Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse (Graphic Novel)

Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse

Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse

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Du kommst ein paar Minuten zu spät zur Arbeit, eigentlich keine große Sache. Kann ja mal passieren und es gibt sicher Schlimmeres. Du hast einfach eine schlaflose Nacht hinter dir und jetzt geht’s ein wenig gerädert in den Tag. Das ganze Grübeln zermürbt ja schon. Partnerschaft und Zukunft. Man dreht sich tausendmal um im Bett und an Schlaf ist kaum zu denken. Aber egal. Jetzt ist ein neuer Tag und alles wird gut.

Catherine Meurisse hatte am 7. Januar 2015 eine solche Nacht hinter sich. Es war ein ganz normaler Mittwoch in Paris, an dem sie eigentlich um 10 Uhr in der Redaktion sein sollte. Wie an jedem Mittwoch zur allwöchentlichen Redaktionssitzung. Doch heute schaffte sie es nicht pünktlich. Als sie eineinhalb Stunden zu spät ankam, hatte sich ihr Leben dramatisch verändert. Allein dadurch, dass sie noch am Leben war. Das war der große Unterschied zu ihren Kollegen, die in genau diesen Minuten starben.

Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse

Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse

Catherine Meurisse arbeitet als Karikaturistin beim Satire-Magazin Charlie Hebdo. Das sagt genug. An diesem 7. Januar 2015 hatten zwei maskierte Al-Qaida-Terroristen das Gebäude gestürmt und töteten elf Menschen, verletzten elf weitere zum Teil schwer und flohen. Es war ein gezielter islamistisch motivierter Anschlag auf eine Zeitschrift, in deren früheren Ausgaben mit allen denkbaren Stilmitteln der Satire auch über den Islam gelacht wurde.

Die Titelseite am 7. Januar thematisierte den polarisierenden Roman „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq, der rein fiktional den ersten muslimischen Staatspräsidenten Frankreichs ins Zentrum der Handlung rückt. Die letzte Seite zierte eine Karikatur unter dem Titel „Noch keine Attentate in Frankreich“ und der provokanten Antwort „Warten Sie ab. Man hat bis Ende Januar Zeit, seine Festtagsgrüße auszurichten.

In der Rückschau unfassbare Zeilen…

Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse

Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse

Es klingt fast wie eine Vorahnung oder die Provokation des Unausweichlichen, es ist aus heutiger Sicht kaum mit journalistischem Mut oder einer satirischen Weltsicht zu erklären. Jedenfalls wurde es zur schrecklichen Realität, als zwei Terroristen einen Teil des Redaktionsteams von Charlie Hebdo hinrichteten. Den Augenzeugen bot sich nach dem Anschlag ein Bild des Grauens und gerade Catherine Meurisse durchlebte diese Minuten danach wie in Trance. Wie nur begreifen? Wie verstehen und wie damit leben, noch am Leben zu sein? Fragen über Fragen.

Die Leichtigkeit der Karikaturistin war das erste Opfer. Die unbeschwerte kreative Kraft der Pressezeichnerin war verloren gegangen. Farbe spielte keine Rolle mehr und ihre Flucht in eine Ausgabe der Überlebenden, die am 14. Januar 2015 erschien, war nicht der erhoffte Befreiungsschlag. Was folgte, erzählt uns Catherine Meurisse in ihrer beim Carlsen Verlag erschienenen Graphic Novel. Sie hat „Die Leichtigkeit“ in einem quälend langsamen Prozess der Selbstfindung verzweifelt gesucht und verarbeitet, was kaum zu verarbeiten schien.

Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse

Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse

Catherine Meurisse kämpft in ihrer Graphic Novel gegen die tiefen Wunden an, die dieser 7. Januar 2015 hinterlassen hat. Dabei ist es bewegend und verstörend zugleich, ihrer Auseinandersetzung mit den Verlusten dieses Tages, den Gedankenstürmen der Künstlerin in ihr und ihrer Rezeption der öffentlichen Anteilnahme an dem Anschlag zu folgen. Es ist ein harter und schonungsloser Weg, auf den uns die Karikaturistin mit den Stilmitteln ihres Genres entführt. Wir finden Sarkasmus, Hoffnungslosigkeit, Widerstand und Selbstzweifel, erleben aber auch in ihrer hoffnungsvollen Hinwendung zur Literatur und zur bildenden Kunst, was das Schöne im Menschen bewegen kann.

Stendhal, Proust, die großen alten Bildhauer und Maler lösen Gefühle aus, die es ihr ermöglichen Schritt für Schritt nach vorne zu gehen. Womit sie nicht rechnen konnte war die dramatische Überhöhung des Anschlags auf Charlie Hebdo bei den Attentaten am 13. November 2015. Die Schnelllebigkeit des Erinnerns riss erneut tiefe Wunden in ihre Seele. Der Ausweg aus diesem Teufelskreis ist ein höchst individueller und doch in vielerlei Hinsicht auch ein bedeutender Wegweiser für Menschen, die ihr persönliches „Charlie Hebdo“ erleben mussten. Hier stehen viele Verluste für einen Verlust. Hier ist eine Graphic Novel plötzlich der geeignetste Zugang, um einen Notausgang zu finden.

Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse

Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse

Der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin verleiht diesem Buch eine weitere Aktualität, auf die es gerne verzichtet hätte. Die Welt hat sich verändert. Unsere kleine heile Welt ist angreifbar geworden und dadurch auch ein wenig zusammengerückt. Im Rückblick auf die eigene Traumatisierung wird deutlich, welche Reaktionen von außen hilfreich waren und welche als vermessen gesehen wurden. Wer „Die Leichtigkeit“ in seiner vollen Tragweite verinnerlicht, wird es sich vielleicht mehrfach überlegen, was es für diese Betroffene bedeutet hat, die Parole „Je suis Charlie“ zu kultivieren, während sie selbst nicht mehr wusste, wer sie war und wer sie jemals wieder werden wird.

Zum Ende des vergangenen Jahres erreichte mich dieses Buch und hat doch dem ganzen Lesejahr 2016 seinen Stempel aufgedrückt. Ich werde mit einer aus dem Buch gewonnenen Leichtigkeit diese bewegende Graphic Novel auf eine besondere Reise zu den richtigen Menschen schicken. Möge es auf seinem Weg viele Herzen erobern und uns ein wenig von der Kraft geben, die Catherine Meurisse wiedergefunden hat. Möge es für sich stehen. Möge es nicht von neuen Anschlägen begleitet werden. Möge unser neues Jahr unter einem Stern der Leichtigkeit stehen.

Und sollte dieser Wunsch von Extremisten pulverisiert werden, dann greifen wir mit dem Mut der Verzweiflung nach diesem Buch und kämpfen darum, dass man uns „Die Leichtigkeit“ niemals nehmen kann. So schwer dies auch scheint.

Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse

Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse

Siehe dazu auch: „Meinen Hass bekommt ihr nicht“ von Antoine Leiris

Meinen Hass bekommt ihr nicht - Antoine Leiris

Meinen Hass bekommt ihr nicht – Antoine Leiris und die Anschlage im November

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[Graphic Novel] Drei Steine von Nils Oskamp

Drei Steine von Nils Oskamp

Drei Steine von Nils Oskamp

Wie wehrt man sich gegen rechtsradikale Gewalt? Wie geht man damit um, wenn man zur Zielscheibe wird? Wie lebt man damit, wenn sich an der eigenen Schule die Schlinge immer bedrohlicher um den Hals zu schließen scheint und niemand glauben möchte, dass man sich in Gefahr befindet? An wen können sich Jugendliche wenden, wenn ihnen das ideologische Wasser bis zum Halse steht und gibt es Wege aus dem Horror, der anscheinend nur Anpassung und Mitläufer erzeugen soll?

Fragen, die sich nicht nur junge Menschen stellen. Gerade auch Eltern und Freunde sind immer wieder ratlos und können nur hoffen, dass die jungen Menschen, die ihnen am Herzen liegen, nicht ins falsche Umfeld geraten. Und doch reduziert sich der eigene Einfluss und die Sorge endet nicht vor der eigenen Haustür. Mobbing und Gewalt sind mächtige Waffen zur Verunsicherung Heranwachsender und die Automatismen greifen noch heute. Man möchte dazugehören, nicht ausgegrenzt sein und einfach seine Ruhe haben.

Drei Steine von Nils Oskamp

Drei Steine von Nils Oskamp

Dafür ist man unter Umständen bereit, einige Kröten zu schlucken. Die fettesten von ihnen sind in der Rechten Szene zu finden. Sie bleiben nicht nur den Mitläufern und ihren braunen Freunden im Halse stecken, sie bedeuten auch, dass andere Menschen auf Kosten der Opportunität des Einzelnen selbst Opfer und Underdogs werden, ohne die eine Ideologie niemals auskommt. Das war immer so und das wird wohl immer so bleiben. Und genau an dieser Stelle setzen die Verführer an. Symbolträchtig und stark wirken sie nach außen. Geschlossen erscheinen ihre Reihen und Tradition wird ganz groß geschrieben. Dahinter steckt jedoch viel mehr, als es sich die Verführten auf den ersten Blick vorstellen können.

Ein ewiges Netzwerk der braunen Gedanken beschwört die Geister von gestern.

Nils Oskamp scheint einen Weg gefunden zu haben, gerade denjenigen zu helfen, die ins Visier der Neonazis von heute geraten. Einerseits, indem sie bedroht und attackiert werden und andererseits, indem sie deutlich Gefahr laufen, von der scheinbar verlockenden Idee der „einzig wahren Deutschen“ verführt zu werden. Oskamp geht einen modernen Weg, der sich schon auf den ersten Blick vom erhobenen Zeigefinger der Erwachsenen abhebt, die mahnen und meist äußerst textlastig mit Fakten um sich werfen. Er zeichnet seinen eigenen Weg in der Graphic Novel „Drei Steine nach.

Drei Steine von Nils Oskamp

Drei Steine von Nils Oskamp

Und dieser Weg hat es in sich. Ebenso sehr, wie es seine Geschichte in sich hat. Nils Oskamp schreibt und illustriert sich auf Augenhöhe mit den Jugendlichen von heute. Er bleibt hier lediglich in der Farbgebung seiner nuancierten Bilder farblos. Die Idee, diese Geschichte könnte in weiter Vergangenheit angesiedelt sein, stellt sich an keiner Stelle. „Drei Steine“ ist zeitlos und die Ausganssituation aus dem Gespräch zwischen Vater und Sohn, weckt die Nähe zum Verfasser. Nicht als Vaterfigur, eher als Erwachsener, der mit klarem Blick und äußerst selbstkritisch auf die eigene Schulzeit zurückblickt.

Diese Graphic Novel besticht nicht nur mit der Qualität der Illustrationen. Sie sind hier Botenstoff, Stilmittel und Denkanstoß zugleich. Und doch geben sie auch die klare Struktur vor, in der sich die Handlung vermittelt. Eine Schule, Nazi-Schmierereien und offen zur Schau getragene Gewalt stecken den Rahmen ab. Ein unsicherer Schüler, der sich mitzuteilen versucht, im Kleinen gegen die braune Symbolik der Mitschüler vorgeht und dabei doch an seine Grenzen stößt. Kein Verständnis bei Lehrern und Eltern. Und dies, während er immer weiter ins Visier der Neonazis gerät. Gewalt und offene Angriffe werden zu den Rahmenbedingungen des Schulalltag.

Drei Steine von Nils Oskamp

Drei Steine von Nils Oskamp

Der Blick des Schülers Oskamp schärft sich. Er beginnt hinter die Lügenkulissen der Nazis zu blicken, erkennt die alten abgedroschenen Märchen vom Führerglauben und durchschaut das Gefasel von der Legende von Stalingrad. Sein Schrecken wächst, als der Holocaust verleugnet wird. Mit Argumenten kann er den Radikalen nicht begegnen. Und Gewalt ist auch keine Alternative. Das steht für den Schüler fest. Auch wenn ein guter Freund versucht, ihm die „Sprache“ seiner Gegner beizubringen. Erst drei Steinen von einem jüdischen Friedhof gelingt, was bisher unmöglich schien.

Ein fulminanter Befreiungsschlag, der den jungen Menschen formt.

Hier werden aus drei Steinen die moralischen Grundsteine einer Persönlichkeit. In ihrer Symbolik gehen diese Steine unterschiedliche Wege mit ihrem Besitzer. Wege, die man in dieser Graphic Novel selbst erlesen und betrachten sollte. Das ist Comic-Kunst mit Tiefgang-Garantie. Wenn Mythen sterben erheben sich junge Menschen, wie Phoenix aus der Asche. Rückhalt, Einsicht und ein eigenes Wertesystem bedingen hier einen jungen Menschen, dem man gerne folgt, denn seine Botschaft kostet keine Opfer.

Drei Steine von Nils Oskamp

Drei Steine von Nils Oskamp

Nils Oskamp gelingt es, mit seiner Graphic Novel „Drei Steine“ aufzurütteln. Ich zweifle daran, dass es ihm gelingen wird, bereits überzeugte Nazis zu bekehren. Das ist nicht das Ziel dieser Streitschrift Gegen das Vergessen und für ein gemeinsames Leben frei von Vorurteilen. Die Automatismen ideologisch motivierter Gewalt werden enttarnt und sowohl junge als auch ältere Leser finden in diesem wertvollen Buch einen Kompass, an dem man sich ausrichten kann.

Genial, wie Nils Oskamp am Ende seines Buches die Bilder real werden lässt.

Drei Steine“ ist als 160-seitiges Hardcover bei Panini erschienen. Das Buch sollte in den Schulbuch-Kanon aufgenommen werden und genau da wirken, wo sich derzeit die Gewalt noch am Ehesten manifestiert und entwickelt. Dieser Meinung schließt sich auch die Amadeu Antonio Stiftung an und hat eine auf 96 Seiten gekürzte Softcover-Ausgabe veröffentlicht, die von Schulen und Lehrern kostenlos geordert werden kann. Darüber hinaus wird auf der WebSeite der Stiftung umfangreiches Unterrichtsmaterial angeboten. Wenn nicht jetzt, liebe Lehrer, wann denn dann?

Peggy Steike und ich werden „Drei Steine“ in den Kanon unserer Arbeit gegen das Vergessen aufnehmen. Ein wichtiges Buch, ein politisches Buch und weit mehr als ein Comic. Das sieht und fühlt man auf den ersten Blick. Wer die „Drei Steine“ liest und ihnen eine Chance gibt, der wird verstehen was ich meine, wenn ich sage, dass der vierte Stein bei uns Lesern liegt. Er ist der Werte-Joker unseres Lebens. Platziert ihn an der einzig richtigen Stelle, die verhindern kann, dass sich Vergangenheit wiederholt und der rassistische Stumpfsinn grassiert. In eurem Herzen.

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SchulausgabeHintergrundmaterialKomplette Graphic Novel von Panini

Gerade bei diesem Thema bin ich immer wieder dankbar, mich während des Lesens austauschen zu können. Ronja war auf diesem Leseweg mehr als wichtig und in ihrer Bücherstöberecke haben heute ganz besondere Worte ihren Weg in ihre Rezension gefunden. Hier könnt Ihr weiterlesen… Drei Steine bei Ronja. Ebenso wichtig ist der Aufruf von Anja in Zwiebelchens Plauderecke, vielstimmig zu bleiben.

Ich habe Nils Oskamp auf der Frankfurter Buchmesse zum Interview getroffen. Es war kein Gespräch, wie jedes andere. Zumindest konnte ich kein ungestörtes Interview führen, was den Rahmenbedingungen in der Messehalle geschuldet war. Wenn es sich nämlich herausstellt, dass der rechte Standnachbar der „Drei-Steine-Ausstellung“ ein RECHTER Nachbar ist, Signierstunden und Interviews stört, dann muss man reagieren und mitten im Interview die Location wechseln… Ein PodCast, der anschaulich beweist, was es heißt, sich zu engagieren… Hier geht`s lang

Das Buchmesseinterview mit Nils Oskamp

Das Buchmesseinterview mit Nils Oskamp

[Graphic Novel] Der Traum von Olympia – Reinhard Kleist

Der Traum von Olympia von Reinhard Kleist

Der Traum von Olympia von Reinhard Kleist

Wie anfangen? Wie aufhören? Nicht einfach gerade. Auf der Leipziger Buchmesse war ich mehr als erstaunt darüber, wie viele Romane das Licht der Bücherwelt erblickt hatten, in denen es in fiktionalisierter Form um das Schicksal von Flüchtlingen geht. Ich habe für mich entschieden, dass dies viel zu früh ist, um sich dem sensiblen Thema mit frei erfundenen Protagonisten zu nähern. Allzu gegenwärtig ist das Schicksal der realen Menschen. Allzu weit würde ich in meiner persönlichen Auseinandersetzung mit diesen Romanen den Stimmen die Tür öffnen, die sagen könnten „Alles erfunden!“

Ich habe in der kleinen literarischen Sternwarte unter dem Titel Ich hatte einen Blog in Afrika eine Artikelreihe ins Leben gerufen, die mich aus der Kolonialzeit einer Tania Blixen ganz bewusst bis hin zum Schicksal von Flüchtlingen führen sollte. Ich habe verdeutlicht, mit welchen alltagsrassistisch geprägten Bildern wir diesen Kontinent noch heute sehen. Ich habe versucht klar zu verdeutlichen, dass Europa tiefe Mitschuld daran trägt, dass die von uns erschaffene Dritte Welt sich auf den Weg in ein sicheres Leben macht.

Am Ende der Serie bin ich bei Samia Yusuf Omar angelangt. Die Reportage Sag nicht, dass du Angst hast von Giuseppe Catozzella berichtet in eindringlicher Form vom Schicksal einer jungen somalischen Frau, die nur ein Ziel hat. Die Olympischen Spiele. Als Frau möchte sie für alle Frauen von Somalia laufen. Als Frau möchte sie voller Stolz die Fahne ihres Landes tragen. Aber die radikalislamistische Miliz Miliz Al Shabaab macht alle Hoffnungen zunichte. Muslimische Frauen haben nicht zu laufen. Sportkleidung ist nicht angemessen und wer sich dem widersetzt, wird bedroht. Samia bleibt nur die Flucht, um dieser Bedrohung zu entgehen und ihre Träume zu realisieren.

Der Traum von Olympia von Reinhard Kleist - AstroLibrium

Der Traum von Olympia von Reinhard Kleist

Der Fluchtweg von Samia verläuft dramatisch. Schlepperbanden, Erpressung und die entwürdigende Behandlung durch diejenigen, die mit Flüchtlingen Geld verdienen sind die wesentlichen Eckpunkte ihres Leidensweges. Offene Jeeps in der Sahara, die grausame Hilflosigkeit angesichts der absolut ausweglosen Situation und die Hoffnung, am Ende doch im Ziel anzukommen sind nur einige Facetten dieser Erlebniswelt von Samia, die uns sprachlos machen. Giuseppe Catozella hat hervorragend recherchiert und alle Quellen zurate gezogen, die das Schicksal von Samia belegen.

Sie blieb mit ihren Eltern und ihrer Schwester in Kontakt. Facebook, Skype und wenige Telefonate machten das möglich. Sie war auf das Internet angewiesen, da die Schlepper immer neue Forderungen stellten, um die jeweils nächste Etappe der Flucht bezahlen zu können. Erpressung und Todesangst gingen ständig Hand in Hand. Zuletzt bleibt Samias Bahn bei den Olympischen Spielen in London 2012 leer. Sie hat es nicht geschafft. Ihre Spur endet vor der Küste von Lampedusa. Samia Yusuf Omar ertrank bei dem Versuch, ein Schiff der Küstenwache Italiens zu erreichen.

Kein Wirtschaftsflüchtling. Keine leichtfertige Flucht. Verfolgt, bedroht und in ihrer Rolle als Frau gedemütigt blieb ihr keine andere Wahl. Repressalien gegen ihre Familie wollte sie nicht riskieren. Nur ihren Weg wollte sie gehen. Mit gerade einmal 21 Jahren bezahlte sie mit ihrem jungen Leben. Eine Geschichte, die mich sehr bewegt hat. Eine Geschichte, die wahr ist. Eine Geschichte, die keiner Fiktionalisierung oder Erhöhung bedarf.

Der Traum von Olympia von Reinhard Kleist - AstroLibrium

Der Traum von Olympia von Reinhard Kleist

Eine Geschichte, die uns nur ein Schicksal von Tausenden vor Augen führt und dabei helfen kann, unseren Blickwinkel zu verändern. In diesen Schlauchbooten sitzen zahllose Samias, die an unsere Küsten gelangen wollen. Tausende von Gründen treiben sie an. Jeder so schwerwiegend wie die Lebensgefahr, in die sie sich begeben. Samia. Mein Artikel zur Reportage „Sag nicht, dass du Angst hast“ zeigt viele Hintergründe und Fotos zu dieser Geschichte und auch ein Video von Samia habe ich eingefügt. Ich wollte so gerne, dass dieses Buch möglichst viele Menschen erreicht. Erinnern und das Vergessen verhindern. Das wollte ich.

Als ich dann auf der Leipziger Buchmesse in einem Pressegespräch bei Carlsen erneut mit Samias Geschichte konfrontiert wurde, war ich zunächst mehr als skeptisch. Eine Graphic Novel unter dem Titel Der Traum von Olympia. Die Geschichte von Samia Yusuf Omar“. Ich wurde neugierig, ob es Reinhard Kleist gelungen ist, sich diesem sensiblen Thema in dieser literarischen Form zu nähern und gleichzeitig stellten sich mir die ersten Fragen, ob man das darf, ob man es kann, und letztlich auch, ob es Samia gerecht würde, in einem landläufig als „Comic“ bezeichneten Buch einem eher jugendlichen Publikum präsentiert zu werden. 

Skepsis ist eine sehr gesunde Ausgangshaltung, sich einem Buch zu nähern. Sie schärft die Sinne, macht vorsichtig und verleitet zu sehr aktivem Lesen und Betrachten. Allein das Cover hat diese erste Skepsis schon beseitigt. Nicht reißerisch und mehr als authentisch zeigt es die Läuferin Samia Yusuf Omar, so wie ich sie aus ihren Videos kenne. Die Tartanbahn ist ihr Weg, das Stirnband das letzte Geschenk ihres Vaters, ihr Sportdress sitzt zu labberig und ihr Blick erzählt ihre ganze Geschichte. Und erst der zweite Blick, hier der entscheidende, zeigt die schemenhaft waffenstarrenden Gestalten der Milizionäre, vor denen sie flieht. Gelungen. Mein erster Gedanke.

Der Traum von Olympia von Reinhard Kleist - AstroLibrium

Der Traum von Olympia von Reinhard Kleist

Tja, und was soll ich sagen? Erst auf Seite 59 dieser Graphic Novel gelingt es mir eine erste Pause einzulegen. Bildgewaltig und extrem überzeugend, authentisch und nah gelingt es dem zeichnenden Autor oder dem schreibenden Zeichner, Bilder in mir zu erzeugen, die ich gut zu kennen glaube. Bilder einer jungen Frau, die in Somalia versucht, ihren Weg zu gehen. Ihren Weg zu laufen – wegzulaufen. Farblos sind die Illustrationen. Voller Respekt und Einfühlungsvermögen zeigen sie, was Worte oft nicht ausdrücken können. Reinhard Kleist erzeugt ein geschlossenes Bild von Samia, indem er tausend Bilder von ihr zeichnet.

Nicht nur Jugendliche fühlen sich hier angesprochen, auch mich selbst packt diese Version des Herangehens an diesen schweren Stoff. Dabei beschränkt sich Reinhard Kleist auf das Wesentliche. Seine Illustrationen ufern nicht aus, sie verlieren Samia nie aus dem Blick und ihre Mimik greift nach der Seele ihres Betrachters. Ehrgeiz, Angst, Hoffnung und pure Verzweiflung angesichts des Unrechts in Somalia werden in Samias Augen greifbar. Die Geschichte ist komplett erzählt, nichts wirkt verkürzt. Die Schlinge der Ereignisse zieht sich spürbar um jedes einzelne Bild.

Und dann greift Reinhard Kleist zu einem literarisch gezeichneten Kunstgriff, den ich persönlich in dieser Form noch nicht erlesen habe. Er integriert das Internet in seine Illustrationen. Jenes Internet, auf das Samia so sehr angewiesen war. Wir sehen ihre Facebook-Timeline mit Einträgen, die es in dieser Form tatsächlich gab, die aber heute gelöscht sind. Kleist rekonstruiert plausibel und lebendig. Es ist als wären wir mit Samia befreundet und würden ihren Posts folgen. Und beim Lesen merken wir, wie sich das junge Mädchen verändert. Sie schreibt über ihr Training, vertraut uns ihre Gefühle an und beginnt von ihrer Flucht zu erzählen. YouTube-Videos sind gezeichneter Teil der Geschichte. Die sozialen Netzwerke hinterlassen einzigartige Bildspuren in der einzigartigen Graphic Novel.

Der Traum von Olympia von Reinhard Kleist - AstroLibrium

Der Traum von Olympia von Reinhard Kleist

Meine Fragen zur Graphic Novel als literarisches Format sind jetzt beantwortet. Zumindest was Reinhard Kleist betrifft. Ja, er darf das. Ja, er kann das und ja, er muss das tun. Mit seinen kombinierten Stilmitteln erreicht er junge Menschen, denen diese Geschichte ansonsten wohl verborgen bliebe. Er animiert zur eigenen Recherche, lädt ein, seinen gezeichneten Youtube-Videos auf die Spur zu gehen und Samia zu finden. Er gibt vielen Schicksalen ein Gesicht, da es ihm in besonderer Weise gelingt, hier eine Geschichte stellvertretend für die gesichtslosen Opfer zu erzählen.

Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar hat als Graphic Novel eine Wucht, die ich dieser Stilrichtung der Literatur so nicht zugetraut hätte. Ich habe die Geschichte von Samia gekannt und trotzdem war ich völlig emotionalisiert von der Art und Weise, in der Reinhard Kleist sie beendet. Das muss man gesehen, muss man selbst gelesen haben. Dieses Ende wird Samia gerecht. So, wie auch die gesamte Graphic Novel ihr gerecht wird.

Reinhard Kleist lässt einen der größten Sportler Somalias zu Wort kommen und entführt uns zum letzten Mal in ein YouTube-Video. Es zeigt Abdi Bile, der eine Rede über sein Land, seinen Sport und eine junge Frau hält, die für diesen Sport und ihre Überzeugung gestorben ist. Wir verstehen kein Wort von dem, was er sagt. Reinhard Kleist ist es zu verdanken, dass wir trotzdem alles verstehen. Jede Träne. Lest dieses Buch mit euren Kindern und werft dann einen Blick in die Schlauchboote dieser Welt. Ihr werdet einzelne Menschen darin sehen. Keine Masse. Keine Flüchtlinge.

Der Traum von Olympia von Reinhard Kleist - AstroLibrium

Der Traum von Olympia von Reinhard Kleist

Miriams Geschichtenwolke hat nicht nur eine Rezension zum Buch für euch.Es ist viel mehr als das… Hier geht´s lang Und auch Anja hat in Zwiebelchens Plauderecke besondere Worte gefunden. Das Buch zieht wie auf Bestellung seine Kreise duch den Campus Libris.

Mit einem Klick zur Artikelserie „Ich hatte einen Blog in Afrika“

Der Traum von Olympia von Reinhard Kleist - AtrolibriumIch hatte einen Blog in Afrika - Eine Artikelserie

Ich hatte einen Blog in Afrika – Eine Artikelserie

Das versteckte Kind – Der Holocaust im Comic

Das versteckte Kind - Der Holocaust im Comic

Das versteckte Kind – Der Holocaust im Comic

In den letzten Monaten habe ich mir sehr viele Gedanken darüber gemacht, mit welchen Mitteln man in der heutigen Zeit Jugendliche erreichen kann, um das Erinnern an die vielen Opfer des Holocaust mit konstantem Leben zu füllen. Die grundlegende Veränderung der Medienwahrnehmung von Heranwachsenden bedingt, dass man neue Ansätze suchen muss und sich auf Augenhöhe mit denjenigen begeben sollte, denen man eine tiefe Botschaft mit auf den Lebensweg geben möchte.

Eine Botschaft die eine Wiederholung der Geschichte verhindern, ein schuldfreies Gedenken ermöglichen und den Transfer lebenswichtiger und vorurteilsfreier Gedanken ins Jetzt ermöglichen soll. „Niemals wieder“, wohl das wichtigste Zitat aus der Rede von Papst Franziskus in Yad Vashem vor genau zwei Tagen. An einem Tag, der durch einen Anschlag auf eine Synagoge mit vier Todesopfern in Brüssel überschattet wurde. Niemals wieder.

Aber wie erreicht man dies? Unser Projekt des Erinnerns im Schulprojekt Hannah geht einen besonderen Weg. Wort und Bild – Hand in Hand. Und Hannah ist eben ein modernes Mädchen, das mit seinen Gefühlen nach einem Besuch in Auschwitz nicht zurechtkommt. Wir versuchen hier gemeinsam verständliche Antworten zu geben. Das Erinnern zu Individualisieren. Das ist der gemeinsame Weg, den ich mit der politischen Malerin Peggy Steike eingeschlagen habe. Einer von vielen denkbaren Wegen, neben Jugendbüchern, Filmen, Diskussionen und Begegnungen.

Das versteckte Kind - Der Holocaust im Comic

Das versteckte Kind – Der Holocaust im Comic

Nun liegt mit dem Buch „Das versteckte Kind“ aus dem Panini Verlag erstmals ein Comic (Graphic Novel) vor mir, der die Geschichte eines kleinen jüdischen Mädchens erzählt, das dem ideologischen Wahnsinn des Nationalsozialismus im Dritten Reichs schutzlos ausgeliefert ist. Ich habe mich in die erzählende und bildreiche, ja mehr als bildgewaltige Welt dieses Comics fallen lassen und bin sprachlos und voller neuer Eindrücke aufgetaucht. Um es vorweg zu nehmen – ich bin berührt und begeistert.

Ein mutiges Buch, vor dem man sich nicht fürchten darf. Ein Comic, bei dem man Kinder und Jugendliche nicht allein lassen sollte – sie werden auch nicht alleine bleiben wollen, weil Fragen kommen – wichtige Fragen. Ein Comic, der in der Lage ist, einen Dialog zwischen Alt und Jung zu entfachen. Und genau so beginnt die Geschichte von Dounia und ihrer Enkelin Elsa im heutigen Frankreich. Mit einem solchen bewegenden generationsübergreifenden Dialog.

Großmutter Dounia Cohen denkt oft an die Zeit zurück, in der sie so alt war wie ihre kleine Enkelin. Sie sitzt in sich zusammengesunken im Sofa und betrachtet die wenigen Bilder, die ihr geblieben sind. Familienfotos aus einer glücklichen Zeit. Andenken an ein unbeschwertes Leben im Frankreich vor der Besetzung durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg. An einem solchen Abend der Erinnerung kuschelt sich die kleine Elsa ganz dich an ihre Oma und fragt nach dem Grund für ihre Traurigkeit. Und Großmutter beginnt zu erzählen und die Bilder des Comics beginnen einen unglaublich intensiven Sog in die Vergangenheit zu erzeugen.

Das versteckte Kind - Der Holocaust im Comic

Das versteckte Kind – Der Holocaust im Comic

Elternhaus, Schule und Freunde… So sah der Alltag von Dounia aus. Sie beschreibt aus der Sicht eines kleinen Mädchens, wie schön diese Zeit war. Unbeschwert. Bis zu dem Tag, an dem sich alles änderte. Papa erklärte ihr scheinbar fröhlich, dass man ab jetzt eine Sheriff-Familie sei… und als Sheriff habe man einen gelben Stern zu tragen, damit einen auch jeder erkennt. Dounia findet das cool und trägt den Stern auch stolz… aber sie bemerkt, dass sich zuhause die Stimmung ändert.

So wie sich alles ändert. Die Sheriff-Illusion zerbricht, als Dounia plötzlich von allen anders behandelt wird. Ausgegrenzt, verachtet und schlecht behandelt. Lehrer verweisen sie in die letzte Reihe, beim Spielen auf dem Schulhof darf sie nicht mehr mitmachen und egal, wie oft sie sich im Unterricht meldet, sie wird ignoriert.

So wie sich ihr Leben ändert, so verändert sich das Straßenbild ihrer kleinen Stadt. Deutsche Soldaten beschmieren Geschäfte mit dem Davidstern, Verbote schränken das Leben der kleinen Familie immer mehr ein und sie versteht, dass alles damit zusammenhängt, dass sie Juden sind. Beängstigend schnell dramatisiert sich die Lage. Wohnungen werden durchsucht und eines Abends gelingt es Dounias Eltern nur noch, ihre Tochter im Schrank zu verstecken, bevor das Unfassbare geschieht. Vater und Mutter werden verhaftet und fortgebracht. Deportation… Konzentrationslager.

Das versteckte Kind - Der Holocaust im Comic

Das versteckte Kind – Der Holocaust im Comic

Hier beginnt in Wort und Bild der große Leidens- und Hoffnungsweg der kleinen Dounia. Helfende Hände nehmen sie auf, verstecken sie, und kümmern sich darum, dass sie auf den verschiedenen Stationen ihrer Flucht nicht als Jüdin zu erkennen ist. Mit vereinten Kräften gelingt es guten Menschen, das kleine Mädchen zu retten. Als der Krieg zu Ende ist, beginnt die Suche nach ihren Eltern.

Die Opferlisten sind endlos lang. Die Hoffnung beginnt zu schwinden, besonders weil man nun erfährt, dass die jüdische Bevölkerung systematisch ermordet wurde. Und trotzdem kommt es am Ende allen Leids zu einer Begegnung, die nicht nur der Leser, sondern ganz speziell der Betrachter des Comics sein Leben lang nicht vergessen wird. Dounias Mama hat überlebt… aber um welchen Preis.

„Das versteckte Kind“ ist ein großer Beitrag im Kampf „Gegen das Vergessen“. Das Team aus Autor Loïc Dauvillier, Zeichner Marc Lizano und Farbgeber Greg Salsedo haben mehr als einen Versuch gewagt, das Erinnern in Wort und Bild mit sämtlichen Stilmitteln des Comics greifbar zu machen. Gerade hier liegt die Stärke des Genres. Es begibt sich in die Erlebniswelt der Jugend von heute, für die Comics Teil der Lebenseinstellung sind.

Das versteckte Kind - Der Holocaust im Comic

Das versteckte Kind – Der Holocaust im Comic

Der Verzicht auf zu große Detailgetreue in der Gestaltung der Figuren gibt Raum, sich mit ihnen zu identifizieren. Ein Phänomen, dem man nicht erst seit den Zeiten der Manga-Comics begegnet. Die Farbgestaltung vermittelt in allen Nuancen Gefühle, die durch Worte oder Beschreibungen kaum transportiert werden können. Tiefdunkle Traurigkeit, lichte Hoffnungsschimmer und blasse Alltäglichkeit. Und der Text vermittelt eine Nähe, die man wirklich nur empfindet, wenn man seiner eigenen Großmutter zuhört.

Die Stilmittel des Comics sind gestattet und erlaubt, sie sind wünschenswert, sie sind sogar mehr als zeitgemäß, um an den Schrecken des Holocaust zu erinnern. Empathisch geht man mit der Opfersicht um, Verniedlichungen wird man vergeblich suchen und die reine Fiktionalität des Werks wird durch bewegende Vor- und Nachworte in einen realen Zusammenhang gerückt. Das Menschliche Schicksal mit der notwendigen Ernsthaftigkeit begreifbar zu machen, das ist diesem Comic in außerordentlicher Weise gelungen. Es darf nicht nur einen Weg des Erinnerns geben – die Formenvielfalt entspricht der Wahrnehmungsvielfalt unserer Gesellschaft!

Besonders bemerkenswert ist, dass im Nachwort die französische Geschichte im Dritten Reich offen thematisiert und verarbeitet wird. Die französischen Politiker der Regierung Vichy werden für die Morde an 14000 jüdischen Kindern verantwortlich gemacht. Es ist ein großer Versuch, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen – fern ab der ach so einfachen Möglichkeit, die Schuld in deutsche Hände zu legen. Im Nachwort wird die in bewegender Weise klar. Diese Geschichte soll ermutigen, gegen Willkür und Ungerechtigkeit zu kämpfen, seine Stimme zu erheben und damit zu verhindern, dass jemals wieder der ideologische Wille, ein ganzes Volk auszulöschen, ausreicht millionenfach unschuldiges Leben auszulöschen.

Das versteckte Kind - Der Holocaust im Comic

Das versteckte Kind – Der Holocaust im Comic

Am Ende der Geschichte kommen die Tränen. Die der Großmutter Dounia über alle Verluste und Opfer. Es sind hoffnungsvolle Tränen, weil das Überleben der Mutter sie vor dem Schlimmsten bewahrt hat. Es sind erleichterte Tränen, sich von der Last der Erinnerung befreit zu haben, indem sie geteilt wurde. Es sind Tränen, die den Opfern gerecht werden und den jüdischen Menschen, die den Holocaust überlebten.

Diese Tränen verleihen dem Erinnern ein Gesicht, auch wenn es das Gesicht einer alten Frau in einem Comic ist. Dieses eine Gesicht ist jedes Gesicht. Das wird jedem Betrachter klar, ebenso, wie man realisiert, dass dieses Opfer jedes Opfer ist.

Wir sind die Enkel. Wir können die Last nehmen, auch ohne persönlich betroffen zu sein. Wir können das Gewicht der Erinnerung und der Sinnlosigkeit tragen helfen, indem wir zuhören und betrachten, erzählen und gedenken. Es wird die Zeit kommen, in der wir uns nicht mehr mit Überlebenden der Shoa unterhalten können. Es wird die Zeit kommen, da werden nur noch indirekte Erinnerungen greifbar sein. Es wird die Zeit kommen, in der wir den künftigen Generationen berichten müssen.

Wir gehen diesen Weg mit Hannah… und haben Dounia und die kleine Elsa im Herzen.

Das versteckte Kind findet das Hannah-Projekt

Das versteckte Kind – Der Holocaust im Comic