Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo - Astrolibrium

Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Der Titel dieser Rezension beinhaltet schon alle Verunsicherungen, die mich beim Schreiben dieser Zeilen begleiten. Eigentlich sollte ein anderer Name dort auftauchen. Der Name des Autors, mit dem man dieses Buch in Verbindung bringt, wie man selten zuvor einen anderen Autor mit seinem Werk assoziiert hat. Antoine de Saint-Exupéry ist zum Synonym für den kleinen Prinzen geworden. Erwähnt man einen Namen zieht der andere automatisch mit ins Feld. Sie zu trennen, erscheint mir wie ein literarisches Sakrileg. Das erschwert meine Herangehensweise an ein Buch, das ich schon jetzt als absolutes Buchkunstwerk bezeichnen muss. Was jedoch die Fragen seiner Entstehung und der Philosophie, die dahintersteckt, nicht beantwortet.

Seit dem 1. Januar 2015 ist der kleine Prinz gemeinfrei. Mir gefällt dieser Begriff in keiner Weise. Vogelfrei klingt da vielleicht besser. Genau 70 Jahre nach dem Tod eines Schriftstellers besteht kein urheberrechtlicher Schutz mehr für eine Geschichte, die aus seiner Feder stammt. Im Rahmen des kreativen schöpferischen Wettbewerbs darf das geistige Eigentum nach Ablauf dieser Schutzfrist kostenfrei und ohne jeglichen Verweis auf den eigentlichen Urheber frei verwendet werden. Ja, wir könnten uns jetzt alle ganz gemütlich an die Schreibtische zurückziehen und unsere Varianten des kleinen Prinzen zu Papier bringen und veröffentlichen, ohne dabei auch nur im Geringsten das Original zu erwähnen. Wenn man nun bedenkt, dass „Der kleine Prinz“ mit über 140 Millionen verkauften Exemplaren zu den weltweit erfolgreichsten Büchern gehört, vielleicht sogar ein lohnenswerter Gedanke.

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Trennen wir jetzt also Antoine de Saint-Exupéry von seinem kleinen Prinzen. Ein Denkprozess, der mir nicht leichtfällt. Das muss ich voranschicken. Nur welchen Zweck kann es nun haben, sein Werk in neuer Form auf den Markt zu bringen? Lassen wir die rein finanziellen Aspekte mal ganz außer Acht. Haben wir es mit Neuinterpretationen zu tun, gar mit einer Hommage an den legendären Schöpfer oder bietet sich erstmals die Chance, ein in die Jahre gekommenes Werk neuen Lesergruppen zu erschließen? Hat „Der kleine Prinz“ in seinem ursprünglichen textlichen und bildlichen Gewand noch eine Relevanz für junge Leser, oder haben wir Erwachsenen ein Werk mystifiziert und damit eine fast schon sakrale Ebene gestaltet, die es für jede Kritik unerreichbar macht? Sind wir zu weit gegangen und haben das Buch denjenigen entfremdet, für die es eigentlich geschrieben wurde?

Haben wir es zu oft mit erhobenem Zeigefinger verschenkt, darum wissend, dass sein Inhalt nicht so leicht zu verstehen ist, wie wir es so gerne vorgeben? Haben wir es zugelassen, dass „Der kleine Prinz“ zum Jakobsweg der Literatur mutierte, den wir als sogenannte „Gutmenschen“ bis zum letzten Blutstropfen verteidigen? Haben wir Paulo Coelho und Saint-Exupéry zu einem transzendentalen Bündel geschnürt, das sich über so manche Glaubensrichtung erhebt? Und wie würde jener abgestürzte Pilot sein Buch heute schreiben, wenn er in die Herzen junger Menschen vorstoßen wollte. Sind seine Bilder noch zeitgemäß? Haben sie noch Aussagekraft oder könnte man sie im Kontext unserer Zeit aktueller gestalten? Wir leben in einer veränderten Gesellschaft. Könnte in diesem Zusammenhang der Kleine Prinz nicht mal transferiert werden?

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Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo (erschienen im Mixtvision Verlag) aufschlug. Eine sehr ambivalente Gefühlswelt begleitete mein Lesen, mein Betrachten der Illustrationen und mein Staunen über ein erzählendes Bilderbuch aus der Feder dieses kongenialen Duos, das schon mit „Die große Wörterfabrik“ und „Die Schneiderin des Nebels“ für Furore gesorgt hat. Ich bin ein großer Fan ihrer Werke. Ich habe sie oft verschenkt und an den Reaktionen junger Menschen bemerkt, wie tief sie berührt wurden. Und jetzt ein echtes literarisches Wagnis unter veränderten Rahmenbedingungen. Wo setzen diese beiden Buchkünstlerinnen an? Was verändern sie? Wo entsteht etwas Neues und was verbleibt von der Ursprungsfassung? Ist es eine Hommage? Öffnen sie jungen Lesern die Tür zu einer Geschichte, die so langsam anzustauben drohte?

Ich zuckte zurück. Blätterte hin, blätterte her, suchte, fand nicht. Eine Hommage? Nein. Dazu müsste man den Urschöpfer erwähnen. „Nach dem Original von…“ oder „In Anlehnung an…“ oder zumindest „Frei nach…“! Aber nein. Antoine de Saint-Exupéry wird im Bilderbuch mit keiner Silbe erwähnt. Und auch der Untertitel des Buches lässt keine Rückschlüsse zu:

Nacherzählt von Agnès de Lestrade
Illustriert von Valeria Docampo

UPDATE zur Erwähnung von Antoine am Ende des Artikels….

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Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

Allein der Begriff „Nacherzählt“ lässt auch darauf schließen, dass in rein textlicher Hinsicht kein Neuland zu erwarten ist. Auch Neuübersetzungen scheuen davor zurück, die weltbekannten Zitate zu verändern, weil ja gerade sie auf immer und ewig für einen hohen Wiedererkennungswert stehen. Klingt wenig konsequent, wenn ich ein Buch neu interpretiere, oder eine Variante veröffentliche, die nur noch an das Original angelehnt scheint. Und so findet man auch in dieser Nacherzählung, was zu erwarten war:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut.
das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

„Du bist für immer verantwortlich für das,
was du dir vertraut gemacht hast.
Du bist für deine Rose verantwortlich.“

„Was bedeutet zähmen?“
„Es bedeutet sich vertraut miteinander machen und anzufreunden.“

Und so finden sich neben diesen uns so sehr ans Herz gewachsenen Zitaten auch die Wegbegleiter wieder, die dem kleinen Prinzen auf seiner Reise begegnen. Hier wird auf die traditionellen Begriffe gebaut. Der Geograf, der Laternenanzünder, der Eitle und der König. Der Trinker und der Geschäftsmann, ein Fuchs, die gelbe Schlange und ein notgelandeter Pilot in der Wüste Sahara. (Ja, wir wissen, um wen es sich handelt.) Hier entspricht der Inhalt der Beschreibung auf dem Cover. Eine Nacherzählung, verkürzt in ihrer Ausführlichkeit, kindgerecht strukturiert und angeordnet, aber eben sprachlich in der Tradition des Originals. Kein Neuland, was auch Liebhabern der Urfassung gefallen dürfte. Auch Rosenliebhaber kommen auf ihre Kosten.

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Und bildlich? Was ist mit den Illustrationen? Neuland? Eine ganz neue Welt? Was hat Valeria Docampo aus den kleinen Zeichnungen aus der Feder von Antoine de Saint-Eyupéry gemacht? Hier erhebe ich mich, rufe laut Bravo und Da Capo, blättere hin und her und staune mir die Augen aus dem Kopf. Ein neuer Kosmos voller Wärme erwartet diejenigen Menschen, die sich auf dieses Buch einlassen. Die alten sympathischen und doch eher amateurhaften (bitte verzeihen Sie mir, Antoine) Zeichnungen haben nie die Ebene der Geschichte erreicht. Womit man heute keinen Erstleser mehr begeistern und fesseln kann, ist hier eine visualisierte Dimension entstanden, die alles Bekannte hinter sich lässt. So liebevoll, detailverliebt und voller Zuneigung zu den Charakteren führt uns Valeria Docampo in ihre Welt des kleinen Prinzen.

Ein Meilenstein, der nicht mit dem Original bricht, sondern es auf eine Ebene hebt, die zeitgemäß und zugleich traditionell erscheint. Farben, Schattierungen und die Mimik der Charaktere strahlen in einer Pracht die nur einer großen Geschichte innewohnt. Ich hatte viel von diesen Illustrationen erwartet. Nach meinem Empfinden haben sie all das übertroffen, was für mich denkbar war. Und selbst wenn Antoine im Buch nicht erwähnt wird, Valeria Docampo hat ihn gezeichnet. Ja, auch so kann man einer Hommage im 21. Jahrhundert Ausdruck verleihen. Ich sehe die Entwicklung der Gemeinfreiheit nicht unkritisch. Ich stehe zu den Aspekten, die mich verunsichern. Eine Entwicklung, die im Lauf der Jahre nicht immer diese erfreuliche Richtung einschlagen muss. Und doch:

Seinen Namen nicht mehr zu erwähnen ist für mich ein literarisches Sakrileg!

UPDATE zur Erwähnung von Antoine am Ende des Artikels….

Meine Herzensempfehlung für die Hintergründe zum Originalbuch ist ein Bilderbuch, in dem selbst ich noch sehr viel gelernt habe: „Der Pilot und der Kleine Prinz“ aus der Feder von Peter Sis. Meine Rezension ist experimentell. Mein Dialog mit dem kleinen Prinzen ist vielleicht gewagt. Manchmal jedoch muss man sich einfach trauen.

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Der kleine Prinz von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo

UPDATE zur fehlenden Erwähnung von Antoine de Saint-Exupéry im Buch:

Nach der Veröffentlichung dieser Rezension hat sich vieles getan. Ein bewegender Kommentar von Valeria Docampo (bitte scrollen) verdeutlichte, dass es nicht Absicht der Autorinnen war, den Namen Antoine de Saint-Exupéry unerwähnt zu lassen. Das zeigt das Foto der französischen Ausgabe, auf dessen Cover er aufgeführt ist. Valeria hat sich mit einigen Verlagen in Verbindung gesetzt, um in den Folgeauflagen dieses Buches in allen Ländern für die Namensnennung zu sorgen. Soeben hat mich auch der Mixtvision Verlag angeschrieben. Ab der dritten Auflage wird das auch hier realisiert.

Ich danke besonders Valeria Docampo für ihre Zeilen, weil für mich kein Zweifel an der Intention bestand, Antoine de Saint-Exupéry mit diesem Buch zu ehren. Jetzt bin ich beruhigt. So sehr… (Fürstenfeldbruck, 27.September 2019)

Der kleine Prinz von e Lestrade und Docampo - Kein Sakrileg - Astrolibrium

Der kleine Prinz von de Lestrade und Docampo – Kein Sakrileg

Der kleine Prinzvon Agnès de Lestrade und Valeria Docampo
Mixtvision Verlag / 56 Seiten / illustriert / Übersetzt von Anna Taube / 15 Euro

„Der Pilot und der Kleine Prinz“ von Peter Sis

Der Pilot und der kleine Prinz - Peter Sis

Der Pilot und der Kleine Prinz – Peter Sis

Da bin ich natürlich ein schon wenig sprachlos, denn wer rechnet schon damit an einem eigentlich normalen Tag in seiner literarischen Sternwarte vom Kleinen Prinzen persönlich besucht zu werden? Wie es dazu kam, könnt ihr bei Julia Groß auf Ruby`s Cinnamon Dreams (Blog leider nicht mehr existent) nachlesen. Sie hat nicht nur ein ganz besonderes Blog-Projekt über Antoine de Saint Exupéry ins Leben gerufen, und in ihren ersten Artikeln viel über sein Leben erzählt, sondern sorgt auch noch dafür, dass seine berühmteste Figur eine lange Reise durch das Blog-Universum antritt, um auf anderen Buchplaneten mehr über ihren Vater zu erfahren.

Mit einem Klick zu den Zimtträumereien von Julia

Mit einem Klick zum Parallelartikel auf  Zimtträumereien von Julia

Nachdem ich also dem kleinen Prinzen seine ersten (zugegeben recht neugierigen) Fragen über meine persönliche Beziehung zu Antoine beantwortet hatte, entdeckte er das wohl einzigartigste und neueste Buch in meiner kleinen Saint Exupéry-Sammlung und bat mich, ein wenig darüber zu erzählen. Wir setzten uns in meine gemütliche Leseecke im Observatorium meiner Bücher, betrachteten die Buchsternenkarten, auf denen ich alle neuen literarischen Fixsterne verzeichnet habe, und vertieften uns dann gemeinsam in das großformatige Zauberkunstwerk.

Vielleicht mögt ihr uns ein wenig zuhören, was wir auf unserer gemeinsamen Reise durch das Kinderbuch Der Pilot und der Kleine Prinz – Das Leben von Antoine de Saint Exupéry“ von Peter Sis aus dem Aladin Verlag erlebt haben. Es ist schon ein ganz besonderer Moment, wenn der kleine Prinz persönlich einen neugierigen Blick in ein Familienalbum werfen kann, das er vorher noch nicht zu Gesicht bekommen hat. Ich war gespannt.

Der Pilot und der kleine Prinz - Peter Sis

Der Pilot und der Kleine Prinz – Peter Sis

Das ist aber groß…

Ja, das ist es, aber es muss ja auch ein großes Leben rein und es ist auch deshalb so groß, weil große Kinderaugen sehr viel Platz brauchen in solchen Büchern, in denen man eine ganze Welt entdecken kann.

Wollen die Kinder das denn wirklich wissen… Ich meine das über meinen Papa?

Oh ja. Und nicht nur Kinder. Glaub mir das. Ich habe deine Geschichte einmal einem Kind vorgelesen und wir haben beide dabei viel gelernt. Wir haben uns zu dir geträumt, deinen Fuchs getroffen und erlebt, dass Erwachsene nicht immer alles so erzählen, dass Kinder sie verstehen. Und als wir auf der letzten Seite angekommen waren, stellte mir das Kind eine Frage.

Welche denn?

Es wollte wissen, wer der „Große König“ ist. Das hat mich berührt, denn es ist ja völlig klar, dass ein kleiner Prinz der Sohn eines großen Königs sein muss und schon waren wir ganz nah bei deinem Papa. Ich habe dem Kind dann erzählt, dass dieser König Antoine heißt und der Herrscher über das riesige Reich der Fantasie ist. Ich habe erzählt, was dieser König liebt und warum er wohl ein so großer König ist, der alle Menschen reicher machen möchte.

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Und das alles steht in diesem Buch?

Nein. Nein, kleiner Prinz, das steht da nicht. Das LEBT in diesem Buch, denn Peter Sis hat die große Welt deines Vaters gemalt und erklärt. Und das hat er so gemacht, dass jeder seinen eigenen Weg durch diese Welt finden kann. Du kannst die Bilder betrachten und saugst die Stimmung der Zeit auf, in der dein Vater lebte. Du siehst wie traurig er war, als er seinen Vater verlor und fühlst, was es ihm bedeutet hat sich vorzustellen, dass sein Vater vielleicht irgendwo auf einem Stern weiterlebt. Und du kannst viel darüber erfahren, was seine Familie und seine Leidenschaft betrifft.

Schau mal Flugzeuge – die hat er so geliebt…

Ja, kleiner Prinz. Ich denke, die hat er deshalb so besonders geliebt, weil er sich ganz frei fühlte, wenn er flog. Und weil er dann vielleicht ein wenig näher an den Sternen war, um an seinen Vater denken zu können. Und aus der Höhe betrachtet, sehen die Sorgen auf der Welt vielleicht ein bisschen kleiner aus. Findest du nicht auch?

Der Pilot und der kleine Prinz - Peter Sis

Der Pilot und der Kleine Prinz – Peter Sis

Ja… das Land lacht ihm sogar zu…schau mal…

So sehe ich das auch. Hier versteht man nur durch ein Bild, was dein Vater geschafft hat. Er hat dem Land über das er flog ein eigenes Gesicht gegeben. Er hat sehr viel über das Fliegen geschrieben, lange bevor du auf der Welt warst. Er hat vielen Menschen die Augen geöffnet für dieses große Abenteuer und für seine Liebe zu diesem großen Abenteuer.

Das kannst du auf den Bildern sehen und Peter Sis erklärt dabei auch noch ganz einfach, was zur gleichen Zeit auf der Erde los war. Was deinen Vater begleitet hat, denn ein guter großer König lebt nicht nur allein. Alles was um ihn herum passiert, bewegt und verändert ihn. Er lebt nicht nur in seiner Fantasie, aber er versucht vielleicht durch seine Gedanken alles besser zu machen.

Weil da unten immer Krieg war, oder?

Ja, kleiner Prinz. Ja. Weil da unten immer Krieg war und die Menschen wohl nicht lernen wollten. Und dein Vater wollte sein Land nicht einfach aufgeben. Er liebte Frankreich, weil seine ganze Familie dort gelebt hat und er wollte nicht, dass böse Menschen dieses schöne Land erobernn.

Deshalb ist er auch im Krieg geflogen. Er hat sein Land beobachtet. Von oben. Und dann hat er darüber berichtet, wie weit die bösen Menschen schon in Frankreich eingedrungen waren. Dadurch wollte er helfen, sein Land zu befreien.

Der Pilot und der kleine Prinz - Peter Sis

Der Pilot und der Kleine Prinz – Peter Sis

Hat er das geschafft? Denkst du dass er das geschafft hat?

Wenn du dir die Bilder von Peter Sis anschaust und alles liest, was er über deinen Vater schreibt, dann hat er mehr geschafft, als Frankreich zu retten. Du weißt, dass er aus Amerika zurückgekommen ist, um für Frankreich zu fliegen. In der Fremde hatte er das Gefühl weit weg zu sein. Wie auf einem fremden Planeten und er wollte so gerne erklären, wie leicht es ist, sich besser zu verstehen. Freunde zu haben und für sie einzustehen. Sich gegenseitig zuzuhören und aufeinander zuzugehen.

Diese schönen Gedanken… das bist du, kleiner Prinz. Du kamst in Amerika auf die Welt und dein Vater hat dich beschrieben und gemalt. Du bist sein schönster Gedanke und deshalb lebst du auch ewig. Das kannst du in diesem Buch so sehr erfühlen und erlesen, betrachten und spüren. Du warst der wertvollste Gedanke deines Vaters bevor er….

Starb?

Vielleicht… er kehrte in den Krieg zurück. Nicht jedoch nach Frankreich. Er konnte nur über sein Land fliegen, weil es den Krieg schon verloren hatte. Er hoffte so sehr, etwas tun zu können und kehrte von einem seiner Flüge nicht mehr zurück. Aber man hat ihn nie gefunden. Vielleicht ist er auf einem der Sterne – ganz nah bei seinem Vater und sieht uns heute auch zu. Er hat es vielleicht nicht geschafft, Frankreich zu retten. Das haben kurze Zeit später ganz viele andere gute Menschen getan. Aber er hat etwas anderes erreicht…

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Was denn?

Deine Geschichte erreichte alle Menschen, als der große Krieg beendet war. Und du hast vielleicht im Namen deines Vaters dafür gesorgt, dass die Menschen auf der Welt sich besser verstehen, weil sie alle deine Geschichte kennen. Der große König hat mehr gerettet, als nur ein einziges Land. Und wenn du dir das letzte Bild im Buch anschaust, dann siehst du wie er fliegt. Wie ein kleines Kind mit wehendem blonden Haar auf dem Fahrrad seiner Jugend, das an dem Flugzeug befestigt ist, mit dem er zum letzten Flug verschwand. Ist das nicht ein tolles Bild?

Hmmm… der Peter Sis muss meinen Papa ganz doll mögen, oder?

Ja, kleiner Prinz. Das ist ganz bestimmt so. Ansonsten hätte er diese große Geschichte nicht so wundervoll erzählen und malen können. Das ist auch deine Geschichte und du siehst, dass sie niemals endet. Auch jetzt nicht. Weil du die Gedanken deines Vaters in dir trägst – und weil du gerade bei Julia wohnst und einige Menschen besuchst, denen du wichtig bist.

Jetzt wird es aber Zeit für dich, oder?

Ja, aber nur wenn ich wiederkommen darf… versprochen?

Du bist immer hier… immer… hab` dich lieb kleiner Prinz und gute Reise…

Der Pilot und der kleine Prinz - Peter Sis

Der Pilot und der Kleine Prinz – Peter Sis