„Loyalitäten“ von Delphine de Vigan – Ein Weckruf

Loyalitäten von Delphine de Vigan

Ich bin loyal. Das stelle ich einfach mal in den Raum. Loyal gegenüber Schriftstellern, die mich schon mehrfach aus der Komfortzone meines Denkens befreien konnten und mir mit ihren Werken neue Sichtweisen, unvergessliche Lese- sowie Hörmomente oder einfach nur gut erzählte Geschichten ins Leben geschrieben haben. Sie genießen den Vertrauensvorschuss, den sich ein „neuer“ Autor in meinem Lesen erst erwerben muss. Ihnen liefere ich mich gerne aus, weil ich aus eigener Erfahrung abschätzen kann, dass ich nicht enttäuscht werde. (Diese Rezension kann man auch im Radio hören. Hier.)

Loyalitäten von Delphine de Vigan – Die Rezension fürs Ohr

Ja, Leser können loyal sein. Sie gehen mit ihren Herzensschriftstellern Allianzen ein, die man fast schon als heilig bezeichnen könnte. Sie folgen ihnen ergeben, treu, integer und ziehen, wenn erforderlich, auch für sie in die Schlacht. In diesem besten Sinne der literarischen Loyalität gehöre ich zum linientreuen Gefolge von Delphine de Vigan. Ja, man kann mir für die nun folgende Rezension durchaus Befangenheit unterstellen. Mir bliebe nichts übrig, als mich in allen Punkten der Anklage für schuldig zu bekennen. Ich folgte der französischen Schriftstellerin, egal in welchem Verlag sie veröffentlicht wurde und stellte dabei immer wieder fest, dass ihre Bücher auch über diese Grenzen hinaus eng miteinander verbunden sind. Ein Lebenswerk im besten Sinne des Wortes.

Loyalitäten von Delphine de Vigan

Mir ist bereits vor zehn Jahren Lou Bertignac über den Weg gelaufen. Sie war das „Ich“ in Delphine de Vigans Meisterwerk „No & ich“. Sie war das behütete Mädchen im zerrissenen Paris, das zwischen Kultur und Subkultur changierte. Sie war es auch, die von der obdachlosen No auf die andere Seite jenseits aller Komfortzonen gezogen und dort losgelöst von allen Konventionen festgehalten wurde. Dieser Roman hat mich auf die widersprüchlichen Welten innerhalb einer einzigen Stadt aufmerksam gemacht und nachhaltig geprägt. Diesem Roman verdanke ich eine faszinierende Reise nach Paris und Romane, die ich ansonsten nie für mich entdeckt hätte.

Ich bin Delphine de Vigan weiter gefolgt. Ich war stets fasziniert von ihrem Umgang mit der eigenen Vergangenheit, vom autobiografischen Aspekt ihres Schreibens. „Das Lächeln meiner Mutter“ und „Nach einer wahren Geschichte“ spielten auf höchstem Niveau mit meinen Gefühlen, mit meiner Wahrnehmung und meinem Denken bezogen auf Identität, Kontrollverlust und psychische Probleme. Keines dieser Bücher hat dabei enttäuscht. Jeder Roman hat neue Maßstäbe gesetzt und bleibt bis zum heutigen Tag tief in meinem Lesen verankert. Ihr neues Werk setzt diese Tradition nahtlos fort. Hier finde ich mich in dem Paris wieder, das Delphine de Vigan als Erzählraum kultiviert hat. Und ich finde mich in einer Geschichte wieder, die losgelöst von Raum und Zeit überall beheimatet sein könnte.

Loyalitäten von Delphine de Vigan

Loyalitäten“ von Delphine de Vigan – DuMont Buchverlag

Herzlich willkommen erneut in Paris. Delphine de Vigan bleibt sowohl ihrer Stadt als auch dem soziokulturellen Setting des modernen Frankreichs gegenüber loyal. Es dient nicht nur als Kulisse für eine erneut brillant erzählte Geschichte. Die Stadt an der Seine ist zugleich Nährboden für die Handlung, wie schillernd verstörende Kulisse, in der sich die wahren Dramen des Alltags abspielen. Besonders für den zwölfjährigen Théo, dem alles fehlt, was man unter der Überschrift „behütete Kindheit“ subsummieren könnte. Er ist Trennungskind, wechselt wöchentlich die Territorien zweier tief verfeindeter Parteien und wird zum leidtragenden Grenzgänger zwischen der Welt seiner Mutter und der des Vaters. Wobei man gerade bei Letzterer nicht von Welt, sondern von Apokalypse reden muss.

Wie Delphine die Vigan die Zerrissenheit beschreibt, die Théos Leben prägt, ist für Väter besonders schwer zu verkraften. Das Versagen auf ganzer Linie steht für jenen Menschen, der seinem Sohn in einer solchen Lebensphase Halt und Zuversicht geben sollte. Hier findet Théo jedoch nur ein Loch vor, in dem er Woche für Woche einziehen muss. Selbstaufgabe, Arbeitslosigkeit, Armut und krankhafte Lethargie macht Delphine de Vigan so greifbar, als würden wir selbst die heruntergekommene Wohnung betreten. Die andere Seite bedient sich des Sohnes als Instrument nie verwundenen Schmerzes. Seine Mutter ist nie über die Trennung von ihrem Mann hinweggekommen. Wenn Théo vom Vater zur Mutter zurückkehrt, wird er behandelt, als käme er vom feindlichen Lager zurück in die eigenen Reihen. An ihm lässt sie den Hass gegenüber ihrem Ex aus. Hier zerreißt ein junges Leben zwischen den Fronten verfeindeter Eltern. Beklemmend.

Loyalitäten von Delphine de Vigan

Théos Loyalität wird von Woche zu Woche auf eine harte Probe gestellt. Einziger Fluchtpunkt ist sein gleichaltriger Freund Mathis, dessen Elternhaus dagegen wie eine heile Welt wirkt. Oberflächlich betrachtet. Hier ziehen sich die Risse eher subversiv und schwer zu erkennen durch das Leben seiner Familie. Die psychisch gestörte Mutter und ein Vater, der ein mediales Doppelleben innerhalb der gemeinsamen vier Wände führt, machen auch diesen Alltag zur Hölle. Die Jungs verbindet die fehlende Nähe, die Liebe und der Schutz, den nur Eltern bieten können. Beide flüchten sich in den Alkohol. Beide im Alter von 12 Jahren. Mathis, um Théo gegenüber loyal zu sein. Théo, um den finalen Ausweg aus der Unerträglichkeit zu finden. Delphine de Vigan lässt ihre Leser in einem Rausch aus Kälte und Wodka versinken. Sie zieht uns in den Strudel, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Würde sie nicht Hélène ins Feld führen. Die Lehrerin der beiden Jungs, die bemerkt, wie sehr sie langsam abdriften. Sie findet keine Beweise. Théo und Mathis bleiben loyal gegenüber jenen, die sie zuhause verraten. Die eigenen Eltern zu verraten kommt nicht in Frage. Als Hélène auf Spurensuche geht, stellt sie ihre eigene Loyalität infrage. Hier überschreitet sie Grenzen und Kompetenzen, hier stellt sie ein blindes Schulsystem auf die Probe. Hier spürt sie menschliche Katastrophen auf, ohne sie beweisen zu können. Hier wird nun auch sie zerrissen zwischen dem äußeren Schein und ihrem Verdacht. In letzter Konsequenz ist sie die einzig Sehende unter allen Blinden. Und ihr wirft man vor, sich alles einzubilden.

Loyalitäten von Delphine de Vigan

Vier Erzählperspektiven setzt Delphine de Vigan ein, um uns allwissend zu machen. Die Lehrerin, Théo, sein Freund Mathis und dessen Mutter kommen zu Wort. Methoden und Sichtweisen wechseln sich ab. Direkt, indirekt, mittelbar und unmittelbar. Ein Spiel auf höchstem literarischen Niveau. Ein beharrlicher Kampf gegen die Loyalitäten, deren Folgen Leben kosten können. Selbstverrat und gekündigte Allianzen wären die einzige Rettung. Der Blick hinter die Kulissen könnte das Schlimmste verhindern. Die Zeit läuft gegen die Lehrerin, weil man auch ihr gegenüber nicht loyal ist. Schwer zu verkraften. Besonders, wenn man eine eigene Vergangenheit mit sich schleppt, in der Missbrauch an der Tagesordnung war. Ein gebranntes Kind versucht Kinder vor dem Flächenbrand zu bewahren.

Ein wichtiges Buch über Entfremdung innerhalb von Familien. Ein Meisterwerk zu den Problemfeldern Trennungskinder und falsch verstandene Loyalität. Ein Roman, der dem Leser Kadavergehorsam abfordert, weil man sich ihm nicht entziehen kann. Väter sollten sich ein dickes Fell zulegen, bevor sie „Loyalitäten“ lesen. Dem Roman liegt ein desaströses Vaterbild zugrunde. Ein Bild, mit dem ich nur schwer zurechtkam, weil ich für mich zeitlebens versucht habe, die Folgen von Verrat und Illoyalität gegenüber der eigenen Familie zu bekämpfen. Dieser Roman liegt schwer auf meinem Denken. Man sollte ihn lesen, wenn man mit dem Gedanken spielt, eine Ehe zu beenden. Man sollte ihn lesen, wenn man sie bereits beendet hat und sich einbildet, mit den gemeinsamen Kindern sei alles in Ordnung. Man sollte ihn lesen, wenn man mal wieder einem Lehrer unterstellt, er sähe Gespenster. Man sollte ihn auch dann lesen, wenn all dies nicht der Fall sein sollte. „Loyalitäten“ ist ein Weckruf. Ein empathisches Frühwarnsystem gegen alle Folgen des Verrats. Er ist ein Früherkennungssystem für eine verstörte Psyche, die sich zum Kampf erhebt und sich auflehnt. Dieser Roman kann Leben retten.

Loyalitäten von Delphine de Vigan

Paris in meinem Lesen

Das Leben des Vernon Subutex“ – Virginie Despentes
Das Mädchen, das in der Metro las“ – Christine Féret-Fleury
Die Schönheit der Nacht“ – Nina George
Ein Ire in Paris“ – Jo Baker
Dann schlaf auch du“ – Leïla Slimani

und viele weitere Titel, die unter dem unter dem Schlagwort „Paris“ zu finden sind.

Loyalitäten von Delphine de Vigan

„Das brennende Mädchen“ von Claire Messud

Das brennende Mädchen von Claire Messud

Man steht vor einem Ölgemälde, das aus der Ferne betrachtet unglaublich realistisch wirkt und bemerkt, je näher man ihm kommt ein maschenartiges Netz kleiner Risse, die sich über das gesamte Bild ziehen. In der Kunstwissenschaft bezeichnet man diese oft auftretende Erscheinung bei Ölgemälden als „Krakelüre“. Die Risse entstehen, weil der Bildhintergrund arbeitet, während die Ölfarbe fest ist und mit zunehmender Zeit deutlich an Flexibilität verliert. Selbst die Mona Lisa ist von einem solchen Netz überzogen. Was hat das jedoch mit einem Roman zu tun?

Was hatDas brennende Mädchenvon Claire Messud mit der Mona Lisa zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel. Lesend schiebt sich mir jedoch dieser Alterungsprozess eines Bildes immer tiefer ins Bewusstsein, je weiter ich der Geschichte im Roman folge. Was im Auge des Künstlers bei der Entstehung eines Bildes so frisch und gegenwärtig erscheint, zeigt bereits kurz nach der Fertigstellung erste Risse. Wie kleine Kontinente beginnen sich die Bildbestandteile voneinander zu lösen, bis man die ganze Schönheit eines solchen Werkes nur noch aus der Ferne wahrnehmen kann…

Das brennende Mädchen von Claire Messud

„Das brennende Mädchen“ von Claire Messud ist ein absoluter Krakelüre-Roman. Die Autorin zeichnet das Bild der außergewöhnlichen Freundschaft zweier Mädchen, in die sich schon beim Zeichnen der Rahmenbedingungen die ersten Risse einschleichen, ohne dass sie bemerkt werden. Julia und Cassie kennen sich seit frühester Kindheit. Im Sandkasten begann, was hier im Rückblick aus der Perspektive von Julie erzählt wird. Einprägsam beginnt diese typische, jedoch nie stereotype, Coming-of-Age-Geschichte. Sie beginnt am Ende der Beziehung. Sie beginnt mit dem Verlust, an dem Julie immer noch leidet, obwohl ihre damalige Lebensfreundin schon vor zwei Jahren weggezogen ist und sie in der amerikanischen Kleinstadt zurückgelassen hat.

Nun steht Julie vor der entscheidenden Frage ihres noch jungen Lebens. Was ist damals, in jenem wundervollen „Zwillingssommer“ passiert, was hat sie nicht realisiert und woran zerbrach diese innige Beziehung zu Cassie, dem wichtigsten Menschen in ihrem Leben? Claire Messud erzählt von der Spurensuche einer jungen Frau, die nicht wahrnehmen konnte oder wollte, auf welch unterschiedlichen Lebensentwürfen die tiefe Freundschaft zu Cassie angelegt war. Die Autorin entführt uns in eine Welt, die für zwei Mädchen ganz einfach zu verstehen war, wenn sie nur zusammen unterwegs waren.

Das brennende Mädchen von Claire Messud

Es ist unspektakulär, was Claire Messud erzählt. Es ist spektakulär, wie sie diese Geschichte erzählt. Es sind die kleinen Bilder, an die sich Julie erinnert. Es sind Bilder die sie als Zwölfjährige in ihre Leben gemalt haben. Es sind kleine Gemeinsamkeiten in zwei Herzen, die sie stärker machten, als sie es alleine waren. Es sind Ausflüge, Spiele und erste Wagnisse, die sie nur wagen konnten, weil sie sich wie Zwillinge aufeinander verlassen konnten. Jetzt im Rückblick, kann sich Julie kaum noch an eine Zeit erinnern, in der sie Cassie nicht kannte.

Und doch muss etwas schiefgelaufen sein, das Julie nicht erkannt hat. Und doch muss diese Freundschaft an den feinen Rissen, die sich unaufhörlich durch das Portrait zweier Mädchen zogen zerbrochen sein. Wie in einem Ölgemälde muss auch hier der Bildhintergrund gearbeitet haben, während diese Freundschaft zuerst an Festigkeit und dann an Flexibilität verlor, auf geänderte Rahmenbedingungen richtig zu reagieren. Wo haben diese Risse begonnen? Welche Rolle spielten die beiden Familien, Freunde und andere Menschen, die ihnen beiden auf ihrem Weg begegneten?

Das brennende Mädchen von Claire Messud

„Erwachsenwerden ist schwer, weil jeder von uns einem eigenen Stern folgen muss. Und ich fürchte, manche von uns haben hellere Sterne als andere.“

Das brennende Mädchen ist so brillant angelegt, dass man als Leser immer das Gefühl hat, einen solchen Riss wahrzunehmen, über den Julie und Cassie später noch stolpern würden. Die Autorin hält uns zwar immer auf Augenhöhe, und doch verstehen wir mit zunehmender Nähe zum Bild dieser Freundschaft, dass man oft zu nah dran ist, um Veränderungen überhaupt erkennen zu können. Claire Messud lässt viel Raum für Spekulationen, da sie uns mit der rein subjektiven Sichtweise der verlassenen Freundin konfrontiert. Sachlich kann und darf Julie nicht bleiben. Emotionen überlagern den Plot und so wird aus der Geschichte zweier heranwachsender Mädchen auch die, zweier im Kern ihrer Lebensentwürfe, unterschiedlicher Elternhäuser.

Hier steht behütete Kindheit gegen vaterloses Aufwachsen. Hier stehen Werte und Normen gegen Improvisation. Hier prallen Welten aufeinander, bei denen Julies Welt in konstanten Kreisen verläuft, während Cassie einen Umbruch nach dem anderen erlebt.

„… so ähnlich ging es mit Cassie und mir. Ich glaube, ich war Goya und machte einfach mein Ding, und sie war die Französische Revolution.“

Das brennende Mädchen von Claire Messud

Die Goya-Erkenntnis kommt spät für Julie. Während Francisco de Goya spanischer Hofmaler wurde und das Leben genoss, rollten in Frankreich die Köpfe der Monarchen. Die Einsicht kommt zu spät, um etwas zu retten, aber sie kommt früh genug, um nicht am Verlust einer Freundschaft für das spätere Leben zu scheitern. Wir können viel aus dieser Geschichte mitnehmen. Sie lässt sich nicht auslöschen, dazu ist das brennende Mädchen zu intensiv in Flammen gehüllt. Ein sehr lesenswerter Roman und sicher kein „Frauenbuch“. Bevormundung und Restriktionen in Familien kommen zumeist nicht aus der weiblichen Ecke. Oft sind es die Väter, die Riegel vorschieben oder einfach fehlen, wenn man sie am meisten braucht.

Ich halte mich am Ende des Romans an der Erkenntnis fest, dass man gar nicht aufmerksam genug sein kann, wenn es darum geht, genau hinzuschauen. Ansonsten geht es einem wie Julie, die zwar sieht, aber allzu oft nur vermutet, was sie wirklich zu sehen denkt.

„Das ist wie bei einem Planeten: Man weiß, dass er rund sein muss, man sieht aber nur einen Halbmond oder einen Halbkreis. Also schlussfolgert man, dass ein Teil davon im Schatten liegt. Dann muss man herausfinden, was in diesem Schatten liegt und warum.“

Das brennende Mädchen von Claire Messud

Bleibt ganz nah am Bild eurer Freundschaften und verhindert Krakelüre! Sie lässt sich nicht restaurieren, wie ihr an der Mona Lisa seht. Hier geht´s zu weiteren Mädchen in der kleinen literarischen Sternwarte. Es sind immer besondere Mädchen...

Weitere besondere Mädchen auf AstroLibrium

Zu Gast im Bücherstadt Kurier – Das Fest der Vielfalt mit Alan Cole

Dieses Leben gehört: Alan Cole (Bitte nicht knicken)

Literaturfeste muss man feiern, wie sie fallen. Besonders dann, wenn sie ein Motto tragen, dem ich nicht widerstehen kann. Besonders dann, wenn die Veranstalter immer wieder zu gemeinsamen Aktionen rund ums gute Lesen aufrufen. Und ganz besonders dann, wenn man bereits 2017 einen bilderbuchhaften Auftritt bei einem solchen Projekt hingelegt hat. Ihr erinnert euch sicherlich an den „Bilderbuch-Monat“ beim Team vom Bücherstadt Kurier. Ich fühlte mich schon damals ganz Zuhause dort und war nur zu gerne bereit, auch in diesem Jahr dem Ruf zu einem neuen Gastbeitrag zu folgen.

Das Fest der Vielfalt“ wird vom Bücherstadt Kurier zelebriert. Der Fokus liegt hier auf Beiträgen die sich mit Diversität, queeren und feministischen Themen beschäftigen. Keine Frage. Ich wusste sofort, welches meiner aktuellen Jugendbücher ich genau hier vorstellen kann. Allein der Buchtitel passt so sehr zum vielfältigen Sommermotto. Allein das beschriebene Thema gehört genau unter diese inhaltliche Klammer. Es ist mir eine besondere Freude, euch zu meinem Gastbeitrag beim Bücherstadt Kurier einzuladen. Es geht um einen 12-jährigen Jungen, der sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich in seinem eigenen Leben anzukommen.

Dieses Leben gehört: Alan Cole (Bitte nicht knicken)

Nicht leicht für ihn, denn seit sich der kunstbegeisterte Alan Cole in einen Mitschüler verliebt hat, schlagen ihm blanker Hass und Ablehnung entgegen. Sein eigener Bruder erpresst ihn mit diesem Geheimnis. Alles steht für Alan Cole auf dem Spiel, als er sich auf ein Spiel gegen seinen Bruder einlassen muss. Wenn Alan verliert, wird er geoutet. Und bisher hat er noch nie gegen seinen älteren Bruder gewonnen. Dabei hat Alan nur einen einzigen Wunsch. Wenn man sich den Buchtitel genau anschaut, kennt man ihn:

Dieses Leben gehört: Alan Cole (Bitte nicht knicken)

Feiert das Fest der Vielfalt. Genießt die Vielfalt der Beiträge, die ihr beim Bücherstadt Kurier unter dieser Überschrift findet und tragt euren Teil dazu bei, dass unsere Welt so bunt, vorurteilsfrei und queer bleibt, wie wir sie uns wünschen. Und nun ab mit euch zu Alan Cole. Ein bewegender Jugendroman aus dem Hause Sauerländer Verlag steht im Mittelpunkt meiner vielfältigen Gedankenwelten. Und damit auch ein Junge, bei dem es sich lohnt, ihm gut zuzuhören:

„Nun gut. Es ist mir lieber, dass es schwer ist, ich selbst zu sein,
als dass es schwer ist, jemand anderes zu sein.“

Ob es jedoch ausreicht, nur zu lesen? Hier findet ihr meine Antwort

Dieses Leben gehört: Alan Cole (Bitte nicht knicken)

Weitere bunte Bücher bei AstroLibrium: handverlesen zu diesem Projekt

„Die Mitte der Welt“ von Andreas Steinhöfel

Die Mitte der Welt von Andreas Steinhöfel

„…Stell dir das Leben vor wie ein großes Haus mit vielen Zimmern… Einige dieser Zimmer sind leer, andere voller Gerümpel. Manche sind groß und voller Licht, und wieder andere sind dunkel, sie verbergen Schrecken und Kummer. Und ab und zu öffnet sich die Tür zu einem dieser schrecklichen Zimmer…“

Stellt euch den Jugendroman Die Mitte der Welt von Andreas Steinhöfel vor wie ein großes Haus mit vielen Zimmern. Stellt euch vor, der Autor würde euch Schlüssel für jeden einzelnen Raum überreichen und euch ganz persönlich einladen, dieses Haus zu besichtigen. Stellt euch nun vor, dieses Haus trüge den Namen „Visible„, weil es die die Menschen dazu zwingt, durch die großen Fenster einen weiten Blick auf die Welt zu werfen. Stellt euch jetzt vor, ihr würdet für die Dauer eures Lesens hier wohnen um mit den Menschen, für die „Visible“ mehr als nur Heimat bedeutet, auch die schrecklichen Zimmer zu betreten. Wenn ihr euch das vorstellen könnt, dann habt ihr einen Schlüssel zu diesem Buch gefunden. Es ist der Generalschlüssel zum guten Lesen. Herein…

Die Mitte der Welt von Andreas Steinhöfel

„… eines Tages spürst du vielleicht, dass nur durch dieses schreckliche Zimmer der Weg in einen größeren, schöneren Teil des Haues führt. Und dann brauchst du den Schlüssel.“

Was in der Sprachkunst von Andreas so poetisch klingt, durchzieht seinen Roman wie ein roter Faden. Nicht nur die außergewöhnliche Location Visible in einem niemals näher genannten Ort, auch die Menschen, denen wir hier begegnen verändern unsere Wahrnehmung für große Geschichten schlagartig. Sie prägen den Roman nicht nur von der ersten bis zur letzten Seite, sie hinterlassen tiefe Spuren der Empathie in unserem Lesen. Schon unsere ersten Schritte in den heiligen Hallen von Visible zeigen, dass es hier anders zugeht als in den normalen Familien, denen wir sonst in typischen Coming-of-Age-Romanen über den Weg laufen.

Die Mitte der Welt von Andreas Steinhöfel

Da ist die chaotisch liebenswerte Glass, die zwar ohne Ehemann und Vater für ihre beiden Kinder auskommt, nicht jedoch ohne Männer. Nach recht praktischen Aspekten scheint sie ihre kurzfristigen Wegbegleiter auszuwählen. Fällt auf Visible mal der Strom aus, ist es ein Elektriker, werden andere Reparaturen benötigt, dann greift sie halt zum Schreiner. Eine Lebenskünstlerin mit einem ganz eigenen Lebensentwurf, könnte man sagen. Wären da nicht ihre 17-jährigen Zwillinge Phil und Dianne, die sich dieser Welt ohne Fixpunkte und Orientierung seit Jahren ausgesetzt sehen. Wo sie sich manchmal nach Normalität und Halt sehnen, begegnet ihnen Improvisation und die „Alleswirdgut-Mentalität“ ihrer Mutter. Selbst die ständig bohrende Frage nach ihrem leiblichen Vater endet meist mit einem fragenden Blick auf die Liste der Affären ihrer Mutter.

… eine Liste, die ihre Männer aufführte, mit Namen und den Daten versehen, an denen, wie ich annahm, Glass mit ihnen geschlafen hatte. An einer Stelle stand lediglich eine Zahl. Es war ein Leichtes gewesen, vom Tag meiner und Diannes Geburt bis zu dem Datum zurückzurechnen, das neben der Nummer Drei stand.

Die Mitte der Welt von Andreas Steinhöfel

All dies bietet sich noch nicht an, für Phil und Dianne Die Mitte der Welt zu sein und so ist es unser Privileg als Leser, den beiden ungleichen Zwillingen bei ihrer Suche nach ihrer persönlichen Mitte zu folgen und an ihrer Seite die schrecklichen Zimmer zu betreten, hinter denen die großen Geheimnisse des Lebens verborgen sind. Als Phil von einem Ausflug zurückkommt, erlebt er seine Schwester noch verschlossener, als sonst. Irgendwas muss in seiner Abwesenheit vorgefallen sein. Ein schwelender Konflikt muss sich Bahn gebrochen haben. Aber gerade jetzt kann sich Phil nicht um alles kümmern. Er ist knallverliebt in Nicholas. Und das Schönste an seinen tiefen Gefühlen: sie werden erwidert. Die erste große Liebe könnte seine Mitte der Welt sein. Sie müsste nur von Dauer sein. Ihm liegt eine Frage auf der Zunge, die er doch niemals stellen sollte:

„Frag ihn niemals, ob er dich liebt! Wenn er mit Nein antwortet, wünschst du dir, du hättest ihn nie gefragt. Sagt er Ja, kannst du nicht sicher sein, ob er es nur deshalb tut, weil er keine Lust auf hässliche Szenen hat.“

Die Mitte der Welt von Andreas Steinhöfel

Jetzt ist es der Kompass des Lebens, der seinen Nordpol finden muss. Jetzt ist es Kat, die beste Freundin von Phil, die ihn mit ihrem unvergleichlichen Lebensmut ziehen lassen muss. In ihrem Verzicht liegt der Zauber seiner Zukunft. Sie kennt ihn, wie keine Zweite und ist der große Halt seines Lebens. Seine Homosexualität steht nicht zwischen ihnen. Sie ist das tiefe Fundament des gegenseitigen blinden Vertrauens. Ausgerechnet Kat ist es, die den schrecklichsten Raum auf Visible betritt. Sie zieht ihrem Freund den Boden unter den Füßen weg, während seine Schwester ein Geheimnis preisgibt, hinter dem sie ihre unerfüllten Hoffnungen so gut versteckt hatte. Der Sturm fegt über Visible hinweg. Ein Sturm, der die Bruchbude endlich dorthin bringen kann, wo die Menschen des Ortes sie schon immer hinwünschten. Über den Abgrund hinaus in die Tiefe.

„Kinder sind Wachs in den Händen der Welt. Offene Bücher mit leeren Seiten, die von Erwachsenen beschrieben werden. Was in den ersten Kapiteln steht, kriegst du den Rest deines Lebens nicht mehr aus der Wäsche.“

Die Mitte der Welt von Andreas Steinhöfel

Die Mitte der Welt entzieht sich jeglicher Einordnung in die Schubladen unseres Geistes. Der Roman ist ebenso wenig ein reines Jugendbuch, wie ein Liebesroman. Es geht nicht um alternative Lebenswege, Lebenskünstler, Aussteiger oder das Coming-of-Age seiner Protagonisten. Hier wird nicht verkitscht oder romantisiert. Dieser Roman ist so außergewöhnlich, weil er eine schwule Liebe ohne vorheriges Outing möglich macht. Homosexualität ist hier so erfrischend, erhellend und erhebend normal, dass man sich nur denken kann, welches Erdbeben Andreas Steinhöfel bei der Erstveröffentlichung des Buches 1998 ausgelöst haben muss. Ein Roman ohne Rechtfertigung. Eine Story, die tief in sich ruht, für sich lebt und auch heute noch so frich verliebt daherkommt wie einst. Dieses Buch ist „Die Mitte der Welt“.

„Liebe ist ein Wort, das du nur mit blutroter Tinte schreiben solltest. Liebe treibt dich dazu, die seltsamsten Dinge zu tun. Sie lässt dich in roten Schuhen durch die Straßen tanzen. Liebe schlägt tiefe Wunden, aber auf eine ihr eigene Art heilt sie auch deine Narben.“

Ein Wort noch zur Literaturverfilmung Die Mitte der Welt aus dem Jahr 2016. Ich stehe einer cineastischen Adaption von Büchern immer ein wenig skeptisch gegenüber. Allzu oft wurde ich enttäuscht und gerade hier war meine eigene Idee vom Kopfkino so präsent, dass ich nicht viel erwartet habe. Was ich aber dann sehen durfte war in jeder Beziehung überraschend. Ein Film, der durch die emotionale Präsenz seiner Darsteller zu faszinieren weiß. Ein Film, der zwar einige parallele Handlungsstränge des Romans ausblendet, dafür aber eine überzeugende Geschichte erzählt, die ich mir erhofft hatte. Und manchmal bekommt man ja von einem Film bei aller Verkürzung sogar noch etwas geschenkt, das man im Roman ein wenig vermisst hatte. Hier ist es eine Begegnung, die Andreas Steinhöfel nicht beschrieb. Es sind Worte, die mir fehlten. Kat und Phil mit ihrem Ende der Geschichte. Allein dieses Szene macht den Film so sehenswert.

Versucht es, wenn ihr bereits gelesen habt und lest, wenn ihr nur gesehen habt. 

Die Mitte der Welt von Andreas Steinhöfel

„Das Licht und die Geräusche“ von Jan Schomburg

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg - AstroLibrium

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg – AstroLibrium

Wie fühlt man sich so als fünftes Rad am Wagen? Die Fachsprache bezeichnet es als Ersatzrad. Etwas im eigentlichen Sinne Überflüssiges, zumindest so lange, bis man im Notfall darauf zurückgreifen kann. Erst dann bemerkt man, wie lebenswichtig es sein kann, ein Rad in Reserve zu haben. Wie man sich als Mensch fühlt, in eine solche Rolle gedrängt zu werden, hat vielleicht jeder für sich in seinem Leben erlebt. Es ist kein allzu schönes Gefühl im Leben eines anderen Menschen nur dann wichtig zu sein, wenn Not am Mann (oder an der Frau) ist.

Johanna kennt dieses Gefühl nur zu gut. Eigentlich hätte sie alles, um im Leben von Boris die Hauptrolle zu spielen. Sie verstehen sich gut, können sich stundenlang und in aller Tiefe unterhalten. Gefühle sind auch vorhanden und doch hakt es zwischen ihnen. Es ist die Summe der verpassten Gelegenheiten, die aus Johannas Wunschtraum von Liebe eine nicht aufzulösende Ungleichung macht. Es sind die wenigen Zentimeter, die sie von einem ersten Kuss trennen, es sind die nicht genutzten Chancen, die Wahrheit gesagt zu haben. Und es ist die Unbekannte in der Ungleichung, die das Leben schwer macht. Ana-Clara.

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Johanna entscheidet sich für einen Weg, der für sie die schlimmste aller Alternativen darstellt und zumindest ein wenig Nähe zu Boris garantiert. Sie fügt sich in die Rolle als Reserverad. Sie ist immer dabei, nicht wichtig genug für eine Hauptrolle, ungeliebt und im Stillstand, während Boris und Ana-Clara auf Hochtouren umeinander kreisen. Immer in der Hoffnung, Boris möge doch irgendwann erkennen, wer wirklich zu ihm passt, wer sein Leben in Schwung hält und was er Johanna bedeutet. Keine schöne Position, das eigene Sehnen im Kofferraum der Beziehungskiste anderer Menschen zu verbringen.

Wer an dieser Stelle der Meinung ist, es handele sich hier um eine archetypische Coming-of-Age-Geschichte, den kann ich beruhigen, denn es ist in Teilen wahrlich so. Wer jedoch denkt, es hier mit einer schablonenhaft erzählten Story einer unglücklichen Jugend vor sich hin pubertierender Teenager zu tun zu haben, der sieht sich getäuscht, wenn er sich mit dem Schriftsteller und der eigentlichen Geschichte hinter den Kulissen auseinandersetzt. „Das Licht und die Geräusche“ von Jan Schomburg ist in jeglicher Sicht ein Roman über Freundschaft, Liebe, Vertrauen und Hoffnung. Dieser Roman ist ein aufrichtiger und wundervoll zu lesender Entwicklungsroman dreier Menschen, die in unterschiedlichen Konstellationen an- und aufeinanderprallen.

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Und doch verbirgt sich hinter der Leichtigkeit des Schreibens eine Bildhaftigkeit, in der man lesend wie in einem der Kinofilme von Jan Schomburg versinken kann. Es ist kein Drehbuch, das er hier geschrieben hat. Die Montagetechnik der Szenen und einige Überblendungen weisen aber deutliche Spuren eines kreativen Menschen auf, der eine Geschichte anders erzählen kann, weil er sie vor seinem geistigen Auge sieht. Und hier geht Jan Schomburg einen Weg der in sich gewöhnungsbedürftig ist, weil man sich ihm ausliefern muss.

Chronologisches Erzählen? Fehlanzeige! Schomburg zwingt die Leser seines Buchs im positiven Sinne zu einer intuitiven Adaption der Geschichte. Er löst den Verstand des Lesers von Zeitvorstellungen und blendet Situationen ein, die im Film als Rückblick und Ausblick vielleicht farblich vom Gesamtwerk abgehoben wären. Schomburg schreibt sie in einem Fluss. Auf Johannas Erinnerung an einen bestimmten Abend folgt der Dialog, der sich nur dort zugetragen haben kann. Und wenn wir diesen Dialog verlassen, fühlen wir uns ganz spontan wieder in den Erzählraum Schomburgs ein und können uns nach vorne bewegen.

Schomburgs Roman liest sich so intuitiv, wie wir unsere Smartphones bedienen. Man benötigt keine Bedienungsanleitung, kein Handbuch zum Buch. Lesend folgt man einer unsichtbar angelegten Fährte und kommt doch ganz individuell ans Ziel. Basis für dieses Lesevergnügen ist das Vertrauen in den Schriftsteller. Jan Schomburg zahlt es auf jeder Seite zurück.

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Er fährt hier keinen wirren Zickzackkurs durch seine Geschichte. Er folgt vielmehr dem unausgesprochenen Wunsch bibliophiler Menschen, nicht kapitelweise in die tiefe Vergangenheit der beschriebenen Menschen einzutauchen, sondern sequenziell und in wohldosierten Flashbacks zu erfahren, was geschah und welche Auswirkungen es jetzt auf die Situation hat, in der man sich gerade befindet. Dieses intuitive Lesen ist eine der prägendsten Leseerfahrungen, die ich in letzter Zeit machen durfte.

Handlungsfäden verschwinden, tauchen auf, verweben sich neu und gewinnen an Bedeutung, weil man sie in sich wandelnden Kontexten anders interpretieren kann. Ein Schulausflug nach Barcelona, das scheinbar menschenunwürdige Verhalten eines ihrer Mitschüler, die Suche nach den Gründen hierfür, der Versuch einer Bestrafung und die vielen Augenblicke von Zweisamkeit unter dem Damoklesschwert der allgegenwärtigen Ana-Clara vermischen sich zu anscheinend eher losen Elementen einer Geschichte, die aus einer jeweils anderen Perspektive unglaubliche Zusammenhänge offenbaren.

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

So ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Boris auf der Suche nach Antworten auf die Fragen des Lebens verirrt und ausbricht. Sein Verschwinden ist der Weckruf für Johanna. Gemeinsam mit Boris` Eltern und der ewigen Konkurrentin beginnt die Suche nach der Liebe ihres Lebens. Und wieder nur als fünftes Rad am Wagen. Auch jetzt an der Seite der eigentlichen Freundin, die gar nicht so verzweifelt scheint, wie es vielleicht sein sollte. Island ist das gemeinsame Ziel und doch nur eine Etappe. Angst beherrscht die Gefühlswelt von Johanna, denn der letzte Brief von Boris schmeckte nach Abschied vom Leben.

„Irgendwie sehe ich kein Licht mehr und höre keine Geräusche…“

Dabei sind es genau „Das Licht und die Geräusche“ die das Leben so lebenswert machen und einen Menschen davon abhalten sollten, Selbstmord zu begehen. Das hat Johanna Boris anvertraut und die magischen Worte tragen den gesamten Roman und ganz intuitiv werden wir Zeugen einer auf den ersten Blick verstörenden Situation in der die Verzweiflung zweier Suchender ein Ventil findet. Ein emotionaler Vulkanausbruch in dem sich Ana-Clara und Johanna hemmungslos verlieren. Jan Schomburg überrascht und verstört zugleich, weil „Das Licht und die Geräusche“ in seiner Geschichte heller und lauter sind, als man es erwarten konnte.

„Das Licht und die Geräusche“ macht uns literarisch HELLHÖRIG…

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Das Licht und die Geräusche von Jan Schomburg

Versinken wir jetzt in geräuschloser Lichtlosigkeit? Keinesfalls. Es wird noch heller und lauter. Am 4. April ist Jan Schomburg im Literaturhaus München zu Gast. Er stellt dort sein Buch im Rahmen einer Lesung vor. Der perfekte Anlass, sich mit Mikrofon und Kamera dorthin zu begeben und von diesem besonderen Abend zu berichten. Ich freue mich schon jetzt, dies wieder mit meiner kongenialen Blogger-Partnerin Stephanie von Nur Lesen ist schönergemeinsam zum Herzensprojekt machen zu dürfen.

Und die Liste unserer Team-Reportagen ist schon recht ansehnlich. Sie reicht von Heidi Rehn, Alex Capus, Lily King bis zu Hannah Rothschild. Aber schaut selbst. Steffi hat sie mit feinem Auge zusammengefasst. HIER…

Jan Schomburg – Das Interview

Nach dem Lesen ist vor dem Interview

Ein geheimes Treffen in der Lobby des Hotels Cortina in München. Ein Interview mit Jan Schomburg im Ambiente eines stimmungsvollen Cafés und die abendliche Lesung im Literaturhaus München stellen den Schwerpunkt der Radioreportage für Literatur Radio Bayern dar. Folgen Sie uns zu einem Abend voller Licht und Geräusche, hören Sie uns zu und lesen Sie Steffis Artikel, der diesem PodCast das Krönchen aufsetzt.

Lesen Sie gut… Hier
Hören Sie gut… Hier

AstroLibrium – Nur Lesen ist schöner & Jan Schomburg

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