Von EREBOS zu EREBOS 2 – Rück- und Ausblick

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski - Rück- und Ausblick - AstroLibrium

Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski – Rück- und Ausblick

Ein neues Icon auf dem Smartphone? Ein rotes „E“, das plötzlich erscheint? War da nicht mal was? Kommt uns das ein wenig bekannt vor? Gab es nicht mal ein Spiel, das man am PC ganz exklusiv spielen konnte? Ein Spiel, über das man auf keinen Fall reden durfte, das keinen Fehler verzieh, das nicht mehr gestartet werden konnte, wenn man auch nur einen Fehler beging und das dem Spieler Aufgaben stellte, die im realen Leben bewältigt werden mussten? Na klar. Da war was. Vor fast 10 Jahren. „EREBOS“ von Ursula Poznanski war im Jahr 2010 ein literarischer Gassenhauer. In aller Munde und Gesprächsthema an jedem Bücherstammtisch.

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Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski – Rück- und Ausblick

Ihr erinnert Euch? Ihr habt EREBOS gelesen? Na dann seid Ihr hier genau richtig. Blicken wir gemeinsam zurück und dann nach vorne. Oh ja, es gibt ein Vorne. Was ich vor fast 10 Jahren zu „EREBOS“ schrieb, wird jetzt wieder wichtig. Denn es geht weiter mit diesem epochalen Jugendthriller. EREBOS is back. EREBOS 2 kommt. Zunächst ein Blick zurück:

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Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski – Rück- und Ausblick

„Es beginnt immer nachts. Nachts füttere ich meine Pläne mit Dunkelheit.
Wenn es etwas gibt, worüber ich im Übermaß verfüge, so ist es Dunkelheit.
Sie ist der Boden, auf dem gedeihen wird, was ich wachsen lassen möchte.“

So beginnt EREBOS von Ursula Poznanski. Mit diesen Worten zieht die Autorin ihre Leser in eine Geschichte hinein, die funktioniert, die begeistert und sich im Gedächtnis dauerhaft festkrallt. Woran liegt das? Was macht einen Roman aus, der aus der Masse vergleichbarer Bücher heraussticht und Leser aller Leserschichten nachhaltig fesselt?

Ursula Poznanski hat ein High-Script vorgelegt. Bestechend: Die grundlegend neue Idee eines dynamischen Computerspiels namens EREBOS, das auf beängstigende Art und Weise das reine Spiel mit der realen Welt kombiniert und verbindet. EREBOS wird gezielt in Umlauf gebracht, sein Inhalt bleibt jedoch für Außenseiter geheim. Und genau dieser Exklusivitäts-Mechanismus macht es in kurzer Zeit zum Spielestatussymbol. Hier spiegelt Ursula Poznanski ernsthafte Bedürfnisse von Jugendlichen wider:

– Zugehörigkeitsgefühl
– Abenteuerlust
– Individualität
– Privatsphäre
– Fluchtstreben aus dem tristen Alltag

Diese Ebenen werden von EREBOS bedient und die scheinbare Exklusivität der Spielwelt sorgt dafür, dass sich die EREBOS-Beteiligten im unsichtbaren Strudel des Geschehens verfangen und süchtig werden – süchtig nach Bestätigung und Erfolg. Die Grenzen verschwimmen, als das Computerprogramm Aufträge erteilt, die nicht mehr in der virtuellen Welt, sondern im realen Leben der Spieler ausgeführt werden müssen, in einer Welt, in der Computerspiele keine besondere Relevanz haben. Plötzlich sind alle Spieler gezwungen zu agieren, um einerseits das finale Ausscheiden zu verhindern und auf der anderen Seite den Zugang zum nächsten Level zu erhalten.

Doch welches Ziel verfolgt das Spiel? Wer steckt hinter EREBOS?

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Die österreichische Autorin veröffentlicht diesen Roman in einer Zeit, [Anmerkung des Rezensenten: im Januar 2010] die dadurch gekennzeichnet ist, dass Jugendliche stundenlang vor ihren Computern sitzen, in die Tiefe virtueller Spielewelten eintauchen und ihre Eltern nicht nachvollziehen können, wieso es nicht möglich ist, den Ablauf des Spiels für eine kurze Essenspause zu unterbrechen. Sie schreibt es in einer Zeit, in der viele Erwachsene stundenlang vor dem Rechner sitzen und ihrer Umgebung nicht mehr erklären können, warum eine Teilnahme am sozialen Leben nicht möglich ist, weil man schließlich etwas verpassen könnte in der virtuellen Welt. Eine digitalisierte Dimension des Seins beginnt um sich zu greifen und das Verhalten der Eltern findet plötzlich seine Entsprechung im Spielverhalten von Kindern. Überraschend?

Ursula Poznanski spiegelt diesen problematischen Teil unserer Gesellschaft und siedelt in diesem Szenario eine spannungsgeladene Handlung an, die in ihrer Brisanz und Aktualität einfach nur als brillant zu bezeichnen ist. Also, Rechner aus und ran ans Buch. LESEN: Ihr Jugendlichen vor den PCs in denen Egoshooter das Leben regieren! LESEN: Ihr Erwachsenen in Euren virtuellen Umgebungen und LESEN: Ihr Liebhaber erstklassiger Romane! Und bitte nicht vergessen:

„Loslassen ist einfach, wenn man sich erst einmal dazu entschlossen hat.“

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Das schrieb ich vor fast 10 Jahren, also lange bevor ich hier in den Tiefen meiner kleinen literarischen Sternwarte versank. Erebos war der Startpunkt meines Lesens an der Seite von Ursula Poznanski. Ich bezeichne sie noch heute als die Fluchthelferin meines Lesens, weil ich wohl tausende Kilometer in schnellster Gangart zurücklegte, in der Hoffnung, ihren jeweiligen Thriller mit heiler Haut zu überstehen. Und jetzt, nach so langer Zeit überrascht uns Ursula Poznanski mit der Fortsetzung eines Thrillers, der für mich eigentlich abgeschlossen schien. Jetzt sorgt die Kunde von „EREBOS 2“ für eine Aufregung in der Fangemeinde, die man mit Händen greifen kann. Es knistert, flimmert und vibriert. Und ich? Heute gehöre ich zum sogenannten Inneren Kreis. Heute ist es mein Privileg, das Erscheinen von „EREBOS 2“ als „Afficionado“ zu begleiten. Doch vor der Fortsetzung gilt es sich an eine Zeit, die längst vergangen scheint, zu erinnern.

Ist EREBOS noch präsent in Eurem Langzeitgedächtnis? Was verbindet Ihr heute mit dieser Geschichte und was erwartet Ihr von der Fortsetzung? Ich bin sehr gespannt auf Eure Antworten und dann legen wir im August los, wenn EREBOS uns wiederfindet. In wenigen Wochen ist es soweit und solltet Ihr noch EREBOSLOS sein, die Zeit ist reif, eine Geschichte zu entdecken, die damals bahnbrechende Wirkung hatte und nichts an ihrer Relevanz eingebüßt hat. Greift zur Sonderausgabe (ein Schmuckstück) und dann hinein in eine Fortsetzung, auf die sich die Bücherwelt unglaublich freut.

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„EREBOS 2“ – Ich bin zurück und habe überlebt. DAS FAZIT:

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Von EREBOS zu EREBOS 2 – Ursula Poznanski – Rück- und Ausblick

Die Frage ob EREBOS 2 ein würdiger Nachfolger von EREBOS ist, hat sich mir nie gestellt. 10 Jahre nach der Deaktivierung eines Computerspiels auf Leben und Tod hat Ursula Poznanski einen Relaunch hingelegt, den man so nicht programmieren kann. EREBOS ist wieder aktiv. Das Programm hat dazugelernt und nichts von dem verloren, was es damals so gefährlich machte. Es zieht Menschen in seinen Bann und verwickelt sie in einen Dialog am Rechner und am Smartphone, dem sie sich nicht entziehen und verweigern können. Dazu ist das Bedrohungszenario, mit dem EREBOS aufwartet viel zu gefährlich. Auch Spieler von einst, die dieser Welt schon lange entsagt haben, sind wieder Teil des perfiden Spiels.

Nick verliert alle Fotos, die er gerade von einer Hochzeit gemacht hat. EREBOS hat sie beschlagnahmt und nur durch den erneuten Eintritt ins Spiel kann er sie Schritt für Schritt zurückgewinnen. Perfide. So oder so ähnlich geht es auch den neuen Spielern. Es geht um ihre Existenzen, wenn sie im Spiel gegeneinander antreten. Auch diesmal führen die Aufgaben in die reale Welt. Was Ursula Poznanski dann jedoch verursacht ist phänomenal. Hatte man in EREBOS noch den Konflikt zwischen Realität und Game zu verarbeiten, so kommt jetzt eine Ebene hinzu, die ich nicht erwartet hätte. Sind die Identitäten der Spieler auch im wahren Leben mit Vorsicht zu genießen? Hat sich das Spiel in eine Richtung entwickelt, die nicht nur Böses im Sinn hat? Wer hat EREBOS reaktiviert und mit welcher Absicht? Gut und Böse verschwimmen zu einem Nebel, der sich vollständig lichtet und seine Leser staunend zurücklässt. Das ist großes Kino!

„EREBOS 2“ ist ein literarisch fesselnder mehrdimensionaler Identitätskonflikt, in dessen Sog man untergeht und wie neugeboren wieder auftaucht. 

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„Thalamus“ von Ursula Poznanski – Reine Kopfsache

Thalamus von Ursula Poznanski

Das versprach gemütlich zu werden. Brachte mich Ursula Poznanski bisher in ihren Thrillern doch immer wieder dazu die Turnschuhe zu schnüren und ihren Protagonisten atemlos auf der Flucht vor dem Bösen auf der Welt zu folgen, so sollte es diesmal ganz anders werden. Ich verbannte mein Sportdress außerhalb meiner Reichweite und habe mich auf ein eher therapeutisches Lesen eingestellt. Spannend, gerne, aber rasend auf keinen Fall. Das würde das Setting nicht hergeben. Diesmal war es reine Kopfsache. In ihren bisherigen Romanen ging es um die gute Konstitution ihrer Protagonisten, weil sie sonst keine Überlebenschance gehabt hätten. Bei Timo (17) ist das ganz anders.

Er spielt die wesentliche Rolle in „Thalamus“, dem neuesten Jugendthriller aus der Feder der österreichischen Autorin, die in ihrem früheren Leben Medizinjournalistin war und nun quasi aus dem Vollen schöpfen konnte. Ich legte mich hin, machte es mir sehr bequem und bereitete mich darauf vor, Timo durch dieses Werk zu folgen. Das sollte ja so schwer nicht sein. Ein Motorradunfall, eine schwere Kopfverletzung, eine Operation am offenen Schädel und die nun folgende langwierige Rehabilitation hatten den Jungen in einen erbärmlichen Zustand versetzt. Laufen war da kaum drin. Ich entspannte mich, hatte doch die Fluchthelferin meines bisherigen Lesens mal eine Atempause für mich eingebaut.

Thalamus von Ursula Poznanski

Timos Sprachzentrum ist in Mitleidenschaft gezogen. Motorische Fähigkeiten sowie die Koordination seiner Bewegungen: Fehlanzeige. Er ist ans Bett gefesselt. Jedoch an ein Bett in bestem Hause. Der Markwaldhof gilt als DAS renommierte Reha-Zentrum für jene Patienten, denen ein Schädelhirntrauma einen Strich durch das sorgenfreie Leben gemacht hatte. Beste Ärzte, Hirnspezialisten, Logopäden und Physiotherapeuten ohne Ende kümmern sich hier um die schnelle Wiederherstellung der Traumatisierten. Timo hat eigentlich gute Aussichten auf Heilung. Jetzt bräuchte er Geduld und Konzentration, um durch Übungen wieder zurück ins Leben geführt zu werden.

Er kann sich nicht äußern, zum Schreiben reicht die Motorik nicht aus und so wird aus dem aktiven jungen Mann ein passiv alles über sich ergehen lassender Patient. Er wird gefüttert, lernt schrittweise das Sprechen und irgendwann soll er sich auch wieder auf eigenen Beinen bewegen können. Einzig sein Verstand ist nicht betroffen. Er ist im höchsten Maße aktiv und ein aufmerksamer Beobachter der Ereignisse, die den Alltag von Timo bestimmen. Manchmal denkt er zu träumen, oder traut dem eigenen Verstand noch nicht ganz, aber wenn etwas bei ihm funktioniert, dann sein Kopf. Nur Kopfsache.

Thalamus von Ursula Poznanski

Ich setzte mich an sein Bett, lesend und hörend. Und eigentlich hatte ich gar nicht vor, mich von hier fortzubewegen. Im Buch aus dem Loewe Verlag versunken oder der Stimme von Jens Wawrczeck im Hörbuch aus dem Hause Der Hörverlag aufmerksam zuhörend, kontrollierte ich Timos Vitalfunktionen, half bei der täglichen Logopädie und beobachtete seine langsamen Fortschritte in der Physiotherapie. So hätte es durchaus bleiben können. Fast jedoch hätte ich vergessen, wer diesen Roman geschrieben hatte und dass der Begriff „Thriller“ im Klappentext deutlich zu lesen war. Ursula Poznanski hatte in der packenden Einleitung dieses Romans lediglich das Setting beschrieben, in dem ich in den folgenden Stunden am eigenen Leib erlesen und erhören durfte, was es heißt, Zeuge ungewöhnlicher Vorfälle zu werden.

Das Gehirn ist komplex und Unfallschäden haben oft weitreichende Folgen. Wenn man jedoch das Gefühl hat, dass unsere Denkmaschine perfekt funktioniert, dann wird es umso dramatischer, Dinge zu beobachten, die nicht wahr sein können. Timo beginnt an sich zu zweifeln, weil er zum Zeugen von Vorfällen wird, die einfach unmöglich sind. Da wandelt sein komatöser Zimmernachbar, der sich den ganzen Tag nicht bewegt und intensiv gepflegt werden muss, nachts quietschfidel durch Zimmer und spricht klar und deutlich. Da hört Timo Stimmen in seinem Kopf, die er unmöglich geträumt haben kann. Da erhebt auch er sich plötzlich, wie ferngesteuert aus seinem Bett und ist in der Lage, sich fast so zu bewegen, wie vor seinem Unfall. Naja, und zuletzt kann er nur durch die Kraft seiner Gedanken das Licht im Raum an- und ausschalten. Was geht hier ab?

Thalamus von Ursula Poznanski

Ursula Poznanski lotet in ihrem Thriller „Thalamus“ die Chancen und Risiken der modernen Schulmedizin aus und wägt ab, wie weit man gehen darf, um Patienten zu helfen. Die Gratwanderung zwischen medizinischer Notwendigkeit und wirtschaftlichem Interesse gelingt ihr ebenso brillant, wie die psychologische Tiefenzeichnung der Ärzte, die unter dem Deckmantel humanistischer Weltbilder ganz andere Ziele verfolgen. Hier spannt Ursula Poznanski einen Handlungsbogen, der Timos Schicksal ins Zentrum des Romans rückt, dann aber Schlag auf Schlag auf die anderen Patienten ausfächert. Wir schwanken lesend und hörend zwischen Zweifel und Unglauben, erkennen aber schon bald, dass es sich hier nicht um Hirngespinste handelt, unter denen die Traumatisierten leiden. Greifbar, authentisch und technisch nicht unwahrscheinlich, was uns hier packt.

Und dann ist es auch schon vorbei mit meinem gemütlichen Lesen. Hätte ich doch meine Turnschuhe eingepackt. Aus der inneren Dynamik schwappt die Story in greifbar hektische Betriebsamkeit, der man sich nicht entziehen kann. Timo kommt dem großen Geheimnis der Reha-Klinik auf die Spur. Er macht sich damit zum Hoffnungsträger für die Freunde, die er dort fand, aber gleichzeitig auch zur Zielscheibe jener, für die Timo zur existenziellen Gefahr wird. Ein medizinischer Hightech-Thriller, der im eigentlichen Sinn verschreibungspflichtig sein sollte. Gut nur, dass er nicht nur Privatlesern, sondern auch für uns Kassenleser rezeptfrei zugänglich ist. Zu Risiken und Nebenwirkungen der hochspannenden Unterhaltungs-Pille sollte man allerdings keinen Arzt oder Apotheker befragen. Blogger und Buchhändler tun es auch… Sie schwören nämlich auf Romane, die süchtig machen.

Und jetzt renne ich doch noch durch die Gänge des Markwaldhofs. Ich hätte es ja wissen müssen. Hilfe…

Thalamus von Ursula Poznanski

Mein Tipp frisch von der Frankfurter Buchmesse: Wer künftig Erwachsenen-Thriller von Ursula Poznanski lesen möchte, der sollte bei Droemer-Knaur Ausschau halten. Der spektakuläre Verlagswechsel wird am 1. Februar 2019 unter dem Titel „Vanitas – Schwarz wie Erde“ offensichtlich… Bleibt gespannt, da kommt Großes auf uns zu.

Vanitas – Schwarz wie Erde – Ursula Poznnski – Februar 2019

„Dark Noise“ von Margit Ruile

Dark Noise von Margit Ruile

Es beginnt für mich bereits am frühen Morgen. Schon auf dem Bahnsteig werde ich von der ersten Überwachungskamera ins Visier genommen. In der S-Bahn gerate ich in den Fokus unzähliger Objektive und auch mein Ausstieg am Münchner Hauptbahnhof wird festgehalten. Kaum eine Überwachungslücke, keine Nische, kein toter Winkel. Erst mit dem Betreten des Büros erreiche ich einen Bereich, der sich unbeobachtet und fast privat anfühlt. Ich habe damit kein Problem. Ich stelle ja nichts an, habe keine Pläne für kriminelle Aktivitäten und fühle mich recht sicher. Als Opfer von Gewalttaten ist es wohl überlebenswichtig, den Täter mit Hilfe von Überwachungsvideos zu identifizieren.

Wer denkt da nicht an Frauen, die auf Rolltreppen zu Boden getreten werden oder an Flughäfen, deren Videoüberwachung terroristische Anschläge aufklären kann? Wer denkt nicht an einen Mordanschlag auf den Halbbruder des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un? Alles nur zu unserer Sicherheit. Biometrische Ausweise, Kameras wohin wir schauen und subjektiv haben wir das Gefühl, in Abrahams Schoß zu wandeln. Aber wer sitzt auf der anderen Seite der Objektive? Wie geht man mit der Flut an Information um, die sich hier aufstaut? Und was ist, wenn unsere gesammelten Daten missbraucht werden? Handyortung, abgehörte Telefone, Kameras und bald das autonome Fahren. Werden wir zu gläsernen Menschen und wer profitiert vom Security-Hype?

Dark Noise von Margit Ruile

Ein spannendes Thema. Margit Ruile stellt es in ihrem Roman Dark Noise in den Brennpunkt des Geschehens. Was George Orwell mit seiner düsteren Zukunftsvision „1984“ so beklemmend skizzierte, setzt Margit Ruile auf dem Stand der Technik des 21. Jahrhunderts mit völlig neuen Aspekten fort und weckt ein beklemmendes Gefühl. Mehr als das. Ich habe versucht das Buch zwischen mich und den Blickwinkel der Kameras in der S-Bahn zu bringen. Ich wollte unsichtbar bleiben, unentdeckt lesen und mich vor den aufdringlichen Blicken der „Big Brothers“ unserer Tage schützen.

Warum ich den Kameras plötzlich misstraute? Was mich ängstigte? Da sollten Sie einen einzigen Blick in „Dark Noise“ (Loewe Verlag) werfen. Ein Blick genügt. Glauben Sie mir. Er wird genau 288 Seiten lang sein. Und keine Sorge. Sie kommen gar nicht zu Augenblicken der Pause und Blinzeln geht schon gar nicht. Denn Margit Ruile spielt mit unserem Misstrauen gegenüber der Technik und stellt die Videoüberwachung unter den Vorbehalt der möglichen Manipulation. Undenkbar, dass Videosequenzen nicht zeigen, was tatsächlich geschah. Undenkbar, dass es wirklich möglich ist, diese offiziellen und seriösen Quellen zu verändern und damit eine kriminelle Energie zu entwickeln, die wir uns kaum vorstellen können.

Dark Noise von Margit Ruile

„Dark Noise“ ist ein Höllentrip auf dem schmalen Grat des technisch Machbaren und der Vision des Möglichen. Einer der apokalyptischen Technikfreaks ist Zafer. Er entspricht genau unseren Vorstellungen eines Computer-Nerds. Das reale Leben stellt zu große Herausforderungen an ihn. Erst vor dem Monitor, unsichtbar für den Rest der Welt und ohne soziale Kontakte kann er sein Talent ausleben. Er verändert die Realität. Also nicht wirklich, aber zumindest dort, wo sie fehl am Platz ist. Seine Arbeit ist für die Filmindustrie unverzichtbar. Er entfernt Markennamen, störende Details und mehr aus den Videosequenzen einer Fernseh-Soap. Und das macht er so gut, dass man niemals wieder erkennen würde, dass die Aufnahmen im Original anders aussahen.

Ein kleiner Zusatzauftrag verändert sein Leben. Ein kurzes Überwachungsvideo aus einer der unzähligen Kameras seiner Stadt, ein Fahrzeug, das eine Tiefgarage verlässt und eine kleine und geheimnisvolle Botschaft lösen eine Kette von Ereignissen aus, in der Zafer sich zusehends gefangen sieht. Es gibt kein Entkommen.

„Lass die Nummer verschwinden. Wie schnell bist du, Zafer?“

Nichts leichter als das. Ein Kfz-Kennzeichen auf einem bewegten Bild zu verändern, stellt nur eine Fingerübung für Zafer dar. Er ist schnell. Er ist gut. Er ist perfekt. Und als kleine Aufwandsentschädigung wird er fürstlich entlohnt. Diesem kleinen Auftrag folgen größere. Es wird komplexer, aber Zafers technischer Ehrgeiz ist geweckt und er schafft alles in Perfektion. Er lässt einen Mann aus einem Überwachungsvideo verschwinden und montiert einen anderen in eine völlig neue Umgebung. Gründe interessieren Zafer nicht. Die Folgen ebenso wenig. Sein Können steht im Vordergrund und endlich kann er mal zeigen, wozu er wirklich in der Lage ist. Seine Videos formen eine neue Welt.

Dark Noise von Margit Ruile

Ob Zafer mit dieser neuen Welt zurechtkommt? Nein. Denn spätestens als er seine Werke im Fernsehen sieht, als er die Schlagzeile vom Journalistenmord realisiert und der Mann zum Tatverdächtigen wird, den Zafer in das Video montiert hat, wird ihm zum ersten Mal die Tragweite seines Handelns bewusst. Nur er hat den Schlüssel in seiner Hand. Nur er kann den Verdächtigen entlasten, aber: Was eigentlich einfach klingt, wird für Zafer zur lebensbedrohlichen Jagd in einer Welt der Daten-Highways. Nur mit dem Unterschied, dass er selbst auf der falschen Fahrbahn in den Untergang rast.

Margit Ruile lässt ihren Protagonisten nicht im freien Raum hängen. Auch wenn er von „seiner“ Autorin von einem Schlamassel in die nächste Zwickmühle getrieben wird, er ist nicht allein in seinem Kampf um die Wahrheit. Er begegnet einer jungen Frau, für die unsere Welt nur aus Tönen und Melodien zu bestehen scheint. Ihre Gitarre und die Straßenmusik dominieren ihr Leben. So sieht es jedenfalls aus. Dass Emily jedoch die Speerspitze einer Untergrundbewegung im Kampf gegen die Videoüberwachung durch den Konzern „Argos“ ist, das begreift Zafer erst, als ihm klar wird, dass es ein Leben jenseits der virtuellen Welt gibt. Ein Leben an der Seite von Emily vielleicht. Man sollte nur überleben. Das jedoch ist schwer genug.

Dark Noise von Margit Ruile

„Dark Noise“ ist ein IT-Technik-Thriller mit menschlichem Tiefgang. Margit Ruile streift die wichtigen Themen unsere Zeit nicht nur, sie lässt ihre Leser in eine Welt mit eigenen Gesetzen abtauchen. Der Spagat zwischen Sicherheit und Kriminalität gelingt ihr in ihrem Erzählraum, weil sie die Grenzen des heute schon Realisierbaren fließend überschreitet und visionäre Denkanstöße liefert, die eine tiefe Auseinandersetzung mit den Themen Identität, Authentizität, Datensicherheit und Kriminalität anstößt. Dabei ist die zwischenmenschliche Seite des Jugendbuchs, das zum All-Age-Utopiethriller taugt, so greifbar und emotional beschrieben, dass man die Konsequenzen der Manipulation körperlich und seelisch fühlen kann.

Dabei ist ihr Erzählstil eigenwillig. Sie charismatisiert nicht nur die Protagonisten, sie kommentiert und bewertet auch die Erzählperspektiven mit Einschüben, die zusätzliche Spannung erzeugen. Man muss sich diese Perspektiven in „Dark Noise“ selbst erlesen und sie entdecken. Dann ist man auf dem besten Weg zu verstehen, wer hier eigentlich zu uns spricht und warum es so wichtig ist, genau dieser Person blind zu vertrauen. Es ist eine Geschichte, die sich für eine Verfilmung aufdrängt. „Dark Noise“ ist ein Thriller der uns in eine Kopfkino-Vorstellung katapultiert, bei der wir in der ersten Reihe sitzen und völlig vergessen, unser Popcorn zu genießen.

Ich bin froh, unsere Überwachungssysteme in guten Händen zu wissen. Bleibt die Frage, ob ich es denn wirklich weiß… Danke für diesen gesunden Zweifel, Margit Ruile…

Dark Noise von Margit Ruile – Perfekt für Layers-Fans von Ursula Poznanski

„ELANUS“ – Ursula Poznanski

Elanus von Ursula Poznanski

Elanus von Ursula Poznanski

SIE ist die Fluchthelferin meines Lesens. Das Leitthema in ihren Romanen Erebos, Saeculum und Layers hat mich zum Weltrekordler in Verfolgungsjagden gemacht. Ich habe keine Ahnung, wie viele Kilometer ich in ihren Büchern bereits auf der Flucht war und dabei dunkle Wälder, Häuser oder Straßenschluchten rastlos durchquert habe. Es müssen zahllose Wege sein, die ich mit ihr lief.

Ursula Poznanski – Autorin zahlloser Bestseller und Phänomen meines Lesens. Ich habe sie porträtiert, interviewt, habe ihre Romane gelesen, Artikel geschrieben und den Weg ihres Schreibens verfolgt. Immer wieder hat sie mich dabei aufs Neue überrascht, fasziniert und zum Staunen gebracht. Ungesehen würde ich ihre Bücher lesen, mich ihr anvertrauen und schon auf der ersten Seite wissen, dass ich nicht enttäuscht würde.

Ursula Poznanski hat mich noch nie im Stich gelassen, nie offene Fragen ungeklärt im luftleeren Raum stehen lassen oder Cliffhanger nur dazu benutzt, die Spannung nur künstlich hochzuhalten und sie dann am Ende eines Romans wirkungslos verpuffen zu lassen. Eigentlich müssten Sie jetzt gar nicht weiterlesen, wenn ich nun ihren neuesten, im Loewe Verlag erschienenen Jugendbuch-Thriller vorstelle. Nehmen Sie nur die klare Botschaft mit nach Hause: LESEN IST PFLICHT.

ELANUS von Ursula Poznanski

Elanus von Ursula Poznanski

Elanus von Ursula Poznanski

Sie sind ja noch da! OK, wenn Sie an dieser Stelle noch in meiner kleinen literarischen Sternwarte verweilen, sind Sie entweder noch kein treuer Leser von Ursula Poznanski, oder es macht Ihnen nichts, aber auch gar nichts aus, einer Lobeshymne zu folgen. Ich kann nicht anders. Ich flog durch diesen neuen Thriller und fand doch Unterschiede zu ihrem bisherigen Schreiben, die mich dazu veranlassen, mein bisheriges Bild der ganz persönlichen „Fluchthelferin“ ein wenig zu revidieren.

Wie bereitete ich mich auf ELANUS vor? Ganz einfach. Laufschuhe anziehen, einen Rucksack mit Notration auf den Rücken, Konditionstraining abschließen, Stadtpläne ins Smartphone einspeisen und schon kann es losgehen. Tempo aufnehmen und schauen, wie ich schnellstmöglich von A nach B gelange, dabei überlebe und möglichst zeitgleich mit dem Protagonisten unversehrt neue Schauplätze zu erreichen. Ich war bereit.

Und nun? Nichts da mit Flucht, keine Spur von überhöhtem Lesetempo und keine Schweißperlen auf meiner Stirn, weil ich wie ein Spitzensportler sprinten musste. Nein. Nichts von alledem. Dafür wartet „ELANUS“ mit Überraschungen auf, die ich so nicht auf dem Leseschirm hatte. Ich werde auf Wahrnehmungsebenen angesprochen, die ich mit gar nicht zugestehen wollte. Ich werde psychologisch verwickelt, an meiner ganz im Verborgenen liegenden voyeuristischen Ader gepackt und von Neugier geschüttelt, für die ich mich fast schon zu schämen glaubte.

Elanus von Ursula Poznanski

Elanus von Ursula Poznanski

Ich würde niemals andere Menschen überwachen, sie beobachten oder ihnen auch noch nachspionieren. Ich käme gar nicht auf die Idee, so etwas zu tun, aber es kann zu Situationen im Leben kommen, in denen es sehr ratsam sein kann, etwas mehr von den Menschen zu wissen, mit denen man täglich zu tun hat. Zumindest ist das die Sicht von Jona Wolfram. Der 17-jährige hochbegabte Wunderschüler, dessen Intelligenz ihn von seinen gleichaltrigen Mitschülern so weit abhebt, dass er schon jetzt ein Stipendium an einer Elite-Universität antritt, hat allerdings auch ein anderes Talent.

Er beherrscht die hohe Kunst, sich in kürzester Zeit überall unbeliebt zu machen. Mein, sonderlich sympathisch kommt der junge Mann nicht rüber. Jona polarisiert, zieht Neider an, wie die motzten das Licht und versucht durch Arroganz und Überheblichkeit einen Schutzwall um sein unsicheres Innenleben zu ziehen. Auch an der neuen Uni ist es nur eine Frage von Minuten, bis er den lebensälteren Studenten das Gefühl gibt, nur unterdurchschnittlich begabt zu sein. Das hat er drauf! Und wie.

Jona ist allerdings ehrlich zu sich selbst. Er kennt seine Schwäche nur zu gut, und ahnt, was auf ihn zukommt. Sein Verhalten zu ändern oder einfach mal freundlich und höflich zu sein – das lässt sein Verstand nicht zu. Jona Wolfram ist der Musterkandidat eines hochbegabten, nicht lebensfähigen Außenseiters. Mit einem Unterschied. Seine Verteidigungsstrategie gegen Ausgrenzung und Mobbing ist ausgefeilt. Sie ist greifbar und passt in einen Alu-Koffer. Seine Überlebensfähigkeit ist bestimmt durch Vorsprung an Wissen und Information. Jona Wolfram hat zusätzliche Augen und Ohren.

ELANUS

Elanus von Ursula Poznanski

Elanus von Ursula Poznanski

Sein Spion ist eine Hightech-Drohne. Jonas System ist ausgefeilt. Eine SMS reicht aus. Spyware installiert. Autopilot an. Verfolgungsmodus aktiviert. Und schon sucht sich ELANUS ihren Weg ganz allein, überträgt Video- und Tonsignal, zeigt das Privatleben der überwachten Menschen und versorgt Jona mit den Informationen, die für ihn nichts anders sind, als ein persönliches Frühwarnsystem bei drohenden Konflikten. Eine tolle Idee, gäbe es da nicht ein paar kleinere Probleme.

Linda zum Beispiel. Sie rückt in den Fokus der Privatüberwachung, weil sie hübsch ist und Jana keine andere Idee hat, wie er sich ihr nähern könnte. Also sammelt er fleißig Informationen über sie. Autopilot – an. Oder Marlene Eine Mitstudentin, die zufällig zum ELANUS-Opfer wird, weil Jona einige Menschen an seiner UNI verunsichern möchte. Oder seine Gastfamilie, der es einfach nicht gelingt, Jona in ihren Alltag zu integrieren, weil er zu sehr nach normalem Leben aussieht. Und natürlich einen Dozenten der Uni, den Jona in einer sehr kompromittierenden Situation mit einer Studentin beobachtet.

Als Jona mit seinem Überwachungswissen in die Offensive geht, realisiert er sehr schnell, dass er anscheinend in ein Wespennest gestochen hat. Und die Verflechtung der scheinbar zufälligen Ereignisse, deren Zeuge er durch ELANUS wird, zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben an der Elite-UNI. Ein Selbstmord bringt das Fass zum Überlaufen und aus dem Jäger wird der Gejagte. Wem kann Jona noch vertrauen? Was hat er wirklich aufgedeckt und kann er sich mit ELANUS verteidigen, wenn er selbst in den Fokus gerät? Jonas schnelle Auffassungsgabe ist jetzt gefragt und zum ersten Mal in seinem Leben ahnt er, was es bedeutet, Freunde zu haben. Zu spät?

Elanus von Ursula Poznanski

Elanus von Ursula Poznanski – Das Interview

Jedenfalls nicht zu spät für mich, um zu realisieren, dass ich genau jetzt die richtige Entscheidung getroffen hatte, indem ich meine Lese-Laufschuhe bereits trug. Es war so klar. Ich hatte es ja kommen sehen, denn nun beginnt das Wespennest aktiv zu werden und auszuschwärmen. Das Ziel all derer, die Jona mit ELANUS aufgeschreckt hatte ist klar. Jetzt hilft nur noch die Flucht und schon wird Ursula Poznanski zur Fluchthelferin meines Lesens.

Diesmal jedoch bin ich nicht allein, denn am Himmel über mir, dort, wo es niemand vermutet, fliegt die zuverlässige Drohne namens ELANUS, die Jona und mich konstant im Auge behält. Ich hoffe, dass ihr Akku so lange hält, bis wir das letzte Geheimnis der Elite-Universität gelüftet haben. Eine Flucht mit umgekehrten Vorzeichen, was sie nicht minder lebensgefährlich macht.

Lesensgefährlich ist ELANUS auf jeden Fall. Ursula Poznanski greift hier ein heißes Thema gekonnt auf und verstrickt ihre Leser in ein Geflecht aus Zufällen und zerstörten Plänen. Sie nimmt uns mit auf eine Gratwanderung der Wahrnehmung. Wem oder was können wir vertrauen? Ist jede Beobachtung der Schlüssel zur Lösung oder neigt man dazu, Dinge falsch zu interpretieren? Und letztlich bleibt eine große Frage für uns alle: Kann man sich Freundschaft erschleichen? Ein Hose-Runter-Roman vom Feinsten.

Denn Leser und Protagonisten müssen feststellen, dass man manchmal die Hose runterlassen muss, um sich Freundschaft und Vertrauen zu verdienen. Aber lest einfach selbst. Ich kann nicht weiterschreiben. Ich bin noch auf der Flucht. Halte durch, ELANUS…

Und wer noch nicht genug hat... „AQUILA“ beschleunigt den Puls weiter…

Elanus von Ursula Poznanski

Layers und Elanus von Ursula Poznanski

[Jugend-Thriller] Layers von Ursula Poznanski

Layers von Ursula Poznanski

Layers von Ursula Poznanski

Es ist ein wundervolles Gefühl, wenn sich Rezensionen fast von selbst schreiben. Es ist ein grandioses Gefühl, Bücher zu lesen, die so sehnsüchtig erwartet werden und dazu noch aus der Feder von Schriftstellern stammen, die der hohen Erwartung an ihre Romane bisher immer und immer wieder entsprochen haben. Eigentlich müsste ich nur schreiben:

Ursula Poznanski hält, was sie lesenslang versprochen hat!

Mache ich aber nicht. Denn so wie „Layers“, der neue Thriller von Ursula Poznanski im tiefen Untergrund beginnt, hat auch meine Lesereise an ihrer Seite in den U-Bahn-Schächten meines alltäglichen Pendelns begonnen. Und von Seite zu Seite begann ich meine Umgebung im Untergrund aufmerksamer zu beobachten. Vielschichtig stellt sich ein U-Bahnhof dar. Mehr als vielschichtig sind die Wahrnehmungen an einem solchen Ort. Vielschichtig ist sicherlich auch das passende Synonym für diesen neuen Roman der Schriftstellerin von „Erebos“, „Saeculum“ und vielen weiteren Erfolgsbüchern.

Layers von Ursula Poznanski

Layers von Ursula Poznanski

LAYERS – Es beginnt im Untergrund und nur, wenn wir uns ganz vorsichtig bis zum Ende lesen, erblicken wir das Tageslicht am Ende des Tunnels. Folgt Ursula Poznanski in ihren neuen Thriller, erschienen im Loewe Verlag, und werft einen tiefen Blick auf die vielschichtigen Hintergründe, die sie zum Roman verrät. Eine speziell gestaltete Layers Seite lädt in einen Roman ein, der Dorian in unser Lesen treten lässt.

Dorian teilt das Schicksal vieler Obdachloser seiner Stadt. Ziellos umhertreibend gibt er sich der täglichen Suche nach einem sicheren Schlafplatz hin und vorsichtig tastet er sich von einer warmen Mahlzeit zur nächsten vor. Zukunft: Null. Perspektive: Null. Hoffnung: Null. Alter: 17. Und doch unterscheidet ihn so viel von den Menschen, die ohne festen Wohnsitz ihr Leben im Untergrund der Städte fristen.

Die Flucht vor dem übermächtigen Vater, vor dessen Erwartungsdruck und die nie bewältigte Trauer um die verstorbene Mutter trieben Dorian auf diesen Weg. Besser ein Weg ohne Ziel, als das bisherige Leben einfach weiter zu leben. Und fast hätte er sich seinen Traum von Unabhängigkeit bewahrt, wäre er nicht einfach so eingeschlafen. Im U-Bahnhof. Und hätte er nicht nach dem Aufwachen einem Toten in die Augen geschaut und läge nicht Dorians Taschenmesser in der Blutlache, die das Opfer umgibt.

Layers von Ursula Poznanski

Layers von Ursula Poznanski

Dass er das Opfer kennt – egal. Dass der Tote ihn bestehlen wollte – jetzt egal. Dorian sitzt mächtig in der Klemme. Unauffällig wollte er bleiben. Um jeden Preis und nun hat er scheinbar jemanden umgebracht, ohne sich daran erinnern zu können. Aber völlig egal. Dorian muss fliehen. Doch wie aus dem Nichts reicht ihm ein Unbekannter die Hand und führt ihn auf einen Weg, der nicht nur Rettung aus dem Untergrund oder vor der Polizei sein kann.

Er bekommt eine Chance. Und Dorian ist nicht allein.

Er findet sich unversehens in der Villa eines reichen Mannes wieder, der sich wohl in ganz besonderer Weise des Schicksals von Straßenkindern angenommen hat. Raoul Bornheim hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Jugendlichen eine neue Heimat und eine Aufgabe in seinen wohltätigen Organisationen zu geben. Dorian ist fasziniert und kommt schnell in der Villa zurecht, findet Freunde und lernt mit Stella sogar ein Mädchen kennen, das allein den Aufenthalt lohnt.

Layers von Ursula Poznanski

Layers von Ursula Poznanski

Die Aufgaben sind anfangs einfach. Flyer verteilen, die für die wohlmeinenden Ziele der Organisationen werben. Nichts dabei. Nur ein paar Regeln beachten. Nichts weiter. Immer am gleichen Ort bleiben. Sich nicht eigenständig entfernen. Sich von Fremden begaffen lassen. Was soll`s? Und doch kommen Dorian von Tag zu Tag einige Dinge merkwürdig vor. Gar nicht zufällige Bemerkungen von scheinbar zufälligen Passanten, die mehr von ihm zu wissen scheinen, verunsichern ihn. Aber die ganze vielschichtige Wahrheit enthüllt sich nicht.

Als er aufsteigt und wichtigere Aufgaben übernehmen darf, beginnt sich Lage um Lage dieser Schichten wie bei einer Zwiebel zu häuten und Dorian dringt in den Kern des Geheimnisses ein, das ihn umgibt. Bote ist er nun. Und die „Geschenke“ die er bestimmten Menschen aushändigen soll sind scheinbar viel mehr als harmlos und die Reaktionen der auf diese Weise Beschenkten sind sehr unterschiedlich. Als Dorian sich gezwungen sieht, eine der Schachteln zu öffnen entdeckt er mit ihrem Inhalt etwas, das er niemals hätte sehen dürfen.

Eine Datenbrille, die mehr zeigt als die Realität. Sie überdeckt die Wirklichkeit mit einer weiteren aus einer Vielzahl von Informationen. Mit ihr sieht man anders und wird selbst anders gesehen. Als Dorian bemerkt, dass die Brille einen Countdown anzeigt, zählt er eins und eins zusammen und wird zum Gejagten seiner unbekannten Gönner. Die Flucht verläuft mehrdimensional. Er braucht die Brille um das Geheimnis zu ergründen, aber jedesmal wenn er einen Blick durch ihre Gläser wirft wird er für seine Gegner sichtbar.

Layers von Ursula Poznanski

Layers von Ursula Poznanski

Ursula Poznanski hat mit „Layers“ einen extrem spannenden Jugendthriller über Realität, Wahrnehmung, Freundschaft, Vertrauen und das selbstbestimmte Leben junger Menschen geschrieben. Ihre Ausgangssituation ist packend und sie vermag das schon hohe Anfangstempo von Seite zu Seite zu steigern. Und dabei gelingt es ihr, den wirklichen Schwerpunkt von „Layers“ tief im Leser zu verankern. Was ist Moral? Kann man Moral erzwingen und welche Wege führen selbst den wohltätigsten Menschen ins unmoralische Abseits? Ein Spiel mit der augenscheinlichen Sympathie für mögliche Beweggründe eines Täters beginnt und konkurriert mit dem Kampf ums nackte Leben.

Virtuelle Realität verschiebt die Maßstäbe der eigenen Wahrnehmung und Flucht wird zum dominierenden Thema von „Layers„. 

Damit bleibt sich Ursula Poznanski treu. Ich habe keine Ahnung, wie viele Kilometer ich in ihren Büchern bereits auf der Flucht war und dabei dunkle Wälder, Häuser oder Straßenschluchten rastlos durchquert habe. Es müssen zahllose Wege sein, die ich mit ihr lief. Diesmal hat sie eine neue Richtung eingeschlagen. Einen Weg, der manipuliert werden kann. Einen Weg, dem man auch mit eigenen Augen nicht trauen darf. Und doch verlässt Ursula Poznanski weder „ihren“ Dorian noch ihre Leser. Das macht man nicht. Nicht, wenn man Ursula Poznanski ist.

Die Fluchthelferin meines Lesens...

Ursula Poznanski - Das Phänomen - Mit einem Klick zum Artikel

Ursula Poznanski – Das Phänomen – Mit einem Klick zum Artikel

Pst… nicht weitersagen… Über das Phänomen „Ursula Poznanski“ schrieb ich in einem Gastbeitrag auf dem Blog des Loewe Verlages:

„Da bleibt Ursula Poznanski fair. Sie benötigt keine 28 Romanfiguren, die alle so schräg sind, als wären sie eben einem Kuriositätenkabinett entsprungen, und sie führt uns keine Ermittler vor Augen, die selbst psychisch „sowas von einen an der Klatsche haben“, dass sie im normalen Leben schon lange nicht mehr bei der Polizei wären.“

Hier geht es weiter… (Und ein Interview für Literatur Radio Bayern ist veröffentlicht)

Und wer noch nicht genug hat... „AQUILA“ beschleunigt den Puls weiter…

Layers von Ursula Poznanski

Layers von Ursula Poznanski

Landezone der Artikelspringer im Advent 2015

advent astrolibrium 2015_Zielgebiet

Hier geht es weiter mit Ursula Poznanski. „ELANUS – Die Überwachung mit einer Drohne wird für den Überwacher zum lebensgefährlichen Ritt auf der Rasierklinge.

Elanus von Ursula Poznanski

Elanus von Ursula Poznanski