Der Grolltroll – Alarmstufe BLAU

Der Grolltroll - Alarmstufe BLAU - Astrolibrium

Der Grolltroll – Alarmstufe BLAU

Alarmstufe BLAU

Das ist zum AUS-DER-HAUT-FAHREN. Da schreibst du eine wichtige Rezension und willst nur ganz kurz auf Speichern drücken. Und dann – das. Ich dreh´ durch. Ich flippe aus. Systemabsturz, Ganz kurz kein Internet. Speichern abgebrochen. Keine Spur vom wundervollen Text. Alles hin. Weg ins Nirwana. Verschwunden im Walhall der umsonst verfassten Satzgeflechte. Ich platz` gleich weg. Die Maus muss zuerst dran glauben. In einer fließenden Bewegung verabschiedet sie sich mit Schwung Richtung Wohnzimmer und mutiert zur Fledermaus. Nur Fliegen ist schöner. Ein erster Fluch hallt durch meine kleine literarische Sternwarte und der rechte Fuß nimmt das heftige Stakkato einer echt heftigen Stampfattacke auf. Ich brauche erstmal einen Kaffee, um den ganzen Frust zu verdauen. Innerlich vor Wut bebend begebe ich mich auf neutralen Boden, wo niemand etwas von meinem Blogger-Armageddon ahnt.

Die Kaffeemaschine schaut mich ganz harmlos an, bevor sie eine Fehlermeldung anzeigt, die mir klar zu verstehen gibt, dass nur der Ingenieurs-Service des Herstellers in der Lage sein wird, den Schaden in den nächsten 14 Tagen zu beheben. Der Orkan, der in mir tobt, entwickelt sich zum überregionalen Krisengebiet. Als meine Frau in aller Seelenruhe und bestens gelaunt fragt, ob ich Probleme habe (wobei sie genüsslich am wohl letzten Kaffee aus der Schrottmaschine nippt), implodiert mein Sicherungskasten. Müsste sie doch gemerkt haben. Sollte mich jetzt nicht ansprechen. Ich koche innerlich und bin so unkalkulierbar, wie ein Vulkan, der seit Hunderten von Jahren nur ganz leise vor sich hin geköchelt hat. Die Eruptionen jedoch spüre nur ich. Ich schmolle. Gänzlich unverstanden vom Rest der Welt. Das Gesicht zur Faust geballt, die Stirn gekräuselt, in mich hineinbrummend verschwinde ich zurück an den Computer (der so tut, als sei nie etwas passiert).

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Das ist wieder so ein Tag, an dem alles schiefläuft. Was dann passiert, bringt mich völlig aus dem „Ich-geh-gleich-in-die Luft-Konzept“. Da steht sie fröhlich neben mir und lacht mich an, legt ein großformatiges Bilderbuch auf meinen Schreibtisch und sagt nur „Ihr seid euch so herrlich ähnlich, wenn es mal wieder nicht so läuft, wie es soll!“ Meine Tochter, die angehende Erzieherin, die sich in der letzten Zeit mehr als intensiv mit dem Thema Medienrelevanz und Medienauswahl für Kindergärten beschäftigt, hat also echt vor, ihren alten Herrn zu therapieren. Und womit? Mit einem Bilderbuch! Geht ja gar nicht, denke ich mir und muss doch innerlich schmunzeln, als ich sehe, welches Buch sie mir da hingelegt hat. Der Kerl auf dem Cover ist zwar blau und hat ein wenig längere Eckzähne als ich, beim Blick in den Spiegel jedoch würde ich feststellen, dass wir uns gerade jetzt wirklich gleichen, wie ein geplatztes Ei dem anderen.

Der Grolltroll“ liegt vor mir und schon der erste vorsichtige Blick ins Buch lässt mich auflachen. Echt jetzt. Als hätte man meine letzten aufbrausenden Minuten skizziert und in diese Geschichte hineingezaubert. Dem blauen Monster will auch nichts gelingen, es hat einen echt gebrauchten Tag erwischt, was uns ungemein verbindet. Seine Reaktion ähnelt der meinen. Wut und Groll bahnen sich ihren Weg und treffen zuerst diejenigen, die gar nichts mit seinen Problemen zu tun haben. Logisch, dass alle Reißaus nehmen und den Grolltroll seinem tristen Schicksal überlassen. Er hat sie vergrault. Ja, denke ich mir. Das ist ein grandioses Buch für Kindergartenkinder. Sie verstehen schnell das Zusammenspiel zwischen Misserfolg und innerem Ärger. Sie erkennen sich selbst und müssen sich eingestehen, dass sie nur deshalb allein auf weiter Flur sind, weil der Groll in ihnen die anderen Kinder abschreckt und vertreibt.

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Fabelhaft gezeichnet. So liebevoll grollend hat man zuvor noch kein Monster gesehen. Ich bin fasziniert, was Autorin Barbara van den Speulhof, Illustrator Stephan Pricken und das Kreativteam/Kreativ-Duo Stephanie Maria Gerharz und Dr. Michael Gerharz unter ihrem Label aprilkind erschaffen haben. Wenn das nicht kindgerecht ist, weiß ich auch nicht weiter. Nur, so wie ich meine Tochter kenne, hat sie mir dieses Buch nicht in die Hände gegeben, damit ich darüber nachdenke, wie toll es für Kinder ist. Nein. Hier konfrontiert sie mich mit mir selbst und zeigt mir auf unglaublich sympathische Art und Weise, wie zeit- und alterslos dieses Bilderbuch ist. Ich muss sie gar nicht rufen, da sie die ganze Zeit in der Tür stand und mich lächelnd beobachtet hat. „Bei Dir macht es ja genauso schnell klick, wie bei den Kindern“, sagt sie nur und setzt sich neben mich.

Dann zieht sie ein Plüschtier hinter ihrem Rücken hervor, das mich umhaut. Es ist der Grolltroll, wie er im Buche steht und nicht nur das. Er trägt das mürrische Gesicht zur Schau, das ihn so unverwechselbar macht. Mit nur einem kleinen Griff jedoch lässt sich die „Grollschnute“ nach unten ziehen und das zornige Monster verwandelt sich in einen kleinen sympathischen Freund, der zum gemeinsamen Kuscheln einlädt. „Bei Dir funktioniert das ja auch“, sagt sie mir ins Gesicht und wir müssen herzhaft lachen. Ich merke gerade, was für eine tolle zukünftige Erzieherin hier neben mir sitzt. Ich merke aber auch, dass die Themengebiete Medienauswahl und Medienrelevanz ganz eng mit meiner Blog-Leidenschaft verbunden sind. Empfehlungen gilt es hier wie dort zu finden. Angebote müssen mit Leben gefüllt werden und Empathie ist der Schlüssel zu allem.

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Inzwischen ist mir egal, an welchem Text ich vorhin noch schrieb. Diesen Worten nachzutrauern ist einfach falsch. Sie kommen wieder. Sie sind irgendwo im Kopf und in meiner Literaturseele verankert. Viel wichtiger ist es jedoch, genau jetzt diesen Artikel gemeinsam zu schreiben. Blogger und künftige Erzieherin in einem Boot. Den Grolltroll auf dem Schoß und eine Bilderbuchempfehlung im Gepäck, für die wir beide die Hände ins Feuer legen. Auch bei euch herrscht sicherlich ab und zu Alarmstufe BLAU und ihr steht kurz davor, in den eigenen vier Wänden zur UN-Friedenstruppe zu mutieren, um die Konflikte in den Griff zu bekommen. Dabei kommt mir der Gedanke, dass die Jungs und Mädels mit diesen besonderen Missionen nicht umsonst Blauhelme tragen. Ob im Hintergrund der Grolltroll die Blaupause für diese Deeskalationstruppen war? Könnte schon sein. Jedenfalls könnt ihr euch mit schon vier Büchern zur Ruhe bringen, wenn das Chaos im Krisenherd Kinderzimmer tobt. Der Grolltroll, Der Grolltroll grollt heut nicht!?, Der Grolltroll will Erster sein und jetzt auch zum friedlichen Weihnachtsfest frisch auf Buchmarkt: Der Grolltroll. Schöne Bescherung.

Das könnte es zumindest sein. Es ist ja Heiligabend und im kleinen Baumhaus sieht alles sehr festlich aus. An alles hat der Grolltroll gedacht, um mit seinen Freunden ein frohes Weihnachtsfest zu feiern. Das einzige Problem könnte eine latente Veranlagung des blauen Trolls zum Grollen sein. Da muss man schon auf der Hut sein, sonst fährt er aus der Haut. Aber alles scheint gut zu gehen. Von einer Schneeballschlacht, über das Backen bis zum gemeinsamen Aufräumen. Jeder hat sich im Griff, auch wenn manches nicht auf Anhieb gelingt. Doch ausgerechnet bei der Bescherung bricht sich das Grollen seine Bahn. Scheinbar grundlos scheinen alle plötzlich sehr enttäuscht zu sein. Ob man das Weihnachtsfest noch retten kann? Auch dieses Grolltroll-Buch erklärt uns, warum so mancher Zornesausbruch oft absolut unvermeidlich ist und wie man sich erfolgreich zur Wehr setzen kann. Wer also unter dem Tannenbaum befürchtet, die lieben Kleinen könnten außer Rand und Band geraten, sollte sich „Die schöne Bescherung“ ins Haus holen. Dann klappt`s auch mit dem friedlichen Weihnachtsfest. (Sogar bei den Großen.)

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Die Abenteuer des Pinocchio – Carlo Collodi

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Die Abenteuer des Pinocchio – Carlo Collodi

Kenn ich, kenn ich doch schon ewig. Alter Hut.“ So werden viele denken, wenn sie an „Die Abenteuer des Pinocchio“ von Carlo Collodi denken. Tausendfach gesehen und gelesen, damit lockt man doch kein Kind mehr hinter dem Ofen hervor. Ist das so? Nun, vielleicht steckt mehr hinter dieser Geschichte, als das, was uns die verknappten Kinderbuchausgaben der Vergangenheit mit ihrem Extrakt überliefert haben. Vielleicht hat Pinocchio doch mehr zu bieten, wenn man den Text, seinen Schöpfer und die Zeit der Entstehung dieses Märchens näher betrachtet. Vielleicht gelingt es uns ja, diesem „Erziehungshelfer“ der Vergangenheit ein paar neue Seiten abzugewinnen. Dass wir es hier mit einem italienischen Struwwelpeter zu tun haben, ist seit Generationen am lebenden Objekt, nämlich an Kindern, getestet worden.

Immer schön brav sein. Man sieht dir die Lügen an der Nasenspitze an. Du wirst erst zum echten Kind, wenn wir es zulassen und die Marionettenfäden abschneiden. Bis es jedoch soweit ist, gilt es sich an unsere Tugenden zu halten. Und die lauten Gehorsam, Fleiß, Genügsamkeit und Ehrlichkeit. Habt Ihr Pinocchio anders in Erinnerung? Könnt Ihr Euch noch an die pädagogische Wirkung der kleinen Holzfigur erinnern? Aus Holz geschnitzt, alleine nicht lebensfähig und immer dann, wenn sie versucht, einen eigenen Weg zu gehen, kommt es knüppeldicke. Also richtig mit Spaß und Vergnügen kann es nichts zutun haben, wenn Kinder sich dieser Geschichte nähern. Außer, wir verändern unsere Haltung. Außer, wir gehen neue Wege mit dem Text und mit den Kleinsten, die als alles auf diese Welt kommen, jedoch nicht als Teil unseres Marionettentheaters.

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Die Abenteuer des Pinocchio – Carlo Collodi

MinaLima und der Coppenrath Verlag haben sich diese neue Herangehensweise auf die Fahne geschrieben. Die in London erschienenen Originale der Kinderbücher werden seit Jahren im Maßstab 1:1 „geklont“, gekonnt und flüssig übersetzt und bieten uns auf der Grundlage ihrer Ursprungstexte einen komplexen Zugang, den man dann im gemeinsamen Lesen mit Kindern beliebig vereinfachen und erweitern kann. Hier ist es das spielerische Erleben, das in den Vordergrund gerückt wird. Es sind faszinierende Illustrationen und Inlays, mit denen sich diese Bücher trefflich erleben lassen. Aber es sind eben auch die vollständigen Texte von einst, die uns Erwachsenen klar vor Augen führen, dass nicht jedes Kinderbuch vom ersten Federstrich an für die Zielgruppe der heutigen Zeit gedacht war. Erst durch Vereinfachungen, Kürzungen und Reduzierung auf schmale Erzählkerne wurde aus den Büchern das, was wir heute kennen. Extrakt.

Das ist in dieser Ausgabe anders. Ich denke nicht, dass man Pinocchio zuvor schon oft in seiner vollständigen Fassung gelesen hat. Wer an den kleinen Holzkerl denkt, hat eher Bilderbücher oder einen Disneyfilm vor Augen. Dabei ist diese Geschichte schon aus ihrer Entstehungsgeschichte heraus mehr als interessant. Schon 1881 erschienen die Abenteuer von Pinocchio als Fortsetzungsgeschichte in einer italienischen Zeitung. Erst die große Resonanz der Leser veranlasste den Satiriker und Autor Carlo Collodi dazu, die einzelnen Episoden in einem Buch zusammenzuführen. Warum aber liebten italienische Zeitungsleser (damit also sicher wenige Kinder) diese Geschichte? Weil es in einer Zeit sozialer und politischer Instabilität als Zeichen verstanden wurde, dass ein Autor seine Kritik an den Zuständen in einer Marionette spiegelte. Der arme Geppetto war eine Identifikationsfigur für das Volk. Fleißig, ehrlich, sympathisch und arm. Aber Polizisten und andere Offizialfiguren erscheinen als korrupt, dumm und einfach böse. Und dann versucht sich eine Marionette von den Fäden zu lösen, die sie steuern. Das traf den Nerv des bürgerlichen Lesers.

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Wenn man diese Hintergründe ein wenig verinnerlicht, wird auch unser Zugang zu Pinocchio vertieft. Es sind die zentralen und zeitlosen Botschaften des Buches, die man Kindern schrittweise mit auf ihren Weg geben kann. Man muss sein eigenes Glück in die Hand nehmen und darf nicht darauf vertrauen, dass immer irgendjemand bereitsteht, um einen aufzufangen. Man sollte andere nicht bevormunden, sich ehrlich verhalten und gut darauf achten, wer einem gut oder böse gesonnen ist. Alle Figuren dieser Geschichte sind hilfreich zur Vermittlung von wichtigen Lehren, die man ohne erhobenen Zeigefinger vielleicht mit eigenen Erfahrungen anreichern kann. Pinocchio ist sicher ein guter Lehrmeister, um zu erkennen, was passieren kann, wenn man sich von selbst gesteckten Zielen immer weiter entfernt und nicht beharrlich am Ball bleibt. Die Geschichte unterscheidet deutlich zwischen Gut und Böse. Sie wirkt hier wie jede gute Fabel, in der Tiere unsere wesentlichen Charaktereigenschaften spiegeln und so Sympathien wecken… Oder eben das genaue Gegenteil…

Und hier sind wir auch schon bei den Stärken dieses Prachtbandes. Wir können uns stundenlang und doch strukturiert in den kleinen Kapiteln mit Kindern verlieren. In kleinen Schritten schreitet diese Geschichte voran. Wundervoll illustriert und erneut mit interaktiven Inlays versehen, die zum Spielen und Verweilen einladen. Man kann hier mit Pinocchio spielen, seine Nase lang ziehen und die Marionette bewegen. Hier lohnt es sich, kleine Pausen einzulegen, um den Entdeckerdrang der Kinder zu fördern. So lassen sich ganze Theater aufklappen, verdeckte Klappkarten enthüllen Geheimnisse und im Bauch des Haifisches wird es so richtig gefährlich. Ausladende Elemente, die unglaublich einladend wirken. Die Tradition der „MinaLima-Kinderbuchklassiker“ lebt hier exquisit weiter. Ein Band, der in der Sammlung nicht fehlen darf. Ein Buch, das sich unter dem Weihnachtsbaum wie ein leuchtender Weihnachtsstern entfaltet.

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Eine Schlussbemerkung sei noch gestattet. Ich werde oft darauf angesprochen, in diesen Büchern sei doch nur die Nacherzählung der originalen Geschichten zu finden. Sie seien lieblos übersetzt oder eben nur Kurzfassungen der eigentlichen Werke. Ich bin diesen Aussagen auf den Grund gegangen und fündig geworden. Ein nicht näher genannter Online-Marktführer, der mit „A“ beginnt, schafft es scheinbar nicht, die bei ihm hinterlegten Rezensionen den Büchern zuzuordnen, auf die sie eigentlich abzielen. So findet man tatsächlich zu einigen der MinaLima Prachttausgaben vernichtende und enttäuschte Rezensionen, die vom Kauf abraten. Ein genauer Blick jedoch zeigt, dass es sich hier nicht um Rezensionen zu MinaLima-Titeln, sondern eher um Bewertungen zu gleichnamigen Büchern handelt, die fälschlicherweise mit aufgeführt werden.

Man merkt dies am Erstellungsdatum der Rezension, das vor dem Erscheinen des MinaLima-Buches liegt. Ebenso wenig gibt es diese Bücher als E-Book. Häufig wird ja bemängelt, der Seitenumbruch stimme nicht. Und dann merkt man spätestens am Text, dass es sich einfach nicht um diese Hochwertausgaben handeln kann. Ein Fehler, den der Online-Anbieter einfach nicht in den Griff bekommt, der aber gerade hier richtigen Schaden anrichtet. Kurz gesagt: Vertraut dem Blogger. Kauft im Buchhandel und lasst euch vor Ort beraten. Bei diesen Ausgaben habt ihr es immer mit den Originalen der Bücher zu tun, die ihr gerne lesen und erleben möchtet. Die Übersetzungen sind mehr als liebevoll und gelungen und die Inlays erweitern das Erlebnisspektrum dieser Bücher um Ebenen, die ein normales Bilderbuch nicht erreichen kann.

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Die Abenteuer des Pinocchio – Carlo Collodi

Bisher erschienen in der Kinderbuch-Klassiker-Edition von MinaLima

Peter Panvon James M. Barrie
Die Schöne und das Biestvon Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve
Die kleine Meerjungfrauvon Hans Christian Andersen
Das Dschungelbuch“ von Rudyard Kipling

Der geheime Garten“ von Frances H. Burnett und
Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll und wie hier gesehen
Die Abenteuer des Pinocchio“ von Carlo Collodi

Und ich plaudere ein wenig aus dem Nähkästchen, wenn ich verrate, dass man in London mit Hochdruck an „Der Zauberer von Oz“ von Lyman F. Baum arbeitet. 

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Der geheime Garten von F.H. Burnett im neuen Gewand

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Der geheime Garten von F.H. Burnett

Frances Hodgsen Burnett (1849 – 1924). Ein Name, der heute fast von der Bildfläche verschwunden ist. Eine in Vergessenheit geratene Schriftstellerin, obwohl ihr Werk die Zeit überdauert hat. Aber wer denkt schon an sie, wenn man sich zum gefühlt 1000sten Mal „Der kleine Lord“ anschaut? Wer denkt an die britische Autorin, deren Leben von vielen Schicksalsschlägen geprägt war, die als Tochter eines Goldschmieds aufwuchs, nach Tennessee auswanderte, heiratete, einen ihrer beiden Söhne im zarten Alter von gerade einmal 16 Jahren verlor, sich scheiden ließ, erneut heiratete, um diesen zweiten Ehemann nur zwei Jahre nach der Hochzeit zu Grabe zu tragen. Wer denkt noch an die Schriftstellerin, wenn der Jugendbuchklassiker „Der geheime Garten“ erwähnt wird?

Ich hatte das letzte Lesejahr zu meinem ganz eigenen Gartenjahr“ erklärt und im Gewächshaus der kleinen literarischen Sternwarte jene zarte Pflanze dieses geheimen Gartens gehegt und gepflegt. Das Hörspiel aus dem Hause Der Audio Verlag hat mich verzaubert. Sowohl die szenische Inszenierung, als auch die Straffung der Geschichte und die Besetzung der einzelnen Rollen waren dafür verantwortlich, dass ich mich nicht im Garten verirrte und die Grundzüge des Klassikers verinnerlichen konnte. In nur einer guten Stunde kann man natürlich nicht das komplexe Original zu Gehör bringen. Mir ist klar, dass es hier (wie bei einer Verfilmung) um den Kern der Handlung geht, um deren wesentliche Aussage, aber ich wusste, dass da noch mehr auf mich wartete.

Der geheime Garten von F.H. Burnett - AstroLibrium

Der geheime Garten von F.H. Burnett

MinaLima sei Dank, dass Jugendbuchklassiker in neuem Gewand den Buchmarkt erobern. Die Mischung aus Grafik-Design, Buchlayout und ursprünglichem Text macht die Buchkunstwerke aus London zu absoluten Perlen ihrer Zunft. Mit „Peter Pan“, „Die kleine Meerjungfrau“ und „Die Schöne und das Biest“ hat man bereits gezeigt, dass es möglich ist, klassischen Geschichten ein neues Leben einzuhauchen. Als dann noch „Das Dschungelbuch“ die vollständigen „Dschungelbücher“ von Rudyard Kipling in Szene setzte, war eigentlich der Höhepunkt erreicht. Sollten man meinen. Interaktiv und innovativ kommen diese Bücher daher. PopUp-Bücher waren gestern. MinaLima setzte schon mit den ersten Veröffentlichungen neue Standards, die vom Coppenrath Verlag im Maßstab 1:1 für den deutschen Sprachraum adaptiert wurden.

Die Übersetzungen der Klassiker sind hervorragend umgesetzt, das Buchdesign mit seinen Illustrationen und Inlays muss man mit Fug und Recht als perfekte Klone der Originalausgaben bezeichnen und die Resonanz des Publikums ist riesig. Man wird schnell süchtig nach mehr. Die Sammlung will erweitert werden und sehnsüchtig blickt man nach London, ob sich nicht weitere Titel am Horizont abzeichnen. Zum Glück geht es weiter! „Der geheime Garten“ ist nun schon das fünfte Werk, das auf diese Art und Weise für Aufsehen sorgt. Die MinaLima-Bibliothek wächst beharrlich, wobei sie nicht auf Büchersammler abzielt. Die Prachtbände sind absolut alltagstauglich, verführen uns zum gemeinsamen Lesen und sind gerade in Händen von Kindern gut aufgehoben. Der Mitmach-Faktor macht den großen Reiz dieser Bücher aus.

Der geheime Garten von F.H. Burnett - AstroLibrium

Der geheime Garten von F.H. Burnett – AstroLibrium

So auch im geheimen Garten. Hier entfaltet die facettenreiche Geschichte ihren vollen Glanz. Hier werden die Charaktere nicht nur angerissen, sondern in ihrer ganzen Tiefe beschrieben. Wer das Hörspiel noch im Ohr hat, wird sich über die neuen Ebenen der Geschichte wundern. Der Garten selbst nimmt einen unfassbaren Raum ein, den es zu entdecken gilt. Nicht nur im geschriebenen Wort. Hier finden wir den Lageplan und den Schlüssel zum geheimen Garten, wir entdecken Drehscheiben, die Geheimnisse über Wind- und Himmelsrichtungen verraten und sogar die indische Vergangenheit von Mary Lennox wird atmosphärisch in Szene gesetzt.

Die junge Mary Lennox, die verwaist in ihre englische Heimat zurückkehrt, bei ihrem verbitterten Onkel Zuflucht findet, und dort auf ein Haus voller Geheimnisse stößt, steht im Mittelpunkt dieser Geschichte. Sie verwandelt sich aus der verwöhnten kleinen Göre in ein neugieriges und fürsorglich denkendes junges Mädchen, als sie in ihrem Cousin Colin einen verletzlichen Jungen erkennt, dem es zu helfen gilt. „Der geheime Garten“ wird für beide zum wichtigen Zufluchtsort und dem Sanatorium für die Seele. Und nicht nur der Cousin hat es Mary angetan. Auch ihr neuer Freund Dickon scheint für sie aus einer anderen Welt zu kommen. Alles ist neu für Mary. Niemand hört auf ihre Wünsche. Sie kann nicht mehr herumkommandieren. Ihr verzogenes Wesen glättet sich.

Der geheime Garten von F.H. Burnett - AstroLibrium

Der geheime Garten von F.H. Burnett

Als sie dann auch noch das Tor zum geheimen Garten entdeckt, verändert sich ihr ganzes Leben. Vom verwitweten Onkel verschlossen, weil der Garten ihn an seine tote Frau erinnert, verbirgt dieser Garten mehr als nur die Faszination des Verbotenen. Hier entfaltet die Natur ihre Magie. Der geheimnisvolle Dickon, der einen besonderen Draht zu haben scheint, wird zum Gefährten des jungen Mädchens. Sie setzen sich über alle Verbote hinweg und bringen den kränkelnden Sohn des Onkels in dieses Biotop. Was sich dann ereignet und wie sich der geheime Garten auf die Kinder auswirkt ist einfach nur mit einem Wunder zu vergleichen. Hier wird die Buchgestaltung dem Anspruch der Lektüre gerecht. Wo wir uns wundern und wo das Staunen beginnt, dürfen wir mit den jüngsten Lesern gemeinsam geheime Briefe entdecken, den Garten erkunden und den Blumen beim Wachsen zuschauen.

Der Umgang mit Verlust und Trauer, sowie die Ängste eines übervorsichtigen Vaters lasten auf den Kinderseelen, bis sie den Garten für sich entdecken. Eine Geschichte, in deren Verlauf bedeutende Entwicklungen bei allen Beteiligten zu erleben sind. Frances Hodgsen Burnett hätte sicher gerne in dieser MinaLima-Ausgabe geblättert, gelesen und sich sehr darüber gefreut, dass ihre Original-Geschichte so authentisch umgesetzt wurde. Es ist eine liebevolle Hommage an eine große Schriftstellerin, deren Werk noch heute allgegenwärtig, deren Name jedoch fast vergessen scheint. Dabei waren es auch für sie die Gärten mit ihrer kontemplativen Atmosphäre, in denen sie in ihrem späteren Leben Zuflucht suchte. Vielleicht war sie da selbst die kleine Mary. Auf der Suche nach einem Leben voller Sinn und Zuversicht.

Der geheime Garten von F.H. Burnett - AstroLibrium

Der geheime Garten von F.H. Burnett

Prachtvoll. Wundervoll. Ein Bücherschatz in der Reihe der Bücherschätze. Es ist nicht die letzte Blüte im geheimen Garten, die wir hegen und pflegen dürfen. Ich warte auf weitere Informationen zur Verfilmung, die wohl erst 2020 in die Kinos kommt. Dann ist mein Garten-Kabinett vollständig. Sehen, hören, lesen, fühlen, drehen, entfalten und entdecken. Allen Dimensionen habe ich dann Raum gegeben. Und das, obwohl ich nie einen grünen Daumen besaß. Vielleicht ändert sich das. Ich pflanze diesen Gedanken mal ein und wässere ihn. Mal schauen, ob er wächst.

Der geheime Garten wird uns wohl noch länger beschäftigen. Ebenso, wie uns die Buchreihe von MinaLima weiter auf Trab halten wird. Meine Sammlung wird größer, in England pfeifen es schon die Spatzen von den Dächern, dass „Alice im Wunderland“ schon Anfang des Jahres auch bei uns erscheinen wird. Und wer sonst, als der Verlag, der immer wieder bewiesen hat, dass man diese klassischen Buchkunstwerke perfekt übersetzen und adaptieren kann, ist in der Lage auch dieses Buch in unsere Regale zu zaubern? Ich war gespannt, was ich auf der Frankfurter Buchmesse beim Presstermin mit dem Coppenrath Verlag erfahren würde… Im Januar 2020 erscheint Alice bei uns!

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Der geheime Garten von F.H. Burnett und Alice im Wundelralnd

Der geheime Garten“ von Frances Hodgsen Burnett / Coppenrath Verlag / MinaLima / dt. von Michael Stehle / Einband mit Leinenstruktur und Folienprägung / Illustriert / Mit neun interaktiven Inlays / Gebunden / 384 Seiten / 32 Euro

„Der 1000-jährige Junge“ von Ross Welford

Der 1000-jährige Junge von Ross Welford - AstroLibrium

Der 1000-jährige Junge von Ross Welford

Es ist schon immer das Spiel mit der Zeit gewesen, das uns Leser fasziniert. Wir träumen gerne davon, unsterblich zu sein, auf Zeitreise gehen zu dürfen, oder einfach auch mal die Zeit anhalten zu können. Einstein hat die Zeit relativiert. Wir messen Zeit nicht in Maßeinheiten, sondern eher willkürlich mit eigentlich vorsintflutlichen Uhren. Es ist heute sehr leicht, Zeit zu gewinnen, sie verstreichen zu lassen, sie zu verschwenden oder sie einfach mal spontan an unsere Lebensbedingungen anzupassen. Denken wir nur an die Winter- oder Sommerzeit. Zeit zieht sich wie ein Kaugummi oder vergeht wie im Flug. Jeder denkt, eine innere Uhr zu haben oder der Zeit hilflos ausgeliefert zu sein. In der Literatur ist es sogar möglich, durch die Zeit zu reisen.

H.G. Wells hat in unserer Fantasie tiefe Spuren hinterlassen, seitdem er mit seiner Zeitmaschine den Sprung in die Zukunft gewagt hat. Viele Autoren sind seinem guten Beispiel gefolgt und haben einen wahren Zeitreise-Tourismus-Boom ausgelöst. Zuletzt bin ich Matt Haig in seinen Roman „Wie man die Zeit anhält“ gefolgt und habe dabei sehr genossen, dass er hierbei nicht auf Zeit gespielt hat. Er lässt seinen Protagonisten durch die Jahrhunderte wandern, nicht unsterblich, jedoch nur in mäßigen Schritten der normalen Alterung unterworfen. So treffen wir im Hier und Jetzt auf einen Mann, der im Moment wie ein Vierzigjähriger auf uns wirkt, in Wahrheit jedoch über 400 Jahre alt ist. Was er mitbringt, ist ein großer Fundus an selbst erlebtem historischen Wissen, das ihn zum zeitlosen Zeitzeugen vergangener Epochen macht. Welch tiefgründiger Spaß.

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Der 1000-jährige Junge von Ross Welford

Als ich auf den Roman „Der 1000-jährige Junge“ von Ross Welford stieß, musste ich sofort an Matt Haig und die Grundidee seiner Geschichte denken. Sie unterscheidet sich natürlich grundlegend, allerdings ist die Ausgangssituation sehr ähnlich. Wir treffen auf einen elfjährigen Jungen, der im Hier und Jetzt eigentlich ganz normal wirkt. Er wirkt nicht, als wäre er etwas Besonderes. Durchschnitt. Dass er allerdings schon seit 1000 Jahren elf Jahre alt ist, das wissen nur wir. Wir Leser sind immer im Vorteil. Der Junge altert jedoch im Vergleich zu seinem Alter Ego aus dem Roman von Matt Haig nicht um einen Tag. Er war elf, als er zeitlos wurde, er blieb elf in den Zeitscheiben, die er erlebt hat und er ist elf als er nun einen folgenschweren Entschluss fasst.

Schluss mit lustig. Schluss mit der Zeitlosigkeit. Alfie Monk will älter werden. Wo Matt Haig für erwachsene Leser schreibt und seinen Protagonisten zu einem zeitlosen Liebenden und Suchenden nach Zuneigung macht, bleibt Ross Welford sprachlich und inhaltlich bei seiner Zielgruppe, den Lesern und Leserinnen ab dem 10. Lebensjahr. Sie sollen zu Wegbegleitern von Alfie Monk werden. Sie sollen seine Andersartigkeit sehen und verstehen. Sie sollen mit ihm gemeinsam nach Lösungen suchen, wie man endlich aus der Zeitschleife des Nichtalterns entfliehen kann. Und dabei sehen sie die Welt aus der Perspektive eines Alfie Monk, der genau ihre Sprache spricht. Denn altklug ist Alfie sicher nicht! Nur ist sein Erfahrungsschatz um 1000 Jahre größer. Amüsant.

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Der 1000-jährige Junge von Ross Welford

Die Geschichte von Alfie Monk hat Sogwirkung. Erst damit angefangen, kommt man aus dem Lesen nicht mehr heraus. Ross Welford spielt vorzüglich mit der Zeit und lässt auch hinsichtlich der Ursachen für das ewige Leben keine Frage offen. Er nimmt seine Leser an die Hand, erklärt seine „Untoten“, die Einschränkungen, die ein solches Leben mit sich bringt und lässt niemanden im Unklaren darüber, dass Alfie Monk sterblich ist. Sieht man ja an seiner Mutter. Dabei fing alles mit ein paar geheimnisvollen Glasperlen an, die Alfies Vater besitzt. Livperler. Lebensperlen. Der wohl wertvollste Besitz seiner Familie. Tja, und statt abzuwarten, bis der richtige Zeitpunkt gekommen war, hatte Alfie seine Livperler im Alter von elf Jahren eingenommen. Und schon war es passiert. 1000 Jahre lagen nun vor ihm…

„Manchmal schäme ich mich immer noch.
Bis dahin hatte ich elf Winter erlebt.
Und ich sollte über tausend Jahre lang elf bleiben.“

Das macht ihn anders. Innerlich. Und jetzt, ohne seine Mutter, die in einem Feuer ums Leben kommt und vor die Alternative gestellt, die nächsten 1000 Jahre als Elfjähriger in einem Kinderheim zu verbringen, zieht er die Notbremse. Was er jetzt braucht sind gute Freunde und Glück. Hier entwickelt Ross Welford einen zeitlosen Jugendroman, der es in sich hat. Voller Anekdoten über das ewige Leben als Elfjähriger (ein doofes Alter für das ewige Leben – es gäbe so viele spannendere Lebensphasen, denkt auch Alfie) und erweitert um die wundervolle zweite Erzählperspektive seines Freundes Aidan, besticht dieser Roman in seinen Bildern, die haften bleiben.

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Der 1000-jährige Junge von Ross Welford

Freundschaft, blindes Vertrauen, die Sehnsucht nach einem anderen Leben, das Ausbrechen aus dem alltäglichen Muster, der Wunsch erwachsen zu werden und eine unglaubliche Lust an der Schönheit des Lebens machen den Roman zu einem absolut lesenswerten Genuss. Wer also erfahren möchte, wie ein elfjähriger Junge an originale handsignierte Bücher von Charles Dickens kommt, wen es interessiert, wie ein junger allwissender Zeitzeuge in einer Ausstellung zur Geschichte der Angelsachsen auffällig wird und wer mit einem 1000-jährigen Spannungsbogen zurechtkommt, dem sei diese Geschichte ans Herz gelegt. Und wer denkt, es hier mit einem Roman für Jungs zu tun zu haben, der darf sich auf Roxy freuen. Die gemeinsame Freundin von Alfie und Aidan hat es faustdick hinter den jungen Ohren und erweist sich als wahrer Wirbelwind in der zeitlosen Story.

Doch es ist Vorsicht geboten. Tiefgang gehört zu diesem Buch wie die Anekdoten zur Geschichte. Ross Welford bringt seine Leser schon sehr ins Grübeln. Der Roman hat seine tief angelegten Momente, wenn man sich mit Verlust, Trauer und der Illusion auseinandersetzt, wie es wäre, ewig elfjährig zu sein. Man kann dieses Buch mit gutem Gewissen seinen Kindern schenken. (Und es sich dann ganz heimlich ausleihen, um es selbst zu lesen). Dieser Lesespaß ist alterslos. Also zumindest, wenn man irgendwie im Herzen jung geblieben ist. In jedem steckt ein kleiner Alfie…

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Der 1000-jährige Junge von Ross Welford

Zeitlose Zeitreise-Romane bei AstroLibrium, die keine Zeitverschwendung sind:

Kunde von Nirgendwo“ – Eine Zeitreise mit William Morris
Blätterrauschen“ eine Zeitreise mit Holly-Jane Rahlens
Flügel aus Papier“ – Eine Zeitreise mit Marcin Szczygielski
Wie man die Zeit anhält“ von Matt Haig [Buch und Hörbuch]
Marmorkuss“ von Jennifer Benkau [Urban Mystery]
So nah und doch so fern“ – Eine Liebes-Zeitreise von Ann Brashares
Anne Frank – Wenn du jetzt bei mir wärst“ – Waldtraut Lewin
„Zeitreise mit Hamster“ von Ross Welford… Das steht noch in meinem SUB

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Der 1000-jährige Junge von Ross Welford

„Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett

Der geheime Garten - Frances H. Burnett - Astrolibrium

Der geheime Garten – Frances H. Burnett

„Die Beschäftigung mit Erde und Pflanzen
kann der Seele eine ähnliche Entlastung
und Ruhe geben wie die Meditation.“

Hermann Hesse

Der geheime Garten - Frances H. Burnett - Astrolibrium

Der geheime Garten – Frances H. Burnett

Ich bin sicher nicht der Leser mit dem grünen Daumen“. Und doch habe ich bereits einen literarischen Ausflug in eine Gartenlandschaft gewagt, der mir gezeigt hat, wie es sich auf Körper und Geist auswirken kann, wenn man sät, pflanzt und erntet. Oder sich ganz einfach an der bunten Blütenpracht berauscht, der man eine Heimat gegeben hat. Gärten können kontemplative Atmosphäre erzeugen, entschleunigen und den Geist vor Überlastung schützen. „Der Garten von Hermann Hesse“ sollte eigentlich mein letztes Gartenbuch sein. Dachte ich. Und nun stehe ich kurz davor, das Jahr 2019 zu meinem Lesejahr des Gartens auszurufen. Wie kommt es dazu?

Nun, die Literatur bringt viele Überraschungen mit sich. Während Hermann Hesse mir zeigte, wie kreativ man in der Gestaltung von Gartenwegen sein kann (er befestigte sie mit unaufgefordert zugeschickten Rezensionsexemplaren), las ich mich ohne ahnen zu können, was mich künftig erwarteten sollte, durch meine MinaLima-Bilbiothek. Von „Peter Pan“ über „Die Schöne und das Biest“. Bis mitten hinein ins „Dschungelbuch“ und „Die kleine Meerjungfrau“ führte mich mein Lesen in die Fantasiewelt der großen klassischen Kinder- und Jugendbücher. Als ich dann die Fortsetzung dieser magischen Buchreihe entdeckte, war es um mich geschehen. The Secret Garden von Frances Hodgson Burnett erblickte in London das Licht der Welt und schon auf der Frankfurter Buchmesse durfte ich einen ersten Blick auf das deutsche Cover werfen.

Der geheime Garten - Frances H. Burnett - Astrolibrium

Der geheime Garten – Frances H. Burnett

Der geheime Garten wird als Buchkunstwerk aus dem Hause Coppenrath Verlag diese MinaLima-Reihe auch bei uns fortsetzen. Grüner Daumen hin oder her. Es ist unausweichlich, mich in diesen Garten zu begeben. Zuerst erreichte mich ein geheimes Buchpaket aus London, um meine Neugier im Zaum zu halten. Dann erfuhr ich, was im neuen Jahr so auf mich zukommt. Und jetzt sitze ich wie angepflanzt in einer Oase der Literatur und entwickle mich zum Gärtner meines grünen Lesens. Schon 2019 wird nun die Verfilmung des Jugendbuch-Klassikers mit Colin Firth in der Hauptrolle in den Kinos zu sehen sein. Darüber hinaus hat Der Audio Verlag ein atmosphärisches Hörspiel im Programm, das dieses Abenteuer brillant in Szene setzt. Ich hatte keine Chance. Nach meinem Ausflug in die wundervolle Hörspielwelt von „Peter Pan“ wollte ich mich gerne hörend in den Garten begeben.

Hier bin ich nun. Das Original von MinaLima in Händen, auf die Verfilmung und die Übersetzung des Buches wartend und bereits am Ende des Hörens eines Hörspiels. Ja. Ich konnte nicht warten. Ich zog mich für eine gute Stunde zurück und hörte mich in die Welt der 10jährigen Mary Lennox hinein. Mehr als hundert Jahre alt ist die Geschichte und eigentlich könnte man annehmen, sie sei in die Jahre gekommen. Angestaubt oder zumindest leicht antiquiert. Mit unseren Heutigen schwer in Einklang zu bringen und für Kinder des 21. Jahrhunderts vielleicht wenig zeitgemäß. Weit gefehlt. Sehr weit. Ich bin mir inzwischen ganz sicher, dass ich die Lese- und Hörzeit in diesem geheimen Garten genau richtig investiert habe und noch investieren werde.

Der geheime Garten - Frances H. Burnett - Astrolibrium

Der geheime Garten – Frances H. Burnett

Heute lege ich mein Ohrenmerk auf die 2018 bei Der Audio Verlag veröffentlichte SWR 2 – Produktion aus dem Jahr 1999. Hörspiele sind cineastische Inszenierungen fürs Ohr. Ein vollständiges Ensemble muss seine Zuhörer schon von Beginn an mit der klar erkennbaren Rollenverteilung überzeugen. Hier bleibt kein Raum für „Mary sagte“ oder ähnliche Zuordnungen und Hilfen. Hier muss man Mary und andere Protagonisten sofort heraushören, als unverkennbar für die Folgehandlung einstufen, in jedem Aufzug der Handlung wiedererkennen und sogar aus dem Chor verschiedener und sich häufig überlagernder Stimmen klar identifizieren können. Gelingt dieser Spagat aus Hören und Inszenierung nicht, sorgt dies gerade bei jungen Zuhörern nur für Verwirrung. Es ist als würde man einen Film mit geschlossenen Augen verfolgen. Einzig ein Erzähler wird als Bindeglied zwischen Handlung und Schauspiel fürs Ohr eingeflochten. Ihm kommt hier eine große Verantwortung zu. Lenken, leiten, erklären, erläutern und überleiten. Regie und Inszenierung vermögen hier einen Kosmos zu gestalten, dem man folgen kann. In einigen Fällen jedoch gelingt diese Gratwanderung nur bedingt. Hier schon!

In „Der geheime Garten“ unter der Regie von Götz Fritsch haben wir es immerhin mit elf Charakteren zu tun, die für die Handlung von großer Bedeutung sind. Hier ist die Erzählerin Doris Schade unsere Vermittlerin zwischen Ohr und Roman. Dieses Hörspiel bringt uns junge Stimmen näher, die wir den heute erwachsenen Sprechern im ersten Moment des Hörens nicht zuordnen würden. Was schon vor fast zwanzig Jahren aufgenommen wurde, entwickelt allein schon hier einen frischen und zeitlosen Charme. Das Ensemble des Hörspiels besteht aus:

Doris Schade (Erzählerin)
Solvej Krause (Mary)
Samuel Teixeira (Colin)
Tobias Schmidt (Dickon)
Jaschka Lämmert (Martha)
Helga Grimme (Mrs. Medlock)
Peter Fricke (Sir Archibald Craven)
Fritz Lichtenhahn (Ben Weatherstaff)
Christine Davis (Mrs. Crawford)
Hans Treichler (Mr. Pitcher)
Klaus Hemmerle (Dr. Craven)
Joachim Hall (Roach)

Der geheime Garten - Frances H. Burnett - Astrolibrium

Der geheime Garten – Frances H. Burnett

Die Handlung des Romans wurde im Hörspiel natürlich verknappt und auf seinen wesentlichen inhaltlichen Kern reduziert. Und doch gelingt es, dieses komplexe und tief angelegte Jugendbuch authentisch zu erzählen. Die junge Mary, die verwaist in die englische Heimat zurückkehrt, bei ihrem verwitweten und verbitterten Onkel Archibald Zuflucht findet, und dort auf ein Haus voller Geheimnisse stößt, erweicht das Hörerherz. Sie verwandelt sich aus der verwöhnten kleinen Göre in ein neugieriges und fürsorglich denkendes junges Mädchen, als sie in ihrem Cousin Colin einen verletzlichen Jungen erkennt, dem es zu helfen gilt. Der geheime Garten wird für beide zu einem wichtigen Zufluchtsort und zum Sanatorium für die Seele. Hier entfaltet die Natur ihre Magie. Der Umgang mit Verlust und Trauer, sowie die Ängste eines übervorsichtigen Vaters lasten auf den Kinderseelen, bis sie den Garten für sich entdecken..

Solvej Krause und Samuel Teixeira verleihen ihren Figuren so viele Facetten, die diese Verletzungen verdeutlichen, dass man schon ab einem Alter von acht Jahren gut nachvollziehen kann, was in ihren Herzen vor sich geht. Trauer und Angst sind die Bestimmungsgrößen ihres Alltags. Eine eingebildete und verwöhnte Zicke trifft auf den eingebildeten kranken Jungen. Ein weiter Weg liegt vor ihnen. Freunde müssen erst zu Freunden werden, um helfen zu können. Das Wunder wartet am Ende des Gartens. Es ist die alte Botschaft von Frances Hodgson Burnett, die auch nach mehr als hundert Jahren noch zu uns durchdringt. Alleine schafft man es nicht aus Krisen zu entkommen und erst, wenn man sich anderen anvertraut, sich öffnet und zuhört, gelingt ein Wunder.

Der geheime Garten - Frances H. Burnett - Astrolibrium

Der geheime Garten – Frances H. Burnett – Ab März beim Coppenrath Verlag

Gemeinsames Hören, vielleicht sogar im Garten, wird hier zum Erlebnis. Ich mag auf diesem Hörspiel aufbauend in das Buch mit dem Originaltext eintauchen. Ich werde mir die Literaturverfilmung anschauen und erlaube mir, Euch einfach mitzunehmen. Ein Jahr voller Gartenlesetage wartet auf uns und so wie ich mich kenne, wird sich noch so manche andere Geschichte diesem Weg anschließen. Es grünt so grün, wie unsere Bücher blühen… Ich glaub` jetzt hab` ich`s… Bis bald. Im Garten.

Der geheime Garten - Frances H. Burnett - 2019 als Film mit Colin Firth

Der geheime Garten – Frances H. Burnett – 2019 als Film mit Colin Firth – AstroLibrium

Mehr zu der MinaLima Bibliothek der Jugendbuchklassiker auf AstroLibrium.

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