen.

Monsta von Dita Zipfel und Mateo Dineen

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„Anne Frank und der Baum“ – Samen der Hoffnung

Anne Frank und der Baum von Jeff Gottesfeld und Peter McCarty

Es gibt Bücher die unglaublich gefährlich sind. Bücher, die auf erschreckende Art und Weise aufzeigen, dass eine bestimmte politische Ideologie zwar in ihrer jeweiligen Zeit tun und lassen kann was sie will, dass die dabei begangenen Verbrechen und von der großen Masse eines Volkes getragenen Ansichten zwar möglich sind, aber niemals in Vergessenheit geraten. Besonders dann nicht, wenn der gesunde Menschenverstand wieder Einzug ins gesellschaftliche Leben hält und die Mitläufer und Täter von einst der Meinung sind, einfach in der neuen Masse untertauchen und weiter mitschwimmen zu können.

Es gibt Bücher, die für Dikaturen und ewig Gestrige der folgenden Generationen gefährlich werden, die Vergessenes ans Tageslicht bringen und Opportunismus, sowie die Folgen des Mitlaufens ebenso brandmarken, wie diejenigen, die sich aktiv und aus rein egoistischen Motiven an den Schwächeren einer Gesellschaft vergriffen haben. Es sind diese Bücher, die länger leben als die Menschen, von denen sie handeln. Es sind Bücher über Opfer, Ausgegrenzte, Deportierte, Entsorgte, Ermordete, Entrechtete und Entartete, die für Täter von gestern, heute und morgen gefährlich werden. Bücher, die uns nie mehr loslassen und einen zeitlosen Aufschrei gegen das Unrecht darstellen. Es sind Bücher „Gegen das Vergessen“ die uns wachhalten…

Anne Frank und der Baum von Jeff Gottesfeld und Peter McCarty

Das Tagebuch der Anne Frank“ ist ein solches Buch. Brandgefährlich, weil es in der Lage ist, Menschen die Augen zu öffnen. Einerseits für den Rassenhass der Nazis von einst, andererseits für die frühen Symptome des Wiederaufflammens der Ideologie, die millionenhaftes Menschenleben ausgelöscht hat. Einzig beruhigend für die braunen Horden von heute mag es sein, dass dieses Zeitzeugnis erst so richtig verstanden wird, wenn Heranwachsende vielleicht schon den Verführungen der Wutgesellschaft erlegen sind und dieses Tagebuch gar nicht mehr ernst nehmen. Was also könnte gefährlicher sein, als die Botschaft der Anne Frank auch an ganz junge Menschen heranzutragen? Aus Sicht der rechten Radikalen von heute wäre das ein Tiefschlag in das Weltbild, das sie so gerne vermitteln würden.

Hier kommt ein erzählendes Bilderbuch ins Spiel. Ein wahrer Spielverderber für die Ansichten derer, die auf ihrer Suche nach den Underdogs unserer Gesellschaft erneut fündig geworden sind. Neid und Missgunst, Zukunftsangst und Hass fächern wieder aus. Grenzen schließen, Ausländer beschimpfen, Angst gegen Andersgläubige schüren und die freie Meinungsäußerung unterbinden. All dies scheint wieder salonfähig zu werden. Aber Vorsicht. Nichts bleibt im Verborgenen, nichts wird je vergessen und keiner kann sich später aus der Verantwortung ziehen oder leugnen. Vorsicht vor Bäumen. Lasst euch das gesagt sein. Bäume vergessen nichts. 

Anne Frank und der Baum von Jeff Gottesfeld und Peter McCarty

Anne Frank und der Baum – Der Blick durch Annes Fenster von Jeff Gottesfeld, Peter McCarty und übersetzt von Mirjam Pressler ist dieser Spielverderber, der als einfaches Bilderbuch vom Sauerländer Verlag daherkommt. Berührende Illustrationen und nachhaltig wirkende einfach gehaltene Texte ermöglichen einen Perspektivwechsel, der in der gemeinsamen Betrachtung von Jung und Alt eine neue Sichtweise auf einen Hinterhof im besetzten Amsterdam des Jahres 1944 bietet. Die Prinsengracht 263 war der Zufluchtsort der jüdischen Familie Frank. Bis zu dem Tag, an dem sie verraten und deportiert wurden, führte Anne Frank dort ihr Tagebuch. Nur ihr Vater überlebte. Kaum ein anderes Tagebuch hat so viele Menschen bewegt, kaum ein Schicksal hat sich uns so tief erschlossen, kaum ein zweites Mädchen war in der Lage, ihr Leben im Versteck so eindringlich zu beschreiben. Ein Versteck, von dem aus sie nur einen Ausschnitt der Welt sah, vor der sie sich verbergen wollte.

Was sie sah, war ein wenig Sonne, den Hinterhof und einen Kastanienbaum. Drei Zitate aus ihrem Tagebuch sind ihrer Kastanie gewidmet. Zitate die später dazu führten, dass diese Kastanie als „Anne-Frank-Baum“ selbst zum stummen Zeitzeugen erhoben wurde. Das Bilderbuch erzählt seine Geschichte. Aus seiner Perspektive. Die Kastanie schaut mit ihren Blättern in das Fenster, hinter dem sich das Leben der Familie Frank im Verborgenen abspielte. Der Baum erzählt uns vom Krieg, den Bomben und von dem Tag, an dem Anne Frank mit den Menschen aus ihrem Versteck gerissen und in Autos getrieben wurde. Er erzählt bis zu jenem Tag, als Annes Vater Otto alleine zurückkehrte und das Tagebuch seiner Tochter fand.

Anne Frank und der Baum von Jeff Gottesfeld und Peter McCarty

Was er las, bewegt heute noch die Welt. Was er über die Kastanie las, verdeutlichte ihm, wie wichtig dieser Baum für Anne Frank war.

23. Februar 1944

„Wir betrachteten den blauen Himmel, den kahlen Kastanienbaum, an dessen Zweigen kleine Tropfen glitzerten, die Möwen und die anderen Vögel, die im Tiefflug wie aus Silber aussahen. Das alles rührte und packte uns beide so,
dass wir nicht mehr sprechen konnten.“

18. April 1944.

„Der April ist tatsächlich wunderbar, nicht zu warm und nicht zu kalt und ab und zu ein kleiner Regenschauer. Unsere Kastanie ist schon ziemlich grün, und hier und da sieht man sogar schon kleine Kerzen.“

13. Mai 1944

„Unser Kastanienbaum steht von oben bis unten in voller Blüte
und ist viel schöner als im vergangenen Jahr.“

Annes Vater Otto Frank in einer Rede 1968

„Wie konnte ich wissen, wie viel es für Anne bedeutete, ein Stückchen blauen Himmel zu sehen, die Möwen im Flug zu beobachten und wie wichtig ihr der Kastanienbaum war, wenn ich daran denke, dass sie sich früher nie für die
Natur interessiert hatte. Aber sie sehnte sich danach, als sie sich wie ein
Vogel im Käfig fühlte. Schon der Gedanke an die freie Natur gab ihr Trost.
Doch alle diese Gefühle hatte sie für sich behalten.“

Und dann geht das Buch einen Schritt weiter und erzählt den Teil der Geschichte, den der Baum selbst nicht mehr erlebt hat. Hoffnungssamen, Sprösslinge, Setzlinge gegen das Vergessen kennzeichnen das letzte Kapitel des stummen Zeitzeugen, der bis heute an vielen Orten der Welt für Anne Frank steht. Ein magisches Ende, das niemals ein Ende sein wird.

Folgt mir ins Bilderbuch „Anne Frank und der Baum“. Beurteilt selbst, was dieses Werk auszurichten in der Lage ist und welche Türen es heute noch zur Welt der Anne Frank öffnen kann. Folgt mir zu anderen Büchern, die ich hier vorgestellt habe und die das Erinnern an Anne am Leben halten. Ein Graphic Diary, Das Buch einer besten Freundin und natürlich die Gesamtausgabe des Tagebuches sind Meilensteine des Lesens gegen das Vergessen. Vergissmeinnicht ist die Überschrift dieses Lesens und Schreibens.

Anne Frank und der Baum von Jeff Gottesfeld und Peter McCarty

Und all jene, die dieses Bilderbuch niemals lesen werden, sollten auf ihren Wegen auf Bäume achten. Sie schauen auch heute noch zu. Sie stehen am Straßenrand und sehen die Fackelzüge und Mahnwachen gegen Ausländer, sie sehen Steine fliegen und vergessen die Werfer nicht. Achtet auf die Bäume. Sie künden später von euren Taten. Bäume vergessen nicht. Ich liebe diese stummen Zeitzeugen, die so laut schreien und erinnern können.

„Der Anfang“ von Paula Carballeira und Sonja Danowski

Der Anfang von Paula Carballeira und Sonja Danowski

Eigentlich sollte man angesichts eines Bilderbuches, in dem nur sehr wenige Worte verloren werden, nicht selbst ins Schwafeln kommen. Eigentlich. Da ich jedoch nicht mit der Gabe des brillanten Zeichnens gesegnet bin, kann ich meine Buchvorstellung zwar mit einigen atmosphärischen Fotos des vorgestellten Werkes garnieren, das Bilderbuch in den Kontext der von mir bereits besprochenen Werke bringen und meine Meinung zu Gestaltung und inhaltlicher Tragweite äußern, benötige hierfür aber deutlich mehr Text, als die Autorin Paula Carballeira.

Und doch versuche ich mich kurz zu fassen, denn in ebendieser Kürze besticht „Der Anfang“, ein erzählendes Bilderbuch für Kinder im Lesealter ab 3 Jahren, das 2014 im Bohem Verlag erschienen ist. Für mich persönlich ist „Der Anfang“ gar kein Anfang im eigentlichen Sinne, da ich bei der Betrachtung der Illustrationen in der Verlagsvorschau an ein Bilderbuch erinnert wurde, das ich hier schon vorgestellt habe. Die Zeichnungen weckten das Gefühl in mir, den gegenständlichen Stil der Zeichnerin wiederzuerkennen und ich begann zu forschen.

Der Anfang von Paula Carballeira und Sonja Danowski

Sonja Danowski. Ich lag richtig. Unverkennbar ist ihre Kunst, unverkennbar ist die Art und Weise, wie sie ihren Illustrationen Leben einhaucht. Die gezeichneten Menschen in diesem Bilderbuch haben eigene Charaktere, wirken nah, sympathisch, verletzlich und zutiefst real. Ich hatte dieses Gefühl schon im Bilderbuch „Oma trinkt im Himmel Tee“ von Fang Suzhen und eben Sonja Danowski, erschienen im NordSüd Verlag. Ging es hier um den Tod eines geliebten Menschen aus der Perspektive eines Kleinkindes, so entführt uns „Der Anfang“ erneut in ein Szenario, in dem gerade Kinder Trost und eine große Portion Hoffnung benötigen. In eine Zeit nach dem Krieg.

„Der Anfang“ beginnt mit dem Ende. Die Geschichte beginnt genau dort, wo wir alle zeitlos und unabhängig von allen Rahmenbedingungen des Lebens bei Null anfangen müssen. In einer Zeit, die in allen Regionen dieser Welt für alle Menschen identisch ist. In einer Zeit nach der Zerstörung, nach dem Desaster. Einer Zeit, in der es kein Hoffen gibt. Einer Zeit, in der es schwer ist daran zu glauben, dass nach dem Ende der Gewalt je wieder etwas Neues entstehen kann, das nach Leben schmeckt. Es ist die Tristesse der Nachkriegszeit, die „Der Anfang“ beschreibt, erzählt und fühlbar macht.

Der Anfang von Paula Carballeira und Sonja Danowski

Wie können Eltern ihren Kindern die Angst vor der ungewissen Zukunft nehmen? Wie können sie ihnen eine behütete Kindheit schenken, wo doch nichts mehr sicher ist? Wie kann man aus dem Nichts heraus Hoffnung schöpfen. „Der Anfang“ erzählt genau davon. Dieses Bilderbuch führt uns mit einfachen und hoffnungsvollen Worten, sowie in seinen Illustrationen zu einer Familie, die vor dem Nichts steht. Dunkel und erdig in der Farbgebung unterstreichen die Bilder von Sonja Danowski die Trostlosigkeit dieser Zeit und doch spiegeln sich in den Gesichtern der Eltern und ihrer Kinder Gefühle wider, die uns alle mit Hoffnung erfüllen.

Zuneigung und Liebe sind die Konstanten, die die Eltern ihren Kindern schenken. Gefühle, die sie in Sicherheit wiegen und alle materiellen Verluste aufwiegen. Auch mit Nichts lässt sich ein Anfang wagen. Diese Botschaft ragt aus diesem Bilderbuch heraus und macht es so unendlich wertvoll für gemeinsame Lesestunden mit den allerkleinsten Lesern. Zu sehen, wie sich das erste Lächeln in die unschuldigen Gesichter der Kinder dieser Geschichte stiehlt, ist ein großes gemeinsames Erlebnis. Zu erleben, wie dieses Lächeln sich in den Gesichtern der Kinder widerspiegelt, die der Geschichte folgen, ist ein Privileg des Lesens.

Der Anfang von Paula Carballeira und Sonja Danowski

Der Anfang beginnt mit dem Ende und doch gelingt es Paula Carballeira und Sonja Danowski im literarisch bildlichen Zusammenspiel eine Stimmung zu erzeugen, die uns davon überzeugt, dass die Hoffnung dieser Welt in den Kindern verborgen liegt. In aller Tiefe entwickelt sich ganz langsam eine Atmosphäre, die den Kindern im gemeinsamen Lesen Halt und Zuversicht vermittelt. „Der Anfang“ ist viel mehr als ein Anfang. Es liegt ein besonderer Zauber in dieser Geschichte, in ihren Worten und Bildern.

Prädikat besonders wertvoll…Bilderbuchwelten bei AstroLibrium