Game of Thrones – Staffel 8 – Für den Thron

Game of Thrones - Staffel 8 - Astrolibrium

Game of Thrones – Staffel 8

„Die Nacht bricht an und meine Wache beginnt.
Sie wird erst mit meinem Tod enden.
Ich werde mir keine Frau nehmen,
kein Land, keine Familie.
Ich werde keine Krone tragen
und keinen Ruhm ernten.

Ich lebe und sterbe auf meinem Posten.
Ich bin das Schwert in der Dunkelheit.
Ich bin der Wächter auf den Wällen.
Ich bin das Feuer, das in der Kälte wärmt,
das Licht das den Morgen bringt,
das Horn, das die Schlafenden weckt,
der Schild, der das Reich der Menschen schützt.

Ich weihe mein Leben und meine Ehre der Nachtwache,
für diese Nacht und alle Nächte, die kommen werden.“

Lange habe ich durchgehalten und meinen Eid getreulich erfüllt. Lange Zeit stand ich auf der Mauer im Norden von Westeros und habe die Sieben Königslande vor dem Zugriff der Weißen Wanderer beschützt. Allzu lange habe ich ausgehalten. Bis es dann doch geschah, der untote Drache Visereon unseren Wall zum Schmelzen brachte und die Dämme brachen. Lange Zeit wähnten wir uns in Sicherheit, doch nun scheinen sich die Prophezeiungen zu erfüllen und Winterfell schwebt in größter Gefahr. Alles scheint auf die Entscheidung hinauszulaufen, wer am Ende der Tage auf dem Eisernen Thron sitzen wird. Das Game of Thrones sucht seinen Sieger. Doch auf welcher Grundlage?

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Game of Thrones – Staffel 8

Ich bin ein echter Fan der Buchreihe von George R.R. Martin, habe verkraftet, dass die HBO-Serie die unvollendete Reihe „Das Lied von Eis und Feuer“ überholt hat und sprintete mit „Game of Thrones“ in eine Staffelzukunft eines ungeschriebenen Finales. Ich bin in Abschiedsstimmung und schreibe diese Zeilen zur Halbzeit der 8. Staffel mit dem Titel „Für den Thron“. Drei Episoden trennen mich jetzt noch vom Ende und doch möchte ich meinen Abschied von Westeros schon heute beginnen. Ich versuche, nicht zu spoilern. Und wenn, dann habt Ihr es selbst in der Hand, wenn Ihr ganz bewusst auf ein Artikelbild klickt, das erst dann die Lösung eines kleinen Geheimnisses verrät. Jetzt sind wir also in Winterfell versammelt und warten vereint auf den Ansturm der Weißen Wanderer unter Führung des Nachtkönigs. Die Zinnen sind besetzt. Dothraki, Stämme des Norden, Unbefleckte und einige Thronanwärter haben sich eingefunden, um diese Festung zu verteidigen.

Insofern muss ich die ersten beiden Folgen dieser Staffel als Übergangsepisoden bezeichnen, da es ihre wesentliche Funktion war, all jene im Norden zu versammeln, die im Showdown der Schlacht von Winterfell ihr Leben für den Thron riskieren. Ob es der Intention von George R.R. Martin entspricht, was wir gerade zu sehen bekommen darf bezweifelt werden. Aktuellen Interviews zufolge hat er das Script der finalen Staffel nicht gelesen und für einen Besuch am Set fehlte ihm ebenfalls jede Zeit, da er gerade am vorletzten Band der Buchreihe schreibt. Unglaublich, aber wahr. „Winds of Winter“ scheint tatsächlich noch zu erscheinen. Doch darf man sich die Frage stellen, wer dies lesen würde, wenn man das Ende aus der TV-Serie kennt. Hier muss man aus meiner Sicht von einem der genialsten literarischen Schach- und Winkelzüge sprechen, die es in der Geschichte der Fantasy-Literatur je geben hat.

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Game of Thrones – Staffel 8

Trennen wir doch das TV-Format vom Buch. Warten wir das Ende im Fernsehen ab. Und dann werfen wir die beiden letzten Bücher auf den Markt und lassen weltweit den Leser entscheiden, wo Unterschiede liegen, ob sich die Enden der Geschichten ähneln oder ob sie völlig getrennt voneinander zu sehen sind. Nur dieser Spannungsbogen ist geeignet, der Buchreihe zu einem fulminanten Ende zu verhelfen. Dabei besteht sogar die Möglichkeit, dass wir am Ende zwei verschiedene Sieger des Game of Thrones auf dem hart umkämpften Eisernen Thron erleben. Insofern ist es nur allzu nachvollziehbar, dass sich der Autor von der Finalstaffel der Serie distanziert. Er selbst gibt vor, nicht zu wissen, wie sie endet. Und wir fressen ihm aus der Hand. Womit? Mit Recht. Denn wir wissen schon lange, worauf es hinausläuft und wer süchtig ist, der schafft es nicht, den bösen Geistern aus Westeros zu entsagen. Also ich schaffe es nicht.

So sitze ich gebannt vor dem Fernseher und genieße jede einzelne Folge. Ich bin tief verstrickt in die Handlung. Bin angsterfüllt, weil ich seit der „Roten Hochzeit“ jedes vertrauen in den Autor verloren habe, dass er meine Lieblingscharaktere, ohne die ich mir die Welt der Sieben Königslande nicht vorstellen könnte, verschonen würde. Treue wird nicht belohnt. Liebe stößt nicht auf Gegenliebe und das Unvorhergesehene ist die Regel. Jetzt fürchte ich um das Leben von Sir Jora Mormont, um Brienne von Tarth, um die kleine Lady Mormont auf Winterfell und natürlich um meine Thronfavoriten Jon und Daenerys. Ich kann mir kaum vorstellen, Arya Stark oder Sansa zu verlieren. Und eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass ich jemals am Ende der Saga angelangen werde. Punkt!

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Game of Thrones – Staffel 8 – Die Opfer der Schlacht von Winterfell – Ein Klick zum Spoiler

Und doch naht das Ende. Die Schlacht von Winterfell ist geschlagen und ich sitze wie ein Feldherr vor den Verlustlisten des Gemetzels. Abschiednehmen ist schwer vor dem Hintergrund, dass es ausgerechnet jene Charaktere trifft, die sich gerade ins Herz der Zuschauer gespielt haben, oder eben schon lange eine wichtige Rolle einnehmen. Meine persönliche Verlustliste ist in diesem Artikel hinter dem Artikelbild verborgen, auf das Ihr schon ganz bewusst klicken müsst, um den Spoiler zu sehen. Selbst schuld. Ich habe ja bereits gesagt, dass ich nicht offen spoilern werde. In rein technischer Hinsicht muss ich Euch empfehlen, „Die lange Nacht“ in absoluter Dunkelheit zu verfolgen. Auf Winterfell ist es dunkel, wenn die Schlacht beginnt. Etwas heller wird es nur, wenn der Eisnebel des Nachtkönigs die Szenerie bestimmt. Reflektionen auf dem Bildschirm bei Tageslicht vermindern den Sehgenuss dramatisch. Lasst es Nacht werden und kämpft um die letzte Bastion des Nordens.

Ich werde bis zum bitteren Ende ganz nah am Geschehen sein. Ich bin immer noch davon überzeugt, Zeuge einer großen Serie zu sein. Hier ist nichts zufällig. Es gibt sehr viele Anknüpfpunkte an den Beginn der Serie. Zitate spielen eine große Rolle. Arya ist hierfür ein gutes Beispiel. Unvergessen: Staffel 1. Arya Stark und ihr Fechtlehrer Syrio Forel. Eine kleine Finte und seine Frage: „Was sagen wir dem Gott des Todes?“ „Nicht heute“ lautete ihre Antwort. Eine Lehre, die sie nie vergessen hat. Und so docken viele große Momente der Finalstaffel an ihren Ursprung an. Augenfarben spielen eine Rolle, Symbole und Vorhersagen. Augenblicke des Staunens werden durch Erlebnisse in der Vergangenheit plausibel und bewegend. Wer jemals das Lächeln einer Frau sah, die in der 82. Folge Der Ritter der Sieben Königslande den Ritterschlag erhielt, wird wissen was ich meine. Das ist und bleibt ganz großes Kino. Und ganz nebenbei handelt es sich hierbei um die sehr gelungene Reprise des Prequels Der Heckenritter von Westeros. Kreise schließen sich und die Überleitung zu möglichen Spin-Offs der TV-Serie scheint schon hier angelegt zu sein. (Den Ritterschlag verrät ein Klick aufs nächste Foto!)

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Game of Thrones – Staffel 8  – Mit einem Klick zum Spoiler – Ritter der Sieben Königslande

Hier geht es schon bald weiter. Schritt für Schritt in die Zukunft. Bis zu ihrem Ende und vielleicht noch ein wenig darüber hinaus. Ich werde meine Wunden lecken, um die Weggefährten trauern, die es nicht geschafft haben, Winterfell zu halten und dann mag ich mich fallenlassen. Drei finale Episoden stehen noch aus. Dieser Artikel wird Schritt für Schritt fortgesetzt. Bis zum bitteren oder fröhlichen Ende.

Update nach Episode 4 / Staffel 8 „Die Letzten der Starks“

Nach der Schlacht ist vor der Schlacht, könnte man sagen. Am Tag nach der langen Nacht von Winterfell gilt es die Toten zu betrauern, die Überlebenden auf die letzte und entscheidende Schlacht einzuschwören und das Leben noch einmal so richtig zu feiern. Eine Transferfolge ist das jedoch nicht. Dafür ereignen sich zu wichtige Dinge, um sich lediglich zurücklehnen zu können und durchzuatmen. Auch in dieser Episode verlassen uns Charaktere, die ans Herz gewachsen sind. Es wird emotional und lässt niemanden kalt. Auf geht´s nach Königsmund. Der Showdown wird vorbereitet und wo Feldherren normalerweise darauf setzen, ihre Streitmacht nicht aufzuteilen, trennen sich auf dem Weg zur Hauptstadt der Sieben Königslande die Wege der Verbündeten gegen die im Moment auf dem Eisernen Thron sitzende Cersei Lennister.

Game of Thrones wäre nicht Game of Thrones, wenn sich nicht schon jetzt erste Verschwörungen und Machtspiele in den Reihen der „Befreier“ abzeichnen würden, als gälte es, das Fell des Bären zu verteilen, bevor er erlegt ist. Aus Sicht der Begleiter dieser epischen Serie war dieses Denken schon immer fatal. Kein Spannungsabbruch, keine unglaubwürdigen Wendungen, keine Langeweile. Es geht weiter mit Helden und Heldinnen. Männern, die plötzlich zu Fürsten werden; Frauen, die sich nicht als Ladies verstanden wissen wollen und den Avancen widerstehen; käuflichen Meuchelmördern, die sich wieder einmal bestechen lassen; Rittern, die mit Rittern schlafen; Thronfolgern, die gar nicht auf den Thron wollen und hoffentlich einer Requisite, der es gelingt, einer ritterlichen Tafel den Anblick eines neuzeitlichen Coffee-to-go-Bechers zu ersparen.

Den berühmten Becher könnt Ihr sehen, wenn Ihr das folgende Bild anklickt. Bald ist es soweit und wir sehen uns wieder. Spätestens nächste Woche vor Königsmund.

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Game of Thrones – Staffel 8 – Ein Kaffeebecher im Set – Ein Klick genügt

Von Schattenwölfen, Drachen und einem wahren Thronfolger [Spoiler]

Jon Snow. Wohl kaum ein Charakter durchlebt in Game of Thrones eine Entwicklung, die vom Bastard zum wahren Thronerben reicht. Der Norden liegt in seinem Herzen, in seinen Genen jedoch verbirgt sich das Blut der Targaryens (im Original Dragonstone). So vereint sich in seiner Person der Titel der Buchreihe, weil seine Geschichte in allen Facetten der Geschichte für „Das Lied von Eis und Feuer“ steht. Die Kälte im Norden vereint sich in ihm mit dem Feuer der Drachen. Kein Zweiter besitzt einen Schattenwolf und einen Drachen zur gleichen Zeit. Ghost und Rhaegal. Der Wolf, der ihn durch sein Leben begleitete und der Drache, der sich von Jon Snow reiten ließ. Fabelwesen, mit denen sein Schicksal eng verbunden ist. Identität und Heimat werden für Jon Snow zu den Variablen seiner Existenz. Sein Charisma liegt jedoch genau in dieser Ambivalenz begründet.

Deutlich wird der innere Konflikt in der 4. Episode der Finalstaffel. Er verliert den Drachen auf tragische Weise. Und als er seiner Königin nach Königsmund folgt, um in den Kampf um den Thron einzugreifen, toben zwei Seelen in seiner Brust. Hat er einen Anspruch auf den Thron? Ist Daenerys wirklich seine Tante? Würden die Menschen in den Sieben Königslanden ihm wirklich folgen? Kostet ihn seine wahre Herkunft nun die Liebe seines Lebens. Konflikte, an denen mancher zerbrechen würde. Er jedoch steht seinen Mann, soweit es möglich ist. Die innere Bereitschaft dazu erkennt man, als der Abschied von Ghost bevorsteht. Es ist die Abkehr vom Norden, der innere Bruch mit seiner Heimat, als er den Schattenwolf ziehen lässt, ohne sich zu verabschieden. Das fällt ihm sichtlich schwer. Und doch belegt Szene die große Komplexität der Serie. Das ist schon im ersten Band der Buchreihe angelegt und wird nun konsequent zum Ende geführt. Wo steht er im Finale? Zwischen allen Stühlen, heimatlos und verloren? Bald sind wir schlauer, was die Zerrissenheit aus einer der wichtigsten Personen der Serie macht. Der Norden vergisst nicht. (The North Remembers)!

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Game of Thrones – Staffel 8 – Identität und Herkunft

Dringende Reisewarnung für den Großraum Königsmund [Episode 5 von 6]

Das Auswärtige Amt der Sieben Königslande“ sieht sich nach den Ereignissen der letzten Stunden dazu veranlasst, eine dringende Reisewarnung für die Hauptstadt von Westeros auszusprechen. Reisenden wird dringendst geraten, von Reisen Abstand zu nehmen. Anhaltende Straßenunruhen in ganz Königsmund, die unsichere Lage in der Schwarzwasserbucht und die widersprüchliche Nachrichtenlage über den Zustand der Regierung in der Hauptstadt von Westeros, sowie die Gefahr von Luftangriffen lassen in der momentanen Situation nur die Empfehlung zu, von nicht dringend erforderlichen Reisen an die Ostküste des Landes abzusehen.

Reiseveranstalter, wie HBO-Touristics oder R.R.-Martin-Travels, bieten derzeit an, anstehende Reisen kostenlos zu stornieren. Für bereits im Land befindiche Touristen wird die Reiseleitung vor Ort bei Bedarf mit tagesaktuellen Anpassungen der Ausflüge oder Touren reagieren. Die Hotels in der direkten Umgebung des Roten Bergfrieds in Königsmund sind im Moment nicht mehr in der Lage, neue Gäste aufzunehmen. Wer trotz dieser Reisewarnung weiterhin die Reise antreten möchte, wird dringend ersucht, sich in einer eigens errichteten Zeltstadt vor den Toren der Hauptstadt bei Mitarbeitern der Übergangsregierung zu melden. Wir drücken die Daumen und verlegen jetzt auch das Pressezentrum in einen ruhigeren Landesteil. Wir lesen uns im Finale!

Game of Thrones - Staffel 8 - Reisewarnung - AstroLibrium

Game of Thrones – Staffel 8 – Reisewarnung

The Final Countdown….

Braune, blaue und grüne Augen. Ein Augenpaar bleibt noch, das von Arya für immer geschlossen werden muss. Bewahrheiten sich die alten Prophezeiungen? Sind es die grünen Augen der Herrin der Drachen? Wie endet alles. Ich kann es kaum erwarten.

Game of Thrones - Staffel 8 - The Final Countdown

Game of Thrones – Staffel 8 – The Final Countdown

Der eiserne Thron – Die finale Episode

Der letzte Abspann liegt nun hinter mir. Ich habe meinen Frieden mit dem Ende der HBO-Serie gemacht. Hoch waren meine Erwartungen. Unvorhersehbar blieb alles bis zur letzten Sequenz. Kann man jetzt zufrieden sein? Hätte man sich ein anderes Finale gewünscht? Kam das Ende zu schnell? Fragen, die ich für obsolet halte. Ein Vergleich mit der Buchvorlage scheidet aus. Wir wissen nicht, wie George R.R. Martin die Serie abgeschlossen hätte. Es gab nur eine grobe Richtschnur, die den Machern von „Game of Thrones“ als Orientierungshilfe diente. Insofern können wir nur auf die Fortsetzung der Buchreihe warten, um das Finale wirklich bewerten zu können.

Und hier erfüllten sich meine Spekulationen. Hätte es irgendeinen Sinn in den noch ausstehenden Büchern die Fernsehserie nachzuerzählen? Wer würde das lesen? Hier muss es Freiraum für Überraschungen geben. Hier musste die Serie für einige Figuren offen enden, damit Martin die Chance hat, am Ende der Buchreihe den Blick weiter ins Land schweifen zu lassen. Er hat Joker im Ärmel. Die hatte er schon immer und mir ist völlig klar, dass die finalen Bände der Buchreihe die grobe Richtschnur der HBO-Serie aufnehmen, uns dann aber mit neuen Perspektiven überraschen. Anderes war nicht zu erwarten. Ich persönlich empfinde dies als geschickt und gelungen.

Emotional hat mich die letzte Folge dort abgeholt, wo ich abgeholt werden wollte. Große Momente und geschlossene Kreise bleiben in Erinnerung. Eine Ritterin, die der niedergeschriebenen Geschichte ihrer unerfüllten Liebe ein neues Ende gibt; ein Epos mit dem Titel „Das Lied von Eis und Feuer“, das plötzlich auf dem Tisch liegt und uns alle einbezieht; Starks, deren Wege sich trennen und die doch im Herzen vereint sind. By the way, für mich eine der ganz großen Sequenzen der gesamten Staffel. Schnelle Schnittfolgen, detailverliebte Kameraperspektiven, göttliche Ausstattung, ruhige Musik und Schauspieler, die an ihren Rollen gewachsen sind, leiten in ein Zeitalter nach den großen Schlachten über. Ein emotionales Ende, das den Neubeginn schon in sich trägt. Und nicht zuletzt ein Schattenwolf, der seinem Herrn die verlorene Identität zurückgibt. Ich schrieb bereits über Schattenwölfe, Drachen und einen wahren Thronfolger. Es ist Ghost, der das Ende überstrahlt.

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Game of Thrones – Staffel 8 – Ein Abschied aus Westeros

Ich habe meinen Frieden gemacht. Ich bin froh und dankbar. Und zugleich freue ich mich auf das, was noch kommt. Auf die ungeschriebenen Kapitel der Bücher. Und dann werde ich die Fäden dieses Artikels wieder aufnehmen und Westeros weiter erkunden. Wer weiß, vielleicht sehen wir uns schon bald im Westen des Landes wieder. Dort, wo noch niemand zuvor war. Irgendwann, jedoch „Nicht heute“…

~  ~  ~ FINIS ~  ~  ~

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Game of Thrones – Staffel 8 – Ein Abschied

Eine Übersicht meiner Artikel zu diesem Thema findet Ihr auf meiner Projektseite „Game of Thrones“. Hier erfahrt Ihr alles über meinen wilden Ritt durch Westeros, die Hoffnungen und Leiden eines Fans der Sieben Königslande und natürlich alles über die Bücher, Hörbücher, Atlanten, Behind-the-Scenes-Dokumentationen und Schätze, die ich am Wegesrand aufgelesen habe.

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Game of Thrones – Staffel 8

„Der Fall von Gondolin“ von J.R.R. Tolkien

Der Fall von Gondolin – J.R.R. Tolkien

Eine einzige Kugel hätte genügt, ein verirrtes Schrapnell, ein Granatsplitter, eine Handgranate oder ein Giftgasangriff. All dies gehörte 1916 während der Schlacht an der Somme zum Standard-Repertoire des Ersten Weltkrieges, von dem man natürlich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, dass er jemals so genannt würde, weil ihm ein noch menschenverachtenderer Zweiter Weltkrieg folgen sollte. Ein Toter mehr wäre damals nicht weiter aufgefallen. Egal auf welcher Seite. Der Name des gefallenen Soldaten und sein Grab wären heute auf den großen Soldatenfriedhöfen zu finden. Ein Gedanke, der mich immer begleitet, weil ER wie durch ein Wunder verschont blieb.

J.R.R. Tolkien. Er hat einfach Glück gehabt. Oder sind es wir, die hier von Glück reden können, weil der wohl größte Fantasy-Autor des 20. Jahrhunderts diesen Krieg überlebt hat? Auch, wenn ihn keine Kugel getroffen hatte, das Gemetzel an der Front blieb nicht ohne Folgen. Liest man „Der Herr der Ringe“ aufmerksam, so wird man die Szenarien der großen Schlachten, die schlammverkrusteten Orks und die Schrecken des Krieges besser einordnen können, wenn man weiß, welche Hölle J.R.R. Tolkien selbst überlebt hatte. Alles was er schrieb war vom Weltkrieg inspiriert. Und vieles hat die Struktur des Schreibens mit jenem Weltenbrand gemeinsam.

Der Fall von Gondolin – J.R.R. Tolkien

Sprechen wir vom „Hobbit“ und dem „Herrn der Ringe“, dann sprechen wir vom Dritten Zeitalter von Mittelerde. Als er 1916 mit dem Schreiben seines Epos begann, war ihm als Autor ebenso wenig klar, dass er das Erste Zeitalter beschrieb, wie es dem Soldaten unklar war, dass er im Ersten Weltkrieg kämpfte. Was danach kam, war völlig offen. Dass Tolkien zu seinen Lebzeiten nur Geschichten aus dem Dritten Zeitalter der Saga veröffentlichen konnte, gehört heute zu den großen Mythen, die Mittelerde für die Nachwelt so interessant machen. Als man ihn nach dem Erfolg vom Hobbit darum bat, doch einen zweiten Teil zu schreiben, wollte man nicht glauben, dass er ein Manuskript vorlegte, das die Verlagswelt sprengte.

Er hatte alles skizziert, alles fertig, alles im Kopf. Drei komplette Zeitalter hatten sich in ihm manifestiert und eigentlich hätte er nach dem Hobbit gerne mit Geschichten vom Anbeginn der Zeit aufgewartet. „Der Herr der Ringe“ jedoch erschien stattdessen und zum Entsetzen der Verleger gar nicht als Geschichte, die man auch Jugendlichen zum Lesen geben könnte. Jeder zweifelte. Vom Erfolg waren alle überrascht. Tolkien wollte den gesamten Zyklus beenden, formulierte bis zu seinem Lebensende an Notizen und Manuskripten herum, um alle Zeitalter abzudecken. Vergebens. Es war zu komplex. So viel Zeit blieb ihm nicht. Dass wir heute aus dem Vollen schöpfen können, ist dem Sohn des großen Autors zu verdanken.

Der Fall von Gondolin – J.R.R. Tolkien

Christopher Tolkien hat sich dem Nachlass seines Vaters verschrieben und vielen Geschichten zum Leben verholfen, die sein Vater nur skizziert hatte. Drei Erzählungen aus dem Ersten Zeitalter sind von großer Bedeutung für die spätere Saga. „Die Kinder Hurins“, „Beren und Lúthien“ und letztlich „Der Fall von Gondolin“ verdeutlichen, wie tief das Dritte Zeitalter in der Vergangenheit verwurzelt ist. Sie zeigen auf, wo der Weg von Elben und Menschen begann, wo Konflikte und Feindschaften entstanden, und wie sich das Böse über Jahrtausende manifestieren konnte. Eigentlich hätte es die nun bei Hobbit Presse veröffentlichte, aufwendig von Alan Lee illustrierte, Erzählung „Der Fall von Gondolin“ niemals geben dürfen. Eigentlich hatte Christopher Tolkien schon beim letzten Buch das Handtuch geworfen und behauptet, es sei im Alter von 93 Jahren sein letztes Werk als Herausgeber. Er hat seine Meinung revidiert. Mit 94 Jahren überzeugt er erneut als Chronist, Diarist und Kollektor der Manuskripte, Briefe und Notizen seines Vaters. Nur ihm ist zu verdanken, dass wir die legendäre Elbenstadt Gondolin betreten dürfen. Zum ersten und zum letzten Mal. 

Zeit, unsere Tolkien-Bibliotheken um ein, vielleicht letztes, Highlight zu erweitern. Zeit, den ersten beiden verschollenen Geschichten aus dem Ersten Zeitalter die große dritte zur Seite zu stellen. Zeit, diesen Kreis endlich zu schließen und damit auch einer Geschichte die Bühne zu bieten, die sie in der vollständigen Fassung verdient hat. Und Zeit, die Großeltern des großen Elrond vom Bruchtal kennenzulernen. Hier finden die Stammbäume zusammen, hier finden Elben zu Menschen und hier wird begreifbar, wie tief ihre Verbindung ist. Lange Zeit bevor ein gewisser Aragorn sich in Elronds Tochter Arwen verliebt und den Bund aus Elben und Menschen mit neuem Leben füllt.

Der Fall von Gondolin – J.R.R. Tolkien

Die gleißend weiße Stadt Gondolin wird zum Schauplatz einer großen Geschichte. Einer Geschichte, die mit ihrem heldenhaften Untergang endet, in deren Mittelpunkt die epische Schlacht der Elbengeschlechter gegen die Heerscharen Melkors, dem Urvater allen Bösen steht und die zwei Liebende auf ewig miteinander vereint, ohne die es eine Fortsetzung dieser Legende nicht gegeben hätte. Christopher Tolkien veröffentlicht hier nicht nur die vollständige Geschichte vom Untergang einer mächtigen Stadt, er spürt in allen verfügbaren Mittelerde-Quellen Ursprünge und Entwicklungen jener Erzählung auf und lässt uns an einem kleinen literaturwissenschaftlichen Puzzlespiel teilhaben. Es ist dabei eine wahrlich bedeutende Geschichte, die er uns an die Hand gibt.

Ein Mensch, der zur Warnung vor den Orks entsandt wird, ein Elbenkönig, der sich zu mächtig fühlt, ihn ernst zu nehmen. Seine Tochter, die sich in den Menschen verliebt und ein gemeinsames Kind, das zum Ursprung späterer Legenden wird. Eine Schlacht, die epischer nicht sein könnte, Kriegsgeräte und -geschöpfe, die grausamer nie waren ein großer Verrat, der hinterhältiger selten verfasst wurde und Opfergänge, die noch in späteren Jahrhunderten an den Lagerfeuern in Mittelerde besungen wurden. Wir sehen Gondolin untergehen, doch zugleich erkennen wir den Ursprung für den Zusammenhalt späterer Gefährten. Wer einmal in seinem Leben dem einen Ring folgte, wer einmal nur den Abendstern berührte, wer einmal dem Bösen ins Auge geschaut hat, wird sich hier zuhause fühlen. Und mehr als das.

Der Fall von Gondolin – J.R.R. Tolkien

Möge Christopher Tolkien ewig leben und Der Fall von Gondolin nicht das Ende von allem sein. Und wenn es doch so kommen sollte, dann wäre es ein sehr würdiges Ende.

Der Fall von Gondolin – J.R.R. Tolkien

„Die Hexenholzkrone 2“ von Tad Williams – Osten Ard erzittert

Die Hexenholzkrone (2) von Tad Williams

Vieles ist passiert, seit ich die Hexenholzkrone (1)von Tad Williams gelesen und gehört habe. Ich habe die Welt von Osten Ard erneut für mich entdeckt, bin alten und neuen Weggefährten begegnet und habe mich nach 23-jähriger Abstinenz im Reich der Menschen, Nornen und Sithi wie zuhause gefühlt. Und ich hatte das einmalige Privileg, den Schöpfer dieser Legenden persönlich zu treffen und ihm in einem Interview auf der Frankfurter Buchmesse alle Fragen zu stellen, die mir auf dem Herzen lagen. Auch jetzt noch höre ich es mir immer wieder an, weil Tad Williams in diesem Interview ein paar Details verraten hat, die mir das Lesen und das Herz ein wenig leichter machen.

Zum Beispiel habe ich die Suche nach der Wölfin Quantaqa aufgegeben, weil mir ihr Schöpfer versichern konnte, dass sie in Binabiks Gesellschaft am Ende eines lange währenden Lebens friedlich eingeschlafen ist. Das tröstet, weil es eben in den Büchern nicht zu lesen ist und mir diese Wölfin ans Herz gewachsen war. Doch andere Suchen konnte ich nicht aufgeben und so stürzte ich mich freudig erregt in den zweiten Teil der Hexenholzkrone, wissend alle Handlungsfäden sofort wieder in Händen zu halten, die aus dem ersten Teil der auf vier Bände angelegten Reihe „Der letzte König von Osten Ard“ herausragten und nach mir griffen.

Die Hexenholzkrone (2) von Tad Williams

Hier sind wir nun angelangt. Am Ende der alten Legenden

„Der Drachenbeinthron“
„Der Abschiedsstein“
„Die Nornenkönigin“
und
„Der Engelsturm“

Am Ende des so wichtigen Sequels:

Das Herz der verlorenen Dinge

Das Herz der verlorenen Dinge und Die Hexenholzkrone von Tad Williams

Und auch am Ende des Auftaktes der epischen Fortsetzung

„The Witchwood Crown“ – „Die Hexenholzkrone 1 und 2

Und hiermit sind wir an der Schwelle zu den letzten beiden Teilen angelangt

„The Empire of Grass“ – „Das Graslandimperium“
„The Navigator´s Children“- „Die Kinder des Seefahrers“

Dann werden wir wissen, wer der letzte König von Osten Ard ist. Dann werden die Rätsel um die alten Prophezeiungen gelöst sein und wir können am Lagerfeuer unsere eigenen Geschichten erzählen, die uns mit diesen Legenden verbinden. Doch zunächst heißt es, der „Hexenholzkrone (2)“ die volle Aufmerksamkeit zu schenken, um auf der Höhe der Ereignisse zu bleiben und nicht das kleinste wichtige Detail zu verpassen. Die Rezension dieses Buches ist für mich gleichzeitig auch eine Lesensversicherung, die es mir leichter machen wird, das „Graslandimperium“ zu erobern.  

Die Hexenholzkrone (2) von Tad Williams

Man kann von der Fortsetzung einer Buchreihe nach 23 Jahren viel erwarten. Mit neuen Welten in Berührung zu kommen, neue Abenteuer in der Tradition der Legenden von einst zu erleben und neben den alten Gefährten auf neue Charaktere zu treffen, die fortan die Geschichte prägen. Tad Williams jedoch leistet in seinem neuen Aufzug vor der Bühne von Osten Ard wesentlich mehr. Am Ende aller Entwicklungen lernen wir die Regentin Miriamel erst richtig kennen. Einst ein junges, verliebtes Mädchen aus gutem Hause agiert sie nun klug, listig, diplomatisch und weise, als sei dies schon immer ihre Bestimmung gewesen.

Ihr Königsgemahl Simon Schneelocke wirkt wie der Küchenjunge von damals an ihrer Seite und doch ist er es, der sie mit seiner Liebe in der Balance hält. Ohne ihn ist Miriamel nur eine Hälfte des Königreichs, ohne ihn würde ihr der Halt fehlen, den sie in schweren Zeiten so dringend benötigt. Das unerwartete Erwachen der Nornenkönigin leitet den finalen Akt der großen Saga ein und mit ihr kehrt die alte Feindschaft mit den Menschen zurück. Es entbrennt der Kampf um den Thron von Osten Ard. Wer wird der letzte König sein, der vom Hochhorst aus regiert? Wer gewinnt die Überhand? Nicht die einzige Frage, der sich „Die Hexenholkrone (2)“ in aller Tiefe widmet.

Die Hexenholzkrone (2) von Tad Williams

Was will die „Klaue“ der Nornenkönigin“ mit einem lebendigen Drachen? Was hat Baumeister Vyjeki zu erwarten? Welches Projekt soll er vollenden, um den Nornen zu alter Macht zu verhelfen? Wann und wo beginnt der erneute Krieg der Erzfeinde? Oder hat er bereits begonnen? Sind die kleinen Scharmützel an den Rändern der Handlung viel mehr als wir vermuten? Eingeflochten in diese Gefahr gehen neue und alte Helden ihren neuen und alten Leidenschaften nach. Graf Eolair wagt die gefahrvolle Reise zu den Verbündeten von einst, um dem Enkel von Simon und Miriamel zu beweisen, dass die alten Legenden wahr sind und Morgan seine Rolle als Thronfolger gegenwärtig zu machen.

Jiriki und Aditu nach 23 Jahren wieder zu begegnen und ihnen am Lagerfeuer zu lauschen ist zweifellos der Gänsehautmoment dieses Buches. Die Sithi-Geschwister waren damals die engsten Verbündeten des jetzigen Königs Simon Schneelocke. Doch warum haben sie seit dem Sieg über die Nornen geschwiegen? Was hat sich ereignet und welches sterbliche Geheimnis trägt Aditu in ihrem Körper? Jene unsterbliche Sitha, von der man früher immer sagte:

„Mit ihr zusammen zu sein, selbst in den furchterregendsten Momenten, hieß, Licht an einem dunklen Ort zu finden.“

Auch Nabban kommt nicht zur Ruhe. Eine heikle königliche Mission bringt Miriamel ins Zentrum eines Streits und damit ins Herz eines Landes, in dem Unwer seine Liebe und seine Heimat verlor. Angesichts eines Wolfsrudels im Wald jedoch zeigt sich seine wahre Herkunft. Eine alte Prophezeiung erfüllt sich Schritt für Schritt. Halbblut Nezeru und Jarnulf wagen den Kampf gegen einen Drachen. Fatal nur… ein Drachenbaby zu fangen ruft meist seine Mutter auf den Plan. Über allem steht Jarnulfs Schwur auf dem Spiel. „Nornen töten“. Doch wie soll er seiner Mission folgen, wo er sich doch gerade Nezeru mehr als verbunden fühlt?

Die Hexenholzkrone (2) von Tad Williams

Diese Mosaiksteine formen sich zu einem immer komplexeren Bild von Osten Ard und wir lesen und hören uns auf der Wanderung durch diese epische Welt immer tiefer in die schwelenden Konflikte hinein. Die Lage erfordert die Trennung des Königspaars. Damit wird eine Lawine der Ereignisse losgetreten, die uns durch die folgenden Bände tragen wird. Ob wir lesen oder Andreas Fröhlich in der Hörbuchfassung folgen, egal, wir können nicht mehr entkommen. Zu ungewiss ist die Zukunft, zu unvorhersehbar ist das Schicksal unserer Weggefährten, zu spannend ist das Epos.

Wie die Hexenholzkrone (2) endet? Mit welchen Cliffhangern dieses Buch überleitet und welchen Spannungsbogen es auf den letzten Seiten unterbricht? Fragt mich nicht. Aus bester Erfahrung gönne ich es Tad Williams nicht, mich am Ende auf die Folter zu spannen. Oft musste ich zu lange auf seine Fortsetzungen warten. Oft war es einfach nicht auszuhalten, bis ich weiterlesen durfte. Ich habe genau 50 Seiten vor dem Ende aufgehört zu lesen und zu hören. Meine Notizen und diese Rezension tragen mich auf meiner Welle in die Zukunft. Und erst, wenn Das Graslandimperium erscheint, werde ich mir die Cliffhanger gönnen, mit denen mich Tad Williams in die Fortsetzung dieser grandiosesten aller Fantasy-Reihen treibt. Und nun beginnt das Warten…

Die Hexenholzkrone (2) von Tad Williams

Mit Tad Williams zurück nach Osten Ard

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Ich bewege mich ganz langsam, versuche keinen Lärm zu machen und mich ganz unauffällig zu verhalten. Ich kann es nicht glauben endlich wieder hier zu sein. Ich kann kaum glauben, Namen zu vernehmen, die mir so vertraut sind, als hätte ich sie gestern zuletzt gehört. Dabei ist es nun inzwischen schon mehr als 25 Jahre her, seit ich Osten Ard zum ersten Mal betreten habe. Die frühen 1990er Jahre haben mich in diese ganz eigene Welt aus der Feder von Tad Williams entführt. Die Buchreihe „Das Geheimnis der großen Schwerter“ erzählte von einem sagenumwobenen Land, in dem Menschen miteinander und gegen Elbenwesen um die Vorherrschaft kämpften. Nornen und Sithi verfolgen mich seitdem noch manchmal in meinen Träumen.

Der Drachenbeinthron
Der Abschiedsstein
Die Nornenkönigin
und
Der Engelsturm

bildeten eine Tetralogie, die mit ihren verschlungenen Handlungsebenen bestach und dem Genre High-Fantasy nach langer Zeit wieder eine Krone aufzusetzen vermochte. Ich begleitete den jungen unbedeutenden Küchenjungen Simon Schneelocke auf sein großes Abenteuer in einer Welt voller Feinde. Ich sah ihn zuletzt am Ende eines langen Weges als Hochkönig von Osten Ard. Verheiratet mit der wunderschönen Prinzessin Miriamel regiert er in meinem Herzen seitdem vom Hochhorst aus und folgt damit einer Bestimmung, die sich ihm lange nicht erschließen wollte. Die Nornen sind besiegt, ihre ungleichen, jedoch ebenso fast unsterblichen Verwandten, die Sithi, haben Frieden mit allen Menschen geschlossen und sind diesen durch lose Bündnisse verpflichtet. Einige tapfere Weggefährten Simons haben diese Abenteuer nicht überlebt, die Treuesten von ihnen jedoch sind wohlauf und genießen den lang ersehnten Frieden.

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

1994 hieß es für mich, Abschied zu nehmen, Osten Ard zu verlassen und in neue Welten einzutauchen. Und doch habe ich diese Geschichte niemals vergessen. Es galt drei Schwerter miteinander zu vereinen. Dorn, Leid und Hellnagel trafen zuletzt in der alles entscheidenden Schlacht aufeinander, berührten sich und entschieden den lange schwelenden Krieg zwischen den Menschen untereinander, den Nornen und Sithi und jenen geheimnisvollen Wesen, die sich allen Seiten angeschlossen hatten. Am Ende war es ein wackeliger, jedoch hart umkämpfter Frieden, der Osten Ard einte. Eine gute Zeit, mich aus dem Staub zu machen und Gras über die Sache wachsen zu lassen. Es war mir eigentlich klar, dass es keine Rückkehr auf den Hochhorst geben würde. Auch Tad Williams hatte anderes vor. Es galt neue Geschichten zu erzählen. Epische Mehrteiler wie „Otherland“ oder „Shadowmarcherblickten das Licht der Bücherwelt. Osten Ard schlief den tiefen Schlaf einer fast vergessenen Welt. Fast vergessen.

Während die guten Gefährten aus alten Tagen zwischen dicken Buchseiten schliefen und Fantasybegeisterte sich auf den Weg nach Westeros begaben, um dem „Game of Thrones“ beizuwohnen (dessen Autor George R.R. Martin in vielen Interviews auf Tad Williams als seine Inspirationsquelle verwies), hatten die wahren Fans Osten Ard nicht vergessen. So viele Fragen nach einer möglichen Fortsetzung musste Tad Williams in den letzten Jahren beantworten, dass er nun selbst mit jenem Gedanken spielte, in das Land seiner Fantasie zurückzureisen, um zu schauen, was sich so getan hatte. Wenn man diesen Schriftsteller kennt, dann weiß man, dass eine solche Reise immer mit den epischsten Konsequenzen für seine Leser verbunden ist. Gottlob.

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Was soll ich sagen? Er hat es getan. Wir sind zurück in Osten Ard, nachdem er wohl der Meinung war, die allzu offenen Fragen am Ende der Tetralogie in einer neuen Saga aufgreifen und einer Lösung zuführen zu können. Ich hörte den Schlachtenlärm, hörte die Rufe zu den Waffen und fand mich inmitten einer Streitmacht jener legendären und ungeschlagenen Rimmersmänner wieder, die dem Frieden nicht trauen wollten. Kann es wirklich wahr sein, dass die geschlagenen Nornen immer noch keine Ruhe geben? Konnte es sein, dass die versprengten flüchtenden Gruppen auf ihrem Rückzug in ihre Hochburg im Norden immer weitere Kämpfer um sich scharten. Und was beinhaltet der Sarkophag, den sie in ihrer Mitte tragen?

Das Herz der verlorenen Dingesetzt genau da an, wo „Der Engelsturm“ endete. Es ist, als wäre ich nie fort gewesen und als hätten sich alle dunklen Ahnungen nun in aller Konsequenz bewahrheitet. Unter dem Kommando von Herzog Isgrimnur und in allerbester Gesellschaft mache ich mich auf die Verfolgung der Nornen. Osten Ard ist erneut in Gefahr und die Macht der Nornen scheint nur erschüttert, nicht gebrochen. Es sind die vielen Nornenvölker, die sich nach der Niederlage treffen. Die Baumeister, die Sänger und die opferwilligen Krieger. Den Untergang des ganzen Volkes gilt es nun zu verhindern. Und dies scheint nicht unmöglich, haben die Nornen doch noch einige gute Trümpfe im Elbengewand, mit denen sie Angst und Schrecken verbreiten können.

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Unstrittig. Es ist gelungen. Tad Williams hat es geschafft, mich in den Sog meines früheren Lesens zurückzuziehen. Der Strudel ist gewaltig. Und das in einem Buch, das man eigentlich vorsichtig nur als „Sequel“ bezeichnen kann. Die Geschichte ist einfach gehalten. Wir finden wenige parallel verlaufende Handlungsstränge. Alles dreht sich um die Verfolgung der letzten Nornen. Nur diese beiden Seiten sind von Belang. Williams entfaltet trotzdem den gesamten Kosmos seines erzählerischen Vermögens. Er bringt uns in Herz einer Erzählung zurück, die er selbst als Überleitung zu einer endgültigen Fortsetzung der Saga von Osten Ard empfindet. Während wir hier erfahren, warum die Nornen nicht gänzlich vernichtet werden können und wo das Potenzial für künftige und weit in der Zukunft liegende Konflikte liegt, wird er uns schon in wenigen Wochen mit diesem gemeinsamen Wissen am Wegesrand aufsammeln und uns am Lagerfeuer der High-Fantasy erzählen, wie es weitergeht. Dreißig Jahre nach dem letzten Gefecht.

„Der letzte König von Osten Ard“ lautet der Arbeitstitel des neuen Mehrteilers, in dem die Nornen zu neuer Kraft erwachen und bestrebt sind, verlorenes Territorium in Osten Ard zurückzuerobern. „Die Hexenholzkrone“ erscheint bei Hobbit Presse schon am 09. September und am 11. November in zwei Teilen. Zu episch ist sein Schreiben, um der Veröffentlichungsreihenfolge der Originale treu zu bleiben. Folgende Bände der neuen Trilogie werden uns schon bald unser Lesen und Hören intensiv beschäftigen:

„The Witch Wood Crown“ – im Original ein einzelner Band
„The Empire of Grass“
„The Navigator´s Children“

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Es ist also schon abzusehen, dass aus der originalen Trilogie in Deutschland erneut mehr Bücher werden, als es den Anschein haben könnte. Lassen wir uns überraschen. Tad Williams nimmt sich den Raum, den er zum Schreiben benötigt. Er fordert uns auf, ihm mit voller Konzentration zu folgen und er hat bisher immer Wort gehalten und seine Reihen beendet (was man von George R.R. Martin nicht gerade behaupten kann). Wir dürfen uns auf eine neue Reise nach Osten Ard freuen, werden Bekannten begegnen und neue Weggefährten finden. Ich werde die neue Reihe lesen und hören. Auch „Das Herz der verlorenen Dinge“ habe ich mir in weiten Teilen von Andreas Fröhlich, dem Osten-Ard-Veteranen aus dem Hause Der Hörverlag vorlesen lassen. Auch er scheint mit dieser Welt so verwachsen, dass ihm selbst Nornengesänge leicht von den Lippen kommen. Grandios.

Bald ist es also soweit. Folgt mir doch einfach zu den magischen Schauplätzen einer epischen Saga, die nun ihre lang erwartete Fortsetzung findet. So, wie auch die Reise des rezensierenden Weggefährten aus der kleinen literarischen Sternwarte fortgesetzt wird. Ich freue mich auf diese neuen Abenteuer. Ich bin Tad Williams dankbar, dass er so schreibt, wie er immer schrieb. Vorurteilsfrei gegenüber seinen eigenen Figuren. Er beschreibt selbst den größten Feind der Menschen in seinen Büchern so tiefgründig, in so unterschiedlichen Facetten, dass es unmöglich ist Gut und Böse klar zu trennen. Ein Wesensmerkmal seiner Romane. Hilfreich auch für das Leben jenseits der Fantasy.

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Folgt mir! Zu den Waffen. Und zu meinem Interview mit Tad Williams… bald…

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

J.R.R. Tolkien – „Beren und Lúthien“ – Ein Vermächtnis

Beren und Luthien von J.R.R Tolkien

Er ist der Hüter eines der größten Vermächtnisse in der Geschichte der Fantasy-Literatur. Seit dem Tod seines Vaters im Jahr 1973 widmet sich der heute 93-jährige Christopher Tolkien dem literarischen Nachlass von John Ronald Reuel Tolkien. Im Laufe seines Lebens war er nicht nur Zeuge der Entstehungs­geschichte der Legen­den von Mittelerde, er ist auch heute noch der einzige lebende Mensch, der in der Lage ist, die unglaub­liche Materialmenge aus dem Nachlass seines Vaters überschauen und in den Kontext des Gesamt­werks ein­ordnen zu können. (Weiterhören: HIER)

Beren und Luthien von J.R.R Tolkien bei Literatur Radio Bayern – Hier klicken

Es ist eine eigene und große Geschichte, wie tief der Sohn dem Werk seines Vaters verpflichtet sein kann, wie aufrichtig, wissenschaftlich, akribisch und liebevoll er all die losen Manuskriptfäden, Notizberge und eigene Erinnerungen sortiert, archiviert und in immer wieder erstaunlichen Umfängen unveröffentlichte Werke seines Vaters postum publiziert hat. Ohne den jüngsten Tolkien-Sohn gäbe es weder das „Silmarillion“, noch das „Buch der ver­schol­lenen Geschichten“ oder „Die Kinder Hurins“. Diese Bücher hätten niemals das Licht der Bücherwelt erblickt und uns Wanderer in den tiefen Tälern des Auenlandes orien­tierungs­los herumirren lassen.

Beren und Luthien von J.R.R Tolkien

Der Hobbit und Der Herr der Ringe“ wären für uns noch immer Bücher mit sieben Siegeln und die gesamte kreative Wucht ihres Schöpfers würde in den Regalen seiner Nachlässe schlummern. Nun steht auch Chris­topher Tolkien selbst kurz vor dem Ende seines großen Weges als Chronist seines Vaters. In diesem Bewusst­sein vollendet er sein eigenes Schaffen und schließt damit einen emotionalen Kreis, der mit einem Brief J.R.R. Tolkiens begann, in dem er seinem Sohn ein Vermächtnis im Vermächtnis auf die Fahne schrieb.

„In einem Brief an mich, meine Mutter betreffend, geschrieben im Jahr nach
ihrem Tod, das auch das Jahr vor seinem eigenen war, schrieb er von dem überwältigenden Gefühl des Verlusts und von seinem Wunsch, unter ihrem Namen auf dem Grabstein das Wort „Lúthien“ eingravieren zu lassen.“

So kann man es noch heute lesen. Edith Mary Tolkien „Lúthien“ 1889 – 1971. Der Wunsch wurde erfüllt und dem geneigten Mittelerde-Liebhaber wird auf­fallen, dass dies nicht der einzige verborgene Hinweis auf dem Gemeinschaftsgrabstein der Tolkiens ist. Und so findet man bis heute das Wort „Beren“ unter dem Namenszug des legendären Schrift­stellers. Was bedeuten diese Namen? Warum stehen sie im Nach­hinein für das Leben eines Ehepaars, das durch das Werk des Ehemannes unsterblich wurde? Eine Frage, die Christopher Tolkien spät, aber keines­falls zu spät beantwortet.

Beren und Luthien von J.R.R Tolkien

Beren und Lúthien. So heißt auch das vielleicht letzte Werk aus seiner Feder. Es ist die Geschichte zweier Liebender, die in Mittelerde zueinander fanden. Lange bevor wir das Auenland betraten, Hobbits, Elben oder Zwerge kennenlernten, von der Macht eines Ringes erfuhren und mit dem großen Gandalf in die Schlacht zogen, um Sauron für immer zu besiegen. Das Mittelerde Tolkiens bestand niemals nur aus zwei Werken, die bis in unsere Zeit überdauert haben. Für ihn war es ein gesamter Kosmos, der aus Völkern, Land­schaften, Legenden, Gedichten, Gesängen und Sprachen bestand. Eine ganze Welt erschuf J.R.R. Tolkien und wenn wir weit genug zurückblicken, können wir sie noch deutlich erkennen. Den Menschen Beren und die unsterb­liche Elbin Lúthien, die sich ineinander verliebten und für eines der ersten Bündnisse zwischen Menschen und Elben stehen.

Ein Bündnis, das in einer Geschichte erzählt wird, die vor allen Legenden spielt, die wir kennen. Eine Ge­schich­te, die alles hat, was der Kosmos Mittelerde zu bieten hat. In vielen Fragmenten finden wir im Herrn der Ringe Hinweise auf die Geschichte, die man sich seit­dem an den Lagerfeuern erzählt. Sie handelt von Beren, der sich unsterb­lich in die Elbin Lúthien verliebt. Wobei der Begriff unsterbliche Liebe schon alles umschreibt, was man wissen muss, um sie selbst zu lieben. Wenn sich eine unsterb­liche Elbin Hals über Kopf in einen Sterblichen verliebt, dieser jedoch einen Silmaril aus der Krone des dunklen Herrschers rauben muss, um die Zustimmung ihres Vaters zu gewinnen, dann liegt hier alles Potenzial für eine epische Legende verborgen.

Beren und Luthien von J.R.R Tolkien

Beren droht zu scheitern. Zu gewaltig ist die Aufgabe für einen Sterblichen. So ist es an Lúthien für ihre Liebe zu kämpfen, sich an Berens Seite zu gesellen, Bünd­nisse mit gefährlichen Wesen einzugehen, ihren Zauber wirken zu lassen, allen Wider­ständen zu trotzen und am Ende des gemeinsamen Kampfes eine Ent­scheidung zu treffen, die sie selbst betrifft. Am Scheide­weg zwischen Leben und Tod bringt sie ein Opfer, das Beren rettet, sie selbst jedoch sterblich werden lässt. Die Unsterb­lichkeit der Liebe begründet sich in der Ver­gäng­lichkeit der schönsten Elbin, die je gelebt hat.

Christopher Tolkien arbeitet die Fragmente der Ge­schichte aus den Erzählungen seines Vaters heraus. Er setzt sie aus einzelnen Mosaik­­steinchen zusammen, erklärt ihre Ent­stehung, ihre Verbindungen zum großen Ganzen und lässt erstmals entstehen was zuvor nie in dieser Klarheit zu lesen war. Er bedient sich des „Silma­rillions“, geht zu den Anfängen der Legende zurück und verfolgt die Spuren die „Beren und Lúthien“ in Mittelerde hinter­lassen haben. Gedichte und Lieder zeugen ebenso von ihrer Liebe, wie die über­lieferten Texte. Ein tiefes Bild der unendlichen Liebe entsteht und endet im Herrn der Ringe, als wir erkennen, dass der große Elbe Elrond einer der Nach­fahren der unsterblich Verliebten ist. Hier erlangen seine Worte von den Bündnissen zwischen Elben und Menschen eine völlig neue Dimension.

Beren und Luthien von J.R.R Tolkien

So, und nun keine Angst vor diesem Buch. Christopher Tolkien schreibt einerseits natürlich für die große Fangemeinde von Mittelerde. Er weiß so viel, dass er sich nicht immer zügeln kann, wenn es um Hintergründe und Wissenswertes geht. Allerdings hat er sich der Auf­gabe verschrieben, die Legende von „Beren und Lúthien“ für alle Leser verständlich zu präsen­tieren. Dies gelingt ihm herausragend im Zusammenführen aller Fragmente seines Vaters und durch viele Aus­schnitte aus dem „Leithian Lied“, in dem diese unsterb­liche Liebe in Reimform besungen wird. Nicht nur für Insider von Tolkien und seiner Welt ein absoluter Hoch­genuss. Auch eine wahre Freude für Fans von Alan Lee, der dieses Buch reichhaltig in Farbe und mit vielen Skizzen grandios illustriert hat.

So gelingt Christopher Tolkien erneut ein literarisches Meisterwerk. Er verschafft seinem Vater erneut Gehör und belässt die Passagen der erzählten Geschichte so, wie man es vom Großmeister der Fantasy kennt. Und ganz nebenbei schließt er den Kreis zum eigent­lichen Vermächtnis seines Vaters, das noch heute auf dem Grabstein lesbar ist. Sterblich waren beide. Edith und John. Unsterblich wurden sie miteinander und im unver­gessenen Ge­samt­werk des Schrift­stellers, das nur entstehen konnte, weil ihn die Liebe inspirierte. Einer der ganz großen Sehn­suchts­momente außer­halb von Mittelerde und doch ein tiefer Moment, der alles erklärt, was Tolkien jemals schrieb.

Beren und Luthien von J.R.R Tolkien

Folgt mir in die dritte verschollene Geschichte: Der Fall von Gondolin

Der Fall von Gondolin – J.R.R. Tolkien