Die Dschungelbücher. Wahre Kunstwerke von Gabriel Pacheco

Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco - Astrolibrium

Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco

Das Dschungelbuch war nie das Dschungelbuch. Spätestens seit meinem Artikel zu „Das Dschungelbuch“ in der interaktiven MinaLima-Prachtausgabe vom Coppenrath Verlag muss klargeworden sein, dass Rudyard Kipling niemals nur über Mowgli, Balou und Shir Khan schrieb, als er seine Dschungelbücher verfasste. Die Reduzierung auf eine einzige Kerngeschichte haben wir nicht zuletzt Walt Disney zu verdanken, der aus einer komplexen Sammlung von Erzählungen aus dem Jahr 1894 einen wundervollen, doch ziemlich vereinfachten Zeichentrickfilm gemacht hat. Seine Wirkung hält bis heute an und so manch bibliophil veranlagter Leser reibt sich verwundert die Augen, wenn er von der weißen Robbe Kotick als Teil des Dschungelbuchs hört.

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Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco

So sind im Lauf der Zeit einige der Tier-Protagonisten aus dem Dschungelbuch verschwunden, die für Rudyard Kipling die Komplexität der Welt ausmachten, die man in seinem Werk entdecken sollte. Darüber hinaus haben sich auch Bilder festgesetzt, in denen wir heute das wahre Dschungelbuch sehen. Interpretationsspielraum: Null. Es ist der Mowgli aus der Feder von Walt Disney, der zum optischen Synonym der Erzählung wurde. Es sind der tanzende Balou und die hypnotisierende Schlange Kaa, die für uns und unsere Kinder das Dschungelbuch ausmachen. In der MinaLima-Ausgabe fand ich den gesamten Kosmos, für den Kipling mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet und gefeiert wurde. Und doch waren auch hier die Illustrationen eher verspielt und niedlich. Nichts davon hat Kipling so geschrieben. Das pure Abenteuer lag seinen Erzählungen zugrunde. Wildheit, Gefahr und eine Welt jenseits unserer Vorstellungskraft haben aus seiner Sicht die Faszination Dschungel zu einem Erzählraum verdichtet, der einfach zu unheimlich und fremdartig ist, um ihn zu verniedlichen. Nun gibt es einen neuen Pfad in den Dschungel Kiplings…

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Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco

Die Dschungelbücher – Meisterhafte Illustrationen von Gabriel Pacheco

Einen neuen Zugang zu den Dschungelbüchern bietet die Interpretation aus der Feder des mexikanischen Szenografikers Gabriel Pacheco. Es ist hier nicht nur das Format, das jeden Buchliebhaber fasziniert. Es ist das gesamte Konzept dieses Buches aus dem Schweizer Bohem Verlag. Es wirkt, wie eine gebundene Vernissage, die den ursprünglichen Dschungel Kiplings mit neuem Leben füllt. Ein Buch, das Raum benötigt und ihn ausfüllt. Im Querformat erreicht es stolze 29 x 41 Zentimeter und hebt sich sehr deutlich von allem ab, was wir gewöhnlich als Bilderbuch bezeichnen. Es beinhaltet 17 Illustrationen, die im eigentlichen Sinne Kunstdrucke von Gemälden des mexikanischen Grafikers sind. Und diese Großformatbilder kann man heraustrennen und fein gerahmt an die Wand hängen, wenn man den Mut aufbringt dieses Buchkunstwerk zu zerstören. Ich könnte das nicht. Zu einzigartig ist die Kollektion an Bildern, die hier vereint wurden.

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Die Dschungelbücher von Gabriel Pacheco

Noch dazu, weil auf ihrer Rückseite wichtige Zitate aus den Dschungelbüchern in deutscher und englischer Sprache das jeweilige Bild in den Kontext der Erzählungen stellt. Ein optischer Hochgenuss, der eine eigene Ausstellung verdient hätte. Sicherlich kein Buch, das man einfach so ins Bücherregal stellt. Passt auch gar nicht rein. Glaubt mir. Aber ein Buchkunstwerk, das an Einzigartigkeit nicht zu übertreffen ist. Jedes Bild ein kleines Wunder. Jedes Betrachten mutiert sehr schnell zum Staunen und alle noch so kleinen Details lassen uns lange vor jedem einzelnen Bild verharren. Erstaunlich ist dabei für mich, wie gut es Pacheco gelingt, die Tiere des Dschungels mit der Natur so sehr zu verschmelzen, dass man einen grandiosen Eindruck von der Farbenvielfalt der Welt jenseits unserer Zivilisation bekommt.

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Und dann leuchtet uns das Fell des Panthers an, wie ein grandioses Farbenspiel, das der Vielfalt des Dschungels die Krone aufsetzt. Herdentiere werden zu grauen und unscheinbaren Wesen, die auf den zweiten Blick Kontur und Würde erhalten. Wer den Originaltext der Dschungelbücher neben diese fantastische Vernissage legt und so beide Welten genießt, die des Wortes und die des Bildes, der wird einen eigenen Pfad durch den Dschungel finden, der sich von den ausgelatschten Pfaden so unterscheidet, als hätte man noch nie zuvor von Rudyard Kipling gehört. Dieses Buch ist das perfekte Geschenk für Lesende und Kunstliebhaber zugleich. Ein Geschenk für Bibliophile und Büchersammler. Aber eben auch ein Kunstwerk, in dem man sich mit Kindern verlieren kann. Ich erinnere mich noch heute sehr intensiv an die ersten Bilderbuchbilder, die mir mein Opa mit ins Leben gab. Wer Gabriel Pacheco einmal betrachtet hat, wird sich ihm nicht mehr entziehen können. Und wer zuvor die Dschungelbücher noch nicht in Gänze gelesen hat, der wird nun den Wunsch verspüren, Elefanten, Robben, Mungos und ein paar Herdentiere ins Bild laufen zu lassen. Grandios…

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