Blühende Fantasy in der kleinen literarischen Sternwarte

Fantasy und AstroLibrium

Fantasy und AstroLibrium – Ein literarisches Special

Die meiste Zeit meines Lesens verbringe ich damit, jemand anderes zu sein. Es ist ganz allein meine Zeit, die ich dabei zwischen den Seiten von Büchern verbringe, um dem Alltag zu entfliehen und mich zu Gedankenflügen verführen zu lassen. Viele Genres der Literatur bieten diese Fluchtpunkte an und unglaublich gute Autoren betätigen sich seit Jahren erfolgreich als meine ganz persönlichen Fluchthelfer. Sie lassen mich auch durchatmen, wenn ich nach dem Auftauchen aus Büchern „Gegen das Vergessen“ nur noch Abstand und anspruchsvolle Unterhaltung suche.

Dabei lese ich nicht zum Zeitvertreib. Ich genieße jede Minute in einem guten Buch und fühle mich in die Szenarien und Welten ein, die mir eine Fluchtmöglichkeit bieten. Ich nutze meine Zeit und lasse mich dabei auch auf Zeitsprünge ein, denn für mich ist jedes Buch eine Zeitreise. Ob in die Vergangenheit oder Zukunft, das lasse ich einfach auf mich zukommen. Ich bin dabei lesend wirklich sehr flexibel, wenn ich mich in meiner kleinen literarischen Sternwarte beharrlich auf die Suche nach buchigen Fixsternen am Bücherhimmel begebe.

Besonders leidenschaftliche Fluchten finden in einem Genre statt, dass oftmals ein wenig belächelt oder gar unterschätzt wird. Die FANTASY ist dabei jedoch seit ewigen Zeiten als eigenständige literarische Richtung mehr als etabliert. Jules Verne und H.G. Wells waren ihre Wegbereiter und die Werke von J.R.R. Tolkien zeigen bis heute, was es bedeutet, wenn fantastische Gedankenketten Leser und Zuschauer zeitlos fesseln. Ich fliehe gerne in fantastische Welten und bekenne mich zu meiner Leidenschaft. Ich liebe die Fantasy und bleibe ihr treu, wie man an einigen ausgewählten Beispielen sieht.

AstroLibrium – Eine Insel der blühenden Fantasy.

Fantasy und AstroLibrium

Fantasy und AstroLibrium – Das Lied von Eis und Feuer – Game of Thrones

Was braucht man mehr, als eine völlig erfundene und in sich geschlossene Welt, die mich lesenslänglich gefangen nimmt und einfach nicht mehr loslässt? Was braucht es mehr, als einige verborgene Lagerfeuerplätze in meinem Westeros? Orte, an die ich mich zurückziehen und träumen kann? Träume von einer Welt, in der ich gedanklich schon seit Jahren lebe und lese. Von fremden Wesen, die das Land bedrohen, obwohl eine unüberwindliche Mauer aus Eis alles beschützt. Von Herrschern, die miteinander um den einzig wahren Eisernen Thron der Sieben Königslande kämpfen und von Orten, deren magische Ausstrahlung mich zu Sklaven meines Lesens macht.

Winterfell, Harrenhall, Königsmund, Hochherz. Die Flusslande und Schnellwasser, Dorne und Casterlystein. Verwunschene Orte, die ich seit den ersten Zeilen in George R.R. Martins Das Lied von Eis und Feuer so gut wie meine eigene Westentasche kenne und die Heimat von Protagonisten, als deren Weggefährte ich mich seit Jahren fühle. Die Buchreihe ist unvollendet. Die Zukunft ist völlig offen und unvorhersehbar. Die epische Verfilmung Game of Thrones droht, die bisher veröffentlichten Bücher bald einzuholen und der Autor selbst träumt wohl gerade von der Idee, die Buchwelt von der Filmwelt zu trennen. Dem wahren Fan von Westeros bleibt nichts erspart. Gut so!

Neben den eigentlichen Romanen der Serie, den Filmen und einigen tollen Büchern rund um die Welt der Starks und Lennisters, die mir einen neugierigen Blick hinter die Kulissen erlauben, kann ich nun auch noch in einem Folianten versinken, der mir mein Westeros – Die Welt von Eis und Feuer noch näher bringt. Sehr gediegen gestaltet wartet dieses Buch mit allem auf, was man als Wanderer wissen muss. Wir planen dort unsere Lagerfeuerplätze und treffen uns lesend immer wieder zu tiefen Gesprächen und wilden Spekulationen. Eine absolute Traumwelt der Fantasie, die dem blühenden Garten der Fantasy neue Dimensionen verleiht. Es ist noch nicht zu spät. Reitet mit…

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Fantasy und AstroLibrium – Tolkien lebt – Excalibur lebt

Es verwundert nicht, dass viele Fantasy-Spuren beim Godfather dieses Genres J.R.R. Tolkien beginnen und zu ihm zurückführen. Mit seiner Saga „Der Herr der Ringe“ hat er nicht nur ein eigenes Universum geschaffen. Er entwickelte seine Welten so konsequent weiter, dass eigene Völker, Länder, Kulturen, Sprachen, ja sogar eine eigene Poesie entstand. Er flankierte seine Erzählung mit Prequels und Sequels, spielte mit der grenzenlosen Neugier seiner Leser und verlangte ihnen viel ab.

Tolkien ist nicht leicht zu lesen. Allein die Einleitung zum „Herrn der Ringe“ liest sich, als müsse man kurz vor einer Abi-Prüfung die Geschichte der Welt komprimiert auf 100 Seiten lesen und verstehen, bevor man sich der nächsten Aufgabe stellen kann. Zu viel ist es oft. Viel zu umfassend holt er oftmals aus und doch setzte er alle Maßstäbe, die man seither an Schriftsteller dieses Genres anlegt. Der Hobbit ist dabei zu einem besonders guten Freund in meinem Leseleben geworden. Mein großer Schatz aus der Feder des legendären Autors.

Frisch verfilmt und schon lange zu Ende erzählt, inspiriert das kleine Volk aus dem Auenland immer noch unsere Fantasie. Man muss nicht groß sein in dieser Welt, um wahre Größe zu zeigen. Zeitlos ist diese Botschaft und zeitlos bleibt das Werk Tolkiens. Umso größer ist die Freude dann, wenn längst verschollen geglaubte Werke aus seiner Feder auftauchen und seine niemals aussterbenden Fans beglücken. König Arthurs Untergang“ zeigt, wie intensiv sich Tolkien mit den uralten Sagen beschäftigte und wie dieses Epos wohl aussehen würde, wenn er es selbst in Stabreimform verfasst hätte.

Unsterblich, dieser Tolkien. Unsterblich, seine Werke. Unsterblich, die Fantasy.

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Fantasy und AstroLibrium – Die Seiten der Welt setzen Maßstäbe

All diese Werke haben eine große Gemeinsamkeit. Sie verlangen von ihrem Leser alle Hingabe dieser Welt. Sie entziehen sich messbarer Kritik und lassen Zweifel an den vom Autor erdachten Welten nicht zu. Fantasy ist eben so. Wenn uns der Autor erklärt, dass es möglich ist mit zwei Büchern einer Ausgabe von einem Ort zum anderen reisen zu können, dann ist das so. Wenn er uns erzählt, es sei möglich besondere Fähigkeiten zu entwickeln, indem man das Seitenherz seines Seelenbuches spaltet, dann muss man das so hinnehmen und akzeptieren.

Wenn Kai Meyer seine Leser in „Die Seiten der Welt“ hineinzaubert, dann verlangt er absolute Gefolgschaft und Lesertreue. Wenn er dann noch ganz persönlich beteuert, es sei möglich unter Bäumen zu liegen, an denen wundervolle Lesebändchen wachsen, Leselampen zu begegnen, die ihrem Besitzer ganz brav auf Schritt und Tritt folgen und Protagonisten sehen zu können, die aus ihren Büchern gefallen sind. Dann sind Zweifel nicht angebracht. Das ist wahre und große Fantasy. Man kann nicht in einem Lexikon nachschlagen, wie Libropolis, die Hauptstadt der Bibliomantik aussieht. Wir müssen nur glauben und uns einlassen. Ein mehr als schönes Lesegefühl.

Die Herausforderung für den Fantasy-Schriftsteller ist dabei riesig. Es gibt keine greifbaren Abholpunkte für seine Handlung. Er muss von Grund auf gestalten und wie ein kleiner Büchergott seine Wesen, Orte und Gedanken so zur Welt bringen, dass sie miteinander funktionieren und die Leserschaft begeistern. „Die Seiten der Welt“ halten was sie versprechen und sie werden in wenigen Tagen mit „Nachtland“ fortgesetzt. Hier wartet eine große Herausforderung auf uns, denn alleine schon die Gestaltung des Covers spielt mit unserer Fantasie. Klickt doch einfach auf die folgenden Begriffe. Ihr werdet sehen, was ihr davon habt: POSITIVNEGATIV… Zwei Bilder einer Bücherwelt der Fantasy.

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Fantasy und AstroLibrium – Erstlingswerke mit viel Potenzial – Mikki Patrick

Ich lasse mich bei meinen Fluchten in die Welt der Fantasy allerdings nicht nur von den großen Autoren des Genres entführen, sondern bin wie bei allen Büchern nur am guten Inhalt interessiert. So stieß ich vor wenigen Tagen auf das Erstlingswerk von Mikki Patrick, erlebte ein wenig mit welchen Zweifeln und Hoffnungen sie in ihrer Welt eintauchte, schrieb und dem Erscheinen ihres Werkes entgegenfieberte. Jetzt sind ihre Anderswelt Chroniken Teil der großen Fantasy-Literaturlandschaft und warten darauf, gelesen zu werden.

Ich habe mich bereits auf den Weg gemacht. Begleitet von einem Glücksbringer und meinem kleinen in Leder gebundenen Notizbuch habe ich diese Welt betreten und lese ohne Vorbehalt. Jeder bekannte Schriftsteller hat mit einem „Erstling“ begonnen, jeder hat sein erstes gedrucktes Kind ins Leben geschickt und gehofft, es möge nicht von der Kritik zerrissen werden. Und wenn man sich einfach auf eine gute Geschichte einlässt, dann wird man von der frischen Sprache, plausibel angelegten Charakteren und Zitaten überrascht, die man vielleicht nicht erwartet hätte.

„Anderswelt“ hält mich im Moment noch gefangen. Ich werde natürlich weiter von meiner Reise berichten und bin bis dahin damit beschäftigt, eine junge Sterbliche zu begleiten, der ich dort begegnete. Ich muss darauf achten, dass man ihr die Wahrheit sagt, denn Lügen würden sie töten. Kira findet sich völlig unvermutet in einer Fantasy-Welt wieder und kann kaum glauben, welchen Wesen sie dort begegnet. In welcher Gefahr sie schwebt, wird ihr dabei erst klar, als ihre eigene Verwandlung beginnt. Hier geht es zum Anderswelt-Artikel…Ich bin am Ziel angelangt.

„Na toll… Sie befand sich in einem Raum mit Gimli, Lara Croft und Hellboy! Alias Solin, Ahima und Zarko! Was kam denn als Nächstes? Legolas oder doch Thor? Batman wäre auch cool. Kira konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Plötzlich ging ein heftiger Schmerz durch ihre Schultern. Sie schrie auf und…“

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Fantasy und AstroLibrium – Ivo Pala erobert nicht nur Kinderherzen

Ich bin inzwischen wohl auch bekannt dafür, dass ich nicht immer nur meinem Gefühl vertraue, sondern besonders gerne Kinder und Jugendliche mit den Büchern konfrontiere, die genau für sie geschrieben wurden. Die unmittelbare Rückkopplung der eigentlichen Zielgruppe ist hierbei für mich ein sehr wichtiger Gradmesser, ob ein Buch angenommen wird und die Herzen bewegt, die Gedanken anregt und einfach inspiriert. Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala begleitete mich zu einer besonderen Lesenacht im Kinderheim St. Alban.

Diese Lesenächte haben inzwischen gute Tradition und ich kann nur empfehlen den Artikel zu diesem Event zu lesen, da man hier wirklich gut erkennen kann, was Fantasy mit der Fantasie junger Menschen anzustellen vermag. Wir haben vorgelesen, diskutiert und unter Anleitung der Künstlerin Peggy Steike auch gemalt. Wir ließen den Kindern den Freiraum, während des Zuhörens ihre eigenen Gedankenbilder und Impressionen zu Papier zu bringen. Das Ergebnis hat nicht nur uns, sondern auch den ansonsten sehr sprachgewaltigen Schriftsteller mehr als sprachlos gemacht. Drachenstark!!!

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Ich denke, man kann anhand dieses kleinen Fantasy-Specials erkennen, welchen Stellenwert dieses Genre in meinem Lesen einnimmt. Ohne die Fluchten in neue Welten mit unglaublichen Wesen, Gefahren, Abenteuern und wilden Liebesgeschichten am Rande des Vorstellbaren kann ich mir mein Lesen nicht vorstellen. Ich bin froh um die treuen Wegbegleiter, die mir auf diesem Leseweg die Hand reichen und mich nicht alleine lassen. Ich danke für jeden einzelnen Abend an den Lagerfeuern von Westeros und das tiefe Verständnis meiner Träume.

Ich werfe mich jetzt in meine goldene Rüstung, wappne mich mit einem magischen Schild, greife zu einem verwunschenen Schwert und jage meinen Träumen hinterher. Immer getreu dem Motto von George R.R. Martin. Wir sehen uns in Winterfell oder dort, wo das wahre Lesen tobt.

„Die mutigen Männer töteten keine Drachen.
Die mutigen Männer ritten auf ihnen!“

Fantasy und AstroLibrium - Eine dauerhafte Verbindung

Fantasy und AstroLibrium – Eine dauerhafte Verbindung

„Der Drache hinter dem Spiegel“ von Ivo Pala zu Gast in St. Alban

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Man kommt in diesen Tagen an Drachen nicht vorbei.

Kaum wurde Smaug in Tolkiens Hobbit über der Seestadt abgeschossen und man denkt, endlich Ruhe zu haben, erscheint Ivo Pala am Horizont und präsentiert mit Der Drache hinter dem Spiegel (Sauerländer Verlag) ein Kinder- und Jugendbuch, das sich dem traditionellen Lindwurm von einer ganz anderen Seite nähert.

Wie reagieren Kinder auf Drachen? Was ist Schönheit und wem sollte man im Leben wirklich vertrauen? Wie kann man der Wahrheit auf die Spur kommen, wenn man belogen wird und was geschieht, wenn man selbst keine Wünsche mehr hat? Diesen Fragen sind wir mit diesem Fantasy-Roman auf den Grund gegangen. Wir?

Ja – genau richtig gelesen. Die literarische Sternwarte AstroLibrium hat die Kinder und Jugendlichen des Kinderheims St. Alban zum Drachen-Lesen eingeladen und gemeinsam mit Peggy Steike entstand zuhörend und zeichnend eine kleine Galerie drachenstarker Impressionen. Doch zunächst sollten wir einen Blick hinter den Spiegel der Fantasy-Welt des Ivo Pala wagen, um nicht nur einem Drachen, sondern fünf ganz besonderen Kindern zu begegnen. Vorhang auf für die O´Brians.

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala - AstroLibrium - St. Alban

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Es sind schwere Jahre in London vor fast genau 100 Jahren. Armut und harte Arbeit, gerade in den Docks im Hafen der Stadt an der Themse, kennzeichnen das Leben der Familie O´Brian. Seitdem der Vater an einer geheimnisvollen Erkrankung leidet, gelingt es der Mutter nicht mehr, die Familie mit ihren fünf Kindern über Wasser zu halten. Es gibt nur einen einzigen Ausweg, dem drohenden Hungertod zu entgehen.

Florence (Fee) und Herbert, die beiden ältesten Geschwister, werden mit William, Diana und Bernadette nach Schottland geschickt. Sie sollen Zuflucht bei ihrem Großvater suchen, damit sie nicht in London zugrunde gehen. Der Plan der Mutter wäre eigentlich ganz gut gewesen, gäbe es da nicht ein kleines Problem. Die Kinder kennen von ihrem Großvater nur den Namen, sind ihm noch nie begegnet und, wohl das größte Problem, er weiß nicht, was da auf ihn zukommt.

Finn O´Brian ist völlig ahnungslos, als seine Enkel in Kirkcaldy ankommen und sich auf dem Markt nach ihm erkundigen. Die Angst vor dem Ungewissen und die große Sorge um den kranken Vater nagen an den Kindern und ihre Hoffnung auf ein besseres Leben in Schottland erhält einen ersten Dämpfer, als sie schließlich eine Ruine erreichen, die man ihnen als Wohnort ihres Großvaters beschrieben hatte. Unbewohnt und verwittert macht sie nicht gerade einen vertrauenswürdigen Eindruck… Ebenso wenig wie die Warnungen der Dorfbewohner, es würde dort auch noch spuken.

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala – Auf den Spuren Smaugs

Und dann geschieht das Wunderbare. Finn O´Brian empfängt seine Enkelkinder in aller Wärme und Zuneigung. Die Ruine entpuppt sich als wahres Zauberschloss, denn einmal durch die Pforte hindurch öffnen sich Hallen und Säle, die so prachtvoll sind, wie man sie sich in einem Märchenschloss nur vorstellen kann. Und die Kinder werden nach Strich und Faden verwöhnt. Ein Traum wird für die fünf jungen O´Brians wahr.

Jedes der Kinder erhält ein traumhaftes eigenes Zimmer, fast einen kleinen Palast, in dem die allergrößten Wünsche wahr werden. Ein Piratenzimmer, einen Elfenhain, einen Jahrmarkt der wundervollen Spielsachen und eine Bibliothek mit einer verwunschenen Eule. Für alles ist gesorgt. Abenteuer, Spiel, Ablenkung und ein sorgenfreies Leben. Nur für einen O´Brian scheint kein Traum in Erfüllung zu gehen. Ausgerechnet der ängstliche William findet lediglich ein karges Zimmer vor, das so viel Ähnlichkeit mit seinem Zuhause in London hat.

Er hat all seine Kraft zum Träumen verloren. Ihm fallen keine Wünsche mehr ein. Nur seinen geliebten Vater möchte er gesund wiedersehen. Und so beginnt er enttäuscht und alleine seinen Streifzug durch das Traumschloss seines Großvaters. Es kommt, wie es kommen muss. William verirrt sich und findet im Kellergewölbe einen riesigen Spiegel vor, der plötzlich zu ihm spricht. Nur aus den Augenwinkeln heraus erkennt er einen riesigen Drachen, der im Spiegel gefangen scheint und einen Satz sagt, der alles verändert:

„Ich bin in Wirklichkeit dein Großvater. Ich bin Finn O´Brian!“

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Genau an diesem Punkt der Geschichte entwickelt Ivo Pala einen kindgerechten Kosmos der Fantasie, der jeden Leser gefangen nimmt. Man beginnt zu zweifeln und zu hinterfragen. Wir folgen den fünf Geschwistern atemlos auf ihrer abenteuerlichen Reise zu ihren Wurzeln und den Geheimnissen ihres Großvaters und des mysteriösen Drachens. Wem darf man glauben, wem sich anvertrauen, wer sagt die Wahrheit? Ivo Pala schreibt komplex und doch so eindringlich nachvollziehbar in einem Stil, der vorgelesen, vorlesend und selbst gelesen immer tiefer in die Geschichte zieht.

Dabei entsteht ein Kopfkino, das so einzigartig ist, dass es einfach skizziert werden musste. Die Idee war sehr schnell geboren und die wundervollen Kids des Kinderheims St. Alban und Peggy Steike erfüllten diesen Gedanken mit Leben. Eine Lesenacht mit „Der Drache hinter dem Spiegel“, Malutensilien und die Vorgabe „Hört einfach zu und malt, was euch gerade in den Sinn kommt“. Andächtiges Zuhören und das Kratzen von Buntstiften auf Leinwand. Wilde Striche und filigranes Skizzieren. Und als wir eine erste Pause machten, wollten wir unseren Augen kaum trauen.

Die fantastischen Kinderzimmer der O´Brians hatten ihre Spuren hinterlassen. Die Elfen, eine Bibliothek mit der großen Eule, das Piratenschiff, der Spiegel im Kellergewölbe und Drachen über Drachen hatten ihre Wege auf die Leinwände der Kinder gefunden. Und dabei waren sie hochkonzentriert in der Geschichte. Aufmerksam und wild spekulierend, wer denn nun der wahre Großvater sei. Und ganz nebenbei blieb auch noch Zeit für die ganz individuellen Wunschzimmer voller Rennautos und Bäume. Diesen Moment hätte ich Ivo Pala gerne vor Ort gegönnt. Seine Fantasie hat hier einen hochexplosiven Treibsatz der Imagination gezündet.

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Einen modernen und vielseitigen Autor, der inhaltlich und stilistisch auf den Spuren von J.R.R. Tolkien wandelt und es dabei vermag, Leser fast jeden Alters in seinen Bann zu ziehen, findet man nicht alle Tage. Der Drache hinter dem Spiegel ist ein zeitloses Märchen mit tiefer Botschaft, unbändiger Abenteuerlust und voller Bilder, die das Kopfkino zu einer unvergesslichen Vorstellung des Geistes werden lassen. Ivo Pala schreibt in die Herzen von Jungs und Mädchen.

Er lässt sich nicht in eine Form pressen, weil seine Geschichten selbst die Formen sprengen. Und er erlaubt sich erzählend Ausflüge in alle wesentlichen Mysterien unseres Lesens. Von Stonehenge, über Elfen, von der brennenden Bibliothek von Alexandria bis hin zum geheimnisvollen El Dorado. An seiner Seite reisen und erleben wir. Fühlen, sehen und verstehen. Dabei überfordert er nicht, gibt aber Raum für viele Fragen, die nach dem gemeinsamen Lesen am großen Tisch der Generationen diskutiert werden dürfen. Eine Meisterleistung.

Und doch darf man nie vergessen, wo wir dieses Buch vorgestellt und gemeinsam gelesen haben, wo wir uns befanden, als die kleinen Kunstwerke entstanden. Man darf nicht vergessen, wie die Kinder eines solch liebevoll geführten Kinderheimes empfinden, wenn sie eine solch fantastische Geschichte miterleben dürfen. Die Frage eines der ganz Kleinen am Ende der Lesenacht ist lange in unseren Herzen geblieben:

„Habe ich auch so etwas? Einen Großvater?“

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Bald mehr aus dem Kinderheim St. Alban. Die Lesenacht für die Großen; der Zebrawald; eine ganz besondere Lese-Challenge für Mr. Rail und viele emotionale Momente…

Ich mache genau an dieser Stelle weiter, danke „meinen“ Verlagen, Autoren, den Verantwortlichen des Kinderheims, Schwester Anna, Peggy und ganz besonders Euch… den Kids von St. Alban!

Eine Lesenach um kinderheim St. Alban - Ivo Pala "Der Drache hinter dem Spiegel"

Eine Lesenacht im Kinderheim St. Alban – Ivo Pala „Der Drache hinter dem Spiegel“