Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Wie einfach sind sie doch manchmal, die großen kleinen Geschichten, die unser Lesen verändern. Wie schmal und zart kommen sie oft daher. Mathematisch betrachtet, recht einfache Formeln. „Eins plus Eins = Zwei“- Geschichten. Leicht aufzulösen und mit nur einer Wahrheit hinterlegt. Schwarzweiß-Erzählungen die in ihrer Interpretation wenig Spielraum lassen. Zehn Leser kommen zu gleichen Einsichten. Wie einfach ist es doch manchmal.

Wie kompliziert es jedoch sein kann, beweisen wieder ganz andere Erzählungen. Sie scheinen wenig berechenbar zu sein, verschachteln sich in ihren vielen Wahrheiten und präsentieren ein Nuancenspiel der Farben, das eine leichte Unterscheidung in Schwarz und Weiß nicht gestattet. Zehn Leser gelangen zu völlig unterschiedlichen Sichtweisen. Diskussionen entzünden sich am Leuchtfeuer dieser literarischen Ungleichungen und die Interpretationen beginnen über die Ufer des Denkbaren zu treten.

Und doch sind es genau diese Geschichten, die uns nachhaltig beschäftigen, uns aus dem Leben reißen und zum aktiven Lesen verführen. So unberechenbar, wie das Leben selbst. Nicht vorhersehbar und keiner Kalkulation unterworfen. Lesen ist nichts für Formelmenschen. Phantasie gehört nicht in den Taschenrechner, sondern ins Herz. Und wenn am Ende einer Geschichte eine Frage bleibt, dann hat sie es geschafft, aus dem Buch heraus ins wahre Leben zu treten und ihren Anker in der Seele des Lesers zu werfen.

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Wenn ich heute den Jugendroman „Anna und der Schwalbenmann“ von Gavriel Savit in den Mittelpunkt stelle, dann sitze ich weit entfernt von den Rechenschiebern der Interpretation. Dann verabschiede ich mich bereits im Vorfeld dieser Rezension von der Behauptung, die Deutungshoheit über diese Geschichte zu besitzen. Deshalb rufe ich alle Menschen, die Anna schon erlesen haben auf, mir ihre Sicht auf den Roman zu vermitteln. Auf Augenhöhe und ungefiltert. Hier geht es nur um das große Gefühl des Lesens, um die eigenen Bilder, die losgetreten werden und die  individuelle Wahrheit, die man für sich selbst empfunden hat.

Dabei ähnelt die Ausgangssituation einer mathematischen Gleichung. Nur, dass die Zahlen für sich betrachtet in Kombination mit einigen Variablen eine menschliche Katastrophe ergeben. Der situative Kontext des Romans ist so schwarz-weiß, wie es nur eben geht. Egal, wie man die Zahlen in dieser Formel auch umstellt, egal, wie man sie aufzulösen versucht. Es gibt Faktoren, die in dieser Konstellation dazu führen, dass wir am Ende nicht im positiven Bereich unserer Kalkulationen angelangen. Alles riecht nach Tod. Unausweichlich.

Wir schreiben das Jahr 1939. Anna ist gerade einmal 7 Jahre alt. Soviel zu den reinen Zahlen. Die unabänderlichen Faktoren der Gleichung lauten: Anna ist Jüdin. Wir befinden uns in Polen, genau gesagt in Krakau und die düster wirkende Gleichung wird durch Veränderung einiger Terme zur vorhersehbaren Größe. Man subtrahiere von der bereits mutterlosen Welt der kleinen Anna den Vater, und addiere zum völlig harmlosen Land Polen unzählige ideologisch normierte Soldaten aus Nazi-Deutschland. Und dann lasse man das 7-jährige Mädchen ganz allein in den Straßen von Krakau. Völlig allein und ahnungslos, was mit ihrem Vater geschah.

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Und schon sitzen wir überfordert vor dem Ausgangsmaterial dieser Ungleichung. Zahlen und Werte verschwimmen und man möchte das Ergebnis nicht wahrhaben. An irgendeiner Stelle muss man doch was drehen können, um das Schicksal zu besiegen. Irgendwo muss es doch möglich sein, dieser vorbestimmten Formel etwas entgegen zu setzen. Es kann doch nicht sein, das die tödliche Kalkulation dieser Menschenhasser immer aufgeht, und dass Anna als kleinster gemeinsamer Nenner der Geschichte aus der Formel gelöscht wird. Wie so viele vor ihr und wie noch viel mehr Menschen nach ihr. So fühlen sich Schüler angesichts einer Todesformel.

Gavriel Savit hat nicht vor, uns rechnen zu lassen. Er verweigert sein Schreiben der Kalkulation. Er weiß um die Unberechenbarkeit des Lebens, die Schicksalhaftigkeit von Begegnungen und schreibt uns mit Anna und der Schwalbenmann eine Aufgabe ins Lebensheft der Ungleichungen, an der wir noch lange zu knabbern haben. Er hebt die Regeln des Kalkulierbaren mit seiner Fantasie auf. Er ergänzt diese Formel um einen Faktor, der diese Geschichte ins Rollen bringt. Er gibt uns eine „Unbekannte“ an die Hand, die den weiteren Verlauf des klar berechneten Vernichtungsweges der Nazis auf den Kopf stellt und ad absurdum führt.

Gavriel Savit stellt unserer Anna den Schwalbenmann an die Seite. Savit hebt die unendliche Schwerkraft der Geschichte auf und lässt das Mädchen, für das sich jeder Leser bereits persönlich in der Luft zerreißen würde, nicht alleine. Ein Mädchen, dessen Innenleben vor uns liegt wie auf der Waagschale der Menschlichkeit. Verletzlich, seinen Vater vermissend und absolut hilflos angesichts des drohenden Unheils. Ein Mädchen, das bisher vom Geheimnis seiner Sprache zehrte. Ein Geheimnis, das ihr vom Vater in allen Klangfarben beigebracht wurde. Von einem Vater, der als Intellektueller jüdischer Pole bereits auf dem Weg in ein Konzentrationslager ist. Deportiert. Sprachlos.

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Und genau in dem Moment, in dem uns Anna zu entgleiten droht, in dem die ganze Welt für sie auf den Kopf gestellt wird, begegnet sie dem Schwalbenmann. Einem groß gewachsenen, etwas schlaksigen Mann, dessen Interesse sie auf sich zieht. Ein Mann, der genau zu fühlen scheint, was ihr geschah und der erste Mensch, der sie in allen denkbaren Sprachen fragt, „Geht es Dir gut?“ Eine Frage, die Anna angesichts ihrer Verzweiflung zum Weinen bringt. Ein Weinen, das der Mann durch eine kleine Geste versiegen lässt. Durch einen Zauber, der in Anna das tiefe Gefühl von Urvertrauen und Geborgenheit weckt. Auf einen kleinen Pfiff von ihm hin schwebt eine Schwalbe heran, lässt sich auf seiner Hand nieder, schaut das kleine Mädchen an und entlockt ihm ein erstes Lächeln.

Anna und der Schwalbenmann„. Eine Begegnung, die nicht nur das Leben des Mädchens verändert. Eine Begegnung, die sein Überleben sichert. Ein Mann, dessen Herkunft und Identität im Verborgenen bleiben, übernimmt Verantwortung für Anna und macht sie zur Begleiterin seiner Flucht. Die Regeln, die er Anna nun unmissverständlich vermittelt sind knallhart. Rettungsregeln, die für Kinder in Gefahr die einzige Wahrheit darstellen. Sie legt ihren Namen ab, bleibt fortan unsichtbar und vertraut der Führung des wohl einzigen Menschen, der ihr jetzt den Weg zum Überleben zeigen kann. Der Schwalbenmann wird zum Flussbett, Anna wird zum Fluss.

Wir selbst werden zu ihren Wegbegleitern, lernen die Härte und Kompromisslosigkeit des Schwalbenmannes kennen, sehen sein Ziel und vertrauen ihm blind. Wir begegnen anderen Menschen auf ihren Fluchten, anderen Sichtweisen und werden Zeugen ihres Scheiterns. Wir realisieren die Wahrheiten des Schwalbenmannes und können ihn doch gleichzeitig nicht fassen. Ebenso wenig, wie Anna ihn jemals fassen kann. Aber muss man Wunder begreifen? Muss man sie kalkulieren und berechnen?

Kann der Schwalbenmann nicht einfach seine Wirkung entfalten, so wie uns einst der Tod persönlich von einer gewissen Liesel Meminger erzählte? Die Bücherdiebin hatte einen mächtigen Gefährten, der sie beobachtete und in Ruhe ließ. Bis Markus Zusak seine Geschichte und letztlich auch die von Liesel zu einem Ende brachte, das uns alle bewegte. Gavriel Savit hat dem „Tod“ der Bücherdiebin den aktiv handelnden Schwalbenmann Annas entgegengesetzt. Die Lektionen des Schwalbenmannes sind zeitlos. Lebensrettend.

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Anna und der Schwalbenmann – Mit einem Klick zum audible Hörbuch

Nach dem Lesen folgte das Hören. Laura Maire verleiht Anna das Staunen der Welt in einer von Angst geprägten Zeit. Ihre zarte Stimme hallt so lange nach. Ihre kraftvolle Stimme erzeugt eine Gänsehaut und vielleicht war es genau diese Laura Maire, die mir Anna so richtig ans Herz schmiegte und durch die ganz eigene Modulation der Stimme zeigte, was ich abseits des geschriebenen Wortes vielleicht noch emotionaler verstehen kann. Laura Maire gelingt in dieser Hörbuchfassung ein Gefühlswunder. Das einfache Wort „Warum“ wird durch Laura Maire zur Fragen aller Fragen mit der Stimme aller Stimmen und im Herzen aller Herzen. Annas Frage.

Ich besitze nicht die Deutungshoheit für diesen Roman. Das große Mysterium des Schwalbenmannes gleicht für mich der tiefen Denkwelt von Antoine de Saint Exupéry. Vielleicht ist der Schwalbenmann der Kleine Prinz für Menschen in Not. Für Kinder in Not. Haben wir jemals gefragt, wer der Kleine Prinz ist? Fragen wir also auch nicht nach dem Schwalbenmann und suchen nicht nach Fakten. Nehmen wir ihn als Geschenk der Hoffnung für alle dunklen Zeiten auf der Welt. Ein Licht in dunkler Nacht, nur dass seine Regeln keine Weisheiten sind, sondern harte Wahrheiten im brutalen Kampf gegen Unmenschlichkeit.

Jugendliche werden Anna verstehen. Sie werden den Schwalbenmann bewundern und einige Menschen auf ihrem gemeinsamen Weg lieben lernen. Niemand wird am Ende dieses Romans eine Antwort präsentieren können. 10 Leser werden 10 Gefühle in sich tragen. Interpretationen, Sichtweisen, Erkenntnisse und Ideen suchen nach ihren Entsprechungen bei anderen Lesern. Fragen sind wertvoller als Antworten. Fragen sind Wegweiser. Nur wer nicht mehr fragt, wird sterben und untergehen.

Vielleicht ist mein „Warum?“ am Ende der Geschichte die größte Liebeserklärung an dieses grandiose Buch. Warum gibt es heute so viele Annas auf den Straßen? Können wir nicht Schwalbenmänner sein? Ein Flussbett mit dem Namen Hoffnung.

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit

„Menschen sind die größte Hoffnung des Menschen zu überleben.“
Der Schwalbenmann.

PS: Bei Irve liest findet man eine Anleitung gegen das Sezieren dieses Romans…

Folgt mir in den „Zebrawald“ von Adina Rishe Gewirtz

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Zebrawald von Adina Rishe Gewirtz

„Mrs. Roberts Idee, während der Ferien drei Wünsche zu verwirklichen, gefiel mir so gut, dass ich jedes Jahr vor den Sommerferien meine drei Wünsche aufschrieb. Und so lauteten meine echten Wünsche:

    1. Größer werden
    2. Ein Abenteuer erleben
    3. Meinem Vater begegnen

Keiner dieser Wünsche war bisher in Erfüllung gegangen.“

Darf ich Euch Annie vorstellen? Nun, eigentlich hat sie sich gerade selbst vorgestellt, aber am Ausmaß unerfüllter Wünsche sollte man einen jungen Menschen nun wirklich nicht festmachen. Annie ist elf Jahre alt und lebt zusammen mit ihrer Großmutter und ihrem neunjährigen Bruder Rew inmitten der fast unberührten Landschaft am Rande des kleinen Städtchens Sunshine. Und nein, bevor Ihr fragt, das ist nicht so idyllisch, wie es klingt.

Denn außer der Großmutter „Gran“ ist niemand da, der sich auch nur annähernd um die Geschwister kümmert. Ihre Mutter hat sie schon vor Jahren verlassen und vom Vater wird nur eine kurze, aber umso schmerzvollere Geschichte erzählt. Bis auf ein paar Schulfreunde, gibt es wenig Kontakt in der Gegend und der einzige Reichtum, den sich die Geschwister teilen, ist der vor der Haustür beginnende Zebrawald mit seiner einzigartig verträumten Stimmung.

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Zebrawald von Adina Rishe Gewirtz

Weiße Birken und schokoladenbraune Eichen umgeben das kleine Häuschen, das so weit abseits der normalen Wege liegt, dass noch nicht einmal ein Briefträger regelmäßig vorbeischaut. Und da ist es nur völlig klar, dass gerade in den Schulferien die bedrückende Einsamkeit des Waldes und die Langeweile wie zarte Pflanzen inmitten des Zebrawaldes zu wuchern beginnen.

Wenn man die drei Wünsche von Annie genau liest, dann erkennt man schon, wie sie sich seit Jahren fühlen muss. Sie empfindet sich als zu klein und das Leben, das sie mit Gran und Rew führt ist nun wirklich nicht mit dem ihrer Freundinnen zu vergleichen. Und, wenn dann auch die eigenen Wünsche unerhört in der Tiefe des Zebrawaldes verhallen, dann bleibt von der eigentlichen unbeschwerten Jugend nicht mehr viel übrig.

„Denn selbst wenn ich einen Zaubertrank trinken und ein paar Zentimeter wachsen würde, selbst wenn wild gewordene Revolutionstruppen durch die Straßen des verschlafenen Städtchens Sunshine marschieren würden und sich damit meine ersten beiden Wünsche erfüllt hätten, war und blieb mein Wunsch Nr. 3 unerfüllbar.

Ich konnte meinem Vater nicht begegnen. Mein Vater war tot.“

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Wie man mit einem solchen Leben zurechtkommt, werdet Ihr fragen. Die eigene Mutter abgehauen und der Vater bei einer Schlägerei ums Leben gekommen und ziemlich isoliert von der Außenwelt? Annie hat ihren eigenen Weg gefunden. Sie flüchtet sich in ihre Fantasie und erzählt ihrem Bruder die wildesten Geschichten vom gemeinsamen Vater. Er sei Geheimagent, Astronaut und immer in geheimnisvollen Missionen unterwegs. Sie baut eine Mauer aus Lügen um ihre Einsamkeit und lenkt damit auch Rew ein wenig von seinem inneren Schmerz ab.

Der Zebrawald ist die perfekte Umgebung für einen Rückzug in die eigene Welt und wenn Annie etwas in ihrem Leben gelernt hat, dann dieses Leben, das auf Lug und Trug aufgebaut ist, mit weiteren erfundenen Geschichten zu untermauern. Im Lügen ist sie Meisterin und ihr großer Lehrmeister ist kein geringerer als Robert Louis Stevenson. Denn sein legendärer Jugendroman „Die Schatzinsel“ ist das absolute Lieblingsbuch der beiden Geschwister. Und könnte Annie nicht so gut lügen, es wäre ein wertloses Buch.

Denn in ihrem Exemplar fehlt das komplette erste Drittel des Romans um Jim Hawkins, Long John Silver und den geheimnisvollen Piratenschatz. Kein Problem für Annie. Sie erfindet den Anfang einfach neu und erzählt diese Geschichte ihrem jüngeren Bruder. Bei langen Streifzügen durch den Zebrawald entsteht auf diese Art und Weise eine weitere große Lüge, die mit den beiden Kindern viel gemeinsam hat. Man weiß genau, wo man gerade ist, hat aber eigentlich keine Ahnung, wie es dazu gekommen ist.

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Zebrawald von Adina Rishe Gewirtz

Als eines Tages ein fremder Mann in ihr Haus eindringt, verändert sich das Leben von Gran, Annie und Rew auf einen Schlag. Nach einer Gefängnisrevolte in der Gegend des Waldes hat es einer der Verbrecher geschafft, vor der Polizei bis zu ihrem Haus zu flüchten. Und nun sitzen sie alle fest. Sie sind Geiseln eines geflohenen Sträflings im eigenen Haus. Die Tür verschlossen und keine Seele weit und breit, die auch nur zufällig vorbeikommen könnte. Hoffnungslos.

Doch als Annie ganz langsam bewusst wird, dass dieser fremde Mann ihr gar nicht so fremd erscheint, beginnt ihre Welt und damit ihr sorgsam erfundenes Lügengeflecht in sich zusammenzubrechen. Andrew Snow, so der Name des Flüchtlings, sieht nicht nur Rew sehr ähnlich, er verhält sich auch gegenüber Gran mehr als merkwürdig. Und als dieser Mann nach einigen Tagen zum ersten Mal etwas vom „Admiral Benbow“ erzählt, jener legendären Spelunke, in der sein Lieblingsbuch „Die Schatzinsel“ beginnt, erkennt Annie, wen sie da vor sich haben muss.

Im Zebrawald sieht alles schwarz und weiß aus. Die heftigen Kontraste bestimmen die gesamte Atmosphäre. Doch wie im Leben zeigen sich nun plötzlich Schattierungen, die zwischen diesen beiden Extremen liegen. Und Farbe entsteht dort, wo vorher nur eine grobe Skizze eines Lebens zu erkennen war. Annie steht erst am Rande des Erkennens, doch sie wird von diesem Andrew Snow viel mehr erfahren, als den Beginn der „Schatzinsel“.

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Zebrawald von Adina Rishe Gewirtz

Adina Rishe Gewirtz gelingt mit ihrem ersten Jugendbuch „Zebrawald“, gerade bei cbt erschienen, ein wundervolles Zusammenspiel einer modernen Erzählung mit einem der größten Jugendbuchklassiker der Literaturgeschichte. Wie kann man sein eigenes Leben führen, wenn man das erste Drittel nicht kennt? Wohin führt einen der Weg, wenn man keine Wurzeln hat? Warum ist man so, wie man ist? Und wie tief sitzt der Schlag, wenn man der Realität ins Auge schauen muss? Fragen eines Erwachsenwerdens, die von der Autorin einfühlsam und fesselnd aufgegriffen und beantwortet werden.

Mein Weg in den „Zebrawald“ war ein langsamer. Ich habe mich ganz vorsichtig herangetastet und versucht, in die Welt der beiden Geschwister einzutauchen. Ich habe mit ihnen über „Die Schatzinsel“ gefachsimpelt, habe mit ihnen darüber diskutiert, wer hier der Gute und der Böse ist, und was genau dazwischen liegt. Als sich die Tür des Hauses hinter Andrew Snow schloss, wurde mir klar, dass der „Zebrawald“ eine ganz eigene „Schatzinsel“ ist und man erst auf Gold stößt, wenn man die größten Gefahren überstanden hat. Die Wahrheit ist auch hier der größte Schatz!

Dieser Roman könnte als Theaterstück mit nur wenigen Requisiten aufgeführt werden. Ein paar Bäume und ein kleines Haus. Die Magie der Geschichte entsteht durch die Hauptfiguren, ihre Dialoge und das große Familiengeheimnis, das so tief inmitten des Zebrawaldes verborgen scheint. Ich habe selten ein Jugendbuch gelesen, das mit einem so überschaubaren „Bühnenbild“ und doch mit einer solch großen Portion Liebe und Einfühlungsvermögen den Weg direkt ins Herz seiner ewig jungen Leser findet. Wenn ihr die Schatzinsel liebt, dann wandert doch mit mir in den Zebrawald. Und wenn Ihr die Schatzinsel noch nicht gelesen habt – am Ende des Zebrawaldes werdet ihr Sehnsucht nach diesem Klassiker verspüren.

Jugendbücher bei AstroLibrium - Ein erlesener Schwerpunkt

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