„Versteckt unter der Erde“ – Eine Lesung gegen das Vergessen

Versteckt unter der Erde – Dina Dor-Kasten

Nein. Heute kein wie und warum ich beharrlich Gegen das Vergessen schreibe. Kein erhobener Zeigefinger mit dem Ausruf „Nie wieder“ und auch keine Hinweise, das aktuelle Geschehen im Auge zu behalten, damit sich Geschichte nicht wiederholt. Kein verzweifelter Appell, alternative politische Strukturen im Auge zu behalten, bevor es zu spät ist und die zugedrückten Augen plötzlich blau unterlaufen sind. Die Geschichte hat ausreichend viele Hämatome in den Gesichtern der Opportunisten hinterlassen. Heute neigt man wieder dazu, alle blauen Flecken fein zu überschminken und ganz locker zur Tagesordnung überzugehen. Ich bin heute kein Rufer im Wald. Ich verstecke mich.

Aber ich werde nicht müde, besondere Bücher vorzustellen, die den Holocaust, seine Ursachen und Folgen ins Zentrum des Betrachters rücken. Voller Angst blicke ich dabei in die Zukunft, weil mit dem Tod der letzten Zeitzeugen und Überlebenden immer mehr Publikationen auf den Büchermarkt kommen, die lediglich nach Kulissen für spannende Romane suchen. Die Romantisierung und Dramatisierung der Massenmorde des Nazi-Regimes schreitet voran. Wobei mit Dramatisierung gemeint ist, den schrecklichen und lebensgefährlichen Alltag der damals ausgegrenzten Menschen dramaturgisch so stark aufzupeppen, dass ein neuer literarischer Mainstream entsteht. Ich bezeichne das ganz einfach nur als „HoloKitsch“. Deshalb werde ich mich heute verstecken.

Versteckt unter der Erde – Dina Dor-Kasten

Versteckt unter der Erde. Hier liegt uns ein Überlebensbericht vor, der sich deutlich von vergleichbaren authentischen Zeitzeugenerzählungen unterscheidet. Es ist indirekt, mittelbar, auf Umwegen und aus zweiter Hand, was uns in diesem Buch von Dina Dor-Kasten erzählt wird. Und doch ist es die wohl ungewöhnlichste Form der Konfrontation mit der Verfolgung des jüdischen Volkes im Dritten Reich, die ich jemals erlesen durfte. Denn die Autorin des Buches war zum Zeitpunkt der Ereignisse gerade einmal 2 Jahre alt. Ihre eigenen Erinnerungen sind eher schemenhaft. Albträume, Bild-Fragmente und dunkle Schatten. Dina Kor-Kasten wurde 1940 in Bukaczowce als erste Tochter eines jüdischen Ehepaars geboren. Jossel und Lina Kasten lebten in der damaligen Ukraine in Erwartung des Sturms, der damals über das jüdische Volk hereinbrach.

Dina Dor-Kasten hat die Geschichte ihrer Familie niedergeschrieben. Dabei hat sie sich der sichersten Quelle bedient, die man sich vorstellen kann. Sie hörte ihrer Mutter zu. Sie folgte ihrem eigenen Traum, eines Tages die dramatische Geschichte der Jahre 1941 bis 1948 für die Nachwelt festzuhalten und selbst mehr über jene Zeit zu erfahren, die ihr ganzes Leben verändert hat. Da, wo andere Eltern schwiegen, hat Lina Kasten alles erzählt. Aus ihrer Perspektive, in der Erzähltradition der mündlichen Überlieferung, erfährt Dina Dor-Kasten, was damals wirklich geschah, wem sie und ihre Geschwister ihr Leben zu verdanken haben und welche Traumatisierungen sich tief in ihrer Psyche festgebissen haben. Es ist zutiefst persönlich, was wir erfahren. Es ist der Bericht eines Überlebens, das über Jahre am seidenen Faden hing. Dina Dor-Kasten wird in diesem Buch zur Stimme ihrer Mutter. Unverfälscht und liebevoll. Sie vollendet auf diese Weise den Kampf um das nackte Überleben und setzt damit ihren Eltern ein Denkmal.

Versteckt unter der Erde – Dina Dor-Kasten

„Versteckt unter der Erde“ ist ein erdrückender Erlebnis- und Überlebensbericht aus dem dunkelsten Zeitalter, das jüdische Menschen durchleben mussten. Wir erleben im Verlauf der Schilderungen nicht nur den schleichend zunehmenden Antisemitismus im Machtbereich der Nazis. Wir erleben auch die Feindlichkeit der ukrainischen Menschen in dieser Zeit. Hier kommt das Hitler-Regime genau zur rechten Zeit. Man kann sich an den jüdischen Nachbarn bereichern, darf endlich den Hass offen ausleben und wird so zum Erfüllungsgehilfen der braunen Diktatur. Pogrome, Verfolgungen und Entrechtung werden zum täglichen Horrorszenario einer jungen Familie. Enteignung, Vertreibung in Sammellager, Ghettoisierung, Deportation und Liquidation sind die Konsequenzen, auf die sich die jüdische Bevölkerung einzustellen hat. Schutz gibt es nicht mehr. 

Jossel Kasten entschließt sich zur Flucht. Er will seine Familie nicht tatenlos opfern. Das Ghetto Rohatyn ist die Vorstufe zur endgültigen Hölle. Wir erleben dort schon die Hölle auf Erden ohne dass man glauben könnte, dass es noch schlimmer werden kann. Mordaktionen, Zwangsarbeit und Hunger sind tägliche Wegbegleiter der Inhaftierten. In größter Not flieht die kleine Familie kurz bevor alle Juden umgebracht werden. Das Ziel ihrer Flucht ist der Witan-Wald, in dem man Partisanen vermutet und sich Hilfe erhofft. Unter der Erde findet die Familie Unterschlupf. Ein dunkles Erdloch wird für zweieinhalb Jahre zum Versteck. Hunger, Todesängste, Kälte und Krankheiten sind Determinanten des Überlebens. Schilderungen, die schon lesend kaum zu verkraften sind. Lebend am eigenen Leib erfahren – unvorstellbar.

Versteckt unter der Erde – Dina Dor-Kasten

Diese Überlebensgeschichte lässt den Leser nicht mehr los. Das liegt nicht nur an den unmenschlichen Bedingungen, sondern auch an der schonungslos offenen Art und Weise, in der Lina Kasten ihr eigenes Versagen thematisiert. Sie erzählt ihrer Tochter, wie sich das Dahinvegetieren auf die Psyche der Eltern auswirkte. Hier blickt man tief in die Abgründe einer traumatisierten Seele, die an bestimmten Stellen sogar dazu bereit ist, die eigenen Kinder zurückzulassen, um selbst zu überleben. Der Kraftakt, das alles zu überstehen, wird von Seite zu Seite nachvollziehbarer. Absolut übermenschlich ist, was Jossel und Lina Kasten gelingt. Es ist ein Kampf. Eine Schlacht gegen sich selbst und die lebensfeindliche Umwelt. Und es sind die kleinen Wunder der Humanität, es ist die Hilfe von Menschen, die selbst bedroht sind, die der jüdischen Familie Kasten das Leben retten.

Am Ende steht die Befreiung. Hier genau wird aus der Überlebensgeschichte erneut ein Meilenstein der Verarbeitungsliteratur, weil Freiheit nicht Freiheit ist. Es ist die harte Landung in einer neuen Realität. Man hat überlebt. Gerade so. Und schon ist man dort angekommen, wo der Kampf vor Jahren begann. Unerwünscht. Heimatlos. Es beginnt eine Flucht, die uns heutige Flüchtlingsschicksale vor Augen führt. Schlepper, Illegale, geschlossene Grenzen, Schleuser, Fluchtrouten. Nichts wird sich verändern. Alles lebt wieder auf. Nur für die Kastens gibt es einen Hoffnungsschimmer am Horizont. Israel. Sie sollten dieses Buch aus dem Metropol Verlag lesen. Es schließt viele Kreise in einer Geschichte, die unvergessen bleiben muss.

Versteckt unter der Erde – Dina Dor-Kasten

Die Buchhandlung Lesezeichen Germering, die dortige Stadtbibliothek, die VHS und der Schauspieler und Sprecher Uwe Kosubek haben sich am 9. November zu einer kraftvollen Allianz gegen das Vergessen vereint und dieses Buch im Rahmen der Lesung „Versteckt unter der Erde“ vorgestellt. Meine Reportage zu diesem Abend bei Literatur Radio Bayern umfasst neben einem Interview mit den Initiatoren der Lesung auch Fragestellungen zur besonderen Rolle eines Sprechers bei einer Buchvorstellung ohne Autorin, zur Relevanz solcher Veranstaltungen im öffentlichen Leseraum und zur Sortimentauswahl in Buchhandlungen.

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Meine Gesprächspartner sind:

Katrin Schmidt – Buchhandlung Lesezeichen Germering
Christine Förster-Grüber – Leiterin der Stadtbibliothek Germering

Uwe Kosubek – Sprecher und Schauspieler – Die Stimme des Abends
Andrea Franke – VHS Germering

Fotos in der Dia-Show vom Abend: Helen Hoff.

Begeben Sie sich mit uns in ein Versteck unter die Erde, das man heute verraten muss, um andere davor zu bewahren, sich jemals verstecken zu müssen.

Hier geht es zum PodCast bei Literatur Radio Bayern

Versteckt unter der Erde – Die Radio-Reportage

Advent, Advent, die literarische Sternwarte brennt…

Durch den Advent mit Mr. Rail

Durch den Advent mit Mr. Rail

So, oder so ähnlich könnte man die Stimmung beschreiben, die so langsam von mir Besitz ergreift. Weihnachtliche Dekorationen sprießen aus dem Boden und auch in den Buchhandlungen meines Vertrauens wird die Literatur zum schmückenden Beiwerk, da die weihnachtlichen Geschenkideen die Verkaufsräume erobern. Es duftet, glitzert und schmeckt nach Vorweihnachtszeit, egal wo man hinkommt. Ich mag diese Atmosphäre, weil sie mich schon jetzt ein wenig entschleunigen lässt. Ich freue mich so sehr auf die „staade Zeit“, das Lesen unterm Tannenbaum und die ruhigen Wohlfühltage zwischen den Jahren.

Und doch brennt die kleine literarische Sternwarte…

Sie brennt darauf neue Ideen umzusetzen, neue Wege zu gehen und gerade jetzt in der Adventszeit aus den gewohnten Mustern auszubrechen. Überraschendes zeichnet meine Kreativität aus und so wird es in diesem Jahr erstmals zwei Adventskalender bei AstroLibrium geben. Ich werde mich hier auf dem Blog der literarischen Variante dieses Weihnachts-Countdowns widmen. Ohne jede Hektik, ohne Stress und die Verpflichtung die vierundzwanzig Tage bis Weihnachten als Wettrennen gegen die Zeit zu empfinden.

Besucht meinen Literatur-Adventskalender und lasst euch einfach überraschen.

Der literarische Adventskalender

Der literarische Adventskalender

Ihr findet täglich ein aktuelles Buchcover, unter dem sich eine Frage befindet, die ihr sicherlich beantworten könnt, wenn ihr dem Link zum jeweiligen Artikel folgt. Es sind die Herzensbücher dieses Jahres, die euch durch die Adventszeit begleiten. Allerdings werde ich es euch nicht allzu leicht machen mit der Beantwortung der Fragen. Sonst ist es ja langweilig. Aber auch für euch selbst wird es entspannt. Ihr könnt jederzeit in das vorweihnachtliche Rätsel einsteigen, selbst am letzten Tag ist das noch möglich.

Ihr müsst nichts kommentieren, keine Likes hinterlassen oder Lebenszeichen von euch geben. Nein. Sammelt eure Antworten, führt ein privates AstroLibrium-Tagebuch und schickt mir eine Mail mit allen Lösungen. Aber bitte so, dass ich sie den einzelnen Adventskalender-Türchen zuordnen kann:

  • 1. Dezember: Die Lösung lautet…
  • 2. Dezember: Die Lösung lautet…
  • 3. Dezember: Die Lösung lautet… usw.
Hier findet ihr die Frage zum Buch des Tages...

Hier findet ihr die Frage zum Buch des Tages…

Einsendeschluss ist der 26. Dezember 2016. Schickt die Mail an die Mailadresse, die in meinem Impressum angegeben ist. Die meisten richtigen Antworten entscheiden dann über den Gewinner oder die Gewinnerin dieser kleinen Aktion. Es wartet ein tolles literarisches Starterpaket 2017 auf den astrolibrischen Rätselfuchs. Alle Genres sind vertreten, für jeden Geschmack ist etwas dabei und für Groß und Klein ist gesorgt. Na? Habt ihr Lust mitzuspielen, dann herzlich willkommen zum Adventskalender 2016.

Sollten mich mehrere komplett richtige Lösungen erreichen, überlasse ich es den routinierten Händen meiner Losfee, den Weihnachtsrätselfuchs 2016 zu küren.

Wo sind denn die Büchereulen?

Wo sind denn die Büchereulen?

Eulen? Wo sind die Büchereulen?

Tja, das ist die zweite Stufe der diesjährigen Adventsrakete. Vierundzwanzig Eulen aus eigener Züchtung werden pünktlich zum Beginn der Adventszeit ausgewildert und in die Obhut liebevoller Buchhändlerinnen übergeben. Sie sind bereits geschlüpft, sehr gut geschult und freuen sich auf ihre neue Herausforderung. Erstmals geht der Eulen-Kalender in einer Buchhandlung an den Start. Und nicht in irgendeiner…

Die Buchhandlung Lesezeichen in Germering war Schauplatz meines Praktikums und das wundervolle Team um Buchhändlerin Katrin Schmidt wird zu Gastgebern der flatterhaften Eulenschar. Eine Vitrine mit gemeinsamen literarischen Empfehlungen und Tipps zum Weihnachtsfest wird zum greifbaren Adventskalender für die Kunden dieses Büchertempels. Ihr könnt auf Facebook verfolgen, was die Büchereulen in Germering anstellen, wie sie neue Hüter finden und wie spannend das Leben im Herzen einer der schönsten Buchhandlungen des Universums sein kann.

Wir werden sehen, was sich unsere Buchhändlerinnen in den nächsten Wochen alles einfallen lassen, wenn es gilt, geeignete Hüter für die Büchereulen zu finden. Wir sind jedenfalls live dabei und werden auf unseren Facebook-Seiten berichten. Und nun wünschen wir euch eine besinnliche, rätselhafte und spannende Adventszeit mit tollen Überraschungen. Viel Spaß beim Raten, Recherchieren und viel Glück für den Gewinn am Ende der Vorweihnachtszeit.

Die Heimat der Adventseulen - Die Buchhandlung Lesezeichen Germering

Die Heimat der Adventseulen – Die Buchhandlung Lesezeichen Germering

Hier findet ihr unsere Facebook-Seiten:
Buchhandlung Lesezeichen Germering
AstroLibrium

Hier das Filetstück des Starterpakets...Signiert.

Hier das Filetstück des Starterpakets. Signiert.

Am 1. Dezember geht´s los mit dem rätselhaften Adventskalender 2016!

Und nun haben wir auch eine verdiente Gewinnerin. Glückwunsch an

24 Tage literarischer Rätselspaß

24 Tage literarischer Rätselspaß

[Blogger & Buchhandel] – DER ROLLENTAUSCH – Teil 2

Die Gelegenheit ist günstig - Ich blogge dann mal - Eure Katrin

Die Gelegenheit ist günstig – Ich blogge dann mal – Eure Katrin

Rollentausch – Die Fortsetzung. Heute: Die bloggende Buchhändlerin. Nachdem Arndt am 2. Adventssamstag so fleißig bei uns in der Buchhandlung Lesezeichen Germering hospitiert hat, ist es nun an der Zeit, meinen Teil des „Rollentausches Blogger & Buchhandel“ einzulösen. Die Gelegenheit ist günstig, denn währed Arndt auf der Leipziger Buchmesse ist, passe ich ein klein wenig auf seine kleine literarische Sternwarte auf. Na, wenn der wüsste, was jetzt passiert. Ich blogge

Puuuh, gar nicht so einfach, liest man doch als Buchhändlerin Bücher so ganz anders als „Mr Rail“. Ich fliege viel schneller über die Seiten, Zeit für Anmerkungen bleibt nicht und viele Geschichten sind altbekannt und oft liest man nur „Anfang, Mitte, Schluss“. Nach 10% muss mich das Buch packen, sonst kommt das nächste dran.

Nichtsdestotrotz gibt es diese Bücher, die einem auch noch nach Jahren im Herzen bleiben, die man Immer auf Lager hat und so ziemlich jedem ans Herz legen kann, (fast) egal welches Genre der Kunde ansonsten liest. Lange habe ich überlegt, welches meiner Herzensbücher ich für AstroLibrium besprechen soll – es haben sich über die Jahre doch so einige angesammelt.

Blogger und Buchhandel - Zwo Punkt Null _Rollentausch

Blogger und Buchhandel – Zwo Punkt Null _Rollentausch

Schlussendlich habe ich mich für eine Doppelbesprechung entschieden.

Von einer meiner Herzensbuchautoren kam druckfrisch im Januar 2016 ein neues Buch heraus. Die Spannung war groß, wird es die hohen Erwartungen erfüllen, die ich beim Lesen automatisch haben werde? Alles begann 2012. Aber lest selbst:

Das Herzbuch: „Die geheime Tochter“ von Shilpi Somaya Gowda

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Als ich das Buch 2012 vom Verlag geschickt bekam, war ich skeptisch. Das Cover sah mir doch recht weichgespült aus – aber gemäß des eigenen Ehrgeizes, in jedes Buch mindestens. reinzugucken, fing ich eines morgens an zu lesen. Ich weiß noch, es war ein kalter Frühlingstag und ich hatte frei.

Ich las über eine Kavita, eine Frau, die zur Geburt ihrer Tochter in den Wald geht, das Kind auf die Welt bringt und sofort nach der Geburt in ein Waisenhaus in der nächsten Stadt bringt. Ihrem Mann erzählt sie, das Kind sei tot geboren, es war eine Tochter. Ihren Mann bekümmert die Trauer seiner Frau, doch er ist froh, sind Töchter doch nur eine Last und bringen die Familie nicht voran. Das ganze spielt in Indien, irgendwann in den 1990-ger Jahren.

Szenenwechsel: Somer ist eine glücklich verheiratete, erfolgreiche Ärztin deren Leben nicht gegensätzlicher als das von Kavita sein könnte. Zu ihrem Glück fehlt ihr nur noch ein Kind – doch sie kann keines bekommen. Mit ihrem indischen Mann, einem Inder – dessen Kultur ihr jedoch bis jetzt fremd ist – entscheidet sie sich für die Adoption eines indischen Waisenmädchens. Denn Liebe, so ist sie ganz sicher, wird alle Probleme überwinden, die die Adoption eines Kindes aus einer ihr fremden Kultur mit sich bringt. Kommt ihr Mann doch schließlich auch aus Indien.

Im Wechsel werden nun die Lebenswege der beiden Frauen erzählt, und natürlich erfahren wir auch wie es Asha – der Tochter in ihrem Leben ergehen wird.

Kann man sich sein Glück von Familie zusammenbasteln, nur weil man auf der „Sonnenseite“ geboren wurde? Wird Kavitas Leben besser, als sie den heiß ersehnten Sohn auf die Welt bringt? Und wie geht Asha damit um, in einer völlig fremden Kultur aufzuwachsen, erzogen von einer Mutter die sie liebt, der ihre Kultur aber fremd ist?

Das alles ist unglaublich glaubwürdig und nachvollziehbar erzählt. Man fiebert mit, wie Kavita und ihr Mann langsam den indischen Aufstieg schaffen und es von einer Hütte im Dorf zu einem gewissen Wohlstand in der Stadt hocharbeiten, man bangt, ob die Liebe von Somer und ihrem Mann stark genug ist, um zu akzeptieren, dass Asha ihrem Vater immer näher stehen wird als ihr, ihrer „Mutter“?

Restlos überzeugt hat mich Gowda aber in dem Moment, wo sie die fast erwachsene Asha zum ersten Mal nach Indien schickt und sie mit ihrer indischen Stieffamilie konfrontiert, die sie herzlich aufnimmt.

Das Buch ist an keiner Stelle kitschig, die Beschreibungen des indischen Lebens lassen einen fast den Duft und Geschmack des Landes riechen und schmecken, mit all seinen (Wohl)Gerüchen und trotz der schrecklichen Tatsache, dass in Indien Tausende von Kinder abgetrieben werden, weil es Mädchen sind (die Autoren berichtet hierzu ausführlich im Nachwort), verurteilt sie die Menschen und ihr Leben nicht.

Bis zum Schluß hatte ich Angst, dass jetzt noch die große „Wir retten als reiche Amerikaner die indische Familie, weil wir deren Tochter adoptiert haben“- Aktion kommt. Aber Shilpi Gowda hat einen ganz feines Gespür für ihre Protagonisten und ihre Geschichte was bewirkt, dass das Buch einem auch noch nach dem Ende lange im Gedächtnis bleiben wird.

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Ihr seht, das Buch hat mich gepackt – ich habe es seit Erscheinen oft verkauft und verschenkt – dementsprechend war die Vorfreude los, als der Kiepenheuer Verlag für Januar 2016 (fast 4 Jahre nach Erscheinen der „Geheimen Tochter“) ein neues Buch von Shilpi Somaya Gowda angekündigt hat. Ich habe den Verlag halb närrisch gemacht, damit er mir vorab ein Exemplar zukommen lässt – und „Hurra – kurz vor Weihnachten lag es dann in meinem Emailpostkasten.

Eigentlich wollte ich mir das Buch für den Urlaub aufheben, um es ganz in Ruhe genießen zu können, aber die Neugier war zu groß. Gleichzeitig hatte ich Angst – kann das Buch so gut sein wie „Die geheime Tochter“? Der Titel „Der goldene Sohn“ klang nach einem „Abklatsch“ seines erfolgreichen Vorgängers und auch das Cover… naja…. Ich gebe zu, ein bisschen bang war mir auf den ersten Seiten schon……

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Nach 2 Tagen hatte ich den „Goldenen Sohn“ ausgelesen……

Auch die Geschichte von Anil und seiner Kinderfreundin Leena spielt in einem Dorf in Indien (hatte ich erwähnt, dass die Autorin eine Tochter indischer Migranten ist?) Anil ist der älteste Sohn und soll deswegen in die Fußstapfen seines Vaters treten der in seinem Dorf die Rolle eines Friedensrichters hatte. Leena, eine für indische Verhältnisse draufgängerisches und neugieriges Mädchen soll den Mann heiraten, den ihre Eltern nach besten Wissen und Gewissen für sie ausgesucht haben. Eine Rolle, die den Frauen ihres Dorfes seit Generationen zugedacht ist und in die sie sich auch recht glücklich fügt. Sie freut sich auf ihre Leben, wenngleich ihr auch der Abschied von ihrer Familie und ihrem Jugendfreund sehr schwer fällt.

Anil sah sich noch nie als der Erbe seines Vaters – er ist sehr gut in der Schule und die Medizin ist seine große Leidenschaft. Er ergattert nicht nur einen Studienplatz in der nahegelegenen Stadt, er bekommt auch ein Stipendium für eine Assistentenstelle an einer Klinik in Dallas. Auch wenn er seiner Mutter das Herz bricht, schlüpft er nach dem Tod des Vaters nicht in die ihm zugedachte Rolle sondern geht in die USA um dort ein erfolgreicher Arzt zu werden.

Er genießt die Freiheit in seiner neuen Heimat und auch im Job ist er sehr erfolgreich. Die Beziehung zu einem amerikanischen Mädchen verschweigt er seine Mutter aber trotzdem Denn auch wenn in den USA alles viel freier und fortschrittlicher scheint, so bleibt er dennoch innerhalb seines indischen Freundeskreises.

Leena indes hat mit ihrem Mann großes Pech. Ungeliebt und ausgenutzt flüchtet sie nach einer Zeit der Ehe aus ihrem neuen Heim und geht zurück zu ihren Eltern. Dort wird sie zwar herzlich aufgenommen, das Dorf jedoch grenzt sie als „geschiedene“ Ehefrau die ihren Mann verlassen hat dennoch aus.

Auch Anils Leben bekommt einen Dämpfer, als ihm in der Klinik ein schwerer Fehler unterläuft. Er macht sich Vorwürfe und auch die Beziehung zu seiner amerikanischen Freundin zerbricht. Er beschließt sich eine Auszeit zu nehmen und nach Indien in sein Dorf zurückzukehren…. als geübter Leser denkt man nun, man weiß wie es ausgeht – aber weit gefehlt: es kommt anders und noch viel besser! Aber das müsst ihr selbst Lesen.

Was mich an diesem Buch so fasziniert hat ist die Fähigkeit der Autorin sich in ihre Hauptpersonen hineinzuversetzen. Sie lässt den Leser daran teilhaben wie es ist in beiden Welten zu Hause und dennoch nirgendwo daheim zu sein.

Genauso wie in der „Geheimen Tochter“ bewertet Gowda die Umstände nicht, sie beschreibt sie und trotz mancher Dinge, die unserer Kultur fremd scheinen, bekommt man bis zu einem gewissen Grad Verständnis für das Handeln und Verhalten auch wenn man nicht immer alles gut heißt.

Blogger und Buchhandel - Der Rollentausch

Blogger und Buchhandel – Der Rollentausch

Ich bin mir sicher, dass auch „Der goldene Sohn“ eine Platz in meinem Herzbuch-Regal bekommen wird. Und wenn ihr jetzt neugierig auf die anderen Herzbücher von mir und meinen Kolleginnen seid, dann rate ich Euch, die Buchhandlung Eures Vertrauens aufzusuchen und nach mehr „Herzensbüchern“ von mir und meinen Kollegen zu fragen. Sofern Mr. Rail Euren SuB mit seinen Besprechungen nicht schon in ungeahnte Höhen getrieben hat.

Lieber Arndt, ich danke dir für diese wunderbare Gelegenheit in die Rolle einer „Bloggerin“ zu schlüpfen um andere an meinen Lieblingsbüchern teilhaben zu lassen. Wenngleich ich auch nicht 9 Stunden wie du in unserem Geschäft daran gearbeitet habe, so weiß ich nun noch mehr, wieviel Herzblut in deinen Rezensionen und wieviel Arbeit im intensiven Lesen deiner Bücher steckt. Danke, dass du uns daran teilhaben lässt!!!!

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Blogger und Buchhandel – Zwo Punkt Null – Rollentausch – Wir fangen an…

Das Lob der guten Buchhandlung [Ein besonderer Rollentausch]

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„Das Lob der guten Buchhandlung“ ist ein zugleich bibliophiles als auch liebevolles Essay aus der Feder des britischen Schriftstellers Mark Forsyth, in dem er beschreibt, warum es unverzichtbar für einen Leser ist, Buchhandlungen aufzusuchen. Sein hierbei von Donald Rumsfeld entliehener Denkansatz besteht in wesentlichen Grundzügen aus einem didaktischen Dreiklang des Wissens und Nicht-Wissens, den er auf die Welt des Lesens anpasst.

Es gibt Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie wissen. Ich weiß sehr wohl, dass ich „Krieg und Frieden“ von Tolstoi gelesen habe, also muss ich nicht mehr gezielt nach diesem Buch Ausschau halten, da es für mich etwas bekanntes Bekanntes ist. Es gibt Dinge von denen wir wissen, dass wir sie nicht wissen. Ich weiß, dass ich „Shades of Grey“ nicht gelesen habe (was auch so bleiben wird) und demnach muss ich mich auch nicht auf die Suche nach dieser Trilogie begeben. Sie ist damit etwas bekanntes Unbekanntes für mich.

Aber es gibt auch unbekanntes Unbekanntes. Bücher, von denen wir nicht wissen, dass sie jemals geschrieben wurden und nach denen wir demnach auch vergeblich im Internet suchen würden, da wir ja überhaupt nicht wissen wonach wir suchen sollten. Und genau hier bringt Mark Forsyth unsere guten alten Buchhandlungen ins Spiel und schließt den Kreis des Lesens. Wenn nicht hier, wo denn dann finden, was wir gar nicht gesucht haben? Wo einem Buch über den Weg laufen, das uns magisch auflauert und zupackt, wenn wir es gar nicht erwarten?

Blogger und Buchhandel - Der Rollentausch

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Hier fesselt uns bereits „Das Lob der guten Buchhandlung“ als Paradox in sich, da wir ja gar nicht wussten, dass es dieses literarische Kleinod überhaupt gibt, bis es uns von einem guten Freund unerwartet überreicht wird. Unbekanntes Unbekanntes erobert unser bibliophiles Herz im Sturm und führt uns zielsicher zurück in die eigene Buchhandlung des Herzens, um zu finden, was es gar nicht geben kann. Ein Buch, das uns gefangen nimmt.

So und nicht anders fühlte ich mich bei meinem ersten Rollentausch, den ich mir im Rahmen der von Thomas Calliebe und mir ins Leben gerufenen Aktion Blogger & Buchhandel ausgedacht hatte. Blogger schlüpfen in die Rolle ihrer Buchhändlern und diese wiederum schreiben einen Blogartikel für ihren jeweiligen Tauschpartner. Gesagt, getan und mitten hinein in die Buchhandlung Lesezeichen Germering, die mich hier mit offenen Armen als bloggender Praktikant aufgenommen hat.

Buchhändlerin Katrin Schmidt hatte mich zwar vorgewarnt, aber der Verlockung des bibliophilen Essays folgend, musste ich als LiteraturBlogger doch zumindest einmal in meinem Leben Teil eines solchen Tempels der geheimen Wünsche werden und mir die Welt einer Buchhandlung von der anderen Seite des Büchertresens aus ansehen. Sie fühlen, schmecken und auch riechen. Und das am 5. Dezember, also einem langen Samstag in einer Tankstelle der Inspiration in bester Lage.

Blogger und Buchhandel - Der Rollentausch

Blogger und Buchhandel – Der Rollentausch

Erwarten Sie an dieser Stelle bitte nicht, dass ich Ihnen nun tiefe Einblicke in meine heldenhaften Leistungen an diesem Tag gewähre. Denken Sie bitte nicht, ich wäre nun in der Lage, auch nur einen leisen Hauch von dem zu beschreiben was den Alltag eines Buchhändlers ausmacht, oder mir erlauben, einige Momentaufnahmen zum Standard zu erheben. Denken Sie nur nicht, ich wäre jetzt in der Lage zu urteilen, zu werten oder zu kritisieren. Nein. Ich kann Sie nur an meinen Gefühlen teilhaben lassen, die mich durch diesen Tag begleitet haben. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Subjektiv und neutral. Und doch geprägt von meinen Vorstellungen, wie ich diesen Beruf leben würde.

„Das Lob der guten Buchhandlung“ ist viel mehr als ein Essay, denn es steht hier für mich sinnbildlich über diesem Tag. Angefangen mit der einzigartigen Atmosphäre, die mich beim Betreten der Buchhandlung faszinierte. Nicht als Kunde war ich nun hier. Ich fühlte mich, dem gesamten Team sei Dank, als Teil des Ganzen. Und da für mich alles neu war, stürzte ich mich gerne mitten ins Getümmel. Ein Abenteuer für einen Tag.

Hier sollte ich „meine“ Buchhandlung kurz beschreiben. Sie ist wunderschön. Das darf ich so sagen. Das Sortiment spiegelt meinen Geschmack in weiten Teilen wider, die Mischung aus Literatur und NonBook-Artikeln lässt das Gefühl eines bibliophilen Wunderlands entstehen und die kleinen Zettel mit den persönlichen Empfehlungen des Teams verleihen sehr vielen Büchern eine ganz persönliche Note. Und mitten im Laden thront die Burg der letzten Gefährten. Ein augenscheinlich uneinnehmbares Kastell, in dessen Innenhof das Team der Buchhandlung Lesezeichen Germering den Ansturm der lesehungrigen Kunden erwartet.

Blogger und Buchhandel - Der Rollentausch

Blogger und Buchhandel – Der Rollentausch

Umgeben von der Wand der abzuholenden Bücher, einem Kassentresen und einer Arbeitsfläche für zu verpackende Bücher verteidigt die ganze Truppe um Katrin Schmidt diese letzte aufrechte Bastion des besten Lesens. Niemals würde ich persönlich eine solche Trutzburg in einen Laden setzen. Verkaufsprofis würden dies als zu abwehrend und zu geschlossen bewerten. Offen sollen diese Servicebereiche sein. Zugänglich und aufgelockert. Keine Distanz soll aufkommen… Aber was war das hier?

Wenn man jedoch diese Trutzburg aufmerksam beobachtet, erschließt sich die unglaubliche Philosophie, die sich dahinter verbirgt. Es ist das wohl liebenswerteste und offenste Kastell, das ich je in Augenschein nehmen konnte. Jeder Blick wird erwidert, jeder kleinen Begrüßung folgt ein vielstimmiges Echo und da, wo sonst die Burgen über geschlossene und gut bewachte Zugbrücken verfügen, planen diese Buchhändlerinnen ihre gut gezielten und hilfsbereiten Ausfälle aus den offenen Toren ihres Kastells.

Wie bei einem geschützten Bienenschwarm sind sie immer dort zur Stelle, wo sich auch nur die kleinste Blüte einer Frage zu entfalten scheint. Ein letzter Posten bewacht die Kasse und berät von dort, während das Team mit bester Laune in den Tiefen des Ladens lacht, sucht, zur Hilfe eilt, unlösbare Fragen beantwortet, recherchiert und ganz nebenbei auch noch die Neuzugänge in den großen Regalen verteilt. Diese kleine Burg inmitten dieser Buchhandlung ist wie ein Wegweiser des Willkommens und hier wird gar nichts verteidigt. Hier wird erobert: Leserherzen.

Blogger und Buchhandel - Der Rollentausch

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Und genau diese zu erobernden Herzen haben es in sich. Viele Kunden betreten die Buchhandlung völlig zielorientiert, suchen nicht, lassen sich kaum inspirieren, sondern sind auf dem direkten Weg zu einem ganz gezielt ausgewählten Buch. Da bleibt wenig Zeit für Beratung, manchmal scheint sie auch nicht gewünscht. Zugreifen, bezahlen und ab geht die Post. Nur gut, dass der Weg nicht direkt zum Online-Giganten führt. Andere Kunden hingegen fordern den Buch-Therapeuten alles ab. Hier wird gesucht nach den perfekten Weihnachtsgeschenken für die ganze Familie. Nicht allzu dick, auch nicht zu dünn, bitte keine Buchreihe, ein wenig Fantasy, gut recherchiert, vielleicht in Dresden spielend und beste Unterhaltung soll es sein.

Und während ich noch im Geiste meinen Blog durchforste, beginnen die Quellen zu sprudeln. Gute Vorschläge mit Querverweisen werden unterbreitet, Bücherketten werden gezogen, frei nach dem Motto „Wer dies hier gelesen hat, wird auch jenes lieben“ und kulturelle Zusammenhänge werden ganz locker auf den Punkt gebracht. Ob Katrin Schmidt, ihre Kollegin Helen Hoff oder die anderen fleißigen Bücherbienen im Laden, sie alle verfügen über ein unglaublich vielschichtiges Spektrum an bibliophilem Wissen und Erfahrung, wer ihnen hier als Kunde gegenübersteht.

Und immer wenn ich staunend zuhöre und von meinem Praktikum erzähle höre ich den einen Satz: „Den Damen darf man blind vertrauen.“ Und parallel werden Bücher zu festlichen Geschenken, liebevolle Kleinigkeiten mutieren zu herzlichsten Mitbringseln und über allem schwingt die gute Laune mit. Die seltenen Minuten der Ruhe verbringt man an der Kaffeemaschine oder stärkt sich mit Schokolade. Wohl das Zaubermittel an solchen Tagen. Und ich? Ich staune.

Blogger und Buchhandel - Der Rollentausch

Blogger und Buchhandel – Der Rollentausch

Natürlich feiere auch ich mein kleines Bücherfest, wenn es mir gelingt das ein oder andere Buch zu empfehlen, Menschen anzustecken oder einfach neugierig zu machen. Natürlich freut es mich zu hören, dass mich Kunden als „gefährlich“ bezeichnen. Und ja, es ist ein Highlight, wenn mehrere Exemplare von S – Das Schiff des Theseus in Händen der werten Kundschaft den Buchladen verlassen. Besondere Momente gibt es viele. Den Kunden, der in Vorbereitung seines Besuches bei der Layers-Lesung von Ursula Poznanski gleich mehrere Exemplare zum Signieren erwirbt und mit einem Original-Autogramm von der Buchmesse nach Hause geht. Strahlend natürlich.

Hier rücken Blog und Buchhandel ganz eng zusammen. Hier zehre ich von meinem Erlebten, von der Detailtiefe meines Schreibens, von meinen Interviews und dem Lesen in meiner kleinen Sternwarte. Hier entstehen Synergien, die dem Kunden helfen, seinen Weg zu finden. Hier kommen auch erste Ideen für Projekte zur Welt, die wir uns auf die gegenseitigen Fahnen geschrieben haben. Bleibt gespannt. Es wird spielerisch schön.

Was bleibt als Fazit? Dank! Dank, dass ich dieses Tausch-Experiment wagen durfte, dass man mich so nahm, wie ich bin, dass ich Teil sein konnte und vieles sehen durfte, was doch immer verborgen ist. Dank für liebevolle Geschenke für das Kinderheim St. Alban und die dortige Lesenacht am 19. Dezember. Ich sehe die Augen der Kids schon jetzt leuchten. Und vielen Dank für das mir vermittelte Gefühl, ich hätte mich ganz gut geschlagen. (ich liebe diesen Facebook-Beitrag sehr) Und doch bleibt das letzte Wort dem Essay gewidmet. „Das Lob der guten Buchhandlung“ muss wohl in Germering geschrieben worden sein.

Ihr seid grandios,
Euer Raily

Blogger und Buchhandel - Der Rollentausch

Blogger und Buchhandel – Der Rollentausch

[FBM15] Die kleine literarische Sternwarte auf Reisen

[FBM15] Die kleine literarische Sternwarte auf Reisen

[FBM15] Die kleine literarische Sternwarte auf Reisen

Oh, wie ich mich drauf freue. Endlich wieder Menschenmassen, die sich durch enge Messehallen wälzen; völlig unbekannte Menschen, die plötzlich auf einen zustürzen und behaupten, man kenne sich schon seit Jahren von Facebook (die Ähnlichkeit mit dem Hund, der Hauskatze oder der Banane auf dem jeweiligen Profilfoto ist dabei leider immer nur wenig ausgeprägt); Besucher, die am Ende der Rolltreppe in Schockstarre verfallen und in Seelenruhe Hallenpläne studieren (Auffahrunfälle der buchigen Art).

Oh, wie ich mich drauf freue. Koffer-Trolleys, die ihren Besitzern im Abstand von zwei Metern an Teleskopgriffen durch überfüllte Messegänge folgen und dabei wie römische Streitwagen die Menschenmenge durchpflügen; Messe-Heuschrecken, die mit riesigen scharfkantigen Tragetaschen bewaffnet im wildesten Zickzack von einem Giveaway zum nächsten Souvenir spurten, und Menschen, die ohne ersichtlichen Grund ganz spontan abbremsen und sich in entgegengesetzter Richtung durch den Besucherstrom wälzen.

Ich habe es wirklich so sehr vermisst: dieses typische Buchmessegefühl. Und doch befürchte ich, dass wir nicht am Ende der Druckfahnenstange angelangt sind. Es wird sich noch vieles verändern und vielleicht werden wir in diesem Jahr bereits durch ganze Wälder von Selfie-Stangen irren und auf Menschen treffen, deren Messebesuch via ActionCam live in die Welt übertragen wird. Wenn die moderne Technik Einzug hält ist auch der traditionellste Hashtag nichts mehr wert. Dann ist einfach wieder Buchmesse.

[FBM15] Die kleine literarische Sternwarte AstroLibrium auf Reisen

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Und doch ist es diesmal anders. Einige Verlage scheuen den Weg nach Frankfurt und folgen den restriktiven Sparmaßnahmen der Haushaltsabteilungen. Diogenes und der Steidl Verlag hinterlassen schmerzhafte Lücken im Messetrubel und es gilt genau zu beobachten, ob hier ein schleichender Domino-Effekt einsetzt, in dessen letzter und trauriger Konsequenz wir dann in einigen Jahren nur noch vor einem  Amazon-Terminal stehen und uns darüber wundern, was da wohl passiert sein mag.

Für mich ist es nun die insgesamt die zwölfte Buchmesse. Unglaublich aber wahr. Seit 2009 klafft nur die schmerzhafte Lücke „Frankfurt 2013“ in meiner Vita und mit meiner kleinen literarischen Sternwarte bin ich nun bereits zum dritten Mal am Start. Das Spektrum hat sich erweitert und gemeinsam mit Literatur Radio Bayern ist es nun viel leichter, direkt von der Messe berichten zu können und Impressionen in die Welt zu jagen.

Dass man in ganz Frankfurt mit Plakaten vor mir warnt, halte ich zwar für deutlich überzogen, aber wer weiß… Vielleicht ist das ja auch ganz in Ordnung so. Meine Sucht nach Büchern ist ungestillt, und wenn ich auf der Spur neuer Themen bin, mutiere ich zur bibliophilen Plage. Aber ich stehe dazu, mag das Gefühl des plötzlich einsetzenden Speichelflusses, des Zitterns und den Bluthochdruck, der die gerade erst entstandene Gänsehaut in ganz neue Bahnen lenkt. Eigentlich bin ich harmlos. Man darf mich nur nicht eine einzige Sekunde aus den Augen lassen.

[FBM15] Die kleine literarische Sternwarte AstroLibrium auf Reisen

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Tja. Und nun kann es eigentlich losgehen. Die kleine literarische Sternwarte verlegt ihr buchiges Observatorium nach Frankfurt. Ich werde auf allen verfügbaren Kanälen via Facebook, Twitter und auf AstroLibrium berichten, um auch diejenigen von euch auf dem Laufenden zu halten, die es leider nicht in die Messemetropole schaffen. Ich freue mich schon sehr auf viele intensive Begegnungen mit alten Weggefährten und natürlich ewig jung gebliebenen Weggefährtinnen. Haltet einfach Ausschau nach mir, denn ich bin bekannt für meinen Buchmesse-Tunnelblick und da muss man sich schon genau ans Ende des Tunnels stellen und heftig winken. Dann habt ihr mich!

Eine kleine feine und ganz frisch geschlüpfte Büchereulenschar wird mich erneut nach Frankfurt begleiten. Sie freuen sich darauf, Geschwister aus vorherigen „Würfen“ zu treffen und sehnen sich danach, in gute Hände zu kommen. Vielleicht führt euch der Zufall zusammen und ihr könnt künftig mit den gut vernetzten Eulenhütern fachsimpeln, wie man die kleinen Flatterbiester am besten bei Laune hält. Und natürlich freuen sie sich darauf, endlich von euch in Szene gesetzt zu werden, so wie ihre berühmten Idole, denen sie pausenlos im Internet begegnen. Ja, die Eulenfamilie wächst beharrlich.

Damit wir uns nicht verfehlen habe ich einige Veranstaltungen gelistet, bei denen die Wahrscheinlichkeit recht hoch ist, sich über den Weg zu laufen. Ansonsten bin ich natürlich über PN, SMS oder auf anderen bekannten Kanälen erreichbar. Man kann mir auch gerne ein Buch an den Kopf werfen. Ich spüre euch dann ganz bestimmt auf. Ob Buchgefieder, Zwiebel-Plauderecken, Irve liest´s oder andere BuchBlog-Biotope und Freunde meiner Blog-Heimat. Ich freue mich auf euch Herzensmenschen.

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Wo sieht man sich? Wie findet man sich?

Ich bin bei folgenden Meetings auf jeden Fall zu finden und ganz leicht zu entdecken:

Die mit Verlinkungen unterlegten Events sind auf Facebook offen eingestellt, für die restlichen Treffen wurden persönliche Einladungen verschickt und vielleicht haben wir etwas gemeinsam und laufen uns ja über den Weg! Und bei der Virenschleuder-Preis-Verleihung haben wir allen Grund, ein wenig die Tassen zu heben.

Denn alle Nominierten, die es auf die Shortlist geschafft haben, dürfen sich schon jetzt als glückliche Gewinner fühlen, denen ich alle Daumen für diesen Abend drücke. Und wer nicht dabei sein kann – hier geht es am Freitag zum Livestream! Ansteckend!

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AstroLibrium und Literatur Radio Bayern… Die mehr als wundervolle Beziehung geht weiter und wird nach Leipzig auch Frankfurt erobern. Interviews und Gespräche rund um die Welt der Bücher werden den Weg in eure Ohren finden und wir versuchen, die einzelnen Podcasts noch während der Buchmesse dynamisch „On Air“ zu bringen.

Folgende Interviews sind fester Bestandteil des Messeplans:

Buchhandlung Lesezeichen Germering - Der Sondertisch zu meinen Interviews

Buchhandlung Lesezeichen Germering – Der Sondertisch zu meinen Interviews

Zu diesen Interviews existiert im Rahmen unserer gemeinsamen Aktion „Blogger und Buchhandel“ ein Büchertisch in der Buchhandlung LesezeichenSo ist es den Kunden in Germering nun möglich, meine Gesprächspartner zuerst erlesen zu können, dann die Interviews zu genießen und unmittelbar nach der Frankfurter Buchmesse darf man sich dort über einige Autogrammkarten, signierte Plakate, Lesezeichen oder auch mehr freuen.

Die geräuschvolle Atmosphäre auf der Buchmesse garantiert nicht unbedingt das ruhigste Ambiente für diese Radio-Interviews. Aber genau das wollen wir zu euch nach Hause bringen. Die Buchmesse fürs Ohr – so lebendig, wie wir sie vor Ort erleben. Die Artikel zu diesen Gesprächen erscheinen kunterbunt über die Tage verteilt. Bleibt einfach am Ball… 

Und jetzt… Ab die Post mit uns. CU in Frankfurt…

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