„Der Umweg“ – Luce d´Eramo – Eine Faschistin unter Nazis

Der Umweg von Luce d´Eramo

Das Lesen und Schreiben „Gegen das Vergessen“ der Opfer des Holocaust sind die wesentlichen inhaltlichen Triebfedern der kleinen literarischen Sternwarte. Ich bin ständig auf der Suche nach authentischen Zeitzeugenberichten, die das Erinnern in uns wachhalten, und den Opfern des NS-Regimes ein Gesicht geben. Ihre Identität und ihre Würde sollten Andersdenkenden, Andersgläubigen, Andersfühlenden, Behinderten, Homosexuellen und besonderen, als Untermenschen definierten Volksgruppen kollektiv genommen werden. Entrechtung, Entmenschlichung und Ausgrenzung wurden auf ihre Fahnen geschrieben. Die Hemmschwelle zum industriellen Massenmord wurde auf die Art und Weise systematisch in der Gesellschaft gesenkt. Aus Tätern wurden reflexartig nur noch Befehlsempfänger und der Rest hat nichts gewusst.

Alle Zeitzeugenberichte sind immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, die Rolle der Opfer dramatisch zu überhöhen, in Details zu übertreiben und den Verfasser selbst zur Ikone aller Opferbilder zu stilisieren. Misstrauen regiert. Beweise sind Mangelware, weil die Nazi-Bürokratie alles ebenso akribisch dokumentierte, was sie zum Kriegsende hin systematisch vernichtete. Und so geraten Opferberichte in den Zweifronten-Krieg einer Geschichtsinterpretation, die zumeist nur Pro und Contra kennt. Zweifel wird es immer geben, außer es gelingen wahre Husarenritte, die Beweise für die Nachwelt bewahren. Wilhelm Brasse ist hierfür wohl das beste Beispiel. Hätte der Fotograf von Auschwitz nicht tausende von Portraitfotos von Deportierten vor den Flammen gerettet, sie wären schon längst vergessen. Sein Zeitzeugnis ist zweifelsfrei authentisch. Schade, dass ich auch heute noch erleben muss, wie sehr vergleichbare Opferberichte angezweifelt und als Fake bezeichnet werden.

Der Umweg von Luce d´Eramo

Was aber, wenn ein solcher Zeitzeugen-Opfer-Bericht so gar nicht in die üblichen Standards passt? Was, wenn er gar nicht von jemandem geschrieben wurde, der den ideologischen Rasterfahndungs-Klischees der Nazis entsprach? Was, wenn er aus der Feder einer Frau stammt, die das nationalsozialistische Deutschland als Idealbild einer modernen faschistischen Gesellschaft betrachtete und die ihr Heimatland Italien verließ, um sich in Deutschland davon zu überzeugen, dass die Gerüchte über Verbrechen und Konzentrationslager jeder Grundlage entbehren? Was, wenn die Verfasserin Bilder von Hitler und Mussolini im Gepäck hatte, weil sie nicht ohne ihre ideologischen Idole in das Land der Verheißung reisen wollte. Was, wenn die Autorin eine bekennende Faschistin war? Glauben wir ihr dann? Ich bin gespannt.

Wir sollten. Besonders unter diesen Voraussetzungen. Denn was der in Frankreich geborenen und aufgewachsenen und nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mit ihren Eltern in die eigentliche Heimat Italien zurückgekehrten Luce d´Eramo zustieß ist nicht repräsentativ, unvergleichbar und absolut einzigartig. Ihr autobiografischer Roman „Der Umweg“ (Klett-Cotta) eröffnet uns eine bisher nie dagewesene Sichtweise auf ein Land am Rande des Untergangs. Eine Perspektive jedoch, die eher dazu gedacht war, seine Regierung zu verteidigen und mit schlimmen Gerüchten aufzuräumen. Eine Faschistin, die sich 1944 im Alter von 18 Jahren als Freiarbeiterin nach Deutschland meldet, gerät selbst in die Fänge der von ihr bewunderten Diktatur. Eine junge Frau voller Ideale wird zum Opfer, weil sie sich gegen die himmelschreienden Ungerechtigkeiten auflehnt, die sie zuvor nicht wahrhaben wollte. Vom Saulus zum Paulus im Dritten Reich. Ein Bericht voller Widersprüche und Ausrufezeichen. Das Zeitzeugnis einer Desillusionierten.

Der Umweg von Luce d´Eramo

Luce d´Eramo war erst viele Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in der Lage, über ihre Erlebnisse zu berichten. Chronologisch geordnet ist es nicht, was wir in ihrem Buch lesen. Chronologisch sind lediglich die Zeitpunkte, zu denen sie von ihrer Erinnerung eingeholt wurde. In dieser Reihenfolge sind sie angeordnet. Und doch ist es sinnvoll, diese Bilder ihrer Vernissage nicht umzuhängen, sie in die Phasen des Lebens einzureihen, sondern sie in ihren Widersprüchen wirken zu lassen. Was im Buch im KZ Dachau beginnt, hat eine Vorgeschichte. Was eine junge Flüchtende 1944 in München erlebt hat eine Vorgeschichte. Diese Vorgeschichte voranzustellen würde dem Erlebten nicht gerecht. Die volle Wucht der Erkenntnis reift mit dem wachsenden Wissen um alle Zusammenhänge dieser bemerkenswerten Odyssee. 

Wie wird aus der freiwilligen Arbeiterin in den Fabriken der IG Farben in Frankfurt Höchst in letzter Konsequenz eine Gefangene im KZ Dachau? Was führt eine junge Frau dazu, diesem Lager zu entfliehen, in welchen illegalen Orbit im Hagel der alliierten Bomben taucht sie in München ein, was führte zu ihrer Deportation und wie gelang ihre Flucht bis nach Mainz, warum war sie dort zur falschen Zeit am falschen Ort und wieso stürzte ein Mauerrest gerade auf sie und nahm ihr zeitlebens die Möglichkeit ihre Beine zu bewegen? Was macht aus der linientreuen und nach Bestätigung suchenden jungen Faschistin in den Lagern der IG Farben eine Kämpferin für Gleichberechtigung und wie reagiert ihre Familie auf die Erkenntnisse eines Mädchens, dem alle Illusionen geraubt wurden? Hier schärft sich der Blick des Außenstehenden. Fassaden bröckeln und auch ideal wirkende Ideale werden zum Opfer der Machtgier. Die Welt der IG Farben besteht auf Freiarbeitern voller Ambitionen und Zwangsarbeitern, die dort gehalten werden wie Tiere. Russische und polnische Kriegsgefangene, Aufständische aus dem Warschauer Ghetto, inhaftierte Partisanen und französische Kriegsgefangene bilden den Kosmos in dem die kriegswichtige Produktion auf menschenverachtende Methoden zurückgreift.

Der Umweg von Luce d´Eramo

Hier wird aus der freiwilligen Faschistin die Kollaborateurin mit vielen Privilegien. Hier erlebt die junge Italienerin die Zustände, in denen die Zwangsarbeiter vor sich hin vegetieren. Hier regt sich ihr Gewissen. Hier wird sie zur Zeugin von Zuständen, die sie niemals wahrhaben wollte. Hier begehrt sie auf. Hier wechselt sie die Seite und schließt sich den „Bolschewiken“ an. Am untersten Rand der Nahrungskette angekommen, wird sie fast zur Märtyrerin für die Rechte der Gefangenen. Hier wird aus der Faschistin eine verzweifelt Zweifelnde, eine Hassende und Kämpfende. Hier wendet sich das Schicksal von Luce d´Eramo. Aus einer Anhängerin wird eine registrierte Gegnerin. Sie wird nach Italien repatriiert. Dort von der SS festgesetzt und nach Dachau deportiert. Hier beginnt „Der Umweg“ auf dem sie erneut nach Deutschland verbracht wird. Fortan wird sie, die ehemals Linientreue, zur Alliierten der Verzweifelten.

Was nun bei den Nazis als menschlicher Abschaum gilt, entwickelt sich zu treuen Weggefährten durch eine unglaubliche Odyssee. Eine Irrfahrt, die man als Leser auf sich nehmen sollte. Die Läuterung der Faschistin vollzieht sich nicht schlagartig, jedoch mehr als nachhaltig. Dass Luce d´Eramo den Zweiten Weltkrieg überlebte hat sie jenen zu verdanken deren Schicksal sie bezweifelte. „Der Umweg“ könnte einen Ausweg aus dem allzu linearen Denken darstellen. Perspektivwechsel und eigenes Erleben. Das ist es, was wir Populisten von heute wünschen. Eine Fahrt in einem Schlauchboot auf dem Mittelmeer, eine Nacht in Aleppo, zwei Monate im Status asylsuchend, abgeschoben in eine Heimat, die keine Sicherheit bietet. Es sind diese Perspektiven, die wir uns für die Menschen wünschen, die auch heute noch Kollaborateure der Unmenschlichkeit sind.

Der Umweg von Luce d´Eramo – Zurück in Dachau – Mehr als eine Impression…

Ich lese und schreibe weiter Gegen das Vergessen an. Ich suche nach wie vor die großen und kleinen wahren Geschichten aus einer Zeit, vor deren Wiederholung immer noch gewarnt werden muss. Populisten verbergen ihre wahren Absichten gut. Sie sind immer wieder in der Lage, Automatismen zu nutzen, Ideologien zu verbiegen und sich durch das Verbreiten von Angst unersetzlich zu machen. Populisten brauchen niemals Lösungsansätze. Sie brauchen nur die Unzahl von „Neins“ und „Abers“. Ihnen wünsche ich zahllose Luce d´Eramos. Begeisterte Anhänger, die schnell merken wohin der Hase läuft. „Der Umweg“ ist unter Berücksichtigung dieser besonderen Rahmenbedingungen ein wichtiges Buch, das „Gegen das Vergessen“ kämpft und die individuelle Geschichte von Menschen zutage fördert, die wir ansonsten vergessen würden.

Diesen Umweg habe ich gerne gemacht. Er zeigt mir, wie sehr die Betroffenen, egal ob nun als Opfer, Mitläufer oder Täter lebenslang mit der Verarbeitung der Geschichten ihres Lebens beschäftigt sind. Die schonungslose Offenheit mit der eigenen Erinnerung sticht besonders aus diesem Zeitzeugenbericht heraus. Luce d´Eramo gesteht sich und uns gegenüber ein, wie lange es gedauert hat, klar zu sehen, Wahres von Illusionen zu trennen und im Ergebnis die Tatsachen für sich sprechen zu lassen. Das Eingeständnis der Autorin, sich jahrelang selbst belogen zu haben, um mit ihrer Geschichte leben und sie verarbeiten zu können, macht aus einem ganz normalen Buch ein Standardwerk zu den großen Themen unserer Zeit. Ideologisch populistische Verführung und die Folgen für Linientreue und Gradlinige. Meine Gradlinigkeit ist durch eine rote Linie definiert, der Luce d´Eramo mehr Kontur verliehen hat.

Vor wenigen Tagen führte mich Der Umweg nach Dachau. Ein wichtiger Moment.

Freiwillig im KZ – Wahrlich kein Einzelfall

Freiwillig ins Konzentrationslager? Kein Einzelfall in der Geschichte.

 

[Gegen das Vergessen] – Der Finsternis entgegen

Der Finsternis entgegen - AstroLibrium

Der Finsternis entgegen – AstroLibrium

„Diese Frau wusste, dass sie mit jedem, der Hosen trug, fertigwerden würde.“

SOE-Agent George Millar über Vera Atkins.

Wenn ich heute an Konzentrationslager denke, dann sehe ich unzählige Geschichten von Opfern des Holocaust vor mir. Wenn ich die KZ-Gedenkstätten besuche, versuche ich mich in die Lage derer zu versetzen, die an diesen Orten vor gar nicht allzu langer Zeit unter qualvollen und menschenverachtenden Umständen den Tod fanden. Und ich denke an diejenigen, die als Überlebende dieses Genozids bis zum heutigen Tag kaum zu heilende Wunden und Traumatisierungen mit sich tragen.

Ich denke an jüdische Menschen, Behinderte, Sinti und Roma, Kriegsgefangene und all jene, die durch das ideologische Raster der Nazis gefallen waren und als unwertes Leben der gezielten Massenvernichtung zugeführt wurden. Hinter all diesen Menschen stehen große und kleine Geschichten. Hinter jedem Namen verbirgt sich ein Schicksal und mit jedem Verschwinden geht für mich die Verpflichtung einher, dafür einzutreten, dass sich Geschichte nicht wiederholt. Gegen das Vergessen lesen und schreiben – eine meiner Lebensmissionen.

Der Finsternis entgegen

Der Finsternis entgegen

Und doch denke ich manchmal nicht vollständig, sondern versehentlich lückenhaft, übersehe manche Details und Nuancen im Grauen, die bemerkenswert sind und den ganzen Schrecken eines solchen Systems auch aus anderen Perspektiven beleuchten können. Allzu fokussiert ist oft der Blick und so kommt es, dass man sogar vor Ort bei einem Besuch des Krematoriums der KZ-Gedenkstätte Dachau eine große Gedenktafel übersieht, die eigentlich nicht zu übersehen ist.

Und selbst wenn man sie bemerkt, dann fügt sie sich nicht in den Kontext dieses Lagers, sondern scheint isoliert und für sich zu stehen. Vielleicht, weil die Geschichten, die sich hinter ihr verbergen auf den ersten Blick exotisch wirken. Auf den zweiten Blick jedoch öffnen sie die Tür zu einer bisher fast völlig unbekannten Facette des Zweiten Weltkriegs. Einer Facette, die viele Menschenleben gekostet hat, die es aus Sicht aller am Krieg beteiligten Nationen schon aus völkerrechtlicher Sicht nie hätte kosten dürfen.

Die Gedenktafel in der KZ-Gedenkstätte Dachau erinnert an weibliche Angehörige des britischen Geheimdienstes, die bei ihrem Einsatz hinter den feindlichen Linien von der Gestapo festgenommen, brutal verhört und über das ganze Deutsche Reich verteilt wurden, um sie in einer sogenannten „Nacht-und-Nebel“-Aktion für immer verschwinden zu lassen.

Der Finsternis entgegen

Der Finsternis entgegen

Von diesen weiblichen Agenten, ihren tapferen Einsätzen, ihrem Untergang und der Frau, die diese wagemutige Aktion koordinierte, handelt das gerade erschienene Buch von Arne Molfenter und Rüdiger Strempel, die sich durch wahre Aktenberge bisher streng geheimer Dokumente recherchieren mussten, um die ganze Komplexität dieser scheinbaren Randgeschichte des Zweiten Weltkrieges greifbar zu machen. Und doch ist sie viel mehr. Für die Betroffenen und Angehörigen ist sie DIE Geschichte von tapferen Frauen im Kampf gegen den Nationalsozialismus.

Die spannende Dokumentation Der Finsternis entgegen – Die wahre Geschichte der Vera Atkins und ihrer wagemutigen Agentinnen (DuMont Buchverlag) wird dem Titel des Buches absolut gerecht. Es ist der Wahrheit verpflichtet, methodisch in jedem einzelnen Kapitel nachvollziehbar und schmerzhaft authentisch. Veröffentlicht werden ausschließlich gesicherte Details, die im Crossover-Verfahren durch mehrere Quellen belegt werden konnten und es spart Interpretationen und reine Spekulationen aus.

Akribisch könnte man es nennen. Ein reines Sachbuch könnte man sagen, und doch gelingt den beiden Autoren eine Konstruktion, die den Atem mehrmals stocken lässt. Sie beleuchten absolut alle Aspekte, die letztlich zur Etablierung der weiblichen Agenten im britischen Geheimdienst führten, analysieren perfekt die Entwicklung bis zum Ausbruch des Krieges und werfen dabei ein ganz besonderes Augenmerk auf die Gratwanderung, die das sogenannte Ministerium für unfeine Kriegsführung in einem Land zu bewältigen hatte, das vom „Fairplay-Gedanken“ geleitet wird. Sabotage und Unterwanderung waren in den offiziellen Führungskreisen der Armee verpönt.

Und dann noch Frauen. Unvorstellbar.

Der Finsternis entgegen

Der Finsternis entgegen

„Der Finsternis entgegen“ ist im eigentlichen und tiefen Sinn die Geschichte der Vera Atkins, ihrer weit verzweigten Lebensgeschichte und ihres Aufstiegs im Geheimdienst seiner Majestät. Sie wird zur Koordinatorin und zum Führungsoffizier für insgesamt 39 Agentinnen, die angeworben wurden, um in den Reihen der französischen Resistance die Landung der Alliierten am D-Day 1944 vorzubereiten. Dabei öffnen die Autoren alle verfügbaren Akten, Vernehmungsprotokolle und Dokumente, die Zeugnis über die harte Ausbildung, die Motivation und den Einsatz dieser Frauen ablegen.

Und hier beginnt dieses Buch sich deutlich zu wandeln. Es wird höchst persönlich. Es schafft eine sehr emotionale Bindung, weil wir einige dieser Agentinnen auf ihrem langen Weg begleiten dürfen. Von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Einsatz hinter den feindlichen Linien. Wir werden Zeugen von aufopferungsvollen Kämpfen, schweren Fehlern, Verrat und einem heftigen Schlagabtausch mit der Spionageabwehr der Nazis. Und immer mittendrin, Vera Atkins, die alles versucht, um ihre „Mädchen“ aus der Ferne zu beschützen. 13 von ihnen werden nie wieder nach Hause zurückkehren.

13 junge Frauen werden enttarnt, verhaftet, gefoltert, verhört und als illegale Agenten einer sogenannten „Sonderbehandlung“ zugeführt. Man lässt sie spurlos verschwinden. Vera Atkins begibt sich nach Kriegsende auf die Suche nach diesen Frauen, die bei Nacht und Nebel der Finsternis entgegen getrieben wurden. Ihre Spuren führen von Gefängnissen der Gestapo über Transportlisten der Bahn bis zum unvorstellbarsten Ort, den sich Vera Atkins auch nur ausmalen konnte. Konzentrationslager.

Der Finsternis entgegen

Der Finsternis entgegen – Vielschichtiger Blick in die Vergangenheit

Weit entfernt und entrückt scheint die Geschichte dieser Frauen. Weit entfernt und vor 70 Jahren kämpften sie mit allem was sie hatten, um ihren Soldaten den sicheren Weg an die Strände der Normandie zu ebnen. Und doch wird Geschichte greifbar und rückt nah an den Leser heran, wenn man bei der Zugfahrt nach München plötzlich von einer Zugfahrt nach München liest. Wenn man dann ein letztes Umsteigen bezeugen kann und die letzten Kilometer nach Dachau verfolgt. Hier endet der Weg einiger dieser Agentinnen. Hier endet auch die Spur von Noor Inyayat Khan, einer jungen Frau mit indischen Wurzeln, die als britische Agentin von der Gestapo in Frankreich enttarnt wurde und nun Der Finsternis entgegen fährt.

Hier fühle ich die Geschichte, hier verführt sie mich, meine Augen zu öffnen und wahrzunehmen, was ich vorher übersah.

Eine Gedenktafel im Krematorium der KZ-Gedenkstätte Dachau, die an drei dieser Agentinnen erinnert, die in einer Septembernacht des Jahres 1944 hier auf brutale Art und Weise hingerichtet wurden. Bei Nacht und Nebel. Ganz in meiner Nähe. An einem Ort, an dem man nie nach Opfern suchen würde, die diesen Weg hinter sich haben. In England ausgebildet, in Frankreich eingesetzt, verraten und an die schrecklichsten Orte der Finsternis deportiert.

Vera Atkins bleibt nur, all diese Wege nachzuvollziehen, um den Angehörigen ihrer Agentinnen traurige Gewissheit zu verschaffen. Ihr bleibt nur, immer wieder darüber nachzudenken, welche Fehler im Einsatz gemacht wurden und sich pausenlos die Frage zu stellen, was eigentlich Gerechtigkeit ist. Besonders angesichts der Prozesse gegen das Personal der Konzentrationslager, die sie mitverfolgen muss. Uns bleibt nur zu lesen und mit wachem Auge für die Vergangenheit Wahrheiten im wahrsten Sinne des Wortes wahrzunehmen.

Ach Noor….

Eine literarische Spurensuche

Eine Spurensuche in Dachau für Literatur Radio Bayern. Hören Sie selbst

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Recherchieren Sie selbst. Erstaunliches bleibt erhalten, was sonst vergessen würde.

Der Finsternis entgegen

Der Finsternis entgegen

Auch hier sprechen Bücher miteinander. Der Weg nach Ravensbrück, die Folter in den Kellern der Gestapo in Fresnes und die markerschütternden Schreie, die sie hörte, verbinden Mopsa Sternheim mit den deportierten Widerstandskämpferinnen aus dem Buch Der Finsternis entgegen“. Sie waren zur gleichen Zeit am gleichen Ort und es ist wahrscheinlich, dass sie sich nur durch ihre qualvollen Schreie begegneten.

Die Poesie der Hörigkeit von Lea Singer – Hoffmann und Campe

Die Poesie der Hörihkeit von Lea Singer – Mopsa Sternheim mit 12