Hannah – Eine Vernissage „Gegen das Vergessen“ in Wort und Bild

Vernissage "Gegen das Vergessen" - Peggy Steike und Arndt Stroscher

Vernissage „Gegen das Vergessen“ – Peggy Steike und Arndt Stroscher

Das Lesen, Schreiben und Malen „Gegen das Vergessen gehen seit langer Zeit im gemeinsamen Projekt des positiven Erinnerns mit Peggy Steike Hand in Hand durch das reale Leben und die große Welt des Internets. Das Schulprojekt Hannah stellte bis jetzt den Höhepunkt unseres Projekts dar. Namen statt Zahlen, die Individualisierung des Erinnerns und Erinnerung braucht Farbe, dies sind nur einige Schlagworte, die dieses Engagement treffend beschreiben.

Nun ist die Zeit reif, einen weiteren großen Schritt gemeinsam zu gehen. Ab dem 11. Januar werden die Bilder aus dem Zyklus „Holocaust“ von Peggy Steike für mehr als zwei Monate als Dauerausstellung in der renommierten Galerie Eifel Kunst zu sehen sein. Diese Bilder sprechen ihre ganz besondere Sprache, vermitteln dem Betrachter ein tiefes Gefühl für die unzähligen Opfer des Holocaust, geben ihnen Würde und Identität zurück und führen dazu, dass man selbst zu recherchieren beginnt, um mehr zu erfahren.

Bilder gegen das Vergessen, die uns nachhaltig die Augen öffnen.

Vernissage "Gegen das Vergessen" - Peggy Steike und Arndt Stroscher

Vernissage „Gegen das Vergessen“ – Peggy Steike und Arndt Stroscher

Im Rahmen unseres gemeinsamen Projekts sind Bilder entstanden, die im tiefen inneren Kontext zu Büchern stehen, die vor dem Hintergrund des  Erinnerns eine wichtige Rolle einnehmen. Wir haben nun die Ehre, die Ausstellung mit einer „Vernissage gegen das Vergessen“ gemeinsam eröffnen zu können und dabei „Wort und Bild“ erstmals auch in dieser Form Hand in Hand zu präsentieren. So packen wir nun Worte, Bücher und Bilder ein, verladen unsere Emotionen, Gedanken und Tränen im Reisegepäck und reisen in die Eifel. Meine Heimat…

Im Rahmen dieser besonderen Vernissage stellen wir diese gemeinsamen Wege vor, die sich in Gemünd zu einer hell erleuchteten Prachtstraße des Erinnerns vereinen. Dazu haben wir die absoluten Musterbeispiele aus dem Bereich der aktuellen Literatur dabei, um aufzuzeigen, wie Bücher berühren und bewegen können, welche Form der Publikation den Opfern gerecht wird und welche negativen Ausprägungen wir unter der Überschrift „Holo-Kitsch“ bereits auf dem Buchmarkt entdeckt haben. Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit im Buch finden ihre Entsprechung in den Bildern der Ausstellung.

Der Fotograf von Auschwitz“ von Reiner Engelmann (cbj-Verlag) wird gemeinsam mit Peggy Steikes Bildern der jungen Czeslawa Kwoka Zeugnis für die aufrechte Recherche und die emotional/sachlich mustergültige journalistische Publikation Gegen das Vergessen ablegen und einer aktuellen Publikation gegenübergestellt, die  genau diesen Anspruch leider nicht erfüllt. Die Mission des Fotografen Wilhelm Brasse, die Opferbilder zu retten, die unter Zwang in Auschwitz entstanden, ist des würdevollen Gedenkens wert und darf nicht verfälscht werden. Dem haben wir uns verschrieben. Das eint uns mit Reiner Engelmann.

Vernissage "Gegen das Vergessen" - Peggy Steike und Arndt Stroscher

Vernissage „Gegen das Vergessen“ – Peggy Steike und Arndt Stroscher

Elisabeth Zöllers Jugendbuch „Anton oder die Zeit des unwerten Lebens schließt einen Kreis zu aktuellen Bildern von Peggy Steike, die den Opfern der T4 – Euthanasie-Programme der Nazis gewidmet sind und deutlich aufzeigen, dass rassistische Willkür und Ideologie jeden Menschen in den tödlichen Fokus des Regimes bringen konnten. Hier geben Bilder Identitäten zurück, die von den Machthabern systematisch vernichtet wurden.

Und natürlich wird „Hanas Koffer“ bei uns sein. Ein Blogprojekt, das hier vor fast sechs Monaten seinen Ursprung fand und inzwischen als Wanderbuch durch die ganze Republik unterwegs ist. Die Kassette mit dem Buch über das Schicksal von Hana Brady wird in einem Staffellauf des Erinnerns von insgesamt 20 Menschen gelesen, die mit ihren Namen für dieses Projekt des gemeinsamen Lesens und Gedenkens einstehen.

Aus Plauen wird die Kassette mit dem Buch „Hanas Koffer, Notizbuch, persönlichen Erinnerungen, Vergissmeinnicht-Samen und kleinen Beigaben der bisherigen Leser nach Gemünd in die Eifel geschickt, wo sie Mitgliedern des Fördervereins der Gedenkstätte des SS-Außenlagers/Konzentrationslager Hinzert übergeben wird. Unser Projekt wird dann am 27. Januar in der Gedenkstätte mit einem Portraitbild von Hana Brady und ihrem Bruder aus der Feder von Peggy Steike vorgestellt.

Vernissage "Gegen das Vergessen" - Peggy Steike und Arndt Stroscher

Vernissage „Gegen das Vergessen“ – Peggy Steike und Arndt Stroscher

Es ist eine große Ehre für uns alle, am 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz unseren kleinen Beitrag des Erinnerns in dieser besonderen Form präsentieren zu dürfen. Auch in Hinzert werden Vergissmeinnicht-Samen gepflanzt und „unser“ Wanderbuch wird von dort aus seinen Weg zum nächsten Leser fortsetzen. Eine Lichterkette des Lesens.

Nachdem Czeslawa Kwoka und Hana Brady, Wilhelm Brasse und viele andere Opfer in Wort und Bild greifbar und fühlbar ihre Stimme erhoben haben, wird unsere ganz eigene Hannah aus dem Schulprojekt auch die Besucher der Vernissage ansprechen. Mit dem bisher einzigen fiktionalen Bild Peggy Steikes und einem von mir eigens dazu verfassten Text versuchen wir, den Schülern die Angst vor der Dimension des Erinnerns zu nehmen. Wir bringen Farbe ins Erinnern und gehen mit Hannah einen neuen Weg des Gedenkens. Wir laden Sie alle herzlich ein, uns auch auf diesem Weg zu begleiten.

Wir freuen uns auf treue Wegbegleiter, die wir in Schleiden-Gemünd treffen werden. Wir freuen uns auf intensive Gespräche und neue Begegnungen unter der Überschrift des Erinnerns. Unser Dank gilt ganz besonders Marita Rauchberger, die es uns ermöglicht, die Galerie Eifel Kunst mit Wort und Bild zu erfüllen. Ebenso danken wir Irmgard Veit, die „Hanas Koffer“ auf ihrer persönlichen Lese-Etappe in Hinzert vorstellte. Wir werden bald wieder in die Eifel reisen, um mit den Hanas und Hannahs unseres Projekts auch die Schulen vor Ort zu besuchen.

Vernissage "Gegen das Vergessen" - Peggy Steike und Arndt Stroscher - AstroLibrium

Vernissage „Gegen das Vergessen“ – Peggy Steike und Arndt Stroscher

Wir sehen uns am:

Sonntag, den 11. Januar 2015
15 Uhr

Galerie Eifel Kunst
Schleidener Str. 1
53937 Schleiden-Gemünd

zur „Vernissage gegen das Vergessen“. Der Eintritt ist natürlich frei. Musikalisch wird die Vernissage von Georg Kaiser untermalt. Und natürlich werden wir ausführlich auf AstroLibrium berichten. Auf meiner Facebook-Seite werden viele Impressionen der Veranstaltung live gepostet. Wir freuen uns auf diesen besonderen Tag und haben alle Menschen im Herzen bei uns, die unsere Projekte bisher so herzenswarm begleitet haben.

Peggy Steike & Arndt Stroscher

Gegen das Vergessen - Peggy Steike und ArndtStroscher

Gegen das Vergessen – Peggy Steike und Arndt Stroscher

Stille Rebellen – Das Mechelen Dossier (Teil 1)

Stille Rebellen – Das Mechelen Dossier (Teil 1)

Stille Rebellen – Das Mechelen Dossier (Teil 1)

Eigentlich sagt man ja immer „Alle Wege führen nach Rom“. Wenn man sich jedoch die Geschichte des Holocaust genauer anschaut, dann muss man dieses Zitat zumindest für dunkle Zeit der systematischen Verfolgung jüdischer Menschen im Machtbereich der Nationalsozialisten in den Jahren 1939 bis 1945 deutlich umformulieren. „Fast alle Wege führten nach Auschwitz“.

Wie im Zentrum eines riesigen Spinnennetzes wartete die größte Vernichtungsanlage menschlichen Lebens auf die zahllosen Opfer, die mit Transportzügen in das von den Nazis besetzte Polen deportiert wurden. Während die Schornsteine der Krematorien den Himmel pausenlos mit menschlichem Rauch verdunkelten, trennten die Selektionen an der Rampe Familien und Freunde voneinander. Sofortiger Mord in den Gaskammern oder kurzer Aufschub in Zwangsarbeit und Hunger, diese beiden Wege blieben am Ende.

Die Auslöschung allen menschlichen Lebens war die erklärte Absicht der Nazis. Die Endlösung war das Ziel und Auschwitz einer der vielen Erfüllungsgehilfen. Juden, Roma, Behinderte, Homosexuelle, politische Gegner oder Kriegsgefangene – die Liste lässt sich fast endlos fortsetzen, so wie der Strom der Vieh- und Güterwagen, die Auschwitz in diesen Jahren erreichten. Der Schlachthof der Nazis verschlang die Opfer der Ideologie und des Rassenwahns. Und niemand will etwas geahnt oder gewusst haben. So die Legende der Sprachlosen.

Stille Rebellen – Das Mechelen Dossier (Teil 1)

Stille Rebellen – Das Mechelen Dossier (Teil 1) – Drei Hände verändern die Welt

Betrachtet man den Holocaust aus heutiger Sicht, dann taucht immer wieder die Frage auf, wie man dies hätte verhindern können, und ob es nicht Wege gab, wenigstens einige Menschenleben zu retten. Viele bekannte, aber auch leider allzu oft unbesungene Helden des Widerstandes haben Übermenschliches geleistet, um der Unmenschlichkeit die Stirn zu bieten.

„Wer ein einziges Leben rettet, der rettet ein ganzes Volk“ – dieses Zitat aus dem Talmud zeigt in jeder Dimension die Auswirkungen jeder Form von Widerstand bis in die heutige Zeit.

Reisen wir doch gemeinsam in der Zeit zurück, um ein solches Beispiel greifbar zu machen und zu erkennen, welche direkten und indirekten Auswirkungen Zivilcourage haben kann. Begeben wir uns in die belgische Stadt Mechelen des Jahres 1942 und durchschreiten wir gemeinsam die gut bewachten Tore einer stillgelegten Kaserne, die zu einem schrecklichen Durchgangslager der Nazis umfunktioniert wurde.

Die „Kazerne Dossin“ – vorletzte Station auf dem Leidensweg tausender Menschen jüdischen Glaubens. Sammelstelle für all jene, die schon enteignet und entrechtet waren, bevor sie hier ankamen. Endstation in Belgien vor einer ungewissen Reise mit einem Ziel, das nur die Besatzer sehr genau kannten. Auschwitz. Hier wurden Transportlisten erstellt, Namen sauber und akribisch notiert und festgehalten. Unzählige Namen wurden hier zum letzten Mal niedergeschrieben… Eine letzte Spur…

Stille Rebellen – Das Mechelen Dossier (Teil 1)

Stille Rebellen – Das Mechelen Dossier (Teil 1) – Zahlen des Grauens

Aus Mechelen wurden zwischen 1942 und 1945 mehr als 25000 Juden und ungefähr 400 Roma in die schreckliche Vernichtungsfabrik Auschwitz deportiert. 28 Eisenbahn-Transporte wurden hier zusammengestellt. Endlose Transportlisten dokumentieren, wer zu welchem Zeitpunkt in Mechelen ankam, wie lange man dort bleiben musste, bis einer der Transporte vollzählig und ausgelastet war und wann die letzte Reise nach Polen begann.

16000 Namen wurden in der „Kazerne Dossin“ zum letzten Mal erwähnt. Nach ihrer Ankunft im Vernichtungslager Auschwitz wurden sie sofort in den Gaskammern für immer ausgelöscht. Sie fanden noch nicht einmal den Weg in die Aufnahmelisten des Lagers. Der Tag ihrer Ankunft war der Tag ihres Todes. Namenlos zu diesem Zeitpunkt.

Die Übrigen? Selektiert an der Rampe, von ihren Kindern und Frauen getrennt, zumeist Männer, durch das Tor mit der makabren Aufschrift „Arbeit macht frei“ ins Lager getrieben und dort an den Folgen von Zwangsarbeit und Unterernährung gestorben oder nach weiteren Selektionen in den Gaskammern ermordet.

1000 Deportierte überlebten den Holocaust. 1000 von mehr als 25000 Menschen, die allein aus Mechelen nach Auschwitz deportiert wurden.

Stille Rebellen – Das Mechelen Dossier (Teil 1)

Stille Rebellen – Das Mechelen Dossier (Teil 1)

In Auschwitz selbst gab es keine Chance mehr auf Rettung. Dies war auch den wenigen organisierten Widerstandskämpfern in Belgien bewusst. Wenn man wirklich etwas unternehmen wollte, dann durch ganz kleine Nadelstiche oder sehr gut geplante Aktionen. Die Risiken waren enorm und doch wagten es immer wieder einige der „Rebellen“, den tödlichen Kreislauf der Deportation zu unterbrechen.

Schlimme Nachrichten aus dem Übergangslager drangen vermehrt nach draußen. Menschenunwürdige hygienische Zustände, die bohrende Ungewissheit über die Zukunft und die mangelhafte Ernährung während der oft mehrmonatigen Wartezeit auf den Tag des Transports ließen aus dem Übergangslager eine schreckliche Vorhölle werden. Die Schulfreunde Youra Lichwitz, Jean Franklemon und Robert Maistreau schmiedeten einen Plan, um zumindest einige der Opfer zu befreien.

Ihr Ziel: Ein Deportationstransport. Ihre Absicht: Ihn auf freier Strecke zum Halt zwingen und die Türen der Güterwagen öffnen. Ihre Chancen: Gering.

Stille Rebellen – Der Überfall auf den 20. Deportationszug nach Auschwitz von Marion Schreiber (Aufbau Verlag) protokolliert nicht nur die Ereignisse, die zu diesem Himmelfahrtskommando führten. Die Autorin beschreibt das Belgien zur Zeit der Nazis, geht auf Einzelschicksale der verfolgten Menschen ein und schildert den verzweifelten Überfall der drei jungen Männer auf den Todeszug.

Das Mechelen Dossier (Teil 1) - Charles war im Zug (Bild: Peggy Steike)

Das Mechelen Dossier (Teil 1) – Charles war im Zug (Bild: Peggy Steike)

Mit einer roten Signallampe schafften sie es tatsächlich, den Zug zu stoppen und unter dem Beschuss der Wachmannschaft legten sich drei Hände auf die massiven Türen der Viehwaggons und schoben sie auf. Die Zeit reichte nicht aus, um alle 40 Waggons zu öffnen. Sie reichte nicht aus, um den 1618 Insassen einen Weg in die Freiheit zu bahnen. Die Zeit reichte nicht aus, in die Gesichter dieser Menschen zu schauen, die aus dem Waggon stolperten und um ihr Leben rannten.

17 Frauen und Männer verdanken den „stillen Rebellen“ unmittelbar ihr Leben. Weitere 225 Menschen konnten sich in der Verwirrung der Schusswechsel rund um den stehenden Zug selbst befreien und fliehen. Nur… ist man versucht zu sagen. Nur… doch erinnern wir uns an dieses Zitat: “Wer ein einziges Leben rettet, der rettet ein ganzes Volk”, dann können wir die Dimension der Rettungsaktion ermessen.

Dem Buch liegen die Transportlisten dieses 20. Todestransportes nach Auschwitz bei. Man kann nicht anders, als alle Namen zu lesen, Familien vor sich zu sehen, alte Menschen, Frauen, Männer und Babys. Man kann wirklich nicht anders, als sich das tausendfache Unglück vor Augen zu halten und plötzlich stößt man auf Namen und Geschichten, die man an Bord dieses Transportes niemals erwartet hätte. Man stößt auf den Namen Charles Apteker und auf die Geschichte einer Krankenschwester.

Stille Rebellen – Das Mechelen Dossier (Teil 1)

Stille Rebellen – Das Mechelen Dossier (Teil 1) – Regine Krochmal

In diesen Namen und Geschichten schließen sich die Kreise zu Hannah – meinem gemeinsamen Schulprojekt mit der politischen Malerin Peggy Steike. Als ich von der Krankenschwester Regine Krochmal las, die den Überfall auf den Zug nutzen konnte um zu fliehen, musste ich sofort mit Peggy reden. Eine Krankenschwester, die ihre Patienten verließ, um nicht in Auschwitz zu sterben, weil sie noch viele Leben retten wollte, war von großer Bedeutung für uns.

Den Namen Charles Aptekter und die Namen seiner Familie ebenfalls auf der Liste zu entdecken war für uns, als hätte die Fügung uns ein Buch in die Hände gelegt, das dem Projekt „Namen statt zahlen“ ein völlig neues Gesicht verleiht. Davon wird im „Mechelen Dossier – Teil 2“ ausführlich zu berichten sein. Es geht um eine Krankenschwester, ein fiktives junges Mädchen namens Hannah und das Hamburger Kleinkind Charles.

Hoffentlich bleiben mehr als Namen, es bleiben lebendige Erinnerungen an wahre Geschichten. Sie bahnen sich ihren Weg zu uns in Bildern, Erzählungen und auch in Stolpersteinen. Steine des Gedenkens, die mehr sind, als oberflächliche Plaketten. Sie gehören in unser Denken und Fühlen.

Dazu bald mehr… genau hier…

Stille Rebellen – Das Mechelen Dossier (Teil 1)

Stille Rebellen – Das Mechelen Dossier (Teil 1) – Alles was bleibt? NEIN

Editorischer Nachtrag: Marion Schreibers herausragend recherchiertes Buch ist leider nicht mehr im Handel erhältlich und gehört seit Jahren nicht mehr zum Programm des Aufbau Verlages. Eine kurze Nachfrage führte jedoch dazu, dass der Verlag das letzte verfügbare Exemplar aus seinem allerheiligsten Archiv für diesen Bericht zur Verfügung stellte. Ein Danke reicht kaum aus.

Gegen das Vergessen – Hanas Koffer kommt zu Euch

Hanas Koffer von Karen Levine geht auf große Reise

Hanas Koffer von Karen Levine geht auf große Reise

In den vergangenen Wochen habt ihr mit viel Interesse die Projekte „Gegen das Vergessen der Opfer des Holocaust hier auf AstroLibrium verfolgt. Ihr wart mit Peggy Steike und mir in Schulen und Kinderheimen und habt sehr direkt die Geburtsstunde unserer Hannah erlebt. Diesen Schwerpunkt wollte ich bewusst in dieser noch recht neuen Blog-Welt schaffen und freue mich deshalb umso mehr, wie groß das Interesse an diesen Artikeln ist. Danke dafür.

Ebenso erfreuen sich die aktuell zu diesem sensiblen Thema erschienen Bücher großen Interesses. Vom Comic über Das versteckte Kind bis zur Anne Frank – Gesamtausgabe. Die Leser-Frequenz auf all diesen Artikeln und Buchvorstellungen überzeugt mich nachhaltig davon, auf dem richtigen Weg zu sein. Und dieser Weg ist nicht nur durch den Blick in den Rückspiegel der Geschichte gekennzeichnet. Aktuelle Ereignisse lassen aufhorchen und zeigen, dass man aus der Geschichte zu lernen bereit sein muss, um ihre Wiederholung im Keim zu ersticken.

Deshalb gehen wir mit unserem Schulprojekt „Hannah“ direkt zu den Schülern. Wir wollen die traurigen Schicksale von einst in den Mittelpunkt stellen und das Erinnern schuldfrei und doch gezielt ermöglichen. Jede Schulklasse ist heute dazu in der Lage für einzelne Mitschüler einen täglichen kleinen Holocaust zu verursachen – diese laute Botschaft gegen Ausgrenzung, Mobbing und Gewalt geht Hand in Hand mit uns hinaus in die Welt.

AstroLibrium gibt dem Erinnern einen Namen

AstroLibrium gibt dem Erinnern einen Namen

Nun möchte ich auch einen entscheidenden Schritt in eure Richtung gehen und mein Schreiben und Denken zu euch nach Hause bringen. Nicht nur Schulen und Kinderheime besuchen, sondern auch die Leser dieser Artikel zu aktiven Mitstreitern zu machen – das ist Ziel dieser besonderen Aktion.

„Hanas Koffer“ von Karen Levine ist eine der tragenden literarischen Säulen unseres Schulprojekts. Das bewegende Jugendbuch aus dem Ravensburger Verlag erzählt die Geschichte eines Koffers mit der Aufschrift „Hana Brady – Waisenkind“. Er fand seinen Weg von der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Auschwitz nach Tokio, wo eine engagierte Lehrerin ihren Schülern etwas Greifbares zum Erinnern an den Schrecken des Holocaust bieten wollte.

Niemand hätte jemals gedacht, dass es den japanischen Schülern gelingen würde, dieses letzte Andenken an ein kleines jüdisches Mädchen mit Leben und Hoffnung zu füllen. Eine zutiefst traurige und doch schöne wahre Geschichte, die uns vieles lehrt. Die absolute Sinnlosigkeit und Anonymität im Sterben ist wohl die größte Last, von der man Opfer der Shoa auch nach Jahrzehnten ein wenig befreien kann. Hana Brady ist dafür zum Sinnbild geworden.

Hanas Koffer - Eine Lesereise gegen das Vergessen - AstroLibrium

Hanas Koffer – Eine Lesereise gegen das Vergessen – AstroLibrium

Dieses Buch wird sich auf den Weg zu euch machen. Ich habe eine kleine Kassette zusammengestellt, in der sich alles befindet, was ihr benötigt, um Teil des lebendigen Erinnerns zu werden. In meiner kleinen Bücherkiste befinden sich neben einer Ausgabe von „Hanas Koffer“ ein Notizbuch für eure eigenen Gedanken, Recherche-Bilder zu meinem Artikel, einige lesenswichtige Utensilien zur eigenen Orientierung im Buch und ein paar kleine symbolische Überraschungen, die euch noch sehr lange an diese Lesereise erinnern werden… Es ist eine perfekte Rezensentenkiste geworden, die auf eine lange und weite Reise bestens vorbereitet ist.

Und so kannst du zu einer Etappe der Reise von „Hanas Koffer“ werden:

  • Du möchtest das Buch unbedingt lesen
  • Du recherchierst gerne und findest vielleicht Interessantes zu Hana Brady
  • Du möchtest deine Gedanken im gemeinsamen Reise-Notizbuch festhalten
  • Du lässt uns (vielleicht auch auf Facebook) teilhaben an deinem Lesen
  • Du verschickst die Kassette nach dem Lesen zum nächsten Gastgeber
  • Du bleibst mit den Lesern des Buches in Kontakt und verfolgst den Reiseweg
  • Du trägst die Botschaft der kleinen Hana Brady mit deinen Mitteln in die Welt

Dann bist du hier genau richtig und die große Reise kann beginnen. Ohne Stress und Zeitvorgaben, ohne Verpflichtungen, nur flankiert von Wünschen und Hoffnungen und mit dem Ziel eines großen gemeinsamen Leseerlebnisses, dessen Extrakt sich später im Notizbuch wiederfinden wird. Ich hoffe auf eine lange Reise.

KOMMENTIERE EINFACH DIESEN ARTIKEL UND SCHON BIST DU EINE DER WICHTIGEN STATIONEN EINES BESONDEREN BUCHES AUF SEINER REISE DURCH DIE WELT!

Eine Reise beginnt - Mit Gedankensamen und Vergissmeinnicht - AstroLibrium

Eine Reise beginnt – Mit Gedankensamen und Vergissmeinnicht – AstroLibrium

Ich werde eine Reiseliste zusammenstellen und die Adressen der ersten Etappen im Notizbuch eintragen. Und mich selbst setze ich an eine beliebige Stelle, um ein Fazit zu ziehen, Erkenntnisse einzusammeln, einen Artikel für alle Wegbegleiter zu schreiben und dann schicke ich das Buch weiter. Natürlich mit frisch aufgefüllter Reisekiste.

Die kleine Aufmerksamkeit für alle Teilnehmer hat für mich persönlich mehr als nur reinen Symbolcharakter. Wie ein Gedankensamen wird „Hanas Koffer“ seine Kreise ziehen und unter dem Motto Vergissmeinnicht zu ganz besonderer Pracht erblühen. Dem Buch liegen Vergissmeinnicht-Samen bei. Pflanzt sie ein, wenn ihr zu lesen beginnt. Hegt und hütet die zarten Pflänzchen und in ein paar Monaten werden wir uns an dieser Gemeinsamkeit mehr als erfreuen können.(Hier könnt ihr lesen, was diese Pflanze für mich bedeutet).

Seid dabei. Lest, fühlt, denkt, lebt, grübelt, schreibt, haltet fest, erzählt, tauscht aus, empfindet, weint, hofft, lacht und empört euch gemeinsam mit uns. Es wird eine ganz besondere Reise für ein ganz besonderes Mädchen. Eines von vielen Opfern des Holocaust. Ein Schicksal, das uns zeigt, was sich nicht wiederholen darf. Ich freue mich auf eure Kommentare und werde den Leseweg des Buches hier und auf meiner Facebookseite aktiv begleiten. Mein Vergissmeinnicht pflanze ich ein, wenn das Paket seine lange Reise beginnt.

Darüber hinaus habe ich inzwischen eine offene Facebook-Gruppe mit dem Namen Hanas Koffer – Ein Reisetagbuch gegründet, in der sich jetzt alle Gastgeber dieser Bücherreise und viele wichtige Wegbegleiter dieses Projekts zum Gedankenaustausch eingefunden haben. Wir freuen uns über Zuwachs ;-).

AstroLibrium und Peggy Steike - Eine Projektvorschau

AstroLibrium und Peggy Steike – Der Fotograf von Auschwitz – Eine Vorschau

Jeder, der kommentiert, wird Teil der Reise und es ist nicht das letzte Projekt, bei dem ihr den Weg des Erinnerns aktiv begleiten könnt… Der Auschwitz-Fotograf Wilhelm Brasse wird in diesem Jahr zur sehr wichtigen Station für AstroLibrium und Peggy Steike werden. Nicht ohne euch!

UPDATE zum Reiseweg von Hanas Koffer:

Die Gastgeber und ihre Gruppe bei Facebook

Die Gastgeber und ihre Gruppe bei Facebook

DIE GASTGEBER und ihre Berichte:

1. Anne Parden

Anne Parden - LITTERAE ARTESQUE - Mit einem Klick zu ihrem tollen Bericht

Anne Parden – LITTERAE ARTESQUE – Mit einem Klick zu ihrem tollen Bericht

2. Verena-Julia

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Verena-Julia hat ihre Gedanken nicht nur im beiliegenden Notizbuch verewigt

Eine wunderschöne Lese-Impression von Verena-Julia aus den gemeinsamen Tagen von: hier klicken

3. Irmgard Veit

Irmgard Veit hat ihre Eindrücke auf ganz besondere Weise festgehalten...Link unter dem Bild

Irmgard Veit hat ihre Eindrücke auf ganz besondere Weise festgehalten…

Irmgard Veit und ihr besonderer Beitrag: Das Leben ist kein Kinderspiel 

4. Susi Naschke

hanas koffer unterwegs station 4 susi naschke

Susi Naschke mit wundervollen Lese-Impressionen

Susi hat ihre Gedanken zu Hana Brady im beigefügten Notizbuch festgehalten

5. Eva Mirschel und 6. Julia Groß

hanas koffer unterwegs station 5 eva und 6 julia

Eva und Julia bereichern das Tagebuch mit tiefen Eindrücken

Tiefe Gedanken sind im Notizbuch für immer verewigt.

7. Gedenkstätte des SS Außenlagers / KZ Hinzert

Ein sehr bewegender Artikel im Trierischen Volksfreund zur Veranstaltung in Hinzert und unserem Projekt: hier

Hanas Koffer in der KZ Gedenkstätte Hinzert

Hanas Koffer in der KZ Gedenkstätte Hinzert – Mit einem Klick zu Impressionen

8. Anja Schmidt und „Zwiebelchens Plauderecke“ – auch in einer Rezension

station 8 anja schmidt

Anja Schmidt und ein ganz besonderes Geschenk für Hana

9. Jutta Beckensträter – im Mai 2015 – Der Weg geht weiter

Jutta Beckensträter - Ein wichtiges und gutes Gefühl

Jutta Beckensträter – Ein wichtiges und gutes Gefühl

10. Uwe Rennicke auf Littera ArtesqueMehr als nur ein Artikel – Viel mehr

Hanas Koffer bei Uwe Rennicke und Litterae Artesque

11. Rudolf Fröhlich auf Littera Artesque – Voller Überraschungen und mit Bildern

hanas koffer unterwegs rrudolf fröhlich

Hannah – Ein erster Schultag „Gegen das Vergessen“

Hannah - Ein Projekt gegen das Vergessen der Opfer des Holocaust

Hannah – Ein Projekt gegen das Vergessen der Opfer des Holocaust

Hannah“… inzwischen ist dieser Name bereits zum Synonym für unser gemeinsames Projekt Gegen das Vergessen der Opfer des Holocaust geworden. Die politische Malerin Peggy Steike und AstroLibrium haben sich zu einer Allianz des Erinnerns verbündet und wir versuchen hierbei neue Wege zu gehen, um Jugendliche im Dialog zu erreichen.

„Hannah“ steht hierbei für die Individualisierung des Erinnerns„Namen statt Zahlen“ – diesen Leitspruch haben wir uns auf die Fahnen geschrieben und im Artikel zur Darstellung des Projekts sehr umfangreich beschrieben. Von „Hannahs“ Geburtsstunde bis zu ihrem „Ersten Schultag“ war es wirklich kein weiter Weg. In unseren Herzen und Wünschen ging es sogar sehr schnell, bis wir von der ersten gemeinsamen Idee nun schließlich zusammen mit „Hannah“ erstmals jungen Menschen in ihrem Umfeld begegneten. Der Zeitpunkt hätte nicht günstiger sein können.

Wir hatten unseren Besuch angekündigt und nach einem wundervollen Nachmittag im Kinderheim St. Alban stand bereits am Folgetag der erste Schulbesuch bei zwei 8. Klassen einer Mittelschule in Fürstenfeldbruck auf dem Programm. Unterschiedlicher konnten die Rahmenbedingungen kaum sein. Vom gemütlichen Wohnzimmerambiente des Kinderheims am Ammersee bis hin zum Klassenzimmer und in die letzten beiden Schulstunden am Freitag vor dem Wochenende. Genau diese beiden Situationen haben wir gesucht, um selbst beurteilen zu können, wie unser Projekt ankommt.

Hannah - Ein Besuch im Kinderheim und der erste Schultag

Hannah – Ein Besuch im Kinderheim und der erste Schultag

Wir versuchen, den Weg in die erinnernden Herzen junger Menschen mit Hilfe von Bildern und Worten zu finden. Wechselweise und im gemeinsamen Dialog möchten wir bewegende Einzelschicksale vorstellen, die es Jugendlichen ermöglichen sollen, vom individuellen Opfer des Holocaust auf die erdrückende Masse zu schließen. Die reine Vermittlung von Zahlen und Fakten findet hierbei indirekt und aus unserer Sicht noch wirkungsvoller statt, als in der reinen Fixierung auf anonymes Gedenken.

Peggy Steike ist bis an die Zähne bewaffnet, wenn sie einen Raum betritt. Sie hat ihre Bilder dabei und je mehr sie von ihnen preisgibt, je eindringlicher erschließen sich die Geschichten hinter den Portraits, Skizzen und Impressionen. Ihre Waffen sind scharf und sie richten sich „Gegen das Vergessen“ – sie richten sich gegen Ignoranz und Intoleranz. Sie richten sich nicht gegen die Zuhörer und Betrachter. Ganz im Gegenteil. Sie gibt jungen Menschen diese Waffen in Form ihrer Bilder in die Hand, lässt sie selbst abwägen und ausbalancieren und erreicht auf sehr bewegende Weise, dass Jugendliche etwas Greifbares in Händen halten, das ihnen ein Erinnern ermöglicht.

Ihre Bilder sind schonungslos. Sie beschönigen nichts und lassen nichts aus – und doch erzählen sie auf den zweiten Blick und mit den erklärenden Worten der Künstlerin eine Geschichte von Leid, Entbehrung, Misshandlung, Verlust und Tod. Sie erzählen von nicht gelebten Leben und unerfüllten Träumen. Sie erzählen von der einzigen Hoffnung, die blieb: „Ich möchte dass sich jemand daran erinnert, dass es einen Menschen mit meinem Namen gegeben hat.“

Hannah - Peggy Steike und die Macht der Bilder

Hannah – Peggy Steike und die Macht der Bilder

Peggy Steike geht hierbei einen bildhaften Weg und ich unterstütze die Tragfähigkeit der von ihr gebauten Brücke durch die Vorstellung von Opfern des Holocaust, die ihre Erlebnisse zum Teil selbst niederschreiben konnten. Mutige Jugendbücher, in denen die Leidtragenden selbst zu Wort kommen, in denen sie sich unmittelbar an uns wenden und dabei versuchen, nicht nur ihre eigene Geschichte zu erzählen. Sie beziehen alle mit ein, nennen sie beim Namen und bitten verzweifelt um Erinnern.

Wenn Peggy in ihren Bildern das Tor des Konzentrationslagers Auschwitz zeigt und von Selektion spricht, lassen wir Schoschana Rabinovici zu Wort kommen und ich lese aus ihrem Überlebens-Buch Dank meiner Mutter (Fischer FJB) vor, wie sich aus Sicht einer 10jährigen eine solche Trennung in Leben und Tod, das Auseinanderreißen von Familien und der spürbare Verlust des kindlichen Lebens angefühlt hat.

Wenn Peggy Bilder junger Opfer zeigt und darauf hinweist, dass sie in Auschwitz von Dr. Josef Mengele ermordet wurden, dann zitiere ich aus Eva Mozes Kors bewegendem Lebensbericht Ich habe den Todesengel überlebt (CBJ) und gemeinsam vermitteln wir das unfassbare Gefühl von Zwillingsschwestern, von denen jeweils immer nur eine mit tödlichen Krankheitserregern infiziert wurde, um einen direkten medizinischen Vergleich zu haben.

Hannah - Arndt Stroscher und die Macht der Worte

Hannah – Arndt Stroscher und die Macht der Worte

Bei all diesen Bildern und Worten spüren wir, dass wir im aktuellen Bezug zum heutigen Leben Anknüpfpunkte finden, die das Erinnern greifbar werden lassen. Wenn Peggy Steike das Portraitbild des Fußballnationalspielers Julius Hirsch zeigt und wir gemeinsam den Vergleich wagen, dass man im Dritten Reich gewillt war, einen Weltklasse-Fußballer aufgrund seines jüdischen Glaubens „aus dem Panini-Album der Weltgeschichte“ zu tilgen, dann horchen Jugendliche auf. Wenn man dann auf unseren WM-Kader zu sprechen kommt, auf Mezut Özil und Lukas Podolski, und auf rassistische Ausschreitungen in Stadien, dann erkennt man, warum Erinnern wichtig ist.

Wenn Peggy das Eingangstor des KZ Buchenwald zeigt und die Frage in den Raum stellt, wie die Worte „Jedem das Seine“ auf Jugendliche wirken, dann wird es still. Dann merkt man, wie eingeschlossen man sich fühlen kann, wie ausgeschlossen und wie verachtet, da dieser Schriftzug nur zu lesen war, wenn man nach draußen schaute. Perfide Menschenverachtung wird greifbar – besonders, wenn das Bild durchs Klassenzimmer wandert und ganz nah vor Augen ist.

Und wenn man Jugendliche mit ihrem eigenen Trauerverhalten konfrontiert, wenn Freunde bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommen, dann wird der Wunsch spürbar, etwas zu tun. Vergessen werden, das wird schnell klar… das ist das Schlimmste, was passieren kann. Da sprechen auch junge Menschen aus Erfahrung. Man muss sie nur zu Wort kommen lassen und das Thema zur Sprache bringen.

Hannah - Wort und Bild - Hand in Hand - Eine Allianz

Hannah – Wort und Bild – Hand in Hand – Eine Allianz

Und genau an diesem Punkt suchen junge Menschen nach ihrer Rolle. Wie können sie gedenken, wie erinnern und was können sie tun? Eine Antwort bietet das Jugendbuch Hanas Koffer von Karen Levine (Ravensburger), in dem eine japanische Schulklasse die Lebensgeschichte der erst 10jährigen Hana Brady durch eigene Nachforschungen rekonstruiert und sogar den überlebenden Bruder in Kanada wiederfindet. Und dies alles nur, weil es einer Lehrerin gelang, das letzte Andenken an dieses Leben… einen leeren Koffer mit der Aufschrift Hana Brady nach Tokio zu bringen.

Wir bauen diese Brücke am Ende des Seminars mit unserer „Hannah“. Es ist das einzige Bild im Holocaust Zyklus von Peggy Steike, in dem ein junges Mädchen unserer Zeit, modern gekleidet mit seinen roten Schuhen das KZ Auschwitz verlässt. Ein Bild, das die jungen Menschen heute direkt ansprechen und an die Hand nehmen soll. Seine Botschaft wird durch meinen Text zum Bild unterstrichen. Wir laden dazu ein, das Bild aus der Nähe zu erkunden und der Geschichte zu lauschen. So lernt man unsere Hannah kennen. Sehend und Hörend. Beide Ebenen führen Hand in Hand zur Erkenntnis: Suche dir EIN Erinnern, EIN Opfer, EIN Schicksal, EIN nicht gelebtes Leben und halte es fest.

Nicht nur in den Zahlen und Fakten liegt der Schlüssel für schuldfreies und doch verantwortungsvolles Erinnern. Vom einzelnen Opfer auf dessen Familie, Freunde und Leben zu schließen, das öffnet den Blick nach und nach auch auf die unvorstellbare Zahl der Opfer. „Hannah“ erzeugt Nähe, man kann sich in ihr wiederfinden und wir waren erfreut, dass es gelang, die Schüler und die Kids von St. Alban aus der Distanz an die Bilder zu bringen.

Hannah baut eine Brücke und lässt Nähe möglich werden

Hannah baut eine Brücke und lässt Nähe möglich werden

Sie haben fotografiert, gefragt, diskutiert und dieser Dialog endete nicht nach dem Seminar, wie uns die Rückkopplungen aus sozialen Netzwerken zeigten. Bilder des kleinen Charles Apteker waren auf den Facebook-Profilen unserer jungen Zuhörer zu finden. Fragen wurden formuliert und der Satz „Ich denke heute an…“ machte die Runde.

Die Abstimmung mit dem Lehrplan der Mittelschule entspricht unserem Königsweg des Erinnerns. Wir trafen die Schüler vier Tage vor ihrem Besuch in der KZ-Gedenkstätte in Dachau und wir denken, durch den vielfältigen und offenen Ansatz mit „Hannah“ eine Rolle angeboten zu haben, in die sich ein Jugendlicher begeben kann. EIN Gedenken, EIN Name, EIN Erinnern… der Rest erschließt sich mit der Zeit.

Die Tatsache dass wir für jede der von uns besuchten Gruppen jeweils eine Begleitmappe zum Projekt mit meinen Artikeln zu den vorgestellten Büchern, einem Verzeichnis und Erläuterungen zu den Bildern von Peggy Steike und die Bücher selbst, den jeweiligen Lehrern oder der Leiterin der Gruppe Don Bosco in St. Alban zur Verfügung stellen konnten, rundet das Seminar in jeder Hinsicht ab. Greifbares bleibt. Gedanken bleiben und die Bilder bleiben in Erinnerung.

„Hannahs erster Schultag“… ein erster Schritt ins Leben des Erinnerns… wir berichten von vielen weiteren Schritten, die es geben wird… wir sind erst am Anfang!

Ich denke an... - Nach Hannah...

Ich denke an… – Unmittelbar nach Hannah…

Eine wichtige Frage blieb am Ende: „Warum findet man die Bilder nicht in einem Museum?“

Unsere gemeinsame Antwort sorgte für erstauntes und wissendes Lachen. „In einem Museum würden sie nicht mit euch sprechen. Ein Museum würden oftmals nur diejenigen besuchen, die dem Erinnern an den Holocaust positiv gegenüber stehen. Was aber, wenn die Bilder mit den Worten zu den Menschen kommen?“ Dies bleibt unser Weg!

Wir danken Lehrern, Schülern, einer tollen Ordensschwester und den Kids von St. Alban für Aufmerksamkeit, offenen Dialog und die warme Gastfreundschaft – und „unseren“ Verlagen für die unschätzbare Unterstützung des Projekts.

Vier Tage später:

4 Tage später - Ein Besuch der 8. Klasse in Dachau - Ein Feedback

Vier Tage später – Ein Besuch der 8. Klassen in Dachau – Ein erstes Feedback

Wir sind bewegt: Ein erstes Feedback, nachdem „unsere“ beiden 8. Schulklassen aus FFB genau vier Tage nach unserem Seminar die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Dachau besucht haben. (hier weiterlesen)

Unter der Überschrift „Tage des Erinnerns“ berichtet ganz aktuell die Homepage der Mittelschule über den Schulbesuch von „Hannah“:

Tage des Erinnerns in den 8.Klassen 

Der Holocaust, die größte Katastrophe der Menschheitsgeschichte, stand am 30.5. und 3.6. im Zentrum des Unterrichts in den 8.Klassen. Hierzu trugen ein Besuch einer Künstlerin und eines Bloggers sowie der Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau bei. 

Am Freitag, den 30.5., bekamen die 8.Klassen Besuch von Peggy Steike, einer politischen Malerin, und Arndt Stroscher, der einen eigenen Literaturblog besitzt. Beide zusammen haben ein Konzept des Erinnerns an die Holocaust-Opfer entwickelt, das den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt stellt. Das Projekt trägt den Namen „Hannah – Gegen das Vergessen“. „Erinnern“, so der Grundgedanke des Gespanns, „muss den Opfern der NS-Verbrechen wieder einen Namen geben.“ Oftmals werden Jugendliche lediglich mit unvorstellbaren Opferzahlen konfrontiert – dass dahinter unzählig viele Einzelschicksale und Lebensgeschichten stehen, wird hierbei jedoch oft vergessen. So sorgten die beiden durch Peggy Steikes Bilder sowie dem Vorlesen aus ausgewählten literarischen Werken, die die Lebensgeschichten von Holocaust-Opfern erzählen, für eine gespannte und andächtige Atmosphäre bei den Schülern unserer 8.Klassen. 

Genauere Informationen zu diesem Projekt, sowie die Gemälde von Frau Steike, finden sich auf 

https://astrolibrium.wordpress.com/2014/06/02/hannah-ein-erster-schultag-gegen-das-vergessen/ 

Wenige Tage darauf, am 3.6., machten sich die beiden Klassen in Begleitung von Frau Schell, Herrn Rößlein und Herrn Kathrein, auf den Weg in die KZ-Gedenkstätte Dachau. Hier wurden die Schüler bei einem gut zweistündigen Rundgang umfassend über die Lebensbedingungen der NS-Häftlinge im KZ Dachau, aber auch in Vernichtungslagern wie Auschwitz, informiert. Sätze wie „So schlimm habe ich mir das gar nicht vorgestellt.“ waren sehr häufig von den Schülern zu hören – und zeigen, dass dieser Besuch, gerade vor dem Hintergrund des „Hannah“-Projekts, den Schülern einen intensiven und nachhaltigen Eindruck vom Schicksal der Häftlinge und den Grausamkeiten des NS-Regimes vermittelt hat. 

Auf das Fotografieren in der Gedenkstätte haben wir bewusst verzichtet, um im Rahmen des Rundgangs die Eindrücke und Erzählungen besser wirken lassen zu können, und um den Gedenkstättencharakter des KZ Dachau nicht in den Hintergrund rücken zu lassen.

Quelle: http://www.ms-ffb-west.de/index.php?id=339

Die Individualisierung des Erinnerns – Hannah kommt…

AstroLibrium - Hannah - Ein Gemeinschaftsprojekt

AstroLibrium – Hannah – Ein Gemeinschaftsprojekt

Aktives und nachhaltiges Erinnern benötigt Konzepte, die tragfähig sind und sich auf Augenhöhe mit den Menschen begeben, die man erreichen möchte, wenn man Gegen das Vergessen der Opfer des Holocaust liest, schreibt und lebt.

Die Individualisierung der Erinnerung ist hierbei greifbarer als die pure Konfrontation mit Zahlen. Ein Weg den auch die Literatur, besonders im Bereich Jugendbuch, gezielt eingeschlagen hat, um jungen Menschen den Blick vom einzelnen Opfer auf das unbegreifbare Ausmaß der Shoa zu ermöglichen.

Journalistisch begleite ich diese Bücher schon seit den ersten geschrieben Zeilen bei Literatwo und sehe ihre Wirkung auf Menschen jeden Alters. Auf diesem Wege öffnete sich nun eine weitere Tür, dem Erinnern eine breitere Basis zu geben. Sie ist jetzt weit geöffnet und ich möchte hier mehr als nur das Projekt „Hannah“ vorstellen. Die Begleitbücher und Projektbroschüren sind fertig, die Termine an Schulen und in Kinderheimen sind vereinbart und nun beginnt „Hannah“ zu leben. Ich möchte sie Ihnen auf diesem Wege näher bringen.

AstroLibrium - Hannah - Ein Begleitbuch - Namen statt Zahlen

AstroLibrium und Peggy Steike – Hannah – Begleitbuch und Projektbroschüre

Die Bilder aus dem „Holocaust-Zyklus“ der politischen Malerin Peggy Steike individualisieren das Erinnern auf ihre ganz besondere Art und Weise, machen Geschichte und persönliches Schicksal im Holocaust greifbar. Sie geben Identität und Lebensgeschichte zurück, erinnern an ein Leben vor der Shoa und zeigen auf, welche Träume nicht weiter gelebt werden konnten.

Die in Grautönen gehaltenen Gemälde vermitteln den Hauch der Vergangenheit und eine gewisse, auch schützende, Distanz zu den Ereignissen von einst. Sie zeigen die Menschen, die hinter Zahlen verborgen sind und werden im gemeinsamen Dialog mit Leben gefüllt. Einem Leben, das aus ideologischen Gründen zum Tode verurteilt war.

Die Bilder von Peggy Steike entfalten in ihrer Dimension eine vergleichbare Wirkung, wie ein bewegend erzählter Zeitzeugenbericht aus Opfersicht. Sie bleiben haften, sie verankern sich im Herzen und schaffen die Möglichkeit einer Auseinandersetzung mit dem Einzelschicksal.

AstroLibrium - Peggy Steikes Holocaust Zyklus und Hannah - Ein großer Kontrast

AstroLibrium – Peggy Steikes Holocaust Zyklus – Der Beginn des Dialogs

Was lag also näher, als diese Bilder mit den Büchern in Verbindung zu bringen, die seit Jahren mein Schreiben über die unglaublichen Ausmaße und Folgen des Holocaust begleiten? Ein erster gemeinsamer Auftritt vor Schülern der achten Klasse einer Mittelschule hat uns gezeigt, dass dieser Dialog aus Wort und Bild tragfähig ist.

Und doch wollten und wollen wir mehr. Wir entschlossen uns an diesem Tag zu einem ungewöhnlichen Experiment. Farbe ins Erinnern zu bringen bedeutet eine noch größere Nähe zu erzeugen. Wie bei Bildern der eigenen Großeltern schmilzt die Distanz zu den geliebten Verwandten auf dem Familienfoto, je farbiger es wird.

Diesen finalen Schritt wollten wir gemeinsam wagen. Den Schritt auf den Betrachter zu, um die Botschaft zu vermitteln, was ein Einzelner heute bewegen kann, wie er persönlich erinnern kann und was er zu verändern in der Lage ist. Es ist ein Schritt des Dialogs – ein Schritt in eine neue Richtung des Erinnerns.

AstroLibrium - Hannah - Ein Gemeinschaftsprojekt

AstroLibrium – Hannah – Ein Gemeinschaftsprojekt in Wort und Bild

So entstand „Hannah“. Das erste und einzige Bild im Holocaust-Zyklus der politischen Malerin Peggy Steike, in dem ein modern gekleidetes Mädchen in Farbe ein schwarz-weißes Auschwitzbild verlässt und sich dem Betrachter nähert. Die Annäherung mit einem einzigen Erinnerungsbündel ist die Brücke aus dem Holocaust in unsere Zeit.

Das Bündel begreifbar zu machen… Dieser Aufgabe hat sich mein Text zu „Hannah“ verschrieben. Ich schrieb während Peggy Steike malte. Ich versuchte Antworten zu geben auf die Details, die im Bild zu sehen sind. Ich schrieb, während die Skizze an Farbe gewann und ich versuchte so zu schreiben, wie Peggy malte. Verantwortungsvoll und ohne erhobenen Zeigefinger. Gefühle wollten wir erzeugen.

Es war eine wundervolle Geburtsstunde, die gegenseitigen Reaktionen auf Wort und Bild erfahren zu können und nun begleitet uns „Hannah“ zu Vorträgen in Kinderheimen und Schulen. Sie versucht, den Jugendlichen eine Hand zu reichen und zu vermitteln, dass Erinnern nicht schwer ist. Sie erklärt, dass Erinnern nicht von Schuld kommt, sondern von Verantwortung.

AstroLibrium - Hannah - Ein Gemeinschaftsprojekt - Buchige Begleiter

AstroLibrium – Hannah – Ein Gemeinschaftsprojekt – Buchige Begleiter

„Hannah“ ist die Brücke, die wir bauen wollen, nachdem wir über die Bilder von Peggy Steike gesprochen und zum Thema Holocaust passende Jugendbücher vorgestellt haben. Ich habe den Todesengel überlebt – Ein Mengele-Opfer erzählt von Eva Mozes Kor (CBJ), Dank meiner Mutter von Schoschana Rabinovici (Fischer Schatzinsel) und schließlich Hanas Koffer von Karen Levine (Ravensburger) begleiten uns und sollen den Brückenschlag der Gemälde durch den tragfähigen Pfeiler der Literatur stützen.

„Hannah“ wird dieses Seminar der besonderen Art beschließen. Sie wird sich in Wort und Bild an die Betrachter wenden und dazu aufrufen, sich zu erinnern. An ein einziges Leben, das nie gelebt werden durfte; an ein einziges Opfer; an einen einzigen Namen. „Hannah“ wird zeigen, wie leicht und sinnvoll dieses Erinnern sein kann, um zu verhindern, dass sich Geschichte im Großen oder im Kleinen wiederholt.

Aus diesem Bild und dem Text den Weg zur eigenen kleinen Recherche zu finden; Bücher zu entdecken, die mehr als lesenswert sind; sich gedanklich mit dem einzelnen Schicksal zu beschäftigen und erst in einem weiteren Schritt die Urgewalt der Masse zu erkennen… Dem haben wir uns in diesem Projekt verschrieben.

AstroLibrium - Hannah - Ein Gemeinschaftsprojekt

AstroLibrium – Hannah – Peggy Steike und Arndt Stroscher – Schulseminar

Den letzten Schritt des Verstehens und Erkennens sollen die Jugendlichen selbst gehen. Wir werden sie bitten, Fotos der Opfer auf den Gemälden zu machen, um mit ihren Smartphones und in ihren sozialen Netzwerken ein kleines und wichtiges Zeichen zu setzen.

Unter der Überschrift „Ich denke heute an…“ werden diese Bilder zu einer Kette „Gegen das Vergessen“ und gleichzeitig zum Beginn eines weiteren Dialogs, den wir aktiv begleiten wollen. Nachhaltigkeit ist der Königsweg des Erinnerns. Wort und Bild – Hand in Hand – Gegen das Vergessen – ein gemeinsam getragenes Projekt – Malerei und Literatur.

Mehr als ein Versuch… Eine Brücke ins Jetzt und Heute, die verhindern soll, dass sich wiederholt, was nie hätte geschehen dürfen und verdeutlichen soll, was auch in unseren Tagen in Form von Mobbing, Ausgrenzung und Gewalt an Schulen verursacht werden kann. Jede Schulklasse ist heute in der Lage, für einige Klassenkameraden den Tag zur Hölle werden zu lassen. Empathie und Mut zum Schwimmen gegen den Strom… dazu rufen wir aktiv auf.

Wir danken den Verlagen, die sich uns bis zum heutigen Tag auf diesem Weg angeschlossen haben und ermöglichen, dass die vorgestellten Bücher mit jeweils einem Exemplar in den jeweiligen Schulklassen bleiben können.

Hannah - Zum ersten Schultag mit einem Klick

Hannah –  Zum ersten Schultag mit einem Klick

Wir ziehen jetzt los „Hannah“ lebt und wir werden berichten vom Brückenschlag des Gedenkens. Vielleicht folgen Sie uns auf diesem Weg.