„Acht Berge“ von Paolo Cognetti

Acht Berge von Paolo Cognetti

Manche Bücher erscheinen aus rein persönlicher Sicht „Just in Time“. Sie treffen ihre Leser aus der Tiefe des Raums und zeigen ihnen, dass sie mit ihren Fragen nicht allein sind auf dieser Welt. Hier geht es nicht um Ratgeber oder Lebensweisheiten, die uns zur Seite stehen. Es sind Romane, die Themen aufgreifen, die relevant sind und in besonderer Art und Weise Stimmungen und Gefühle reflektieren, die uns beschäftigen und denen wir auf den Grund gehen wollen. Es sind Stimmen unserer Zeit, die zeitlose Fragen aufgreifen und allein schon deshalb inspirieren oder zum Diskurs anregen.

Acht Berge“ von Paolo Cognetti ist ein solcher Roman. In einer globalisierten und immer urbaner ausgerichteten Welt widmet sich der italienische Schriftsteller wohl nicht ganz zufällig der Frage, welcher Lebensweg in diesen Zeiten der richtige ist. Er schreibt über individuelle Lebensentwürfe und ihre Konsequenzen. Dabei ist sein Roman sicher auch autobiografisch angehaucht, da sein eigenes Leben in der Zerrissenheit des Plots angesiedelt ist, den sein Buch in den Mittelpunkt stellt. Paolo Cognetti lebt in Mailand, hat vor seinem literarischen Durchbruch Dokumentarfilme produziert und verbringt die Freizeit am liebsten in der Abgeschiedenheit seiner Berghütte im Aosta-Tal…

Acht Berge von Paolo Cognetti

Wer „Acht Berge“ aufmerksam liest, wird Paolo Cognetti hier wiederfinden. Seine Geschichte handelt von zwei Freunden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Bruno und Pietro verbringen in ihrer Jugend viel Zeit miteinander. Bruno, ein Kind der Berge und Pietro, ein typischer Stadtjunge, der mit seinen Eltern die Ferien im Monte-Rosa- Massiv verbringt. Es vergeht keine Stunde dieser gemeinsamen Erlebniswelt, in der die beiden Welten nicht aufeinanderprallen. Und doch entsteht in der Schnittmenge dieser Lebenswahrheiten eine Freundschaft, die mehr als dreißig Jahre Bestand haben sollte.

Die Berge sind Zufluchtsort und Refugium zugleich. Abenteuer pur für zwei Jungs, die den Blick noch nicht in die Zukunft gerichtet haben, sondern im Hier und Jetzt leben und erleben wollen. Doch während Pietro immer wieder in die Stadt zurückkehrt, seine Ausbildung in der Schule absolviert und zu einem typisch urbanen Vertreter seiner Art wird, bleibt Bruno in den Bergen zurück und erlebt seine Jugend zwischen Ziegen, der Alm und den zurückgezogen lebenden Menschen seiner Heimat. Der Begriff Natur ist ihm fremd.

„Nur ihr Städter redet von Natur: Für euch ist sie dermaßen abstrakt, dass sogar der Name abstrakt ist. Wir sagen Wald, Weide, Bach, Fels. Alles Dinge, die man anfassen und nutzen kann. Was nutzlos ist, bekommt erst gar keinen Namen…“

Acht Berge von Paolo Cognetti

In der Szenerie der Bergwelt entwirf Paolo Cognetti einen wundervollen Roman einer Freundschaft, die trotz unterschiedlicher Lebensumstände die Basis nie verliert. Berge werden zur zweiten und oftmals eigentlichen Heimat von Pietro. Das Leben jenseits der Hektik der Städte und die Konzentration auf das Wesentliche werden zu seinem Anker. Und doch treibt das Leben die beiden Freunde immer weiter auseinander. Während im Monte-Rosa-Massiv die Zeit stehenzubleiben scheint, Bruno in die Tradition der Familie verschwindet, wird aus Pietro der Weltenwanderer und Dokumentarfilmer, den es bis zu die Weiten des Himalayas treibt. Die Rückkehr zu Bruno wird jedoch zum Ritual, dem er lange folgt. Zwei Blätter im Wind. Oft verweht – immer wieder neu vereint.

Paolo Cognetti beschränkt sich nicht auf die Beschreibung einer Freundschaft, ihre Entwicklung und die Strömungen, die sie zu zerreißen drohen. Er geht weiter und damit wesentlich tiefer, als man es vermuten könnte. Es fühlt sich an, als stünde der Autor auf einem Gipfel und ließe uns an seinem Weitblick teilhaben. Familien flankieren den Weg der beiden Freunde. Pietros Vater nimmt eine magnetisierende Rolle im Roman ein. Da wo Pietro sich von ihm abgestoßen fühlt, seinen eigenen Weg gehen möchte und auch die Konfrontation sucht, fühlt sich Bruno von ihm angezogen. Der Ersatzsohn wird zum Gefährten. Ein Konflikt, der auch die Freundschaft tangiert. Am Ende des Weges ist es jedoch genau dieser Vater, der mit seinem Vermächtnis den Weg für das Fortbestehen der Freundschaft zwischen Bruno und Pietro bereitet.

Acht Berge von Paolo Cognetti

Cognetti gelingt mit „Acht Berge“ ein starker selbstreflektierender Roman, der in der Lage ist, unser eigenes Leben in diesem Szenario zu spiegeln. Das Spannungsfeld zwischen Fernweh und Heimweh gehört sicherlich zu den wesentlichen Faktoren einer moderenen Gesellschaft, in der Arbeitsplätze nur zu finden sind, wenn man mobil ist, der Heimat den Rücken kehrt und sich der Achterbahnfahrt des Lebens aussetzt. Hier stellt das Monte-Rosa-Massiv die große Metapher des Romans dar und es ist nicht nur Zufall, dass Pietro erst auf einer Reise zum Mount Everest die Legende von den „Acht Bergen“ kennenlernt. Eine Legende, die so sinnbildlich für seine Freundschaft steht.

Welcher Lebensentwurf ist der richtige? Eine Frage, die auch dieses Buch nicht zu beantworten in der Lage ist. Eine Frage, die es auch gar nicht beantworten will. Hier ist es eher die klare Botschaft, die besticht. Den Weg eines Freundes zu akzeptieren, ihn nicht zu verbiegen, an den Unterschieden zu wachsen, gemeinsame Werte lebenslang zu zelebrieren und in der Schnittmenge zwischen Heimweh und Fernweh eine Welt zu gestalten, in der es sich leben lässt. Paolo Cognetti gibt die Frage des Lebensentwurfs an seine Leser weiter. Er macht uns nachdenklich, lässt uns eigene Wege erfühlen und beraubt uns jeglicher Illusion, dass es nur EINE Wahrheit gibt. Die Dramatik von „Acht Berge“ gleicht dabei einem Gipfelsturm auf die eigene Denkwelt der Leser. Man sollte dieses Buch lesen, am Gipfelkreuz angekommen das Gipfelbuch in die Hand nehmen und eine persönliche Nachricht hinterlassen. Vielleicht ist es gerade dieser Weitblick in einer immer stromlinienförmigeren Welt, der uns abhandengekommen ist.

Acht Berge von Paolo Cognetti

„Acht Berge“ ist ein richtiger Naturbursche unter den philosophischen Büchern, die unser Leben verändern können. Es strotzt nicht vor Weisheiten, sondern vor Kraft. Und darüber hinaus vermittelt der Roman ein ungeschöntes Bild von der Konsequenz einmal getroffener Entscheidungen. Sie sind zumeist irreversibel, so sehr man sich oft auch bemühen mag. Ein Leben zwischen den Welten ist ein Leben ohne Heimat. Mein Weg gleicht dem von Pietro. Meiner Heimat, der Eifel, habe ich den Rücken gekehrt. In der Rückschau auf diese Entscheidung ein alternativloser Weg. Und doch tobt sich das Heimweh oft in mir aus. Welcher Weg ist richtig? Was gewinnen wir, wenn wir gehen? Was hätten wir, wenn wir geblieben wären? Wo liegt heute die Stärke des Kleinen, wo das Große immer anonymer wird. Was kann ein kleines Kaff, was die Großstadt nicht hinbekommt? Fragen, denen ich mich auch literarisch weiter widmen möchte.

„Heimweh.. Fernweh… Sehnsuchtsbücher“ – Ein Arbeitstitel für eine Lesereise, die hier ihren Anfang fand. Auf der Frankfurter Buchmesse habe ich Neuerscheinungen in Augenschein genommen, die mich bald intensiv beschäftigen werden. Und auch mein Interview mit Sven Nieder zu seinem Lebensentwurf, seinem Eifelbildverlag und dem Weg, dem er schon immer folgte, kann als Initialzündung eines neuen Lesens gesehen werden. Hier könnt ihr es hören… „Eifeljungs unter sich

Sven Nieder und sein Eifelbildverlag im Porträt

„Acht Berge“ – nicht der erste Gipfelsturm der kleinen literarischen Sternwarte:

Tod in eisigen Höhen – Eine Reportage zum Mount Everest Drama 1996
Absturz des Himmels – Reinhold Messner und das Matterhorn
Abgründig – Betreutes Klettern mit Arno Strobel
Bluteis von Marc Ritter – St. Moritz verliert seine Unschuld – Ein Icebreaker
Kreuzzug von Marc Ritter – Das Zugspitz-Attentat

Acht Berge von Paolo Cognetti – AstroLibrium und die Gebirgszüge des Lesens

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„Alles, was ich nicht erinnere“ von Jonas Hassen Khemiri

„Alles, was ich nicht erinnere“ von Jonas Hassen Khemiri

Ein besonderes literarisches Stilmittel zur Bekämpfung klischeehafter Vorstellungen ist die multiperspektivische Beschreibung von ungeklärten Sachverhalten. Nehmen wir zum Beispiel den Tod eines jungen Menschen, der Fragen aufwirft. Aus einer einzigen Sichtweise heraus mag es vielleicht unerklärlich sein, was sich abgespielt hat, aber eine Erweiterung des Horizonts auf unterschiedliche Betrachtungsweisen führt uns näher an das eigentliche Ziel. Diese Erzählkonstruktion hat viel von Polizeiarbeit und schließt am Ende Spekulationen und Interpretationen weitgehend aus.

Die Bücher Dann mach ich eben Schluss“ von Christine Fehér oder „Tote Mädchen lügen nicht“ von Jay Asher sind vielleicht die absoluten Paradebeispiele, wie man sich als Schriftsteller in einer ganz besonderen Konstruktion dem eigentlichen Kasus eines Romans vorsichtig nähert. Der Selbstmord junger Menschen steht im Vordergrund der Betrachtung. Doch wer trägt Schuld, wer hätte es wissen müssen und was geschah in den letzten Minuten dieses tragischen Lebensweges? Fragen, die sich allen Beteiligten stellen und Antworten, die dabei so unterschiedlich aussehen. In der Schnittmenge der Aussagen liegt der Zauber eines solchen multiperspektivischen Romans. Indizien und Fakten verdrängen die pure Vermutung. Vorurteile lösen sich auf und Erkenntnis heißt der Zugewinn des Lesers.

„Alles, was ich nicht erinnere“ – Multiperspektivisch verwandte Romane

Jonas Hassen Khemiri scheint sich auf den ersten Blick in seinem Roman Alles, was ich nicht erinnere (DVA) für dieses Stilmittel entschieden zu haben und dabei in der Tradition der oben aufgeführten literarischen Vorbilder seine eigene Geschichte zu entwickeln. Es wirkt wie ein Film, in dem unterschiedliche Kamerapositionen ein jeweils ganz neues Licht auf ein Ereignis werfen, das in sich immer ungeklärt belieben wird. Es ist jedoch nicht ganz so einfach, wie man es sich auf den ersten Blick vielleicht vorstellt. Denn der Sohn eines tunesischen Vaters und einer schwedischen Mutter und einer der unbestrittenen Stars der schwedischen Literaturszene fordert seine Leser nicht nur auf, diesen unterschiedlichen Perspektiven zu folgen. Nein. Er drückt uns quasi die Kamera in die Hand und lässt uns oftmals im Ungewissen, wen wir eigentlich im Blick haben. Es ist der Zauber seines Erzählraumes, dass er ohne die üblichen „Samuel sagt“ oder „Sie erwiderte“ auskommt.

Wir sind gefordert. Wir sind diejenigen, die in seinem dynamischen Roman erkennen müssen, wer gerade erzählt. Wir müssen uns in die Stimmen der Protagonisten und in ihre Perspektiven hineinversetzen und dann die Fragmente der Erkenntnisse zu einem großen Puzzle zusammensetzen, dessen Teile am Anfang überhaupt nicht zueinander zu passen scheinen. Sie haben keine Form, keine Ausbuchtungen, nichts hält sie und nur ganz wenig scheint sie zu verbinden. Von Seite zu Seite jedoch entsteht ein einzig denkbares Bild, in das sich immer mehr Puzzleteile einfügen, die wir lesend gesammelt haben.

„Alles, was ich nicht erinnere“ von Jonas Hassen Khemiri

Das zentrale Puzzleteil trägt den Namen Samuel und im ersten Lesemoment passen die ersten erlesenen Teile ganz gut in das entstehende Puzzle seiner Persönlichkeit. Er ist ein fürsorglicher Enkel, sehr verliebter Gefährte und guter Freund. Schade nur, dass er schon zu Beginn des Romans tot ist. Ein Unfall, sagen die einen. Selbstmord, sagen die anderen. Im Auto seiner Großmutter frontal gegen einen Baum. Das allein steht fest und ist unstrittig, aber die Umstände seines Todes bleiben verborgen. Solange, bis ein Schriftsteller mit seiner Recherche für ein Buch beginnt, in dem er den Tod Samuels in seine Bestandteile zerlegen und das Geheimnis lösen möchte.

Hier begegnet Jonas Hassen Khemiri sich selbst in seinem Roman und stellt alle Kontakte her, von denen er sich Aufklärung erwartet. Die Jugendfreundin Panther, den besten Freund Vandad und Samuels große Liebe Laide sind die zentralen Figuren in dem tragisch endenden Spiel, das Leben hieß. Khemiri befragt sie intensiv, lässt sie zu Wort kommen und beschießt seine Leser mit den ständig wechselnden Sichtweisen auf einen jungen Mann, der nicht mehr widersprechen oder zustimmen kann. Es ist zu Beginn leicht verwirrend, diese Menschen auseinanderzuhalten, weil der Autor uns mit ihnen  alleine lässt. Er führt sie nicht ein. Sie konturieren sich gegenseitig. Perspektiven entwickeln ihre ganz eigene Dynamik und Wucht.

„Alles, was ich nicht erinnere“ von Jonas Hassen Khemiri

Und so finden wir uns in einem literarischen Puzzle mit 1000 Teilen. Wenn man die einzelnen Teile benennen müsste, dann trügen sie folgende Namen. Stockholm, Berlin, Multikulti, Kunst, Kleinkriminalität, Liebe, Beziehung, Enttäuschung, Leidenschaft, Hass, Scham, Gewalt, Diskriminierung, Verrat, Flucht, Fürsorge und Trennung. Sie fügen sich langsam zusammen. Das Muster ist brillant und das Gesamtbild in seiner Emotionalität bestechend. Khemiri überrascht in vielfacher Hinsicht. Seine Story entzieht sich in jeder Hinsicht dem Versuch, sie zu kategorisieren. Dafür ist sie zu facettenreich angelegt. Es fühlt sich an, wie das wahre Leben.

Wie starb Samuel? Diese Frage trägt den kompletten Spannungsbogen des Romans. Sie bleibt nicht unbeantwortet. Der literarische Dreh, mit dem Khemiri hier in doppelter Hinsicht arbeitet, hebt den Roman aus den Angeln. Schließlich kommt jemand zu Wort, mit dem man gar nicht mehr gerechnet hätte. Welche Sichtweise auf Samuels Tod nun der Realität entspricht und welches Bild von ihm bleibt, das gilt es selbst zu erlesen. Es ist ein Spiel mit Erinnerungen, eine Frage des Gedächtnisses und ein Spiegelbild einer dementen Großmutter, das unsere Erinnerungen an Samuel über die letzte Seite einer sprachlich großartig erzählten Geschichte hinaus bestimmt. Samuel bleibt bei uns, auch wenn der Buchtitel verdeutlicht, dass es in „Alles, was ich nicht erinnere“ deutlich zu erkennende Grauzonen gibt, die sich der Erinnerung widersetzen.

„Alles, was ich nicht erinnere“ von Jonas Hassen Khemiri

Am Ende des Romans stellt man sich die Frage, wessen Geschichte man eigentlich gelesen hat. Diese Frage ist umso bedeutender, weil man hier auch auf die Spur eines Schriftstellers und seiner Motivation zu schreiben kommt. Man darf sich getrost auf das Spiel von Jonas Hassen Khemiri einlassen. Am Ende fehlt kein Puzzleteil und doch hat man plötzlich ein fertiges Bild vor Augen, das zu einem anderen Bild gehört. Es ist echt. So fühlt es sich an. Es ist authentisch. So liest es sich. Es ist realer als real. Das denke ich mir. Es ist eigentlich viel mehr als nur ein Roman.

Wer Jonas Hassen Khemiri liest, sollte sich darauf gefasst machen, keine leichte literarische Schonkost serviert zu bekommen. Wer ihm vertraut, der wird einen Weg durch diese Geschichte finden, der sich mit dem eigenen Lebensweg verknüpfen lässt. Wer auch nur einmal im Leben diesen Satz gefühlt hat, wird wissen was bleibt wenn es sich nicht mehr wie ein Ganzes anfühlt.

„… wir hatten uns getroffen, wir hatten jemanden gefunden, der machte, dass wir uns weniger halb fühlten, einen Menschen, der nicht perfekt war, aber wir wollten keine Perfektion, wir waren die Perfektion leid…“

Lesenswert.

„Alles, was ich nicht erinnere“ von Jonas Hassen Khemiri

David Foenkinos – „Das geheime Leben des Monsieur Pick“

Das geheime Leben des Monsieur Pick von David Foenkinos

Die Literatur schreibt die größten Geschichten selbst. Sagt man doch so, oder? Es ist wie mit dem Leben. Da braucht es keine Fantasie oder gar kreative Gedanken. Man nennt es landläufig nur Schicksal und schon ist die beste Story der Welt im Kasten. Das muss sich auch David Foenkinos gedacht haben, als er sich Das geheime Leben des Monsieur Pickausgedacht hat. Da setzt sich ein renommierter Schriftsteller hin und konstruiert die Ausgangssituation für einen Roman so plausibel und brillant, dass er im Verlauf seiner Geschichte in der Lage ist, die gesamte Buchbranche auf die Schippe zu nehmen. Und das geht so:

Nehmen wir einmal an, es gäbe in einem kleinen französischen Städtchen eine kleine Bibliothek. Nehmen wir darüber hinaus an, der dortige Bibliothekar wäre der Anhänger einer Idee, die es in Amerika zu bescheidenem Ruhm gebracht hätte. Nehmen wir an, dieser Bibliothekar würde den Leitgedanken der Brautigan Library in der Bretagne mit neuem Leben füllen und eine Bibliothek der unerwünschten Manuskripte aufbauen. Richtig gelesen. Jean-Pierre Gourvec kann sich die Höllenqualen abgelehnter Autoren nur zu gut vorstellen und bietet ihnen die Möglichkeit, ihre von den Verlagen ignorierten literarischen Totgeburten aufzunehmen und für die Nachwelt zu bewahren.

Das geheime Leben des Monsieur Pick von David Foenkinos

Ist es nicht ein tröstlicher Gedanke, sich auf diesem Wege vom Druck befreien zu können, einen Herzenstext nicht veröffentlichen zu können? Für Gourvec ist es wie der Jakobsweg der Literatur und es dauert nicht lange, bis die Wallfahrten der erfolglos schreibenden Autoren einsetzt. Er braucht schnell Verstärkung und engagiert eine Frau, die nun wirklich über die besten Voraussetzungen für den Job verfügt. Sie interessiert sich nicht für Literatur, war aber schnell genug mit ihrer Bewerbung. Magali wird in den folgenden Jahren des Aufschwungs der Bibliothek der unerwünschten Manuskripte fast unverzichtbar für Gourvec. Bis zu seinem Tod.

Und schon ist er fertig, der brillante Erzählraum von David Foenkinos. Jetzt kann er richtig loslegen und sein Szenario in vollen Zügen genießen. Und wie er es genießt. Das spürt man auf jeder Seite, in jeder Zeile und fast bei jedem Wort. Auftritt Delphine Despero. Die erfolgsverwöhnte Lektorin spürt den Druck des Buchmarktes am eigenen Leib. Nach einem überraschenden Bestseller muss sie erneut liefern. Nur kann sie jetzt nicht auf ihren Freund setzen, der ihr zum letzten Erfolg verhalf, jetzt aber nichts mehr zustande bringt. Der Zufall (oder das Schicksal) springt sie an. Sie hat Glück, denn bei einem Besuch in der Bibliothek der unerwünschten Manuskripte stößt sie auf ein Werk, das alle Voraussetzungen erfüllt, den Buchmarkt zu erobern.

Das geheime Leben des Monsieur Pick von David Foenkinos

Hier setzt David Foenkinos das Skalpell an, hier vollführt er seine Schnitte mit einer chirurgischen Präzision, die der Buchwelt alle Masken aus dem Gesicht schneidet. Man stürzt sich auf das geheimnisvolle Werk. Der Inhalt ist zwar relevant, eine schöne Story ist es ja schon, aber die Geschichte rund um diesen Roman und den geheimnisvollen und bereits verstorbenen Verfasser macht ihn zum begehrten literarischen Objekt. Wir werden Zeugen von Recherchen im Umfeld des Autors. Grandios, dass er Pizzabäcker war. Grandios, dass er scheinbar unbelesen war. Grandios, dass seine Familie nichts davon ahnte, dass er jemals etwas geschrieben hat. Grandios. Grandios. Grandios.

Wir erleben Vertreterkonferenzen, fühlen die elektrifizierende Wirkung im Verlag und erleben das, was man gemeinhin als Hype bezeichnet. Das Buch des Pizzabäckers aus der Bretagne wird zum Bestseller. 300000 Exemplare gehen in kürzester Zeit über die Ladentische. Der Buchhandel ist entzückt, die Medien drehen durch und in der Familie von Monsieur Pick beginnt man die Tantiemen zu zählen. David Foenkinos zelebriert alle Automatismen der Branche. Er wirft satirisch anmutende und doch so reale Blicke hinter die Kulissen der Verlagswelt und lässt seine Leser auf einer Welle des Genusses durch seinen Roman reiten.

Das geheime Leben des Monsieur Pick von David Foenkinos

Dabei führt er uns andere Erfolge der französischen Literatur vor Augen. Sie sind die Wegbegleiter dieser Geschichte, denn Romane wie „HHhH“ von Laurent Binet und Unterwegs zu Swann von Marcel Proust haben ihre so eigenen unverwechselbaren Geschichten und zeigen, wozu unser Buchmarkt immer wieder in der Lage ist. Plötzlich wird das Schicksal, unveröffentlicht zu sein zum Prädikat. Verlage springen auf den Zug auf und der große Reibach beginnt allumfassend. Man könnte brüllen vor Lachen, wenn man nicht gerade Buchliebhaber wäre und langsam den Wahrheitsgehalt dieser Story begreifen würde.

Wir taumeln durch eine Erfolgsgeschichte, die nur einen kleinen Schönheitsfehler hat. Kein Erfolg ohne Neider. Kein Hype ohne Haar in der Büchersuppe und nichts geht ohne, dass man zwanghaft versucht ist, auch das letzte kleine Mysterium im geheimen Leben des Monsieur Pick zu lösen. Ein abgehalfterter Kritiker macht sich auf die Fährte. Er will seine Sensation. Er will aufdecken, was bisher den Zauber der Geschichte und damit den Erfolg garantierte. Er will beweisen, dass es unmöglich der Pizzabäcker aus der Bretagne gewesen sein kann, der diesen grandiosen Roman verfasst hat. Ich folge ihm. Freue mich auf weitere Wendepunkte in der wundervoll erzählten Geschichte von Foenkinos und begehe den Lesefehler meines Lebens, weil ich lesend verdrängt habe, wessen Buch ich hier lese. Wessen Hörbuch ich mit einem brillanten Axel Milberg hier höre. Es geht um den Autor von Charlotte. Das hatte ich verdrängt.

Das geheime Leben des Monsieur Pick von David Foenkinos

Oh Mann – Da schreibt dieser David Foenkinos über 280 Seiten einen unglaublich satirischen und unterhaltsamen Roman über die Welt des Buchmarktes. Da fabuliert er, überzeichnet, persifliert und packt mich mit jeder Seite und jedem neu auftretenden Charakter neu. Im Hörbuch bringt mich Axel Milberg mit seinem scheinbar harmlosen Charme, wohl wissend was folgt, immer wieder zum Schmunzeln und ich treibe freudig durch die Wortwogen. Und dann… Dann nähert sich David Foenkinos dem Ende seiner Geschichte und zieht mich an den Füßen in die Tiefe seines Könnens. Da ist er wieder. Jetzt ist er der große tragische Romantiker, dem ich bereits in „Charlotte“ begegnete und ich schäme mich der Tränen und der Rührung nicht, die nun das Lesen begleiten.

David Foenkinos bringt “Das geheime Leben des Monsieur Pick“ zu einem völlig anderen Ende, als man dies auf den ersten 280 Seiten erwarten konnte. Er hat seine Ausgangssituation nicht gebraucht, um eine Satire zu schreiben. Ganz im Gegenteil. Er hat die Satire gebraucht, um über den wahren Wert der Literatur zu schreiben. Und hier setzt dieser Roman Maßstäbe, weil Foenkinos die losen Enden seiner Handlungsfäden zu einer Botschaft verwebt, die uns Büchermenschen im Herzen trifft. „Bücher können dein Leben verändern, selbst wenn du schon lange gestorben bist.“

Das geheime Leben des Monsieur Pick von David Foenkinos

„Der Garten von Hermann Hesse“ – Ein Exkurs mit Eva Eberwein

Der Garten von Hermann Hesse

Der Garten von Hermann Hesse

„Nein, meinen Hesse les` ich nicht… Ich lese meinen Hesse nicht…!“

Mit diesen Worten endete mein letzter Artikel über Hermann Hesse. Ich hatte mich an meine Schulzeit erinnert und darüber geschrieben, warum ich damals vom Literatur-Nobelpreisträger abrückte und nie wieder ein Buch aus seiner Feder las. Siddharthahatte mich in seiner Hörbuch-Adaption neugierig gemacht, gefesselt und mich dann mit dem wohl größten deutschen Schriftsteller versöhnt. Es hat sehr lange gedauert bis wir Frieden miteinander schließen konnten. Einen Frieden, der einem Lesekrieg folgte, den nicht Hesse selbst verursachte.

Ich hatte mir vorgenommen, mich erneut auf seine Fährte zu begeben und dabei den ersten, noch etwas brüchigen, Waffenstillstand durch das Lesen weiterer Bücher weiter zu festigen und zu untermauern. Ich habe diesen Vorsatz bisher nicht realisiert, aber es ist mir gelungen, mich Hermann Hesse auf neutralem Boden zu nähern. Ich fand Zitate, die ihm zugeschrieben werden, die mich neugierig machten. Worte, die eine neue Seite eines Schriftstellers zeigten, den ich in die reine Philosophenecke gedrängt hatte.

Der Garten von Hermann Hesse

Der Garten von Hermann Hesse

„Im übrigen bin ich, nicht ungern, der Sklave meines Gartens,
wo ich samt meiner Frau fast jede freie Minute arbeite.
Es macht mich sehr müd und ist etwas zuviel, aber mitten
in alledem, was die Menschen heut tun, fühlen,
denken
und schwatzen, ist es das Klügste und Wohltuendste,

was man tun kann.“

Ich selbst bin sicherlich kein Kompetenzzentrum mit einem grünen Daumen, aber ich weiß, wie intensiv mein Vater seinen Garten gelebt hat, wie er Wildwuchs kultivierte wo sonst nur Geradlinigkeit sein Leben kennzeichnete und wie glücklich er war, wenn in den ersten Frühlingstagen zu blühen begann, was er gepflanzt hatte. Sein Refugium im Alltag. So ist ein Garten häufig der Spiegel der Seele und gleichzeitig das Biotop in dem sich der freie Geist vom Alltag erholen kann. Wie sah Hesses Garten aus, wenn schon seine Zitate darauf schließen lassen, dass ihm das Leben mit der Natur so wichtig war?

„Die Beschäftigung mit Erde und Pflanzen
kann der Seele eine ähnliche Entlastung
und Ruhe geben wie die Meditation.“

Der Garten von Hermann Hesse

Der Garten von Hermann Hesse

Der Garten von Hermann Hesse“, erschienen bei DVA, beantwortet nicht nur diese Frage. Die Autorin Eva Eberwein erzählt in diesem hochwertigen Prachtband nicht nur „Von der Wiederentdeckung einer verlorenen Welt“, sondern verführt ihre Leser zu eine Selbstfindungsreise, in der das Haus und der Garten Hermann Hesses eine große Rolle spielen. Alleine schon das haptische Gefühl, das dieses großformatige Buch mit seiner hochwertigen Gestaltung und den wundervollen Fotos von Ferdinand Graf von Luckner vermittelt, macht dieses kleine Kunstwerk neben seinem facettenreichen und inhaltlich wertvollen Reichtum zu einem perfekten Geschenk für bibliophile Menschen.

Wer jetzt der Meinung ist, es nur mit einem Gartenbuch zu tun zu haben, der irrt. Wer denkt, sich in einem biografisch angehauchten Standardwerk über Hermann Hesse zu befinden, der irrt sich ebenso. Wer in diesem Buch eine autobiografische Reflexion der Autorin über ihren Ausstieg aus dem normalen Leben und dem Beruf vermutet, der sieht sich ebenfalls bald auf dem Holzweg wandelnd. Sie vermuten richtig, dass dieses Buch viel mehr ist, als es zu sein vorgibt. Ich selbst war angenehm überrascht, nicht nur den Garten von Hermann Hesse entdecken zu dürfen, sondern auch in die Geschichte zweier Menschen eintauchen zu dürfen, die mit ihm verwachsen sind. Nur, dass sie ihn niemals zum selben Zeitpunkt betreten haben.

Der Garten von Hermann Hesse

Der Garten von Hermann Hesse

Aber genau dieser Garten führt alles zusammen. Die Autorin, die ihn und das Haus des großen Literaten noch aus ihrer Jugend kannte; das fast schon verfallene Domizil von Hermann Hesse, das im Jahr 2003 abgerissen werden sollte und die letzten Reste seines Gartens, der im Zuge dieser Maßnahmen überbaut werden sollte. Der Bodensee und die Ortschaft Gaienhofen bilden den landschaftlichen und urbanen Rahmen für die unglaublich wirkende Geschichte einer Wiederentdeckung, die in diesem Buch erzählt und gezeigt wird.

Heute ist es nicht mehr „Der Garten von Hermann Hesse“. Heute würde es ihn wohl nicht mehr geben, hätte Eva Eberwein nicht angesichts des drohenden Abrisses dieses kulturellen Vermächtnisses entschieden, den Beruf an den Nagel zu hängen, Haus und Boden des Hesse-Anwesens zu erwerben und alles in die Waagschale zu werfen, um zu retten, was noch zu retten war. Was nun folgte, erzählt sie auf faszinierende Art und Weise. Sie geht auf die Geschichte des Grundstücks ein, spannt den weiten Bogen von Hermann Hesses Lebens- und Gartenphilosophie bis zur Neugestaltung und illustriert die Geschichte mit historischen Fotos und wildromantischen Eindrücken von heute.

Der Garten von Hermann Hesse

Der Garten von Hermann Hesse

Hier lohnt jeder Blick, hier lohnt das Lesen, hier lohnt sich die bibliophile Leidenschaft in die Garten- und Denkwelt von Menschen einzutauchen, die nicht nur ihre Fantasie im fruchtbaren Boden ihrer Leser aussäen, die zarten Pflänzchen hegten und pflegten und schon lange damit begonnen haben, die Ernte ihrer Bemühungen einzufahren. So sind das Hesse-Haus und sein Garten heute die magischen Anziehungspunkte für Literatur- und Gartenfreunde gleichermaßen. Und doch sind es keine Relikte aus alter Zeit. Allein schon den Garten von Eva Eberwein kann man als Symbiose aus Vergangenem und neuer Blüte bezeichnen.

„Der Garten von Hermann Hesse“ beinhaltet alles, was das Leserherz begehrt. Es ist eine gediegene Sammlung von Hesse-Zitaten zu seiner Grünen Welt; ein wertvoller Abriss einer Geschichte, die schon lange der Abrissglocke zum Opfer gefallen wäre; die Beschreibung der Leidenschaft der Autorin, die tiefer geht und konsequenter ist, als es manchmal vorstellbar ist und ein deutliches Zeichen, wie man die Geschichte bewahren kann, wenn man sie aufgreift. Eva Eberwein hat diese Geschichte geprägt und eigene, sehr tiefe, Spuren hinterlassen. Ein blühendes Buchwunder.

Der Garten von Hermann Hesse

Der Garten von Hermann Hesse

Möchten Sie wissen, was ich wohl nie mehr vergessen werde, nachdem ich dieses Buch beendet habe? Möchten Sie wirklich wissen, was ich in tiefer Erinnerung bewahre und was mir den Menschen Hermann Hesse so sympathisch macht? Können Sie sich vorstellen, womit er die Wege in seinem Garten unterirdisch befestigt hat? Wissen Sie, auf welchem Fundament sich sein Garten-Lustwandeln vollzog? BÜCHER. Er entsorgte die unzähligen unaufgefordert zusandten Rezensionsexemplare nicht im Papiermüll. Er nutzte sie sinnvoll und ließ sie zum Laufsteg seines Lebens werden. Herrliche Idee…

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„Die Launenhaftigkeit der Liebe“ von Hannah Rothschild

"Die Launenhaftigkeit der Liebe" von Hannah Rothschild - AstroLibrium

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild

Stellt euch einfach mal vor, ihr würdet den Pariser Louvre besuchen, um euch das berühmteste Porträt der Kunstgeschichte anzuschauen. Stellt euch dann vor, ihr würdet vor Leonardo da Vincis Mona Lisa stehen, ehrfurchtsvoll verharren und das wertvollste Gemälde der Welt bewundern. Und dann stellt euch vor, es würde einfach so mit euch sprechen. Allerdings nicht als Mona Lisa, sondern als lebendiges und eigenständiges Kunstwerk mit eigener Identität. Was hätte euch dieser Kunstschatz wohl zu erzählen?

Es wäre eine neue Welt der Wahrnehmung, die sich auf diese Weise öffnen würde und wir könnten aus erster Hand erfahren, was die Kunstgeschichte nur rekonstruieren oder mutmaßen kann. Ein solcher Dialog zwischen Kunstwerk und Betrachter klingt so irrwitzig, dass man ihn ins Reich der Fantasie verbannt. Und genau dort sind wir richtig, denn in unserer Fantasie ist alles möglich und wenn wir es zulassen, unseren Verstand für den Funkenflug des Irrationalen zu öffnen, dann sind wir bereit für:

Die Launenhaftigkeit der Liebe“ von Hannah Rothschild.

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild

Denn hier werden wir als Leser von der Autorin genau in die oben skizzierte Lage versetzt und dürfen in ihrem Roman über die Irrwege des internationalen Kunstmarktes einem der wertvollsten Gemälde der Welt zuhören. Es spricht zu uns. Zumindest in den Passagen des Romans, in denen das Bild das Gefühl hat, uns etwas mitteilen zu wollen oder uns sein Leid zu klagen. Genau dafür besteht nämlich auch jeder Grund, da unser Gemälde zu den großen verschollenen Werken der Kunstgeschichte gehört. Verstaubt und unbeachtet fristet es sein tristes Dasein in einem heruntergekommen Trödelladen.

Nur zu verständlich, dass es nicht bester Laune ist. Unser Gemälde, meine ich.

„Ich bin durchaus kein Snob, aber alles hat seine Grenzen. Ich habe keine Lust, mich mit Nachttöpfen und falschen Perlenketten herumzuschlagen. Non! Ich bin Luxus gewohnt, raschelnden Taft,… flackernde Kerzen, den Glanz von Mahagoni, den zarten Duft von Rosenwasser und Bienenwachs, das Knirschen von Kies und das Raunen von Höflingen. Kein armseliges Kämmerlein unter nackten Birnen, kein grünliches Licht, das sich durch schmutzverkrustete Scheiben quält!“

Was für ein bedauerlicher Zustand! Aber Rettung naht. Allerdings nicht in der Form, die sich unser Gemälde erhofft hatte. Die 30-jährige Köchin Annie McDee entdeckt das Bild bei der Suche nach einem preiswerten Geburtstagsgeschenk für ihren Freund. Der Handel kommt auf kuriose Weise zustande und der originale Watteau mit dem Namen „Die Launenhaftigkeit der Liebe“ wechselt für ein paar Pfund den Besitzer. Wenn die junge Frau geahnt hätte, was sie da in Händen hält, sie hätte sich wohl gut überlegt, ob sie das Gemälde erworben hätte.

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild

Annie gerät in den Strudel des internationalen Kunstmarktes. Ihr Leben verändert sich in dem Moment, als man erkennt, was sie da erworben hat und aus der Frau, die sich kochend über Wasser hält, vor kulinarischer Kreativität zu platzen scheint und den Mann fürs Leben verzweifelt sucht, wird eine Gejagte. Hannah Rothschild schöpft aus dem Vollen, wenn sie ihre Leser nun in den Mahlstrom der künstlichen Welt der großen Kunst treiben lässt. Sie kennt diese Welt wie kaum eine andere, ist Kuratorin und mehr als renommiert, wenn es um Kunstexpertise geht.

Allerdings schrieb sie keinen Expertenroman. Die Launenhaftigkeit der Liebe“ ist ein traumwandlerisch sicher zubereitetes Potpourri aus allen Zutaten, die man benötigt, um höchsten Lesegenuss zu empfinden. Wir stoßen auf alle denkbaren Exzentriker, die mit unterschiedlichen Motivationen auf der Suche nach den großen Kunstschätzen der Welt sind. Liebhaber und Investoren, Freaks und Exilanten, Galleristen und Neureiche. Ein bunter Reigen versnobter und getriebener Sammler und Händler nimmt die Fährte des unschätzbar wertvollen Gemäldes auf, das ein großes Geheimnis verbirgt. Einzig Annie McDee ist der zutiefst menschliche und sympathische Pol in diesem Roman. Und doch ist es „Die Launenhaftigkeit der Liebe“, die ihr das Leben in jeder Beziehung schwer macht.

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild - Eine Lesung - Fotos: Steffi Sack

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild – Eine Lesung – Fotos: Steffi Sack

Seid ihr neugierig? Möchtet ihr mehr erfahren? Kein Problem. Wir haben Hannah Rothschild im Literaturhaus München getroffen und nicht nur sie interviewt. Stephanie Sack (Nur Lesen ist schöner – Eine Ode an das Lesen) und ich sind oft gemeinsam unterwegs, wenn es darum geht, von Lesungen zu berichten. So auch diesmal und wir haben nicht nur die Autorin, ihre Lektorin und die unglaublich tolle Vorlesestimme des Abends befragt, auch wir selbst plaudern bei einem Spaziergang durch unser festlich geschmücktes Vorweihnachts-München über den Roman und seine Bedeutung für uns.

Literatur Radio Bayern macht es möglich, dass ihr uns nun begleiten könnt. Herzlich willkommen zum Bummeln, Lauschen und Miterleben eines besonderen Abends mit:

Hannah Rothschild – Schriftstellerin
Karin Kirchhof – Lektorin
Ulrike Kriener – Schauspielerin, „Die Stimme“ des Abends und
Steffi & Raily

Hier geht es mit nur einem Klick zur Radio-Reportage.

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild - Astrolibrium

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild – Hier geht´s zum PodCast

Bei Steffi findet ihr einen atmosphärischen Lesungsbericht und tolle Fotos eines unvergesslichen Abends. Und da wir euch etwas mitgebracht haben, lohnt der genaue Blick auf beide Blogs ganz besonders, denn Hannah Rothschild hat zwei ihrer Bücher für euch signiert. .

Hier das Filetstück des Starterpakets...Signiert.

Hier findet ihr den Weg zu meinem signierten Exemplar – Advent, Advent…