Der von den Löwen träumte von Hanns-Josef Ortheil

Der von den Löwen träumte - Hanns-Josef Ortheil - AstroLibrium

Der von den Löwen träumte – Hanns-Josef Ortheil – AstroLibrium

Er ist sicher einer der leisesten Autoren unseres Landes. Ein Mensch, der es nicht unbedingt liebt, im Mittelpunkt des medialen Interesses zu stehen. Ein Schriftsteller, der sich scheut, Bäder in den Menschenmassen zu nehmen und einer, der sich nicht gerne durch die Bücherwelt herumreichen lässt. Gerade das zeichnet ihn aus, weil er nur sein Schreiben in den Vordergrund stellt. Und genau das entspricht ihm. Es ist feinfühlig und empathisch. Es ist ein Schreiben der leisen Töne, die er jedoch so komponiert, dass es in Kompositionen mündet, die in ihrer Bildhaftigkeit unverwechselbar sind. Die Rede ist von Hanns-Josef Ortheil. Er zieht sich oft an Schauplätze seiner Romane zurück, lebt in der Atmosphäre der zu erzählenden Geschichte und lässt sich intuitiv vom Schreiben überraschen. Das Ergebnis ist für ihn selbst und seine Leser ein kleines Wunder.

So auch diesmal. „Der von den Löwen träumteist das wohl ungewöhnlichste Buch aus seiner Feder, weil der feinfühlige und bescheidene Schriftsteller sich hier mit einem Kollegen auseinandersetzt, der genau dem Gegenteil dessen entspricht, wie Ortheil im literarischen Kosmos wahrgenommen wird. Es geht um einen wahren Egozentriker, der literarisch absolut unübersehbar ist. Einen Schriftsteller, der sich beharrlich selbst in die gefährlichsten Krisenherde versetzte, um an diesen Extremsituationen zu wachsen. Ein Mann, der den Krieg suchte, sich in Stierkampfarenen stürzte und seine Ehefrauen mit zahlreichen Affären um den Verstand brachte, um in neue literarische Höhen vorstoßen zu können. Ernest Hemingway.

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Der von den Löwen träumte – Hanns-Josef Ortheil

Hanns-Josef Ortheil schreibt über Ernest Hemingway. Leisetreter trifft Lautsprecher könnte man schablonenhaft sagen. Für Ortheil jedoch lag wohl gerade hier der Reiz, in diesem Aufeinanderprallen so unterschiedlicher Charaktere eine Gemeinsamkeit in den Vordergrund zu stellen. Das Schreiben. Die Literatur. Die Gabe, Menschen mit Worten begeistern zu können. Dabei lohnt der Blick hinter die Kulissen, wenn der Vorhang zur Bühne noch geschlossen ist. Ein kleiner Blick, der doch aufschlussreich sein kann. So zog sich Hanns-Josef Ortheil auf eine Insel zurück. Torcello in der Laguna Morta, der nördliche Teil der Lagune von Venedig wurde zum Refugium seines Schreibens. Dort hatte Hemingway 1948 / 1949 in einer kleinen Pension zwei Zimmer gemietet, um sich und sein Schreiben wiederzufinden.

Was für ein perfektes Ambiente für einen Roman über jenen Mann, „Der von den Löwen träumte“. Die Zimmer sehen noch heute so aus, als würde Hemingway gleich zurückkehren. Sie verströmen einen Hauch seiner Präsenz. Genau hier schrieb Hanns-Josel Ortheil sein Buch über den Venedig-Aufenthalt Ernest Hemingways. Eine Phase, in der er sein Schreiben verloren hatte. Schreibblockade. Unsicherheit, worüber noch zu schreiben sein könnte, und wie es ihm wieder gelingen könnte. Nach zwei Kriegen, die er an vorderster Front erlebte, schien es nun an Extremsituationen zu mangeln. Er war in Begleitung seiner vierten Ehefrau Mary Welsh Hemingway und auch hier hatte der gute Ernest wohl sein Pulver verschossen, durch weitere Eskapaden für Eifersucht zu sorgen. Stillstand.

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Hier. Genau hier lässt sich Hanns-Josef Ortheil fallen. In der Abgeschiedenheit der kleinen Insel, im authentischen Ambiente des ehemaligen Biotops seines Protagonisten und mit freiem Blick auf die Lagune. Hier entsteht ein Buch, das Hemingway von vielen Seiten zeigt, die sich mir so noch nicht erschlossen haben. Wie eine Urgewalt bricht er mit kleiner Entourage über Venedig her. Äußerlich ungebrochen, weltmännisch und der ganz große prominente Autor. Innerlich verzweifelt auf der Suche nach Inspiration und dem Funken, der alles wieder in Gang setzen würde. Seine Ankunft spricht sich rum. In aller Munde ist die Kunde vom Weltstar in der Lagunenstadt. Schnell umgibt er sich mit Menschen, die ihm behilflich sein sollen. Ein kleiner lokaler Journalist und dessen Sohn Paolo öffnen ihm die Tore zu den kleinen und großen Geschichten von Venedig.

Ortheil beschreibt die widersprüchlichen Facetten eines Charakters, der einerseits nach Aufmerksamkeit heischt und andererseits auf der Suche nach Anonymität ist. Ein Widerstreit, der niemals spurlos an Hemingway vorüberging. Ortheil gelingt mit seinem Roman nicht nur, das gesamte Werk Hemingways im Kontext mit Venedig einzuordnen. Er schließt Lücken in der Darstellung eines Schriftstellers, der in seiner Außenwirkung extrem polarisierte. Venedig ist das Niemandsland zwischen den Schaffensphasen des Genies. Ein Territorium nach erstem Weltruhm, nach drei gescheiterten Ehen und noch deutlich vor der Verleihung des Literaturnobelpreises. Hier erleben wir Hemingway pur und greifbarer, als in so mancher Biografie.

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Hanns-Josef Ortheil erweist sich als großer Verführer. Diese Hommage an Ernest Hemingway verleitet dazu, in den Kanon seiner Bücher einzutauchen. Und Ortheil gibt den Weg vor, den man beschreiten kann, um sich die Meta-Ebene seines Romans zu erschließen. Warum kam Hemingway nach Venedig? Man lese einfach seinen Roman über den Ersten Weltkrieg „In einem anderen Land“. Welches Buch entstand während seines Aufenthaltes am Ende der 1940er Jahre? Man lese den Venedig-Roman „Über den Fluss und in die Wälder“. Was ihn zum wahren Meisterwerk „Der alte Mann und das Meer“ inspirierte, erfährt man jedoch besser als in jeder Biografie von Hanns-Josef Ortheil im Roman „Der von den Löwen träumte“.

Ein Roman, der eine Zeit beschreibt, in der die Lebensgeister Hemingways neuen Aufschwung erhielten. Gespräche mit einem jungen Fischer, die eine Idee reifen und Gestalt annehmen ließen, die Hemingway zur Legende machte. Eine platonische oder eben gar nicht platonische Affäre mit der blutjungen Venezianerin Adriana Ivancic, mit der er literarisch „Über den Fluss und in die Wälder“ zog. Sie ist seine „Renata“. Eine Affäre, die seine Ehe belastete und die Weltpresse in Atem hielt. Und dann sind es die leisen Momente auf der Suche nach dem eigenen Schreiben, die Hemingway inmitten der größten Schreibblockade seines Lebens so nahbar machen. Ortheil gelingt eine im großen Ganzen und im Detail extrem atmosphärische Charakterstudie, die zugleich die Liebeserklärung Hemingways an die Lagunenstadt widerspiegelt.

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Der von den Löwen träumte – Hanns-Josef Ortheil

Ich habe mir oft vorgestellt, wie es wohl wäre, beide Schriftsteller an einem Tisch in Harry`s Bar erleben zu können. Ich denke, sie hätten sich viel zu erzählen. Wobei doch die Gefahr bestünde, dass Hemingway in einem seiner endlosen Monologe über sich und die Welt dozieren würde, während Hanns-Josef Ortheil still und leise genießen und beobachten würde. Und wahrscheinlich würde Hemingway den guten Ortheil unter den Tisch trinken. Aber das ist nur eine Vermutung. Lesenswert. Nicht nur für Fans von Ernest Hemingway, sondern eben auch für diejenigen, die der feinen Feder Ortheils treu ergeben sind.

Mehr zu Ernest Hemingway findet man hier. Die kleine literarische Sternwarte ist ein Ort, an dem sich sein Schreiben vielfältig verankert hat.

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Hemingway – Die große Hörspiel-Edition zum 120. Geburtstag

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Hemingway – Die große Hörspiel-Edition

Idaho, die Kleinstadt Ketchum am 2. Juli 1961. Eigentlich ein ruhiger Sonntag. Bis ein Schuss plötzlich die Stille zerfetzt und nicht nur die ländliche Idylle zerstört, sondern die gesamte Weltliteratur in Aufruhr versetzt.

Ernest Hemingway (61), Literaturnobelpreisträger und zu dieser Zeit der populärste Schriftsteller nicht nur seines Landes, hatte seinem Leben ein lautstarkes Ende gesetzt. An einem Punkt angekommen, der keinen Ausweg mehr offenließ, an dem der Alkohol und die Depression die grenzenlose Fantasie eines Genies endgültig besiegten, sah er nur diesen einen Weg – diese eine Schrotflinte…

Ein einziger Schuss. Ein Volltreffer ins Herz von zahllosen Lesern und Fans. Nicht jedoch das Ende, sondern vielmehr die Geburtsstunde einer Legende. Hemingway lebt in seinen Büchern weiter. In seinen großen Erfolgen, seinen brillanten Kurzgeschichten und den posthum erschienenen Romanen wie “Die Wahrheit im Morgenlicht”.

“Der alte Mann und das Meer” erhob ihn in den Olymp der Weltliteratur. Unzählige Auszeichnungen und Ehrungen wurden zu treuen Wegbegleitern des Schriftstellers und doch wurde sein Geist von unzähligen Zweifeln geplagt. Versagensangst, Verzweiflung und melancholische Rückblicke auf gescheiterte Beziehungen sowie ein extrem wildes und ausschweifendes Leben kennzeichneten die letzten Jahre von Ernest Hemingway.

Am 21. Juli würde Hemingway 120 Jahre alt. Nur die Hälfte dieses Jubiläums hat er schadlos überstanden und doch hallt seine mächtige Stimme bis heute nach. Kaum ein zweiter Schriftsteller wird so oft zitiert, kaum ein zweiter wird so nachhaltig gefeiert und kaum einem zweiten Autor widmet man noch heute brandaktuelle Romane, die sich mit seinem Leben, seinen Romanen, seinen Ehefrauen, seinen Beziehungen oder mit den Anfängen seines Schaffens in Paris auseinandersetzen. Vielschichtig ist mein Lesen an seiner Seite. Meine Hemingway-Bibliothek kommt eigentlich nie zur Ruhe. Seine Werke stehen hier in Reih und Glied mit den Romanen über ihn. Beispiele gefällig?

Über Hemingway:
Und alle benehmen sich daneben
von Lesley M.M. Blume
Madame Hemingway von Paula McLain
Hemingway & ich von Paula McLain

Von Hemingway
Paris – Ein Fest fürs Leben von Ernest Hemingway
Fiesta“ von Ernest Hemingway

Indirekt mit Hemingways Zeit in Paris verbunden:
Himbeeren mit Sahne im Ritz
von Zelda Fitzgerald
Für dich würde ich sterben von F. Scott Fitzgerald

Ein Zitat aus seiner Feder wurde für mich persönlich zur Richtschnur meines Lesens und auch des eigenen Schreibens. Kein anderes Zitat erklärt so tiefgreifend, warum er einen solchen Erfolg hatte, was seine Bücher so unvergleichbar macht und wie er sich von anderen Schriftstellern und Schriftstellerinnen unterscheidet. Betrachtet man diese Worte als Richtschnur des guten Lesens, dann macht man nichts falsch. Dann hat man verinnerlicht, was uns Ernest Hemingway mit ins Leben geben wollte:

Beschreibe kein Gefühl – Verursache es! (Ernest Hemingway)

Wie kann man Hemingways 120. Geburtstag besser feiern, als ihn indirekt selbst zu Wort kommen zu lassen? Wie kann man diesen Tag begehen, ohne sich in Gedanken nach Paris zu begeben, in der Buchhandlung Shakespeare & Company ein ruhiges Plätzchen zu suchen und seinen großen Geschichten zu lauschen. Mein Lieblingsort in der Seine-Metropole ist ein magischer Ort. Man denkt, sie wären immer noch hier. Die Hemingways, Fitzgeralds und Elliots, die der legendären Buchhändlerin und Verlegerin Sylvia Beach alles zu verdanken haben. Hier bin ich nun und höre:

Hemingway – Die große Hörspiel-Edition (Der Audio Verlag)

Hier sind sie in einer Edition vereint. Seine wichtigen Romane und Erzählungen, die seinen Weltruhm begründen. Den Charme dieser Hörspieledition mit den Stimmen von Rosemarie Fendel, Peter Lieck und vielen anderen verdankt die Editions- Neuauflage auch ihrem Alter. Der typische Hörspielsound der 1950er Jahre schmiegt sich an diese Texte an, wie ein guter alter Straßenschuh, den Ernest Hemingway selbst getragen hat. Hier ist noch heute nichts angestaubt, nichts klingt antik und doch vermitteln alle Texte dieser Sammlung eine ganz besondere Authentizität. Dabei sind sie auf den wesentlich inhaltsbestimmenden Kern der Originale verkürzt, um uns zügig in das Universum des Schriftstellers zu entführen.

8 CDs mit einer Gesamtlaufzeit von 8 Stunden und 48 Minuten lassen uns also in überschaubarer Zeit 8 Werke aus der Feder von Hemingway hautnah erleben.

Die Box enthält:

»Der Unbesiegte«, SDR (heute SWR) 1953
»In einem andern Land«, WDR 1958
»Das kurze glückliche Leben des Francis Macomber«, SDR 1951
»Schnee auf dem Kilimandscharo«, SDR (heute SWR) 1977
»Haben und Nichthaben«, SDR (heute SWR) 1955
»Wem die Stunde schlägt«, SWF (heute SWR) 1948
»Der alte Mann und das Meer«, SWF (heute SWR) 1953
»Um eine Viertelmillion«, SDR (heute SWR) 1952

Dabei knüpfen diese Erzählungen an die Romane an, die heute über Hemingway geschrieben werden. Der Kriegsberichterstatter und Abenteurer manifestiert sich im spanischen Bürgerkrieg, den Hemingway an der Seite von Martha Gellhorn erlebte. In Paula McLains Roman Hemingway & ich erfahren wir alles über die Entstehung des Romans „Wem die Stunde schlägt“. Hier schließen sich viele Kreise. „Der alte Mann und das Meer“ ist symbolisch für den ewigen Kampf des Menschen mit und gegen die Natur. Ein Leitmotiv, das Hemingway seit „Fiesta“ faszinierte. An der Novelle „Schnee auf dem Kilimandscharo“ lässt sich exemplarisch Hemingways Zerrissenheit ablesen. Im Leben an den wichtigen Fragen gescheitert, in der Liebe orientierungslos und nur in freier Wildbahn zu klaren Gedanken fähig. Starke Texte. Stark inszeniert.

Ich bin Ernest gerade wieder begegnet. „Propaganda“ von Steffen Kopetzky zeigt, wie groß sein Einfluss auf die heutige Literatur immer noch ist. Er ist relevant. Er spielt eine mehr als wichtige Rolle in der Aufarbeitung von Kriegen, gilt als Symbolfigur eines Kriegsberichterstatters, der alle Grenzen überschreitet, um selbst Grenzerfahrungen zu erleben. In Propaganda folgt man ihm ins Frankreich des Zweiten Weltkriegs. Man will sein Charisma nutzen, man will ihn für Propagandazwecke instrumentalisieren. Ernest Hemingway spielt auch in diesem Roman eine Hauptrolle. Meine Rezension folgt, wenn Propaganda erschienen ist. (August 2019 / Rowohlt). Ein wenig Geduld, dann geht´s weiter mit dem alten Mann und der Literatur. Happy birthday, Nesto…

Hemingway - Die große Hörspiel-Edition - AstroLibrium

Hemingway – Die große Hörspiel-Edition

„Hemingway & ich“ von Paula McLain

Hemingway & ich von Paula McLain - AstroLibirum

Hemingway & ich von Paula McLain

Es gibt Schriftsteller, die sich in Lebensgefahr begeben müssen, um die volle Kraft ihrer Kreativität zu entdecken. Autoren, die auf dem Boden der brutalen Realität und im Angesicht des Todes den Adrenalinstoß bekommen, der ihre schöpferische Energie zur Explosion bringt. Die Klarheit des eigenen Blicks auf die Welt und die Vermeidung aller ablenkenden und romantisierenden Einflüsse gilt als eine der wichtigsten Bedingungen für das echte Schreiben. Ernest Hemingway ist hier sicher das Paradebeispiel. Es ist der Stierkampf in Spanien, die eigene Flucht vor den blutrünstigen Tieren in Pamplona, die seinen Roman „Fiesta“ erst möglich machten. Es ist seine Rolle als Reporter in den blutigen Kriegen seiner Zeit, die aus dem Kriegsberichterstatter einen Nobelpreisträger für Literatur machten.

Es waren der spanische Bürgerkrieg und die Machtübernahme General Francos, der Kampf einer internationalen Liga der Aufrechten gegen die Diktatur, die aus dem schon weltbekannten Autor eine wahre Legende machten. Ernest Hemingways Stunde schlug, als die Revolutionäre untergingen. Sein größter Roman „Wem die Stunde schlägt“ ist ohne den Blutgeruch im umkämpften Madrid nicht denkbar. Aber es waren nicht nur die großen Kriege, die er verzweifelt suchte, um sein Schreiben zu finden. Seine Kriege im privaten Leben trugen die Namen seiner Ehefrauen. Hadley, Pauline und Martha. Nur die letzte Ehefrau blieb bis zum Schluss. Mary. Was blieb ihr auch übrig? Hier brauchte es keine Scheidung. Eine Schrotflinte und ein Selbstmord reichten völlig aus. Der letzte Schuss in den lebenslangen Liebeskriegen Ernest Hemingways.

Hemingway & ich von Paula McLain - AstroLibirum

Hemingway & ich von Paula McLain

Sich Hemingway anzunähern, bedeutet gleichzeitig mit der jeweiligen Ehefrau auf Tuchfühlung zu gehen, die in der betreffenden Lebensphase zu seinem Kriegsgegner mutierte. Ihre Perspektiven sind mehr als erhellend für das Verständnis eines der wohl größten Schriftsteller der Literaturgeschichte. Ich bin Hadley in „Madame Hemingway“ von Paula McLain begegnet. Ich traf auf sie in Hemingways eigenem Werk, „Paris, ein Fest fürs Leben“. Ich erlebte Pauline an seiner Seite im Roman „Und alle benehmen sich daneben“ von Lesley M.M. Blume und sah, wie der Ehe-Staffelstab an die jeweils neue Gefährtin übergeben wurde, die behaupten durfte „Als Hemingway mich liebte“ im Roman von Naomi Wood. Jedes Buch ein echter Kriegsbericht. Jedes Szenario nur Futter für seine Romane. Hemingway war ein Verräter. „Fiesta“ mag da als Beispiel im Gesamtwerk des gar nicht noblen Preisträgers dienen.

Und nun ist es erneut Paula McLain, die mir eine der Hemingway-Ladies in seine Ehekriegs-Bibliothek schreibt. „Hemingway & ich“. Man muss keines der anderen Bücher gelesen haben, um literarisch und biografisch anzukommen. Man muss keinen Hemingway-Roman gelesen haben, um hier gefesselt zu werden. Nein. Man muss nur neugierig genug sein, aus den Lebens- und Liebesumständen eines Schriftstellers auf sein Schreiben zu schließen, dann ist man hier genau richtig. Martha Gellhorn ist die ich“ in diesem Roman. Sie ist es, die als dritte Ehefrau Hemingways in die Geschichte einging. Sie ist es, die als einzige Ehefrau Hemingway verließ, bevor ihr der Staffelstab abgenommen wurde. Sie ist wohl mit Sicherheit die schillerndste Persönlichkeit, an der sich das große Ego Hemingway reiben durfte. Ihre Stunde schlug, als ihr Ehemann sie im Roman „Wem die Stunde schlägt“ verewigte. Aus der literarischen Liebeserklärung wurde schneller ein kalter Krieg, als sie es jemals für möglich gehalten hätte.

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Hemingway & ich von Paula McLain

McLain hat eine Charakterstudie jener Martha Gellhorn verfasst, die zeigt, wie sehr ein Buchtitel täuschen kann. Hier geht es nicht um Weggefährten, hier geht es nicht um die große Liebe eines Lebens, hier geht es um die Degradierung einer Frau, die selbst nur daran gemessen wurde, mit wem sie verheiratet war. Dabei war sie ebenbürtig. Im Leben wie im Schreiben. Zwei konkurrierende Geister, zwei schreibende Intellektuelle, ein gemeinsames Leben. Unmöglich. Dazu in den frühen 1930er Jahren, in denen eine Frau als Schriftstellerin einen extrem schweren Stand hatte. Martha Gellhorn sah sich immer als eigenständige Persönlichkeit. Die Ehe machte sie für die Öffentlichkeit nur zu einem Anhängsel. Schwer zu verkraften. Ein Schicksal, das sie mit Eleanor Roosevelt teilte, der sie in dieser Zeit begegnete und die sie sehr schätzte.

Paula McLain begleitet das Literatur-Traumpaar durch die gemeinsamen Liebes- und Lebensphasen. Vom ersten Kennenlernen, über die erste stürmische Verliebtheit bis zu den dunklen Wolken aus Alkohol, Eifersucht und Missgunst, die jener Beziehung den Todesstoß versetzten. Es fällt nicht schwer, sich auf Marthas Seite zu schlagen. Im Kampf um mediale Aufmerksamkeit wirkt Hemingway wie ein an ADHS leidendes Kind. Neben ihm kann es keinen klugen Geist geben. Dominanz wird zur Bestimmungsgröße einer Beziehung. Es ist faszinierend, diesem Weg lesend zu folgen. Und im Wissen um die Lebensgeschichte Hemingways ahnt man natürlich nichts Gutes, wenn Konflikte zu Eisbergen werden. Ein Schriftsteller, der zeitlebens auf der Suche nach Adrenalin und Kontroverse ist kann keinen privaten Ruhepol dulden, der ebenso intellektuell ist wie er selbst.

Hemingway & ich von Paula McLain - AstroLibirum

Hemingway & ich von Paula McLain

Hemingway & ich“, erschienen im Aufbau Verlag, ist mehr als nur ein Mosaikstein im Gesamtverständnis für einen großen Schriftsteller. Dieser Roman stellt Martha Gellhorn in den Mittelpunkt und man hat das Gefühl, dass dies nur allzu gerecht ist. Dabei geht Paula McLain keine blinde Allianz mit ihrer Protagonistin ein. Sie hinterfragt kritisch, ist unparteiisch und bleibt selbst im hässlichsten Konflikt weitgehend neutral. So wird man als Leser zum Zeugen der unwiderstehlichen Anziehungskraft zweier Magneten, die im Taumel der Leidenschaft die Umkehrung der Energie durchleiden müssen. Ich bin mit einer großen Erwartungshaltung in dieses Buch eigestiegen. Paula McLain hat mich im Lesen bisher nicht enttäuscht. Und auch diesmal ist es ihr nach „Madame Hemingway“ und „Lady Africa“ erneut gelungen, einen emotionalen und differenzierten literarischen Meilenstein in meinem Lesen zu verankern.

Es fällt mir leicht, dieses Buch zu empfehlen. Es steckt voller Zitate, die der großen Leidenschaft und der zunehmenden Zerrissenheit gerecht werden. Es ist spannend, im spanischen Bürgerkrieg mitzuerleben, wie sich ein großes Buch der Literaturgeschichte zu entwickeln beginnt. „Wem die Stunde schlägt“ erlangt in diesem Buch eine andere und neue Bedeutung. Ingrid Bergmann ist eine gute Besetzung in der Verfilmung. Eine bessere Wahl wäre jedoch Martha Gellhorn gewesen. Sie hätte sich selbst gespielt. Ein Gedanke, der mich nicht mehr loslässt, seit ich „Hemingway & ich“ beendet habe. Am Ende des Lesens schenke ich mir einen Whisky ein und erhebe mein Glas auf Martha Gellhorn. Ich denke, das würde ihr gefallen…

Eleanor Roosevelt verbindet dieses Buch mit dem neuen Roman von Amy Bloom. Es lohnt sich auf jeden Fall „Meine Zeit mit Eleanor“ zu lesen, wenn man Lorena Hickok kennenlernen möchte. Starke Frauen in Zeiten, in denen man schwache Frauen liebte.

Hemingway & ich von Paula McLain - AstroLibirum

Hemingway & ich von Paula McLain

Mein Hemingway-Kosmos lädt zum Lesen ein. Herzlich willkommen.

Madame Hemingway von Paula McLain
Und alle benehmen sich daneben Lesley M.M. Blume
Als Hemingway mich liebte von Naomi Wood (Rezension bei Herzpotenzial)
Paris – Ein Fest fürs Leben von Ernest Hemingway
Fiesta“ von Ernest Hemingway
Die große Hörspieledition – Zum 120. Geburtstag

Hier geht´s zu meinen Weihnachtsempfehlungen und einer besonderen Aktion!

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Hemingway & ich von Paula McLain

(Rezi-Shortcut) „Fiesta“ von Ernest Hemingway

Der Rezi-Shortcut bei AstroLibrium: Fiesta von Ernest Hemingway

Vorbemerkung: Ein Rezi-Shortcut ist der Versuch der Annäherung an ein Buch, das in meinem Lesen von eher sekundärer Bedeutung ist. Hierbei werden im Wesentlichen die Bücher besprochen, die einen Leseweg kreuzen, ihn tangieren oder am Rande der aktuellen Beschäftigung mit einem Buch auftauchen und Spuren hinterlassen. Dabei ist die Kurzfassung der Buchvorstellung an sich kein Qualitätsmaßstab für das Werk.

Fiesta von Ernest Hemingway

Anlass für diesen Rezi-Shortcut: Meine Auseinandersetzung mit Ernest Hemingway und dem Beginn seiner Karriere als Schriftsteller. Bücher, die ihn in den Mittelpunkt der Betrachtung geraten lassen:

Direkte Hinweise auf den Ausgangspunkt der Legendenbildung:
Und alle benehmen sich daneben von Lesley M.M. Blume
Madame Hemingway von Paula McLain
Als Hemingway mich liebte von Naomi Wood
Paris – Ein Fest fürs Leben von Ernest Hemingway
Die große Hörspieledition – Zum 120. Geburtstag

Indirekt mit Hemingways Zeit in Paris verbunden:
Himbeeren mit Sahne im Ritz
von Zelda Fitzgerald
Für dich würde ich sterben von F. Scott Fitzgerald

Fiesta von Ernest Hemingway

Sein Weg von der Reportage über die Kurzgeschichte bis hin zum ersten Roman ist so außergewöhnlich, dass man nach dem Lesen der direkt mit dem Paris der wilden Zwanziger Jahre in Verbindung stehenden Werke gezwungen ist, Fiesta zu lesen. Es war Hemingways erster Roman und stellte den von vielen vorhergesagten Durchbruch in der Literaturszene dar.

Der Inhalt:

Britische Lady mit zweifelhaftem Ruf befindet sich in Begleitung von vier Männern im spanischen Pamplona, um das jährlich stattfindende Stierkampf-Festival zu erleben. In fast wahlloser Reihenfolge verdreht sie ihren Reisegefährten den Kopf, bricht ein Herz nach dem anderen und genießt die rauschhafte Zügellosigkeit jenseits der moralischen Normen des Jahres 1925. Die animalische Faszination der Sanfermines vermischt sich mit der aufbrandenden Eifersucht zwischen den Männern. Als sich Lady Brett Ashley in dem jungen Matadoren Pedro Romero den nächsten Liebhaber aussucht, fließt neben dem Blut der Stiere auch das der Reisebegleiter in den Sand der spanischen Arena.

Das bahnbrechend neue literarische Stilmittel:

Kurz, prägnant und im Verzicht auf ausschmückende Adjektive beginnt mit Fiesta ein neues Kapitel der sprachlichen Ausgestaltung von Romanen. Hemingway schreibt nicht, dass etwas „schön“, „warm“, „groß“ oder „blutig“ ist. Er erzählt so, dass man kein Eigenschaftswort benötigt, weil er seiner Beschreibung die Eigenschaften verleiht. Sein Satzbau ist gestrafft, von Wiederholungen geprägt und weist keine Schnörkel auf. Hier unterscheidet er sich von allen literarischen Größen seiner Zeit und folgt dem Einfluss der Pariser Literaturszene um Ezra Pound und Gertrude Stein.

Beschreibe kein Gefühl – Verursache es! (Ernest Hemingway)

Fiesta von Ernest Hemingway

Kritik:

Die verlorene Generation verschafft sich Raum in „Fiesta“. Das Leben will gelebt werden. Die Schrecken des Ersten Weltkrieges sind nicht überwunden. Jetzt muss man sich neu erfinden, gesellschaftliche Normen verwerfen, sich dem Rausch der Begierde und des Alkohols hingeben. Diese Atmosphäre fängt Hemingway in den Schauplätzen seines Romans Paris und Pamplona brillant ein. Sein erster Roman ist jedoch viel eher eine Reportage, als eine fiktionale Geschichte. Alles selbst erlebt, alles gut beobachtet und alles in „Fiesta“ eingebaut, was bei drei nicht auf dem Baum war.

„Fiesta“ macht aus dem Journalisten Ernest Hemingway den Schriftsteller. Dabei kopiert er alle Protagonisten aus dem Leben in diesen Roman hinein. Sein Abbild, der Ich-Erzähler Jack Barnes, wird dabei am deutlichsten verfremdet. Die Impotenz einer ganzen Epoche, ihre Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit manifestiert sich im einzigen Mann der Reisegesellschaft, der nicht zum Bettgespielen von Lady Brett Ashley taugt.

Fazit:

Lesenswert. Aus heutiger Sicht Lehrstück autobiografischen Schreibens geprägt vom Verzicht auf jegliche Beschreibungen, die der Leser nicht schon atmosphärisch in sich aufgesaugt hat. Ein verletzender Roman für diejenigen, die Hemingway kopierte. Eine atmosphärische Annäherung an den ewigen Kampf zwischen Mensch und Tier, die den Stierkampf aus Pamplona später auf hohe See verlegte. Hier schrieb der „Junge Mann und der Sand“, der bald der „Alte Mann und das Meer“ werden sollte.

Wie sein Leben weiterging? Martha Gellhorn erlebte es an seiner Seite

Fiesta von Ernest Hemingway

Lesley M.M. Blume: „Und alle benehmen sich daneben“

Und alle benehmen sich daneben von Lesley M.M. Blume

Literaturwissenschaft ist, wenn Literatur Wissen schafft. Hintergründiges kann sie vermitteln, Neues herausarbeiten und Interpretationshorizonte öffnen, die ansonsten für immer im Verborgenen bleiben würden. Wie bei archäologischen Ausgrabungen hat ein Schriftsteller, der sich durch das Sedimentgestein der Literaturgeschichte wühlt, ein Ziel vor Augen. Kein Stein bleibt auf dem anderen und selbst die kleinste Spur ist relevant. Lesley M.M. Blume hat im Paris der goldenen 1920er Jahre ihr eigenes literarisches Gräberfeld gefunden und sich Schicht um Schicht in die Tiefe vorgegraben. Ihre Funde hat sie nun veröffentlicht und wer nur einen Hauch von Interesse dafür hat, wie damals gelebt, geliebt und geschrieben wurde, der muss ihr Buch einfach lesen.

Und alle benehmen sich daneben(dtv) ist dabei das Ergebnis einer gezielten und einzigartigen Spurensuche nach den Ursprüngen der Karriere eines Schriftstellers, der als Namenloser nach Paris kam und sich vorgenommen hatte, die Welt der Literatur zu verändern. Ernest Hemingway. Lesley M.M. Blume setzt dabei nicht voraus, dass man sich zuvor intensiv mit dem späteren Literaturnobelpreisträger beschäftigt hat. Sie setzt nicht voraus, dass man sein Lebenswerk gelesen oder seine Biografie studiert hat. Sie setzt nur eines voraus: Die pure Lust am Lesen!

Und alle benehmen sich daneben von Lesley M.M. Blume

All jene, die Ernest Hemingway in seinen eigenen Büchern oder in Werken über ihn bereits begegnet sind, werden überrascht sein, was dieses biografische Standardwerk für sie bereithält. Denn ein Standardwerk ist es zweifelsohne, da es Lesley M.M. Blume auf unnachahmliche Art und Weise gelingt, nicht nur Hemingways Charakter, sondern auch seinen ersten Roman Fiesta schonungslos zu sezieren und in den Kontext aller persönlichen Verflechtungen zur internationalen Literaturszene zu setzen, die damals in Paris so schillernd strahlte, wie nirgendwo auf der Welt. „Paris. Ein Fest fürs Leben“. Unter diesem Titel schrieb Hemingway selbst über diese ersten Jahre und vielleicht ist es erst sein Originaltitel der zeigt, wie sich der aufstrebende Literat hier gefühlt haben muss. „A Moveable Feast“. Wie ein beweglicher Feiertag kam ihm sein Leben in der pulsierenden Metropole an der Seine vor. Nur war Hemingway nie in der Lage, sich nur treiben zu lassen und die Atmosphäre zu genießen. Er war getrieben von Ehrgeiz und Neid.

Der Ehrgeiz, endlich veröffentlicht zu werden und Neid auf all jene, die es bereits geschafft hatten. Hemingway war Suchender und Strebender zugleich. Er kontaktierte alle, die seinen Zielen dienlich sein konnten, verschaffte sich Zugang zu den höchsten literarischen Kreisen in Paris und versuchte in den Literatursalons zu beeindrucken. Er brachte viel mit. Den Ruf eines abenteuerlustigen und gefahrenerprobten Journalisten, ein gewisses Talent, das sich jedoch zuerst auf Kurzgeschichten beschränkte und das Charisma eines Mannes, der in der Lage sein könnte, die etablierten Büchergötter vom Olymp zu stoßen.

Und alle benehmen sich daneben von Lesley M.M. Blume

Dieser bewegliche Feiertag fühlte sich für den erfolgshungrigen Hemingway an, wie das Schlaraffenland der Literatur. Die ganze Welt blickte auf diese Stadt. Alles, was in der Szene Rang und Namen hatte, war hier versammelt und nur in Paris konnte es gelingen, die Kontakte für den persönlichen Durchbruch zu knüpfen. Schnell wurde Hemingway klar, dass im nur eine Kleinigkeit fehlte, um im Konzert der Aufstrebenden mitspielen zu können. Er brauchte einen Roman. Er brauchte ein Buch, das sprachlich so anders war, so sehr für den Zeitgeist einer neuen Generation stand und das in jeder Hinsicht einschlagen sollte, wie eine literarische Bombe.

Lesley M.M. Blume lässt keinen Aspekt des Lebens in den Wilden Zwanzigern in Paris außer Betracht. Sie nimmt uns an die Hand führt uns an der Seite von Ernest in die höchsten Kreise ein. Sie verschafft uns Zutritt zu Gertrude Stein, Ezra Pound und Sylvia Beach, Verlegerin und Inhaberin der legendären Buchhandlung „Shakespeare and Company“. Sie macht uns bekannt mit den Lebemännern und -frauen der Pariser Gesellschaft und überall wo wir auftauchen hinterlässt der junge Hemingway Eindruck. Er saugt alle Ratschläge auf, vermittelt den Anschein eines gelehrigen Schülers und ist schnell im Herzen einer literarischen Avantgarde angekommen, die bahnbrechend sein kann.

Und alle benehmen sich daneben von Lesley M.M. Blume

Wir lernen Ernest Hemingway in allen Facetten kennen. Reporter, Schriftsteller und Ehemann. Rollen, die er perfekt spielte und in denen er stets dominierte. Er zeigt schon früh, dass er gewillt ist, alles seinem Erfolg unterzuordnen. Lesley M.M. Blume entlarvt Hemingway, indem sie aus Briefen, Nachlässen und Zeitzeugnissen schöpft, indem sie die Memoiren von Zeitzeugen durchforstet und dabei schonungslos offenlegt, wie weit Hemingway zu gehen bereit war, um erfolgreich zu sein. Er kannte keine Skrupel, wenn es darum ging, sich über diejenigen lustig zu machen, die ihre Hand schützend über ihn gehalten hatten. Er war brutal gegen sich und andere. Er machte sein Umfeld nutzbar. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Lesley M.M. Blume beschreibt eine Zeit, in der sich jeder daneben benommen hat. Sei es in menschlicher, sozialer oder gesellschaftlicher Hinsicht. Skandale und Abkehr von normativen Standards gehörten zur Tagesordnung, wenn man sich Nachklang des Ersten Weltkriegs befreien und einfach nur leben wollte. Die verlorene Generation war auf dem Weg zu neuen Ufern und Ernest Hemingway war ihr literarischer Vorreiter. Er überwand die Grenzen des Schreibens, erneuerte es in seinem ganz eigenen Stil. Wie zielgerichtet er dabei vorging und wie sehr er an seiner eigenen Legende schrieb, wird im vorliegenden Buch nur zu deutlich. Er wurde der Königsmörder an seinen Freunden und Wegbereitern. Er machte sich eine Welt Untertan, die nur auf ihr zu warten schien.

Und alle benehmen sich daneben von Lesley M.M. Blume

Folgen Sie der Einladung von Lesley M.M. Blume zu einem grandiosen Exkurs in die Hochkultur der Literatur. Sie werden einen unglaublichen Spaß daran haben, zu erleben wie ausgeprägt das „Hase-und-Igel-Spiel“ zwischen Hemingway und F. Scott Fitzgerald war. Jenem Schriftsteller, der immer eine Nasenspitze voraus war, dessen Lebensstil dem entsprach, was Hemingway sich erträumte und dessen Romane schon veröffentlicht waren, als sein Konkurrent noch um die Veröffentlichung kleiner Stories bangen musste. Erleben Sie Hemingway im Umgang mit seinen Frauen, Geliebten und Affären. Auch hier verdeutlicht die Autorin, wofür er empfänglich und zu was er bereit war, wenn es darum ging, an seinem Mythos zu arbeiten. Für jeden Roman eine neue Frau – eine These, die nicht von der Hand zu weisen ist.

Werden Sie zu Zeugen des ultimativen Castings für Hemingways ersten Roman. Dieses Buch zeigt wie kein anderes, wer sich hinter den Romanfiguren aus „Fiesta“ verbirgt, wem Hemingway lebenslang eine gewaltige Bürde mit auf den Weg gab und wie sein direktes Umfeld darauf reagierte. Und lernen Sie die schillerndsten Gestalten des Pariser Lebens in den Zwanziger Jahren kennen. Lady Duff Twysden, Harold Loeb, Kitty Cannell und Pauline Pfeiffer. Sie alle werden bleibenden Eindruck in Ihrem Lesen hinterlassen. Und nicht zuletzt werden Sie mein Gefühl teilen und unmittelbar nach der letzten Seite von „Und alle benehmen sich daneben“ mit frisch erwachtem Eifer nach Pamplona zu reisen um voller Lesenslust „Fiesta“ zu genießen.

Und alle benehmen sich daneben von Lesley M.M. Blume – High Society

Buch, was willst du mehr? Unterhaltend, schillernd und facettenreich wie das Leben selbst, gelingt es Lesley M.M. Blume der Zeitscheibe im Leben von Ernest Hemingway Leben einzuhauchen, die für seinen späteren Erfolg von größter Bedeutung war. Nichts ist redundant, selbst wenn man andere Bücher kennt, die sich mit Hemingway in dieser Zeit beschäftigen. Lesen Sie weiter, wenn Sie das Feuer gepackt hat. In diesen Werken brennt es bücherloh:

Madame Hemingway von Paula McLain
Als Hemingway mich liebte von Naomi Wood (Rezension bei Herzpotenzial)
Paris – Ein Fest fürs Leben von Ernest Hemingway
Fiesta von Ernest Hemingway
Hemingway & ichvon Paula McLain
Die große Hörspieledition – Zum 120. Geburtstag

Lesen Sie bitte jetzt, was ich über F. Scott Fitzgerald schrieb. Für dich würde ich sterben lautet der Titel einer Sammlung bisher unveröffentlichter Kurzgeschichten. Es ist ein Buch, das einen anderen Fitzgerald zeigt. Hemingway hatte ihn schon hinter sich gelassen und der Ruhm verblasste. Er kämpfte mit Kurzgeschichten um seinen Ruf!

Und alle benehmen sich daneben von Lesley M.M. Blume