Mit Tad Williams zurück nach Osten Ard

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Ich bewege mich ganz langsam, versuche keinen Lärm zu machen und mich ganz unauffällig zu verhalten. Ich kann es nicht glauben endlich wieder hier zu sein. Ich kann kaum glauben, Namen zu vernehmen, die mir so vertraut sind, als hätte ich sie gestern zuletzt gehört. Dabei ist es nun inzwischen schon mehr als 25 Jahre her, seit ich Osten Ard zum ersten Mal betreten habe. Die frühen 1990er Jahre haben mich in diese ganz eigene Welt aus der Feder von Tad Williams entführt. Die Buchreihe „Das Geheimnis der großen Schwerter“ erzählte von einem sagenumwobenen Land, in dem Menschen miteinander und gegen Elbenwesen um die Vorherrschaft kämpften. Nornen und Sithi verfolgen mich seitdem noch manchmal in meinen Träumen.

Der Drachenbeinthron
Der Abschiedsstein
Die Nornenkönigin
und
Der Engelsturm

bildeten eine Tetralogie, die mit ihren verschlungenen Handlungsebenen bestach und dem Genre High-Fantasy nach langer Zeit wieder eine Krone aufzusetzen vermochte. Ich begleitete den jungen unbedeutenden Küchenjungen Simon Schneelocke auf sein großes Abenteuer in einer Welt voller Feinde. Ich sah ihn zuletzt am Ende eines langen Weges als Hochkönig von Osten Ard. Verheiratet mit der wunderschönen Prinzessin Miriamel regiert er in meinem Herzen seitdem vom Hochhorst aus und folgt damit einer Bestimmung, die sich ihm lange nicht erschließen wollte. Die Nornen sind besiegt, ihre ungleichen, jedoch ebenso fast unsterblichen Verwandten, die Sithi, haben Frieden mit allen Menschen geschlossen und sind diesen durch lose Bündnisse verpflichtet. Einige tapfere Weggefährten Simons haben diese Abenteuer nicht überlebt, die Treuesten von ihnen jedoch sind wohlauf und genießen den lang ersehnten Frieden.

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

1994 hieß es für mich, Abschied zu nehmen, Osten Ard zu verlassen und in neue Welten einzutauchen. Und doch habe ich diese Geschichte niemals vergessen. Es galt drei Schwerter miteinander zu vereinen. Dorn, Leid und Hellnagel trafen zuletzt in der alles entscheidenden Schlacht aufeinander, berührten sich und entschieden den lange schwelenden Krieg zwischen den Menschen untereinander, den Nornen und Sithi und jenen geheimnisvollen Wesen, die sich allen Seiten angeschlossen hatten. Am Ende war es ein wackeliger, jedoch hart umkämpfter Frieden, der Osten Ard einte. Eine gute Zeit, mich aus dem Staub zu machen und Gras über die Sache wachsen zu lassen. Es war mir eigentlich klar, dass es keine Rückkehr auf den Hochhorst geben würde. Auch Tad Williams hatte anderes vor. Es galt neue Geschichten zu erzählen. Epische Mehrteiler wie „Otherland“ oder „Shadowmarcherblickten das Licht der Bücherwelt. Osten Ard schlief den tiefen Schlaf einer fast vergessenen Welt. Fast vergessen.

Während die guten Gefährten aus alten Tagen zwischen dicken Buchseiten schliefen und Fantasybegeisterte sich auf den Weg nach Westeros begaben, um dem „Game of Thrones“ beizuwohnen (dessen Autor George R.R. Martin in vielen Interviews auf Tad Williams als seine Inspirationsquelle verwies), hatten die wahren Fans Osten Ard nicht vergessen. So viele Fragen nach einer möglichen Fortsetzung musste Tad Williams in den letzten Jahren beantworten, dass er nun selbst mit jenem Gedanken spielte, in das Land seiner Fantasie zurückzureisen, um zu schauen, was sich so getan hatte. Wenn man diesen Schriftsteller kennt, dann weiß man, dass eine solche Reise immer mit den epischsten Konsequenzen für seine Leser verbunden ist. Gottlob.

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Was soll ich sagen? Er hat es getan. Wir sind zurück in Osten Ard, nachdem er wohl der Meinung war, die allzu offenen Fragen am Ende der Tetralogie in einer neuen Saga aufgreifen und einer Lösung zuführen zu können. Ich hörte den Schlachtenlärm, hörte die Rufe zu den Waffen und fand mich inmitten einer Streitmacht jener legendären und ungeschlagenen Rimmersmänner wieder, die dem Frieden nicht trauen wollten. Kann es wirklich wahr sein, dass die geschlagenen Nornen immer noch keine Ruhe geben? Konnte es sein, dass die versprengten flüchtenden Gruppen auf ihrem Rückzug in ihre Hochburg im Norden immer weitere Kämpfer um sich scharten. Und was beinhaltet der Sarkophag, den sie in ihrer Mitte tragen?

Das Herz der verlorenen Dingesetzt genau da an, wo „Der Engelsturm“ endete. Es ist, als wäre ich nie fort gewesen und als hätten sich alle dunklen Ahnungen nun in aller Konsequenz bewahrheitet. Unter dem Kommando von Herzog Isgrimnur und in allerbester Gesellschaft mache ich mich auf die Verfolgung der Nornen. Osten Ard ist erneut in Gefahr und die Macht der Nornen scheint nur erschüttert, nicht gebrochen. Es sind die vielen Nornenvölker, die sich nach der Niederlage treffen. Die Baumeister, die Sänger und die opferwilligen Krieger. Den Untergang des ganzen Volkes gilt es nun zu verhindern. Und dies scheint nicht unmöglich, haben die Nornen doch noch einige gute Trümpfe im Elbengewand, mit denen sie Angst und Schrecken verbreiten können.

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Unstrittig. Es ist gelungen. Tad Williams hat es geschafft, mich in den Sog meines früheren Lesens zurückzuziehen. Der Strudel ist gewaltig. Und das in einem Buch, das man eigentlich vorsichtig nur als „Sequel“ bezeichnen kann. Die Geschichte ist einfach gehalten. Wir finden wenige parallel verlaufende Handlungsstränge. Alles dreht sich um die Verfolgung der letzten Nornen. Nur diese beiden Seiten sind von Belang. Williams entfaltet trotzdem den gesamten Kosmos seines erzählerischen Vermögens. Er bringt uns in Herz einer Erzählung zurück, die er selbst als Überleitung zu einer endgültigen Fortsetzung der Saga von Osten Ard empfindet. Während wir hier erfahren, warum die Nornen nicht gänzlich vernichtet werden können und wo das Potenzial für künftige und weit in der Zukunft liegende Konflikte liegt, wird er uns schon in wenigen Wochen mit diesem gemeinsamen Wissen am Wegesrand aufsammeln und uns am Lagerfeuer der High-Fantasy erzählen, wie es weitergeht. Dreißig Jahre nach dem letzten Gefecht.

„Der letzte König von Osten Ard“ lautet der Arbeitstitel des neuen Mehrteilers, in dem die Nornen zu neuer Kraft erwachen und bestrebt sind, verlorenes Territorium in Osten Ard zurückzuerobern. „Die Hexenholzkrone“ erscheint bei Hobbit Presse schon am 09. September und am 11. November in zwei Teilen. Zu episch ist sein Schreiben, um der Veröffentlichungsreihenfolge der Originale treu zu bleiben. Folgende Bände der neuen Trilogie werden uns schon bald unser Lesen und Hören intensiv beschäftigen:

„The Witch Wood Crown“ – im Original ein einzelner Band
„The Empire of Grass“
„The Navigator´s Children“

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Es ist also schon abzusehen, dass aus der originalen Trilogie in Deutschland erneut mehr Bücher werden, als es den Anschein haben könnte. Lassen wir uns überraschen. Tad Williams nimmt sich den Raum, den er zum Schreiben benötigt. Er fordert uns auf, ihm mit voller Konzentration zu folgen und er hat bisher immer Wort gehalten und seine Reihen beendet (was man von George R.R. Martin nicht gerade behaupten kann). Wir dürfen uns auf eine neue Reise nach Osten Ard freuen, werden Bekannten begegnen und neue Weggefährten finden. Ich werde die neue Reihe lesen und hören. Auch „Das Herz der verlorenen Dinge“ habe ich mir in weiten Teilen von Andreas Fröhlich, dem Osten-Ard-Veteranen aus dem Hause Der Hörverlag vorlesen lassen. Auch er scheint mit dieser Welt so verwachsen, dass ihm selbst Nornengesänge leicht von den Lippen kommen. Grandios.

Bald ist es also soweit. Folgt mir doch einfach zu den magischen Schauplätzen einer epischen Saga, die nun ihre lang erwartete Fortsetzung findet. So, wie auch die Reise des rezensierenden Weggefährten aus der kleinen literarischen Sternwarte fortgesetzt wird. Ich freue mich auf diese neuen Abenteuer. Ich bin Tad Williams dankbar, dass er so schreibt, wie er immer schrieb. Vorurteilsfrei gegenüber seinen eigenen Figuren. Er beschreibt selbst den größten Feind der Menschen in seinen Büchern so tiefgründig, in so unterschiedlichen Facetten, dass es unmöglich ist Gut und Böse klar zu trennen. Ein Wesensmerkmal seiner Romane. Hilfreich auch für das Leben jenseits der Fantasy.

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Folgt mir! Zu den Waffen. Und zu meinem Interview mit Tad Williams… bald…

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Das Herz der verlorenen Dinge von Tad Williams

Advertisements

J.R.R. Tolkien – „Beren und Lúthien“ – Ein Vermächtnis

Beren und Luthien von J.R.R Tolkien

Er ist der Hüter eines der größten Vermächtnisse in der Geschichte der Fantasy-Literatur. Seit dem Tod seines Vaters im Jahr 1973 widmet sich der heute 93-jährige Christopher Tolkien dem literarischen Nachlass von John Ronald Reuel Tolkien. Im Laufe seines Lebens war er nicht nur Zeuge der Entstehungs­geschichte der Legen­den von Mittelerde, er ist auch heute noch der einzige lebende Mensch, der in der Lage ist, die unglaub­liche Materialmenge aus dem Nachlass seines Vaters überschauen und in den Kontext des Gesamt­werks ein­ordnen zu können. (Weiterhören: HIER)

Beren und Luthien von J.R.R Tolkien bei Literatur Radio Bayern – Hier klicken

Es ist eine eigene und große Geschichte, wie tief der Sohn dem Werk seines Vaters verpflichtet sein kann, wie aufrichtig, wissenschaftlich, akribisch und liebevoll er all die losen Manuskriptfäden, Notizberge und eigene Erinnerungen sortiert, archiviert und in immer wieder erstaunlichen Umfängen unveröffentlichte Werke seines Vaters postum publiziert hat. Ohne den jüngsten Tolkien-Sohn gäbe es weder das „Silmarillion“, noch das „Buch der ver­schol­lenen Geschichten“ oder „Die Kinder Hurins“. Diese Bücher hätten niemals das Licht der Bücherwelt erblickt und uns Wanderer in den tiefen Tälern des Auenlandes orien­tierungs­los herumirren lassen.

Beren und Luthien von J.R.R Tolkien

Der Hobbit und Der Herr der Ringe“ wären für uns noch immer Bücher mit sieben Siegeln und die gesamte kreative Wucht ihres Schöpfers würde in den Regalen seiner Nachlässe schlummern. Nun steht auch Chris­topher Tolkien selbst kurz vor dem Ende seines großen Weges als Chronist seines Vaters. In diesem Bewusst­sein vollendet er sein eigenes Schaffen und schließt damit einen emotionalen Kreis, der mit einem Brief J.R.R. Tolkiens begann, in dem er seinem Sohn ein Vermächtnis im Vermächtnis auf die Fahne schrieb.

„In einem Brief an mich, meine Mutter betreffend, geschrieben im Jahr nach
ihrem Tod, das auch das Jahr vor seinem eigenen war, schrieb er von dem überwältigenden Gefühl des Verlusts und von seinem Wunsch, unter ihrem Namen auf dem Grabstein das Wort „Lúthien“ eingravieren zu lassen.“

So kann man es noch heute lesen. Edith Mary Tolkien „Lúthien“ 1889 – 1971. Der Wunsch wurde erfüllt und dem geneigten Mittelerde-Liebhaber wird auf­fallen, dass dies nicht der einzige verborgene Hinweis auf dem Gemeinschaftsgrabstein der Tolkiens ist. Und so findet man bis heute das Wort „Beren“ unter dem Namenszug des legendären Schrift­stellers. Was bedeuten diese Namen? Warum stehen sie im Nach­hinein für das Leben eines Ehepaars, das durch das Werk des Ehemannes unsterblich wurde? Eine Frage, die Christopher Tolkien spät, aber keines­falls zu spät beantwortet.

Beren und Luthien von J.R.R Tolkien

Beren und Lúthien. So heißt auch das vielleicht letzte Werk aus seiner Feder. Es ist die Geschichte zweier Liebender, die in Mittelerde zueinander fanden. Lange bevor wir das Auenland betraten, Hobbits, Elben oder Zwerge kennenlernten, von der Macht eines Ringes erfuhren und mit dem großen Gandalf in die Schlacht zogen, um Sauron für immer zu besiegen. Das Mittelerde Tolkiens bestand niemals nur aus zwei Werken, die bis in unsere Zeit überdauert haben. Für ihn war es ein gesamter Kosmos, der aus Völkern, Land­schaften, Legenden, Gedichten, Gesängen und Sprachen bestand. Eine ganze Welt erschuf J.R.R. Tolkien und wenn wir weit genug zurückblicken, können wir sie noch deutlich erkennen. Den Menschen Beren und die unsterb­liche Elbin Lúthien, die sich ineinander verliebten und für eines der ersten Bündnisse zwischen Menschen und Elben stehen.

Ein Bündnis, das in einer Geschichte erzählt wird, die vor allen Legenden spielt, die wir kennen. Eine Ge­schich­te, die alles hat, was der Kosmos Mittelerde zu bieten hat. In vielen Fragmenten finden wir im Herrn der Ringe Hinweise auf die Geschichte, die man sich seit­dem an den Lagerfeuern erzählt. Sie handelt von Beren, der sich unsterb­lich in die Elbin Lúthien verliebt. Wobei der Begriff unsterbliche Liebe schon alles umschreibt, was man wissen muss, um sie selbst zu lieben. Wenn sich eine unsterb­liche Elbin Hals über Kopf in einen Sterblichen verliebt, dieser jedoch einen Silmaril aus der Krone des dunklen Herrschers rauben muss, um die Zustimmung ihres Vaters zu gewinnen, dann liegt hier alles Potenzial für eine epische Legende verborgen.

Beren und Luthien von J.R.R Tolkien

Beren droht zu scheitern. Zu gewaltig ist die Aufgabe für einen Sterblichen. So ist es an Lúthien für ihre Liebe zu kämpfen, sich an Berens Seite zu gesellen, Bünd­nisse mit gefährlichen Wesen einzugehen, ihren Zauber wirken zu lassen, allen Wider­ständen zu trotzen und am Ende des gemeinsamen Kampfes eine Ent­scheidung zu treffen, die sie selbst betrifft. Am Scheide­weg zwischen Leben und Tod bringt sie ein Opfer, das Beren rettet, sie selbst jedoch sterblich werden lässt. Die Unsterb­lichkeit der Liebe begründet sich in der Ver­gäng­lichkeit der schönsten Elbin, die je gelebt hat.

Christopher Tolkien arbeitet die Fragmente der Ge­schichte aus den Erzählungen seines Vaters heraus. Er setzt sie aus einzelnen Mosaik­­steinchen zusammen, erklärt ihre Ent­stehung, ihre Verbindungen zum großen Ganzen und lässt erstmals entstehen was zuvor nie in dieser Klarheit zu lesen war. Er bedient sich des „Silma­rillions“, geht zu den Anfängen der Legende zurück und verfolgt die Spuren die „Beren und Lúthien“ in Mittelerde hinter­lassen haben. Gedichte und Lieder zeugen ebenso von ihrer Liebe, wie die über­lieferten Texte. Ein tiefes Bild der unendlichen Liebe entsteht und endet im Herrn der Ringe, als wir erkennen, dass der große Elbe Elrond einer der Nach­fahren der unsterblich Verliebten ist. Hier erlangen seine Worte von den Bündnissen zwischen Elben und Menschen eine völlig neue Dimension.

Beren und Luthien von J.R.R Tolkien

So, und nun keine Angst vor diesem Buch. Christopher Tolkien schreibt einerseits natürlich für die große Fangemeinde von Mittelerde. Er weiß so viel, dass er sich nicht immer zügeln kann, wenn es um Hintergründe und Wissenswertes geht. Allerdings hat er sich der Auf­gabe verschrieben, die Legende von „Beren und Lúthien“ für alle Leser verständlich zu präsen­tieren. Dies gelingt ihm herausragend im Zusammenführen aller Fragmente seines Vaters und durch viele Aus­schnitte aus dem „Leithian Lied“, in dem diese unsterb­liche Liebe in Reimform besungen wird. Nicht nur für Insider von Tolkien und seiner Welt ein absoluter Hoch­genuss. Auch eine wahre Freude für Fans von Alan Lee, der dieses Buch reichhaltig in Farbe und mit vielen Skizzen grandios illustriert hat.

So gelingt Christopher Tolkien erneut ein literarisches Meisterwerk. Er verschafft seinem Vater erneut Gehör und belässt die Passagen der erzählten Geschichte so, wie man es vom Großmeister der Fantasy kennt. Und ganz nebenbei schließt er den Kreis zum eigent­lichen Vermächtnis seines Vaters, das noch heute auf dem Grabstein lesbar ist. Sterblich waren beide. Edith und John. Unsterblich wurden sie miteinander und im unver­gessenen Ge­samt­werk des Schrift­stellers, das nur entstehen konnte, weil ihn die Liebe inspirierte. Einer der ganz großen Sehn­suchts­momente außer­halb von Mittelerde und doch ein tiefer Moment, der alles erklärt, was Tolkien jemals schrieb.

Beren und Luthien von J.R.R Tolkien

„Anderswelt – Chroniken“- New Age Fantasy von Mikki Patrick

Anderswelt - Chroniken von Mikki Patrick

Anderswelt – Chroniken von Mikki Patrick

Das Fantasy-Lebensleseregal in der kleinen literarischen Sternwarte ist wirklich gut sortiert. Ich liebe es seit Anbeginn meines Lesens, in völlig erfundenen Welten zu versinken und Protagonisten mit den unglaublichsten Fähigkeiten auf ihren gefährlichen Wegen zu folgen. Unsterblich dürfen sie dabei gerne sein, sich teleportierend von Ort zu Ort bewegen, riesengroß oder zwergenhaft von Gestalt, sich von Blut ernähren oder einfach nur von Luft und Liebe und sich in Begleitung fabelhafter Tierwesen durch ihre Geschichten fabulieren. An magischen Orten dürfen sie wohnen und Gefahren müssen sie trotzen, die nicht von dieser Welt sind. Fantasy! Kurz gesagt und doch so treffend.

Die Auswahl in diesem Genre reicht von absoluten Klassikern bis hin zu den Autoren, die sich in die Fußstapfen ihrer Vorbilder begeben und neue Geschichten erzählen, die doch immer wieder die oben erwähnten Wesensmerkmale aufweisen. Man greift gerne auf diese Erzählmuster zurück und so sterben Orks, Elben, Zwerge, Vampire, Werwölfe, und viele andere fantastische Fantasy-Gestalten einfach nicht aus und schleichen sich in immer wieder leicht modifizierter Form lesenslang durch unser Leben.

In meinem Fantasy-Special habe ich mich zu dieser Lese-Leidenschaft bekannt und einige besondere Weggefährten meines Lebenslesweweges vorgestellt. Von Tolkien bis George R.R. Martin über Kai Meyer reicht die Range meines Lesens. Endlos könnte ich diese Kette fortsetzen. Endlos könnte mein Lesen sein. Wäre ich doch nur Vampir, Elbe oder begnadeter Magier. Endlos ist auch meine eigene Suche nach neuen Sternen am literarischen Fantasy-Firmament. Auf Buchmessen und in den Tiefen des Internets halte ich nach ihnen Ausschau: Den großen Geschichten aus anderen Welten.

Anderswelt - Chroniken von Mikki Patrick

Anderswelt – Chroniken von Mikki Patrick

Da darf es nicht verwundern, wenn ich extrem neugierig auf ein Buchcover reagierte, das mir auf Facebook begegnete. Einerseits, weil es atmosphärisch alle Fantasy-Saiten meiner Seele in Schwingung versetzte und andererseits, weil der Titel des Romans mir das Gefühl gab, wieder einmal am Ziel meiner Träume angelangt zu sein. Nur hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie etwas von der Autorin gehört, noch war mir klar, dass es sich bei diesem Buch um einen selbst publizierten Erstling handelt.

Die „Anderswelt – Chroniken“ von Mikki Patrick hatten mich auf eine Spur gebracht, der ich nun einfach folgen wollte. Ein erster Austausch mit der Autorin zeigte mir, dass meine Neugier absolut begründet war. Mitten in die Abschlussarbeit am Roman platzte ich mit meinen Fragen in den Schaffensprozess hinein und traf auf eine junge Frau, die voller Hoffnungen und Zweifel, aber inhaltlich getrieben von der Geschichte, die erzählt werden wollte und musste, der Geburtsstunde ihres ersten Romans entgegenfieberte.

Ich bin seit Anbeginn meines Lesens auf der Suche nach guten Geschichten. Ich suche nicht nach großen Autoren oder Verlagen. Das freudige Mitfiebern setzte auch bei mir ein und wenige Wochen später empfand ich es als großen Vertrauensbeweis, das Buch in Händen halten zu dürfen. Wir haben uns aufeinander eingelassen. Ohne große Erwartungen und Ziele. Ich wollte nur in die „Anderswelt“ eintauchen und selbst fühlen, wie diese Welt schmeckt, riecht und lebt. Ich habe es nicht bereut!

Anderswelt - Chroniken von Mikki Patrick

Anderswelt – Chroniken von Mikki Patrick

Die „Anderswelt trägt ihren Namen zurecht. Sie ist der Hort legendärer Fabelwesen. Ein letzter Zufluchtsort vor der Gewalt und der Willkür der Menschen, mit denen man einst in Eintracht zusammenlebte. Aber Menschen bleiben Menschen. So war es und so wird es immer bleiben. Als sie die Kräfte ihrer Nachbarn für ihre eigenen Zwecke nutzen wollten, war es schnell vorbei mit der Freiheit in der Welt der Menschen. Letzte Allianzen zerbrachen und die verfolgten Völker beschlossen, sich endgültig von dieser Welt zu trennen.

Sie gründeten ihre „Anderswelt“ und zogen sich dorthin zurück. Mit der Welt der Menschen nur noch durch geheime Zugänge verbunden, dachten die Fabelwesen, ihren Frieden gefunden zu haben.

Ein fataler Irrglaube und eine völlige Fehleinschätzung der Lage. Der Chronist von Anderswelt fasst diese Ereignisse schonungslos zusammen und beschreibt die hilflosen Versuche der Bewohner, ihre Welt zu bewahren. Denn nur in diesem einen Ziel sind sie geeint: Die Völker von Anderswelt, deren eigene Konflikte niemals beigelegt werden konnten. Dazu sind sie einfach zu unterschiedlich.

Lichtelben, Gestaltwandler, Dunkelelben, Zwerge, Vampire, Dämonen, Amazonen und Engel bilden eine große Zweckgemeinschaft in Anderswelt, die nun gezwungen ist um den Erhalt ihrer Existenz zu kämpfen. Eine Mordserie erschüttert die Völker und da sie Opfer auf allen Seiten fordert, ist es ausgeschlossen, dass die Täter aus Anderswelt kommen. Die große Gemeinsamkeit dieser Bluttaten: Jedem Opfer fehlt das Herz. Ein großer Rat wird einberufen, um  einen Weg zu finden, dem Morden Einhalt zu gebieten.

Anderswelt - Chroniken von Mikki Patrick

Anderswelt – Chroniken von Mikki Patrick

Als dann unversehens ein junges Mädchen in die Versammlung der Fürsten von Anderswelt platzt, beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Denn Kira Rogers ist nicht von dieser Welt. Sie kommt aus New York und begreift nicht, was sie plötzlich inmitten der fremdartigen Wesen verloren hat. Ihr kommt es vor, als befände sie sich in einem tiefen Traum oder am Filmset einer Filmproduktion:

“Na toll… Sie befand sich in einem Raum mit Gimli, Lara Croft und Hellboy! Alias Solin, Ahima und Zarko! Was kam denn als Nächstes? Legolas oder doch Thor? Batman wäre auch cool. Kira konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Plötzlich ging ein heftiger Schmerz durch ihre Schultern. Sie schrie auf und…”

Als sie sich plötzlich selbst zu verändern beginnt, von den Anwesenden ehrfürchtig als Prinzessin bezeichnet wird und die Zusammenhänge zwischen ihrem Erscheinen in Anderswelt und der mysteriösen Mordserie erkennt, wird ihr klar, dass ihr Leben mehr aus den Fugen geraten ist, als sie es jemals für möglich gehalten hätte. Als sich dann auch noch der geheimnisvolle Dunkelelbe Prinz Artak unsterblich in sie verliebt muss sie sich eingestehen, dass Anderswelt der beste Platz für sie ist. Ganz besonders jetzt, wo ihr Engelsflügel gewachsen sind.

Anderswelt - Chroniken von Mikki Patrick

Anderswelt – Chroniken von Mikki Patrick

Gemeinsam beschließt man, das Morden zu beenden. Der Weg führt in die Welt der Menschen und eine Zweckgemeinschaft von fabelhaften Gefährten macht sich auf die Reise. Eine gefährliche Reise. Soviel steht fest. Aber die Helden, die sie antreten stellen wohl die schlagkräftigste Reisegesellschaft dar, die man sich vorstellen kann. Wird das den Feind beeindrucken, und kann sich die alte Prophezeiung bewahrheiten, dass ein Mann und eine Frau Anderswelt retten können? Ist Kira der Morgen und Artak die Nacht? Wird der Drachenhort zur Verheißung eines gemeinsamen Lebens? Fragen die nur der Chronist von Anderswelt beantworten kann. Oder die Autorin selbst.

Mikki Patrick schöpft aus dem Vollen ihres erdachten Universums, wenn sie ihre Helden von einer Welt in die andere führt. Sie verliert sich nicht in Beiläufigem, wenn es ihr darum geht, emotional und spannungsgeladen das hohe Tempo ihrer Erzählung zu halten. Darüber hinaus betritt sie für mich absolutes Neuland in diesem Genre, indem sie zwei Sprachwelten in einem Roman vereint. Die Sprache der Anderswelt-Wesen und die Ausdrucksweise einer New Yorkerin, die einfach kein Blatt vor den Mund nimmt. Engelsprinzessin hin oder her. Humor, Action und Liebe. Diese Fantasy-Formel geht auf. Besonders, wenn sie auch noch um ein besonderes schwarzes Einhorn namens Warin bereichert wird.

Das Gesamtpaket stimmt in diesem Roman. Es ist frische New Age Fantasy, die Mikki Patrick in unsere Lesezimmer schickt und die so manchem großen Verlag gut zu Gesicht stehen würde. Das Cover von Mark Freier, das hervorragende Lektorat und die Atmosphäre dieses Romans machen aus diesem Selfpublisher-Erstling von Mikki Patrick ein perfektes Leseerlebnis. Für mich kein Geheimtipp mehr. Das Genre lebt.

Blühende Fantasy bei AstroLibrium - Ein Klick genügt

Blühende Fantasy bei AstroLibrium – Ein Klick genügt

Blühende Fantasy in der kleinen literarischen Sternwarte

Fantasy und AstroLibrium

Fantasy und AstroLibrium – Ein literarisches Special

Die meiste Zeit meines Lesens verbringe ich damit, jemand anderes zu sein. Es ist ganz allein meine Zeit, die ich dabei zwischen den Seiten von Büchern verbringe, um dem Alltag zu entfliehen und mich zu Gedankenflügen verführen zu lassen. Viele Genres der Literatur bieten diese Fluchtpunkte an und unglaublich gute Autoren betätigen sich seit Jahren erfolgreich als meine ganz persönlichen Fluchthelfer. Sie lassen mich auch durchatmen, wenn ich nach dem Auftauchen aus Büchern „Gegen das Vergessen“ nur noch Abstand und anspruchsvolle Unterhaltung suche.

Dabei lese ich nicht zum Zeitvertreib. Ich genieße jede Minute in einem guten Buch und fühle mich in die Szenarien und Welten ein, die mir eine Fluchtmöglichkeit bieten. Ich nutze meine Zeit und lasse mich dabei auch auf Zeitsprünge ein, denn für mich ist jedes Buch eine Zeitreise. Ob in die Vergangenheit oder Zukunft, das lasse ich einfach auf mich zukommen. Ich bin dabei lesend wirklich sehr flexibel, wenn ich mich in meiner kleinen literarischen Sternwarte beharrlich auf die Suche nach buchigen Fixsternen am Bücherhimmel begebe.

Besonders leidenschaftliche Fluchten finden in einem Genre statt, dass oftmals ein wenig belächelt oder gar unterschätzt wird. Die FANTASY ist dabei jedoch seit ewigen Zeiten als eigenständige literarische Richtung mehr als etabliert. Jules Verne und H.G. Wells waren ihre Wegbereiter und die Werke von J.R.R. Tolkien zeigen bis heute, was es bedeutet, wenn fantastische Gedankenketten Leser und Zuschauer zeitlos fesseln. Ich fliehe gerne in fantastische Welten und bekenne mich zu meiner Leidenschaft. Ich liebe die Fantasy und bleibe ihr treu, wie man an einigen ausgewählten Beispielen sieht.

AstroLibrium – Eine Insel der blühenden Fantasy.

Fantasy und AstroLibrium

Fantasy und AstroLibrium – Das Lied von Eis und Feuer – Game of Thrones

Was braucht man mehr, als eine völlig erfundene und in sich geschlossene Welt, die mich lesenslänglich gefangen nimmt und einfach nicht mehr loslässt? Was braucht es mehr, als einige verborgene Lagerfeuerplätze in meinem Westeros? Orte, an die ich mich zurückziehen und träumen kann? Träume von einer Welt, in der ich gedanklich schon seit Jahren lebe und lese. Von fremden Wesen, die das Land bedrohen, obwohl eine unüberwindliche Mauer aus Eis alles beschützt. Von Herrschern, die miteinander um den einzig wahren Eisernen Thron der Sieben Königslande kämpfen und von Orten, deren magische Ausstrahlung mich zu Sklaven meines Lesens macht.

Winterfell, Harrenhall, Königsmund, Hochherz. Die Flusslande und Schnellwasser, Dorne und Casterlystein. Verwunschene Orte, die ich seit den ersten Zeilen in George R.R. Martins Das Lied von Eis und Feuer so gut wie meine eigene Westentasche kenne und die Heimat von Protagonisten, als deren Weggefährte ich mich seit Jahren fühle. Die Buchreihe ist unvollendet. Die Zukunft ist völlig offen und unvorhersehbar. Die epische Verfilmung Game of Thrones droht, die bisher veröffentlichten Bücher bald einzuholen und der Autor selbst träumt wohl gerade von der Idee, die Buchwelt von der Filmwelt zu trennen. Dem wahren Fan von Westeros bleibt nichts erspart. Gut so!

Neben den eigentlichen Romanen der Serie, den Filmen und einigen tollen Büchern rund um die Welt der Starks und Lennisters, die mir einen neugierigen Blick hinter die Kulissen erlauben, kann ich nun auch noch in einem Folianten versinken, der mir mein Westeros – Die Welt von Eis und Feuer noch näher bringt. Sehr gediegen gestaltet wartet dieses Buch mit allem auf, was man als Wanderer wissen muss. Wir planen dort unsere Lagerfeuerplätze und treffen uns lesend immer wieder zu tiefen Gesprächen und wilden Spekulationen. Eine absolute Traumwelt der Fantasie, die dem blühenden Garten der Fantasy neue Dimensionen verleiht. Es ist noch nicht zu spät. Reitet mit…

Fantasy und AstroLibrium

Fantasy und AstroLibrium – Tolkien lebt – Excalibur lebt

Es verwundert nicht, dass viele Fantasy-Spuren beim Godfather dieses Genres J.R.R. Tolkien beginnen und zu ihm zurückführen. Mit seiner Saga „Der Herr der Ringe“ hat er nicht nur ein eigenes Universum geschaffen. Er entwickelte seine Welten so konsequent weiter, dass eigene Völker, Länder, Kulturen, Sprachen, ja sogar eine eigene Poesie entstand. Er flankierte seine Erzählung mit Prequels und Sequels, spielte mit der grenzenlosen Neugier seiner Leser und verlangte ihnen viel ab.

Tolkien ist nicht leicht zu lesen. Allein die Einleitung zum „Herrn der Ringe“ liest sich, als müsse man kurz vor einer Abi-Prüfung die Geschichte der Welt komprimiert auf 100 Seiten lesen und verstehen, bevor man sich der nächsten Aufgabe stellen kann. Zu viel ist es oft. Viel zu umfassend holt er oftmals aus und doch setzte er alle Maßstäbe, die man seither an Schriftsteller dieses Genres anlegt. Der Hobbit ist dabei zu einem besonders guten Freund in meinem Leseleben geworden. Mein großer Schatz aus der Feder des legendären Autors.

Frisch verfilmt und schon lange zu Ende erzählt, inspiriert das kleine Volk aus dem Auenland immer noch unsere Fantasie. Man muss nicht groß sein in dieser Welt, um wahre Größe zu zeigen. Zeitlos ist diese Botschaft und zeitlos bleibt das Werk Tolkiens. Umso größer ist die Freude dann, wenn längst verschollen geglaubte Werke aus seiner Feder auftauchen und seine niemals aussterbenden Fans beglücken. König Arthurs Untergang“ zeigt, wie intensiv sich Tolkien mit den uralten Sagen beschäftigte und wie dieses Epos wohl aussehen würde, wenn er es selbst in Stabreimform verfasst hätte.

Unsterblich, dieser Tolkien. Unsterblich, seine Werke. Unsterblich, die Fantasy.

Fantasy und AstroLibrium

Fantasy und AstroLibrium – Die Seiten der Welt setzen Maßstäbe

All diese Werke haben eine große Gemeinsamkeit. Sie verlangen von ihrem Leser alle Hingabe dieser Welt. Sie entziehen sich messbarer Kritik und lassen Zweifel an den vom Autor erdachten Welten nicht zu. Fantasy ist eben so. Wenn uns der Autor erklärt, dass es möglich ist mit zwei Büchern einer Ausgabe von einem Ort zum anderen reisen zu können, dann ist das so. Wenn er uns erzählt, es sei möglich besondere Fähigkeiten zu entwickeln, indem man das Seitenherz seines Seelenbuches spaltet, dann muss man das so hinnehmen und akzeptieren.

Wenn Kai Meyer seine Leser in „Die Seiten der Welt“ hineinzaubert, dann verlangt er absolute Gefolgschaft und Lesertreue. Wenn er dann noch ganz persönlich beteuert, es sei möglich unter Bäumen zu liegen, an denen wundervolle Lesebändchen wachsen, Leselampen zu begegnen, die ihrem Besitzer ganz brav auf Schritt und Tritt folgen und Protagonisten sehen zu können, die aus ihren Büchern gefallen sind. Dann sind Zweifel nicht angebracht. Das ist wahre und große Fantasy. Man kann nicht in einem Lexikon nachschlagen, wie Libropolis, die Hauptstadt der Bibliomantik aussieht. Wir müssen nur glauben und uns einlassen. Ein mehr als schönes Lesegefühl.

Die Herausforderung für den Fantasy-Schriftsteller ist dabei riesig. Es gibt keine greifbaren Abholpunkte für seine Handlung. Er muss von Grund auf gestalten und wie ein kleiner Büchergott seine Wesen, Orte und Gedanken so zur Welt bringen, dass sie miteinander funktionieren und die Leserschaft begeistern. „Die Seiten der Welt“ halten was sie versprechen und sie werden in wenigen Tagen mit „Nachtland“ fortgesetzt. Hier wartet eine große Herausforderung auf uns, denn alleine schon die Gestaltung des Covers spielt mit unserer Fantasie. Klickt doch einfach auf die folgenden Begriffe. Ihr werdet sehen, was ihr davon habt: POSITIVNEGATIV… Zwei Bilder einer Bücherwelt der Fantasy.

Fantasy und AstroLibrium

Fantasy und AstroLibrium – Erstlingswerke mit viel Potenzial – Mikki Patrick

Ich lasse mich bei meinen Fluchten in die Welt der Fantasy allerdings nicht nur von den großen Autoren des Genres entführen, sondern bin wie bei allen Büchern nur am guten Inhalt interessiert. So stieß ich vor wenigen Tagen auf das Erstlingswerk von Mikki Patrick, erlebte ein wenig mit welchen Zweifeln und Hoffnungen sie in ihrer Welt eintauchte, schrieb und dem Erscheinen ihres Werkes entgegenfieberte. Jetzt sind ihre Anderswelt Chroniken Teil der großen Fantasy-Literaturlandschaft und warten darauf, gelesen zu werden.

Ich habe mich bereits auf den Weg gemacht. Begleitet von einem Glücksbringer und meinem kleinen in Leder gebundenen Notizbuch habe ich diese Welt betreten und lese ohne Vorbehalt. Jeder bekannte Schriftsteller hat mit einem „Erstling“ begonnen, jeder hat sein erstes gedrucktes Kind ins Leben geschickt und gehofft, es möge nicht von der Kritik zerrissen werden. Und wenn man sich einfach auf eine gute Geschichte einlässt, dann wird man von der frischen Sprache, plausibel angelegten Charakteren und Zitaten überrascht, die man vielleicht nicht erwartet hätte.

„Anderswelt“ hält mich im Moment noch gefangen. Ich werde natürlich weiter von meiner Reise berichten und bin bis dahin damit beschäftigt, eine junge Sterbliche zu begleiten, der ich dort begegnete. Ich muss darauf achten, dass man ihr die Wahrheit sagt, denn Lügen würden sie töten. Kira findet sich völlig unvermutet in einer Fantasy-Welt wieder und kann kaum glauben, welchen Wesen sie dort begegnet. In welcher Gefahr sie schwebt, wird ihr dabei erst klar, als ihre eigene Verwandlung beginnt. Hier geht es zum Anderswelt-Artikel…Ich bin am Ziel angelangt.

„Na toll… Sie befand sich in einem Raum mit Gimli, Lara Croft und Hellboy! Alias Solin, Ahima und Zarko! Was kam denn als Nächstes? Legolas oder doch Thor? Batman wäre auch cool. Kira konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Plötzlich ging ein heftiger Schmerz durch ihre Schultern. Sie schrie auf und…“

Fantasy und AstroLibrium

Fantasy und AstroLibrium – Ivo Pala erobert nicht nur Kinderherzen

Ich bin inzwischen wohl auch bekannt dafür, dass ich nicht immer nur meinem Gefühl vertraue, sondern besonders gerne Kinder und Jugendliche mit den Büchern konfrontiere, die genau für sie geschrieben wurden. Die unmittelbare Rückkopplung der eigentlichen Zielgruppe ist hierbei für mich ein sehr wichtiger Gradmesser, ob ein Buch angenommen wird und die Herzen bewegt, die Gedanken anregt und einfach inspiriert. Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala begleitete mich zu einer besonderen Lesenacht im Kinderheim St. Alban.

Diese Lesenächte haben inzwischen gute Tradition und ich kann nur empfehlen den Artikel zu diesem Event zu lesen, da man hier wirklich gut erkennen kann, was Fantasy mit der Fantasie junger Menschen anzustellen vermag. Wir haben vorgelesen, diskutiert und unter Anleitung der Künstlerin Peggy Steike auch gemalt. Wir ließen den Kindern den Freiraum, während des Zuhörens ihre eigenen Gedankenbilder und Impressionen zu Papier zu bringen. Das Ergebnis hat nicht nur uns, sondern auch den ansonsten sehr sprachgewaltigen Schriftsteller mehr als sprachlos gemacht. Drachenstark!!!

fantasy und astrolibrium_spacer

Ich denke, man kann anhand dieses kleinen Fantasy-Specials erkennen, welchen Stellenwert dieses Genre in meinem Lesen einnimmt. Ohne die Fluchten in neue Welten mit unglaublichen Wesen, Gefahren, Abenteuern und wilden Liebesgeschichten am Rande des Vorstellbaren kann ich mir mein Lesen nicht vorstellen. Ich bin froh um die treuen Wegbegleiter, die mir auf diesem Leseweg die Hand reichen und mich nicht alleine lassen. Ich danke für jeden einzelnen Abend an den Lagerfeuern von Westeros und das tiefe Verständnis meiner Träume.

Ich werfe mich jetzt in meine goldene Rüstung, wappne mich mit einem magischen Schild, greife zu einem verwunschenen Schwert und jage meinen Träumen hinterher. Immer getreu dem Motto von George R.R. Martin. Wir sehen uns in Winterfell oder dort, wo das wahre Lesen tobt.

„Die mutigen Männer töteten keine Drachen.
Die mutigen Männer ritten auf ihnen!“

Fantasy und AstroLibrium - Eine dauerhafte Verbindung

Fantasy und AstroLibrium – Eine dauerhafte Verbindung

„Der Drache hinter dem Spiegel“ von Ivo Pala zu Gast in St. Alban

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Man kommt in diesen Tagen an Drachen nicht vorbei.

Kaum wurde Smaug in Tolkiens Hobbit über der Seestadt abgeschossen und man denkt, endlich Ruhe zu haben, erscheint Ivo Pala am Horizont und präsentiert mit Der Drache hinter dem Spiegel (Sauerländer Verlag) ein Kinder- und Jugendbuch, das sich dem traditionellen Lindwurm von einer ganz anderen Seite nähert.

Wie reagieren Kinder auf Drachen? Was ist Schönheit und wem sollte man im Leben wirklich vertrauen? Wie kann man der Wahrheit auf die Spur kommen, wenn man belogen wird und was geschieht, wenn man selbst keine Wünsche mehr hat? Diesen Fragen sind wir mit diesem Fantasy-Roman auf den Grund gegangen. Wir?

Ja – genau richtig gelesen. Die literarische Sternwarte AstroLibrium hat die Kinder und Jugendlichen des Kinderheims St. Alban zum Drachen-Lesen eingeladen und gemeinsam mit Peggy Steike entstand zuhörend und zeichnend eine kleine Galerie drachenstarker Impressionen. Doch zunächst sollten wir einen Blick hinter den Spiegel der Fantasy-Welt des Ivo Pala wagen, um nicht nur einem Drachen, sondern fünf ganz besonderen Kindern zu begegnen. Vorhang auf für die O´Brians.

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala - AstroLibrium - St. Alban

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Es sind schwere Jahre in London vor fast genau 100 Jahren. Armut und harte Arbeit, gerade in den Docks im Hafen der Stadt an der Themse, kennzeichnen das Leben der Familie O´Brian. Seitdem der Vater an einer geheimnisvollen Erkrankung leidet, gelingt es der Mutter nicht mehr, die Familie mit ihren fünf Kindern über Wasser zu halten. Es gibt nur einen einzigen Ausweg, dem drohenden Hungertod zu entgehen.

Florence (Fee) und Herbert, die beiden ältesten Geschwister, werden mit William, Diana und Bernadette nach Schottland geschickt. Sie sollen Zuflucht bei ihrem Großvater suchen, damit sie nicht in London zugrunde gehen. Der Plan der Mutter wäre eigentlich ganz gut gewesen, gäbe es da nicht ein kleines Problem. Die Kinder kennen von ihrem Großvater nur den Namen, sind ihm noch nie begegnet und, wohl das größte Problem, er weiß nicht, was da auf ihn zukommt.

Finn O´Brian ist völlig ahnungslos, als seine Enkel in Kirkcaldy ankommen und sich auf dem Markt nach ihm erkundigen. Die Angst vor dem Ungewissen und die große Sorge um den kranken Vater nagen an den Kindern und ihre Hoffnung auf ein besseres Leben in Schottland erhält einen ersten Dämpfer, als sie schließlich eine Ruine erreichen, die man ihnen als Wohnort ihres Großvaters beschrieben hatte. Unbewohnt und verwittert macht sie nicht gerade einen vertrauenswürdigen Eindruck… Ebenso wenig wie die Warnungen der Dorfbewohner, es würde dort auch noch spuken.

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala – Auf den Spuren Smaugs

Und dann geschieht das Wunderbare. Finn O´Brian empfängt seine Enkelkinder in aller Wärme und Zuneigung. Die Ruine entpuppt sich als wahres Zauberschloss, denn einmal durch die Pforte hindurch öffnen sich Hallen und Säle, die so prachtvoll sind, wie man sie sich in einem Märchenschloss nur vorstellen kann. Und die Kinder werden nach Strich und Faden verwöhnt. Ein Traum wird für die fünf jungen O´Brians wahr.

Jedes der Kinder erhält ein traumhaftes eigenes Zimmer, fast einen kleinen Palast, in dem die allergrößten Wünsche wahr werden. Ein Piratenzimmer, einen Elfenhain, einen Jahrmarkt der wundervollen Spielsachen und eine Bibliothek mit einer verwunschenen Eule. Für alles ist gesorgt. Abenteuer, Spiel, Ablenkung und ein sorgenfreies Leben. Nur für einen O´Brian scheint kein Traum in Erfüllung zu gehen. Ausgerechnet der ängstliche William findet lediglich ein karges Zimmer vor, das so viel Ähnlichkeit mit seinem Zuhause in London hat.

Er hat all seine Kraft zum Träumen verloren. Ihm fallen keine Wünsche mehr ein. Nur seinen geliebten Vater möchte er gesund wiedersehen. Und so beginnt er enttäuscht und alleine seinen Streifzug durch das Traumschloss seines Großvaters. Es kommt, wie es kommen muss. William verirrt sich und findet im Kellergewölbe einen riesigen Spiegel vor, der plötzlich zu ihm spricht. Nur aus den Augenwinkeln heraus erkennt er einen riesigen Drachen, der im Spiegel gefangen scheint und einen Satz sagt, der alles verändert:

„Ich bin in Wirklichkeit dein Großvater. Ich bin Finn O´Brian!“

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Genau an diesem Punkt der Geschichte entwickelt Ivo Pala einen kindgerechten Kosmos der Fantasie, der jeden Leser gefangen nimmt. Man beginnt zu zweifeln und zu hinterfragen. Wir folgen den fünf Geschwistern atemlos auf ihrer abenteuerlichen Reise zu ihren Wurzeln und den Geheimnissen ihres Großvaters und des mysteriösen Drachens. Wem darf man glauben, wem sich anvertrauen, wer sagt die Wahrheit? Ivo Pala schreibt komplex und doch so eindringlich nachvollziehbar in einem Stil, der vorgelesen, vorlesend und selbst gelesen immer tiefer in die Geschichte zieht.

Dabei entsteht ein Kopfkino, das so einzigartig ist, dass es einfach skizziert werden musste. Die Idee war sehr schnell geboren und die wundervollen Kids des Kinderheims St. Alban und Peggy Steike erfüllten diesen Gedanken mit Leben. Eine Lesenacht mit „Der Drache hinter dem Spiegel“, Malutensilien und die Vorgabe „Hört einfach zu und malt, was euch gerade in den Sinn kommt“. Andächtiges Zuhören und das Kratzen von Buntstiften auf Leinwand. Wilde Striche und filigranes Skizzieren. Und als wir eine erste Pause machten, wollten wir unseren Augen kaum trauen.

Die fantastischen Kinderzimmer der O´Brians hatten ihre Spuren hinterlassen. Die Elfen, eine Bibliothek mit der großen Eule, das Piratenschiff, der Spiegel im Kellergewölbe und Drachen über Drachen hatten ihre Wege auf die Leinwände der Kinder gefunden. Und dabei waren sie hochkonzentriert in der Geschichte. Aufmerksam und wild spekulierend, wer denn nun der wahre Großvater sei. Und ganz nebenbei blieb auch noch Zeit für die ganz individuellen Wunschzimmer voller Rennautos und Bäume. Diesen Moment hätte ich Ivo Pala gerne vor Ort gegönnt. Seine Fantasie hat hier einen hochexplosiven Treibsatz der Imagination gezündet.

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Einen modernen und vielseitigen Autor, der inhaltlich und stilistisch auf den Spuren von J.R.R. Tolkien wandelt und es dabei vermag, Leser fast jeden Alters in seinen Bann zu ziehen, findet man nicht alle Tage. Der Drache hinter dem Spiegel ist ein zeitloses Märchen mit tiefer Botschaft, unbändiger Abenteuerlust und voller Bilder, die das Kopfkino zu einer unvergesslichen Vorstellung des Geistes werden lassen. Ivo Pala schreibt in die Herzen von Jungs und Mädchen.

Er lässt sich nicht in eine Form pressen, weil seine Geschichten selbst die Formen sprengen. Und er erlaubt sich erzählend Ausflüge in alle wesentlichen Mysterien unseres Lesens. Von Stonehenge, über Elfen, von der brennenden Bibliothek von Alexandria bis hin zum geheimnisvollen El Dorado. An seiner Seite reisen und erleben wir. Fühlen, sehen und verstehen. Dabei überfordert er nicht, gibt aber Raum für viele Fragen, die nach dem gemeinsamen Lesen am großen Tisch der Generationen diskutiert werden dürfen. Eine Meisterleistung.

Und doch darf man nie vergessen, wo wir dieses Buch vorgestellt und gemeinsam gelesen haben, wo wir uns befanden, als die kleinen Kunstwerke entstanden. Man darf nicht vergessen, wie die Kinder eines solch liebevoll geführten Kinderheimes empfinden, wenn sie eine solch fantastische Geschichte miterleben dürfen. Die Frage eines der ganz Kleinen am Ende der Lesenacht ist lange in unseren Herzen geblieben:

„Habe ich auch so etwas? Einen Großvater?“

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Der Drache hinter dem Spiegel von Ivo Pala

Bald mehr aus dem Kinderheim St. Alban. Die Lesenacht für die Großen; der Zebrawald; eine ganz besondere Lese-Challenge für Mr. Rail und viele emotionale Momente…

Ich mache genau an dieser Stelle weiter, danke „meinen“ Verlagen, Autoren, den Verantwortlichen des Kinderheims, Schwester Anna, Peggy und ganz besonders Euch… den Kids von St. Alban!

Eine Lesenach um kinderheim St. Alban - Ivo Pala "Der Drache hinter dem Spiegel"

Eine Lesenacht im Kinderheim St. Alban – Ivo Pala „Der Drache hinter dem Spiegel“